Druckschrift 
2 (1887)
Entstehung
Seite
44
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sondern sie kochten und schwatzten unausgesetzt, so daß wir staunten, daß diesen kleinen hungrigenLeuten bei derartigem Metter nicht der Mnth entfallen war. Ts waren die Regimenter^, u. f>H,welche früher in Ronen gelegen hatten. Aber so ist der Franzose, rührig und äußerst genügsam, indieser Hinsicht ein guter Soldat, und der stämmige Norddeutsche kann viel von ihm lernen. Ts be-fanden sich unter den befangenen übrigens viele Tlsässer, mit denen wir deutsch uns unterhielten.Zn dieser Rächt hatte ich mir eine tüchtige Unterleibserkältung zugezogen, die nur in den folgendenTagen viel zu schaffen machte, so daß ich aller Tnergie bedurfte, die bevorstehenden Strapazen zuertragen. Um fv Uhr Morgens wurden wir abgelöst und kamen naß und müde in unserem Pferde-stalle an. Schon um ö Uhr Nachmittags rückten wir wieder aus und zwar ging unser Marsch durch dieDörfer Malroy, Tharly, Mechy, vigy, bis wir spät Abends in St. Narbe ankamen. Nei aufgeweichtenMegen, fortwährendein Regen und seit 6 Uhr Nachmittags tiefer Dunkelheit, dazu nach durchwachterNacht und ohne zu Mittag gegessen zu haben, wurde dieser Marsch mir unsäglich schwer. Mir ließenviele Leute zurüch denen die Rräfte versagten und ich war selbst erstaunt bei der Ankunft in St. Narbe,daß ich so weit ausgehalten hatte. Zn St. Barbe sind wir bis zum fl. November geblieben, da derTommandirende der I. Armee, General von Manteuffel, die flt). Brigade zur Bewachung der umSt. Barbe lagernden Gefangenen erbeten hatte. Diese Tage waren recht strapaziös. Da wir imvergleich zu unfern Feinden eine kleine Schaar waren, so war Nachts von Ruhe kaum die Rede, wirstanden im tiefsten Schlamm und verpflegten uns nothdürftig. Mir vor allen verursachten anhaltendeDiarrhöen, wohl durch die anhaltende Nässe entstanden, viel Beschwerde. Den Franzosen ging esnicht viel besser. Sie wurden wegen ihrer Menge in der primitivsten Meise verpflegt, indem maneinfach einer Abtheilung von 2L> Mann einen lebenden Hammel gab, dazu die entsprechenden Reis-portionen und sie dann machen ließ. Nachts lagen sie unter ihren kleinen Zelten und littennatürlich sehr durch den Regen. Ich habe in jenen Tagen viele Todte vorbeitragen sehen. Am3. Abends war ich, von Mache abgelöst, im Ouartier der Offiziere. Mir waren trotz Nässe und son-stiger Beschwerden sehr vergnügt, tranken und sangen. So erinnere ich mich noch des Liedes „ZmRrug zum grünen Uranze", bei dessem Gesänge manche Trinnerungen der frohen Schulzeit in Hannoverwieder auftauchten. Nach gutem Schlaf auf Stroh brach der November heran und da unsereGefangenen andern Truppcntheilen zur Tscortirung überwiesen waren, trat die ganze Brigade, dasfl. westfälische Znfanterie-Regiment Nr. f7 und das Herzog!, braunschweigische Regiment Nr. s)2, denMarsch nach dem Süden an, wohin die andern Theile des Torps schon vorausgezogen waren. Mirmarschirten auf der Straße nach Metz durch die französischen Schanzen, stießen auf zahllose Pferde-kadaver und eine verlassene Mitrailleusen-Batterie, welche rechts der Straße stand. Nachdem währendeines kurzen Haltes vor Rietz die Fahnen ihrer Reberzüge entledigt waren und wir den Anzug, soweites ging, in Ordnung gebracht hatten, zogen wir mit klingendem Spiel und im Tritt durch das„Deutsche Thor" (östlich) in die gefallene Rietz, welche einen düstern, aber mächtigen Tindruckauf mich machte. Mir marschirten hindurch und sahen auf einem freien Platze wohl einige hundertgefangener französischer Offiziere, die ruhig und ihre Tigarre rauchend die Sieger angafften. Aufder Straße nach Augny, südlich Rietz, ging es weiter, bis wir Abends um 6 Rhr in dein genanntenOrte anlangten und Ouartier bezogen, auch einen sehr guten und billigen Mein vorfanden; sonstschienen die Leute arm zu sein. Am folgenden Tage früh 8 Uhr setzten wir unfern Marsch fort; undhatten mich, da das Metter sich gebessert hatte, die Nächte und Morgen schon recht kalt waren, dieUnterleibsbeschwerden verlassen, so fingen jetzt Beine und Füße an zu schmerzen, es war, als ob derUörper erst nach und nach sich gewöhnen sollte. Die Mege waren gut, das Metter kalt aber herrlichund die Gegend an der Mosel entlang schön. Doch blieben uns Leute zurück und kann ich nichtleugnen, daß, als unsere Fouriers per Tisenbahn an uns vorbei nach Pont ä Mousson fuhren, ich die-selben sehr beneidete. Spät Abends langten wir in jener Stadt an und erhielten sehr gute Ouartiere;auch erlaubte ich mir im Hotel de Tygne ein warmes Abendessen, nach den Fcldkesselgenüssen einwahres Labsal, kroch dann mehr als ich ging, da ineine Füße sehr durchmarschirt waren, in meinOuartier und schlief mit einem Tompagnieschneider zusammen, der übrigens keineswegs eine Schneider-