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Unsere Hauschronik : Geschichte der Familie Hase in vier Jahrhunderten
Entstehung
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XV.

Karl August von Hase.

2ö. August t3vo — s. Januar t8W.

Das Lieben Karl gase's, des nachmaligen Professors Jena, liegt in drei sichergänzenden Aufzeichnungen vor: in den „Idealen und Irrthümern", in welchen erselbst seine Jugend bis zum so. Jahr erzählt, in den unmittelbar sich anschließenden„Erinnerungen an Italien in Briefen an die künftige Geliebte", und in den „Annalenmeines Liebens" h welche den Zeitraum vom so. bis so. Jahr umfassen.

Als über die kvittwe des Stcinbacher Pfarrers, Frau Or. Agner, im Jahr t8lZschweres Unglück hereinbracht, waren ihre Söhne, Karl und Franz, tZ und u Jahre alt.

Der Onkel Hofadvokat in Altenbnrg, bei welchem Karl Aufnahme gefunden hatte,war t8l2 gestorben und sein Haus aufgelöst. Die Mutter hatte den Mnth, den Knabenin Altenburg zu lassen, wo er von Ostern t3tZ an das Gymnasium besuchte. DieMutter schrieb ihm: „Immer, mein guter Karl, hat nur es an Sorgen nicht gefehltund ich habe wirklich der Freuden nur wenig, jetzt ist für mich eine große traurigePeriode meines Lebens, aber im größten Vertrauen ans den gütigen Gott, will ich meinSchicksal geduldig tragen und Niemand durch Klagen lästig fallen." In einer bürger-lichen Familie fand er für 8 Thaler jährlich Unterkommen, zuerst bei einem Gensdarm,dann bei einem Klavierlehrer, nachher mit noch einem Schüler bei einen Fleischer; inder kvohnstnbe wurde kvnrst gehackt. Als er Michaelis t8lZ mit noch zwei Schülernim Häuschen eines Schusters sich Stube und Dachkammer gemiethet hatte, wurde ihnen,als vor der Schlacht bei Leipzig die Stadt voll Russen lag, Einquartierung von zweiSoldaten angesagt, deren Ernährung ihnen so unmöglich schien, daß sie ihre kvohnnngverließen und in die Heimat liefen. Zurückgekehrt ergriff ihn ein schleichendes Nerven-fieber, das doch ohne Krankenlager und Arzt überwunden wurde. Ein Stipendium derverwittweten Gräfin von Schönbnrg als Grundherrin von penig, deren Sohn in denSchulferien Karl's Spielkamerad war, in: Betrag von jährlich so Thalern half zun:Unterhalt, wozu noch der Lohn für ertheilten Privatunterricht im Lateinischen undGriechischen in einem privatinstitnt kam: für die Stunde t8, für bloße Anfsichtsstundennur ü Pfennige. Die Ferien verlebte er in pcnig und Glaucha, hier in: Hanse einer ver-heirateten Tochter seines ehemaligen Pflegevaters.

Ein enger Freundschaftsbnnd umschloß ihn mit zwei Mitschülern, Ferdinand Herbstund Robert Müller, ihre Losungsworte waren mit Anspielung auf die Anfangsbuch-staben: »Kiäes -— Lonstantia — Robur, Glaube, Standhaftigkeit, Kraft; wir wollennicht glücklich werden, aber groß und gut"; es war ein rechtes Schülerleben, abwechselndin Fleiß und übermüthigen Streichen, früh auch schon angezogen von mädchenhafterAnmnth. In den oberen Klassen zeigte sich seine hohe geistige Begabung, besondersim Verständnis der alten Tragiker und der großen Dichter der neuen Zeit; er selbstfing an ein historisches Schauspiel aus der niederländischen Geschichte zu schreiben „diekvage" und Müllner, der Dramatiker und Kritiker jener Zeit, hat es nicht ungünstigbeurtheilt. Am dreihnndcrtjährigen Jubelfest der Reformation t8l? wurde ihm in:Schnlaktns das deutsche Gedicht zur Feier Luthers übertragend Nicht in hochkirch-lichen Gefühlen und Formen, aber in frommer christlicher Sitte war er aufgewachsenund besonders hingenommen von: Thristenthum nach seiner milden menschlichen Seite;er dachte nicht anders, als er werde einmal ein Landpfarrer werden. Aber sein Pflege-vater Or. Dienemann redete ihm zu, Jurist zu werden. So hat er sich auch in LeipzigMichaelis t3l3 als Jurist inskribiren lassen. Die Vorlesungen besuchte er wenig, trieb