Druckschrift 
[1] (1890)
Entstehung
Seite
135
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wohner und, nachdem schon die Franzosenzeit die Stadt ungeheureOpfer gekostet, hörte durch die Belagerung aller Verkehr nach Außenauf; die meisten Familicu verließen die Stadt, so auch die Calow'schc.Die Gattin des Jnstizcommissars begab si«H mit ihren Kindern 18 l4nach dem kleinen Städtchen Neuwarp am Haff und wartete dort dieEntwickclnng der Belagerung ab. Der Gatte blieb zurück und hüteteHaus und Amt. Die Lage muß nicht ganz ungefährlich gewesen sein,denn er verlebte viele Tage in den sehr hohen Kellerräumen desHauses, in denen noch jetzt ein Kaminofen an die Zeit der schwerenRoth erinnert, aus Furcht vor den Bomben, mit welchen die be-lagernden Preußen ihre getreue Stadt Stettin bewerfen mußten, umden Erbfeind zu bezwingen, der sich erst nach der Niederlage Napo-leons 1815 ergab.") Diese schlimme Zeit hatte auch auf die pekuniäreLage des Justiz-Commissars Calow nachtheilig gewirkt; die eleganteSchimmel-Equipage wurde abgeschafft, und der Kutscher Christian wurdebiederer Hausdiener, der auch bei den vielen Söhnen seines Brodherrngenügend zu thuu hatte.")

Justiz-Commissar Georg Calow hatte, wie schon erwähnt, einezahlreiche Nachkommenschaft, auf deren Erziehung er große Sorgfaltverwendete. Alle seine Kinder waren lebhaft und geistig begabt undwuchsen unter den glücklichsten Verhältnissen auf; sie hatten ihr eigenesReich in dem großen Hause, dem ein schöner terrassirtcr Garten nachdem alten herzoglichen Schlosse zu angehörte. Die erste Erziehungerhielten die Kinder des Hauses durch eine Tante, eine Schwester derMutter, Caroline Lobach, die einen bedeutenden Einfluß auf sie aus-übte, welcher bei Allen noch bis zur letzten Stunde des Lebens zu er-kennen war. Die Tante war unverheirathet und wohnte im elterlichenHanse, ohne an dem häuslichen Verkehr eigentlich theilzunehmcn. Sieerschien selten oder nie bei den Eltern, desto mehr aber fanden sichdie Kinder bei ihr ein, nicht blos zum Unterricht, sondern auch, umihre Mußestunden bei der Tante zuzubringen, welche die Kinder gar

") Nach dm Mittheilnngm der bcrwittwetm Gehclmräthin Marie Steffen,geb. Calow.