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chen Staates. Es ist der Knotenpunkt, an dem alle Fäden derpolitischen Thätigkeit des Landtags zusammenlaufen: wer hierallein das Bild der beiden Parteien aufsuchte, würde die Wahrheitin keiner Beziehung verfehlen.
Der Redner der ultramontancu Partei (hier sprechen zwar, einseltener Fall, ihrer zwei, aber — ich bcdanrc, den cincn, den Referenten,kann man doch unmöglich cincn Redner nennen) geht von dem Gegensatzder Gleichheit und Ungleichheit aus. ES gebe eine christliche Gleich-heit, die jeden Menschen') als Ebenbild Gottes betrachte und nach derForderung Jedem das Seine d. h. gerecht behandele. Sie werde aber so-gleich zur Carricatur, wenn sie auf das Weltliche übertragen und alsGleichheit der Rechte aufgefaßt werde, dann führe sie ohne Halten zudem Satze: einem jeden nach seiner Fähigkeit, jeder Fähigkeit nachihren Werken — und der Krieg der Armen gegen die Reichen seieröffnet. In kleinen Staaten, wie in dem alten Athen, sei dieseRechtsgleichheit nur für kurze Zeit, in dem großen Römcrrcichcniemals möglich gewesen: im christlich deutschen Mittclalter endlichsei die ständische Ungleichheit Grundlage aller civilisirtcn Staaten ge-worden. Hier habe weder Anarchie, noch Despotismus eine Stellegefunden, jeder sei in seiner Sphäre der Herr seiner Freiheit undmachtlos über die Freiheit der Andern gewesen. Eine Ncichsvcr-fassung, großartig und den Geist der Freiheit athmend, der Kaiservon den Ständen des Reichs, die Fürsten von kräftigen Landstän-dcn und unzweideutigen Privatrcchten umgeben, so war der Ver-fassungSzustand Deutschlands vor der Revolution beschaffen. —
Recht schön und gut! Diese mittelalterlichen Citate sind wahrfür sich allein, aber leider eine große Täuschung, weil sie eben fürsich allein hingestellt werden. Es fehlt die Ohnmacht der StaatS-cinheit und der niedern Klaffen, die Uebcrmacht der Kirche und desAdels. Daß der einzelne Dynast und Ritter im Mittelalter freigenug gewesen, wissen wir freilich. Hören wir weiter.
Dieser ideale Zustand sei untergegangen durch die unseligeGlaubensspaltung, welche zu politischen Zwecken benutzt wurde, und
') „ohne Unterschied des Standes, der Farbe und der Religion",setzt er hinzu. Das kann auch der conscquente Ultramontane mit demSatze „Jedem das Seine" verbinden, es kommt nur darauf an, wasman unter dem Seinen versteht.