„Das Leben der preußischen Pelden von Pauli", ein Buch aus der väterlichen Bibliothek, batte vorallen seine Neigung erweckt und genährt. Er schreibt selbst darüber später an seinen ältesten Bruder:*)„Mas ich von dem Tode meiner Helden las, machte mich niemals wanken. Im Gegentheil, ich dachtees wäre recht schön, wie ein Reith zu sterben. Die Ehre, diesen? Helden einst in einem neuen Paulian der Seite zu stehen, war mir das Größte, was ich kannte. Nicht einmal die Lrzäblnna von denLeiden des verwundeten Rleist**) aus dein Schlachtfelde flößte mir Schrecken ein. wenigstens war esgleich überwunden durch den lebhasten Lindruck des feierlichen Leichenbegängnisses, der Trauer selbstder feindlichen Generale. Und doch ist der gute Pauli, Ivo ich mich recht erinnere, keineswegs Meisterin der Darstellung, wie würde ein Posselt, ein Gentz, Johannes Müller den Stoff behandelt haben!"***)Diese Neigung des Rnaben hat den Mann durch sein ganzes, wechselvolles Leben begleitet. Undwenn auch das Schicksal ihm andere, nicht minder ehrenvolle Bahnen vorgezeichnet hat, wenn auchgerade Merke des Friedens seinen Nnhm begründen sollten; überall lesen wir in seinen Schriften, wievorzugsweise angenehm und unterhaltend ihm der Umgang mit gebildeten Militairs war und blieb,wie Alles auf Soldaten und Rrieg Bezug habende ihn vor allem fesselte. So schreibt er später anseinen jüngsten Bruder****) zu Meldorf, über eine Neise von Rastatt nach Straßburg: „Aus meinemMege, näher gegen Appenweier, rechts von der Landstraße, sah ich Franzosen bivouakiren. Mas esmich kostete, nicht näher zu kommen und mich von dem Allen zu unterrichten. Dn kennst meine alteVorliebe für das Militär und zumal jetzt, zu dieser Zeit!"f)
Im December l77I reiste er mit seinem Vater »ach Ropenhagen. Hier eröffnete sich einneues Feld für seine Lernbegierde. Sein Fleiß und seine Arbeitsamkeit waren ohne Grenzen. Auf diedänische Sprache legte er sich mit solchem Eifer und machte unter der Anleitung des würdigen Blicher,der nachher Prediger auf der Insel Falster wurde, in der kurzen Zeit von fünf Monaten, die er sichdaselbst aufhielt, solche Fortschritte, daß er sie nicht nur völlig verstand, sondern auch ziemlich geläufigredete und vollkommen fehlerfrei schrieb. Die Ausbildung in dieser Sprache setzte er auch stets nach-her selbst unter seinen Studien im Auslande fort.
Der Aufenthalt in der nordischen Residenz war auch in anderer Beziehung für ihn vomgrößten Nutzen. Es waren die Zeiten, wo Struensee, ein Mann von unleugbaren Talenten, vollEifer für die gut geglaubte Sache, aber ohne Rlugheit, ohne Tharakter, hingerissen durch unbegrenzteEitelkeit, den versuch machte, den dänischen Staat zu reformirenchf) wo diesem Manne die beidenBernstorff weichen mußten, bis nach Struensee's Sturz und jähem Ende, den 28. April l 772, derjüngere Bernstorff, Peter Andreas, zurückberufen und ihm bald das Departement der auswärtigenGeschäfte übertragen wurde. Diese Zeiten großer Umwälzungen, eigenthümlicher Schicksalswechselmachten ans den hochbegabten Rnaben einen so tiefen Lindruck, daß er selbst später in der Vorredezum Leben des Grasen Bernstorff sagt, er rechne manche lebhafte Lrinnerungen aus jener Zeit trotzseiner Jugend, zu der Summe seiner Erfahrungen, dieser erste Aufenthalt sei für seine spätere Lauf-bahn bestimmend geworden.
Mit Anfang des Sommers s77fl- gab der Vater den Sohn nach Meldorf zu seinem älterenBruder Thristian Siegfried, dem Tonferenzrath und Landvogt von Süder - Dithmarschen, der selbstkinderlos, für die Söhne seines jüngsten Bruders stets das lebhafteste Interesse hatte, vor allen aber
*) Heinrich Peter von Eggcrs, ans des Vaters erster Ehe, gestorben zu Ropenhagen Zko<>, als Aoniglnhdänischer Etatsrath.
**) Der Dichter des Frühlings.
***) Briefe über die Auflösung des Rastadter Longresses rc. ic. ll, -. 84, ss.
Georg lvilhelin von Eggers, gestorben zu Tonderu als Landvogt von Sylt, t3tS.
F) Rastadter Briefe I, 272. , -
Ff) Lggers eigne lvorte im Leben des Grasen Bernstorff, wo auch eine Charakteristik .uuenne ? n>'findet. Seite -57, 4» ff.