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Mathematik fand er die Wissenschaft, zu der er die vorzüglichste Neigung fühlte. Lunge der Offiziere,die darin gute Kenntnisse besaßen, theilten diesem lernbegierigen und geliebten Zünglinge, was siewußten, mit; Bücher aber, zur Unterweisung passend, fehlten durchaus; und auf diese weise kannman Wissenschaften nur unvollkommen und stückweise lernen. Im reiferen Alter erst, bei großemFleiße, wurde diesem Mangel abgeholfen. Zu welcher Vollkommenheit würde dies Genie gelaugtsein, wenn seine erste Unterweisung mehr systematisch gewesen wäre?
während alles dessen drückte ihn die Armuth, die für alle schwedischen Gefangenen gemeinsamwar. Lr war auch genöthigt, sich während der Kindheit Mittel zum Lebensunterhalte zu verschaffen.Der funge Lggers wählte, in der russischen Kanzlei zu wologda ins Keine zu schreiben, und ist wäh-rend dieser so wenig rühmlichen Arbeit mit gleichem Fleiße, seine Kenntnisse zu vermehren, beschäftigt.
Auf so mühsamer Bahn mußte Lggers in die Welt eintreten. Lolche Begebenheiten ver-dienen den jungen Mitbürgern, vor allen denen, welchen Geburt und Reichthum günstig sind, darge-stellt zu werden. Von so viel Beschwerden befreit müssen sie das Recht des Vaterlandes anerkennen,viel von ihnen zu verlangen, und ihre Pflicht, die größeren Vortheile, die sie besitzen, zu brauchen.Ans solchen Beispielen können sie erfahren, es sei nicht einem Zeden vorbehalten, in Ueberflnß undBequemlichkeit zu leben; sie können daraus lernen, flüchtige Freuden zu verabscheuen, welche eine Zeitrauben, die zur Lrweckung von Fähigkeiten, dein Könige und dem vaterlande in der Zukunft zudienen, gebraucht werden sollte.
Der Friede zwischen Rußland und Schweden wurde endlich am 30. August s72j zu Nystadgeschlossen; aber noch ein Jahr verging, ehe diese Nachricht in die entfernten Theile Rußlands ge-langte. Herr Lggers begleitete um f722 seinen Stiefvater nach Schweden, das er als sein Vaterlandbetrachtete, obschon sein Geburtsort einem anderen Reiche abgetreten war. Schon in seiner Kindheitwar er ein Märtyrer seines Vaterlandes gewesen und er bewahrte bis ans Lude seines Lebens dieechte patriotische Liebe für das Vaterland, in dessen Schoß er sich jetzt freiwillig begeben hatte.
Lr wählte sogleich den Theil des Kriegsdienstes, der zur Befestigungsknnst gehört; allein erwollte nicht gemächlich Dienste und Avancement suchen. Lr bestrebte sich, alle die Kenntnisse vollständigzu gewinnen, die man von einem Fortifikations-Offizier, der ja von allen am besten die verschiedenenTheile der Kriegskunst kennen muß, fordert.
Zm Zahre f723 begab er sich deswegen nach Frankreich und nahm als Sergeant Lngagementin dem Regiment,*) das längere Zeit, von schwedischen Obersten commandirt, das schwedische genanntwurde. Da Frankreich nun sich der glücklichen Ruhe des Friedens erfreuen konnte, machte er eineReise, zuerst nach Paris und weiter nach Brabant und Holland. Seine Verhältnisse erlaubten ihmnicht, mit Bequemlichkeit zu reisen; allein sein Zweck war nicht, Vergnügungen zu suchen, sondern zulernen; einein Philosophen der Vorzeit ähnlich, der zu Fuße durch manche Länder wanderte, um Weis-heit zu finden.
Sie können sich, ineine Herren, die Aufmerksamkeit vorstellen, welche dieser reflectirende Manuden Meisterwerken der Befestigungskunst, eines vauban in Frankreich, eines Toehorn in den Nieder-landen, widmete. Wenn er noch nicht alle besonderen Theile, welche die Stärke oder Schwäche einerFestung ausmachen und welche die Schwierigkeiten einer Belagerung vermehren oder schwächen, voll-ständig kannte, so forschte er doch mit beobachtenden Augen und lebendiger Denkkraft nach Allem, wasnoch zu lernen übrig war. Je mehr er lernte, desto größer wurde seine wisbegierde, und von denkleinen Seelen, die sogleich Alles zu wissen glauben, war er weit verschieden. Seine Lust zum Lernenwar so groß, daß er, da er Mittel, nm Bücher zu kaufen, entbehrte, Tag und Nacht arbeitete, und großegedruckte Werke, die er von anderen Personen lieh, um ihren Znhalt zu studiren, vom Anfang biszum Lude copirte; ein Verdienst, ebenso lobenswerth als ungewöhnlich. Allein daran konnte man
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