Genealogische Geschichte des uradeligen, reichsgräflichen und reichsfürstlichen, standeslierrlichen, erlauchten Hauses Lemmgen-Westerburg. Nach archivalischen, handschriftlichen und gedruckten Quellen bearbeitet von Dr. Ed. Brinckmeier. Erster Band. Mit einer colorirten Wappentafel. Braunsohweig. Verlag von Richard Sattler. 1890. Um Beachtung der Innenseite des Umschlages wird gebeten. Zur geh. Beachtung. Band II folgt binnen Kurzem ohne Berechnung; einzelne Bände werden nicht abgegeben. Die Stammtafeln, der heraldische sphra- gistische und numismatische Theil, die Ehen, Denkspriiche und das Register folgen mit dem II. Band. Druck von Georg "Woli'f, Braunschwoig. 331 Genealogische Geschichte des uradeligen, reichsgräilichen und reichst'iirstli clven, standesherrlichen, erlauchten Hauses Leiningen und Leiningen-Westerburg. Nach archivalischen, handschriftlichen und gedruckten Quellen bearbeitet von Dr. Ed. Brinckmeier. Erster Band. Mit einer colorirten Wappentafel. Braunschweig. Verlag von Richard Sattler. 1890. V o rwort. Wclclic Schwierigkeiten die Aufstellung einer von Irr- thümern freien Genealogie alter Familien, zumal im frühesten Mittelalter, darbietet, hat jeder Geschichtsfreund genugsam kennen gelernt, und doch liefert gerade dieser Zweig der Geschichte das Fundament, auf welchem die Darstellung der Ereignisse sich aufbaut. In Bezug auf Genealogie nun gewähren für die frühesten mittelalterlichen Zeiten eine grosse, ja fast einzige Sicherheit die Urkunden, aber selbst diese reichen nicht immer aus. Abgesehen davon, dass zuvörderst die Ächtheit einer Urkunde festgestellt sein muss, bedürfen auch die in ihnen vorkommenden Namen der Aussteller, wie der Zeugen und der ausserdem darin bezeichneten Personen, oft noch erst der Vergleichung unter sich und mit Thatsachen und Ereignissen jener Zeit, da man bis zum zwölften Jahrhunderte sich fast lediglich der Taufnamen bediente und erst mit jenem Jahrhunderte Familiennamen (die meist von den Besitzungen hergenommen wurden) einzuführen begann. Aber selbst nach Einführung der Geschlechtsnamen kamen die Personen vor, ohne durch irgend einen Zusatz von etwa gleichnamigen Vätern, Söhnen, Oheimen oder Vettern anders unterschieden zu werden, als etwa durch der „Alte" oder der „Junge", in welchem Falle VI dann, zur Vermehrung der Schwierigkeit, der eben noch „der Junge" Genannte sich bald nachher in einen „Alten" verwandelte. Dies ist aber besonders störend dann, wenn (wie das in den uns hier beschäftigenden Familien der Fall) eine grössere Zahl von Emichen, Siegfrieden, Reinharden, Friedrichen vor, neben und nach einander erscheint, was die mitunter herrschende Verwirrung schon allein erklärlich macht. Auch hier können nur eine Vergleichung der Thatsachen und gleichzeitigen Ereignisse, mitunter sogar der Name der Gemahlin, namentlich auch die urkundlichen Jahreszahlen Ordnung schaffen. Aber auch diese letzteren bedürfen zum grossen Theile noch der Reduction, um Jahr und Tag zu ermitteln und nach der jetzigen Zeitrechnung festzustellen. Herrschten doch nicht selten in einer und derselben Gegend die verschiedensten Jahresanfänge, im bürgerlichen Lehen eine andere Zeitrechnung, als in öffentlichen Urkunden, wie denn auch durch die Kalenderreform eine wesentliche Änderung in der Zeitrechnung überhaupt herbeigeführt wurde. Sehr häufig sind die Urkunden auch nach, von dem veränderlichen Osterfeste abhängigen Fest- und Sonntagen, und ebenso von Heiligentagen datiert, welch' letztere, je nachdem derselbe Heilige in verschiedenen Gegenden besonders verehrt wurde, auf eben so verschiedene Wochentage fielen, und der Unkundige dürfte schwerlich im Stande sein, das (keineswegs zu den schwierigen gehörige) Datum: „an der vierten Ferie nach dem Osterabend 1260", oder „diere Brief wart gegeiben an der Mitte Wochin A r on Sancte Wallburge dags", oder „vf den Mitwochen nach dem zwelften dag Epiphania domini zu Latine nach Christi Geburt vierzehn vnd acht Jahre nach Gewohnheit Mentze Bistoms (9. Jan. 1409)", die sämmtlicli in diesem Buch vorkommen, in unsere Zeitrechnung zu bringen. Höchst bedauerlich ist auch das Missgeschick, dass in den grossen Kriegen, namentlich aber durch die französischen vn Raubzüge^ wiederholt die Archive zerstört und geplündert, auch ganze Ladungen von Urkunden nach Paris entführt wurden- von den letzteren sind wenigstens noch Excerpten in Paris vorhanden, und wurden beglaubigte Abschriften davon durch Vermittelung der deutschen Botschaft erlangt. Eben so sind auch die Oberbronner Urkunden, welche sich in Strassburg befanden, in neuerer Zeit nach München ausgetauscht und von da nach Speyer überliefert worden. Das Westerburger Archiv ist das noch ziemlich intakteste. Dies Alles giebt nun für die betreffenden Zeiten ein schätzenswerthes Material; aber bei Weitem die meisten Urkunden sind unmittelbar aus den leiningenschen Archiven geschleppt und sofort auf den Scliloss- liöfen verbrannt, und dieses Verlorene lässt sich durch nichts ersetzen. Ein sehr hülfreiches Material geben die Kirchenbücher un d eben so die Aufzeichnungen gleichzeitiger oder doch nicht lange nachher lebender Leininger, Leiningen-Westerburger und anderer Chronisten. So überaus werthvoll an und für sich ihre Mittheilungen sind, dürfen sie doch nur mit grosser Vorsicht benutzt werden. Sie erzählen oft nur nach Hörensagen, weichen auch in der Datierung von einander ab, und es ist oft schwierig, hier das Richtige zu ermitteln. Um nun in den uns interessirenden Gegenden zu bleiben, so hatte z. B. Cöln dreierlei Jahresanfänge in der Kirche, dem gewöhnlichen Leben und an der Universität In Trier begann man vom 13. Jahrhundert an das Jahr mit dem 25. März, im Bisthum Lüttich am Abend vor dem Ostertage, und in Mainz mit dem 25. December, wie denn in einigen das Haus Leiningen betreffenden Mainzer Urkunden (z. B. in der obigen vom 9. Jan. 1409) ausdrücklich hervorgehoben wird, dass nach dem Mentzer (Mainzer) Styl datiert sei. So erfordert es bei Benutzung der Chronisten und der ältesten Urkunden namentlich auch viel Aufmerksamkeit die Träger gleichen Namens und das von ihnen als geschehen VIII Aufgeführte klar zu legen, zumal in Fällen, wo, wie gesagt, in den Leininger Linien verschiedene Grafen und Herren Emich, Friedrich, Siegfried, Reinhard, nach und mehrmals neben einander erscheinen, sogar zwei Brüder gleichen Namens vorkommen, wo dem Einen das zugeschrieben wurde, was in Wahrheit einem Anderen zugehört. Es geht diese Wirniss so weit, dass sogar einem der Grafen eine Gemahlin zugesprochen wird, welche in Wirklichkeit seine Mutter war. Von grosser Wichtigkeit sind die Nekrolog!en der Klöster, die immer sehr genau geführt wurden; ihr Nutzen für die Geschichte würde aber ungleich grösser sein, wenn die darin angeführten Jahre und Tage immer die Geburts- oder doch die Todestage der Geschenkgeber enthielten, während sie sich mehr darauf beschränken, zwar auch wohl die Todestage der Schenkenden (wegen der Anniversarien), hauptsächlich aber die Daten der Urkunden der betreffenden Schenkungen zu verzeichnen, wie dies grade auch in dem für unseren Zweck so wichtigen Necrologium des Klosters Wadgass und anderer der Fall ist. Unter solchen Umständen ist es nicht zu verwundern, wenn selbst officielle Angaben Irrthümer aufweisen, wie denn sogar in der bei Gelegenheit des langwierigen Rechtsstreites über das Erbe des Landgrafen Hesso, unter dem Titel: „Splendor illustrissimae gentis Leiningensis ab antiquitate repetitus" (als Beilage zu den „Schliesslichen Einreden in Sachen die Lande Graf Hesso's von Leiningen betreffend)", dem Reichsgericht off'iciell übergebenen Genealogie Irrthümer vorkommen, obwohl die Erbansprüehc hauptsächlich auf diese genealogische Deduktion gegründet wurden und die Arbeit einer Zeit angehört, in welcher den Verfassern das Material doch viel reichlicher und sehr bequem zur Hand war. Vieles Licht hierin hat der 1876 gestorbene verdiente pfälzische Pfarrer J. G. Lehmann in seiner Geschichte der beiden Leininger Hauptlinien gebracht; er konnte für die t*m353Säm myrnm Wm, . ; IX Westerburger Geschichte eine vortreffliche Vorarbeit, die handschriftliehe Chronik des Archivraths Knoch von 1762 benutzen, die auch mir zur Verfügung stand, und hat sich durch den wörtlichen Abdruck zahlreicher Westerburger Urkunden ein grosses Verdienst erworben, ebenso durch die Schilderung der ihm genau bekannten territorialen Verhältnisse. Er behandelt indess meist nur die unmittelbaren Nachfolger in der Regierung, und berücksichtigt z. B. die Geschwister in der Regel nur da, wo sie in die Geschichte selbstständig eingreifen. In der hier vorliegenden Arbeit aber kam es darauf an, ohne Unterschied alle Sprossen dieser erlauchten Familien zu ermitteln und Geburts-, Vermählungs- und Todesdaten der einzelnen Glieder nebst deren Gemahlinnen, so Aveit es möglich war, aufzuführen, sowie die von den Einzelnen bekannten Handlungen und Lebensstellungen anzugeben. Aus dieser genaueren Feststellung der Allianccn ergiebt sich, dass die Häuser Leiningen und Leiningen-Westerburg mit Kaisern und Königen blutsverwandt waren und noch jetzt mit fast allen europäischen Regentenfamilien in Verwandtschaft stehen. Die Mutter Kaiser Friedrich Barbarossas, Gräfin Agnes von Saarbrücken, war die Grosstante Graf [Friedrichs II. von Leiningen (j- 1237), und Kaiser Rudolf von Habsburg nannte die Leininger mit Recht seine „dilccti consanguinei," da Graf Friedrich IV. von Leiningen (f 1316) durch seine Mutter, Gräfin Adelheid von Kyburg, Geschwisterkind mit Kaiser Rudolf war. Die 1818 verstorbene, mit Landgraf Georg von Hessen- Darmstadt vermählte Gräfin M. Luise A. von Leiningen-Heides- licim, ist eine Stammmutter der Häuser Preussen, Hannover. Hessen-Darmstadt, Mecklenburg-Strelitz, Sachsen-Hildburghausen, Thum und Taxis, Bayern und Leuchtenberg; eine ihrer Enkelinnen war die von ihr erzogene edle Königin Luise von Preussen, die Mutter des hochseligen deutschen Kaisers X Wilhelm!, so dass Gräfin Luise von Leiningen die leibliche Urgrossmutter des grossen Kaisers war. Die Verwandtschaft des Hauses Leiningen mit dem englischen Königshause, speciell mit der Linie Kent, der die Königin Victoria entstammt, ist bekannt; nicht minder, dass hierdurch das fürstliche Haus mit der deutschen Kaiserin Friedrich, sowie auch andrerseits (von Holienlohe'scher Seite) mit der deutschen Kaiserin Auguste Victoria in naher Verwandtschaft steht. Mit Baden, mit welchem Hause das Leininger Geschlecht vielfach versippt war, steht das fürstliche Haus noch immer in naher Beziehung, da die jetzige Fürstin Marie zu Leiningen, die Gemahlin des regierenden Fürsten Ernst zu Leiningen, die Schwester des regierenden Grossherzogs Friedrich von Baden ist. Das Westerburger, bezw. Leiningen-Westerburger Haus ist ebenfalls vielfach mit hohen fürstlichen Häusern verschwägert, so mit Hessen, Sachsen, Wied, Nassau u. A.; der deutsche Kaiser Adolf von Nassau war z. B. der Schwager des semperfreien Herrn Heinrich zu Westerburg. Nicht minder interessant, als die Alliancen sind die in diesem Werke zu führenden Nachweise über das hohe Alter der Häuser Leiningen und Leiningen-Westerburg, von denen das Leininger Geschlecht den uralten, zur Zeit der rheinfränkischen Herzoge eingesetzten Gaugrafen des Worms- und Speyer-Gaues entstammt, die Landgrafschaft im Wormsgau besass und sieh von Alters her schon „dei gratia", „von Gottes Gnaden" schrieb, während andrerseits das Westerburger (Leinin gen-Westerburger) Haus von den uralten Gaugrafen des Lahngaues herzuleiten ist und seine Angehörigen „semperfreie" Herren waren; beide Häuser genossen das Miinzreclit und viele Mitglieder derselben waren hohe Kirchenfürsten. Aus den eben erwähnten Beispielen über hohe Verbindungen wird ersichtlich, von welcher Bedeutung in Bezug auf XI Genealogie und Verwandtschaft gerade auch die weiblichen Angehöiigen eines Hauses, sowohl die Gemahlinnen, als die Töchter sind, und wie gerade aus den Verwandtschaften manche Vorgänge sich erklären, die an und für sich, ohne Ivenntniss dieser Ursachen nicht erklärlich sind. Ich erwähne hier nur die übe: aus wichtigen Folgen, welche die Vermählung von Graf Emiclis III. von Leiningen jüngster Tochter Lucarde mit Graf Simon von Saarbrück hatte, und eben so die Vermählung der jüngsten Schwester des Landgrafen Hesso, Margarethe, mit Reinhard III., Semperfreien von Westerburg. Aus dem Grunde auch wird man es gerechtfertigt finden, dass der Anhang ein zusammengestelltes Verzeichniss der adligen Allianzen des Hauses Leiningen bringt. Ferner folgen dem jetzigen Stande der Forschung entsprechend, Excursc über die Leiningensehen und Wcsterburg- sclien Siegel, Wappen und Münzen, aus der Feder vor! Graf Karl Eniicli zu Leiningen-Westerburg stammend, der sich seit ca. 16 Jahren mit der Leininger Hausgeschichte beschäftigt, ausser gedruckten Werken auch vieles andre historische Material zu diesem Werke lieferte und manches Neuaufge- fundene an geeigneter Stelle hinzufügte. Nicht leicht auch, aber nothwendig ist es, bei den schon von den frühesten Zeiten an vorkommenden vielfachen Spaltungen sowohl in Haupt- als in Nebenlinien den rechten Faden festzuhalten und sich durch die mitunter gleichlautenden Namen gleichzeitiger oder einander nachfolgender Familienglieder nicht irre führen zu lassen. Dankenswerth vorgearbeitet haben ausser Lehmann: Rühl in den Recherches sur la Maison de Linange-Dabo (Strassburg 1789 fol), und J. M. Kremer, Geschichte des alten Ardennischen Geschlechts (Frankfurt 1785, 4°), mit vielen Urkunden und Regesten. Beide aber beziehen sich nur auf die ältesten Zeiten und dürfen nur mit Vorsicht gebraucht werden, da ihre Conjekturen zum Theil weit abführen XII und nicht geringe Lücken und UnWahrscheinlichkeiten sich hei ihnen finden. Namentlich sind die Stammtafeln in letzterem Werke unzuverlässig, während sein hauptsächlichster Werth in trefflich geordneten Regesten und dem vollen Abdruck zahlreicher, bis dahin noch nicht gedruckter Urkunden besteht, welche, wie auch die in den allbekannten Urkundensammlungen, jedem Geschichtsfreunde Avesentliche Dienste leisten. Für die erste Abtheilung dieses Buches lieferte einen sicheren Führer die von dem „Verein der deutschen Standesherren" und im Jahre 1885 herausgegebene „Stammtafel des mediatisierten Hauses Leiningen", sowohl in Bezug auf sorgsame Forschung, wie auf kritische Sichtung und präcise Fassung ein wirkliches Meisterwerk. Leider ist bis jetzt nur die Tafel des mediatisierten Hauses Leiningen erschienen, doch soll baldigst in gleicher Ausführung die Geschlechtstafel des Hauses Leiningen-Westerburg folgen. Auf alle diese im Buche stets angegebenen Materialien gestützt, glaube ich die Hoffnung hegen zu dürfen, dass wenigstens in Bezug auf Genealogie keine Irrthümer oder wesentliche Lücken sich finden, dagegen in demselben manche in den Chronisten und späteren Schriften sich findende Irrthümer berichtigt, eben so, dass auch die territorialen Angaben in Bezug auf den Familienbesitz des Gesammthauses wenigstens im Grossen und Ganzen zutreffend sein werden. Leicht wird man erkennen, dass ein Hauptaugenmerk auch auf die vollständige Benutzung des gesammten Materials gerichtet war, während eine eigentlich pragmatische Abfassung zu den Unmöglichkeiten gehörte, wenn nicht etwa die Phantasie zu Hülfe genommen wurde. Es galt zuvörderst, die einzelnen Tliatsachen in richtiger Folge an einander zu reihen, und aus ihrer Gesammtheit stellt sich dann von selbst nicht nur ein Bild der Zeit her, sondern es bildet sich auch ein Urtheil über XIII das in dem jedesmaligen Zeitraum Geschehene, über Charakter und Thätigkeit der betreffenden Person, über die Verschiebungen in den Besitzthümern und über die oft viel später erst hervortretenden Folgen früherer Geschehnisse. ^5'TV^V v ■ Ge' W* : -T5V WO-v -^»V -~0 *^ / WB ■•—* •^r-ljV -0>»- >
) Zeile 1708: „Der Edele von Liningen Gräfe Friedrich, so hiez auch der, Ein mcnlich Here gar was er Vest gemuot uf strites werde." -) Eine ausführliche Schilderung der hostbaren (neuerdings wieder zurückerlangten, in der Heidelberger Bibliothek aufbewahrten) Manesse'schen Originalhandschrift durch Graf Karl Emich zu Leiningen - "Westerburg, Herrn von Neu-Leiningen, findet sichin der Zeitschrift „Deutscher Herold 1 ,. 1883. Nr. 10. Es sind darin u. A. alle in der Handschrift enthaltenen Dichter vollständig aufgeführt. •<) Moscherosch, der bekannte satyrische Dichter, war von 1626 an 2 Jahre lang Hofmeister bei den Söhnen des Grafen Johann Philipp II. von Leiningon- Dagsburg-Hartenburg. 4 ) S. v. d. Hagen. Minnesänger IV. 59 bis 61, Gedicht Nr. 13; auch die „Sammlung von Minnesängern durch Rüdiger Manosso" (Zürich, Orell etc.) 1758 bis 1759) 4°. I. 14 und 15. - 37 — Wes mvot ze froideu si gestalt. der scliowe an den vil grünen walt, wie wunneldich gekleidet, der meie sin ingesinde bat yon richer varwo in liehter wat, den vogelin truren leidet, vs hohe mvt mangen don gar rilich svesso wise, hört man von in lvten klano. vor vs der nahtegalen sanc vf griineb'ndem rise. Yon schulde muos ich sorge wol. von froiden git min h'ze zol, die wilo ir grus mir wildet, du min h'ze l)i ir hat ' ach de si mich in sorge lat; got hat si so gebildet, de min h'ze nit enkan noh al min sin erdenke, wie si schöner kvnde sin du minekliche frowe min, du mir wil froide krenken. Aoh rnine süsse ratgebin rat de dv selig mvessist sin, mins h'zen künigine, rat de si mir tu helfe sehin rat de si wende mine pin, vil minekliohu minne, sit dv slos bist vn bant mins h'ze vnn der sinne, so rat ia dest an der zit, min trost min heil gar an dir lit, in diner glut ich br'inne. Mvos ich nv scheide sus vö ir de ich ir hulde gar enbir, o we der leiden verte. di danne gegen pulle tvt min Hb. - 38 — genade scJdenriclles wib, wis goge mir niht so h'rte, seni'te ein dinon mvt, yn sprich vs rotem mvnde zv mir niht wan eht fünf wort, die höhent miner froiden hört, var hin ze gvter stvnde. \ 1 Antwort der Besungenen. In gvter stvnde si diu vart, din lip din sele si bewart, din lob, din heil, din ore. mac dich erwende min gebot, min vlen, min dron de weis wol gor, so wil ich bitten sere, sit de din vart vnwendig ist- so fürest zwei herze in arbeite, de mine vnn och dine hin, da von ich iemer trurig biu, nv si krist din geleite. Ich gebe das Gedieht hier so, wie Graf Karl Emich zu Leiningen- Westerburg es im „Deutschen Herold", Bd. X1Y (1883), Nr. 10 mittheilt. •^L • Das zweite Grrafenliaus Leiningen aus Saarbriickischem Stamme. 1 ) Der Stammvater dieses Hauses war Friedrich II, 2 ) 23 Graf von Saarbrück, der dritte Sohn der Gräfin Luc arge von Leiningen (der einzigen Erbin des ganzen Gebietes), und des Grafen Simon II. von Saarbrück, ihres Gemahls. Da Graf Friedrich I. keine Kinder hinterliess, von dessen Geschwistern aber, bei seinem Tode, nur noch die jüngste Schwester Lucarcle lebte, so fiel das Erbe der Grafschaft Leiningen an diese und ging nach dem Erbrecht auf ihre Kinder über. Das ganze Grafenhaus Leiningen stand also damals lediglich auf diesen zwei weiblichen Augen, da es im Mannsstamme erloschen war. ') Eine ausführliche Genealogie und Geschichte der Grafen von Saarbrück findet man in J. M. Kremer, Geschichte des Ardennischen Geschlechts, besonders der dazu gehörigen Grafen von Saarbrüelc. .Frankfurt 1785, 4°, mit vielen Geschlechtstafeln, Wappen und Urkunden. Doch sind namentlich die Geschlechtstafeln nur mit Vorsicht zu gebrauchen, wahrend die zahlreichen abgedruckten Urkunden von hohem Werthe sind. -) ßiihl nennt ihn Friedrich I. 40 — Ihrem ältesten Sohne, Simon III., fielen ebenfalls nach dem Erbrechte von des Vaters Seite her die eigentlichen Saarbrückischen Güter zu, während ihr zweiter Sohn, Heinrich, dem geistlichen Stande angehörte (s. weiter oben). Die lei- ningensche Grafschaft erhielt ihr dritter Sohn, Friedrich II. 1 ) und nebst derselben, aus der Saarbrücker Verlassenschaft, die Herrschaft Hartenburg. Weil er der Erbauer der Feste Hartenburg war, 2 ) nannte er sich „Herr von Hartenburg", nahm aber, nachdem er von seiner Mutter die Grafschaft Leiningen geerbt, Namen und Wappen der alten Leininger an und wurde der Gründer des aus saarbriieki- schem Stamme entsprossenen zweiten Hauses Leiningen. Schon hei Lebzeiten seines Oheims Friedrich I. (nach dem in einer Urkunde von 1220 enthaltenen Zeugnisse der Wittwe des Grafen Friedrich 1.) nannte er sich einen Herrn von Hartenburg. 3 ) i) Dass Friedlich II. u. Simon IV. von Saarbrück Brüder waren, beweist oine Urkunde von 1223, worin Ersterer den Letztern als seinen Bruder bezeichnet: — ego Fridericus comes de Liningen rogatu et consilio dilecti fratris mei Symonis comitis de Sarbrucken — —. -) Er erbaute sie schon bei Lebzeiten seines Vaters und zwar auf dem leiningenscheu eigenen Erbe seiner Mutter, das ihr vermuthlich schon als Mitgift gegeben war. Leider erbaute er sie auf einem Territorium, welches das Kloster Limburg als ihm zugehörig betrachtete. So lange der Graf, welcher Vogt dos genannten Klosters war, lebte, erhob der Abt keine Keclamation. Als dem Grafen Friedrich aber auf dem Sterbebette die Absolution verweigert wurde, bis er dies geordnet habe, gelobte er Entschädigung, die sein Sohn im Jahre 1249 denn auch gewährte. Die darauf bezügliche Urkunde findet man in Spach, Lettres sur les Archives du Bas-Rhin. Strassb. 1861, nr. 8. Die Hartenburg war auf einem Berge der Hardt erbaut, dicht an der Grenze seiner zukünftigen Herrschaft. 3 ) Orig. Nass. p. 261: — dictus de Hartenburch. — 41 — Die Errichtung des Schlosses fällt 1 ) in die ersten 15 bis 20 Jahre des dreizehnten Jahrhunderts. Es lag in demjenigen Leiningenschen Gebiete, welches wahrscheinlich seiner Mutter schon bei ihrer Vermählung als Mitgift zugetheilt wurde. Dass Friedrich II., ehedem genannt Herr von Ilartenburg, ein geborner Graf von Saarbrück war (also auf keinen Fall, Avie wohl angenommen wurde, ein Sohn, sondern der Neffe Friedrjch's I.), erhellt aus einer Urkunde von 1201, 2 ) Avorin er comes de Saraponte genannt wird; ferner aus einer Urkunde der Wittwe des Grafen Friedrich I. von Leiningen vom Jahre 1220, 3 ) worin sie ihn den Miterben des damaligen Grafen Simon III. von Saarbrück nennt; auch aus einer Urkunde von 1221, Avorin Graf Heinrich von Saarbrück, Bischof von Worms, ihn als seinen Bruder und als den Nachfolger seines Oheims von mütterlicher Seite, Friedrichs I., bezeichnet. 4 ) Friedrich I. Avar also, Avas betont Averden muss, nicht sein Vater, sondern sein Oheim, der Bruder seiner Mutter, er selbst also ein wirklicher Saarbrücken Ganz unzAveifelhaft geht dies auch aus der schon eiwähnten Urkunde von 1220 der AVittive Friedrichs I. hervor; sie sagt darin, sie Avünschte, nach dem Tode ihres Gemahls, des Grafen Friedrich von Leiningen, zu Gunsten der Limburger Kirche über ein Allod zu verfügen, welches ') Nach einer Urkunde v. 1230 bei Rühl; sie befindet sich im Allg. Keichs- archiv zu München unter den aus Strassbürg dahin gelieferten und demnächst an das Speyerer Kreisarchiv übergeführten Urkunden. Es heisst in dieser Urkunde, die Hartenburg sei mala fide et ex tcmeritate auf Liinburgischem üruud und Boden gebaut. -) Crollii Orig. Bipout. I. 209; Sohoepflin, Alsat. dipl. I. 322. a ) Orig. Nass. p. 162. + ) Kremer, Orig. Nassov. 364: Fridericus frater noster, successor Fridorici comitis pie memorie, avunculi nostri. 42 - ihrem Gemahl in der Lahngegend (in partibus Logane) gehört habe. 1 ) „Da sie aber wusste", fährt sie fort, „dass dieses Allod dem Herrn Friedrich, ehedem genannt von Hartenburg, nun Grafen von Leiningen, und dem Grafen von Saarbrück anfallend wäre, 2 ) so habe sie um deren Einwilligung gebeten die sie ihr auch gewährt hätten, und der Graf von Leiningen nebst seinem Bruder, dem Grafen von Saarbrück (comes de Lyningen una cum fratre suo comite de Saarbrucken), hätten, um der Verfügung mehr Gültigkeit zu geben, ihre Siegel an diese Urkunde gehangen. Danach also nannte Friedrich II. sich vor 1220 nur Herr von Hartenburg, damals aber (nunc autem) war und hiess er „Graf von Leiningen", d. h. also, nachdem Graf Friedrich I. von Leiningen (der Gemahl der diese Urkunde ausstellenden Wittwe Gertrud) verstorben (viam universae carnis ingressus) war, und dieser Friedrich IL, jetzt Graf von Leiningen, hatte zum Bruder den Grafen Simon III. von Saarbrück. 3 ) Friedrich II. aber nahm, obwohl ein ge- borner Saarbrücken, nachdem er als Erbe seiner Mutter die Grafschaft Leiningen erhalten, nicht nur den Namen eines Grafen von Leiningen, sondern auch das Wappen der alten Leininger an. Im Jahre 1220 bereits erscheint er in einem Vertrage mit Bischof Heinrich v. Strassburg wegen der Grafschaft Dagsburg, 4 ) ') Uremei', Orig. Nass, II. 162. -) „Sed quia praedictum allodium ad dominum Fridericum dictum quon- dam de Hartenburch, nunc autem comitom de Lyningen, et ad comitem de Sarbrucken devolvendum previdi —." Dass die Grafen von Leiningen der ersten Linie vielfache Allodialbositzungen namentlich im Lahngau hatten, erhellt auch aus Broweri Annal. Trevir. II. 112. a ) Kremer, Orig. Nassov. IL 261. Die Urkunde ist überschrieben: Donatio unius mansi a vidua Friderici comitis de Liningen, ecclosiae Limburgonsi facta, c. annum 1220. 4 ) Wiirdtwein, Subsidia nova VIII. 211. 43 — über welche jedoch späterhin zwischen beiden nochmals Streitigkeiten ausbrachen, die aber 1234 ausgeglichen wurden. Friedlich II. nahm manche Handlungen mit seinem Bruder Simon gemeinschaftlich vor, so im Jahre 1223, wo sie eine Schenkung an die von ihren Vorfahren gestiftete Abtei Wadgass (Wadegozingen), welche auch sonst noch häufig mit Geschenken bedacht ward, machten, l j wie denn auch beide gemeinschaftlich die Schenkung eines Vasallen an das Kloster Hane bei Bolanden genehmigten. 2 ) In demselben Jahre, im Januar, finden wir Friedrich allein als Zeugen in einer Urkunde, worin Kaiser Friedrich II. dem Deutschorden das Privilegium bestätigt, Schenkungen von Reichslehcn zu Eigen nehmen zu dürfen. Schon im Jahre 1221, am 30. November, hatte Graf Friedrich dem Deutschorden den von dessen Gütern zu Businsheim jährlich zu entrichtenden Zins an Geld und Weizen erlassen, wie aus untenstehender Urkunde hervorgeht. 3 ) l ) Kremer Gesch. d. Ardenn.-Geschlechts II. 312. Acta saut hoc anuo inchoante Dom. 1223. -) Remling, Abteien uud Klöster der Kheinl. II. 308. nr. 50: Actum est A. D. 1226. Indict. XIIII., mit 13 leiningenschen Burgleuten als Zeugen. :) ) J. II. Hennes, Cod. dipl. sanetae Mariae Theutonicorum (Mainz, 1845), 64. nr. 59. l'ridericus comes de Inningen in presentis scripti indicio scirc faeimus et posteros et modernos, quod nos nomine nostro et uxoris nostre Agnetis nec non et libororum nostrorum fratres domus Theutonice transmarine, beate Yirgini militantes, ab administralione quinque solidorum et trium maldrorum siliginis, in quibus nobis ex bonis suis in Busiusheim annuatim tene- bantur, et omni modo serviendi, quo nobis servire debebant ex eisdem liberos dimisimus penitus et absolutes.' Verum si deineeps fratres eosdem aliqua bona ibidem contigerit adipisci, que nobis servire teneantur, secundum quod debent nobis volumus ex eisdem servicium debitum exhiberi. Ut autem bec nostra donatio perpetue robur obtineat tirmitatis, scriptum nostrum sigillo nostro signatum cum testimonio illorum, quorum nomiua subsequentur, eisdem fratribus duximus ex- I 3 24 44 ._ In die Oeffentlichkcit scheint Friedrich II. nicht sonderlich gekommen zu sein; seihst bei dem ihm hier und da beigemessenen Streite wegen des Erbes der Grafschaft Saarbrück war nicht er betheiligt, sondern sein Sohn Friedrich III. Dagegen finden wir ihn öfter als Zeugen, so in einer Urkunde Königs Hnirrric fa vdl. für das Kloster Otterberg vom Jahre 1234.*) Auch war er mehrfach mit Privatangelegenheiten, Schenkungen etc. beschäftigt. Er schenkte dem Kloster Höningen das Patronat der Kirche zu Lützelstadt mit Genehmigung Pfalzgrafs Ludwig I. als Lehnherrn, Worms, 2. Juni 1220. 2 ) Eine Confirmation dieser Schenkung und der eines Allods in Wattenheim mit dem Patronat der Kirche daselbst an das Kloster zu Höningen datirt aus dem Jahre 1221. 3 ) Und wenn in einer im Provinzialarchiv zu Coblenz befindlichen Urkunde von 1234, 4 ) worin die Grafen von Sponheim den Gebrüdern Dietrich und Wilhelm von Schwarzenberg ihre Lehne bestätigen, ein Fridericus comes de Lyninga als Zeuge sich unterschrieben hat, so kann auch das nur auf Friedrich H. bezogen werden. Friedrich II. starb zu Anfang 1237. Er vermählte sich noch bei Lebzeiten seines Oheims Friedrich I. mit Agnes (der hibendum. Sunt autem festes: — Fr atres nostrji dominus H enri cus "Wormaci- cnsis; Simon comos Sa'repontanus; Everardus comes de Eberstoiu. Godobertus et Helfricus filius ojus; Bcrtoldus Metensis' et frater ejus Godol- manuus; Conradus dapifer de Munisheim •; Albertus de Lutirsheim; Ulrieus de Grindestat; Ulrieus de Knöringen; Hugo de Mertimsheini et alii quam plures. Dat. Liningen A. D. 1221, festo Andree apostoli, tempore magistri Everhard de Isenbureh. ') Boehmer, Regesta 326. 2 ) Senckenberg Medit. 627; Koch u. Wille, Regesta der Pfalzgrafen am Rhein, 1214 bis 1400. Pag. 6. :f ) Das Original befindet sich im Archiv des Grafen K. E. zu Leining.- Westerburg. S. auch Kremer, Orig. Nass. Dipl. II. 264. 4 1 Fahne, Gesch. d. Grafen zu Salm-Reifferschoidt, II 15 nr. 2S. — 45 — Tochter des Grafen Eberhard III., des Aelteren, von Eberstein, 1 ) welche von 1221 bis 1251 urkundlich vorkommt, deren Todesjahr aber nicht bekannt ist. 2 ) Doch kommt sie im letztgenannten Jahre urkundlich noch mit zweien ihrer Söhne als lebend vor. 3 ) Friedrich II. hinterliess 7 Söhne und zwei Töchter: l) Simon, welcher um 1234, also schon vor seinem Vater starb und dessen Verheirathung sowie seine Erbschaft bei den Historikern, namentlich in Bezug auf die Abstammung seiner Gemahlin mancherlei Irrtliümer veranlasste, hauptsächlich wohl in Folge des Namens Gertrud, den seine Gemahlin wirklich führte. Man machte sie zur Gemahlin des Grafen Friedrich 1. und zu einer Tochter des Grafen Albrecht von Habsburg. Sie war aber keine Habsburgerin, sondern eine Gräfin von Dagsburg, und aus allem, was die Chronisten 4 ) über, sie und ihre Schicksale erzählen, ergiebt sich mit voller Deutlichkeit, dass sie ') Eine Genealogie der Grafen von Eberstein findet sieh in Croliii Orig. Bipont. II, 184. 2 ) Dass sie jedenfalls im Jahre 1263 bereits todt war, erhellt aus einer Urkunde Emichs IV. und Friedrichs III., wo es am Schlüsse heisst: — post obitum nobilis domino Agnetis comitisse, anima ejus requiescat in paco. Die Urkunde ist datirt vom 10. März 1263. — S. Kremer, Ardenn. Geschl. p. 159. 3 ) Otterberger Urkundenbuch, pag. 74, nr. 90. Nach den Beiträgen zur Geseh. d. Georgenkirohe zu Limburg (in den Annalen etc. für Nass. Alterth. XIII. 246 u. 247) hatte die Wittwe Friedrichs (ihr Name ist nicht genannt, auch das Siegel fehlt an der Urkunde, die überdies kein Datum hat) zum Seelenheile ihres Gemahls von ihrem Erbgute im Lahngau eine Hufe mit einem Zins von einer halben Mark an die Georgskirche überwiesen unter Zustimmung Friedrichs III. von Leiningen und seines Bruders Simon von Saarbrücken. Hier heisst die Kirche noch einfach die Georgenkirche, ein Beweis dafür, dass der neue Dom zur Zeit der Ausfertigung dieser Urkunde, die doch ihrem Inhalte nach ohne Zweifel unmittelbar nach Friedrichs II. Ableben erlassen ist, noch nicht geweibet war. 4 ) So ein Chronist in Achery Spicil. H. 637; Albericus ad. an. 1220 u. 1225, pag. 507 und 512. S. besonders auch Schoopflin, Alsat. ill. T. II. Soct. II. c. 2. ') B. Hertzog (Elsäss. Oliron. Bucli III. p. 27) nennt die Grafschaft Dagsburg die älteste Grafschait im Elsass. „Nicht allein die Historie schreibt vor, sondern auch das Dagspurgisch Wappen erweiset, dass Lichtenberg vnd Dags- purg eines Geschlechts seind gewesen, eins vom Tag, das andere vom Liceht, vom Berg den Namen hernämend, dann sie beide den schwartzen Löwen führen; dass aber Tagsburg i och weiter überm Löwen das flandrische Lilienrad iühret, das ist erst hernach zukommen, als das Tagsburgisch Geschlecht auch Grafen in Blandem seind worden wie dann das gedacht Bad mit Lilien bestecket, eigentlich dos Lands Flandern Wappens Gemark ist." — In der Limburger Chronik finden sich folgende Notizen: — „Die uralte Grafschaft Dagspurg liegt ain Breiss- thale, stösst an dio Herrschaft Ochsenstein, das Bisthum Strassburg, die Grafschaft Lützelstein und Waselheim; ist viel davon an das Bisthum kommen." — Im Jahro 938 war Wolfgang, Graf von Dagspurc auf dem Turnier zu Magdeburg; 1080 Graf Sigmund von Dagspurg auf dem Turniere zu Augsburg, und 1165 Ernfridt Graf von Dagspurg auf dem Turnier zu Cöln. — Hugo, Graf zu Dagsburg vermählt mit Hedwig, Gräfin von Egisheim vnd Elsass. Daraus ist abzunehmen, dass die Dagsburger nicht wohl von den Egisheimern stammen können, weil sonst diese Heirath nicht stattfinden konnte. — Bruno Ilctzel, Graf von Dagspurg, war Bischof von Strassburg und Toul (Tull) 1047, ist durch Kaiser Heinrich III. zum päpstlichen Stuhle befördertes Leo IX. (f 1054). — Friedlich, Graf zu Leiiiingen- Dagsburg hat 1140 mit der Stadt Obernohenheim Krieg geführt." -) Hist. des Comtes de Champagne II. 26. a ) Da sie von ihm erst nach einigen Jahren getrennt wurde, so konnte sie nicht fiüher als 1223 zur dritten Ehe schreiten, am wenigsten mit Friedrich II., dessen Frau zwar ebenfalls Gertrud hiess, der aber schon 1220 gestorben war, Thr Gemahl kann kein anderer gewesen sein, als Simon (Friedrich II. Sohn), weder Friedrichs I. Gemahlin, noch viel weniger aber, wie ebenfalls behauptet wurde, dessen Gemahlin in erster Ehe gewesen sein kann. Sie war in Wirklichkeit die Tochter und Erbin des letzten Grafen Albrcclit II. von Metz und Dagsburg 1 ) und der Markgräfin Gertrud von Bälden. Zuerst vermählt mit dem Herzoge Theobald von Lothringen (welcher 1220 starb) und alsdann wegen zu naher Verwandtschaft, 2 ! nach Andern auch wegen Sterilität, geschieden von Theobald, Grafen von Champagne, nachmaligem König von Navarra. 3 ) Mit Graf Simon — 47 — vermählte sie sich 1223, starb aber kinderlos schon 1228 und vererbte auf Simon die Grafschaft Dagsburg oder doch den grossesten Theil derselben. Wirklich wurde Simon von dem Lehnsherrn, dem Bischof von Strassburg, auch damit belehnt, und nannte sich von da an Graf von Dagsburg (Dagsburg, Dasborc, Symundus eomes de Dagesburch, in einer Urkunde von 1224, Simon comes de Dagsburg). 1 ) Es war dies sein Name und Titel, er führte keinen andern und figurirte selbst auf seinem Grabsteine nur als solcher. Simon nahm die Güter seiner Gemahlin als deren Erbe an sich, hatte aber den Kummer, sich durchHlohamWAspremont, Bischof von Metz, die Grafschaft Metz, die Herrschaften Turkestein und Hermstein und die Villen Saarburg und Saaralben entrissen zu sehen. 2 ) Da der Bischof von Strassburg als Lehnsherr ihn in seinem Besitze bestätigt hatte, so kann er selbst, wie öfter angenommen wird, mit diesem Bischöfe nicht in Fehde gerathen sein. Es geschah erst nach seinem Tode, dass der Lehnsherr auf die von ihm hinterlassend! Güter Anspruch machte, und so war es nicht dieser früh verstorbene Simon selbst 3 ,) der nach dem und (Ins bosiiitigt auch die Urkunde vom Jalire 1239 in Schocpfliu Als. Dipl. T. 383, durch welche der über die Erbfolge in der Grafschaft Dagsburg mit dem Bisthum Strassburg entstandene Streit zwischen dem Bischof Berthold I. und Friedrich I1J. verglichen worden ist. Hieraus ergiebt sich wohl auch der Grund, warum (nach der Urkunde in Wotickcr, Appar Archiv. Praesid. nr. 2. pag. tfil) Kaiser Friedrich in diesem Streite sich des Leiningenschen Grafen wider den Bischof von St'assburg angenommen hat; es wirkte hier ohne Zweifel das verwandtschaftliche Verhältnis? mit, welches zwischen dem Kaiser und dem Grafen Friedlich bestand, denn die Mutter dos (Kaisers Friedl ich Barbarossa, Gräfin Agnes von Saarbrück, war die Grosstante Friedrichs II. von Leiningen, des Stifters des zweiten Leininger Geschlechts. ') Ausführliches über die Grafschaft Dagsburg findet man in: de Boauliou „Lc Comto de.Dagsbourg aujourd'hui Dabo ' 2. Edit. Paris, Lo Normant. 1858. 1) Tabouillet, ilist. de Metz, 11. 427 ff. •') Achery Spicil. II. 637. Mtäi . fe Tocle seiner Gemahlin die Grafschaft Dagsburg mit bewaffneter Hand forderte, sondern Friedrich III., der die Grafschaft als Erbe seines verstorbenen Bruders Simon in Besitz nahm. 1 ) Der Investiturbrief (vom 5. Juli 1228), worin der Bischof Berthold von Strassburg die Schlösser Girbaden, Dagsburg und das Kloster Hessen verleiht, war besiegelt von dem Bischof Heinrich von Worms, gebornem Grafen von Saarbrück, der darin als patruus (Oheim von väterlicher Seite) des Grafen Simon bezeichnet wird; — gleichfalls ein Beweis, dass Simons Vater, Friedrich II., dem Hause Saarbrück angehörte; denn wenn der Bischof Heinrich von Worms, geborner Graf von Saarbrück, der Vatersbruder Simon's war, so musste natürlich auch sein Vater ein Saarbrücker sein. Gleichfalls besiegelt ward diese Urkunde von Friedrich II., Simons Vater (et patris sui comitis de Leiningen), ein mehr als genügender Beweis, dass Simon, Graf von Dagsburg, der Sohn des Grafen Friedrich II. von Leiningen (gebornen Saarbrückers und Bruders des Bischofs Heinrich von Worms, gleichfalls eines Saarbrückers) war, und daraus ergiebt sich denn auch, dass Simon von Dagsburg der Enkel des Grafen Simon II. von Saarbrück und der Gemahlin desselben, der Gräfin Lucarde von Leiningen, war 2 ). Uebrigens wird Simon selbst, wie schon erwähnt, nicht ') In der oben angeführten Stelle heisst es: „Ipsa (Gertrudis) vero eomiti de Lignigne nupsit; sed non post multos annos ambo mortui sunt. Ita comitatus de Dasporch haeredo caruit .... Metensis episcopus Joannes audiens defectum haeredum illius oomitatus quaedam castra soilieet Herneshere et Turquehem et quaedam oppida peroptima videlicet Alben et Salaboroh et eomitatum civitatis Metensis et terras et homines, quae omnia comes de Dasporche a priscis tein- poribus nomine feudi possesserat, ab eodem episcopo ad jus et proprietatem Metensis episcopii transsumsit. Frater vero dicti comitis defuncti ad Castrum Dagsporch cum armis voniens, ipsum obtinuit. Yergl. auch Schoepflin Alsat. Uustr. pag. 479 und 491 und dessen Hist. Zaringo-Bad. III. 104. -) Dass Simon der Erbe seiner Gemahlin Gertrud von Dagsburg war, gellt auch aus folgenden Nachrichten hervor. So sagt Albericus ad an. 1211 — 49 — einmal auf seinem Leichensteine als Graf von Leiningen bezeichnet. 2. Friedrich III., der Nachfolger des Vaters und Stifter 3.1 der Altleininger Linie. 3. Emich IV., Stifter der bereits unter seinem Sohne 42 wieder erlöschenden Landecker Linie. 4. Heinrich, am 27. Octbr. 1245 zum Bischof von Speyer 26 erwählt, als welcher er auch 1254 und gleichfalls 1256 vorkommt 1 ), starb am 18. Jan. 1272 2 ). Schon im Jahre 1254 hatte er, für den Fall des Ablebens des bisherigen Bischofs Hermann, vom Papste Innocenz IV. die Anwartschaft auf das Bisthum Würzburg erhalten, musste aber seinem Concurrenten Iring von Rainstein weichen und kehrte nach Speyer zurück. Er war ein treuer Anhänger des Papstes Innocenz IV, und einer der Wähler der Gegenkönige Heinrich Raspe, Landgrafen in Thüringen, und Wilhelms Grafen von Holland, dessen Hofkanzler er gewesen. So finden wir ihn 1247 als Zeugen in einer Urkunde, in welcher sich König Wilhelm wegen des Kirchenstaates gegen Papst Innocenz eidlich verbindlich macht 3 ). ,.Obiit Albertus eomes Dagsburgensis et dominus de Moba, relinquens paroulam filiam et elegantem Gertruden! nomine. Sodann ad an. 1225: Comitissa Gertrudis cum esset hacres unica de Daborch et de quodam Castro Leodiensis dioecesis quod Maha (?) dicitur, cum appenditiis, et esset primo ducissa Lotbaringiae, deinde comitissa Gainpaniae, novissime vero de Linenges comitissa, tandem moritur sine haerede. Longas concertationes habuit Metensis episoopus contra comites qui castra dictae comitissae sibi vindicabant, maxinie ex vicinitate, et ille de Linengis ex dote vel remanentia nxoris, quae recipere debebant e manu episcopi, qui per comitem Barii (Grafen von Bar) de ipsis triumphum obtinuit. 1 ) Würdtwein, Subsid. dipl. IX. 197; XII. 172 und 176. 2 ) Senckenberg, Selecta VI. 184: obiit A. D. 1272 in festo Priscae virg. Vergl. aucb Würdtwein, Subsid. nova I. 140; Trithem. Chron. Sponheim, in den Oper, bistor. II. 291; Fahne, Gesch. der Grafen von Salm - Reifferscheidt Bd. I. Ahth. II. p. 46 und 54. •) Würdtwein, Subsid. nova XI. 24: In castris apud Engelheim; — Beinling, Bischöfe v. Speyer I. 479 ff; Mone, Zoitschr. für Gesch des Oberrheins VI. 455; s. auch Würdtwein, Subsid. dipl. IX. 197. Brinckmeier, Lemingen. 4 Auch in seiner Eigenschaft als Bischof von Speyer finden sich von ihm Urkunden, so vom 23. Juli 1251, datum Kestenburg, wodurch er den durch Johann von Wachenheim ververmittelten Vergleich wegen des Weihers zu Ganherhin zwischen dem Kloster Heilsbrück und Anton Sniddeloch vermittelt (Zeuge ist Emich IV.), und 1269 in einer Urkunde, in welcher sein Bruder Berthold, Bischof von Bamberg, den Herzog Ludwig von Bayern mit der Burg Hoenstein belehnt 1 ); sodann in einem Erlasse von 1261, worin er den Nonnen im Bergkloster zu Worms einen 40tägigen Ablass ertheilt 2 ); ferner in einer Urkunde vom 3. Mai 1262 in Bezug auf die Uebersiedelung der Klosterfrauen von Heilsbrück nach Wapponhofen und auf die Erwerbung der Leiningenschen Güter und Rechte daselbst und in Edenkoben von Graf Emich IV., seinem Bruder 3 ). 5. Bertold, zum Bischof von Bamberg erwählt, starb am 17. Mai 1285. Im Jahre 1269 verleiht er dem Herzoge Ludwig von Bayern die Burg Hoenstein 4 ). 6. Eberhard, der im Jahre 1260 in Worms als Dominikanermönch lebte. Er ward nach seinem Tode ursprünglich in dem Klosterkirchhofe beigesetzt, dann aber, und zwar auf Veranlassung seines gegen die Dominikaner aufgebrachten Bruders, wieder ausgegraben und auf dem Friedhofe der Kathedrale beerdigt. 8 ) In einer von ihm und seinem Bruder Friedrich III. ausgestellten Urkunde bekunden dieselben, das ') Würdtwein, Subsid. nova I. 173. 2 ) "Worms, in die sanctorum Joannis et Pauli (26. Juni) 1261. Original (lateinisch, auf Pergament mit wohlerhaltenem Siegel) im Archiv d. Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg. 3 ) Acta sunt haec anno Dom. 1262 Spire in palatio nostro in die inven- cionis sete crucis. (Mit 4 Siegeln in rothem Wachs an gelbrothen Schnüren). 9 S. oben unter Nr. 3 Emich IV. 5 ) Habebat etiam (Henricus episcopus Wormatiensis) filium fratris sui comitis de Leiningen in ordine Praedicatorum nomine Eberhardum, qui obiit in eadem domo, et sepultus in area fratrum ibidem, quo accedens eum eflodere — 51 — Kloster Otterberg habe an Ritter Philipp von Karlebach und dessen Gemahlin um 60 Pfund Heller 20 Juchart Landes in Karlebach verkauft und dem Ritter als Zinslehen überlassen, am 4. April 1261A). 7. Walram, war um 1284 noch am Leben, da er in 29 diesem Jahre dem Kloster Otterborg die Hälfte seiner Güter zu Ubenheim vermacht 2 ). Nach dem Testamente des Bischofs Heinrich von Worms war er Domprobst daselbst; vom 16. August 1284 ist sein bereits erwähntes Testament Er war Domprobst zu Worms und Probst zu St. Guido in Speyer. 3 ) 8. Eine Tochter, deren Name nicht ermittelt ist; man weiss nur, dass sie 1267 als Gemahlin eines Herrn von Yinstingen lebte. 9. Elisabeth. Sie hatte zum Gemahl Wernher V., Herrn 30 von Bolanden, königlichen Ilofschenk und Reichserbtruchsess, und starb zwischen 1286 und 1296. Das Geschwisterverhältniss der Kinder Friedrichs II. er- giebt sich aus folgenden Daten: Yon Simon von Dagsburg ist schon oben die Rede gewesen, und über Friedrich III. von et eonvoeato toto clero jussit portari eum et honeste sepeliii in claustro ecolesiae majoris, berichtet Kremer, Ardenn. Gresehl. p. 162, aus einer alten handschriftlichen "Wormser Chronik. ') Er bezeichnet sich in dieser und einer Urkunde vom März desselben Jahres als Bischof, während er in der Stammtafel des mediatisirten Hauses Leiningen als Mönch aufgeführt ist. Es erklärt sich dies daraus, weil er gleich nach seiner etwaigen Erwählung sich Electus (erwählter Bischof) nannto, freilich diese Stellung, trotz seiner Erwählung, nicht erhielt. 2 ) Eemling, Otterberger Urkundenbuch p. 182. nr. 237. Diese Urkunde siegelten zur Bekräftigung der Vatersbruder Walrams, Eriedrich der Alte und sein Bruder Emich. Datiert: — A. D. 1284 in crastino assumptionis b. Virginis (16. August.) a ) Würdtwein 1. c.IX. 196 u. 197: — Praesentibus infra scriptis .. . Walramo praeposito fratre nostro; und unter den Zeugen das Kreuz desselben: -f- Walrami praepositi Wormatiensis ecclesiae. 4* — 52 Leiningen, sowie über Emicli IV., wird weiterhin verhandelt werden. Friedrieh und Emich theilten die Leininger Lande und wurden bei dieser Theilung als Brüder hingestellt. 1 ) Bernhard war der Bruder Emichs, Heinrichs und Walrams, nach einer Urkunde von 1269. 2 ) Eine Urkunde von 1262 stellt den Bischof Heinrich und Emich IV. ebenfalls als Brüder hin, und Walram war nach dem Testamente des Bischofs Heinrich von Worms gleichfalls dessen Bruder. Dass auch der Predigermönch (auch als Electus bezeichnet) Eberhard der Bruder des Bischofs (und also auch der Brüder desselben) war, geht aus der weiteroben in einer Note angeführten Stelle aus der alten Wormser Chronik hervor. ') Lünig, Spicil. saeo. I. 381. 2 ) Tolner, Cod. dipl. palat. p. 80; Falckenstein, Cod. Nordgau. p. 59. Von Friedrichs II. Söhnen • stiftete Friedrich III. die Altleininger, Emich IV. die Landecker Linie. A. Die Linie Alt-Leiningen. Ihr Gründer war: Friedrich III. 31 auf Altleiningen, -welcher theils durch seine Stellung, theils in Folge der damals mehrfach eintretenden unruhigen Zeiten, theils auch durch wichtige Anordnungen in seiner Familie, häufig erscheint und, zumal in der Rheingegend, eine bedeutende und hervorragende Rolle spielte. Er suecedirte kraft der von dem Bischof Berthold von Strassburg dem Grafen Simon er- theilten Belehnung seinem kinderlos verstorbenen Bruder in der Grafschaft Dagsburg und theilte 1237, nach des Vaters Tode, mit seinem Bruder Emich IV. die väterlichen Besitzungen, wobei er die eigentliche Grafschaft Leiningen, das Landgericht im Wormsgau und die Burgen Hartenburg und Grevenstein nebst den dazu gehörigen Ortschaften etc. erhielt. Es entstanden dadurch zwei Linien, von denen jedoch die jüngere, von Emich IV. begründete Landecker Linie noch in demselben Jahrhunderte wieder erlosch. Nach seines Bruders Simon Tode brachen wegen der Grafschaft Dagsburg wiederum sehr ernste Zwistigkeiten aus. Friedrich III. hatte 1234 die Dagsburgischen Lehen, welche von dem Bisthum Strasshurg herrührten, als ihm zufallend ohne Weiteres hingenommen, der Bischof von Strasshurg aber focht dies als Eigenmächtigkeit an und erklärte ihm den Krieg; da jedoch Kaiser Friedrich II., als Verwandter, auf Friedrichs Seite gegen den Bischof auftrat 1 ), so kam im Juni 1241 a ) ein Vergleich zu Stande, in welchem beide Brüder auf Gir- baden, das Bruschthal und die Burg Ringelstcin verzichteten, dagegen die Grafschaft Dagsburg mit allem Zubehör, wie sie früher Graf Simon besessen, Renchen und Anderes dem Leininger Grafen zufielen 3 ), wodurch diese Burg dem Hause gesichert und die Macht des letzteren im Elsass begründet wurde. Die ihm von den Burgleuten vorenthaltene Burg Starkenburg ward ihm im Jahre 1253 unter Bischof Gerhard von Mainz wieder zugesprochen 4 ). Wie sehr dabei Kaiser Friedrich auf der Seite des Leiningers stand, erhellt z. B. daraus, dass er am 10. Juli 1237 *) Schoepflin, Als. ill. II. 491; Böhmer, Regesten p. 173. 2 ) Nach Schoepfliti 1. o. I. 383, oder, nach Mone, Zeitschrift für Oberrhoin IY. 273, im Jahre 1241 (Lehmann hat das Jahr 1238). :i ) Transaetio Bertholdi I. Episcopi Argentorati cum Friderico comite Lining. super comitatum Dagisburg an. 1239. — Berchtoldus D. Gr. episcopus Argent. universis . . . salutem in domino. Noverint universi quod orta discordia inter nos et ecclesiam nostram ex una parte, et dilectnm consanguineum nostrum et varallum Fridericum comitem de Liuingen ex altera, super feodo castri de Ragesh urg et quibusdam villis adjacentibus eidem castro cum munitione quadam in Grirbaden cum vinea adjacente . . . Uebrigens wird auch in dieser Urkunde bestimmt ausgesprochen, dass Simon von Dagsburg der Bruder Friedrichs III. war: „prout bonae memoriae Symundus frater suus .... dum vixit, a nobis tenebat in feodum . . . . concessimus eidem . . Von demselben Tage datirt ist Friedrichs Anti- graph, mit den Siegeln des Bischofs Conrad von Speyer, des Probstes B. von Aquileja u. seines Ebersteinischen Oheims, bei Lamey p. 3 u. in Laguille, Hist. d'Alsace. Preuves p. 38, in welch letzterem Werke aber in den Namen, nach französischer Weise, viele Fehler vorkommen. 4 ) Guden, Cod. dipl. Mogunt. p. 633. — 55 — von Speyer aus den Strassburger Bürgern Sicherheit und Schutz für ihre Personen und Güter versprach, wenn sie in dem Streite ihres Bischofs Berthold mit dem Grafen von Leiningen sich neutral verhielten 1 ). In der Urkunde, in welcher Friedrich der Strassburger Kirche seine Güter Wingen, Rothalben und Guntersblum zu Lehen aufträgt, bezeichnet er die Gräfin Lucarde von Saarbrück als seine Grossmutter, — ein abermaliger Beweis, dass sein Vater Friedrich II. nicht der Sohn Friedrichs I. von Leiningen, des Bruders dieser Gräfin Lucarde sein konnte, sondern der des Grafen Simon von Saarbrück; denn war Gräfin Lucarde die Grossmutter Friedrichs III., so muss sie die Mutter Friedrichs II. gewesen sein. In dieser nämlichen Urkunde erwähnt Friedrich III. seinen Bruder Emich (ego et frater meus Ernico), sowie den Propst Berthold von Aquileja und Otto von Eberstein als seine Oheime von mütterlicher Seite (et avunculorum meorum Berthokli praepositi de Aquileja et Ottonis de Eberstein), wonach denn auch seine Mutter Agnes eine Gräfin von Eberstein war. Schon frühzeitig erscheint er auch nachher in vielen Urkunden. So schlichtet er 1288 einen Streit zwischen drei Rittern von Lautersheim: Erfried, Hermann und Walter, über das Präsentationsrecht zur dortigen Pfarrei 2 ). Im Jahre 1239 übernimmt er eine Bürgschaft für den Wildgrafen Conrad 3 ), und bezeugt 1242 einen Vertrag zwischen dem Erzbischof Siegfried von Mainz und dem Wildgrafen, Raugrafen und Grafen Won Sponheim 4 ). Am 7. März 1269 zu Worms nahm ') Wencker, Apparat. Archiv, p. 161; Wiegand, Strassb. Urk. I. 19. 2 ) Acta sunt hec in villa Watdenheim anno gracie 1238, mense Maio, quarto die ejusdem mensis. Original (auf Perg., latein, Siegel fehlt) im Archiv des Gr. K. E. zu Leiningen-Westerburg. 3) Guden, I. 561. nr. 229. *) Guden, I. 571. nr. 235. — 56 — König Richard (der einen elfjährigen Sohn bei sich hatte) den Grafen Friedrich unter seine Hofleute (in suarn fämiliaritatem) an, empfing von Phil, von Falkenstein die Regalien und schrieb auf Sonntag Jubilata (14. April) einen Reichstag aus 1 ). — In Begleitung Kaiser Rudolphs nach Italien ercheint er als Zeuge in einer Urkunde, worin Rudolph dem Bischof von Passau den Innzoll zu Obernberg, den das Kloster aus Kaiser Friedrichs Verleihung besessen, bestätigt 2 ). Ebenso bezeugt er die wichtige Verordnung Rudolphs, dass kein geistlicher Fürst ohne Genehmigung seines Capitels neue Lehen vergeben dürfe 3 ). Ebenfalls aus Wien (vom 14. Mai 1280) datirt ist eine Urkunde Rudolphs, worin er bekundet, dass er den Grafen Friedrich von Leiningen zum Burggrafen von Hagenau angenommen habe 4 ). Immer noch in Kaiser Rudolphs Begleitung, ward Friedrich von letzterm 1281 zum Schiedsrichter in den Händeln zwischen dem Erzbischof Wernher von Mainz und den Grafen Johann und Heinrich von Sponheim 5 ), eingesetzt, wobei denn Friedrich auch einen Vergleich herbeiführt. Am 9. November 1282 belehnt in Gegenwart des Königs, des Propstes (späteren Bischofs) Gottfried von Passau, Friedrichs von Leiningen u. A., der Abt von Weissenburg den Pfalzgrafen Ludwig mit dem ') Böhmer, Regesta p. 49 (aus ungedruckten Annal. Wormat.) 2 ) Böhmer, Regest. I. nr. 275; Hund, Hetrop. Salisb. I. 391; Monum. Boic. XXVniA 400; Hansitz, Germ, sacra I. 415. Liinig, Reichs-Archiv XVIL 785. Die Urkunde, ist datiert: — Patavie in oastris 1276. a ) Wienne in domo fratrum minorum 18. Jan. 1277 (Indict. V.; Regni. IV.). Borolli, Notizie etc. H. 206; Mon. Boic. XXVni. u. 406 u. "XXTX 520. Mon. Germ. IV. 412; Ried, Cod. Ratisb. I. 541; Pusch u. Froelich Dipl. I. 335; Böhmer Reg. Imp. nr. 304. 4 ) Schoepflin, Als. dipl. H. 19; Böhmer, Reg. Imp. nr. 540. 5 ) Megencze, 1281. Boehmer, Reg. Imp. nr. 641; Guden I. 186 nr. 365, besonders wegen des durch die Händel erlittenen Schadens. — 57 — von der Weissenburger Kirche rührenden Lehen 1 ). Zugleich mit seinem Sohne Friedrich, sowie mit Ernich von Leiningen u. A. bezeugt er am 25. Juli 1284 zu Gormersheim die Urkunde, worin Kaiser Rudolph der Stadt Worms die daselbst wegen Verwundungen und Haussuchungen bestehenden Strafgesetze bestätigt 2 ). Friedrich III. baute die Burgen Neuleiningen 3 ) und Battenberg (am Eingange in das Leininger Thal), und König Rudolph I. ernannte ihn .1275 zum Landvogt des Speyergaues bald darauf zum Königlichen Landrichter (judex provincialis) dieses Gaues, des Westrichs und anderer Landest heile, nannte ihn im Jahre 1279 seinen justitiarius generalis et vicem ') Tolner, Hist. Pulat. p. 78; Liinig, Reichsarch. VIII. 131. (Wissenbureh, Indict XI. Regni X.) 2 ) Ludwig, Reliqu. II. 239, Boehmer, Reg. Iffip. nr. 792. 3 ) Die Burg Neu - Leinin g en liegt zwischen Grünstadt und Altleiniugen, ward 1238 bis 1241 erbaut, durch Melacs französische Mordbrenner 1690 verbrannt, und war von 1742 bis 1874 zuerst in Wormsischem, dann in verschiedenem Privatbesitze. Im letztgenannten Jahre wurde sie von dem Grafen Karl Emich zu Leiningen-Westerburg wiederum erworben und der Familie zurückgegeben. S. des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg Broschüre: Beschreibung und Geschichte der Burg Neu-Leiningen. Monographie in Heft XI d Mittheilungen d. hist. Vereins der Pfalz (Speyer 1883) Auch J. G. Lehmann, das Leininger Thal (Heidelberg 1832), pag. 4. Auf sehr praktische Weise machten die gleichzeitigen Besitzer, die Grafen von Leiningen und das Wormser Stift, ihre Antheile an der Burg kenntlich; die Grafen liossen bei einer Reparatur ihre (nördliche) Hälfte gelblich bewerfen, was noch jetzt sichtbar ist. Die letzte grössere Reparatur fand in der Zeit vor dem 30jährigen Kriege statt. Gegenwärtig (Herbst 1889) wird der südöstliche, bewohnbare Thurm der Hauptburg neu hergerichtet und es sollen in seinem obern geräumigen Theil zwei Wohnräume stilgerecht eingerichtet werden; im obersten Räume, einem Studirzimmer, sollen Leiningensche Familieuerinnerungen aufgestellt und aufgehangen werden — eine Art von Familienmuseum. Der Raum darunter wird zum Wohn- und Schlafzimmer eingerichtet. Oben zieht sich ein, aussen auf Rundbogen laufender Zinnenkranz herum, von dem man die grossartige Fernsicht in gerens (Stellvertreter oder Statthalter) 1 ) machte ihn, wie schon oben angeführt, 1280 zum Burggrafen von Hagenau und hatte ihm und seinem Bruder Emich IV. bereits 1274 die Reichsburg Lindelbol (Lindelbolle, Lindenbronn 2 ) verliehen. Eine grosse Bedeutung für das gesammte Haus hatte eine unter Friedrich III. getroffene, von ihm beantragte Vereinbarung in Bezug auf etwaige Theiluugen, die, wenn auch den iibeln Folgen einer Gebietstheilung möglichst vorgebeugt wurde, doch im Laufe der Zeit immer wieder hervortraten. Es kam nämlich gleich nach Friedrichs Tode durch Vormittelung des Speyerer Bischofs Conrad (eines Grafen von Eberstein und Oheims der Grafen Friedrich und. Emich) im Jahre 1237 eine Tlieilung, nicht des Grundbesitzes, sondern der Gefälle und Einkünfte zu Stande, und diese gilt für die erste Nutztheilung im Hause Leiningen 3 ). Dar- bei erhielt Friedrich die Landgrafschaft mit der eigentlichen Leininger Grafschaft, ferner die Hartenburg mit den Ortschaften Dürkheim, St. Lambrecht, Bodenheim, Leystatt, Dolgesheim, desgleichen die Burg Grevenstein mit allem Zubehör. Als Hauptbedingung wurde festgesetzt, dass durch diese Theilung durchaus keine Trennung der beiden Familien und des dio Rheinebene, die Bergstrasse und die Heidelberger Berge bis zum Odenwald, und nach, rückwärts in das idylllische Leininger Thal hat. ') 1279 in vigilia b. Joannis baptistae. Monast. Palat. I. 374: „assig- nantes omnia bona in mauus Illustris Dni Frideriei comitis de Liningen justitiarii generalis et vieem gerentis in partibus pro bono pacis Dni Rieb. Regis." •) Senckenberg Medit. 328. datiert v. 1274, sexto Idus JVIaii, Hagenoe. •') Lünig, Spicil. saeo. I. 381; Deduction des Leiningen - Dagsburg. Erbfolgerechts in Landgraf Hessonis Verlassenschaft n. I. p, 73; Rechtliche Auszüge der Grafen zu Leiningen-Westerburg contra die Grafen zu Leiningen - Hartenburg, Landgraf Hessonis Verlassenschaft betreffend, n. I. p. 2. — 59 — Familienbesitzes herbeigeführt werden solle. Ausdrücklich wurde zu diesem Zwecke dann auch bestimmt, dass, wenn der Eine von ihnen ohne Erben verstürbe, der Andere ohne Weiteres die hinterlassenen Güter als die seinigen hinnehmen solle. Die Einkünfte aber sollten so getheilt werden, dass jeder der beiden Brüder eine Hälfte davon zu gleichen Theilen bekäme. Uebrigens bewährte sich das Abkommen in mancher Hinsicht und die Folge erwies, dass durch diese Theilung der Revenüen das gute Einvernehmen zwischen beiden Brüdern und ihren Familien nicht gelockert wurde, wie sie denn auch in Urkunden noch vielfach gemeinschaftlich vorkamen, so in der schon erwähnten Urkunde von 1281 Königs Rudolph über „darnna ex bello Sponhemico", wo Ludovieus et Emicho de Urningen als Zeugen aufgeführt sind. 1 ) Als Residenz Friedrichs III. des Familienoberhauptes, erscheint zum ersten Male das Schloss Alt-Leiningen im Jahre 1242. Beide Brüder handelten aber auch für die Folge noch vielfach gemeinschaftlich; so besiegelten beide zugleich im Jahre .1248 eine Urkunde 2 ), worin Werner von Bolanden dem Kloster Kirchgarten alle zu Horbisheim gehörigen Güter von allen Beschwerden und Beten, die er bisher von ihnen bezog, freispricht. Im Jahre 1256 genehmigten Beide gemeinsam durch Regiorungserlass einen Vergleich ihres Vasallen von Wartenberg mit dem Kloster Otterberg 3 ), sowie sie ihm 1272 auch eine Abtretung an das Kloster erlaubten 4 ). Ebenso schwuren im Februar 1265 beide den Bürgern zu Worms, sie wollten von Martini d. J. zwei Jahre lang bis wieder zu Martini ihnen ') Gudon, Cod. dipl. Mogunt. p. 786. 2 ) Soriba, Hessische Kegesten III. nr. 1484. 3 ) Monast. palat. I. 301. 4 ) Daselbst I. 325, — 60 — Beistand leisten 1 )- Und am 23. Aug. 1280 bestätigten Friedrich III. und Emicho IV. von Leiningen mehreren Geistlichen ihre Rechte in Osthofen 2 ). Von seinem Vater war die Burg Hartenburg auf dem Eigenthum der Abtei Limburg a. d. Hardt erbaut, ohne dass derselbe dazu eine Genehmigung der Abtei eingeholt. Zwar erklärte er sich auf dem Krankenbette bereit, die Abtei dafür zu entschädigen, hatte aber nichts Bestimmtes geboten und war darüber hingestorben. Nach dem erfolgten Tode des Vaters holte Friedrich III. diese Versäumniss nach, und am Bartholomäustage 1249 ward zu Hartenburg (Har- tinberc 3 ) festgesetzt, dass gegen eine Ueberweisung von Gefällen das Haus Leiningen den Berg, auf welchem die Burg stand, nebst Wald und Thal als freies Eigenthum erhielt 4 ). In der auf diesen Vergleich bezüglichen Urkunde sind genau die Localitäten und die Grenzen angegeben 5 ). In einer späteren Urkunde vom 2. Juli 1270 bestätigt Graf Friedrich, im Begriff, eine Pilgerreise nach Jerusalem ') Und zwar fügt Hermannus Altahensis in Böhmer, Geschichtsquollen (Stuttgart 1845) p 203 hinzu: hec .coniuratio tarn a diotis comitibus quam a ei vibus absque omni donatione pecunie plane est perfecta et eonfirmata. -) Baur, Hessische Urkunden II. 305, die Siegel beider hängen an, sind aber beschädigt. 3 ) Beglaubigte Copie dieser lateinischen Urkunde (vom 24. Aug. 1249) befindet sich unter den von Strassburg neuerdings eingetauschten leininger Urkunden im Speyerer Kreisarchiv. 4 ) In "Widders Beschreibung der kurfürstlichen Pfalz tritt der Abt Volmar von Limburg das Land, worauf Schloss Hartenburg erbaut war, dem Grafen Friedrich III. von Leiningen im Jahr 1249 ab. S. auch Würdtwein. Monast. palat. I. 106. nr. X. 5 ) Die Originalurkunde befindet sich in der Stadtbibliothek zu Trier; ich benutzte eine beglaubigte Copie derselben, welche sich in dem Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Vesterburg befindet. Yorgl. auch Würdtwein, Monast. palat. I. 106. Er verspricht darin dem Kloster: ,,octingenta maltera siliginis de — 61 — anzutreten, abermals dem Kloster Limburg die von seinem Vater demselben ertheilten Rechte und Freiheiten, namentlich für die Besitzungen in Agyrsheim, Erpolsheim und Dürinklieim; Das Kloster soll alle Rechte gemessen, die es vor der Besitznahme des Schlosses Hartenburg gehabt 1 ]. Dass während der Interregnumszeiten überall in Deutschland eine grosse Unsicherheit herrschte, ist bekannt; besonders empfindlich trat dies in der oberen Rheingegend hervor, wo die Unsicherheit so gross wurde, dass gegen die daraus hervorgehenden Gefahren und Unruhen im Jahre 1254 im weitesten Bereiche die Städte sich verbündeten. An die Spitze des Vereins trat der Pfalzgraf Ludwig II. bei Rhein, und dass auch Friedrich und seine Gemahlin sich dem Bunde anschlössen erhellt aus verschiedenen Schriften und Urkunden 2 ). Indess überstand das Haus Leiningen diese Zeit recht wohl und blieb in gutem Gedeihen, gelangte aber zu besonderer Blütlie unter Rudolph von Habsburg, bei welchem die Leiningen als nahe Verwandte in hohem Ansehen standen. Oefter befand sich Graf Friedrich in Begleitung des Kaisers in Wien und daran knüpft sich folgende Anekdote: Es wurden die Diener, welche nachts Wein holten, häufig beraubt. Da ging Graf Friedrich praedio meo in Buhilin (Böhl) sito, eisdem assignando quatuor annis videlicet singulis annis ducenta maltera: Eeddidi insuper curtes eorum in districtu meo in Agirsheim et in Erpolsheim sitas liberas ob omni exaetione et jure advocalieio et servitiis quibuscunque etc. Auch verspricht er, die kaiserliche Bestätigung dafür zu beschaffen. ') Nach einer Abschrift des im Luzerner Archiv befindlichen Originals Act. et dat. A. I). millesimo ducentesiino septuagesimo, die Processi et Martiniani' — Auf der Bückseite des Pergaments ist zu lesen: — „Bekrefftigung des gepflogenen Vertrags zwischen dem Stift Limpurg vnd Graue Friederichen von Leiningen wegen des grund vnd eigenthumbs des Schloss Hartenbg vfgericht 1270," und von älterer Hand: — Privilegium Friderici comitis de Liningen de liberatione curtis in ogirchilcham, in Erpesheim etc. 2 ) Alberti Argent. Chron. in Urstisii Sei'. II. 103. - 62 — in einer Nacht mit seinem Knappen Kranich selber nach Wein aus und erschlug alle, die ihn räuberisch anfielen, schlug ihnen dann die Köpfe ab und Kranich setzte dieselben auf den Bauch der Erschlagenen. Am Morgen lagen zu allgemeiner Verwunderung viele Bürgersöhne da auf den Strassen. 1 ) Auch von König Richard waren die Grafen bevorzugt worden; er hatte, wie es scheint, die Brüder gern um sich und so waren denn auch auf dem Reichstage zu Worms, den König Richard zur Erneuerung des rheinischen Landfriedens ausgeschrieben hatte, am Donnerstag vor Gregori 1269 beide Brüder, Friedrich und Emic-h, Grafen von Leiningen, und ebenso der Bischof Heinrich von Speyer anwesend, und bezeugten die vom Kaiser darüber ausgestellte Urkunde (am 14. November 1269). Den Chronisten zufolge hat sich bei dieser Gelegenheit ganz besonders das trauliche Verhältniss der Leiningen und des Königs gezeigt. Aus vielen Beispielen ersieht man ferner, wie wohlgeneigt auch Kaiser Rudolph seinem Vetter Friedrich III. war. So übertrug er ihm, wie schon erwähnt, das Landvogtsamt im Speyergau 2 ). Er ernannte ihn darin zum obersten Richter dieses Gaues, so dass die daselbst vorhandenen Reichsvögte ihm untergeben und verantwortlich waren. Hier und in der Umgegend von Lautern (Kaiserslautern) waren ihm auch die Reichsburgen sowohl amtlich wie auch zu Lehen gegeben, sowie er denn z. B. dem Heinrich von Hoheneck und dessen Erben die Burg Hohenecken „in die S. Andreae" 1277, als Afterlehen gab. In der hierauf bezüglichen Urkunde nennt er sich: judex provincialis ') Hontheim, Hist. Trev. Frodromus I. 441; Böhmer, Fontes Eer. Germ. II. 205 u. Reg. Imp, p. 49. '-) Act. Aead. Theod. Palat. VII. 210; "Wurdtwein, Monast. palat. I. 332; Mone Zeitschrift etc. I. 413, wo es in e. Urk. v. 1279 (Original in Carlsruhe) heisst: — Fridericus comes de Inningen, judex provincialis a domino Rudolfe Romanorum rege, constitutus, A.D. 1279. Id. J unii in judicio provinciali. Unter den Zeugen erscheint der domicellus Emicho de Inningen. — 63 — a S. clomino nostro Rom. Rege constitutum; und da die Leiningen in den Rheingegenden im Namen und als Stellvertreter des Kaisers (justitiarii generales et vicem gerentes) die Oberaufsicht führten und Recht sprachen, so musste ihr Ansehen ein ausserordentlich grosses sein. Sie waren die wirklichen reichsunmittelbaren Regenten ihres Landes und standen einzig und allein unter dem Kaiser. Wie gross überdies das Wohlwollen war, welches der Kaiser ihnen bewies, erhellt auch daraus, dass er ihnen im Jahre 1274 (bestätigt 1280, s. weiter oben) die Reichsburg Lindelbol mit allem Zubehör zum Reichslehen gab, als Anerkennung für die grossen Dienste, welche die beiden Brüder und ihre Vorfahren dem Reiche erwiesen, und weil er sich verpflichtet fühle, vor allen Anderen sie durch solche Anerkennung auszuzeichnen. Aus diesem besonderen Wohlwollen erklärt es sich auch, dass man sie häufig am kaiserlichen Hoflager findet, und ebenso auch, dass man sie oft als Zeugen unter offiziellen kaiserlichen Urkunden antrifft; vielfach traten die Brüder gemeinsam auf und erscheinen auch häufig als gemeinsame Träger von Lehen. Besonders in elsäs- sischen Urkunden findet man oft Beide gemeinsam, so in einer Urkunde, worin Beide sich mit den Bischöfen von Speyer und Strassburg (Wernher von Bolanden und Friedrich v. Fleckenstein) zur Zerstörung der von diesen belagerten Stadt Selz (Selse) verbinden 1 ). Indess stellte Friedrich ausser den mit seinem Bruder gemeinsamen auch allein manche Urkunden aus. So schlichtete er 1288 einen Streit zwischen Jofried, Hermann und Walther von Lautersheim über das Patronat in Lautersheim dahin, dass sie abwechselnd dasselbe ausüben sollten. Im Jahre 1239 ertheilte er dem Kloster Höningen das Weide- und Holzrecht im Wachenheimer Walde, war 1239 Bürge des Friedens zwi- !) Schoepflin, Als. dipl. nr. G47. — 64 — sehen" dem Erzbischofe von Mainz und dem Wildgrafen Conrad 1 ) und im Jahre 1240 gaben er und Graf Heinrich zu Zweibrücken ihre Einwilligung zur Schenkung eines von diesen Herren herrührenden Lehngutes, welche Walther von Brucken dem Kloster Würbweiler gemacht hatte. 2 ) Im Jahre 1241 schliesst Friedrich mit dem Bischof Berthold I. von Strassburg einen Vertrag über Renchen bei Oberkirch, Dagsburg, Girbaden und einige Dörfer im Bruschthal im Unterelsass, zu Strassburg, wonach der Bischof Girbaden, das Bruschthal, die Burg Ringelstein, Friedrich aber die Grafschaft Dagsburg nebst Dürrenstein und Dorf Göffeke erhielt 8 ). Im Jahre 1242 übernahm er abermals eine Bürgschaft des Friedens zwischen dem Erzbischof von Mainz und dem Grafen von Sponheim 4 ), erschien als Zeuge in der Beurkundung Conrad's (des Sohnes Kaisers Friedrich) vom 17. September 1246, wonach demselben von der Ysengard, Hausfrauwe des Truchsessen Philipp von Falkenstein, mit der Burg Trifels die daselbst verwahrten kaiserlichen Abzeichen und Kleinodien übergeben seien 5 ) und ist Zeuge, als am 2J. Januar 1246 in Speyer König Conrad einen von der Stadt Worms gemachten Friedenschluss bestätigt 6 ). Schon im Jahre vorher hatte Friedrich III. dem Philipp von Hohenfels, der dringend Hülfe gegen die Verheerung seiner Dörfer durch den Erzbischof Siegfried von Mainz erbeten, seinen Beistand zugesagt, den er ihm auch gewährt 7 ), ') Guden I. 559. 2 ) Crollius 1. c. p. 103. fl ) Mone, Zeitschrift für Oberrhein IV. 275. Das Original im Präfectur- archiv zu Strassburg. 4 ) Guden I. 570. 5 ) Archiv für hess. Geschichte VIII. 235. ß ) Boos, Urkundenbuch der Stadt Worms, p. 150. ') Mone, Zeitschrift III, 62; ei nennt sich hier: Friedericus Dei gratia comes de Inningen. — 65 — und ertlieilte 1247 zurUebergabe eines lehenbaren Zinses vom Hofe zu Rodweiler an die Ivirelie zu Offenbach seine Einwilligung *). Im Jahre 1255, am 10. November, fand zu Oppenheim ein Städtetag des rheinischen Bandes statt, auf welchem auch König Wilhelm zugegen war. Insbesond ere ward auf Veranlassung der am vergangenen 28. September geschehenen Gefangennahme Mainzer und Wormsischer Städteboten durch den Grafen Em ich von Leiningen beschlossen, dass, Aver Boten des Landfriedens gefangen nähme oder schädige, sofort von den Verbündeten angegriffen und dergestalt bestraft werden solle, dass Andere dadurch abgeschreckt würdeh. Trotzdem nahm im selben Jahre Hermann von Rietburg sogar eine Königin, die nach Trifels reisen wollte, gefangen und führte sie nach der Burg Rietburg. Unter denen, Avelclie die Rietburg erstürmten und (am 4. December d. J.) die Königin befreiten, war Friedrich III. von Leiningen einer der Ersten 2 ). Im Jahre 1269 besclrwuren Friedrich und sein Bruder Emich, ferner die Wildgrafen u. A. zu Worms den Landfrieden König Richards. Dass er mit König Rudolf bei „Patavia in castris" war, erhellt auch aus einer Urkunde des Königs vom 26. September 1276, worin derselbe dem „episcopo Pataviensi" eine in Oberberg undinOeno fluvio gemachte Schenkung bestätigt, welche Friedrich als Zeuge beglaubigt 3 ), und im folgenden Jahre, am 18. Jan., contrasignirt er einen kaiserlichen Erlass, worin eine ohne Genehmigung des Capitels vom Bischöfe gemachte Schenkung für ungültig erklärt wird 4 ). In letzterem Jahre erscheinen beide, Friedrich und Emich, als Zeugen in einer Urkunde vom ') Crolliue, de Cella Stae. Mariae in Offenb. p. 41. -) Cliron. Wormat. in Ludewig Kel. II. i 26; Boehmer Begesta Imp. nr. 283. ;1 J Monum. Boica XXVIII, P. II, p. 40. 4 ) Daselbst Vol, II, P. 1. p. 520. Brinckmeier, Leiningen. 5 — 66 — 20. October, worin König Rudolph^dem Papste Gregor VII. Gehorsam und Treue schwört 1 ). Als Landrichter (judex pro- vlncialis) schrieb Friedrich III. 1277 an die Stadt Strassburg wegen einer Gesandtschaft nach Mainz 2 ). Auch eigene Handlungen trnn ihm sind vielfach bekannt. Im Jahre 1264 verglich er sich mit dem Grafen Simon von Eberstein aus dem Zweibrückischen Hause über den Anspruch auf Bechtheim und befriedigte jenen mit 300 Mark Silbers 3 ). Am 24. Juni 1278 tritt er dem Landfrieden bei, welchen der Pfalzgraf bei Rhein, die Grafen von Hohenbert und Katzenellenbogen und 17 benannte Städte darunter Mainz, Strassburg, Basel, Worms, Speyer etc.) von den vergangenen Pfingsten an auf zwei Jahre, besonders gegen diejenigen schliessen, welche ungerechte Zölle erheben 4 ), und entscheidet als Schiedsrichter bei der Aussöhnung der Stadt Limburg a. d. "Hardt und des Grafen Gerlach von Ysenburg. Einige Zeit darauf, am 6. Juli 1281 bestätigt und genehmigt er dem Ritter Friedrich von Meckenheim und dessen Sohne Johannes den Verkauf von allen Rechten und Besitzungen und zwei Theilen des Zehntens, die sie von ihm (dem Grafen Friedrich) in Rinduringheim (Rheindürkheim) hatten, an das Capitel und die Andreaskirche in Worms. Im Jahre 1280 ward Graf Friedrich von Rudolf II., wie weiter oben erwähnt, zum Burggrafen (nostrum et imperii castel- lanum) von Hagenau ernannt 6 ), nachdem ihn bereits d. d. Heidel- !) Boehmer, Fontes rernm Bornensium III, 144. Original im Archiv zu Lausanne. 2 ) Crollius, Orig. Bipont. II, 186. a ) Wencker, Appar. Arch. p. 186; Laguille Hist. d'Alsace. Prob. p. 38. 4 ) Boos, Urkundenbuch der Stadt Worms, pag. 248 nr. 386; Boehmer, Cod. dipl. Moono-Francof. I. 83; Schaab, Rhein. Städtebund II. 62. 5 ) Dat. A. D. 1281 in Octava b. Petri et Pauli Apost., bei Fahne, Hess. Urk. H, 321. — 67 — berg, 14. Juni (18. Kai. Julii) 1278 der Pfalzgraf Ludwig bei Iihein die Burgvogtey Alzei (eastellaniam in Castro apud Alzeiam) übertragen hatte 1 ) und am 1. November 1284 erklärte die Wittwe Lutgart von Bolanden für sich und ihre Söhne, sie wollten gegen empfangene 200 Pfd. Heller, als Burgleute ebenso zu dem Herzoge von Bayern stehen, wie Graf Friedrich von Leiningen 2 ). Mit seinem Bruder Emich stellte er 1281 einen Verzicht auf den ihnen als Lehnsherrn zustehenden Hof Hornbach aus, welchen der damit belehnte Marquard von Friedenheim an die Abtei Otterberg verkauft hatte 3 ). Im J ahre 1280 hatte er als „Landfaut" den Schiedsspruch Heinrich Baumackers zwischen dem Nonnenkloster Eussers- tlial und zwischen Gotramstein wegen der Lutramforst bestätigt 4 ), und besiegelte im folgenden Jahre die Auftragung der Stadt Selz durch die Markgrafen Hermann und Rudolf von Baden (als deren Oheim) an den Bischof von Strassburg und ihre Belehnung damit 5 ), und zwei Jahre später verpfändet der König ihm (seinem Oheim von Leiningen) für ein Darlehn von 476 Mark Silber jährlich 30 Fuder Wein aus dem Ertrage der königlichen Weinberge zu Baldeburne (Baldenborn) im Bisthum Strassburg 6 ). Im Jahre 1284, am 25. Juli, finden wir ihn zu Germersheim, wo er mit seinem Sohne Friedrich IV. und mit Emichs IV. 0 Datum Vienne, II. Id. Maii, JRegni nostri auno "VII. Vergl. Korn und Wille, Regeston der Pfalzgrafen, p. 59 nr. 1017. Sohoepflin, Als. dipl. II, 19. 2 ) L. Baur, Hess. Urk. II, 228; Pfälzer Copialbuck im Archive zu Darmstadt; Koch und Wille, Regesten der Pfalzgrafen, p. 59. :f ) Pfälzer Copialbuck. *) Act. et dat. A. D. 1281, feria IV. post dominicam Invocavit, in Rem- ling, Otterberger Urkundenbuch (Mainz 1845), pag. 166. nr. 223. 5 ) Würdtwein, Subsid. nova XII. 229. 6 ) Sekoepflin, Alsat. dipl. II. nr. 726. 5* — 68 — Sohne Emich als Zeuge in einer Urkunde König Rudolphs für Worms erscheint 1 ]. König Rudolph hatte bereits im Jahre 1273 den Wormsern alle ihre Privilegien bestätigt, was damals von Friedrich III. und Emich IV. von Leiningen bestätigt wurde 2 ). Vom 14. Juni (XVIII. Kai. Jul.) 1285, ante Columbariam) belagert Rudolph Colmar 5 Tage lang. Die Colmarer hatten dem Könige in einem Jahre 30,000 Pfd. Heller gezahlt. Rudolph wollte nun auch noch den 30. Theil ihrer Habe; da leisteten sie seit dem 7. Mai offenen Widerstand; doch blieb es auf den Rath des Grafen Friedrich dabei, dass die Stadt mit einem Strafgelde von 2200 Mark und die mit aufgestandenen Ritter der Umgegend mit einer Geldbusse von 4000 Mark abkamen. 3 ) Bald darauf, am 23. Juli 1285 sehen wir, wie Friedrich III. mit seinem Sohne Friedrich IV. eine Urkunde ausstellt, worin sie bekennen, den Ankauf ihrer Vogtei und Jurisdiction in Iberensheim 4 ) „commendatori et fratribus in Conflueneia., ordinis S. Marie fatrum theutonicorum hospitalis iherosolimitani" für 200 Pfund Heller verwilligt zu haben 5 ). — Ehen so hatte er selber bereits am 3. Januar desselben Jahres gleichfalls mit seinem Sohne Friedrich den 1 ) Daselbst nr. 748: ,,avunculo nostro dilocto . . . triginta caratharum vini; Boehmer, Reg. Imper. nr. 823. Der .König bedurfte ihrer bei Freibnrg im Uecbt- land, da es ihm an Geld fehlte. Ausgestellt ist der Schuldschein Indict. XIII. Regni anno XII. zu Kaisirsberg (etwa 2 Stunden westlich von Colmar gelegen). 2 ) Boos, Urkundonbuch der Stadt Worms, p. 273. 3 ) Boos, a. a. O. p. 234. 4 ) Boekmer. Regest. Imper. nr. 830. 5 ) Ibersheim gehörte ursprünglich zum Domstift "Worms, von welchem die Grafen von Leiniugen damit belehnt wurden. Graf Friedrich III. verkaufte 1285 die Vogtei und den Gerichtszwang mit dem Salmengrund im Rhein den deutschen Herren des Hauses in Coblenz um 200 Fl. auf Wiederlösung und die beiden Grafen Friedrich der Alte und der Junge abermals, nachdem es vorher i — 69 — „universis sacerdotibus plebanis ac viceplebanis" in ihrer Grafschaft einen Schutzbrief ausgestellt. Friedrich, der Sohn, hatte damals noch kein eigenes Siegel, verspricht aber, sobald er ein eignes besässe, dies nachträglich anzuhängen. 1 ) Mit seinem Bruder Emieh zugleich linden wir ihn auch im Jahre 1279, wie er als „Landrichter" einen Almendentausch aufrichtet, während sein Bruder, der „domicellus Emicho de Liningen" als Zeuge eintritt 2 ); noch 1282 erscheint er an der Spitze der Zeugen unter der Urkunde Rudolphs I., worin dieser dem Hochstift Basel die Schenkung des Klosters zu Salzburg bestätigt 3 ), und im Jahre vorher, am 20. Mai, unter einer Urkunde der Markgrafen Hermann VII. und Rudolph II. von Baden, worin diese ihre Stadt Selz dem Bischöfe von Basel übergeben, und Hermann sie als Lehen empfängt. Graf Friedrich nennt darin beide seine „Oheime" 4 ). Schliesslich kommt Friedrich noch einmal in einer Urkunde von 1287 vor, worin der Probst von Höningen und. Andere erklären, das unter Leiningischer Herrschaft gelegene Nonnenkloster Rosenthal (in welchem eine Tochter Emichs IV. als Nonne lebte) in Obrigheim sei von Friedrich dem Aeltern von jeder Bede befreit (VIII. Idus Januar 1287). Indess ist, theils wegen des hohen Alters Friedrichs III, theils weil die wieder eingelöst gewesen war. Die Comthure der Bailei des Deutschordens zu Coblenz und Cöln veräusserten 1465 etliche Häuser, Höfe und Güter zu Uebers- heim dem Landgrafen B e s s o zu Leiningen, der mit seiner Gemahlin einen Schuldbrief darüber ausstellte. ') Datum in vigilia b. Johannis bapt, 1285. -) Die Urkunde schliesst: — In testimonium premissorum litteris presenti- bus sigillum nostrum est appensum. Nos Friedericus, comesjunior de Leiningen, quam primum sigillum proprium habuerimus, hiis litteris apponi faciemus. Aus dem Copialbuche des Wormser Domstiftes, in Baur, Hess. Urk. II. 373. a ) Mone, Zeitschr. für Oberrhein, I. 414. 4 1 Mone, a. a. 0. IV. 357. 5 ) Mone, a. a. 0. VI. 425. - 70 — erwähnte Nonne nicht seine, sondern seines Bruders Tochter war, wohl anzunehmen, dass unter diesem Friedrich dem Alten einer seiner Söhne, (wahrscheinlich der älteste derselben), gemeint sei. Friedrich III. hatte nur zwei Söhne, welche beide Friedrich Messen. Von dem ältern derselben 1 ) ist bekannt, (wenigstens kann es auf keinen Andern bezogen werden) dass er ohne Erben gemüthskrank starb. Die nachfolgenden Grafen und Gräfinnen von Leiningen sind also unzweifelhafte Nachkommen des jüngeren Friedrich (IV.). 32 Friedrichs III. Gemahlin war Gräfin Utelhildis (Utel- heidis, Atelheidis, Adelheid) von Kyburg, eine Schwester der Gräfin Hedwig, der Mutter Kaiser Rudolphs!, also die Tante des Kaisers, so dass Friedrich III., wie schon erwähnt, des Kaisers Oheim war. Er war mit derselben bereits 1245 vermählt, was daraus hervorgeht, dass ihr Bruder Hartmann in dem genannten Jahre zu ihren Gunsten auf sein mütterliches Erbtheil verzichtete 2 ); auch sie und ihr Gemahl stellten im Jahre 1246 eine gegenseitige Schenkung für den Todesfall auf 3 ). — In demselben Jahre überliess die Gräfin mit Bewilligung ihres Gemahls, ihrem Oheim, dem Grafen Ilartmann dem Aeltern von Kyburg, zum Gemisse auf Lebenszeit diejenigen Güter, die ihr Bruder im Aargau, im Thale Schwytz und im Muotathal inne hatte, falls sie dieselben erben würde. Nach dessen Ableben aber sollten diese Güter ebenfalls lebenslänglich auf ihren Gemahl übergehen 4 ). Vermuthlich ist sie identisch mit der Gräfin Uda von Leiningen, welche wegen verschiedener Besitzungen bei Bockenheim mit dem Kloster Otterberg in ') Die officielle Stammtafel fügt zu dem Namen in Parenthese (Conrad?) 2 ) Lehmann aus urkundlichen Nachrichten; auch nach der officiell. Stammtafel, u. Hühl aus einer Urkunde von 1246 im Dürkheimser Archiv. :i ) Copie des in der Pariser Nationalbibliothek befindlichen Inventaires im Archiv des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg. 4 ) Dat. apud Metim A. D. 1246. V. Nonas Maii. — 71 — einen Streit gerathen war. Dieser wurde durch einen Schiedsspruch erledigt, den die Brüder Gottfried und Berthold ■ von Metz und zwölf andere Zeugen am 7. Juni (VII. Id. Jim.) 1255 in villa- Bockenheim bekunden 1 ). Friedrich III. starb hochbejahrt im Jahre 1287 und ward in dem Erbbegräbniss zu Höningen beigesetzt. Wann seine Gemahlin starb, ist nicht ermittelt. Die beiden Söhne, welche er notorisch hinterliess, waren: 1. Friedrich (in der officiellen Stammtafel I. ist in Paren- 34 these „Conrad" hinzugesetzt), von welchem fast nichts bekannt ist. Dass er, der älteste, bereits im Jahre 1300 gestorben war, geht aus einer Urkunde aus diesem Jahre hervor 2 ): „als wir sie verpfanten vnd kauften vmb die ecleln herren Grave Friedrich seligen von Liningen dem eitern und von Grave Friedrich von Leiningen seihem Bruder, vnsern gnädigen Herrn." Wegen der Namensgleichheit könnte es bei mehreren Urkunden vielleicht zweifelhaft sein, welcher von beiden Brüdern sie ausgestellt habe oder welcher gemeint sei. Jedenfalls starb der ältere Friedrich kinderlos und zwar noch vor 1300; doch ivürde ihn auch der Tiefsinn, an welchem er gestorben sein soll, zur Nachfolge in der Regierung unfähig gemacht haben 3 ). Es succedierte also nicht er, sondern sein jüngerer Bruder: 2. Friedrich IV., der in spätem Jahren, vermuthlicb zum 34 a Unterschiede von seinem, schon bei des Vaters Lebzeiten ') Otterberger Copialbuch in der Mainzer Stadtbibliothek, s. Remling, Urkundenbuck des Klosters Otterberg. -) Guden 1 c. V. 604. ") Es wird in B. Hertzogs Elsäss. Chronik eine Gräfin von Leiningen aus dieser Zeit als Gemahlin Hannemanns oder Johannes von Lichtenberg erwähnt. Nun ist freilich auf diesen Autor wenig Verlass. Sollte die Angabe aber irgendwie Grund haben, so könnte es nur eine Schwester Friedrichs III. gewesen sein; doch ist von einer solchen nichts zu finden. — 72 — handelnd auftretenden Sohne Friedrieh V., als der „Alte" oder „Fridericus 'senior" bezeichnet wird und sich auch selber so nennt. Anmerkung: Vielleicht dürfte hier noch ein dritter Sohn 34 b ' aufzuführen sein, Wilhelm, welcher 1299 (wahrscheinlich auch 1302 und 1308) als Landcomthur der Deutschordens- Balley Sizilien vorkommt. Nach einer Mittheilung des Herrn Grafen Ernst von Mirbach findet sich in einem Werke des sicilianischen Geschichtsschreibers Mongitore 1 ) folgende Notiz: „Comperitur anno 1299 generalis Praeceptor Theutonicorum in Sicilia et Calabria Frater Gulielmus de Liningen ex tabiilis Petri de Tancredo Panormitano 3. Marth XII. Ind. 1299, qui consensientibus (sie!) fratribus nostre Man- sionis, concessit magistro Conrado de Termo vineam cum terra vacua in regione S. Johannis de Leprosis." Dass Wilhelm sich nicht Graf nennt, ist nicht auffallend; alle Grafen und Herzöge nannten sich um diese Zeit und auch noch viel später im Orden nur: „frater N. de N." — Dasselbe Werk sagt auch: „Eodem anno (1302) in F. Gulielmum Praeceptorem domorum ordinis in Sicilia et Calabria incidimus; is enim cum consentu (sie!) fratrum nostrae xhansionis concessit Notario Johanne de homine bono Panormitano domum unam ad annos 29 pro annis tarenis auri quatuordeeim, solvendis eidem Mansioni in festo S. Trinitatis." Es liegt nahe, auch hier den Grafen Wilhelm von Leiningen anzunehmen. Damals wurden die Landcomthure nicht auf Lebenszeit, sondern meist nur auf ein Jahr oder auf eine bestimmte Zeit vom Hochmeister deputiert, und da konnte recht wohl dieselbe Person mehrfach an die Spitze der Balley berufen werden. So war im Jahre ') Antonio Mongitore, Monumenta historica saorae Domus Mansionis St. Trinitatis militaris ordinis Theutonicorum urbis Panormi. (Palermo 1721 fol.J, p. 66, 68 u, 80. — 73 — 1301 Burkhard von Hasenburg Landcomthur, 1302 wieder Wilhelm, unter welchem allem Vermutheu nach wiederum Wilhelm von Leiningen zu verstehen ist. Noch wahrscheinlicher wird dies aus einer andern Stelle desselben Werkes, wo es heisst: „Prohibent Fridericus III. Siciliae Rex, ne Theu- tonicos in tota Sicilia degentes molestia quaecunque afficerent Regii Ministri, contra privilegiorum formam ipsis concessorum, ut ex literis datis Messanae 8. Octobris 1308 instante novo Magno Praeceptore F. Güliolmo de Linchinich 1 ). Dass deutsche Grafensöhne in Italien, zumal in Bologna, studierten, ist eine bekannte Thatsache; die Geschichte des Westerburger Hauses giebt uns ebenfalls Belege dafür. ') „Dio Italicner," bemerkt. Graf von Mirbach zu dieser Verstümmelung, „waren jederzeit stark im Verbalhornen deutscher Namen; ausserdem ist Mongitore sehr ungeschickt{im Lesen von Urkunden und dio typographische Herstellung seines Werkes ist geradezu schauderhaft.', Bs ist daher zwischen „Linchinich" und „Leiningen" wohl kein grösserer Unterschied zu finden, wie z. B. zwischen „Asumbulcro" desselben Autors und dem Namen „Hasenburg". der Sohn Friedrichs III. und der Gräfin Utelheidis, folgte seinem Vater und bereits 1289 auch seinem Vetter Emich ( mi t welch letzterem die erst von dessen Vater gegründete Lan- decker Linie wieder erlosch). Er kommt indcss, wie wir gesehen haben, schon früher vor und wurde bereits vor seinem Regierungsantritt häufig für Familien- und andere Angelegenheiten in Anspruch genommen. So in der Fehde zwischen Johann I. von Sponheim und dem Erzbischofe von Mainz, in welcher er mit seinem Oheim Emich IV. auf Seiten seines Vetters Johann stand. 1 ) Als in dem Treffen von Sprendlingen, in welchem der Erzbischof siegte, sein Oheim in Gefangenschaft gerieth, vermittelte Friedrich, obwohl er selbst an der Schlacht theilgenommen, hei König Rudolph den Ausgleich 2 ). Dass er lange vorher schon, 1270, den zweiten Kreuzzug mitgemacht hatte, ist sehr wahrscheinlich 3 ). Am Ostertage 1288 verlobte er seine noch im Kindesalter stehende Tochter Mechtild mit dem ebenfalls noch unerwachsenen, aber als Nachfolger in der Grafschaft geltenden Sohne ') Urk. vom Mai 1270, b. Guden 1. c. III. 1139. -) Trithem. Chron. Sponheim II. 280 u. an. 1278 u. 1279; Ejusdem Chron. Hirsaug. II. 36; Kremer, Beiträge zur Gesch. II. 450; Boehmer, Regesta Imp. nr. 641 u. 642. 8 ) Boehmer, .Font. Rer. Germ. II. 479 bis 486. — 75 — dos Grafen Adolph von Nassau 1 ). Weil indess die Leininger fest zu dem ihnen verwandten Hause Habsburg hielten, daher dem Nassauer, als dieser gewählt wurde, nicht mehr genehm sein konnten, so kam die Heirath nicht zu Stande. Er verlobte diese Tochter alsdann mit dem Sohne Heinrichs von Geroldseck, dem Erben der Grafschaft Veldenz, mit welchem die Dame auch im Jahre 1301 vermählt wurde. 2 ) In den Zeiten, als sein Sohn Friedrich V. schon „zu seinen Jahren gekommen" war, bezeichnete er sich (und wurde auch in Documenten bezeichnet) zum Unterschiede von dem Sohne nicht selten als „der Alte", „der Aeltere" und „senior" So bekunden am 1. April 1287 Graf Friedrich von Leiningen der „Alte", Eberhard und Walram von Zweibrücken und Ernich von Leiningen, dass der Streit zwischen Bischof, Capitel und Stadt Worms einerseits und Rudolf und Anselm von Drachenfels, Rittern, andererseits, geschlichtet sei 3 ). In demselben Jahre, am 23. November 1287, nimmt ihn die Stadt Worms als Burgmann und Schützer in ihre Dienste, gegen ein Jahrgeld von 30 Mark kölnisch 4 ), und an demselben Tage verpflichtet er sich zur Uebernahme des ihm angetragenen Amtes. Obgleich der Vater noch am Leben war, bann hiermit doch nur Friedrich IV. gemeint sein, da der Vater in seinem hohen Alter ein so beschwerliches Amt wohl nicht mehr übernehmen konnte. In einer Urkunde vom 22. December 1292, worin ein von ihm den Herrn von Löwenstein zu Lehen gegebener Hof ') Die Ehepacten findet man bei Crollius, De Comit. Veldent. in den Act. Acad. Theod. Palat. IV. 351. 2 ) Nack Crollius 1. o. p. 353 ward ihr "Witthum auf die Burg Landsberg und auf die halbe Grafschaft Veldenz verschrieben. a ) Boehmer, Pontes Rer. Germ. II. 236. + ) Schaab, Rheinischer Städtebund II, 64; Urkundenbuch der Stadt Worms (Berlin 1886) pag. 281. — 76 — mit seiner Genehmigung an den Cantor des Wormser Domes verkauft wird, nennt er sich gleichfalls Fridericus de Inningen senior und bezeichnet die Herren von Löwenstein als „vasalli nostri." Am 14. Aug. 1293 bestätigt Fridericus senior seinem Vasallen Petrus advocatus de Selsen einen Vergleich 1 ). Am Tage vor Palmsonntag 1304 erhielt Friedrich der „Aeltere" von dem Limburger Abte Johannes die Burg Frankenstein zu Lehen, die er sodann den vier Brüdern Falkenstein zu Afterlehen gab 2 ). Und im August 1310 verordnet Heinrich VII. auf Bitten Friedrichs „des Alten" von Leiningen, dass die Reichsstädte dessen hörige Leute nicht aufnehmen sollen 3 ). Aus den Urkunden von 1304 und 1310 wird es recht deutlich, aber schon aus einer von 1301 zur völligen Gewissheit, dass unter der Bezeichnung des „Alten" eben Friedrich IV. und kein Anderer zu verstehen sei; er wird in ihnen ebenfalls „Fridericus senior" genannt, während doch sein älterer Bruder bereits todt war 4 ). Wenden wir uns, nach Feststellung dieser Bezeichnung (welch letztere mehrfach Irrungen veranlasste) wieder Friedrichs Handlungen zu. Im Jahre 1289 räumten die Brüder Gerhard und Philipp, Truchsessen von Alzei, ihre in dieser Stadt befindliche Burg den Leininger Grafen Friedrich IV. und Emicli (auf Landeck) als ein „Ledighaus" ein, huldigten denselben als „Ledigmännern" und gelobten ihnen, sammt ihren Bürgleuten als „Ledighelfer" Beistand gegen alle Widersacher, das Reich ausgenommen 5 ). 9 Aus dem Copialbuch des Wormser Domstiftes in Baur, Hess. Urlcunden- buch II. 482. 2 ) Widder, Beschreibung der Pfalz II. 213. 8 ) Lüuig, Reichsarchiv XXII, 383. 4 ) Schöpflin, Als. dipl. ur. 821. *) Aus dem Lehmannschen Actennachlass in der Heidelberger Bibliothek, in Abschrift in dem Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg. — 77 — Im Jahre 1290 genehmigt er, dass Albert von Lautern und seine Frau Elisabeth ihre sämmtliehen Güter und Besitzungen zu Dittweiler dem Nonncnconvente in S. Lambrecht hinter Neustadt für 180 Pfd. Heller als Eigenthum veräussern'). Als am 20. Juni 1291 Kaiser Rudolph den wegen Rebellion der zum Reichslehn des Grafen von Hennegau gehörigen Stadt Valenciennes von ihm ergangenen Rechtsspruch bekundet, wonach die Stadt ihrer Gewohnheiten, Gesetze, selbst des Glockenklanges bei der Versammlung ihrer Vorsteher verlustig erklärt wird, fungiert Graf Friedrich als Zeuge 2 ). Hinsichtlich ihrer Verlobung scheint die zweite Tochter Friedrichs das. Schicksal ihrer älteren Schwester getheilt zu haben und nicht zum Ziele gelangt zu sein. Im Jahre 1299 nämlich versprach Friedrich dem Bischöfe Emich von Freisingen (aus dem Gcsclilechte der Wildgrafen) eine seiner (Friedrichs) Töchter einem Sohne des Wildgrafen Gottfried (genannt Raub, eines Bruders des Bischofs) zur Gemahlin zu geben. Da aber Friedrich ausser Agnes (verheirathet mit dem Grafen zu Veldenz) nur noch eine Tochter, Mechtild (die nur einmal, 1288 vorkommt) hatte, diese aber, soweit sich ermitteln liess, unvermählt blieb, so wird sich auch diese projectirte Heirath zerschlagen haben. Für das Versprechen des Grafen Friedrich IV. verbürgte sich 1299 Philipp von Bolanden, Sohn Werners des V. von Bolanden 3 ). Am 8. Sept. 1300 bezeugen und besiegeln Graf Friedrich IV. und der Abt Johannes von Limburg eine Schenkung vieler Güter des Ritters Conrad des Hübschen und seiner Gattin ') Original (Pergament, lateinisch mit dem Leininger Siegel), in demselben Archive. -) Martene u. Durand, Thesaur. I, 1241; Boehmer, Beg. Imper. nr. 1138. 3 ) A. Köllner, Gesch. der Herrschaften Kirchheimbolanden und Stauf ("Wiesbaden 1854), pag. 58. §. 20. — 78 — Irmendrut an das schön erwähnte Kloster St. Lambrecht 1 ). Als Zeuge erscheint Friedrich IV. ferner 1298 in einer Urkunde König Adolphs und in demselben Jahre in einer solchen des Königs Albrecht 2 ) und in Urkunden von 1299 und 1300, worin er als kaiserlicher Landvogt (advocatus provincialis) im Elsass erscheint. Am 19. Februar 1301 beauftragt ihn König Albrecht, diejenigen, welche sich dazu eignen, in des Reiches Dienste zu nehmen, und an deren Spitze verrichtete er Heldenthaten, sowohl über Meer, als auch namentlich in der Schlacht bei Göllheim 3 ) am 27. Juli 1298. Als nach dem Tode Emichs, des letzten Landeckers, die seit 1237 getheilten beträchtlichen Güter wieder in FriedrichsIV. Hand vereinigt waren, blühte das Haus Leiningen unter ihm wieder an Macht und Reichthum ausserordentlich empor. Wie sehi' Friedrich IV. sein ganzes Leben hindurch in Anspruch genommen war, und zugleich in welchem Ansehen er gestanden haben muss, in öffentlichen wie in Privatangelegenheiten, dafür zeugt der Ausspruch seines Zeitgenossen Albrechts von Strassburg 4 ): „De cujus Friederici de Liningen gestis nobilibus integra liistoria opus esset", und auch die nachfolgenden Daten werden dafür sprechen. Schon im ') Original (auf Pergament, deutsch, mit dem schön erhaltenen grossen Siegel des Grafen und dem etwas beschädigten kleineren Siegel des AbtesJ im Archiv des Grafen K. L. zu Leiningen-Westerburg. 2 j Kremer, dipl. Beiträge pag. 256; Sehoepflin 1. c. nr. 787 u. 811; vergl. auch dessen Als. illustr. II. 570 und Königshofen, Elsäss. Chron. p. 122. •'') Boehmer, Eontes Ker. Germ. II. 481, wo sich Hirzelins Beschreibung dieser Schlacht findet; ferner Boehmer, Reg. Imp. nr. 625. S. auch Schliephake, Gesch. v. Nassau (Wiesbaden, 1869) III. 487 u. 500. In M. Haupt, Zeitschrift für deutsches Alterthum, p. 21 finden sich Bruchstücke eines Gedichtes über diese Schlacht. 4 ) Urstisii Coli, liist. ill. H, 103. - 79 — Jahre 1291 verbündete er sich mit der verwittweten Gräfin von Sponheim, der Tochter seines Oheims Emich IV. 1 ) in deren Streitigkeit mit ihrem Schwager, dem Grafen Eberhard von Sponheim. Er wurde nebst Walram von Zweibrücken dann auch zum Schiedsrichter gewählt und brachte im folgenden Jahre einen Vergleich zwischen Beiden zu Stande 2 ). Bereits am 15. Juli 1290 ertheilte Kaiser Rudolph dem Grafen Friedrich für dessen Ort Neustadt bei Dagsburg im Elsass die nämlichen Privilegien, wie sie die Stadt Hagenau genösse 8 ). Sodann genehmigt der Erzbischof Gerhard von Mainz, dass Graf Heinrich von Sponheim, anstatt des von dem Kloster Prüm bei Trier lehensrührigen Zehnten zu Albisheim, den ihm eignen vierten Tlieil am Schlosse Bolanden dem Grafen Friedrich von Leiningen zum Afterlehn auftrage 4 ). An demselben Tage ermächtigt er hiezu den Grafen von Sponheim und dessen Ehefrau Kunigunde 5 ) und am Sonntage Invocavit wird mit Genehmigung Philipps von. Bolanden dieser Auftrag vollzogen 6 ). In demselben Jahre einigte er sich mit dem Bischöfe von Speyer dahin, die zwischen ihnen ausgebrochenen Streitigkeiten durch Schiedsrichter entscheiden zu lassen 7 ) und zu gleicher schiedsrichterlicher Entscheidung übergab er 1293 den Streit, welcher zwischen ihm und Emichs IV. Töchtern Agnes von Nassau und Adelheid von Sponheim über die allodiale Verlassenschaft ihres Bruders Emich (mit welchem die Lan- deeker Linie erlosch) ausgebrochen war und der dahin ent- Kremer, Dipl. Boitr. p. 247. -) Daselbst, pag. 388. :) ) Boehmer, Reg. Imp. nr. 1241. 4 ) Remling, Otterberger Urk. p. 189 nr. 247 (in die 1). Mathiae Apost.). s ) Remling a. a. 0. p. 190 nr. 246. 6 ) Daselbst, p. 192 nr. 249. 7 ) Lünig Spie, saec. p. 382. schieden wurde, dass Adelheid mit einem Tb eile der Burg Altleiningen, der Ebernburg, den Ortschaften Bingart und Feil a. d. Nahe abgefunden wurde, Agnes aber gleichfalls mit einem Theilo von Altleiningen sammt Dörfern, Höfen und Gütern im Westrich 1 ). In demselben Jahre finden wir ihn am 2. Dezember 1291 in einer zu Caub ausgestellten Urkunde 2 ). Dass Friedrich IV. für die Erwählung Adolphs v. Nassau thätig gewesen sei, könnte man daraus schliessen, dass kurz nachher der Pfalzgraf Ludwig bekennt, ihm, seinem Verwandten, für gehabte Kosten bei der Königswahl und andere Dienstleistungen 200 Pfund Heller schuldig zu sein, die er ihm bis nächsten Georgentag zu bezahlen oder dafür 20 Pfund jährlich auf die Bete zu Heidelberg anzuweisen versprach 3 ). Wodurch diese Kosten entstanden waren, ist — da sie nicht specifieiert wurden — nicht bekannt; sie rührten aber ohne Zweifel lediglich von durch die Umstände abgenöthigten Auslagen und Lasten her; denn von einer wirklichen Bei hülfe zur Wahl kann man sie wohl nicht herleiten. Es spricht vielmehr Alles dafür, dass Friedrich noch immer unentwegt zu den mit ihm nahe verwandten Habsburgern gehalten habe. Er war ein Neffe Albrechts L, von welchem er auch die Reichsfesten Falkenburg und Gutenburg zum Unterpfand hatte, (und dies ist um so augenscheinlicher, da König Adolph ihn in Folge dessen von der Landvogtei in Speyer enthob 4 ). Dazu kommt, dass Graf Friedrich sich dem neuen Hofe so viel als thunlich fern hielt. Nur zweimal kommt er bei des Königs Anwesenheit in Speyer, wo er den Besuch am nahen Hofe wohl kaum 0 Kremer, dipl. Beitr. p. 250 u. 256. -) Im Archive zu Idstein, s. Jahrbuch des historischen Vereins des ßhciu- landes, pag. 70. *) Wormacie, A. D. 1292, VII. Id. Nov. *) Acta Acad. Theod. Palat. VII 213. — 81 — vermeiden konnte, als Zeuge in königlichen Erlassen vor, und zwar beide Male im Jahre 1293 1 ). Für eine Annäherung an König Adolph spricht selbst der Umstand nicht, dass, als Graf Friedrich sich hei dem Könige beschwerte, es gingen die ihm von Kaiser Rudolph zugesicherten 30 Fuder Wein zu Balden- born nicht gehörig ein, König Adolph ihm den ganzen Ertrag der dem Reiche daselbst gehörigen Weinberge bis zur Tilgung der Schuld von 476 Mark Silbers verpfändete 2 ). Da diese Schuld keine private Rudolphs war, sondern auf dem Reiche lastete, so lag hierin keine besondere Begünstigung; denn der König hatte die Verpflichtung, für diese Reichsschuld aufzukommen, und handelte demgemäss. Weit eher könnte man eine Begünstigung darin erkennen, dass Adolph am 7. Mai (1297 3 dem Grafen Friedrich 3000 Pfund Heller auf die Steuer von Christen und Juden in Landau verschreibt, falls diese Verschreibung nicht ebenfalls aus einer Verpflichtung des Reiches hervorging. Ueberhaupt scheint Graf Friedrich während Adolphs Regierung sich von allem öffentlichen Auftreten zurückgezogen zu haben; als jedoch Adolph von Nassau entsetzt und Albrecht von Oesterreich (Rudolphs I. Sohn) zum König erwählt wurde, sehen wir Friedrich zu Gunsten dieses seines Neffen Avieder in der Oeffentlichkeit erscheinen. So zeichnete er sich (Avie schon ei'Avähnt) in der Schlacht bei Göllheim zAvischen Adolph und Albrecht (2. Juli 1.298), worin Ersterer fiel, durch seine grosse Tapferkeit aus 4 ) und Avard auch sofort wieder in ') Boehmer, Regesta Imp. nr. 1G7. 16S. -) Datum in castris apud Rapoltzwilre XU. Kai. Oct. ('26. Sept.) A. D. 1203. S. Boehmer, Reg. Imp. nr. 418. •') Mone, Anzeiger 1838, pag. 196; Boehmer Reg. Imp. nr. 354. 4 ) Boehmer Bontes Rer. Germ. II, 48S; Lehmann, Chron. Spirense (Francof. 1698), Buch VII, Cap. VII nr. 639; Alborti Argent. Chron. in Urstisii Coli. hist. illustr. II. 103. Brinekmeier, Leiningon 6 — 82 — seine Landvogtei eingesetzt 1 ). Auch bestätigt in demselben Jahre (am 22. November zu Nürnberg) König Albrecht des Grafen sämmtliches althergebrachtes Recht und Gericht über sein gesammtes Gebiet und seine Leute als reichsunmittelbar, und gesteht ihm zu, dass keiner seiner Eigenleuto in die Reichsstädte ziehen und daselbst aufgenommen werden soll 2 ). In demselben Jahre auch finden wir ihn nochmals als Zeugen in königlichen Erlassen, einmal am 18. October in Sungowia in castris (im Sundgau oder Oberelsass, auf dem Zuge gegen einen dortigen Grafen), wo König Abbrecht der Stadt Strass- burg ein ihr von Kaiser Rudolph ertheilt.es Privilegium bestätigt 3 ), und sodann zu Nürnberg, wo Albrecht am 21. November 1298 bekundet, dass er mit Einwilligung des Kurfürsten die Fürsten- und Herzogthümer Oesterreich und Steier, so wie die Herrschaften Krain, Mark etc. dem Rud. Friedr. Lupolt und dessen Söhnen zu Nürnberg zu Lehen gegeben, sie mit dem Scepter investiert, somit in die Zahl der Fürsten aufgenommen habe. Unter den vornehmen Zeugen dieser höchst interessanten Urkunde befindet sich auch Graf Friedrich von Leiningen 4 ). . Im Jahre 1300 übertragen die Ritter Gerhard und Wernher dem Grafen Friedrich IV. von Leiningen ihre Rechte zu Waldertheim. 5 ) Von Wichtigkeit war es, dass Graf Friedrich zwei Jahre später (Durnstag in der Osterwochen 6 ) die Reichsfesten Falken- ') Dass Friedrich IV. bereits im Jahre 1299 das Amt eines Landvogt.es im Speyergau wieder vorsah, erhellt aus den Act. Acad. Theod. Palat. II, 42. •) Lünig, ßeichsarch. XXII. 382; Boohmer, Heg. Imp. nr. 86. s ) Schoepflin, Als. dipl. II, 71; Boohmer, Reg. Imp. nr. 62. 4 ) Lünig, Cod. Germ. II, 483; Schrötler, Abhandl. II, 247; Dumont-Dufrosnc Corps dipl. p. 314; Boehmer, Reg. Imp. nr. 81. 5 ) Dat. A. D. 1300, die invencionis b. Stephani protomartiris, in dem Actennachlasse Lehmanns in der Heidelberger Bibliothek. 6 ) Lehmann, Burgen der Pfalz, I. 216 u. 352. — 83 — bürg und Guntersblum als Unterpfand erhielt. Wie gross aber Albrechts Vertrauen zu ihm war, zeigte sich darin,, dass er ihm, „seinem Landvogte, Oheim und lieben Getreuen" im Jatp'e, 1301 den Auftrag ertheilte, ihm in seinem (des Kaisers) Namen Reichsfreunde und Helfer zu werben, wobei er im Voraus Alles guthiess und genehmigte, was Friedrich hierbei thun und anordnen werde. 1 ) Im Jahre 1303 genehmigte ihm König Albrecht, sein Reichslehen Guntheim. zu verkaufen und 1308 verlehnt jener dasselbe an Friedrich von Meckenheim, dessen Söhne und Erben zu einem ewigen Lehen 2 ). Im Jahre 1305 hegte er mit Walrab von Zweibrücken das Königsgericht zu Lautern und sprach, darin dem Kloster Otterberg die demselben bestrittenen Rechte in Hersweiler zu 3 ). Vielfach finden wir ihn ausser mit öffentlichen, auch mit seinen Privatangelegenheiten beschäftigt. Mit seiner Gemahlin Anna (oder Johanna) befreit er den Otterberger Klosterhof Sendelborn 1304, und beide bestätigen dem Stifte Cell die von ihren Ahnen ertheilten Rechte und Freiheiten 4 ). Im Jahre 1305 verlegt er das Witthum der Gemahlin seines Sohnes Gottfried von der Rietburg auf Guntheim 3 ), und im Jahre 1306, am 18. O.ctober,. bekennt Hermann von Hohenfels, dass er dem Grafen Friedrich, Johanna seiner Frau und ihren zwei Kindern Burg und Dorf Guntheim um 2000 Pfd. Heller versetzte 6 ). ') Spire, XI. Kai. Marcij A, D. 1301. Ans dem Inhaltsverzeichnisse des Falkonsteiner Copialbuchs fol. 822 u. 823. Die Urkunden seihst sind herausgerissen, doch geht schon aus den Notizen hervor, dass die Grafen von Leiningen die Burg Guntheim im Besitz hatten. ;l ) Lehmann aus dem Otterberger Urkundenbuoh. 4 ) Würdtwein, Subsid. dipl. VI. 12. 5 ) Lehmanns Aotonnachlass auf der Bibliothek zu Heidelberg. 6 ) Baur, Hess.. Urk. II, 670. 6* V". , y n ; fö? I|üi^ - — # '■*• ■ •-■ ■ — 84 - Schon früher, am I. Juli 1291, hatte er sich eidlich mit seiner Base Adelheid, verehelichten Gräfin von Sponheim, der Tochter seines Oheims Emich IV., zu Schutz und Trutz gegen Alle, ausgenommen gegen Kaiser und Reich, verbunden 1 ). Als die Speyerer Bürger seinen Unterthanen zu Minfeld Schaden zugefügt hatten, verglich er sich am 28. October 13C6 und verzichtete auf den Ersatz des Schadens 2 ). — Dagegen verzichteten zu seinen und seiner Gemahlin Anna Gunsten im Jahre 1307 Graf Johann von Veldenz und seine Gemahlin Agnes auf die Burg Guntheim 3 ); er hatte bereits am 29. September 1305 seiner Schwiegertochter statt der ihr verschriebenen Burg Rietburg (Rüppburg, südwestlich von Edenkoben) diese Burg Guntheim (bei Pfeddersheim) als Ersatz verheissen 4 ), und in demselben Jahre setzt, er seinen Sohn Jofried in das Dorf Dürkheim mit allen Gerechtsamen ein, wie es denn in der Familie überhaupt Herkommen war, dass man den Söhnen schon frühzeitig einen angemessenen Theil der Güter zu ihrem Unterhalt und um sie an die Verwaltung derselben zu ge- wöhnen, übergab. 0 Adelheid war mit dem Grafen Johann I., dem Lahmen, von Sponheim- Kreuznach vermählt, welcher 1291 gestorben war. Sie spricht in dieser Uebcr- einhunft als AVittwc für sich und ihre Kinder, wie aus der Urkunde erhellt, aus welcher zugleich auch die Verwandtschaft hervorgeht: — „Nos Fricdcrieus comcs de Liningcn . . . recognoscimus . . . quod nos ,pna cum dilcctis nobis Aleyde, filia quondam Emichonis comitis de Ehlingen patrui nostri dilecti, comitissa de Sponheim et ipsius liboris . . In derselben Urkundo nonnt er „Johanoom de Bardecke et Symonem de Montfort milites castronses nostros." -) Original im Speyerer Archiv. Auf der Bückseito: „F. comes do Leiningen, super dampno in Frickenfeld" und darunter von späterer Hand: „Munde- feldt. S. Hilgard, Urk. von Speyer, p. 186. 3 ) Au den Mittwochen nach s. Barnabentagc, in Baur, Hess Urk. H. 682. 4 ) Original in Darmstadt, s. Mone, Zeitschr. XX. 313. Es heisst darin: „Ich Agnese von Oohsenstein, des edelen Mannes Godefridus, graven Friedenchen sunes von Liningen ingesigol, wann ich nüt eigenes ingcsiegcl han . . — 85 — Wie sein Schwiegervater Graf Egon I. von Freiburg, war auch Graf Friedrich IV., wie wir gesehen haben, auf Seiten Albrechts von Oesterreich; sie empfingen ihn in der Nähe Freiburgs mit grossen Ehren und unterstützten ihn bei seinen klugen und glücklichen Operationen an der Elz 1 ). Im Jahre 1308 ertheilte dem Grafen Friedrich IV. der Bischof Eberwein von Worms einen Lehenbrief für seine Grafschaft, namentlich für die Burg Neuleiningen 2 ). Bald darauf, am Mittwoch nach St. Walpurg 1308, stellte FriedrichIV., gemeinsam mit dem Speyerer Bischof Siegebert, für die Stadt Landau einen Schutzbrief aus und 1309 trugen ihm Otto von Bolanden und dessen Gemahlin Loretta anstatt der dem Kloster Otterberg verkauften Hälfte ihres Zehnten zu Albisheim ihr Viertel an der Burg Bolanden sammt ihrem dortigen Weinberge ebenfalls zu Lehen auf 3 ), welche Auftragung 1309 „feria sexta proxima post festum purificationis Virginis gloriose" bestätigt wird. Namentlich in seinen spätem Jahren scheint er sich noch mehr von dem öffentlichen Leben ferngehalten und sich wirthschaftlich beschäftigt zu haben. Er machte Erwerbungen, schloss Vergleiche, Alles zum Vortheile des ohnehin mächtigen Leininger Dynastenhauses. So erhielt er 1310 vom König Heinrich VII., Albrechts Nachfolger, der ihn hochschätzte, für sich und seine Erben die Vergünstigung, dass (was zum Nachtheile der Leiningenschen Besitzungen öfter vorgekommen sein mochte, wie aus ähnlichen hierauf bezüglichen frühem Vergünstigungen ebenfalls hervorgeht) keine Reichsstadt ') Riezlor, Gesell, des Hauses Fürstenberg (Tübingen 1882), pag. 128. -) Schannat, Hist. Episc. Wormat. p. 242; Lünig, Reichsarch. XXII. 383 Diese Lohensverbindlichkoit entsprang vermuthlick aus dem 1203 durch Bischof Eberhard dem Grafen Friedrich, seinem Beschützer,' gegebenen 500 Pfd. Hellern. a ) Reniling, Otterberger Urkundenbuch p. 290 u. 293; ,,In vigilia purificationis Yirg. gloriose." — 86 — Leiningen'sche Unterthanen aufnehmen dürfe, und geschähe dieses dennoch, so dürfe er die Güter der eigenmächtig" Abziehenden in Beschlag nehmen 1 ). Seine Gerechtsame in Guntersblum liess er 1311 (Wormacie in vigilia b. Katharine virg.) durch das geistliche Gericht in Worms besiegeln und Freitag vor St. Andreas von den Gemeindegeschwornen bestätigen. Zu den letzten von ihm und für ihn bekannten'Urkunden gehört diejenige von 1313, worin er seinem Schwiegersöhne, dem Grafen Georg von Veldenz, und seinem jüngeren Sohne Jofried (dem Stifter der Linie Leiningen-Hartenburg), welche er damit belehnte, das heimgefallene Haus Stadecken nebst Zubehör erblich einräumt 2 ), und sodann die von 13 lö, worin König Ludwig erklärt, dem Grafen Friedrich 2000 Pfd. Heller zu schulden, wofür er ihm die Burg Elbstein versetzt 3 ). Unter Friedrich IV. war, wie schon bemerkt, das Haus Leiningen durch Kauf, Vererbung, Lehen und verständige Be- wirthschaftung zu einer ausserordentlichen Blüthe gelängt,' namentlich seitdem die seit 1237' getheilten Güter (allerdings mit Ausnahme der an Nassau und. Sponheim gekommenen) wieder in der Hand dieses Grafen vereint waren. Aber eines- theils der Tod seines Verwandten, des Königs Rudolph, anderen- theils die bald nach seinem Tode vorgenommene vollständige Theilung der Güter gereichten dem Hause nicht zum Vortheile. Die erwähnte Theilung war (nachdem die minder schädliche Theilung lediglich der Einkünfte, bei Intactheit der Güter, stattgefunden) die erste vollständige Grundtheilung der Besitzungen des Hauses Leiningen. ') Lünig, Reichsarchiv XXII, 383. -) Crollii Orig. Bipont III. 133, nota f. 3 ) München, Sonntags vor S. Katharm dage 1315 Jare, des Bichs im ersten Jarc. ■ » Mfri -~1 -• •*, Es entstanden hieraus zwei getrennte Linien, die zwar Einzelnes noch gemeinsam besassen, im Wesentlichen aber doch eine jede für sich bestanden, nämlich: die Linie Leiningen-Dagsburg, auch Altleininger Linie, welche mit Friedrich V. begann, und die Linie Leiningcn-Hartenburg, deren Stifter Jofried der Halbbruder Friedrichs V., war. Graf Friedrich IV. starb, nach einem rühmlichen thätigen Leben, im Jahre 1316. 1 ) Seine erste Gemahlin war Johanna, Tochter des Grafen Simon II. von Sponheim-Kreuznach und der Margarethe von Hengebach 2 ). Sie war im Jahre 1270 bereits mit Friedrich IV vermählt 3 ), der mit derselben folgende Kinder hatte: 1. Friedrich V., Nachfolger in der Dagsburger oder Altleininger Linie. 2. Mechtild, welche nur einmal, 1288 (s. weiter oben) vorkommt, bei Aufrichtung des Ehevertrages zwischen ihr und Graf Adolph von Nassau 4 ). 3. Agnes, gleichfalls schon erwähnt, bis 1343 vorkommend, vermählt 1303 mit Graf Georg von Veldenz aus dem Hause Geroldseck (der noch 1347 vorkommt). ') Bernk. Herlzog, Cbron. Alsat. II, 50. Trithcm. Chron. Hirsäug. II. 72. -) In einer Urkunde bei Gudcn 1. e. II 1141 hoisst es: „in cujus rei testimonium — nostris (comitis Joannis de Sponheim) et domini Emechonis soceri nostri etFridorici sororii nostri, comitum de Liningen — sigillis duximus roberandum." : <) Kremer, Diplom. Beiträge II, 189. Dass sie im J. 1304 noch lobte, gebt aus einer Urkundo dieses Jahres hervor, worin Graf Friedrich, von Leitungen und seine Gemahlin Johanna den Ottcrberger Hof Sondelborn freyen (s. oben); Beinling, Otterherger Urkundenbuch p. 216 nr. 310. 4 ) Begesten in der Pariser Nationalbibliothek. Abschrift derselben in dem Archiv des Grälen K. E. zu Leiningen-Westerburg. 4. Em ich, der nachmals Domherr zu Worms, seit 1314 Bischof von Speyer war und 1328 starb 1 ). Als Friedrichs IV. zweite Gemahlin wird eine Dame Anna (oder ebenfalls Johanna) genannt, von welcher indess nichts weiter bekannt ist. Ueberhaupt herrscht in Bezug auf die Gemahlinnen des Grafen eine auffällige Unsicherheit, da in der weiter oben angeführten Urkunde von 1307 noch eine Gräfin Anna aufgeführt wird, während erweislich seine letzte Gemahlin, Sophie 2 ), sich nach der officiellen Stammtafel bereits im Jahre 1296 mit ihm vermählt haben soll, und doch die erste Gemahlin Johanna noch 1307 in einer Urkunde vorkommt, als Gräfin von Freiburg, während sie in der Stammtafel als Tochter des Grafen Egon I. von Lichtenberg und der Freiin Katharina von Lichtenberg aufgeführt ist; s. unter Nr. 40. Sie erhielt eine Aussteuer von 750 Mark Silber, deren Zinsen auf die Freiburger Einkünfte angewiesen wurden 3 ). Aus dieser letzteren (zweiten oder dritten) Ehe stammten 5. Jofried (Gottfried), der Stifter der Linie Leiningen- Hartenburg, der mit seinem Halbbruder Friedrich V. theilte, und 6. vielleicht noch eine Tochter Johanna, die nach einer Urkunde von 1327 die Gemahlin Hannemanns von Lichtenberg war 4 ). S. unter Nr. 38. Die Genealogen geben dem Grafen Friedrich auch noch eine andere Tochter, Helene, ivelche mit einem Grafen von 1) Nach Senckenberg Sek juris YI. 191 und Job. von Mutterstadt im Ckron. Spirense erst am 19. April 1336. 2 ) Abhandlungen der kurbayr. Akademie der Wissenschaften III. 118. a ) JEtiezler, Gesch. des Hauses Fürstenberg (Tübingen 1883) pag. 136. 4 ) Bernhard Hertzog erwähnt eine Johanna als Gemahlin eines Herrn von Lichtenberg schon 1235, wo sie Friedrichs Schwester heisst. Aber sie passt zu keinem der Friedriche, und Hertzogs Zeugniss ist, namentlich wo es an das Unmögliche grenzt, sicherlich nicht zur Constatirung einer historischen Thatsache ausreichend. — 89 — Saarwerden vermählt gewesen sei, doch ist das jedenfalls ein Irrthum, da zur Zeit Friedrichs IV. nur ein einziger (verhei- ratheter) Graf (Heinrieh) von Saarwerden vorhanden war, dessen Gemahlin Herzeleid (Herzelinde), aber keine Leiningen'sche Tochter, sondern die Erbtocher Ulrichs von Rappoltstein gewesen ist 1 ). ') Schoepflin, Als. dii>l. II, 613 u. G14. B. Die Landecker Linie des zweiten Leininger Hauses ans Saarbriickischem Stamme, Im vorigen Abschnitte haben wir gesehen, dass Graf Fiiedrich III. (der Sohn Friedrichs II.) die Altleininger Linie stiftete, und haben wir die Geschichte derselben bis zu ihrer Theilung nach Friedrichs IV. Tode fortgeführt. Die zweite Linie, welche sich mit der vorigen zugleich bildete, ist die Lan- deckcr Linie, und als ihr Gründer erscheint Friedrichs III Bruder 41 Emicli IV. Die von ihm gegründete Linie bestand aber nur sehr kurze Zeit, da sie noch in demselben Jahrhunderte mit seinem Sohne Emich wieder erlosch, nachdem sie wenig über ein halbes Säculum bestanden hatte. Wenn von Emieh's Bruder Friedrich III. gesagt wurde, dass er viele Geschäfte im Vereine mit seinem Bruder besorgt habe, wie er ja denn auch in Urkunden vielfach mit ihm zugleich vorkommt, so gilt das natürlich ebenso von Emich IV., wie überhaupt die beiden Brüder auf das Löblichste mit einander harmonirten und in steter Freundschaft blieben. - 91 — ■ Wir findenEmich IV. schön vor seinem KegieKmgkan- 1 ritte als Zeugen 1228, unter eiiier Schenkung des Bischofs Adalbert von Mainz an das dortige Domcäpitol. 1 ) Die ihm bei der Theilung zugefallenen Güter und Gefälle nahm er 1237 in Besitz, und die Linie schöpfte ihren Namen daher, weil Emich IV. meist in Landeck, welches den Hauptpunkt seiner Besitzungen ausmachte, residierte. . Sein. Leben scheint ein sehr, bewegtes gewesen zu sein, wie es in jenen unruhigen Zeiten und bei dem öfteren Wechsel, des Staatsoberhaupts nicht anders zu erwarten stand. Da auch er als ein entschiedener Gegner der Hohenstaufen erscheint, so ist leicht erklärlich, dass er am 22. Mai 1246 bei der Wahl des Landgrafen Heinrich Raspe (zugleich mit Heinrich, dem electus Spirensis 2 ), zugegen war, wie er. denn auch sicherlich auf das Eifrigste für dessen Erwählung mitgewirkt hat 3 ).. Eben so eifrig scheint er auch für König Wilhelm eingetreten und mit. ihm häufig zusammengewesen zu. sein, da. wir ihn mehrmals in Erlassen des Letztem als Zeuge aufgeführt finden, so am 27. April 1251 in einem Rechtsspruch des Königs wegen der Grafschaft Namur 4 ), und in demselben Jahre bezeugen beide Brüder einen Bestätigungs- und Freiheitsbrief des Königs Wilhelm für den Erzbisehof Heinrich von Embrun 5 ). Besonders eng liirt mit König Wilhelm war Emiclis. ') Die Urkunde findet sich in Menzel und Sauer, Cod. dipl. Nassoicus. Es kann dies nur Emich IY. gewesen sein, da in dem genannten Jahre kein anderer Emich existirt. -) Böeh'mer, Reg. Imp. p. 1. a ) Remling, Geschichte der Bischöfe von Speyer I, 400 u. Urkundcnbuch dazu I, 253 nr. 273; Lünig, Spicil. saec. I. 389. 4 ) Boehmer, Reg. Imp. nr. 62. 5 ) Henricus electus Spirensis, sacri Imperii cancellarius bestätigt, und Emecho comes de Inningen ist Zeuge, Boehmer. Reg. Imp. nr. 114. Bruder Heinrich, derzeitiger Bischof von Speyer, der für jenen bei seinem Bruder Emich 100 strassburger Mark lieh, wofür der in schwerer Geldnoth befindliche König ihm jährlich 100 Malter Korn in Statweiler nebst 5 Fudern Wein auf dem Hofe zu Deidesheim verschrieb 1 ). Um diese Zeit, am 29. Juni 1248, schloss Graf Emich mit Pfalzgraf Otto II. und dessen Erben folgendes Uebercin- kommen: Der Pfalzgraf nimmt ihn mit 300 Mark zum Burgmann in seine Burg Winzingen, wofür er gegen 500 Mark die Verproviantirung der von den Feinden des Pfalzgrafen belagerten Burg Thurm (an der Mosel) übernimmt, d. d. Ahbach, 29. Juni 1248. Mit den Gebrüdern Johann und Friedrich von Franckon- stein kam er wegen der Burg Franckenstein (die sein Bruder als Lehn empfangen und als Afterlehn wieder den Francken- steinern verliehen hatte) in Zwistigkeiten, doch wurden dieselben durch einen Vertrag geschlichtet, in welchem die beiden von Franekenstein sich verpflichteten, dass sie auf Seite Emichs treten wollten, wenn auf der andern Seite der Vertrag nicht gehalten würde. Wie wir gesehen haben, hatte Friedrich IL noch bei Lebzeiten eine Theilung der Güter unter seine Söhne vorgenommen, und diejenigen, welche dem geistlichen Stande angehörten, durch Güter und Gefälle abgefunden. Den Antheil nun, der ihm zugefallen, übergab Walram, Domprobst zu Worms und Probst zu St. Guido in Speyer, 1249 seinem Bruder Emich IV., wie er Alles bisher besessen hätte 5 ). Im Jahre 1250 verlieh ') In den Act. Theod. Palat. VI. 319: Datum Diemerstein A. D. 1218 in crastino vinclorum Petri Apost. (am 2. August). S. auch die vorige Anmerk. ■) Datum in castro Lyningen. A. D. 1249: Nos "Walramus, Wormat. eccl. prepositus, constare volumus — quod nos terras, possessiones, reditus siue census nec non omnem hereditatem quo ad nos est ex paterna successione deuoluta. B m - bichoni comiti de Lyningen, fratri nostro, in proprium tradidimus — sicut — 93 — auch der Abt Friedrich von Weissenburg dem Grafen Emich IV. die durch den Tod Ulrichs von Manzenberg erledigten Lehen in Grünstadt, Asselheim, Sausenheim, Kirchheim und Obrigheim 1 ), und in demselben Jahre finden wir als Zeugen in einer Urkunde „Emico comes de Lyningen", was, da es keinen andern Emich damals gab, gleichfalls nur Emich IV. gewesen sein kann. Bald darauf, am 18. Februar 1251, bekunden der Bischof Heinrich von Speyer, sein Bruder Emich IV. und die Wittwe Friedrichs IL, Agnes von Eberstein, dass der Bischof von Speyer und das Haus Leiningen Schirmherren des Mittelhofs Bockenheim seien und die Lösung an den verkauften Gütern hätten 2 ). Bald darauf, im März desselben Jahres, besiegelt Emich IV. die Vergabung Bertholds und Gottfrieds von Metz an das Kloster Kirchgarten in Worms. Im folgenden Jahre (5. October 1252) genehmigt König- Wilhelm, dass Graf Emich das Witthum seiner Gemahlin Elisabeth auf das Schloss Landeck anweist 3 ). Ein Jahr später, am 2. Februar 1253 beklagt sich der Erzbischof Gebhard zu Mainz, dass ihm vom Grafen von Leiningen das Schloss Starkenburg vorenthalten werde 4 ). Da in der Urkunde aber kein Vorname angegeben ist, so lässt sich nos debuissemus eadem possedisse. Abgedruckt in Ivremer, Geschichte des Ar- dennergeschlechtes, Documenta inedita Liningensia nr. 4, pag. 250. ') Remling, Geschichte der Bischöfe von Speyer I, 490; Lünig, Spieil. saec. I. 381. -J Dat. A. D. 1251, 12. Kai. Mart., mit drei noch hängenden Siegeln, 1. Heuricus, Spirensis electus, imperialis aulae cancellarius (spitz-oval, wachsgelb); 2. Emich (stehend, Schild mit dem Löwen, gelbes AVachs); 3. Agnes comitissa, gelb, die Gräfin zu Pferde. Das Siegel ist zerbrochen). S. auch Doos, Urkunden- buch der Stadt AVorms. p. 156. a ) Crollii Orig. Bipont II, 111. 4 ) Guden 1. c. I. 633. — 94 — nicht feststellen, gegen welchen der beiden Brüder, oh gegen Emich oder gegen Friedrich diese Anklage gerichtet wurde 1 ). Nachdem Graf Emich schon am 5. October 1252, in castris apud Frankenfort, vom König Wilhelm die Genehmigung dazu erhalten hatte 2 ), und ihm nun auch durch den Grafen Heinrich von Zweibrücken die Bestätigung ertheilt ward, verlegte er das Witthum seiner Gemahlin Elisabeth auf das Rciclislehn Landeck 3 ), und am 23. Mai 1255 versetzte ihm zu Boppard König Wilhelm von Holland die villicatio Bullinkem (Billigheim) in Godramstein für 500 Mark Silbers 4 ), lässt ihn in demselben Jahre die Urkunde eontrasigniren, worin er (Wilhelm) den Speyerern wegen ihrer Treue alle ihre Privilegien bestätigt 3 ) und ermächtigt ihn am nämlichen Tage, die Erben des Gerhard von. Eppstein für die Hälfte ihrer erlittenen Verluste durch Reichsgüter zu entschädigen 0 ). !) Die Urkunde hat die Ueberschrift: Castrum Starkenburg comiti Linin- gensi et castrcnsibus proditorie assignatum quomodo illud rccuperaverit." In derselben heisst es zu Anfang: ,.Nos Gerbardus, D. G. s. Moguntine sedis Archiepi- scopus, sacri Imperii pdf Germanium arckiccaucellarius. Per praesens Scriptum notum fueimus universis quod, eum Castrum Starkenburg, a comite de Inningen et castrensibus ibidem (qui eastrum ipsum comiti proditorie assignarant) nullatenus alias recuperare possemus nisi Literas Capituli Moguntini daremus iisdem ...... Datum Moguntie A. 1). 1253 Id. Febr. -) Das Original befindet sich im Stadtarchiv zu Strassburg, s. Mona, Zeitschr. für d. Oberrhein, XI, 228. a ) Crollii Orig. Bipont II. 108; Mone, Zeitschrift f. d. Oberrhein II. 288. Wohl diese selbe Elisabeth vermachte am 1. Mai 1256 dem Marienkloster in Worms ihren Fischteich in Kindenheim. + ) Kremer, Ardennorgeschlecht II, 251 ; Boehmer, Bog. Imp. nr. 260. 5 ) Liinig, Keichsarehiv XIV. 467. c ) Datum Bopardie, X. Kai. Apr., Indiot. XIII, A. I). 1255, unvollständig abgedruckt bei Wende, Hess. Gesch. I, 22. Vgl. Boekmer, Keg. Imp. nr. 262; Schenk, im Correspondonzblatt 1874 p. 71; Mitthoilungen des Hanauer Gesehichts, Vereins 1876 pag. 3. nr. 1. Die Vollmacht ertheilt Wilhelm „fidelibus nostris E. comiti de Inningen, A. do Waldeckc et W. do Bolandin, und die Entschädi- — 95 — Im Jalire 1255 genehmigte er ferner einen Güterverkauf des Marienklosters zu Worms, in Büdesheim, an die Abtei Rosenthal 1 ), und nahm in demselben Jahre an der Fehde seines Verwandten Wernlier von Bolanden mit den Städten Mainz, Oppenheim und Worms theil, vermittelte aber schliesslich den Frieden' 2 ), und befreite in Gemeinschaft mit seiner Ehefrau Elisabeth die in der Büdesheimer Feldmark gelegenen Güter des obengenannten Klosters Rosenthal, in welchem eine Tochter von ihnen als Nonne lebte, von allen ihren Dienstleistungen 3 ), Avie denn auch beide am 26. April 1256 der Abtei Nonnenmünster bei Worms ihre Stampfmühle zu Kindenheim schenkten, wofür ihrer beiden Gedächtniss gefeiert Averden sollte (VI. Kai. Maii dat. Westerburg). Schon ZAvei Monate vorher, am 1. März 1256, hatte Graf Emich mit BeAvilligung seiner Schwägerin Adelheid 4 ) und deren Sohnes Friedrich dem Speyerer Domcapitel ein Hofgut zu Böhl für 100 Mark löthigen Silbers verkauft 5 ). In dem nämlichen Jahre 1256 sehen Avir ihn als Zeugen in dem Entscheid zAvischen dem Kloster Eusserstlial und dem Heingereide-Berechtigten, und eben so in der Genehmigung dieses Entscheides durch seinen Bruder Heinrich, den Bischof von Speyer. gung soll zu Theil werden: „D. comiti de Katzenelnbogen, AV. de Epponstein, R. de Hagenowe, heredibus quondam Gcrardi de Eppenstoin. S. aueli Monzel et Sauer,, Cod. dipl. Nassoieus (AViosbad. 1885) pag. 383 ur. 628. ') Lateinische Pergamenturkundc im Archiv des Grafen K. E. zu Leinin- gcn-AVestorburg. Schönes Siegel; der Graf steht aufrecht und stützt sich mit der Linken auf den AA r appenscliild mit dem Dagsburger Löwen. -) Boehmor, Fontes Kor. Germ. II, 198. :t ) Itomling, Gesch. der Abteien I, 344. +) Remling, Speyerer Urkundonbuch I, 24G. In der Urkunde neunt sie sich „relicta'', was hier aber nicht „AVittwe" sondern „Strohwittwc" bedeutet, eine von ihrem in Palästina abwesenden Manne „Zurückgelassene". 5 ) Datum apud. Lutramervorst 1256. Würdtwein, Subsid. nov. XII, 172 und 176. — 96 - Eine ausserordentliche Vergünstigung erhielt Graf Emich von dem Könige Richard durch die Concession, dass seine Reichslehen auch auf seine Töchter vererben sollten 1 ), und bereits am folgenden Tage erlaubt ihm Kaiser Richard, seine Gattin Elisabeth mit 600 Mark Silbers auf die reichslehenbare Burg Landeck zu verwidmen 2 ). Kurz vorher, am 21. Juni 1257, hatte Kaiser Richard die durch König Wilhelm an den Grafen Emich von Leiningen-Landeck geschehene Verpfändung des Dorfes Godramstein und des Hofes Billigheim bestätigt 3 ). Im folgenden Jahre (Speyer, am 6. October) bezeugen Emich und sein Bruder, der Bischof Heinrich von Speyer, eine Urkunde, worin Kaiser Richard den Bürgern von Speyer die von Heinrich V. ihnen verliehenen Privilegien bestätigt 4 ). Im folgenden Jahre erscheint er als Zeuge in einer Urkunde, worin Reinliart von Hanau auf das Schloss Königstein und die Nassauischen Lehen verzichtet. Wie König Richard dem Grafen Emich die Vergünstigung ertheilt hatte, dass auch die Töchter desselben in den Lehen nachfolgen sollten, so verleiht gleichfalls der Pfalzgraf Ludwig II. ihm die Genehmigung, dass auch die pfälzischen Lehen auf seine Töchter erbfähig sein sollten 5 ), und die nämliche Vergünstigung erwiesen ihm dann auch der Bischof Eberhard von Worms hinsichtlich der Wormser Lehen und im folgenden ') Alezeiae, 25. die Sept. Indiot. I, A. D. 1257, Eegnil, in Lehmanns Acten- nachlass in der Heidelberger Bibliothek. a ) Alsey, 26. die Sept., Indiot. I, A. D. 1257, Eegui I., daselbst. :f ) Datum Bonne, 21. die Junii, lndict. XV. A. D. 1557, Eogni nostri plimo. In Lehmanns Actennachlass in der Heidelberger Bibliothek. 4 ) Gercken, Cod. Brandenburg. VIII, 390. Lehmann, Speyersche Chronik IV, 536 nr. 88. 5 ) Act. in campis apud Wyssenburg, A. 1). 1258, 12. Kai. Dec. (20. Nov.) Aus Lehmanns Actennachlass in der Heidelberger Bibliothek. — 97 — Jahre der Erzbischof Werner von Mainz 1 ). Jedenfalls zeigt sich in diesen Verwilligungen die hohe Gunst und das Ansehen, in welchem Graf Emich stand. Freilich kamen die Lehen nicht auf die Töchter, sondern blieben zum grössten Thcile hei dem Stamme. In dieser Zeit hielt Graf Emich sich vielfach in Worms und dessen Umgegend auf, weil wegen der nach König Wilhelms Ermordung und bis zur Wahl Richards überall ausgebrochenen Unruhen und Wirren die Stadt ihn als ihren Beschützer annahm, ihm dafür 300 kölnische Mark zahlte und durch seinen Beistand auch wirklich völlige Sicherheit genoss 2 ). Den Städten um Sold zu dienen, vertrug sich mit dem Standes- bcwusstsein der Ritterbürtigen um so mehr, als, wie wir liier ein Beispiel haben, auch angesehene Dynasten es mit ihrer Würde verträglich fanden, besoldete Stadthauptleute zu werden, wie denn hier Graf Emich IY. sich der Stadt Worms gegen 300 jährliche Mark für die nächsten zwei Jahre verpflichtet. Solche 300 Mark waren übrigens eine sehr hohe Summe zu einer Zeit, wo, wie wir gesehen haben, ein deutscher König schon um einhundert Mark sich persönlich in Verlegenheit befinden konnte. Es wurden übrigens solche Verträge in der Folge zwischen Worms und den Grafen von Leiningen noch öfter abgeschlossen, theils ohne Entgelt, theils gegen Vergütung, da doch immer nicht unbeträchtliche Kosten für den o O j S chutzlierrn erwuchs en 3 ). Dass Graf Emich, wie wir weiter oben gesehen haben, sowohl von dem Kaiser als von den andern Lehnsherren ein ') Mone, Zeitschrift für Oberrhein IX, 290 und 291; auch im Sponheimer Copiallmchc (B. fol. 17) zu Carlsruhe. 2 ) Boehmer, Font. Her. Germ. II, 191, 194 u. 196. !l ) Vgl. auch Arnold, Verfassungsgeschichte II, 243; Roth von Schreckenstein, Geschichte der rhein. Reichsritterschaft (Freiburg, 1886) I, 433 u. 434. Brinclcmeier, Leiningen. 7 - 98 — Lehen auch auf seine Töchter vererben liess, so auch von clem Bischof Eberhard von Worms 1 ), geschah hauptsächlich, weil er nur einen einzigen Sohn besass. Da die Lehen indess immer bei dem Leininger Mannesstamme blieben, so können sie nicht auf die Töchter gekommen sein. Dass Graf Emich IV. und sein Bruder, der Bischof Heinrich von Speyer, sich, wie auch ihr Vetter Friedrich III., dem Könige Richard anschlössen, dürfte, ausser dem vorhin Angeführten, auch daraus hervorgehen, dass dieselben bei der Erneuerung der Privilegien für Speyer im Jahre 1258 als Zeugen erscheinen, folglich sich an seinem Hofe befanden 2 ). ') Lehmaun in seiner Gesch. des Hauses Leiningen nennt diesen Bisohof „Emich". Er hiess indess „Eberhard". Vcrgl. auch Mone, Zeitschrift für Oberrhein, p. 290 und 291 nr. 2, und das Sponheimer Copialbuch zu Carlsrulle, aus welchem eine Copie der Urkunde sieh im Archive dos Grafen K. E. zu Leiningeu- AVestcrburg befindet. Die Urkunde ist datirt: „AVormacie A. D. 1258 menso Februario" und laufet im "Wesentlichen: „Eborhardus D. G. Wormaciensis Electus volumus — quod uos attondente grato obsequio — quod Emicho comes de Lyningen consaiiguinous nostor — omnia feoda, quo idem a nobis et ecclesia tenet — filiabus ipsius, si ipsum sine filiis decedere eontigerit, liberaliter porrigimus." Aohnlioh bogiobt Erzhischof AVernh er von Mainz (Lohmann nennt ihn „AValthcr") dem Grafen Emicho (IV.), seinem Verwandten und, dessen Töchtern die Mainzer Lehen, „actum Pignio A. D. 1259, III. Kai. Nov." 80. Oktober (ebenfalls im Spouheimer Copialbuch, Copie im gleichen Archiv). Lohmann benutzte nur eine handschriftliche Notiz über die Urkunde, worin nicht nur der Erzbischoi „Walther" genannt wird, sondern auch die Gemahle der Töchter fehlen, welche die authentische Abschrift d. Originals enthalt. Es heisst darin: Feuda predicta nos coucessisso recognoscimus G. de Dyotscli (Diez in Nassau) et E. de Katzenelnbogen comitibus, G. de Epponstoin (in Nassau) et B. do Hagenowe dominis, per eos filiabus predicti E. do Lyningen comitis doferenda et quecunque ipsarum supervixerit comitem memoratum, feudi titulo possidoaut a predicta ecclesia Moguntinensi." In der officiellen Stammtafel ist Eberhard nur als Mönch angegeben, während er hier als „Electus" auftritt. -) Boehmer, Eeg. Imp. nr, 46. — 99 — Hier ist Emich auch Zeuge eines Sülmbriefes zwischen Worms und Osthofen mit Simon von Guntheim am 16. Sept. 1260 1 ). Zu der Zeit, als nach Richards Abreise abermals grosse Wirren und Unordnungen eintraten, wählte Worms von Neuem den Grafen Emich zum Beschützer gegen zwei Adlige, von Stein und von Guntheim; er bezwang sie und verpflichtete sich bei der zu Stande gebrachten Sühne, den Landfrieden gegen jede Störung sichern zu helfen 2 ). In demselben Jahre war er mit dem Bruder seiner Mutter, 'dem Grafen Otto von Eberstein, Schiedsrichter in einer Irrung der Stadt Speyer und dem dortigen Domcapitel wegen des kleinen Zehnten und eines Waldes 3 ). Späterhin, am 21. April 1262, ward er Lehnsmann des Bischofs Philipp von Metz um Saaralben 4 ), und in demselben Jahre nahm ihn die Stadt Worms abermals, und zwar diesmal gegen 500 Pfund Heller als Schutzherrn an, in welcher Stellung er, als Schirmer des Landfriedens, vortreffliche Dienste leistete 5 ), und am 3. Oktober 1264 ward er Lehnsmann des Herzogs von Lothringen wegen Bistrihgen 6 ). Als seine Gemahlin Elisabeth gestorben war, vergab er (am Tage Maria Reinigung 1264) dem Stifte des heil. Philipp zu Gell seine Mühle zu Herxheim (die unter Cell im Thale lag)' zu ewigem Besitzthum, wofür die Domherren seiner verstorbenen Gemahlin und später sein eignes Gedächtniss feiern sollten 7 ). Späterhin (1267) schenkte er auch zum Seelen- 0 Boos, Urkundonbueh dor Stadt "Worms, p. 193. -) Boehmer, Bontos Rer. Germ. II. 199 und 232. ;i ) Hilgard, Urkunden der Stadt Speyer, p. 68. ?*). Sponheim Copialbuck (in Carlsr.); Hone, Zeitschrift f. Oboirh. XIII. 60 s ) Boolimer, Fontes. Rer. Germ. II. 203 und 206. ~ e ) Original im Strassburgor Archiv,- s. Mono,.. Zeitsohr. XIII. 60. '•) Lateinisches Pergament-Original im Archiv des Grafen K. E. zu Lein.- Wcsterburg. Es hatte 5 Siegel, von denen aber drei abgefallen; das grosso mit 7* — 100 — heile dieser verstorbenen, so wie seiner noch lebenden zweiten Gemahlin Margarethe demselben Stifte einige auf seinen Gütern zu Minfeld (Munervelt) ruhende Gülten und befreite 1268 dieselbe Kirche von Zoll und Ungeld in Landau 1 ). Aus dem Jahre 1266, vom 28. September, findet sich eine Erklärung des Grafen Emich wegen des zwischen der Geistlichkeit und der Bürgerschaft zu Speyer übernommenen Schiedsamtes 2 ), und von 1268 (Speyer, 18. Oetober und 13. November) eine Urkunde Emichs über die Einsetzung eines Schiedsgerichts in dem Streite zwischen Speyer und dem speyerer Bürger Dietmar Zöllner 3 ). Im Jahre 1268 befreien Graf Emich und seine Gemahlin Margarethe von Sponheim das Kloster Eussersthal vom den drei Leiuingor Adlern ist etwas beschädigt und das fünfte ein verstümmeltes nassauer Reitersiegel. ') Landau wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts von Graf Emich IV. von Leiningen gegründet, wozu er aus den nächsten Dörfern Ansiedler in der neuen Stadt sammelte. Schwerlich geschah die Erbauung wegen der schönen Lage (wie Birnbaum, Geschichte der Stadt Landau — Kaiserslautern 1S30. p. 39 meint), noch aus gewerblichen (wie Lehmann p. 7 annimmt) sondern aus anderen, naher liegenden Gründen. Der Graf war Landrichter im Speyergau, dessen Gciicht auf dem Hügel des Lutramforstes, eine Stunde nordwestlich von Landau, gehalten wurde. Zum Schutze dos Landgerichts war eine Burg und Stadt in der Nähe wünschonswerth , besonders in jener unsicheren, fehdereichen Zeit, woraus aaeli erklärlich wird, wesshalb die Einwohner der Nachbardörfer gern ihre Zuflucht in der neuen Stadt suchten und dieselbe bevölkerten. Selbst der Name Landau scheint sich auf das Landgericht zu beziehen, so wie auf den Grund der Erbauung und auf die Bestimmung der Stadt hinzuweisen. Der Platz des Landgerichts hiess Stahlbühel (Gorichtshiigel); er durfte nicht verhaut worden, weil er für die Gcrichtsversammlung bestimmt war. Ueber Landau und seine Besetzung im 13. bis 15. Jahrhundert s. Mone, Zeitschrift f. Obcrrh. II. 300. -) Copialbuch zu Carlsruhe; das Original ist nicht aufzufinden, S. Hilgard, Urkundonbuch von Speyer p. 83. :l ) Dat. apud St. Germannum A. D. 12G8, sabbato proxino post Martini. Original im Speyerer Archiv, siehe Hilgard, Urkunden von Speyer p. 84; Lünig, Reichsarchiv XIV, 469. — 101 — Zoll u. s. w. 1 ), uncl zwei Jahre nachher erklären die Grafen Einich und Friedrich dasselbe frei von aller Bode 2 ). In dem letztern Jahre bezeugt und bestätigt er das Testament des nach Jerusalem ziehenden Helfrich Ritter von Heppenheim, worin dieser dem Kloster Otterberg Legate aussetzt 3 !. Wie gegen den Kurfürst und Erzbischof Siegfried von Westerburg die Stadt Cöln seiner Zeit, so ward im Jahre 1270 umgekehrt von dem Stifte, Johann von Reichenbach u. A. der aufstäudigen Stadt Worms die Fehde angesagt. Es wurde sofort mit Plünderung und Brandschatzung vorgegangen, jedoch im folgenden Jahre in Gegenwart des Grafen Emich und des Raugrafen Rudolph der Zwist beigelegt 4 ). In eben diesem Jahre kommt Emich IV. nebst seinen Brüdern Bischof Heinrich von Speyer und Bischof Bcrthold von Bamberg in einer Urkunde vor, in welcher der letztere den Herzog Ludwig in Bayern mit der Burg Hornstein belehnt 5 ), und am 14. April desselben Jahres wohnten Emich IV. und sein Bruder Friedrich III., nebst dem Bischof Heinrich von Speyer, dem letzten Reichstage (zu Erneuerung des rheinischen Landfriedens) des Königs Richard in Worms bei 8 ); und am 2. Mai 1270 zu Rüterberg genehmigt Bischof Heinrich von Speyer, mit Bewilligung seines Bruders Emich, den Verkauf von Leimersheim etc. an i) Würdtwein, Subsid. nova XII. 195. -) Würdtwein 1. e. XII. 205. •ij Act. A. D. 1270 in octava apostolorum Petri et Pauli (6. Juli). Auf der Rückseite des Pergaments stobt von einer alten Hand: (Debonis) nobis collatis in Hoppenheim a doniino Helfrico milite, u. ähnlich von jüngerer Hand. Orig. im Staatsarchiv zu Luzero, abgodr. in Baur, Hess. Urk. A , 60. 4 ) Hermaunus Altahonsis u. Boebmer, Geschichtsquellen p. 206. 5 ) Act. et dat. in campis apud Novam Civitatem. Würdtwein, Subsid. dipl. nova I. 173. «) Boebmer, lieg. Imp. p. 49, sub anno 1269. - 102 — das Stift Hördt, „mediantibus nobis et dilccto fratre nostro Emichone, comite de Lyningen 1 )." Dass Graf Emicb bei der Wahl Rudolphs von Habsburg (1. October 1273) zugegen war, ersieht man daraus, dass er als Zeuge und Bürge in der ersten Urkunde Rudolphs auftritt, worin dieser dem Erzbiscliofe Heinrich von Trier für gehabte Wahlunkosten 1555 Mark zusichert 2 ). Von Kaiser Rudolph erlangte Graf Emich denn auch im Jahre 1274 die Genehmigung eines Marktes in Landau mit den nämlichen Privilegien, wie sie die Stadt Hagenau hatte 3 ). Auch belehnte in demselben Jähre ihn und seinen Bruder Friedrich der Kaiser mit dem Lehen Mär kl in s von Lindelbol, ' bis dessen Kinder zu ihren Jahren kommen würden. 4 ). Eben so beauftragt am 4. September 1274 de]' Kaiser Rudolph ihn und Theodorich von Plohenfels, einen Streit zwischen dem Kloster Otterberg und dem Kolben von Waldenburg zu entscheiden 5 ). Wie sehr ihm aber seine Stadt Landau am Herzen lag, bewies er auch dadurch, dass er 1276 daselbst ein Augustiner- Chorherrenkloster Striegen gründete"). ') Mono, Zeitschr. für Obcrrhcin, XIX. 175. -J Günther, Cod. dipl. II. 381. Diese Urkunde wird besonders dadurch interessant, dass sie die erste bisher in der deutschen Geschichte bekannte ist, worin die Kur fürs ten sieh die U n k oston bei der Wahl von dem Er w äh 1 - ton vergüten lassen. :i ) Schoepflin, Als. dipl. II, 4; Boehmer, lieg. Imp. nr. 91. 4 ) Liinig, Spicil. saec.T, 381. Vom 10. Mai in Hagenau. Falls die Kinder früher stürben, so solle das Lehen .ihnen für immer verliehen sein. S. Lünig, Eeichsarehiv XXII, 381; Senckenbcrg Medit. Ii. 328. 5 ) Würdtwein, Mon. Palat. I, 329. 6 ) Kremer, Gesch. v.Landau p. 13; Schoepflin, Als. dipl. II, 12; Widder Besohr. der Pfalz II, 495. „Insheim" kommt darin unter dem Namen „Ensiges- hoinr' vor. 103 - im Jähre vorher, 1275, contra,signirt Graf Ertlich eine Urkunde, in welcher Kaiser Rudolph der Lütticher Kirche die ihnen von Kaiser Heinrich V. ertheilten Privilegien bestätigt 1 )' und ausser sechs Cardinälen, waren auch die Brüder Emich und Friedrich gegenwärtig, als am 20. October 1275 in ecc-lesia Lausanaensi Kaiser Rudolph dem Papste Gregor VII. verspricht, die Rechte der römischen Kirche schützen zu wollen und die verlorenen Besitzungen ihr wieder zu verschaffen 2 ). Als Graf von Dagsburg war Emich IV. der Schirmvogt des Klosters Hesse, und gab im Jahre 1277 den bedrängten Benedictinernonnen eine jährliche Rcichniss von I I Pfennig, 6 Acker Landes zu Bizingen und bis zur Wiederherstellung des zerstörten Klosters eine Hütte zu ihrem Aufenthalte 3 ). Am 14. Juni 1278 übertrug dem Grafen Emich der Pfalzgraf Ludwig IL, der Strenge, das Amt eines Burgmannes in Wachenheim (castellaniam in castro suo äpud Alcejam) gegen 300 Mark kölner Pfennige, wofür ihm der Zehnte, sodann 300 Malter Korn und andere Einkünfte versprochen wurden, mit der Bedingung, dass er dafür Lehngüter kaufe und einen o o; <—> geeigneten Ritter in Wachenheim residiren lasse 4 ), und in einer andern Urkunde von demselben Tage verbürgt sich Graf ') Lünig, Reichsarchiv XVII, 510; Boehmer, Reg. Imp. nr. 203. •) Abgcdr. in Pertz Monu.ni., s. a. Boehmer, Font. Iter. Ilernens. III, 144. :< ) D. Fischer, die ehemalige Abtei Hesse (Miihlhausen im Elsass 1866), pag. 9. Die Grafen von Leiningen waren lange Zeit im erblichen Besitz der Schirmvogtei, hohen Gerichtsbarkeit und des Blutbannes im Dorfe Hessen, bis diese Rechte ihnen wegen ihres Religionswechsels streitig gemacht wurden; doch behielten sie bis in die neuere Zeit das oberste Gericht und einzelne Grundstücke z. B. den sogenannten Klosterwald. +) Act. et dat. apud Heidelberg A. 1). 1278. 18. Kai. Julii, im Oarlsruher Copialbuch und bei Hilgard a. a. O. p. 59; auch bei "Widder, Beschr. der Pfalz, III, 12 und b. Koch und Wille, Regesten der Pfalzgrafen am Rhein (Innsbruck 1887) pag. 59 nr. 1016. • 42 — 104 — Emichs Neffe Friedrich V. für Einhaltung der von jenem angelobten Bedingungen und dass sein Oheim binnen Jahresfrist das Amt persönlich anträte 1 ). In eben diesem Jahre schhessen am 24. Juni zu Hagenau der Pfalzgraf Ludwig II. bei Rhein, die Grafen voh Hohenberg, Katzenelnbogen, Leiningen und 17 Städte am Rhein, im Elsass und in der Wetterau einen Landfrieden von den vergangenen Pfingsten auf zwei Jahre, besonders gegen diejenigen, welche ungerechte Zölle am Rhein erhoben 2 ). Dass die beiden Brüder Ansprüche auf das Patronat zu Urach zu machen hatten, lässt sich daraus sehliessen, weil die Vergebung des Patronats über diese Kirche an das Kloster Herrenalb durch Conrad von Hohenheim, genannt Blaubast, ihrer Genehmigung bedurfte, die sie denn auch am 6. März 1272 in Speyer ertheilten und dabei auf ihre Ansprüche verzichteten 8 ), wofür indess Conrad von Hohenheim und sein Sohn den beiden Leininger Grafen, da dieselben Lehnsherren dieses Patronats waren, einen entsprechenden Lehenersatz an Gütern zu Hohenheim gegeben hatten 4 ). Emich IV. starb im Jahre .1280 (oder 1281). Er war zweimal vermählt: 1. mit Elisabeth, die in den Jahren 1255 1256 und 1257 vorkommt 5 ), aber im Jahre 1264 bereits gc- ') Hilgard, n. a. 0. p 59. -) Sauer, Cod. dipl. Nassov. P. I, Abth. II. p. 561. 8 ) Urkunde im Archiv des Klosters Herrenalb, siehe Mone, Zeitschrift für Oberrheiii I, 381. Ebendaselbst bei Mone, a. a. 0. I, 381. 5 ) Am 1. Mai 1257 vermacht sie dem Kloster Nonnenmünster in Worms ihre Stampfmühle zu Kindenheim testamentarisch zum Eigenthum und erbittet sich dagegen von den Nonnen nur eine Eeier ihres und ihres Mannes Gedächtnisses, d. d. "Westerburg an. 1257 (Archiv für Hess. Geschichte JI, 30). Auch vermacht sie dem Klostor B. Mariae Yirg. ausserhalb Worms „pistrinam in Kindenheim". Letztere Urkunde ist in dem Lehmannschon Actennachlasse in der Bibliothek zu mm 105 - storben war, da ihr Gemahl (s. weiter oben) in diesem Jahre dem Kloster Cell eine Schenkung zu Anniversarien für die Verstorbene macht, Mit Genehmigung des Königs Wilhelm verschrieb er ihr 1252 seinen Antheil an Landeck für 600 Mlc. Silbers, wozu auch der Mitbesitzer der Burg und Anverwandte, Graf. Heinrich von Zweibrücken, seine Einwilligung gab 1 ). — Sodann 2. mit der bereits mehrmals erwähnten Margaretha 43 (Xohbfer' des Grafen Simon von Sponheim-Kreuznach), mit welcher er sich am 15. März 1265 vermählte. Er hatte fünf Kinder, einen Sohn und vier Töchter: 1. Emich. Er wurde der Nachfolger seines Vaters in 48 der Landecker Linie, die mit ihm ausstarb. 2. Adelheid, welche 1265 bis 1296 vorkommt. Im Jahre 44 1275 vermählte sie sich mit Johann I. dem Lahmen zu Sponheim-Kreuznach, der noch vor ihr, im Jahre 1291, starb. Sic wurde von ihrem Vetter Friedrich IV. für ihre Ansprüche an das Allodialvermögen ihres Bruders Emich abgefunden mit einem Theile an der Burg Altleiningen, der Ebernburg, den Orten Bingart und Feil a. d. Nahe. 3. Agnes, die ebenfalls von Friedrich IV. für ihre An- 45 sprüche an ihres Bruders Allodialhinterlassensc-haft abgefunden Avurde, und zwar eben so mit einem Theile Altleiningens, nebst dem Dorf, Höfen und Gütern im Westrich. Sie starb 2 ) zwischen Decemher 1299 und dem 24. Juli 1303, und war vermählt 3 ) mit Otto I., Graf von Nassau (welcher zwischen dem 3. Mai Heidelberg, datirt vom 1. Mai 12nC. Auch diese zweite Urkunde ist in Westerburg ausgestellt. 4 Crollii, Orig. Bipont. P. I. "Vol. I. p. 108. 2 ) S. d. Officielle Stammtafel des mediatisirten Hauses Leiningen, Taf. I. nr. 31. :l ) Remling, Abteien des Rheinlandes, I. 344. 100 — 1289 und dem 19. März 1290 starb und der Stammväter der Ottonischen Linie war). 4. Kunigunde, die Gemahlin Heinrichs, Herrn von Blankenburg, und 5. Eine Tochter unbekannten Namens, welche, wie weiter oben erwähnt wurde, Nonne im Kloster Roscnthal war 1 ). Die Töchter Adelheid, Agnes und Kunigunde ergeben sich aus Urkunden von 1270, 1277, 1291 und J293 3 ), ganz besonders aber aus einer solchen von 128S, worin Emich von Leiningen, der Sohn und Nachfolger Ellrichs IV., und dessen Schwestern Agnes, Adelheid, Kunigunde und deren Gcmahle den von ihrem Vater gemachten Verkauf des Allods zu Linstorf an das Kloster Wadgass genehmigen und bestätigen 3 ). ') Annalcn iks Vereins für Nassau. Alterthumskundo, XVI. p. IS, aus dem Nccrologium der Pracmonstratcnser Abtei Arnstein a. d. Lahn. ") Guden, 1. c. III. 441; Klemer, Diplomat. Pciträge p. 233, 247 u. 250. :l ) ,,N° S Emcclio, comcs de Inningen, Catharina uxor moa, Otto comcs de Nassauvc, Agnes uxor sua, Jolianncs comes do Sponheim, Alhcidis uxor sua, Ilcnncus dominus de Blankenburg et Cunigundis uxor sua, sororii et sorores moi Emiekonis praefati." Dat. A. D. 12S8, mense Jauuari). Em ich. 48 Merkwürdiger Weise wird dieser Graf Emic-h, welcher, als der einzige Sohn, seinem Vater nach dem Erbrechte in der Regierung folgte, in der Stammtafel (Tab. I) des mediatisirten Hauses Leiningen ohne Ordnungszahl aufgeführt, während er doch die Regierung wirklich antrat. Derjenige, welcher späterhin als Emic-h V. erscheint, ist ein Sohn Jofricds,' des Gründers der Hartenburger Linie. Um nun eine Verwirrung zu vermeiden, schliesse ich mich der Stammtafel an und lasse Emichs IV. Sohn ohne Ordnungszahl. Dass er wirklich der Sohn Emichs IV. war, erhellt aus dem Lehnbriefe Kaisers Rudolph von 1290 1 ) und aus dem Compromiss seiner Schwestern (der Gräfin Adelheid von Sponheim und der Gräfin Agnes von Nassau) über beider Emichs, des Vaters und des Sohnes, Hinterlassenschaft vom Jahre 1293 2 ). Er kommt nur in wenig Urkunden vor und hat sich auch anderweit nicht sonderlich bemerkbar gemacht; die Regierung trat er mit dem Tode seines Vaters an, wurde von Pfalzgraf Ludwig dem Strengen 1278 als Burgmann aufgenommen, wofür ihm 300 Mark cölner Pfennige zugebilligt wurden 3 ), 9 Schoepflin, Als. dipl. II. 4-3. 2 ) Kremer, Diplom. Beiträge p. 256. a ) Heidelberg, 14. Juni 1278. — 108 — bestätigte nebst seinem Vetter, dem Grafen Friedlich IV., im Jahre 1282 die von Friedrich von Meckenheim an das St. Andreasstift zu Worms gemachte Schenkung des Zehnten und des Patronatrechts zu Rheindürkheim 1 ) und machte mit demselben Vetter Friedrich 1285 die Töchter Conrads von Wartenberg der vom Leininger Hause innegehabten Lehen fähig 2 ). Im Jahre 1286 3 ) ernannte ihn König Rudolf zum Burgmannc in Germersheim 4 ), und im Jahre 1288 fand zwischen ihm und den Vielschüssels in Bezug auf den ihnen vonu Grafen Emicli bei Ilbersheim zugefügten Schaden feinen Todtschlag, s. weiter unten) eine Verhandlung vor König Rudolf statt. Mit seinen Schwestern und Schwägern bestätigt er in der vorhin schon erwähnten Urkunde von 1288 den durch seinen Vater geschehenen Verkauf eines Gutes zu Linstorf an das Kloster Wadgass. Kurz vor seinem Tode, am 9. Juni (V. Id. Jun.) 1289 machen die Trucliscssen und die Winter von Alzey mit Pfalzgraf Ludwigs Genehmigung ihre Burg in Alzey zu einem Leininger Lehen 5 ), während Emich bereits am 7. Februar dieses Jahres bezeugt hatte, dass zwischen dem Kloster Eusser- thal und der Gemeinde Godramstein andere Schiedsrichter gewählt seien 8 ). ') Schannat, üist. Wormat. p. 47. -) Schliessliche Einreden ctc. pag. 199. 3 ) Aus dem Lehmannsclicn Actcnnachlasso in der Heidelberger Bibliothek. (Copie im Archiv des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg.) 4 ) Spyrae, V. Id. Tlec, Indict. XV. A. D. 1280, Regni XIV. König Rudolf bedient sich last immer der kaiserlichen, sehr selten der römischen Indiction. 5 ) Aus dem Lehmanusehen Aotennaohlass in der Bibliothek zu Heidelberg. (Abschrift im Archiv des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg). (i ) Vürdtwcin, Subsid. nova XII. 246. — 109 — In einer öffentlichen Handlung finden wir ihn etwa zwei Jahre vor seinem Tode, indem er 1287 mit Graf Friedrich von Leiningen (dem Alten), Eberhard und Walram Gebrüdern von Zweibrücken, bekundet, dass der Streit zwischen Bischof, Capitel und Stadt Worms mit den Gebrüdern von Drachenfels, wegen einiger Lehen, beigelegt sei 1 ). Jedenfalls starb er bereits gegen Ende des Jahres 1289, wie aus verschiedenen Urkunden und Nachrichten sich orgiobt, Ganz bestimmt ist er im Februar 1290 schon todt; denn in der zweiten Hälfte dieses Monats belehnt König Rudolph den Otto (Ottemann) III. von Ochsenstein, den Sohn seiner (des Kaisers) Schwester und Schwager der Leiningenschcn Grafen, mit den durch Ellrichs Tod erledigt gewordenen Reichslehen 2 ). Und am 3. Juni bekennt Rudolph, der Wittwe des Grafen Emich von Leiningen, Katharina von Ochsenstein, Blutsverwandten, löOO Mark Silbers von des Reichs wegen schuldig zu sein und ihr dafür die Reichsburg (Kaisers-) Werden als Pfand bestellt zu haben, welche Pfandschaft dieselbe dermalen mit seiner Einwilligung ihrem zweiten Gemahle, dem Grafen von Sponheim, als Aussteuer zugebracht habe. Da Gräfin Katharina bereits am 3. Juni 1290 wieder verheirathet ivar, so muss Emich doch wohl etwa ein Jahr vorher gestorben sein 3 ). Dass er 1289 gestorben, giebt auch Tritheim 4 ) an; doch sind darüber, dass derselbe in einem ') Herrn. Altahcnsis u. andere, Geschichtsquellen ete. von Böhmer (Stuttg., 1845) pag. 23G. -) Schoepflin, Als. dipl. I. 43. :l ) Daselbst II. 44; Bochmor, Reg. nr. 1040. 4 ) Trithem. Op. bist. II. 293 in Chron. Sponheim, ad. an. 1289: „oodem anno obiorant Emicho comes do Inningen, Ditherus hlios Eberhardi de Ivatzen- elenbogen etc.' 1 Treffen im Schwarzwalde gefallen sei, keinerlei Nachrichten aufzufinden 1 ]. Graf Emichs Gemahlin war Katharina, Ottos II., Herrn von Ochsenstein und seiner Gemahlin Kunigunde von Habsburg (der Schwester Kaiser Rudolphs) Tochter 2 ). Die Ehe blieb kinderlos, so dass mit Graf Emicli die von seinem Vater begründete Landeck'sche Linie wieder erlosch, die. also nur zwei Grafen gehabt und im Ganzen nur etwa ein halbes Jahrhundert gewährt hatte. Nach Emichs Tode machten seine noch lebenden,Schwestern, gestützt auf die von ihrem Vater für sie erwirkte Lehensbefähigung, auf den Nachlass ihres Bruders Anspruch und erhielten, nach vorangegangenem Oompromiss 3 ), nebst den vorhin angegebenen Gütern auch das Schloss Altleiningen mit sämmtlichem Zubehör. Doch muss dasselbe später wieder in den Besitz des Hauses gekommen sein, da es immer als im Besitze desselben befindlich vorkommt, eben so wie die durch ihres Bruders Tod freigewordenen Lehen. Die Reichslehen Landeck etc. fielen indess, ausser Landau 4 ), dem Kaiser Rudolph ') Einen Einblick in die damaligen seltsamen Rechtsanschauungen, nament- licli in Bezug auf die Blutsühne, gewählt folgende Geschichte. ^Etwa um 15S7 erschlug Emich, mit dem Beistände der Seinigen, einen Heinrich von Wildsehüsscl bei Ilborshoim und bekam Ende Januar 1288 vom Kaiser Rudolf folgende Mordsühne auferlogt: Er inusste (statt seiner, aber auf seino Kosten) einen seiner Leute über das Meer schicken, um wider die Türken zu kämpfen; dann solle er in dem Kloster Mariakron für den Erschlagenen 4000 Seelenmessen lesen lassen und dafür 50 Mark cölner Holler erlegen, und endlich den vier, 'Brüdern von Wildschüssel 80 Mark cölner Heller zahlen, sie zu Vasallen annehmen und die vier Schwestern derselben aussteuern und in Klöstern unterbringen. — Die Verhandlung ist schon weiter oben bei dem Jahre 1288 angeführt -) Schoepflin, Als. dipL II. 144; auch Boehmer Reg. Imp. nr. 1040. a ) Klemer, Diplom. Beitr. p. 256. *) Datiert: — „Erfordie, XVIII. Kai. Marti" Original in Därmstadt. Boehmer, Reg. Impcr. nr. 1232. beim, der dieselben (wie schon erwähnt) dem cdeln Manne. Otto von Ochsenstein, seinem Schwestersohne, wegen des von demselben geleisteten Dienste übergab. Die Feste Landeck mit ihren ausgedehnten Zubehörungen ging dadurch dem Hause Leiningen verloren und kommt von da an nicht mehr unter den Leiningensclien Besitzungen vor. Fortsetzung der Altleininger Linie, welche, nachdem zwischen Friedrich V. und seinem Stiefbruder Jofried (dem Stifter der gleichzeitig existirenden Harten- burger Linie) die vollständige Gebiotstheilung erfolgt war, sich die Linie Leiiiiiigeii-Dagsburg auch speciell Altleininger Linie nannte. Ihr Gründer war: 50 Friedrich V., (Frizmann, Fricemann), der Sohn Friedrichs IV. aus dessen erster Ehe. Schon vor des Vaters Tode, im Jahre 1316, fand zwischen ihm und seinem jüngsten Bruder Jofried eine Theilung statt, die sich indess nicht auf Güter, sondern nur auf Einkünfte bezog 1 ). Er folgte seinem Vater nach dem Rechte der Erstgeburt; denn in dem Schiedssprüche der Verwandten, vom 18. October ') Original in der Pariser Natiänalbibliofhek, nach der Copio der Kegcston im Archiv des Grafen K. E. zu Lein.-"Westerburg. — 113 — (St. Lucastag des Evangelisten) 1317 1 ), wodurch die zwischen ihm und seinem Halbbruder Jofried entstandenen Zwistigkeiten beendet wurden, heisst es: „Nuhe der Graue Friederich der eltst vnd also Herkommen ist, das er die Lantgraueschafft vnd Gericht von Recht soll haben vor seinem Bruder Herrn Jofriet . . . Seit nuhe der Graue Friederich der ersten kund ist, vnd die alten Eigen prucht [die alten allodialen Besitzungen benutzt] vnd Herr Jofriet der jüngsten Kind ist . . . wann nuhn des Landes Recht ist, das die Burglehen alle, die ein Vatter hat, nach seinem Tode auf den eltesten Sohn fallen, seit nuhe der Graue Friederich der elteste Sohn ist . . . soll Herr Jofriet nicht damit zu schaffen han, davon das der Graue Friederich der elteste ist . . . ." Indess scheint aus den Thatsachen hervorzugelin, dass der jüngste Sohn Jofried von Anfang an besonders bevorzugt wurde, auch von Seiten des Vaters, und somit konnte es nicht ausbleiben, dass bald nach des Vaters Tode eine Spannung zwischen den Halbbrüdern schroff hervortrat. Ihre Schwester Agnes hatte ihre Mitgift erhalten, vermuthlich also auch die Schwester Mechtild; der Bruder Emich war Bischof von Spe) r er geworden, und so hatten nur noch der älteste und der jüngste Sohn, die beiden Halbbrüder Friedrich und Jofried, Erbansprüche zu machen; da sie sich nun nicht in Güte einigen konnten, so kam es darüber zu ernsten Verhandlungen, welche länger als zwei Jahre währten und die Zwietracht so sehr steigerten, dass die Schiedsmänner vergebens wiederholte Versuche zu einer Verständigung gemacht hatten, bis endlich die Verwandten es, wie schon oben angedeutet, .1317 möglich machten, nachdem jene schon vorher ihr Gutachten abgegeben, h Lünig, Reichs-Arcli. XXII. 384, und in den Leiningen-Hartenburg'schen und Leiningen-Westerburg'schen Streit- und Processschriften. Brinckmeier, Leiningon. 8 eine einstweilige Verabredung dahin zu Stande zu bringen, dass die den beiden Halbbrüdern schon bei Lebzeiten ihres Vaters verliehenen Güter den Inhabern verblieben und in die Thei'lungsurkunde überhaupt nicht mit aufgenommen wurden. Alles Uebrige aber ward sorgsam getheilt. Dasjenige, was Jofried erhielt, wird weiter unten bei der Geschichte desselben aufgeführt werden. Was aber Friedrich V. in seiner Eigenschaft als Erstgeborner bekam, war Folgendes: die Landgrafschaft mit der Stadt Oggersheim nebst Zubehör, die Burgen Alt- und Neuleiningen mit Mannen und Rechten, so wie die Festen Grevenstein und Madenburg, ferner die Vogtei über die Klöster Höningen und Hertlingshausen bei Altleiningen, 60 Pfund Geldes in den Dörfern Kirchheim, Bissersheim, Grosskarlbach, Obrigheim, Sausenheim und Vechtheim, die Wiesen zu Erpolzheim und den Ort Dürkheim zur Hälfte, mit Wald, Wasser und Weide, und endlich, gleichfalls zur Hälfte, Hochspeyer mit dem Burglehn zu Friesenheim. Sodann kamen bei der am Donnerstag nach St. Georgentag 1318 vorgenommenen Schlusstheilung des noch vorhandenen Restes auf Friedrichs Antheil ferner: Grünheim, Hornheim, Freinsheim, Salzen, Tiefenthal, Lautersheim, Asselheim, Ebertsheim, Bossweiler, Cell (Zelle), Niefernheim und die Ausbeute in drei Aemtern, verschiedene Korngülten zu Bockenheim und Kindenheim, 10 Pfund Heller Gülte in Klein Bockenheim und eine Gülte von 6 Pfund Heller zu Mühlheim. Die Reichspfandsehaften Gutenburg und Falkenburg, dann die Grafschaft Dagsburg und die Herrschaft Ormes-sollten bis zum Tode der Gräfin Wittwe in Gemeinschaft bleiben, und es kamen nach dem Tode derselben die Grafschaft Dagsburg und die Herrschaft Ormes dem Grafen Friedrich zu, während Gutenburg und Falkenburg dem Grafen Jofried zuerkannt wurden. - 115 - Friedrich V. setzte nun seine Linie durch seinen Sohn Friedrich VI., seinen Enkel Friedrich VII., und seinen Urenkel Friedrich VIII., bis auf seinen Ururenkel, den Landgraf Hesso, fort, welcher mit seinem am 8. März 1487 ohne Kinder erfolgten Ableben diese altleininger Linie schloss. Wenn aber beide Linien auch manche Güter noch gemeinsam besassen, so existirten die Linien selbst doch völlig getrennt von einander. Namentlich empfing jede derselben ihre Lehen für sich allein, vergab auch jede für sich ihre eigenen Lehen an Vasallen, und übte, was anfangs wohl noch geschah, ihre Vogteien nicht mehr gemeinsam aus. Selbst auf den Reichstagen führte jede Linie ihre besondere Stimme, ja man theilte sorgsam sogar Titel und Wappen. So nannte sich Friedrich Graf zu Leiningen-Dagsburg, Jofried dagegen Graf von Leiningen, Herr zu Hartenburg. Friedrich V. scheint, trotz der (wegen der Gegnerschaft Ludwigs von Bayern und Friedrichs des Schönen von Oesterreich) im Reiche herrschenden Wirren und der allgemeinen Unsicherheit, ein ziemlich stilles Leben geführt zu haben und weilte dauernd in Alt- und Neu-Leiningen. In Reichsangelegenheiten und als Theilnehmer an der Politik kommt er nirgend vor. Oefter dagegen in Privatangelegenheiten. So verkauft er im Jahre 1323 zu Worms dem König Ludwig als Pfalzgrafen bei Rhein für 3400 Pfund Heller die von der Pfalz lehenrührige Stadt Oggersheim, die Au Grevenaue u. A., jedoch mit Ausnahme des Landgerichts auf Stalbuel (Gerichtshügel) zwischen Worms und Frankenthal, des Landgerichts zu Hierstege auf der Prumme und auf dem Stampe. Den Grafenhof zu Oggersheim verspricht Verkäufer, der deswegen mit seinem Schwager, dem Grafen von Veldenz, im Streite liegt, von diesem einzulösen, und danach ihn dem Könige zu dem Preise zu 8* - 116 - verkaufen, den Friedrich Starke, Ritter, und Heinrich von Cöine, Bürger zu Speyer, bestimmen werden 1 ). Sodann erscheint er als Zeuge in einem gerichtlichen Erkenntnisse zwischen Landgraf Otto von Hessen und dem Erz- bischof Mathias von Mainz, der Lehen wegen, am 2. Jan. 1325 2 ). Wie sehr übrigens beide Linien thatsächlich getrennt waren und jede für sich selbst handelte, zeigt sich auch darin, dass Beide, ohne den andern Theil zu fragen, selbständig Güter veräusserten oder verlehnten. Besonders kamen in der Frie- drichschen Linie mancherlei Verpfändungen und Verkaufungen vor, wie aus vielen Verkaufs- und Pfandbriefen hervorgeht, so dass dadurch ansehnliche Besitzungen von den Leiningenschen Stamnigütern getrennt wurden, während die Jofriedsche Linie trotz mehrfacher späterer Theilungen, eifriger auf das Erhalten des Vorhandenen bedacht gewesen zu sein scheint. So verkauften Friedrich V. und seine erste Gemahlin Sophie an die Abtei Wadgass ihre sämmtlichen Gerechtsame und Gefälle zu Liestorf für 60 Pfund Heller 3 ); am 4. August 1323 verkauft er dem römischen König Ludwig dem Bayer, dem damaligen Besitzer der Rheinpfalz, (wie schon oben bemerkt) ') Als Bürgen des Verkäufers erscheinen: — Herzog Adolf, Hermann von Lichtenberg, des Königs Canzler, welche schliesslich Einlager zu Worms und Speyer versprachen. Zeugen sind: — der oben genannte Canzler, Graf Gerlaoh Schenk von Erbach, Probst zu Allerheiligen in Speyer, Johann von Wallenstein, .Robert Stark von Durstoin, Heinrich von Cölne und Ulrich von Pfeflelheim. — Eahno, die Häuser Isenburg und Reifferscheidt, Bd. I. Abth. II. pag. 50. 2 ) Dat. an der neisten mitwochen nach deme jarstage do man zalte von Gotes gehurt dreizehnhundert jar, darnach in dem fünf und zwentzigisten jar. 3 ) Kremer, Ardennon-Goschlecht II. 254: Wir Friedrich Grave von Li- uingen vnd Sophie vuser eliehe Frowe . . . tun kunt . . . daz wir mit Willen vnd Verhengnuss vnsers Sons Graue Friederichs .... verkauft han .... dem Abt des Stiftes zu Wadogozin in Trierer Bistum . . . alle vnser Reht ... in dem Dorf zu Liestorf .... in Trierer Bistum." Die Urkunde ist datirt vom Sonntag vor Lätare 1323. b>L ' — 117 — die Stadt Oggersheim (Agersheim) und die Burg daselbst 1 ), die Grafenau und seine Rechte an der Nutte (Nutzung) zu Mittelhauk um 3404 Pfund Heller, und der König macht sich in demselben Briefe verbindlich, den Grafen mit allen diesen Gütern zu belehnen. Es ist natürlich, dass Friedrich auch mit seinen Burgmannen u. andern Angehörigen in mannigfache Geschäftsangelegenheiten kam, wie das ein so grosser Besitz ja mit sich brachte. So erklärt er schon am 20. Februar 1317, dass zwischen seinen Burgmannen und Leuten und den Städten Worms, Speyer und Oppenheim, die Uebereinkunft getroffen worden sei, ihre Streitigkeiten immer nur durch Schiedsmänner ausgleichen lassen zu wollen 2 ). Friedrich V. starb zu Anfang des Jahres 1327 3 ), und wurde in der Familiengruft im Kloster Hoeningen beigesetzt. Er war zweimal vermählt: I. mit Sophie, Gräfin von Kyburg; II. mit Marie de Chastillon de Blois, der AVittwe des Herzogs Rudolf von Lothringen 4 ). Seine zweite Ehe blieb kinderlos, und von der ersten Gemahlin, Sophie, hatte er nur einen Sohn, der ihm als Friedrich AH. in der Regierung folgte. ') Kromer, Ardennen-Geschl. II. 120, Urkunde 10. Dieselbe ist datiert: Geben zu Worms, da man zalte von Christus Geburt XIII. 0. darnach in dem dritten und zwentzigsten Jahre an dem nehsten Dornstag vor sant Laurentien tag. Die Stadt Oggersheim hatte er, wie die Urkunde zeigt, von der Pfalz zu Lohen. 2 ) Pergamenturkunde in der Stadtbibliothek zu Mainz, abgedruckt in Schaah. Geschichte des rheinischen Städtebundes II. 82. ;i ) Sein Sohn tritt in diesem Jahre schon als regierender Herr als Bürge für eine von seinem Vater übernommene Verbindlichkeit ein, s. unter Friedrich VI. 4 ) Du Cliesne, Hist. de la Maison de Chastillon sur Marno (Paris 1681 fol.) Pag. 145, wo Leiningen unter dem Namen .,Lina.nge" vorkommt. -gut • 4 # s •, ■ ■ ' ri* ■■ V, ">»4w 58 Friedrich VI. Wie in der Regierung, scheint er dem Vater auch in der Neigung zu Verkäufen und Verpfändungen gefolgt zu sein. Sein Oheim Jofried hatte für Friedrich V. (seinen Halbbruder) eine Bürgschaft geleistet; daher verpflichtete sich Friedrich VI. 1327, seinen Oheim schadlos zu halten, falls dieser der Bürgschaft wegen in Anspruch genommen werden sollte 1 ), und ebenso versprach er dem Oheim und dessen Sohn Fritzmann im Jahre 1332, sie für eine Gutsage wegen einer frühem Schuld zu entschädigen (28. April, Dinstag nach Quasimodo- geniti). Als Inhaber der Madenburg erbot er sich, der Stadt Landau ein Schirmer und Beschützer zu sein (St. Andreasabend, 29. Nov. 1327), und gelobte 1329 seinem Oheim Jofried, den Frieden in ihrer gemeinschaftlichen Feste Dagsburg getreulich zu halten 2 ). Am 9. Aug. 1331 schliesst er mit dem Dcutscliordenshause zu Ubernsheim einen Vertrag, wonach er um 205 Pfund Heller auf seine Rechte an dem Gut und Hof Ubernsheim verzichtet, kann aber, wenn er die 205 Pfund zurückzahlt, wieder in seine ') Der Vater musste also zu dieser Zeit schon todt sein. 2 ) Ueber diesen Burgfrieden siehe Excerpt. der in der Pariser Nationalbibliothek befindlichen Dagsburgischen TTrknndenregesten. Copie im Archiv des Grafen K. E. zu Leim-Westerburg. — 119 — Rechte treten 1 ), es war also ein Verkauf auf Wiederkauf. — Am 4. Mai 1334 schliesst er mit der Stadt Speyer einen Vertrag, dass zur Schlichtung etwaiger Streitigkeiten zwischen ihnen Schiedsrichter eingesetzt werden sollen 2 ), und zwei Jahre später erscheint er als Zeuge in einer Schenkung an das Kloster Eussersthal 3 ). Uebrigens rnuss er dem Papste oder den Kirchen wichtige Dienste geleistet haben, da Papst Johann 4 ) sich bewogen findet, im J. 1329 den Grafen Friedrich von „Lynengin pro- pter devotionis promptitudincm erga Romanam ecclesiam" zu beloben, wobei er ihn zugleich ermahnt, in diesem löblichen Thun zu beharren 6 ). Freilich ward ihm dies durch einen Zwist zwischen zwei benachbarten Kirchenfürsten erschwert; da er doch nun einmal zwischen beiden wählen musste, so trat er auf Seite des Erzbischofs Heinrich von Mainz, dem er 1320 verspricht, ihm gegen den Erzbischof Balduin von Trier Beistand zu leisten 6 ). Zu einem ernsten Zerwürfnisse rnuss es aber wohl nicht gekommen sein, weil er, zugleich mit seiner ehelichen Wirthin Jutta, sowie mit dem Siegel seiner Mutter und seines Erstgeborenen, Friedrichs des Aeltern, Propstes zu Worms, im J. 1335 eben diesem Erzbischof Balduin für 1000 Pfund Heller „vnser Theil der Burg zu der alten Leiningen und dem Berg und Thal daselbens, im Wormbser Bisthumb, die den alter vnd Alter Vordem recht eigen seyn gewesen, ') Baur, Hess. Urk. III. 72. 2 ) A. Hilgard, Urk. zur Gesch. der Stadt Speyer p. 365. Das Original fehlt; der Abdruck bei Hilgard ist nach dem Copialbuch des Speyer'schen Stadtarchivs geschehen. 3 ) Würdtwein, Subsid. nova XII. 146 0 Papst Johann XXII., erwählt am 7. Aug. 1316, gekrönt am folgenden 5. December, gestorben am 4. December 1334. 6 ) J. Biezler, Vaticanische Acten, sub anno. 6 ) Würdtwein, Subsid. diplom. IV. 241. '■i l i^Bi t ■ l« I I l — 120 — mit Mannen, Burgmannen vnd Lüden, Herrschaften vnd Gerichten" 1 ) aufträgt, worüber dann der Bischof am 9. Febr. einen Revers ausstellt. Am Tage nach der Auftragung wurde er damit belehnt und dabei die Bedingung gestellt, dass, würden diese Besitzungen einst unter seine Erben vertheilt, jeder Einzelne mit seinem Theile belehnt werden solle 3 ). — Um diese Zeit ertheilt er auch mit seiner Gemahlin Jutta (Juditlia) dem Kloster Hoeningen die Zusage, der Probst solle für ihn, seinen Schirmherrn, nur in dem einzigen Falle Güter oder Gülten verkaufen oder verpfänden müssen, wenn er (der Schutzherr) in Gefangenschaft oder sonst in Leibesnoth geriethe (Petri Kettenfeier, 1. August 1331). In demselben Jahre ertlieilen ihm die Brüder Rudolf und Ruprecht, Herzöge in Bayern, die Zusicherung, dass sie für die Folge in ihre Städte, Dörfer etc. keine leiningensche Unterthanen aufnehmen wollen 3 ). — Im Jahre 1333 wies er den Ritter Gottfried von Randeck an, seine leininger Lehen zu Büdesheim, Rode, Ulnheim etc. künftig von dem Sponheimer Grafen Johann zu empfangen, dem er also dieses Recht oder die Lehen abgegeben haben musste 4 ). — Am folgenden 12. Juni erbieten sich Ritter Gottfried von Randeck und seine Gemahlin Schamotte von Ibersheim dem Grafen Johann von Sponheim zu Kreuznach, mit Zustimmung des Grafen Friedrich von Leiningen, ihre Höfe und Dörfer i) Lünig, Spioil. saec. I. 386. -) Höfer, Auswahl deutscher Urkunden, 290. :i J Auszug aus der in der Pariser Nationalbibliothek befindlichen Dags- burger Regestensammlung. 4 ) Urk. vom 16. Juni (Mittwoch nach St. Albanstag) 1333 in der Münchner Hof- und Staatsbibliothek, M. Cod. Bav. 1649. Hierauf bezieht sich vielleicht die Urkunde Ruprechts vom 13. März 1336, worin derselbe zwischen dem Grafen Walram von Sponheim und dein Grafen Friedrich von Leiningen über die Burg Altleiningen etc. entscheidet, s. Lohmann, Grafen von Sponheim I. 179. - 122 - Vergleichsurkunde zwischen den Erzbischöfen von Mainz und Trier 1 ). Der Abt Gerhard von Hornbach belehnt Friedrich den Alten und. seinen Bruder Friedrich VI., den Jüngeren, gemeinschaftlich mit Dorf und Stadt Osthofen als eigenes Lehen 2 ), Letztere Beide gewähren der Celler Kirche wichtige Privilegien 3 ), schenken auch am 31. Octbr. 1350 dem neuerrichteten Katharinenaltare im Stifte Cell ein Haus und einen Garten im Dorfe Cell 4 ). In einer am 25. Mai 1386 ausgestellten Urkunde wird ein Acker auf dem Uffheimer Felde verkauft, auf welchem der Verkäufer vom Grafen Friedrich dem Aeltesten 3 Mark Geldes zu Mannlehen hatte. Diese Urkunde siegelt Friedrich der Alte, der Lehnsherr (die beati Urbani Episcopi A. D. 1383 5 ). Um diese Zeit aber war Friedrich der Alte, der Dompropst zu Worms, längst todt (er starb 1377). Falls nicht ein Lesefehler vorliegt, könnte vielleicht angenommen werden, dass er das Mannlehen zu 3 Mark Geldes vergeben hatte, sein Bruder Friedrich aber den Kauf abschloss; denn letzterer starb erst 1397. Am Einfachsten aber wäre als Erklärung, dass Graf Friedrich VII. zum Unterschiede von seinem Sohne Friedrich nach des Dompropst's Tode gleichfalls der „Alte" genannt sei, wie dieser Sohn Friedrich VII., denn auch wirklich als der „Jüngere" bezeichnet wird. Nach einer Urkunde von 1376 verpfänden aber beide noch wiederlöslich dem Ritter Conrad von Landschaden 24 Malter jährlichen Korngelds zu Bornheim im Speyerer Bisthum um 100 Pfund Heller und 30 Gulden 3 ). 9 Daselbst. V. 202. '-) Daselbst IV. 190; Widder, Beschr. der Pfalz III. 109. Das Original befindet sieh in der Münehener Staatsbibliothek M. Cod. Bav. nr. 2649. 3 ) Daselbst VI. 33. 4 ) In vigilia omnium Sanctorum (31. October). Original auf Pergament, deutsch; die beiden Siegel sind abgefallen. (Im Archiv des Grafen K. E. zu Lein .-Westerburg.) 5 ) Menzel, Regesten, in den Annalen für Nassau. Alterth. XV. 164, ") Guden, Cod. dipl. V. 693. nr. 78, / — 123 — 2. Friedrich, der Junge,, ward als Friedrich VII. der 56u.57 Nachfolger seines Vaters. 3. Emich, kommt bereits im Jahre 1343 vor, giebt am 57 9. November 1363 eine Erklärung über das Salze'sche Freigut in Merenberg ab 1 ) und ist am 11. Januar 1379 noch am Lehen 2 ). Im Jahre 1376 kommt Ottemann von Ochsenstein als sein Schwager vor, wie derselbe darin auch als Schwager des Dompropstes Friedrich des Alten erscheint 8 ). Unter seines Bruders Regierung ist wiederholt von ihm die Rede. 4. Mena (oder Imagina), vermählte sich 1350 mit Philipp 58 von Bolanden, Herrn von Altenbaumberg (welcher 1375 starb) und war 1408 noch am Leben 4 ). 5. Elsbetli (Elisabeth), scheint zweimal vermählt gewesen 59 zu sein, zuerst mit Friedrich von Blankenstein; wie aus einem päpstlichen Erlasse vom 15. September 1330 hervorgeht 5 ), sodann mit dem Raugrafen Wilhelm von Neuenbaumburg Sie kommt 1330 und 1347 vor. ') Die Urkunde ist datiert vom Martinstage des byschovcs 1363. Original in Carlsruke. S. Mone, Zeitschrift ete. VIII. 182. 2 ) Original in Carlsruhe. 3 ) Mono, Zeitschr. XII. 426. 4 ) S. Stammtafel des mediatisirten Hauses Leiningen, Taf. II. nr. 10. Ä ) Aus den Vaticanischen Acten der Staatsbibliothek zu München, Nr. 1383: ,,Walramo episcopo Wormatiensi mandes, ut dispenset cum Conrado comite Irsuto et Elizabeth, nata quondam Friderici comitis de Liningen, vidua quondam Eriderici domini de Blankenheim, qui tertio gradu consanguinitatio sc invicem attingentes, tarnen matrimonium contraxerant, super dicto matrimonio. Dat. Avenione, 17. Kai. Oct. an. XV." Der betreffende Papst mussto Johann XXII. sein, der von 1316 bis 1334 auf dem päpstlichen Throne sass, und damit würde auch das 15. Jahr seiner Herrschaft stimmen. In der genannten Stammtafel (Taf. IH. Nr. 11) wird ihr Gemahl Wilhelm Rauhgraf, Herr zu Neuenbaumburg, genannt, und von ihr selbst gesagt, sie komme 1347 vor. 60 Friedrich VII., nach seines Oheims, des Dompropstes Friedrich, Tode der „Jüngere" genannt, (wie sein Vater seitdem als der „Alte" erscheint), kommt urkundlich vor von 1342 bis 1397. Er war, gleich seinem Bruder Emich, bei des Vaters Tode noch minderjährig, weshalb beide auch nur „Junker" hiessen, und so übernahm die Verwaltung der Oheim Friedrich, Dompropst zu Worms (welcher 1377 starb). Auf des Letztern Veranlassung fand bereits 1343 eine Erbtheilung zwischen den Brüdern statt, in welcher auch die Succession festgestellt wurde 1 ). In der Fehde des Raugrafen Georg mit dem Erzbischof Balduin von Trier stand der Dompropst auf Seite des Raugrafen, fügte dem Erzstift einen Schaden von 400 Pfund Heller zu und wurde von einem Manngericht in Trier im Jahre 1343 zur Zahlung dieser Summe verurtheilt. Bei allen geschäftlichen Angelegenheiten trat meist Friedrichs VII. Bruder Emich mit auf, so im Jahre 1346, wo sie genöthigt waren, dem Herrn Friedrich von Homburg wegen Kriegsschaden die bedeutende Summe von 4500 Pfund Heller zu verschreiben; wofür sich Graf Emich doppelt verbürgen und im Nothfalle als Geisel einstehen musste. ') Nach den irn Archiv des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg befindlichen Excerpten aus den in der Pariser Nationalbibliothek befindlichen Dagsburger Regesten, — 125 — Im Jahre 1343 bekennt Ritter Syfrid von Hetzen, es geschähe mit seinem Willen, dass sein Oheim, Johann v. d. Stein, 00 Morgen von den Gütern in Heppenheim, die von der Grafschaft Leiningen zu Lehen rühren, verkaufe, nachdem auch Graf Friedrich von Leiningen, Dompropst zu Worms, und dessen Bruder, Junker Emich, ihm freiwillig besondere Briefe gegeben haben 1 ). Am 18. Februar 1347 sendet Wolfram von Nellenberg, Meister Deutschen Ordens in deutschen Landen, an Graf Friedrich von Lyningen wegen der Ansprüche des Letzteren an „gut vnsers (deutschen) Hauses zu Flersheim" und macht den Vorschlag zur Bestimmung eines Tages 2 ). In Gemeinschaft mit seinem Bruder, dem Dompropst, verkaufte und versetzte er die Festen und Herrschaften Nan- stein, Grevenstein, Madenburg und noch eine Anzahl anderer Güter und Gefälle; im Jahre 1348, am 3. Januar, nahmen dann der Dompropst und sein Bruder Emich den Abt Walther zu Hornbach' und seine Unterthanen auf drei Jahre in Schutz? vorausgesetzt, dass der Abt so lange lebe 3 ), und am 5. Febr. 1349 erscheinen Graf Friedrich VII. und sein Bruder, der Dompropst, gemeinschaftlich in einer Urkunde, in welcher sie von dem Stifte Woringen zu Schutzherren Niederflersheims ernannt werden 4 ). *) Original mit einem Siegel im Münclioner Staatsarchiv. Die „besonderen Briefe" sind datiert vom 9. Mai 1343. -) Baur, Hess. Ork. III. 294 „Mainz, am nesten Dinstag nach s. Luczyen dage der b. jungfrawen." • s ) Baur, Hess. TJrk. III. 294. 4 ) Wir Bertbold Costen und das Capitel des Stifts zu Woringen dun kunt, daz wir han vns des erkannt, daz daz Dorf zu Niederflersbeim, daz vnsir vnd vnser Capitels von alter ber gewest is vnd noeb ist — kein oder klein notz davon gebabet ban, daz dae von kirnet, daz wir sie von vnreebter Gewalt, die vns zu etlichen Ziden geschehen ist vnd noch gesebibt, nit geschirmen en- Im Jahre 1349 kommt der Dompropst allein vor, wo er, als Besitzer der Madenburg, der Stadt Auweiler ihre Privilegien bestätigt, und im November desselben Jahres versetzt der Abt Eberhard von Weissenburg dem Dompropst und seinem Bruder Friedrieh die Feste St. Remye sammt ihren drei Gerichten Steinfeld, Capsweiler und Höehdorf um 200 Pfund Heller 1 ). Am 21. März 1351 freien, wieder gemeinsam, Graf Friedrich von Leiningen, Dompropst von Worms, und Friedrich VII., Graf zu Leiningen, sein Bruder, und Yolanthe, Gräfin zu Leiningen, dessen Gemahlin, dem Abte Walther von Hornbach (im Metzer Bisthum) und seinem Convent, deren Hof zu Osthofen (im Wormser Bisthum), nebst Mühle, Backhaus, Zehnten, Wiesen, Aeckern, Weingarten, Zins und Gülten, Vieh, Pferden etc., ihre Häuser und all ihr Gut um 300 Pfund Heller, welche der Abt darum gab 2 ). Hierauf bezieht sich auch ein Schreiben vom 12. Mai 1355, worin Graf Friedrich der Alte von Leiningen, auf Bitte seines Neffen, des Grafen Walram von Zweibrücken, die Briefe, welche er und sein Bruder dem Abt zu Hornbach gegeben haben, fest zu halten, und seinen mochten, darumbe, so sin wir vberkomen, wir hern Friedrich vnsern Dumprobst, vnd hern Emichen grauen zu Lyningen han zu schirmern desselben vnsers dorfs daz die darümb haben sollten alle nutze vnd geuellen mit lierbergen, atzungen vnd mit andern Stücken glicherweis als wir dieselben nehmen mohten, uzgenomen vnsern Fiihof vnd vnsern Hubhof — — Wir auch Friedrich Dumprobst vnd Emich Graue zu Inningen gebrüdern vorgen. erkennen vns, daz wir den vorgen. schirm an vns genomen han. Geben nach G. Geb. 1349, in die b. Agathe virg." (Die Siegel der Originale sind abgeschnitten). Abgedruckt in Baur, Hess. Urk. ') Diese Pfandschaften wurden später wieder eingelöst. 2 ) Baur, Hess. Urkunden HI. 336. Die Originale befinden. sich im Müuchener Beichsarehiv. — 127 — Bruder, Graf Friedrich zu vermögen, dass er gleichfalls bis Johannis dem Kloster seinen Brief gehen möge 1 ). In demselben Jahre gab der Dompropst zu Worms seine einträgliche Pfründe auf, um sich besser den etwas zerrütteten Familienverhältnissen widmen zu können, und erscheint seitdem, bis 1377, fast in allen Verhandlungen gemeinschaftlich mit seinem Bruder, und zwar als Graf Friedrich der Alte, während das eigentliche Haupt der Familie als Graf Friedrich der Junge bezeichnet wird. So im Jahre 1362, wo beide gemeinsam, mit Genehmigung des Bischofs zu Worms, den Deutschherren zu Coblenz die Vogtei des Dorfes Ubersheim, das sie von Worms zu Lehen hatten, mit allem Zubehör verpfänden für 500 Florentiner Gulden und für 405 Pfund Wormser Heller 2 ). Im Jahre 1361 ernennt Kurfürst Ruprecht v. d. Pfalz den Grafen Friedrich den Jungen zum Burgmann in der Feste Lindenfeld gegen 300 Florentinische Goldgulden, worüber Friedrich einen Revers ausstellt 3 ). ') Original mit 1 Siegel im München. Staatsarchiv (unter „Alte Grafengeschlechter"). l ) Originalurkunde mit hängenden Siegeln; sie lautet: „Wir Fryderich der Alte und Fryderich der Junge Grauen zu Lyningen, dun kunt, daz wir mit Gehengnisse Dyderiches Bisohofes zu Wormsse — verphant — haben dem Cometur vnd der sameninge der deutschen Herren von Covelentz vnsor fautye des Dorfes, der mark vnd des gerehtes von Uebersheim, die wir zu lolieno halten von dem Stifte zu Wormissen, vnd daz salmenwasser vff dem Ryan daselbes mit alle acht — als vnse altern Grauen zu Lynengen dieselben an vns bracht haben vor fünf hundert gulten von Florentz vnd vor vierhundert vnd fünf pfund heilern, als zu Wormsse gang vnd gebe sein, wann wir vnd vnsre erben die Fautye vnd daz salmenwasser losen wollen, daz sollen wir anbiden den deutschen herren zu Couelentz, andirthalb Jar zuforent. — Geben zu Nuhofen na Chr. Geb. 1362; vff S. Georgentag des h. martelers (23. April). Gleichfalls im Münchner Staatsarchiv. a ) Heidelberg am St. Gallentage (16. Oktober) 1361. Original im fürstlich leining. Geheimen Archiv. — 128 — Am 3. November des folgenden Jahres verkaufen die beiden Friedriche, an Lampfret von Castel und seine Hausfrau Anna, Wallhalben und was dazu gehört um 500 kl. Goldgulden gegen Wiederlösung. Lampfret soll es als rechtes Mannlehen besitzen 1 ). Sehr günstig schloss das Jahr 1354, da am 15. December (Montag vor St. Thomastag) die beiden Friedriche von dem Abte Eberhard von Weissenburg die durch den Tod Emichs von Daun und seines Sohnes erledigten Lehen zu Weissenheim am Berg und den Weinzehnten zu Lambsheim 2 ) erhielten. Acht Tage nach Ostern (12. April) 1355 verpfänden sie dem Kämmerer Diether von Worms ihre Einkünfte in Hasseloch, Bühel und Ugelnheim, welche Verpfändung am 19. April (vf dem Sundage 13. dag nach Ostern) 1355 Ruprecht der Aeltere bestätigt 3 ). Zu verschiedenen ihrer Verkäufe gab von Reichswegen der Kaiser seine Genehmigung. Nachdem Anfangs 1360 die beiden Brüder Friedrich und Emieli in ihrer neu angelegten Burg Dürkheim den Burgfrieden beschworen hatten, folgten eine Anzahl Verpfändungen, Erwerbungen etc. So verlieh ihnen der Kurfürst Ruprecht I. am Tage des heil. Laurentius (10. August) seine Rechte zu Laumersheim als Mannlehen, während sie am „Sannen dage nach sant Bartholomäus dage" (22. August) 1361 nebst der Gräfin Yolantha an den Speyerer Bischof ihre Güter in Madenburg und die Einkünfte in Susenheim etc. verpfändeten, was sich später wiederholte, und so liesse sich noch eine Reihe anderer Verpfändungen aufzählen. ') Münchner Staatsarchiv (unter „Alte Grafengeschlechter"). -) Ebendaselbst. :! ) Mittwoch vor St. Thomas. Original in der Münchener Staatsbibliothek, M. Cod. Bav. nr. 2649. — 129 — Am 5. April 1362 bescheinigt Friedrich VII., von Erz- bischof Boemnnd von Trier belehnt zu sein mit: 1) seinem Antheil an der Burg Altleiningen nebst Zubehör im Bisthum Worms; 2) mit 31 Pfund Heller, wovon 12 Pfund auf der Mühle, 12 Pfund auf dem Boden haften; 3) sechs Pfund auf dem Boden zu Twingeweiler, 7 Pfund auf dem Boden zu Har- tigeshusen und Siebenhusen, und 4) zehn Pfund Heller Zinsen zu Eischwyler. Alles seit vielen Jahren Trierisches Lehen 1 ). Einzeln, jeden für sich allein, finden wir die beiden Brüder als Zeugen in folgenden Urkunden: Am 26. August 1368 erscheint als solcher Graf Friedrich der Aeltere in einer Urkunde, worin die Pfalzgrafen Ruprecht der Aeltere und Jüngere festsetzen, dass eine Anzahl (darin benannter) Orte niemals der Pfalz entfremdet werden dürfen 2 ), wie auch früher schon (25. März 1357) Graf Friedrich von Lyningen der Jüngere allein eine solche bezeugt hatte, worin Pfalzgraf Ruprecht der Jüngere das mit Pfalzgraf Ruprecht dem Aelteren über die Erbfolge und die Ausstattung der Töchter getroffene Uebereinkommen bekundete 3 ). Gemeinsam aber bekennen die Gebrüder Friedrich der Alte und der Junge (nebst Wilhelm von Stetten, Ritter, Wolf von Lewenstein, Propst zu Neuhausen, und Werner, dessen Bruder), sie seien dem Kloster Arnstein und den Rittern Siegfried, Junker von Wartenberg, Heinrich von der Sparre zu Rüdesheim und deren Erben 300 Goldgulden für bar geliehenes Geld schuldig, und versprechen, die Gläubiger an ihrem Hofe zu Stetten, „oder was in den Hof gehört, inwendig oder auswendig des Dorfs," weder zu beirren noch J ) Zeuge: Friedrich von Leiningen, der Bruder. 2 ) Mone, Zeitschr. für Oberrhein XXII. 183. a ) Mone, daselbst, XXII. 201. Bi'inckmeier, Leiningen. zu bedrängen mit Diensten, Beden, Atzung, Schätzung, Wagenfahrten, bis sie die 300 Goldgulden zurückgezahlt haben 1 ). Ein grosses Missgeschick für Beide war die schwere Fehde mit Graf Walram von Zweibrücken, dem sie, als sie nach einigen Jahren unterlagen, abschläglich 3000 Goldgulden Entschädigung und auch seinen Helfern bedeutende Summen zahlen mussten. Sie räumten in Folge dessen dem Grafen Walram den ihnen, nach der kinderlosen Ehe ihrer Schwester Elsbeth mit dem Raugrafen Wilhelm (1344), eigenthümlich gehörenden vierten Theil von Nanstein, nebst dem 20. Theil der Herrschaft Landstuhl ein, und im folgenden Jahre mussten sie diesem Grafen Walram und dem Grafen Johann von Sponheim noch alle ihre Rechte an die Feste und an die gesammte Herrschaft Nanstein um 14500 Goldgulden verkaufen. Zwar behielten sie sich den Rückkauf vor, allein es kam nie dazu, und so ging diese schöne Besitzung dem Hause Leiningen verloren. In Folge jener unglücklichen Fehde wurden auch durch beide Friedriche die zwei Festen und Herrschaften Madenburg und Grevenstein dermassen mit Pfandschaften belastet (so 1361 und 1365), dass diese Güter schon 1367 in den Besitz des Kurfürsten von der Pfalz übergingen, die vorhin genannten aber bereits 1372 in fremde Hände gekommen waren, so dass sie dem Hause ebenfalls verloren blieben. Ueberhaupt scheinen in Folge der Schwierigkeiten und ansehnlichen Zahlungen die Mittel ziemlich erschöpft gewesen zu sein, da auch noch andere Verpfändungen vorkommen und Anleihen aufgenommen werden mussten, wofür sie manche Gerechtsame herzugeben genöthigt waren. So kam auch das Dorf Niederflersheim in andere Hände. Am 25. Juni 1374 erklärt Heinrich Hornbach, Ritter, welchem die ') Original im Münchner Staatsarchiv. (In den Eegesten des Grafen E. E. zu Leiningen-Westerburg. — 131 — beiden Grafen Friedrich das genannte Dorf versetzt hatten, nachdem das Domstift das ihm zugehörige Dorf wieder mit 400 Fl. zurückgelöst hat, das Domstift dieser Summe „quytt vnd loss", verspricht auch, das Dorf und die armen Leute daselbst zu schirmen „durch sunderliche fruntsehafft willen, die sie (die Dumherren) vns darin gethan hant" 1 ). Allerdings kam mitunter auch einiger Ersatz. So entschädigt Erzbischof Gerlacii von Mainz die Grafen von Leiningen anstatt der ihnen für geleistete Hülfe versprochenen 12000 Gulden durch ein Burglehen und 600 Gulden, die ihnen auf die Thorgefälle in Germersheim angewiesen wurden 2 ). Friedrich der Alte und der Junge, so wie des letztern Sohn Friedrich (VIII) erlaubten im Jahre 1369 dem Grafen Emich V., dasjenige, was sie von Dürkheim und Bechtheim versetzt hatten, einzulösen, mit dem Vorbehalt, es ihnen oder ihren Erben für die Kaufsumme wieder zu überlassen. Bei der Theilung der beiden Linien war die Grafschaft Dagsburg gemeinschaftlich geblieben, und da die Vermählung einer Tochter Friedrichs VII. an den Grafen Hannemann von Zweibrücken-Bitsch bei Emich V. die Besorgniss erregen mochte, die Nähe der Bitscher Grafen könnte seinem Rechte an Dagsburg gefährlich werden, so verpflichteten sie sich, den Grafen Hannemann ohne Ernichs Genehmigung nicht zum Burgvogte daselbst einzusetzen. 3 ) ! ) Baur, Hess. Urk. III. 505. ' 2 ) Urkunden des Mainzer Domcapitels im Münchner Staatsarchiv. „Gegeben zu der alten Linyngen an d. heil. Palmtage (16. April) nach Christi Geburte 1857 : „Wir Friedrich der Alte (der Wormser Dompropst) und Friedrich (VII.) der Junge gehrüdere graue zuLyninge dun kündete." Beide Siegel sind wohlerhalten. a ) Am 26. März 1370, nach dem Sonntag, da man singt Lätare in der Fasten vf den nechsten Dienstag. 9* Am 17. Januar 1370 (am St. Petersabend, den man nennt cathedra Petri) verpfänden sie ihrem Verwandten Emich den vierten Theil der Burg Neuleiningen und zwar mit Genehmigung des Bischofs von Worms als Lehnsherren, und gestatten am 15. Juni desselben Jahres dem Conrad Landschade, dass er den dritten Theil der Burg Madenburg von Johann von Frankenstein einlöse 1 ), was denn auch schon am 17. Juni geschah. Doch wiederholte sich das Verpfänden und Wiedereinlösen der Burg mehrere Male. — Verpfändet waren auch Neuleiningen (ganz) und Grünstadt, und da das Witthum der Gräfin Jolanthe darauf verlegt war, so musste natürlich auch diese ihre Einwilligung dazu geben. Da aber Grünstadt ein Lehen des Bisthums Worms war, so räumten die beiden Grafen Friedrich dem Bischof Eberhard während der Dauer dieser Pfandschaft ein Viertel der Feste Leiningen lehensweise ein. Auch die vier Orte Grünstadt, Asselheim, Kirchheim und Sausenheim verpfändeten Beide an ihren Vetter Graf Emich, wozu denn auch der Abt Eberhard von Weissenburg, von welchem diese Orte zu Lehen rührten, 1370 seine Einwilligung gab. Dagegen machte sich Graf Emich gegen den Abt verbindlich, diese vier Dörfer, so lange sie ihm zu Pfand stehen würden, zu vermannen und sie von ihm und seinem Stift zu Lehen zu empfangen; auch sollten hinsichtlich der Auslösung die Leininger Erben stets den Vorzug haben (am Johannistage 1370 2 ). Ferner versprachen beide Brüder der Gemeinde und dem Dorfe Grünstadt, an die Gemeinde keinerlei Forderung zu stellen, bis die vorgeschossenen 130 Fl. an dieselbe wieder bezahlt seien, jedoch müssten sie in der Burg Leiningen wachen ') Gruden, V. 682 u. 685. 2 ) Pfälzisches Copialbuch in Carlsruhe, Nr. 100, fol. 125 Jlu . 3126jL. und dahin, wo die Herren ihre Hauswohnung hätten, Holz fahren helfen 1 ). Nach verschiedenen andern Transactionen derselben Art kommt Friedrich der Alte zum letzten Male mit seinem Bruder im Jahre 1377 vor, und zwar in einem Schuldschein an die Wittwe des Ritters von Dienlieim. Er muss im Laufe dieses oder spätestens ganz im Anfange des folgenden Jahres gestorben sein, da Friedrich VII. seit 1378 entweder allein oder mit seinem Sohn Friedrich (VIII) bei Verhandlungen angetroffen wird. So tritt Friedrich VII. allein auf irr einer Urkunde von 1378, worin König Karl ihm bewilligt, dem Stift zu Neustadt 200 Malter Weizen jährlich und 7 Pfund Heller von des Reichs wegen für 2600 Pfund zu versetzen 2 ). Auch jetzt noch scheinen die Verhältnisse gedrückt gewesen zu sein; denn schon im Jahre 1378 ward Hasseloch verpfändet, wozu, da es Reichslehen war, Kaiser Karl IV. seine Genehmigung ertheilen musste 3 ). Im Jahre 1380 fordert Kurfürst Ruprecht I. in einem Briefe den Grafen Friedrich von Leiningen und diejenigen, die über den Landfrieden am Rheine gesetzt sind, auf, ihm gegen den Bischof Adolf von Speyer zu helfen 4 ). ') Am 15. Juli (die divisionis Apostolorum). Im fiirstlioli Lein. Geh. Archiv. -) Hof- u. Staatsbibl. zu München, M. Cod. Bar. 1649. Da König Karl IV. am 29. Nov. 1378 starb, so stammt diese Urkunde aus seinem Todesjahre. Eine am Tage seiner Krönung zu Koni ausgestellte Urkunde hat folgendes Datum. — ,,Datum Rom. A. D. 1355 in die paschae resurrectionis dominicae, cjuo fuinius imperiali diademate ooronati, Regnorum nostronn anno nono, Imperii vero primo. a ) Samstag vor St. Gregor (6. März) Heidelberg, Münchner Staatsbibl. M. Cod. Bav. 1649. 4 ) Aus dem Lekmannschen Actennachlass in der Heidelberger ßibl. Catalog pag. 7 nr. 6. - 134 — Am 7. Sept. (in vigilia nativitatis Y. Mariae) versprachen Friedrich und sein gleichnamiger Sohn, Burg und Stadt Neuleiningen vorkommenden Falles Niemandem verpfänden zu wollen, als ihrem Verwandten Emich, auch solle der Antheil an Dürkheim nicht ferner getheilt werden, sondern immer dem ältesten Sohne verbleiben 1 ), und im folgendem Jahre (vf sant, Vlriches dage das h. Bischoffes) verpfändet Friedrich dem Kämmerer Diether die Friesenheimschen Güter und Einkünfte 2 ). Am 29. Sept. 1391 verglich Friedrich sich mit dem Erz- bischof Conrad von Mainz wegen seines auf dem Schlosse zu Olm versessenen Burglehens dahin, dass jener ihm 210 Fl. auf den Zoll zu Gernsheim anwies 3 ). Da man allgemein der ewigen Fehden müde war, so wurden nicht selten besondere Vereinharungen getroffen; so ward 1390 ein Vertrag mit Weissenburg abgeschlossen, alle Differenzen durch Schiedsrichter entscheiden zu lassen 4 ), und aus demselben Grunde geschah es, dass im folgenden Jahre die Grafen Friedrich VII. v. Leiningen, Heinrich Graf von Sponheim und Emich VI. von Leiningen ein Schutz- und Trutzbündniss auf ein Jahr errichteten,was sie alsdann auf ein weiteres Jahr verlängerten. Zum letzten Male finden wir Friedrich VII. im Jahre 1395 5 ), wo ihm Kurfürst Ruprecht II. von der Pfalz einen vierten Theil des Ortes und Gerichts Dalsheim (Alsheim) abkaufte und zu Lehen reichte und auch daselbst einen Burgfrieden mit ihm errichtete 6 ). l ) Lünig, a. a. 0. pag. 390. -) Guden, 1. c. V. 719. • 1 ) Original in der Münchner Staatsbibl. 4 ) Aus den Pariser Excerpten im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen- Westerburg. s ) Kremer, Ardenn. Geschl. p. 294. 6 ) Ehingensperg, Acta comprom. in causa Aurel, pag. 93; Widder, Beschreibung der Pfalz, III, 73. Die Grafen von Leiningen müssen sich indess einen Theil - - W i — 135 — Friedrich VII. starb 1397 und ward zu Höningen beigesetzt. Mit seiner Gemahlin Jolantlia (Tochter des Herzogs 6(F- Wilhelm von Jülich, Grafen von Falkenburg, und der Gräfin Johanne von Holland) vermählte er sich bereits vor dem 22. März 1351; sie starb am 31. Octbr. 1387, etwa 10 Jahre vor ihrem Gemahle. Friedrich VII. hinterliess vier Kinder, einen Sohn und drei Töchter. 1. Friedrich VIII, welcher ihm nachfolgte. ß4 2. Jutta (Juditha), vermählt am 13. Octbr. 1370 mit ßj Johann II., Rheingrafen zum Stein, Wildgrafen von Daun (Dhaun, Dhun), und gestorben 1383. 3. Elsa, vermählt am 25. Januar 1370 mit Hannemann I., ß2 Grafen von Zweibrücken-Bitsch, und gestorben 1400. 4. Jolantha (Jole, Jolenta), vermählt mit Arnold IL, ßy Herrn von Egmont und Ysselstein (welcher bereits am 1. April 1409 starb), und gestorben am 24. (oder 28.) April 1434, so dass sie ihren Gemahl um ein Vierteljahr hundert überlebte. des Dorfes Alsheim vorbehalten haben, denn als nach Landgraf Hesso's Tode dessen Schwester Margaretha von Westerburg die Hälfte der ererbten Ortschaften an Kurfürst Friedrich abgetreten, haben die Unterthanen zu Alsheim jedem Theile gehuldigt und bezeugt, dass ein Viertel davon dem verstorbenen Landgrafen Hesso zugestanden habe (Gräfl. Leiningen-Westerburg. Rechtliche Auszüge Nr. 24). Nachdem auch Graf Reinhart zu Leiningen-Westerburg 1481 die übrige Hälfte an Kurfürst Philipp verkauft hatte , belehnte dennoch Graf Cuno 1532 mit dem von Adam von Randeck vorhin getragenen Lehnstücke die Gebrüder Friedrich und Bertolf von Flersheim. S. Widder, a. a. O. III. 74. f 64 Friedrich VIII,, der Nachfolger seines Vaters in der Altleininger Linie. — Von den Altleininger oder Dagsburger Friedrichen findet sich (wie dies doch hei der Hartenburger Linie der Fall) bis hierher keiner als Landvogt im unteren Elsass. Der erste, welcher dazu ernannt wurde, war Friedrich VIII., denn am 30. August 1399 zeigt König Wenzel aus Prag den Reichsstädten im Elsass an, dass er den Grafen Friedrich zu Leiningen zum Landvogt in Hagenau ernannt habe 1 ), und am 1. Septbr. 1399 wird derselbe als solcher beeidigt 2 ). Schon im folgenden Jahre finden wir auch ihn mit einer Anleihe beschäftigt, und es ist dies nicht zu verwundern, da durch seinen Oheim und seinen schwachen Vater das ganze Gebiet mit Schulden belastet und das Einkommen sehr verringert war. Am Samstage vor St. Gallus 1400 bekennt er dem Burgvogt Salzkorn in Alzey für ein Darlehn von 100 Gulden jährlich 75 Gulden schuldig zu sein, wofür er ihm die von der Abtei Hornbach lehenbaren Orte Zell, Harxheim und Niefernheim, nebst seinen daselbst befindlichen allodialen Dörfern Immesheim und Ottersheim verpfändet, sowie die auf der Seite ') Mone, Zeitschr. für Oberrhein XXIV. 182. Eine Abschrift der Urkunde befindet sich in der Heidelberger Bibliothek. Ausgestellt ist sie nicht ganz ein Jahr vor dieses unfähigen ?£önigs Absetzung, welche am 20. Aug. 1400 erfolgte, 2 ) Bernh. Hertzog, Chron. Buch IX. pag. 152, der Prymmen (Pfrimm), wo Zell liegt, gesessenen „Armen Leute" die gleichfalls ihm eigen sind 1 ). Ein glücklicher Umstand war es, dass er die bisher an Hartenberg verpfändeten, jetzt aber 2 ) wieder eingelösten Lehen zurückerhielt. Schon vorher, am 11. Septbr. 1398, hatte er über die Jnvestitur der pfälzischen Lehen einen Revers ausgestellt 3 ). Unter einer vom 7. Octbr. 1400 datierten Urkunde, worin Eberhard von Randeken dem Kloster Otterberg das Patronat zu Uffenheim schenkt, befindet sich die Genehmigung des Lehnsherren, Graf Friedrich von Lyningen und seiner Gemahlin „Sophia" 4 ). Friedrichs VIII. (nur dieser kann gemeint sein) Gemahlin hiess aber erweislich „Margarethe", und da diese erst 1405 mit ihm vermählt wurde, so wäre keine andere Lösung dieses Räthsels möglich, als dass Friedrich vorher mit „Sophia" vermählt gewesen wäre. Vermuthlich aber liegt hier ein Lese- oder Schreibfehler zu Grunde. Im Jahre 1405 hatte er sich mit dieser Margarethe (der Tochter des Markgrafen von Baden-Hochberg) vermählt, und schon 1407 verkauften beide ihre Zehnten zu Weilerbach und Nanstein an den Comtliur des Deutschordens Einsiedel für 800 rhein. Goldgulden 6 ). Ueberhaupt kommt Friedrich VIII., da ihm, neben seinen Besitzthümern, auch drückende Schulden vererbt waren, gleich seinem Vater fast nur in Pfand- und ähnlichen Briefen vor, obwohl er doch immerhin noch genug !) Münchner Reichsarchiv, Urkunden der Grafen von Leiningen. -) Schoepflin, Als. dipl. II. 177. 3 ) Gründliche Deduction etc. pag. 79. 4 ) Das Original der Urkunde befindet sich im Luzerner Staatsarchiv (Copie im Archive des Grafen IL E. zu Lein.-Westerburg). 5 ) Unten ist bemerkt, diese Pfandschaft sei 1486 eingelöst, S. Qarlsruher Pfalz. Copialbuch Nr. 18. fol. 88Jh_ ■ : . " vv'., V — 138 — übrig hatte, um, zum Theil ansehnliche, Schenkungen an Kirchen machen zu können. So versetzte er 1411') an den Kurfürsten Ludwig von der Pfalz für 4000 rheinische Gulden den vierten Theil von 21 um und hei Grünstadt liegenden Dörfern und Gerichten 2 ), auch Verschiedenes in Kirmünster und Müntzingen, ja schon bei seinen Lebzeiten entlieh sein ältester Sohn Hesso Gelder. Er selbst aber war dem Friedr. v. Spiesheim noch eine jährliche Rente von 60 Gulden schuldig, wofür er Einkünfte in mehreren Orten versetzte und im Jahre 1433 den Vorständen der verpfändeten Dörfer auftrug, diese Schuld zu berichtigen, und von den ihm zustehenden Gefällen abzuziehen. Am 3. Juni 1425 verkaufte Friedrich dem Stifte Neustadt seinen Theil am Zehnten zu „Bohel" 3 ). Sodann gab er 1434 dem Herrn von Lichtenberg für 600 Gulden zwei Drittel an Wegersheim im Elsass zum Pfände 4 ). In welcher knappen Lage er sich mitunter wohl befinden mochte, geht u. A. aus einem 1430 dem Olas Gostenlioffer zu Mainz ausgestellten Schuld- ') Orig. in d. Staatsbibl. zu München, M. Cod. Bavar. 1649. -) So Grünstadt, Asselheini, Sausenheim, Kirchheim, Bissersheim, Dackenheim, Mertesheim, Ebertsheim. Lautersheim, Bossweiler, Tiefenthal, Wattenheim, Hert- lingsheim, Hessheim, Weissenheim, Obernheim, Markstadt, Grosskarlbach und einige andere. Im folgenden Jahre wurden darauf 1500 Gulden eingezahlt, worüber Friedrich eine Quittung ausstellt, die sich ebenfalls unter den Urkunden der Münchner Bibliothek befindet. 3 ) „In Dorffe vnd marke daz da ist mit namen daz halbteyle des soyles daz da genant ist der kammerer Soyle, um 400 guter Eynschen Gulden. Der geben ist in vusem sloss zu Lynigen, indem jare da man zalt nach Chr. Geb. 1425 Jar an dem nehesten Sundag nach dem h. Pfingstage. (Mit seinem und seines Sohnes Friedrich, welcher 1449 starb, Siegeln). 4 ) Schoepflin, Als. Illustr. II. 161. Graf Johannes von Lein.-Eixingen gab 1436 das letzte Drittel an Wyrich von Hohenburg. Die ersten zwei Drittel wurden später wieder eingelöst und blieben bei den leiningenschen Gütern; das V letzte Drittel aber erwarb der Bischof von Strassburg. — 139 — schein hervor über von demselben gekaufte Gewänder zu 35 Gulden, worin er verspricht, diese Summe zu bezahlen 1 !. Friedrich machte den Kriegszug des Kurfürsten Ludwig IV. v. d. Pfalz gegen den Herzog von Lothringen mit, erhielt die davon gehabten Kosten und Schäden vergütet und quittirte darüber im Jahre 1435 2 ). Als er nun auf seiner Rückkehr erkrankte, übergab er seinen Söhnen Hesso und Friedrich mehrere Lehen zu eigner Verwaltung, wie dies in dem Hause Gebrauch war, um die Söhne frühzeitig an das Regiment und die Verwaltung zu gewöhnen, und wenn man alle die unter seinem Vater und unter ihm selbst geschehenen Verpfändungen zusammenzählt, so erstaunt man in Wahrheit, wie ausserordentlich gross die Besitzthümer gewesen sein mussten, da noch immer so viele unverpfändet blieben und Friedrich VIII. im Stande war, seine Söhne noch zu seinen Lebzeiten mit unbelasteten Gütern auszustatten 3 ]. Friedrich VIII. starb 1437 und ward in der Höninger Familiengruft beigesetzt. Seine Gemahlin war, wie schon erwähnt, Margaretha, Tochter des Markgrafen Hesso I. von 65 Baden-Hochberg und der Pfalzgräfin Margaretha von Tübingen, und aus dieser Ehe entsprossen: 1. Hesso, der Landgraf, der seinem Vater in der Re- 70 gierung folgte. 2. Egon, der schon in. früher Jugend starb. 66 3. Friedrich, im Jahre 1448 (oder 1449) unvermählt gestorben. Er kommt, namentlich bei Verpfändungen, mehrmals mit seinem Vater zugleich vor. Ob er in Trier wirklich Domherr war, ist nicht erwiesen. Zur Bewerbung ward er ') Münchner Hof- und Staatsbibliothek, M. Cod. Bav. fol. 1649. -) Off sent Albanas (oder Albertus?) Abend des h. mertelers. Original (Papier ohne Siegel) deutsch, im Archive des Grafen IL E. zu Lein.-Westerburg. 2 ) Die Lciningenschen heben findet man in Senckenberg, Auszüge etc.,. p. 14. BHBHB mbmnnpwvi - t» : — 140 — allerdings aufgefordert; denn Donnerstag nach Maria Geburt 1428 schreibt das Domcapitel zu Trier an Johann, Grafen zu Sponheim, dass er seinem Schwager Friedrich (Emichs VIII. Sohn) gestatte, sich weihen zu lassen und nach drei Jahren in das Capitel einzutreten. Dasselbe Capitel fordert 17 Jahre später den gen. Friedrich auf, nunmehr die durch den Tod des Domherrn Wildgrafen Johann von Daun erledigte Stelle einzunehmen, weil sonst ein Anderer sie bekommen würde; man weiss aber nicht, ob er der Berufung folgte. 4. Gottfried (Shaffrit, Jofrid), welcher 1396 Domprobst zu Mainz, zugleich Propst in der Propstei Sanct Georgenberg und Domküster zu Cöln war 1 ). Für seine Aufnahme in das Domstift zu Cöln erklärt der Erzbischof Friedrich III. von Cöln am 23. April 1380 in Frankfurt, dass der Wormser Domherr Graf Schaffrid von Leiningen ein rechter freier Graf von allen seinen vier Ahnen sei 2 ). 111 69 5. Margaretha, vermählt 1422 mit Reinhart III., Herrn zu Westerburg. Sie war seit 1449 Wittwe und starb 1470. Als Wittwe erlangte sie, mit Hülfe des Kurfürsten Friedrich des Siegreichen von der Pfalz, einen grossen Theil des Nachlasses ihres Bruders Hesso, welche Besitzungen sie auf ihren Enkel Reinhart IV. (I.) von Westerburg vererbte, und stiftete so, mit kaiserlicher Genehmigung, das Grafenhaus Leiningen-Westerburg, welches neben dem mediatisirten Hause Leiningen noch jetzt blüht, mit dem es, von der Stammmutter ') Widder, Beschreibung der Pfalz, III. 129. 2 ) „Wir Priederich etc. erkennen — dass Schaffeit von Lyningen Kanonich (canonicus) zum Dome zu Worms, Sun des edeln vnd liewen oimen (Oheim) grave Emichens von L . . . von allen sinen vier Anhen von Lyningen, von Salmen, von Kyburg und von Eryburg". Winkelmann, Aota Imperii sec. XIII. u. X)"V, Ed. H., p. 880, her, nur den Namen Leiningen gemein hat 1 ), in männlicher Linie aber ganz andern Ursprungs ist, wie in der Geschichte ihres Bruders Hesso und in der des Hauses Leiningen-Westerburg erzählt werden wird. ') Rechtliche Auszüge etc. pag. 18, nr. 15. Hesso, der Landgraf. Wider die damalige Gewohnheit seiner Standesgenossen hatte er sich eine gelehrte Bildung angeeignet und durch eine in Rom vor dem Papste und den Oardinälen gehaltenen Rede grossen Ruhm erworben 1 ). Unter ihm kam wieder einige Ordnung in die etwas verworrenen Verhältnisse. Wie wir sahen, kommt er bereits bei Lebzeiten seines Vaters selbständig in Urkunden vor. So bekennt er in einer solchen vom 9. April (vff den Palmabend) 1430 2 ), nebst seinem Bruder Friedrich, sie seien mit Genehmigung der Verwandten und Miteigenthümer, Emich IV. und Johannes von Leiningen-Rixingen, durch ihren Vater in diesem Jahr in ihren Tlieil von Dagsburg eingewiesen worden und hätten auch den Frieden daselbst beschworen. Vorher schon war er persönlich von Hornbach aus belehnt worden 3 ), und neue Belehnungen von Hornbach kamen 1435, 1440 und 1450 vor 4 ). Unmittelbar vor des Vaters Tode verpflichtete sich Graf Hesso gegen den Abt von Limburg 5 ), binnen Jahresfrist 1 ) Mone, Zeitschr. für Gesch. des Oberrheins, XXII., 48 u- 144. 2 ) „Den nächsten vor und nach S. Baptistentage". Orig. in der Münchner Staatsbibliothek, M. Cod. Bav. fol. 2649. :) ) Würdtwein, Subsid. nova IX., 194. *) Derselbe IX., 194, 195 u. 196. 5 J Freitag nach vnsrer lieben frawen dag nativitatis. A. D. 1437. I — 143 — das Lehen über seinen Theil an Dürkheim empfangen zu wollen, und so ward er auch an denselben Tage im folgenden Jahre damit belehnt 1 ). In diesem Jahre belehnt ihn auch der Abt Nicolaus von Hornbach ausser den schon empfangenen Lehen noch apart mit seinem Antheile an Dürkheim, und eben so, gleichfalls 1437, Nicolaus von Ymbsheim, Abt von Limburg, mit einem andern Theile von Dürkheim 2 ), wie denn auch Abt Heinrich von Limburg ihn 1447 von Neuem damit belehnt 3 ). Dass Hesso bereits im Jahre 1443 zu den Geheimrätlien des Pfalzgrafen Ludwig IV. gehörte, geht aus einem auf Hesso's, seines Raths, „des edel Hesso graue zu Lyningen vnser Oheim hoffmeister vnd lieben getruwen etc." Antrag erlassenen Entscheides hervor, worin die Stadt Selz angewiesen wird, dem Abte daselbst zu huldigen 4 ). Der gemeinsame Besitz mehrerer Güter brachte auch jetzt noch die beiden neben einander existierenden Linien des Leininger Hauses (Dagsburg und Hartenburg) öfter in Zwistig- keiten, so zwischen Hesso und Emich VI. (und dessen Sohne Emich) wegen Neuleiningen und Hartenburg, hauptsächlich aber wegen der vielen, von den Friedrichen versetzten Güter und Gefälle, als diese in Gefahr kamen, den Stammlanden verloren zu gehen. Schon im Jahre 1438 brachten beide Theile Beschwerden vor den Pfalzgrafen Otto von Mosbach, den Vormund des Kurfürsten. Dieser Zwist ward im folgenden Jahre 1 ) Freitag nach Maria Gehurt 1438. 2 ) S. Leiningen-Westerburg. Rechtliche Auszüge, Beilage Nr. 24; Widder, Beschr. d. Pfalz IL, 317. • s ) Widder, a. a. 0. II., 314. Späterhin, 1536 worden durch Siegfried von Bergen, Abt zu Limburg, die Grafen von Leiningen mit Frankenstein und Dürkheim belehnt. 4 ) Heidelberg sexta feria post festum ascensionis domini anno ejusdem 1443. Original in Carlsruhe, abgedr. in Mone, Zeitschr. etc. YI. 433. beendet und zwar durch eine vom 16. Jan. (vf Freitag nach den achtzehenden octovas Epiphanie domini zu Latin genannt) 1439 datierte Entscheidung, welche zunächst den dem Gesammt- hause für die Folge so nachtheiligen Grundsatz aufstellte: es bliebe bei der Theilung von 1318, jeder Tlieil könne beliebig mit seinem Antheile verfahren, also auch ihn verpfänden oder verkaufen 1 ). Es war dies freilich ganz gegen das alte Familien- herkommen, welches die Güter, auch wenn verschiedene getrennte Linien da waren, als zusammengehörig betrachtete. Leider aber wurde nach dieser Entscheidung auch nachher noch verfahren, besonders in der Friedrich'schen Altleininger Linie. So nahm z. B. Graf Hesso 1440 von dem Ritter Werner Winther von Alzei 2000 Gulden auf, wofür er Zell, Niefernheim und Harxheim versetzte 2 ). Im Jahre 1442 verlieh König Friedrich III. (und zugleich IV. 3 ), ihm die Burg und Stadt Nanstul und einen Turnos auf dem Zolle zu Sels, und bestätigte ihm verschiedene Privilegien 4 ). Zwei Jahre später (1444) ernannte derselbe König Friedrich durch eine Urkunde 5 ) auf dem Reichstage den Grafen Hesso"), für sich und seine Nachkommen, zum gefürsteten Landgrafen von Leiningen, wodurch diese, dem Hause 1) S. Lehmann, Gesch. des Hauses Leiningen. 2 ) Würdtwein, Suhs. nova IX. 159 nr. 123. 3 ) Den dritten nannte er sich, nicht wegen seiner Wahl und Krönung in Deutschland, sondern in Holge seiner Krönung durch den Papst; vom Papste gekrönt wurden nur zwei seiner Vorgänger gleichen Namens, nämlich Friedrich Barbarossa und Friedrich II, (zu Rom gekrönt am 22. Nov. 1220). *) Frankfurt, 16. Juli 1442. S. Chmels Regesten v. König Friodr. II. p. 85. nr. 713. 5 ) Geben zu Nierenberg im 1444stenJare an Dornstag nach sand Michelstag (1. Oct.). 6 ) Die betreffende Stelle der Urkunde lautet: „"Wann nun der wohlgeborne Hesso, Graf zu Leiningen, unser und des Reichs lieber Getreuer, als wir unterweist seien, von dem ältesten und dem Stamm, der die Landgraf- längst eigene Würde wieder erneuer Rund bestätigt ward. Zugleich war darin ausgesprochen, dass Landgraf' Hesso hei Streitigkeiten nur vor das kaiserliche Hofgericht gezogen werden dürfe, so wie seine Unterthanen in Rechtssachen allein ihrem Landesherrn unterworfen sein sollten. Seitdem nannte sich Hesso: Landgraf zu Leiningen und Graf zu Dagsburg, auch in seinem Siegel 1 ). Von seinen Handlungen und Erlassen ist Folgendes zu berichten: Im Jahre 1435 belehnt er den Mathias von Löningen mit dem neuleininger und noch andern Lehnstücken zu Bockenheim etc. 2 ). - Im Jahre 1440 erhält Conrad von Rodenstein vom Landgraf Hesso von Leiningen ein Mannlehen zu Freinsheim und im Jahre 1442 Hermann von Rodenstein ein Burglehen zu Dalsheim 8 ). — Im Jahre 1446 belehnt er den Schaft zu Leiningen geerbt undbesesson habe, und der dieselbe noch in hat, kommen und geboren ist, und auch ein sonder Unterschied ist zwischen den Landgrafifen und Grafen zu Leiningen sein wir von selben Hessen — gebeten worden, dieselbe alte Landgraffschaft wieder zu erheben und mit mehreren Gnaden zu versehen. Des haben wir — dieselbe alte Landgraffschaft wiederum erhoben und erneuert— also dass sie nun fiirbass hin in ihren Ehren, Namen und Würden, also daz sich der obgeii. Graf Hesso und nach ihm seine Erben, die die Landgraffschaft inne haben, fürbass Landgraffen schreiben und nennen und aller Ereiheit und Ehren sich recht gebrauchen, auch alle ihre Briefe mit rothem Wachs versiegeln mögen in zukünftigen ewigen Zeiten." S. Gründliche .Refutation des Westerburgischen Gegenberichts lit. A. p. 62; Chmel, Begesten König Friedrichs IV. p. 185. nr. 1827; auch Lünig, Spicil. saec. I. 395; dessen Reiohsarchiv XI. p. 84; auch Dr. W. Frank, die Landgrafschaften des heil. röm. Reiches. - Wenn vor 1444 die Leininger Grafen sich nicht Landgrafen nannten, so erhellt doch schon aus dieser Urkunde, dass sie es thatsiichlich waren und dass die Urkunde ihren Fürstenstand nur von Neuem bestätigte. ') Senckenberg, Medit. IV. 619. 2 ) Gegeben uff sonntag nach unser lieben frauentag visitat. A. D. 1435. Original auf Pergament, mit Siegel. 3 ) Archiv für Hess. Gesch. etc. XI. 599. Brinckmeier, Leiningen. 10 - S - ■■ «s» — 146 — testen Gerhart von Wachenheim 1 ) mit dem halben Dorfe Monsheim, und verleiht um dieselbe Zeit 2 ) dem Kloster Höningen die Kirche nebst anderen Gütern zu Dackenheim 3 ). Nachdem Landgraf Hesso am 25. Januar 1447 durch den Prior Arnolt das Kloster Höningen (dessen Mönche sich von da an „regulierte Chorherren" nannten) hatte regulieren lassen 4 ), ward er durch den Abt Heinrich zu Limburg a. d. Hardt mit der Hälfte Dürkheims belehnt 5 ), und ertheilt am 24. Juni 1450 dem Johann von Ingelheim, Abt zu Frankentbai, „Gerichtsbefreiung" in seinen Landen 6 ). Wir sehen ihn vorzugsweise die Klöster mit Gunsterweisen bedenken, aber eben so war sein Augenmerk auch auf Erwerb von Grundstücken gerichtet. So kaufen er und seine Gemahlin (Elisabeth, Pfalzgräfin bei Rhein) am 22. Juli 1465 von der Deutschordenshalley ihre Rheinaue, genannt das rothe Wörth den Salmengrund Lei Ibersheim und den Hof daselbst 7 ); dreh ') Der gegeben ist auf den Sonntagk nach unsere Herren fronlychams tagk A. D. 1440. Deutsches Original auf Pergament mit dem schönen grossen Reiter- siegel des Landgrafen Hesso. Es ist dies das einzige noch vorhandene Exemplar dieses grossen Siegels. Das Original auf Pergament nebst Siegel befindet sich im Besitze des Grafen It. E. zu Loiningen-Westerburg. -) Dies kommt nach Hesso's Tode halb an die Pfalz. 3 ) Ueber die später im Jahre 1467 von den Dörfern und eignen Leuten geleistete Huldigung heisst es von Dackenheim; —, und haben gemeinschaftlich geschworen und ist ein Mi eil nassauisch und doch das oberste Gericht und Gebott Graf Hessens gewesen." Im Jahre 1481 aber .kommt es ganz an die Pfalz durch Graf Reinhart zu Leiningen-Westerburg. Eben so Grosskarlbach, das die Grafen von Leiningen von der Abtey Murbach zu Lehen trugen (Widder, Beschreibung der Pfalz III. 215). 4 ) „Vf Freytag s. Paulus Bekehrungstag", in den Schliessl. Einreden lit. M. p. 61. Bestätigt ward dies durch Hesso's Bruder Friedrich am „Durstag nach s. Lucientag" (14. Dec.) 1447. 5 ) Dürkheim a. d. Hardt, Andreastag 1447 (30. Nov.) ü ) Die Urkunde ist datiert vom Johannistage 1450. ') Baur Hess. Urk. IV. 52. kommen auch bei ihm Beispiele von Geldverlegenheiten vor, in die er meist durch die Schuld seiner Vorfahren geratlien war5 er musste sogar von einem seiner Unterthanen 200 Gulden leihen, wofür er demselben jährlich 20 Gulden von der Bete in dem Zell er Gerichte verschrieb 1 ), und 1456 versetzte er mehrere Geld- und Weingefälle zu Asselheim an die Erben Conrads von Dosenbach für ein Capital von 550 Goldgulden 2 ). Am 17. Juni 1442 war ,'er bei der Kaiserkrönung Friedrichs III. (IV.) zu Aachen gegenwärtig 8 ), gleichfalls bei dessen Krönung in Rom, (16. und 19. März 1452) wo er, nebst einigen Andern, auf der Tiberbrücke von dem Kaiser zum Ritter geschlagen wurde, 4 ) und als bei dem Aufenthalt Friedrichs in Worms am 7. Oct. .1455 die Belehnung des Herzogs Ludwig von Veldenz geschehen sollte, vermied es Ersterer aus altem Groll, mit dem Letzteren zusammen zu kommen, und lässt die Belehnung durch Landgraf ITesso vornehmen 5 ). Auch am Hofe zu München finden wir ihn häufig, besonders aber in hohem Ansehen stand er in Heidelberg als vertrauter Rathgeber des Kurfürsten Friedrich I. Ausdrücklich ward er von dem Erzbischof Johannes von Trier mit dem ihm zukommenden Theile von Altleiningen ') Montag nach Michaelis 1451. '-) Sonntag vor St. Georgentag 1456. a ) Wiirdtwein, Subsid. dipl. XII. 33. 4 ) König von Königsthal, Nachlese in den Reichsgeschichten unter König Friedrich III. Erste Sammlung, pag. 17: „Das sind die Fürsten. Graven und Herren, die der ICayser zu Rittern geschlagen hat, an dem Tag, als er die kayser- liche Krone empling, auf der Teyfferbrugk (Tiberbrücke). Darunter wird genannt „Graf Hesso von Loyningen". — Freiherr von Hohenrode in seiner Genealogie und kistor. Besehr. des Bittcrstahds etc. III. 134 nennt statt dessen „Graf Hans von Leiningen —. Dies könnte nur Johann II. sein , indess spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, dass hier der Landgraf gemeint sei und der Irrthum wohl nur von der Seltenheit des Namens Hesso herrührt. Ä ) Kremer, Gesch. Friedrichs III. II. 262. 10* - 148 — belehnt, und zwar am 14. Juli (Tag nach S. Margarethen) 1457'); bereits am 10. Mai dieses Jahres hatte Landgraf Hesso seinem Vasallen Wilhelm von Remchingen gestattet, den halben Theil der Villa Schollbronnen an die Markgrafen von Baden zu verkaufen. Als Pfalzgraf Friedrich mit dem König von Böhmen am 15. April 1459 zu Eger ein Bündniss schloss, war auch Landgraf Hesso zugegen, 5 ) und in einem Schreiben des erstem an den Herzog Albrecht von Bayern, Grafen von Vohburg, nennt derselbe den Landgraf Hesso seinen Oheim 3 ). Eben so war der Landgraf auch bei dem Freundschaftsbündnisse, am 16. Oct. 1559 zu Pilsen zwischen Böhmen und Bayern in Begleitung Friedrichs 4 ). Als einen wichtigen Vermittler erwies er sich in dem Kampfe des siegreichen Pfalzgrafen mit Würtemberg, Baden, Mainz, Veldenz und Jofried von Leiningen - Hartenburg im Jahre 1461 5 ) und eben so im folgenden Jahre zwischen dem Kurfürsten und dem Bischof von Speyer. Am 22. Jan. 1462 zu He Helberg fordert Kurfürst Friedrich I. den Grafen Ulrich von Würtemberg auf, wegen des von letzterm verübten Schadens zu Maulbronn vor den Grafen Eberhard von Würtemberg oder den Bischof Reinhard von Worms oder den Grafen Hesso von Leiningen zu kommen 6 ), und am 2. Mai desselben Jahres schreibt Friedrich I. dem Bürgermeister von Udenheim 7 ), er habe versucht, durch den Grafen ') Rechtliche Auszüge etc. Nro. XX. p. 23. 2 ) Kremer, Gesch. Friedrichs I., 2. Abth. nr. 58. а ) AI. v. Kemnat Ohron. II. 314. 4 ) Daselbst II. 383. Ä ) Urk. des Markgr. v. Baden vom 24. Juni „vi! Sankt Johannes Abent des Deuffers" in der ,,Gründl. Refutation des West( iburg. Gegenberichts" p. 84; б ) Urk. bei Sattler, Gesch. des Herzogth. AVüiteihberg, IV. Beilage 7. 7 J Kremer, Gesell. Friedrichs I., 2. Abth. Urk. 84. / — 149 - Hesso von Leiningen den Bischof von Speyer mit sich auszusöhnen, aber ohne Erfolg, das könnten der Bischof von Worms, der Graf Hesso von Leiningen und das Stift zu Speyer bezeugen. Indess vermittelten die eben Genannten einen Waffenstillstand vom 8. Aug. bis 5. Sept. 1 ), und bereits am folgenden Tage, am 9. Aug. 1462 zu Heidelberg den Frieden 2 ). Auch sollen nach der von Friedrich I. mit dem Herzog Ludwig von Veldenz getroffenen Uebereinkunft zur Beilegung etwaiger Streitigkeiten der Bischof Reinhard von Worms oder der Graf Hesso von Leiningen als Obmänner bestellt werden 3 ), und ebenso in dem Bündnisse Friedrichs mit dem Erzhischof Adolph von Mainz vom 3. März 1466 4 ). Seine Laufbahn als pfälzischer Rath hatte er damit begonnen, dass er 1452 der Arrogation des jungen Herzogs Philipp von Seiten Kurfürst Friedrichs I. assistiert hatte, und nun bestätigt er als solcher auch am 6. Februar 1467 die frühere Arrogationsurkunde von 1452. Es war dies seine letzte amtliche Handlung; denn schon einen Monat darauf, am 8. März 1467, starb er bei seinen Verwandten in München, ohne Kinder zu hinterlassen, und ward zu Höningen bei Altloiningen 5 ) beigesetzt. Er beschloss die altleiningensehe, auch friedriehsche und dagsburgische Linie des Hauses Leiningen, die seit 1317, also anderthalb Jahrhunderte, bestanden hatte. Am 4. Oct, 1440 vermählte er sich-mit Elisahetha, der 7) Tochter des Herzogs Ernst von Bayern in München und der Herzogin Elisabeth von Mailand aus dem Hause Visconti, der ') Remiing, Urkunder buch zur Gesch. der Bischöfe von Speyer II. nr. 168. -) Remiing, a. n. 0. II. nr. 169. ■ s ) Kremer, Gesell. Friedrichs I., AI Ah. II. Urk. 111. 4 ) Kremer, a. a. 0. Abtk. II. Urk. 124 u. 132. 5 ) M. v. Kemnat Chronik, p. 49. . ...... -U-j y '•ey.rr r -■ • ■_... , . ■? , y , v*, r — 150 — Wittwe des Herzogs Adolph von Jülich und Berg. Nach Hesso's Tode kehrte sie vqn München in die Leininger Lande zurück, starb aber dort binnen Jahresfrist am 5. März 1468 und ward in Höningen neben ihrem Gemahle beigesetzt. Dass Landgraf Ilesso kinderlos starb, war für das Haus Leiningen von den weitestgreifenden Folgen. In seine Verlassenschaft theilten sich Graf Emich VII. von Leiningen- Hartenhurg, Margaretha, Hesso's Schwester, und der Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz. Zwar erliess Kaiser Friedrich III. (IV.) am 28. Oct. 1467 ein Mandat für Emich VII. gegen Margaretha von Westerburg, worin derselben die Nachfolge in die Hessosche Erbschaft abgesprochen wurde 1 ), und es wurden noch mancherlei Schriften gewechselt; aber trotzdem ging die Theilung vor sich. Der. Kurfürst erhielt, laut eines mit Margaretha am 28. Mai 1467 abgeschlossenen Vertrages 2 ), die Hälfte des Nachlasses, nämlich Burg und Stadt Neuleiningen halb, sodann die Flecken und Dörfer Weissenheim am Sand, Sülzen, Gross-Karlbach, Hessheim, Flamersheim, Beindersheim, Dakkcnheim, Ottersheim, Immesheim, Cell, Harxheim, Niefernheim, Rheindürkheim, Bremersheim, Märstadt, Wintersheim, Walheim, Alsheim, Osthofen halb und ebenso das Dorf und Gericht zu Hain, der Ebersheimer Hof und noch andere Güter und Gefälle. Gräfin Margaretha dagegen bekam die Burg Altleiningen zur Hälfte mit dem Kloster Höningen, ein Viertel von Feste und Stadt Neuleiningen, dann die Orte Grünstadt, Asselheim, Sausenheim, Obrigheim, Kirchheim, Tiefenthal, Quirnheim, Ebertsheim, Lautersheim, Wertesheim, Bossweiler, Albs- ') Lünig, SpiciL saec. I. 410. 2 ) Dienstag nach Fronleichnamstag 1467. — 151 - heim, Bissersheim, Hertlingshausen, Wattonheim, Seekenhausen, Wachenheim auf der Pfrimm, die Hälfte von Mörsheim und Hochspeyer und viele Mühlen, Höfe und Zehnten. Ihre Erben gründeten die Linie Leiningen-Wester- burg, welche noch jetzt blüht. Den Rest des Nachlasses erhielt Emich VII, darunter vornehmlich die in der Grafschaft Dagsburg belegene, zu Dürkheim gehörige Hälfte. Die Hauptlinie Leiningen - Harten!) urg (auch Jofried'sche oder Hartenburgische Linie). Von 1319 bis 1447. Der Stifter dieser noch jetzt blühenden Linie war Jofried (Gottfried, Schatfried), der Sohn Friedrichs IV. von der Linie Alt-Leiningen, und Bruder Friedrichs V. (des Stifters der Linie Leiningen-Dagsburg). Er nannte sich „Graf von Leiningen und Herr zu Harten- burg" 1 ). ') Eine Ahnenprobe Raugraf Konrads von 1389 im Archiv des Domstit'ts zu Cöln enthält Folgendes: „auch was ogenaunten Ryngrafen Philips eheliche Hausfraw Agnes Grave Schafflds "Dochter von Leiningen, und desselben Grafen Schaffrids Mutter hiesse Frau Else (?) uud was eines Herrn Dochter von Epper- mont, und desselben Schaffrids eheliche Hausfrau die hiesse Frauw Mechtildis und was eines Grafen Dochter von Salmen, und derselben Frau Mechtildis Mutter hiesse Frau Marga und was eines Graven Dochter von Gemesell. S. „Leining. Bericht in Sachen die Verlassenschaft des Landgr. Hesso" und Kremer, Urkundensammlung nr. 387. S. auch Köllner, Gesell, d. Herrsch. Kirchheim-Bolanden etc. pag. 94. Anmerk. 39, - 153 - Schon bei Lebzeiten seines Vaters hatte er vom Kaiser Heinrich VII. die Landvogtei im Untern Elsass erhalten; denn bereits am 1. Januar 1312 trägt Heinrich VII. ihm als Landvogte im Elsass auf, den Streit des Klosters Niedermünster mit dem von Bergheim über den Soomensheimcr Wald zu untersuchen und zu entscheiden 1 ). Von seinem Vater, der ihn sichtlich bevorzugte, erhielt er bereits im Jahre 1309 die Auerbach'schen Lehen (die Dörfer Leystadt, Weissenheim am Berg, Bobenheim, Battenberg, Klein Karlbach u. a.), während sein Halbbruder Friedrich V. ungleich weniger bekam. Er machte den Römerzug des Kaisers zur Krönung mit und wird ausdrücklich unter denen genannt 2 ), welche sich im Februar 1312 mit demselben zu Genua einschifften. Einige Tage darauf kommt er unter der Bezeichnung: „Landvogt im Elsass" als Zeuge vor 3 ). Unmittelbar nach der Krönung Heinrichs VII. 4 ) erscheint er als „Kaiserlicher Hofmeister" 5 ) Er muss sich grosso Verdienste erworben haben, wie dies der Kaiser ausdrücklich in einer Urkunde vom Decembor 1312 erklärt, worin er ihn nicht nur reich mit werthvollen Reichslehen im Elsass beschenkt, sondern ihn auch seinen „lieben Verwandten" nennt, dessen „Blutsvor- l ) Datum in castris apud. S. Cassianum supra Plorentiani Kai. Jan. A. D. 1312, regni vero nostri anno quarto, imperii voro primo. Das Original befindet sieh im Strassburger Arohiv. Mone, Zeitschr. XII. 206. -) Boehmer, Eegesta 283. ;i ) Auch in dem „Balduineum" (der Beschreibung des Bomzugcs K. Heinrichs VII. durch den Erzbischof Balduin von Trier) kommt er vor und ist daselbst auch mit dem Leininger Wappen (3 weisse Adler in Blau) u. Banner (ebenso) abgebildet. 4 ) Heinrich VII. ward am 27. Nov. 1308 zu Frankfurt erwählt, am 6. Jan. 1309 zu Aachen, am 6. Jan. 1311 zu Mailand als König von Italien, und am 29. Juni 1312 zu Rom als Kaiser gekrönt, starb aber schon im folgenden Jahre (24. Aug. 1313). 5 ) Böhmer, Regesta 302 und 304. wandtsehaft" er anerkenne. 1 ) Für die ihm ausgesetzten grossen Summen und bis zu deren Ablösung sollen er und seine Nachkommen die Landvogtei im Elsass nebst allen andern ihm zugewiesenen Gütern erblich innehaben 2 ), auch gab der Kaiser ihm mit einem Einkommen von 400 Mk. die Stelle eines Propstes in Schleistadt. In einer kaiserlichen Urkunde von 1313 wird ihm als Landvogt von Neuem gestattet, die in der Landvogtei Elsass gelegenen und verpfändeten Reichslehen auszulösen und in Besitz zu behalten, bis das Reich sie wieder von ihm loskaufe 3 ). Da er in derselben nicht mehr „Hofmeister," sondern „Landvogt des Elsass" genannt wird, so war er damals wohl schon aus Italien nach der Heimath zurückgekehrt. Als wirklicher Landesherr schloss er (sexto Idus April.) 1314 ein Schutz- und Trutzbiindniss mit Erzbischof Peter von Mainz, wurde auch in die Verbindung, welche Bischof Balduin von Trier und Peter von Mainz zu Gunsten des Königs Ludwig abschlössen, aufgenommen (oder vielmehr von der Feindschaft ausgeschlossen 4 ). Ueberhaupt treten die Leininger von jetzt an mehrfach als Landvögte im untern Elsass auf, nicht nur wegen ihrer nahen Verwandtschaft mit den Kaisern, sondern auch, und wohl hauptsächlich, weil sie zuverlässig, geistig befähigt, mächtig und tapfer, sowie geistvolleVDiplomaten und kühne Heerführer waren, und namentlich, weil sie ihrer Grafschaft Dagsburg ivegen ohnehin oft im Elsass sich aufhalten mussten. Nach des Vaters Tode theilte er am 21. April und 18. October 1317 und am 20. April 1318 mit seinem Halbbruder Friedrich V. und empfing dabei, nach den Festsetzungen der ') Dilectus consanguineus lioster, in quo sanguinis ydemptitatem agnoscimus. -) Urk. d. d. Florenz, 4. Dec. 1312). s ) Boehmer, Regesta 306; Schoepflin Als. dipl. 106, nr. 975. 4 ) Datum Bopardie, 26. die Aprilis A. D. 1315. "Wurf.wein, Subsid. dipl I. 432. — 155 — Vertrauensmänner (s. unter Friedrich V.) folgende beträchtliche Güter: — die Festen Hartenburg (nach welcher er sich nannte), Frankenstein und Lindelbol sammt allen Burgleuten und Gerechtsame, die Vogtey über die Abtei Limburg, die oben angeführten Güter und Gefälle, die er bereits bei Lebzeiten seines Vaters im Besitz gehabt hatte und nun behielt, sodann die Hälfte von Hochspeyer nebst dem Burglehen zu Friesenheim, Erpolzheim und das Dorf Dürkheim mit Wald, Wasser und Weiden zur Hälfte. Die Reichspfandsehaften Gutenburg und Falkenburg, dann die Grafschaft Dagsburg und die Herrschaft Ormes sollten bis zum Tode der Gräfin Anna (der Gemahlin Friedrichs IV.) in Gemeinschaft bleiben; alsdann aber kamen Gutenburg und Falkenburg in Jofrieds Besitz. Bei der Schluss- theilüng im Jahre 1318 endlich bekam Jofried noch: — die beiden Bockenheim, Kindenheim, Gössesheim, Kolgenstein, Mülheim, Guntersbliun, Ilbesheim, Dolgesheim und den Hof zu Bubenheim. Aus seinem Leben dürfte noch Folgendes merkenswerth sein: Als er im Jahre 1312 mit Heinrich VII. zu dessen Krönung in Italien war, contrasignirte er zu Pisa, am 11. April, das Notariatsinstrument, worin der Kaiser nach Aufzählung dessen, was er speciell für Italien getlian und was darin geschehen sei, die Städte Lucca, Siena, Parma und Reggio aller ihrer Rechte etc. verlustig, so wie alle ihre Einkünfte dem Fiscus verfallen, die Einwohner für Hochverräther erklärt und sie zu hohen Geldbussen verurthöilt 1 ). In demselben Jahre am 30. Juni zu Rom (apud Sanctam Sabinam) erneuert Heinrich VII. dem Cisterzienserkloster Baumgarten in der Strassburger Diöcese nunmehr als Kaiser die demselben kurz vorher ge- 1 ) Dönniges. Acta II. 171; Muratori Antiqu. Ital. IV. 623 5 Peitz ALonuin.* Germ. IV. 524; Boekmer Regesta Imp. nr. 473. — 156 - machte Schenkung des Patronats in Brumen, was Graf Jofried von Leiningen, Hofmeister, bezeugt 1 ). — Am 17. October desselben Jahres bestätigt (in castris ante Florentiam) Kaiser Heinrich dem Kloster Petershausen hei Constanz seine Privilegien, wobei als Zeuge abermals Graf Jofried von Leiningen fungiert, der also auf der italienischen Reise fortwährend den Kaiser hegleitete 2 ). Im folgenden Jahre (am 2. Januar 1313) beauftragt (in castris apud S. Cassianum) der Kaiser Graf Jofried von Leiningen, Landvogt im Elsass 3 ), die in seinem Regierungsbezirk belegenen Reichspfandschaften an sich zu lösen und sie selbst als Reichspfandschaften zu besitzen 4 ). Im Februar (apud montem imperialem), beauftragt der Kaiser Heinrich VII. den Grafen Jofried, Landvogt im Elsass, die Aebtissin und den Convent von Andlau wieder in den Besitz der Almende zu setzen, welche denselben ohne Rechtsverfahren entzogen wurde 6 ). Seine Lehnsherrlichkeit über Albisheim wird dadurch erwiesen, dass er 1325 dem Conrad Rogkuszen, Bürgermeister dieses Ortes, gestattet, seine Güter daselbst dem Kloster Otterberg um 200 Pfund Heller zu verkaufen mit der Bedingung, diese Summe dem Grafen vorzuschiessen, um damit das Schloss Bolanden nebst Zubehör von dem „armiger" Hugo von Inseltheim einzulösen 6 .) In dem Kriege der beiden Gegenkönige (Ludwigs des Bayern und Friedrichs des Schönen von Oesterreich) stand ') Bookmer Reg. Ixnp. nr. 491. Die Aufentkaltsbezeichnung auf die Ba- silica Sta. Sabina auf dem Aventin und das dabei befindliche Dominikanerkloster. ") Liinig, Reichsaroh. XVIII. 414 ff; Boehmer Reg. Imp. nr. 506. a ) Lünig, Reichsarchiv XXII. 384; Boehmer Reg. Imp. nr. 516. + ) Lünig, Reichsarchiv XXII. 384; Boehmer Reg. Imp nr. 516. 5 ) Schoepflin, Als. dipl. II. 106; Boehmer, Reg. Imp. nr. 524. ''1 Dat. A. D. 1325. Joannis ante portain latinam (6. MaiJ. Remling, Otterberger Urk. p. 348. nr. 400. - 157 - Jofried auf Seiten des letzteren, mit welchem ihn ja Verwandtschaft verband, muss sich aber trotzdem die Achtung und das Wohlwollen des Gegners erworben haben, da dieser ihn 1327 nicht nur als Landvogt im Elsass bestätigte, sondern ihm auch die Befugniss erneuerte, die in dieser Landvogtei verpfändeten Reichslehen für sich einlösen zu dürfen 1 ). So löste er z. B. die Burg Bolanden ein 2 ). Im Jahre 1327 verbürgte er sich, nebst dem Raugrafen Georg, für den König von Böhmen und Polen, Johannes, aus dem Luxemburger Hause, wegen 3060 prager Groschen 3 ). König Johannes hatte ihm dabei die von dem deutschen Könige jenem verpfändete Stadt Kaiserslautern als Afterpfand verliehen, wogegen derselbe 1329 4 ) die Stadt und ihre Zubehörungen zu schützen gelobte. Von dem König Johannes von Polen finden sich auch noch andere Schuldverschreibungen für Jofried vor, so z. B. vom St. Augustinustag (28. Aug.) 1336. — Aus dem Jahre 1330 findet sich eine Versclireibung des Herzogs Otto von Oesterreich für Jofried, und in demselben Jahre erscheint er als Zeuge bei dem Friedensschluss zwischen dem Könige von Böhmen und den Herzögen Albrecht und Otto von Oesterreich 3 ). Herzog Otto lohnte dem Verwandten seine Anhänglichkeit und seine grossen Dienste, und dasselbe Wohlwollen fand Jofried bei dem Pfalzgrafen Rudolf II. und Ruprecht I., welche ihm 1331 versprachen, keinen seiner Unterthanen hinfort mehr als Bürger in ihren Städten aufnehmen zu wollen, und die bisher aufgenommenen Leininger Armen Leute ihrer Bürgerpflicht lcdig ') Eemling, Otterberger Urkundenbuch p. 348. ») D a t. Präge D. I). 1327, V. Id. Jan. Er wird sich damals also in Prag bei dem Könige befunden haben. •'*) An vnsor frawen Abende woi'tzwihe genannt, (14. August). 4 ) Strassburg 1330, am Montag nach der Pfingstwoche. 5 ) Böhmer, llegesten Kaiser Ludwigs des Bayern, 194. — 158 - sagton 1 ). — Im Jahre vorher schon, am 17. April (Montag vor dem Palmtage) 1330, hatte ihm Kaiser Ludwig II. gestattet, das Witthum seiner Gemahlin Ida von Salm mit 2000 Pfund Heller auf die Dörfer Bockenheim, Kindenheim, Gossenheim, Büssersheim, Heidesheim, Colgenstein und den Bockenheimer Hof zu verlegen 2 ). Dass der von Anfang an reich ausgestattete Jofried weniger, als seine verwandte Linie, in Geldverlegenheiten war, or- giebt sich zum Theil schon aus den bisher angeführten Erwerbungen, und ebenso aus andern Transactionen, die ihn, im Besitze von Mitteln erscheinen lassen. So verspricht zu Wiesloch am 10. April 1330 Marquard, Herr zu Seefeld, Vicedom zu Heidelberg, eine Schuld des Pfalzgrafen Rudolf II. von 150 Pfund Heller an Jofried bis Martini, und am ü. April 1333 eine eben solche Schuld 3 ) zu zahlen. Im Jahre 1332 trug er dem Erzbischofe Balduin 4 ) seine Theile an der Fes + e Bolanden für 500 Pfund Heller zu Lehen auf, empfing sie wieder von demselben und quittirte kurze Zeit nachher über den richtigen Empfang der Summe (an den Mittwochen in der Osterwoclien) 22. April 1332. Von Interesse dürften auch noch einige andere Daten aus seinem Lehen sein, so: — dass Wigand von Ulversheim und Genossen bekennen, dass Graf Jofried von Lyningen ihnen um 400 Pfund Heller das Dorf Vluersheim (Flörsheim) zu Lehen gegeben habe. Dagegen wollen sie dem Grafen das Dorf wieder übergeben, wenn er die 400 Pfund Heller zurückzahlt 5 ). — Im 0 Montag nach Margarethentag 1331 (15. Juli). 2 ) Remling, Otterherger Urkundenbuch p. 374. nr. 424. 3 ) Koch und Wille, Regesten der Pfalzgrafen bei Rhein p. 125 und p. 128. 4 ) Kurtrierische Lehnbriefe (Copien) über die Burg Wachenhausen auf der Pfrimm im Wormser Bisthum finden sich im fürstlich leiningenschen Archive von 1335 bis 1467. 5 ) Baur, Hess, Urk. III. 128. - 159 — Jalire 1333 verspricht Rheingraf Heinrich III. den Grafen Jofried sein Leben lang schützen und ihm beistelm zu wollen. Im September des folgenden Jahres verpflichtet sich Jofried dem Könige von Frankreich auf ein Jahr mit 20 Bewaffneten zu dienen, dies auch bis zum Tode des Königs fortzusetzen, und empfängt dafür die Summe von 500 livres tournois und 20 Livres Rente lebenslang, 100 Livres aber gehn auf die Erben über 1 ). — Im Jahre 1335 verschrieb er der Frau des sei. Harnosch und ihren drei Söhnen, Johann, Gerhard und Hügel, und ihren Erben für ein Darlehn von 150 Pfund Heller auch die Mühle zu Hassloch und in dem Dorfe daselbst eine jährliche Gülte von 15 Malter Korn, unter der Bürgschaft des ' Grafen Eberhard von Zweibrücken-Bitsch und des Herrn von Oehsenstein, ablösig mit 150 Pfund Hellern 2 ). Im Februar (Lichtmess) 1340 b ), zu Winningen, vergönnt Rudolph II. dem Grafen Jofried, die Leute, „die er von des Reichs und seiner selbst wegen hat" (d. h. in seinen allo- dialen Gütern) Aveiter zu besitzen, mit dem Vorbehalt, dass dieselben nicht gehindert werden, sich in des Pfalzgrafen Lande Avolinlich niederzulassen, Avie auch solche, die dem Grafen nicht leibeigen sind, aber mit den Seinen in einem und demselben Gerichte sitzen, der Pfalz jederzeit der Bürgschaft wegen dienen sollen. In seinem 1340 aufgelichteten Testamente ist dem Kloster Otterberg der Hof zu Bockenheim, früher Erblehen für Leiningen, bestimmt 4 ). Sodann vermachen er und sein Sohn Emich V. •) Archives nation, h Paris. I. 620. nr. 24. '') Original im hochfiirstl. Leiningensuhen Gell. Archiv. a ) Lünig, Spich, saec. I. 386. 4 ) Remling, Otterb,erger Urkundenbueh p. 417. nr. 450. am 11. Sept. 1341 zu ihrem Seelenlioile der Kirche zu Dürkheim eine jährliche Gülte von 1 Pfund Heller 1 ). Graf Jofried starb im Jahre 1344 und zwar jedenfalls erst nach dem 3. Januar. An diesem Tage lebte er noch, da er 2 ] bei dem Abschlüsse des Landfriedens durch den Herzog von Lothringen mit seinen Ständen noch genannt wird, nachdem er kurz vorbei' seinen zweiten Sohn Emich (V.) mit Lucard, der Tochter Conrads von Falkensteil), verlobt hatte. Beigesetzt ward seine Leiche in dem neuen Erbbegräbniss der Harten- burgor Linie in der Abteikirche zu Limburg. Zweimal war er vermählt; I. mit Agnes von Ochsenstein 3 ), einer nahen Verwandten König Rudolphs I., Tochter Ot.to's Herrn von Ochsenstein und der Kunigunde von Lichtenberg. Er vermählte sich mit ihr 1291 und erhielt mit derselben als Aussteuer 1000 Mark Silbers, die Rietburg, Weiler, Fischlingen und Schifferstadt, wogegen er ihr 2500 Pfund Heller auf Hartenburg, Dürkheim und auch das Geleitsrecht als Witthum aussetzte 4 ). Seine zweite Gemahlin war II. Mathilde, Tochter des Grafen Johann von Salm 5 ), die von 1321 bis 1341 vorkommt. Ihr Witthum setzte er ursprünglich auf die Burg Frankenstein, allein da sein Sohn Fritzmann (aus erster Ehe) ') Geben dez iares do man zahlte von Chi'istus Geburte 1341 iar, an dem nehesten Dienstage nach vnser frawentag als sie geboren ward. Original (Pergament, deutsch, Siegel abgefallen) im Archiv des Grafen IC. E. zu Leiningen Westerburg. -) Boehmer, Eegesta Ludov. Bavar. Imperat. V. 55. ■'•) Eins der ältesten und edelsten Geschlechter des Elsass. *) Bernh. Hertzog, Ohron. Alsat. V. 53 und 55. 5 ) Dass sie Jofrieds Gemahlin war, erhellt aus der Ahnenprobe des fiau- grafen Conrad v. 1389, in dem Leining. Bericht in Sachen des Landgr. Hesso. aus dem Archive des Domstifts zu Cöln. S. auch Köllner, Gesch. der Herrsch. Kirchheimboland etc. p. 94. Anm. 9. Als ihre Mutter wird daselbst Frau Marge genannt „und was eines Graven Dochter von Gemesell." - 161 - das Witthum seiner Braut, Johanna von Rixingen, ebenfalls darauf verschrieb, so trug Jofried die Gesammtsumme 1321 auf Hartenburg, Hausen, Dürkheim etc. über, wozu sein Sohn und Nachfolger am 30. Juli 1329 seine Einwilligung gab 1 ). Späterhin gestattete König Ludwig der Bayer dem Grafen Jofried, davon 2000 Pfund Heller auf Bockenheim, Heidesheim und Kolgenstein zu übertragen 2 ) und am Sonntage nach Jacobi (31. Juli) 1340 genehmigt ihm der Edelknecht Heinrich von Schifferstadt, davon 800 Pfund auf das von ihm herrührende Dorf Ruchheim zu verlegen. Aus seinen beiden Ehen hatte Jofried sechs Kinder und zwar aus erster Ehe einen Sohn: 1) Fritzmann (Friedrich), den Stifter der Rixinger 129 Linie. Dieser vermählte sich mit Johanna, der einzigen Tochter und Erbin des letzten Grafen von Rixingen, dessen ansehnliches Gebiet im Elsass, an der Grenze Lothringens, lag und stets seine eignen Grafen hatte. Da Fritzmann schon aus dem Nachlass seiner Mutter begütert war, so befand er sich in der Lage, eine eigene Linie zu gründen, deren Mitglieder sich „Grafen von Leiningen, Herren zu Rixingen" nannten. Diese Linie bestand aber nur bis 1506, wo dann durch die zwei Unterlassenen Töchter des letzten Grafen Hannemann die Rixinger Herrschaft an ihre Gemahle, Emich von Dlinn, Grafen von Falkenstein, und an den Freiherrn von Hohenfels fielen, wie wir unten kennen lernen werden. Aus zweiter Ehe zwei Töchter und drei Söhne, nämlich: ') Sckliessliche Einreden die verlassenen Lande Landgraf Hesso's betreffend, lit. E. p. 54. 2 ) Mittwoch, vor Palmtag 1330. Brinckmeier, Leiningen. 11 ■S&SäSSfj p# "*» i(f — 162 — 75 2) Agnes, verlobt um 1333 mit Philipp I. (dem Sohne des Raugrafen Heinrich von Neuenbaumburg), welcher in dem genannten Jahre das Witthum der Braut mit 350ü Pfund Heller auf die Hälfte der Feste und Stadt Neubaumburg verlegt, am 12, April, (an dem ersten mondage nach dem Palmdage) und an demselben Tage verlieh er seinem künftigen Schwiegervater Enthalt in seiner Raugrafsehaft, sowie in allen seinen Burgen, wo er ihm irgend, ohne wider Eid und Ehre zu handeln, helfen könne. Als Mitgift erhielt sie, ausser dem von ihrer Mutter herrührenden Erbe, die Hälfte von Dürkheim und starb im Jahre 1359. 79 3) Emich V., der die Linie Hartenburg fortsetzte. Nach üblichem Herkommen hatte er schon bei Lebzeiten des Vaters von diesem am Allerseelentage 1340 die Villa Dornsheim zu eigner Bewirthschaftung bekommen; sie war bisher in seinem und seines Vetters Friedrich gemeinsamen Besitze gewesen. 76 4) Johannes, Domherr zu Strassburg,Propst zu St. Guido in Speyer, der zwar 1345 mit seinen Brüdern theilte, aber schon im folgenden Jahre seinen Antheil dem Grafen Emich V., seinem ältern Bruder, schenkte, mit Ausnahme seines Besitz- antheils in den Dörfern Haselacli, Bohel, Ugelnheim 1 ). Ihm, dem Grafen Johann von Leiningen, versetzt am 14. Juli 1353 (zu Neustadt) der Pfalzgraf Rudolf II. Lamsheim für 1020 kleine Goldgulden 2 ). 77 5) Gottfried (Jofried), Domherr zu Speyer, theilte 1345 mit seinen Brüdern und vermachte testamentarisch 1352 seinem Bruder Emich V. den auf ihn gefallenen Antheil 3 ). 9 Widder, Besckr. d. Pfalz II. 290. Die Urk. ist datiert: „134(1 feria seeunda ante b. Luco EvaDg." -) In dem Lehmann'sckcn Actennacklasse der Heidelberger Bibliothek. a ) Graf u Junker Joffrid, Joffrids sei. Sohn, nennt er sich. Dat. 1;252, in die soti Albani(21. Juni). Das Original (Pergament, deutsch, mit dem schönen 1 — 163 - 6) Johanna (oder Jutta?), vermählt l3l8 mit Hannemann 78 (Johann) II., Dynasten von Lichtenberg (Lichtenberg, Burg und Gebirgsort im Unterelsass, Kreis Zabern); sie starb am 16. Februar 1366. Der Domherr von Speyer, ihr Bruder, gestattet als Lehnsherr dem Hannemann von Lichtenberg, 600 Pfund Heller von der Mitgift seiner Ehefrau Johanna von Leiningen auf die Feste Neuburg a. Rh. mit jährlich 60 Pfund Heller als Witthum zu verschreiben, am h. Mathiasabend des Zwelfhotten 1318 4 ), 23. Februar. Bernhard Hertzog (Chron. V. 7.) erzählt: Graf Emich V. von Leiningen, Bruder der an Hannemann von Lichtenberg verheiratheten Johanna, legte sich wegen der von Hannemann noch nebenbei heigehaltenen Lisa von Steierbach ins Mittel, erobert mit Heinrich, Sohn Hannemanns, die Feste Lichtenberg und wirft die Lisa aus einem Fenster, so dass sie sich zu Tode fällt 2 ). Siegel des Junkers Gottfried und des Pfarrers Job. Winter zu Dürkheim), im Archiv des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg.) l ) In der in der Heidelberger Bibliothek befindlichen Lehmannschen Copie der Urkunde sind zwei Irrthümer enthalten; er wird als Bischof von Speyer Emich und dieser der Bruder der Johanna genannt. Der Bruder der Johanna aber war nicht Bischof, sondern Domprobst zu Speyer, und hiess nicht Einich, sondern Gottfried (Jofrid), und der Aussteller der Urkunde kann kein anderer als dieser, gewesen soin. S. auch Zimmern'scho Chronik III. 508. 309 (in der Bibliothek des litterar. Vereins zu Stuttgart). -) S. auch Bibl. des litter. Vereins zu Stuttgart :"Zimmern'sche Chronik III. 308 u. 309. 11* 79 Emicli V. Er war der Nachfolger seines Vaters in der Linie Leiningen-Harfenburg, erhielt schon 1340 von seinem Vater noch bei dessen Lebzeiten die Hälfte der Burg Niedeck, am 2. Nov. desselben Jahres auch die Villa Dorresheim, welche jener und Graf Friedrich von Leiningen gemeinsam besessen hatten 1 ). Als im Jahre 1343 Jofried schwer krank lag, einigten sich für alle Fälle seine drei Söhne zweiter Ehe (Fritzmann war bereits abgefunden und hatte die Linie Rixingen gegründet), Emich V. und dessen zwei geistliche Brüder, Johannes und Jofried, dahin, dass sie die gesammte Herrschaft, um sie zusammenzuhalten, nicht theilen, sondern sie gemeinsam besitzen und nutzen wollten, und diese Bestimmung ward nach des Vaters Tode am St, Walburgsabend 1345 denn auch festgemacht und in Ausführung gebracht. Sie erhielten dabei gemeinsam die Hartenburg mit der Grafschaft Leiningen, die Burgen und Herrschaften Gutenburg und Falkenburg, die Hälfte von Lindelbol, zwei Drittel von der Grafschaft Dagsburg, so wie von Burg, Stadt und Land Ormes; indess schon im folgenden Jahre schenkte Johannes seinen Antheil an seinen Bruder Emich V., und der jüngere Bruder, Jofried, vermachte l ) Sckliessliche Einreden etc., lit. F., p. 55. - 165 — .1351 seinen Antheil, mittelst Testaments, seinem Bruder Emich (beide, um einer noch grössern Zerstückelung des Gebietes vorzubeugen). Nach ihres Vaters Tode aber stiftete Fritzmann von Ri- xingen Unfrieden mit den Brüdern. Er verlangte die seiner Mutter als Mitgift zugeschriebene Hartenburg nebst der halben Stadt Dürkheim, obwohl er eingewilligt hatte, dass nach dem Tode seiner Mutter diese Güter auf seine Stiefmutter übertragen wurden. Darauf hin beschlossen die drei Brüder Montag vor Johannis 1344, jene Feste sammt Zubehör bis nächsten Michaelistag gemeinschaftlich besitzen zu wollen, alsdann aber die Sache Schiedsmännern zu übergeben. Als solche wurden dann der Wormser Dompropst Graf Friedrich von Leiningen und Rudolph von Ochsenstein gewählt, und diese setzten 1345 fest: Fritzmann, der Rixinger, solle die Herrschaften Bolanden und Frankenstein sammt der Burg Wildenstein bekommen. Dasjenige aber, was ihr Vater von dieser letzteren dem Ritter von St. Alban zu Lehn gereicht habe, solle den andern Brüdern zukommen. Von der Hälfte Dagsburgs, so wie von Burg, Stadt und Land Ormes erhielt Fritzmann nur ein Drittel, dagegen wurden ihm die Güter in der Champagne (Schampanien) zugetheilt. Den Brüdern Emich, Hannemann und Jofried verblieben zu gemeinsamem Besitze die Hartenburg und die Grafschaft Leiningen, die Herrschaften Falkenburg, Gutenburg, und eine grosse Menge barer Bezüge; sie mussten dafür aber auch alle väterlichen Schulden übernehmen. Die beiden geistlichen Herren übergaben, wie schon bemerkt, bald nachher die ihnen erblich zugefallenen Landestheile abermals ihrem Bruder Emich zu eigen, und zwar Johannes schon 1346') und Jofried der Jüngere durch ein Testament von 1351 (datum in civitate Spi- rensi crastino b. Thomae Apostoli, 22. Dec.), beide wiederum, *) Lünig, Reichsarch. XXII. 387, f um eine nochmalige Zerstückelung der ohnehin schon mehrfach getheilten Güter zu vermeiden. Auch gelangten mehrere dem Stiefbruder Fritzmann zugetheilte Stücke, wie Frankenstein, Dagsburg etc. in der Folge wieder an die Hartcnburger Linie. Schon der Blutsverwandtschaft wegen stand Emich V. mit dem neu erwählten König Carl IV. im besten Einvernehmen. Als er 1346 in Fehde mit dem Bisthum Strassburg ge- rieth, liess König Carl an die Strassburger die Mahnung ergehen, von dem Kriege gegen den Leininger, seinen Freund und Verwandten, abzulassen'). Eine gleiche Mahnung erthcilte am 3. Aug. 1346 auch der Erzbischof Balduin von Trier, sich nicht dem Bündniss Ludwigs des Bayern und der .rheinischen Städte anzuschliessen gegen seinen Verwandten Graf Emich von Leiningen 2 ). Wie sein Vater von Kaiser Heinrich VII. ausgezeichnet wurde, so erfreute sich Emich V. der ganz besondern Gunst des Kaisers Karl IV.; schon am 15. Jan. desselben Jahres ernannte Carl ihn zum Landvogte des Speyergaues 3 ); leider aber musste jener schon im folgenden Jahre diese Landvogtei, so wie auch die des Elsasses, an Kurpfalz verpfänden 4 ). Um ihn einigermassen zu entschädigen, stellte ihn 1349 der Kaiser als Burgmann in Kaiserslautern an; ausserdem hatte der Kaiser dem Erzbischof Balduin von Trier schon am 15. Mai 1348 5 ) die Landvogtei im Speyergau gegeben und dieser übertrug sie nun wieder dem Grafen Emich V. Aus demselben Jahre datiert der Erlass an die Speyerer Unter- thanen, dass sie dem Grafen Emich als dem Landvogte zu gehorchen hätten. P Schoepflin. Als. dipl. II. 182; "Wencker, App. Archiv, p. 203. '-) Wencker, App. Arch. p. 202. ;l ) Schoepflin, Als. dipl. II. 191. + ) Act. Acad. Theod. Palat. VII. 225. 5 ) Schoepflin, Als. dipl. II. 191, — 167 — Am 12. Dec. desselben Jahres einigt sich Bischof Gerlacli von Speyer mit Emich V. in einem Compromiss dahin, dass sie sich zur Austragung aller etwaiger Zwistigkeit nur eines aus drei Männern zusammengesetzten Schiedsgerichtes bedienen wollten 1 ). Welchen EinfLuss aber Emich hatte und wie sehr man seine Freundschaft zu schätzen wusste, zeigt sich darin, dass im Jahre 1349 der Erzbischof Gerlacli von Mainz ihm 4000 Goldgulden zusicherte für den Fall, dass er ihm gegen seinen Vorgänger Heinrich von Vienenburg und gegen Kuno von Falkenstein beistehn und ihm wieder zu seinem Erzstift verhelfen wolle 2 ). Um seiner Gewogenheit gewiss zu bleiben, sicherte ihm auch König Carl als Dienstgeld die damals enorme Summe von 5000 Pfund Heller zu, am 18. Mai 1349. Im folgenden Jahre, am 18. Juni 1350'') dagegen giebt Graf Emich dem Pfalzgrafen 1000 kleine Gulden, wofür er Burgmann auf Wolfsberg und Winzingen wird, eine Summe, welche Rudolph zu seiner Pfandschaft an Billigheim schlägt 0 ), welch letzteres durch die von dem Vater Pfalzgraf Rudolphs geschehene Verpfändung Billigheims an Leiningen am Mittwoch nach dem Ostertage .1350 (am 31. März) geschah 6 ). Auf Burg Winzingen aber muss sich der Pfalzgraf Rudolph II. damals längere Zeit aufgehalten haben, da er hier mit Graf Emich auch einen Schiedsmann ernennt 7 ). ) Mone, Zeitschr. XXYI. 95; Reinting, Urkundenbuch etc. I. 568. -) „Vff den Abent Saut Barnaban 1349. Original im Münchner Staatsarchiv. 4 ) Lehmann, Burgen der Pfalz II. 109. Koch u. Wille, Regesten der Pfalzgrafen am Rhein, p. 143. ®) Lehmann, Burgen der Pfalz III. 109. 6 ) Lehmanns Actennachlass in der Heidelberger Bibliothek. Uobiigens lehnte Ruprecht I. das Gericht Billigheim im Jahre 1361 (Wyatzingen, leria Gjh post. Bartholom.) wieder von Leiningen aus. 7 ) Lünig, Specil saec. I. 142.. — 168 — In denselben! Jahre ward zwischen Emich und dem Abte Eberhard von Weissenburg festgesetzt, dass der Abt das Lehen, welches er von ihm habe, um jährlich 50 Pfund bessern müsste, bis zur Auslösung. Die beiden Schwäger, Jofried von Leiningen und Georg von Veldenz (aus dem Hause Geroldseck, der Gemahl von Jofrieds Schwester Agnes) waren dahin übereingekommen, die Dörfer und Gerichte Arensheim lebenslänglich in Gemeinschaft zu besitzen; die Söhne Beider aber, Graf Heinrich von Veldenz und Emich V. nebst dessen Gemahlin Lucard und dem Bruder Jofried, schlössen 1349 einen Vertrag dahin, die Dörfer wieder getrennt in Besitz zu nehmen, wofür aber Emich dem Grafen Heinrich eine Summe herausbezahlen musste 1 )- In dem nämlichen Jahre erliess auch König Wenzel ein Mandat, dass Graf Emich von Leiningen als Landvogt in Hagenau im Elsass anzuerkennen sei, und gleichfalls in demselben Jahre wurden von dem Erzbisehof von Trier dem Grafen Emich für zu leistende Dienste 1000 kleine florentinische Goldgulden zugesichert, wogegen er sich verpflichten musste, auf Antrag des Erzbischofs einen Zug bis zu einem Umkreise von 20 Meilen um Kaiserslautern in der Runde mit 20 gekrönten Helmen mitzumachen 2 ). Im Jahre 1351 nahm die Stadt Speyer den Landvogt Emich gegen eine Entschädigung von 1600 Gulden für ein Jahr noch besonders zu ihrem Obersten an, wogegen er jeder Zeit 10 wohlgerüstete Edle auf seine Kosten stellen wollte. — Am 22. Dec. (crastino Thomae apost.) 1351 vermachte er für den Fall, dass er kinderlos stürbe, seinen Brüdern alle seine Güter 4 ). ') „Des nehesten Dienstages nach, sante Lutzien dag." 5 ) An Pauli Bekehrung 1349. 3 ) Lehmann, Chron. Spirense lit. "VII. c. 46. p. 705: „1351 an dem zwölften Tage zu "Weihnachten." S. auch Liinig, P. spec. Cont. IV. p. 488 + ) Lünig, Spicil. saec. I. 387, — 169 - Im Jahre vorher schon hatte Fritz von Rüdesheim auf alle Ansprüche an Philipp von Falkenstein, der Sachwalter für Graf Emich V. war, wegen eines Hengstes um 83 Pfund Heller verzichtet und sagt nun auch die gesetzten Bürgen: —■ Hartmund von Cronenberg, Hermann v. Gelnhausen Dechant zu St. Maurizien zu Mainz, und Johannes von Baldesheim, Forstmeister zum Hain, ledig (feria quarta post Lucie 1 ). Am Dinstag in den Ostern 1353 ertheilt König Carl in Prag einen Lehenbrief: über Lindelbronn' 2 ). In demselben Jahre versetzt Herzog Rudolph zu Neustadt, Sonntag nach Margaretha, die Stadt Lamersheim an Leiningen 3 ), und am 4. Mai 1354 quittiert Emich seinem Schwager Philipp von Falkenstein, dem ältesten Herrn zu Minzenberg, über 89 ! /a Pfund Heller und 6 Schillinge wegen eines zur Hälfte übernommenen Schadens zu Mainz in Betreff des vorhin erwähnten Hengstes 4 ). In demselben Jahre treten ihm sein Schwager, der Rau- graf Philipp I. und dessen Gemahlin Agnes (Ernichs Schwester) die mütterlichen Witthumsgüter, die Hälfte von Homburg, Grethen, Hausen und Dürkheim gegen 1500 Pfund Heller als Eigenthum ab 5 ). Kurfürst Ruprecht hatte dem Grafen Emich einen Turnos an dem Zolle zu Germersheim um 1700 Gulden verpfändet, löste aber 1357 diese Pfandschaft wieder ein 0 ). Auch eine ') Begasten des griifl. Folms-Rödelheim'schen Archivs zu Assenheim, von Dr. Hcrquet, in den Annal. für nassau. Alterth. XIII. 06. -) Lohmann's Acton-Nachlass in der Heidelberger Bibliothek. 3 ) In demselben Nachlass. In einer andern Urkunde daselbst, vom Lau- rencientag, Heidelberg 1360 belohnt auch Ruprecht I. die Leininger mit Lamersheini. 4 ) Annalen für Nassau. Alterth. Xni. 69. Auch die Gattin des Ausstellers^ Gräfin Lucardis, hatte ihr Siegel angehängt. 5 ) An dem Samstage ablernest vor Santa Marien tage Magdalenen (9. Juli). ") Am ersten Sonntage nach dem h. Pfingsttage 1357; aus dem Carlsruher Pfalz. Copialbuclie Nr. 100, fol. 133p — 170 — andre Einlösung fiel in diese Zeit. Der Pfalzgraf hatte nämlich die Dörfer Bullickem (Billigheim) Godramstein, das Gerichte, Steinweiler, Eilenbach, Clingen, Rorbaeh und Emphe- lingen für 5000 Fl. an den Grafen Emich verpfändet, von welchem sie Kurfürst Ruprecht der Aeltere um 5000 fl. wieder einlöste, zahlbar 2000 fl. auf Martini, 1000 fl. auf Weihnachten, für welche letztern Graf Emich dem Kurfürsten 60 Pfund Heller auf seine eignen Güter belegen und diese 60 Pfund als ein Wolfsbcrger Burglehen von Pfalz empfangen musste; die letzten 2000 11. zahlbar auf Martini 1362, und als Bürgen Ritter Heinr. von Katzenelnbogen oder Ritter Cammerer, welche, wenn der Kurfürst nicht zur Verfallzeit zahle, dem Grafen die Dörfer wieder einräumen sollten 1 ). Diese Güter wurden aus dem Pfandbesitz des Grafen Emich am 25. Oct. 1361 ausgelöst und die betreffende Summe auf sämmtliclie Reichspfandschaften des Pfalzgrafen verlegt 1 ). Ja, noch mehr, der Kurfürst entlieh von ihm auf die Hälfte der Reichsburgen Falkenburg, Gutenburg und Winfeld und die drei Theile an den dazu gehörigen Dörfern, welche Kurfürst Ruprecht von ihm. gelöst, 30,000 fl., und Graf Emich reversiert sich, dass diese Burgen stets des Königs Wenzel und des Kurfürsten Ruprecht offene Häuser sein sollen (Heidelberg, Freitag nach Epiphania 1379 i 3 ). Jedenfalls lassen diese und viele andere Käufe, Erwerbungen und Transactionen darauf schliessen, dass die Verhältnisse in dieser Linie sich wieder zur Blütho entfaltet hatten. Während wir in der gleichzeitigen Linie Dags- burg fast nur von Verkäufen und Anleihen lesen, finden wir hier in der Jofried'schen (allerdings von Anfang an sehr ') Geben an dem nehsten frey.tage nach s. Bartholomeus dage 1361. Aus dem Pfälzischen Copialbuch in Carlsruhe fol. 129. 2 ) Mone, Zeitschrift für Oberrhein, XXI. 4.13, 3 ) Daselbst fol. 131, — 171 — bevorzugten und begünstigten) Linie dagegen Ankäufe, Einlösungen, Erwerbungen und Verlehnungen. Zwar treffen wir liier und da auch auf Veräusserungen, diese aber hatten in der Regel den Zweck, ehemalige Familiengüter dafür zurückzu- erwerben. So verpfändete Graf Emich mit Genehmigung des Abtes von Weissenburg an den Kurfürsten Ruprecht I. von der Pfalz im Jahre 1370 die Ortschaften Grünstadt, Asselheim, Kirchheini und Zutzenheim, und verkaufte die von den Herren von Fleckenstein an die Hartenburger Linie gekommene Burg Rietfels im Elsass am 3. Februar 1371 an Siegfried von Veningen, Vorsteher des Deutschordenshauses zu Weissenburg um 1500 Gulden 1 ), ferner 1374 mehrere zu Gutenburg gehörige Dörfer, ausser andern Veräusserungen, wie die der Burg Grevenstein, welche Freitag nach Fronleichnam 1367 zu Heidelberg Ruprecht I. von ihm gekauft hatte 2 ). Es geschah dies aber allem Anscheine nach in der Absicht, Kapitalien zu sammeln, um die weiter oben angeführte, von Seiten der Altleininger Linie geschehene Verpfändung Neuleiningens zu lösen und dies den Familiengütern wieder beizufügen. Ja, Graf Emich scheint, um veräusserte Familienbesrtzungen zurückzuerwerben, sogar Anleihen gemacht zu haben. Wenden wir uns von diesen Geldangelegenheiten zu den mehr öffentlichen Handlungen, so treffen wir zunächst auf einen Streit zwischen Pfalzgraf Ruprecht dem Aeltern und Graf Walram von Sponheim, wobei auch Graf Emich betheiligt gewesen sein muss, da König Karl IV. die beiderseitigen Gefangenen und die Burg Leiningen „in seine Hand nimmt , und darüber am 14. December 1355 eine Erklärung ausstellt 3 ). ') Lehmanns Actennachlass in der Heidelb. Bibl. (Montag nach Palmtag). 2 ) Ebendaselbst. 3 ) Pfälzer Copialbuch; auch im Sponheimer Copialbuoh. S. Winckelmann, Acta Imperii inedita sec. XIII et XIV. (Innsbruck 1883), II. 509. — 172 — Etwas später finden wir ihn als Beschützer der Stadt Speyer, da er 1366 derselben bescheinigt, seinen Dienstgehalt auf ein Jahr, bis auf Martini, mit 1000 fl. erhalten zu haben 1 ). Um den namentlich in der Rheingegend überhandnehmenden Räubereien und Wegelagerungen, auch den häufigen Fehden, kräftig entgegenzuwirken, errichtete, da der Einzelne gegen den Unfug nichts vermochte, auf Kaiser Carls IV. Antrieb dessen Vetter Emich V. von Leiningen mit den Städten Oppenheim, Mainz, Worms und Speyer einen Bund, über welchen eine genaue in alle Details eingehende Urkunde aufgestellt und am 9. Januar 1372 vom Kaiser bestätigt wurde 2 ), eine Bestätigung, die sich am 25. Februar 1376 wiederholte 3 ). Graf Emich, der auch bisher schon überall die Ordnung aufrecht zu erhalten suchte, war deshalb mitunter in Fehden gerathen, stand dann in der Regel aber isoliert da, z. B. im Jahre 1368, wo diejenigen, auf deren Beistand er gerechnet haben mochte, Peter und Friedrich Weubeling und die Grafen von Sponheim und von Veldenz, sich zur Innehaltung einer strengen Neutralität verbanden, d. h. ihm ihren Beistand versagten. Als nun aber der obige Bund sich gebildet hatte und Emich im Jahre 1373 an die Spitze desselben gestellt war, machte er überall hin Streifzüge, behandelte das Raubgesindel, wie es ja auch noth- wendig war, äusserst strenge, erstürmte und eroberte sogar verschiedene notorische Raubburgen und stellte auf diese Weise, ') Mittwoch nach des h. Creutzes dag als ez erhöhet worden 1366. Original im fürstlich Loiningenschen Geh. Archive. Das Yerhältniss muss fortgedauert haben, da er 1376 ebenfalls über einen Vorschuss auf seinen Gehalt eine Quittung ausstellte. -) „An dem nesten Freitag nach dem h. Vbersten Tage, den man nennt Epiphanie, vnsrer Eiche in dem 16. vnd dez kaisortums in dem 17. Jare." S.. Baur, Hess. Urk. I. 488. •') „Uff den nechsten Montag Dach dem Suntage so man singet in der Eirchen Invocavit an der Fasten." Baur, ebendaselbst, — 173 — ohne selbst persönliche Gefahren zu scheuen, allmälich eine leidliche Sicherheit und Ruhe wieder her 1 ). Noch kurz vor seinem Tode bescheinigt Ilmich Y. am 30 December 1380 zu Oberwesel dem daselbst anwesenden Erzbischof Friedrich von Cöln, dass dieser ihm erlaubt habe, das vom Erzstift Cöln lehenrührige Gericht zu Waldertheim dem Ritter Heinrich Winther für 1600 schwere Gulden, Wiederlöse auf 12 Jahre vorbehalten, zu verpfänden. Aus dieser Zeit stammt auch ein Revers des Edelknechts Arnold von Rorbach (von 1378) wegen der ihm von Graf Emich wiederkäuflich verpfändeten Gerichte und armen Leute zu Callstadt, Ungstein, Pfeffingen und Weissenheim am Berge 2 ). Wie Graf Emich gegen die Raubritter auftrat, richtete eisern Augenmerk auch auf die Besserung der Rechtspflege überhaupt; er ertheilt z. B. im Jahre 1373 dem Leinmgenschen Lehen zu Guntersblum die Befugniss, den Schultheissen und die Schöffen am dortigen Gerichte selber zu ernennen. Dass Graf Emich durch sein unablässiges, allerdings sehr scharfes Auftreten gegen die eingerissenen Unordnungen sich viele Feinde zuzog, ist erklärlich, ja er hatte auch mit Neid und Treulosigkeit zu kämpfen. Den vorhin genannten Städten hatte er grosse Dienste geleistet und diese hatten sich ihm, falls er angegriffen würde, zum Beistande verpflichtet. Als solches aber (speciell von Einem Namens Deichmann) geschah, hielten die Städte nicht ihr Wort. Erzürnt darüber, bedrohte er dieselben; diese aber wählten den Oppenheimer Schultheissen zu ihrem Hauptmann. Graf Emich griff ihn an und zerstörte die über Oppenheim liegende Burg. Nun schickten die Städte ') Bornh. Hortzog, Elsäss. Chronik. X. 39; Lehmann, Speyr. Chronik 1. VII. c. 54; Tolner, Hist. Palat. Cod. dipl. p. 114. nr. 160; Lünig, Eeichs-Archiv, P. Spec., Cont. II. pag. 79. -) Original im Pilialarchiv Speyer. k: v '___ ' : ' -■ ' ... 4K*J — 174 — 1375 einen Absagebrief nach Dürkheim, nahmen Adlige in Dienst und begannen einen Krieg, der länger als ein Jahr währte. Natürlich standen auch auf Graf Emichs Seite viele Ritter, Edle und Knechte; dennoch ward von den übermächtigen Städten Dürkheim erstürmt und das Leininger Land sehr geschädigt. Graf Emich seinerseits belagerte vergeblich Speyer; da aber die Städte, besonders im Speyergau, auch pfälzische Orte und Unterthanen 1 ) nicht geschont hatten, so kam Pfalzgraf Ruprecht I. dem Grafen zu Hülfe, und dies hatte denn besonders den Erfolg, dass die Städte sich zurückzogen und unter Ver- mittelung des Kurfürsten mit Graf Emich im October 1376 einen Vertrag schlössen, dahin, dass er ihnen zehn Jahre lang mit vier Mannen zur Verfügung stehen müsste, die sie jedoch zu besolden hätten 2 ), wogegen sie auch während der Zeit das Oeffnungsrecht in allen seinen Burgen haben sollten, ihm aber 1600 Goldgulden zahlen müssten 3 ). Auch mit dem Grafen von Bitsch kam Emich in Fehde, so wie wegen der Burg Grevenstein mit seinem Vetter Graf Schafrid von Leiningen-Rixingen. In den Jahren 1378 und 1379 suchte denn auch noch Carl IV. (besonders auch König Wenzel) die sehr bedeutenden Reichspfandschaften Gutenburg und Falkenburg dem Hause Leiningen dadurch zu entreissen, dass er dem Kurfürsten Ruprecht I. deren Auslösung erlaubte; dies geschah denn allerdings auch, aber der Kurfürst übergab sie sogleich wieder als Mannlehen und Unterpfand dem Grafen Emich. Sodann noch verpfändeten die Pfalzgrafen mit Ge- ') Lehmann in seiner Geschichte dos Hauses Leiningen erzählt dies ausführlich, leider ohne Quellenangabe; doch liegen -wesentlich der Lehmann'sche Actennachlass der Heidelberger Bibliothek und das im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg befindliche Material hier zu Grunde. -) Lehmann, Chron. Spir. p. 273 etc. • s ) Dinstag nach S, Michaelstag des Erzengels 137G. 176 nehmiguug dos Königs Wenzel die halben Theile an den Festen Gutenburg, Falkenburg und Minfeld, welche sie von dem Reiche, nachdem sie dieselben ausgelöst, pfandweise innehatten, nebst verschiedenen Dörfern an Graf Emich für 300(10 Gulden 1 ), während dagegen am 22. Januar 1379 zu Nürnberg König- Wenzel dem Pfalzgrafen Ruprecht 1. dem Aeltern die obigen Güter gab und dazu die Dörfer Hasloch, Igelheim, Böhl u. a., die bisher Graf Emich als Reichspfand inne hatte, und der Pfalzgraf für 10000 Gulden löste. — Den ihm pfandweise zustehenden Ort Grünstadt versetzt Emich 1378 für 200 schwere Gulden an Johann und Kuno Kemmerer Gebrüder, die und deren Nachfolger in. der Leiningcnschen Geschichte dieser Zeit wiederholt auftreten 2 ). Da die übrigen Pfandschaften von dem Kurfürsten sogleich an Graf Emich zurückgegeben und von ihm vei äussert wurden, so verblieben dieselben, und namentlich auch die beiden Festen, als erbliche Mannlehen bei dem Hause Leiningen. Es sind darüber verschiedene Urkunden vorhanden, so von König- Karl vom 6. März 1378, worin derselbe, wie schon erwähnt, dem Pfalzgrafen Ruprecht die Einlösung gestattet; vom 4. Juni 1379, worin Graf Emich bekennt, dass er die Lösung zuzugestehen schuldig sei; sodann eine Urkunde von demselben Tage, worin Graf Emich sich erbietet, die genannten Orte dem Pfalzgrafen einzuräumen, und gleichfalls von dem nämlichen Tage eine andere Urkunde, mit welcher Graf Emich dem Pfalzgrafen die Briefe über jene Orte zustellt; sodann die obige vom 22. Januar 1379, worin König Wenzel den Pfalzgrafen ermächtigt, jene Güter anderweit zu verpfänden. ') Carlsruher Copialbuch der Pfalz, in Mone, Zeitschrift etc. XXL 459; Lohmann'scher Acten-Nachlass in der Heidelberger Bibliothek. -) Ipso die Epiphanie 1378. Im fürstlich Leining. Geh. Archiv. Aus dem folgenden Jahre (1380) existiert ein Mandat Wenzels an Emich V., als Hauptmann des Landfriedens einen Speyerer Bürger aburtheilen zu wollen, (Frankfurt, am Vitalistage, den 28. April 1 ), ebenfalls 1380 (6. feria post divisionem apostolorum) begehrt der Kurfürst von Graf Emich eilends Beistand gegen den Bischof von Speyer 2 ). Der Burgfrieden über die Festen Falkenburg und Gutenburg ward, am 19. Februar 1381 ausgesprochen. In eben diesen Jahre (1381) starb Emich 3 ). Er war zweimal verheirathet, mit: I. Lucarde (Tochter Kuno's von Falkenstein und der Gräfin Anna von Nassau-Hadamar), und zwar vermählte er sich mit ihr schon 1343 bei Lebzeiten seines Vaters. Als Mitgift bekam sie Cransberg und Kelsterbach auf die Falkenstein'schen Güter unterpfändlich verschrieben; von Leiningen aus wurden ihr die Festen Niedeck und Gutenburg zur Hälfte, nebst einer mit 4000 Pfund Heller ablösbaren Jahresrente von 400 Pfund Heller als Witthum ausgesetzt. II. Margaretha, Landgräfin von Burgund und Gräfin zu Kyburg, durch welche Graf Emich mit den angesehensten regierenden Häusern in Verwandtschaft kam. Die Vermählung fand 1362 statt; das Witthum ward ihr auf Hartenburg angewiesen, während sie dem Hause eine Aussteuer von 6000 Goldgulden zubrachte, welche ihre Brüder in zwei Raten abzutragen sich verpflichteten (an sant Ambrosientag). 9 Aus dem Lehmannscheu Actennachlass in der Heidelberger Bibliothek. •) Aus demselben. !i ) Die oflieielle Stammtafel lässt es unentschieden, ob 1380 sein Todesjahr ist oder 1381. Aber im ersten Jahre kann er nicht wohl gestorben sein, da er wie wir oben sahen, noch am 30. December 1380 dem Erzbischofe Friedrich von Cöln eine Bescheinigung ausstellt. — 177 — Von keiner der beiden Gemahlinnen ist das Todesjahr bekannt; doch war Lucarde jedenfalls schon 1360, spätestens 1361 verstorben, da Graf Emich sich bereits 1362 wieder vermählte. Margarethe aber überlebte ihn; jedenfalls finden wir sie noch 1381, da sie in diesem Jahre, nach dem Tode ihres Gemahls, mit ihrem Sohne ein Uebereinkommen wegen ihres Witthums traf. Aus beiden Ehen stammten 7 Kinder, nämlich 5 Söhne und 2 Töchter, und zwar: aus erster Ehe: 1. Jofried (Scliafrit, Schaffried.) Nach Erzbischof Conrad's Tode, namentlich auf Betrieb;, des Dechanten Eberhard, im Jahre 1396 von einem grossen Theile des Mainzer Dom- eapitels zum Erzbischofe erwählt, aber vom Papste Bonifacius TX. (der dem Grafen Johann von Nassau bevorzugte) nicht bestätigt 1 ), erscheint er nachher als Domprobst zu Mainz und Domcustos zu Cöln, wo er im Jahre 1407 noch am Leben war. — Seine Wahl war trotz aller Fürsprache nicht zur Ausführung gekommen, obwohl noch im Jahre 1396 König Wenzel den zum Erzbischof Erwählten zu schützen versprach, falls er ihm den Eid der Treue schwöre 2 ). Selbst noch im Jahre 1397 nimmt das Mainzer Capitel entschieden Partei für Graf Jofried von Leiningen gegen den Grafen von Nassau als Prätendenten 3 ), ') Bei Rommol, Gesch. v. Hessen II. 182 in der Anmerkung heisst es darüber: — „Johannes II. von Nassau-Wiesbaden (der jüngere Bruder weiland Erzbisehofs Adolph 1395—1413, einer der schlauestenf und kühnsten Prälaten, der zu Rom, wo er seinen Nebenbuhler,' den Grafen Gottfried von I.einingen bei Bonifaz IX.. verdrängte,b für seinen Vorgänger und für sich 300,000 Gulden Falliwmsgelder zahlte und kaum den Händen römischer Wechsler entging, derEuldaund Uersfeld fast ganz unterjocht^Hanaü besetzte und meist zu Babenhausen wohnte." 2 ) Urkunde in der Pariser Nationalbibliothek, nach der in dem Archive des Grafen IC. E. zu Leiuingen-Westerburg befindlichen Regesten-Sammlung. :t ) Urk. ebendaselbst. Brinekmeier, Leiningen. 12 — 178 — und als Erkenntlichkeit hatten in der ersten Aufregung Graf Emich und seine Gemahlin dem Mainzer Erzstift alle ihre Schlösser und Lande aufgetragen und sie dann wieder zu Lehen empfangen 1 ). Dass Jofried 1407 noch am Leben war 2 ), ist unbestreitbar, da er am 21. Mai dieses Jahres als „Dumprohst zu Mentze" nebst Eberhard Strumpein von Schwabheim, Ritter, und Niclas zum Stauben, Bürger zu Mentze, einen Streit zwischen Conrad Wecker, Abt, und dem Convent des Klosters Otterberg einerseits, und Hrn. Josten Messer von Oppenheim andererseits, schlichtet 3 ). Im Jahre 1396, als erwählter Erz- bischof, nennt er sich: „Electus" oder „Electus mogüntinus", und verspricht als solcher dem Mainzer Capitel die Schlösser Laineck, Clopp und Ehrenfels, Starkenburg und Wildenburg, und verschreibt „vmb bawung willen" der Geistlichkeit „alle Thornoz (Thornutzung) vff Ernfelss" 4 ). Die Folgen der Vereitelung seiner Bestätigung als Erzbischof hatte besonders sein Bruder Emich VI. zu tragen, wie wir bei diesem sehen werden. Als Mainzer Dompröbst entscheidet Graf Joffrid von L Inningen in der Eigenschaft als Schiedsrichter einen Streit zwischen dem Raugrafen Kuno einerseits und dem Nicol. Pistoris (Priester des Mainzer Sprengeis) mit Degenhard von Wilre und Laurencius Lerichin andererseits über die Pfarrkirche in Meddersheim; er bestätigt die Präsentation des Kuno, investiert ihn und verurtheilt den Nicolaus in die Kosten 5 ). Aus den für die Aufnahme in das Erzstift erforderlichen Ahnenproben bezeugt der Erzbischof Friedrich III. von Cöln, ') Dat. et act. Moguntie Sabbato ante festum Corporis Christi A. D. 1407. 4 ) Nach (1er offiziellen Geschlechtstafel des mediatisierten Hauses Leiningen. a ) Urkunden des Mainzer Erzstift« in der kgl, Bibl. zu München. + ) Datiert: — „Mayntz am Tage des h. Bischofs'Martin 1396." Mit anhängenden Siegeln. Unter „Thornoz" ist wohl Thornutzung, Thorgefälle zu verstehn. 5 ) Mono, Zeitschrift für Oberrhein. XXIV. 215. - 179 — class der Wormser Domherr Schaffrid Graf von Leiningen ein rechter freier Graf und Edelmann von allen seinen vier Ahnen sei, Frankfurt, am 23. April 1380 •j. 2. Anna, im Jahre 1368 vermählt mit Engelhard VIII. 83 von Weinsberg und gestorben 1415. Sie war die erste, welche (an den nehesten mitwoch nach halbe Fasten) auf das (von dem Grossvater Jofried herstammende) väterliche Erbe verzichtet 2 ), ein Verzicht, der später von allen verlangt wurde, wie man ja immer mehr bemüht war, die ohnehin schon grosse Zerstückelung der Leiningenschen Güter nicht noch zu ver- grössern. Der Gemahl der Gräfin verlegte ihr Witthum 1380 erst auf Eberstein, dann im folgenden Jahre auf Neustadt am Kocher, Golmersbach, Buchhorn, Luaich. (?) Von ihrer Mutter Lucarde fielen ihr mehrere Besitzungen erblich zu, die ihr Oheim Philipp von Falkenstein 1403 mit 3333 Gulden einlöste. Diese Summe versprach ihr Gemahl auf Pretach einschreiben zu lassen und dieses Dorf, das für 770 Gulden verpfändet war, einzulösen 3 ). — Aus dieser Ehe entsprangen 3 Söhne und 7 Töchter 4 ). 3. Johann, welcher bereits 1392 einmal vorkommt. 84 ') „Wir Friedrich von der goitz genaden .... erkennen .... das Sehaffrit v. Lyningen Canonich zum Dome zu Wörmes Sun das edeln und Heven oimen grave Emmichcns v. Lyningen .... von allen seinen vier ahnen von Lyningen, von Salmen, von Kyburg und von Freyburg . . ." Nach dem Original im Besitze des Consuls J. Friedländer in Berlin. S. auch Winckelmann, Acta Imperii inedita (Innsbruck 1885J, II. 880. -) Original-Urkunde unter den von Strassburg eingetauschten im Speyrer Kreis-Archiv befindlichen Urkunden (Regesten-Auszug im Archiv des Gralon K. E. zu Leiningen-Westerburg). S. auch: Rechtlicher Auszug etc.. nr. 6. pag. 8. a ) Dinstag vor Petri Kettenfeier 1404. Auch in einer zweiten, im oben genannten Archiv befindlichen Urkunde erscheint sie 1404. + ) Mone, Zeitschr. für Oberrhoin XXL 205. 12* — 180 — Aus zweiter Ehe: 85 4'. Anastasia, die jüngste Tochter, zuerst vermählt mit dem Wildgrafen Friedrich von Kyrburg, erhielt von ihrem Vater als Aussteuer 2500 Mainzer Gulden, die ihr auf Grossund Klein-Bockenheim, Hassloch, Böhl verschrieben wurden 1 ). Nach dem Tode dieses Gemahls verehelichte sie sich nach 1894 mit Johann, Dynasten von Westerburg, und starb 1415. 88 5. Emich VI., der Nachfolger seines Vaters in der Regierung. 86 6. Eberhard, schon in der Jugend Domherr in Worms, starb bereits am 22. November 1380 2 ). 87 7. Georg, der jüngste Sohn, welcher 1392 als Deutschordensritter vorkommt. l ) Nach den im Archiv des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg befindlichen Auszügen aus dem in der Pariser Bibliothek aufbewahrten Leininger, besonders Dagsburger Urkunden-Inventar. -) „Anno 1380, die Caeciliao "Virginia, obiit Eborhardus de Leiningen scho- laris id est domioellaris, comes de Leiningen." Sein Grabdonkmal befindet sich im Mainzer Dom. S. Archiv für Hess. Gesch. u. Landeskunde VIII. 295. T Emich VI. Er succedirte im Jahre 1381. Unmittelbar nachdem sein Vater aus einem bewegten Leben abgerufen war, hatte Emich VI. das Ungemach, dass an ihn und die Wittwe seines Vaters vielerlei Forderungen wegen Entschädigung für erlittene Kriegsschäden einliefen. Es finden sich aus den Jahren 1381 bis 1383 über zwanzig Urkunden in Bezug auf Abfindungen mit Grafen und Edlen wegen Brandes, verlorener Pferde, Verwüstungen etc. als Folge des Krieges mit den Reichsstädten, Forderungen, die Emich V. zwar grösstentheils gedeckt hatte, deren Deckung aber als nicht genügend befunden wurde. Eine günstige Fügung war es dagegen, dass ihn der Kurfürst von der Pfalz in den Landfrieden aufnahm, welchen König Wenzel auf fünf Jahre mit den Reichsfürsten errichtet hatte 1 ). — Indess war, abgesehen von den zahlreichen Entschädigungen, auch dem eignen Lande viel Nachtheil zugefügt, der freilich zum Theil ersetzt wurde, so z. B. der Schaden, den die Gemeinde des Leiningensehen Dorfes Bechtheim durch Ruprecht den Jüngern, Pfalzgraf bei Rhein, in dem offenen Kriege erlitten hatte, welchen Ruprecht der Aeltere und der Erzbischof Adolf von Mainz mit einander führten, worüber Emich VI. am 4. Mai 1382 2 ) die Entschädigunsklage anstrengte. ') Mittwoch nach dem Weissen Sonntage (9. April) 1382. -) Originalurkunde mit wohl erhaltenem Siegel: ,,vfl Suntag naeli dez h. crutzis dag als iz fluiden ward." Im Filialarohiv zu Speyer. — 182 — Wirklich aber müssen die an Graf Emieh gemachten Ansprüche wegen Kriegsschäden sehr bedeutend gewesen sein, da derselbe auch späterhin noch deshalb manche Anleihen machen und Verpfändungen vornehmen musste, so 1383 und 1384, wo zur Befriedigung solcher Forderungen eine Anzahl Ortschaften verpfändet wurden, wie er denn z. B. im letztgenannten Jahre mit Genehmigung des Kurfürsten Ruprecht einen fernem Theil der Gefälle zu Hassloch, Böhl und Igelhcim an Cuntzelmann von Steinhaus, Bürger zu Speyer, verpfändet 1 ). Eben so hatte er bereits zu Martini 1382 dem Kurfürsten Ruprecht einen Theil von Mynfelt, Friekfelt, Brombach, Otter- bach, Niederthal, Rechtenberg, Mynderstat, Diebach, Wilgartswiesen, Haseloch, Bohel und andern zu Gutenburg und Falkenburg gehörigen Dörfern verpfändet, die er vom Kurfürsten (und dieser vom Reiche) zum Pfände hatte, um 1000 gute „Florenzersch", jedoch wiederlöslich (Geben zu Heidelberg). Der Kurfürst dagegen verspricht, aus den Gefällen der obgenannten Orte jährlich nur 100 fl. zu ziehen, so lange diese Pfandschaft währe, dagegen aber solle er während dem das Hochgericht u. s. w. zu Gutenburg und Falkenburg inne haben 2 ). Andere Theile dieser Orte wurden dann ebenfalls wiederlöslich verpfändet, so 1386 an Heinrich und Hartwig Eckbrecht von Dürkheim, deren Ersterer das Witthum seiner Frau Katharina von Wynnenstein mit 1617 fl. auf die ihm von Graf Emich verpfändete Hälfte der zu Gutenburg und Falkenburg gehörigen Dörfer verlegte 3 ). Leider konnten die nachtheiligen Folgen der Kriegsfahrten seines Vaters, welche Emich auszugleichen hatte, auch dann ') Original ebendaselbst. •) Heidelberg, feria quarta post diem b. Martini 1382. S. Pfalz. Copial- buch in Carlsruhe fol. 43b- :l ) Nuwenstad in die beate Elizabeth A. D. 1387, in demselben Copialbucke. - 183 - noch, nicht völlig getilgt werden, als der Kurfürst für die in .jener unruhigen Zeit geleisteten Dienste ihm im Jahre 1384 die Summe von 1000 florentiner Gulden bewilligte, welche derselbe auf den Zoll zu Oaub eintragen liess 1 ). Am 1. November (Allerheiligen) 138(1 verkaufen Emich und seine Gemahlin Clara (von Yinstingen) Burg und Stadt Brumat, „so er zu seim theill mit Herrschaften, Gerichten, Dörfern, Wassern, Wavden, Vehlen, Wildpann sampt clen Dorffen Guntersblumen, Vurstein und Calstadt mit allen ihren Gerichten, Rechten und Zubehörungen," an den Erzbischof Adolf und das Domstift Mainz für 8000 Gulden aufträgt 2 ), und im Jahre 1388 verspricht er, auch seinen versetzten halben Theil an Brumat dem Erzbischof Adolf von Mainz einzuräumen 3 ). In' jenen noch immer unruhigen und gefährlichen Zeiten während des schwachen Wenzels Regierung muss sieh Emich um die Bestätigung der Limburger Kirche sehr verdient gemacht haben, da ihm der Abt Peter im Jahre 1387 „umb solche Beschirmung" die Salzbrunnen auf dem Brühel bei Dürkheim zur „Besserung seines Lehens" übergab 4 ). Als diese Unruhen und Bedrängnisse noch immer nicht nachlassen wollten, verbündeten sich 1392 die drei Grafen von Sponheim, Emich VI. und Friedrich VII. von Leiningen, in jeder Gefahr einander mit Land und Leuten beistehn zu wollen. Ein wichtiges Geschenk war die Stadt Kirchheim bei Bolanden, welche im folgenden Jahre (1393) König W enzel ihm als ein durch den Tod des Grafen Heinrich von Sponheim ') Ausführlich, freilich ohne Belege, in Lehmaun's Gesch. des Hauses Leinin gen. -) Das Original unter den Urkunden des Mainzer Donicapitels. 3 ) A. D. 1388, die uativitatis S. Mariac Virgiuis. Original in der Kgl. Bibl. zu München. *) In die asceusionis domini 1387, Daselbst. - 184 - erledigtes Reichs!ehen übergab (des nebesten Sunnabends vor der Creutzwoche, 10. Mai), wobei er ihn zugleich ermächtigt, auf dem Rheine von allen Kaufmannsgütern einen Zoll zu erheben 1 ), und am 29. November 1394 (Prag, an sant Andreas- abent) ernannte er ihn zum Landvogt im untern Elsass. An demselben Tage erlässt Graf Emich VI. als Kaiserlicher Hofrichter ein freisprechendes Urtbeil zu Gunsten des Juden Vifes und der Jüdin Rechlein 2 ). Gleichfalls in dieses Jahr fällt ein Compromiss zwischen Johann von Sponheim und Emich wegen eines streitsüchtigen Dionstmannes 3 ). Dass in Folge seiner hohen Amtsstellung sich nun alle, welche gegen die noch immer zunehmenden Gesetzlosigkeiten des Schutzes bedurften, an den Landvogt und Stellvertreter des Kaisers schlössen, ist natürlich, und so waren es namentlich 7 Reichsstädte, welche am 14. April 1395 4 ) in Ebenheim mit ihm einen Schutzverein errichteten. — In demselben Jahre, am 15. October 5 ), verbündete er sich, auf ganz besonderen Wunsch des Königs, auch mit dem Bisthum und der Stadt Strassburg nebst den elsässischen Reichsstädten gegen deren Feinde. Wie wir weiter oben sahen, hatte Emich schon 1386 seinen Theil an Brumat 6 ) und Guntersblum an das Erzstift Mainz ') Lünig, Reichs-Archiv XXII. 391. -) Prag, am 27. Nov. 1394. Das Original befindet sich im Cölner Stadtarchiv. 3 ) Auszug aus dem Regesteninventar der Dagsburgischen Urkunden in der Pariser Nationalbibliothok; Excerpt im Archive des Grafen K. E. zu Leiningon- Westerburg. 4 ) Schoepflin, Als. dipl. II. 295. 5 ) Daselbst. 6 ) Bernh. Hertzog in seiner Elsäss, Chronik III. 38, erzählt, im J. 1389 sei Brumat durch die Grafen von Leiningen, „die Anspruch darauf hatten 1 ', verbrannt worden, was aber irrig sein wird, da auf Brumat das Witthum von Emichs Gemahlin Clara verlegt war. — 185 — verpfändet-, löste ihn jedoch 1396 wieder ein, erhielt auch vom Erzbisehofe Conrad die Pfandurkunde zurück, und der letztere forderte nun die Bürger auf, den Grafen Emich als ihren rechtmässigen Herrn anzusehen. In Folge eines vom 27. März 1393 datierten Mandats des Königs Wenzel, hatte schon Graf Emich (bald nach Carls,''VI. Tode) als elsässischer Landvogt Bündnisse zum Schutze des öffentlichen Friedens zusammenzubringen gesucht. So traten abermals die Grafen und Edlen zur Wahrung ihrer Rechte und zur Sicherung ihrer Besitzungen in verschiedene Bündnisse (Löwenbund, Westricherbund etc.) zusammen, denen sich auch die Leiningen anschlössen, und 1397 trug König Wenzel dem Grafen Emich gradezu auf, in seiner Landvogtei einen allgemeinen Landfrieden einzurichten 1 ). Zu dem Zwecke, ernannte er ihn für dieses und das folgende Jahr zum Landvogte in Hagenau' 1 ), und damit des Grafen Leben noch unruhiger werde, musste er 1398 auch an der Fehde theilnehmen, welche der Markgraf von Baden und der Graf von Veldenz mit dem Bisthum Speyer führten 3 ). Doch fiel auch gerade in diese Zeit ein Lichtblick, indem er von dem Bischof Thylemann zu Metz sowohl die leiningenschen Lehen, als auch die seines verstorbenen Schwiegervaters Ulrich von Vinstingen erhielt. Wie übrigens die Grafen von Leiningen seit den ältesten Zeiten den Pfalzgrafen mit Lehenspflicht zugethan waren, so besassen sie in dieser Eigenschaft auch mehrere Burggüter zu Heidelberg, wie ein von Graf Emich AH. dem Pfalzgrafen Rudolph III im Jahre 1398 ausgestellter Revers zeigt 4 ). l ) Schoepflin, Als. dipl. II. 300. -) Schoepflin 1. c. II. 570. 3 ) Lehmann, Chron. Spir. p. 171. 4 ) Der Revers findet sich in der „Deduction des Lein.-Dagsburg.-Erbfolge- rechts," Beilage 7. pag. 80, und hei Widder, Beschr. der kurfiirstl. Pfalz am Rhein I. 147. Es heisst darin: „Anderweit so sin wir ein Burgmann zu Heidelberg, Aber nicht bloss in öffentlichen, sondern auch in Familienangelegenheiten war Graf Emieh genöthigt, handelnd einzutreten, worauf auch schon bei seinem Bruder Gottfried, hingedeutet wurde. Dieser, ein kluger und gelehrter Herr, Domherr zu Mainz, ward 1396, wie bereits oben kurz erzählt ward, von dem grössten Theile des Domcapitels zum Erzbischof erwählt, allein 9 andere Stimmberechtigte waren nicht einverstanden mit der Wahl, sondern stimmten für den Grafen Johann von Nassau. Nun versprach, allerdings erst nach vielen Weiterungen, König Wenzel zwar 1296, die Wahl zu unterstützen, verwendete sich für Jofried auch bei dem Papste und eben da sagte ihm der Markgraf von Sachsen 1397 seine Unterstützung zu, doch blieben alle Bemühungen ohne günstigen Erfolg. Graf Johann von Nassau sparte weder Geld noch Versprechungen^um indem Streite obzusiegen; er reiste zu dem Zweck sogar nach Rom und brachte den Papst Bonifatius IX. wirklich dahin, ihn am 24. Jan. 1397 zum Erz- bischofe von Mainz zu ernennen 1 ). Zwar legte Jofried, da er von der Mehrzahl gewählt war, Wiederspruch ein, erreichte aber damit nichts Anderes, als dass er auch noch in den Bann gethan wurdet Die ganze Angelegenheit schloss damit, dass König Wenzel im Jahre darauf durch seine Vermittelung Fol- und ist das Burglaa (kleine Burg) so ausser Heidelberg liegt, bei der Pi'arro zu Saut Peter, unser Burglehen." 9 Guden Cod. dipl. III. 615 bis 638; "Würdtwein, Subsid. nova I. 408; Trithem, Chron. Hirsaug., II. 300. Alle diese Gewährsmänner geben urkundliche Beweise für das bisher Erzählte. Die nachfolgenden Thatsachen hat Lehmann in seiner Geschichte des Hauses Leiningen sehr hübsch zusammengestellt. Lehmann iührt zwar selten seine Quellen an, ist aber ein ziemlich zuverlässiger Forscher und mit den betreffenden Verhältnissen gründlich bekannt, so dass man seine Erzählungen wohl auf Treue und Glauben/Jannehmen kann, Auch genügen die vorhin angeführten Quellen. — 187 — gendes zu Stande brachte: — Erzbischof Johann musste- zunächst Gottfried, und seine Freunde von dem Banne befreien und erkannte alsdann dem Ersteren die Einkünfte als Dompropst zu, in welcher Stellung er ihn auch gegeniRom schützen werde. Ferner wies ihm Wenzel jährlich 400 Gulden auf den Reichszoll in Selz an und wirkte bei dem Papste aus, dass derselbe jenem das erste erledigte deutsche Bisthum verleihen wolle (1398), und dieser päpstlichen Zusage fügte König Wenzel eidlich auch noch diejenige hinzu, dass er „seinen lieben Neffen Jofried'' einen der erzbischöflichen Stühle in Mainz, Trier oder Cöln bei der ersten Erledigung, oder auch sonst jedes freiwerdende Bisthum (nur Bamberg und Würzburg ausgenommen) verschaffen wolle. Auch der Mainzer Erzbischof Johannes selbst versprach am 5. Febr. 1408"), dazu ernstlich beitragen zu wollen. Aber obwohl dem Domprobst Jofried öfter eine solche geistliche Würde in Aussicht gestellt wurde, so erhielt er doch keine derselben und starb als Domprobst zu Mainz und Custos zu Cöln. Es wirft dieser Vorfall ein helles Dicht auf die Zustände und Zerfahrenheit der damaligen Periode, und lässt erkennen;, wie sehr auch in jener Zeit der niemals ruhende Kampf zwischen Clerus und Staat sich regte, und wie auch in diesem Falle Rom den Sieg davontrug. Uebrigens kam durch diese Zurücksetzung seines Bruders Graf Emich VI., wie schon angedeutet, in eine sehr üble Lage. Nach Erwählung seines Bruders zum Erzbischofe hatte er mit dem Erzstift Mainz ein enges Frcundschaftsbündniss geschlossen, und (gemeinschaftlich mit seiner Gemahlin Clara von Vinstingen) dem Erzstifte nicht nur seine sämmtlichen ! ) „An dem nahesten Durnstag nach vnser Frauwen purificatio," s. Guden. Cod. dipl. IV. 38. Burgen geöffnet 1 ) sondern auch versprochen die Festen Lindel- bol, Dürkheim und Hardenburg und viele andere Güter und Gefälle dem_ Stifte aufgetragen und wieder als rechte Mannlehen von dem Hochstift Mainz zu empfangen, ja sogar, falls er ohne Leibeserben stürbe, sollte Mainz alle diese Güter als Eigenthum bekommen. Mit ausserordentlichen Schwierigkeiten war es verknüpft, diese über einen für damalige Zeit ungeheuren "Werth von mehr als 50,000 Gulden und über die Dehnbarkeit in der ersten Freude unvorsichtig ausgestellten Urkunden zurückzubekommen 2 ). Zwar schlössen Emich und seine Gemahlin 1396 ein Biindniss mit dem Erzstifte Mainz 3 ) und im folgenden Jahre wurden ernstliche Verhandlungen über jene Schenkung geführt 4 ), aber diese waren sogar noch im Jahre 1417 nicht völlig ausgeglichen 5 ). Uebrigens kommt Emich mit seinem Bruder Jofried zusammen nur noch in zwei Urkunden, 1398 und 1399 vor. Das Zurückerhalten der gefährlichen Versclireibungen ging auch nicht einmal ohne mancherlei Geldverlegenheiten ab, welche durch Anleihen -und Verpfändungen beseitigt werden mussten; so verpfändete er 1400 seinen Antheil an Gutenburg und Falkenburg an die Sickinger, Dorf und Vogtei Guntersblum an den Ritter Johann von Dalberg") und im Jahre 1403 ') Am 10. Dec. (feria ijuinta post diem b. Nicolai episcopij 1396. Würdtwein, Subsid. nova, I. 412. Untersiegolt wurde die Urkunde von Emichs Schwägern Johann von Limburg und Johann von Westerburg. Kaiser Ruprecht versöhnte beide Rivalen um den Erzbischofssitz am 8. Mai 1401. Die Urkunde darüber befindet sich unter den Mainzer Urkunden in der Kgl. Bibl. zu München. Vgl. auch Guden, Cod. dipl. IV. 2. 2 ) Würdtwein, Subsid. nova III. 178. 3 ) Würdtwein, 1. c. I. 412; II. 404. 4 ) Würdtwein, Subsid. dipl. I. 170. 5 ) Würdtwein, Subsid. dipl. IV. 376. s ) Urkunde von 1400: „Ich Johann Kemerer Ritter, den man nennt von Dalberg, bekenne, daz der Edel Graue Emich von Lyningon vor sich vnd syne — 189 — an den Grafen Friedrich von Zweibrücken-Bitsch acht zu Gutenburg gehörige Dörfer, und so auch noch Anderes. Trotzdem fand er immer auch noch Gelegenheit, die Güter und den Besitzstand zu vergrössern, wie er z. B. den halben Theil der Burg zu Monsheim, der im Besitz der Gebrüder Rudolf und Hans von Beckingen war, am 12. September 1401 an sich brachte 1 ). Wie Joh. Kemmerer, genannt von Dalberg, im Jahre 1400 (s. die vorhergehende Notiz) Dorf und Yogtei Guntersblum kaufte; so versetzte am 21. Juli 1403 Heirich Kemmerer, Ritter, auf Wiedereinlösung Burg und Dorf Mettenheim, mit Genehmigung Graf Emichs von „Lyningen" von dem er Burg und Dorf Mettenheim zu Mannlehen hatte 2 ). Diese Lehenschaft erhellt auch aus einer Urkunde vom 29. Juli 1418: „Graue Emichen von Lyningen vnde synen Erben, als das recht und billig ist, diewile das vorg. Dorff, Burg und alle die liegenden Gütter (zu Mettenheim) von synen gnaden und synen vorältern voreint und ich (Heinrich Kemerer, Ritter) das zu stund nach syns vatter dode von yme empfangen han" 3 ). Mit einem andern Kemerer Namens Heinrich, Propst zu St. Stephan, war Graf Emich wegen beweglicher Güter in Streit gerathen, der aber 1413 durch einen Schiedsspruch des Pfalzgrafen Otto u. A. beigelegt wurde. Trotzdem geriethen Beide abermals in Zwist, und zwar wegen eines von Graf Emich beanspruchten Zehnten in Hasloch, und auch hier ob- erben Güntersblum daz Dorff und die faudthie daselbst — myr vnd mynen erben tzu kaufte geben hat vmb XD&, (1200) gülden vff widderkauff vnd widderlösung nach gekalde der briefle, die er vns vbcr denselben kauff geben hat. Dat. A. D. 1400, feria quarta ante diem S Valeotini martyris. ') Dat. A. D. 1401, feria seounda post nativitatem Virg. Mario. Das Original befindet sieh in Darmstadt. 2 ) Baur, Hess. Urk. H. 9. 3 ) Baur, Hess. Urk. IV. 53. siegte der Graf, da am 9. August 1420 der Ritter Heinrich darauf verzichtete 1 ). Und nochmals müssen späterhin Irrungen deswegen eingetreten sein, denn aus dem Jahre 1439 existiert ein Vertrag zwischen Ernich VI. und seinen drei Söhnen, den Junggrafen Ernich, Shaffried und Bernhard, und zwischen Diether Kemerer wegen allerlei Spänen und Zwietracht, welche alle gerecht seien, ausgenommen ein Lehen, welches gedachter Diether von der Gräfin Walpurg von Sponheim, der Tochter des Grafen Hanns von Leiningen-Rixingen, erhalten hatte, welche Sache später erst nach ausgetragenen Irrungen zwischen Graf Ernich VI. und Graf Hanns von Leiningen- Rixingen entschieden werden sollte 2 ). Einen Interimsvergleich zwischen beiden Theilen vermittelte Herzog Otto v. d. Pfalz, als Vormund des Kurfürsten Ludwig, dahin, dass die Entscheidung Kurpfalz übertragen werde, Avas bis Michaelis geschehen solle; Graf Ernich aber solle die Lehen Herlosheim und Hasloch nicht hinnehmen, ohne dies 8 Tage zuvor dem Diether anzuzeigen 3 ). Aus demselben Jahre datiert ein Vergleich ZAvischen Graf Ernich dem Alten und Diether Kemerer, Oberschultheiss zu Oppenheim, wegen eines Gutes zu Guntersblum, Bete und Zinsen A r on den Gütern zu Bechtheim, denen zu Hasslooh zugehörig, ferner wegen eines Hengstes, Avelchen Gottfried von Guntheim fordert, sodann wegen Loslassung einiger Gefangenen 4 ). ') Pergamenturkunde im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg. ") Original im Fürstl. Heining. Geb. Archiv. Die obige Pachtung vermittelten Graf Phil, von Katzenelnbogen und Horm, von Rodenstein, Donnerstag nach der h. Zwolfbotten schiedunge 1439. 3 ) Alzey, Mittwoch nach St. Laurencien des h. mertelers 1438. Original ebendaselbst. 4 ) Durch Pfalzgraf Otto, Vormund über Kurfürst Ludwig zu Pfalz aufgerichtet „Laudenburg vff Montag nach sant Matheus des h. Aposteln und Evangelisten tag 1438." Original ebendaselbst. - 191 — In Gegenwart vieler Fürsten und Grafen, unter denen auch Emich VI. sich befand, ward'am '20. August 1400 König Wenzel von den Kurfürsten abgesetzt und statt seiner Ruprecht von der Pfalz gewählt 1 ) und schon im folgenden Jahre gehörte Graf Emich zu den „Heimlichen Rathen" 2 ) Ruprechts und war auch dessen Haushofmeister 8 ). Als solchem mussten ihm auch die Frankfurter Bürger die Reichssteuern entrichten. Dass er damals auch der Schirmvogt des Klosters Limburg war, erhellt aus einer Urkunde des Abtes Peter von Limburg vom Jahre 1404 (feria quarta ante Thome Apost.), und in einer Urkunde vom 20. Januar 1406 (in vigilia b. Agnetis virginis) nennt ihn der Herzog von Jülich und Berg seinen Vetter. In diese Zeit fiel auch eine Fehde mit dem Grafen Adolf zu Ravensburg wegen des Erzbischofs Friedrich von Göhl, wenigstens sandte er dem genannten Grafen im Jahre 1405 einen Fehdebrief 4 ); zu einer wirklichen Fehde scheint es indess nicht gekommen zu sein, da Graf Emich am 23. März 1406 als der Erste der sechs Schiedsrichter erscheint, welche zwischen dem Erzbischof Friedrich und der Stadt Cöln den Frieden zu Stande bringen 6 ). Das Dorf Beehten (Bechtheim), dessen Vorstand sich verschiedene Documente verschafft hatte, auf Grund deren er seine Verpflichtungen gegen Graf Emich abwälzen zu können meinte, musste flehentlich um Gnade bitten, und erhielt dieselbe nur unter schweren Bedingungen, die zu erfüllen der Vorstand sich erbot, und musste namentlich auch jene Schriften ') Widder, Beschreibung der Pfalz am Rhein, I. 44. Beilage Nr. 8. -) Lehmann, Chron. Spir. pag. 738. 8 ) Chmel, Regesta Euperti, nr. 104. 4 ) Original in der kgl. Bibl. zu München. üj Original im Archiv zu Cöln. S. auch Palme, Geschichte der hülsten und Grafen von Salm -Reifforscheidt, II. 203, nr. 295, wo die niederdeutsche Urkunde abgedruckt ist. Er nennt sich darin , Emicho Greve zu Inningen." - 192 — ausliefern 1 ). Um aber überhaupt sieh einen festern Halt zu geben und seine Sicherheit zu erhöhen, schloss Graf Emich auch speeiell mit dem Grafen Hannemann von Zweibrücken einen Burgfrieden zu Lindelbronn 2 ). Nach Ruprechts Tode ernannte ihn der abgesetzte König Wenzel im Jahre 1411 wieder zu seinem Rathe, aber eben so gewann ihn- noch in demselben Jahre König Sigismund 3 ) als Rathgeber gegen ein Jahresgehalt von 1000 Gulden. Aus dem Jahre 1411 stammt auch der Lehnsrevers Emichs VI. über die von dem Kurfürsten Ludwig VI. empfangenen Lehen 4 ), so wie ein solcher von Friedrich von Mont- fort und seinem Sohne Anthis über 18 Malter Korn zu Erpolzheim, die er als ein Mannlehen von Graf Emich empfangen; zugleich bekennt derselbe darin, dass er 20 Malter Korn und 20 Engeischen zu Guntersblum als ein Mannlehen von Lei- ningen trage 5 ). Danach waren die Herren von Montfort auch Leininger Vasallen. Um die an Hannemann von Sickingen versetzten Güter Guntersblum, Bockenheim etc. (s. weiter oben) wieder einzulösen, verpfändete er am 6. Nov. 1412 an den Kurfürsten von 0 Originalurkunde vom 13. März 1407 (dominioa qua oantatur in ecclesia Dei Judica) daselbst: — „als wir in vnguade kommen waren des Herrn Greue Emichen von Lyningen von etlichen schritten, büchern vnd brieffen wegen, die wir zu Ludich (Lüttich) geholt hatten, mit denselben wir .... vns wiedersatzeton vnd beholflen denie obgen. vnsern herren sine atzunge, Schatzunge, Dinste, verbot- vnd gebot, die wir sinen alten vnd yme bissher doch getan hatten, abe teidingen, darvmb wir swerlich vnd schedelich in sine vngnade vnd vnfruntschafft komen waren." ") Schliessliche Einreden etc. lit. K. p. 58. 3 ) Zu Frankfurt erwählt am 20. Sept. 1410, gekrönt zu Aachen am 8. Nov. 1414, zu Rom gekrönt am 31. Mai 1433. 4 ) „Quinta feria post dominicam Cantate 1411." Das Original (Pergament, deutsch, ohne Siegel) befindet sich im Archive des Gr. K. E. zu Lein.-Westerburg. 5 ) Fürstl. Leiningensches Geh. Arohiv. - 193 - der Pfalz Verschiedenes für 4000 Gulden, schloss auch 1413 mit demselben einen Vertrag, dass sie einig bleiben und gemeinsam bandeln wollten 1 ), und gab dem Kurfürsten Ruprecht von der Pfalz im Jahre 1414 für 30 000 fl., jedoch mit Wiederkaufsrecht, die Hälfte von Gutenburg, Falkenburg und Minfeld, und ein Drittel mehrerer Ortschaften, die er vom Reich habe, nämlich Duvenbach, Bechten, Otterbach, Frickenfeld, Kandel, Minders- lochen, Diesbach, Mosau, Widchen, Horbach, Schweigen, Wilgartswiesen, Hofstetten, Rintdal, Hassloch, Ugelnheim, Böhl 2 ). Aus dem in Paris befindlichen Urkunden-Inventar ersehen wir auch, dass der Erzbischof Dietrich von Cöln im Jahre 1415 dem Grafen Emich die Lehen Guntersblum, Willerheim, Dolgesheim und Ulfersheim verlieh, was in demselben Jahre der Pfalzgraf und sein Rath bestätigten 3 ). Auf dem Kostnitzer Concil war er anwesend 4 ), scheint aber den Schluss nicht abgewartet zu haben, da er noch während der Dauer desselben in seiner Heimath Urkunden ausstellt oder doch in solchen vorkommt; vermuthlich wird er zeitweilig seine Herrschaft besucht haben. So erscheint er am 8. Mai 1416 in einem Revers des Diether von Inseltheim für den Grafen Philipp von Nassau und Graf Emich VI. von Leiningen wegen Auslösung des verpfändeten Theiles von Schloss Frankenstein. Im Jahre 1420 stellt Graf Emich einen Rentbriet aus wegen Verkaufs eines Viertels von den Einkünften aller Ortschaften unterhalb Dürkheims a. d. Hardt, Namens Walders- lieim, Guntersblum, Bechtheim, Dolgesheim, Olfersheim, Gr. U. >) Im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Westerb. befindlicher Auszug aus dem in Paris aufbewahrten Dagsburgischen Urkunden-Inventar. -) Eben daselbst. Die Namen sind so geschrieben, wie sie in dem Exeerpte sich finden. a ) Ebendaselbst. 4 ) Seb. Münsters Kosmographie, p. 566. Brinckmeier, Leiningen. 13 — 194 - El. - Bockenheim, Gossersheim, Kindenheim, Bissersheim, Müllenheim, Kolgenstein, Werksheim, Wissenheim, Bobenheim, Karlebach, Battenberg, Lützelstadt, Ungstein, Pfeffingen, Erpolzheim und Buchheim für 4000 rhein. Gulden an Pfalzgraf Ludwig, Herzog von Bayern. Im Jahre 1421 hatte Graf Emich zu Hasloch eine Burg erbaut; als jedoch Kurpfalz dagegen Einsprache erhob, musste er sie schliesslich als kurpfälzisches Lehen anerkennen 1 ). Zwei Jahre später verlieh Kaiser Sigismund dem Grafen Emich das Bjfrgwerksrecht in seinen Landen, am 4. Sept. (an sant Fran- ciscitag) 1423 2 ). Eine Differenz der Propstei Lautern mit der Gemeinde Kallstadt wegen der Bete und Atzung in diesem Dorfe wird am 2. Febr. 1426 von Emich VI. entschieden 3 ). Von hohem Werthe waren die sogenannten Murbachischen Lehen, mit denen im Jahre 1424 der Abt Wilhelm von Murbach den Grafen Emich belehnte 4 ). Sie bestanden aus den Lehen Leystadt Wissenheim, Bobenheim, Battenberg und Kl. Karlebach, waren eine Zeit lang an den Kurfürsten verpfändet, und im Jahre 1441 ward Graf Emich VI. durch den Abt Liether von Murbach auf das Neue damit beliehen. ') Lünig, Spicil. saec. I. 392. Per Investiturbrief dos Kurfürsten Ludwig ist datiert vom 5. Mai (vff den Freytag vor dem Sontag als man singet in der beil. kirchen Misericordia domini) 1424. *) Widder, Besehreibung der Pfalz, II. 292. :i ) «Auf unser lieben Frauendag, zu latein genannt Purificatio." Das Original (Pergament, deutsch) ist im Archive des Gr. K. E. zu Lein.-Westerburg. 4 ) Die Lehnbriefe befinden, sich in Copieen im fürstl. Leining. Geh. Archive. Ausser den obigen Fällen belehnt damit 1505 der Abt Walther den Hans von Ru- dersheim anstatt Emichs von Leiningen; 1520 der Abt Georius wieder den Grafen Emich u. 1542 Abt Joh. Rudolph den Engelhard. Ueber den Lehnbrief von 1441 siehe Pariser Nationalbibliothek, Dagsburger Urkunden, Auszug im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg. — 195 — Als in späterer Zeit die Fehden und Gewaltsamkeiten nicht nur nicht nachliessen, sondern immer weiter um sich zu greifen drohten, stand Graf Emich in vielen derselben hauptsächlich in Verbindung mit dem Herzoge Stephan (besonders in den Jahren 1426 bis 1428) gegen die Dynasten von Geroldseck im Elsass, sodann mit dem pfälzischen Amtmann zu Dirmstein, Kuno von Rodenberg (1428), und zwar wegen Roxheim, in welchen Streit auch das Wormser Capitel verwickelt war, und mit anderen Grafen und Herren, sodass diese Jahre für ihn sehr unruhig und dabei kostspielig waren. Auch mit den Dynasten Jacob und Ludwig von Lichtenberg im Elsass kam er in neue Streitigkeiten, welche in ihren Folgen für Emichs Familie sehr nachtheilig waren. Sie entsprangen aus Irrungen wegen der Hälfte von Brumat (und Schloss Wirrstem), die Emichs Gemahlin von ihrem Vater als Aussteuer bekommen hatte, welche zur Hälfte aber den Lichtenbergern gehörten. Graf Emich aber weigerte sich, die Einkünfte und Gülten zur Hälfte herauszugeben. Zur Beilegung des Zwistes wurde ein Tag angesetzt, und späterhin, im Jahre 1436, die Sache durch Schiedsrichter endgültig entschieden 1 ). Die sogenannten Hirschhorn'schen Lehen 2 ) wurden unbeanstandet immer von Neuem wieder verliehen, so 1427 dem Grafen Emich VI. durch Hans von Hirtzhorn, 1445 ebenso durch Caspar von Hirtzhorn; 1454 von demselben dem Junker Emich; 1468 durch Melcher vom Hirtzhorn dem Grafen Emich; 1477 durch Otto vom Hirtzhorn, einem Ritter, dem Grafen Emich; ') Beruh. Hertzog, Elsäss. Chron. V. 15 nennt als Emichs Gesandten den Henne Horneck, einen Jungen von Ertzberg, und als Gesandten des Lichtenbergers den Gerhard Schaub; ersterer habe nun den letztern auf der Rückkehr von Cleeberg gefangen genommen und in das Schloss "Willenstein gebracht. •) Die Hirschhorn'schen Lehen bestanden aus Dorf, Vogtei und Gericht zu Ruchheim. 13* — 196 — 1491 durch. Hans vom Hirtzhorn dem Junker Emich; 1512 durch denselben Ritter dem Grafen Emich, seinem gn. Herrn, und 1521 durch Jörg vom Hirtzhorn dem Herrn, Emich, Grafen zu Lyningen, dem Jungen 1 ). Während dem erhielt er 1438 auf Hartenburg einen Absagebrief von zwei Leiningen'schen Vasallen im Elsass, einem Ritter Peter Nagel und Einem von Nuttelhausen, die sich zn- gleich auch Brumat's bemächtigten und es plünderten. Zwar verhalf ihm der pfälzische Kurfürst sofort wieder zu seinem Eigenthume, aber die Plünderer waren entflohen, nachdem sie ihren Raub in die Burg Winstadt geschleppt hatten. Diese ward alsdann durch List genommen, der von Nuttelshausen gefangen und im Burggraben von Reichshofen ertränkt. Der Andere entkam, erhielt auch später seine Burg zurück, rnusste dieselbe aber dem Grafen Emich jederzeit offen halten 2 ). Im Jahre 1436 schlichteten Graf Emich VI. und seine drei Söhne Emich VII., Schaffrid und Bernhard einen Streit mit ihren Vettern, den Brüdern und Dynasten Jacob und Ludwig von Lichtenberg über Gülten und Zinsen in Brumat durch einen gütlichen Vergleich 3 ). Die verwittwete Herzogin Elisabeth von Sachsen, geb.orne von Weinsberg, vermachte und schenkte 1437 ihren nahen Verwandten, dem Grafen Emich VI., seinen drei weltlichen Brüdern und seiner Schwester Anastasia (damals in zweiter Ehe vermählt mit Johann von Westerburg), als Dank für einen durch Graf Emich ihr in irgend einer Angelegenheit geleisteten aber unbekannt gebliebenen Beistand, ihr sämmtliches Vermögen an Gütern und Gefällen, nichts ausgenommen, zum ge- ') Copien dieser Lehnbrieie befinden sieh im fürstlich Leiningensohen Arohiv. a ) Dat. vigilia ascensionis Domini anno ejusdem 1436. Das Original (Pergament, deutsch, mit vier schönen, gut erhaltenen Siegeln) befindet sich im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg. a ) Simonis, Beschreibung aller Bischöfe von Speyer, pag. 151. meinschaftlichen Eigenthum; falls sie sich nicht wieder ver- heirathete uncl keine Kinder bekäme, solle das Testament gültig sein 1 ). Was aus dieser reichen Schenkung geworden, darüber fehlen die Nachrichten, unter den Leininger Gütern kommen dieselben nicht vor. Wie überall, so stand Emich VI. auch hei Papst Eugenias in hohem Ansehen; dies ergiebt sich schon daraus, dass derselbe ihm in einem Breve von 1437 unter den grossesten Lobsprüchen den Auftrag ertheilt, zu der auf dem Concil zu Ferrara angestrebten Vereinigung der griechischen und römischen Kirche eifrigst mitzuwirken 2 ). Bereits aus dem Jahre 1437 stammt auch Emichs VI. Testament über die Vertheilung seiner Güter unter seine Kinder; und wenn auch schon zu seinen Lebzeiten das Testament verloren gewesen sein soll, so mussten doch seine Söhne Nicolaus, Georg, Philipp und Anton die darin enthaltenen Verfügungen anerkennen, wie sie sich denn auch noch im Jahre 1437 ausdrücklich verpflichteten, die in dem Testament enthaltenen Anordnungen genau zu befolgen. Trotz dieser Verpflichtungen entsprangen später doch manche Uneinigkeiten daraus, zumal da nach Abfassung desselben noch ansehnliche Güter zu dem Besitze hinzukamen. Bald nach Errichtung des Testamentes nämlich gelangten ein Theil der Rixinger Güter durch den Ankauf Frankensteins mit allen Dörfern, Gerichten, und 1438 auch die dazu und zu Bolanden gehörigen Lehngüter wieder zu den Leiningenschen Stammgütern, da Emich VI. sie von seinem Vetter Johann am Mathiastage 1438 um 2500 Gulden kaufte, wobei die Lehnsleute angewiesen wurden, dass sie künftig nur ') „Geben vffSnmbstag nach vnser lieben Frawen tag Wiivtzwihe zu latin genannt Assumptionis A. I). 1437. '') Dieses Concil fand 1438 statt und hatte das Nämliche zum Gegenstande, womit auch das grosse Baselor Concilium von 1431 bis 1445 sich beschäftigte. S. Meine historische Chronologie pag. 459. — 198 - dem Grafen Emich oder dessen Erben zu huldigen hätten. Allerdings gab die Wittwe Walburg von Sponheim erst 1443 dazu ihre Einwilligung, überwies dann aber ebenfalls die Lehnsleute, am Albanstage, an ihren Vetter und dessen Erben, wodurch denn die Leiningenschen Stammbesitzungen wieder einen ansehnlichen Zuwachs erhielten, und obwohl es auch späterhin nicht an einzelnen Irrungen fehlte, so wurden doch alle diese durch Schiedsmänner leicht ausgeglichen. In den seiner Zeit', von den Franzosen geraubten?Dags- burger Urkunden befinden sich auch noch folgende Einzelheiten: Zunächst ein Revers des Wilhelm von Rüdesheim, mit dem Erzbischofe von Mainz und dem Grafen Emich VI. Frieden halten zu wollen; ferner fand im Jahre 1433 eine Verhandlung statt zwischen dem Pfalzgrafen Ludwig, Graf Emich VI. und dem Amtmann Niclas zu Friedelsheim, wie die hier gekaufte "Weide, resp. das Futter, geliefert werden soll 1 ). In demselben Jahre verhandeln Pfalzgraf Otto und Markgraf Jakob von Baden mit Graf Emich wegen seiner Söhne Emich, Schaffrit und Bernhard einerseits, und Graf Friedrichs von Zweibrücken und seiner Verbündeten andererseits wegen gegenseitiger Anforderungen und Prätensionen 2 ); und eine eben solche Verhandlung gleichfalls über die drei Söhne und den Grafen von Zweibrücken wiederholt sich 1439 zwischen Pfalzgraf Otto als Vormund des Pfalzgrafen Ludwig, und andererseits dem Grafen Emich VI. 3 ). Zugleich verzichtet 1439 der Pfalzgraf Otto, als Vormund des Pfalzgrafen Ludwig, auf das Amt eines Land- ') Originalbrief in Paris. Excerpt. im Archiv des Gr. K. E. zu Lein.- Westerburg. -) Ebendaselbst. 3 J Diese und die nächstfolgenden Notizen sind thoilweis aus den Excerpten der in Paris befindlichen Dagsburger Regesten, theils dem Lehmann'schen Acten- nachlass in der Heidelberger Pibliothek entnommen. 199 — vogtes im Elsass zu Gunsten Graf Emichs von Leiningen 1 ), und dagegen verzichtet denn auch Graf Emich zugleich auf alle Ansprüche und Forderungen von der Zeit her, als er dessen Unterlandvogt im Elsass gewesen 2 ). Für Pfalzgraf Ludwig war zwischen Emich VI. dem Alten und Emich dem Jungen^ Schaffrid und Bernhard einerseits und dem Grafen Ruprecht von Virnburg, Niclas von Hamelstein und anderen Verbündeten wegen ihrer Fehden und Ansprüche (1439) ein Friedensscliluss vermittelt, und im Jahre 1446 zwischen Hannemann, den beiden Emichs, Gottfried und Bernhard über das Dagsburger Gebiet ein Burgfrieden beschlossen. Ebenso verhandelt 1448 Friedrich von Zweibrücken-Bitsch mit Emich VI. und Jofried wegen der gegen einander ausgeübten Feindseligkeiten; es kommt 1451 darüber zu einem Frieden und zwar durch Vermiitelung des Kurfürsten Ludwig V. (Heidelberg, die inventionis S. Stephani), nachdem derselbe schon 1441 einen Vertrag zwischen den Betheiligten zu Stande gebracht hatte (Germersheim, feria tertia post Judica), und auch schon der Pfalzgraf Otto 1439 die Irrungen zwischen beiden Streitenden am Samstage nach Kreuzeshöhung 1439 geschlichtet hatte. Augenblickliche Verlegenheit nöthigt 1444 Emich den Alten und Bernhard den Jungen, an Joh. Smclz von Alzey und dessen Frau für 300 Mk. eine jährliche Korngülte von 20 Mark und 20 Engels auf eine Bete zu Guntersblum zu verpfänden 3 ) und 1451 schliessen Emich und Jofried mit dem Grafen Jacob von Mörs und Saarwerden auf 10 Jahre ein Bündniss gegen alle Ifeinde. Bei Schöffengerichten war Graf Emich in der Regel der Vorsitzende, der auch immer an erster Stelle unterzeichnet, so am 24. August 1437, wo 10 pfälzische Ritter und Edelknechte, ') Würdtwein, Subsid. nova X. 326. 2 ) Aus dem Pfalz. Copialbuche zu Carlsruhe fol. 136. a ) Donnerstag nach Misericordia; das Original im fürstlich Lein. Geh, Archiv. alle Freischöffen, an deren Spitze „Graue Emicli von Lyningen" den Urtheilsspruch des Arnsberger Freistuhls gegen Horneck von Hornberg, genannt Hochhausen, (vom 18. April 1420) „vff sant Bartolomeus tag" 1437 bestätigen'). Emich VI., der noch im Jahre 1449 als Helfer in einer Fehde angeführt wird, starb vermuthlich 1452, wenigstens kommt er urkundlich zuletzt in diesem Jahre vor. Beigesetzt ward er in der Familiengruft dieser Linie zu Limburg a. d. H. Er war zweimal vermählt: 1. im Jahre 1383 mit Clara, Tochter Ulrichs, Herrn von Vinstingen, der seiner Tochter eine Mitgift von 6000 Gulden zusicherte und dafür ihrem Gemahle die Hälfte der Burg Hohenfels und den halben Theil von Brumat überwies, wogegen Emich VI. seine Gemahlin gleichfalls mit 6000 Gulden bewidmete, welche auf die Feste Lindel- bronn eingetragen wurden. Da Ulrich von Vinstingen keine Söhne, sondern nur zwei Töchter besass, König Wenzel aber, obwohl noch eine andere Vinstinger Linie vorhanden war, im Jahre 1380 die Vergünstigung ertheilt hatte, dass die Reichslehen an die Töchter fallen sollten, so nahm Graf Emich nach dem Tode des Schwiegervaters die Hälfte der Burg Hohenfels und Brumat nebst Dörfern und Zubehör sofort in erblichen Besitz und verlegte 1383 auch das Witthum seiner Frau auf diese Güter 5 ), wozu der Erzbischof Conrad von Mainz seine Genehmigung ertheilte. Auch in dieser Urkunde des Mainzer Domcapitels von 1386 wird als Graf Emichs Gemahlin Clara, ') Mit 10 aufgedruckten grünen "Wachssiegeln, s. Mone, Zeitschrift für Oberrhein XII. 208 und 214. 0 Siehe: Regesten der Dagsburger Urkunden in der Pariser Natioualbibl., Abschrift im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg. In der betreffenden Regeste wird Gräfin Clara eine Tochter „Obry's von Penestranges" genannt (Ulrichs von Vinstingen). geborene von Vinstingen, genannt 1 ). Auch König Wenzel belehnte den Grafen, welcher damals Landvogt im Elsass war, 1395 mit diesen Reichslehen, so dass durch diesen Zuwachs die Macht der Leininger im untern Elsass noch ansehnlich erhöht wurde. Dass die anderen Vinstinger Linien diesem Verluste nicht ruhig zusahen, ist erklärlich. Es entstanden dann auch bald Streitigkeiten, die Jahre lang währten, bis es endlich im Jahre 1413 dem Domdechänt Högelmann von Vinstingen, sowie dem Grafen von Rixingen gelang, den Heinrich von Vinstingen zu vermögen, dass er dem Leininger Hause das Mainzer Lehen Überhess 2 ), worauf denn dieser Heinrich und seine Schwestern Schonata und Margaretha einige Tage nachher 3 ) aufBrumat feierlich verzichteten. Auch in einer andern Urkunde erscheint Gräfin Clara noch, worin sie und ihr Gemahl, Graf Emich, Landvogt zu Hagenau, dem Kloster Marienthal zu einem Seelengeräthe und ewiger Messe fünf Viertel Korn zu Brumat stiften 4 ). Wann Gräfin Clara starb, ist nicht genau ermittelt worden; nur muss sie schon vor 1415 gestorben sein, da Graf Emich sich bereits in diesem genannten Jahre wieder vermählt, und zwar mit: 2. Beatrix (Tochter des Markgrafen Bernhard I. von Baden und der Gräfin Anna von Oettingen). Diese Dame muss sich sehr jung verheirathet haben 3 ), da sie, obwohl erst i) Geben vff aller heiigen Dag da man zahlte von gots gehurt 1386 Jahre Das Original befindet sieh im Münchner Staatsarchiv. -) Feriä secunda post dominioam Misericordia. Ebenda, wie die folgende Urkunde. a ) Feria sexta ante dominicam Jubilate, im fürstlich Leiningenschen Archive. *) Bernh. Hertzog, Elsass. Chronik, III. 38. 5 ) „Wir Stefan von Gots Gnaden Pfaltzgraue vnd wir Anna von Veldentz . . . . vnd wir Graf Emich von Leiningen vnd wir Beatrix Marggravinne von Baden desselben Grav Emichen eliche Hussfrawen." Es ist dies ein sogenannter ,,11 inliclisbrief", worin irgend eine pfalzgräfliche oder markgräfliche Tochter irgend V'ßM : n ■ .; .: ■/; v -jk 100 91 — 202 — am 14. Juni 1400 geboren, bereits am 27. Juni 1415 als Graf Emichs Gemahlin erscheint 1 ). Sie brachte ihrem Gemahl die Burg und Herrschaft Grevenstein zu 2 ), wodurch diese alte Leiningensche Besitzung, welche die Friedrich'sche Linie weggegeben hatte, wieder an das Haus Leiningen zurückkam 8 ). Auch der Gräfin Beatrix Todestag ist nicht bekannt 4 ), doch rnuss sie 1431 bereits todt gewesen sein, da in diesem Jahre sich die Karthäuser gegen Graf Emich erboten, Seelenmessen zu lesen. Mit dieser zweiten Gemahlin hatte Emich VI. zehn Kinder, 8 Söhne und 2 Töchter: 1. Emich VII., der dem Vater in der Regierung folgte und die Linie Leiningen-Dagsburg stiftete. 2. Schafried (Jofried, Gottfried), der weiter oben bereits öfter erwähnt ist. Er zeigt sich uns zuerst als Friedensstifter und zwar noch bei seines Vaters Lebzeiten; denn im Jahre 1441 schlichteten der „Junggraf Schaffrid von Leiningen" und der Vetter, Graf von Zweibrücken-Bitsch, eine Streit zwischen Schafrieds Bruder Emich und dem „Vauth" zu Lauterburg 5 ). einem ältesten Sohne Emichs zur Gemahlin verschrieben wird, jedesmal die ältesten, oder, sollten diese vorher sterben, die alsdann folgenden. Die Urkunde ist für die damaligen Eheverlöbnisse von grossem Interesse. ') Von sehr früher Verheirathung, namentlich der Damen, finden sich in dem Leiningenschen Hause verschiedene Beispiele. -) Schoepflin, Hist. Zaringo-Badensis, II 102. 3 ) Sie ging demselben freilich gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts abermals verloren. + ) Archive und Kirchenbücher wurden ja wiederholt von den Franzosen geraubt und meist vernichtet, so dass aus solcher Zeit das Material nur dürftig noch vorhanden ist. •■•) Die Ursache des Streites ist nicht näher angegeben. ,Geben zu Wissenburg uff Dinstag nach h. Paulsdag conversionis 1441 more mettensi." Im Liber contraetuum ßeinhardi Episcopi, fol. 126 (Notiz aus dem Archiv des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg). — 203 — Späterhin, 1447, ist er selber in einen Streit mit den Herren von Lichtenberg verwickelt und stellt gegen dieselben eine Klage wegen vorenthaltener Güter an, worüber, sagt B. Hertzog, ein Urtheil des Freigrafen vom Stuhl zu Velgiste und seiner Freischöffen von 1447 vorhanden ist 1 ). Die Zwistigkciten scheinen aber keineswegs aufgehört zu haben, ja es ist sogar eine Fehde daraus erwachsen; bevor es indess wirklich zum Kriege kam, stellte Schaffried nachstehende Forderungen an Jacob und Ludwig von Lichtenberg 2 ): — 1. wegen seines Erbtheils, von seinem Vater Graf Emicli, an Hohen Feld, Dannbach, Neuhofen und der Hälfte von Küttelsheim; 2. wegen eines in Brumat getödteten Leininger Mannes durch Ludwigs Leute; 3. eben so wegen eines bei Weiler getödteten Leininger Mannes; 4. wegen eines Waldes und Waidgangs zu Griess; 5. wegen eines durch die Weitbrucher geschlagenen leiningenschen Amtmanns; 6. wegen einer durch Ludwigs Reisige in Burn erzwungenen Leininger Gülte; 7. wegen Brumats. Gewiss, eine ansehnliche Zahl von Widerrechtlichkeiten! Da er ohne Antwort blieb, schrieb er Montag nach dem Ostertage (6. April) 1450 nochmals an Ludwig und beklagte sich darüber, obwohl er wusste, dass Ludwig in Rom sei 3 ). — Am Sonntag nach Cantate und Montag vor Margarethentag 1450 weist indess Ludwig die Anschuldigung zurück und fordert den Grafen Schafrit vor den Markgraf Jacob von Baden; indess mussten die Sachen auch damals nicht völlig ausgeglichen sein, da wir noch wiederholt Streitigkeiten mit den Lichtenbergern finden 4 ), ') Das Original hatte 14 Siegel. Eine Copie befindet sieh unter dem Leh- mann'schen Actennaohlasse S. 17. ur. 3. Dinstag vor Palmsonntag 1450 (24. März). :i ) Bornh. Hertzog Elsäss.-Chron. V. 18. 4 ) Bernh. Hertzog V. 20. „Auf solches," fügt Hertzog hinzu, „hat der von Leiningen etliche schimpfliche Schmachschriften an den von Lichtenberg gethan." und als der Streit sich immer weiter ausdehnte, stellten sich die Markgrafen von Baden, die Grafen von Vinstingen und von Lützelstein den Grafen von Leiningen, den Herren von Geroldseck, zu Ochsenstein, zu Fleckenstein und den Grafen von Mors und Saarwerden gegenüber. Anfangs unterlag Schaffrid, da kam ihm der Kurfürst Friedrich zu Hülfe, und nach langem Kampfe besiegte er die Lützelstciner vollständig; sie wurden ins Elend gestossen und ihr Geschlecht starb 1460 aus 1 ). Dadurch war den Streitigkeiten mit den Lichtenbergern aber auch jetzt noch nicht ein Ende gemacht. Nachdem am 8. October 1451 zu Pforzheim vergeblich zwischen beiden Theilen verhandelt war 2 ), kam es zum Kampfe. Graf Schafrid zog mit vielen Adligen, Rittern und Hei ren gegen die Lichtenberger aus; doch wurden jene im Jahre 1452 durch die Dynasten von Lichtenberg in einem Treffen niedergeworfen und gefangen genommen und mussten in aller Form Urfehde schwören 3 ). Im Jahre 1455 ertheilte Kaiser Friedrich dem Grafen Schaffrid das Privileg, dass seine Unterthanen nicht der Rottweiler Jurisdiction, sondern lediglich der kaiserlichen unterworfen seien; überhaupt aber scheint in dieser Zeit einige Ruhe eingetreten zu sein, so dass er und seine Brüder sich wieder mehr den innern Angelegenheiten widmen konnten, wie denn z. B. Schaffried und seine Brüder Emich und Bernhard den erledigten Altar und die Pfründe zu Kaltenbach einem neuen Priester verleihen 4 ). x ) Roth von Schreckenstein, Geschichte der Reichritterschaft (Freiburg in "Br., 1886), n. 56. 2 ) Kemnat, Elsäss. Ghron. II. 203. 3 ) Freitag nach Invocavit 1452. Original (Pergament, deutsch, mit 16 wohlerhaltenen Siegeln) im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg. 4 ) Mittwoch nach St. Peterstag Kathedra 1457 Original (Pergament, deutsch ohne Siegel) im gleichen Archiv, — 205 — Bei der Theilung der Brüder im Jahre 1448 hatte Schaffrit die Besitzungen im Elsass und in Lothringen erhalten, darunter die Herrschaft Ormes mit Dörfern und Leuten, und den Leiningenschen Antheil an der Gutenburg nebst Zubehör, welchen er aber, so wie auch die Stadt Brumat wieder in einen Kampfe mit Lichtenberg verlor. Bald nachher gerieth Schaffrit selbst in Gefangenschaft. Die Gefangennahme aber geschah nicht auf dem Schlachtfelde, sondern auf eine ganz hinterlistige Weise. Als Schaffrit von einer Zusammenkunft der Reichsstädte, zu welcher er mit dem Markgrafen Karl gereist war, zurückkehrte, ward er auf der Fahrt über den Rhein überfallen und in eine Gefangenschaft geführt, die von Michaelis 1457 bis 11. Juni (S. Barnabe) 1463 (also 6 Jahre weniger sechs Wochen) währte. Hier musste er Gutenburg dem Ludwig von Lichtenberg übergeben, der es dem Pfalzgrafen Ludwig, seinem- Vetter verkaufte 1 ). Während seiner Gefangenschaft ward auch sonst noch manche Plünderung verübt und ihm Vieles entrissen, so u. A. Weissenburg- auch den ihm gehörigen Wald, das Hofthal, hieb man nieder, und zwang ihn bei seiner Freilassung 1463, eine von ihm unterschriebene Urfehde zu beschwören 2 ). Uebrigens muss er auch nachher nochmals mit den zänkischen Lichtenbergern (die auch mit den Westerburgern vielfach Händel anfingen), trotz der Verschwägerung, in Streit ge- rathen und abermals gefangen genommen sein, da im Jahre 1467 der Kaiser den Entscheid erlässt, dass Graf Schaffrit von Leiningen, der von den Brüdern Jacob und Ludwig von Lichtenberg gefangen gehalten und gemisshandelt worden, freigelassen 1) M. Kremnat, Blsiiss. Chron. II. 154. 2 ) Mittwoch nach dem Sonnentage der h. Dreifaltigkeit (8. Juni) 1463. Original (Pergament, deutsch, mit Siegel) im Archiv des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg. - 206 - und die ihm abgezwungene Verschreibung zurückgegeben und vernichtet werden solle 1 ). Eine sehr massige Entschädigung für seine Verluste bot ihm die Gelegenheit, im Jahre 1464 den dritten Theil der Burg und Stadt Reichshofen zu kaufen 2 ). In Bezug auf Gutenburg und Minfeld sei hier noch angeführt, dass Herzog Stephan, der seinen Antheil davon seinem Sohne Ludwig übergeben hatte, den Grafen Schaffried ersuchte, mit diesem den Burgfrieden daselbst zu beschwören, und ihn zugleich von dem bei dem frühem Burgfriedengelöbniss geschworenen Eide ledig und los sagte 3 ). Von 1464 bis 1475 erscheint er als Rath Kaiser Friedrich III; wir finden ihn als solchen z. B. im Spätherbst 1473 bei der Zusammenkunft dieses Kaisers mit dem Herzoge Karl von Burgund in Trier unter den anwesenden Edelleuten und zwar mit seinem Bruder Georg (Jörg 4 ); auch ersehen wir aus einem vom „Landgrafen" Emich 1467 ausgestellten Mann- lehenbricfe, dass Löwenstein noch immer Lehen von Leiningen besass 5 ). Seine Gemahlin war Katharina von Schönforst, Frau von Agathenrode, mit welcher er sich 1432 vermählte. Sie war eine Nichte des Erzbisehofs Diether von Cöln, welcher auch am 14. Februar, am Valentinstage 3 ), den Ehevertrag auf- ') Ein authentischer Auszug der Urkunde befindet sich im gleichen Archiv. ") Nach seinem Tode fielen seine Besitzungen seinem Bruder Emich zu. 3 ) Datum Meysenheim feria sexta ante festum pentecostes A. D. 1450, in der Urkundensammlung des Spoyerer Kreisarchivs. 4 ) Aus dem sogen. Libcllus de magnificencia ducis Burgundiae in Treviris eonscriptus, im Basler Chronikon III. 358 u. 359. ä ) Fürstlich Leiningensches Archiv. 6 ) Ich zog den verbreitetsten Valentinstag, den des Märtyrers, vor. Der Tag des Passaucr Bischofs Valentin fiel auf den 7. Januar, und der der Translatio desselben auf den 24. August. Der letztere Tag kann überhaupt nicht mit in | -1 ■ IIP— UM - 20? - stellte. Ihr Witthum ward auf Böhl, Igelheim und Hasseloch verschrieben, wozu Kurfürst Ludwig IV. und Pfalzgraf Stephan (da diese Orte zur Gemeinschaft Falkenburg gehörten) im nämlichen Jahre ihre Einwilligung geben 1 ). Uebrigens scheint in dieser Ehe viel Unfrieden geherrscht zu haben; Katharina verliess sogar ihren Gemahl böswillig und beide Gatten lebten getrennt. Trotzdem verlangte sie ihr Witthum, und Schaffrits Vater hatte im Jahre 1232fdeshalb eine Verhandlung, worin ihr eine kleine Rente zugebilligt wurde; sie starb jedoch bald nachher, und Schafried, dessen Leben überhaupt nicht sehr glücklich gewesen zu sein scheint, vermählte sich nicht wieder. Sein Todesjahr ist nicht bekannt, doch weiss man, dass er ohne Kinder starb. 3. Bernhard, Graf von Leiningen und zu Dagsburg. 92 Schon in den Jahren 1457 und 1459 genehmigt er für die Gemeinde Bechtheim, und sodann wieder 1474 und 1479 für die Gemeinde Wallertheim Anleihen, welche dieselben machen, und die Verschreibungen darüber; er heisst darin „Junker" und Betracht kommen, da am 4. Juni bereits die Bestätigung des Heirathsvertrages ertheilt wurde. S. die folgende Note. 9 Urkunde vom 4. Juni 1432, „Stephan von Gottes Gnaden Pfaltzgraue bv Bin .... Als der edel Graf Emicho von Lyningen vnser Hebe Neue (Neffe) den edlen Schaffried Grafen von Lyningen sinern Sone gegönnet und verhenget hat, sine eheliche Hussfrauw of sine dru Teile der Dorft'er Hasselach, Bohel vnd Uglenheim .... zu bewidemerj nach Lute der Weddingesbriefe darüber sagende, ist vnser will und Verhenckniss, dass ir vnd uwer jeglicher besonder des obge- dachten Schaff'rit's Hussfrawen von solches Widdems den drei Teil wegen .... vnd vnserm Vierteil unschädlich halden, globen vnd sweren nach Lut der Widdums Briefe, als ferro Wirich von Homberg das auch heisset, der dann vnser Teil in Pandswise zu der Zeit inhat. Datum Zabern, 4. Juni (quarta teria post Exaudi) 1432 . . . S. auch Kremer, Gesch. des Ardennischen Geschleohts II. 274: auch das Carlsruher pfälzische Copialbuch fol. 136. Die Eheverschreibung selbst ist datiert Montag nach dem Sonntage da man singet Cantate A. D. 1432. „Jungherr" 1 ). Er blieb unvermählt und trat 1475 in die Bruderschaft des Heil. Geistordens zu Hertlinghausen bei Altleiningen, in welcher Stellung er ein hohes Alter erreichte. Am Fronleichnamstage 1479 legte er die Irrungen zwischen „dem Herrn Erhard Abt auch seinem Convent zu Schonaubol (Schönau) einerseits und Herrn, Johann Scherrer Pfarrer zu Horkheim (Dürkheim) anderntheils in Betreff der Pfarrcompetenz gütlich bei und entschied darüber, und stiftete zugleich mit seinem Bruder in Husen unter dem Kloster Limburg ein neues Bene- ficium 2 ). Bei der vorhin erwähnten Theilung mit seinen Brüdern 1448 erhielt er einige Orte der Grafschaft Leiningen auf dem Gau, den leiningenschcn Antheil an der Burg Frankenstein und die dazugehörigen Lehnsmannschaften und Dörfer am Donnersberg, so wie die Burg Wildenstein daselbst und Anderes. Wie bei Schaffried erwähnt, hatte schon am 10. März 1442 Herzog Stephan den Burgfrieden zu Gutenburg, Falkenburg und Minfeld den Brüdern Schaffrit, Emich und Bernhard, J ung- grafen von Leiningen (Zabern, sabbate ante dominicam Lae- tare) gelobt, an demselben Tage geloben auch diese drei Brüder den Landfrieden, und die darüber ausgestellte Urkunde ist noch dadurch interessant, weil durch sie die Zusammengehörigkeit dieser drei ältesten Söhne und ihres Vaters unzweifelhaft festgestellt wird 4 ). Im Jahre 1448 sagen auch die Brüder gegenseitig sich von allen Gelübden und Verbindlichkeiten frei, nachdem sie ') Die Originale befinden sich im fürstlich Leiningensehen geheimen Archive. 2 ) Geben zu Dorchheim vff Sant Bartholomeus Tag des h. Aposteln A. 11. 1479. Das Original ist gut lesbar; von dem anhangenden Siegel Bernhards ist nur ein Best übrig. 3 ) Würdtwein, Alsas. dipl. IY. 465. *) M. v. Kemnat, Chronik II. 65. Die letzte Urkunde ist ohne Ortsangabe, wird aber natürlich ebenfalls in Xaborn ausgestellt sein. — 209 — mit dem Herzog Stephan von Zweibrücken den Burgfrieden in Gutenburg, Falkenburg und Minfeld beschworen (die Oopien befinden sich im Speyerer Kreisarchiv unter Nr. 139). Trotz"seines geistlichen Standes waren er und seine Brüder / Bundesgenossen des Herzogs Ludwig, als dieser im Jahre 1460 gegen den Pfalzgrafen Friedrich zog und viele Dörfer desselben einäscherte 1 ). Der Pfalzgraf dagegen nahm von Bernhardte Besitzungen das Schloss Bissesheim bei Worms, liess sich auch von Bechtheim und Guntersblum huldigen' 2 ), ebenso von Rechtenberg und Otterbach, so dass, sagt Kemnat 3 ), die Grafen von Leiningen „ausswendig des gebirgs nichts behielten, sondern der Pfalzgraf hatte Alles eingenommen", und alle diese Oerter mussten nun auch Steuern zahlen, obgleich er sie früher verbrannt und zerstört hatte 4 ). Aus Graf Bernhards Privatleben dürfte noch zu erwähnen sein, dass er im Jahre 1478 einen Kauf zwischen der Gemeinde Guntersblum und der Priorin des Klosters Hochheim 5 ) und am 1. August 1481 eine Uebereinkunft über 10 Gulden Gülten an Geld genehmigt, welche „Jars vfl'Martinj dem Closter Hochheim von 200 Fl. Hauptgeldes (Capitels) vff Georgij ablösig die Gemein zu Guntersblum sich anheischig macht 6 ). ') Auch am 13. Nov. 134G werden allo drei Brüder in einer Urkunde des Herzogs Stephan genannt. s ) Daselbst H., 173. • 1 ) Daselbst II., 186. 9 Die Leiningon besassen noch die Schlösser Grevenstein, Lindelbronn, Gutenburg, Falkenburg, und Dürkheim, und lagen in Ilartenburg und Dagsburg, von wo sie dem Pfalzgrafen viel Schaden thaten, und zwar unter dem (allerdings wie es scheint, nicht sehr kräftigen) Schutze des Herzogs Ludwig. (Kemnat a. a. 0. 186. 187). 5 ) Dinstag nach St. Appollonien. Nach dem Original des Luzerner Staatsarchivs in einem Auszuge im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg. «) Er nannte sich „Bernhard Graf von Leiuingen und Dagesburg." Original Abschrift an denselben Orten. Brinckmeier, Leiningen. — 210 — Bei der Wahl des röm. Königs Maximilian zu Frankfurt an S. Sebastianstag 1486 war im Gefolge des Kurfürsten Graf Bernhard, im Gefolge des Pfalzgrafen Graf Hannemann und „des hertzogen von Lothringen geschickte rat Philipps Graue zu Lyningen und graue Emicb der jung von Lyningen" 1 ). Am Dinstage nach Pfingsten des genannten Jahres begiebt er sich auf Lebenszeit in den Dienst des Kurfürsten Philipp 2 ) und spricht 1489 mit Einwilligung seines Bruders Emich dem Abt und Convent zu Otterberg den ihm gehörenden, von der Herrschaft Frankenstein herrührenden dritten Theil der Herberg und Atzung in dem Otterberger Klosterhof zu Albisheim auf der Pfrimm und den dritten Theil eines dazu gehörigen Hofes zu Heitherg bei Kirchheimbolanden um 500 Fl. rhein. wiederlöslich zu 3 ). Als derzeitiger Lehnsherr der Grafschaft Leiningen giebt er im Jahre 1495 dem Kurfürsten Philipp von der Pfalz seine Einwilligung, die beiden Dörfer Monsheim und Inseltheim mit allem Zubehör zu kaufen und verzichtet auf alle Eigenschaft an diesen Oertern 4 ). In demselben Jahre tritt er auch alle seine noch vorhandenen Besitzungen, darunter auch seine Antheile an Dagsburg und Lindelbol und zwei Drittel von Burg und Herrschaft Grevenstein ab. Schafrieds Befreiung erfolgte erst etwas später und zwar auf die persönliche Intervention des Kaisers Friedrich III., 0 Nach Bernh. Hertzogs Chronik. ") Copie in der Heidelberger Bibliothek unter dem Lehmannsohen Acten- nachlass. 3 ) Hitgesiegelt haben sein Bruder Emich und dessen Sohn Emich der Junge, dann Philipp und Johann Ludwig von Nassau nebst Friedrich von Steffen, welche drei letztere als Mitgemeiner von Frankonstein in den Verkauf einwilligen (St. Steffenstag 1489). Original im fürstlich Leiningen'schen geh. Archiv. 4 ) Vf S. Thomastag , 21. Dec. 1495 (in dem Pfalz. Copialbuch Nr. 18, fol. 390 zu Carlsruhe). - 211 - der auch die von den Lichtenbergorn dem gefangenen Schafried abgenöthigte Verschreibung für ungültig erklärte. Eine Zeit lang nahm mit Emich VII. auch sein Bruder Schaffrid thätigen Antheil an den Kriegen des Kurfürsten Friedrich I, doch waren sie späterhin fast beständig im Zwiespalt mit demselben, was ihnen allerdings Nachtheil genug brachte. Als sie dies erkannten, unterdrückten sie ihren Groll, söhnten sich mit dem Kurfürsten aus und schlössen 1453 mit demselben ein Bündniss gegen dessen Feinde und zwar unter folgenden Bedingungen 1 ): — wenn die Leiningenschen Lande in dem bevorstehenden Kriege einen Schaden erleiden würden, der sich nicht über 1500 Gulden beliefe, so verlange Graf Emich dafür gar keine Vergütung; es sollte nur dasjenige ersetzt werden, was diese Summe überstiege, dagegen verlangte Graf Emich von dem Pfälzer die Uebertragung des Vicedom-Amtes zu Amberg. Als nun Ende 1453 die Amberger in der Oberpfalz sich gegen Friedrich I. empörten, überrumpelte Letzterer mit Graf Emich's Beistande am 3. Februar 1454 die Stadt Amberg. Graf Emich, der bereits Vicedom war, musste sieh des Abends zuvor bei dem Kloster Kastel mit 1300 Reitern und 200 Schützen in aller Stille einfinden, wo dann der Kurfürst selbst mit 600 Reitern zu ihm stiess und ihm seinen Angriffsplan mittheilte, nach welchem Graf Emich sich des Schlossthores versichern und dasselbe offen halten, während der zweite Heerhaufen auf der entgegengesetzten Seite in die Stadt eindringen sollte. Der Anschlag gelang; die überwundenen Bürger kamen mit der Geistlichkeit dem Sieger entgegen und unterwarfen sich; elf der vornehmsten Rädelsführer wurden ') Mich. Behaims Keimchronik III. 159: „vnd waz ein vitztum dieser land- grafl zu Leiningen Emich genannt, der nam mit dysen gesten ein port (Pforte) in by der vosten." — S. auch Lehmann, Gesch. des Hauses Leiningen p. 1 u. 2. Iviemer, Gesch. des Churfiirsten Friedrich I v. d. Pfalz, I. 58 u. folg. 14* gefangen, fünf derselben sogleich hingerichtet, die Uehrigen begnadigt, und so die Ruhe wieder hergestellt. Bald darauf ward Graf Schafried zum kurfürstlichen Rathe ernannt, und befand sich als solcher bei den Verhandlungen, welche in den genannten Jahren zu Worms wegen Aussöhnung Friedrichs I. mit dem Mainzer Erzbischof, jedoch vergebens, gepflogen wurden. Auch in andern Fehden leisteten die Leiningen dem Kurfürsten Beistand, 1 ). Indess mancherlei Uebergriffe des letzteren, Ansprüche auf Leiningen'sche Lehen und dergleichen mochten Veranlassung geben, dass die Leininger Grafen sich von ihm abwandten und sich der Partei des Mainzer Erzbisehofs anschlössen. Mit dem Beginn des Jahres 1460 machten die Veldenzer und Emich VII. nebst seinen Brüdern, — denen zu Ostern desselben Jahres die Stadt Weissenburg (nicht der Abt daselbst, der ein Vetter Graf Emichs war) und mehr als vierzig Edle Feindschafts- und Fehdebriefe schrieben 2 ) — den Anfang mit den Feindseligkeiten gegen die Pfalz, die zwar nur wenige Monate währten, aber wiederum viel Elend zur Folge hatten. Die Verbündeten wurden bei Monsheim geschlagen, und erlebten dann nochmals bei Pfeddersheim, wohin sie geflohen waren, eine schwere Niederlage 3 ): sie verloren u. i) So mit dem Mainzer Erzbischofe, dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg und dem Grafen Ulrich von "VVürtemberg. -) Annalen des Vereins für Nassau. Alterthumskunde IX. 318, 3 ) Am Montage vor Fronleichnam 1460. Vergl. auch .Kemnat, Chron. II., 34 u. IL. 119 u. 180. — In den Annal. Ellwang., Neresheim. et Chron. Ellwang. (Monum. Germ. hist. X. 48) heist es: — „Eodem anno (1460) gwerrae lethales ortae sunt inter Frideric. palat., Heidelberg, ex una, et Ludovicum ducem Bawar., comitem Feldensem una cum comitibus de Leiningen parte ex altera, cui Friderico Palatino adhaeserunt rex Bohemiae, Albert, dux Austriae, Ludowic. dux Bavar. de Landshuta, episcopi Bambergensis, Herbipolensis, et alteri parte videlicet duci Ludovico comite Feldensi et ipuis de Liningen adhaeserunt dux Wilhelm, de - 218 - A. 600 wohlgerüstete Pferde; gefangengenommen wurden vier Grafen (darunter Graf Emichs Bruder, der Domherr Philipp) nebst 148 Edeln und Rittern und über 500 Mann. Graf Emich selbst und der Erzbischof Diether entkamen. Am 8. Juli versöhnte sich der Kurfürst mit dem Mainzer Erzbischofe und dem Grafen Ulrich von Würtemberg; aber nicht mit Graf Emich VII. und dem Grafen von Veldenz; vielmehr zog er mit dem Landgrafen Ludwig von Hessen gegen die Grafen von Leiningen und von Veldenz und brandschatzte Guntersblum, Bechtheim, Hirsheim und Karlebach 1 ), und belagerte sodann vom 19. bis 23. August 1460 das Leiningen'sche Schloss Hassloch, das sich am 5. Tage ergab 2 ) und ihm nebst Böhl und Igelheim huldigen musste: ferner nahm er vom 23. bis 28. August das leiningensche Schloss Minfeld, das sich ihm am letzgenannten Tage ebenfalls ergab 3 ), verwüstete in Gemeinschaft mit Friedrich von Sponheim das Dürkheim er Thal bis Hartenburg 4 ), zerstörte zugleich noch 9 andere leiningensche Orte und zog dann verheerend in die Veldenz'schen Dörfer am Donnersberge, während die Leiningen das dem auf pfälzischer Seite stehenden Bischof von Speyer gehörige Forst und Deidesheim in Asche legten 5 ). Den Winter über ruhte man, doch blieben Graf Emich und der Veldenzer unter Waffen. Inzwischen zog der Kurfürst ein Heer von 10,000 Mann zusammen Saxonia, Albert, marchio Brandenb. et comes Ulricus de Württemberg. Omnes cum omni vi et potentia litigaruut. ') Speyer'scbe Chronik, 439; M. Kemnat a. a. 0. II. 334. 2 ) Kemnat, a. a. 0. II. 351. 3 ) Speyer'sche Chronik, 447 ; Kemnat II., 351. 4 ) Speyer'sche Chronik, 448; Kemnat II., 351. 5 ) In dieser Erzählung folgte ich, jedoch mit Vorsicht, den Mittheilungen in M. v. Kemnats Chron. Friedrichs I., Bd. II., pag. 367 u. f.; desgleichen Lehmann, und ganz besonders Kremer, Geschichte des Kurfürsten Friedrich I. v. d. Pfalz, I. 148 bis 19G u. III. 223 bis 231. und rückte damit 1461 vor die Veldenz'sche Stadt Meisenheim 1 ) nachdem schon im Jahre vorher das Schloss Hassloch bei Neustadt genommen war 2 ). Hart bedrängt wurde namentlich die Stadt Meisenheim, worin sieh des Kurfürsten beide Gegner befanden, bis es endlich dem Markgrafen von Baden gelang, „an sant Johannes Abent des Deuffers" (23. Juni) 1461 eine einstweilige Versöhnung zu Stande zu bringen. Graf Emich und seine Brüder Schafried und Bernhard erhielten von dem Kurfürsten alles dasjenige wieder zu]Lehen, was ihr Vater ehedem von der Pfalz gehabt hatte, nur behielt der Kurfürst sich in Allem das Oeffnungsrecht vor 3 ). Graf Philipp aber sollte bis Margarethentag (12. Juli) aus seiner Haft entlassen werden. Zugleich wolle der Kurfürst sich verwenden, dass der von den Lichtenbergern noch immer gefangen gehaltene Schafried freigelassen werde. Viele Leininger Burgen waren in diesen Fehden zerstört oder beschädigt, viele Dörfer verwüstet, das Land verheert und die Unterthanen verarmt 4 ). ■) M. a, Kemnat, a. a. 0. 2 ) Daselbst II. 184. 3 ) Widder, Beschreibung der kurf. Pfalz am Rhein, II. 294. Als 1470 sich die Leiningen, wie gleich hier erwähnt werden mag, abermals gegen ihren Lehnsherrn verbanden, erklärte er sie der Lehen verlustig und nahm 1473 diese wieder in Besitz. In der sogenanntem;bayrisehen'Fehde nahmen die'Arafen von Leiningen die betreffenden Orte wieder ein, und 1506 jwurden in einem Vertrage dieselben den Leiningen wieder zu Lehen gereicht. Aber Emich VIH/fiel 1510, weil er dem Könige Ludwig VII. deutsche Hülfstruppen zugeführt hatte, in die Reichsacht und ging seiner Lehen überhaupt verlustig. Im Jahre 1518 zu Augsburg jedoch vermittelte Kaiser Max I. zwischen Kurfürst Ludwig I. und Emich VIII., und durch einen Vergleich erhielt die Pfalz die Hälfte von den genannten drei Dörfern (Hassloch, Böhl und Igelheim) während mit der anderen Hälftef nebst dem Burgstadel zu Hassloch Graf Emich VIII. im Jahre 1522 Izu Heidelberg belehnt .ward. In demselben Jahre jedoch, am 16. u. 22. Juni, verzichteten die Leiningen darin zu Gunsten von Kurpfalz auf alle Hoheitsrechte. 4 ) Kremer, Gesch. des Kurf. Friedrich I. v. d. Pfalz, I. 148 bis 196 und III. 223 bis 231. — 215 — Graf Emich war, wie schon erwähnt, auch Rath bei dem Erzbischof Dicther von Mainz. Als dieser mit dem Papste verfiel, wurde der Erzhichof in den Bann gethan, und Graf Adolph von Nassau statt seiner zum Erzbischofe ernannt. Nun zog sich Diether in die Hauptfeste seines Sprengeis, die Starken- burg, mit Graf Emich und vierzig Reitern zurück, beschwerte sich bei dem Kurfürsten von der Pfalz und verschrieb ihm gegen Ende 1461 die Bergstrasse zum ewigen und eigenen Besitzthum, wenn er ihm wieder zu seinem Hochstift verhelfen wolle. Dadurch aber wurden der Kaiser und verschiedene Reichsfürsten veranlasst, Friedrich den Krieg zu erklären und bald sah sich dieser von Feinden umgeben. Monate lang wüthete nun abermals Mord und Brand in den Rheinlanden; da zog der Kurfürst den Erzbischof Diether nebst 300 Pferden unter Graf Emichs Commando an sich, wurde ausserdem durch den treuen pfälzischen Adel verstärkt und schlug 1462 die entscheidende Schlacht bei Seckenheim, worin er seine überlegenen Feinde durch die Hülfe; E mi chs VII., welcher das Centrum befehligte, glänzend besiegte. Markgraf Carl von Baden und dessen Bruder, der Bischof Georg von Metz, der Graf Ulrich von Würtemberg, nebst 121 Edlen und Rittern mit 300 Knechten wurden zu Gefangenen gemacht und viele kostbare Beute erworben 1 ). Als Kurfürst Friedrich der Siegreiche von der Pfalz vor der Schlacht bei Seckenheim (30. Juli) die Schlachtreihen ein- getheilt hatte, nahm er, um den Muth der Adligen anzufeuern, den üblichen feierlichen Ritterschlag vor und er selbst liess diese Ceremonie an sich durch Wiprecht von Helmstadt verrichten. Als er nun vor den Reihen der mit Nusslaub, als dem Feldzeichen, gezierten Kriegern auf und ab sprengte, gewahrte er, dass Graf Emich von Leiningen in dem Mittelpuncte über den Kern seiner Truppen zum Anführer bestellt war- ') Kremer, Gesch. Friedr. I. y . d. Pfalz, II. 299 u. 300. — 216 — Er stutzte anfangs darüber, ritt dann aber auf ihn zu und redete ihn mit den Worten an: „Emich, Du und ich sind in harter Feindschaft gewesen und haben einander viel Leides und einen grossen Schaden zugefügt, — wessen soll ich mich heute, an diesem entscheidenden Tage, von Dir versehen!" Worauf ihm derselbe erwiderte „Gutwillig kam ich mit meinem gnädigen Herrn von Mainz Euch zu Hülfe gezogen und will Leib und Leben für Euch wagen!" Dess erfreute sich Friedrich, gab ihm den Ritterschlag und liess darauf die ganze Schlachtordnung gegen die Feinde aufbrechen'). Die Beschreibung dieses Krieges hat sich weit über den Rahmen dieser vorzugsweis genealogischen Geschichte hin ausgedehnt; doch geben die erzählten Vorfälle besser als jede Erörterung ein getreues Bild von der damaligen Zerfahrenheit der Zustände im Reiche; denn selbst nachdem nunmehr Alles beruhigt zu sein und die Streitlust ausgetobt zu haben schien, glühte der Funke doch unter der Asche noch fort. Im Jahre 1465 nahm Kaiser Friedrich III. die Grafen Emich und Bernhard, nebst ihren sämmtlichen Besitzungen, in seinen und des Reiches besonderen Schutz 2 ), und die nun folgende Friedenszeit benutzten die Leiningen, ihre verwüsteten Besitzungen, die der Aufhülfe so sehr bedurften, wieder in besseren Stand zu bringen. Leider aber sollte der noch glimmende Funke nur zu bald wieder aufflammen; denn die Ruhe währte nicht lange. Es hatte sich der Zwist um den Nachlass des zum gefürsteten Landgrafen erhobenen Hesso erhoben, welcher kinderlos gestorben war. Auch seine Geschwister waren kinderlos dahingeschieden, mit Ausnahme seiner jüngsten Schwester Margaretha, die seit 1422 an Reinhart III., Dynasten ') Kremer, Gesch. des Kurf. Friedrichs I. v. d. Pfalz, Theil I. Buch III. pag. 300. -) Montag vor St. Gallus (14. Oct.) s. Lünig, Eeichsarch. a. a. 0. p. 402. und semperfreien Herrn von Westerburg vermählt, 1449 bereits Wittwe war. Als einzige nächste Blutsverwandte ihres Bruders Hesso nahm sie einen grossen Theil von dessen Hinterlassenschaft in Besitz; da aber Emich VII., namentlich in Bezug auf die Lehen, sich für erbberechtigt hielt, was er bezüglich der Mannlehen auch thatsächlicli war, so nahm er gleichfalls viele von Hesso's Besitzungen und Gefällen an sich, vor Allem die Burg und Stadt Neuleiningen. Da aber in den seit 1317 getrennten Leininger Linien jede mit dem Ihrigen beliebig schalten konnte und, falls ein Mannsstanim ausstürbe, die weiblichen Verwandten die nächsten Erbinnen, zwar nicht der Mannlehen, aber doch der Alioilialgüter und Kunkellehen sein, und nur dann, wenn gar keine leiblichen Nachkommen einer Linie mehr vorhanden wären, die andere Linie wieder in das volle Erbrecht eintreten sollten 1 ), so konnte sich Graf Emich zwar um die Mannlehen bewerben, die ihm theilweis auch früher schon, z. B. von dem VVeissenburger Abte, zugesagt waren 2 ), dagegen waren die auf weibliche Nachkommen vererbbaren Güter ausgenommen, und Margarethe von Westerburg wandte sich um Beistand an den Kurfürsten von der Pfalz Friedrich I., und gleichfalls an den Wormser Bischof Reinhart, von dessen Hochstift Neuleiningen und Anderes zu ') S. die früheren Familienverträgo und Festsetzungen. •) Des Abts Philipp v. Weissenburg Simultan-In vestitur für Graf Emich über die von seinem Blutsverwandten Hesso besessenen Leben, Diastag nach Oculi (6. März), 1464, in der Gründlichen Beiutation etc. Iii, D. nr 9, n. in der Endl. Ausführung etc. lit. 0. p. 75. — Sil he auch Lünig, Spicil. saec. p. 398. Was speciell die Weissenburger Lehen betriflt, so belehnt der gen. Abt Philipp den Grafen Emich VII. mit denselben im Jahre 1464; ebeudiesen, seinen „Oheim", nochmals 1468; dann wiederholt Abt Heinrich die Belohnung 1479; Abt Rüdiger belehnt den Grafen Emich den Jüngeren 1520, und Graf Engelhard von Leiningen liess, als Vormund, diese Lehen (mit 4 11. Koslen) durch Friodr. Steter von Inseltheim empfangen. (Fürstl. Leiningenschos Geh. Archiv). - 218 — Lehen ging. Der Kurfürst ermahnte den Grafen Em ich, von allen fernem Uebergriffen abzustehen, da er die Gräfin und den Bischof sonst in ihren Rechten schützen müsste. In einem Schreiben an Graf Emich führte er an, er habe vernommen) dass dieser nach dem Tode des Landgrafen Hesso Ansprüche auf die von Letzteren hinterlassenen Schlösser, Dörfer, Briefe etc. erhebe; da aber die Pfalzgräfin Elisabeth als Wittwe, der Bischof Reinhart von Worms als Lehnsherr und die Gräfin Margaretha als Schwester ein Recht darauf zu haben glaubten, so befehle er ihm, von seinem Vorhaben abzustehn und nichts mit .Gewalt zu nehmen, denn er wolle die genannten Parteien bei ihren Rechten erhalten 1 ). Graf Emich dagegen, statt darauf zu hören, suchte sich in den Lehen immer mehr festzusetzen und bevollmächtigte seinen Bruder Schafried, die von dem Bischöfe von Worms verweigerte Belehnnng mit Neuleiningen so wie die von Hesso getragenen Reichslehen 2 ) für ihn (Graf Emich) zu nehmen. Dann erst, als dies geschehen, antwortete er dem Kurfürsten 8 ) und erbot sich, wegen der von der Pfalz herrührenden leiningenschen Lehen, so wie wegen der Allodial- güter, zu Rechte. In diesem Schreiben nannte er.sich zum ersten Male Graf zu Leiningen und zu Dagsburg 4 ). Die Hartenburgische Linie nahm diesen Namen also erst nach Landgraf Hesso's (welcher selber den Dagsburger Titel führte) Tode an, und eignete sich zugleich die Hälfte der 1) Heidelberg, Sonntag Misericordiä 1467; s. M. v. Kemnat, Chronik Friedrichs des Siegreichen IL 434. 2 ) Nanstul nebst den Burgmannsitzen zu Kaiserslautern u. Germersheirn. s ) Hardenburg, Peter und Paulstag 1467. 4 ) In einer Urk. von 1469 führt er ebenfalls den Titel: „Graf zu Leiningen und zu Dagsburg, Herr zu Appermont," bei der Beurkundung eines Vergleichs, den die Aebte Richwyn zu Erbach, Johann von Schönau und Johann auf St. Dissibodenberg zwischen dem H. Wolf Kämmerer v. Dalberg wegen Hasloch hergestellt haben, „der geben ist am Froytage nach sant Franciscustag 1469." - 219 - bisher jenem Landgrafen zuständigen Dagsburger Güter zu, die denn auch bei der Hartenburger Linie verblieben. Der Wormser Bischof hatte sich erboten, dem Kurfürsten die Hälfte der Burg Neuleiningen nebst Zubehör, so wie die Hälfte der übrigen Lehen Hesso's zu überlassen, und da auch die Gräfin Margarethe ähnliche Erbietungen gemacht hatte, so theilte dies der Kurfürst am 6. Juli 1467 dem Grafen Emich auf dessen die Erbschaft Hesso's betreffende Eingabe 1 ) mit und bemerkte dabei, er müsse als Landesfürst jenen Petenten beistehen 2 ). Darauf antwortete Graf Emich an demselben Tage 3 ), schrieb auch nochmals am 7. December, aber ohne Erfolg; so erhielt der Pfalzgraf durch seine Gewalthätigkeit einen Zuwachs von 23 leiningenschen Ortschaften aus Hesso's Nachlasse 4 ). Nun wandte sich Graf Emich an den Kaiser, und dieser trat für ihn ein 5 ). Als aber auch dies vergeblich blieb, richtet Graf Emich ein Gesuch geradezu an den Kurfürsten 6 ), und da er hier ohne jede Antwort blieb, so waren hiemit alle gütlichen Mittel erschöpft. Direct verliehen wurden ihm von dem Abt Jakob von Weissenburg die von seinen Vorfahren schon besessenen Dörfer Langenden, Larsgesheim (?) und 100 Morgen Landes zu ') Liinig, Spioil. saeo. p. 407. 2 ) Liinig, Reichsarchiv XXII. 408. :< ) Ebendaselbst. 4 ) Kremer, Gesch. Friedrichs p. 398; dessen Speyersche Chron. p. 495. Es bestand dieser Zuwachs aus der Vogtey zu Osthofen, dem Gericht zu Uebersheim, den Dörfern Rheindürkheim und Hamm zur Hälfte etc. (siehe weiter untenj. 6 ) Dies geschah in einem Mandat vom 28. Oct. 1467, bei Liinig, Keichsarchiv XXII. 410, aufgeführt auch in der Gründl. Refutat. etc. pag. 12, worin der Kaiser Friedrich III. der Wittwe Margaretha von "Westerburg aufgiebt, ihre Ansprüche an die Lehen aufzugeben. 6 ) Sonntag Estomihi (21. Fehl' 1468) in Lünig, Reiehsarch. XXII. 413. Büsselheim 1 ), so dass diese Weissenburger Lehen auf ganz legale Weise dem Hause verblieben. Gleichfalls wurde Emich VII. 1467 von dem Erzbischofe Johann von Trier mit den durch Landgraf Hesso's Tod an das Erzstift heimgefallenen Lehen ex nova gratia wieder belehnt, namentlich auch mit der Burg Altleiningen nebst 100 Pfund Geldes in den zu der Burg gehörigen Dörfern. Im Jahre 1468 (Hartenburg, Montag nach St. Erhardtstag) verbot Emich der Gemeinde Grünstadt, auf eigene Hand ohne gräfliche Genehmigung Gericht zu halten, was während dieser Zeit der Ungewissheit und Verwirrung wohl öfter vorgekommen sein mochte 3 ). Um diese Zeit hatte Emich VII. im Hinblick auf den verstorbenen Landgrafen Hesso ebenfalls den Titel eines „Landgrafen von Leiningen" angenommen; als solcher belieh er 3 ) den Heinrich von Löwenstein mit einem Mannlehen zu Gross- Bockenheim. Doch führte er die Benennung nur bis zum Herbste des Jahres, weshalb man ihn häufig mit dem Spottnamen „der Sommerlandgraf" belegte. Im Jahre 1470 wurde vom Kaiser das dem Grafen Schafried ertheilte Privileg, vor fremden Gerichten nicht erscheinen zu müssen 4 ) auch auf dessen Bruder Emich und sämmtliche Unter- ') S. die Note 2 auf Seite 217 in Bezug auf die Weissenburger Lehen. Die obige Verleihung wird auch 1542 durch Propst Rüdiger von Weissenburg wegen der Lehen im untern Elsass für Engelhard von Leiningen, seinen Neffen Joh. Philipp und Emich wiederholt. Siehe die in Paris befindlichen Dagsburgor Regestensammlung, Abschrift im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg. 2 ) Fürstliches Archiv zu Amorbach. 3 ) Hartenburg, Dinstag nach des h. Crutzes tag exaltationis 1467. 4 ) Privilegium de non evocando, datiert: „Erchtag nach der h. drei König Tage 1466" (7. Januar). S. Brinckmeier, Handbuch der histor. Chronologie, 2, Auflage, unter den deutschen Heiligentagen. „Erchtag" ist Dinstag. — 221 — thanen ausgedehnt, mit der besonderen Befugniss, Geächtete in seinem Lande beherbergen zu dürfen 1 ), und 6 Tage darauf verlieh der Kaiser dem Grafen Schafried auch seine (Schafrieds) ererbten Güter und die Reichslehen. Wegen der vielen Eigenmächtigkeiten welche der Kurfürst von der Pfalz sich ebenso wie gegen die Leiningen, so auch gegen Weissenburg erlaubt hatte, verklagten die Weissen- burger Bürger ihn bei dem Kaiser. Dieser rief das ganze Reich gegen den Kurfürsten auf und ernannte den Herzog Ludwig den Schwarzen von Veldenz zum Kaiserlichen Hauptmann. Dies war für Graf Emich und seine Brüder eine erwünschte Gelegenheit, sich an dem Kurfürsten zu rächen und zu ihrem Rechte zu kommen. Friedrich aber begann, nachdem er sich Bundesgenossen verschafft, selbst den Krieg, und richtete ihn besonders gegen Leiningen und Veldenz; er nahm Beiden eine Burg und Besitzung nach der anderen und zerstörte meist Alles was ihm in die Hände fiel; seine Erbitterung stieg auf das Höchste, als der Kaiser ihm im Jahre 1470 auch die Land- vogtei im Elsass abnahm. Hierauf wiederum schienen die Leiningen von Glück begünstigt zu werden: am 10. Aug. 1471 zogen die drei Brüder Emich, Dietrich und Anthis (Anton) vor Weissenburg und nahmen das dem Pfalzgrafen gehörige Schloss St. Paul ein 2 ), alsdann zog Emich VII. gegen die Festung- Arnberg, deren Vitzthum er war, eröffnete muthig das Thor und erstürmte die ganze Burg 3 ). Aber während dem, im Mai 1471, schlug der Kurfürst seinerseits die Veldenzer bei Bergzabern, erstürmte Wachenheim nebst Gross- und Klein-Bocken- heim, welche beiden letztern er schleifte, und rückte im August ') Lünig, Reichsarchiv, P. spec. Cont. II 83. 2 ) M. v. Kemnat, Chronik II. 287. 3) Daselbst II. 27. — 222 — vor die stark befestigte Stadt Dürkheim 1 ), — nebst der Har- tenburg die gewöhnliche Residenz der Leininger Grafen — in welcher Emich VII., Diether und Philipp sich mit einer ansehnlichen Besatzung befanden. Nach heftigen Kämpfen sahen die letztern sich genötliigt, um einen Waffenstillstand einzukommen' 2 ), und so ward eine Vereinbarung getroffen, dass die Leininger nie wieder gegen die Pfalz kriegen w.ollten, Dürkheim solle dem Kurfürsten übergeben, die Einwohner aber sollten geschont und die Brandschatzung nicht wirklich geschehen, sondern abgekauft werden, weil das Witthum der Gemahlin Emichs auf diese Stadt verschrieben war. Die übrigen Eroberungen Friedrichs sollten, bis auf einige Stücke, den Leiningen zurückgegeben werden, dagegen behielt der Kurfürst sämmtliche Waffen und Geschütze; die Festungswerke Dürkheims aber wurden gänzlich zerstört 8 ). So war nun dieser Streit zwar beendigt, aber auf eine für Leiningen höchst nachtheilige Weise. Ausserdem, dass verschiedene Ortschaften gänzlich verheert waren, wie dass Schloss Bussesheim, Schloss Erffenstein, Gross- und Klein-Bockenheim etc., kam auch die Hälfte der von Hesso nachgelassenen Besitzungen ') Die Speyersche Chronik, 503, nennt den 17. August, M. v. Kemnat in seiner Chronik den 18. August. 2 ) Monum. Germ. hist. X. in den Annal. Ellwang, p. 50: „1470. Hoc anno orta est magna discordia inter illustres principes comites palatinos et duees Ba- wariae Eridericum Heidelbergensem parte ex una, neo non Ludowic. Eeldensem adhaerentibus cumitibus de Lyningen parte ex altera, qui torras suas, eivitates et castra armata manu ex utraque parte magnis damnis devastarunt. qnae quidem discordia duravit ultra biennium, demum eoncordati sunt per se ipsos instigante eos maximo damno perpesso suis in militibus, intra et extra oppidam Türkheim, quam (sie!) praefatus palatinus obsedit pro tunc." Kremer, Gesch. Kurfürst Friedrichs I. T. I. p. 401 bis 466, wo dieser Krieg ausführlieh erzählt ist; ferner: Lehmann, Chron. Spir. p, 886; Trithem. Chron. Hirsaug. n. 474; Lehmann, Gemälde ans der Pfalz, II. 37 bis 40. - 223 — an Kurpfalz, nämlich: die Lehnsmannschaften (von der Pfalz herrührend), Neuleiningen Burg und Stadt halb, Weissenheim, Sülzen, Gross-Karlebach, Hessheim, Flomersheim, Beindersheim, Dackenheim, Ottersheim, Immesheim, Cell, Niefernheim, Rheindürkheim, Bermersheim, Mörstatt, Wintersheim, Walheim, Alsheim, Osthofen halb, Harxheim, Hamm, Ibersheim, nebst vielen andern Höfen, Mühlen, Zehnten, sowie vielen eigenen Leuten in Westhofen, Guntlieim, Flörsheim, Einselthum, Rodenbach, Heppenheim, Hochheim, Leiselheim. Dagegen behielt Margaretha von Westerburg: Burg Altleiningen zur Hälfte, mi t. Höningen, ein Viertel an Stadt und Burg Neuleiningen; ganz Grünstadt, Asselheim, Sausenheim 1 ), Obrigheim, Kirchheim, Tiefenthal, Ebertsheim, Lautersheim, Bossweiler, Alb's- heim, Bissersheim, Hertlingshausen, Wattenheim, Seckenhausen, Wachenheim a. d. Pfrimm, Mertelsheim, Quirnheim, halb Monsheim, und halb Hochspeyer, so wie noch viele Höfe, Mühlen und Gefälle. Graf Emich VII. scheint sich nun mehrere Jahre hindurch ruhig verhalten zu haben. Nach Kurfürst Friedrichs I. Tode jedoch verlangte er von dessen Nachfolger, Kurfürst Philipp, die ihm bisher vorenthaltenen pfälzischen Lehen, ward aber abgewiesen und diese Abweisung damit begründet, dass man einem erklärten Feinde der Pfalz keine Lehen anvertrauen könne. In 2 ferneren Eingaben berief er er sich zwar auf die ') In Betreff des Burgfriedens zu Neu-Leiningen und der Mark zu Sausenheim sclieint zwisclien den Leiningon und denen von Sausenheim ein Streit entstanden zu sein; es wurde ein solcher Streit am 21. Mai 1488 durch Bischof Dalberg und den Pfalzgrafen als Schiedsrichter ausgeglichen. Copie vom 20. De- cember 1755 im Kreisarchiv zu Speyer. S. B. Morneweg, Joh. v. Dalberg, ein deutscher Humanist und Bischof (Heidelberg 1887), pag. 11/. Das Dorf Sausenheini liegt eine Viertelstunde von Neu-Leiningen. Entscheidung des Reichsgerichts, aber immer ohne Erfolg 1 ). Als dann die Leiningen, ohne irgend etwas zu erreichen, auch 1491 abermals um Ertheilung der Lehen einkamen, wuchs allmälig der Groll gegen die Pfalz von Neuem dermassen an, dass er nach einigen Jahren wieder in helle Flammen ausbrach. Uebrigens waren unter Emich VII., was hier noch besonders bemerkt sein möge, die Verluste bei Weitem grösser, als er irgend Vortheile für das Ilaus errang, und wenn auch Einzelnes neu gewonnen wurde, z. 11. das Schloss Friedelsheim, welches am Mittwoch nach Yocem jueunditatis die Abtei Limburg an Leiningen verliehso war es doch nicht zu verwundern, das Graf Emich sich, in Folge aller seiner Verluste und Kosten, zeitweilig in Geldverlegenheit befand. Dies zeigt u. A. ein Schuldbrief vom 2. Juni 1494 über „500 gülden guter kurfürsten müntz, die Jacob Futersack und Elise seine eliche Hussfrauwe uns bar geliehen", ferner schuldete er dem Kloster Schönfeldt 100 Gulden 8 !. Es finden sich daneben auch Gültebriefe an die Kirche zu Dürkheim von 1477, 1479 und 1482 4 ). Graf Schafried war schon früher gestorben, in welchem Jahre ist unbekannt, da er urkundlich nur bis 1475 vorkommt. Als nun auch der Domherr Philipp im Jahre 1493 starb, traten die beiden noch lohenden Brüder Emich VII. und Bernhard deren Erbe an. Der Vertrag darüber zwischen Emich ') Leiningen-Westerburgisohe (Ihnumslössliche Rechtliche Auszüge, pag. 14. 2 ) Aus dem Lehmann'schen Autennachlass in der Heidelberger Bibliothek. s ) iJl el ' geben ist am Montag nach corporis Christi A. D. 1494" mit dem zerbrochenen Siegel Emiehs. S. auch Gatteier Apparat. Arch. nr. 2081. *) Urkunde vom 9. April 1487 im Luzorner Stadtarchiv: „1 Puder Weins reicht dem Closter Schönfeldt (Praneiseo Pryor zu Schönfeldt) Graue Emich zu Leiningen von 100 Gulden lösigen Hauptgelds, doch dass das Puder nicht vber 5 Gulden koste .... der geben ist zu Hardenburg am Mittwoch nach dem h. Palmtage A. D. 1487" (am 8. April). - 225 — und Bernhard ist datiert vom Jahre 1494 1 ), sowie vom Jahre 1495 der Vertrag zwischen Eniich und Bernhard über die Leibrente, welche Bernhard für die Abtretung aller seiner Güter von Emich beziehen soll 2 ). In demselben Jahre stifteten beide eine Altarpfründe in dem Kloster Hausen 3 ). Aber schon in dem nämlichen Jahre, 1495, starb Graf Emich VII. in hohem Alter, nach einem sehr bewegten Leben, und ward in der Leininger Erb-Gruft in der Abtei Limburg beigesetzt. Von Wichtigkeit für das Lemihger Haus waren Graf Emichs eheliche Beziehungen. Er war, nachdem er mit der noch jungen Prinzessin Margaretha von Zweibrücken verlobt gewesen (die schon vor der Hochzeit starb) vermählt mit: 1. Anna d'Autel, Tochter des Hubert d'Autel, Herrn zu 101 Aspremont. Sie brachte ihm die grosse in Lothringen gelegene Herrschaft Aspremont zu und Emich VII. nahm 1466, in welchem Jahre ihm sein Schwiegervater die Herrschaft abtrat, Titel und Wappen derselben an. Zu Gunsten Anna's verzichten 1466 auch Elisabeth d'Autel und Albrecht von Hohenrechberg auf die Herrschaft Aspremont, und ebenso 1467 Johann von Rheineck und Irmgart d'Autel auf die väterliche und mütterliche Succession darin. Das Todesjahr dieser Gräfin ist nicht bekannt, doch starb sie jedenfalls schon bei Lebzeiten ihres Gemahls, da dieser sich abermals vermählte, und zwar mit: II. Barbara, Tochter des 102 Grafen Eberhard von Th engen 4 ). 1) Siehe Dagsbuvger Eegestensammlung in der Nationalliibl. zu Paris. Abschrift im Archiv des Grafen K. E. zu Leiningon-Westerburg. 2 ) Urkunde in Paris. S. die vorhergehende Note. a ) "Wiirdtwcin, Subsid. dipl. IX. 256 und 263. *) Ich folge hier der Angabe in der officiellen Stammtafel. Lehmann ist der Ansicht, Gräfin Anna habe ihren Gemahl überlebt; Brinckmeier, Leiningen. !■> 105 106 107 108 — 226 103a 103b welche beide an demselben Tage 1482 in dem 111 104 Emich VII. hatte von seiner ersten Gemahlin 8 Kinder: 1. Beatrix 2. Anna Kloster auf dem Marienberge, bei Boppard als Nonnen eingekleidet wurden und im Jahre 1483 auf das väterliche Erbe verzichteten 1 ). 3. Emich VIII., welcher seinem Vater in der Regierung folgte. 4. Friedrich. Er erhielt bei der Gütertheilung mit seinen Brüdern die Herrschaft Ormes (welche nach seinem Tode an das Haus zurückfiel). Im Jahre 1455 bezeugen Bischof Conrad zu Metz und Erzbischof Jacob zu Trier die mütterlichen und väterlichen Ahnen dieses Grafen Friedrich. 5. Siegbot oder Sigmund. Er theilte 1501 mit seinen Brüdern, trat aber seinen Antheil 1507 gegen eine Leibrente an seinen Bruder Emich ab und starb 1508. Er verzichtete auf alles Erbe, namentlich auf etwaige Antheile an den Grafschaften Leiningen und Dagsburg, an der Herrschaft Aspremont, auf Falkenburg an der Nied, im Wasgau, Hartenburg, Grevenstein, Lindelbronn, Frankenstein u. A. 6. Magdalena 7. Margaretha 8. Hesso, welcher in der Theilung mit seinen Brüdern die Herrschaft Aspremont erhielt, die er auch auf seine Söhne vererbte. Im Jahre 1507, bei dem Antritt Wilhelms HL, Grafen von Honstein, al s Bischof von Strassburg, erschien er als Lothringischer Gesandter. — Während der Belagerung von Bretten durch Herzog Ulrich von Würtemberg im Jahre 1504 gerieth Graf Hesso mit Gottfried Wernher von Zimbern in Streit, ward Klosterfrauen in Cöln. J ) Aus der in Paris befindlichen Dagsburger Regestensammlung; Abschrift im Archiv des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg. Die Urkunde ist datiert vom 19. Eebr. seeundum stilum et modum Treveranum. V, wBESBKBSm ; ■ 3 •• w ** .«• ..a- s.. ; •••»- - 227 - von demselben im Zweikampf schwer verwundet zu Boden geschlagen, und konnte nur mit Mühe durch den Leibarzt des Herzogs gerettet und wieder hergestellt werden. Erst viel später gelang es dem Grafen Endres von Sonnenberg, Herrn Dietrich von Spetten und Herrn Conrad Dreischen, den „Widerwillen" zwischen Gottfried Wernher und dem Grafen Hesso beizulegen und beide zu versöhnen 1 ). Er starb vermuthlich 1530 (oder 1532). Seine Gemahlin war Magdalena von Grandprez, Com- 108a tesse de Dompierre, mit welcher er sich lange vor 1530 vermählt haben muss und welche 1544 noch lebte. — Er hinter- 109 liess zwei Söhne, Ludwig und Philipp, welche die von Anna d'Autel (No. 101) ihrem Gemahl Emich VII. zugebrachte Herrschaft Aspremont 2 ) dem Herzoge von Nevers schenkten und 1) Ausführlich erzählt dies die in Band 91 bis94 des literarischen Vereins zu Stuttgart enthaltene Zimmern'sche Chronik, Band II, pag. 490: „Insonderheit hat sich begeben, als Herzog Ulrich von Wiirtemberg die Stadt Bretten belagert — anno domiui 1504 — ist Herr Gottfriedt Wernher von Zimbern mit Graf Hessen von Leiningen etlicher speireden zu unfriden worden, darauss gevolgt, das sie über ainandern gezuckt (das Schwert gezückt). Also ist durch Schickung des glucks die sach also gerathen, das Herr Gottfried Wernhern ein streich der- massen angangen, das er graf Hessen zu boden geschlagen. Dieweil er aber gar hart darzu in das haupt verwundt, also das menigclichen achten thette, er wurde mit dem Loben nit darvon kommen, hat Herr Gottfridt Wernher sich in die flucht begeben muessen, derhalben er zu Dieterich Spetten, auch Conradten Dreusehen, die baide hernach den ritterstandt erlangt, in ir zeit geflohen. Hernach ist Graf Hess wiewol beschwerlichen, iedoch mit grossem Meisse und mueh des herzogen leibarzeten und Chirurgen bei dem leben erhalten woiden. Die Chronik fügt hinzu, dass er bald nach geschehener Aussöhnung gestorben sei. 2 ) Die Herren v. Nevers verkauften diese Herrschaft an Lothringen, und durch die Herzöge Carl und Heinrich kam dieselbe an Leiningen zurück. In dem Pariser Staatsarchiv befinden sich zahlreiche Urkunden (im Departement des Manuscripts, und zwar in der Collection Lorraine, Band 889 bis 844. In dieser Sammlung erscheinen die Grafen Leiningen zuerst 1574 und 1613, und zwar bezieht sich 15* — .228 - im vermählt starben; feiner eine an einen Herrn von Longue- 110a v: *^ 0 ve ™ählte Tochter, von der jedoch, ausser ihrer Verhei- rathung, nichts bekannt ist. Die beiden Söhne kommen nur bis kurz nach der. Mitte des sechszehnten Jahrhunderts vor, und zwar Ludwig als Herr von Orrnes und einem andern Theilc des Erbes, und Philipp als Graf von Aspremont. (Das Schloss gleichen Namens wurde 1545 während des Krieges zerstört 1 ). darauf „une lettre d'une quarte, et l'autre de moitie des terres et Seigneurie d'Aspremont, dounees aux Comtes de Linange par Charles et Henry Ducs de Lorraine." Weiterhin werden wir sehen, wie die Herrschaft Aspremont von dem Hause Leiningen abkam. ') Calmet, Hist. de Lorraine III. 1. Emich VIII. Gleich seinem Vater führte auch Graf Emich VIII. durch seine Händel mit dem Kurfürsten von der Pfalz und Andern für seine Grafschaft schwere Verluste herbei; gleich jenem, scheint auch er ein unruhigerLHerr gewesen zu sein. Schon weiter oben ist der im Hause übliche Gebrauch erwähnt, den ältesten Söhnen und Nachfolgern, um sie schon zeitig an die Regierung und Verwaltung zu gewöhnen, bereits bei Lebzeiten des Vaters einige Güter zur selbständigen Führung und Nutzung zu überweisen. So liess Emich VII. auch seinem Sohne Emich im Jahre 1482 die Lehen der Abtei Limburg 1 ) und 1484 die Mainzer Lehen übertragen. Dieser heisst daher in einer Verschreibung der Gemeinde Herxheim an die Kirche zu Dürkheim 14.S7 noch „Junker Emich zu Lyningen und zu Dagespurg" 2 ); in einer dem Dechant und Capitel U. L. Frau zu Worms am Donnerstag nach dem h. Jahrestag 1494 ausgestellten Verschreibung von 50 Fl. rheinisch. Gülte gegen 1000 Goldgulden, nebst dem zu mehrerer Sicherheit des Oapitals hinzugefügten Versatz des Dorfes Erpolzheim, nennt er sich selbst Graf Emich „den Jungen" 3 ). ') Urkundeu der Dürkheimer Kirche, Fascic. J. Kr. 32. -) Fürstlich Leiningensches Archiv zu Amorbauh, — 2B0 — Im Jahre 1489, am Michaelis tage, verkaufte Georg Wecker von Leiningen-Rixingen (der mit seinem Bruder Hanne mann getheilt hatte) nebst seiner Gemahlin Maha an seinen Vetter Emich VIII. seine Antheile an den Burgen und Städten Rixingen, Mauersmünster, Geroldseck, Mörsberg und Saareck mit allem Zubehör für 20000 Goldgulden, jedoch unter der Bedingung, dass diese Güter nie von den Leinmger Stammgütern getrennt werden dürften 1 ). Ueberhaupt scheint man damals ernstlicher als je bestrebt gewesen zu sein, die Stammlande wieder zu einem Ganzen zu vereinigen: ein Bestreben, welches sich auch schon bei der Theilung der Erbschaft Emichs VI. zwischen Emich VII. und seinen Brüdern Schafried und Bernhard deutlich erkennen lässt. Der (durch den Verlust von Gutenburg und Brumat allerdings geschmälerte) Antheil Schafrieds war nach 1 dessen kinderlosem Tode'seinem Bruder Emich ohnehin schon wieder zugefallen, und zu Worms, Dornstag nach Oculi, 1495, vier Tage nach Emichs VII. Tode, übergab nun auch Graf Bernhard gegen eine jährliche Leibrente alle seine Besitzthümer seinem Neffen Emich VIII. als erb- und eigen, nämlich zwei Drittel von Grevenstein 2 ), dann seine Theile an Lindelbronn, Dagsburg und Frankenstein nebst allen dazu gehörigen Dörfern und Ländereien. In diesem Jahre nahm Emich VIII. mit seinen Brüdern an dem von Maximilian I. berufenen Reichstage Theil, auf welchem der ewige Landfrieden beschlossen und gegen die Uebertreter zahlreiche schwere Strafen verhängt wurden, und zwar sollte über solche Fälle das zu diesem Zweck neu eingesetzte Reichskammergericht entscheiden. Wirklich erwies dieser Landfrieden sich als segensreich, wenn auch immer 1 ) Die Kaufsumme wurde bar erlegt. 2 ) l* as fehlende Drittel gehörte Emich bereits zu, so dass er nun allo drei Drittel besass. - 281 — noch Fehden vorkamen und einzelne besonders kampflustige Herren sich hervorthaten. Zu diesen letzteren Dynasten gehörte Graf Emich VIII. Zunächst musste auf das Begehren seiner Brüder zu einer Theilung geschritten werden^ welche denn auch durch Schiedsmänner dahin festgesetzt wurde, dass Emich VIII. die schon vom Vaterihm gegebenen Besitzungen (die Limburger und dieMainzer Lehen) behielt, alles Uebrige aber in zwei Theile getrennt würde, wovon Graf Emich VIII. den einen Theil bekommen, der andere aber unter die Geschwister vertheilt werden sollte (Donnerstag nach Apollonientag 1501). Nach des Bruders Friedrich! kinderlosem Hinsterben fielen dessen Güter bald wieder an das Haus; überhaupt kamen die bedeutendsten andern Stücke dieses zweiten Theiles später an das Haus zurück. Wie schon angedeutet, gehörte Emich VIII., gleich seinem Vater, zu den unruhigen Geistern, denn trotz des Landfriedens hatte er fortwährend Zwistigkeiten und oft recht schlimme Fehden. Namentlich war es wieder die Pfalz, welche allerdings n seinem Hause schon viel Uebles, zugefügt hatte, gegen die der Groll in ihm nie erlosch, da er ihr nicht verzeihen konnte, dass unter pfälzischem Beistande die Hessoischen Lehen seinem Stamme entrissen waren. Er erweiterte und befestigte daher seine Burgen, besonders die ohnehin starke Hartenburg, und baute statt der älteren 1460 zerstörten Burg in Kl. Bockenheim eine neue Feste, welche er die „Emichsburc" benannte 1 ). Da begann 1504 der bayrische Krieg sich auch nach dem Rheine hin zu ziehen; über Kurfürst Philipp ward die Reichsacht ausgesprochen, und die Fürsten und Grafen, welchen allen, namentlich durch Kurfürst Friedrich, viel Schaden zugefügt ') Von welcher heute noch Stallungen und andere gewölbte Parterreräumlichkeiten — auch ein reizend stilisirtes Einfahrtsthor - erhalten sind. — 232 — worden war 1 , fanden sich sofort zur Vollziehung der Acht bereit. Trotz der Bitten und Versprechungen von pfälzischer Seite nahm auch Graf Emich VIII. hieran Theil und schickte am 28. Juni 1504 an den Kurfürsten Philipp einen förmlichen Absage- und Fehdebrief 1 ). Der Kurfürst hatte früher Kallstadt, Ungstein, Pfeffingen, Hassloch, Böhl, Ugelnheim, Gudenberg mit allem Zubehör innebehalten und Graf Emich erhielt während der ganzen elf Jahre, die er ihm diente, trotz aller Mahnungen dieselben nicht zurück. Nun aber sandte er dem Kurfürsten jenen ausführlichen, drohenden Absagebrief 2 ), der dem Letztern am 2. Juli (Mariä Heimsuchung) in Heidelberg übergeben wurde. Emich zählt darin alle seinem Hause zugefügten Nachtheile auf und setzt hinzu, er sei des elf Jahre langen vergeblichen Wartens überdrüssig geworden. Zugleich sagte er 1504 dem Abte von Limburg seine Lehnspflicht auf 3 ) und sehloss sich dem Landgrafen von Hessen an, sandte auch der Stadt Nürnberg an 70 wohlgerüstete Reiter zu Hülfe. Der Landgraf Wilhelm verheerte das pfälzische Gebiet und die Bergstrasse 4 ), und auch Emichs VIII. Zug liess rauchende Trümmer hinter sich, sodass ihm damals der unrühmliche Titel eines „Brandmeisters" beigelegt wurde 5 ). In diese Zeit fällt auch die durch Graf Emichs Söldner bewirkte Zerstörung der schönen Abtei Limburg bei Dürkheim a. d. IL, deren Abte der Graf die Fehde vorher angekündigt hatte. Kurfürst Philipp hatte in die Abtei eine Besatzung von 400 Mann zu deren Schutze gelegt, während deren Anwpsen- ') Hone, Zeitschrift für Gesch. des Oberrheins XXVL p. 137 bis '264, unter den „Vorbereitungen zum Bayrischen Erbfolgekriege." 2 ) Der interessante Brief ist in der „Zeitschrift für Oberrhein" (s. d. vorige Note) vollständig abgedruckt. 3 ) Datum vnder vnserm vffgedruckten Secret Dinstags nach Kilian, 1504. 0 Trithem. Chron. Hirsaug. II. 613. ä ) Bernh. Hertzog, Chron. Alsat. IL 163. lieit die Bibliothek und andere Werthstücke nach Speyer gebracht wurden. Am 29. Aug. 1504, Nachts 11 Uhr wurden die 400 Mann abberufen, worauf sich die Mönche entschlossen, ebenfalls abzuziehen; bei Tagesanbruch verhessen sie ihr herrliches Heim und zogen zu ihrem kranken Abte nach Speyer. Kürze Zeit darauf erstiegen die Besatzung der Hartenburg und Dürkheimer Bauern die Limburg, plünderten Ahes aus, und zum Schlüsse warfen die rohen Knechte Feuer in die Gebäude, das 12 Tage lang in's Land leuchtete und Alles in Ruinen verwandelte. Die 1505 vom Abt Machar vorgebrachte Beschwerde hatte keinen Erfolg, da Graf Emich sowohl nachwies, dass er keinen Befehl zur Zerstörung des Klosters gegeben habe, als auch, dass dies ohne sein Wissen und Willen geschehen sei, da er um diese Zeit in Grevenstein krank darniedergelegen habe. Jedoch fügte er hinzu, man könne die Brandstifter immerhin entschuldigen, da, sie kein Gotteshaus, sondern eine Räuberhöhle) zerstört hätten, indem die Mönche die grössten Ausschweifungen und. Schändlichkeiten begangen hätten 1 ). Eine hierhergehörende Geschichte erzählt die Zimmern'sche Chronik (I. 346): „Er kam ainsmals geen Speir in ain banket. Man sagt under and er m, wie er (Graf Emich VIII.) noch ain gueter altgleubiger und ain caÄolicus were, so war aber der alt Adam von Gerstein zugegen, war ain wunderbarlicher fatzmann und seiner freien reden nit unmilt, der sprucht: Ja er ist noch altgleubig, aber ain closter darf er an Himel henken. Der graf erschraek darob, und fiengen die andern gest andere materias uf die pan zu pringen." Auch der bekannte Abt Tritheim (Trithemius), der sich zu Gunsten Limburgs bei dem Kaiser verwandt hatte, machte auf der Rückreise von diesem Bekanntschaft mit dem Leininger. l ) Joh. Trith. Ghrön. Hirs. II. 628 lind 629. Jahr. 1505, - 284 - Er ward von Graf Emichs Söldnern im Kloster Soebach bei Dürkheim a. d. H. am Trinitatisfeste 1506 um 11 Uhr früh nebst seinen Begleitern gefangen genommen, jedoch am Abende desselben Tages wieder freigelassen 1 ). Uebrigens schien nun doch die Rachlust des Grafen Emich allmälig ihren Höhepunkt überschritten zu haben und im Abnehmen begriffen zu sein, zumal da sich die Folgen seines Verhaltens fühlbar zu machen begannen. Die Abtei Limburg verlangte Entschädigung (die Verhandlungen zogen sich 8 Jahre lang hin 2 ); dagegen kam schon am 13. März (vf Freytag nach Reminiscere) 1506, durch Schiedsspruch eine Art Vergleich mit der Pfalz zu Stande, worin der Pfalzgraf sich verpflichtete, dem Grafen Emich die ihm abgenommenen 5 Dörfer Bechtheim, Mettenheim, Guntersblum, Ilversheim und. Dolgesheim zurückzugeben 3 ) (vf Montag nach vincula Petri). Bald nachher gab der Pfalzgraf auch alles dasjenige zurück, was er von den leiningenschen Gütern sonst noch in Besitz genommen und behalten hatte 4 ), und in demselben Jahre ward Graf Emich endlich auch mit den lange erstrebten pfälzischen Lehen, zumal mit der Grafschaft Leiningen (mit Ausnahme der Hesso'- schen Mannslehen) feierlich belehnt, und zwar als der Aelteste zugleich mit für seine Brüder 5 ). Er hatte nun erreicht, was er erstrebt hatte, und hätte zufrieden sein können, aber sein unruhiger Geist liess ihn nicht dazu kommen, das Errungene in Frieden zu geniessen, sondern trieb ihn in neue Wirren. Das Erste war, dass er schon gleich ') Bs erhellt dies aus einem vom 18. Juni 1506 datierten, an den Markgrafen gerichteten Briefe. z ) Trithem. Ohron. Hirsaug. H. 628 und 629; . Biinig, Spicil. Saec. I. 415. 3 ) Lünig, Reichsarch. XXII. 415. 4 ) Wuermbs, Sambstags nach Judiea 1506. 5 ) Heidelberg, uff Montag nach Vincula Petri 1506. Original im Münchener Staatsarchiv. - 285 - nachher Ansprüche auf die Wormser Lehen erhob (namentlich die Hälfte der Burg und Stadt Neuleiningen), doch gelang es ihm nicht, in den Wiederbesitz derselben zu kommen 1 ). Dagegen gelangte ein anderer Theil der Familiengüter wieder in seine Hand, indem sein Bruder Siegbot (oder Sigmund) 1507 2 ) die bei der Theilung ihm zugewiesenen ererbten Güter feierlich gegen eine jährliche Rente und dem Sitz in Dürkheim an -Emich gab. Die beim Brande der Limburg eingeäscherte dortige Familiengruft ward 1508 in die Dürkheimer Pfarrkirche (heutige Johannis- oder Schlosskirche) verlegt, wohin die Heberreste der Ahnen verbracht nnd woselbst die nächsten Glieder der Har- tenburger Linie beigesetzt wurden. Nachdem Graf Emich 1509 vom neuen Kurfürsten Ludwig mit den pfälzischen Lehen beliehen war, schloss er auf Sanct Michael mit den Unterthanen aus 22 leiningenschen Dörfern, welche der Residenz Hartenburg sämmtlich Hand- und Spannfronen leisten und die Wachen daselbst mit versehen mussten, auf zwei Jahre einen Vertrag, wonach jene, statt der lästigen Fronen, jährlich eine bestimmte Summe zahlen wollten. Auch mit Mainz kam er in Ordnung; der dortige Erz- bischof erklärte ausdrücklich, dass er an Leiningen keine Ansprüche mehr habe, und hätte sich der Graf nun ruhig der Aufbesserung und Pflege seiner Besitzungen widmen und ohne Sorge leben können, aber auch jetzt liess sein kriegerischer Sinn ihn keine Ruhe finden. Als Kaiser Max I. dem Könige Ludwig XII. von Frankreich den Krieg erklärt hatte, hielt sich Graf Emich zu letzterm 3 ), und wenn er sich auch bald mit 1 ) Spier, vff s. Peterstag ad vincula. 2 ) Dornckheim ahm Mittwoch nach d. Sonntag Oculi. •') Nach einem Briefe der Kiiegsverordneten zu Metz an den Stadtrath zu Strassburg über die Anwerbung laufender Knechte in Lothringen (d. d. 15. Juli 1512) sollten die beiden Grafen von Thierstein (Solothurn) Heinrich und Oswald, - 286 — demselben überwarf und sich auf seine lothringenschen Besitzungen zurückgezogen hatte, so war doch inzwischen vom Kaiser Max die Reichsacht über Graf Emieh ausgesprochen 1 ) und die Vollziehung derselben 1512 dem Pfalzgrafen Ludwig VI. aufgetragen, dem dafür im Voraus die leiningenschen Güter Böhl, Hassloch und Igelheim zugesichert wurden. In wie grossem Ansehen" aber Graf Emich VIII. stand und wie bedeutend sein Einfluss und seine Macht war, ergiebt sich daraus", dass der Kaiser fast alle Reichsstände gegen ihn aufbotr So fiel denn auch Alles über ihn her. Der Kurfürst von der Pfalz nahm zuerst die eigentliche Grafschaft Leiningen, Herzog Alexander von Zweibrücken besetzte die Herrschaften Liridel- bronn und Falkenburg, der Bischof von Strassburg die Grafschaft Dagsburg, der Graf von Nassau nahm Frankenstein, und Herzog Ulrich von Würtemberg die Burg Grevenstein. Alle Hessen sich huldigen, zogen die Gefälle ein und es war somit der ganze leiningen'schen Besitz in fremden Händen; ja, es fielen sogar Graf Emichs Kinder in die Gewalt des Pfalzgrafen; das Einzige, was gerettet ward, war die leiningensche Hauptfeste Hartenburg. Auch sie war indess bereits von Seiten der Pfälzer belagert; doch wurde sie durch Frauenlist gerettet; die edle Gemahlin Emichs, Agnes von Eppstein erbat sich, zur Uebergabe aufgefordert, eine Frist, von einigen Tagen; sie und die beiden Grafen zu Lyniugen (Emieh VIII. und Ho.sso), nebst zwei Andern. 8000 oder 9000 Fussknechte für den König von Frankreich aufbringen, um in die Bretagne und Picardie zu ziehen und „sullent die musteren ufi mittwoch nest konmient zu Chaulmont in Bässigney." ') Der Achtbrief des Kaisers Max gegen Graf Emich wegen verbotener Kriegsdienste in Frankreich erschien 1512 gedruckt in Cöln. Das Mandat des Kaisers vom 11. Sept. 1512 zu Cöln befindet sich im Münchener Staatsarchiv; ein geschriebenes Exemplar und zwei andere, gedruckt am 10. und 11. Sept., alle mit Siegeln, werden im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg aufbewahrt. — 287 — wollte die Feste nimmermehr dem Pfalzgrafen ausliefern und sandte heimlich an den Herzog von Wiirtemberg nach Grevenstein, den sie bitten liess, Besitz von der Hartenburg zu ergreifen; sie hegte die Ueberzeugung, die Burg von demselben später wieder zurück zu erhalten, was auch gelang, und so war die Belagerung des Pfälzers vergebens 1 ), Während dem hielt Graf Emich sich theils in Ormes, theils in dem zur Abtei Weissenburg gehörigen Schlosse St. Bernard auf; er hatte Alles verloren und nichts war ihm geblieben, als die Hartenburg und seine Gemahlin. Vergeblich bot er Alles auf, sich bei dem Kaiser zu rechtfertigen; hatte er doch am kaiserlichen Hofe in Graf Philipp zu Leiningen-Westerburg einen gefährlichen Gegner und so zog er nun unstät umher. Ja, er ging sogar mit der Absicht um, in der Schweiz das Bürgerrecht zu gewinnen, bis endlich die wegen seines Zuzuges nach Frankreich vom Kaiser Max über ihn verhängte Reichsacht im Jahre 1518 aufgehoben und dabei zugleich eine Uebereinkunft zwischen Pfalz und Leiningen errichtet wurde, wonach der Kurfürst nun statt eines Drittels der Dörfer Hassloch, Igelheim und Böhl die Hälfte derselben sammt der Jagd im Hasslocher Walde als Entschädigung bekommen solle, die gefangen gehaltenen Kinder des Grafen aber diesem zurückgeben und einem der Söhne die pfälzischen Lehen ertheilen müsse. Schon vorher, im Jahre 1509, während die Waffen geruht hatten, und eine Zeit lang Frieden herrschte, hatte Pfalzgral Ludwig den Grafen Emich und dessen Bruder mit dem Schloss Falkenstein nebst Zubehör belehnt, ferner mit der Fischerei zu Niedernheim, mit dem Burgstadel zu Rudolfzheim und 60 Malter Weizen auf den Dörfern Bisselheim, Gessesheim, und ') Lehmann, urkundl. Gesell, S. 207. 238 - Kindenheim; ferner mit den Dörfern Kallstadt, Ungstein, Pfeffingen, Eussweiler, den Renten von Dürkheim, und den Unterthanen von Erpolzheim, Dürkheim, Renchen, Asselheim, Herksheim, Lützelstadt, Wissenheim, Karlbach, Gr. und KL- Bockenlieim, Kindenheim, Molsheim, Kolgenstein, Heidesheim, Bissesheim, Guntersblum, Bechtheim, Ulmesheim, Dolgesheim, Mettenheim und Moltersheim, wie die Vorältern dies zu Lehen gehabt. Es war dabei festgesetzt, dass die Nachfolger diese Lehen jedesmal wieder bestätigen lassen sollten. Diese Bestätigung ward dann, nach dem Friedensschluss, auch Graf Emich zu Theil und so kam er nach einem sechsjährigen Nothstande wieder in den Besitz seiner Familie und seiner Güter. Statt aber nun sich der Verwaltung dieser, wenn auch etwas zerrütteten, doch immer noch sehr ansehnlichen Besitzungen zu widmen, fing er, kaum begnadigt, mit dem Pfalzgrafen Ludwig VI. neue Zwistigkeiten an, musste sich aber, auf specieilen kaiserlichen Befehl 1 ), mit demselben zu Speyer vertragen. Persönlich aber in Speyer zu erscheinen, litt sein Groll nicht; er sandte seine beiden Söhne Emich und Engelhard, und so wurde denn am 6. Febr. 1519 zu Speyer der Streit mit Kurpfalz einstweilen beigelegt, doch allem Anschein nach nicht völlig, da am 20. Nov. 1521 neue Verhandlungen gepflogen werden mussten. Nicht lange nachher baten seine beiden ältesten Söhne Emich und Engelhard, ihnen, wie es in der Familie herkömmlich, einige Güter zu eigner Verwaltung zu übertragen. Es fand zu dem Zweck auch im Jahre 1519 eine Verhandlung zwischen dem Bischöfe Wilhelm von Strassburg mit dem 1 ) Erkss des Kaisers Max an Pfalzeraf Ludwig, seinen Schwager, vom Jahre 1518; Kegesten der Dagsburger Urkunden zu Paris, Abschrift im Archive des Grafen K. E. zu Leiningon-Westerburg. Auch unter den von Strassburg nach München ausgetauschten, nach Speyer überführteu Urkunden. - 239 — Grafen Emich VIII. und seinen Söhnen statt, in ■welcher die leinin genschen Schlösser Hardenburg, Frank enstein,-Grevenstein, Falkenburg, Lindelbronn, Dagsburg etc. namentlich aufgeführt werden. Graf Emich konnte sich dem Begehren der Söhne nicht entziehen und gab ihnen Hartenburg und Frankenstein mit allen Dörfern. Grevenstein war der Mutter als Witthum zugeschrieben; Falkenburg, Lindelbronn und Dagsburg mit allen Dörfern und Nutzungen aber behielt er selbst, doch mussten seine Söhne zur Unterhaltung dieser Festungen ihm jährlich 748 Gulden erlegen und sich verpflichten, ihre Schwestern in Klöstern oder ehelich zu versorgen. Eine mit der Pfalz neu eingetretene Irrung scheint nicht von grossem Belang gewesen zu sein; sie wurde vom Kaiser Max 1518 vermittelt und noch in demselben Jahre stellte sich zwischen beiden Thoilen ein friedliches Verhältniss 1 ) her. Während der Dauer der Reichsacht Emichs waren viele Unterthanen in die Pfalz übergesiedelt; dafür versprach der pfälzer Kurfürst ihm eine Entschädigung von 6500 Gulden, und dem Vertrage von 1518 gemäss wurde Emich der Jüngere (IX.) von Pfalzgraf Ludwig VI. im Jahre 1522 für sich und seine Brüder mit den pfälzischen Lehen beliehen (Lünig Reichsarchiv XXII. 416). Trotz aller schlimmen Erfahrungen aber, und wohl wegen der erlittenen Verluste gereizt, konnte Emich auch jetzt noch nicht zum Stillsitzen gelangen. Seine erste Waffenthat nach dieser Ruhe galt freilich nicht dem Wiedergewinn verlorener Besitzungen; er überfiel im Jahre 1523 nahe der Dagsburg Metzer Kaufleute, nahm ihnen ihre werthvollen Waaren, erschlug ihre Knechte und brachte den Raub nebst zwei gefangenen Söldnern nach der Dagsburg. Carl V. gebot die Freilassung der Gefangenen, und als der Graf sich um dieses Gebot nicht kümmerte ') Urkunde im Filialarchive ■ zu Speyer. — 240 und die Gefangenen nicht entliess, verfiel er abermals in die Iieichsacht. und hatte viel Elend zu erleiden, bis er endlich im Jahre 1525 wieder von der Acht losgesprochen wurde 1 ). Um zu zeigen, wie schlecht es i hm während seiner Acht ergehe, wusste er es, um Kaiser M i: zu rühren, so einzurichten, dass man ihn einmal sitzen sali, „wie er mit Fleiss seine Hosen geflickt"; und wirklich förderte dies seine Angelegenheit so, dass der Kaiser die Acht aufhob und ihm seine Besitzungen zurückgab 2 ). Die natürliche Folge aller diesen Fehden, Kriegszüge, Bussen und Verluste war, dass die Grafschaft schweren Schaden litt, und so beschlossen denn seine 5 Söhne im Jahre 1529: „Zur Aufrichtung der in merklichen Verfall gekommenen Grafschaft" solle nur der Aelteste unter ihnen sich vermählen, damit die Besitzungen nicht noch mehr zerstückelt würden; die Andern verpflichten sich, „nimmer heirathen zu wollen alle lebenslang", ausgenommen, wenn die Ehe des Aeltesten kinderlos bliebe; dann müsste sich einer der Andern vermählen. ') Eine hübsob^Episnde befindet sich in Dr. 0. Waltz' flersheimer Chronik, zur Gesch. des 15. u. 16. Jahrhunderts (Leipzig 1874) pag. 60: „Als zu Kaiser Mathias Zeiten Eranz von Sickingen ein meil wegs nahe bei Insbruch war, zogen ime über 30 pferdt von gräven und herrn, unnder denen horr Dietterich Spetli auch war, enntgogen, ritten also gehn Inspruckh ein. Da kamen anudere graven und herrn zu ime in die Herberig, auch Graf Emich von Leiuingen, so dessmals in Ungnaden der Pfalz war. Gleichbaldt schickht herr Niclaus Ziegler, den Franntz vor sein höchsten feind acht, ein lägel (Fass) voll Wittbacher, schenkht im denselben mit erbietbung, wo er ime schmecket, mehr zu schicken. Dabey stundt Graf Emich von Loiningen und sagt: „Franntz, wilt Du von dem wein trinken, Du weisst wol, wie Dich herr Niclaus gemeint, ich treiinckho in nit, tue Du, was Du wilt!" Also hiess im Franntz ein vergulte scheuer (Becher) bringen, Hess die vol Witbachers, bracht sie Graf Emichen. Der Graf Emich sagt: „Das thette ich nit!" also tranckh Franntz die scheur aus, dem thatt Graf Emich bescheidt und wardt dieser lagel Wittbacher in einer halben stundt ausgetrunckhen." -) Zimmern'sche Chronik, litten Ver. Stuttgart, I. 345. — 241 — Schon im Jahre 1533 errichteten Emich VIII. (der Aeitere) und seine Gemahlin Agnes ein gemeinsames Testament, das sie durch das geistliche Gericht in Speyer besiegeln und verwahren Hessen. Darin war festgesetzt: — Ueberlebt er seine Gemahlin, so behält er die Schlösser üagsburg, Falkenburg, Lindelbronn und Grevenstein auf Lebenszeit; überlebt aber Agnes ihren Gemahl, so erhält sie Grevenstein und residiert in ihrem Hause Zabern, bis Grevenstein wieder fertig aufgebaut ist. Von den Kindern erben die 5 Söhne alle Leiningenschen Besitzungen gleichheitlich, dürfen aber nichts von den Stammgütern veräussern; Emich und Engelhard erhalten Dagsburg und die. Vogtei über Hessen, Johann Heinrich, für den geistlichen Stand bestimmt, wird ausgestattet, bekommt aber nichts von den liegenden Gütern, die Lehen soll aber stets nur der älteste empfangen 1 ). Von da an scheint Emich VIII. sein Leben wirklich in Ruhe hingebracht zu haben. Er bemühte sich jetzt eifrig, Ordnung in seine Angelegenheiten zu bringen und widmete sich ernstlich der Verwaltung und Wiederherstellung seiner Besitzungen, bis ihn am 18. Febr. 1535 in Speyer der Tod abrief 2 ). Er ward in der neuen Familiengruft zu Dürkheim beigesetzt, wo sein Grabstein noch steht. Seine Gemahlin war Agnes, die Tochter Gottfrieds Herrn \\% zu Eppenstein und Minzenberg, für welche 1512 das Witthum p Dagsburger Regesten im Archiv des Grafen IL E. zu Lein.-Westerburg. -) In der Zimmern'sehen Chronik I. 345 findet sich Nachstehendos von Graf Emich verzeichnet: „Er hat bei (vor) '2en jaren dorn churfürsten bei Rhein, pfalz- graf Ludwigen bei der handt und bei Schelmen schelten verheissen, er wolt noch 4 jar loben, aber er konnts nit halten; so wolt der churfurst nit zu ihm, das er ihn wellte schelten; so kunte Doctor Matthis dem grafen das leben longer nit erretten. Seine söne werden seines absterbens bericht, da kamen sie mit vil pferden gcen Speir, den gleich zu holen" u. s. w. B rinokmeior, Lciniegen. 16 — 242 — auf Grevenstein verschrieben wurde. Sie starb am 28. Juli 1533, zwei Jahre vor ihrem Gemahl, dem sie 7 Söhne und 6 Töchter schenkte. 113 1. Apollonia, Klosterfrau (Jahre und Kloster sind unbekannt 1 ). 114 2. Margaretha, seit 1525 Nonne, verzichtete 1525 auf Alles, „dieweil die Graffschafft Lyningen dermassen in abnemen kommen, das wir geswusterget vns alle dauon nit erhalten mögen vnd' gut vnd billich ist, das wir einander zu wieder- uffbringung derselbigen endwichen" 2 ). 115 3. Barbara, seit 1522 Klosterfrau in Boppard. Auch sie entsagte 1525 allem väterlichen und mütterlichen Erbe zu Gunsten ihrer Brüder Emich und Engelhard 3 ). Die Abtei erhielt 1522 von der Familie 210 Goldgulden. Sie wurde 1547 zur Aebtissin erwählt und starb 27. Februar 1576; ihr Grabstein ist jetzt noch im ehemal. Kloster Marienberg zu Boppard erhalten. 116 4. Anna, wird 1521 Nonne und verzichtet gleichzeitig auf jedes Erbe 4 ), wird aber von ihren Brüdern mit einer Geldrente ausgestattet. 117 5. Georg, von welchem sich vermuthen lässt, dass er unvermählt starb. 125 6. Emich, geb. 1498, als Emich IX. der Nachfolger seines V aters. 118 7. Engelhard 5 ), geboren 1499, war 1530 mit dem Bischöfe Wilhelm von Strassburg auf dem Reichstage zu Augsburg, hielt es überhaupt mit diesem Bischöfe, und stand bei einem ') In ^agelgans Nassau. Geschlecktstafeln ist die Appollonia, Tochter Emicks VIII., irrthümlich als Gemahlin Philipps v. Nassau aufgeführt. '') Lehmann, Urkundl. Gesch., S. 216. 3 ) Dagsburger Eegestcn im Archive des Grafen IL E. zu Leim-Westerburg *) Ebendaselbst. D S. die Ahnenprobe unter Emich IX. (Nr. 125). Kampfe desselben gegen den Grafen Wilhelm von Fürstenberg neben dem Bischöfe „mit ufgezogener Büchsen" (Zimmernsche Chronik III. pag. 18). Er trieb am Hofe viel Unfug, denn der alte Erzbischof hatte bei seiner Erziehung ihm Alles nachgesehen, sodass ihm weder der Bischof, noch sonst Jemand, entgegentreten durfte. (Daselbst III. 570). Es heisst von ihm in der Zimmernschen Chronik, dass „er viel maisterleskeit am hof trieb" (III. 570) und dass „von seiner karkheit und anderer wunderbar Ii eher Händel, die er bei seinen Tagen gehabt, ain sonderer tractat zu machen wäre, dann er ain geschwinder lei gewesen" u. s. w. (III. 571). Er hatte eine Pfründe in Trier erhalten, gab sie aber auf, theilte 1536 mit seinen Brüdern und erhielt dabei auf Lebenszeit die Grafschaft Dagsburg. Im Jahre 1528 kommt er mit seinem Bruder Emicli in einem Briefe vor, in welchem Beide 10 II. jährliche Gülte zu Weissenheim am Berge an einen Bürger von Worms um 200 fl. verkaufen 1 ), und in einer von ihm 1544 ausgestellten Urkunde über die Verpachtung der Spitalgüter zu Dürkheim heisst es: „Wir Engelhart, graue zu Lyningen vnnd Dagspurgk, herr zu Appermont, furmunder der Wolgepornen Hanss Philippen vnd Emichs gebrüder Junggrafen zu Lyningen" 9 ) In das Jahr 1545 fällt eine Verhandlung zwischen Graf Engelhard und dem Joh. Jacob v. Rathenhausen in Bezug auf den Dinghof zu Trahenheim 3 ). — Als Graf Engelhardt sich bei Kaiser Karl \ . darüber beklagte, dass die Juden zum Schaden der gräflichen Unterthanen fiechen Wucher trieben, ertheilte der Kaiser am 26. Octob. 1548 i) Sonntag Vocem jueunditatis 1528. Repertor. d. Dürkheimer Kirche Fase. II. nr. 02. -) Geben Hartenberg vff Montag nach Vocem jueuaditatis 1544, im Report. Eccl. Dürkheim. Fase. HI. nr. 109. s) Aus den im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Westerb. befindlichen Dapsburger Regesten. 16* — 244 — dem Grafen einen Freibrief, wonach künftig kein Jude oder Jüdin den leiningenschen Unterthanen auf liegende Güter etwas leihen noch von denselben etwas ertauschen oder erkaufen dürfe. (Liünigs Reichsarch. XXII. 423). Er starb, unvermählt, plötzlich zu Bacharach am 5. Mai 1553, wo er bei einer (zur Beilegung der Zwistigkeiten zwischen dem Herzoge von Jülich und dem Erzbischofe von Cöln angesetzten) Zusammenkunft des Kurfürsten von der Pfalz mit dem Erzbischofe von Trier zugegen war, und ward in Dürkheim beigesetzt 1 ). — Schon in früher Jugend hatte ihn ein besonderes Missgeschick'betroffen. Als um 1509 oder 1510 Graf Emich VIII. und seine Söhne einmal auf der Dagsburg zu Tisch sassen, schlug der Blitz in das Zimmer und schleuderte alle Anwesenden zu Boden. Doch erholten sie sich wieder, nur Graf Engelhard war so schwer getroffen, dass er sein Leben lang hinkte. Die Zimmernsche Chronik sagt: „Dem Grave Engeihart ab,er dem behenget das wetter den ainen schenke! oder huffen, das er alle tage seines lebens hank, jedoch verquantet (-verkleidete) ers so gut als möglich und macht vorn frembden leuten ain besslin darauf, das menigelich sein lachen muss." (III. 186). 119 8. Ludwig, geb. 1500, theilte 1536 mit seinen Brüdern und erhielt (gemeinsam mit Christoph und Hans Heinrich) Falkenburg und Lindelbol mit allem Zubehör auf Lebenszeit, liess sich aber 1539 hierfür mit Geld- und Natur algefällen abfinden. Im Jahre 1550 kaufte er von Kurpfalz das Schloss Friedelsheim bei Dürkheim nebst zugehörigen Gütern und die Hälfte der Dörfer Göllheim und Weidenthal, und starb 1558 q In Hub. Thomae Annal. de vita ill. Principis Friderici Bleetoris Palatini libri XIV (Lips. et Prancof. 1624) pag. 289 wird sein Tod auf folgende drastische Weise erzählt: „Erat adsoitus principi Comes Engelhardus a Leiningen, qui Laden- burgi (in prandio apud Episeopuni Wormatiensen — 1553) plus aequo virio in- dulgens — incidit in gravem plourisin, qua quinto die moriebatur, cadavcrque domum evectum est." - 245 - auf einer Jagd (und zwar, wie allgemein geglaubt wurde, absichtlich durch einen Grafen von Nassau erschossen). 9. Philippa 1 ), geb. 1504, starb am 16. Febr. 1554. Im ^ Jahre 1526 vermählte sie sich mit Georg Freiherrn von Crie- chingen zu Püttlingen und bekam eine Mitgift von 2000 Gold- gulden, welche auf die Salinen von Dieuze verschrieben und O ) 1539 bezahlt wurden 2 ), während der Gemahl ihr Witthum auf Schlöss und Dorf Bar verlegte 3 ). 10. Philipp, geboren 1505, starb 1529. *21 11. Christoph, theilte 1536 mit seinen Brüdern und er- 122 hielt dabei (gemeinsam mit Johann Heinrich und Ludwig) Falkenburg und Lindelbronn nebst Zubehör auf Lebenszeit; im Jahre 1539, bei der spätem Theilung, erhielt er'Falkenburg für sich allein und starb im folgenden Jahre (1540), worauf dann zwischen Emieh, Engelhard, Ludwig und Johann Heinrich eine Theilung seines Erbes stattfand; Falkenburg und eine Meierei in Bergzabern erhielt Emieh 4 ). 12. Katharina Appollonia, welche bis 1571 vor- '2° kommt, und zwar mitunter nur mit dem Namen Apollonia allein 5 ), aber nicht mit ihrer Schwester Apollonia, der erstgeborenen Tochter Emichs, verwechselt werden darf. Sie war zweimal vermählt, — a. mit Graf Philipp II. von Nassau- Saarbrück, laut Ehevertrag vom Jahre 1537 6 ), worin sie nur mit Geld, nicht mit liegenden Gütern ausgestattet wird. Die Aussteuer betrug 7000 Gulden und Philipp quittierte im ') S. d. Ahnenprobo unter Emieh IX. (Nr. 125). -) Dagsburger Regesten aus Paris. s ) Ebendaselbst. 4 ) Ebendaselbst. 5 ) In den obengenannten Dagsburger Auszügen (im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Wcsterb.) wird ihr Name sogar durchgängig „Appolina'" geschrieben, 6 ) In den Dagsburger Urkunden in Paris — 246 Jahre 1539 über den Empfang von 1000 Gulden von der Mitgift seiner Frau, bescheinigte auch noch in demselben Jahre den Empfang der ganzen Summe 1 ), nachdem er schon 1538 den Grafen Emich und Engelhard eine Empfangsbescheinigung über 4000 von der Mitgift erhaltene Gulden ausgestellt hatte 2 ). Graf Philipp war am 25. Jutf 1509 geboren, vermählte sich am 1. Juli 1537 und starb am 19. Juni 1554. Er setzte seiner Gemahlin ein ansehnliches Leibgedinge aus, das 1543 bestätigt und um 500 Gulden erhöht wurde. Im Jahre 1538 verzichteten Katharina Apollonia und ihr Gemahl auf das Erbe des Vaters der Erstem. — b. Mit Johann Jakob Grafen zu Eberstein, welcher am 20. Juni 1517 geboren war, 1557 heira- thete und am 8. März 1574 starb. 124 13. Johann (Hans) Heinrich 3 ) Graf von Leiningen-Dags- burg und Aspremont, seit 1529 im geistlichen Stande, ward Domherr in Trier und erhielt bei der Theilung mit seinen Brüdern gemeinsam mit Ludwig und Christoph die Falkenburg und Lindelbronn, bei der späteren Theilung letzteres für sich allein. Im Jahre 1545, wurden ihm die Pfarrei Eisweiler und Walhalben, sowie Rlieinheim übergeben. Statt Albersweiler solle er jährlich 10 Ohm Wein haben, musste aber die Fässer dazu in Dürkheim liefern. Im Jahre 1553 wird er als Vormund der minderjährigen Söhne Emichs IX.: Johann Philipp und Emich, deren Oheim väterlicherseits er war, bestätigt, empfängt 1554 von Kaiser Carl V. die Zusicherung, dass er ihn in seinen Schutz nehme, und dass seine Unterthanen nirgend anderswo belangt werden sollten, ist mit Pfalzgraf Friedrich, der am 21. October eintrifft, bei der Kaiserwahl zugegen 4 ), ') Ebendaselbst. 2 ) Ebendaselbst. >') S. d. Ahnenprobe unter Emich IX. (Nr. 125). 4 ) Bernh. Hertzog, Elsäss. Chron. II. 208. - 247 - wird noch 1576 von dem Bischof Johann -von Strassburg mit Dagsburg und allem Zubehör an Dörfern, Unterthanen, Wäldern und Gewässern, Ländereien, Renten und der Hälfte von Wiegersheim belehnt 1 ) und stirbt 1579/ Aus dem Jahre 1568 existiert noch ein Schreiben von ihm an seine Schwester Katharina Apollonia, Gräfin von Eberstein (s. unter Nr. 123) wegen eines Prozesses mit Nassau 2 ). Auch besiegelt er am 24. Nov. 1573 mit Andern die Urkunde über die Ahnen des Grafen Eberhard von Manderscheid 3 ), ') Dagsburger Regesten zu Paris, Abschrift im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg. -) Friedelsheim, Freitag nach Michaelis. Das Original (auf Papier) bofindet sich in demselben Archive. :i ) Fahne, Gesch. der Grafen, jetzt Fürsten v. Salm-Reifferscheid, II, 291 nr. 403. Emicli IX. Im Jahre 1530 finden wir ihn zunächst als „Edelknaben" König Ferdinands auf dem Reichstage zn Augsburg- dann, wie schon weiter oben bemerkt, musste er, nebst seinem Bruder Engelhard, im Namen seines Vaters sich Martini 1534 vor dem Kurfürsten Ludwig VI. mit dem Abte von Limburg vertragen 1 ). Zahlreiche Käufe und Verkäufe wurden von ihm vorgenommen, die meist freilich von keiner besondern Bedeutung waren, so dass deren Aufführung überflüssig ist. Nach dem Tode des Vaters wurden die Brüder in Bezug auf die Theilung des Erbes uneinig, und zwar so sehr, dass der Kurfürst Ludwig von der Pfalz sich in das Mittel legen musste; er brachte es im Jahre 1536 dahin, die streitenden Brüder Emich IX., Engelhard, Ludwig, Christoph und Hans Heinrich von Leiningen zu einer sogenannten „Mutscharung" zu einigen, wobei der frühere Vertrag von 1529 zu Grunde gelegt wurde, dass nur der Aelteste sich vermählen solle, die Jüngern in ihren Besitzungen nichts verkaufen oder verpfänden dürften, damit allmählig Alles wieder zum Ganzen käme; auch sollte der Aelteste überall die Erbhuldigung und die ') Würdtwein, Monast. palat. I. 168. — 249 — Lehen entgegen nehmen 1 ). In demselben Jahre (1536) trafen die Gebrüder auch eine Verabredung über die in ihrem Gebiete gelegenen Minen und Bergwerke 2 ). Die Grafschaft Aspremont ward bei der Theilung nicht mit benannt, weil sie damals noch im eignen Besitze Hesso's, des jüngsten Bruders Emichs VIII., war, doch einigten sich über die beweglichen Güter Emich und Engelhard gleichfalls im Jahre 1536 3 ). Uebrigens ergiebt sich aus sämmtlichen Vorkommnissen, dass trotz aller Verluste und schweren Ausgaben der Familien- reichthum noch immer ein ausserordentlich grosser war. So konnten die Leininger 1536 dem Herzoge Anton von Lothringen die Summe von 10,000 rhein. Goldgulden (gegen 6 Proeent Zinsen) vorstrecken (die späterhin zurückgezahlt wurden 4 ). Nachdem Emich IX. erst noch am 20. Mai 1540 vom Kaiser Carl V. einen besonderen Schutzbrief erhalten hatte, starb er am 10. Januar 1541 in der Blüthe seiner Jahre, und ward zu Dürkheim (wo noch jetzt sein Grabstein befindlich ist) beigesetzt. Seine Gemahlin war Katharina, Tochter des Grafen 126 Johann Ludwig zu Nassau-Saarbrück und der Gräfin Katharina von Mörs-Saarwerden. Sie ward geboren am 11. November 1517, vermählt am 17. Juli 1537 und starb 1553, überlebte ') Die zu solchem Zweck angestellte Abnenprobe lautet in Fahne, Gesch. der Grafen von Salm etc. 1 Bd. JI. Abth. p. 53: Emich VH., Grf. v. Leiu. etc. Anna v. Aspermont, Gfr.v.Eppenstein Walburgis Tochter Huberts Holt zu Dietz Wild.-u.Rheingrf. Emich VIII., Gl', zu Lein.-Dagsburg. Agnes von Eppenstein 1. Emich IX., der Junge, 1526. — 2. Eugelhard. — 3. Philippa. — 4. Hans Heinrich. 2 ) Dagsburger Regosteu zu Paris; Abschrift im Archiv des Grafen Karl Emich zu Leiningen-Westerburg. s ) Daselbst. 4 ) Lehmann Urkundl, Gesch. S. 220. - 250 - also ihren Gemahl um eine Reihe vun Jahren. Als Aussteuer brachte sie ihm 4000 Gulden mit; ihr Witthum wurde, mit pfälzischer Genehmigung, auf Hassloch, Böhl und Igelheim verlegt, ihren Sitz erhielt sie in dem Hofe zu Dürkheim, und stellte am 10. Februar 1538 den üblichen Verzicht auf die nassauischen Güter aus 1 ). Aus dieser Ehe stammten zwei Söhne und eine Tochter: 152 1. Johann Philipp, geboren am Weihnachtstage 1538, gestorben am 8. (oder 11. ?) September 1562, der Stifter der Linie Leiningen-Dagsburg-Hartenburg. 127 2. Margaretha, geboren 1539, unvermählt bereits jung gestorben. 166 3. Emich X., geboren 1540, gestorben 1593, der Stifter der Linie Leiningen-Dagsburg-Falkenburg. Beide Söhne standen unter der 1541 von Kaiser Carl V. bestätigten Vormundschaft ihres Oheims Engelhard. Nach dessen Tode hätte die Vormundschaft auf seinen Bruder Ludwig als den nunmehrigen Aeltesten, übergehen müssen; da dieser sie aber wegen seiner Gebrechlichkeit ablehnte, so wurde der jüngste Oheim der Söhne, Johann (Hans) Heinrich, ihr Vormund und als solcher vom Kaiser Carl V. bestätigt. 0 Lünig, Reichsarchiv XXIJ. 416. MWßil Die Linie Leiningen-Rixingeii von Jofrieds Tode 1344 bis 1506 (oder 1507), begründet durch Jofrieds ältesten Sohn Fritzmann (Friedrich). Friedrich (Fritzmann, Fricemaim). Von seinem Vater erhielt er aus dem Nachlasse der Mutter die Rietburg und die drei Orte Weiler, Fisehlingen und Schifferstadt; sodann bei der Theilung mit seinen Brüdern 1345 die halben Herrschaften Bolanden und Frankenstein mit allem Zubehör, sammt der Burg Wildenstein und einem Drittel von der halben Grafschaft Dagsburg, sowie von der Burg, der Stadt und dem Lande Ormes. In den Besitz seines Antlieils an der Burg Bolanden trat er 1348, als Otto II. von Bolanden und seine Brüder Philipp und Conrad ihm ihr halbes Haus zu Bolanden (das Neue Schloss) für 100 Pfund Heller verpfändeten. Fritzmann versprach ihnen durch einen Revers, während der Dauer der Pfandschaft den Burgfrieden zu Bolanden zu halten und die Wiederlösung zu gestatten. Diese Feste Bolanden nun verpfänden 1362 Fritzmann und Gottfried, C anonicus zu Speyer, an Stephan von Einselthum. In einem zweiten Pfandbriefe von 1362 verpfänden sie eben demselben, ihren Antheil an der Herrschaft Bolanden in Nutzungen und Gefällen, und im selben Jahre nochmals ihren Tlreil an der Burg und dem darunter hegenden Thale 1 ). Diese Pfandschaften wurden in der Folge wieder abgelöst. Eine Regierungshandlung von ihm datiert vom 26. August 1345, wo er seinem Manne Anselm von Direnstein dessen Lehengut zu Heppenheim zu eigen giebt, so dass er dasselbe verkaufen kann 2 ). Ein anderes Document ist am 1. Febr. 1348 ausgestellt, „am Fritage vor u. frawen tage kertzenweihe"; er bestätigt darin die Privilegien der Deutschherren des Hauses zu „Oberfleursheim". Das Todesjahr des Grafen Fritzmann ist nicht bekannt. Seine Gemahlin war Johanna, die einzige Tochter und Erbin des letzten Grafen vonRixingen aus dem Hause Wörth (Werden), welche sich um 1310 mit ihm vermählte und ihm die Herrschaft Rixingen im Elsass an der Grenze Lothringens zubrachte. Fritzmann stiftete die Linie Leiningen-Rixingen, deren Glieder sich „Grafen von Leiningen, Herren zu Rixingen", nannten. Einige alte leiningensche Genealogisten (auch die Schliessl, Einreden etc. p. 50) sind der Ansicht, die Herrschaft Rixingen sei bereits vor Fritzmann im Besitz des Hauses Leiningen gewesen ; sie war bis dahin aber thatsächlich Eigenthum eines besonderen Zweiges des elsässischen Geschlechts von Werden, welches bis in das 14. Jahrhundert davon den Namen führte, und zwar gründete die gräflich Rixingen'sche Linie der Graf Dietrich von Werden, jüngster Sohn Siegeberts, Landgrafen im Elsass 3 ). Folglich war erst Fritzmann derjenige, welcher ') Original mit Siegel im Münchener Stadtarchiv. -) A. Köllner, Gesch. der Herrschaft Kirchheim-Bolanden u. Stauf (Wiesbaden 1854) pag. 222 u. 223. 3 ) Schoepflin, Als. dipl. I'. 385, in einer Urkunde von 1241: — „Theodo- ricus comes de Ruckesingen filius quondam comitis Sigeberti bpne memorie.' 1 - 253 - Rixingen an Leiningen brachte. Uebrigens war die Herrschaft schon 1291 getheilt worden in Rixingcn und Forbach; der letzte Graf von Rixingen gab dieses seiner Tochter mit, und von da an findet sich Rixingen bei dem Hause Leiningen 1 ). Fritzmann hinterliess nur einen einzigen Sohn Gottfried, 130 der die Linie fortpflanzte. ') Bin Viertel von Rixingen kam 1525 an Barbara, Tochter HannemaDns von Dliun, ein anderes Viertel bekam Philipp, der Sohn Emiohs. — Barbara verkaufte 1525 ihr Viertel an Graf Philipp II. von Leiningen-Westerburg, "wodurch ltixiugen zwischen Leiningen-Westerburg, Oberstein und Reipolzkirchen in eine Gemeinschaft kam. Diese währte bis 1593, wo Graf Ludwig zu Leiningen-Westerburg (der Sohn jenes Grafen Philipp) den Oberstoin'schen vierten Theil und für 71000 Gulden die Reipolzkirchen'sche Hälfte kaufte, und somit die ganze Herrschaft Rixingen an sein Haus Leiningen-Westerburg brachte. Sie blieb bei dem Hause bis 1605, wo dieselbe Graf Ahlefeldt kaufte, der sie auf seine einzige Tochter Christiane (die Gemahlin Friedrich Ludwigs von Nassau-Ottweiler) und diese an ihre 4 Töchter vererbte, welche die Herrschaft an den Prinzen von Guise verkauften. SSM 130 Gottfried (Jofried), Graf von Leiningen-Rixingen, scheint, gleich seinem Vater, nicht häufig in die Oeffentlichkeit getreten zu sein, doch sind wenigstens zwei grosse Fehden von ihm bekannt. Die erste derselben führte er mit den Rittern Johannes dem Alten und dem Jungen von Deidesheim, welche in einer Urkunde von 1375 wegen der in Jofrieds Kerker erduldeten Gefangenschaft der Rache entsagten und Urfehde gelobten 1 ). Die zAveite Fehde bestand er, gleichfalls siegreich, mit den Herren von Greiffenstein, Avas aus einer Urkunde hervorgeht, in Avelcher 1379 Hessemann von Griffenstein sich gegen Graf Gottfried von Leiningen-Rixingen verbindlich macht, dasjenige, Avas er in dessen Fehde mit seinen (Hessemanns) Vettern, den Brüdern Eberlin und Petermann von Greiffenstein erduldet, an dem Grafen Jofried nicht rächen zu Avollen, indem sie mit einander gesühnt seien 2 ). Er starb 1380, was daraus zu schliessen ist, dass sein Sohn in diesem Jahre schon selbstständige Regierungshandlungen vornimmt. 131 Seine Gemahlin war Margaretha (Tochter des Markgrafen Friedrich III. von Baden und der Margaretha, einer ') Dinstag nach Maria Geburt 1375. (Original, Pergament, deutsch, mit Siegel, im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg). -) Michaelistag 1379. Original auf Pergament, deutsch, mit £ beschädigten und einem gut erhaltenen Siegel, in demselben Archive. Tochter des Markgrafen Rudolph V. von Baden zu Pforzheim), mit welcher er sich 1361 vermählte. Aus dieser Ehe stammten zwei Söhne: 1. Johann (Hans), der Nachfolger seines Vaters, und 132 2. Friedrich, welcher 1397 als Domherr zu Cöln vor- 132b kommt 1 ). Johann (Hans), 132 Graf Jofrieds ältester Sohn. Bei ihm bieten sich die Nachrichten über sein Leben und Thun etwas reichlicher dar. Er kommt bereits 1380 als selbstständiger Regent vor, in welchem Jahre er mit Graf Emich VII. von Leiningen einen Burgfrieden für Dagsburg schliesst 2 ). Am 7. August 1402 verpflichtet er sich dem Herzoge Ludwig von Orleans, ihm für ein Jahrgeld von 200 Francs 3 ) gegen Alle zu dienen. Vom Jahre 1410 datiert ein merkwürdiges Schriftstück, welches eine Art Verzeihung für Graf Johann enthält, der sich gegen Martini des genannten Jahres mit 100 oder 120 Leuten in die Stadt St. Urbain im Amtsbezirk Chaumont gelegt, den Leuten dos Königs ein Gefecht geliefert, mehrere Gefangene nach Deutschland mitgenommen und verschiedene Häuser in der Stadt, obgleich sie unter königlichem Schutze standen, in Brand gesteckt hatte 4 ). Im Jahre 1414 verkauft er an Graf Philipp von Nassau- Saarbrüek in Gemeinschaft mit Graf Emich VI. von Leiningen 1 ) Schöepflin, Alsat. illustr. II. 618, in dem Lützelstein'schen Geschlechts- register. 2 ) Aus der im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg befindlichen Abschrift der Dagsburgcr Regesten der Pariser Nationalbibliothek. ;1 ) „Pro et mediante summa ducentorum franoorum annue pensionis." Aus denselben Acten. 4 ) Das Aktenstück befindet sich unter den Dagsburger Regesten der Pariser Nationalbi'diothek; Abschrift im Archive des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg. - 256 — und dessen Hausfrau Elsa (Elisabeth) das Schloss Frankenstein, den Antheil an Dorf Hochspeyer und an Dörfern Albisheim auf der Pryrnen, Rudersheim, Monsheim und Urbes mit Zubehör 1 ), und unter dem 26. April 1416 bekennen Graf Hans von Leiningen, Graf von Rückesingen, und Elise von Lützelstein, seine eheliche Hausfrau, den Grafen Emich von Leiningen und Herrn Dietrich von Inseltheim ihr Schloss Frankenstein mit allen Dörfern und Gericht, mit Namen das Dorf Frankenstein, Amrkauft und aufgetragen zu haben 5 ). Von 1416 datiert gleichfalls der Lehnsrevers Johanns für den Bisehof Conrad zu Metz über Rixingen und Molsberg, Morss- miinster und die zwei Geroldsecke 3 ). Bereits im Jahre 1430, am Osterabend (15. April), hatte Graf Hans seinen Sohn Rudolf in seinen, an Dagsburg ihm zustehenden Theil eingesetzt, weshalb derselbe mit seinen Vettern, Friedrich und Emich von Leiningen, als Mitinhabern von Dagsburg, den Burgfrieden daselbst beschwur 4 ), und im Jahre 1435 errichtet der Bischof Wilhelm von Strassburg eine Rachtung zwischen dem Grafen Hansen von Leiningen-Rixingen und dessen Sohne Rudolf und zwischen mehreren Elsässer Rittern und Edlen 6 ); die zu Frankenstein und Bolanden gehörigen Lehngüter aber verkaufte er 1438 an Emich AH. allein. 0 Ad. "Köllner, Gesch., der Herrschaften Kirchheim-Bolanden und Stauff. p. 185. -) Daselbst pag. 203. Das pergamentene Original dieser Urkunde ist im Germanischen National-Museum zu Nürnberg. a J „Off den nehsten sonnendag nach sant margredentage." Original im Archive zu Metz (in beglaubigtem Auszuge im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg). 4 ) Fürstliches Archiv zu Amorbuch. 5 ) „Uff Sonnentag als man singet Letare in dem iare 1435." Original (Pergament, deutsch, ohne Siegel) im Archiv des Grafen K. E'. zu Leim-Westerburg. — 257 - Vermählt war Graf Johann mit Elisabeth, Tochter des 138 Grafen Heinrich Ann Lützelstein 1 ). Dass Graf Johann schon vor 1391 mit ihr vermählt war, erhellt daraus, weil er in einer Urkunde von diesem Jahre als des Grafen Heinrich von Lützelstein Schwiegersohn vorkommt 3 ). In einer andern Urkunde desselben Jahres sucht ihm sein Schwiegervater die Strass- burgischen Lehen zu verschaffen. Jedenfalls aber erwarb Graf Johann nach seines Schwagers Friedrich Tode 1404 vom Kaiser Ruprecht die Belehnung mit den Reichslehen desselben, die Aveite Entfernung der Grafschaft Lützelstein aber hinderte ihn, dem Bruder seines Schwiegervaters, Burchard, zuvorzukommen, der den Antheil seines Bruders an der Lützelstein'schen Grafschaft an sich riss. Graf Johann erhielt durch einen Vergleich nur die Herrschaften Gerbeviller und Morimont, die ihm eigentlich schon seine Gemahlin zugebracht hatte. Graf Johann von Leiningen-Rixingen muss schon in oder vor dem Jahre 1430 gestorben sein, da in diesem Jahre seine Söhne über ihre Herrschaften bereits frei verfügen, was doch bei Lebzeiten des Vaters nicht geschehen konnte, selbst dann nicht, wenn sie etwa dieselben schon selbständig zu verwalten gehabt hätten. Seiner Ehe mit Elisabeth v. Lützelstein entsprossen 5 Söhne und 1 Tochter: 1. Hanne mann 1., der indess schon vor 1453 kinderlos starb. 134 2. Friedrich, Graf von Leiningen, Herr zu Rixingen, 135 Domherr, war Scholaster zu Strassburg 3 ). ') Der Graf von Lützelstein hatte ausser dieser Tochter nur einen Sohn, Friedrich, der aber ohne Erben schon bald nach dem Vater starb und die Lützel- stein'sche Linie beschloss, so dass das Erbe auf Elisabeth überging. Siehe auch Schoepflin. Als, illustr. II. 1318. 2 ) Kremer, Dipl. Beiträge p. 173, :1 ) Bernh. Hertzog, Chron. IV. 114: „Domherr Friedrich, Graf v. Leiningen, Herr zu Kixingen, war Scholaster unter dem 77. Strassburger Bischof, Herzog Huprecht von Bayern, erwählt 1430." Brinckmeier, Leiningen. 1' 3. Rudolf, welcher dem Vater folgte und die Linie fortsetzte. 4. Wecker, kommt 1430 vor. 5. Johann II., kommt vor von 1430 bis 1442. Dasein Vater Johann 1430 schon todt war, so kann nur er derjenige Graf Johann von Leiningen-Rixingen sein, welcher seinen Neffen Emich im Jahre 1438 das Recht des Erstgebornen abtritt, die Lehen des Hauses zu empfangen und sie in Afterlehen zu geben (er zählt dabei 4 Ritter und 29 Edle auf; die übrigen wären seinem Gedächtniss entfallen). Gleich dem Landgrafen Hesso zu Leiningen erhielt auch ein Graf Hans von Leiningen bei der Krönung Kaiser Friedrichs III. 1452 den Ritterschlag auf der Tiberbrücke zu Rom. Es ist wahrscheinlich, dass es dieser Graf Johann H. war 1 ). 6. Walburga, vermählt mit Johann V., dem letzten Grafen von Sponheim, Herrn zu Starkenburg und Kreuznach, der bereits seit 1402 vorkommt, sich vor 1419 mit Walburga vermählte und am 25. October 1437 starb. Beide bekennen am 10. Aug. 1431, dass sie dem Claus von Rüdesheim, Schöffen zu Creuznach, 150 Gulden jährlicher Gülte vom Weinungeid diese Stadt, unter Verbürgung 3 ) der Gemeinde, verkauft haben. Als Wittwe kommt Walburga 1443 vor, wo sie den Verkauf der Herrschaft Bolanden genehmigt, den der Graf Johann, ihr Vater, an seine Söhne gemacht hatte 3 ). Schon vorher 1438 hatte sie dem Ritter Johann vom Stein und dessen Nachkommen die ihnen von ihrem verstorbenen Gemahl verliehenen ') Sarn. "Will. Oetter's Wappenbelustigung IV. pag. 141 und Freiherr v. Hoheneck, Geneal. u. hist. Beschreibung des Herrn u. Bitterstands. III. S. 134. ') Aus den in der Pariser Nationalbibliothek aufbewahrten Dagsburger Begesten. (Abschrift im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg). 3 ) Walpurg hing ihr Siegel daran. Aus Ingelheimer Urtheilsbüchern mitgeteilt von Hugo Loersch in dem Archiv für Hessische Geschichte u. Alterth. XV. 259. — 259 — Güter bestätigt 1 ). In dem schon erwähnten Liber animaruM findet sich über ihr Anniversarium folgendes: — „XV. Kai. Sept. Anniversarium: Johann V. v. Sponheim und Frau Wal- purga von Linningen siner Husfrawe, und ire beyden Eltern sei. Gedechtnisse hant besetzt 20 Fl. und soll man daz Jar- gezit began allwegen uff Sonntag vor Lamparti mit Vigilien und Selen-Messen zu ewigen Tagen, und sint die 20 Gulden kommen ad fabricam." — Der Nachfolger des Vaters war der dritte Sohn: Rudolf, 139 Graf von Leiningen, Herr zu Rixingen und Forbach. Auch von - diesem Grafen sind nur wenige Lebensäusserungen auf uns gekommen, welche überdies nur auf Privatangelegenheiten sich beziehen, aber zum Theil durch ihre Datierungsweise interessant sind. So datiert Graf Rudolf einen Bericht an den Bellis (bailli) zu Nancy: „Geben off Samstag nach unser lieben Frauentag der lichtmesse 1457, more me- tensi." Es war dies der 2. Februar, und da um jene Zeit in Metz das Jahr mit dem 25. März begann, so ist die Jahreszahl nacli unsrer Zeitrechnung 1458; das Jahr 1457 hatte mit dem 25. März begonnen und währte bis zum 25. März 1458. Wenn also die Anwort des betr. Amtmanns vom Sonntag vor S. Johannstag 1458 datiert ist, so stimmt die Jahreszahl mit der unsrigen, und die Antwort des Amtmanns erfolgte dann etwa 3 Monate nach der Anfrage. Er würde seine Herrschaft auch schwerlich fast anderthalb Jahre auf die Antwort haben warten lassen. Ferneres Beispiel: — Graf Rudolf bessert den Jahrgehalt des Pfarrers Adolf von Rixingen zu Berg etc. mit einem Theile des Zehnten eines Ortes (Name unleserlich) Freitag nach ') Geben uff Sonntag nest vor Symonis et Juda Apostolorum A. D. 1438. 17* — 260 140 141 147 S. Vincentiustag 1467 more metensi; da das Jahr mit dem 25. März begann, so war dies nach unsere Zeitrechnung der 12. Juli 1468. Graf Rudolf vermählte sich am 15. Juli 1435 mit Agnes (Tochter des Grafen Hannemannt'von Zweibrücken-Bitsch und der Gräfin Imagina von Oettingen), und starb 1473, (oder anfangs 1474, da im letztgenannten Jahre sein Sohn Hannemann vom Bischof Georg von Metz bereits die Lehen Rixingen und Mo- rimont, Molsberg und Geroldseck empfing,' welche er selbst 1460 vom nämlichen Bischöfe besessen hatte 1 ). Aus dieser Ehe stammten 5 Söhne und 3 Töchter: 1. Friedrich, welcher 1452 als Domherr zu Strassburg und 1455 auch als Domherr zu Trier vorkommt 3 ). 2. Hannemann II., succedierte dem Vater. ') Original im Metzer Archiv: „Samstag vor sant Mychahelz dag 1460." 5 ) Im Jahre 1455 bezeugen Bischof Conrad zu Metz und Erzbischof Jacob von Trier die väterlichen und mütterlichen Ahnen des Grafen Friedrich, v. Lei- ningen-Bixingen behufs Aufnahme in das Capitel zu Trier folgendormassen : Gottfried, Margarethe Heinrich, Henriette, Hannem. I. Elsa, Friedrich. Euphemia Gf.v. Lein.- Markgraf. Graf von Fürstin v. Gf. v. Zwei- Gräfin v. Graf von Gräfin von Rixingen. v. Baden. Lützelst. Bar. br.-Bitsch. Leiningen. Oetting. Münsterh. Johann. Elsa, Hannemann H„ Imagina, Graf v. Leiningen. Graf. v. Lützelstein. Gf. v. Zweibr.-Bitsch. Graf. v. Oettingen. Rudolf, Graf v. Leiningen-Rixingen. Graf. v. Zweibrücken-Bitsch. Friedrich, Graf zu Leiningen, Domherr zu Strassburg. Dieselbe Ahnenprobe ist auch für Friedrichs Brüder und Schwestern gültig. S. Lucas Caroli, Leiningensche Familienchronik, pag. 49 u. 5ß, bzw. 100 bis 102 (im Archiv des Grafen W. C. zu Lein.-Billigheim, Abschrift im Archiv des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg,) und Fahne, Gesch. der Grafen u. Fürsten zu Salm- Reifferscheidt (Cöln 1866), Band I. Abth. II. pag 53. - 261 — 3. Sigmund Wecker, folgte zugleich mit seinem Bruder, 150 starb aber noch vor demselben. 4. Heinrich, den wir 1459 als Domherr zu Strassburg 142 finden. 5. Johann, gleichfalls Domherr zu Strassburg, kommt 143 1468 auch als Probst zu St. Guido in Speyer vor. 6. Elisabeth, von welcher nur der Name bekannt ist. 144 7. Margaretha. Sie erhielt von ihrem Bruder Hanne- 145 mann 1499 einen Theil der Herrschaft Rixingen. 8. Euphemia, nur dem Namen nach bekannt. 146 Der nächste Nachfolger des Vaters war: I 147 Hanne m a n n II. Nach der officiellen Stammtafel des mediatisirten Hauses Leiningen kommt dieser Graf von 1495 bis 1506 vor. Allem Anschein nach aber linden wir ihn schon viel früher, und zwar bereits zu einer Zeit, wo sein Vater noch lebte. Am 2. April 1453 belehnt Jacob von Sirk, Erzbischof von Trier, nach Absterben Johanns, des letzten Grafen von Homburg im Westrich, den Grafen Hannemann von Leiningen und Rixingen, Herrn zu Forbach und dessen mit Adelheid von Sirk erzeugte Nachkommenschaft mit Burg und Herrschaft Homburg, und im Jahre 1455, Sonntag nach Pauli Bekehrung, erlässt derselbe Bischof eine Erbfolgeordnung 1 ) für die beiden Töchter seines Bruders (Arnold von Sirk), nämlich: Aieid, Ehefrau des Junggrafen Hannemann von Leiningen-Rixingen und Elsa von ') Die beiden Oheime derselben, Jacob, Erzhischof v. Trier, u. Philipp v. Sirk, Herr zu Montabaur und Dompropst zu Trier, hatten in einer Mutscharung wegen ihres einstigon Erbgutes die Bestimmung getroffen, dass nach ihrer Brüder Tode der Margaretha von Sirk, verwittweten Gräfin zu Salm, für die Erbschaft als Entschädigung 3000 Gulden ausbezahlt werden sollten, welche Schuldigkeit auf Hannemann fiel. Da er aber augenblicklich nicht das Geld besass, so verschrieb er seiner Schwägerin diese Summe auf Stadt, Schloss und Burg zu Sirk mit allem Zubehör, bis er jene Summe abgetragen hätte. (Mittwoch nest nach sante Vytz und Modestj tag 1496. Original im Archive zu Metz, beglaubigter Auszug im Archive des Grafen K. E zu Lein.-Westerburg). Mit den Metzer Lehen war Graf Hannemann, laut Lehenrevers, bereits 1487 belehnt. - 268 - Sirk, Ehefrau des Grafen Gerhard von Sayn, in Bezug auf den Nachlass seines andern Bruders Philipp von Sirk, Herrn zu „Moncklair" und Forbach. Es kann sich dies auf keinen andern Hannemann beziehen, da Hannemann I. schon vor 1453 gestorben war, Hannemanns II. Gemahlin aber die obige Adelheid von Sirk war, und um diese Zeit überhaupt kein anderer Hannemann bekannt ist. Die Urkunde wurde, wie schon die Bezeichnung „Junggraf" andeutet, ausgestellt, bevor Hannemann zur Nachfolge gelangte, und aus der Urkunde selbst erhellt, dass er, trotz seiner Jugend, bereits mit Adelheid von Sirk verheirathet war. — Nach einem andern urkundlichen Zeugnisse war er auch 1488 thätig. Es ist dies ein Notariatsinstrument, worin der bei der Verhandlung anwesende „Graf Hannemann von Lyningen, Graue zu Rixingen und Herr zu Ffurbach" bezeugt, dass Walther Empfingen, der zu einer bestimmten Zeit vor dem Rathe zu Freiburg hatte erscheinen sollen, damals mit ihm in Kriegsgeschäften in den Niederlanden, also im Dienste des Kaisers, gewesen sei 1 ). In dem Kampfe des Pfalzgrafen Friedrich gegen den Bischof von Metz soll er in Gefangenschaft gerathen sein 3 ). Indess gewährt die Math. v. Kemnat'sche Chronik keine sichere Bürgschaft zumal in diesem Falle, wo kaum anzunehmen ist, dass er an einer Fehde gegen seinen Lehnsherrn theilgenommen habe. Urkundlich gewiss ist dagegen, dass die Brüder Hannemann und Siegmund Wecker, da das Kloster Hessen bei Dagsburg im Kriege gänzlich verwüstet war, dem Bischöfe Georg von Metz erlaubten, dieses Kloster nach der Augustinerabtei bei Altleiningen zu verlegen, und ihren Schutz versprechen unter der Bedingung, dass die Nonnen sein und seiner \ or- fahren Gedächtniss feiern. Uebrigens ist dies ein Beleg, dass das Kloster Hessen zur Metzer Diöcese gehörte. i) Original mit Unterschrift und Siegel im Stadtarchive zu Freiburg i. Br. 3 ) Math. v. Kemnat Chron. III. 238. Graf Hannemann II. starb im Jahre 1506 (oder 1507) und hinterliess nur zwei Töchter: 1. Elisabeth. Sie erbte von ihrer Mutter die Hälfte der Grafschaft Forbach und brachte dieselbe auf ihre Söhne, welche von ihrem Grossvater Hannemann II. noch etwa ein Viertel der Herrschaft Rixingen erbten. Ihr Gemahl war Emich von Daun, Herr zu Oberstein, mit welchem sie sich um 1506 vermählte. 2. Walburg. Von ihrer Mutter erbte sie die andere Hälfte der Grafschaft Forbach und brachte dieselbe ebenfalls auf ihre Söhne, welche dann, gleich ihren Vettern, den Söhnen ihrer Tante Elisabeth, von ihrem Grossvater Hannemann IL auch ihrerseits ein Viertel von Rixingen erbten. Gräfin Walburg war vermählt mit Johannes von Hohenfels (Eberhard's II. Sohn), Herrn zu Reipolzkirchen (welcher 1450 geboren war und 1501 starb). Ihre Kinder waren: a. Johann (Hannemann), welcher Reipolzkirchen erbte. b. Wolfgang, Herr zu Rixingen und Forbach. c. Walburga d. Barbara e. Irmgard Sigmund Wecker. Er suecediert zugleich mit seinem Bruder Hannemann. Bis chof Georg von Metz belehnte ihn mit Stadt, Schloss und Vorburg zu Rucksingen (dem Metzer Lehen) am Dinstag nach dem Marcustage 1483 a ). In demselben Jahre war er mit dem Bischöfe von Strassburg auf der Fastnachtsfeier in Offenburg 3 ). 0 Köllnor, Gesch. der Herrschaften Kirchheim-Bolanden und Stauf pag. 431. 2 ) Original im Metzer Archive, in beglaubigtem Auszuge im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg. Ä ) Mono, Zeitschr. für Gesch. des Oberrheins, XVI. pag. 264. nr. 3. - 265 - Einige Jahre später, im Jahre 1489, verkaufte er seine Antheile an den Metzer Lehen, den Burgen und Städten Rixingen, Maursmünster, Geroldseck, Molsberg und Saareck mit allen Dörfern und Zubehör an seinen Vetter Emieh VIII. von Leiningen. Er war mit einer Gräfin Massa (oder Maha) 151 von Armoises vermählt und starb 1498 (oder 1499), noch vor seinem Bruder Hannemann. Einige andere rixingische Güter verkaufte er 1490 an das Hochstift Metz, was zwischen ihm und seinen Geschwistern Anlass zu einem Prozesse bei dem Kammergerichte gab, der zu seinen Ungunsten entschieden wurde. Da weder sein Bruder Hannemann, noch er selbst, Söhne hinterliessen, so erlosch diese Linie wieder. Von denjenigen Theilen der Rixingischen Güter, welche die obengenannte Margaretha (s. Nr. 145) von ihrem Bruder Hannemann II. im Jahre 1499 erhielt, und von einigen anderen Besitzungen, bekamen die Herren von Daun, so wie die von Reipolzkirclien, je die Hälfte, und zwar waren dies Wirich von Daun, Herr zu Oherstein, und Wolf von Hohenfels, Herr zu Reipolzkirclien, welche diese rixinger Lehen vom Cardinal von Lothringen und Bischof zu Metz am 10. Januar 1519 empfingen 1 ). ') Die Urkunde ist ausgestellt zu „Lienstat am zehenden tag des monats Januari 1518 more Tullensi." Original im Metzer Präfectur-Archiv; Auszug im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg). Nach einer Urk. vom 27. Oct. (Mctis, sexto Kai. Novembr. 1255) hatte Dietrich, Herr von Ruchesingen, dem Bischof Jakob v. Metz seine Burgen Molesborg, Ruchesingen und Hebeltingen als erbliche Lohen aufgetragen, welche nach seinem Tode an seine Tochter Adelheid, die Gattin des edlen Mannes Symon v. Geroldsecke, oder deren Erben vererben sollten, die aber solche Burgen etc. stets von dem Bischöfe zu Lehen empfangen und dem Bisthum den Huldigungseid leisten mussten. (Original im Präfecturarchiv zu Metz, Auszüge im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen- Westerburg). Die Hauptlinie Leiiiingen-Dagsburg-Hartenburg. Der Stifter dieser wichtigen Hartenburger ITauptlinie war: 152 Johann Philipp I., der Sohn des Grafen Emich [X. von Leiningen-Dagsburg. Geboren am Weihnachtstage 1539, theilte er, mündig geworden, nach langen Reibereien 1560 zu Hartenburg mit seinem Bruder Emich X. (dem weiterhin aufzuführenden Stifter der Falken- burger Linie) und erhielt dabei die Hartenburg nebst dem Thale, Hausen, Grethen, den Hof Weilach, den Flecken Dürkheim, Kallstadt, Ungstein, Pfeffingen, Herxheim, Leystadt, Weissenheim, Bobenheim, Battenberg, Kleinkarlbach, Erpolzheim, Gr.- und Kl .-Bockenheim, Bechtheim, Mettenheim, den Leiningenschen Antheil an Rheindürkheim, Burg und Thal Frankenstein, die Antheile an Hochspeyer und am Morspacher Hof u. s. w. — Emich X. dagegen bekam Schloss und Amt Falkenburg, sammt dessen 4 Dörfern, dann Eischweiler, Einöd, Herschberg, Werschhausen, Horsel, Mülhausen und Reinheim; 7s der Ge- - 267 — meinschaft zu Albisheim, Morschheim, Bittersheim und Orbis, Ruchheim, Assenheim, Va der Gemeinschaft Hasloch, Böhl und Igelheim, ferner: Mülheim, Kolgenstein, Heidesheim, Kindenheim, Büdesheim, das Wäldchen am Donnersberg, Wallertheim, Ilbers- heim, Dolgesheim, Guntersblum, die Theile an Griesheim, und den Hof und die Güter in Wachenheim. Ferner wurde ausser Bestimmungen über den Zehnten und den Gültwein noch festgesetzt, dass der Aelteste die Lehen zu empfangen und die Originalbriefe in Verwahr haben solle; ausserdem sollen die Hartenburg und Dürkheim immer beim Aeltesten verbleiben. Die ältere, von Job. Philipp I. herstammende Linie nannte sich seitdem: Grafen von Leiningen-Dagsburg-Hartenburg, die jüngere von Emich X. gegründete: Grafen von Leiningen- Dagsburg-Falkenburg. Beide Linien existiren heute noch. Johann Philipp's I. Gemahlin war Anna, Tochter des 153 Grafen Johann Georg von Mansfeld in Eisleben und der Gräfin Katharina von Mansfeld); io vermählte sich mit ihm am 15. December 1560. Zugleich wurde die Eheberedung zwischen Beiden durch den Erzbisch' 1 und Kurfürsten Johann Gebhard von ( 1 öln, Grafen von Mansfeld, dem Oheim der Braut, aufgerichtet 1 ). Sie kommt in einem Begnadigungsbriefe Emichs des Jüngeren für einen Schreiber zu Hartenburg vor 3 ). Er nennt sie darin „vnsre liebe fraw mutter Anna Gräfin von Leiningen Wittwe, geb. Grävin zu Mansfeldt." Sie starb am 6. Juni 1621. Johann Philipp I. selbst starb am 8. September 1562, erlebte also nicht mehr die Freude, seinen Stammhalter zu sehen, da dieser erst zwei Monate nach des Vaters Tode geboren wurde. Es war dies: l ) Carlsruher Copialbuch No. 9. -) Geben auf Mathei des Evangelisten tag 1581, im Kepert. der Dürkheimer Kirche, Paso. IV. nr. 55, 54 Emicli XL, der Jüngere 1 ), Graf von Leiningen-Dagsburg-Hartenburg. Am 4. November 1562 geboren, kam dieser einzige Sohn der jungen Wittwe unter die Vormundschaft seines Oheims Emich X. (aus der Falkenburger Linie) und erhielt, wie durch diesen, so auch namentlich durch seine edle Mutter Anna eine ganz vorzügliche^Erziehung, welcher er durch sein ganzes Leben Ehre machte. In Gemeinschaft mit seinem Oheim und Vormund Emich X. dem Aelteren erbte er die Grafschaft Dagsburg und die Herrschaft Lindelbronn (Lindelbol), welche sein Grossoheini Hans Heinrich (starb 1595,s. unter Nr. 124) in Niessbrauch gehabt hatte. Gleich bei seiner Mündigkeit überliess er seinen Antheil an der Herrschaft Ormes (1582) an seinen bisherigen Vormund, und im Jahre 1583 übernahmen Beide wieder das Dorf Bechtheim (in der Diöcese Lüttich), wie es bisher die Leininger gehabt hatten 3 ). In demselben Jahre verlieh Bischof Eberhard von Speyer, Probst von Weissenburg, dem Grafen Emich XI. von Leiningen-Dagsburg, Herrn von Aspremont, das Patronat 9 Zum Unterschiede von seinem Vormunde Emich X. dem Ae 1 te.rn. Auch in einer Verschreibung an das Dürkheimer Spital von 1588 hiess er noch „Emicli der Jüngere." Eepert. der Dürkheimer Kirche, Fase. IV. 37. *) Aus Lehmann's Acten-N achlass in der Heidelberger Bibliothek. - 269 — über eine grosse Anzahl Kirchen, sodann 10 Fuder Wein von Dürkheim, Weinzehnten zu Meyenkammer, das Dorf Nussdorf mit Zubehör, Häuser in Armesheim, Setzlingen und Rauchspach, mit allen Rechten, die damit zusammenhingen. Späterhin, im Jahre 1602, gestattet Herzog Carl von Lothringen dem Grafen Emich und seinen Vettern, im Schloss und Gebiet Aspremont durch einen Vertreter, in Gemeinschaft mit einem Beamten des Herzogs, die Einnahmen zu erheben und die Justiz auszuüben, in Folge der am 2. Juli 1600 geschehenen Investitur mit einem Viertel der Herrschaft Aspremont, ausser demjenigen Viertel, welches die Beliehenen daselbst schon vorher besassen, die also nun die Hälfte inne hatten. Im Jahre 1597 präsentirte Emich XI. dem Rector und Dekan der Universität Heidelberg den Ludwig Gerlach als Stipendiaten für das leiningensche Stipendium in Heidelberg 1 ). Uebrigens hatte schon vor seinem Regierungsantritte die Kirchenreformation''') sich besonders in der Pfalz durch die Fürsorgefder Kurfürsten Otto Heinrich und Friedrich II immer weiter ausgebreitet. Hatte doch bereits Emich IX. die Absicht, die neue Lehre einzuführen, ward aber durch seinen frühen Tod daran gehindert. Nun aber führte sie, für seinen Mündel und Neffen, Graf Emich X. ein, that jedoch in dieser Glaubenssache den Unterthanen keinen Zwangfan, sondern überlies es dem Gewissen eines Jeden, ob er zu der neuen Lehre übertreten wolle oder nicht; diese fand aber so grossen fAnklang, ■ dass schon gegen 1574 sämmtliche Leininger Pfarreien mit 2 « evangelischen Pfarrern besetzt waren. Und von da an wurde in den ganzen Leininger Landen diese Confession die herrschende . Als ein Hauptbeförderer der Reformation (zum Theil ') Hartenburg, 27. Juli 1597. Original im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen - W esterburg. ~) 8. Lehmann, Gesch. des Hauses Leiningen, unter: Emich X. — 270 — wohl durch weltliche Gründe bewogen, um den schweren Druck, welchen die hohe Geistlichkeit ausübte^abzuschütteln) erscheint auch Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz. Unter ihm ward z. B. im Jahre 1574 die Abtei Limburg aufgehoben, die ihm so manchen Verdruss* bereitet hatte. In Bezug auf eine reiche Erbschaft, auf welche man, und zwar mit Grund, gehofft hatte, sollte dem Hause Leiningen eine bittere Enttäuschung werden. Die Grafschaft Saarwerden mit den Herrschaften Lahr und Mahlberg fiel, nach dem Erlöschen des Mannsstammes im Grafenhause Mörs-Saarwerden, im Jahre 1527 an eine Tochter Katharina, die mit dem Grafen Ludwig von Nassau-Saarbrücken vermählt war. Da nun die Söhne derselben nach einander ohne Leibeserben starben, eine Tochter Katharina aber, die an Graf Emich IX. von Leiningen vermählt war und zu Gunsten ihrer Brüder, so lange noch der Mannsstamm vorhanden sei, auf alles Erbe verzichtet hatte, zwei Söhne hinterliess, Johann Philipp I. und Emich X. (er- sterer der Stifter der Ilartenburger, letzterer der Stifter der Falkenburger Linie), so forderten diese im Jahre 1574, — (nachdem die Brüder ihrer Mutter kinderlos verstorben waren, als die einzigen noch übrigen Abkömmlinge des Geschlechts Mörs-Saarwerden und gestützt auf die durch ihre Grossmutter Katharina der weiblichen Nachkommenschaft zugesicherte Erbfolge) — die mörs-saarwerden- schen Herrschaften, welche aber die Grafen von Nassau- Weilburg, als Verwandte von Nassau-Saarbrüek, bereits in Besitz genommen hatten. Hieraus entsprang ein Prozess, welcher sich durch zwei Jahrhunderte schleppte. Der Bischof von Metz hatte die von seinem Bisthum herrührenden Lehen für erledigt gehalten und den Herzog von Lothringen damit belehnt, woraus zunächst ein Prozess zwischen diesem und den Grafen von Nassau-Weilburg entstand. Auf ihr Erbrecht sich stützend, strengten nun auch die Leiningen 1588 — 271 — eine Klage wegen ihrer Ansprüche auf Saarwerden an, worauf endlich, nach länger als 40 Jahren, im Jahre 1629 ein Haupt- urtheil erfolgte. Weil darin aber die Leiningenschen Ansprüche unentschieden gelassen waren, so begann eine neue Klage, die zwar durch den 30jährigen Krieg unterbrochen, aber 1790 vom Reichskammergerichte wieder aufgenommen und bis zum Ausbruche der französischen Revolution fortgeführt wurde, jedoch ohne allen Erfolg blieb, so dass dem Hause Leiningen dieses ihm mit Rechtirzustehende, sehr beträchtliche Erbe entgangen ist, grösstentheils durch die verrufene! SaumseligkeitMes Reichskammergerichts, welches auch diese Sache auf die „lange Bank" schob 1 ). Daneben traten unter den beiden Leininger Linien selbst fast unaufhörlich Irrungen und Streitigkeiten auf, die zwar stets durch Verträge beendigt wurden, aber, da bald die eine, bald die andere Linie sich für benachtheiligt hielt, immer neue Zerwürfnisse im Gefolge hatten, bis dieselben nach dem Mündigwerden der beiden Junggrafen Johann Ludwig und Philipp Georg, Söhne Emichs X., im Jahre 1604, am 4. Mai, durch einen Vergleich zum endgültigen Abschlüsse gebracht wurden. Emich XI. liess sich die Forderung der materiellen Interessen, sowie besonders die geistige Heranbildungiseiner Landeskinder sehr angelegen sein und brachte durch zweckmässige Anlagen und Einrichtungen sein Land wieder zu schöner Blüthe. Als äusserst wirksam zur Milderung der herrschenden Rohheit erwies sich namentlich die Anlage der durch ihn aus eigenem Antrieb gegründeten und aus eigenen Mitteln dotirten höheren lateinischen Schule in Dürkheim. Auch persönlich stand er, wegen seines ehrenhaften Charakters und seiner vortrefflichen Eigenschaften bei Hoch und Niedrig in der höchsten l) Lehmann. Urkdl. Gesch. d. Hauses Leiningen S. 233 u. 234. — 272 - Achtung und Verehrung, und durch das Land ging ein allgemeines Bedauern, als sich die Kunde seines am 24. Nov. 1606 eingetretenen Todes verbreitete. Er verschied zu Darmstadt, wurde aber in Dürkheim beigesetzt. Es sei hier noch bemerkt, dass im Jahre 1594 König Rudolf II. die von König Friedrich 1470 ertheilten Privilegien von Neuem bestätigte. Vermuthlich beziehen sich auf ihn zwei Notizen in dem Tagebuch und Ausgabenbuch des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz 1 ), in deren einer (20. Aug. 1598) gesagt wird: man habe „in Saarbrücken mit der buxsen" geschossen, mit dem Zusatz: „NB. Graf von Leiningen" und in der zweiten (22. Oct. 1598): „hat der von Leiningen das trinken verredet auff ein iar" (in Turlacli). Ernich XI. verlobte sich am 20. Aug. 1585 mit der Her- 155 zogin und Pfalzgräfin Maria Elisabeth von Zweibrücken (Tochter des Pfalzgrafen Wolfgang zu Zweibrücken-Veldenz^ und der Landgräfin Anna von Hessen), geboren am f Oct. 1561, gestorben am 28. Febr. 1629. Die Vermählung fand am 7. Nov. 1585 statt 2 ) und an demselben Tage verzichtet die junge Gräfin von Leiningen auf alles väterliche und mütterliche Erbe 8 ). Am folgenden Tage empfing sie den auf Herxheim ausgestellten Morgengabebrief ihres_Gemahls, 2000 Fl. Morgengabe und 200 Fl. jährlicher Gülten als tägliches Handgeld 4 ), wozu der Bischof von Speyer als Lehnsherr über dieses Dorf Herxheim seine Einwilligung ertheilte. Die gleiche Summe, die sie als Ehegelder mitbrachte, nämlich 20000 FL, verschrieb ihr ') Latidesarchiv zu Karlsruhe; Zeitschrift für die Gesch. d. Oberrheins 1880 Bd. XXXni. pag. 239 u. 241. a ) Aus dem Dürkheimer Kircheubuche. S J Leininger Copialbuch. 4 ) Leininger Copialbuch. — 278 — Ertlich als Witthum auf Gr.- und Kl.-Bockenheim, Callstadt, Ungstein und Pfeffingen 1 ), mit Genehmigung des Herzogs Johann Casimir von der Pfalz, des Lehnsherrn dieser Ortschaften. Gräfin Marie Elisabeth überlebte ihren Gemahl um 23 Jahre; sie starb 1629 und ruht neben demselben in Dürkheim, woselbst sich noch jetzt ein von ihrem Sohne Graf Johann Philipp II. errichtetes kostbares, trotz der französischen Revolutionsstürme wohlerhaltenes Denkmal befindet: Es entsprossen aus dieser Ehe 5 Söhne und 4 Töchter: 1. Anna Elisabeth, geboren 1586, starb schon .jung. 156 2. Johann Philipp II., der Nachfolger seines Vaters in 164 der Regierung. 3. Em ich, geboren und gestorben 1589. 157 4. Wolfgang Friedrich, geboren 1591, starb am 23. März 158 1623. In einer Urkunde von 1618 führt Johann Philipp II. als seine Brüder an: Wolfgang Friedrich, Friedrich und Georg Adolph 2 ). 5. Friedrieh, geb. am 8. Febr. 1593, über die Taufe ge- 159 halten vom Pfalzgrafen, wie das bei dem damals intimen Verkehr zwischen Heidelberg und Dürkheim erklärlich 3 ). Er wohnte in der von Emich VIII. angelegten Emiclisburg, wo er auch 29. April 1651 starb. Im dreissigjährigen Kriege musste er 1634 mit seiner Familie nach Worms flüchten, wo er bis zum Ende des Kriegs sein Leben, zum Theil durch den Erlös seiner verkauften Geschütze, kümmerlich fristete. Er war zweimal vermählt, und zwar: ') Leininger Copialbuch. 2 ) Hartenburg, 6. Juli 1618, Repert. der Dürkheimer Kirche, Fase. IV Nr. 187. ») Die Patheugeschenke waren (Dach den Pfalz. Rechnungsbüchern von 1590 ff.) bei einem Frankenthaler Juwelier „zur Hartenburg'schen kindtaufe" eingekauft. Brinckmeier, Leiningen. — 274 — 159a L mit Maria Elisabeth (Tochter des Grafen Ludwig von Nassau-Saarbrück und der Landgräfin Anna Marie von Hessen- Cassel), geboren am 21. Aug. 1602, vermählt am 21. Aug. 1624 1 ) und gestorben 9. Dec.? 1626. 159b H. mit Anna (Tochter des Grafen Wilhelm von Nassau- Weilburg und der Gräfin Erica von Isenburg-Birstein), geboren am 6. Januar 1597, vermählt am 18. November 1628 2 ) und gestorben am 7. Januar 1645. Graf Friedrich's erste Ehe blieb kinderlos; aus der zweiten aber entstammten 6 Töchter, von denen jedoch (vielleicht mit Ausnahme der Magdalena Ludo- vica) bei dem Tode der Eltern keine einzige mehr lebte. Sie hiessen: 159c a. Magdalena Ludovica, geboren am 6. Oct. 1629. 159d b. Maria Elisabeth, geboren 20. Septemb. 1631, starb am 12. Febr. 1632. 159e c. Friederike, geboren 1633, starb 1635. 159f d. Anna Sophia, geboren am 20. Juli 1634, gestorben am 24. Juni 1637. 159g e. Juliane Christiane, geboren am 29. Novemb. 1635, gestorben ?. 159h f. Erica Elisabeth, geb. am 1. (oder 25.) Nov. 1636, starb im Mai 1638. 160 6. Anna Dorothea, von welcher nur bekannt ist, dass sie jung starb. 161 7. Georg Adolph, geb. am 23. März 1597, starb 22. De- cember 1624. 162 8. Anna Juliane, geboren 1599, gestorben 1685, im Alter von 86 Jahren. Sie vermählte sich im Jahre 1633 mit Johann ') Von diesem Tage ist die Eheverschreibung und ebenso die Verschreibung der Morgengabe (Leininger Copialbuch Nr. 9). 2 ) Die Verschreibung der Morgengabe ist datiert vom 23. Nov. 1628, nach dem Leininger Copialbuch No. 9. Casimir, Wild- und Rheingrafen zu Kyrhurg (geboren 1575, starb 1651). 9. Maria Elisabeth, von welcher nur der Todestag, der 11. April 1622, bekannt ist. Sie kann aber nicht vor 1600 geboren sein, weil ihre Schwester Anna Juliane erst 1599 geboren wurde, und nicht nach 1606, da ihr Vater gegen Ende dieses Jahres starb; sie selbst aber verstarb also im Alter von etwa 20 Jahren. Dem edlen* Vater folgte in der Regierung der älteste Sohn, nämlich: 18* [64 Johann Philipp II. Da ihm bei des Vaters Tode noch 2 Jahre an der Mündigkeit fehlten, so wurde Graf Johann Ludwig aus der Falkenburger Linie sein Vormund. 1608 aber,! nachdem er das 20. Jahr erreicht hatte, belehnte ihn Friedrich IV. v. d. Pfalz sofort!mit der Grafschaft Leiningen, und eben so belehnte ihn im Jahre 1609 sammt seinem bisherigen Vormunde und seinen drei Brüdern Wolfgang, Friedrich und Georg Adolph, auch der Bischof von Speyer mit den von diesem herrührenden Lehngütern. Mit der Pfalz war 1593 in Dürkheim ein Vertrag über die hohe Gerichtsbarkeit geschlossen; trotzdem erhoben sich wegen zweier von der Justiz des Grafen hingerichteten! Diebe Irrungen und es ward deshalb lange Zeit verhandelt, bis endlich am 25. November 1609 in einem neuen Vertrage festgesetzt wurde, die Grafen sollten künftig die zum Tode verurtheilten Deliquenten dem Kurfürsten zur Vollziehung der Todesstrafe ausliefern 1 ). Bei dieser Gelegenheit wurde auch über verschiedene Massnahmen wegen falschen!Masses und Gewichtes verhandelt und eine bestimmte Norm aufgestellt 2 ). ') Den Anlass zu diesen Zwistigkeiten soll der übertriebene Diensteifer! der beiderseitigen Beamten gegeben haben. a ) Der Rechtsstreit zwischen dem Hartenburger und dem " Westerburger Sta mme wegen des Hesso'scken Nachlasses wurde dadurch noch erbitterter geführt, weil Graf Ludwig zu Leiningen-Westerburg (welcher durch den Erwerb v. Rixingen Forbach etc., namentlich auch durch die Bergwerke bei Altleiningen so reich ge- - 277 — Im Jahre 1614 bestätigte König Mathias die 1470 dem Hause Leiningen ertheilten, und gleichfalls von den Kaisern Carl V., Ferdinand, Max II. und Rudolph II. bestätigten Privilegien. Ganz besonders die leiningischen Lande wurden durch den dreissigjährigen Krieg hart mitgenommen. In Folge der Annahme der böhmischen Krone durchVrfalzgraf Friedrich V. fiel .1620 Spinolain die Pfalz, und, weil die Leininger auf Seiten der Pfalz, deren Lehnträger sie waren, standen, auch in das Leiningensche Gebiet ein, und, wiewohl Graf Johann Philipp im Jahre 1622 eine ,Art" Schutzbrief von Tilly l ) erhalten hatte, worden war, dass er eigne Münzen solllagen liess, wie er denn auch das Münzrecht besass) von dem Kaiser Mathias 1615 die Erneuerung der dem Grafen Hesso 1444 verliehenen und 1475 bestätigten Landgrafenwürde erbat. Ein damals grade am kaiserlichen Hofe anwesender Graf von Leiningen-Dagsburg erhob dagegen Einsprache, und daraus entwickelte sich zunächst der sogenannteleininingensche Dignitätenstreit, welchem 1618 der überaus kostspielige Anspruchsprocess auf die ganze Grafschaft Leiningen, wie sie Landgraf Hesso besessen, von Seiten des Hartenburger und Falkenburger Hauses folgte, der zwar durch den dreissigj ährigen Krieg unterbrochen, aber nach dem Erlöschen der Leiningen-Wester- burg-ßixinger Linie im Jahre 1705 wieder aufgenommen und bis zur französischen Revolution fortgeführt, aber nicht beendigt wurde. S. das unter Graf Ludwig zu Leiningen-Westerburg darüber Mitgetheilte. l ) Her von Mannheim, 17. Nov. 1622 datierte, in dem Lehmann'schen Acten- nachlass der Heidelberger Bibliothek, pag. 29, nr. 38 aufbewahrte Brief lautet: „Wolgeborner Graue, insonders lieber Herr vnd Preiindt. Obwohln nun mehr die Statt Mannheimb sambt dem Castell Vnter | der Rom. Keyl. Mayl. gehorsamb vnd deuotion gebracht, so will | sich doch Franckhenthal bis herr noch wenig hierzue Verstehen | vnd accommodiern; Dakero ich gezwungen mit aim ganzen löger [ yber zu setzen; dieweiln Ich aber khaine mitt Cauallerie Vnter j zubringen, es seye dann dz der herr Vns mit quartiern | frl. (dies Wort ist am Rande nachgetragen) behilfflich hierinn erscheinen, Alsz ist an den herrn mein i frl. ersuchen, Er wolle Ihme Ihr Kayl. Mayl. zu Vnterthä | nigsten ehren nit lassen entgegen sein, theils von meiner | vnterhabenden Cauallerie quartier einzuwilligen, dagegen | vnter ihnen guete disciplin, vnd des herrn landts Vnterthä | nen vnglaghafft sollen — 278 - wurde im Laufe der Zeit doch schrecklich gewüthet. Da über den Böhmenkönig die Reichsacht verhängt war^musste" Graf Johann Philipp die Grafschaften Leiningen und Dagsburg vom Kaiser Ferdinand II. zu Lehen nehmen, was denn auch 1641 durch Kaiser Ferdinand III. erneuert wurde. Das Elend aber war durch Plünderungen und Brandschatzungen nach gerade so gross geworden, dass Graf Johann Philipp bereits 1624 vom Landgrafen Ludwig von Hessen einige hundert Malter Korn für seine ausgehungerten Leute erbitten musste. — Nicht wenig wurde das Elend auch noch durch Familienzwistigkeiten vergrössert. Graf Philipp Georg von der Falkenburger Linie in Dagsburg hatte mit seinem Bruder Johann Ludwig zu Heidesheim abgetheilt, wobei Erster em Dagsburg zugefallen war; im Jahre 1613 theilte er diese bisher mit derHartenburger Linie gemeinsam besessene Grafschaft abermals, und daraus entsprangen manche Missverständnisse, 1 bis beide Theile (Philipp Georg und Johann Philipp II. nebst seinen Brüdern Philipp und Georg Adolf) sich am 24. Juni 1623 in Dagsburg einigten, und eben so die gleich nachher sich erhebenden neuen Weiterungen am 11. Juni 1624 durch einen Vergleich endeten. Die Lehmiger Lande blieben, gleich der Pfalz, von Spaniern und Bayern bis 1631 besetzt, um welche Zeit dann Gustav Adolf die Rheingegenden-plüvuferte. Späterhin (1643) wurde das Land abermals durch Plünderungen und Seuchen verheert, bis 1648 der westphälische Frieden den Krieg beendete. Johann gehalten werden. Wie nun solches | höchstgedachte Ire Kayh Mayl. zue Vnder- thäuigsten Diensten i geraicht. Alss bin ichs von mir solbsten Uff begebende Occasion freundlich zu erwiedern orbietig. Datum in Oasteil Manheimb den 7. Noubris 1622. Dienstwilliger Johann graue, von T il 1 y (Unterschrift eigenhändig), - 279 — Philipp II. jedoch, der all dies Ungemach mannhaft ertragen hatte, erlebte den Frieden nicht mehr; er starb am 25. Mai 1643, und die Noth, in welcher er sich befand, war so gross, dass er seine und seiner Gemahlin Kleinodien, Gold- und Silber „bis vff ettwas gahr wenig" verkaufen musste, um seinen eingeschränkten Hofstaat „zum nothdürftigsten zu erhalten" 1 ). Johann Philipp war dreimal verheirathet: I. mit Elisabeth (Tochter des Grafen Emich X. von 165 Leiningen-Dagsburg-Falkenburg und der Ursula von Fleckenstein). Die Eheverschreibung ist datiert Heidesheim vff der Eyss 5 ), am 1. Jan. 1620; von demselben Orte, und Tage auch die Witthumsverschreibung und die Verschreibung der Morgengabe 3 ), wie denn an demselben Tage auch die Vermählung stattfand. Gräfin Elisabeth starb bereits am 25. Oct. 1623. II. mit Anna Juliana (Tochter des Wildgrafen Otto I. 166 zu Kyrburg und Daun, Rheingrafen zum Stein, und der Gräfin Ottilie von Nassau-Weilburg), geb. 1584. Ihre Vermählung fand statt am 22. Febr. 1626, und von demselben Tage datieren ') Lehmann, Urkundl. Gesch. S. 246. -) In don „Historischen Blättern aus dem alten Leininger Land" von Graf Karl Emich zu Leiningen-Westerburg, gedr. in den Hittheilungen des Hist. Vereins der Pfalz XIII. p. 42, findet sieh folgende Erklärung: „Aus dem Altleininger Güterbuch von 1730 ist zu ersehen, wie unsre Altvordern in der Gemeinde Altleiningen bei Bestimmung ihrer Feldrichtungen sich ausgedrückt haben; sie rechneten nicht nach den vier Himmelsgegenden Nord, Ost, Süd und West, sondern nach „Eis, Rhein, Sonne und Wald." „Gen Eis" war soviel, als nach Norden; es ist hier der Eishach gemeint, der nördlich von Altleinigen von Ramsen über Eisenberg und Worms in den Rhein Iiiesst; statt „Osten" findet sich die Angahe des östlich von Altleiningen und dem Leininger Thal. fliessenden „Rhein-Stroms , statt „Süd" ist hier „Sonne" (Sonnenseite) gehraucht; mit „Wald" an Stelle von Westen sind die mächtigen Waldungen gemeint, welche westlich von Altleiningen liegen." • 1 ) Leininger Copialbuch Nr. 9. — 280 — die Eheberedung und die Witthumsverschreibung 1 ). Sie starb am 12. November 1640 2 ). 167 III. mit Anna Elisabeth (Tochter des Grafen Ludwig Eberhard zu Oettingen und der Gräfin Margaretha von Erbach), Wittwe des Grafen Gottfried Heinrich von Pappenheim. Sie war geboren am 3. November 1603, vermählte sich mit Graf Johann Philipp am 11. Juni 1642, an welchem Tage auch zu Oettingen die Heirathsverschreibung gemacht wurde 3 ), und starb am 3. Juni 1673. Graf Johann Philipp II. hatte 4 Kinder, und zwar aus erster Ehe drei: 173 1. Friedrich Emich, in Hartenburg, seines Vaters Nachfolger. 168 2. Johann Philipp III., zu Emichsburg, geb. am 19. Febr. 1622, erhielt 1651 von seinem Bruder Friedrich Emich Bockenheim mit der Residenz Emichsburg und noch einige andere Orte, was Alles aber nach seinem am 19. Febr. 1666 erfolgten Tode an das Haus zurückfiel. Er war zweimal verheirathet: 169 L. mit Agnes (der Tochter des Grafen Christian von Waldeck zu Wildungen und der Gräfin Elisabeth zu Nassau-Siegen), geb. 1. (2.) März 1618, vermählt am 5. Febr. 1651 4 ), starb aber 170 bereits am 29. Nov. 1651; 2. mit Elisabeth Charlotte (Tochter des Grafen Heinrich Wilhelm von Solms-Sonnenwalde und der Gräfin Maria Magdalena von Oettingen, Wittwe von Georg Herrn von Rappoltstein), vermählt (laut Ehevertrag 5 ) am 10. März- 1658, und gestorben am 17. Jan. 1666. — Johann J Ebendaselbst. 2 ) In dem Dürkheimer (auf dem dortigen Rathbause aufbewahrten) Kirehen- buclie von 1645 bis 1689 wird sie „Unsere getreue Landesmutter, ein Trost aller Armen, Elenden und Kranken" genannt. 3 ) Leininger Copialbuch No. 9. 4 ) Von dem nämlichen Tage datiert die Eheberedung. S. ebendaselbst. ä ) Lünig, Spicil saec. I. 427. — 281 - Philipp III. hinterliess aus jeder dieser Ehen nur 1 Tochter, und zwar aus erster Ehe: a. Margaretha, geboren 1651, und aus zweiter Ehe: 169a b. Maria Magdalena, geboren 1659. Beide starben un- 170a vermählt, ihre Todesjahre sind nicht bekannt. 3. Adolph Christian, geboren am 12. Oct. 1623, fiel 171 1645 in einem Treffen bei Marienthal. Aus der 2. Ehe Graf Joh. Philipps II. stammte: 4. Anna Maria, geb. am 11. Oct. 1634; die aber bereits 172 1637 wieder starb. Dem Grafen Joh. Philipp II. folgte am 25. Oct 1643 sein ältester Sohn: Friedrich Emich, 173 Graf zu Leiningen und Dagsburg, Herr zu Aspremont, welcher, 9. Febr. 1621 geboren, bei seines Vaters Tode 22 Jahre alt war. Er wohnte meist auf der wohlerhaltenen Hartenburg. Das ganze Gebiet aber war so verwüstet und erschöpft, dass er Alles? auf bieten musste, um den verarmten Bewohnern eine allmälige Erholung möglich zu machen. Doch damit noch nicht genug, traten ihm auch andere Widerwärtigkeiten entgegen. Zuerst der Streit mit dem Kurfürsten Carl Ludwig, weil er dessen Vater Friedrich V. v. d. Pfalz alles über die Leiningenschen Lande gekommene Kriegsunglück beimass, und wegen der Belehnung, die seit der Achtserklärung gegen den Letzteren (Friedrich V.) durch den Kaiser selbst geschehen war. Der Streit aber schloss damit ab, dass der Graf am 14. Juli 1659 die Lehen wieder als pfälzische empfing. Den grossesten Zwist aber hatte er durch seinen noch einzigen Bruder Joh. P hili pp III., der 1651 Güter abgetreten haben und eine eigene Linie stiften wollte. Er bekam denn auch Bockenheim mit der Emichshurg als Residenz, welcher Besitz jedoch nach Joh. Philipps III. Tode, der nur 2 Töchter hinterliess, an Graf Friedrich Emich 1666 zurückfiel. Um der Noth abzuhelfen, musste Graf Fnedr. Emich sich entschhessen, seinen Antheil an Dagsburg 1658 an Graf Joh. Casimir (No. 229) um 14 000 Gulden zu verpfänden 1 ). Kaum fingen die vom 30jährigen Krieg der Grafschaft geschlagenen Wunden an, zu heilen, so brachten abermals neue Kriegszeiten schwere Noth über das vielgeplagte Land. Nach Ausbruch des Kriegs zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich kam 1674 eine Colonne der Türenne'schen Armee vor die Hartenburg, wurde aber beim Sturme kräftig zurückgewiesen, worauf sie ihre uth am nahen Dürkheim ausliess. Mehrmals kehrten die Franzosen noch wieder, ohne aber viel ausrichten zu können. Dieses Hin- und Herziehen endete erst mit den Nym weger Frieden von 1679. Bald darauf begann die für Deutschland schmachvolle Zeit der französischen „Reunionen". Minister Louvois, dessen Ziel Hier Ruin der elsässischen Dynasten war, gab 1677 vor, dass Dagsburg ein Zufluchtsort von Parteigängern sei, welche dorthin Fässer mit Göhl und ein dem Herzog von Crequy weggenommenes prachtvolles Silberservice verbracht hätten, und gab den Befehl, sich der Burg zu bemächtigen. Am 8. März 1677 kam denn auch M. de Bois- David mit 400 Mann Infanterie und 100 Mann Cavallerie vor der Dagsburg an. Bei deren Annäherung hatten sich 18 Mann, meist Leiningensche Forstleute, in diese auf hohem Felsen thronende Burg zurückgezogen, mit der festen Absicht, diese ihren Grafen zu erhalten und sich bis zum Aeussersten zu vertheidigen. Die Aufforderung zur Uebergabe wurde denn auch zurückgewiesen und mehrere Versuche der Franzosen, Minen anzulegen, mit herabgeworfenen Felsstüeken und Flintenschüssen erfolgreich-abgeschlagen. Deshalb liess General de l ) Lein. Geh. Archiv. — 283 — Monclar zwei Vierundzwanzig -Pfünder von Zabern kommen und die Burg beschiessen. Die Belagerung dauerte 5 Tage und hatten die Franzosen einen Verlust von 8 Mann. Nach Kriegmann, Grafschaft Dagshurg, soll die Bürg durch Verrath eines Leininger Amtmanns, nach Beaulieu, Comte de Dagsburg, in Folge der Be- schiessung in die Hände der Franzosen gefallen sein; wer je den hohen Felsen gesehen hat, auf dem die Burg in schwindelnder Höhe, auf allen 4 Seiten frei, gelegen hat, muss die Annahme von Verrath für das einzig Mögliche halten. Die Uebergabe der einer Uebermacht von 500 Mann gegenüberstellenden 18 Jäger war eine ehrenvolle, wie aus den doch bekannten Capitulationsbedingungen 1 ) hervorgeht. Während der Belagerung sollen 5 ) die Belagerten im Vertrauen auf die Uneinnehmbarkeit der Burg eine todte Ziege, der sie eine Spindel zwischen die Beine gebunden, von derselben hinabgeworfen und den Vers hinzugefügt haben: „So wenig Ihr die Geis lehrt spinnen, So wenig werdet Ihr Dagsburg gewinnen." Der Marschall von Crecjuy erkannte die strategische Wichtigkeit des Punktes und verlangte für die völlige Instandsetzung der Feste 10000 Thlr.; doch gerieth die Angelegenheit in Vergessenheit und endlich wurde die Dagsburg auf Befehl von Louvois entgegen clen ausdrücklichen Capitulationsbedingungen 1679 geschleift. Das Dagsburger Archiv wurde in 5 Tonnen nach Metz geschafft, der Reunionskammer unterbreitet und nach einiger Zeit wiedpr an Leiningen ausgeliefert. Es ging später mit dem Hartenburger Archiv zusammen im Brande des Leiningenschen ') Beaulieu, Comte de Dagsburg. 1858. S. 233: -) Ebenda; auch: Ausführt. Beschreibung des oberen u. unteren Elsasse». V. S. (j24; und: Stöber; Sagen des Elsasses. 1852. S. 233. - 284 - Schlosses zu Dürkheim a. H. 1794 zu Grunde, doch befindet sich ein Inventar desselben in der Collection Lorraine der Nationalbibliothek zu Paris, No. 7IT 1 ), und eine Abschrift hie- von im Archiv des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg. In den „Manuscrits du Depot de la guerre" befindet sich heute noch ein Plan der Belagerung mit den Geschützaufstellungen nebst genauer Zeichnung der Burg Dagsburg, aus deren Thürmen, Mauern und Wachhäusern lebhaft gefeuert wird 2 ). 1681 erliess Ludwig XIV. den Befehl, dass die Grafschaft Dagsburg unter die Aufsicht des obersten Raths im Elsass, somit zum französisch gewordenen Elsass gehöre; hierauf musste Graf Friedrich Emich durch einen Bevollmächtigten vor dem Metzer Parlament den Treueid leisten und wurde nunmehr von König Ludwig XIV. mit der Landgrafschaft Leiningen beliehen. Um sich noch mehr einzumischen# erliess der französische König 1683 eine sehr scharfe Ordonanz an die Grafen zu Leiningen-Westerburg, „weil sie sich diese Landgrafschaft zum Nachtheile des sehr erlauchten („tres illustre") Hauses Leiningen angemasst hätten." Er besetzte daher das ganze Leiningensche Gebiet, unter dem Vorwande, es gegen das deutsche Reich in Schutz zu nehmen, belegte sogar das Schloss Hartenburg mit Truppen, und die Unterthanen mussten jährlich 225 Livres für Thor- und Wachtgeld zahlen. Zu all diesem Elend musste auch noch die Wittwe seines 1684 verstorbenen ältesten Sohnes, Emich XIII., Elisabeth Christine, geborne Pfalzgräfin, die sich bei der französischen Regierung beschwert hatte, dass sie das ihr Zustehende nicht richtig erhalte, mit 9500 Gulden abge- ') Kraus, Kunst u. Alterthum in Eis. Lothr, 1886. III. S. 79. etc. 2 ) Colorirte Photographie im fürstl. Lein. Archiv u. im Archiv des Grafen K. E. zu Lein.-Westerburg. - 285 - funden werden 1 ); in dieser ganzen.trüben Zeit währten auch noch die Falkenburger Reibereien fort. Als nach, dieser schon an sieh schweren Zeit auch noch der pfälzische Erbschaftskrieg wegen der Erbansprüche der Elisabeth jpharlotti v. <1. Orleans — der „Lise- Lotte von der Pfalz") begann, kam die schwerste Zeit für die Pfalz im Allgemeinen, wie für die Grafschaft Leiningen ganz in's Besondere. Als die Franzosen 1688 in die Pfalz einfielen, gingen die Grafen von Leiningen den kaiserlichen „Avocatoriis" getreu, aufs rechte Rheinufer und hielten sich zu Frankfurt a. M. und anderen Orten auf, worauf die Franzosen sofort alle Leininger Burgen besetzten und die ganze Grafschaft in Beschlag nahmen. 1689 begann dann die systematische, fast ausnahmslose Niederbrennung der pfälzischen Burgen, Städte und Dörfer, so dass das Land binnen 6 Monaten das geworden war, was der allerchristlichste König Ludwig XIV. und sein Minister Louvois bezweckt hatten: eine riesige Brandstätte, — eine Wüste; und so wurde denn bei den Scheuss- liclikeiten, welche die Franzosen allenthalben ausübten,' auch die Grafschaft Leiningen gänzlich zu Grunde gerichtet. Erst der Ryswicker Friede 1697 machte diesen schrecklichen Zuständen ein Ende. Die Falkenburg und Dagsburg waren gänzlich gesprengt und zerstört 2 ), und nur die Hartenburg blieb dadurch verschont, dass dieselbe als wichtige Thalsperre von 1690 bis 1692 mit einer starken französischen Besatzung belegt war. Bei deren eiligem Abzüge sprengten die Franzosen nur einige Vorthürme und Aussenwerke. Dürkheim mit 700 Häusern und 2 Kirchen war eingeäschert, die schöne Emichs- burg, die Orte Heidesheim und Guntersblum und 28 lei- ») Sie hatte sich mit dem Burggrafen zu Dohna wiederverheirathet. 9 Alles Mauerwerk war nach der Sprengung von den steilen Felsen herabgeworfen worden, so dass diese „wie mit Besemon gekehrt waren (Lehmann, U. G. S. 252). «04 r - 286 - ningensche Dörfer wurden vernichtet, die Erbbegräbnisse aufgerissen, um nach erhofften Schätzen zu wühlen, die Gebeine der Verstorbenen umhergestreut, und selbst die Zinn- Särge und Glocken als Beute mitgenommen. Durch alle diese Ereignisse waren das Grafenhaus und die Bevölkerung in so tiefe Noth gerathen, dass Alles versucht werden musste, um nur einstweilen durchzukommen. Die wenigen noch vorhandenen Unterthanen wohnten in Wäldern und Erdlöchern, während die gräflichen Familien sich auswärts ein Obdach suchen mussten. Mässig angeschlagen schätzte man, nach der vor dem Abschluss des Friedens eingereichten „Aestiniation" und Entschädigungs-Forderung, den nur in den beiden Leiningenschen Grafschaften angerichteten Schaden auf die für den damaligen Geldwerth ganz ungeheure Summe von 900000 Gulden, und da im Eyswicker Frieden keine Entschädigung für die Leininger ausgesetzt war, so mussten sie, als Lohn für ihre treue Anhänglichkeitfan Kaiser und Reich, den Schaden allein zu verschmerzen suchen. Aus dieser traurigen Zeit ist nachstehende Episode überliefert: Einige wenige Leiningensche Unterthanen, welche der Krieg verschont hatte, suchten einst in ihrem Elend den Grafen Friedrich Emich auf der Hartenburg auf, um ihn um Unterstützung anzuflehen. Der in Schicksalen ergraute Graf hatte schon viel Herbes erlebt, aber der Anblick dieser verelendeten Menschen und die traurige Gewissheit, nicht helfen zu können, erschütterten ihn tief. Eben als diese Leute nach der Burg kamen, hatte man einen Stier geschlachtet und demselben die Haut abgestreift. Da baten die dem Hungertode Nahen nur um diese Haut, um ihr Leben fristen zu können, worauf ihnen Graf Friedrich Emich den ganzen Stier preisgab und lieber selbst darben wollte 1 ).! Von Graf Friedrich Emich ist noch ] ) J. G. Lehmann, das Dürkheimer Thal (Heidelberg 1834), pag. 259. A — 287 — nachstehender Vorfall bekannt, der ihn als trefflichen Schützen kennzeichnet, es heisst von ihm 1 ): „Es käme auch im vorigen, französischen Krieg (1688—97) dem altern H. Gräften (FriecLr,; Emich) von Leiningen-Harttenburg sein Perspektiv sehr wohl zu statten, als eine französische Partie sich an sein Residentz- schloss Härtenburg machte und die armen Leute, so ihre Sachen dahin geflüchtet hatten, in die grösste Angst und Wehmutli setztet Denn als dieser generöse Herr aus dem Fenster des Schlosses wahrnähme, dass der Offcirer, so die Partie führte, immer von einem Baum zum andern, Sprung um alle Avenüen zu recognosciren, schlüge er seine Pirschbüchse an, legte ein Perspectiv darauf und als er den Partisan recht gefasset hatte, liesse er das Perspektiv sinken, druckte los und traft denselben, dass er alle Viere streckte, die Soldaten denselben in einen Mantel wickelten und in aller Eyl sich davon machten, worauf er in der Kirche, worin sich die Leute reti- rirt hatten, so balden das Te deum laudamus singen liesse." 2 Von Graf Friedrich Emich sind mehrere interessante Kr ge erhalten, so u. A. 2 im Besitze des Grafen Karl Emich zu Leiningen-Westerburg: Der Eine rund, dickbauchig, gross, mit engem Hals, der andere viereckig mit Schraubdeckel, beide von graublauem Steingut. Auf dem ersteren ist das ganze Wappen mit Legende von 2 Löwen als Schildhalter gehalten, auf dem Letzteren nur das ganze Wappen mit Legende zu sehen; diese lautet: „Friderich. Emich. Graf. zv. Leiningen, vnd. Taxburg. Herr. zv. Appirmont. 1676." Welche Bewandtniss es mit diesen von ein und demselben Jahre stammenden Krügen ' # /. hat, ist nicht nachzuweisen, vielleicht wurden sie 1676 als Andenken bei der Hochzeit von Friedrich Emichs Sohn: Emich XIII — 24. Februar 1676 — an Hochzeitsgäste vertheilt.— ') Mittheil, des bist. Vereins d. Pfalz Heft XIV. S. 93. — 288 — Graf Friedrich Emich starb am 26. Juli 1698 und ward in der wiederhergestellten Erbgruft zu Dürkheim beigesetzt. Er war 174 vermählt mit Sibylla (der Tochter des Grafen Christian von Waldeck zu Wildungen und der Gräfin Elisabeth von Nassau- Siegen), welche, geboren am 25. Mai 1619, sich am 15. Juni 1644 mit ihm vermählte 1 ) und am 30. September (1. October) 1678 starb 2 ). Graf Friedrich Emich hinterliess 9 Kinder (3 Söhne und 6 Töchter), nämlich: 175 1. Maria Elisabeth, geboren am 10. März 1648, gestorben am 13. April 1724. Sie war seit 1. December 1668 vermählt 3 ) mit Graf Friedrich von Ahlefeldt, k. dänischem Grosskanzler, welcher 1623 geboren ward und am 25. März 1675 starb, so dass sie ihren Gemahl um beinahe ein halbes Jahrhundert überlebte. 176 2. Emich XIII., auf der Emichsburg wohnend. Er würde dem Vater in der Regierung gefolgt sein, starb aber schon bei dessen Lebzeiten. Geboren am 6. Februar 1649, starb er am 12. (oder 13.?) December 1684. Er war zweimal verheirathet 177a und zwar: I. mit Charlotte Sophie (Tochter des Burggrafen Carl Magnus von Baden-Durlach und der Gräfin Marie Juliane von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst), geb. am 13. Sept. 0 Die Eheverschreibung ist datiert aus Hartenburg und unterschrieben von Friedrieh Emich, sodann von Elisabeth Gräfin und AVittwe zu Waldeck, Gräfin zu Nassau Katzenelnbogen, Pfalzgraf Ludwig Philipp und von Emich Graf zu Leiningen, am 15. Juni alten Kalenders 1644. Original im Archiv zu Arolsen. 5 ) Die Nedopilschen „Adelsproben aus dem Deutsch-Orden,s-Centr.-Archiv" enthalten unter No. 3580 ein Attest der fiirstl. Waldeck'scheu Regierung, dass Sibylle, Gräfin zu Waldeck, eine eheliche Tochter des Grafen Chrn. v. Waldeck und der Gräfin Elisabeth zu Nassau-Katzenelnbogen sei. :i ) Nachdem sie am 10. Nov. 1668, auf der Emichsburg, auf alles Erbe verzichtet hatte, wurde die Eheberedung zwischen ihr und ihrem Gemahl (1. Dec. 1668), und an demselben Tage die Witthumsverschreibung von Seiten des Grafen von Ahlefeld ausgestellt. - 289 - 1652, vermählt am 24. Februar 1676, starb am 18. Januar 1678 1 )- 2. mit Elisabeth Christiane (Tochter des Pfalzgrafen 177b Friedrich Ludwig von Zweibrücken-Landsberg und der Pfalzgräfin Juliane Magdalene von Zweibrücken), geb. 17. Oc-tober 1656, vermählt am 7. Nov. 1678 2 ), gestorben 9. August 1707; sie vermählte sich nach dem Tode Emich's XIII. wieder und zwar mit Christof Burggrafen zu Dohna und wurde vom Hause Leiningen, wie oben erzählt, mit 9500 Gulden abgefunden. — Emich XIII. hatte aus erster Ehe nur a: einen Sohn, der am 4. Mai 1677 geboren, im Januar 1678 bereits wieder verstarb; aus zweiter Ehe vier Töchter; b: Friederike Elisabeth, geb. 177c am 16. (28.?) Jan. 1681, gestorben am 11 Jan. 1717. vermählt am 27 (28.) Nov. 1707 mit Wolfgang Ernst I., Grafen und nachher (1744) Fürsten zu Isenburg-Birstgin (geb. am 26. März 1686, gest. 15. April 1754 3 ), — c. Juliane Sibylle, geboren am 177d 20. März 1683, starb bereits am 13. August desselben Jahres; — d. Elisabeth, von welcher nur der Name bekannt ist, und 177e e. Emicha, die bereits in früher Kindheit starb. 1771 3. Christiane Magdalena, geb. am 8. Oct. 1650, starb 178 1683. Sie war vermählt mit Christian Graf zu Sayn-Wittgenstein 4 ), der 1647 geboren war und 1704 starb. 4. Dorothea (nach Nedopil, Ahnenproben. Nr. 3579. 179 „Theodora"). Sibylla, geb. am 6. Febr. 1652, starb im Jahre 1658. 5. Charlotte Louise, geb. am 2. (8.) Oct. 1653, starb im 180 Juni 1713; sie hatte sich vermählt 5 ) im Jahre 1671 mit Frie- •j Die Eheverschreibung ist von Carlsburg, 24. Februar datiert. 5 ) Eheberedung und 'YVitthumsverschreibuug vom 2. November 1678. 3 ) Ihr Verzicht und die Eheverschreibung sind beide vom 5. Jan. 1712 ausgestellt. S. Geschlechtsregister der Häuser I senburg, "Wied u. Runkel. 4 ) Verzicht und Eheverschreibung vom 26. März 1673. 6 ) Verzichtbrief: der Hraut und die Eheverschreibung ausgestellt: Harten- burg, 7. März. Brinckmeior, Leitungen. 19 — 290 — drich Wilhelm, Grafen zu Sayn-Wittgenstein-Valendar (geh. 20. Nov. 1647, starb 10. Nov. .1685). 181 6. Sophie Juliana, geboren 27. November 1654, starb 24. Jan. 1716. Im Jahre 1682 vermählte sie sich mit Philipp Bernhard Freiherrn von Bellin 1 ). 182 7. Friedrich Ernich, geboren 1658, starb schon als Kind. 184 8. Johann Friedrich, zu Hartenburg, succedierte dem Vater. 183 9. Maria Polyxena, geb. am 7. Febr. 1663, gestorben am 18. (22.) April 1725, vermählte sich am 2. April 1683 2 ) mit Johann Ernst, Grafen von Nassau-Weilburg (geb. am 13. Juni 1664, gestorben am 27. Febr. 1719). Sie verzichtet auf alles Erbe am 23. März 1685. 184 Johann Friedrich, der zweite Sohn Friedrich Emichs, geb. zu Hartenburg am 18. (28) März 1661, succedirte dem Vater, da der Erstgeborene schon vor des Vaters Tode verstorben war. Er erhielt eine vortreffliche 2, Erziehung und kam zur weiteren Ausbildung zu seinem Schwager (dem Gemahl seiner ältesten Schwester Maria Elisabeth), dem Grafen Ahlefeldt, nach Dänemark,/wo er sich so beliebt machte, dass er die Aufmerksamkeit des Hofeslauf sich zog. Sein Bruder Emich XIII. galt als Nachfolger des Vaters; als derselbe aber ohne männliche Kinder blieb, ward Johann Friedrich nach Hause gerufen, so ungern 2 - er auch seinen Schwager verliess, dessen Tochter erster Ehe er lieb gewonnen hatte. Zu Hause angekommen, trat er als Hauptmann in Kriegsdienste bei dem berühmten Herzoge Carl von Lothringen. Als aber Emich XIII. 1 ) Eheversehreibung etc. vom 20. Juni 1682. Sämmtliche vorstehende Urkunden sind im Leininger Copialbuche Nr. 9 aufgeführt. 2 ) Die Eheverschreibung ist vom 22. Juni 1685. Leininger Copialbuch Nr. 9. - 291 - clor Aeltesto, trotz zweimaliger Vermählung, ohne männliche Nachkommen blieb und 1684 starb, musste Johann Friedrich die militärische Laufbahn aufgeben und sich zur Erhaltung des Stammes vermählen. Er wählte im Jahre 1685 die vorhin bezeichnete Tochter seines Schwagers, Gräfin Dorothea 185 Friederike, eine feingebildeteJDame* dadurch, dass sie mehrerer Sprachen mächtig war, hat sie der Grafschaft als Dolmetscherin manchen erheblichen«' Dienst in diesen kriegerischen Zeiten geleistet. „Leider" verstarb sie nach kurzem Eheglück schon am 16. November 1698. Nach dem Tode seines Vaters war Johann Friedrich nun der alleinige Besitzer der Grafschaft Leiningen-Hartenburg; er richtete die Haltenburg, die nur wenig Schaden gelitten hatte, wieder zu seiner Residenz ein, und in Folge der Rückkehr der Bewohner und des Wiederauflebens des Aclterbau's und der Gewerbe, sowie durch seine thatkräftige Unterstützung besserten sich die Verhältnisse zusehends, wie er denn auch 1700 Dürkheim wieder zur Stadt erhob und deren Bürgern zu den alten „Freiheiten" noch manche neue ertheille. Im gleichen Jahre wurde er mit den zu den Schaffnereien Dürkheim und Bockenheim gehörigen, noch nicht beim Hause gewesenen Lehenstücken von Kurpfalz belehnt 1 ). Im Jahre 1701 „schritt" er zu einer neuen Fhe; er vermählte sich am 19. Juni mit der Markgräfin Katharina von 186 Baden-Hochberg 2 ), die ihm hei seinen redlichen Bestrebungen, die Grafschaft und deren Untertlianen wieder zum Aufblühen zu bringen, als treue Helferin zur Seite stand. Wenn auch späterhin (1713) noch einmal französische Hordeniin die Pfalz einbrachen, so wurden sie doch bald wieder verjagt. Ein ') Lehmann, Urkundl. Gesch. S. 254. -) Leininger Copialbuch Nb. 9. 19* schlimmerer Feind waren die schrecklichen Seuchen, welche als eine Folge der fortwährenden Kriegszeiten ausgebrochen waren. Nachdem 1713 in Dürkheim gegen 50 Kinder an den Blattern gestorben, kamen die Franzosen und verwüsteten das Land; die Marodeurs erschossen viele Leute und plünderten die Dörfer? Dürkheim war vorübergehend eines der Hauptquartiere; es starben so viele Menschen, dass sie „meistens ohne gesang und klang" begraben werden mussten. Die Stadtkirche war zum Gefängniss („prison") gemacht; doch durfte Gottesdienst darin abgehalten werden. Als die Franzosen im Winter nach der Einnahme von Freiburg abermals kamen, brachten sie „greulich viel Kranke, welche häufig gestorben und in der Stadt hin und wieder begraben worden. Es hat sich darauf eine böse Krankheit in der Bürgerschaft ereignet, Gott helfe dass sie nachlassen möge" 1 ). Um sich, nachdem das Schlimmste überstanden, mit barem Gelde zu versehen, dessen er zur Hebung des Landes bedurfte, verkaufte Graf Johann Friedrich seinen (den vierten) Theil an der Herrschaft Aspremont für 24,000 lothringensche Franken an den Herzog Leopold von Lothringen, von welcher Summe 14,000 Fr. wirklich bezahlt, die übrigen 10,000 Fr. aber verschrieben wurden. Dieser Verkauf geschah jedoch allein von Hartenburger Seite, welcher nur ein Viertel der genannten Grafschaft gehörte 2 ). Allen Ernstes wurde nun mit der Wiederherstellung sämmt- licher Besitzungen fortgefahren, und es eröffneten sich ihm immer ergiebigere Hülfsquellen. Unter Anderem wurde auch die Dürkheimer lateinische Schule wieder eröffnet, und neu l ) Aus den Original-Kirchenbüchern in Dürkheim a. H.; siehe: Mittheil des histor. Vereins d. Pfalz. Heft XIH. S. 35. '0 Original im Pürstl. Archiv. — 293 - clotirt, so dass sie sich bald wieder zu einer blühenden Anstalt erhob. Dass sich Graf Johann Friedrich gern mit. den Wissenschaften beschäftigte, geht sowohl daraus hervor, dass F. M. B. Valentin!, Hess, Leibmedicus und Professor in Giessen, den III. Theil seines umfangreichen Werkes „Museum Museorum" ihm widmete, als auch in der Zueignungsvorrede bei Gelegenheit der Erwähnung von Diseursen über Barometer, Thermometer u dgl. sagt, dass der Graf „ein grosses Behagen und Vergnügen von dergleichen Dinge nehme und empfinde" 1 ). Graf Joh. Friedrich führte in seinem Titel ausser Graf zu Leiningen und Dagsburg, Herr zu Aspremont auch noch den eines Herrn zu Heringsholm, weil er diesen jütländischen, im Stift Rüpen in Lundesnaeslunt gelegenen Besitz durch seine I. Gemahlin, Dorothea Friederike 1687 bei der Erbauseinandersetzung nach seines Schwiegervaters Tode erhielt 3 ). Er ist auch der Erbauer des ersten Jagdhauses „Kehr- dichannichts" bei Hartenburg (zwischen 1700 u. 1710), und rührt der eigenthümliche Name von Graf Joh. Friedrich,selbst" her, der unter Hinweis auf die fernab tief unten im Thale marschirenden Truppen einerseits und die gesicherte Lage dieses Forsthauses andererseits zu einem Arbeiter sagte: „Kehr dich an nichts!";? dieser Name ist dem Orte bis heutigen Tages verblieben 3 ). — Graf Johann Friedrich erlebte noch das Wiederaufblühen des Wohlstandes in seinem Lande, wozu er mit Rath und That redlich beigetragen hatte, und starb plötzlich am 9. Febr. 1722. geliebt und hochgeehrt von Allen. — Er hatte 5 Söhne und 4 Töchter, und zwar: aus erster Ehe drei schon jung verstorbene Söhne: ') Mittheil, des histor. Vereins d. Pfalz, Heft XIV. S. 91 u. 92. -) Ebenda S. 87. a ) Ebenda S. 85—90, — 294 - 187 1. Friedrich, geb. 1687, starb am 1. Dec. 1688. 188 2. Ernst Friedrich, geb. 1689, starb am 25. Aug. 1716. 189 3. Jobannes, geb. am 3. April 1691, starb ebenfalls schon frühzeitig; aus zweiter Ehe: 2 Söhne und 4 Töchter: 190 4. Auguste Friederike, geb. am 20. März 1702, starb schon im Sept. 1703. 196 5. Friedrich Magnus in Dürkheim, geboren in Worms am 27. März 1703, succedierte seinem Vater in der Hartenburger Linie und stiftete die Speciallinie Leiiiingen-Hä'rtenbu'rg 191 6. Carl Ludwig, in Klein-Bockenheim, geh. am 16. Feb. 1704, kurpfälzischer General, Oberst der Schweizergarde, Ritter des Sähet Hubertusordens, theilte am 23. Febr. 1728 mit seinen Bruder Friedrich Magnus und erhielt dabei die sog. untere Grafschaft mit dem Hauptorte Klein-Bockenheim. Er stiftete die Speciallinie Leiningen-Emichsburg, und führte für dieselbe 1732 eine Primogeniturordnung ein, ohne dass diese jedoch in Anwendung gekommen wäre; denn die Linie erlosch bereits mit ihm selbst wieder, da seine 2 Söhne Beide schon nach 1 Jahre wieder verstarben, so dass nur eine Tochter ihn überlebte. Die Besitzungen fielen nach seinem Tode der Hartenburger Linie zu. Im Jahre 1737 trat er zum katholischen Glauben über, was ihm am churpfälzer Hofe hohe Ehren eintrug, und er scheint sich in diesem Glauben hervorgethan zu haben, da man ihm eine religiöse Streitschrift widmete: „Auserlesene Merkwürdigkeiten von alten und neuen Markschreyercien" u. s. w., 4 Theile, von Joh. Nie. Weislinger, Pfarrherr zu Oapell unter Rodeck im Breyssgau. Strassburg — Oberammergau — 1738; mit dem Leiningenschen Wappen und einer 38 Seiten langen Dedikation an Graf Carl Ludwig. Er residirte meist in der zum Theil wieder hergestellten Emichsburg zu Klein-Bockenheim, theils auf Battenberg bei Neu-Leiningen. - 295 - Graf Carl Ludwig starb am 20. März 1747. Am 22. Nov. 1-726 vermählte er sich mit Caroline (Tochter des Wild- und Rheingrafen Carl von Dhaun und der Gräfin Louise von Nassau-Saarbrück-Ottweiler), geb. am 7. Jan. 1706 und gestorben am 26. Mai 1752 1 ). Seine drei schon erwähnten Kinder waren: a. Carl Friedrich Ludwig, geb. am 22. Febr. 1732, starb 192a schon am 4. April 1733. h. Johann Christian, geb. 27. Dec. 1732, am 4. Januar 192b 1733 wieder verstorben. c. Katharina Louise Eleonore, geb. 1. Febr. 1735 192c (oder 33 ?) Ritterin des Malteserordens, starb am 25. Febr. 1805. Sie vermählte sich am 28. April 1751 mit Theodor Alexander, Prinz zu Löwenstein-Werthheim-Rochefort, welcher am 14. Sept. 1722 geboren war und am 27. Febr. 1780 starb, so dass seine Gemahlin ihn um 25 Jahre überlebte. 7. Charlotte Marie Albertine, geb. am 31. Dec. 1704, 193 gestorben am 30. Mai 1783. Sie war vermählt mit Graf Erdmann Heinrich Henkel von Donnersmark zu Pölzig (geb. 21. Sept. 1681, vermählt am 27. Sept. 1727, starb am 2.. Sept. 1752). Die Braut verzichtete auf das Erbe am 23. Sept. 1727 und am 27. fand zu Stuttgart die Vermählung statt 3 ). 8. Anna Marie Louise, geb. am 11. Januar 1706 3 ), ge- 194 -storben am 25. Jan. 1764, vermählte sich am 30. Sept. 1725^) mit Friedrich Ferdinand, des h. Rom. Reichs Erbmarschall, 0 Der Verzicht auf das Erbe ist ausgestellt in Wertheim am 19. März 1751 und die EheversehrÜbung zu Strassburg am 27. April desselben Jahres (Leininger Copialbuch Nr. 9). -) Leininger Copialbuch Nr, 9. s ) Laut Taufschein, ausgestellt in Grünstadt am 12. Eebr. 1706; s. Nedo- pil, Adelsproben n'. 3570. 9 Der Verzicht auf das Erbe ist datiert vom 1. October. Die Vermählung land zu Dürkheim statt. (Leininger Copialbuch Nr. 9). Grafen und Herrn zu Pappenheim (geb. 5 Sept 1702, gestorben 27. Febr. .1793) 9. Johanna Polvxöna, geboren am 16. Mai 1.709, starb i/ ' O 7 am 6. Juni 1750 Sie vermählte sieh am 14. August 17:80 zu Dürkheim 1 ) mit Graf Wilhelm zu Isenburg-Büdingen in Wächtersbach (geboren am 3. Mai 1700, gestorben am 14. Februar 1747). l ) Der Verzicht auf das Erbe trägt das Datum des 15. August. Friedrich Magnus. Geboren 27. März 1703. Er führte den Namen nicht gleich seinem grossen ^Zeitgenossen Friedrich dem Grossen als Epitheton ornans, sondern als Namen, und zwar nach seinem Taufpathen und Grossvater mütterlicher Seits, den Markgrafen Friedrich Magnus v. Baden- Durlach. Graf Friedrich Magnus folgte seinem Vater Johann Friedrich in der Regierung, jedoch anfangs, da er bei des Vaters Tode noch nicht volljährig war, unter der Vormundschaft seiner vortrefflichen Mutter und seines Olieims, des Markgrafen Carl von Baden-Durlach. Dieser edle^Herr sowohl, als die Mutter, bemühten sich ernstlich um die Hebung des noch immer an den Nachwehen der schrecklichen Kriegsjahre leidenden Landes und suchten auf jede Weise den Wohlstand zu fördern. Vorzugsweise sorgten sie für Dürkheim, bestätigten und vermehrten die Privilegien desselben, zogen gern tüchtige Handwerker heran, gleichviel .bb Protestanten oder Reformierte, und sicherten jedem Einwohner volle^eligionsfreibeit,' sowie Speciallinie L ei 11 in gen - H arte 11 b u rg. - 298 — denjenigen, die neue Häuser bauen würden, lOjälirige Abgabenfreiheit zu. Dadurch wurde Dürkheim wieder eine blühende Stadt, und dies trug nicht wenig zur Hebung anderer leiningen- scher Ortschaften bei. Gemeinsam mit den Söhnen seines Vormundes erhielt Friedrich Magnus in Durlach eine ganz vorzügliche Erziehung. Leider aber blieb es auch ihm nicht erspart, die schönen, in ihrer Gesammtheit so imposanten Besitzungen zerstückelt zu sehen. Er rnusste sich, trotzdem so manche Verabredungen und Festsetzungen in Bezug auf das Zusammenhalten der Güter vorangegangen waren, am 23. Febr. 1728 doch zu einer völligen Theilung verstehen, bei welcher er selbst die Ortschaften in der Umgegend von Dürkheim, nebst Dagsburg und Lindelbronn, sein Bruder Carl Ludwig aber (der auf die Theilung gedrungen hatte, um eine eigne Linie bilden zu können, was indess nicht gelang, da diese seine neue Linie mit ihm selbst wieder erlosch) die weiter unterhalb gelegenen Orte bekam und seine Residenz in Kl. Bockenheim aufschlug. Es waren nunmehr im Hause Leiningen abermals zwei Linien: — die Speciallinie Leiningen-Hartenburg und die Speciallinie Lein ingen-Emichsburg; im gewöhnlichen Leben nannte man die beiden Herrschaften die „obere" und die „untere Grafschaft". Als dann Carl Ludwigs Besitzungen, da er ohne männl iche Erben starb, an Friedrich Magnus zurückfielen, huldigten im März 1747 die Unterthanen jubelnd ihren; früheren Herrn. Er sorgte in der Tliat auch fernerhin redlich für das Wohl seiner Unterthanen, und so gross waren seine Menschenfreundlichkeit und seine Güte, dass man ihn den „gemeinen" Grafen nannte, was in dortiger Gegend soviel heissen soll, als dass er gegen Jedermann herablassend und leutselig war. Als die Hartenburg für seine Familie und seinen Hofstaat nicht mehr ausreichte, verlegte er 1725 seine Residenz nach Diirk- - 299 - heim, wo er ein neues Schloss nebst Lustgarten zu bauen begann. Die zum Schutze des Schlosses 1739 vorgelegte nörd- v liehe Mauer trägt heute noch folgende Inschrift: „Q. D. B. V- Sub auspicio numinis divini et regimine inclutö celsissimi co- mitis ac domini dn. Friderici Magni comitis Leiningensis Dax- burgensis dynastae Aspermontani hic hortus ad illustrissimae posteritatis innocens ac perenne delectamentum nec non Oppi- dum Durcklieimiense ad Haardam ahquatenus ad muniendum moenibus fuit cinctus, anno salvatoris MDCCXXXIX murus urbium civium virtus." Diese hohe Mauer nennt man noch den „rempart." Wahrscheinlich bei Gelegenheit der Vollendung dieser Mauer erfolgte die Schenkung des Muschelbechers (Nautilus) mit silbernem Fusse und der Inschrift: „ex donatione illustrissimi Friderici Magni Comitis Leiningensis 1739", der 1889 im Dürkheimer Stadtarchiv wieder aufgefunden wurde und nun an einem Ehrenplatz im Stadthaus zu Dürkheim a. H. steht 1 ). Im Dürkheimer Stadtarchiv wurde im April .1887 von Graf Iv. E. zu Leiningen-Westerburg eine Bleiplatte aufgefunden, die aus dem Brandschutt des Leininger Schlosses zu Dürkheim stammte und folgende Worte enthält: „Unter der Regierung des hochgebolirenen Graffen und herrn Fridericli Magnus Graffen zu Leiningen und Dagsburg und dero Frau Gemahlin Anna Christina Eleonora Gräffln zu Leiningen und Daxburg Geboh- rene Gräffin von Wurmbrandj ist Anno 1732, den 9. Dag Juni vonn einigen hoen Persohnen der Grondstein gelegedt worden," u. s. w. „Gott allein die Ehre." Die Platte vermeldet die Grundsteinlegung entweder des Haupttheils des Schlosses oder eines Seitenflügels und war jedenfalls über dem Grundstein in der Mauer eingelassen; sie ') Bayerland, 18Ü0. S. 5, 10 und 11, - 300 - befindet sich jetzt in den Sammlungen des Alter thums-Vereins zu Dürkheim 1 ). Auch unter ihm "währten die Zwistigköitcn mit Kurpfalz fort, doch bezogen sich dieselben meist nur auf Forst- und Jagdstreitigkeiten. Aug. Becker schildert in seinem Werke: „Die Pfalz und die Pfälzer" S. 212 die damalige Situation, wie folgt: Wenn der stolze „Jäger aus Kurpfalz" aus dem Walde kommend hier dem trotzigen Leininger begegnete, sagte er zu ihm: „Murmel' nicht viel", worauf ihm der mürrische Gegner stets erwiderte: „Ich kehr' mich an nichts." — Das drohende: „Schau dich nicht um" wurde dann auch oft gehört, und der Kampf, zwischen den hitzigen Forstleuten fortgeführt, bis sich die Fürsten selbst der Sache annahmen 2 ). — Heute noch sind auf den Karten die 3 eigentlilimhchen Namen verzeichnet und gehörten im 18. Jahrhundert Forsthäusern an, von denen jedoch nur noch Kehrdichannichts erhalten ist. Letzteres war schon von Graf Joh. Friedrich zwischen 1700 und 1710 erbaut, wie oben unter Graf Joh. Friedrich nachzulesen ist. Die ursprüngliche Bedeutung des Namens — auf die durchmarschirenden feindlichen Truppen sich beziehend — ging mit der Zeit verloren und wurde später als gegen den cliurpfälzer Nachbar gerichtet erklärt. Daher kam es, dass, als Graf Friedrieh Magnus dieses Forsthaus neu herrichten und mit seinem heute noch wohl erhaltenem Reliefbildniss schmücken liess, der Pfälzer 2 andere Forsthäuser errichtete und diesen die ebenfalls eigenthtimliehen Namen „Murrmirnichtviel" und „Schaudichnichtum" beilegte. — Dass Graf Friedrich Magnus auch ein Freund der Wissenschaften war, geht daraus hervor, dass sich eine Kupferstich- b Mittheil, des hist. Vereins d. Pfalz, Heft 13. S. 30—33. -) Siehe auch W. Kuby, die Pfalz, p. 201 u. 202; Voigtländers Pfalzführer (Kreuznach 1882) p. 76; C. Mehlis, Dürkheim und seine Umgebungen (Kaiserslautern 18S5), pag. 119. — J. Gernsheims „Bad Dürkheim", pag. 32 bis 35. - 301 - platte erhalten hat 1 ), die zur Anfertigung von sog. Ex libris = Bücher- oder Bibliothekzeichen 2 ) — dienten. Er scheint somit ■wahrscheinlich im Schlosse zu Dürkheim — eine Bibliothek sich angelegt zu haben 3 ). Das Blättchen zeigt ausser dem ganzen Wappen mit den 3 Helmen den Spruch „Svvm cvique" und „F: M: G: z: Leiningen:Daxburg 1741." Graf Friedrich Magnus starb tiefbetrauert zu Dürkheim am 28. October 1756. Er war vermählt seit 23. November 1723 4 ) mit Anna Christiane Eleonore (Tochter des Grafen Joh. Wilhelm v. Wurmbrand und der Freiin Susanne Maria v. Prösing), geboren im Juni 1699, gestorben am 4. Januar 1763. Seine Kinder waren: 1. Karl Friedrich Wilhelm, der Fürst. 202 2. Auguste Marie Katharine, geb. am 6. November 198 1725, starb bereits am 26. Decbr. 1725. 3. Emicli Casimir, geboren 22. Februar 1726, gestorben 199 20. Mai 1728. 4. Carolina Polyxena, geb. am 4. Juli 1728, gestorben 200 am 3. März 1782, vermählte sich am 28. Dec. 1751 mit Friedrich Karl, Grafen zu Wartenberg, Herrn zu Curl und Ostermanns- hofen, kurpfälzischem Generalmajor (geb. 3. April 1725, gest. am 8. Mai 1784 5 ). ') Im Besitz des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg. -) Dieselben klebte man vom in die Bückerdeckel als Zeichen des Besitzes. a ) Ging jedenfalls 1794 beim Brand des Schlosses zu Grunde. 4 ) Ehevertrag, Verzicht u. s. w. Carlsruhe, 22. Mai u. Dürkheim, 24. Mai 1724, nach dem Leininger Copialbuch Nr. 9, während die officielle „Gescklechts- tafel" den 23. Novbr. 1723 setzt. Letzteres ist das richtige, da dieses Datum auch, vom Dürkheimer Kirchenbuch (1645—179SJ so angegeben wird, ausserdem der Nachfolger bereits am 14. August 1724 geboren wurde. 5 ) Vermählung am 28. Dec.; Morgengabe etc. Elschbach, 29. Dec. 1751. Der Verzicht auf das Erbe datiert erst vom 6. Mai 1759 (Leininger Copialbuch Nr. 9). — 302 — 201 5. Sophie Wilhelmine, geh. 27. Decbr. 1729, gestorben 11. April 1815. 202 Carl Friedrich Wilhelm, clei* Fürst, der einzige seinen Vater überlebende Sohn des Grafen Friedrich Magnus, geboren am 14. August 1724, trat, reich an Geist iund Gemüth, als würdiger Nachfolger in die Fusstapfen seines edlen!Vaters. Bei seiner am 24. Juni 1749 zu Rödelheim 1 ) erfolgten Vermählung mit Gräfin Christine Wilhelmine Louise von Solms-Rödelheim war ihm von seinem Vater das Schloss Emichsburg in Klein-Bockenheim zur Residenz gegeben, wo er bis 1756 wohnte. Er führte den Schlossbau zu Dürkheim eifrig fort, erweiterte das Schloss durch 2 Seitenflügel und jegte 1762 den grossen Schlosspark nach englischem Muster, sowie Orangerien und Treibhäuser an. Er haute auch die Chaussee nach Mannheim, sowie im „Picard", im sogen Jägerthale, ein Jagdschlösschen, liess ferner Glashütten, Harz- und Theerschwelereien und Potaschen- Brennereien anlegen, Mühlen erbauen, Flössereien und vieles andere Nützliche einrichten. Ganz besonders suchte er den Ackerbau zu vervollkommnen und sorgte gleichfalls für die Verbesserung der Viehzucht und des Obstbaues, so dass die Leininger Ortschaften immer wohlhabender wurden. Damit die grossen Waldungen bei Hochspeyer besser bewirfhschaffet werden könnten, legte er Neufrankeneck und den Weiler Waldleiningen an und war überhaupt stets und aller Orten für das Wohl des Landes bemüht. 1767 wurde er Ritter des bayr. hohen Ordens vom heiligen Hubertus und 1768 Ritter des churpfälzischen Löwen- I ') Daselbst, Nr. 9. - 803 - Ordens; auch hiess ein churpfälzisches Dragoner-Regiment (wahrscheinlich nach 1779) „Leiningensches Dragoner-Regiment" — zahlreiche Beweise, dass der alte Groll zwischen Kurpfalz und Leiningen endgiltig beseitigt und begraben war. Von wichtigen Folgen für das Leininger Haus war der 1774 eintretende Tod des Grafen Friedrich Theodor Ludwig, des Letzten der Guntersblumer Linie; da derselbe keine Erben hinterliess und die Nachkommen Joh. Ludwigs (gest. 1687) erster Ehe noch nicht als legitim anerkannt waren, fielen die Besitzungen der seit 1560 getrennten Falkenburger Linie an den Hartenburger Stamm zurück: — es wurden damit, da auch die Dagsburger Linie 1709 und die Heidesheimer 1.766 ausgestorben waren, auf kurze Zeit alle Besitzungen der Jo- fried'schen Linie wieder in einer Hand vereinigt. Graf Friedrich Carl Wilhelm, mächtig an Land, Gütern und Unterthanen, ward nun mit in Beiüeksichtigung der von Kaiser Friedrich III. 1444 dem Landgrafen Hesso zu Leiningen ertheilten fürstlichen, landgräflichen Würde vom Kaiser Joseph II. am 23. Juli 1779 für seine männlichen und weiblichen Nachkommen in den erblichen Reichsfürstenstand erhoben. An sonstigen Würden bekleidete er die eines kurpfälzischen wirklichen Geheimraths, Generallieutenants der Cavallerie und Oberhofmarschalls; er legte jedoch seine Aemter gleich nach seiner Erhebung in den Fürstenstand nieder 1 ). Seinem Vater succedirte er am 28. Oct. 1756. Nach dem am 30. Sept. 1774 erfolgten Ableben des Grafen Friedrich Theodor Ludwig von Leiningen-Guntersblum nahm er, wie schon kurz erwähnt die sämmtlichen Landestheile der Falkenburger Hauptlinie in Besitz, gab aber später in Folge eines Vergleichs vom 17. Januar 1787 die Aemter Guntersblum und Heidesheim mit den 9 Widder, Besehr. u. Gesch. der Pfalz am Rhein, I. 51. — 804 — von 1774 bis Ende 1787 davon gefallenen Nutzungen an die Grafen Wilhelm Carl und Wenzel Joseph von der Falken- burger Linie heraus. Einen kleinen Zuwachs erhielten seine Besitzungen durch die testamentarische Verfügung der Freifrau Elisabeth von Betschardt (geb. von Schenk-Castell); diese erhielt 1790 die Anwartschaft auf Luzmannstein, vermählte sich 1797 mit dem Obersten Grafen von Chamisso, und nach dem kinderlosen Ableben des Letzteren im Jahre 1798 fiel die Besitzung an Fürst Carl Friedrich Wilhelm 1 ). Wenig bekannt dürfte sein, dass der berüchtigte Dr. K. Fr. Bahrdt — der „Mann mit der eisernen Stirne", oder der „weltbekannte theologische Wildfang" vom Fürsten, damals noch Grafen, Carl Friedrich Wilhelm als Generalsuperintendent in's Leininger Land berufen worden war, ein Missgriff, der sich jedoch dadurch erklärt, dass Karl Friedrich Wilhelm selbst getäuscht worden istk Der Leiningensche Hofrath Rühl a ) beabsichtigte, in dem damals leeren Leiningenschen Schlosse Heidesheim eine Schulanstalt, ein akademisches Gymnasium oder dergleichen anzulegen, und wurde ihm genannter Dr. Bahrdt empfohlen, worauf Riihl dem Grafen die Gelehrsamkeit und die Kanzelgaben des Doktors, dessen offenes freies Wesen und seine grossen Verdienste um das Marschlinzer (in Graubündten) Philanthropin pries. Nachdem Bahrdt einen Plan für ein in Heidesheim zu errichtendes Philanthropin vorgelegt hatte, wurde er 1776 nach Dürkheim berufen 3 ) und wirkte hier nuh als Generalsuperintendent und Leiter des Heidesheimer Philanthropins ') Hefnors Handschriftliche Sammlungen X. 255. -) Derselbe, der 1789 eine Leiningensche Geschichte „Rechorches historiques ot genealogiques Sur la maison de Linango" zu Strassburg i E. herausgab. *) Beiträge und Berichtigungen zu H. Dr. IL Fr. Bahrdt's Lebensbeschreibung in Briefen eines Pfälzers (Lauchhardt) 1791. Seite S9. ff. - 305 - eines „zur Veredlung des Menschengeschlechtes" auf Basedowschen pädagogischen Grundsätzen errichteten Erziehungsanstalt für Jünglinge. Die Einweihung dieses Philantropins geschah im Mai 1777, und sind dabei unter Zusammenlauf einer riesigen Menge von Menschen die gröbsten Ausschreitungen vorgekommen 1 ). Die Anstalt artete dann allmälig in Folge der sittlichen Verkommenkeit ihres Leiters, des Dr. Bahrdt, zu „einer wüsten Gastwirthschaft oder noch schlimmem' 1 )" aus und ging, nachdem Bahrdt auf Antrag des Grafen 1778 vom Reichs- holrath zur Verwaltung eines geistlichen Amtes für unfähig erklärt worden war, im Mai 1779 ein. Bahrdt war sonst ein geistreicher Mensch, aber durch und durch leichtfertig, und starb 1792 zu Halle als Gastwirtli 3 ). Das nach dieser traurigen 2jährigen Episode von allem anhaftenden Schmutz gesäuberte Heidesheimer Schloss kam 1787 zufolge des oben erwähnten Vertrags an Graf Joseph von Leiningen-Falkenburg. Das alte Stammschloss, die Hartenburg, war wegen der Verlegung der Residenz nach Dürkheim nunmehr wenig- bewohnt; einige Pächter und das Archiv waren darin untergebracht 4 ). Aus Achtung gegen dies altgeschichtliche Denkmal seiner Altvordern liess Fürst Karl Friedr. Wilhelm die Burg 1780 wieder restauriren und ganz bewohnbar herstellen, u. A. auch den Rittersaal wieder herrichten; er selbst wohnte wiederholt auf der Burg und empfing sogar daselbst am 10. August 1793 den Besuch des Königs Friedrich Wilhelm IL ') Siehe genaue Beschreibung in vorgenannten „Beiträgen und. Berichti- ungen — eines Pfälzers 1 ' (Lauckhardt) 1791. S. 124 u. ff. — Am Schlüsse der Beschreibung heisst es: „So -wurde das Philanthropie etc. zum Dienst der mächtigen Gottheiten, des Bacchus und der Venus, konsecrirt." 2 ) Pfalz. Memorabile, Westheim 1873. S. 174. 3 ) Gümbel; Gesch. der prot. Kirche der Pfalz. S. 572. 4 ) Lehmann, Dürkh. Thal. S. 260. Brinckmeier, Leiningen. ^0 — 306 - von Preussen, der im damaligen Kriege gegen Frankreich von seinem Hauptquartier Dürkheim aus nach der Hartenburg gefahren kam 1 ). In der Voss'schen Zeitung vom 24. August 1793 heisst es: „Bei der Annäherung des Monarchen ertönte eine frohe Musik und das Volk bezeugte ihm seine Freude durch allgemeines Vivatrufen. Am Fusse des Berges wurde der huldreiche König von dem Fürsten bewillkommt und der neugeborene kleine Prinz 2 ) (damals 5Vs Monat alt) überreichte ihm einen Lorbeerkranz. Die Güte, mit welcher Friedrich Wilhelm den Dank der Nachkommenschaft empfing, rührte alle Anwesenden und Ihm flössen überall dankbare Thränen. Der Monarch besah hierauf das ganze Schloss, besonders die merkwürdigen alten Rittergefängnisse und fuhr hierauf wieder nach Dürkheim." Es war dies wohl der Ausklang der alten Leiningenschen Macht und Herrschaft und ihres fürstlichen Glanzes auf pfälzer Boden; denn die französischen Revolutionskriege der 90er Jahre bereiteten dem Fürstenthum Leiningen auf dem altangestammten Grund und Boden links des Rheines ein Ende. Dem Fürsten Karl Friedrich Wilhelm, der den höchsten Glanz seines Hauses erlebt hatte, sollte dieser Schmerz nicht erspart bleiben. Er hat übrigens jene schweren Zeiten lange vorhergesehen, wie dies Iffland in der Sammlung seiner Schauspiele in der Vorrede zum Vorspiel: „Vaterfreude" mit beredten Worten schildert. Ifflands Worte sind: „Ich erinnere mich so sehr gegenwärtig, dass einst 1790 bei einem Abendspaziergange in den Waldgängen des Jägerthals der Fürst, da wir eben über die Folgen der Veränderung in Frankreich sprachen, auf einmal stehen blieb, wie ein scheidender Freund über die freundliche Besitzung hinaussah, ') S. auch Mittheil, des histor. Vereins d. Pfalz. Heft 14. S. 95—97. 2 ) Prinz Friedr. Karl Heiur. Ludw. Emich, geb. 1. 3. 1793, f 92. 2. 1800 — 307 — die Hand auf meine Schultern legte und mit aller Feier den Blick an den Himmel gerichtet, sagte: Gedenken Sie der Prophezeihung eines ehrlichen alten Mannes, in 3 Jahren liegt alles dieses in Asche! — Es war mir fremd, von dem muthigen Manne diese trübe Ansicht zu empfangen. Ach! Er hat nur zu wahr geredet." Beim ersten Einfall des Cüstineschen Heeres 1792 verliess die fürstliche Familie ihren Wohnsitz noch nicht und that dies erst, als der allgemeine Wunsch! des Landes sie endlich ermahnte, nach Mannheim zu gehen 1 ). 1793 und 1794 betrat sie den heimischen Boden nochmals auf kurze Zeit, musste dann aber flüchten, um nimmer wiederzukehren, ausser als Fremdlinge. Am 1. Januar 1794 stürmten die Franzosen in Dürkheim ein, und Stadt und Land hatten unter den Zügel- losigkeiten der „Freiheits'-Männer und den fortwährenden Contributionen Unsägliches zu leiden? In der Nacht des 31. Januar 1794 zündeten die Franzosen das fürstliche Schloss zu Dürkheim an und verhinderten jeden Versuch zum Löschen. So sanken denn das stattliche Schloss 2 ), die Kaserne, der Marstall und das Liebhabertheater auf ein Mal in Trümmer und Asche. Kurz darauf, am 1. Februar 1794 ging das Jagd- schloss Jägerthal und der Gessner'sche Tempel in Flammen auf, am 29. März 1794 steckten französische Jäger auch die Hartenburg in Brand 3 ), und so sank denn auch diese stolze altehrwürdige Feste für immer darnieder. Was an Schätzen, Archivalien, Rüstungen u. s. w. in der Burg vorhanden war, wurde ein Raub der Flammen. Die fürstlichen Angestellten, die Geistlichkeit und viele Bürger mussten sich, um Grausam- ') Iffland a. a. 0. 2 ) Abbildung in den Sammlungen des bist. Vereins der Pfalz und im Dürkheimer Alterth.-Verein. 3 ) Näheres bei Lehmann, Dürkh. Thal. S. 260 u. 261. 20* — 308 — keiten und Misshandlungen zu entgehen und um nicht gleich dem Rektor der Lateinschule und Frühprediger Braun in die Gefangenschaft weggeschleppt zu werden, durch die Flucht retten. Die Kirchenbücher sowie Kirchengcfässe liess der damalige Superintendent Klevesahl durch den Todtengräber „ohne Mitwissen anderer Personen, als eines zu Hülfe und in Eidespflichten genommenen ehrlichen Mannes" in der Nacht vom 29. auf den 30. December 1793 auf dem Gottesacker also verbergen: „Es wurden 2 aufeinanderstellende Särge herausgenommen, tief in den Boden ein Bretterbehälter gemacht, in denselhigen die Kiste (mit den genannten Gegenständen), — Erde, — ein Sarg — wieder Erde, — der 2. Sarg und wieder Erde darauf gethan und so glücklich geborgen." Die Bücher und Gefässe blieben 472 Monate so begraben und wurden dadurch gerettet 1 ). Die fürstliche Familie hatte in diesen schweren Zeiten, die sie ausserhalb ihres Landes zubringen musste, manche Drangsale zu erdulden, doch kämpfte sie der Fürst männlich und standhaft durch, obwohl er auch noch im Jahre 1800 den Verlust seines damaligen einzigen Enkels, des Prinzen Friedr. Carl Heinr. Ludw. Emich erdulden musste. In Folge des Lüneviller Friedens von 1801 und des Reichsdeputationshauptschlusses von 25. Februar 1803 (§. 20) wurden „endlich" die Besitzverhältnisse des aus den alten Landen vertriebenen Fürsten und der Grafen von Leiningen geregelt. Für den verlorenen altangestammten Besitz, auf dem das Geschlecht links des Rheins mindestens 800 Jahre gesessen hatte, erhielt das fürstliche Haus die vormals Mainzischen Aemter Miltenberg, Buchen, Seligenthal, Amorbach u. Bischofsheim, die vormals Wurzburgschen Aemter Grünsfeld, Hardheim, Landau und Ripperg, die vormals Kurpfälzischen Aemter L ) Dürkheimer Kirchenbücher im Stadtarchiv zu Dürkheim a. H. S. auch: Mittheilungen d. histor. Vereins d. Pfalz, Heft 13. S. 36. — 809 - Boxberg und Mosbach und die Abteien Amorbach und Ger- lachsheim, ferner statt der bisherigen Curiatstimme im Wetterauischen Grafencollegium: eine Virilstimme im Reichs- fiirstenratli. Grünsfeld und Gerlachsheim wurden behufs Ablösung einer Rente von 32000 Fl. alsbald wieder an Salm- Reifferscheidt abgetreten. Nach der Besitzergreifung nahm der Fürst folgenden Titel an: „Reichsfürst zu Leiningen, Pfalzgraf zu Mosbach, Graf zu Düren, Herr zu Miltenberg, Amorbach, Bischofsheim, Boxberg, Schüpf und Lauda." So war der fürstlich Leiningensche Besitz, wenn auch auf anderem Grund und Boden, wieder aufgerichtet und bestand als souveränes Fürstenthum des Deutschen Reiches bis zum Jahre 1806. In diese Zeit fällt auch die vom Fürsten angeordnete Prägung von Silbermünzen (Groschen, Kreuzer und Pfennige), die er weniger wegen des Bedürfnisses, als vielmehr um sein ihm zustehendes Hoheitsrecht* das Münzrecht, auszuüben, schlagen liess. Mit dem traurigen Ende des alten Deutschen Reiches wurde auch das Fürstenthum Leiningen am 12. Juli 1806 me- diatisirt, und der Souveränität des, Grossherzogs von Baden standesherrlich untergeordnet; die Verhältnisse in Baden wurden durch eine Verordnung vom 22. Mai 1833 bestimmt 1 ). 1810 kamen die Aemter Miltenberg und Amorbach unter kgl. bayrische Souveränität; ein Theil der Besitzungen, 3 Dörfer u. s. w. liegen auch unter grosshzgl. hessischer Oberhoheit. Damals umfasste das Fürstenthum in 12 Aemtern 2 ) 25 'Quadratmeilen, 90000 (nach einer im fürstlichen Archiv zu Amorbach befindlichen Bevölkerungstabelle: 81658) Einwohner, 15 Städte, 9 Marktflecken und 172 Dörfer, von denen 5V 8 DM. ij S. Brockhaus Conversations-Lexicon. 7. Auflage. 3 ) Gothaer Hofkalender 1836, H S. 146. - 310 - mit 16855 Einwohnern unter bayrischer, 19 3 /ö □ M. mit circa 84000 Einwohnern unter badischer, der Rest unter hessischer Oberhoheit; nach einer 1889 in Amorbach aufgestellten Zusammenstellung: 16775,1966 Hektare. Seine Residenz hatte der Fürst in Amorbach aufgeschlagen und widmete sich bis zu seinem Lebensende dem Wohleiseines neuen Landes. Bei der Darstellung des wechselvollen Lebens dieses edlen Fürsten darf eine grosse Lichtseite desselben nicht unerwähnt bleiben: sein Verhältniss zu dem bekannten Schauspieler und Dichter A. W. Iffland (geb. 1759, gestorben 1815). Fürst Karl Friedrich Wilhelm war Zeit seines Lebens ein Freund der schönen Künste, insbesondere auch der dramatischen, und daher kam es, dass derselbe den seit 1779 in Mannheim gefeierten Iffland auch nach Dürkheim rief und ihn hoch in Ehren hielt, wodurch sich auch des Letzteren Thätig- keit wiederholt auf Dürkheim und dessen Umgebung bezogen hat. Nach Dürkheim war er zunächst durch ein Theaterstück gezogen worden, welches die Kinder des Fürsten: Erbprinz Emich Karl, die regierende Rheingräfin Elisabeth von Grumbach und die regierende Gräfin Charlotte von Erbach, zu ihres Vaters Geburtstag als Ueberraschung aufführen wollten. Es wurde „La feinte par amour" (Die Verstellung aus Liebe) von Dorat ausgewählt, und ging dieses Stück am 14. Aug. 1781, auf der im neuerbauten Jagdschloss Jägerthal bei IJartenburg besonders eingerichteten Bühne unter der Regie Iffland's in Scene 1 ). Ausser den 3 oben genannten Personen betheiligten sich noch die Nichte des Fürsten, die Prinzessin Salm, sowie die Grafen Carl Christian und Friedrich Ludwig Christian zu Leiningen-Westerburg. Die Theilnahme der Letzteren beweist, ') Siehe: Deutsche Bühnengenossenschaft No. 35. 31. Aug. 1879 „Des Fürsten von Leiningen Liehhabertheater in Dürkheim a, H." von A. Pichler. - 811 - dass eine Aussöhnung zwischen den 2 Hauptlinien, den Har- tenburgern und T Vesterburgern, bereits damals bestanden hat, und dass ein reger Verkehr zwischen denselben -statt hatte. Im Theateralmanach von .1784 berichtet Iffland über diese Aufführung Folgendes: „Die Ueberraschung mit dem Theater und die Darstellung fiel so glücklich aus, dass dem Erfolg des ersten Versuchs die Dürkheimer jetzt ein vollkommen eingerichtetes und sehr gut besetztes Theater verdanken; denn dieselben Personen vereinigten sich nun mit einigen Verwandten des kurpfälzischen Hofs in Mannheim und einigen Hofcavalieren, von Zeit zu Zeit theatralische Vorstellungen zu wiederholen. So blieb es bis Ende des Jahrs 1782. Die verschiedenen von den herrschaftlichen Personen gegebenen Vorstellungen erweckten bei einigen herrschaftlichen Bediensteten das Verlangen, an dem Theater ebenfalls Antheil zu nehmen. Einige davon hatten bereits anderwärts auf Gesellschaftstheatern gespielt, diese waren also für die Bildung der neu hinzugekommenen von grossem Nutzen. Durch Fleiss und Uebung brachte es die Gesellschaft bald dahin, dass alle Arten von Rollen meistens sehr gut konnten besetzt werden." 1783 liess der Fürst das inzwischen in einer Reitbahn des Dürkheimer Schlosses eingerichtete Theater vergrössern; Iffland bemerkt hinzu: „Es ward das Haus um soviel erhöht, dass man ihm die ganze Einrichtung eines Schauspielhauses geben konnte. Das Theater selbst hat jetzt eine solche Tiefe und Breite, dass man alle Stücke geben kann. Die Dekorationen sind sehr gut und geschmackvoll neu von Herrn See- katz 1 ) verfertigt." Das neue Theater wurde am 14. Aug. 1784, am Geburtstage des Fürsten mit dem vom Erbprinzen Emich Karl verfassten Stücke „Seraphine" eröffnet und. war jeden: ehrbaren Bürger unendgeltlich geöffnet. Im Sommer 1784 war ') Binom Grünstadter bekannten Maler. - 312 — Iffland längere Zeit Gast des Fürsten und ■wohnte in dem idyllisch „in einem heiligen Walddunkel" gelegenen Jagdschloss „Jägerthal." Hier war es, wo Ii'fland sein bekanntes^Schauspiel „die Jäger" schrieb, das er dem Fürsten Karl Friedrich Wilhelm überliess und welches am 9. März 1785 auf dem fürstlichen Liebhabertheater zu Dürkheim von Dilettanten der vornehmen Gesellschaft zum ersten Male aufgeführt wurde, also 6 Tage früher als zu Mannheim, wo das Stück am 15. März 1785 über die Bretter ging 1 ). Iffland erhielt vom Fürsten als Gegengabe Wagen und Pferde zum Geschenk 2 ). Die Rollenbesetzung der ersten Aufführung ist noch erhalten 3 ) und spielte ausser Iffland (als Amtmann) noch der Erbprinz Emich Karl (als Anton) und Graf Heinrich Ernst Ludwig zu Leiningen-Westerburg (als Oberförster) mit. Ueber die Aufführung der „Jäger" spricht sich Iffland 4 ) dahin aus: „Die Vorstellungen zu Dürkheim waren gut, und manche sehr gut. Die Vorstellung der „Jäger" war vortrefflich." Wie der Verkehr zwischen dem Fürsten von Leiningen und Iffland in herzlicher Intimität fortdauerte, beweisen folgende 2 Festschriften, welche Iffland zur Hochzeitsfeier des Erbprinzen Emich Karl 1787 verfasste. Die erste 5 ) lautet: „Maria Elisabetha, Gräfin zu Leiningen-Hartenburg, geb. 1629, geb. Pfalzgräfin bey Rhein 0 ) an Sophie Henriette, Neuvermählte des Erbprinzen Emich Karl zu Leiningen-Hartenburg, geb. Gräfin zu Reuss-Plauen, b u. 2 ) "Deutsche Literaturdenkmale des 18. u. 19. Jahrhunderts „Ueber m. theatral. Laufbahn v. A. W. Iffland," Heilbronn 1886. Seite 33. s ) S. oben „Deutsche Bühnengenossenschaft" No. 35. A. Pichler. 4 ) „Ueber meine theatral. Laufbahn v. A. W. Iffland;" deutsche Liter.- denkmale 1886. S. 57. ff. ä ) Aus J. G. Lehmann's Actennachlass. ") Gattin Kmich's XI, L "i; . . - 318 - auf der wiederhergestellten Hartenburg im Juli 1787. Eine Geisterstimme, von Iffland, in Musik gesetzt von Reichhardt. Wenn in achtem Biedersinne Jemand von Euch Gutes thut, Gutes ohne Pracht und Schimmer, Dann rauscht Euer guter Engel Ueber unser Denkmal her. Sein gewaltiges Gefieder Theilt den Schleier auseinander, Der uns von der Vorwelt trennt. Dann strahlt aus der Sonnen Klarheit, Darin unsre Seelen wandeln, Kraft herab auf euren Scheitel; Frischer wallt ihr durch das Leben, Seliger steh'n wi vor Gott! Immerdar war meinem Herzen Hartenburg, die Aste theuer; Immerdar war Barenburg Meinem Herzen theuer. Dort hab' ich fü. Land und Herrn Meine Tage zugebracht. Ach! da jüngst aus ihren Trümmern Mein Urenkel Friedrich Wilhelm 1 ) Diese Burg hervorgebracht; Da vergoss ich Freudenthränen In den Reih'n der alten Ahnen. Und als ich mit lauter Stimme: „Segen, Segen!" für ihn flehte, Sprach der Domicellus: „Amen!" Und der hohe Chor der Ahnen Rief es laut zu Gottes Thron. ') Der Fürst Karl Friedr. "Willi., Vater des Erbprinzen Emich Carl. - 314 — Nunmehr steh'n der Veste Hallen Nicht mehr öde, wie vordem; Um den Heerd, den Engel hart, Graf zu Leiningen, gebaut, Sammeln sich jetzt Sohn und Vater, Mann und Frau und Freunde wieder. Saitenspiel ruft von den Zinnen: „Heimgekehrt ist Friedrich Wilhelm, Heimgekehrt des Hauses Vater In die Burg der guten Ahnen!' Freundlich rauchen auf der Burg Ganz nach alter Sitt' und Weise Alle Schornstein' zum Empfange Edler Freunde, die von Plauen Brüderlich auf dieser Veste Sich zu herzen kommen. Unter meinem Conterfey 1 ) Sah ich Euch beisammen sitzen Traulich wie in jenen Tagen, Wo ich meinem sei'gen Herrn Eben in demselben Saale Ehelich ward zugesellt. Eben wie mich Ernich liebte, Liebt Emich sein gutes Weib; Eben wie ich jede Freude Gern mit guten Seelen theilte, Ebenso sorgt auch Sophie Wie die Hausfrau auf der Burg; Ebenso sorgt auch Sophie, Dass von ihrer Schwester Freude Jedem auch sein Theilchen ward ') In dem grossartigen, prachtvollen Rittersaale zu Hartenburg waren die Ahnenbilder der leiningenschon Familie aufgehangen. - 315 — Vom Trunk und noch soviel dazu, Dass bei seiner stillen Lampe Sich ein Jeder freuen möchte. So hast du rund um die Burg- Seligkeiten her verbreitet; Segen sprach da Jedermann Ueber dich und über die, Die dir theuer sind. So liebe Tochter, so hast du Zufriedenheit den Weg gehahnt; Reich kaufen soll man Niemand! So wandle denn recht frisch und froh Auf unsrer Väter Burg einher. Der, der den Wassertrunk belohnt Schickt seinen Engel vor dir her. Mit Segen blicke ich auf dich, Mit Segen wird's die Zukunft! Hand in Hand mit Emich streue Rosen auf des Vaters Pfade! O dann sammeln auf der Burg Brüder sich und Schwestern gern; Halten frohen Reihentanz Um die Mutter, die den Herrn Zärtlich treu geliebet! Mein Engel ruft, lebwolil, lebwohl, Sophie, du bist meine Tochter; Vergiss ja nicht der alten Burg Immerdar war meinem Herzen Hartenburg, die Veste, theuer! Lebwohl, lebwohl, Sophie, Sophie, lebwohl! Vorstehende Cantate setzte der Componist Reichhardt in Musik und es enthält dieselbe sehr schöne,'liebliche Melodien!" — 316 — Ifflands Wünsche und die der ganzen fürstlichen Familie für diese herrliche Burg sollten sich leider nicht -verwirklichen. Jetzt ist die Hartenhurg eine trauernde, epheuumrankte Ruine, die aber noch in ihren stattlichen Resten imponiert und jeden Geschichts- und Naturfreund entzückt. Die 2. oben erwähnte Festschrift Ifflands war ein kleines Festspiel „Vaterfreude, Ein Vorspiel bei der Vermählungsfeier Karls, Erbprinzen zu Leiningen etc. mit Sophie Gräfin zu Reuss-Plauen etc. aufgeführt auf der fürstlich Leining'schen Gesellschaftsbühne zu Dürkheim 1787." In der „Vorrede" zu diesem Stücke, in der Sammlung seiner Schauspiele, d, d. Berlin, 25. April 1801), beschreibt Iff- land die persönlichen Vorzüge des Fürsten Karl Friedr. Wilh. zu Leiningen, sowie die damalige Lebensweise am Hofe zu Dürkheim und tritt am Schlüsse wärmstens für die Rechte des Fürsten ein. Nur einige Stellen aus Ifflands Feder seien hier wiedergegeben: „Die Menschen, welche das kleine Vorspiel „Vaterfreude" angeht, leben immer in meinem Herzen," etc. Vom Fürsten sagt er besonders: „Die Natur hat viel für den unternehmenden Mann gethan. Eine geistvolle hohe Bildung, ein feuriger Blick, ein freier, fester männlicher schnelle]' Schritt; eine starke, klingende, wirksame Stimme, ein jugendlicher Muth in Entschlicssungen, hinreissende Beredsamkeit — bezeichnen noch heute im 76. Jahre den Mann, der — Herr ist über sein Schicksal; nicht leicht wird Jemand den feinen Hofton so ganz in seiner Gewalt haben und nie hat der Fürst dieser Manier die Sprache seines redlichen Herzens aufgeopfert." „An all diesem mannigfachen Genuss (des Gesellschaftstheaters) habe ich von 1783 an Theil genommen und niemals — ach niemals werde ich der schönen Tage vergessen, die ich in diesen reichen, friedlichen Thälern gelebt habe," etc. In gleich anerkennender Weise spricht Iffland auch in seinen „dramatischen Werken" 1 ) und heisst es dort-vom fürstlichen Hause: „Ich machte dadurch die Bekanntschaft dieser höchst liebenswürdigen Familie. Ach, indem ich dies niederschreibe, steht die Vergangenheit dicht vor mir. Unbeschreibliche Wehmuth erfüllt mich und ich weiss nicht, wie ich bei so viel herrlichen Erinnerungen es dahin bringen soll, nur das zu sagen, was liieher gehören könnte. Treuherzigkeit, Biedersinn, Gastfreundlichkeit, Nachsicht und Wohlwollen ist in diesem Geschlecht ein theures Heiligthum. Hier habe ich schöne Tage gelebt. Die gefälligste Sitte, neben aller bürgerlichen Herzlichkeit bewohnte diese fruchtbaren Thäler, in denen ich einst mein Leben zu enden dachte. Jene Zeiten sind vorüber! Ihr Andenken ist tief in meine Seele gegraben und meine treue Dankbarkeit endet nur mit meinem Athem," u. s. w. Nach einem langen, segensreichen Leben starb Fürst Carl Friedrich Wilhelm am 9. Januar 1807. Seine Gemahlin war Gräfin Christiane Wilhelmine Luise (Tochter des Grafen Wilhelm Carl Ludwig von Solms-Rödelheim und der Gräfin Maria Magdalene von Wurmbrand), geb. 24. April 1736, vermählt 24. Juni 1749 und gestorben 6. Januar 1803. Kinder dieser Ehe waren: 1. Elisabeth Christiane Marianne, geb. am 27. Oct. 1753, vermählt zu Dürkheim am 16. Mai 1768 mit Carl Ludwig Wilhe lm Theod., Wild- und Rheingrafen zu Grumbach (geb. 14. Juli 1729, gest. 23. Mai 1799) und starb am 16. Febr. 1792. 2. Charlotte Luise Polj^xena, geb. 27. Mai 1755, vermählt zu Dürkheim 1. Sept. 1776 mit Graf Franz zu Erbach- Erbach (geb. 29. Oct. 1754, gest. .8. März 1823) und starb am 13. Januar 1785. i) I. Band, Meine theatralische Laufbahn. S. 129. — 818 — 206 3. Caroline Sophie Wilhelmine, geb. 4. April 1757, vermählt 21. Sept. 1773 m it, Friedrich Magnus, Grafen zu Solms- Wildenfels (geh. 31. Aug. 1743, gest. 12. Febr. 1801) und starb 18. März 1832. 207 4. Erbprinz Emich Carl, v'eicher seinem Vater 1807 in der Regierung folgte. Fürst Emich Karl. Derselbe wurde am 27. Sept. 1763 geboren und succedirte seinem Vater am 9. Januar 18U7. 1768 wurde er bereits Ritter des Baden-Durlacli'schen Ordens de la fidelite, stand dann als Major beim kurpfälzischen fürstlich Leiningenschen Dragoner-Regiment und wurde am 31. Juli 1785 zum Obersten und Inhaber dieses Regiments erhoben 1 ). Später avancierte er zum Generallieutenant Was für eine vortreffliche ^Erziehung Emich Carl in seiner Jugend von seinem edlen-Vater erhielt, geht aus IffLandsl .'Aufzeichnungen hervor, der von den beiden Fürsten Folgendes schreibt 2 ): „So besorgt der Fürst (Karl Friedr. Wilh.) um das Wohl seiner Unterthanen war, so sorgsam hatte er seine Gesinnungen auf seinen einzigen Sohn (Emich Karl) übertragen Beide waren redlich beschäftigt, das Wohl der Menschen, deren Führung ihnen oblag, zu gründen. Diese wackeren Fürsten handelten gut, weil sie so fühlten; nicht damit es gepriesen werden solle. — Ihre einfache Tafel wurde durch heitere ungezwungene Unterhaltung zum herrlichen Mahle, und die Gespräche, wenn Vater und Sohn mit dem gebildeten Cirkel in der schönen Natur wandelten, waren lehrreich, herzlich und fröhlich. 207 Sie kehrten in den Höfen der ') Churpfalzbayr. Intelligenzblatt, 42. Stück. München, 31. Juli 1785. ") Vorrede zur „Vaterfreude" d. d. 1800. Siehe oben. — 320 — Wohlhabenden ein und suchten oft die Hütten der Dürftigen und Leidenden. — Nach der Abendtafel wurde das Vorzüglichste aus der neuesten Literatur vorgelesen u s. w. — Diese Fürsten hatten das Ansehen, das Väter und Hausherren haben müssen; aber sie lebten mit ihren Dienern freundlich und zutraulich. — Im Winter wurden Sonntags auf dem Gesellschaftstheater zu Dürkheim von dem Erbprinzen Emich Karl, den fürstlichen Rathen und ihren Frauen Schauspiele gegeben. Dieses Etablissement war ganz das Werk des Erbprinzen. Man war weit darin gekommen Genauigkeit der Costüme, Decenz und Pünktlichkeit waren eigne Vorzüge, wodurch dies Institut sich auszeichnete! — 1787 überfiel den Erbprinzen Emich Karl eine gefährliche Krankheit. Wie war es damals so sichtbar, dass für jedermann ein treuer Freund darnieder lag. Wie theilten die guten Menschen die Angst und Sorgen des Vaters! Wie laut und herzlich war ihre Freude, als der edle junge Mann genesen unter ihnen umherging." Dass Fürst Emich Carl noch als Erbprinz selbst dichterisch thätig war, ist oben bereits erwähnt: Er verfasste u. A. 1784 ein „Seraphine" betiteltes Stück; auch war er ein grosser Verehrer des Idyllendichters Salomon Gessner (geb. 1730, starb 1787), zu dessen Gedächtniss er im Jägerthale nahe dem Jagdschlösse ein reizend gelegenes Tempelchen erbauen liess 1 ), das später (1. Febr. 1794) leidertauch der Roliheit und der Wuth der „Neufranken" erlag. Eine längere Regierung war ihm nicht beschieden, denn bereits nach 7 Jahren verstarb er am 4. Juli 1814. !) Iffland a. a. 0. (Vorrede zur „Vaiei freude'")- - 321 - t Vermählt war Ertlich Carl zweimal: 1. am 4. Juli 1787 zu Ebersdorf mit 'Gräfin Sophie 208 Henriette (Tochter des Grafen Heinrich XXIV. Reuss zu Lobenstein-Ebersdorf und der Gräfin Caroline Ernestine von Erbach-Schönberg), geb. 9. Mai 1707, gest. 3. Sept. 1801. 2. Am 21. Dec. 1803 zu Coburg mit Prinzessin Marie 209 Luise Victorie (Tochter des Herzogs Franz von Sachsen- Coburg und der Gräfin Auguste von Reuss-Ebersdorf 1 ), geb. 17. Aug. 1786, gest. 16. März 1861. Nach dem Tode ihres ersten Gemahls, des Fürsten Emich Carl, dem sie einen Sohn, den nachmaligen Fürsten Karl zu Leiningen, und eine Tochter geschenkt hatte, vermählte sie sich zum zweiten Male und zwar am 29. Mai 1818 mit Eduard August Prinzen von Grossbritannien, Herzog von Kent; die Tochter aus dieser Ehe, Victoria, sitzt heute noch als Königin von Grossbritannien und Irland und Kaiserin von Indien auf dem englischen Throne. Dieselbe ist somit die Halbschwester des Fürsten Carl zu Leiningen. Des Fürsten Emich Karl Kinder aus beiden Ehen waren: a. aus I. Ehe: Friedrich Carl Heinrich Ludwig Emich, geb. 1. März 210 1793, gestorben 22. Februar 1800. b. aus II. Ehe: 1. Erbprinz Carl Friedrich Wilhelm Emich, der Halb- 212 bruder der Königin Victoria von England, der nachmalige Fürst, geh. 12. Sept. 1804, gest. 13. Novbr. 1856. 2. Anna Feodora Auguste Charlotte Wilhelmine, geboren 211 7. Dec. 1807, gestorben 23. Sept. 1872. Sie vermählte sich am 18. Febr. 1828 in London (im Kensington Palace bei ihrer Mutter, der nachherigen Herzogin von Kent, und ihrer Halbschwester, der nachherigen Königin Victoria von England, mit x ) Ehevertrag v. 1. Dec. 1803 zu Amorbacli aufgestellt. Brinckmeier, Leiuingen. Ernst Anna Feodora Aug. Charl. Willi. Fürst zu Holienlolie-Langenb. Prinzessin zu Leiningen (Grossm. d.Kaiser. Auguste Vict.) Friedr. Christ. Aug. Adelheid Victoria A. L. M. C. Herzog zu Schlewig-Holst. Prinz.zuHohenlohe-Langenb. Auguste Victoria Prinzessin von Schleswig-Holstein, vermählt mit W ilh elm II., Deutschem Kaiser, König v. Preussen. Die Urgrossmutter der jetzigen Deutschen Kaiserin ist so mi t auch die Mutter des Fürsten Carl zu Leiningen und der Königin Victoria von England. dem Fürsten Ernst zu'Höhenlöhe-Langenburg (geb. 7. Mai 1794, gestorben 12. April 1860). Die Prinzessin Anna Feodora ist die leibliche Grossmutter der jetzt regierenden deutschen Kaiserin Auguste Victoria, Königin von Preussen, geb. Prinzessin von Schleswig-Holstein, wie nachstehende Tafel zeigt: Carl Friedrich Wilhelm Christiane Wilh. Luise Fürst zu Leiningen Gräfin zu Solms-Rödelheim. Emich Carl Marie Luise Victoria Fürst zu Leiningen Prinzessin v. Sachs-Coburg (in II. Ehe mit Eduard. Herz, v. Kent vermählt). Fürst Carl Friedrich Wilhelm Emich. geboren 12. Septbr. 1804, mündig erklärt 12. Septbr. 1823, Deutscher Standesherr, erbliches Mitglied der Kammer der Reichsräthe in Bayern, deren Präsident er im Jahre 1847 und 1848 war; Mitglied der ersten Ständekammern in Baden und Hessen; 1848 Präsident des Reichs-Ministeriums unter dem Reichsverweser Erzherzog Johann; kgl. bayr. Gen oral der Ca- vallerie und Inhaber des bayrischen 5. Clievauxlegers -Regiments „Leiningen." Er succedirte seinem Vater 4. Juli 1814 und starb 13. Novbr. 185b. In der Confliktszeit 1848 war Fürst Carl mit bestemlBei- spiele vorangegangen, indem er freiwillig auf seine standes- und gutsherrliche Gerichtsbarkeit Verzieht leistete und sich mit den Forderungen der Zeit einverstanden erklärte 1 ). Ueber diesen ächtf deutschen Fürsten findet sich folgende Aufzeichnung: 2 ). „Als Reminiscenz an die sturmbewegte Zeit vor 40 Jahren sei darauf hingewiesen, wie damals ein deutscher Standesherr, Fürst von Leiningen, den Mutli hatte, dem König Ludwig I. ') Illustr. Zeitung 1848, Nr. 259, S. 395. 2 ) Dürkheimer Anzeiger v. 3. Juni 1884, nach den Münchn. Neusten Nachrichten. 21* von Bayern die Forderungen der Bürger und Studenten als berechtigt zu erklären. Das Schreiben, das derselbe an den König richtete, schloss mit der ernsten .Mahnung: Der feste Wille eines Königs ist gross und edel; bleibt er aber unbeugsam gegen die Anforderungen der von der Vorsehung beschlossenen Richtung der Zeit, dann zerfällt er in Staub und wird zu einem Fluch für Königthum und Volk. Empfangen Ew. Majestät daher jetzt die feierliche Versicherung, dass wenn Ew. M. unabänderlich auf Ihrer Willensmeinung bestehen, Sie, nachdem vielleicht Ströme Blutes geflossen sein werden, Sich in Kürze genöthigt sehen werden, vom Throne Ihrer Väter herabzusteigen. Wenn aber auch Ew. M. Ihre Krone Ihrem Willen zum Opfer bringen, so ziehen Allerhöchstdieselben in Erwägung, dass ein solcher Vorfall ganz Deutschland, unser theures Vaterland, mit in den Abgrund schleudern würde. Ew. M. werden dies nicht thun, können dies nicht thun! Aller- gnädigster König 1 Ich bin Ihr treuster Unterthan; allein ich bin auch ein deutscher Fürst und würde als solcher nicht zur Nachgiebigkeit rathen, wenn dies mit der Ehre eines Fürsten unverträglich wäre. Um Eins beschwöre ich Ew. M.: Nur keine halben Massregeln!" (Bekanntlich entsagte König Ludwig I. v. Bayern dem Throne am 20. März 1848). Fürst Carl ist der Haupt-Schöpfer des köstlich mitten im Odenwald, '272 Stunden von Amorbach gelegenen stattlichen Schlosses Waldleiningen, das er 1828 begann und das unter Fürst Ernst weitergeführt und in dem jetzigen Umfange 1867 vollendet wurde. Waldleiningen, in englisch-gothischem (Tudor-) Stile erbaut, liegt 1 ) in einem ungeheuren Amphitheater, dessen steil abfallende Wände ca. 2000 Fuss hoch und durchaus mit l ) Tägl. Eundsohau 1885, Nr. 183, S. 730. — 325 - herrlichem LaübAvald bestanden sind. Im Sommer ist ringsum nur Grün zu sehen, kein einziges Haus; zahlreiches Roth- und Damwild belebt die nächste Umgebung. Fast alljährlich finden sich in nächster Nähe des Schlosses römische Erinnerungen, wie Wachthäuser, Inschrift- und Yotivsteine u. s. w., da auf dem benachbarten Höhenkamm der römische Limes vorüberführte, dessen Zug noch deutlich erhalten und zu verfolgen ist. Das im Isarthal gelegene Schloss Hohenburg (jetzt dem Herzog von Nassau gehörig) kam 1836 in den Besitz des Fürsten Carl zu Leiningen, der es glänzend wieder herstellen liess und durch seine grossen Jagden neues Leben in den stillen Isarwinkel brachte; auch die schönen englischen Anlagen rühren von ihm her. Als durch das Gesetz vom 4. Juni 1848 auch in Bayern die gutsherrliche Gerichtsbarkeit aufgelöst wurde, die Mark Hohenburg ihre Selbstständigkeit verlor und dem Landgerichte Tölz einverleibt wurde, hatte der Fürst keine Freude mehr an Hohenburg und verkaufte es im April 1849 an den Grafen Arco-Zinneberg 1 ). Vermählt war Fürst Carl seit 13. Februar 1829 mit Gräfin Maria (Tochter des Grafen Max von Klebeisberg und der Marie Freiin von Turba), geb. 27. März 1806, gestorben 28. Oct. 1880. Aus der Ehe dieses Fürsten entsprangen 2 Söhne: 1. Erbprinz Ernst Leopold Victor Carl August Joseft Emicli, der in der Regierung folgte, und 2. Eduard Friedrich Maximilian Johann; geb. 5. Januar 1833. Erzogen im elterlichen Hause, genoss er seine weitere Ausbildung in Genf, trat dann in die österreichische Armee und diente bei verschiedenen Trupjjentheilen, hauptsächlich bei der Gardegendarmerie. 1857 nahm derselbe seinen Abschied als Rittmeister; 1870 wollte er am Kriege gegen Frankreich Theil nehmen, wurde aber durch Gelenkrheumatismus an seinem 0 Grenzboten, 45. Jahrg. No. 35. S. 430. — 326 — patriotischen FVbrhhben gehindert? Er ist nunmehr Kgl. preu- ssischer Major a. D. und leht meist zu Amorbach, woselbst er sich der Stadt gegenüber in einem dem Fürsten Ernst gehörigen Weinberge ein reizendes kleines Schloss 1864 bis 1866 erbaute. Gleich seinen Altvordern ist er ein eifriger Waidmann. 215 Fürst Ernst Leopold Victor Carl August Joseph Eniicli geboren 9. November 1830, der jetzt regierende Fürst zu Leiningen, Pfalzgraf zu Mosbach, Graf zu Düren, Herr zu Amorbach, Miltenberg, Bischofsheim, Boxberg, Hardheim, Schüpf und Lauda, deutscher Standesherr erbliches Mitglied der Kammer der Reichsräthe in Bayern, sowie der ersten Ständekammern in Baden und Hessen. Er ist der Neffe der Königin Victoria von England und einer derjenigen Fürsten, denen man die griechische Königskrone angetragen hat, die er jedoch in richtigerlErkentniss der Verhältnisse nicht annahm. Er wurde im älterlichen Hause und später in Genf erzogen und trat dann in die englische Marine ein, in der derselbe, vom Midsliipman anfangend, nach nunmehr mehr als 40jähriger Dienstzeit den Rang eines Admirals bekleidet, als welcher er 1885 bis 1887 das (Jommando in Sheerness hatte. Fürst Ernst machte den indischen Krieg in Burmah 1851 bis 1853, sowie den Krieg gegen Russland 1854 bis 1856 mit. Er führte den Ausbau des Odenwaldschlosses Waldleiningen weiter, brachte die innere Einrichtung zum Abschluss, schuf die schöne gothische Schlosskapelle und vollendete den ganzen Bau 1867. Das stattliche Gebäude enthält eine lange Reihe von Gemächern, die mit einer grossen Zahl lebensgrosser Bildnisse der fürstlichen Familie und deren Verwandten geschmückt ist- es sind darunter mehrere werthvolle Oelbilder der Königin - 827 - Victoria, des deutschen Kaiserpaares Friedrich, des Prinz-Gemahls Albert, des Prinzen Albert Edward v. Wales u. A. Die Gänge des Schlosses sind mit einer hervorragenden Sammlung von Hirschgeweihen und mit anderen Jagdtrophäen (Gems-, Reh-, Schwarz-, Dam- und Auerwild etc.) geschmückt, die hauptsächlich das Waidwerk des jetzigen Fürsten, eines eifrigen Waidmanns, ergehen. Fürst Ernst succedirte seinem Vater am 13. Novbr. 1856, und residirt im Sommer und Herbst in Waldleiningen, im Winter, ausschliesslich einiger Monate, die derselbe in London zubringt, im Schlosse zu Amorbach, das, früher Amtshaus, vom Herzoge von Kent vergrössert und vom Fürsten Carl in seinem jetzigen Umfang hergestellt wurde. Am 29. Juni 1867 wurde durch ihn mit agnatischer Zustimmung ein neues Hausgesetz aufgerichtet. Fürst Ernst vermählte sich am 11. Septbr. 1858 zu Carlsruhe mit der Fürstin Marie Amalie (Tochter des Grossherzogs 216 Leopold von Baden und der Kgl. Prinzessin Sophie Wilhelmine von Schweden), geb. 20. Novbr. 1834. Dieser Ehe entstammen: 1. Prinzessin Alherta Victoria Sophie Marie Ernestine, 217 geb. zu Osborne 24. Juli 1863. 2. Erbprinz Emich Eduard Carl, geb. 18. Januar 1866, 218 zu Osborne, erzogen im elterlichen Hause und zu Harrow in England, seit dem 12. April 1884 Lieutenant im Kgl. Preussi- sclien Gardejäger-Bataillon, seit 1889 der preuss. Gesandtschaft in München zugetheilt, Der jetzige Immobilienbesitzstand der fürstlichen Standesherrschaft Leiningen setzt sich wie folgt zusammen. Sie besitzt A. in Bayern: in 28 Ortschaften Häuser, Land, Wald, Wiesen, Teiche u. s. w. in Amorbach (Stadt), Breitenbach (ganze Gemarkung), Breiten- — 328 - brich, Breitendiel, Buch, Bürgstadt, Dörnbach (g. Gem.), Eichenbühl, Görz, Guggenberg, Kirchzell, Miltenberg (Stadt). Ohrenbach (g. Gem.), Otterbach (g. Gem.) Ottorfszell, Pfohlbach, Prennschen, Reichertshausen, Reuenthal, Riedern, Sausenhof (g. Gem.), Schneeberg, Watterbach, V/eckbach, Weilbach, Wiesentheil (g. Gem.), Zittenfelden, Heiligenthal-Schwanfeld. B. in Baden: in 76 Ortschaften (wie oben): In Altheim, Bödiglieim, Buchen (Stadt), Dürnbach, Freudenberg (Stadt), Gottersdorf, Hainstadt, Kudach-Dörnthal, Kummershof, Rippberg, Steinbach, Walldürn (Stadt), Adelsheim (Stadt), Bischofsheim (Stadt), Brehmen, Bretzingen, Buch a. Ahorn, Dainbach, Dittighaim, Dittwar, Gerchsheim, Gerichtstetten, Gräffingen, Grossrindesfeld, 11 ardheim (Stadt), Heckfeld, Hemsbach, Höffingen, Hundheim, Königheim, Kupprichhausen, Lengenrieden, Limbach, Oberschiipf, Oster- burcken, Pülfringen, Sachsenflur, Schlierstadt, Schönfeld, Schweinberg, Seckach, Seehof (g. Gem.) Selgentlial (g. Gem.), Ueffingen, Unterschiipf, Windischbuch, Zimmern, Binau, Dallau, Diedes- heim, Krumbach, Lohrbach, Mörtelstein, Mosbach (Stadt), Muckenthal, Neckarelz, Neckarburken, Obrigheim, Kirrstetter- liof (g. Gem.), Reichenbuch, Rittersbach, Robern, Sattelbach, Trienz, Auerbach, Eberbach (Stadt), Ernstthal mit Waldleiningen (g. Gem.), Langepelz, Mörschenhardt, Mudau (Stadt), Oberscheidenthal, Reisenbach, Schlossau, Schöllenbach, Wagensch wend, Zwingenberg. C. in Hessen: In 5 Ortschaften: Forstbullau, Eduardsthal (g. Gem.), Hesselbach, Kailbach, Vielbrunn. Die Hauptlinie Leiuiiigen-Dagsburg-Falkenburg, gestiftet 1560. Wir müssen hier um 3 Jahrhunderte zurückblicken, um zum Ursprung dieser Linie zu gelangen. Die Söhne des Grafen Emich IX: Joh. Philipp I. und Emich X. wollten" als sie mündig geworden, die Güter nicht gemeinsam besitzen, und wenn auch ihr Vormund, Graf Hans Heinrich, der einzige noch lebende Binder ihres Vaters, einer weiteren Zerstückelung des Familienbesitzes zu wehren suchte, so bestanden die 2 Binder,,doch"auf einer Theilung, und es wurde dieselbe, unter Zuziehung des Oheims, denn auch wirklich vorgenommen, (Hartenburg, vff Donnerstag nach Johannes Baptistae A D. 1560 — 27. Juni 1 ). Der Antheil des Grafen Joh. Philipp ist schon oben (unter No. 152) angegeben und dabei gesagt, wie er mit demselben die Hartenburger Linie stiftete. Sein Bruder Emich X. bekam Schloss und Amt Falkenburg mit Wilgartswiesen, Rinnthal, Spirkelbach, Hochstätten, ') Lehmann, Ui'kmidl. Gesch. S. 229. sowie Eischweiler, Einöd, Herschberg, Wörschhausen, Horsel, Mühlhausen, Reinheim, Vs von der Gemeinschaft zu Albisheim, Morschheim, Ritterheim, Orbis; die Hälfte von Ruchheim und Assenheim, Hassloch, Böhl und Igelheim; ferner Mühlheim, Kolgenstein, Heidesheim, Kindenheim und Büdesheim, das Wäldchen am Donnersberg, Wallertheim, Ilbersheim, Dolgesheim, Guntersblum, Theile von Griessheim und den Hof in Wachenheim nebst den dazu gehörigen Gütern. Dabei wurde aber ausdrücklich festgesetzt, dass zwar jeder seinen Theil mit aller Hoheit, Herrlichkeit und aller Gerechtsame besitzen, geniessen und gebrauchen sollte, die Lehen aber solle immer der Aelteste in Empfang nehmen, auch dürfe Keiner von seinem Antheile etwas veräussern oder verpfänden ohne es zuvor der andern Linie angeboten zu haben, so dass in dem ganzen Vertrage, trotz der entschiedenen wirklichen Theilung doch immerhin noch die Zusammengehörigkeit des Ganzen im Auge behalten wurde. Ferner setzte man fest, dass Hartenburg und Dürkheim immer der Aelteste bekommen, die Töchter aber, nachdem sie auf das Erbe Verzicht geleistet, mit Geld (50U0 Fl.) ausgesteuert werden sollten, und gegenseitig gelobte man sich Beistand, Schutz und Freundschaft. So bildeten sich denn die beiden Hauptlinien: Leinin- gen-Dagsburg-Hartenburg, die ältere, welche vorhin besprochen wurde, und die jüngere Hauptlinie: Leiningen- Dagsburg-Falkenburg, welch letztere nunmehr beleuchtet wird. Als Begründer derselben erscheint: Emich X. 219 Vielfach als der „Aeltere" bezeichnet, zum Unterschied von seinem Neffen, Emich XI, den man den „Jüngeren" nannte. Im Jahre 1540 geboren, theilte er, wie vorhin berichtet, in « gütlicher'' Auseinandersetzung mit seinem Brüder Johann Philipp I. im Jahre 1560 und erhielt die vorhin im Einzelnen aufgeführte Hälfte. Mit seinem Neffen Emich XI. (aus der Hartenburger Linie) erbte er gemeinsam die Grafschaft Dags- burg und die Herrschaft Lindelbronn, welche sein Oheim Hans Heinrich (starb 1575t als Geistlicher) im Genuss gehabt hatte 1 ), kaufte 1582 von Emich XI. dessen Antheil an der Herrschaft Ormes um 10000 Fl., und als nun zwischen Beiden Differenzen entstanden, wurde bei der 1583 durch die Grafen von Oldenburg, Mansfeld und Sulz herbeigeführten Einigung festgesetzt, dass künftig die Lehen nicht mehr ausschliesslich der älteste Stamm allein, sondern beide Linien abwechselnd, zunächst Emich XI. auf Lebenszeit, empfangen sollte; von dem auf der Hartenburg befindlichen Geschütze erhielt Emich X. l /s, Emich XI. 2 /s; Emich X. sollte ferner die Falkenburger Originalurkunden ausgeliefert bekommen. ') Der Rechtsstreit wegen des Mörs-Saarwerdenschen Erbes ist bereits bei Johann Philipp I. (Nr. 152) erwähnt, ein Prozess, der sieh länger als zwei Jahrhunderte hinzog, aber unentschieden blieb. — 332 - Er führte sowohl in seinen Landen, wie auch in den Besitzungen seines Mündels Einich XI. die Reformation ein 1 ) und zwar, wenn auch mit allem Eifer, doch eben so, wie sein Bruder, ohne seinen Unterthanen irgendwie Zwang anzuthunf Und dessen hätte es auch nicht bedurft; denn der Eifer dieser letzteren, sich von dem geistlichen Drucke zu befreien, war so gross, dass schon im Jahre 1574 sämmtliche leiningensche Pfarreien evangelische Prediger hatten und diese Confession in allen leiningenschen Gcbietstheilen die herrschende wurde. Bei der Beilegung erneuter Uneinigkeiten 18. Januar 1587 durch Graf Sebastian von Palkenstein u. A. wies Emich X. seinen Neffen in den Mitbesitz der Grafschaft Dagsburg mit allen Zubehörden, Gefällen und Geschützen ein; es wurde aber festgesetzt, dass der beschworene Burgfriede zu Dagsburg von Herren und ihren Dienern streng beobachtet werden müsse; ferner sollte von Aspermont das wieder Erworbene und noch zu Erwerbende gemeinschaftlich besessen werden. Die Bestrebungen Emichs X., in Dürkheim, wo ihm nur der Blickenhof gehörte, eine eigene Hofhaltung einzurichten, fanden Widerstand bei Emich XL, dem Dürkheim zum Loose gefallen war; bei der 1600 durch die Grafen Ernst von Mansfeld und Frobe- nius von Helfenstein erzielten Einigung wurde festgesetzt, dass die angefangene Hofhaltung nach 4 Jahren an einen andern Ort verlegt werden solle. Interessant, namentlich in Bezug auf die Garderohe eines damaligen hohen Herrn, ist ein Befehl Graf Emichs X., der mit dem Kurfürsten von Trier in 14 Tagen auf den Reichstag nach Regensburg musste, an seinen Amtmann zu Hardenburg, was er ihm zu der bevorstehenden Reise liefern solle. Er ') „er hat neben anderen Chur-, "Fürsten und Ständen unser christliches Concordienbuch h elften unterschreiben und bestätigen." (Deutschord. Archiv Wien, 1267, No. 39). lautet: ..Demnach ihr wol wist, wyo das ich myt kleydern gefast hyn, das ich sunder nychts überigs von kleydern hab, das ich doch noch eyn kleyd nmest haben, nämlich ein nägel- farb damast mit schwarzem Sammt verbrempt: und nägelfarb Seidenatlas zum Wambs auch Sammt zu einem Vberzug zu Hossen und Kuller; diese Sachen soll er machen lassen, aber die Schneider sollen es ihm nicht verderben, wie sie das roth- sammtne und das schwarze Kleid verdorben hätten, und-das ich auch bey anderen Heren mecht besten (bestehen)." Dann sollte er ihm eine goldene Kette schicken „auf das ich auch Andern möcht geliehen (gleichen)"; er verlangt ferner noch Geld, da er nicht über 50 Fl. Vorrath habe; „Datum Münster meinfeldt 2. tag februarius anno 57 (1557'). Nach Graf Emichs Testament sollten seine Töchter, entgegen den Verträgen, zu gleichen Theilen mit den Söhnen erben; doch wurde dies nach seinem Tode durch den Vormund und die (noch minorennen) Söhne abgestellt und dagegen bestimmt, die Töchter beider Linien müssten, gegen eine standesgemässe Aussteuer auf alles väterliche und mütterliche Erbe eidlich verzichten, und zwar auf so lange, als von beiden Seiten noch männliche Sprossen vorhanden seien 2 ). Emicli X. starb im Jahre 1593. Vermählt hatte er sich 18. Febr. 1577 mit Ursula (Tochter des Georg von Fleckenstein, Herrn zu Daclistul, und der Wild- und Rheingräfin Margaretha zu Kyrburg), geboren .1553 und gestorben 14. October 1595. Aus dieser Ehe stammten 3 Söhne und 3 Töchter 1. Elisabeth, geboren am 6. Mai 1.586, gestorben am 25. October 1623, vermählte sich am 9. Januar 1619 mit Graf 9 Eürstl. Lein. Geh.-Archiv 46. No. 8. 2 ) Der Vertrag, geschlossen zu Dürkheim am 19. März 1600. ward vom Reichskammergericht zu Speyer bestätigt. 334 222 232 223 225 224 Johann Philipp II. von Leiningen-Dagsburg-Hartenburg (geb. 6: April 1588, gest. am 15. Mai 1643). 2. Anna Maria, vermählt am 26. Sept. 1602 mit Graf Georg V. zu Ortenburg (geboren am 7. Oetober 1573). 3. Johann Ludwig, Stifter der Speciallinie Heidesheim. 4. Philipp Jacob, bereits in der Kindheit verstorben. 5. Philipp Georg, Stifter der Speciallinie Dägsburg. 6. Maria Ursula, vermuthlich zwischen 1583 und 1585 g eboren, vermählte sich I.: am 7. Juli 1604 mit Graf Arnold von Manderscheid-Blankenheim fgeb. 12 Juli 1546, gestorben 1614); II.: 1616 mit Ernst Friedrich, Graf zu Salm-Reifferscheid (welcher 1639 starb) und III.: mit Maximilian, des heil. röm. Reichs Erbmarschall, Landgraf in Stühlingen, Herrn zu Pappenheim (geb. 2. Febr. 1580, gest. 14. Febr. 1639). Gräfin Maria Ursula selbst starb 1638. Wie schon angedeutet, errichteten zwei seiner Söhne neue Falkenburger Speciallinien, von denen die zweite mit dem Sohne des Stifters bereits wieder ausstarb und daher hier zunächst betrachtet werden möge. Es ist dies die Speciallinie Leiningen-Dagsburg-Falkenburg in Dagsburg und ihr Stifter der dritte Sohn Emichs X: Philipp Georg 225 gehören 26. Juli 1582. Er theilte mit seinem Bruder Johann Ludwig und stiftete die obige Linie, welche aber bereits am 15. April 1688 wieder erlosch, in Gemeinschaft mit seinem Bruder Joh. Ludwig fühlte er eine Fideicommiss- und Primo- geniturordnung am 20. Dec. 1613 ein, welche am 26. Mai 1614 vom Kaiser bestätigt wurde. Verschiedene, durch übertriebenenIDiensteifer der Beamten^ sowie die durch Kriegsunruhen herbeigeführten Irrungen zwischen Philipp Georg und Johann Philipp II. wurden zu beiderseitiger Zufriedenheit am 24. Juni 1623 und am 11. Juni 1624 zu Dagsburg ausgeglichen. Sehr bemerkenswerth ist ein von ihm und seinem Bruder Johann Ludwig zu Dagsburg am 27. Juni 1613 erlassenes Waldreglement 1 ) für die Grafschaft Dagsburg, worin in 21 Artikeln festgesetzt wird, zu welchen niedrigsten Preisen das Holz an die Unterthanen verkauft werden und dass lerner ') Diesen Reglement wurde 1888 bei Gilliot in Zabern auf einem grossen Bogen neu abgedruckt. — Archiv des Grafen Iv. E. zu Leiningen-Westerburg. - 336 - Bau- und Nutzholz unentgeltlich geliefert werden soll, und worin überhaupt Verordnungen über die Bewirtschaftung der Wälder und die Forstcultur gegeben werden; vidimirt wurde dies Reglement nochmals 5. Aug. 1789 durch den Maire J. An- stett zu Dagsburg. Dass auch Graf Philipp Georg eben so, wie die übrigen Leininger Dynasten und deren Besitzungen während des 30jäh- rigen Krieges auf das Furchtbarste zu leiden hatten, ist erklärlich!' obwohl die schwersten Leiden erst nach seinem Tode über das Land hereinbrachen. Er starb am Ii. Februar 1627. Vermählt hatte er sich 226 4. Juli 1(514 mit Gräfin Anna (Tochter des Grafen Georg II. zu Erbach und der Gräfin Anna zu Solms-Laubach), geb. 27. April 1582, gestorben am 30. Juli 1650. Gral Phil. Georgs und der Gräfin Anna Alliancewappen, vorzüglich erhalten, mit der Jahreszahl 1618, befindet sich an dem neuen Scliloss zu Mörsperg (Moi imont) in der Herrschaft Rixingen in H- - : wuhringen eingemauert. Ueber die Geschichte dieses V appens ist Näheres nicht bekannt. Es ist der einzige Rest Leiningenscher Herrschaft im Rixinger Lande. Aus dieser Ehe stammten: 227 1. Friedrich Magnus, geb. 1615, gestorben 1639. 228 2. Em ich Ludwig, geb. 1618. fiel 1638 in der Schlacht bei St. Quentin. 231 3. Johann Casimir, der Nachfolger des Vaters. 229 4. Franziska, geboren 1624, gestorben 1639. 230 5. Anna, geboren 1625, starb 14. December 1668, vermählt 10. Dec. 1646 mit dem Grafen Johann zu Nassau-Idstein (geb. 24. Nov. 1603, gest. 23. Mai 1677). Johann Casimir, 281 geboren am 14. Mai 1619. Gegen Ende des 30jälirigen Krieges, im Jahre 1644 war er Oberst in einem kaiserlichen Regiment und Commandant von Lemgo, wo er bis 1646 verblieb; hier kam es zu persönlichen Reibereien mit den Grafen Hermann Adolf und Otto Heinrich von Lippe, die zwar nicht gleich ihre Erledigung?fanden, aber später damit endeten, dass Joh. Casimir den Grafen Otto Heinrich von Lippe am 29. März 1648 auf dem Wege von Heidesheim nach Harten bürg mit einer Pistole niedersehoss. Der Vorfall wurde verschieden ausgelegt, theils als Duell,!theils als ls ; othwehr, 1 auch als Mord; ein peinlicher Prozess wurde deswegen gegen Joh. Casimir 10 Jahre lang geführt, allein ohne Erfolg; eine Ahndung ist nicht (eingetreten^). Später erscheint Joh. Casimir auch als Präsident des Reichskammergerichts zu Speyer. Er starb als der Letzte seiner Linie unvermählt am 15. April 1.688; die Besitzungen fielen nun an: die Speciallinie Leiningen-Dagsburg-Falkenburg in Deidesheim, Ihr Stifter war des Grafen Emich X. von Leiningen- Dagsburg-Falkenburg ältester Sohn, der ältere Bruder Philipp Georgs: * l ) Eine für Joh. Casimir sehr ungünstige'jDarstellung des Vorfalles von Lippe'sclier Seite aus siehe: Falkmnnn, Beiträge zur Gesch. dos 1 (irstenth. Lippe. V. Band. 1887. S. 167. Brinckmeier, Lemingen. -- Johann Ludwig. Geboren am 8. Mai 1579, theilte er mit seinem oben genannten Bruder, baute, da ihm eine Hofhaltung in Dürkheim in Folge des Vertrags von 1600 unmöglich gemacht war, ein schönes und geräumiges Schloss zu Heidesheim, das er 1612 bezog, führte in Gemeinschaft mit seinem Bruder die weiter oben beschriebene Fideicommiss- und Primogeniturordnung d. d. 20. Dec. 1613, bestätigt vom Kaiser 26. Mai 1614, ein und veräusserte 1614 die zur Burg Frankenstein gehörigen Orte Albisheim, Morschheim, Rittersheim und Orbis an den Grafen Ludwig von Nassau-Saarbrück. Graf Job. Ludwig ist auch der Erbauer der Erbgruft in der Kirche zu Mühlheim bei Heidesheim (1612). In Bezug auf Lehnsangelegenheiten dürfte Folgendes von Interesse sein. Vom 26. Oct. 1608 datiert der nach dem Tode Emichs des Jüngeren (XI.) für Johann Ludwig ertheilte Investiturbrief und vom 10. Januar 1617 der Lehnbrief des Bischofs Leopold von Strassburg für Johann Ludwig im eigenen und im Namen seines Bruders Philipp Georg 1 ). Im Jahre 1609 bestätigt Bischof Eberhard von Speyer, Propst zu Weissenburg, dem Grafen Johann Ludwig und dessen Bruder Philipp Georg- gemeinsam die Weissenburger Lehen, welche Emich, nach ihm Engelhard, sodann Johann Heinrich und andere seiner Vorfahren besessen, als Mannlehen. Diese Lehen wurden im Jahre 1615 auch vom Kurfürsten Friedrich von der Pfalz bestätigt 2 ) und eben so die vorhin genannten Lehen 1617 von Leopold von Oesterreich für Johann Ludwig, seinen Bruder und seine Vettern. ') Lünig, Spioil. saec. I. 426. 2 ) Auch in den Jahren 1559, 1565, 1578 und 1584 waren dieselben bestätigt worden. — 339 - Graf Johann Ludwig starb am 19. Juni 1625. Seine Gemahlin war Maria Barbara (Tochter des Grafen Carl Ludwig 233 von Sultz und der Gräfin Dorothea. Katharina von Sayn), vermählt 1. Juni 1611; sie starb im März 1625 und schenkte ihrem Gemahl 3 Söhne und 2 Töchter: 1. Emich XII., des Vaters Nachfolger. 238 2. Johann Ludwig, geb. 1616, starb 1624. 934 3. Polyxena, geb. 1617. Sie war fünfmal vermählt: a. 235 mit Graf Leonhard Helferich von Meggau; b. mit Graf Johann Christoph von Puchheim, kaiserlichem Gcneral-Foldmarschall, der 1657 starb; c. mit Graf Johann Christoph von Scherfen- berg (geb. 1583); d. mit Carl Graf von Scherfenberg; e. mit Carl Friedrich, Grafen und Herrn zu Daun, welcher am 14. Februar 1727 starb. 4. Anna Amalia, geboren 1619, starb 1624. 236 5. Carl, geboren und gestorben 1622. 237 Der Nachfolger seines Vaters war: 22* 238 Emicli XII., geb. am 12. Juni 1612, süccedierte seinem Vater am 19. Juni 1625 und starb am 1. März 1657 zu Speyer, nachdem er das ganze Elend des dreissigjährigen Krieges mit seinem Lande im vollsten Mäasse durchgekostet und fortwährend sich bestrebt hatte, die Wunden, welche ihm und seinem Lande geschlagen worden waren, zu heilen 1 ). Graf Enrich XII. war 2 ) als entschiedener Protestant?auf Vorschlag seines Verwandten, des Landgrafen Georg von Hessen durch Recess vom 7. Juli 1643 zum Vormund im Lippe'schen Lande ernannt worden und übernahm die Landesadministration und Vormundschaft mit der Verpflichtung, in Detmold residiren zu wollen. Zu seiner Hofhaltung erhielt er jährlich 2000 Thaler und gewisse Naturalleistungen; häufig weilte er aber auch wegen der Kriegsunruhen auf längere Zeit in Heideslieim. Das Reichskammergericht bestätigte ihn in seiner Vormundschaft am 15. Sept. 1643 und der Kaiser verlieh ihm das übliche „Protectorium." ') Im Deutschordens-Archiv zu Wien, 1267, nr. 39, heisst es von ihm: „Ein frommer, hochverstäudiger Herr und löblicher JEtegent, der nicht allein in den beschwerlichen Kriegsjahren die vornehme Keichsgrafschaft löhlich admini- strirt, sondern auch 1647 von Kaiser Ferdiuando III. noch dero kaiserlichem Kammergericht zu Speyer zum Präsidenten präsentiret und angenommen. 2 ) Falkmann, Beiträge — Lippe. V. Band. I. Heft. S. 160—163 und 173—183. L - 341 - Seine Regierung in Detmold wurde ihm oft durch die Eingriffe der Brackischen Erbherren in die landesherrlichen Gerechtsame erschwert, doch führte er seine Administration mit grosser,^Gewissenhaftigkeit, bis sein Mündel, der eigentliche Landesherr, Simon Philipp Graf zur Lippe plötzlich am 19. Juni 1650 in Florenz starb, worauf Graf Emich XII. die Regierung niederlegte. Er war zweimal vermählt: I. mit Gräfin Christine 239 (Tochter des Grafen Albert Otto von Solms-Laubach und der Landgräfin Anna von Hessen-Darmstadt), geboren im September 1607, vermählt am 24. Mai 1632 und gestorben am 29. Nov. 1638; II. mit Gräfin Dorothea (Tochter des Grafen Christian 240 von Waldeck und der Gräfin Elisabeth von Nassau-Siegen), geboren 2. Februar 1617, vermählt 1641. Graf Emich hatte 9 Kinder, aus erster Ehe 2 Söhne und aus zweiter Ehe 3 Söhne und 4 Töchter. Aus erster Ehe: 1. Friedrich Emich, geb. 6. Aug. 1634, starb bereits 1636. 241 2. Georg Wilhelm, Stifter der Speciallinie Leiningen- 247 Dagshurg-Falkenburg in Heidesheim. Aus zweiter Ehe: 3. Emich Christian, Stifter der Speciallinie Leiningen- 274 Dagshurg-Falkenburg in Dagsburg. 4. Johann Ludwig, Stifter der Speciallinie Leiningen- 290 Dagshurg-Falkenburg in Guntersblum. 5. Beatrix Elisabeth, geb. am 7. Mai 1644 und gest. 242 4. September 1644. 6. Dietrich, geboren 20. Mai 1647, starb bereits 1651. 243 7. Anna Eleonora, geb. 22. Mai 1650, starb 26. Oct. 1661. 244 8. Alexandrine Juliana, geboren 21. August 1651, 245 starb 19. April 1703 und war zweimal vermählt: a. mit Georg III. Landgraf zu Hessen-Darmstadt zu Vöhl im Itter (geboren am 29. September 1632, vermählt am 2.1. Juli 1667, starb am 19. Juli 1676); — 1). mit Carl, Landgraf von Hessen-RheinfeJs- Rothenburg zu Wanfried, geb. 1.9. Juli 1649, vermählt 4. Juni 1678 und gestorben 3. März 1711. 9. Johanna Polyxena, geboren 10. April 1656, gestorben 11. Sept. 1711, vermählt am 11. (21.) Sept. 1679 mit Georg Eberhard Grafen zu Limburg-Speckfeld, des h. Rom. Reichs Erbschenk und Semperfrei 1 ) (geboren 3. Oct. 1643, gestorben 15. April 1705.) ') Es gab nur vior gräfliche Häuser mit dem Pmdicat „ Seih joeir frei." Zu ihnen gehörte das Haus "Westerburg. S. die Erklärung des Wortes bei dieser Familie. A. Die Speciallinie Leiniiigen-Dagsburg-Falkeiiburg in Heidesheim. Der Gründer dieser Linie, welche am 17. Nov. 1766 wieder erlosch, war der 2. Sohn Emichs XII.: Georg Wilhelm 247 in Deidesheim, der im Jahre 1657 mit seinen Brüdern theilte. Geboren 8. März 1636, starb er in der Blütlic seiner Jahre am 18. Juli 1672. Seine Gemahlin war Anna Elisabeth 248 (Tochter des Grafen Wierich von Falkenstein und Limburg, Herrn zu Broich, Oberstein und Reipolzkirchen, und der Gräfin Elisabeth von Waldeck), geboren am 1. Januar 1636, vermählt am 26. März 1658 und gestorben im Jahre 1673. Es entsprangen aus dieser Ehe fünf Kinder: 1. Wi'1-helmine Elisabeth, geboren 13. April 1659, ge- 249 storben 15. September 1733. Ihr erster Gemahl war Ludwig Graf zu Solms-Hohensolms (geb. 1646, vermählt am 6 Mai 1691, gestorben 24. August 1707); ihr zweiter Gemahl: Wilhelm Moritz, Graf zu Isenburg-Birstein (geb. 24. Juli 1657, vermählt 16. März 1701 und gestorben 8. März 1711). Die Speciallinien Heidesheim, Hagsburg und Guiitersblum. 2. Georg Wilhelm Emich, geb. am 27. Oet. 1660, gestorben am 17. Febr. 1662. 3. Johann Carl August in Broich, clor Nachfolger seines V aters. 4. Polyxena Juliana, geboren 19. Mai 1663, starb 1725. 5. Christian Georg Ludwig, geb. 28. December 1665, starb 23. Januar 1666. Der Nachfolge] - des Vaters in dieser Speciallinie war: Johann Carl Anglist 253 in Broich, geboren am 19. März 1662, succedierte seinem Vater am 19. Juli 1672, erbte von seiner Mutter die Herrschaften Broich, Oberstein und Reipolzkirchen und starb am 3. Nov. 1698 1 ). Er nannte sich in seinem vollen Titel: Job. Carl August, Graf zu Leiningen und Dagsburg, Herr zu Aspermont, Oberstein, Bruch, Bürgel und Reipolzkirchen. Doch besuchte er die eine Quadratmeile umfassende Herrschaft Broich bei Mühl heim an der Ruhr nur selten 2 ): Seine Gemahlin war Johanna Magdalena (Tochter des 254 Grafen Joh. Reinhart von Hanau-Lichtenberg und der Pfalzgräfin Anna Magdalena von Birkenfeld); sie war geboren 18. December 1660, vermählte sich 3. December 1685 und starb 21. August 1715. Dieser Ehe entstammten 6 Töchter und drei Söhne: 1. Anna Dorothea Charlotte, geboren 11. August 1687, 255 starb schon im Kindesalter. 2. Alexandrine Katharine, geboren 21. August 1688, 256 starb im November 1708. 3. Sophia Magdalena, geboren 14. April 1691, gestorben 257 18. März 1727, vermählt am 1. September 1713 mit Johann 0 Lünig, Spioil. saec. I. 431. S. auch Deutsohe Adelsprobeu aus dem Deutschoi'deüs-Centl'al-Archiv v. Leop. Nedopil (Wien 1868), nr. 3576. '-) v. Kamp, Sehloss u. Herrschaft Broich 1851. I. S. 209. •258 259 266 26Ü 261 264 265 262 263 346 Carl Ludwig, Wild- und Rheingraf von Dhaun-Grehweilcr (geb. 20. Juni 1686, starb am 21. Oct. 1740). 4. Marie Ghristiane Felicitas, geb. 29. Dec. 1692, gestorben 3. Juni 1734, war zweimal vermählt: 1. am 4. Dec. 1711 mit Markgraf Christoph von Baden-Durlach (geb. 9. Oct. 1684, starb 2. Mai 1723); —- 2. 29. Mai 1727 mit Herzog Joh. Wilhelm von Sachsen-Eisenach (geb. 17. Oct. 1666, gest. 4 Januar 1729). 5. Wilhelm Christian Reinhard, geb. 30. Nov. 1693, starb am folgenden Tage 1 ). 6. Christian Carl Reinhard, succedierte seinem Vater. 7. Johann Ludwig Wilhelm, geb. 5. April 1697, stand in französischen Kriegsdiensten und starb im Nov. 1742. Er war vermählt mit Sophie Eleonore Elisabeth (Tochter des Grafen Emich Leopold zu Leiningen-Falkenburg in Guntersblum und der Gräfin Charlotte Amalie von Leiningen-Falkenburg in Dagsburg), geboren 1710, vermählt 1730 und gestorben 19. Juni 1768. Dieser Ehe entstammten zwei Töchter: a. Ohristiana Louise Franziska Caroline Polyxena Elisabeth, geb. 25. Nov. 1735, gest. ? — b. Sophie Christiane Albertine Friederike, geb. 16. Januar 1736, starb 2. Oct. 1777 als Canonissin des fürstlichen Stiftes zu Herforden. 8. und 9- noch 2 Töchter, deren Vornamen unbekannt geblieben sind 2 ). ') Siehe Berichte des Pastors Drullmatin, d. d. Mülheim, 151. Öct. 1706, in Nedopil, de'utsche Adelsproben. nr. 3581. -) Nedopil, Deutsch-Oidens-Archiv 1267/32. -A Christian Carl Reinhard. 266 Geboren 7. Juli 1695 auf dem Schlosse Broich, succedierte seinem Vater am 3. November 1699 und seinem Vetter Carl Friedrich in Dagsburg zur Hälfte am 15. November 171)9. Nach dem Tode seines Vaters wurde er unter der Vormundschaft seiner Mutter, einer geborenen Gräfin von Hanau am Hofe zu Hanau erzogen. Von 1711 bis 1713 war er mit seinem Bruder Ludwig unter Führung des gräfl. Hanau'schen Geheimeraths von Berkheim in Strassburg, machte von 1713 bis 1716 Reisen nach Paris und in andere Länder, und trat nach seiner Rückkehr die Regierung an 1 ). Er war einer der trefflichsten 1 Regenten der Grafschaft Leiningen und machte sich hochverdient durch Stiftung der Leiningen-Heidesheimer Pfarrwittwenkassa, an der die Pfarrer zu Colgenstein, Mülheim und Kindenheim zu participiren berechtigt sind, und die heute beträchtlich über 25ÜUU Mark reich ist 2 ). Als die um ihres Glaubens? willen vertriebenen? Salzburger Protestanten 1749 durch das Leininger Gebiet wanderten, . fanden sie hei ihm tliätige Unterstützung. Von ihm wird ferner berichtet 3 ): „Christian Carl Reinhard war ein sehr reicher und hochangesehener Mann, den man für x ) Evangel. Kirchenbote f. d. Pfalz, 1883, Ho. 28, S. 110. 2 ) Ebenda. :t ) v. Kamp, Schloss u. Herrschaft Broich, 1851, I. S. 209. den ersten-Grafen des deutschen Reiches hielt ; und den der Kaiser zu einem Fürsten erheben wollte, was der Graf, der ohnehin auf fürstlichem Fusse lebte, abschlug, weil er lieber „der erste deutsche Graf als der letzte deutsche Fürst sein wollte • Er wohnte meist, in Heidesheim und seine Stelle in der Herrschaft Broich vertrat ein Hofrath als Amtmann. Beim Krönungsfeste Kaiser Karls VII am 12. Febr. 1742 zu Frankfurt a. M. hat er nebst Graf Friedrich Magnus von Leiningen-Harteriburg und Graf Emicli Ludwig v. Leiningen- Guntersblum sowie änderen deutschen Reichsgrafen die Aufwartung bei der kaiserlichen Tafel gehabt 1 ). Es seien hier noch die Worte wiedergegeben, die ein pfälzischer Geis tlich e r /im Kirchenboten 1885, No. 27 ihm nachruft: „Frömmigkeit und Leutseligkeit sind hervorragende Züge im Charakter des Grafen Reinhard wir finden sie wieder bei der Enkelin seiner Tochter, der Königin Luise v. Preussen, und Avir begegnen den beiden rühmlichen Eigenschaften auf's Neue beim erlauchten Sohne derselben, unserm geliebten Kaiser. Dürfen wir hierin nicht ein Stück Erbsegen erblicken der von dem frommen, pfälzischen Ahnherrn her auf unsern Kaiser gekommen?" Graf Christ. Carl Reinhard starb am 17. November 1766; sein Andenken ehrten- seine Töchter durch Stiftung reicher Paramente in die Kirche zu Mühlheim. Vermählt hatte sich Graf Christ. Carl Reinhard am 27. Nov. 1726 mit'Katharina Polvxena (Tochter des Grafen Ludwig zu Solms-Rödelheim und der Gräfin Charlotte Sybille von Ahlefeldt), geboren 30. Januar 1702, gestorben 21. März 1765. Es stammten aus ') Geneal. kistor. Nachrichten, Leipzig, Joli. Sam. Homsius. 35 Tkeile, S. 1035 und 3(5. — 349 — dieser Ehe 1 Sohn und 5 Töchter, welch Letztere sich alle durch besondere Schönheit*auszeichneten*). 1. Johann Carl Ludwig, der einzige Sohn, geb. 6. Oct. 2(18 1727, starb 20. März 1734 als Kind an den Blattern. 2. Marie Luise Albertine, geb. 16. März 1729; Dame 269 des preuss. Luisen-Ordens, ein leuchtendes-kFrauenbild im Leininger Hause. Nach ihres Vaters Tode entstand über die Erbfolge in Broich ein grosser Streit. Der Kaiser wollte diese Herrschaft, als dem Reich verfallen, in Besitz nehmen, und als dies nach alten Urkunden-durch ein gerichtliches Urtheil nicht gestattet wurde,1konnte sich die Familie Christ. Carl Reinhards ~ J über den Besitz lange nicht einigen. Endlich wurde die Herrschaft der Gräfin Marie Luise Albertine, dem ältesten Kinde, als der rechtmässigen-Erbin zuerkannt. Diese Gräfin, welche sich am 16. März 1748 mit dem damaligen Erbprinzen, späteren Landgrafen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt vermählte und mit ihm in glücklichster Ehe lebte 2 ), war eine ebenso durch vorzügliche Geistes- und Herzensbildung,? wie Schönheit ausgezeichnete Dame, die ihre vortrefflichen Geistesgaben auf ein leuchtendes Frauenbild des 19. Jahrhunderts, auf ihre Enkelin, die Königin Luise von Preussen, übertrug. Marie Luise Albertine war die Mutter der beiden hessischen Prinzessinnen, die sich nach einander mit dem Herzog von Mecklenburg-Strelitz vermählten, aber beide frühzeitig verstarben. Der beiden jüngsten, nun' mutterlos gewordenen Kinder derselben nahm sich die Landgräfin Marie Luise Albertine 1785 an und erzog sie mit der zärtlichsten Sorgfalt' und grosser Weisheit; diese Prinzessinnen, Friderike und Luise waren in ihrer Jugend seit 1788 in Darmstadt stets um sie und hingen mit grosser Verehrung an ihr. Im Lebensbild: ') v. Kamp, Broich S. 209. -) Pfalzer Museum, 1888. No. 11. S. 85. äst-*--. x — 350 — „Grossherzog Georg von Mecklenburg", S. 41, wird sie eine „höchstverehrungswürdige, engelsgute Grossmutter" genannt, Gewöhnlich hielt sich die Landgräfin in Darmstadt, im Sommer auch nahebei, in Braunshardt, auf, doch war sie 1780 mit ihrem Gemahl auf einige Zeit in Paris, wo sie von der Königin Marie Antoinette, mit der sie auch im Briefwechsel gestanden hat 1 ), in der „graziösesten" Weise nach Versailles zur Beiwohnung der Schauspiele in der königlichen Loge eingeladen wurde; die Königin sprach hiebei die leise Bitte aus „keine zu weiten Reifröcke anzuziehen, da die Loge eng sei 2 )". Auch bei den reizenden Festen in Klein-Trianon war die Landgräfin zugegen. 1780 und 1791 machte sie mit den Prinzessinnen Reisen nach Broich, wo sie, als in ihrem „Paradies" 3 ), wie sie es nannte, gern weilte; 1790 und 1792 war sie mit denselben Enkelinnen bei den Kaiser-Krönungen in Frankfurt a. M., woselbst sie die Gastfreundschaft der Frau Rath iGöthe — der Mutter des grossen Dichters — genoss; hier Avar es auch, avo sich die beiden munteren Prinzessinnen im Hofe des Göthe'schen Hauses mit dem bekannten Wasserpumpen belustigten. Später weilte die Landgräfin oft am Hofe zu Berlin und leb te zuletzt in Strelitz, wo sie die Stelle der Hausfrau vertrat und wo sie auch, 89 Jahre alt, am 11. März 1818 starb. Sie erlebte 9 Kinder, 4 SchAviegersöhne, 24 Enkel, 12 Schwieger- enkel, von diesen 56 Urenkel und 7 Sclrwiegerurenkel und 11 Ururenkel, im Ganzen also 123 Personen, die sie Mutter nennen durften 4 ). l l Pfälzer Museum 1888 No. 11. S. 85. und Graf Reiset, Briefw. Marie Antoinette's mit der Landgräfin Luise von Hessen. Paris 1865. '-) Horn, Buch von der Königin Luise, S. 11. :1 ) v. Kamp, Broich S. 246. + ) v. Kamp, Broich S. 258. Auf einem von F. W. Meyer in Berlin gefertigten Kupferstich (nach dem im Darmstädter Schlosse hängenden Gemälde) steht unter ihrem Namen: „Den Völkern gab sie Väter, Mütter den Ländern, und flocht den Kranz, der auf ihre Kinder verstammten Tugenden in deren Diademe ein." Dies trifft vollkommen zu, denn sie ist einej Stammmutter*der Häuser Preussen, Bayern, Hannover, Hessen-Darmstadt, Mecklenburg - Strelitz, Sachsen-Hildburghausen, Thum und Taxis und Leuchtenberg, was aus nachstehender Descendenztafel ersichtlich ist: Georg Wilhelm Landgraf v. ITessen-Darmstadt, Gemahl.: Marie Luise Alb. geb. Graf. v. Lein.-Heidesh. Friederike Charlotte Luise Auguste L Gem. d. Herz. IL Gem.d.Herz. Gem.: Ludwig Gem.: Max Josef Karl. v. Meck- Karl v. Meck- Landgf. (Gross- König v.Bayern. lenbg.-Strelitz. lenbg.-Strelitz. herz.) v. ITessen- Darmstadt (Motto Therese Luise Friederike Gem.: Gem.: Gem.: I. Gern: Herz. v. Karl Friedr. Prinz Lud - Sachs-Fürst v. Wilh. wig von Hildbg.-Thurau. III. Preussen. hausen. Taxis. Kön. v. II. Gem.: Preuss. Prinz Frdr. Wilh. zu Solms. III. Gem.: Ernst Aug. Herz, von Cumber- land, Kön. v. Hann. Ludwig I. Auguste Ivönigv. Gem.: Bayern. Eugen, Vicekö- nig von Italien. - 352 Die Landgräfin Mario Luise Albertine ist somit auch die Urgrossmutter mütterlicherseits des deutschen Kaisers Wilhelm 1., des Siegreichen, Königs von Preussen. (Georg Landgraf von Hessen-D. M. Luise Alb. geb. Graf. v. Leiningen-H. Friederike Gemahl: Herzog Karl v. Mecklenburg-Strelitz Luise Gemahl: König Friedrich Wilhelm III. v. Preussen Wilhelm I. Deutscher Kaiser, König v. Preussen Friedrich III. Deutscher Kaiser, König v. Preussen Wilhelm II.) und bemerkte dies auch Kaiser Wilhelm I. 1880 im Schlosse zu Berlin einem Mitgliede des Hauses, dem Grafen Karl Emich zu Leiningen-Westerburg gegenüber mit dem Hinzufügen, dass Er Seine Urgrossmutter, die Madame de Linange — wie sie gleich ihrer Mutter zu ihrer Zeit häufig in Memoiren genannt wurde — noch wohl gekannt habe und sich ihrer noch gut erinnere 1 ). In Mecklenburg-Strelitz steht sie ebenfalls in gutem Andenken, denn als das kleine Land in der Franzosenzeit arg zu leidenf hatte und am 29. November 1806 der französische Gesandte Bourienne die Nachricht brachte, dass beide Mecklenburgische Länder von Napoleon I. in Besitz genommen würden, da war sie es, die zur Retterin?wurde. Durch die Fürsprache ihrer Enkelin Auguste Prinzessin von Bayern, der Vicekönigin f) Pfälzer Museum 1888. No. 11. S 811. - 353 — von Italien, wusste sie es bei Napoleon I. durchzusetzen, dass das kleine Land ferner nicht bedrückt;"wurde 1 ). Von ihrem Leben in Broich sind noch Aufzeichnungen vorhanden 3 ), welche bezeugen, dass sie nach damaliger Sitte der Zeit einem gewissen äusseren Glänze nicht abgeneigt, aber trotzdem leutselig und von grosser Menschenfreundlichkeit beseelt war. „Wenn die Fürstin ausfuhr 3 ), Läufer mit Stäben mit silbernen Knöpfen vor dem Wagen, dazu die Kanonen vom Mühlenberg donnerten und nun die hohe Frau im offenen Wagen zwischen den 2 engelgleichen Prinzessinnen dahinflog, milde lächelnd, freundlich grüssend, dann wiederholten sich oft die Ausbrüche des Jubels über die Anwesenheit der verehrten Landesmutter. Besonders feierlich war es, wenn am Sonntag Morgen der Wagen der Fürstin vom Schlosse rollte, der sie zur Kirche brachte. — Wollte die Fürstin eine Vergnügungsfahrt auf der Ruhr machen, so lag ihre bewimpelte, mit Blumen geschmückte Yacht bereit. — Bei der Huldigung 1791, bei welcher sie ihren Sohn Prinz Georg Karl als künftigen Herrn von Broich den Unterthanen' vorstellte, stand sie auf der Erhöhung vor dem von ihr 1789 erbauten Schlossflügel und reichte jedem Broicher, der in ehrfurchtsvoller Freude herantrat, die Hand. Welch einen Werth die Landgräfin selbst auf diesen Empfang legte, beweist der Umstand, dass sie den durch das häufige Darreichen der Hand schwarz gewordenen weissen Glacehandschuh nach Darmstadt an ihre Familie sandte, die daraus erkennen sollte, wie sie von ihren Unterthanen empfangen worden sei. ') Ebenda. 2 ) v. Kamp, Broich I. S. 242 und folgend». 3 ) v. Kamp, Broich I. S. 242 und folgende. Brinckmeier, Leiningen. Wenn sie auch die tramigen Zeiten von 1806 und 1807 mit durchkosten musste, so war es ihr doch noch vergönnt, die Erhebung.'Preussens und die Befreiung Deutschlands mit zu erleben, welch Letzteres sie,, mächtig 1 "berührt hat. Ueber diese ihre politischen Anschauungen heisst es in Horn, Buch von der Königin Luise, S. 3 und 9 von der Landgräfin Marie Luise Alb.: „Sie war eine ächte Pfälzer Natur, lebhaft von Gemüth, klar in ihren Anschauungen, natürlich in ihren Aeusserungeti, reich besaitet in ihrem Gefühl und von einer rückhaltslosen Wahrheit des Herzens. Ihre französische Bildung zeigte sich nur als eine dünne Plattierung der kerngesunden, tüchtigen, anmuthenden, , deutschen" Natur der Landgräfin. Sie gab etwas, und man kann sagen: sogar sehr viel auf ihre hohe Stellung,.und vielleicht hatte sich dieses ausgeprägte Standesbewusstsein in ihr herausgebildet als ein Akt der Opposition gegen die Prätensionen Lies französischen Adels; nach ihrer „ganz richtigen"Meinung war der vornehmste französische Edelmann lange noch nicht einer reichsunmittelbaren Familie des deutschen Reiches ebenbürtig? 1 Französisch sprach und schrieb sie officiell, pfälzisch sprach sie im Familienkreise und gut deutsch dachte?sie; mit diesen Eigenschaften verband sie den tiefsten, ausgeprägtesten rPeutsehen"Familiensinn." Anekdoten sind mehrere von ihr erhalten 1 ): Wenn die Vorleserin bei einem französischen Roman an eine Stelle kam, die der Landgräfin für die jungen „Prinzessger" (Friderike und Luise) unpassend erschien, rief sie in ihrem Pfälzer Dialekt: „Hüppe Se, hüppe Se, aber lege Se e Zeche (Zeichen) nei'." — Von Leuten, die ihr nicht sympathisch waren, sagte sie häufig: „Gege die (oder den) werd ich nur ganz kalt heplich (höflich) sei" — Am Hannoverschen Hofe nannte man sie die „Schachtelgräfin," weil sie stets auf ihren ') Pfälzer Museum 1888 No, 11. — 355 — Reisen eine Menge Schachteln mitführte und oft solche noch im letzten Momente der Abreise anbrachte. Ihr Tod erfolgte im grossherzoglichen Schlosse zu Neustrelitz, wie schon bemerkt, am 11. März 1818. Graf Christian Carl Reinhards 3. Kind war: 3. Polyxena Wilhelmine, geb. 8. Aug. 1730, gestorben 270 21. März 1800, vermählte sich 27. März 1752 mit Graf Emich Ludwig von Leiningen-Falkenburg-Guntersblum (geh. 22. Dec. 1709, gestorb. 23. Dec. 1766). 4. Sophie Charlotte Franziska, geb. am 28. Oct. 1731, 271 starb am 20. Januar 1781. 5. Christiane Alexandrine Katharine, Herrin auf 272 Radeburg und Rödern, geb. 25. Nov. 1732, gest. 4. Oct. 1809, vermählt am 25. Oct. 1770 mit Fürst Heinrich XI. Reuss zu Greiz (geb. 18. März 1722, starb 28. Juni 1800). 6. Caroline Felicitas, geboren 22. Mai 1734, gestorben 273 8. Mai 1810, vermählte sich 16. April 1760 mit Fürst Carl Wilhelm zu Nassau-Usingen (geboren 9. Novenrb. 1735, starb 17. Mai 1803). Graf Christian Carl Reinhard war der Letzte der Heides- heimer Speciallinie, deren Besitzungen nunmehr der Gun- tersblumer Speciallinie zufielen. 23* Die Speciallinie Leiningen-Dagsburg-Falkenburg in Dagsburg. 27g Emicli Christian, der dritte Sohn Emichs XII. von Leiningen Dagsburg-Falken- hurg war der Gründer dieser Speciallinie, welche indess bereits mit seinem Sohne Carl Friedrich 1709 wieder erlosch. Die Linie entstand bei der Theilung der Güter durch die drei Brüder im Jahre 1657. Graf Emich Christian ward geboren 29. März 1642 und starb 27. April 1702. In Bezug auf die Herrschaften Broich und Oberstein wurde am 20. Juli 1676 zwischen Graf Emich Christian und seiner Schwägerin, der geborenen Gräfin Elisabeth von Falkenstein, der Schwester seiner Gemahlin, ein besonderer Vertrag geschlossen 1 ). Auch existiert ein Erlass Kaiser Carls VI. an die Grafen von Leiningen- Dagsburg, der die hinsichtlich der Besitzungen getroffenen Verträge derselben bestätigt 2 ). Am 17. Juli 1664 vermählte sich Graf Emich Christian 27ß mit Christine Louise (Tochter des Grafen Wilhelm Wirich von Falkenstein und Limburg, Herrn zu Broich, Oberstem und ') Lünig, P. spec. Cont. II nr. 85. -) Aus Lehmanns Actennaohlass in der Heidelb. Bibliothek, Katalog S. 34 nr. 60. Abschrift im Archive des Grafen K. E. zu Leiningen-Westerburg. Reipolzkirchen und der Gräfin Elisabeth von Waldeck), geboren 18. Juli 1640, starb 27. April 1702. Ihre Kinder waren: 1. Elisabeth Dorothea Wilhelmine, geb. 11. Juni 1665, gestorben 1722, vermählte sich am 9. Oct. 1692 mit Graf Moritz Hermann zu Limburg-Styrum (geb. 1650, starb 2. Oct. 1708). 2. Dorothea Katharine Oharlotte, geb. 27. Aug. 1666, starb 4. August 1722. 3. Wilhelm Johannes, geboren 24. April 1668, starb noch bei Lebzeiten des Vaters am 3. Sept. 1671. 4. Christine Helene Juliane, geboren 5. Juni 1669, gestorben 17. Nov. 1715. 5. Eriedrich Emich, geb. 22. Sept. 1670, starb 1680. 6. Friedrich Wilhelm, geb. 24. Oct. 1671, starb 1683. 7. Dorothea Polyxena, geb. 12. März 1673, starb in der Kindheit. 8. Christine Luise, geb. 20. April 1674, starb 1679. 9. Anna Auguste, geb. 25. Juli 1675, gest. 24. Juli 1676. 10. Friederike Auguste Sophie, geb. 27. Aug. 1678, gest. 1718. IL. Christine Philippine, geb. 16. April 1681, starb? 12. Charlotte Amalie, geb. 4. Juli 1682, gest. 1729. Ihr Gemahl war Emich Leopold, Graf zu Leiningen-Falkenburg-Guntersblum (geb. 6. Nov. 1685, vermählt am 5. März 1709, starb am 28. Januar 1719). 13. Carl Friedrich, der Nachfolger des Vaters, obgleich der jüngste von 12 Kindern, da seine älteren Brüder schon in der Jugend gestorben waren. Carl Friedrich, geboren 29. August 1683, succedirte seinem Vater am 27. April 1702; er war mit der Gräfin Alexandrine Katharine von Leiningen-Heidesheim verlobt, doch starb dieselbe plötzlich 1708 an den Blattern kurz vor der Vermählung und er selbst eben- — 358 - falls unvermuthet am 15. Januar 1709 als der Letzte der Dagsburger Sp eeiallinie, deren Besitzungen nun der Heidesheimer und der Guntersblumer Spociallinie zufielen. mmmsM iSMäliÄS Die Speciallinie Leiiiingen-Dagsburg-Falkenburg in Guntersblum. Der Gründer derselben war Graf Emichs XII dritter Sohn: Johann Ludwig in Guntersblum, der mit seinen Brüdern Georg Wilhelm und Emich Christian im Jahre 1657 theilte. Er ward geboren 26. Februar 1643 und starb 2. März 1687. Im Jahre 1664 verlobte er sich und lebte zwar"ohne kirchliche Einsegnung, ..aber" auf Grund einer feierlichen.' schriftlichen ^Erklärung"vom 20 Aug. 1664 in Gewissens-Ehe",mit Amalie Sibylle (Tochter des Grafen Wilhelm Wirich von Falkenstein und Limburg, Herrn zu Broich, Oberstein und Rcipolzkirchen und der Gräfin Elisabeth von Waldeck), geboren 27. Juni 1639. Nach lOjäh- riger„Ehe" verstiess er sie im Jahre 1674 und vermählte sich 1678 mit Sophie Sibylle (Tochter des Grafen Johann Ludwig zu Leiningen-Westerburg und der Gräfin Sibylle Christine von Wied), geb. am 14. Juli 1656 und gest. am 13. April 1724 1 ) Graf Johann Ludwig hatte aus der „Gewissensehe* eine Tochter und einen Sohn, nämlich: l ) Sic „vermählte sich zum , zweiten" Male mit dem Landgrafen Friedlich von Hessen-Homburg. V - 360 — 293 1. Johanna Luise, geboren am 30. Mai 1670, vermählt mit dem französischen Major Freiherrn Jacob von Rosillon. 294 2. Johann Ludwig II welcher zwar die Linie fortpflanzte, /!<,>: (.7 (>■ ° ~ aber, da er -nicht für legitim- gehalten wurde, in der Regierung der Guntersblumer Linie nicht nachfolgte und weshalb die Kinder 2. Ehe succedierten. Er ward geboren am 29. Juli 295 1673 und starb nach 1699. Er war vermählt mit Anna Ernestine (Tochter des Grafen Ferdinand Gottfried von Vehlen und Meggen), geb. 12. April 1658, vermählt 1694 und starb 25. Febr. 1729. Aus zweiter Ehe 3 Söhne: 296 3. Carl Ludwig, geboren 25. Oct. 1679, gestorben 15. Jan. 297 1709, vermählt am 21. März 1702 mit Anna Sabina (Tochter dos Freiherrn Christoph von Kostitz), geboren 1671, starb 22. (23.) Juni 1719. Er hinterliess eine Tochter und einen Sohn: 298 a. Sophie Charlotte, geb. 1706, gest. 1764, vermählt im Jahre 1724 mit Christian Adolph von Kuhla, kurpfälzischem Kammerhern und Oberstlieutenant; 299 b. Friedrich Ludwig, geb. und gest. 27. März 1709. 300 4. Carl, geboren 12. Sept. 1683, starb 15. Februar 1684. 301 5. Emich Leopold, der Nachfolger des Vaters. Emicli Leopold. 301 Er succedierte, da sein älterer Halbbruder J ohann Ludwin- (s. weiter oben unter Nr. 294) nicht als legitim anerkannt wurde, seinem Vater in Guntersblum am 2. März 1(187 und seinem Vetter Carl Friedrich in Dagsburg zur Hälfte am 15. Jan. 1709. Geboren 6. Nov. 1685, starb er 28. Jan. 1719 Seine Gemahlin war Charlotte Amalie (Tochter des Grafen 302 Emich. Christian zu Leiningen-Falkenburg in Dagsburg und der Gräfin Christino Louise von Falkenstein), geb. 4. Juli 1:682, vermählt 5. März 1709 und gestorben 1729. Aus dieser Ehe entsprossen 4 Söhne und 2 Töchter: 1. Emich Ludwig, welcher dem Vater succedierte. 308 2. Sophie Eleonore Elisabeth, geboren 1710, gestorben 303 19. Juni 1768, vermählte sich im Jahre 1730 mit Johann Ludwig Wilhelm Grafen zu Leiningen-Falkenburg in Heidesheim (geb. 5. April 1697, starb im Nov. 1742). 3. Ernst Leopold, geboren 19. Aug. 1712, ( fiel''26. Febr. 304 1732 zu Strassburg im Duell. 4. Friedrich Theodor Ludwig, der Nachfolger seines 305 Bruders Emich Ludwig. 5. Reinhard Adolph Carl, geb. 27. Oct 1716, starb 306 4. Juli 1719. 6. Amalie Marie Anna Philippine, geboren 23. Juli 307 1717, starb 16. Dec. 1717. 308 Emicli Ludwig 1 , geboren 22. Dec. 1709, sueeedierte er seinem Vater am 28. Jan. 1719, war holländischer General der Infanterie und starb 13. Sept. 1766. Er vermählte sich am 27. März 1752 mit 309 Polyxena Wilhelmine Friederike Eleonore (Tochter des Grafen Christian Carl Reinhard zu Leiningen-Falkenburg in Heidesheim und der Gräfin Katharina Polyxena von Solms- Rödelheim), geboren 8. Aug. 1730 und gestorben 21. März 1800. Aus dieser Ehe stammten nur ein Sohn und eine Tochter: 310 1. Anna Polyxena, geboren 23. Febr. 1753, gestorben 29. April 1818, und 311 2. Carl Theodor Christian Emich, geboren 9. Decbr. 1756, starb bereits 1. Juni 1761. Da kein directer männlicher Erbe vorhanden, so folgte auf Emich Ludwig dessen Bruder: 305 Friedrich Theodor Ludwig, geboren 7. Sept. 1715. Er residierte zu Oberbronn im Elsass und sueeedierte am 23. September 1766 seinem Bruder Emich Ludwig und am 17. Nov. 1766 auch seinem Vetter Christian Carl Reinhard, Grafen zu Leiningen-Falkenburg in Heidesheim, so dass er nun sämmtliche Besitzungen der Falken- burger Hauptlinie in seiner Hand vereinte, nämlich die halbe Grafschaft Dagsburg und von der reichsständischen - 363 — Grafschaft Leiningen die Aemter Falkenburg, Heidesheim und Guntei sblum. Derselbe wurde in seinen späteren? Jahren irrsinnig und mitunter vom Wahnsinn befallen, in dem er dann gegen „seine" „Unterthanen"Grausamkeiten ausübte; er wurde daher 1770 in Folge dieser Geistesschwäche unter Ouratcl des Grafen (späteren Fürsten) Carl Friedr. Wilhelm von Leiningen-Hartenburg gestellt und im Schlosse zu Heidesheim strenge bewacht, aber „standes- gemäss"gehalten. Da sich sein Zustand nicht änderte, blieb diese Massregel bis zu seinem Tode, der am 30. September 1774 erfolgte. Seine Gemahlin war Magdalcne Sophie (Tochter des 312 Grafen Carl Julius von Löwenhaupt und Falkenstein und der Anna Posse, Wittwe des Freiherrn Ludwig von Sinclair zu Oberbronn) geboren 1696, vermählt 5. Januar 1740, starb O.Januar 1766. Als Graf Friedrich Theodor Ludwig am 30. Sept. 1774 verstorben war, nahm Graf (Fürst) Carl Friedrich Wilhelm von Leiningen-Hartenburg die sämmtlichen Falkenburgsehen Landes- theile als seiner Familie angefallen in Besitz, da die Nachkommen des 1687 gestorbenen Grafen Johann Ludwig I. von Leiningen-Guntersblum (s. oben No. 290) um diese Zeit noch nicht als legitim und erbberechtigt erklärt waren. Aber die Grafen Wilhelm Carl und Wenzel Joseph thaten dagegen Einspruch beim Reichskammergericht und processierten mit dem Fürsten Carl Friedrich Wilhelm vor dem Reichsgericht um das Recht der Erbfolge in die Besitzungen der Falkenburger Hauptlinie des Hauses Leiningen, wovon ihr Vater Johann Franz und ihr Grossvater Johann Ludwig! II.ywegen beanstandeter Legitimität ihrer Abstammung ausgeschlossen worden waren, und welche der Fürst nach dem Ableben des Grafen Friedrich Theodor Ludwig 1774 als seiner Linie heimgefallen in Besitz genommen hatte. Durch,Erkenntniss' vom 19. August 1784 erfolgte ein Ausspruch des kaiserlichen Reichshofraths, - 864 - durch den auf Grund einer feierlichen schriftlichen Erklärung Johann Ludwigs I. vom 20. August 1664, dessen, ; Eho" mit Gräfin Amalie Sibylle von Falfcenstein für gültig erklärt, und die beiden Grafen Wilhelm Carl und Wenzel Josef für legitime Nachkommen ihres Urgrossvaters, des Grafen Johann Ludwig I. anerkannt wurden mit dem Rechte, die Nachfolge 4 separatim" auszuführen. Dieselben erhielten hierauf durch Vergleich vom 17. Januar 1787 mit dem Fürsten Carl Friede. Wilhelm die Aemter Guntersblum und Heidesheim mit den von 1774 bis 1787 davon gefallenen Nutzungen, während die Falkenburgische Hälfte der Grafschaft Dagsbürg und das ganze Amt Falkenburg der Hartenburgisch.cn Hauptlinie verblieben. Die beiden Grafen bekamen für sich und ihre Nachfolger auch Sitz und Stimme im Wetterauischen Grafencollegium und die Kreisstandschaft im oberrheinischen Kreise. Wir müssen nun zurückgehen auf Graf Johann Ludwig I. und seine Söhne aus der (nunmehr als legitim anerkannten) /,Ehe"mit Gräfin Amalie Sibylle von Falkenstern und Limburg, und es tritt uns zunächst entgegen deren Sohn: 294 Johann Ludwig IL, welcher am 29. Juli 1673 geboren wurde und nach 1699 starb. 295 Aus seiner Ehe mit Anna Ernestine (Tochter des Grafen Ferdinand Gottfried von Vehlen und Meggen), entsprossen vier Kinder: 313 1. Isabelle Charlotte Amalie, geb. 1. Jan 1695, gestorben als Klosterfrau in der adligen Abtei Sterkrad. 316 2. Johann Franz, der Stammhalter. 314 3. Otto Alexander, geb. 22. Mai 1698, des Vorigen jung verstorbener Zwillingsbi uder. 315 4. Anna Sophie Antonie, geb. 26, Juni 1699, ebenfalls jung verstorben. Dem Vater folgte; — 365 Johann Franz, 316 geboren 22 Mai 1698, fürstbischöflich Münsterischer Officier, lebte, da der Erbfolgestreit nicht entschieden war, hauptsächlich in Graz, wo er nebst seinem Zwillingsbruder Otto Alexander mit Unterstützung Kaiser Josefs seine Studien gemacht hatte, und starb 1745. Er war vermählt mit Charlotte (Tochter 317 des Grafen Johann Franz von Walderode-Eckhausen und der Gräfin Maria Claudia von Truchsess, verwittweten Gräfin Formentini), geb. 24. Sept. 1703, vermählt 15, Juni 1739 und gestorben 1745. Aus dieser Ehe stammten zwei Söhne und eine Tochter: 1. Wilhelm Carl, Stifter der Linie Leiningen-Gunters- 319 blum (später Leiningen-Billigheim). 2. Wenzel Josef, Gründer der Linie Leiningen-Heides- 342 heim (später Leiningen-Neudenau). 3 Clementine, geboren 13. Sept. 1739, vermählt mit dem 318 Grafen Josef von Coronini-Cronberg, verstorben 1828. Die Linie Leiningen - Guntersblum später: Leiningen-Billiglieim. Wilhelm Carl, geb. 5. Juli 1737, war in seiner Jugend Edelknabe des Kurfürsten Carl Theodor von Bayern und bei diesem sehr beliebt. Daher kam es auch, dass der Kurfürst 1787 den damals 50jährigen Grafen veranlasste, seine Tochter, die 18jährige Reichsgräfin Eleonore von Bretzenheim 1 ), zu heirathen. Graf Wilhelm Carl, geistig hoch begabt und ein bedeutender Jurist, war zur Zeit seines Haupteinflusses bayrischer wirklicher Geheimerratli und Kämmerer, kurpfalzbayrischer Staatsminister und 2mal Vicariatsgerichtspräsident, 1797 Grossstaatsbeamter für die oberpfälzischen Angelegenheiten; 1798 wurde er pensioniert. Einer der Hauptgegner des Illuminatenordens in Bayern, trug er zum Sturze des Führers derselben, des A. Weishaupt, ehrers an der Hochschule Ingolstadt, bei und war der einfiuss- 9 Zschokke, bayr. Gesch. 1821. IV. S. 402—433; auch Vehse, 23. Band IV. Abth. I. Theil: Hof Carl Theodor's. 867 reiche Vorsteher des gegen die llluminaten und gegen geistliche wie bürgerliche Freigeisterei gerichteten „geheimen Ausschusses" (in der „ gelben Stube" des Münchener Schlosses), der unmittelbar vom Kurfürsten Carl Theodor abhängig war; aus diesem Grunde und, da man ihm zu starke Sympathien für den Wiener ITof vorwarf, war er in damaliger Zeit in Bayern ebenso gefürchteRwie gehasst 1 )? In der Theilung mit seinem Bruder Wenzel Josef erhielt er das Amt Guntersblum und wurde Stifter der neuen Linie Leiningen-Guntersblum; Schloss Guntersblum, das heute noch existiert, aber in anderem Besitze ist, wurde zwar von den Franzosen nicht niedergebrannt, doch verlor Graf Wilhelm Carl seine Besitzungen auf der linken Rheinseite an die französische Republik und wurde erst durch den Reichsdeputations- liauptscliluss vom 25. Februar 1803 nach vielen «Drangsalen mit der vormals Mainzischen Kellerei Billigheim und einer Rente von 3000 fl. auf den Rlieinschiffahrts-Octroi entschädigt. Durch die Rheinbundsakte vom 12. Juli 1806 wurde der Graf mediatisiert und seine reichsständische Besitzung Billigheim der Souveränität des Grossherzogs von Baden standesherrlich untergeordnet. Der Prozess, den Wilhelm Carl und sein Bruder Wenzel Josef wegen der Erbfolge gegen den Fürsten Carl Friedrich Wilhelm zu Leiningen führten, ist bereits unter Graf Friedrich Theodor Ludwig (Nr. 305) beschrieben. Grossen Einfluss auf den für die 2 Brüder günstigen Ausgang des Prozesses hatte Wilhelm Carls Gönner, der Kurfürst Carl Theodor. Der Graf erhielt durch Erkenntniss von 1784 und 1787 für sich und seine Descendenz Sitz und Stimme im Wetter au ischen Grafen- collegium und Kreisstandschaft im Oberrheinischen Kreise, ') U. A. schlug man 1798 am kurfürstl. Schlosse zu München Pasquille gegen den verhassten Liebling Carl Theodors an. was jedoch durch die Mediatisirung von 1806 erlosch. Wilhelm Carl starb 26. Januar 1809 Er war vermählt mit Eleonore, Reichsgräfin von Bretzenheim (Tochter des Churfürsten Carl Theodor von Pfalzbayern und der Gräfin Heydeck, Josephe Seyffert), österreichischer Sternkreuzordensdame, geb. November 1770, vermählt 21. November 1787, geschieden im Sept. 18Ü1 durch das Tribunal zu Mainz, unangesehen der von ihrem Gemahl geltend gemachten Incompetcnz eines französischen Gerichtshofes 1 ), gestorben 28 Deebr. 1882. Dieser Ehe entstammten 2 Söhne und 2 Töchter: 1. Elisabeth Auguste, geb. 18. Septemb. 1790, war im Besitz von Guntersblum und starb am 12. Decbr. 1874. Ihr Gemahl war Carl Freiherr Stockhorner von Starein, badischer Generallieutenant, Divisionsgeneral der Infanterie und comman- dierender General in Mannheim (geb. 5. Sept. 1773, vermählt 13. Juni 1811 und gestorben 7. Sept. 1843). 2. Marie Anna Caroline Amalie, geb. 21. April 1792, gestorben 27. Januar 1831, vermählt 13. Juni 1811, am gleichen Tage mit ihrer älteren Schwester Elisabeth Auguste, mit Maximilian Freiherrn von Borlichingen, badischem Geheimrath und Kammerherrn (geb. 12. Febr. 1787, gest. 23. Juni 1847). 3. Carl Theodor August, der dem Vater succedirte. 4. Maximilian Joseph, geb. 7. Mai 1796, starb bereits im April 1799. Carl Theodor P o 1 ycarp August, geb. 26. Januar 1794, deutscher ^tanuesherr und erbliches Mitglied der ersten Ständekammer im Grossherzogthum Baden, badischer Generalmajor, succedirte seinem Vater am 26. Januar 1809. ') Rhein. Antiquarius, II. Abtli. 8. Band. 1859. S. 808. Er hatte an den schweren Kämpfen der napoleonischen Zeit mit voller Jugendkraft Theil genommen; 17 Jahre alt, war er 1812 als Husarenlieutenant mit in Russland und gerieth beim Uebergang über die Beresina schwer verwundet in russische Gefangenschaft, in der er 2 Jahre lang zu Tamboff gehalten wurde; durch die Kaiserin Elisabeth von Russland befreit und ausgetauscht, kehrte er erst 1814 zurück, um sofort 1815 den letzten Feldzug gegen Napoleon I. mitzumachen. Nach seinem Abschied widmete er sich der Fürsorge für seine durch die Kriegszeiten sehr zerrüttete Standesherrschaft, deren Verhältnisse er bald wieder ordnete. Vom Grossherzog von Baden wurde er zu mehreren Missionen nach Berlin, Warschau und Rom verwendet und erwarb sich namentlich beim letzten Auftrag 1853 grosse Anerkennung. Der badische Hausorden der Treue und der päpstliche Christusorden waren sein Lohn 1 ). Nach dem Tode seiner Mutter (1832) erhielt Graf Carl Theodor nachträglich „als Ausgleich" das kleine Robgut Walluf (im jetzigen Regierungs-Bezirk Wiesbaden), da die Entschädigung Guntersblums in Billigheim als allzugering betrachtet worden war. Auf ein reiches Leben zurückblickend, konnte Graf Carl Theodor die Genugthuung mit ins Grab nehmen, durch eigene Kraft der Wiedererbauer seines Hauses geworden zu sein. Er starb am 21. August 1869. Seine Gemahlin war Nanotte (Tochter des Reichs- und Burggrafen Maximilian Friedrich von Westerholt-Gysenberg und der Gräfin Friederike von Bretzenheim). Geboren 17. Juni 1802, vermählte sie sich am 24. Mai 1822 und starb am 25. März 1852. Aus dieser Ehe entsprangen fünf Söhne und zwei Töchter: 1. Carl Wenzeslaus, welcher der Nachfolger seines Vaters wurde. ') Sein Neerolog in: Unsere Zeit, deutsehe Revue der Gegenwart, 1870. IV. Jahrgang, 1. Hälfte, S. 188. Brinckmeier, Leiningen. 24 — 370 — 327 2. Friedrich Ludolph Adolph Theodor, geb. 18. Juli 1828, starb 9. Decbr. 1870. 328 3. Eleonore Josephine Caroline Marie, geb. 6. Juli 1827, vermählte sich am 22. Febr. 1848 mit Wilhelm Grafen von Wiser- Leutershausen, Ehrenritter des Maltheserordens, (geboren am 21. Juni 1821), k. u. k, Sterrikreuzordensdame. 329 4. Wilhelm Ludwig August, geb. 20. Juni 1831, gest. 10. April 1833. 330 5. Maximilian Friedrich Ernst, geb. 29. März 1835, badischer Hauptmann der Artillerie, starb am 30. Oct. 1874. 331 Er vermählte sich am 9. Oct. 1869 mit Henriette Pauline Katliarine (Tochter des badischen Ministerialraths Keller), geh. am 16. Sept. 1840. Aus dieser Ehe stammt eine Tochter, 332 Hildegard Marie Gabriele, geb. 9. April 1872. 333 6. Victoria Wilhelmine Mathilde, geb. am 15 Jan. 1837, starb am 18. Novbr. 1867, sie war Ordensfrau zum Herzen Jesu in Münster. 334 7. Emich Carl Friedrich Wilhelm August, geb. am 24. April 1839, päpstlicher Dragonerrittmeister und Escadronclief a. D., Ehrenbürger der Stadt Rom, vermählte sich am 31. Mai 1870 mit Gaetana Josephine Ghislaine (Tochter des Grafen 335 Prosper Christyn von Ribeaucourt und der Gräfin Marie von Thiennes), sie war geboren am 10. Mai 1843 und starb am 6. Januar 1872. 326 Carl Wenccslaus, Graf zu Leiningen, Herr zu Billigheim, Allfeld, Mühlhach, Katzenthal und der Gemarkung Neuburg am Neckar, Graf von Dagsburg und Aspremont, deutscher Standesherr und erbliches Mitglied der ersten badischen Ständekammer, badischer Kammerherr und Hofmarschall a. D., geb. am 7. März 1823, succedierte seinem Vater, dem Grafen Carl Theodor August, am 21. Aug. 1869. Derselbe hat seinen Aufenthalt meist in Billigheim. 371 - Seine erste Gemahlin war Prinzessin Elisabeth (Tochter des 336 verstorbenen Prinzen Alexander von Sayn-Wittgenstein-Berle- burg, Ludwigsburger Speciallinie, und der Gräfin Sophie, geb. Görgoly), geb. am 29. Oct. 1827, vermählt am 27. Jan. 1846, starb am 26. April 1849. — Die zweite Gemahlin war Marie 337 Christine Franziska (Tochter des Grafen Maximilian von Arco-Zinneberg und der Gräfin Leopoldino von Waldburg-Zoil- Trauehburg), geb. 23. Mai 1834, vermählt am ,17. Juli 1856. Aus erster Ehe entspross eine Tochter: 1. Gabriele Anna Antoinette, geb. 10. April 1849, 338 gestorben 21. Juli 1867. Aus zweiter Ehe: 2. Leopoldine Anna Elisabeth, geb. am 9. April 1857, 339 vermählt am 5. Mai 1885 mit Gottfried, Freiherrn von Vequel- Westernach, Herrn auf Hohenkammer und Ginburg, bayrischem Kämmerer (geb. 15. Juli 1847). 3. Carl Polycarpus Wenceslaus Johann Ludwig 330 Maria, Erbgraf, geb. 18. Juli 1860, seit April 1889 der König! Bayrischen Gesandschaft in Wien attachirt. 4. Meclitliildis Maria Pia, geb. am 17. Aug. 1870. 341 Diese Linie ist katholisch; sie besitzt zur Zeit Gebäude, Gärten, Aecker, Wiesen und Waldungen zu Billigheim (Schloss), Allfeld, Obrigheim, Sulzbacli, Waldmühlbach (Baden); ferner das Schloss zu Neuburg am Neckar; woselbst sich das Archiv befindet, sowie das Gut und die Villa zu Walluf (Reg.-Bez. Wiesbaden). 24' Die Linie L ei ninge ii-Heidesheini später: Leiningen-Neudenau. Wenzel Joseph, 2. Solm des Grafen .Johann Franz und Bruder des Gründers der Linie Guntersblum (-Billigheim), wurde geb. 27. Sept. 1738 und starb am 15. Jan. 1825. Er war kurtrierscher Geheimrath, Viceobermarschall und Oberamtmann zu Montabaur, Major des schwäbischen Kreises und fürstlich augsburgischer Pfleger zu Buchloe; er erhielt in der Theilung mit seinem Bruder Wilhelm Carl das Amt Heidesheim und wurde Stifter der neuen Linie Leiningen-Heidesheim (später Leiningen-Neudenau genannt), verlor seine Besitzungen auf der linken Rheinseite an die fran- zösiche Republik, wurde aber durch den Reiehsdeputations- hauptschluss vom 25. Febi'. 1803 mit der vormals mainzischen Kellerei Neudenau und einer Rente von 3000 Gulden auf den Rheinschifffahrtsoctroi entschädigt. Durch die Rheinbunds- acte vom 12. Juli 1800 wurde auch dieser Graf mediatisiert und seine reichsständische Besitzung Neudenau der Souverän etat des Grossherzogs von Baden standesherrlicli untergeordnet, — — 373 - Am 2. -Juli 1772 verglichen sich die beiden Brüder Wilhelm Carl und Wenzel Joseph mit dem Erzbischof Clemens Wenzel von Trier wegen der Herrschaft Oberstein, und danach gab letzterer ein Darlehn von 10000 Gulden. Sein in Gemeinschaft mit seinem Bruder Wilh. Carl gegen den Fürsten Carl zu Leiningen wegen der Legimität und Erbnachfolge geführter Process ist bereits oben unter Graf Friedr. Theod Ludwig (No. 305) erwähnt. Auch Graf Wenzel Joseph erhielt als Chef seiner Linie Sitz und Stimme im Wetterauschen Grafencollegium und Kreisstandschaft im Oberrheinischen Kreise, was jedoch durch die Mediatisierung von 1806 verloren ging. Seine erste Gemahlin war Marie Margarethe Fran zisk a 343 (Tochter des Freiherrn Carl Ferdinand von Sickingen, Herrn zu Ebernburg, und der Freiin Marie Anna Magdalena von Franckenstein, Wittwe des Grafen George Frederic Guillaume de Renesse), geb. 12. Aug. 1744, vermählt 17. Juni 1772 und gestorben 22 Juli 1795. — Die zweite Gemahlin war Maria 344 Victoria Crescentia Josepha (Tochter des Freiherrn Carl Joseph von Grünberg, 1 Oberhofmeister der verw. Markgräfin von Baden-Baden und der Gräfin Gisberta von Brias), vermählt 24. Oct. 1803, gestorben 4. Febr. 1838. Graf Wenzel Joseph hatte von seiner ersten Gemahlin 2 Söhne und 5 Töchter, von der zweiten Gemahlin nur einen Sohn, welcher letzterer die Linie fortpflanzte, nachdem sein älterer Halbbruder die Grafschaft nur wenig über ein Jahr lang in Besitz gehabt hatte. Es waren diese Kinder: aus erster Ehe: 1. Clemens Wenzel, geb. 23. Sept. 1774, starb bereits 345 3. Oct. desselben Jahres. 2. Kunigunde Antonie Walburgis, geb. 8. Nov. 1775, 346 vermählte sich am 8. Febr. 1804 mit Aloys Freiherrn von 374 - Hacke, kurpfälz. Kämmerer, Geheimrath und Oberst. jägormeister des Herzogthums Neuburg, und starb 1882. 347 3. Charlotte Katharine Walburgis Antonio, geb. 10. Jan. 1778, starb 27. Apr. 1854; sie war Hofdame der Königin von Bayern und vermählte sich am 10. Jan. 1810 mit Graf Carl von Eckardt, bayr. Generallieutenant und wirklichem Geheimerath, welcher am 5. Nov. .1828 starb. 348 4. Sophie Walburga Antonie, geb. 4. Jan. 1779, gest. 3. Febr. 1842, vermählt am 5. Aug. 1802 mit dem Freiherrn Leopold Joseph Andreas Karl von Neuenstein-Bodeck (geb. 1. Sept. 1768J. 340 5. Amalie Sibylle Walburga Antonie, geb. 12. Aug. 1780, starb schon im August 1782. 351 ß. Clemens Wilhelm Wenzel, der Nachfolger seines Y aters. 350 7. Marianne Clementine Margarethe, geb. 20. Sept. 1785, gestorben 14. Juli 1842; sie war Hofdame der Markgräfin Amalie von Baden. Der Sohn zweiter Ehe war: 352 8. August Clemens, welcher seinem Bruder Clemens Wilhelm Wenzel succedierte. 351 Clemens Wilhelm Wenzel geb. 22. Aug. 1781, bayr. Major der Artillerie, succedierte seinem Vater am 15. Jan. 1825, starb aber bereits am 17. Nov. 1826, ohne vermählt gewesen zu sein. Ihm folgte sein jüngerer Halbbruder 352 August Clemens, Sohn der 2. Gemahlin des Grafen Wenzel Josef, geb. 20. Januar 1805, deutscher Standesherr, erbliches Mitglied der ersten badischen Ständekammer, succedierte seinem Halbbruder am 17. Novbr. 1826 und starb 5. Mai 1862. Er vermählte sich am 26. Novbr. 1842 mit Marie Hen- 353 riette Wilhelmine (Tochter des badischcn Generals und Oberstallmeisters Carl Freiherrn von Geusau und der Freiin Ernestine von Monzingen), welche, am 2. April 1829 geboren, am 5. Mai 1862 Wittwe wurde; sie lebt in Heidelberg. 3 Söhne und 3 Töchter entsprossen dieser Ehe: 1. Wilhelmine Marie Victoria, geb. 11. Juli 1843, 354 vermählt am 9. April 1874 mit Gustav von Holleufer, preuss. Amtsrichter (geb. 1. Febr. 1844), (Nienburg in Hannover). 2. Carl Theodor Ernst, geb. 10. Sept. 1844, trat in 355 einem Familienvertrage vom 15 Mai 1869 das Recht der Erstgeburt an seinen Bruder Maximilian ab. 3. Ernestine Luise, geb. 16. Febr. 1846, starb schon 356 in der Kindheit. 4. Luise Marie, geb. 6. Decbr. 1850, starb 20. Oct. 1866. 357 5. Maximilian Oskar Theodor Friedrich August, der 358 Nachfolger seines älteren Bruders Carl; geb. 3. Novbr, 1853, vermählte sich 18. April 1876 mit Julie Luise Leopoldine 359 (Tochter des Freiherrn Ludwig v. Göler-Kavensburg, badischem Obersten, und der Hermine von Oetinger), geb. 21. Decbr. 1850. Die Kinder seiner Ehe sind: 1. Maria, geb. 23. Mai 1877. 360 2. Herrn!ne Caroline, geb. 15. Sept. 1878. 361 3. Em ich Max Ludwig Aug. Jul. Hans, geb. 27. Nov. 1882. 362 I Maximilian trat das Majorat zufolge Familienvertrags am 16 (23.) März 1876 an seinen jüngeren Bruder Graf Emich ab. 6. Emich Carl Wenzeslaus, der derzeitige Standesherr: 363 Emich Carl Wenzeslaus, 363 Graf zu Leiningen, Herr zu Neudenau und Herbolzheim, Graf zu Dagsburg und Aspermont, deutscher Standesherr, erbliches Mitglied der ersten badischen Ständekammer, Hauptmann und — 376 — Compagniechef im preuss. Gardefüsilier-Regiment (Berlin), geboren 31. Juli 1855; war als Cadet Page Ihrer Majestät der deutschen Kaiserin Augusta, Königin von Preussen. Er tritt in Folge Familienvertrags vom 16. (23.) März 1876 in den Besitz der Standesherrschaft. Derselbe ist vermählt seit 15. Oct. 1889 mit Susanna 364 Marie Willielmine Gertrud von Luedersdorf. yX .Ls \,ua UI*- Diese Linie ist katholisch. Besitzstand: die frühere Kellerei Neudenau (Baden).