67
Dieses, in einem verblendeten Augenblick verfaßte Schriftstücköffnete dein betrogenen Ehemann endlich die Augen, er wiesHumboldt ab, der ältere Bruder Haeftens aber hielt uun dcuAugenblick für gekommen, Humboldt für die beleidigte Ehre derFamilie zur Rechenschaft zu ziehen. Den Couseguenzen seinerHandlungsweise entzog sich Humboldt durch seine plötzliche Abreisevon Bayreuth und Niederlegung seiner amtlichen Stellung, zugleichfaßte er den Plan, Europa auf längere Zeit zu verlassen, ansGründen, die damals nicht auf dem Gebiete der wissenschaft-lichen Forschung lagen. —
Die Geselligkeit in Bayreuth war sehr belebt, das Offizier-Korps besaß ein Liebhabertheater, auf welchem mein (Boßvaterdie ältesten Rollen meisterhaft spielte. Einst wurde er in seinerRolle mit dem Degen angegriffen, mährend der Sohn an derSeite seiner Mutter zuschaute; zürnend brach letzterer bei demAngriff in die Worte aus: „Ledebur willst Du meinen Vater wohlzufrieden lassen," die mit Bravos belohnt wurden. Mein Vaterreiste im Jahre 1797 als Knabe von 8 Jahren mit seiner Mutterzum Besuch der Verwandten zu Schiff den Main und Rhein hinabins Klevesche. Dazu wurde ein mit Steuermann und Ruderernbesetzter, mit einem Verdeck gegen Sonne und Regen geschützterKahn gemiethet, der nach 1—2 Tagen wechselte. Wesentlich vomStrome getrieben, kam man um so langsamer vorwärts, alsNachts die Fahrt unterbrochen wurde, um Quartier im Gasthof,und Mittags, um die Mahlzeit am Land zu nehmen. WeitereAufenthalte entstanden bei den Schiffsbrücken und nicht amwenigsten durch Zoll- und Paßplackereien au den Stationen, dieman zu nehmen gezwungen war. So vergingen Wochen, ehe manden Weg bis Wesel zurücklegte. Vor Mainz märe der Vater beinaheverunglückt, indem er, bevor das Schiff anlegte, über Bord sprang;er glaubte festen Boden vor sich zu sehen, während es nur mittrockener Kruste überzogener Schlamm war. Sofort bis an dieSchultern einsinkend, gelang es nur mit Mühe den am Uferstehenden Soldaten der französischen Republik, die damals be-kanntlich Mainz okkopirt hatte, in Gemeinschaft mit den Schiffs-knechteu, ihn mittels Schiffshaken wieder herauszuziehen. ImRhein unterhalb Bingen fehlte nicht viel, daß Mutter und Sohnden Tod in den Wellen fanden. Das Fahrzeug war nämlich in