Druckschrift 
2 (1887)
Entstehung
Seite
85
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Privatverhältnisse hatten eine derartige Wendung genommen, daß wir denselben unser Augenmerk zu-wenden müssen. Die umfassenden schriftstellerischen Arbeiten, die Betheiligung theils als Secretair,theils als Directionsmitglied der verschiedensten Handels - Tommissionen hatten neben vielseitiger undanstrengender Arbeit auch ihren Gewinn gebracht, und von Tggers befand sich in den Iahren s7si6und f7f>7 bereits in sehr günstigen Vermögensverhältnissen, noch besonders gehoben durch das Steigender Bankaktien. Schon im Mai s7s>5 hatte er den Landsitz Ryegaard auf Seeland erworben und imJuni desselben Jahres ein ansehnliches Haus in der Nähe des Schlosses zu Kopenhagen für 2ö,t)<)<) Rthlr.gekauft. Vermählt war er seit dem öl). Juni f?9L> mit Johanna Ernestine Münter,*) der Tochterdes vr. tbsol. und Predigers an der Deutschen Gemeinde zu Ropenhagen, Balthasar Münter, unddessen Gattin, einer geborenen von Wangenheim. Diese sehr glückliche The, in welcher drei Töchtergeboren wurden, war von kurzer Dauer, da die Mutter am f7. März s7f>7 durch ein Nervenfieber,kaum 2-f Jahre alt, dem Gatten entrissen wurde.

Sehr willkommen war in Folge dieses Trauerfalls für Tggers seine Mission als dänischerLegationsrath zum Rastatter Tongresse, welcher berufen, um die Abtretungen auf dem linken Rhein-ufer, die viele deutsche Fürsten betrafen, zu regeln, am H. December desselben Jahres zusammentrat.

von Korsör aus über den Belt nach Kiel fahrend, gelangte er Nachts f Uhr in Glückstadtan. „Nachdem ich", schreibt er an den Professor Münter, „wenige Stunden mit zweien meiner Brüderdort zugebracht hatte, reisten wir zusammen nach Rantzau, wo mein Vater als Administrator das herr-schaftliche Schloß bewohnt. Diese Reise war nur so angenehm, daß ich nicht bemerkte, wie lange siedauerte. Ich war mit meinen Brüdern größtentheils in Gegenden, wo tausend Erinnerungen uns diefrohe Kindheit und Jugend zurückriefen. Bis zu dem schönen Dorfe Nienbrook ist der Weg nachRantzau auch die Landstraße nach Hamburg und eben der Weg, den wir so oft nach unserem GuteSarlhusen fuhren. Bei Nienbrook geht es seitwärts durch Moore und durch ein ziemlich großes Holz,worin angenehme Fußsteige sind. In: Ganzen ist der Weg gut genug; dennoch brachten wir auf dievier Meilen von Glückstadt bis Rantzau 6 Stunden zu. Was soll ich Ihnen von der Zusammenkunftmit meinem Vater sagen? So viele Umstände kamen zusammen, die mich in eine innig gerührteStimmung versetzten. Der alte Mann, der dem Könige 53 Jahre gedient hatte, die letzten h> Jahreals vicekanzer und Landkanzler des Herzogthums Holstein, wählte sich seinen jetzigen ruhigen Postenals die letzte Station seiner irdischen Laufbahn. Hier wird er nun sterben, dein guter Vater — dachteich, als er noch des Abends froh mit dreien seiner Söhne speiste. Wer weiß, wie bald — dies warmein zweiter Gedanke, der sich pfeilschnell an den ersten reihte. Line Thräne zitterte in meinem Auge,aber der Gedanke hielt sie zurück, daß er selbst nicht jenen Gedanken theilte. Wirklich schien er nichtzu wissen, was mir sehr ausfallend war, daß er in den letzten Iahren sehr abgenommen hatte, under war diesen Abend so heiter in unserer Gesellschaft, daß ich fast nicht an unserm Wiedersehnzweifele."

Er hat ihn nicht wiedergesehen, denn noch während des Aufenthalts zu Rastatt starb derselbeam 27. August s7s)8.

„In der ersten Morgendämmerung verließen wir Rantzau, ich und meine Brüder, die michnoch bis Pinneberg, vier Meilen weit, begleiteten. Ich suchte mir die Erinnerung der Gegend ausmeinen Knabenjahren zurückzurufen, aber vergebens. Als Knabe von 6 bis s) Iahren war ich oftauf diesem Schlosse gewesen, bei dem damaligen Administrator, dem Freiherrn von Söhlenthal. DasAndenken an die Personen, die ich dort sah, besonders an eine Gespielin von meinem Alter, ist nurimmer gegenwärtig geblieben. Allein von der Gegend hatte ich auch nicht die mindeste Erinnerung.

Ende December langte von Eggers in Rastatt an. Die Verhandlungen des Tongresses,welche er als durch und durch deutscher Mann ihres trostlosen Charakters wegen geiselt und gründlich

H Siehe die Munter, vicrteljahrsschrift des Herold, Jahrg. XII, S. s-f2.