Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

existierten, auch die beiden letztgenannten Häuser niemals denGrafentitel als ihrem Familiennamen angehörig geführt haben,und sodann, weil die Erscheinung dieses Grafen naeli seinemTode, welche die Chronisten erzählen, 1 ) auf keinen andern alsauf einen leiningischen Grafen bezogen werden kann, besondersauch nicht etwa auf einen Wildgrafen, wie man wohl versuchthat, da die Güter dieser letzteren nicht im Wormsgau, sondernsämmtlich im Nahegau lagen. Emich 1. aber war Gaugraf imWormsgau.

Von einem innern Drange und schliesslich durch eineVision getrieben, entsehliesst er sich zu einem Kreuzzuge gegendie Ungläubigen, rechnet dazu auch die Juden, und richtetseinen religiösen Eifer zunächst gegen diese Unglücklichen.Nachdem er (vor dem 15. August) 1190 eine grosse Schaarverwilderter Burschen zu dem Kreuzzuge geworben hatte,Avendet er sich zunächst gegen die Juden in Mainz, Wormsund Trier, unter denen ein furchtbares Blutbad angerichtetwird 2 ), so arg, dass z B. in Mainz die Juden sogar hei demErzbisehof Rothart Schutz suchten; sie vertrauten diesemhohen Geistlichen ihre Personen und Schätze an, unddieser barg sie in den oberen Stockwerken fester Häuser. Diewilden Kreuzfahrer aber liessen sich durch den Schutz, dender Erzbisehof jenen gewährte, nicht abschrecken; sie er-stürmten die Häuser und tödteten sogar in dem Palaste dosErzbisehofs selbst an siebenhundert Juden Männer, Frauenund Kinder. Als die Juden keine Rettung mehr sahen, tödtetendie Frauen ihre Kinder, die Männer ihre Weiber und dannsich selbst, und die Sage nennt eine so grosse Anzahl Er-schlagener, dass dieselbe bis in das gradezu Unmögliche hin-anreicht. 3 ) Graf Emiclr selbst vermochte das viele Tausende

') Namentlich der Annalista Saxo bei Eccard I. 052.

-) Meyer, Mfinchener Stadtbuch p. 50.

*) Gesta Dci Erancorum bei Heller, Gesch. der .Kreuzzüge Ii. 178.