seinem 33 Jahre jüngeren Stiefbruder Franz Ludwig Maria v. Ebcrstcin dessen Dour-hofs-Antheil käuflich an sich gebracht hat.
Des oben genannten Obersten v. Eberstein ältester Sohn August berichtet überseinen „ersten Besuch in GeHofen" Folgendes:
„Am 29. Okt. trafen wir in Eisleben ein. Es war spät, als wir den Ort er-reichten; indeß erquickten uns die auf der Chaussee in sehr großer Anzahl aufgehäuftensehr schmackhaften Pflaumen, sowie der sehr freundliche Empfang der Bürger und dieinfolge dessen uns gewordenen guten Quartiere. Überhaupt muß ich sagen, daß aufdein ganzen Marsch bis zum Rhein mit wenig Ausnahmen man es sich angelegen seinließ, uns Beweise von Anhänglichkeit zu zeigen, indem man uns als die BefreierDeutschlands ehren zu müssen glaubte.
Am 30. Okt. war unsere Marsch-Etappe Artern. Unsere Compagnie kam nachSchönewerda. Mein Hauptmann und ich erhielten Quartier bei einem vermögendenGutsbesitzer. Als dieser bei Tisch meinen Namen hörte und ich auf sein Befragen, obich vom Domhofe zu GeHofen gehöre, dies bejahte, war seine Freude sehr groß undwiederholt bediente er sich des Ausdrucks: „Für Sie und Ihre Familie, Herr Baron,mein Blut, mein Leben, Ihnen habe ich meinen gegenwärtigen Besitzstand zu verdanken,indem ich viele Jahre Pächter Ihrer Lehngüter war." Es wurde auf Grund desseneine alte Flasche nach der andern zum Besten gegeben und in dieser gemüthlichenStimmung beschlossen, daß ich sofort nach Gchofen, welches nur eine Stunde entfernt,hinrciten sollte, um an Ort und Stelle, namentlich bei dem alten Herrn Pastor, nähereErkundigungen über die Verhältnisse einzuziehen.
In meinen Kinderjahren hatte ich wohl öfters aus dem Munde meines VatersGeHofen bedeutungsvoll nennen gehört und wußte auch, daß dort die Wiege meines(Groß-)Vaters gestanden, es war also wohl sehr natürlich, daß mich meine Sehnsucht, so nahedem Ziel, hinzog, um den Ort kennen zu lernen und Nachrichten über die Familien-verhältnisse einzuziehen. Ein schöner sonniger Nachmittag erhöhte meine friedliche er-wartungsvolle Stimmung auf diesem einsamen Ritt. Thränen traten in meine Augen,als ich ein großes Gebäude, was mir als der Domhof bezeichnet worden war, zuerstwahrnahm und mir dachte, das ist die Geburtsstätte deines in Gott ruhenden unvergeß-lichen, treuen Vaters (5lL. Otto Christoph, August's Großvater, ist auf dem Domhofegeboren, der Oberst Heinr. Friedr. Wilh. aber auf Schloß Blankenburg bei Hof). Dochdiese träumerische und bewegte Stimmung sollte bald ein Ende, die Thränen getrocknetwerden, denn näher dem Flecken nahm ich wahr, daß er von russischen Truppen be-quartiert war. Als ich zur Predigerwohnung ritt, die dem Domhof vis-ä-vis liegt,fand ich das Hofthor sperrangelweit offen, dagegen alle Läden geschlossen und russischeSoldaten in den Ställen umhersuchend nach Schlachtvieh und sonstigen Lagerbedürfnissen.Empört über dieses Verfahren, zog ich ungesäumt den Säbel und haute vom Pferdeherab in dieses Gesindel, bis ich sie glücklich vom Hofe hatte. Ein Knecht, der auseiner Dachluke mein Manöver mit angesehen, sprang schnell hinzu und schloß das Thor,sodaß ich nun mit dem mir dankend entgegentretenden Pastor ^rkmoke ungestört kon-versiren konnte. Der alte Herr hatte meinen Vater wie meine Großeltern genau gekannt,weil er Vs Jahrhundert die sehr einträgliche Pfarrstelle dort inne gehabt. Er hatteauch öfter Briefe mit meinem Vater gewechselt. Der Tod meines Vaters, wie einesälteren Bruders desselben, der über 30 Jahre verschollen gewesen, war zu seiner Kenntnisgekommen; dagegen war ihm von dem Vorhandensein meines Bruders und mir keineoffizielle Anzeige geworden. Über die Lehnsverhältnifse sprach er sich nur unvollständigunterrichtet aus. Wie er meinte, participirten wir Gebrüder mit einem dort lebendensächs. Kammcrhern v. Eberstein, dessen Vater (Franz Heinrich) ein Bruder meinesGroßvaters (Otto Christoph) war, an dem Domhofe und Teichdamme zu gleichenTheilen. Da aber seit 1806 die Gegend aus sächs. Gebiet zum westphälischen über-getreten und Descendenten meines verstorbenen Vaters nicht vorausgesetzt wurden, sohätte der erwähnte Kammcrhcrr sich später als alleiniger Besitzer in Rede stehenderGüter angesehen und deren Revenuen bezogen. Es war unter so bcwandten Umständen