St. paterne, einem Dörfchen, dessen Wohnungen zumeist aus in den Felsen gehauenen Kellernbestanden. Bei dieser Einfachheit der Wohnungen war der Ort entschieden wohlhabend durch denWeinbau. Der Aufenthalt in St. Paterne bis zum 27. d. M. wurde leider durch Ausschreitunaenunserer Leute sehr getrübt. Es waren einige Elemente in der Tompagnie, welche die besseren Tagenicht vertrugen und durch ihre scandalöse Behandlung harmloser Bewohner für sich strenae Strafen,für die Tompaguie verschärfte Disciplinar - Maßregeln herbeiführten, von dort erreichte» wir nachsaurem Marsche das schöne Tours. Die Hitze und der Staub waren schon so stark, wie im Zum unserernordischen Heimath. Wir lagen in den Vorstädten am rechten Ufer der Loire, meine Torporalschaftbei M. Thauveau, der sammt seinen Töchtern es sich angelegen sein ließ, für unser Bestes zu sorgen.Zn der Hauptstadt der Touraine weilten wir bis zum 7. März, was soll ich ihr Lob singe», ichwürde nur Bekanntes zu wiederholen haben. An der majestätisch fluchenden Loire mit ihren schönenBrücken, von denen mehrere der Unverstand der Franzosen gesprengt hatte, erhoben sich die hohenRais. Schöne Gasthäuser, ein majestätisches Hotel de ville, Theater, große Promenaden verliehen derStadt ein viel schöneres Aussehen, als es die düster» Orleans, Blois, Le Mans aufweisen konnten. Leiderwurde mir der Aufenthalt so sehr getrübt durch die Nachricht vom Tode meines Vaters. Und doch,obgleich fern der Heimath, war dieser Eindruck nicht so betrübend, als das wiedersehn der Mutteruud Geschwister in Hannover nach den großen Verlusten, wir hatten selbst zu oft dem Tode in'sAngesicht schauen müssen, waren abgestumpft gegen menschliches Elend und dadurch selbst gegen dieeigenen schweren Verluste unempfindlicher. Nach Tours hatte mir mit der Todesnachricht meine Mutterdas erste Portepee geschickt. Sie hatte bei allem Schmerz doch nicht vergessen, dem Sohne in der Ferneeine Freude zu bereiten.
Zn Tours erhielt uuser Bataillons-Tommaudeur das eiserne Rreuz H Klasse, er versammeltesein Bataillon um sich, dankte demselben für seine Ausdauer und seine Treue und theilte uns mit,daß wir nicht in die alten Garnisonen zurückkehren würden, sondern uns Colmar, Neubreisach undGebweiler im Elsaß als neue Garnisonen zugetheilt wären. Dies war auch der Grund, weshalb wirso schnell zur Besetzung der neuen Landestheile der Heimath zueilten.
Am 7. März verließen wir Tours, traten auf dem Rai unter blühenden Rastanienbäumen anund marschirten längs der Loire nach Amboise. Groß war die Freude Aller, daß der Rrieg zu Endeund die Heimath winkte, Zm Ouartier zu Amboise hatte ich »och einmal einen lebhaften Eindruckdavon, wie doch die Franzosen uns, bei aller Ordnung und Manneszucht, für Halbbarbaren hielten.Die wirklich ausfallend schöne Tochter unserer Wirthin bediente die Einquartierung und es ist mirnicht erinnerlich, daß irgend chemand von uns den Anstand in ihrer Gegenwart verletzt hätte, nurBemerkungen unter einander über die wirklich majestätische Erscheinung mußten, wenn auch nicht ver-standen, der aufmerksamen Alten bedenklich erschienen sein. Kurz, die Tochter verschwand plötzlich undwird in irgend einem versteck den Abmarsch der Feinde am andern Morgen abgewartet haben, wirsahen sie nicht wieder. Am andern Tage erreichten wir nach anstrengendem Marsche Blois. wirhatten flp Kilometer gemacht.
Bon Blois nach Mer, in die Nähe unserer Gesichtsfelder, am s>. März gelangend, hieltenwir am st), einen Nuhetag und kamen am s s. nach Meung. Die Ouartiere wurden schlechter, beimfeindlichen Einrücken zu Anfang des Krieges waren sie besser, da häufig die Furcht die Franzose» zuliebenswürdigen wirthen machte. Zn Meung versammelten unsere Generale die (Gruppen um sich,welche ja im Elsaß in andere Verbände traten, sagten uns Lebewohl und schieden mit begeistertenHochs auf den sieggekrönten greisen Kriegsherrn. Die fast oompletirten Bataillone in ihren neuenUniformen gewährten einen prachtvollen Anblick und waren wohl geeignet, beim Scheiden den ge-hörigen Respekt und die Achtung vor unserer Armee in Feindesland zurück zu lassen.
Der s2. März brachte uns nach Orleans, dort sollten wir die Eisenbahn besteige», um schnellerunser» Bestimmungsort zu erreichen.
vom sö. März bis zum s3. fuhren wir mit großen pausen und oft aufgehalten durch andereZüge, welche verwundete aus den Lazarethen in's Vaterland führten, von Orleans an Paris vorbei