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wäre die schöne Sitte der Familicnbibeln und Hanschroniken treu gepflegt worden,es wurde für manches Hans ein Segen aus der sinnenden Betrachtung nachgcborencrGeschlechter erwachsen, wie unter Denen, die ein rechter Familiensinn verbindet, auchdie alltäglichen Ereignisse, Alles, was Rinder und Rindeskinder in Freude und Leid trifft,herzliche Thcilnahme erregt, so würde ans vergilbten Blättern einer Hauschronik dieErinnerung an längst dahingegangene vorfahren ein herzliches Interesse erwecken, auchwenn diese weder selbst berühmte Männer waren, noch durch ihre Lebcnsschicksale he-sonders denkwürdigen Ereignissen nahe gestellt. Auch dann werden sich, öfter als mandenkt, interessante Beziehungen ergeben.
Die beglaubigten Erinnerungen unserer Familie reichen spärlich, aber ununterbrochenfast vierhundert Jahre zurück. Unsere vorfahren sind einfache, schlichte Leute gewesen,die in bescheidenen Verhältnissen lebend in die großen wcltbegebcnheiten nicht verflochtenwaren, auch kaum Außerordentliches erlebt haben. Immerhin ist es nicht häufig, daßeine bürgerliche Familie ihre vorfahren so sicher und weit hinauf kennt, als wir diennsrigcn. Haben auch unsere Voreltern meist nur in engem Rrcis als Geistliche,Beamte und Gelehrte gewirkt, so reichen unsere Familicnerinnernngen doch bis in LuthersHansgenossenschaft, in die Verwandtschaft der panmgartncr, der altberühmten nürn-bcrgischcn Patrizierfamilie; sie zeigen die Schrecken des Dreißigjährigen Rrieges inder Noth eines einzelnen Hauses; sie bekunden wie den Geist des deutschen evangelischenPfarrhauses, so die Pflege ästhetischer Interessen, sie führen hinaus in die Fremde einesgelehrten weltbürgerthnms und hinein in die Zeit der Noth und der Erhebung unseresVaterlands, in das Erwachen der historischen Forschung wie in die Erfüllung alterSehnsucht im neuen deutschen Reich. Die Geschichte eines Volkes vollzieht sich nicht nurin großen weltbcgebenheiten; wer sie verstehen will, muß ihren Spuren nachgehen auchbis unter manches niedrige Dach. Doch ist diese Geschichte unserer Familie nurgeschrieben, um unter uns und unfern Nachkommen das Bewußtsein der Znsammen-gehörigkeit zu stärken und, Gott gebe bis in späte Geschlechter, den Heimgegangenentreue und dankbare Pietät zu bewahren.
Die Erforschung unserer Familiengeschichte im Zusammenhang hat erst Anfang dervierziger Jahre nnsrcs Jahrhunderts begonnen. Mein Vater, der Jenaer Professor,Rarl von Hase, der in seiner Rirchengeschichte so manche, der Vergessenheit fast anheim-gefallene Gestalt zu neuen: Leben erweckt hat, ist in doppeltem Sinne der Historikerunserer Familie. Zwar er selbst hatte, wie ans seinen Ingcnderinncrnngen zu ersehenist, von seinem Vater, den er als 2'/z jähriger Rnabc verlor, nur die erste und einzigedunkle Erinnerung, daß man ihn, den Rnaben, hineintrug in eine Stube voll Lichterund schwarzer Männer um einen Sarg, darin lag sein Vater. Aber früh ist dergeschichtliche Sinn, auch der familiengeschichtlichs, in ihm wach gewesen, von seinesVaters Schwestern, die alle drei die achtziger Jahre erreichten, erzählt er in seinenErinnerungen: „Sie hatten mich sehr lieb und ich frng sie gern nach den alten Zeitenunserer Familie. Sie waren der Meinung, daß wir von lauter Pfarrern abstammten,der erste, von dem sie wußten, Zacharias Hase, Hofprcdiger in bvildenfels zu Anfangdes t8. Jahrhunderts." Das war der Großvater der alten Tanten, diese haben alsodem nachmaligen Rirchcnhistoriker nicht nur von seinein Vater und Großvater, den Stein-bachcr Pfarrern, berichtet, sondern auch von seinem Urgroßvater. Er selbst ist dam: ii:Jena „durch das Aktenstück einer Stipendicnstiftnng weiter hinaufgekommen zu einen:Stammvater Immanuel Hase, geboren t570 zu Auma, gestorben t6N als Diakonns zuJena", den: Großvater des gräfl. Solms'schen Hofpredigers Zacharias Hase.
Die erwähnte Stipendicnstiftnng von: Jahre t583, die Lauenstcin sche, und eine durchVerwandtschaft des Stifters damit zusammenhängende von: Jahre tü78, die Schncide-wcin'sche, haben insofern: Bedeutung für unsere Familie, als das bei den Akten dieserStipendien befindliche Material nicht nur nnsre Verwandtschaft mit den Stiftern, vr. HeinrichSchneidewein und Zvolf Lauenstein in kveimar, dessen Ehefrau eine Schneidewein war,urkundlich nachweist, sondern auch zun: Zweck dieses Nachweises für die Geschichte nnsrerFamilie wichtige Unterlagen und für die weitere Forschung Fingerzeige enthält.