Nicht im Vordergrunde und an der Stelle, daraufunser Haus gestanden, weiter zurück, vor'm alteu Garten,steht der neue Bau. Vor ihm deckt schöner, grüner Nasenden Raum, den das alte Haus eingenommen. Ringsum wares still. Nur ein Springbrunnen inmitten des Rasens ließdas Wasser aus der alten Leitung mit leisem Gcplander indas Bassin hinabriescln. Man konnte glauben, das Wassererzähle der neuen, modernen Umgebung von guter alter, vcr-klungcncr Zeit. Es schien mir, als sei dem braven altenHause in der stattlichen Villa ein ihm gebührendes Denkmalgesetzt. Lange habe ich, in Sinnen versunken, vor dem Gittergestanden. Und endlich heimgehend, hatte ich beschlossen, inanderer Weise der lieben Stelle, dem alten Hofe, einen Denk-stein zu setzen, indem ich niederschreiben wollte, was mir vonseinem langen Bestehen aus Erzählungen meiner Großmutterund meines Vaters, sowie aus alten Papieren, bekannt ge-worden und erinnerlich geblieben war. Es könnte das dochvielen der Ur-ur-ur-Enkelkinder der einst dort ansässig gewese-nen Lau gewieschen lieb und wert sein.
Leider ist es den uralten Dokumenten und Schriftenschlecht ergangen. Vor jetzt etwa 16 Jahren war die Blech-kistc, darin die alten Schriftstücke aufbewahrt wurden, vondenen die ältesten, teilweise mit an blau- uud weißscidencuSchnüren Hangenden, umkapselten Siegeln, zu nnterst lagen,aus Verschen offen geblieben. Die Kiste befand sich auf demHausbodcn. Es war, wie man sich später erinnerte, einerder darin zu oberst liegenden neueren Pachtverträge heraus-geholt und nachher in dem unten im Wohnzimmer befind-lichen Schreibpnlte belassen worden Erst nach geraumer Zeitwurde das Offenstehen der Kiste bemerkt. Der Regen wardnrchs Dach hineingedrungcn, bis zur oberen Hälfte warendie Pergamente und Papiere zu einer verfilzten, fauligenMasse geworden. Der Schaden war unhcrstellbar. Jetzt