Johann Kaspar Goethe. 1740-1742. I!5
reisen werde, was wohl vor der Michaelismesse geschah. Langedauerte es. ehe er die auf der Reise erworbenen Kunst- undNaturschätze geordnet und sich in dem färb- und klanglosenFrankfurt zurechtgefunden hatte; fest stand ihm der Gedanke,seine Erinnerungen und Aufzeichnungen aus Italien in derForm von Briefen in der wohllautenden Sprache jenes Zau-berlandes mit besonnener Ruhe darzustellen. Wenn er dannseine Aussichten in Frankfurt bedachte, so wollte ihm dasAdvokatspielen nicht behagen, ebenso wenig die Stellung alsResident oder Agent von Fürsten, Städten und Ständen, ihndrängte es zu einer unscheinbaren, doch den Erfolg in sich tragen-den Thätigkeit; und so bat er den Rat (wir wissen von dieserEingabe allein durch „Wahrheit und Dichtung") um eine, wennauch untergeordnete Anstellung, bei welcher er auf jede Be-soldung verzichtete, doch bedingte er sich dafür, daß er ohnedie in Frankfurt nach der Weise italienischer Städte eingeführte,dem Zufall freies Spiel lassende Kugelung dazu berufen werde,obgleich man zu dieser Abweichung der Genehmigung des WienerReichshofrats bedurft hätte. Zu einer solchen Bevorzugungdes jungen Doktors, der früher eine gute Dissertation ein-gereicht hatte, lag kein Grund vor, auch verstieß das Aner-bieten, eine besoldete Stelle unbesoldet zu übernehmen, gegen allenGebrauch. Doch Goethe war so voll von seiner guten Absichtund seinem Werte, daß er in der Ablehnung eine absichtlicheZurückweisung sah, und im Eifer verschwur, je eine Stelle imDienste der städtischen Verwaltung anzunehmen. Im Februar1742 erlebte er zum erstenmal den Glanz und die unruhigeBewegung einer Kaiserkrönung, wobei die Stadt als Standdes Reiches erschien. Mit vaterstädtischem Stolze erfüllte esihn, daß hier alle Bürger auf dem Römerberg Treue schwu-ren, nur sie an den Festlichkeiten teilnehmen, die vornehmenGäste bei sich aufnehmen durften. Freilich mußte es ihn um