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1 (1887)
Seite
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alter durchlebt zu haben meint. Man lernt es, gegen die aufgeregten Elemente mitZuversicht und Selbstvertrauen anzukämpfen, Gefahren keck ins Auge zu schauen, sicheine Seelenruhe zu bewahren mitten im Toben der Stürme und berghoch sich thürmenderWellen; man fühlt sich körperlich und geistig emanzipirt vom engen Stubenleben auf ab-geschlossenem Lande, und eingeführt als Bürger der ganzen weiten, schönen, wunder-vollen Erde! Das ist in Wahrheit eine grossartige Bildungsschule, nicht für das geselligeund gesellschaftliche Leben, am wenigsten für den Salon, — aber eine echte Bildungs-schule für den Seemann, dessen Sinnen und Trachten mit Liebe und Leidenschaft seinemElemente zugewandt ist und dem nun Mühen, Gefahren und Entbehrungen wohlbekannteEreunde geworden sind. — Die grossartigen Ansichten, welche aus dem Schooss desOceans auftauchen und wieder von ihm verschlungen werden, um andere folgen zu lassen;die rege Bewegung der Völker der ganzen Welt auf den unbegrenzten Strassen desWelthandels, das richtet den betrachtenden Geist auf das Allgemeine, es reizt ihn zuedlen und grossartigen Entschlüssen; sein innerer Sinn wird auf das AVahre und Wesent-liche gelenkt: Lüge und Schein werden ihm verhasst. Ein solches Leben bewegt sichin einer Reihe von Contrasten, welche den Geist des Seemanns auf eine eigenthümlicheWeise bearbeiten: am Bord des Schiffes während zwei- bis dreimonatlichen Segeins voneinem Hafen zum andern, die strengste Disciplin; im Hafen angelangt und den Fuss auffestes Land gesetzt — ist jedes Zeichen militärisch strengen Dienstes abgeworfen. Aufder See magere Kost, die grösste Einfachheit und Regelmässigkeit in der Tagesordnung;am Lande Ueberfluss von allem, offene Wahl der Vergnügungen und Genüsse. Dort einenger Raum und immer und ewig die gleichen Menschen und dieselben Unterhaltungen,— hier keine Grenzen freier Bewegung: gesattelte Pferde, bespannte Wagen stehenbereit, einen durch die Strassen der fremden Städte, in die Pflanzungen, in den Wald, indie Villen zu führen, und neue Bekanntschaften giebt's auf jedem Schritt, da eine soseltene Erscheinung, wie die eines Russen es damals war, stets ein willkommener Gastwar. So wechseln die Contraste und wiederholen sich in mancherlei Formen alle zwei,drei bis vier Monate, und müssen dem Wesen des Seemanns einen besonderen Stempelaufdrücken."

Auf dieser Reise knüpfte der junge Midshipman Wrangell mit einem seiner Mit-offiziere, Midshipman von Lütke, ein Freundschaftsband, das trotz grosser Verschieden-artigkeit in Charakter und Anschauung durchs ganze Leben festgeblieben ist.

Während der zweiten Hälfte der Reise beschäftigte sich Wr angell besonders mitarktischen Reisebeschreibungen, und es erwachte in ihm der Wunsch, auf diesem Gebieteseine Kräfte erproben zu können.

Gross war daher seine Freude, als ihm bald nach seiner Rückkehr, nach welcherer zum Lieutenant avancirte, im Jahr 1819 durch seinen Vorgesetzten Kapitän Golowninder Vorschlag gemacht wurde, die Leitung einer Expedition an die Nordküste Sibirienszu übernehmen, auf welchen er mit Eifer einging.

Er besuchte noch seine Verwandten in Livland und hielt sich einige Zeit inDorpat auf, um sich in verschiedenen wissenschaftlichen Fächern besser auszubilden, dieihm auf der bevorstehenden Expedition von Nutzen sein konnten. So hörte er beim

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