GESCHICHTE DER FAMILIE VON WRANGEL VOM JAHRE ZWÖLFHUNDERTFÜNFZIG BIS AUF DIE GEGENWART. NACH URKUNDEN UND TAGEBÜCHERN BEARBEITET. C li-oX<üW A >) ~i) v) jfy^t G • v 1* 1° ,0 BERLIN und DRESDEN. WILHELM BAENSCH VERLAGSHANDLUNG. 1887. d, An die Mitglieder unserer Familie. Wenn es seit vielen Jahren ein Wunsch der Familie „von Wrangel" war, die in dem Besitze einzelner ihrer Mitglieder befindlichen Nachrichten, Nekrologe oder sonstige Familienarbeiten von diesem oder jenem ihrer G-lieder gesammelt und daraus eine Geschichte ihrer Familie hergestellt zu sehen — so war dieser Wunsch gerechtfertigt durch das Alter unseres Geschlechtes, durch die Ausbreitung, welche dasselbe im Laufe der Jahrhunderte in den verschiedensten Ländern erhalten hat, und endlich durch ein gewisses Gefühl der Pflicht, erzeugt durch das Verlangen, den Nachkommen der Familie das Andenken an unsere Vorfahren wach zu erhalten durch deren möglichst wahrheitsgetreue, ungeschminkte Lebensbilder. Wenn in der Diesem vorstehenden Ansprache darauf hingewiesen ist, wie die gestellte schwierige Aufgabe und durch welche Beihülfen dieselbe zu einem so anerken- nenswerthen Ausgang gelöst ist, so sind wir —■ der Vorstand der Familie — auch an dieser Stelle auszusprechen verpflichtet, zu welchem herzlichen Danke wir allen, welche an der Vollendung des Ganzen mitgewirkt haben, verbunden sind. Können wir doch nun unter Zugrundelegung der sorgsamsten Nachforschungen beweisen, dass die ersten zuverlässigen Nachrichten über einzelne Familienmitglieder in den Anfang des dreizehnten Jahrhunderts fallen, wo sie als Domini bezeichnet wurden, allerdings meist nur unter Anführung ihrer Namen und ohne alle näheren Angaben über ihre sonstigen Verhältnisse. Ja selbst im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert weisen die Urkunden nur mangelhaft zusammengestellte und wenig interessante Lebensbilder nach, während vom sechzehnten Jahrhundert ab sich einzelne Persönlichkeiten aus der Allgemeinheit hervorheben, und in den späteren Zeiten immer häufiger Familienglieder auftreten, deren Lebensthätigkeit Interesse in den weitesten Kreisen —- nicht nur in denen der Familie — wachzurufen im stände war. Vorwiegend war und ist unser Geschlecht dem Kriegshandwerk ergeben gewesen; dürfen wir doch darauf hinweisen, dass Hunderte von unseren Vorfahren ihr Blut auf dem Felde der Ehre vergossen und wohl ebensoviel mit ihren Leibern auf den verschie- deutlichsten Schlachtfeldern Europas — allein bei Pultawa liegen zweiundzwanzig Helden unseres Namens — den Tod eintauschten gegen das Leben, in Erfüllung ihrer Pflicht, für die Ehre ihrer Fürsten! Aber auch freundlich gesinnt war das Kriegsglück einem grossen Theil unserer Familienglieder — führten doch sieben von ihnen den Feldmarschallstab, während eine grosse Anzahl anderer rühmlichst in den Stellungen als Generale, Admirale u. s. w. aufzuführen sind. Aber nicht nur im Kriegsdienste allein hat sich der Name Wrangel Anerkennung verschafft —- nein, auch in der Diplomatie, Theologie, Verwaltung, Wissenschaft, wie in der Medicin und in der Malerei finden wir sehr würdige Vertreter unserer Familie. Und somit legen wir die Geschichte unserer Vorfahren in die Hände der Lebenden unseres Geschlechtes mit dem Wunsche, dass dieselbe als ein unvergessliches Erbtheil an alle Nachkommende übergehen soll, vom Vater auf den Sohn, von der Mutter auf die Tochter, und begleitet sein möge von dem Gedanken, dass dieses treue Spiegelbild des Lebens ihrer Voreltern sie anspornen soll, sich des Namens ihres Hauses unentwegt, nach jeder Richtung hin würdig zu zeigen. Der Vorstand der Familie von Wrangel. Derer von Wrangel Geschichte verdankt ihre Herausgahe in erster Anregung dem hingebenden Familieninteresse desjenigen Zweiges, aus welchem Seine Excellenz der Königlich Preussische General der Infanterie a. D. Freiherr von Wrangel-Sproitz entsprossen ist, welcher Herr im Jahre 1880 mir eine von Vorfahren auf Nachkommen übergegangene und von diesen stetig erweiterte Geschichte seines Hauses zur Veröffentlichung übergab. Persönliche Beziehungen zu dem Herrn Major z. D. von Maltitz, von dem mir bekannt war, dass er für seine eigenen Studien auch umfassende Forschungen über die Vergangenheit der Familie von Wrangel gemacht hatte, veranlassten mich, mit Zustimmung des Freiherrn von Wrangel-Sproitz, genanntem Herrn die mir zur Verfügung stehende Urschrift zur Ergänzung etwaiger ihm bekannter, derselben noch fehlender historischer Thatsachen mit dem Wunsche zu übergeben, diese dem Werke einzufügen. Durch eine solche gegenseitige Ergänzung der Niederschriften konnte es nicht ausbleiben, dass an diese oder jene Seite des Hauses Derer von Wrangel Anfragen zu richten waren, deren Grund entweder auf einer geschichtlich vorliegenden Meinungsverschiedenheit beruhte, oder welche hervorgerufen wurden durch die Resultate der von den Vorlagen abweichenden Forschungen, welche Herr von Maltitz für seine eigenen Studien gemacht hatte. Es würde zu weit führen, wenn ich hier aller Derer gedenken wollte, welche dem Werke in solcher Weise ihre Beihülfe gegeben haben. Aber es ist mir eine angenehme Pflicht, an dieser Stelle derjenigen hochmögenden Herren zu gedenken, welche durch hervorragendes Interesse an dem Werke selbst den Dank der gesammten Familie Derer von Wrangel ebenso in Anspruch zu nehmen haben, wie die vorbezeichneten Herren, da nur ein so hingebendes, allseitiges Familieninteresse die Herausgabe des Werkes in derjenigen Vollkommenheit hat herbeiführen können, wie solche die Vorlage zeigt. Das sind die Herren: Seine Excellenz der wirkliche Geheimrath und Generalconsul Seiner Majestät des Kaisers von Russland Baron Alexander von Wrangel-Danzig; Baron Feter von Wrangel auf Itfer; Graf Friedrich Wrangel auf Sauss. Als diesen Herren durch vorstehend erwähnte Anfragen und erbetene Auskünfte bekannt geworden, dass die Herausgabe der Geschichte Derer von Wrangel geplant wurde, da süid sie es gewesen, die nicht nur ihre eigenen Familiensammlungen dem Ganzen selbstlos ziu' Verfügung gestellt haben, sondern die auch vermöge ihrer Lebensstellung in der Lage waren, in ihren mit der Geschichte ihres Hauses so eng verknüpften Heimaths- ländern Quellen aufzuschliessen und Pforten zu öffnen, die sonst wohl Wenigen zugänglich gewesen wären. Und unter Benutzung dieser Verhältnisse ist das vorliegende Werk entstanden, dem ein gleiches — soweit es eine Familie betrifft — die Literatur bisher nicht an die Seite zu stellen hat, sei es in der Form, im Umfang oder in historischer Nachweisung der Vergangenheit eines Geschlechtes. Mir gereicht es zur grössten Genugthuung, nach langjähriger, unausgesetzter Thätigkeit für das Werk, solches der Oeffentlichkeit übergeben und dadurch feststellen und Zeugniss ablegen zu können von der Treue, der Pflichterfüllung, der Hingebung, welche das Haus Derer von Wrangel an die ihm angestammten Fürsten stets gehabt und denen es seit sechshundert Jahren unentwegt in guten und ernsten Zeiten gedient hat und dienen wird bis zum letzten Wrangel. Berlin, im Jahre 1887. Henry von Baenscli. Allgemeine Forschungen und Geschichte. In dem am 7. Juni 1238 zu Stenby abgeschlossenen Vertrage zwischen Dänemark und dem Deutschen Orden wurden für die früheren Ordensvasallen gewisse Garantien festgestellt. Die erste bestand in dem Versprechen des Königs, aus den früheren Irrungen keine Ansprüche gegen diejenigen zu erheben, die damals unter dem Banner des Ordens gestanden. Auf den Bruch dieses Versprechens war der Bann gesetzt, und zwar sollte derselbe zuvörderst von den livländisclien Bischöfen ausgesprochen werden. Die vollständigste Sicherheit für die Person der Vasallen war damit gewonnen. Was den Besitz derselben betraf, so hatte der Orden nur 1895 Haken dem Könige zu unbedingtem Eigenthum übergeben, so dass also alles übrige Land im Besitze der Vasallen verblieben war. Die zm' Zeit des Schwertordens aufgenommene und bisher vervollständigte Landrolle diente wohl den Ordenscommissarien dazu, den dänischen Bevollmächtigten die genaue Uebersicht der bestehenden Besitzverhältnisse vorzulegen, und ihnen jene 1895 Haken anzuweisen. Ob zu diesen letztern auch die Besitzungen derer gehören, die als eidbrüchige frühere Vasallen des Königs für ihre Lehen keine Garantie haben konnten, lässt sich nicht bestimmen. Von den übrigen Vasallen waren dann die Wirländer sowohl in betreff ihrer wirischen Lehen als wahrscheinlich auch der in Harri®, sicher gestellt, insofern sie Lehnbriefe oder Kaufbriefe darüber besassen. Unter den eigentlich harrischen Vasallen mochten dann auch manche genügende Bürgschaft der Sicherheit erhalten haben, oder auf dieselbe infolge der Gnade des königlichen Stellvertreters zu rechnen in der Lage gewesen sein. Um dies alles zu ordnen und jeder Eigenmacht und Gewaltthätigkeit den Grund zu benehmen, ist die Annahme gerechtfertigt, dass Herzog Kanut sich einen Lehnliof aus vornehmen Dänen und Deutschen gebildet, die ihn nach ßevel begleitet, und vielleicht auch aus einigen Wirländern und Harriensern, die sogleich die Lehnsbestätigung erhalten hatten. Zu den ersteren gehörte möglicher Weise unter anderen auch Ritter (Dominus) Tuko Wrang, zu den andern Ritter Eilhard etc. Das Resultat der in solcher Weise vorgenommenen Prüfung der Besitztitel war, wie wir aus der Landrolle erkennen können, dass in Harrien, namentlich aber in Repel, sogar in dem wirländischen Antheile dieser letzteren Landschaft sehr viele ihrer Lehen für verlustig erklärt und vertrieben wurden. Unsere Familie Wrangel betraf dies nicht; denn wir finden sie unausgesetzt in Esthland und Livland, sowie in Hamen und Wirland ansässig. Was nun den Besitzstand anbetrifft, so bezeichnet der Liber census, nach welchem die Landrolle etwa 1240 aufgestellt ist, unter allen Gütern nur in einem Falle den Kauf als Besitztitel. Die früheren Käufe müssen somit durch Lehnbriefe bereits bestätigt gewesen sein. In Harrien finden wir fünfzehn Vasallen, die gewaltsam in den Besitz von Gebieten gekommen. Dagegen erscheinen in Wirland nur sieben an Stelle Vertriebener. Von den fünfzehn harriscken Vasallen werden an dem Namen als Dänen sechs, als Deutsche neun erkannt. In Wirland sind von den sieben nur zwei Dänen, die übrigen fünf Deutsche. In beiden Landschaften aber stammen sie aus angesehenen Geschlechtern; entweder sie führen bekannte Geschlechtsnamen, oder ihrem Namen steht der Titel „Dominus" vor. Prüft man nun die Geschichte der beiden Landschaften vor dem Vertrage zu Stenby und bis zum Schluss der Sechsziger des Jahrhunderts, so findet sich durchaus keine andere Begebenheit, die uns den Sclilüssel zu den Besitzveränderungen geben könnte, als dieser Vertrag selbst. Durch ihn erhielt König Woldemar die Landschaften Harrien und Wirland zurück, die er 1219 erobert. Letztere war ihm schon 1225 von den auf eigene Faust kämpfenden deutschen Pilgern und Stiftsvasallen aus dem Stifte Dorpat eigenmächtig entrissen worden, während er erstere um zwei Jahre später an die Schwertbrüder verlor, die dann die Oberherrschaft in beiden Landen sich aneigneten. In betreff von Wirland sei noch bemerkt, dass dasselbe vor dem Frieden von Stenby vom päpstlichen Legaten Wilhelm zn Händen des Papstes genommen worden, und als solches Land (nicht als Ordensland) ist dasselbe 1238 an Dänemark gekommen, dessen König den daselbst eigenmächtig eingedrungenen deutschen Vasallen ihre Lehen bestätigte. Der Orden fuhr rüstig fort, sich in dem neuen Besitze zu befestigen, und vor allem wollte er die deutschen Parteigänger an sich binden. Lange Zeit hindurch waren die Pilger meist eben so rasch fortgegangen, als sie gekommen; spärlich liessen sich einige anfänglich in den Stiftern nieder, dann mehrere, und im Jahre 1228 werden diese Pilger Alberts, Bischofs von Riga, schon nicht ohne Einfluss gewesen sein. Was dieses Stift respective Erzstift Riga anbetrifft, so ist dasselbe nie dänisch gewesen, und können wir auch infolge dessen diese Pilger nicht als Vasallen dieses Stiftes bezeichnen. Der Orden war, besonders in der ersten Zeit, wenig wählerisch bei der Aufnahme neuer Mitglieder, und müssen sie streng von den Vasallen auseinander gehalten werden. Um Vasall in einem heidnischen Lande sein zu können, gebrauchte man Vermögen und Gefolgschaft; zudem kommen unter den Ordensrittern nur sehr ausnahmsweise Namen der bekannten Vasallengeschlechter von Livland und Esthland vor. Ein Ordensritter brauchte nur ein gutes Schwert zu haben; alles übrige stellte ihm der Orden. Mächtiger indessen waren sie seit 1224 im Stifte Dorpat. War doch ihr Stand gleichsam zusammen mit dem Bistimm ins Leben getreten. Besteben und Sicherheit des Stifts" gegenüber den eben bezwungenen Esthen und so nahe an der russischen Grenze beruhten hauptsächlich auf der Macht der Vasallen. Unter der dänischen Herrschaft gehörten diese Vasallen im Stifte Riga und ebenso später auch im Gefolge des Ordens nicht alle zu den angesehenen Geschlechtern, „denn dazu war die Stellung des Ordens um jene Zeit noch zu gering, zu abhängig", und „dem Orden war durch die Lage der Dinge verwehrt, wählerisch zu sein", und dies um so mehr, weil nur ein vermögender und einflussreicher Vasall genügende Heeresfolge leisten konnte, worauf es hauptsächlich ankam. Anders in Wirland: Ministerialgeschlechter des bremischen Erzstifts, sowie andere niedersächsische, holsteinische und auch westfälische Vasallen und Stadtbürger finden sich hier in der zehn Jahre später abgefassten Landrolle. Sie hatten auf eigene Faust das Land besetzt, anfangs gegen den Willen des päpstlichen Legaten, hernach mit Zustimmung des von ihm eingesetzten Statthalters. Von diesem hatten sie ihre Lehnbriefe. — „Dazu standen sie in engster Verbindung mit den Vasallen in den beiden Stiftern Dorpat und Riga." — „Die harrisehen Vasallen des Ordens hatten von ihm erst Land und Leute empfangen, die Wirländer dagegen brachten ihm Land und Leute." Nach dem Tode des Bischofs Albert ward vom päpstlichen Legaten, dem Kardinal Otto, welcher, da er den Kaiserlichen und auch in Deutschland verhasst, nach Dänemark gegangen war, der Mönch Balduin von Alna nach Riga gesandt. Im Jahre 1232 hat ihm dänischer Einfluss vom Papste das Bisthum Semgallen und die Legatenwürde in Esthland und Livland eingetragen. Nur wenige Tage später weist eine päpstliche Bulle die Bischöfe Nicolaus und Hermann, sowie den Orden an, diesem neuen Stellvertreter des Papstes die zwischen Deutschen und Dänen streitigen Landschaften zu übergeben. Der päpstlichen Drohung zu begegnen, sucht der Orden noch einmal beim Kaiser Schutz für sich und seine Vasallen (homines suos); seine einzigen Vasallen aber sind die Deutschen in Harrien und Wirland. Der Kaiser verheisst ihm den erbetenen Schutz; nur der „homines" gedenkt die kaiserliche Resolution nicht weiter; ja, sie zählt die Landschaften des Ordens auf und vergisst zwar nicht Jerwen; allein Harrien, Repel und Wirland fehlen. In so bedrängter Lage setzt der Orden seine Hoffnung noch einmal auf den Papst; auch lässt sich die Curie bereden. Es wird ein neuer Legat, Wilhelm von Modena, nach Livland beordert, und es entsteht ein Prozess. Im September 1235 wurde dieser Prozess zu Viterbo instruirt; der Kardinalbischof von Sabina führte die Untersuchung, die Anklage Balduin von Alna. Im Februar 1236 fällte der Papst das Urtheil: „Es sollte der Orden das Schloss von Reval und die Landschaften Repel, Harrien, Wirland und Jerwen dem Legaten Wilhelm zu Händen des Römischen Stuhls übergeben." Es war ein harter Schlag für den Orden. Alle in diesen Landschaften von den Bischöfen, vom Magister Johannes, von dessen Vicar Hermodus ausgeschriebenen Zehnten waren zu widerrufen. Dazu kam noch, dass das deutsche Heer der Schwertritter am 22. September 1236 von den Litauern fast vernichtet wurde, Avas von tiefster Bedeutung auch für die Geschichte von Harrien und Wirland ward. Denn da der nun fast leiblose Orden die zuvor schon vergeblich angestrebte Vereinigung mit dem Deutschen Orden um jeden Preis zu erlangen genöthigt war, entschloss er sich, des Papstes Zustimmung zu erkaufen und als Preis Reval und die esthnischen Landschaften herauszugeben. König Woldemar von Dänemark sollte sie wieder haben. Im Mai 1237 war die Vereinigung vollzogen und besiegelt. Was die Stellung der harrisch-wirischen Vasallen anbetrifft, so war für sie der Hochmeister keine Autorität; suchte er sie zu zwingen, so standen sie auf, und ihnen zur Seite scharten sich wohl che stiftischen Vasallen, Adelleicht auch die Pilger. Es konnte daher nur gütliche Vereinigung zum Ziele führen, und dies um so leichter, als der Legat beauftragt war, die Landschaften vorläufig zu Händen des Papstes zu nehmen. Möglich war solches jedoch nur, wenn man den Vasallen den Besitzstand soAvie die Erhaltung sonstiger Rechte und Freiheiten garantirte. In Wirland schrieben sich die Belehnungen zum Theil vom päpstlichen Statthalter und dessen Vicar her. In Harrien dagegen waren die dänischen Statthalter nur offenbarer GeAvalt geAvichen; dänische Vasallen waren verdrängt worden; seine Vasallen ins Land zu setzen, hatte der Orden kaum ein Recht aufzuweisen gehabt. Die ganz gegen Dänemark Compromittirten entgingen ihrem Loose Avold nur, indem sie ihre Besitzungen Wirländern auftrugen, oder der Orden Avies ihnen Land in der Ordenslandschaft Jenven ein, oder es that dieses der Bischof von Oesel und der Wieck. So Avurde der Uebergang vorbereitet. Auf Aviederholte Mahnung des Papstes erschien der Legat in Schonen am königlichen Hoflager zu Stenby. Dorthin Avar auch Hermann Balke, Heermeister des Deutschen Ordens, gekommen. Am 7. Juli 1238 Avurde der Traktat unterzeichnet. „Das Schloss zu Reval, die Landschaften Repel, Harrien, Wirland und • I er wen wurden, in Grundlage der päpstlichen Entscheidungen, als rechtmässiges Besitzthum des Königs angesehen." Ferner ward hierbei der übenviegenden Mehrzahl der Vasallen der Besitz garantirt, und der Orden übergab dem Könige von den 5800 Haken der beiden Landschaften nur 1895 zu unmittelbarem Besitz. Jenven trat der König dem Orden für den Heerzug gegen die Heiden ab. Zum Antritt des Aviedergewonneneu Besitzes erschien 1238 der Herzog Kanut in Begleitung des Legaten Wilhelm und des Vicelandmeisters Dietrich von Groningen in Esthland und es begann die Ordnung der Verhältnisse im Lande durch den sodann gebildeten Lelmhof, dessen muthmassliche Zusammensetzung bereits erwähnt ist. Beisitzer mögen eben die mit dem Titel „Dominus" im Liber census Bezeichneten, sowie einige Knappen gervesen sein. In Harrien, namentlich aber in Repel, selbst in dem Avirländischen Antlieil von Repel, Avurden viele ilmer Lehen verlustig erklärt und vertrieben, entAveder als eidbrüchige königliche Vasallen, oder Aveil sie keine Lehnbriefe aufweisen konnten, oder, weil der Lehnhof ihre Briefe annullirt hatte und kein mächtiger Fürsprecher für sie eingetreten war. Sämmtliche auf diese Weise eingezogenen Lelien wurden indessen nicht zu der Domäne geschlagen, sondern wieder verlehnt, und zwar einmal den Gliedern des Lehn- liofes, sodann anderen Rittern. Aehnlicli wie in Esthland gestalteten sich die Verhältnisse in Livland; hören wir, was uns Russwurm über letzteres Land in seiner Geschichte der „von Ungerh- Sternberg" (Breslau 1S75, Bd. I) sagt. „Livland war zwar entdeckt, und durch Meinhardt das Christenthum dort verkündet worden, aber bisher mit wenig Erfolg. Da ward 1199 Albrecht von Apeldern, auch von Bikeshovede oder Buxhöwden genannt — beides benachbarte Dörfer bei Bremerhaven —, zum Bischof ernannt, und dieser unermüdliche Mann ist der Gründer des livländischen Staates geworden. Getränkt von dem Geiste der Kreuzzüge, begeistert für die Ausbreitung des Christenthums, hielt er sich für berufen, die Reste des Heiden- tlmms im nördlichen Europa zu überwinden. Daher sandte er zahlreiche Missionäre aus, knüpfte Verbindungen mit den benachbarten Fürsten, sowie mit den Aeltesten der Liven, Letten und Esthen an, beförderte den Handel von Gotland und Lübeck aus und baute feste Burgen zum Schutz der neuen Pflanzung. Doch nicht immer reichten friedliche Mittel aus, die mit den Eingeborenen geschlossenen Verträge aufrecht zu erhalten und die freie Verkündigung des Evangeliums zu schützen. Es entstanden Kämpfe, die nur durch zahlreichen Zuzug aus den Christenländern durchgeführt werden konnten. Deshalb bewirkte er, dass Papst Innocenz HL in seiner Bulle vom 5. October 1199 die Pilgerschaft nach Livland, dem „Lande der Mutter Gottes", für ebenso vollständig Sünden vergebend als einen Kreuzzug nach Jerusalem oder eine Reise nach Rom erklärte. Demgemäss durchzog Albrecht rastlos Deutschland, verkündigte das Kreuz, sammelte Pilgerscliaaren, schiffte mit ihnen im Frühjahr nach Livland und zwang mit diesen bewaffneten Missionären die besiegten Feinde haufenweise zur Unterwerfung, zur Taufe und zu dem Gelöbniss, den Zehnten an die Kirche zu zahlen. Hatten die Pilger ein Jahr lang im Lande der heiligen Jungfrau gekämpft, so kehrten sie mit Beute beladen auf ihren Schiffen zurück, fröhlich wieder der Heimath zusteuernd, da sie nicht nur Schätze auf Erden gesammelt, sondern auch das wohl verbriefte Recht auf den Himmel sich erworben hatten. Der Bischof aber begleitete die Pilger nach Deutschland, um neue und immer zahlreichere Schaaren mit dem Kreuze zu bezeichnen. Dreizehnmal hat Bischof Albrecht auf diese Art Pilgerscliaaren nach Livland gebracht, denn das Land der heiligen Jungfrau musste von Heiden gereinigt und die Herrschaft des Kreuzes Christi um jeden Preis aufgerichtet werden. Aber nicht nur auf die zeitweilige Hilfe der Pilger verliess sich der Bischof Albrecht, sondern bald nach der Gründung Rigas 1 ) (1201) stiftete er 1202 den Orden der Schwertritter zum bleibenden Schutze seiner jungen Kirche, und unter den Pilgern fesselte er die tapfersten Ritter durch Belehnungen, oft mit ganzen Kirchspielen, wodurch sie Vasallen der Kirche zu Riga wurden." 1) Breslau, 1875; Bd. I, Vorgeschichte und Ordenszeit p. 5. _ 8 — lieber das frühere Dasein eines in Livland entsprossenen oder entstandenen esth-livischen Adels wird man in mehreren Notizen der älteren Landesgeschichte,*) in Sagen unter dem Landvolke, sowie in den Traditionen einiger adligen Familien nur schwache Spuren antreffen, welche hier später angeführt werden. Dass aber die Vorfahren des livländischen Adels grösstenteils deutschen Ursprungs waren, können wir ohne weitere Beweise behaupten. Haben sich doch, wie alle Herrscher Livlands anerkannten, deutscher Sinn, deutsche Sprache und Gebräuche hierselbst erhalten, und müssen wir nicht diesen nächsten Bedingnissen für das moralische Sein des luven und Esthen alle Civilisation zuschreiben? Die Bekanntschaft der Deutschen mit Livland 2 ) fällt in die Zeiten der Gründung des politischen Uebergewichts der Päpste um das Jahr 1170. s ) In dieser Periode der allgemeinen Geschichte hatte sich der Adel (Bitterstand) bereits ausgebildet und war der ursprünglich freie Kriegerstand und vorzugsweise die nächste Umgebung der Machthaber (Oberhäupter). Nach einigen ist „Adel" abgeleitet von Od (Gut) und ling (Besitzer), also Odling (Gutsbesitzer), oder von dem fränkischen Wort „athal" (vornehm, ausgezeichnet), daher „athalingi" (Adalingi, Nobiles). Diese letzteren Ableitungen sind in der neuesten Zeit berichtigt, und zwar bedeute „Adaling", sowie „Adalingus", einen Mann von kleiner Familie, von niederem Adel. 4 ) Der Kriegerstand rettete demjenigen (dem Dienst- und Lehnsmanne, schon 1156) die Eigenschaft eines freien Mannes, der seine persönliche Selbstständigkeit im Dienste eines Höhern (der weltlichen oder geistlichen Macht, des Kaisers oder der Kirche) aufgegeben hatte. Erweiterte Macht dieses Höhern erhob solche entweder freiwillig übernommene oder durch die Gnade des Oberhauptes erlangte Abhängigkeit zum Gegenstande der Opinion. Charakteristisch erscheint es, dass die Vortheile, welche vom Anführer seinen Gefolgsmännern zuflössen, ursprünglich nicht mit dem Namen von Schuldigkeit, als Lohn und Bezahlung, sondern als Wohlthat (beneficium) bezeichnet wurden, und dass man alle Verpflichtungen gegen ihn, insgesammt nur unter einer allgemeinen Benennung von dem, was die Ehre forderte, begreifen konnte. Unter Forderungen der Ehre wurden also eigentlich die Pflichten verstanden, zu deren Erfüllung kein Gesetz zwingen konnte. Dass das, was über und ohne gesetzliche Verpflichtung geleistet wird, „ex nobili officio" geschehen heisst, zeigt auch eine nahe Verbindung an, worin alter Sprachgebrauch Ehre und Adel setzte. Als daher die allgemeine Meinung die Kirche über den Kaiser erhoben hatte, wurde die Abhängigkeit von der Kirche — Hörigkeit —, welche einen sichern und bequemen Weg bahnte, Ehre und Vortheil zu vereinigen, auch von den grössten Fürsten !) Hupel, Nord. Miscellen XXVII p. 576—578: Gadebuscli, Livl. Jahrbücher Th. I p. 253. 2 ) Gadebtisch, Livl. Jahrbücher Th. I § 7, p. II u. 15. 3) Kottek, Allg. Gesch. Bd. V p. 112 u. 113. 4 ) Dr. Christian Thierbach, Ueber den germanischen Erbadel, 1836, p. 39 n. 10. 5) Justus Mosers Osnabr. Gesch. Th. II p. 120, 129; Carl Dietrich Hüllmann, Gesch. des Ursprungs der Stände in Deutschland, Berlin 1830, § 33 p. 425; Skandinavia Heft I p. 26, 34, 96. Inhalts - V erzeichniss. Erste Abtheilung. a Seite Allgemeine Forschungen und Geschichte 3 Ursprung des Geschlechts von Wrangel 20 Immatriculationen 34 Zweite Abtheilung. Das Wappen 45 Diverses 55 Tabelle Tabelle Tabelle Tabelle Tabelle Tabelle Tabelle Tabelle Anhang- Tabelle Tabelle Tabelle Tabelle Tabelle Tabelle Tabelle Dritte Abtheilung. I. Uebersicht derjenigen Mitglieder der Familie von Wrangel, deren Anreihung an die folgenden Stainintabellen wegen Mangel an ausreichenden Angaben nicht zu ermöglichen gewesen ist 65 II. Die Familie von Wrangel aus dem dreizehnten, vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert bis zur Theilung in die zwanzig Linien . . 77 IIA. Abzweigung von Tabelle II 97 III. Die Familie von Wrangel aus dem Hause Ellistfer und Tölsburg . . 126 IV. Die Familie von Wrangel aus dem Hause Jesse 159 V. Die Familie von Wrangel aus dem Hause Ellistfer in Livland . . . 167 VI. Die Familie von Wrangel Freiherren zu Lindeberg mit einem Zweig der Freiherren zu Ludenhof und Grafen zu Salmis (Sölfnitzborg) . . . . 180 VIA. Nebenzweig des Hauses Lindeberg, Haus Säby 299 zur Tabelle VIA. Zweig in Niedersachsen und Holland 312 VII. Die Herren, Freiherren und Grafen von Wrangel von Addinal . . 321 VIIA. Fortsetzung von Tabelle VII, Haus Sompä 341 VIII. Die Freiherren (Barone) von Wrangfell aus dem Hause Ludenhof . 354 VTIIA. Haus Lude und Turneshof 393 IX. Die Familie von Wrangeil aus dem Hause Lagena 435 X. Die Familie von Wrangeil aus dem Hause Raick 489 XI. Die Familie von Wrangel aus dem Hause Jesse, Sauss und Huer . 497 — X — Seite Tabelle XII. Die Familie von Wrangel aus dem Hauptstamme Jesse, Wrangelshof (Kirchspiel Halliel), später zu Tolks und Herküll, Pedua 521 Tabelle XIIA. Haus Sicklecht, Pedua, Herküll, Tolks und Koddil 542 Tabelle XIII. Die Familie von Wrangel aus dem Hause Kojl 561 Tabelle XIV. Die Familie von Wrangel aus dem Hause Sauss-Maydel, gegenwärtig Wrangelstein 59S Tabelle XV. Die Herren, Freiherren und Grafen von Wrangel aus dem Hause Sauss (Sausis) und Walinge 618 Tabelle XVI. Die Freiherren und Grafen von Wrangel von Sausis aus dem Hause Sauss (Sausis) 628 Tabelle XVII. Die Familie von Wrangel aus dem Hause Sage und Waschel und die Freiherren Wrangel von Brehmer 643 Tabelle XVIII. Die Herren von Wrangel und der spanische Graf von Wrangel aus dem Hause Jensei und Rojel 666 Tabelle XIX. Die Familie von Wrangel aus dem Hause Fall 700 Tabelle XX. Die Herren, Freiherren und Grafen von Wrangel aus dem Hause Abellen (später Alt- und Neu-Wrangelshof) und in Preussen 706 Vierte Abtheilnng. Allgemeine Uebersichten zur Geschichte der Familie von Wrangel. I. General-Feldmarschälle .897 n. Admirale 897 III. Generale 898 IV. Höhere Civil-Stellungen 899 V. Königliche Reichsräthe in Schweden 901 VI. Estländische Ritterschaft-Hauptmänner 901 VH. Landräthe 902 VIII. Dem geistlichen Stande hatten sich gewidmet 903 IX. Als Genealogen haben sich hervorgethan 903 X. Naturalisationen in Schweden 903 XI. Erhebungen in den Grafenstand 904 XII. Erhebungen in den Freiherrnstand 904 XIII. Benennungen zum Andenken besonders hervorragender Mitglieder der Familie 905 Fünfte Abtheilung. 26 Ahnentafeln 907 Sechste Ahtheilung. I. Namen der männlichen Mitglieder der Familie von Wrangel 943 H. Namen der weiblichen Mitglieder der Familie von Wrangel 959 III. Uebersicht der mit einander verschwägerten Mitglieder der Familie von Wrangel 970 - XI — Seite . . 972 . . 993 . . 1013 . . 1019 Siebeilte Abtheilung. 3 Siegeltafeln. 2 Denkmünzentafeln. 15 Wappentafeln. 4 Handschriftentafeln. Achte Abtheilung. 27 Stammtafeln. IV. Namen der mit der Familie von Wrangel verschwägerten Familien . . Y. Yerzeichniss der Güter und Besitzungen der Familie von Wrangel . . Quellen Berichtigungen lind Ergänzungen Yerzeichniss der in den Text eingereihten Lichtdrucktafeln. Seite 1. Grundriss von den Gräbern in der Revalschen Domkirche 57 2. Helm (Wilhelm, Heimbold, Helmold) von Wrangel (IH41) 133 3. Grabdenkmal des Generalmajors Helm von Wrangel in der St. Marienkirche zu Wismar 142 4. Hermann von Wrangel, „der Aeltere" (III 21) 152 5. Denkmal bei Koyeb (Kook) 162 6. Hermann von Wrangel, „der Jüngere" (VI 2) 184 7. Hermann von Wrangel bei der Ueberführung der Leiche Gustav Adolfs nach Schweden . • 190 8. Grabdenkmal der Feldmarschälle Hermann und Carl Gustav von Wrangel in der Sko-Kirche 194 9. Schloss Sko-Kloster 195 10. Margarethe von Wrangel, geborene von Grip (VI 2) 197 11. Carl Gustav von Wrangel, Graf zu Salmis (VI 6) 200 12. Ueberfall bei Dachau 226 13. Pul verhorn des Feldmarschalls Carl Gustav Graf von Wrangel (Vorderseite) . 226 14. Pulverhorn des Feldmarschalls Carl Gustav Graf von Wrangel (Rückseite) . . 226 15. Schwedisches Friedensmahl in Nürnberg 228 16. Margarethe von Wrangel, geborene von Haugwitz (VI 6) 281 17. Wolmar Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg (VI 12) 288 18. Adolf Hermami von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg (VIA 1) 299 19. Willem (Wilhelm, Guillaume) von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg (VIA Anhang 9) 319 20. Carl Heinrich von Wrangel, Freiherr von Addinal (VII15) 332 — XII — Seite 21. Wappen des Oberslieutenants Hennann von Wrangell, Freiherrn zu Ludenbof (VIII1) im Dom zu Reval 357 22. Wilhelm Bernhard Friedrich von Wrangeil, Baron zu Ludenhof (VIII67) . . 370 23. Alexander Peter Magnus von Wrangeil, Baron zu Ludenhof (VIII 70) . . . 371 24. Carl Wilhelm Gottlieh von Wrangell, Baron zu Ludenhof (YIHA30) . . . 397 25. Einnahme der Festung Bayazette 425 26. Moritz Johann von Wrangel, Baron zu Ludenhof (VIIIA18) 429 27. Ferdinand Friedrich Georg Ludwig Baron von Wrangel (1X25) 455 28. Georg Otto Anton Baron von Wrangel (1X29) 481 29. Carl Michael Gregorowitsch Baron von Wrangel (XIIA 50) 555 30. Carl Gustav Romansson von Wrangel (XIII87) 593 31. Reinhold Otto Fabian Baron von Wrangell (XIV 48) 609 32. Alexander Baron von Wrangell (XIV 59) 615 33. Alexander Baron von Wrangell bei der Gefangennahme Schamyls 617 34. Friedlich Ernst von Wrangel (XX 49) 713 35. Friedrich Heinrich Ernst Graf von Wrangel (XX 58) ......... 717 36. Major von Wrangel im Gefecht bei Etoges 727 37. Denkmal bei Pultawa -...758 38. Denkmal des Generalfeldmarschalls Friedrich Heinrich Ernst Graf von Wrangel zu Berlin 783 39. Ludwig August Friedlich Ernst Freiherr von Wrangel (XX 54) 787 40. Carl Friedrich Wilhelm Oscar Freiherr von Wrangel (XX 66) 802 41. Familien-Pokal 886 — 9 — gesucht. Hörigkeit (suitas) ist ein Begriff, der unendliche Modificationen leidet. In derselben kann der Sohn des Königs so gut, als der Sohn des geringsten Menschen sein.Q Es erscheint auch in Li vi and die (geistliche Macht) Kirche als die Quelle, von welcher alle Feudal Verbindungen (Verlehnungen) der liegenden Gründe und Aemter ausgingen, wobei sie sich der in Deutschland bereits ausgebildeten Grundsätze und Formen der Feudalverfassung und ihrer Terminologie bedient hat. Die Hierarchie ist ganz auf feudalistischem Grund und Boden gewachsen und gab dem System vollends eine strenge Consequenz. Nicht bloss Aemter wurden als Lehen vergeben, sondern man vertheilte den Besitz aller andern Dinge auf gleiche Art: Pfandrechte, Zölle, Fährgebühren, Zehnten, Accidenzien von Aemtern, sogar Besoldungen und Pensionen. In Livland findet man auch Verlehnungen der Kirchen aus den Jahren 1482 und 1530.-') Der Papst bevollmächtigte den rigaischen Bischof; dieser nahm vom Kaiser Livland zum Lehen und belehnte hinwieder seine Gefolgsmänner, den Ordensmeister u. s. w. s ) Es entstanden Vasallen in verschiedenen Abstufungen und in äusserst verschiedener Art von Abhängigkeit, bis der ganze Staat aus Feudalverbindungen bestand. Es bildete sich eine Stufenfolge der Mitglieder des Staates nach ihrem höheren oder niederen Geburtsstande, und von diesem wurde die Verschiedenheit der Keclite oder der Fähigkeit zu denselben abhängig. Die Standesgleichheit und genossenschaftliche Theilnahme an allen Rechten der zu einem Stande Gehörigen bildete die Ebenbürtigkeit.' 1 ) In den erwähnten Feudal Verbindungen war das Verhältniss des Adels sowohl zu der Staatenverbindung des ehemaligen Livlands selbst als auch gegen die einzelnen Oberhäupter dieser Staaten begründet und nach den Vorbildern seiner Mutterländer — Deutschland und Dänemark, vorzüglich aber Deutschland —• bestimmt. In der „historischen Entwickelung der Lehre des kurländischen Rechts von der gesammten Hand und dem Familien-Fideicommiss" heisst es: „Denn die Verhältnisse dieses Landes (Kurland als Theil des ehemaligen Livland) während der Ordensherrschaft, die genaue Verbindung, in welcher der Orden mit Deutschland durch seinen Ursprung und seine politische Gestalt sowohl, als dadurch stand, dass die meisten Ritter, auch die weltlichen Beamten des Ordens, von daher kamen, hatten nicht nur die Anwendung des in Deutschland geltenden Rechts zur unmittelbaren Folge, sondern es musste gerade das Lehnsverhältniss sich in einem Lande ausbilden, wo der herrschende Stand aus fremden Eroberern hervorging" u. s. w. 5 ) Die Resultate der Forschungen anerkannter, verdienstvoller Gelehrter des Auslandes, besonders in der Geschichte der Adelsverhältnisse in Deutscldand, lassen das Vorhandensein eines germanischen Erbadels schon seit den Zeiten des Tacitus (also 1) Mittermayer, Grundsätze des deutschen Privatreclits § 47. 2) Ilupel, N. Nord. Miscellen XVII p. 18 u. 20. 3) Joli. Gottfr. Arndt, Livl. Chronik, 1753 Halle, Tli. II p. 14 Anm. h, p. 15 u. 296 unter 1; Gadebuscli, Livl. Jahrbücher Th. I p. 36 Anm. k; Reinli. v. Helmersen, Gesch. Livl. Adelsrechts, 1836, p. 7. 4) Mittermayer etc. § 44 p. 142; Eichhorn, Staatsgeschichte etc. § 286 p. 364. 3) Versuch einer Gesch. der Livl. Ritter- u. Landrechte — von Joli. Christoph Schwarte! — in Ilupels N. Nord. Miscellen V u. VI; Helmersen a. a. 0. an vielen Stellen; Inland 1836, Nr. 14 p. 227 u. 228. . — 10 '275 J. 11. Chr. x ) wahrnehmen, und trotz der geistvollen und gründlichen Widerlegung-) ist dieses Vorhandensein im Jahre 1S36 durch gelehrte Untersuchungen der Rechtsbücher deutscher Völkerschaften als ,.iiber allen Zweifel hinaus" aufgestellt. 3 ) Solche gehaltvolle, für und wider ans Licht getretene Behauptungen sind unstreitig höchst interessant und wichtig und werden selbst in den dadurch veranlassten Controversen immer gewinnreich für allgemeines Wissen ausfallen, können aber in Beziehung auf die Geschichte des livländischen Adels keine so ausgedehnte Anwendung finden, als es der im Auslande vielbesprochene Gegenstand selbst — Adel überhaupt — erheischen dürfte, weil dieser vorlivländische Theil der Adelsgeschichte ausserhalb des Bereichs unserer Forschungen liegt; denn unsere Geschichte kann, wie schon gesagt, erst mit dem Ende des zwölften Jahrhunderts anfangen; besonders aber auch, weil die während der ordensmeisterlichen Periode der Landesgeschichte in Livland regierenden Oberhäupter keinen solchen (Herrenstand) hohen Adel gebildet haben, hier also ausschliesslich nur Ritterstand, sogenannter niederer Adel, existirt hat. Livland kennt nur solchen letzteren — ritterbürtigen Adel. Die Landesherren, als Geistliche, gelangten nur durch Wahl zur Herrschaft. Dieser niedere Adel ist aus den alten ritterbürtigen Familien hervorgegangen, oder aus alten Gemeinfreien, die sich emporschwangen. Eine Verschiedenheit in diesem Adel- oder Ritterstande ist auch in Livland deutlich wahrzunehmen. Zwar konnte dieser Ritterstand sich erst seit Einführung der Geschlechtsnamen und Wappen als Geburtsadel ausweisen, obwohl die Abstammung aus jener frühesten Vorzeit bis auf die heutigen Generationen nicht urkundlich nachgewiesen werden kann; immerhin darf der germanische Ursprung ihrer mit Namen und Wappen nach Livland gekommenen Vorfahren sowie der Geburtsadel und die Ritterbürtigkeit als erwiesen angesehen werden. Speciflciren wir die in vorstehendem ausgedrückten Grundgedanken näher, so finden wir zunächst in der Allgemeinen Encyklopädie von Ersch und Gruber Th. I. Abthl. 2 S. 381, dass man häufig glaubt, es sei erst im zwölften und dreizehnten Jahrhundert die Sitte der Adeligen, Geschlechtsnamen von ihren Schlössern anzunehmen, bekannt geworden; allein zuverlässige Urkunden z. B. vom Jahre 1037 in Hanselmanns Diplomat. Beweis von der Landeshoheit, Beil. Nr. IX p. 9, Nr. XI und Nr. XX p. 93 und 95; Theil I p. 364; vom Jahre 1089 bei Findlinger, Münsterische Beitr. III p. 79, auch Geschichte von Volmerstein in Westfalen p. 88, beweisen den früheren Ursprung dieser Sitte. Hüllmann a. a. 0. p. 432 u. f. führt dafür eine Urkunde vom Jahre 1123 an, sowie viele spätere. Wenn auch Moser in seiner Osnabrücker Gesch. Th. II p. 68 erwähnt, dass die Wappen älter als die Zunamen sind, so widerspricht dieser Behauptung Runde in seinem „Deutschen Privatrecht" § 387. Eichhorn setzt in seiner Staats- und Rechtsgeschichte § 341 in der Anm. p. 591 hinsichtlich des Ritterstandes den Gebrauch der Wappen zum Siegeln der Urkunden !) Allg. Gesell, von C'arl von Rottek in Tal), zu p. 4 u. 5. 2 ) Staatslexikon oder Encyklopädie von Carl von Rottek und Carl Welcker, Altona 1835, Artikel: Adel. 3 ) Dr. Christian Thierbach, Gotha 1836, Üeber den germanischen Erbadel p. 50 u. f. 11 etwa gegen das Ende des dreizehnten Jahrhunderts. Die livländischen Urkunden stellen diesen Gebrauch am Anfang des vierzehnten Jahrhunderts — circa 1319 — in Gewissheit. 1 ) In betreff der Ritterbürtigkeit sei erläutert, dass Eichhorn a. a. 0. § 340 anführt, „dass nach dem Sachs. Landr. B. 3 Art. 72 das ehelich und frei geborene Kind seines Vaters Heerschild und Adel behält"; § 341 giebt an, dass, wenn nach dem Schwäb. Landr. Art. 50 ein Laienfürst seinen Dienstmann freilässt, der von ritterlicher Art geboren ist, derselbe „der Mittelfreien Recht" behält. Mit der allmählich zunehmenden Ausbildung der Verhältnisse dieses Ritterstandes in Livland (als ehemaligen Landesstand) gewinnt auch seine Erkennbarkeit soweit eine feste Gestalt, dass wir die Glieder des Adels jener Zeiten in flüchtigen Umrissen angeben können, nämlich: die Vasallen oder Lehnsmänner der Kirchen oder der Stifter (der Geistlichkeit) und des Deutschen Ordensstaates, sowie die ritterbürtigen Dienstmannen der Oberhäupter und die Unterlehnsmänner der obigen Vasallen oder Lehnsmänner, welche in livländischen Urkunden, wo sie einzeln vorkommen, Mannen der Kirchen, öfters zugleich mit Bezeichnung der Aemter (als: Oldiste im sittenden Rade, Vögte u. s. w.) oder der Winden (als: Ritter oder Knechte) unterschieden werden und in ihren Gesammt- heiten, Mannschaft, Diener und Hofleute als Corporationen Ritter und Knechte, Ritterschaft und Mannschaft genannt sind. Soweit Baron Moritz von Wrang eil in seinen Sammlungen zur livländischen Adelsgeschichte 1836. Fügen wir diesen Auseinandersetzungen noch einiges über die Ritterschaften der russischen Ostseeprovinzen hinzu. Die Ritterschaften von Livland, Esthland, Kurland und Oesel sind vier stammverwandte Adels-Corporationen von rechtlich gewährleisteter politischer Bedeutung, von denen jede einzelne ihre eigene Matrikel besitzt und eine eigene Corporation bildet. Der Genuss der ritterschaftlichen Rechte ist von der Eintragung in diese Matrikel abhängig. Der Umfang der Rechte und Pflichten ist für alle vier Ritterschaften in der Hauptsache der gleiche, ungeachtet zahlreicher Abweichungen im einzelnen. Darin namentlich sind diese Ritterschaften im Vergleich zu dem Adel der meisten Länder Europas verfassungsmässig ganz besonders bevorzugt, dass ihnen bis in die Gegenwart hinein ein bedeutendes Maass politischer Rechte verblieben ist. Unter den ritterschaftlichen Rechten ist obenan dasjenige zu nennen, durch welches die Wahrung der rein corporativen Natur der Ritterschaften gewährleistet wird: das Recht, wonach die Zugehörigkeit zu ihren Verbänden bloss ererbt, sonst aber nur durch freien Willen der Ritterschaften selbst verliehen werden kann. Als das Correlat dieses Rechts ist das andere anzuführen, wonach die Ritterschaften ihre Angehörigen zu excludiren befugt sind. Der Beginn staatlicher und ständischer Gebilde in Livland ist nur einige Jahrzehnte jünger, als die Anfänge der Colonisation des Landes und reicht kaum über den Anfang des dreizehnten Jahrhunderts hinaus. Mit der Stiftung des Ii vischen Bisthums war 1186 ein Anfang gemacht worden; Bischof Albert zog entschlossen die Consequenzen. i) Hupel, N. Norcl. Mise ollen XII p. 424. Die Gründung der Stadt Riga um 1200 und die Verlegung des Bischofssitzes dorthin, die Belehnung der ersten Vasallen mit Ritterlehen, endlich die Stiftung des geistlichen Ritterordens der Schwertbrüder (fratres militiae christi) im Jahre 1202 — diese grundlegenden Werke weniger Jahre bezeichnen die Ausgangspunkte für die Geschichte der Stände Altlivlands. Die Verschmelzung des Schwertordens mit dem Deutschen Orden im Jahre 1237 bildete sodann einen bedeutungsvollen Wendepunkt in den Geschicken des Landes. Die Festigung der deutschen Herrschaft in Livland und die blutigen Kämpfe, durch welche in der Folgezeit die weiten Länderstrecken von der Heiligen „Aa" bis zur Narowa gewonnen wurden, gehören zu den glorreichsten Thaten des Ordens, während sein Kampf um die Oberherrschaft mit den Bischöfen und namentlich den Erzbischöfen sich bedenklicher darstellt. Wir übergehen die glorreichen äusseren Kämpfe, wollen auch nicht dem inneren Kampfe nachgehen, um nicht von der historischen Familien-Darstellung abzuweichen. Nur in Kürze wollen wir erwähnen, dass aus diesen Kämpfen die beiden weltlichen Stände -— Bürger- und Ritterschaften — Vortheil gezogen, denn in der Uebung der Waffen erstarkte das Bewusstsein der eigenen Kraft, und aus dem Bestreben der streitenden Landesherren, die Stände an sich zu fesseln, ernteten letztere Rechte und Privilegien. Weit früher als die Ritterschaft gelangten die Bürger zu festen Rechts- und Verfassungsformen. Dazu hat nicht unwesentlich der Umstand beigetragen, dass die livländischen Städte zu den Mutterstädten, namentlich zu Lübeck und zu Bremen, in fortwährenden Wechselbeziehungen standen, die durch den schon 12S5 erfolgten Beitritt von Riga, Reval und Dorpat zur Hansa dauernd gefestigt müden. Hieraus musste sich nothwendiger Weise eine ausserordentlich getreue Uebertragung der Rechtsverhältnisse der norddeutschen Hansa-Städte auf ihre livländischen Töchterstädte ergeben. Den livländischen Ritterschaften konnte eine einfache Uebertragung der Rechtsund Standesverhältnisse Deutschlands nicht in demselben Masse wünschenswerth erscheinen, wie den Bürgern. Denn während in Deutschland im dreizehnten Jahrhundert dieser Stand sich in seinen Lebens- und Rechtsformen festigte und sich einer im wesentlichen gleichen und gedeihlichen Entwickelung erfreute, befanden die Stände des flachen Landes sich inmitten einer vollständigen Umwälzung der früheren Rechts- und namentlich Standesverhältnisse. Die „Schöffenbarfreiheit" verschwand immer mein- und eine Unzahl grösserer und kleinerer weltlicher und geistlicher Herren bedrohte die Selbstständigkeit nicht nur der mit Ritterlehen belehnten Freien, sondern auch der unter der Botmässigkeit der Reichsfürsten befindlichen oder von ihnen bisher unabhängig gebliebenen Schöffenbarfreien und zwang viele in das Verhältniss der Ministerialität mit beschränkter persönlicher Freiheit. Im Interesse dieses Fürstenstandes lag es, streitbaren Anhang zu gewinnen, und so entstand recht eigentlich in der Zeit, in welche die Besiedelung Livlands fällt, der namentlich aus Lehnsleuten und Ministerialen zusammengesetzte niedere Adel des Ritterstandes. Je zerfahrener im dreizehnten Jahrhundert, namentlich während der kaiserlichen Zeit von 1254—1273, die Verhältnisse waren, um so rascher vollzog sich dieser Uebergang, der in manchen Gegenden schon vor den ersten Zeiten der Colonisirung Livlands zur Tliat- sache geworden war. — 13 — Eben dieser niedere Adel hat das hauptsächlichste Contingent hergegeben für die nun auch in Livland sich allmählich bildenden Ritterschaften, und die neu Hinzugekommenen haben mit unendlicher Zähigkeit auf die Schaffung neuer und erquicklicherer Standesverhältnisse hingearbeitet, als es die gleichzeitigen im Mutterlande waren. Schritt für Schritt haben die einzelnen Ritterschaften ihre Rechte gewonnen, beginnend mit der Sicherung des Privatrechts und vorzüglich der Gewinnung eines freien Lehnrechts, fortschreitend sodann zu einer festen corporativen Organisation innerhalb der einzelnen ritterschaftlichen Verbände, bis endlich sämmtliche Ritterschaften auf den Landtagen zu einem mächtigen Landstande zusammentraten. Die Theilung des livländischen Landadels in einzelne Ritterschaften und Vasallenverbände war bedingt durch die verschiedenen Landesherrschaften. Nach diesen gruppiren sie sich wie folgt: 1. Die Ritterschaft des Erzbisthums Riga, die mächtigste unter den vier „stiftischen" Ritterschaften. Das Erzbisthum umfasst das Land nördlich von der Düna, namentlich im riga-wolmerschen, theilweise im wenden- walkschen Kreise und in Polnisch-Livland. Das Gebiet des Erzbisthums war stark durchsetzt von den Besitzungen des Deutschen Ordens, der sich der wichtigsten strategischen Punkte zu bemächtigen gewusst hatte. 2. Die Ritterschaft des Bisthums Dorpat in besser abgerundeten Grenzen, die mit denen des gegenwärtigen dorpat-werroschen Kreises ziemlich zusammen fielen. Der nördlichste Theil war im Besitz des Ordens. 3. Die Ritterschaft des Bisthums Oesel und der "Wieck, in dem grössten Theil des gegenwärtigen öselschen Kreises — der Rest war im Besitz des Ordens — und in dem gegenwärtig zu Esthland gehörigen wiecksclien Kreise. 4. Die Ritterschaft des Bisthums Kurland, im Gebiet des nachmaligen piltenschen Kreises respective der gegenwärtigen hasenpotschen und theilweise der wiedauschen Hauptmannschaft. 5. Die Ritterschaft des Deutschen Ordens im heutigen Kurland, ausgenommen die vorerwähnten Theile, ferner im heutigen Livland namentlich im pernau-fellinschen und wenden-walkschen Kreise und in Polnisch-Livland, endlich in dem gegenwärtig zu Esthland gehörigen jerwenschen Kreise. 6. Die h ar r is ch - wir i sehe Ritterschaft im heutigen Esthland mit Ausnahme der Kreise Wieck und Jerwen. Diese Ritterschaft war von 1238—1347 unter der Botmässigkeit des Königs von Dänemark. Von letzterem ging die Oberherrschaft auf den Hochmeister des Deutschen Ordens über. Dieser trat die Ausübung seiner Hoheitsrechte 1459 dem livländischen Ordensmeister ab, der seine Unabhängigkeit behauptete, während der Hochmeister seit dem Frieden von Thorn (1466) den ihm verbliebenen Rest seiner Besitzungen vom Könige von Polen nur noch als Lehen innezuhaben fortfuhr. Die völlige Uebertragung der Hoheitsrechte über Harrien und Wirland wurde aber erst 1525 durch den Vertrag zu Grobin sanktionirt, um welche Zeit durch Säculari- _ 14 — sinnig des Deutschen Ordens in Preussen der Meister des Deutschen Ordens in Livland unabhängiger Herr aller livländisclien Ordensländer, 1526 durch den Vergleich zu Wolmar überdies noch zum Protektor von ganz Livland ernannt und 1527 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Wie wir schon bemerkt haben, waren diese Ordensritter meistens nicht den landsässigen Adelsgeschlechtern entsprossen, sondern ergänzten sich fortwährend aus ♦ Deutschland. Ist schlechtweg vom livländisclien Adel die Rede, so sind darunter die landsässigen Adelsgeschlechter zu verstehen, und sie waren es, die die Ritterschaften und Vasallenverbände bildeten. Fügen wir nun noch einige Betrachtungen über die Bisthümer, sowie über die Eintheilung und Verwaltung der russischen Ostseeprovinzen bei. Nach der Eroberung des Ostseegebietes durch die Deutschen bildeten sich im Ostseegebiete die Territorien: 1. Das Erzbisthum Riga, welches auf dem rechten Ufer der Düna das ganze jetzige Livland mit Ausnahme der Kreise Dorpat und Fellin, auf dem linken Ufer ganz Semgallen (seit 1251 mit dem Erzstift vereinigt) von Dünaburg bis Goldingen umfasste. 2. Das Bisthum Dorpat, zu dem das nordöstlicheLivland gehörte, d. h. die Kreise Dorpat und Fellin. 3. Das Bisthum Oesel, die Insel Oesel mit einigen kleineren Inseln und den südwestlichen Tlieil des jetzigen Esthland, d. h. den Kreis Wieck umfassend. Bisthum Leal bestand anfangs abgesondert, ward aber später mit dem dorpatschen und darauf mit dem öselsehen Bisthum vereinigt.*) 4. Das Bisthum Kurland, welches sich anfangs von Windau Trome längs dem Meere bis zur Memel und dem Kurischen Haff erstreckte, aber seit 1329, wo der Bischof von Kurland dem Deutschen Orden Memel, das Land am Kurischen Haff und alles Land auf dem linken Ufer der Memel abtrat, welche Landestheile seitdem zum preussisclien Gebiete des Deutschen Ordens gehörten, auf den westlichen Tlieil des jetzigen Kurland von Goldingen an beschränkt wurde. 5. In jedem dieser Stifte besass der Schwertorden (seit seiner Vereinigung mit dem Deutschen Orden aber der livländische Zweig dieses Ordens) einen bestimmten Theil des Landes zu seinem Unterhalt und zwar in den Stiften Riga und Oesel ein Drittel, in dem von Dorpat die Hälfte, in dem von Kurland zwei Drittel. 2 ) Diese einzelnen Landestheile bildeten in ihrer Gesammtheit das fünfte besondere Territorium oder die sogenannte livländische Provinz des Deutschen Ordens. Alle oben genannten Territorien bildeten in ihrer Gesammtheit Livland im eigentlichen Sinne. Unter dem Namen von Esthland verstand man damals die Landschaften Harrien mid Wirland mit Alentaken welche mit den Städten Reval, Wesen- 1) Arndt I p. 203; II p. 15. 2) Arndt II p. 15, u. a. in. 15 — berg und Narwa ein besonderes, den Königen von Dänemark gehörendes Gebiet ausmachten. Der wiecksche Kreis gehörte zum Bisthum Oesel, .1 er wen aber wurde 1238 vom Könige Wolde mar II. dem Deutschen Orden abgetreten. Seit dem vierzehnten Jahrhundert wurde indessen auch dieser Theil Esthlands als zu Livland gehörend angesehen, so dass noch am Ende des sechszehnten Jahrhunderts zur Zeit der schwedischen Herrschaft Esthland amtlich: ,.I)as Fürstenthum Esthen in Livland" genannt wurde. Seit dem Anfange des vierzehnten Jahrhunderts einigten sich die Landesherren der livländischen Territorien über Zusammenkünfte, deren Gegenstand die Wahrung des Friedens, die Ergreifung von Massregeln im Falle eines Krieges und die Herstellung eines engern politischen Verbandes unter den einzelnen Territorien war. Es wurden auch die vornehmen Vasallen zu denselben berufen; ihre unmittelbare Theilnahme an den Verhandlungen dieser Versammlungen zeigt sich aber erst im ersten Viertel des fünfzehnten Jahrhunderts, als die Stände solche Macht gewonnen hatten, dass die Bischöfe und der Orden sich in ihren inneren Streitigkeiten die Hilfe derselben sichern nmssten. Ungefähr um diese Zeit kam auch die Benennung „Landtag" in Gebrauch, mit welcher die Zusammenkünfte sämmtlicher livländischer Landesherren und ihrer Kapitel, sowie der Bevollmächtigten oder Abgeordneten der Ritterschaften und wichtigsten Städte bezeichnet Avurden. Die oberste Verwaltung des Herzogthums Livland (seit der Vereinigung mit Litauen im Jahre 1566 aber bald auch Land [ziemia], bald Provinz [Provinoia] genannt) war einem Administrator oder Statthalter anvertraut (Gubernator, Locumtenens, Administrator, Namiestnik), der vom Könige selbst ernannt ward und in Riga seinen Sitz hatte. Das Herzogthum zerfiel 1561 und 1566 in vier Kreise (districtus), den rigaischen, Avendenschen, treidenschen und dünaburgschen. Jeder derselben Avurde von einem aus den Eingeborenen (Indigenae) gewählten Senator verwaltet und hatte dieser das Recht, auf litauschen und dann den polnischen Reichstagen zu erscheinen. Die erste Instanz in bürgerlichen und peinlichen Rechtssachen bildete in jedem Kreise das Landgericht, welches sich aus drei Richtern und zwei Beisitzern aus dem Adel und einem Notar zusammensetzte. Von den Landgerichten gingen die Sachen durch Appellation an das sogenannte Senatoren-Gericht, d. h. an die oberste Instanz, bestehend aus den vier Kreis-Senatoren unter Vorsitz des Administrators zur endgültigen Entscheidung. Bei der Wiedervereinigung des Stiftes Dorpat mit den andern Landestheilen von Livland ward letzteres im Jahre 15S2 in drei Präsidentschaften (Praesidiatus) getheilt, die wendensche, dorpatsche und pernausche. Diese zerfielen Avieder in Hauptmannschaften (Capitaneatus), bestehend aus einer Stadt oder einem befestigten Schlosse und dem dazu gehörigen Bezirk. Jede Präsidentschaft besass ein Landgericht, welches seit 15S2 aus einem Richter, sechs Beisitzern und einem Notar bestand. Die Wahl derselben erfolgte in der Weise, dass der Adel aus seiner Mitte dem Könige vier Richter, zwölf Beisitzer und vier Notariats- Canditaten vorschlug, aus welchen der König die Wahl traf. Ausserdem war in jeder Präsidentschaft ein vom Könige angestellter Unterkämmerer, welchem alle Grenzsachen in betreff adliger Güter unterstellt waren. Von den Entscheidungen der Landgerichte und der Unterkämmerer ging die Appellation an den Gerichts-Convent, welcher unter Vorsitz des Administrators oder eines königlichen Commissars, aus dem Bischof von Wenden, den drei Kreis-Präsidenten, dem Starost von Wenden, dem Provinzial-Schatzmeister, den drei Unterkämmerern, zwei Deputaten der Stadt Riga und je einem aus den Städten Dorpat, Pernau und Wenden bestand. Der Sekretär oder Notar des wendenschen Landgerichts war Schriftführer des Gerichts- Convents. Die Sitzung fand im Mai und September in Wenden statt. Unter König Sigismund III. wurden im Jahre 159S die Präsidentschaften inWoie-. wodsehaften umbenannt. An Stelle des Gerichts-Convents ward 1600 ein oberstes Tribunal in Wenden nach polnischem Muster errichtet. Der Statthalter war zum Präsidenten bestimmt und ihm fünfzehn vom Adel nach Woiewodschaften gewählte Beisitzer zugeordnet. In Riga, Pernau, Dorpat, Wenden und Dünaburg gab es Schlossgerichte als erste Instanz in diesen Festungen. Zur Zeit der schwedischen Herrschaft von 1629 bis 1710 ward die oberste Verwaltung Livlands und zugleich auch Esthlands einem General-Gouverneur anvertraut, der unmittelbar vom Könige ernannt wurde und gewöhnlich seinen Sitz in Riga hatte. Wir übergehen hier seinen Wirkungskreis und erwähnen nur, dass ihm zwei Gouverneure, der esthländische und livländische oder rigaische, unterstellt waren. Als in Livland im Jahre 1643 wieder nach alter Weise ein von der Ritterschaft erwählter Landesrath eingerichtet wurde, ward bestimmt, dass die Landräthe in allen Angelegenheiten dem General-Gouverneur an die Hand gehen sollten. Für Rechtssachen bildeten die erste Instanz die Landgerichte, welche ihre erste (neue) Einrichtung 1630, die scliliessliche 1632 erhielten, und aus einem Vorsitzenden Landrichter, zwei Beisitzern und einem Notar bestanden. Der durch den Nystädter Frieden 1721 erst beendigte grosse nordische Krieg dauerte noch fort, als das Ostseegebiet bereits durch die Kapitulationen und Accord- punkte des Jahres 1710 unter die Botmässigkeit Russlands getreten war. Nachdem anfangs Esthland und Livland unter einer Verwaltung gestanden, befahl Peter der Grosse durch die Ukase vom 28. Juli 1713, 14. Offober 1713 und 26. Juni 1714 das rigaische Gouvernement abgesondert einzurichten, indem er von demselben Reval, Dorpat und die angrenzenden Gegenden (d. h. Esthland) abschied, weil dieselben auch früher nicht Riga untergeordnet gewesen wären. Am 29. Mai 1719 findet man bei Abänderung der frühern Eintheilung Russlands, wonach statt acht Gouvernements zehn errichtet wurden, auch ein rigaisches Gouvernement, aus zwei Provinzen bestehend, Livland und Smolensk, welche jedoch nach dem Ukas^ jede für sich bleiben sollten. Die livländische Provinz wurde gebildet aus vier Kreisen: dem rigaischen, pernauschen, wendensehen und öselschen. Die Provinz Smolensk 'bestand aus fünf Kreisen. Am 1. Mai 1722 wurde der dörptsche Kreis vom revalschen Gouvernement abgeschieden und mit dem rigaischen verbunden, wodurch die Zahl der Kreise auf fünf vermehrt wurde. — 17 — Am 9. September 1801 wurden die drei Ostsee-Gouvernements Livland, Esthland und Kurland unter dem Oberbefehle eines General-Gouverneurs vereinigt. Das Hofgericht erhielt 1834 eine neue Einrichtung. Auf Bitte des livländischen Adels ward befohlen: 1. Das livländische Hofgericht solle aus einem Präsidenten, einem Vice- präsidenten, zwei LancLräthen, zwei Käthen und zwei Assessoren bestehen. 2. Die Wahl dieser Richter ausschliesslich der beiden Käthe sei immer auf sechs Jahre in Grundlage der Verordnung über Adelswalilen vom 6. December 1832 zu veranstalten. Was nun Esthland anbetrifft, so bildeten zur Zeit der dänischen Herrschaft die esthländischen Landschaften Harrain und Wirland eine besondere von Dänemark fast getrennte Provinz, sowohl wegen der Entfernung von diesem Reiche, als auch durch die ununterbrochenen Beziehungen zu dem benachbarten Livland, mit dem sie durch gleiche Nationalität verbunden waren. Die dänischen Könige, welche auch den Titel „Herzog von Esthland" führten, gaben diesem Lande seine mit der livländischen meist übereinstimmende Verfassung, deren Abweichungen aus den besonderen Landesverhältnissen hervorgingen. Die oberste Landesverwaltung hatten der vom Könige ernannte Statthalter mit dem Sitz in Keval und der ihm zur Seite stehende königliche Rath oder Landesrath. Letzterer bestand aus zwölf Gliedern (Räthe, Rathsherren, Rathsleute, Landräthe, consi- liarii regii, consiliarii terrae), die vom Könige zu sechs aus jeder Landschaft aus den Vasallen in Harrien und Wirland ernannt wurden, in der Folge sich aber selbst in ihrem Bestände ergänzten. Durch den Vertrag zu Stenby im Jahre 1347 ging die Landeshoheit über Esthland an den Hochmeister des Deutschen Ordens, 1520 aber an den livländischen Ordensmeister über, und Esthland trat in den Bestand der Ordensländer ein, jedoch in Gestalt einer besondern Provinz. Das Schloss in Reval war die Residenz des Komthurs und des ihm untergeordneten Convents. In Wesenberg dagegen residirte ein besonderer Vogt. Das Gericht in erster Instanz stand wie in der dänischen so auch in der Ordens- Periode dem Mannrichter zu, welcher vom Landesrathe auf den Manntagen, die alle drei Jahre in Reval abgehalten wurden, ernannt war und alle Jahr eine Gerichtshegung des Landgerichts in Reval und in Wesenberg abhielt. Es gab in Harrien und Wirland je einen Mannrichter, der sich zu Beisitzern zwei besitzliche, dem Landesherrn vereidete Ritter oder Knechte seiner Landschaft ernannte. Appellationen gingen alle Jahre an den unter Vorsitz des Komthurs in Reval beziehungsweise des Vogtes in Wesenberg tagenden Landesrath. Die oberste Verwaltung der Insel Oesel war einem königlichen Statthalter anvertraut, der in Arensburg residirte. Ihm zur Seite stand der Landesrath (Landraths- collegium) aus sechs von der Ritterschaft gewählten Personen. Alle Rechtssachen kamen an das Oberlandgericht, welches unter Vorsitz des Statthalters aus vier Landräthen und zwei Beisitzern bestand, zu deren Unterhalt vom Könige von Dänemark bis 1645, wo die schwedische Herrschaft eintrat, gewisse Grundstücke angewesen waren. Die schwedische Regierung unterordnete die Insel dem esthländischen Gouverneur, ernannte aber später für dieselbe wieder einen eigenen Landeshauptmann — 18 — (Landeshövding). Das Oberlandgericht und Manngericht blieb bis 11. Januar 1695 bestehen, wo ein Landgericht wie in Livland mit Appellation an das dörptsclie Hofgericht angeordnet wurde. Am 2. Juli 1731 ward durch einen Ukas anbefohlen, dass die Insel Oesel nach Inhalt der früheren Privilegien und des Nystädter Friedenstraktats eine besondere Provinz unter Verwaltung eines Landeshauptmanns bilden solle, und ward dieselbe dalier von Livland abgezweigt. Der Landeshauptmann trat nur unter gewissen Verhältnissen unter das rigaische Gouvernement. 17S3 ward die Insel Oesel wieder ein Kreis — der arens- burgische — des livländischen Gouvernements. Während der schwedischen Zeit von 1561 bis 1710 ward das Herzogthum Estli- land durch einen königlichen Gouverneur verwaltet, der seinen Sitz in Reval hatte und seit 1629 dem livländischen General-Gouvernement untergeordnet war. Am 25. August 1584 waren die vier Kreise Hamen, Wirland, Jerwen und Wieck in das eine Fürstenthum Esthland vereinigt worden, welches seit dem 10. April 1594 ,.Herzogthuiri' genannt ward. Seit 1673 hörte der Einfluss des livländischen General-Gouverneurs auf die Verwaltung Esthlands auf. Für Rechtssachen bildeten die erste Instanz die Manngerichte in Harrien, Wirland, Jerwen, die noch jetzt bestehen, und seit dem 8. Juni 1630 für die Wieck. Jedes bestand aus einem Mannrichter, zwei Beisitzern und einem Notar. Erstere wurden von den Landräthen aus dem estliländischen Adel auf ein Jahr, seit 1630 auf drei Jahre ernannt. Die zweite Gerichtsinstanz bildete das Landgericht, später Oberlandgericht genannt, welchen Namen es noch jetzt führt. Dasselbe bestand aus zwölf Landräthen unter Vorsitz des Gouverneurs. Erledigte Stellen besetzten die Landräthe selbst aus der Reihe der besitzlichen Glieder der Ritterschaft. Die Hakenrichter führten die Landespolizei und wurden aus den besitzlichen Gliedern der Ritterschaft von den Landräthen gewählt. Am 14. October 1713 ward Reval, Dorpat (nur bis 1722 so bestehend, und dann wieder mit dem rigaischen Gouvernement vereint) und das Fürstenthum Esthland vom rigaischen Gouvernement getrennt, und bei der Theilung des russischen Reiches in zehn Gouvernements wurde aus der Stadt Reval, dem Fürstenthum Esthland, der Insel Dago und den dahin gehörenden kleinen Inseln das revalsclie Gouvernement als besonderes für sich gebildet. Im Jahre 1604 ward auf demNorköpinger Reichstage 1 ) für Schweden festgestellt: 1. Dass bei jeder Thronbesteigung die Gutsbesitzer verpflichtet sein sollten, jeder für sich, die königliche Bestätigung ihrer Rechte zu erbitten; 2. dass Niemandem gestattet sein solle, sein Gut zu verkaufen oder zu verpfänden, bevor er dasselbe dem Könige angeboten; 3. dass die Güter eines ohne männliche Erben in gerader absteigender Linie Verstorbenen heimfallen und nicht an Seitenlinien kommen sollten; *) Der Beschluss ist liier wörtlich mitgetheilt worden, weil derselbe von grossem Einfluss für die Güter gewesen und vielfach in den folgenden Blättern erwähnt werden wird. X"* — 19 — 4. dass, wenn der Verstorbene eine Tochter hinterliesse, die Krone verpflichtet sein solle, dieselbe auszusteuern oder, wenn ihr Gatte sich dessen würdig zeige, ihm das Gut als Lehn zu geben für seine männlichen Nachkommen in gerader absteigender Linie. 1 ) Beim Eintritt Livlands und Esthlands in die russische Unterthanenschaft (1710) beauftragte Peter der Grosse eine besondere Commission unter Vorsitz des Barons Löwenwolde, die Rechtsansprüche und Urkunden in betreff von Landgütern zu prüfen und den früheren Eigenthümern diejenigen zurückzugeben, welche zur Zeit der schwedischen Herrschaft durch die Reductions-Commissionen 1655 auf Grund des Norköping- schen Vertrages von 1604 ohne gesetzlichen Grund eingezogen worden waren. Bei Abschluss des NyStädter Friedens war unter anderem am 30. August 1721 Artikel XI festgesetzt: „Dass jeder — möge er sich innerhalb oder ausserhalb Landes aufhalten — der in solchem Falle rechtmässige Ansprüche oder Forderungen an Güter in Livland, Esthland oder der Provinz Oesel habe, und sie auf gehörige Art beweisen könne, seines Rechtes unbestritten geniessen und durch eine ungesäumte Untersuchung und Zeugnisserhebung über solche Ansprüche und Forderungen das Eigenthum an den rechtmässig ihm zugehörenden Gütern erhalten solle. - ' Zur Ausführung dessen wurden am 16. October 1721, 20. December 1723, 17. Mai 1726, wie in Livland so auch in Esthland besondere „Restitntions-Commissionen" errichtet, welche anfangs in ihrer Wirksamkeit der Bestätigung des Senats unterlagen, bis am 20. December 1723 ihnen vorgeschrieben ward, dass sie die Güter den rechtmässigen Eigenthümern, die sich als solche auf Grund unbestreitbarer Dokumente ausweisen könnten, zurückgeben und in Besitz einweisen sollten, ohne auf solche unstreitige Fälle die Confirmation des dirigirenden Senats abzuwarten; wo aber auf Güter streitige Ansprüche geltend gemacht würden, sollte die geschehene Sentenz dem Senate zur Approbation übersandt werden. Auf die Unterscheidungen zwischen Gratial- und Tertial-Gütern, ewigen Arrenden und Lehngütern nach Norköpingschem Rechte von 1604 nahmen die Com- missionen bei der Rückgabe gar keine Rücksicht (1. März 1712, 27. September 1725, 12. December 1728). Zugleich ward Allerhöchst zugestanden, dass die Besitzer der Lehen ein- für allemal befreit sein sollten von der Verpflichtung, bei jedem Regierungswechsel um Bestätigung ihrer Rechte an den Lehen zu bitten (24. September 1725, 12. September 1728). 2 ) 1) Htipel, Nortl. Miscell. Stück 22, 23. 2) Geschichtliche Uebersicht der Grundlagen und der Entwickelung des Provinzialrechts in den Ostsee-Gouvernements. Besonderer Tlieil. St. Petersburg, 1845. 3* Ursprung des Geschlechts von Wrangel. Unter den vom Könige Woldemar II. nach der ersten Eroberung Estlilands (1219) zur Besetzung des auf der Stelle der zerstörten Esthenbnrg „Lindarisse" erbauten festen Schlosses — Revele oder Reval — zurückgelassenen Mannen des Königs (viri regis) werden sich verhältnissmässig wenige National-D änen befunden und auch von diesen wenigen wird ohne Zweifel der grösste Theil Esthland verlassen haben, als dasselbe 1227 von dem Orden der Schwertbrüder in Besitz genommen wurde. Selbst als 1238 das Land, nachdem es während der zehnjährigen Ordensherrschaft völlig germanisirt ' worden war, wieder für die Dauer an den König von Dänemark gekommen, fand ein Andrang von Dänen zur Colonisation des Landes nicht statt. Den schlagendsten Beweis dafür liefert das Kataster der revalschen Diöcese. Die meisten der dort aufgeführten Grundbesitzer sind zwar nur nach ihren Vornamen benannt; diese sind aber in der grossen Mehrzahl deutsche. Unter den nahe an 200 im Kataster verzeichneten besitzlichen und besitzlicli gewesenen Personen führen nicht mein' als zwölf Namen, welche man mit einiger Sicherheit als speciflscli dänische bezeichnen kann, nämlich: Dominus Haelf, Dominus Iwarus, Kanutus, Nicolaus Danus de Arus, Dominus Odwardus, Dominus Saxo, Tliort Foghoe, Dominus Tuki Wrang, Dominus Tuki, Tuvi Colloe, Tuvi Leos und Dominus Tuvi Palmisson. Diese verschwindend kleine Zahl wird sich aber bald den Deutschen assimilirt oder den Besitz in Esthland aufgegeben haben, denn in der Folgezeit finden wir unter den königlichen Vasallen Estlilands nur ganz vereinzelt dänische Namen, wie z. B. Wagen, Nicolaus Agonis Filius und Tuki Paltessum im Jahre 1259 u. s. w., und wenn später noch welche genannt werden, so gehören diese fast ausschliesslich königlichen Beamten oder Personen aus dem geistlichen Stande an. 1 ) Ausser vielleicht der Familie „Foghoe" (Fock) dürfte aber, wenn der oben miterwähnte Tuki Wrang dem nachmaligen Wrangeischen Geschlecht angehört, dieses das einzige in Esthland dauernd eingebürgerte dänische Adelsgeschlecht sein. Von diesem Tuki Wrang erfahren wir aus der Landrolle, dass er verschiedene Gebiete in Harrien !) Das Herzogtlium Estliland unter den Königen von Dänemark von Dr. Friedrich George von Bürge (Gotha, Perthes, 1877). „Liber census Daniae" oder „König Woldemars Jordebog, d.i. König Woldemars Erde- oder Grundbuch" (enthalten in Langebeks Scr. rer. Dan. VH, 507—513). Pergament-Codex des 13. Saec. im Antiquitäten - Cabinet in Stockholm: zwischen 1225 und 1250 (wohl 1210 bis 1212), pag. 91. 21 besass, deren frühere Besitzer, wie angegeben, vertrieben worden waren. Wahrscheinlich ist er es auch, der im Besitz von Dörfern gewesen, aus denen die Erben Domini Wilhelmi vertrieben worden. Hier wird er jedoch als Dominus Tuki Wrang bezeichnet, der im Jahre 1251 Camerarius des Königs Abel war (Liib. Urk. B. Nr. 175). Nicolaus Danus (de Arus) besass nach der Landrolle Gebiete in Harrien. Im Jahre 1253 kommt derselbe urkundlich als Vasall der Grafen von Holstein vor und ebenso 1255 als ritterlicher Bürge für Otto von Barmstede (Hamburg. Urk. B. Nr. 498). von Brevem ist der Ansicht, dass nicht leicht jemand als hämisch-wirischer Vasall in jenen Landschaften und zugleich Camerarius in Seeland oder Jütland oder aber Vasall im Holsteinischen sein konnte. Vermuthlich hatten daher die beiden hier genannten Personen sich bei der dänischen Besitznahme von Esthland um 1238 belehnen lassen, aber bei Gelegenheit ihre Güter verkauft, um in die Heimath zurück zu keimen. Das alte liarrisch-wirische Geschlecht der Wrangel kann demungeachtet dennoch von Tuki Wrang abstammen, wie wir später sehen werden, namentlich wenn dieser ein Besitzer des Dorfes Uvarangalae gewesen ist, das nach der Landrolle später dem Dominus Eilardus gehörte und noch jetzt Wrangeishof heisst. In der Landrolle findet sich überhaupt „W" durch „Uv" umschrieben, z. B. Uvang- hallae, das jetzige DorfWanjalla des Gutes Kostifer, damals Kostaeverae, dem Conradus juvenis gehörig. 1 ) Wir finden daher unter den hämisch-wirischen Vasallen, deren Geschlechtsnamen oder Beinamen in der Landrolle und in den Urkunden bis zum Schlüsse des dreizehnten Jahrhunderts angegeben und die daselbst als „Domini" oder „Milites" bezeichnet sind, in der ersten Landrolle: Dominus Heilardus, später de Wrangele und Dominus Tuki Wrang und in Urkunde Nr. 519 vom Jahre 1287: Dominus Johannes de Wranghele. Von den später in Urkunden des dreizehnten Jahrhunderts vorkommenden Vasallengesclüechtern werden ebenfalls Wrangel (Uvarangalae) auf in Harrien und Wirland belegenen Besitzungen, welche die Landrolle von 1239 nennt, angetroffen. Kommen wir nun noch auf das Liber census Daniae (dänische Zinsbuch) zurück, so finden wir darin verzeichnet, dass Caries (Käris) im Besitz des Dominus Tuki Wrang gewesen. Auch finden wir Dominus Eilardus frater des Robertus um diese Zeit in der Landrolle von 1240; Eilardus besass 176 Haken von den 1895 Haken des Königs von Dänemark in Harrien und Wirland. Es heisst fol. 50a der Landrolle: Xötcii \ ami urwltivozolÄ X. 'ÖfifölvWui. l) Liber census Daniae und die Anfange der Geschichte Harriens und Wirlands (1219—1244) von Georg von Brevem, Dorpat 1858, p. 52. Der erste Ansatz C et IX ist offenbar die S umm e der dabei stellenden Besitzungen 31 -)_ 32 -4- 24 -j- 18 4- 4 = 109. Die 40 Haken aber in Wirland finden sich fol. 52a: ttykvic fJb&ue-ZP- fxnieeJfcf Toinm - im fe^nel ctri yj> srDMD Nämlich 20 4-164-4 = 40. So vergebens man nun endlich in Harrien nach den 27 Haken sucht, die einem Dominus Eilardus verliehen sein sollen, so drängt sich doch sofort jene bedeutsame Stelle auf, fol. 47 b: von Brevem war es bereits aufgefallen, dass in jener Randbemerkung sich eine so besondere Theilnahme für den Besitz des Dominus Eilardus aussprach; er vermuthet daher, dass die Aufnahme der Landrolle vielleicht unter dessen Aufsicht statt gehabt, und derselbe demnach „eine bedeutende Persönlichkeit" gewesen sein müsse. Bei näherer Prüfung that Schirren jedoch noch einen Schritt weiter, indem er die Frage aufwarf, aus welchem Grunde die „officielle Landrolle" den Besitzer von „Uianra" etc. mit „nos", die Randbemerkungen ihn dagegen mit seinem Namen bezeichnen mochten. Es handelt sich zunächst um die Zeitbestimmung. Da ist es nun auffallend, dass nicht alle Besitzungen des Dominus Eilardus summirt sind. Schon an die Gruppe, welcher die Randbemerkung unmittelbar angefügt ist, gehört wahrscheinlich noch, wie später erwiesen werden wird, „Paeitis XVII"; sodann verzeichnet die vorangehende Seite „Dominus Eilardus. Lopae VIH. Apur VI." Verzichten wir nun auch auf den „Dominus Heilardus, Pickuta IX" auf fol. 43a und bleiben fol. 44b, „Heilardus", 45b und 53b, „Eilardus" und, wie sich am ehesten versteht, fol. 46a, lassen „auarissimus Eilardus" bei Seite, ja opfern wir endlich noch „Paeitis", so haben wir immer noch die 14 Haken von fol. 49b dem Dominus Eilardus zuzuschreiben. Dagegen sind ihm die 40 Haken in Wirland zwar angewiesen, aber der Liber census bringt sie zugleich in Beziehung zu Tliid. de Kynael. Berücksichtigt man ferner, wie der Schreiber der Randglosse das „nos" des Liber census durch einen Namen ersetzt, so begegnen sich nun drei widersprechende Folgerungen: 1. Der Glossator mag seine Notiz vor Abfassung der Landrolle verfasst haben; er verzeichnete die 40 Haken in Wirland, die später an Thid. von Iviwel fallen; er kannte noch nicht die Belehnung des Dominus Eilardus mit 14 Haken auf fol. 49 b, oder 2. er zog seine Summen, während er zerstreute Notizen zur „Landrolle" verband; - x ^Z.%eckeX&L-----' ^ "EHtbrawö pvfttzP- — 23 — 3. er trug in die bereits vollendete Liste früher oder später, doch immer noch zu einer Zeit, wo er das „nos" zu deuten wusste, entweder nach fremder Angabe, oder nach eigener, nachlässiger Summirung, seine Glosse ein. Möglich ist eins wie das andere. Schwerlich aber steht eine der drei Möglichkeiten der Gewissheit so nahe, dass aus ihr Folgerungen auf die Zeit der zweiten Randbemerkung zu ziehen sind. Im Jahre 1275 (Livländ. Urk. 440a) bestätigt Capit. Eilardus die Grenzscheidung zwischen dem Dorfe Athen (oder Alten) und Padis, welche Grenze der Capit. Saxo (Urk. 299) mit der Bemerkung „ordinata sunt haec coram vasallis domini regis in Revalia" bestimmt hatte. Eilardus untersiegelte nebst sechs Vasallen seine Bestätigung mit: „sigillo nostro una cum sigillis aliorum dominorum praesentium." (Cfr. Urk. 453a: „nostro et aliorum fide dignorum militum atquae clericorum sigillis ff. ;i ) Im Jahre 1298 endlich erfolgt in Urk. 569 a abermals eine Bestätigung durch den Capit. Eilardus, diesmal mit Zuziehung von zwölf esthnisclien Vasallen, als „consiliariis domini regis in Esthoniae". Fol. 46 b finden wir Zeile 20: Dns tuki Kaeris VI et arnald II. Expülsi h'edes Dni villelmi; Zeile 21: wrang Kallis senkau III et ion scakaeman DI fritrik et winrik; wo offenbar zu lesen ist: „Expulsi heredes dni villelmi fritrik et winrik." Fol. 50 a. Zeile 6—10: ;T}#1 cta?vnm- jBmnfyrmt tjuo f c mu Vtnev&ml. iMatpnf \/)h$tix epiMihrmi Paeitis soll offenbar in den Besitz des Dominus Eilardus hinabgezogen werden; die Worte dagegen: „quos emit a fratre epi baldwini" gehören höchst wahrscheinlich zu „vbias XXDI", wie ein Vergleich mit fol. 51a, Zeile 4—9 lehrt. Dst Eilardus finden wir ferner: Fol. 49 b. (Repel. Wiron. Par. Toruaestaeuaerae.) Dominus Eilardus. Lopae VUI. Fol. 50 a. (Repel. Wir. Par. Halelae.) Dominus Eilardus. Lopae ID. Tuki und sein Bruder nmssten als Diener des Königs äquivalentweise zwei Mart Getreide liefern als „Quaersaetae maen", d. h. als solche, welche sich von der Kriegsfolge durch eine Steuer ablöseten. An Parochialdörfern besass Dominus Tuki Heukael XX (?) Remoti etc. Eilardus presbyter mit vier Grundstücken und drei.Haken. Thidericus de Kivel, Sohn des Dominus Odwartus, besass unrechtmässiger Weise einige Güter, die eigentlich dem Dominus — 24 — Eilardus, dessen Bruder Robertus und dem Ricardas, Schwiegersohn des Leon, verliehen waren. Liesen Eilardus, Vogt zu Reval, finden wir aber noch öfter verzeichnet, in den Jahren 1277—1278, während welcher Zeit ihm die Königin Margarethe von Dänemark als Herrin von Esthland befiehlt, die Lübecker wegen ihrer geraubten Güter zufrieden zu stellen. So kommt dieser Eilard noch vielfach in Verbindung mit den Lübeckern vor; er nennt sich sogar „Ritter Eilard von Oberg, dänischer Vogt in Reval und Wirland", und wir finden auch noch unter drei seiner Urkunden das Siegel, welches in Schildform das Helmsiegel der jetzt erst ausgestorbenen Familie „von Oberg-' zeigt. ] ) Folgen wir nun nach obiger historischer Auseinandersetzung anderen Schriftstellern, so zählen Fahne und Arndt die Familie Wrangel zu den westfälischen Urfamilien, die über Dänemark nach Esthland, möglicher Weise aber noch früher mit dem Orden nach Riga in Livland kamen. Diese Ansicht wird auch, wie wir eben ersehen, von Brevem bestätigt, ebenso von Rehbinder in seinen Matrikeln. Einige Schriftsteller, wie Rehbinder und Hupel, wollen die Familie schon in die nordischen Kreuzzüge zurück datiren, allein es fehlt zu einer solchen Annahme jeder Anhalt. Demungeachtet theilen die genannten Schriftsteller eine Familiensage mit, der zufolge das Geschlechts-Wappenschild — die Mauer (Wehrangel) — zu Zeiten Attilas für die tapfere Vertheidigung einer Stadt vom Landesfürsten einem Urahn des Wrangeischen Geschlechts verliehen worden sein soll; es kann dieses nur als eine Sage angesehen werden. Folgen wir nun ferner der Meinung, die da hinaus geht, dass der Grundbesitz den Ritterlichen den Beinamen gab, indem der Gutsname dem Taufnamen — gewöhnlich durch den Partikel „de-' oder „von-' verbunden -— angehängt wurde, so ist dies bei der Wrangeischen Familie nicht recht anzunehmen; denn es erscheint unwahrscheinlich, dass der Dominus Eilardus oder Heinricus de Wrangele als ein altes eingewandertes Adelsgeschlecht seinen Namen von dem Orte „Uvarangalae" hergeleitet hätte; zutreffender dürfte sein, dass irgend ein Umstand stattgefunden, der zu der beregten Familiensage Veranlassung gegeben, und dass der Name „Wrangel-' von der Mauer (Wehrangel) im Wappenschild entlehnt, und der Name „Uvarangalae" erst dem von Eilardus inne gehabten Sitze gegeben worden ist, wenn überhaupt derselbe als Stammvater anzusehen wäre. Der grösste Theil der Ritter kam aus Woldemars H. deutschen Besitzungen und den an diese grenzenden Gauen und zwar in starker Zahl, wie aus den Zeugen der damaligen Urkunden zu ersehen ist. Der Zuzug deutscher Ritter nach Dänemark war so bedeutend, dass sogar eine grosse Unzufriedenheit entstand und derselbe 1218 einen Aufstand verursachte. Auf die Colonisation Esthlands hatte aber diese Bewegung die weitgehendsten Folgen. Die !) Siehe Siegeltafel. — 25 — Kriegszüge des oben genannten dänischen Königs nahmen bereits 1206 ihren Anfang und waren vornehmlich gegen die Insel ..Oese!" gerichtet; erst 1219 gelang es den Dänen, vereint mit ihren „Teutonici", festen Fuss bei Reval zu fassen. Nach Berücksichtigung aller dieser historischen Momente ist man zu der Annahme berechtigt, dass auch die Wrang eis — mit ihnen Tuki Wrang, den zwar Brevem für durchaus getrennt von der Familie Wrangel hält -— deutschen Ursprungs waren. Fast alle Mitglieder dieses Geschlechts führen in den Urkunden des dreizehnten Jahrhunderts das Prädikat „dominus" (Herr), auch „strenuus vir". Erst im folgenden Säculum tritt die Bezeichnung „Vasallen" für die Ritterbürtigen mehr zurück und kommt statt dessen die Benennung „milites" und „armiger" vorherrschend in Gebrauch. Es werden damit die beiden Stufen bezeichnet, welche in ihrem Verhältniss als Kriegsmarinen unterschieden werden, indem die höhere Stufe, die eines „miles" oder „Ritters", nur von demjenigen erlangt werden konnte, welcher eine Zeit lang einem andern Ritter als „armiger" (Knappe) gedient hatte, oder welcher wegen hervorragender Tapferkeit, die er bei irgend einer besonderen Gelegenheit bewiesen, vom Fürsten zum Ritter geschlagen worden war. Auch waren die Ritter in Esthland damals ausschliesslich zum Eintritt in die erste Klasse eines Ritterordens — den der Ritterbrüder — berechtigt. Endlich konnte auch nur ein Ritter einem Knappen durch Ertheilung des Ritterschlages die Ritterwürde verleihen. Im übrigen waren die Standesrechte der Ritter und Knechte einander gleich und zu deren Erwerbung die Erlangung der Ritterwürde nicht erforderlich; vielmehr blieben viele, ja die meisten Ritterbürtigen ihr Leben lang Knechte oder Knappen, indem letztere einen besonderen Stand bildeten. Zu den besonderen Rechten des Ritterstandes überhaupt gehörte vor allem die Fähigkeit, Lehngüter zu erwerben, sodann das Recht ein Wappen zu führen, wie es auch Meie städtische Geschlechter hatten, und sich desselben als Siegel zu bedienen, Richter, Beisitzer und Urtheilsmann im Manngericht zu sein, wahrscheinlich auch schon die Befreiung von aller Schätzung und Besteuerung. Fragen wir nun weiter, wer ist der Stammahn des Geschlechts von Wrangel, und hat sich derselbe schon so genannt oder eventuell welchen Namen führte er? Dieses ist schwer zu entscheiden. Es dürften nur wenige uradlige Familien existiren, die ihren Ahnherrn mit apodiktischer Gewissheit anzugeben vermögen, wenn man ihren Stammbaum bis in das zwölfte oder dreizehnte Jahrhundert zurückführen will. Meistenteils betritt man zu jenen Zeiten das Reich der Sagen, deren Ursprung kaum nachzuweisen ist. Dieser Fall waltet auch bei der Familie „von Wrangel" ob. Wir sind wohl im Stande, den Stammbaum bis zu den Gebrüdern Eilardus und Robertos (1240) zurückzuführen, verlieren aber die Spur über deren Vater und Vorväter. Jedenfalls kann die Familie zu den ältesten uradligen Familien Deutschlands gerechnet werden, die aus Westfalen im Anfange des dreizehnten Jahrhunderts nach Dänemark kam, wo mehrere Mitglieder an den Kreuzfahrten des Nordens theil nahmen. Vor dein zwölften Jahrhundert sollen die Glieder dieser Familie den Namen der „Kitt er von der Bö Ilde" 1 ) geführt haben, und erst, nachdem sie in ihr Wappen eine Mauer — Wehrangel — als Symbol der Festigkeit und Tapferkeit aufgenommen, sich „von Wrangel" genannt haben. Um diesen Familien-Ueberlieferuiigen, die oftmals nicht unbegründet sind, näher zu treten, wandte sich der Verfasser dieser Schrift zunächst an das königliche westfälische Staats-Provinzialarcliiv in Münster. Es ergab sich, dass ein „von Oberg" dort überhaupt nicht aufzufinden war, und dass an alten Orten „Reden" in der Form „Redlie, Rede, Ret he als Stadt Rheda" im Kirchspiel Rhede im Kreise Borken vorkommt. Ferner erscheint im „Kirchspiel Rhede" im Kreise Borken eine Familie „von Rhede" im dreizehnten Jahrhundert; jedoch ist leider nicht festzustellen, ob in der fraglichen Zeit einer dieses Geschlechts zum Deutschen Orden nach Livland respective Esthland gegangen. Aber urkundlich ist erwiesen, dass 1238 ein Alardus dapifer de Ret he in einer Urkunde des Edlen Bernhardi von Lippe als Zeuge auftritt, in welcher der „von Lippe" zwischen dem Kloster Liesborn und dessen Vasallen einen Streit schlichtet. Obgleich in ziemlich derselben Zeit auch ein Eilardus — der 1277 sich in der Lübecker Urkunde zwar „von Oberg" nennt — ebenfalls vorkommt, so muss doch schon wegen der vierzig Jahre Zwischenzeit die Identität bezweifelt werden. Auffällig bleibt es jedoch, dass selbst die „Matrikel öfver Svea Rikes Ridderskap och Adel, Stockholm 1816" gleichfalls das Geschlecht von Wrangel aus Westfalen ans dem Hause Rede herstammen lässt und sagt, dass es um 1230 aus Dänemark nach Esthland und Livland gekommen sei. — Dies würde übereinstimmend sein mit der Zeit, in welcher Eilardus (Alardus) von Rhede gelebt, und wir führen hierbei noch an, dass auch zu gleicher Zeit die „von Lippe" in Esthland erscheinen. 2 ) Was die Wappen dieser verschiedenen „von Reede, von Rhede" u. s. w. anbetrifft, so hat keines der Wappen dieser vier verschiedenen Familien in Westfalen, Hannover, Hildesheim und Lienebecke auch nur im entferntesten eine Aehnlichkeit mit dem „von Wrangeischen", so dass, wenn wirklich der Eilardus von Rhede der Stammvater des Geschlechts von Wrangel gewesen sein sollte, derselbe oder sein Sohn das jetzige von Wrangeische Stammwappen angenommen haben muss. So umfangreich und ausführlich auch die mögliche Abstammung und Herkunft der Familie Wrangel dargelegt sind, so erscheint es doch noch nothwendig, die wortgetreuen Berichte anderer authentischer Schriftsteller und Geschichtsforscher Mer aufzunehmen, und fügen wir zunächst den Bericht des 1883 in Reval verstorbenen Archivars Russwurm, einer für die Genealogie und Geschichtsforschung wichtigen Autorität, hier bei. Er lautet: i) Gadebuscli, inscrpt. Bd. 3. p. 251; Stjernmann p. 13. -) Der Ansicht, dass die Familie Wrangel aus Westfalen von den Herren von Rhedes abstamme, stimmen noch bei: Gadebuscli, Bd. 3, p. 251; Bd. 17, p. 387—391. Stjernmann, Matrikel p. 13. Paucker sagt in seinen Mittheilungen: Die Familie von Wrangel stammt aus Westfalen von den Herren Reck oder Rheda, liess sich von da aus in der Mark nieder und gelangte von hier nach Dänemark. Nachdem König Woldemar II. (1219) Esthland seinem Reiche unterworfen; kam die Familie auch nach Esthland, von wo sie sich in Livland und Kurland, und während der Schwedenherrschaft auch in Schweden ausbreitete. „Das in dem dänischen Zinsbuclie 1 ) um 1250 in Wirland im Kirchspiel Halelae 2 ) genannte Dorf Uvarangalae, welches dem Dominus Eilardus 3 ) gehörte und 32 Haken zählte, ist offenbar das spätere Gut Wrangel oder Wrangeishof. 4 ) Dass dieses Dorf nicht von einem etwa aus Deutschland eingewanderten Wrangel den Namen erhalten hat, sondern dass das Geschlecht nach der Besitzung benannt worden ist, 5 ) wie es mit unzähligen Familien 0 ) der Fall gewesen, geht schon aus der esthnischen Form des Dorfnamens hervor, da die Endung gal" sich nicht selten findet.' 5 ) Der Besitzer Eilardus, der in Alentaken 40, in Wirland 109 und in Harrien 27 Haken Landes besass, 7 ) also einer der mächtigsten Vasallen in Esthland war, ist wahrscheinlich 9 ) derselbe Bitter Eilardus de Oberg, 3 ) der 1276 dänischer Hauptmann zu Keval war und am 5. März 1279 in Litauen fiel. 3 ) Für den Zammenhang des Geschlechts Wrangel mit Eilardus spricht noch der Umstand, dass der sonst seltene 10 ) Vorname „Eilard" sicli in den ersten Generationen der Familie mehrmals wiederholt, indem 1328 und 1341 der B,itter Eilhardus de Wrangele Stiftsritter in Dorpat, 1374 Eilard von Wrangel Stiftsvogt zu Dorpat, Knappe 1376, Zeuge 1397, und 1425 Eilard Wrangel Besitzer von Oyell, Paykull, Malle und Zellyel gewesen war. 11 ) War nun der Dominus Eilardus mit Eilhard von Oberg 12 ) identisch, so müssen die ersten Anfänge des Geschlechts wohl in Westfalen 13 ) gesucht werden, wo die Herren von Oberg mit den Familien Korff, Wrede, Fürstenberg, Westphal, Stael von Holstein und Plettenberg verwandt waren. 14 ) Auf den esthnischen Namen des Gutes Wrangeishof, Warrang oder Warrange deutet der ebenfalls im Zinsbuche genannte Tuki Wrang, 15 ) der 25 Haken Landes im Kreise Icelieth oder Jegelecht besass. 115 ) Die Ableitung des Namens von „Wer-angel", welches die Mauerzinne im Wappen bedeuten soll, 17 ) ist erst in neuerer Zeit aufgetaucht und hat keine Beglaubigung für sich. 18 ) Ebenso wenig Bedeutung hat es, wenn in einer erst 1669 vidimirten Notiz angegeben wird, dass die Familie aus dem Hause Rhede in Westfalen mit König Erich V. 1) Liber census Daniae 50"a, Siihm bei Langebeck. Anmerk. 1602. 2) Jetzt Haljal. Paueker Lc. 88. 3 ) J. Paueker, Die Kegenten 178 iL; nicht „Hoberg*, sondern „Oberg". 4 ) Hupel III 483. Estiii. Warrang; bei Itfer (bei Wesenberg). ö ) Wie Uexküll, Sage, Hoppenurm. Paykull. <>) Z. B. Leclitigal, Ninegal, Seinigal. Yergl. Purgel, Huljel, Woljel. 7) Paueker Lc. D. 83 Anm. 1602: vgl. Wrangells Chronik XII, Anmerk. 8) Livl. Reim-Chronik, ed. L. Meyer, p. 104, Vers 2313, S483. Brief. III 25. 9) Nach der Ansicht des Archivars Russwurm in Reval. 10) Ist nicht so selten, er kommt auch in Westfalen vor, namentlich um 1240 ein Eylardus von Rhede. 11) Siehe die Zeittafel. 12) und 1 3 ) Seiest „von Oberg" und nicht, wie er im „von Bunge" vorkommt und vom Archivar Russwurm .„von Hoberg" genannt wird. Diese Familie „von Oberg* hat es zur fraglichen Zeit nach den im Archiv zu Münster angestellten Recherchen nicht in Westfalen gegeben, wohl aber erscheint, wie ad 10 notirt, um 1240 Eylardus — Alardus — de Rhede als Zeuge dort. 1 4 ) Fahne. Forsch. III 2. p. 23S. 15) Wegen Tuki vergl. den Dominns Tueo, vielleicht auch Tun Pallissen von Palnatoke, Paueker Lc. 59. 6 c. 16) Liber census Daniae 46? 17) Deduction, videra, 1669 28/1 von Heinrich Forme (Rosencron) cco Rev. vicesynd. E. Ra. Nord. Mise. XV, 336. 18) Nord. Mise. XV, 336. Rehbinder Matrik. 20, 441. 2; Mittli. des Reichslieraldikus von Klingspor in IJpsala. — 28 — 1282 nach Esthland gekommen sei, 1 ) wenn nicht in dieser Tradition eine Erinnerung an den Eilard de Oberg liegt. Die Nachricht von der Yertheidigung eines festen Ortes durch einen tapferen Kriegsmann gegen Attila, wofür ihm das Wappen der „Wehr-Angel" und der Name zu theil geworden, erkennt schon Rehbinder als Fabel." Aehnlich wie vorstehend lässt sich der berühmte Genealoge seiner eigenen Familie Moritz von Wrangel aus. Er sagt: „Den Ursprung dieses Geschlechtes hat der schwedische Oberstlieutenant Hermann Wrangeil (Tab. YIH 1), welcher am 2. October 1653 in den schwedischen Freiherrnstand erhoben wurde, in einem eigenhändigen in der Brieflade zu Lude (Tab. IV 41) aufbewahrten Aufsatze aus Westfalen herzuleiten gesucht. Ohne untersuchen und entscheiden zu wollen, ob es uns zustehe, alles das, was unsere Vorfahren hinsichtlich ihrer Abstammung während mehrerer Jahrhunderte für wahr gehalten haben, schon deswegen ganz zu verwerfen, weil wegen des Mangels an urkundlichen Beweisthümern die Wahrheit dieser mündlichen oder schriftlichen Ueberlieferungen uns immer fremd bleiben muss, mag ein kurzer Auszug aus dem erwähnten Aufsatze hier einen Platz finden." Er erzählt in diesem (was, wie es scheint, Stjernmann, Matrikel p. 13, und besonders Rehbinder, Matrikel p. 441 u. f., ihm ohne weiteres und fast wörtlich abgeschrieben haben), dass der Stammvater, dessen Name unbekannt war, als tapferer Kriegsmann bei den Kriegszügen des Hunnenkönigs Attila einen festen Ort, dessen Name jedoch nicht genannt wird, standhaft vertheidigt und dafür eine schwarze Mauer im weissen Felde zum Wappen und Feldzeichen, sowie den Namen „Wehr-Angel", woraus mit der Zeit „Wrangel" entstanden sei, bekommen habe. Vor sechs- bis siebenhundert Jahren (also um das Jahr 1050 wenigstens) sei ein „Wrangel" aus dem Hause Rehde, 2 ) aus Westfalen herstammend, nach Dänemark, von dort mit dem König Woldemar II. nach Esthland gegangen und habe sich nach Erbauung der Stadt Reval um die Stadt herum niedergelassen u. s. w., wie solches auch in den Nordischen Miscellanien XV p. 337 mit einigen Berichtigungen zu finden ist. „Diese durch späteres Forschen in der allgemeinen Geschichte des Adels unwahrscheinlich gewordene Erzählung hat jedoch der schwedische Oberstlieutenant Hermann von Wrangeil nach Stjernmann und Rehbinder nirgends mit etwas begründen können. V ollte man annehmen, dass der Erzähler sich in den Zeitbestimmungen geirrt habe, und dabei gelten lassen, was im Norden zur Zeit der Ritterbänke (etwa um 1620) im allgemeinen angenommen worden ist, dass nämlich der vom Papste Innocensius III. am 5. October 1199 3 ) an die Sachsen und Westfalen etc. ergangene geistliche Ruf (die neugestiftete Kirche in Livland gegen die Heiden zu vertheidigen) die Auswanderung aus jenen Ländern und also auch jene des ersten Wrangells um 150 Jahre später, als dort angegeben wird, veranlasst hätte — so würde man dadurch doch auf keine sichere Spur gebracht !) Nord. Mise. X\, 336. Rehbinder Matrik. 20, 441. 2; Mittli. des Reiclislieraldikus von Klingspor in Upsala. 2 ) Zu Rheda liat am 17. December 1620 Graf Adolph von Bendheim-Tecklenburg ein Zeugniss für die Brüder „Christopher und Heiraart Noleck* ausgefertigt (N. Mise. XX, 65). 3 ) Unter des Baluzii Collectionibus Epistolorum Innocensii III. — 29 werden, indem Johann Dietrich von Steinen, welcher in der Vorrede zum ersten Theil seiner westfälischen Geschichte zwar erwähnt, dass von Zeit zu Zeit diesen päpstlichen Ermahnungen ein Genüge geschehen sei, jedoch des Namens „Wrangeil" gar nicht gedenkt, was er gewiss nicht unterlassen haben würde, wenn ihm derselbe in den durchsuchten Urkunden aufgestossen wäre." „Der Ursprung dieses Geschlechts verliert sich demnach in jene dunkle Vorzeit, die jenseits der Grenzen aller bisherigen Forschungen liegt." Fassen wir aber alles Vorhergesagte kurz zusammen, so schwankt die Frage, welcher Ahne wohl als Stammvater unseres Geschlechts anzusehen sei, ob Eilardus de Oberge oder Tuki Wrang. — Diese Frage zu beantworten ist wohl schwer, doch soviel können wir mit Bestimmtheit behaupten, dass die Annahme einer Abstammung von der Familie von Rhede in Westfalen oder wohl gar aus den Zeiten Attilas als reine Fabeln anzusehen sind. Was die Abstammung von der Familid Rhede anbetrifft, so haben wir che möglichst denkbaren Archive am Rhein und namentlich in Westfalen hiernach durchsuchen lassen, nirgends aber hat sich auch nur der geringste Anhalt zu einer solchen Annahme dargeboten und selbst wenn es nur fraglich wäre, so ist es wieder nicht denkbar, dass ein von Rhede seinen Stammnamen aufgeben und dafür den Namen „Wrangel" annehmen sollte. Haben doch viele andere Geschlechter, wie z. B. die Plettenberg, die Bellingshausen, Lippe, Recke, ihren alten Namen unverändert bei der Einwanderung nach Livland beibehalten. In betreff der beiden andern Persönlichkeiten „Eilardus de Oberge" und „Tuki Wrang" sprechen viele Gründe für den einen oder für den andern. Den er st er en finden wir im Besitz von mehreren Gütern in Harrien und Wirland, z. B. Uawarangalae (jetzige Wrangelhof), Lopae etc., die noch in spätem Zeiten im Besitz der Familie Wrangel sind — wir haben aber nirgends gefunden, dass dieser Hauptmann zu Reval seinen Namen geändert, wohl aber ersehen wir aus der Chronik von Livland von Wartberge, dass er unter seinem bisher geführten Namen mit Heinrich von Wrangel in dem Ueberfall bei Ascheraden 127S fällt. Wenn letzterer schon unter diesem Namen gefallen, so kann der Vogt nicht der Stammvater der Familie sein. Wir bleiben also nunmehr bei Tuki Wrang stehen. Er blieb unter den zwölf Dänen zur Bezatzung der Burg Reval zurück, und wir haben ferner gesehen, dass er erhebliche Besitzungen in Harrien und Wirland und um Reval herum zu eigen gehabt, und so bestimmt uns nicht nur dieser Umstand, sondern auch das Tragen des Namens „Wrang" schon beim ersten Erscheinen in Esthland, denselben als Stammvater des Geschlechts von Wrangel anzusehen Wir haben ihn demzufolge an die Spitze der Stammtafeln in Tabelle H ad Nr. 1 gesetzt. Aber nicht bloss das Vorhergesagte berechtigt uns zu diesem Ausspruch; gehen wir noch näher auf den Namen „Wrangel" ein. Viele halten dafür, dass derselbe aus dem Wappen der Familie entsprungen sei, indem sie behaupten, dass das Wappen einen „Wehrangel" oder ein Stück einer „Festungsmauer" vorstelle. Dieses ist indess wohl nicht anzunehmen. Das Wappen scheint vielmehr eher einen gezahnten Balken vorzustellen, welches Wappenbild ein sehr gewöhnliches ist. Ferner ist es sehr zu bezweifeln, dass die Mitglieder der Familie in den früheren Zeiten eine Festungsmauer als Wappen angenommen haben sollten. Eine ebenso gewagte Auslegung ist es, wenn andere meinen, dass die Wrangel in altern Zeiten gegen die Angeln sich ausgezeichnet hätten und deswegen „Wehre der Angeln - ' genannt worden seien. In der keltischen Sprache kommt dagegen ein Wort „Wrang" vor, und so wäre es möglich, den Namen hierdurch zu erklären. Es bezeichnet auf französisch: „dur, feroce"; und so ist vermuthlich das jetzige englische Wort „Wrangler" und „Wrangle" ans demselben Stamm. Der Name „Wrangel" kann daher vielleicht ein Diminitivum von „Wrang" sein, denn dieses tritt auch im Altgermanischen auf. Einer der Herren von Rede (welche als Vorfahren des Geschlechtes Wrangel gelten) hat vielleicht den Beinamen „der Wränge" oder „Wrangle" bekommen und die Familie hat ihn beibehalten. Hiernach ist also der vielfach genannte Tuki Wrang ein richtiger Wrangel aus dem Anfange des dreizehnten Jahrhunderts und sind die Urahnen des Geschlechts Dänen oder Kelten, die sich vielleicht als Gefangene oder Freibeuter am Rhein nieder- liessen und die Benennung des neuen Heimathsörtes Rhede annahmen, ohne ihren alten Heidennamen zu vergessen. Unzufrieden gingen sie Ende 1180 wieder zum König Woldeniar von Dänemark, der seine Eroberungszüge nach Rügen, Pommern, Danzig, Kurland, Oesel, Dago und endlich nach Esthland machte, wie wir oben gesehen. Werfen wir nun zunächst einen Blick auf die Verhältnisse Esthlands und dessen Ritterschaft. Im Jahre 1282 confirmirt König Erich von Dänemark den Revalschen ihre Freiheit; es wird unter andern Johann Wrangele zum Zeugen dessen vom König benannt. 1 ) Am 7. April 1306 haben mehrere Landräthe und Adel in Oestland eine beliebte Ordnung und Gesetz gemacht und unter sich selbst aufgerichtet. Unter mehreren hierbei genannten ist auch Woldeniar Wrangel. 2 ) Anno 1320 trat Christopherus H. die Regierung an, und 1321 wurden aus dem Herzogtlmm Oestland die edlen Männer etc. Hr. Fridrich Wrangel an den König von Dänemark gesandt, um wegen der Confirmation ihrer alten Freiheit und Privilegien anzuhalten, welches sie auch erlangt haben zu Martinsburg (Wortingeborg) des Dienstags im Pfingsten. Als die esthländisclie Ritterschaft am 22. Februar 17.11 auf der Oberlandgerichts- Stube in Reval dem Zaren Peter Alexiewitz (Peter dem Grossen) den Rittereid leistete, unterzeichneten sich in dem Protokoll auch: B. J. Wrang eil, Ritterschaftshauptmann (Bernd Jean), Otto Fabian Wrangeil, Landrath, Carl Wrangel von Köndes, Georg Gustav Wrangeil, J. J. Wrangeil, Carl Wrangeil, Rettgert Johann Wrangeil. 3 ) 1) Bunge. Urk.-B. Th. I Nr. 478. 2) Bunge. Urk.-B. Th. II Nr. 621. . 8 ) Russwurm, Geschichte der Familie Lode p. 30, 32, 33, 215. — 31 Erich \ I . Menved, König der Dänen, bestätigte 1318 seinen esthländischen Vasallen, ihre Lehngüter, und in demselben Jahre d. d. Ivolding belehnte dieser König diese Liv- länder mit ihren Erbgütern: etc. etc. die „von Wrangelle; 1 etc. 1 ) Wenn auch keine ältere Urkunde bekannt, als 1277, in welcher ein „Wrangel" genannt wird, so sei hiermit doch nicht gesagt, dass nicht etwa schon ein Jahrhundert früher, nämlich vor dem genannten Jahre, in Livland ein Wrangel vorhanden gewesen sein kann. Die nachfolgende Unterschrift, genommen aus königlichen der Stadt ßeval ertheilten Privilegien, weiset aus, welcher Gestalt damals in Dänemark gebräuchlich gewesen, dass die regierenden Könige, indem sie ein Land oder eine Stadt privilegirt, solche Privilegien durch die vornehmsten Herren, als die Käthe des Reichs Dänemark, haben unterzeichnen lassen; wie denn auch aus allen diesen Unterschriften zu ersehen, dass fürstliche, gräfliche und andere Standespersonen, alle gleich, mit dem Prädikat „Herr" betitelt worden, bis zuletzt die Eigenschaft dieser Herren mit den Worten „ac aliis Consiliariis nostris ex Regnis" erklärt ward. Es kann hieraus nur geschlossen werden, dass alle diese Herren, welche solche Privilegien unterzeichnet und unterschrieben, Reichsräthe gewesen, und sonach das Geschlecht von Wrangel schon damals in grossen Ehren und Würden gestanden, vor 600 Jahren in Dänemark gewesen und gleich den Fürsten von Rügen und Grafen von Ravenburg für Herren und Zeugen in den königlichen Privilegien titulirt, benannt und gesetzt wurden. Sie führten gleich diesen fürstlichen Personen auch das Prädikat und den Titel „Herr". In den von König Erich der königlichen Stadt Reval gegebenen Privilegien vom Jahre 1282 „Die Sanctorum Process. ex Martinianis" findet sich die Unterschrift „praesentibus Dominis Comite Ottone de Ravensburg Regni Cancellario, et Petro Dapifero et Domino Johannes de Wrangel. In fidem testimonii subscripsit. Henrico Fonne, Civit. Reval de 28. Juni 1669." Wie Moritz von Wrangel, so wollen auch wir uns nun an die zuverlässigen Nächrichten über das Geschlecht Wrangel halten, welche in den Landesgeschichten anzutreffen und in den folgenden Nachweisungen und Tabellen angeführt sind. Diese zeigen uns die Wrangeischen im letzten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts im Gefolge und als Vasallen der dänischen Könige und livländischen Oberhäupter; sie führen uns mit zunehmendem Licht von Generation zu Generation der ununterbrochen fortgehenden Genealogien dieses Geschlechts aus den Häusern Tolsburg, Ellistfer, Jesse, Royel, Addinal und Abellen. Die drei ersten Häuser sind als die Stammsitze anzusehen, von denen die Hauptverzweigungen ausgingen; wie sie selbst zu einander gehören, werden wir später sehen. „Unter allen früheren Regierungen des ehemaligen Livlands erscheint das Geschlecht von Wrangel vor allen andern begütert und zahlreich, doch unter der schwedischen erreicht dasselbe in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts mit dem schwedischen Feldherrn Carl Gustav Wrangeil (VI 6), welcher unstreitig einer der bedeutendsten Männer dieses Geschlechts war, den höchsten Gipfel seines Glanzes. Ob- Toll, Brief!., dänischer Th. I p. 29 Nr. 34. gleich auch später noch der Wirkungskreis dieses Geschlechts sich erweiterte, so schwinden doch Reichthum und Glanz in dem Masse, als die Anzahl der Theilnehmer sich vermehrte." „Wir sehen noch viele dieses Namens nach dem höchsten Ziele eines treuen Unter- tlianen streben, linden zwar sieben Feldmarschälle, Admirale, mehrere Reichsräthe, Generale und Obersten — einflussreiche bedeutende Männer, doch keinen Carl Gustav Wrangell, welcher alle Eigenschaften seiner ritterlichen Vorfahren in sich vereinigte." „Das Geschlecht Wränge, 1 hatte sich zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in Livland und Esthland bereits sehr stark ausgebreitet, denn in der für Schweden so unglücklichen Schlacht bei Pultawa (1709) fanden nicht weniger als 22 Wrangels, grössten- theils schwedische Stabsoffiziere, den Heldentod 1 ) und eine grössere Anzahl gerieth in russische Gefangenschaft. Die Väter und Männer schmachteten in Sibirien, Greise und Kinder konnten keine Entschliessung fassen, sich ein neues Vaterland zu suchen. Erst nach zwölf Jahren keimten die wenigen, die das Schicksal trotz aller Noth und Elend der damaligen Zeit erhalten hatte, aus der russischen Gefangenschaft in die geliebte Heimath zurück. Mehrere von ihnen wussten durch ihre früheren Verbindungen am schwedischen Hofe es möglich zu machen, dem alten Throne zu folgen. Sie verkauften ihre Güter in Livland und Esthland und gingen nach Schweden. Unsern Voreltern aber, welche als junge Männer in die Gefangenschaft gegangen waren, und die sich jetzt durch eine höhere Macht um Gesundheit, Muth und die schönsten Jahre ihres Lebens gebracht sahen, blieb kein Ausweg übrig. Mussten sie nun auch, um sich und die gealterten Ihrigen dem hereinbrechenden Mangel zu entreissen, die verheerten und verödeten Besitzungen ihrer Vorfahren in Livland und Esthland wieder antreten — auch dabei die Huld des grossen Eroberers dankbarlichst anerkennen, so konnten sie doch, als Männer von Eime und Gefühl, die mit der Muttermilch eingesogene Beharrlichkeit ihrer Gesinnung für die alte Regierung nicht ablegen, und gerade dieser Hauptzug des wahren Edelmannes, feste Treue und Anhänglichkeit an dem angestammten Königshause, konnte ihnen bei der veränderten Sache nur hinderlich und ihren Unternehmungen ebenso nachtheilig werden, als derselbe, ihren moralischen Werth bestimmend, vormals die vorzüglich wirkende ihrer Beförderungen gewesen war. Man findet auch während der ganzen Regierung der ersten kaiserlichen Beherrscher des Hauses Romanow, selbst bis zu den letzten Jahrön der glorreichen Regierungszeit der Kaiserin Elisabeth, keinen Wrangel, der ausser dem kleinen Wirkungskreise der Provinz und des häuslichen Lebens thätig erscheint. — Fast zwei Menschenalter mussten hier für dieses Geschlecht thatenlos verstreichen, ehe der Verdacht des fremden Siegers beseitigt, ehe die durch keine Macht sich gebietende Liebe der unter russischer Botmässigkeit anwachsenden Generation dem neuen Thron und huldreichen Monarchen zugewendet war. Erst in den letzten Jahren des siebenjährigen Krieges und in den späteren Türkenkriegen erschienen unter den kaiserlich russischen Fahnen einige Wrangell auf den blutigen Schlachtfeldern, in den ersten Stufen der kriegerischen Laufbahn bis zu den höchsten Stellen die seit Jahrhunderten diesem Geschlechte eigene Unerschrockenheit bewährend und dadurch, sich vortheilhaft auszeichnend. Doch J ) S. Stjernmann p. 13: Kelibinder. Matrikel Nr. 442, wobei sich der letztere auf ein Buch des Kanzleirathes und Bitters Berch bezieht: nämlich: „Namnkunige Swenske Herrars och Fruers Skäde penningas och Lefwernes belinsifningas." — 33 — wer von uns lieset nicht mit bewegtem Herzen auf den Marmortafeln im Rittersaale zu Reval das Namensverzeichniss derjenigen Wrangel, welche nur aus dieser kleinen Provinz im Jahre 1812 dem kaiserlichen Adler Alexanders des Gesegneten gefolgt waren. Danlcbarlichst die unsichtbare Hand verehrend — sagt Baron Moritz von Wrangeil — welche nach ihrer Allmacht das Schicksal der Reiche und Geschlechter lenket, unterdrücken wir unsere Wünsche, unsere Hoffnungen, unsere Ansprüche an euch, ihr jungen, kraftvollen Männer dieses Namens, und als schönes Ziel eurer Bestrebungen sei das grosse Wort des schwedischen Reichsraths Wrangeil, gesprochen im versammelten Reichsrath in Gegenwart des Königs und aller Grossen, ermuthigend euch zugerufen: ,.Wann hat ein [Wrangel seine Pflicht nicht erfüllt?" Die meisten schwedischen und wohl auch russischen sowie preussischen Wrangeis hatten sich dem Soldatenstande gewidmet, so dass allein unter dem Könige Karl XII. von Schweden 70 Wrangeis in den Kriegen desselben gefallen sind. 1 ) Ein fernerer Beweis hierzu wird uns dadurch gegeben, dass an dem Zuge nach Finnland vom 1. Juli bis 12. August im Jahre 1598, welcher gegen die Moscoviter finden König Sigismund und den Herzog Karl von Schweden unter den Befehlen des Herzogs Arvid Erikson unternommen ward, folgende Mitglieder der Familie von Wrangel sicli betheiligten: 2 ) Johann Wrangel mit 2 Personen (H 41). Rittmeister Moritz Wrangel mit 3 Personen (IV 12) unter vielen Adligen im Ganzen 250. Es stellten für sich adlige Personen: Otto Wrangel zu Kaw 2 Personen (XI 2). Wilhelm Wrangel 2 Personen (XHI 2). !) Noidberg, Mise. 2) Gadebusch etc. 5 Immatriculatioiien. Bei dem Uebertritt in schwedische Dienste wurde nie eine Erhebung in den Adelstand nachgesucht, sondern nur die Anerkennung oder Naturalisation, die ohne Schwierigkeit ertheilt worden sein mag. Nach der Naturalisations-Ertheilung fand auf der entsprechenden Ritterbank die Introducirung statt, und erhielt der betreffende Adelstand eine Nummer. Dagegen findet in Esthland, Livland und Kurland eine Adelsmatriculation statt, die dann erst zur Gemeinschaft der Ritterschaft berechtigt. Infolge kaiserlich russischen Ukases vom 22. August 1729 ward von der edlen Ritterschaft zur Regiüirung der livländischen Matrikel eine Commission verordnet, welche aus den Landräthen, dem Landmarschall und den Deputirten des dorpatschen, pernausclien, rigaischen und wendenschen Kreises und den Deputirten der edlen Ritterschaft bestand. Sie hatte die Instruction und Vollmacht, die von einer jeden Familie eingereichten Beweisthttmer zu untersuchen und zu prüfen. Nachdem sie diese Thätigkeit am 29. Juni 1747 zu Ende gebracht, bewerkstelligte sie die Rangirung der zu den Corps der livländischen Noblesse gehörig befundenen Familien in der Art, dass laut der der Commission ertheilten Instruction zuvörderst diejenigen Geschlechter, welche ihre Nobilisirung bis auf die heermeisterlichen Zeiten zurück datiren konnten, durch das Doos, und die übrigen Familien nach ihrer Ordnung rangirt wurden. Die Familie Wrang eil wurde der ersteren Kategorie der in den heermeisterlichen Zeiten des Indigenats im Herzogthum Livland erhaltenen Familien zugetheilt, und es zogen die Barone Wrangeil die Nummer 41 und die adligen Wrangeil die Nummer 42. Am 20. Februar 1745 ward die gleichfalls bis auf die heermeisterliche Zeit zurückzuführende Familie derer von Wrangeil aus dem Hause Tolsburg-Selcks, damals Erbsassen auf Lude, Sadjevo und Sontagk, bei Errichtung und Regulirung der erwähnten ordentlichen Adelsmatrikel, welche auf dem 1742 gehaltenen öffentlichen Landtage von der gesammten Ritterschaft approbirt und bestätigt worden, durch das Loos unter Nr. 40 placirt und rangirt. Die von Wrangel aus dem Hause Ellistfer wurden unter Nr. 41 placirt. Infolge Eingabe vom 15. Januar 1745 wurden die Wrangeil aus dem Hause Jesse, Huer, Koyell, Kodill und Pedua aufgenommen. 35 — Den 29. December 1806 ward das Adelsattest für die Familie sub Nr. 294 vol. XLIX den lt. Ii. ertlieilt. Weiter geht ans dem Protokoll der Matrikel-Commission vom 12. Jimi 1746 hervor, dass 1. Ein Descendent dieser Familie — Reinhold Wrangell ans dem Hanse Addinal —- am 28. October 1680 von Karl XI. in den schwedischen Freiherrnstand erhoben wurde; diese Familie ist aber erst 1731 sub Nr. 199 der Freiherrnbank auf dem Stockholmer Ritterhause introducirt worden. Eine Bestätigung als Baron fand durch kaiserlichen Ukas vom 17. October 1885 statt. 2. Hermann Wrangell aus dem Hause Ludenhoff wurde am 8. October 1653 von der Königin Christine in den schwedischen Freiherrnstand erhoben und 1664 sub Nr. 55 der Freiherrnbank auf dem Stockholmer Ritterhause introducirt. 3. Carl Michael von Wrangell, ursprünglich aus dem Hause Itfer, später Tolks, Generalmajor und Ritter, ist in Gemässheit des Ukases vom 17. März 1833 infolge der producirten und im ritterschaftlichen Protokoll vom 12. September 1834 notirten Briefe unter die freiherrliche Branche dieser Familie notirt worden. Auf Grund des Berichts des esthländischen Ritterschaftshauptmanns vom 2. Juni 1855 snb Nr. 1614 und 1615 wurde laut Ukas vom 17. October 1855 ad Nr. 620 die Familie Wrangel von der esthländischen Adelsversammlung in die Baronsliste aufgenommen. Bestimmend dafür war, dass die aus den Häusern Ellistfer, Ludenhoff, Addinal und Lagena hervorgegangene Familie Wrangel, sowie die Wrangeis aus den Häusern Itfer, Tolks, Herküll etc. schon vor der Einverleibung der Ostseeprovinzen in Russland in die örtlichen Adelsmatrikel aufgenommen waren und den Barontitel in Russland schon vor der Bestimmung des Ministercomites vom 7. März 1833 in öffentlichen Akten geführt haben. Nach diesen Prüfungen ward verfügt, jetzt in die esthländische Baronsliste aufzunehmen: „Die Familie Wrangell aus den Häusern Ellistfer, Ludenhoff, Addinal und Lagena, die Wrangell aus den Häusern Itfer, Tolks und Herküll." Von der Branche von und Baron Wrangel aus dem Hause Sontagk, Addinal, Fall, aus Livland, Esthland und Kurland sind verschiedene Zweige in Schweden introducirt worden. 1652 unter Nr. 13 als Grafen zu Salrnis; f 1664 unter Nr. 55 als Freiherren zu Ludenhoff; in Schweden f 1680 Freiherr zu Addinal — nicht introducirt; f 1684 unter Nr. 41 als Freiherren zu Lindeberg; 1693 unter Nr. 37 Grafen zu Addinal; f 1742 unter Nr. 1859 von Fall; f 1776 unter Nr. 2092. Die Freiherren und Grafen Wrangel, welche aus Kurland stammen, führen das Wappen der schwedischen Freiherren zn Lindeberg-, ohne von diesen abzustammen. Die in den Niederlanden lebenden von Wrangel, welche sich „Freiherren zu Lindeberg" nennen, stammen wahrscheinlich von der schwedischen freiherrlichen Branche aus dem Hause Lindeberg ab. Der in Schweden als adelig mit dem Zunamen „zu Sag und Waschet" 1731 unter Nr. 1850 introducirte Zweig, sowie die 1723 unter Nr. 1770 introducirte Familie gehören zu dem Zweige Jesse. Beide sind ausgestorben. Ferner sind noch als Freiherren introducirt 1752 unter Nr. 292, sodann auch als Freiherren 1776 unter Nr. 279, als Grafen 1776 unter Nr. 93, 1779 unter Nr. 99; beide waren blühend. Alle diese letztgenannten Branchen, ebenso auch die adelige Nummer 1770 führen den Zunamen „zu Sausis". Von den „von Wrangel" aus dem Hause zu Sag und Waschet Nr. 1850 stammen die Freiherren Wrangel von Brehmer (introducirt 1776 unter Nr. 268); sie blühen noch jetzt. Gegenwärtig befinden sich an männlichen Mitgliedern in allen Linien: 1 ) in der freiherrlichen Linie Wrangel von Brehmer (Nr. 268) .... mit 9 „ „ adligen Linie Wrangel (Nr. 2092) „5 ,. „ gräflichen Linie Wrangel (Nr. 99) „7 „ „ freiherrlichen Linie Wrangel (Nr. 41) zu Lindeberg .... „4 ,, „ freiherrlichen Linie Wrangel (Nr. 279) zu Sausis „7 „ ,. gräflichen Linie Wrangel (Nr. 93) zu Sausis „5 ,, Bussland Linien Wrangeil (Nr. 55) zu Ludenlioff, Maydel und Lagena ,. 40 „ Preussen ,.11 Summa mit 88 mit mehreren weiblichen Mitgliedern. In Schweden werden fünf Geschlechter von Wrangel angenommen; welche sännnt- lich aus Esthland stammen: 1. Wrangel von Addinal; 2. Wrangel von Ellistfer, Lindeberg, Salmis; 3. Wrangel von Fall; 4. Wrangel von Sag und Waschet; 5. Wrangel von Sausis (Sauss). Baron Toll nimmt in seinen ritterschaftlichen Tabellen drei Hauptstämme inBeval an: 1. Addinal, Ellistfer, Lindeberg, Ludenlioff: I, A bis E; 2. Jesse und Itfer, Sag, Tolks, Sauss, Maydel, Tois: F—J; 3. Bojel, Jensei, Euil, Sicklecht: K. Die aus Kurland stammende und nicht in Beval, sondern in den ritterschaftlichen Matrikeln zu Mitau verzeichnet stehende preussische Branche führte von Toll nicht, und wir haben ihr daher den Buchstaben ,.L" beigefügt. !) Arndt, Archiv Tli. II p. 65; Stjernraann, Matrikel I. — 37 — "W enn wir auch eine andere "i erzweigung in den folgenden Stammtafeln angeben, und zwar wie sich solche von dem älteren Stamme nach und nach getrennt, und diese Stammtafeln mit Nr. I bis XX nummeriren, so haben wir doch bei jeder Tafel noch Buchstaben hinzugefügt, wie sie früher angenommen worden sind und bisher in den Matrikeln gebraucht wurden. Den in Abtheilung I enthaltenen Nachrichten über das Herkommen und den Adel des Geschlechts von W ränge 1 ist noch hinzuzufügen, wann die verschiedenen Zweige des unter Nr. 41 und 42 der livländischen Adelsmatrikel einverleibten freiherrlichen Geschlechts zu ihrer freiherrlichen Würde gelangt sind. Jedoch ist zuvörderst zu bemerken, dass nicht alle von Hupel 1 ) und Gadebusch 2 ) aufgeführten Baronisirungen hierher gehören. Von diesen Standeserhebungen wurden in Schweden Von den freiherrlichen Linien gehört diejenige in die livländische Matrikel, 3 ) welche mit Hermann, Hermanns Sohn, von Wrangel auf Ellistfer beginnt und in den späteren Stammtafeln ad Tab. VEH 1 mit „Baron" bezeichnet ist. Endlich ist noch Fabian von Wrangel aus dem Hause Jensei zu erwähnen, welcher den 6. Januar 1709 vom Könige Karl in. von Spanien, nach- herigem Kaiser Karl VI.,- in den spanischen Grafenstand erhoben worden. (Tab. XVm 42.) Von den bei Gadebusch 4 ) und auch bei Hupel 5 ) erwähnten Erhebungen in den Freiherrnstand ist, wie uns Moritz von Wrangeil in seinen hinterlassenen „Darstellungen" auseinander setzt, die des Anton Johann Wrangeil vom Jahre 1747 fortzulassen. Diesen finden wir hier dem esthländischen Geschlecht Wrang eil aus dem Hause Jesse zugetheilt, von welchem jedoch zur livländischen Adelsmatrikel nur ein noch dazu nicht freiherrlicher Zweig unter Nr. 346 (seit 1818) gehört, der in gar keinem nachweislichen Zusammenhang mit dem unter Nr. 41 und 42 immatriculirten freiherrlichen Geschlecht steht. Ausserdem erwähnt Hupel noch zwei Baronisirungen, welche nach der oben erwähnten „Darstellung" gleichfalls nicht hierher gehören und zwar: als erste die der beiden Brüder Friedrich Ulrich und des Andreas Keinhold Wrangeil vom Jahre 1776, welche aber ebenfalls als zu einem in Livland nicht immatriculirten Zweig des esthländischen Geschlechts aus dem Hause Jesse gehörig erwähnt werden; ferner als zweite die eines Johann Wilhelm Wrangeil vom Jahre 1765, welcher weder zu dem Geschlecht Nr. 346 noch zu dem Geschlecht Nr. 41 und 42 gehört. Wenigstens ist der genealogische Zusammenhang mit einem dieser beiden Geschlechter nicht nachweislich. 1) Hupel. N. M. Stück 15, 16, 17. 2) Gadebusch, Geschichte des livländ. Adels I 3, Hauptstück 36. 3) Kehbinder, Matrikel; Livländische Adelsmatrikel. 4) a. a. 0. § 2. 5) a. a. 0. p. 353. naturalisirt in den Freiherrnstand erhoben in den Grafenstand erhoben 12 4 8 Mitglieder — "38 — Nach diesen nothwendigen Ausscheidungen bleiben nur drei Erhebungen in den Freiherrnstand übrig, die das hier in Rede stehende Geschlecht Wrangel betreffen und welche wir chronologisch hier folgen lassen: Erstens wurden im Jahre 1653 in den schwedischen Freiherrnstand erhoben und im Jahre 1664 introducirt die beiden Seitenverwandten: Hans Wrangel, esthländischer Landrath, Erbherr auf Allo, Lude, Fellin und Kymenegärd, ein Enkel des Hermann Wrang eil von Tolsburg, Ellistfer und Allo und der Alheit Uexküll von Riesenberg (VI 1); ferner Hermann Wrangeil, Erbherr auf Ellistfer, Sadjerw, Warrol, Rösthof und Schloss Lude in Livland, Jerwakant, Nömküll, Selks und Tolsburg in Esthland, Wisok mit Rostowa, Petrowa, Grabowa und Flarewitz in Ingermanland, ein Urenkel desselben Ahnherrn. (Tab. VIII 1.) Sie sollten sich schreiben: „Freiherrn zu Luden- hoff".. 1 ) Nachstehende Uebersicht möge zur Erläuterung dienen: Tabelle III 15. Hermann Wrangel. Gemahlin Adelhaid Uexküll. III 21. Hermann der Aeltere, Feldmarschall zu Elstfer. Gemahlin Wilmuth Aurep. III 37. Hermann. Gemahlin Gertrud von Tiesenhausen. III 47. Hermann, Rittmeister, 8. October 1653 Freiherr zu Ludenhoff. Gemahlin Anna Dorothea von Tiesenhausen, Erbin von Ludenhoff. III 25. Hans. Gemahlin Barbara Anrep. Tabelle VI 1. VI 2. Hermann, Feldmarschall. VI 5. Hans, Oberst von Allo, Kymenegärd, Landrath in Esthland, 8. October 1653 Freiherr zu Ludenhoff. VI 6. Carl Gustav Graf von Salmis. Die Söhne zweiter und dritter Ehe (VI 7—12) Freiherren zu Lindeberg. VI 16. Ebba Barbara, Gemahl Oberstlieutnant Carl von Tiesenhausen. | I Anna Dorothea von Tiesenhausen, Erbin von Ludenhoff. Das greiherrliche Geschlecht Wrangeil zu Ludenhoff, welches im Jahre 1664 unter Nr. 55 unter die Freiherren des schwedischen Ritterhauses introducirt wurde, starb in Schweden mit dem Freiherrn Gabriel Adolph Wrangeil aus. Im Jahre 1661 entstand ein Streit zwischen dem Oberstlieutenant Baron Hermann Wrangeil (Tab. VIII 1) und dem schwedischen Reichs - Admiral Graf Carl Gustav Wrangeil (Tab. VI 6) als Verklagten wegen der Freiherrnschaft Ludenhoff und deren Titel in Schweden. Solcher ward unter dem 6. December 1661 dahin entschieden, dass dem Oberstlieutenant Baron Hermann Wrang eil die Freiherrnschaft Ludenhoff zukomme und selbiger hierin des Freiherrntitels unbehindert sei und zwar ganz nach den Bedingungen und Conditionen, wie solche durch die Königin Christine in ihrem Briefe vom 8. October 1653 gegeben worden. i) Gadebuscli, a. a. 0. § 2;. Wrangeil, Darstellung; Hupe], a. a. 0. pag. 3-18 ff. — 39 Am 22. Mai 1655 erkannte König Carl Gustav die besagte Freiherrnschaft mit dem Titel dem Grafen Carl Gustav Wrangeil und dessen männlichen Brusterben zu und erklärte aus besonderer Gunst und Gnade, dass der woklbemeldete Graf und seine echten männlichen Brusterben nicht allein unbehindert den Namen und Titel besagter Freiherrnschaft Ludenhoff fahren solle, sondern auch in dem Falle, dass das Recht des Oberstlieutenants Hermann Wrang eil und seiner echten männlichen Brusterben expirirt und zu Ende sei, der Graf und seine echten Brusterben die oft bemeldete Freiherrnschaft Ludenhoff mit deren Zugeliör wirklich antreten und gebrauchen solle. Graf Carl Gustav Wrangeil hatte zwar fünf Söhne, allein sie verstarben sämmt- lich vor dem \ ater, so dass mit dem Reichs-Admiral sein Zweig erlosch. Sonach trat der Oberstlieutenant Hermann Wrangeil in den vollen Genuss und den Titel der Freiherrnschaft zu Ludenhoff. Zweitens wurden am 21. März des Jahres 1654 in den schwedischen Freiherrnstand erhoben und introducirt die fünf Söhne des Feldmarschalls Hermann Wrangeil (VI 2), nämlich Carl Gustav (VI 6), (bekannt als der Feldherr Wrangeil durch seine Theil- nahme am dreissigjährigen Kriege), obgleich er schon 1651 schwedischer Graf geworden war; Johann Moritz, Generalmajor, Adolph Hermann, Oberst, Johann Friedrich und Wolmar, Generallieutenant und Erbherr auf Oberpahlen, Odenpäh, Wrangeishof, Boglösa und Svinesund. Sie sollten sich schreiben: Freiherren zu Lindeberg. 1 ) Drittens wurden am 28. October des Jahres 1680 in den schwedischen Freiherrnstand erhoben und introducirt die beiden Brüder Dietrich und Rein hold Wränge 1, Söhne des Hermann Wrangel, Erbherrn auf Addinal und der Beate Wachtmeister aus Poll. Es ist nicht gesagt, dass sie wie die anderen Freiherren die Weisung erhalten hätten, sich nach einem Stammhause zu nennen. 2 ) Die Location der in die livländische Matrikel aufgenommenen Freiherren von Wrangeil unter denjenigen Familien, die zu heermeisterlichen Zeiten das Indigenat in Livland erhalten hatten, war bereits im Jahre 1747 und zwar unter den Nummern 41 und 42 erfolgt. 3 ) Nur ist hier zu bemerken, dass bei Nr. 42 irrthümlich das Prädikat „Baron' 1 weggelassen ist, da der diese Nummer bildende Zweig (beiläufig aus dem Hause Addinal) von dem soeben genannten im Jahre 16S0 baronisirten Reinhold Wrangeil abstammt. 4 ) Wie die oben erwähnten drei freiherrlichen Stämme des unter Nr. 41 und 42 immatriculirten Geschlechtes Wrangel genealogisch unter einander zusammenhängen, wird sich sofort aus der tabellarisch genealogischen „Uebersicht der Verzweigungen der Familie von Wrangel" ergeben. 5 ) Was die noch älteren Spuren des Geschlechts Wrangel betrifft, so stehen sie ausserhalb des stetigen genealogischen Zusammenhanges, und wenn anfangs noch an die Möglichkeit geglaubt wurde, dass sie auch auf das in Rede stehende Geschlecht Nr. 346 1) Gadelmscli, a. a. 0. § 2; Hupel, a. a. 0. p. 346 ff.: Wrangeil, Darstellung. 2) Gadebuscli, a. a. 0. § 2: Hupel, a. a. 0. p. 350 ff. 3) Yergl. Hupel a. a. 0. Stück 7 p. 95 und 98. 4) Wrangeil, Darstellung. 5) Sielie Allgemeine Stammtafel. — 40 — Bezug haben könne, so ist selbst dieser letzte Schein der Möglichkeit durch die gründliche und umfangreiche Brieflade des Baron von Toll geschwunden. Uebrigens lässt schon Moritz von Wrangeil diese Beziehungen in einer von ihm ausgearbeiteten „Darstellung über die in Livland nicht immatriculirten Zweige seines Geschlechts" dahin gestellt sein.Q Ferner ist zu bemerken, dass ein grosser Theil der Nachkommenschaft des Stammvaters von Anton Otto Wrangeil aus dem Hause Maydel in Esthland, welcher als der einzige seines Stammes in die livländische Adelsmatrikel im Jahre 181S aufgenommen worden ist, hier, wo zunächst die Angehörigkeit zur livländischen Adelsmatrikel entscheidet, gar nicht in Betracht kommen kann. Vielmehr kann es hier nur auf den Nachweis des genealogischen Zusammenhanges des genannten Anton Otto mit dem Stammvater des Geschlechts Moritz ankommen. Diesen Nachweis wird die unter 2 mitgetheilte tabellarisch-genealogische Uebersiclit (ein getreuer Auszug aus der obenerwähnten Ausarbeitung des Freiherrn Moritz Wrangeil) geben. Diese Uebersiclit beginnt mit Mauritz Wrangel (Tab. IV 1), Erbsass auf Jesse und Itfer in Esthland, dessen erste Gemahlin Catharina von Wrangel (nA 20) und zweite Gemahlin Anna von 'Piesenhausen war, und setzt sich mit dessen Sohn Mauritz und Enkel Tönnies Wrangel fort. Das liier in Rede stehende Geschlecht Wrangell erscheint insofern bei seinem ersten Auftreten in unzweifelhaft adeliger Qualität, als der Sohn des Stammvaters, welcher zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts gelebt zu haben scheint, Landrath in Esthland gewesen ist und überdies Erbherr auf Jesse genannt wird. Das Datum der Nobili- sirung liegt also jedenfalls jenseits der nachweisbaren genealogischen Anfänge, denn auch der Stammvater wird bereits stillschweigend als zum Uradel gehörig angenommen. Während voller drei Jahrhunderte, nämlich während des sechszehnten, siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts, blieb der liier in Betracht kommende Zweig in Esthland einheimisch und besitzlich, bis endlich der dimittirte Rittmeister Anton Otto Wrangell zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts sich in Livland niederliess und im Juni 1818 auf öffentlichem Landtage der livländischen Adelsmatrikel einverleibt wurde. 2 ) Die Zweige des Geschlechts Wrangel, welche nicht nur in Schweden, sondern auch in Spanien den Freiherrn- respective Grafenstand erworben haben, gehören jedoch nicht zur livländischen Adelsmatrikel. Schliesslich bliebe noch der kurländische Zweig zu erwähnen, der indessen in Kurland nicht immatriculirt worden und dessen genealogischer, tabellarischer Zusammenhang mit den matriculirten Geschlechtern Wrangel Nr. 41 und Nr. 42 aus Tabelle II ersichtlich ist und mit Heinrich Wrangel (Tab. HA 5) beginnt, welcher sicli 1474 Alt-Wrangelsliof (Abellen) im Kreise Trikaten kaufte. 3 ) *) Man lese das Bezügliche in dem die Matrikel 41 und 42 betreffenden Heft "bei Baroness C. von Wrangell in Walk nach. 2 ) Yergl. Wrangells bezügliche Darstellung und ausserdem dessen Vaterländische Adelsgeschichte I 125. 3 ) Bis jetzt war die Meinung in der Familie von Wrangel vertreten, dass dieser Zweig, das sogenannte „Haus Abellen", von Heinrich Wrangel (Tab. HI 10), Sohn des Hans Wrangel auf Ellistfer mit seiner Ehegattin Magdalena Uexküll, abstamme. Dem Verfasser wollte die Annahme wegen der Lebenszeit dieses Heinrich — 1523, 1524 — nicht einleuchten und er richtete daher bei seiner Anwesenheit in Reval, Riga und Mitau auch sein Augenmerk auf diesen Punkt. Zu seiner Freude fand er in „Hagemeister I p. 282" und in „Buchholz Gollectaneen" (ein in Riga bekannter hervorragender Genealoge, dessen bedeutender Nachlass in der Stadtbibliothek zu Riga aufbewahrt wird) eine Notiz, aus welcher hervorgeht, dass nur der oben in Tabelle H genannte Heinrich der gesuchte Stammvater sein kann. — 41 lieber diesen von Heinrich von Wrangel (Tab. HA 5) auf Abellen abstammenden Zweig sei zunächst angeführt, dass es nicht bestimmt nachzuweisen ist, von wann ab dieser Zweig der Familie dasselbe Wappen führt, wie die Freiherren Wrangel zu Lindeberg. Es war dieses Wappen dem General Ernst von Wrangel auf besonderes Verlangen von der kurländischen Ritterschaftsbank etwa um das Jahr 1750 zugestellt mit dem ausdrücklichen Vermerk, „dass dieses Wappen seinem Familienzweige zukomme". Infolge dessen führten, die Nachkommen vom obigen General Ernst von Wrangel auch das Freiherrn-Prädikat. Als im Jahre 1853 in Preussen eine Verordnung erging, derzufolge ein jeder, welcher den Adel führe oder sich „Freiherr" oder „Graf" nenne, seine Berechtigung dazu nachweisen solle, wurde auch der damalige Senior der Familie, der General der Cavallerie Friedrich von Wrangel (XX 58) aufgefordert, darüber zu berichten. Auf Grund von Dokumenten, die mangels eines formellen Adelsbriefes eingereicht wurden, ward dem Zweige mittels Allerhöchster Cabinetsordre vom 29. September 1853 das Recht zugesprochen, sich des Freiherrn-Prädikats zu bedienen. 1 ) In betreff der Schreibweise des Namens sei endlich erwähnt, dass sich die ältesten Mitglieder dieses Geschlechts zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts immer „von Wrangele" schrieben. Im vierzehnten Jahrhundert wird das letzte e bisweilen in 1 verwandelt und es tritt die Schreibweise „Wrangeil" auf. Im siebzehnten Jahrhundert schreiben sich viele Mitglieder mit einem 1 „Wrangel". Selten trifft man in den Urkunden die Schreibweise Wranghele, Vrangele, Wrangelle, auch wohl Frangen, Frangel, Vranghel; ja es kommt wohl mitunter vor, dass sich ein und dieselbe Person verschieden schreibt. Die Schreibweise des Namens Wrangel mit einem 1 ist in den früheren Zeiten gewöhnlich gewesen; es finden sich aber schon während der ordensmeisterlichen Regierungszeit, und zwar seit 1530, Unterschriften mit 11. In den schwedischen Matrikeln ist der Name fast durchgängig „Wrangel" geschrieben, doch haben demungeachtet beide Schreibarten in Livland und Esthland stattgefunden, und in der neueren Zeit scheint das 11 bei den russischen Branchen durchgängig angenommen zu sein. Im allgemeinen sei daher bemerkt, dass sich nach dem jetzigen Gebrauche die schwedischen, preussischen und holländischen Mitglieder „Wrangel" und die russischen Mitglieder „Wrangeil" schreiben. Um eine weitläufige Auseinandersetzung der Verzweigungen der verschiedenen Häuser und Linien des ganzen Geschlechtes von Wrangel zu umgehen, haben wir eine Uebersicht des Zusammenhanges sämmtlicher zwanz ig Linien (A I bis L) beigefügt, auf welche hierdurch verwiesen wird. 1) Das Original befindet sieb im Besitze der Familie von Wrangel in Kurkenfeld und ist mit dem in Farben gesetzten Wappen auf Tafel III identisch. Das Wappen. Es ist wohl selten wieder eine Familie zu finden, die so vielseitige Wappen gefühlt hat, wie das Geschlecht von Wrangel. Bevor wir auf die specielle Geschichte des Wappens dieser Familie eingehen, möge folgende poetische Wappen-Sage vorausgeschickt werden. Die Schlacht war schon verloren, Der König stand allein, Legt, um sein Lehen zu fechten, Grimmig die Lanze ein. Da bäumt in wildem Satze Empor sein edles Ross, Dann bricht es klirrend zusammen, Getroffen vom Geschoss. Der König liegt am Boden, Der Feind stürzt wild heran, Da tritt vor seinen König Ein stolzer Rittersmann. Der fleht in schwarzer Rüstung Und mächtig führt er das Schwert, Er steht wie eine Mauer Vor seinem König werth. Ihn kümmert nicht der Feinde Uebermäehtge Zahl, Er steht, eine schwarze Mauer Gegen ein Meer von Stahl. Oh ihm aus zwanzig Wunden Sein Blut auch rinnen that, Er schirmt und schützt den König, Bis endlich Hilfe naht. Dem Helden bessert sein Wappen Der König darauf mild: Er gab eine schwarze Mauer Ihm in das silbern Schild. Der so den König gerettet, Herr Wrangel hiess der Held; Noch heute ziehn seine Enkel Voll Kampfeslust ins Feld. Der Ahn stand gleich 'ner Mauer Vor seinem König fest, Drum heute noch kein Wrangel Von seinem König lässt. Mit blankem Schwert erfochten Die Wrangeis sich hohen Ruhm, Die schwedische Freiherrnkrone, Hispaniens Grafenthum. Mit mächtigen Fürsten verschwägert, Errangen sie manchen Preis — Gott griiss Euch, Ihr tapfern Degen Und Euer Wappen: schwarz-weiss! Wenngleich auch sännntliche Stämme, Linien und Zweige das Stannnwappen beibehalten haben, so ist dieses doch je nach den verschiedenen stattgehabten Standeserhöhungen und je nach der Lebensstellung, nach den Verdiensten des Beliehenen durch mehrere Felder (bis zu sechs), Schildhalter, Helme, Wappenschmuck, Devisen und Fahnen vermehrt worden, sodass es nicht möglich ist, eine allgemeine Beschreibung der Wappen zu geben. Es wird erforderlich, jedes einzelne verliehene Wappen näher zu beschreiben. Nur die Linie zu Lindeberg führt mit der Linie zu Abellen (Tab. XX) und der Linie — 46 — in Holland (Tab. VI Anhang) ein ganz gleiches Wappen. Wir linden nnr in der Linie zn Abellen eine Vermehrung beim königlich preussischen General-Feldmarschall Friedrich Freiherr von Wrangel (Tab. XX 58) vor. Wie schon angeführt, hat sich das alte angestammte Geschlechtswappen in unveränderter Weise bis jetzt als Stammwappen erhalten; nur die Linien zu Eaick (Tab. X) und zu Sauss, Köndes, Maydel (Wrangelstein) (Tab. XIV) und zu Sag und Waschel (Tab. XVII) haben den Helmschmuck dahin verändert, dass sie auf jeden silbernen Flügel den schwarzen gezinnten Balken gelegt. Die Veranlassung hierzu hat nicht ermittelt werden können, Das Geschlechtswappen ist, wie es uns Moritz von Wrangeil mittheilt, eine schwebend dargestellte schwarze Mauer mit drei Zinnen in silbernem Felde; den goldgekrönten Turnierhelm ziert ein silberner Flug mit einer dazwischen schwebenden wiederholten Mauer. Die Helmdecke ist schwarz und silbern. 1 ) Der gezinnte Balken im Schilde lehnt sich bald an den Schildrand, bald steht er ganz frei (schwebend). Die ältesten Siegel im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert stellen die Mauer bis an den Schildrand dar, so dass der ganz frei schwebende Balken erst später angenommen zu sein scheint. Das älteste von Wrangeische Siegel, welches bis jetzt aufgefunden, stammt von Woldemar Wrangel und hängt an dem im Jahre 1319 geschlossenen Vertrage von der Stadt Riga mit Johann. 2 ) Das Schild ist triangelförmig und ruht auf der schärfsten Spitze; die Wappenfigur stellt eine Mauer mit drei Zinnen vor und hat weiter keine Verzierung. 3 ) In dem Siegel des Vicko Wrangel, welches an einer Urkunde von 1383 (die Einäscherung Hapsals betreifend) hängt, ist das Schild unten zugerundet und enthält eine Mauer. 4 ) Solche Siegel kommen bis zur Mitte des siebzehnten Jahrhunderts vielfach vor, wo sie den kleinen Siegelringen Platz machen, welche wiederum durch die bei den stattgehabten Naturalisirungen oder erfolgten Standeserhöhungen in Schweden den verschiedenen Zweigen dieses Geschlechts ertheilten Wappen verdrängt worden und in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts ganz ausser Gebrauch kommen. Die derzeitigen Siegel sind nach den verschiedenen Häusern angezeigten Wappen bestimmt und danach zu unterscheiden. 5 ) !) Zu bemerken ist, dass die Geschlechter von Löwenwolde, von Eng des und von Berg aus dem Hause Kandel, Cannes und Jöggis in Esthland, sowie mehrere andere im In- und Auslande befindliche Familien Wappen führen, welche dem des Geschlechts von Wrangel ähnlich sind und sich nur durch die Tinkturen unterscheiden. Ritter Jacob Leuenwolde (1516—1557) änderte sein Wappen dahin, dass er eine rotlie Mauer in Gold annahm und statt des einen schwarzen Flügels einen rotlien einführte. Die oben genannte Familie von Berg hat einen senkrecht getlieilten Schild, dessen rechte Hälfte einen schwarzen Adler in Blau, die linke Hälfte dagegen eine rotlie dreizinnige Mauer in Silber führt. Auf dem Helm erheben sich auf einem schwarz-blau-weissen Bund zwei schwarze Adlerflügel, die beide mit der rothen dreizinnigen Mauer belegt sind. Bei den von Eng des sind die Schild- und Helmdeckenfarben mit den von Wrangeischen gleich; es ist jedoch ein ganz anderer Helmschmuck vorhanden, nämlich eine silberne halbe Bracke. Endlich unterscheidet sich das Wappen der Familie von Rewter in Ostpreussen nur dadurch von dem von Wrangeischen, dass die Mauer im Schilde bei dem Wappen von Rewter schräg von links unten nach rechts oben liegt und der silberne Adlerflug auf dem Helm ein geschlossener Flug ist, auf welchem sich dieselbe Mauer wie im Schilde zeigt. Die Farben sind bei den Wappen überall gleich. '-) Arndt, Chronik Th. II p. 78, Anmerkung. :l ) Hupel. Kord. Mise. XIII p. 424. 4 ) Arndt, Chronik Th. II p. 112, Anmerkung. 5 ) Eine schöne Abbildung der ältesten Siegel bietet uns die Siegeltafel zu der Brieflade von R. Baron Toll dar. Eine hervorragende Quelle für die Studien der älteren Siegel des Geschlechts von Wrangel bietet die Siegeltafel dar, welche der Baron R. von Toll seiner Brieflade beigefügt hat. Wir wollen einige aus dieser Siegeltafel herausziehen. Siegel Wolmers von Addinal, Wolmers Sohn, Nr. 1317; im Siegel: Wolmers Sohn; Nr. 73 oder 1031. ,, Otto, im Siegel: Ote Vrangel Morris S.; Nr. 1031. „ Otto zu Tatters, die Umschrift im Siegel ist nicht deutlich wiedergegeben; das Siegel selbst gleicht dem von Ote Vrangel Morris S.; Nr. 1031, 1393 oder 1397. „ Vicke 1407, Cessions-Urk. wegen des Hofes Packer; einen gezinnten Balken. ,, der beiden Bischöfe Heinrich Wrangel von Dorpat 1403 und Moritz Wrangel von Reval, Urk. 14. Januar 1558. Die anderen Linien haben die Wappen ihrer Stammväter beibehalten, nur die Linie zu Lagena (Tab. IX) nicht. Der Stammvater, Oberst Reinhold von Wrangeil (Nr. 1), siegelt unter dem 28. December 1663 in der Citation an den Major Macq Duwalt mit seinem Petschaft, welches im Wappenschilde eine Mauer, jedoch eine solche nicht zwischen den Flügeln über dem Helm, sondern auf jedem der Flügel zeigt. Zur Seite dieser Flügel befinden sich die Buchstaben „R. W.". Desselben Wappenbildes bedient sich sein Sohn Berendt Johann Wrangeil am 20. September 1664. Im Februar 1680 führt letzterer bei Besiegelung einer Prozess-Vollmaclit an Friedrich Krüger ein anderes Siegel. Hier sieht man die Mauer bloss im Wappenschilde, und ist v r eder auf noch zwischen den Adlerflügeln eine solche zu finden. Auch sieht man liier drei Buchstaben „B. J. W wobei eins und drei an den Seiten der Flügel, zwei zwischen diesen steht. Ein drittes Siegel führt dieser Berendt Johann Wrangeil im Januar des Jahres 1684. Hier haben wir die Mauer zwischen den Flügeln, sowie im Wappenschilde. Auch liier erblickt man die Buchstaben „B. J. W.", wobei „J." über der Mauer zwischen den Flügeln steht. Seine Wittwe und seine Söhne behielten dieses letztere Wappen bei, so dass also Berndt Johann Wrangel der erste des Hauses Lagena- Annickfer ist, welcher das jetzige Lagenasche Wappen führte. Das Wappen der Grafen Wrangeil zu Salmis in Schweden, unter der Nr. XHJ der Grafen introducirt, welches dem Feldmarschall Carl Gustav von Wrangeil (Tab. VI 6) bei seiner Erhebung in den Grafenstand am 26. März 1651 verliehen worden ist, besteht in einem quadrirten Schild, welches das alte Geschlechtswappen zum Herzschilde hat. Im ersten Quartier ist ein Festungswerk auf grüner Anhöhe im blauen, im zweiten ein aufbäumendes, silbernes Einhorn in rothem, im dritten ein schwarzer Greif, der eine platzende schwarze Granate in seinen Pranken hält, in goldenem und endlich im vierten ein auf den Finthen mit vollen Segeln nach der Linken zusteuerndes dreimastiges Schiff in blauem Felde. Das Schild ist mit drei goldenen, gekrönten Helmen geschmückt; auf — 48 — dem ersten Helm wächst ein wiederholter Greif hervor, der mittelste trägt den Helmschmuck des Stammwappens und aus dem linken erhebt sich ein hohes, rothes Kastell mit zwei gezinnten Absätzen; aus dem zweiten Absatz hängen zwei schwarze Fahnen. 1 ) Das Wappen der Freiherren von Wrangel zu Lindeberg, in Schweden (Tab. VI 7 bis 13), unter der Nummer XLI der Freiherren introducirt, zeigt ein geviertes Schild mit einem Mittelschilde, auf ihm das alte Stammwappen. Im blauen ersten Viertel ist ein aufgerichteter goldener Löwe mit ausgeschlagener rother Zunge. Im rothen zweiten Viertel befindet sich ein silbernes aufbäumendes, sich gegen den Löwen drehendes Einhorn. Das dritte goldene Feld enthält einen schwarzen aufgerichteten Greif, welcher eine brennende silberne Granate in den Pranken hält. Das vierte blaue Feld führt einen abgehauenen, blutigen, geharnischten Arm, welcher zwei rotlie Standarten im Wechsel mit zwei goldenen, von eben solchen Spitzen überragten Fahnen in seiner Faust hält. Das Schild ziert eine Freiherrnkrone mit zwei goldenen, gekrönten, offenen Turnier- Helmen, von denen der rechte den Geschlechtshelm, mit der schwarzen Mauer zwischen den silbernen Flügeln, bildet. Den linken Helm ziert der schwarze wachsende Greif mit der brennenden Granate in den Pranken. Die Helmdecken sind schwarz und roth, wechselweise mit Gold und Silber unterscldagen. Dieses Wappen erhielten Adolph Hermann und Johann Moritz von AVrangel aus dem Hause Lindeberg mit ihren Geschwistern bei Erhebung in den Freiherrnstand in Schweden am 21. Mai 1654. Das Wappen der Freiherren von Wrang eil zu Ludenhoff (Tab. VIII 1 und VI 5), welche in Schweden unter Nr. LV introducirt, wurde bei Erhebung der Vettern Hans und Hermann von Wrangeil in den schwedischen Freiherrnstand am 3. October 1653 verliehen. Ein quadrirtes Schild mit dem alten Geschlechtswappen als Herzschild; im ersten und vierten Quartier ein abgeschnittener, nach rechts gestellter, schwarzer Adlerkopf mit offenem silbernen Schnabel und roth ausgeschlagener Zunge im goldenen Felde; im zweiten und dritten Quartier sechs durch eine silberne Krone gesteckte, im Andreaskreuz zu drei und drei neben einander gestellte silberne Piken im rothen Felde. Das Schild ist mit einer Freiherrnkrone und zwei goldgekrönten Helmen versehen, von denen der rechte dem Geschlechtshelm ähnlich ist; aus dem linken bricht ein goldener Löwe mit einem blossen Schwerte hervor. Die Helmdecken sind bis zur Mitte abwechselnd rechts oben und links unten blau mit Gold, und links oben und rechts unten schwarz mit Silber unterschlagen. Am 7. Juni 1693 ward Dietrich von Wrangel auf Addinal (Tab. VII 4) in den Grafenstand erhoben, in Schweden unter Nr. XXXVH introducirt. Des Grafen Diplom d. d. Stockholm den 7. Juni 1693 setzt folgendes Wappenschild fest: In der Mitte steht das alte von Wrangeische Stammwappen, eine schwarze Mauer im silbernen Felde darstellend. Das erste Feld des eigentlichen gräflichen Wappens zeigt einen schwarzen Adler auf goldenem Grunde; im zweiten — blauen — Felde sieht man einen bewaffneten Nachdem Carl Gustav von Wrangell, Graf zu Salmis, die Berechtigung verliehen worden war den Freihermtitel zu Ludenhoff zu fuhren, vermehrte er sein bisheriges Wappen noch mit den Wappenbildern der Freiherren Wrangel zu Ludenhoff. 49 Arm von Silber den Säbel schwingend; das dritte Feld ist Silber, in ihm befindet sicli eine schwedische Admiralsflagge mit den ihr gehörigen Farben (blau mit goldenem Kreuz) in einem blauen Strome; das vierte Feld ist ebenfalls Silber, darin ein blauer Balken, anf demselben ein fünfstrahliger goldener Stern, den Nordstern bezeichnend; das fünfte Feld ist blau mit einem Bande von Gold, ein schwarzes Zeichen des Planeten Mars steht in demselben; das sechste Feld von Gold enthält zwei in ein Andreaskreuz gestellte, rotke Pfeile zwischen vier Rosen von gleicher Farbe. Oben auf dem Schilde sind drei offene goldene Timnierhelme, mit einer Grafenkrone auf jedem Helm; über der mittelsten Helmkrone liegt eine schwarze Mauer zwischen zwei Flügeln von Silber, so wie es von alters her auf dem Stammwappen gebraucht worden. Aus der zur rechten Hand befindlichen Helmkrone erhebt sich eine schwedische Admiralsflagge mit den ihr gehörenden Farben zwischen zwei Morgensternen. Aus der zur linken Hand befindlichen Helmkrone erhebt sich der obere Theil eines goldenen Einhorns, Das Laubwerk ist golden, silbern, blau und schwarz gleichlautend wie das Wappen mit dessen eigentlichen Farben. Das Wappen der Freiherren von Wrangell zu Äddinal in Schweden (Tab. VH 1) unter Nr. CXCIX der Freiherren introducirt. Ein geviertes Schild, welches das alte Gesclilechtswappen im Mittelschilde führt. Das erste — rothe — Feld hat ein abgeschnittenes, goldenes Adlerbein von drei goldenen sechsgespitzten Sternen begleitet; das zweite Feld ist blau und hat drei silberne, durch eine goldene Krone gesteckte Pfeile, von denen zwei als ein Andreaskreuz gestellt sind, der dritte aber gerade durchgeht; das dritte — blaue — Feld führt ein auf den Finthen segelndes Linienschiff; das vierte - silberne — Feld enthält einen aufrechtstehenden, ausgerissenen grünen Baum. Das Schild ist mit einer Freiherrnkrone bedeckt und mit zwei goldgekrönten Helmen geziert. Der rechte Helm führt den Helmschmuck des Stammwappens; auf dem linken erhebt sich ein abgesclmittejuer, silberner, geharnischter Arm mit einem blossen Schwerte. Die Helmdecken sind schwarz und silbern. Dieses Wappen wurde dem schwedischen Kapitän Reinhold von Wrangel auf Addinal (Tab. VII 5) bei seiner Erhebung in den Freiherrnstand am 28. October 1680 verliehen. Das Wappen, das Anton Johann von Wrangel auf Sausis (Tab. XI37 und XV 1), schwedischer Vice-Admiral und Reichsrath, mit seinem Bruder Reinhold von Wrangel (XI 39undXVI 1) nach ihrer Naturalisirung in Schweden 1723 erhielt: eine schwarze Mauer mit drei Zinnen im silbernen Felde, welche auch in beiden silbernen Flügeln auf dem Helme stellt. Als derselbe 1747 zum Freiherrn ernannt und als solcher 1752 eingeführt wurde, erhielt er nachstehendes Wappen: Sein altes Stammwappen als Mittelschild. Darunter ist ein schwarzes Ankerkreuz in Form eines Andreaskreuzes, wodurch das Schild in vier Theile getheilt wird. Oben ist ein silbernes Schiffswrack mit einer blauen Flagge, in welcher ein goldenes Kreuz im blauen Felde. Zur Linken ist ein Schachbrett von drei Reihen, silbern und schwarz, woran sich eine halbe silberne Lilie lehnt, gleichfalls im blauen Felde. Zur Rechten ein rother aufgerichteter Löwe, bedeckt mit einem schwarzen Kanonenrohr im goldenen Felde. Unten ein rother Pferdekopf mit dem Halse nach links gekehrt aus einer Krone wachsend, im silbernen Felde. Die Schildhalter sind zwei Neptune, wovon einer einen Dreizack, der andere ein Steuerruder führt. I eher dem — 50 — Schilde ist die freiherrliche Krone zwischen zwei gekrönten Helmen. Auf dem rechten Helm sieht man zwei silberne Flügel und in jedem das Wrangeische Stammwappen; auf dem linken zwei kreuzweise gelegte Kanonen, aus welchen ein geharnischter Arm mit einem Schwerte wächst; zur Linken stehen zwei silberne mit rothem Kreuz, und zur rechten drei blaue mit goldenem Kreuz versehene Fahnen. Jede Fahne hat oben in der Ecke nach der Stange zu ein kleines, blaues Schild mit goldenem Kreuz. Das Wappen des Barons Anton Johann von Wrangel (Tab.XV 1) bei seiner 1751 und das seiner Söhne Johann Reinhold und Anton Johann (Tab. XV 2 und 3) bei ihrer 1776 erfolgten Erhebung in den Grafen st and zeigt ein geviertes Schild mit einem Mittelschild, worin das Stammwappen. Im ersten — silbernen — Felde ist ein segelndes Linienschiff, welches am Hintermast eine rotlie Flagge hat. Das zweite senkrecht getheilte Feld zeigt in der linken blauen Hälfte eine sich an die zweite Hälfte anlehnende halbe silberne Lilie; die zweite Hälfte ist rotli und gold geschachtet. Das dritte - goldene - Feld hat einen aufrechtstehenden rothen Löwen, welcher mit einem schwarzen, linksschräg liegenden Kanonenrohr bedeckt ist, auf welchem eine silberne Schnalle liegt; in der oberen linken Feldecke ist ein silbernes Schild mit drei goldenen Kronen. Das vierte — silberne — Feld hat eine goldene Krone, aus welcher ein rother, linksgestellter Pferdekopf mit Halsstück wächst. Auf dem Schilde befinden sich drei mit Kleinodien versehene goldgekrönte Helme. Auf dem ersten ist der silberne Adlerflug, auf dessen jedem Flügel die schwarze Mauer. Auf dein mittelsten Helm wächst aus der Krone ein nach linksgestellter goldener Löwe, welcher mit der rechten ausgestreckten Tatze eine brennende Granate hält. Auf der Krone des dritten Helmes stehen sechs, je drei nach einer Seite gestellte goldene Fahnen mit einem blauen Kreuze. In der Mitte dieser Fahnen erhebt sicli ein stahlgeharnischter Arm, ein Schwert haltend. Auf den Stangen der sechs Fahnen liegen zwei kreuzweis über einander liegende stählerne Kanonenrohre. Als Schildhalter hat dieses Wappen zwei aus der hinteren Hälfte eines Drachen, dessen Schwanz Stahl und dessen zwei Krallen Gold, wachsende, nackte, mit grünem Kranze um die Hüften versehene Neptune, von denen der eine den Dreizack, der andere ein Steuerruder hält. Um den unteren Schildesrand windet sich ein Band mit der Devise: „Ne Cede Malis". Die Helmdecken sind schwarz und silbern. Andreas Reinhold von Wrangel und sein Bruder Friedrich Ulrich von Wrangel auf Sausis (Tab. XVI 5,2) erhielten bei ihrer Erhebung in den schwedischen Freiherrnstand am 10. October 1771 folgendes Wappen: Das Schild hat eine in Roth und Gold sechzehnmal getheilte Einfassung. Auf den rothen Stücken liegen zwei goldene Pilgermuscheln. In dem silbernen Mittelschilde befindet sich das von Wrangeische Stammwappen. Auf dem Schilde sind drei mit Kleinodien versehene goldgekrönte Helme, von denen der mittelste als Helmschmuck den silbernen Adlerflug führt, auf dessen jedem Flügel die schwarze Mauer ruht. Auf dem linken Helme ranken sich zwei Lorbeerzweige in die Höhe, auf deren Spitze eine goldene Krone steht. Aus der Krone des rechten Helmes wächst ein goldgekrönter, rother Löwe zwischen zwei silbernen Straussfedem. Als Schildhalter dienen zwei nach aussen sehende Löwen, von denen der linke, schwarze, eine goldene Krone, der rechte, rothe. einen goldenen Halbmond äuf dem Kopfe trägt und in seiner — 51 —, linken Tatze ein goldenes Schwert hält. Um den unteren Schildesrand windet sich ein Band mit der Devise: ..Probitas Perdurat in aeviun". Da das Wappen des Friedrich Ulrich Baron von Wrangel von dem des Andreas Beinhold etwas abweicht, so wird das des ersteren am Schlüsse dieses Abschnitts besonders beschrieben. Das Wappen des am 27. December 177S in den schwedischen Grafenstand erhobenen Andreas Beinhold Baron von Wrangel (Tab. XVI 5) ist dem vorstehend beschriebenen Wappen ganz gleich; nur ist die sechzehnmal getheilte Schildeinfassung blau und golden und hat auf den blauen Theilen zwei silberne Muscheln. Es hat auch dieselbe Devise. Johann Wilhelm von Wrangel aus dem Hause Waschel (Tab. XVII 34) erhielt, als derselbe am 26. Februar 1765 unter dem Namen „Wrangel von Brehmer" in den schwedischen Freiherrnstand erhoben ward, nachstehendes Wappen, welches aus den beiden Stammwappen der Familien von Wrangel und von Brehmer zusammengestellt ist. Als Mittelschild verblieb das von Wrangeische Stammwappen. In dem quadrirten Schilde befinden sich im ersten und vierten schwarzen Felde zwei goldene, zinnenartig ausgeschnittene Balken; das zweite und dritte Feld ist schräg in Both und Silber geschachtet. Auf dem mit einer Freiherrnkrone geschmückten Schilde ruhen zwei mit den Kleinodien versehene goldgekrönte Helme, von denen der linke den silbernen Adlerflug trägt, auf dessen jedem Flügel die schwarze Mauer liegt. Auf dem rechten Helm ist ein wachsender, silberner Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Als Schildhalter dienen zwei goldene, nach aussen sehende Greife. Der am 6. Januar 1709 in den spanischen Grafenstand erhobene Feldmarschall Fabian von Wrangel (Tab. XVHI 42) erhielt folgendes Wappen: Das Stammwappen verblieb als Mittelschild. Auf dem mit goldener Grafenkrone bedeckten und den Kleinodien versehenen Helme steht die schwarze Mauer zwischen dem Adlerflug. Das quadrirte Schild hat im ersten und vierten blauen Felde einen aufgerichteten goldenen Löwen. Das Feld ist mit goldenen Sternen übersät. Im zweiten und dritten goldenen Felde steht auf grünem Boden ein blauer Thurm, welcher" auf seinem obern Bande vier kleine rothe Kreuze hat. Als Schildhalter erscheinen zwei Engel, deren goldene Kleidung mit einem blauen Bande schleifenartig um die Taillen festgehalten wird. In den äusseren Händen halten sie eine blaue Fahne mit drei goldenen Kronen. Die Spitzen der Fahnenstöcke sind golden. Der am 18. Mai 1864 in den preussischen Grafenstand erhobene Freilierr Friedrich Heinrich Ernst von Wrangel (Tab. XX 58) aus dem Hause Abellen erhielt nachstehendes Wappen: Als Mittelschild und auf dem goldgekrönten, mit den Kleinodien versehenen mittelsten Helme verblieb das von Wrangeische Stammwappen, bei dem letztern die schwarze Mauer zwischen dem silbernen Adlerflug. Das Schild ist quadrirt. Im ersten blauen Felde ist ein aufgerichteter, goldener Löwe; das zweite — rothe — Feld zeigt das zum Sprunge aufgerichtete, silberne Einhorn; im dritten — goldenen —• Felde steht ein schwarzer, goldgekrönter, aufgerichteter Greif, in der rechten erhobenen Pranke eine silberne, brennende Granate haltend, während das vierte - blaue — Feld einen stählernen Arm hat, welcher vier Fähnchen hält, die abwechselnd roth und golden sind. Auf dem mit einer goldenen Grafenkrone geschmückten Schilde sind drei goldgekrönte, mit den Kleinodien versehene Helme, von denen der erste einen nach innen gestellten wachsenden, goldenen Löwen, der dritte einen ebenso stehenden wachsenden, schwarzen Greif zeigt, der mit beiden Pranken eine brennende, silberne Granate hält. Als Schildhalter figuriren zwei schwarze, mit goldener königlicher Krone versehene und die Flügel in die Höhe hebende Adler mit goldenem Schnabel und goldenen Klauen. Sie halten zwei rothe, mit einem silbernen Kreuze versehene Fahnen. In der linken Fahne steht die Jahreszahl ,.1848" und in der rechten ,.1864". Den Fuss des Schildes umschlingt ein Band mit der Devise: „Frangas non Fleetes". Noch erwähnen wir ein Wappen, nämlich das des Barons Friedrich Ulrich von Wrangel (Tab. XVI 2) aus dem Hause Sausis von 1771. Das Schild hat eine sechzelm- mal in Roth und Gold getlieilte Einfassung. Auf den rothen Theilen liegen zwei silberne Muscheln. Das silberne Schild zeigt die schwarze von AVrangelsche Mauer. Auf dem mit einer Freiherrnkrone geschmückten Schilde befinden sich zwei mit goldenen Freiherrnkronen und den Kleinodien versehene Helme, von denen der linke Helm den silbernen Adlerflug hat, auf dessen beiden Flügeln die schwarze Mauer liegt. Zwischen dem Adlerflug erheben sich zwei grüne Lorbeerreiser und zwischen deren Spitzen eine goldene Krone. Auf dem rechten Helm wächst ein rother, goldgekrönter, mit goldenen Hörnern versehener Ziegenbock zwischen zwei silbernen Straussfedern. Zwischen den beiden Helmen über der grossen goldenen Schildeskrone sind drei silberne Bosen, zwischen ihnen ein silberner Halbmond. Schildhalter sind zwei rothe Löwen, von denen der linke goldgekrönt ist, während der rechte ein Schwert in der linken Tatze hält. Den Schildesfuss umgiebt ein Band mit der Devise: ,.Probitas Perdurat in aevum". Endlich sei das Wappen des Heinrich von Wrangel (Tab. II 18), Bischof von Dorpat 1400 bis 1404, erwähnt, welches sich an einer Urkunde von 1403 in der Stadtbibliothek zu Biga als Unikat vorfindet. In einem Tabernakel stehen St. Petrus und St. Paulus neben einander; über ihnen die Mutter Gottes mit dem Jesuskinde; unter ihnen im Fussschilde ein betender, knieender Bischof; zu jeder Seite ein Schild, rechts mit dem Stiftswappen — Schlüssel und Schwert in Andreaskreuz gelegt —, links mit dem von Wrangeischen Stammwappen. Das Ganze ist ein in Spitzform ausgehendes Langoval in ziemlicher Grösse und hat eine um das Schild gehende Umschrift: ,.Sigillum Henric. epi. Tarbatens". Man findet eine Zeichnung auf der Siegeltafel zur von Tollschen Briefl. 1 Taf. 40 Nr. 5. Ferner sei berücksichtigt das Wappen des Bischofs Moritz von Wrangel (Tab. XVIII 9) (in Reval 1558 bis 1560) an der Urkunde vom 24. Januar 1558. Das Wappen ist rund und zeigt in der Mitte ein geviertes Schild, in dessen erstem und viertem Felde zwei Bischofsstäbe, in Andreaskreuz gestellt, im zweiten und dritten aber das von AVrangelsche Stammwappen sicli befinden. Das Schild liegt auf dem Bischofsstabe und Bischofsschwerte, und auf demselben steht die Bischöfsmitra mit herunterhängenden Bändern. Das Wappen zeigt die Umschrift: ,.S. mavrici. Epi. Revaliensis". Man findet eine Zeichnung auf der Siegeltafel zur von Tollschen Briefl. I Taf. 32 Nr. 24. — 53 - Noch sei angeführt, dass wir in nachstehenden Werken Wappen des Geschlechts von Wrangel verzeichnet finden: 1. Im Königreich Schweden unter den Kitterschafts- und Adels-Wappen (Bock-Stockholm, Johann Hörberg, 1830). Gräfliche: pag. 1 Nr. 13 Wrangel auf Salmis, f » 2 „ 37 Wrangel auf Addinal, f » 5 „ 93 Wrangel auf Sausis, j) 5 „ 99 Wrangel auf Sausis, Freiherrliche: ,, 2 ,, 37 Wrangel auf Lindeberg, ,• 3 „ 50 Wrangel auf Ludenhoff, r 10 „ 188 Wrangel auf Addinal, » 11 ,, 208 Wrangel auf Sausis, f !■ 13 „ 268 Wrangel von Brehmer, „ 14 ,. 279 Wrangel auf Sausis, Adlige: „ 59 ,, 1770 Wrangel auf Sausis, f „ 61 „ 1850 Wrangel auf Sag und Waschel, f „ 61 „ 1859 Wrangel auf Fall, f „ 69 „ 2092 Wrangel aus dem Hause Ellistfer-Kaiofer. 2. Wappenbuch der zur Esthländischen Adels-Matrikel gehörigen Familien (Paul Eduard Damier-Keval, 1837). pag. 178 Baron Wrangel aus dem Hause Addinal, ,, 179 von Wrangel aus den Häusern Addinal und Fall, „ 180 von Wrangel aus den Häusern Sauss und Maydel. 3. Im Baltischen Wappenbuch (von Klingspor, 1883). von und Baron Wrangeil aus dem Hause Sontagk, Addinal und Fall in Livland, Esthland und Kurland. Uradel. von und Baron Wrangeil aus dem Hause Jesse, Itfer, Sauss, Maydel in Livland und Esthland. Uradel. Baron Wrangeil aus dem Hause Addinal in Esthland; schwedische Freiherren am 28. October 1680. Baron Wrangeil aus dem Hause Ludenhoff, Ellistfer in Livland und Estliland; schwedische Freiherren am 8. August 1653. 4. Wappenbuch des Herzogthums Livland, Th. I (revidirt 1747). Fügen wir endlich noch einen Nachweis der Wappen der ausgestorbenen und lebenden Familienzweige bei, wie ihn uns das schwedische Wappenbuch mittheilt. Ausgestorben sind in Schweden: Nr. 1859 Wrangel af Fall, „ 1855 Wrangel af Sag und Waschel, „ 1770 Wrangel af Sausis, „ 55 Wrangel af Ludenhoff, Freiherren,; „ 199 Wrangel af Addinal, Freiherren, 54 Nr. 219 Wrangel af Sausis, Freiherren, „ 13 Wrangel af Salmis, Grafen, ,. 37 Wrangel af Addinal, Grafen. Es leben noch in Schweden: Nr. 2092 Wrangel, „ 41 Wrangel af Lindeberg, Freiherren, „ 268 Wrangel von Brehmer, Freiherren, ,, 279 Wrangel af Sausis, Freiherren, „ 93 Wrangel af Sausis, Grafen, „ 99 Wrangel, Grafen. Diverses. Werfen wir einen Blick anf die Grabdenkmäler der Familie von Wrangel, welche sich bis auf unsere Zeit erhalten haben, so bleibt man mitunter bewundernd stehen vor der Schönheit und dem Luxus, mit denen einzelne ausgestattet sind. Wir erwähnen hier ausser den nachbezeichneten in den Kirchen zu Reval befindlichen Denkmälern nur solche, welche noch besonders hervorragend sind. Vor allen sind der Beachtung werth die prachtvollen Grabdenkmäler respective Kapellen des schwedischen Feldmarschalls Hermann des Jüngern von Wrangeil und dessen Sohn des schwedischen Reichsfeldherrn und Admirals Carl Gustav Wrangeil Grafen zu Salmis in der Sko-Kirche in Schweden, sowie des schwedischen General- Majors zu Ross Helm von Wrangel in der St. Marien-Kirche zu Wismar im Grossherzogthum Mecklenburg-Schwerin und endlich das schöne Grabdenkmal des kurbranden- burgisclien Oberst Wolmar von Wrangel zu Börnicke bei Berlin. Bezüglich des Nähern hierüber verweisen wir auf die Biographien dieser Verstorbenen ad Tabellen VI 2 und 6; III 41 respective I 40. Auf dem evangelischen Kirchhof zu Narwa befindet sich das Denkmal für den kaiserlich russischen General der Cavallerie Carl von Wrangell — der Bayazetsche genannt — nebst seiner Ehegattin (VHIA 30). In der Ritter- und Domkirche in Reval befinden sich Denkmäler mit folgenden Hauptbannern, welche der Familie von Wrangel angehören: Vom Altar linker Hand an der Wand: (oben) Reinhold Wrangell, schwedischer Kapitän, gestorben 1686 den 6. Mai, 9 Mit ; (darunter) Hauptmann Hermann Wrangell (Stammvater des Hauses Ludenhoff), mit den Ahnenwappen. Die Inschrift ist nicht ganz leserlich. (Unter den Ahnen kommen vor: väterliche: Wrangel und Maydel; mütterliche: Fahrersbach, Brehmer, Hastfer, Uexkiill, Treyden.) — Fromliold Adolf Wrangell, erbgesessen auf Kayfer, Major der Dragons, geboren den 9. Januar 1650, gestorben den 23. Februar 1696. — Wolter Reinhold Wrangell. Der edle, wohlgeborne, gestrenge und mannhafte Herr Wolter Reinhold Wrangell, Erbherr auf Ottenküll und Kayfer, Oberst des sudermaiiländischeu Regiments, geboren den 26. December 1648, gestorben den 22. Mai 1697. Alle mit ihren Familienwappen. Seite links vom Altar bei dem Rathsclior unten: Reinhold Wrangel, Oberst von dem Sudermanland-Regiment. 48 Jahre 5 Monate 4 Tage. Gestorben den 22. Mai 1657. Sein Familienwappen ist umgeben auf der linken Seite von den Wappen derer von Wrangel, Uexkiill, Taube, Scharenberg, Nieroth, Anrep, Uexkiill, Wrangel; auf der rechten Seite von den Wappen derer von Lode, Rosen, Taube, Tiesenhausen, Stahr (?), Bock, Anrep, Taube. Ueber der Kanzel: Wolmar Wrangeil von Huer, geboren den 12. Februar 1648, gestorben den 30. März 16S6; mit seinem Familienwappen. Am ersten Pfeiler der Kanzel gegenüber: Ewert Wolmar Wrangeil, erbgesessen auf Pedua, Oberstlieutenant zu Ross. Geboren den 22. Juli 1634, gestorben den 20. Juli .1695; mit seinem Familienwappen. Am ersten Pfeiler rechter Hand vom Orgelchor: Hans Wrangeil. Der hocli- edelgeborene, gestrenge und mannhafte Hans Wrangel, Oberst zu Fuss und Landrath. Geboren den 1. Januar 1626 in Reval, gestorben den 12. October 1691. Sein Familienwappen ist umgeben von den Wappen seiner Ahnen: väterlicherseits derer von Wrangel, unleserlich, Ramm, Taube, unleserlich, Lode, Tiesenhausen, Wrangel, Dücker; mütterlicherseits derer von Lode, Taube, Tiesenhausen, unleserlich, Taube, Fahrersbach, Flemming, Lode, Wrangel. Am Mittelpfeiler links Nr. 2 im Schiff: Otto Reinliold Wrangell. Ihro Königlicher Majestät in Schweden wohlbestallter" Kapitän unter den Landsdragonern. Der hochedel geborene Herr Otto Reinhold Wrangell, Erbherr auf Waschel und Toal, ist anno 1667 den 24. Juli geboren und anno 1701 den 5. September bei der Action mit den Moskovitern bei Rappien, seines Alters 34 Jahre 2 Monate 14 Tage, geblieben. Sein Familienwappen ist umgeben linkerseits von den Wappen derer von Wrangel, unleserlich, Taube, unleserlich, Lode, Tiesenhausen, Wrangel, Dücker; rechterseits von den Wappen derer von Lode, Taube, unleserlich, Scharenberg, Taube, Vitinghof, Dücker, Lode, Wrangel. — Admiral Wilhelm Baron Wrangel. Geboren den 6. Januar 1797, gestorben den 25. April 1872. Mit Wappen und zwei Bannern. — Admiral Ferdinand Baron Wrangel. Grabsteine: 1. Wrangel und Lode mit Wappen, 1692. — H. Hans Wrangell zu Waschel, Oberster und Landrath, 1698. — Margarethe von Lode. 2. Wrangel und Tiesenhausen. Keine Inschrift, nur der untere Theil sichtbar mit einem Ritter und einer Dame. Wahrscheinlich Baron Hermann Wrangel zu Ludenhoff mit Dorothea von Tiesenhausen (Tab. V TH l). 3. Wrangel mit Nieroth, 1695. — Niels Reinhold Wrangell. — Catharina Elisabeth Nieroth. In der St. Nicolaikirche zu Reval: Hermann Adolph Wrangell, Baron und Ritter, anno 1694, mit Familienwappen. — 57 Erbgral)Stätten in der Dom- und Ritterkirche zu Reval. Aus dem Verkaufsbriefe der Erbgrabstätte auf dem Dom zu Reval seitens der Dorothea Virx, des Dietrich Methstaken Wittwe, an Evert von Delwich, d. d. Reval den 31. März 1559, ersehen wir, dass diese Erbgrabstätte auf dem Dom zu Reval ,,an der Mauer nach der Stadt zwischen der Sögen von Hanyeck und der Wrangel von Sage Erben-' belegen ist.*) Das Innere des Doms zu Reval mit seinen Erbbegräbnissen. Von den Erbbegräbnissen, wie solche in der Cathedralkirche zu Reval 1742 inventirt. (Von Joh. Mart. Litschio p. d. Oeconom. Templi by catliedralis [Acten im Ober-Consistorii-Archiv Reval].) (Hierzu der Grundriss.) 1. Ryning und Piesenhausen. — 2. de la Gardie, Steenbock. — 3. Horn, Knorring. — 4. Bischof N. Richter. — 5. Brehm. — 6. Anrep. — 7. Uexküll. — 8. Delwig. — 9. Scharenberg. — 10. Reinliold Fersen von Sipp und A. F. Stackelberg. — 11. Taube von Kuding. — 12. Thuren Fersen und Schlippenbach. — 13. Hastfer. — 14. Ulrich. — 15. Löwen. — 16. Bielsky. — 17. Hans Maydel. — 18. Grasse und Huene. — 19. Berens Taube, Pohlen von Palms. — 20. Berens Taube, Pohlen von Palms. — 21. Jürgen Uexküll. — 22. Wold. Reinli. Uexküll, olim Köpkin. — 23. Hasselbach Nuck. 24. Wrangel; 1747 Liungreen. Die von Kapitän Hans Wrangel, Erbherr auf Heymar, am 18. December 1650 in der Domkirche sub Nr. 24 belegene, „eigenthümlich acquirirte" Grabstelle ist, nachdem dieselbe am 30. Juni 1654 auf Hermann Wrangel von Addinal, darauf auf dessen Bruder Hans Wrangel auf Fähtenhoff und von diesem am 24. Juli 1669 auf den Major Wolmar Wrangel und auf dessen Gemahlin Anna Helena Wrangel übergegangen, von der letzteren Tochter, der Wittwe des Kapitäns Hans Ernst Maydel, mit Namen Anna Dorothea Müller, an den General- Kriegscommissionär Jonas Ijiunggreen am 2. October 1736 verkauft worden. 25. Rein. Uxküll-Güldenband. —- 26. Gustav Lode von Schwentelu. — 27. Dietrich Lode. — 28. 0. W. Taube von Riesenberg; Bistram. — 29. Bernhard Taube; von Maydel. — 30. Gustav Grasse; Hastfer von Formuls. — 31. Posse; Erich Reinliold Joh. Fersen. — 32. Riesbieter, Wrangel, Ungern. — 33. Mannerberg. —• 34. Röttger, Reinhd. Lode. — 35, Verschlossenes Grab des Feldmarschalls Fabian von Fersen; olim Taube von Payak. —- 36. Erbbegräbniss. — 37. B. J. Uexküll auf Meks. —- 38. Nicht zu öffnen; Laars Peerson. — 39. Erbbegräbniss. — 40. Rittmeister Reinliold Buxliöfden. — 41. Eckenschild. — 42 bis 45. Erbbegräbnisse. — 46. Otto Willi. Fersen-Raikiil; Schlippbach. 47. Hans Neukirch, Wrangel von Koil. „Anno 1749 den 2. März produciret der Herr Landrath Carl Wrangel von Koil einen brüderlichen Vergleich vom 17. Februar 1682 über dieses des vormaligen Landraths Hans von Neukirch Begräbniss erwiesen sein, darauf habendes Recht, so wurde Ihnen solches unterm 17. März 1749 auch zuerkannt und das gehörige Attestatum ausgeliefert (XIII 30, 61). Anno 1761 den 30. October wurde weyland wohlgebohrne Fräulein M a r g a r e th a E1 i s a b e t h W r a n g e 1 in dieses Begräbniss begraben." 2 ) 1) von Toll, Briefl. I. p. 867 Nr. 1484. 2 ) Urtextlicher Auszug aus den Protokollen des Dom-Kirchen-Convents in Reval. 48. Oberst Kitter; Otto Reinh, Taube; Rehbinder. — 49. Rosenfeld; Köhler. — 50. Joh. Hastfer; Huuk. 51. Hans Wrangel auf Jesse; Baron Berns Delwig. Den 23. Februar 1749 producirt Baron Bernhard Reinliold von Delwig das Originaldokument über das Grab Nr. 51 in hiesiger Cathedralkirche, welches der wohlselige Hans Wrangel, Lieutenant auf Jesse, 1657 an sich gekauft, überlieferte Copiam vidimatam, besorgte den Transport, Renovation, bezahlte die eingehauenen Ziffern, und erwies durch den Erbkauf von Gut Jesse sein n nnm ehro daran habendes Recht, also wurde Ihme, dem Baron Bernhard Reinhold von Delwig, Erbherrn auf Azzell und Jesse, auf dessen gebührendes Anhalten, dieses Attestatum, nebst der Zuzeichnung, dass Ihme und dessen Erben von der Domkirche hiemittelst ertheilt. Reval, den 6. April 1753.') 52. Taube von Odenkotz; Bellinghausen, von Wrangel. Die Grabstelle sub Nr. 52 hat zufolge Dokuments vom 12. October 1697 Frau Margarethe Helena von Kursell, des Lieutenants Behrend Wilhelm Wrangel nachgelassene Wittwe, besessen, und von deren Tochter Anna Elisabeth Wrangel am 24. October 1720 an Anna Elisabeth Bararoff, Frau des Kapitäns Bernd Johann von Derfelden, verkauft worden. 1 ) 59. Wrangel; Carl Hastfer. Anno 1758 am 14. Februar erwies der wohl- gebohrne Herr Assessor Wrangel von Koddil vermöge eines richtigen Kaufbriefes, dass das Grab unter Nr. 53 ihm erblich zugehöre, welches mit Zuverlässigkeit attestirt Christian Hippius, Oeconomus. Den 17. Februar wurde mit Einwilligung des Herrn Assessors Wrangel von Koddil die Leiche des weyland hochwohlgebohrnen Herrn Landraths Carl Wrangel nach einem Alter von 83 Jahren unter diesen Stein begraben. 1 ) 54. B. W. Wrangel. Nachdem die respektiven Erben des Wrangeischen Hauses von Kohat, nämlich der wohlgebohrne Oberstlieutenant und Landrath G. 0. von Berg, der wohlgebohrne Oberstlieutenant Carl Friedrich von Gersdorff und der Kapitän Bernd Johann von Wrangeil nach Anweissung des Proclama die Dokumente über das Grab Nr. 54 gezeigt (Fortsetzung fehlt). 1 ) 55. von Behr. — 56. Dvi Taube; Victor Lode; Engelhardt. — 57. Otto Reinh. Nieroth; Caspar Ulrich; Wrangel von Kohat. Nachdem die respektiven Erben des Wrangeischen Hauses von Koliat, nämlich Ihro Wohlgebohren Her Landrath und Oberstlieutenant G. 0. von Berg, der Wohlgebohrne Her Oberstlieutenant Carl Friedrich von Gersdorff, und der Wohlgebohrne Her Capitän Bernd Johann von Wrangel nach Anweisung des Proclama die Dokumente über das Grab Nr. 57 in dem mittelsten Creuzgange zwischen denen beiden Pfeilern und Mannsstühlen gegen Osten und Westen belegen, gegen Norden an das Tauben von Jendel, jetziger Zeit Herrn Mannrichters von Engelhardt unter Nr. 56, Süden an Rehbinders Grab unter Nr. 58 stossend, den 17. März 1748 produciret, ihr habendes'Recht daran legitinec Mod. Justificiret, die Kosten darüber, so sich auf zwei Rubel achtzig Kopeken belauffen und die eingehauene Nummer mit fünfzig Kopeken entrichtet, so haben auf Ordonance Eines hochlöblichen Convents der Dohmkirche dieses Attestum darüber gebührend anfertigen, quittiren und ausliefern sollen. Reval, 13. Juli 1748. Joh. M. Litsch, Oeconomus. !) Urtextliclier Auszug aus den Prototollen des Dora-Kirclien-Convents in Eeval. — 59 — Anno 1752 den 12. Februar sollten des Herrn Oberstlieutenants von Gersdorff zwei Kinder hierin beigesetzt werden, weiln aber sich bey der yffnung diesses grabes fände, dass solches ihr Grabmahl sein möchte, so wurde gebethen, das Grab Nr. 41 zu öffnen, allwo schon vorhin die Leichen diesser Familie beerdigt worden, biss fernere abmachung. Am 4. Februar 1758 liess der Herr Oberstlieutenant von Gersdorff seine drei Kinder in dieses Begräbniss Nr. 41 gegen ordentliche Bezahlung heben und mit Einwilligung des Herrn Gouvernementsrathes von Berg im Wrangel von Kohatsclien Erbbegräbniss Nr. 57 beisetzen. Eodem bewilligte auch der Herr Gouvernementsrath von Berg, dass des Herrn Oberstlieutenants von Gersdorff von Oesel anliero gebrachte und daselbst bereits begrabenen Kinder, nämlich der Sohn Carl Johann von vier Jahren und das Fräulein Johanna Charlotte von drei Jahren auch in dieses Grab eingesenkt werden könnten, welches dan dato geschehen. Am 23. Juli 1757 liess der Herr Gouvernementsrath von Berg dieses Grab ganz renoviren und repariren, zahlte auch die gehörige Unkosten mit 10 Kübel 51 Kopeken. Am 13. October 1760 winde eine von des hochwohlgeborenen Herrn Gouvernementsraths von Berg Zwillinge, ein Fräulein, welches todt zur Welt gekommen, in dieses Begräbniss beigesetzt. 1 ) 58. Fab. Tiesenhausen; Kehbinder. — 59. Graf Mellin. — 60. Fromh. Taube; G. J. Stackelberg. — 61. Uexküll von Harck; Erdstelle. — 62. Br. Magnus Nieroth; Pillar von Püchau. 63. Hans Wrangeil von Allo; Kosen von Sonorm. Am 13. Juni 1683 verkaufte Herr Friedrich Romanowitz nicht allein für sich, seine Erben und Erbnelimen, sondern auch für seine Gebrüder und Frauen Schwester, deren Erben und Erbnehmen sein in der königlichen Domkirche zu Reval in der Mittelreihe oder Gange derselben gegen seligen Herrn Obersten und Landrath Hanss Wrangel von Allo Epitaphio belegenes, und von seinem Vater Hans Romanowitz anno 1640 den 1. Mai von der Domkirche zu Reval erkauftes Erbbegräbniss an Herrn Hanss Wrangel, erbgesessen auf Waschel und Toal, Ihro königlicher Majestät zu Schweden wohlverdienten Obersten und wohlbetrauten Landrath im Herzogthum Esten, für vierzig Thaler, und übergiebt demselben den Original-Kaufbrief der königlichen Domkirche von 1640 den 1. Mai, und entsagt aller und jeder Ansprüche an dies Erbbegräbniss für sich und seine Erben und Erbnehmen, auch seiner Gebrüder und Geschwister etc. — Weü in dem Begräbniss nur die Leiche des Secretär Adam Friedrich von Fischbach begraben liegt, so will Romanowitz die Witbe desselben dahin halten, dass sie die Leiche ihres Mannes herausnimmt und anderswo begräbt, damit das Begräbniss ganz leer sei. 1 ) 64. Carl Tiesenhausen. — 65. Wrede; Douglas. — 66. Waxelberg; Taube von Poll. — 67. Baranoff von Weetz. Anno 1744 den 23. Februar wurde die weyland wolüseelige Frau Barbara Helene geborene von Wrangel, Wittwe des seligen Capitän Baranoff beerdigt. Am 17. März 1746 wurde des Hakenrichters Baranoff Söhnlein beerdigt. 1 ) i) TJrtextlicher Auszug aus den Protokollen des Dom-Kirclien-Convents in Reval. 8* 60 — 68. Don Blekel; Bar. Zoege. — 69. Grage; Seland. — 70. Hans Wrangel von Waschel; 1761 Rittern. — 71. Schütz. — 72. Löscher; Niels Stackelberg. — 73. Delwig von Odenkotz. — 74. Erbbegräbniss (Sterlick, Meks, Crutius). — 75. Erbbegräbniss. — 76. Fischbach. — 77. Howen; Taube von Kirridal. Den 4. Februar 1747 wurde des Herrn Landraths Wrangel von Koil jüngster Sohn auf Permiss der Taubenschen Erben darin begraben. (War ein Tanbensches Erbbegräbniss.) 1 ) 78. Erbbegräbniss. — 79. Erbbegräbniss (von Zoege). — 80. Fersen von Nemkiil. — 81. Erbbegräbniss (Arnd, Blankennagel, Baldauf). — 82. Erbbegräbniss (von Delden). — 83. Erbbegräbniss (Franken, Blankennagel). — 84. Erbbegräbniss (Marschalk, von der Pallien). — 85. Erbbegräbniss (Tausass). — 86. Erbbegräbniss (Wesener, Hippius). — 87. Erbbegräbniss (Virgin, Fuchs, Fideböhl). — 88. Paykül; Scholmann. — 89. Erbbegräbniss (Lindblatt, Prinz Holstein, Steenbock). — 90. Erbbegräbniss. 91. Treyden. Am 7. April 1746 winde Fräulein Margarethe, seligen Herrn Assessors Jürgen Wrangel von Sickleclit Tochter, ihres Alters sieben Jahre, hierin begraben als in Dreydens Grab. Am 26. Februar 1748 wurde der weyland wohlgebohrene Herr Oberstlieutenant Fabian Wilhelm von Jesse darin begraben. 1 ) 92. Erbbegräbniss (von Brevem). — 93. Seile, Bar. — 94. Erbbegräbniss (Straube, Hollenstedt). — 95 bis 99 unbekannt. — 100. Generallieutenant Mansteins Capelle. Am 20. März 1755 wurde der weyland wohlselige Herr Mannrichter von Wrangel von Hüer (XI 50) hierin begraben. Am 26. Januar 1756 wurde die Leiche des seligen Herrn Mannrichters von Wrangel aus dieses Begräbniss gehoben, und nach der Kirche zu St. Nicolai in der Stadt gebracht. 1 ) Extract aus Abschrift eiues Verzeichnisses von denen in der Domkirche zu ßeval befindlichen Gräbern und deren ehemaligen Eigenthümern, gefertigt 1762. Im Chor zur Rechten vom Altar: 14. Wrangel von Kayfer (V 2, 8). Zur Linken nach dem Rosenkranz: 26. Moritz Wrangel von Küsing (XH 27). — 39. Rittmeister Reinhold Wrangeis, so Nieroths Schwager. — 40. Wrangel von Hasick (XIII 11, 21b). — 62. Wrangel von Waschel (XVH 4). — 64. Wrangel von Mart (HI 39). Crantz-Capelle mit Gräbern: 1. Rani. — 2. Grass. — 3. Nieroth. — 4. Müller von Kunda. — 5. Crantz. Wir haben zur nähern Erläuterung dieser Grabstellen einen Grjindriss des Innern der Dom- und Ritterkirche zu Reval beigefügt. Wegen besonderer Grabstellen wird ferner verwiesen 1. auf den Kapitän Hans Wrangel, Erbherrn auf Heymar (Tab. IIA 63); 2. auf Hermann Wrangel von Addinal (Tab. VII 1); 3. auf den Rittmeister und Mannrichter Tönnies Wrangel und dessen Gebrüder Jürgen und Carl von Wrangel (Tab. XI 20, 28, 29); 4. auf den Lieutenant Hans Wrangel, Erbherrn auf Jesse (Tab. XII 19); 5. auf den Landrath und Oberst Hans von Wrangel auf Allo (Tab. VI 5). *) Urtextliclier Auszug aus den Protokollen des Dom-Kirchen-Convents in Reval. — 61 — In Riga befinden sich nur einige Wappenschilder der Familie von Wrangel im Dom. Eine erhebliche Grabesstelle für die Familie vonWrangel ist die von Wrangeische Grabkappelle von Aspökyrka auf der Insel Aspö im Mälar-See. Es befinden sich in derselben nicht nur mehrere Verstorbene beigesetzt, sondern es haben auch viele Särge längere Inschriften, wobei auf Tabelle VI Nr. 48, 49, 50, 66 besonders hingewiesen wird. Es befinden sich ausser diesen noch zwei grosse Kisten mit Wappen, sechs grosse Kisten ohne Wappenschilder und neun Kinderkisten in derselben. An dieser Stelle wollen wir auch der wohlthätigeu Stiftung Erwähnung tliun, welche die Familie — speciell der Verband in Russland — in der neueren Zeit hervorgerufen und unter dem 11. Oktober 1885 ins Werk gesetzt hat. Die Familienstiftung ist eine allgemeine und ist für alle Mitglieder der Familie von Wrangel in Russland, Schweden, Preussen und Holland anwendbar. Der Grundgedanke ist Wohlthätigkeit und Unterstützung für ärmere Mitglieder, Witt wen, Waisen und zur Heranbildung junger männlicher Mitglieder. Zum Schluss über diese allgemeinen Verhältnisse der Familie Wrangel möge hier noch die Bemerkung Platz finden, dass seitens dieser Familie schon in den frühesten Zeiten der Wissenschaft eine besondere Pflege zu theil wurde, denn wir finden in den Jahren 1416 bis 1651 bereits acht Wrangeis, welche sich durch den Besuch der Universitäten Erfurt, Rostock und Heyden einen höheren Bildungsgrad anzueignen suchten.') i) H. J. Böttffilir, Die Livländer auf auswärtigen Universitäten. Tabelle I. Uebersiclit derjenigen Mitglieder der Familie von Wrangel, deren Anreilmng an die folgenden Stamm-Tabellen wegen Mangel an ausreichenden Angaben nicht zn ermöglichen gewesen ist. I. Aus Kirchenbüchern. Kirchenbuch St. Nicolai zu Reval und Dom Reval. 1. Barbara Margarethe von Wrangel ward 1657 geboren und am 6. Juni getauft. 2. Magnus Wilhelm Wo 1 mar von Wrangel, Oberstlieutenant, 1725 Tauf zeuge. 3. Elisabeth von Wrangel, unverheirathet, verstorben 1650, am 6. Februar im Dom begraben. 4. Fabian Johann von Wrangel, Sohn des Majors von Wrangel, ward 1667 geboren und am 19. März getauft. 5. Oberst B. W. von Wrangel, verstorben am 8. März 1676 auf dem Dom. Seine Gemahlin verstarb am 20. März 1676. 6. Hermann Reinhold Lode verstorben 1725. Gemahlin Anna Dorothea Wrangel, verstorben 1725, begraben am 9. Mai. (K B. Dom.) 7. Gertrud von Wrangel, verstorben im Mai 1756 im Alter von 66 l / 2 Jahren. Gemahl Baron Carl Ludwig von Taube auf Kandell, vermählt 1739. (Oberlandgericht Reval Convolut 288 Nr. 5.) 8. Anna Helene von Wrangel, geboren am 22. Februar 1766, Taufzeuge 1796, verstorben am 22. März 1823. Gemahl von Hellerström (Gustav Reinhold, Gouvernements-Kanzlist in Reval). 9. Dorothea von Wrangel, geboren am 2. November 1771, verstorben am 14. März 1793 und 10. Eleonore Charlotte von Wrangel, geboren 1767, verstorben am 1. Januar 1769, waren Schwestern. 11. Julianne von Wrangel, unverheirathet, verstorben am 14. Januar 1800, 71 Jahr alt. (Nicolai K. B.) 12. Lieutenant und Assessor von Wrangel. Gemahlin Margarethe Magdalena von Baer, verstorben am 27. November 1812, 60 Jahr alt. 13. Henriette Louise vonWrangel, unverlieirathet, verstorben am 21. Februar 1826, 32 Jahr alt. (Dom K. B.) Andere Kirchenbücher. 14. Philipp Johann Saltza, Hakenrichter, verstorben 1755. Gemahlin Marie Julianne von Wrangel, am 23. Juli 1755 begraben. 15. Gustav Hermann Magnus Wrangel, verstorben auf Angern am 22. April 1793, 1 Jahr alt. (Haggers K. B.) 16. Gustav Johann Wrangel, Sohn des Lieutenant G. G. Wrangel auf Hoiha, geboren am 17. April 1729. (Haggers K. B.) 17. Hans Christian von Rosen auf Sonorm, Söttküll, erste Gemahlin Anna Luise von Budberg, geboren am 20. December 1707, verstorben am 24. April 1736, zweite Gemahlin (6. October 1739) Charlotte Dorothea von Wrangel, Tochter des verstorbenen Kapitän Jacob Ludwig von Wrangel. (K. B. Halliel, Gesch. Fam. von Rosen.) 18. Annika Freiin von Wrangel war mit einem Rittmeister Hjerta vermählt. Nach ihrem Tode (1730) wurde in den drei Kirchen des Horrs Probstei geläutet. (Horrs Kirchenbuch.) 19. Major Baron von Wrangel vermählt mit Julianne von Wartmann. Tochter Anna Helene, geboren am 2. Mai 1794 in Narwa. (K. B. St. Johannis in Narwa.) 20. Fräulein von Wrangel, verstorben am 6. September 1728. (K. B. Kegel.) 21. Kapitän von Wrangel, verstorben 1746. Sohn: Jacob Reinhold von Wrangel, verstorben Januar 1746. (Maria Magdal. Iv. B.) 22. Major Borchard Heinrich von Wrangel, Inspector des Staats-Kommandos in Liv- land und Esthland. Gemahlin unbekannt. Deren Tochter: 23. Anna Helene Angelica von Wrangel, geboren am 26. Juli 1810. (K. B. Weissenstein.) 24. von Wrangel, Kapitän bei der Garnison in Narwa, ward ani 28. Mai 1788 in Narwa begraben. (K. B. St. Johannis in Narwa.) II. Aus Urkunden etc. a. Männliche Mitglieder. 25. Mertin Wränge — 1401 Wrangeil genannt — war 1400 Bruder der Tafelgilde in Reval. (Vera, der Tafelgilde-Brüder 1362 bis 1549 im Archiv des Raths von Reval; von E. von Nottbeck; Russwurm, Material.) 26. Didinus Vranghel studirte auf der Universität zu Leipzig und ward im .Jahre 1414 als „Didinus Vranghel de Livonia" in die Matrikel dieser Universität eingezeichnet. 27. Eilardt Wrangeil stand 1505 vor dem Gericht des harrisch-wirischen Rathes zu Reval contra den Haus-Komthur zu Narwa. 28. Am 29. November 1552 ward geleitet des ehrbaren Magnus Wrangel Bauer Matthias Ivackesoe aus dem Dorfe Kirreue, Marten wegen eines Todtschlages. (Geleitbuch der Stadt Reval p. 237.) — 67 — 29. Vom Adel und Landsassen haben im Januar 1616 noch nicht die bewilligten vier Tonnen Getreide als Contribution von einem jeglichen Rossdienst an die Krone Schweden geliefert: Engelhard (Eilhard) von AVrangel für ein Pferd. (Johann Ehlers Protocoll-Biicher Nr. VIII, 1610 bis 1617 p. 253.) 30. Inventar des seligen Jacobus Wrangel Verlassenschaft. (Rittersch. Acte, in Livland, Riga Vol. I 1626.) 31. Johann Freiherr von Wrangel, schwedischer Fähnrich, vermählte sich 1748 mit Ella Marie Tundefeldt, geboren den 14. April 1730, Tochter des Kapitän Adam Wilhelm Tundefeldt (in Schweden unter Nr. 631 introducirt) und der Christine Julianne Gripenberg (in Schweden unter Nr. 931 introducirt). (Anrep. svensk slätter.) 32. Christian Eberhard von Wrangel traf mit Wolmar Wrangel (XVIII 16a) in Gemeinschaft mit Frau Agnes Scholmann, der Gemahlin des Fabian von Wrangel (XVIII 29) einen Kauf am 18. April 1655. 33. Jürgen Palsman hat von Heinrich Wrangells AVittwe, Elisabeth Dorothea von AVrangell, 19 Reichsthaler zu fordern. 34. Elisabeth Dorothea vonWrangell, Tochter des Helmicli von Wrangeil auf Ucliten, Addinal, Rojel und Jensei, und der Dorothea von AVrangel, hatte in erster Ehe 1672 Heinrich von AVrangell als Gemahl und heirathete demnächst am 26. Januar 1691 Fabian Ernst I. von Ungern-Sternberg. (Stamm-Tafel der Ung. St. B. 86.) (Tab. XVHI 44 ad Wrangel.) 35. Jürgen von AVrangel wird vom Vogt zu AVesenberg 1743 in einem Dombriefe erwähnt. (Originalbrief in der „de la Gardie'schen Sammlung-' von Documenten in Lund; Biograph. Lexicon 21, 71.) 36. Boris (Bernhard) von AVrangell war schon 1787 Regierungs-Rath in Kursk. 37. Sein Sohn Karl Borissowitsch ward 1773 ins Land-Kadetten-Corps zu St. Petersburg abgegeben, war 1787 Premier - Lieutenant, nahm 1804 als Major des Mala- russischen Kürassier-Regiments den Abschied und verheirathete sich in Russland. (Rittersch. Archiv in Reval.) Hermann Freiherr von Fersen von Cronendahl, schwedischer Kapitän, 1683 Oberst- lieutehant, 1704 Oberst. Erste Gemalüin Magdalena von Bnchwald, AVittwe des Generals Helmnth von AVrangel (in 41) in AVismar. Zweite Gemahlin Auguste Elisabeth von Plessen. 38. Tochter: Margarethe Dorothea Baroness Fersen (unbekannt ob aus erster oder zweiter Ehe). Gemahl Major von AVrangell. (Geschichte der Fersen.) 39. Am 1. Juli 1799 kaufte Lieutenant Karl Hermann Baron AVrangel als Pfandbesitz auf 70 Jahre Alt-Bockenhof vom Rittmeister Baron Gustav AVoldemar Wrangel (XIV 43) für 24 000 Rubel Banko. 40. Wolmar von AVrangell, wurde 1634 in Livland geboren. Er verliess bald seine Heimath und trat in kurbrandenburgische Dienste, in welchen er, nachdem er bereits dreissig Jahre gedient hatte, den 6. October 1679 Oberst und Kommandeur des kurfürstlichen Leib-Garde-Infanterie-Regiments Nr. 1 und Kommandant von — 68 — Berlin wurde.*) Wegen seiner geleisteten Kriegsdienste erhielt er vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg am 23. September 1676 das von Wolffratsclie Gut Lüssow (172 Meilen von Anclam belegen) in Pommern geschenkt. Im Jahre 1679 kaufte er vom Bürgermeister Johann Tieifenbach das 72 Meile von Bernau und etwa 372 Meilen nördlich von Berlin belegene Rittergut Börnicke, liess hier 1680 die Kirche renoviren und ward in derselben nach seinem am 5. Januar 1685 zu Berlin erfolgten Tode beigesetzt. Seine Ehefrau war Anna Hellervast von Berbeche, welche am 25. Mai 1687 im Amt Marienfliess verstarb; den 8. Juni wurde ihre Leiche von dort nach Börnicke übergeführt und daselbst feierlichst beigesetzt. Er hatte einen Sohn Friedrich Wilhelm (42) und eine Tochter Julianne Eleonore (41), welche den 15. November 1667 geboren wurde und sich am 17. December 1684 mit George Christoph von Wacholtz (aus einem pommerschen Geschlecht), kurbrandenburgischer Oberkammerjunker und Stiftshauptmann zu Marienfliess, Domprobst zu Cammin, Erbherr auf Darigschlag, Altenhof, Börnicke und Schweitz, vermählt wurde. Sie verstarb den 27. Januar 1692 an den Masern zu Berlin und ward in Börnicke beigesetzt. Der Prediger Benj. Ursinus zu Cölln an der Spree hielt über das Thema „Spiegel der Sterblichkeit" die Leichenpredigt, welche am 20. October 1692 im Druck erschien. In Kurkenfeld — zu Tabelle XX — befindet sich ein alter Stahlstich, der diese Dame darstellt; darunterstehen die Verse: „So war der Wrangelin geeichte vnd gestalt, Die Tugend, Gottesfurcht vnd Zierde der gebeerden, Damit sie war begabt, kan nicht entworfen werden, Dem Himmel war Sie lieb, drumb nahm Er Sie so baldt, Ihr Wacholtz, den da stets Ihr abschiedt sehr betrübet, Zeigt durch dieses Denkmahl an, wie sehr Sie ihn geliebet." Nach Wacholtz Tode, dessen Datum nicht mitgetheilt, verkauften seine Erbnehmer Börnicke, welches er von seinem Schwiegervater geerbt hatte, an Johann Stephan von Barfuss. In der Kirche zu Börnicke befinden sich am Altar und am herrschaftlichen Stuhl je ein Gedenkstein des Wolmar von Wrang,el. Beide Steine tragen die Jahreszahl 1683 und die Wappen Wolmar s und dessen Frau. An der Kirchenwand sehen wir in zwei Reihen zwei männliche und zwei weibliche Brustbilder, umgeben von 24 Wappen, mit der Jahreszahl 1667. 42. Friedrich Wilhelm von Wrangell, Sohn des Wolmar (40) wurde den 13. März 1686 geboren und am 14. März vom Kurprinzen Friedrich, spätem König Friedrich I. von Preussen, im Dom zu Berlin über Taufe gehalten, verstarb aber schon am 8. Juni desselben Jahres. 43. Franz Georg von Wrangel, Cornet in der livländischen und esthländischen Adelsfahne, gerieth 1709 bei dem Gefecht am Dnjepr in Gefangenschaft und wurde nach Tobolsk transportirt. (Eines I 144, Anmerkung 23.) !) Acta: Königl. Preuss. Kriegs-Minist. Gell. Archiv. Er führte in seinem Wappen die „Wrangel-Mauer" zwischen den beiden Adlerflügeln im Helmschmuck. — 69 — 44. Gerhard Dietrich von Wrangel, Kapitän bei dem deutschen Bataillon des Oberstlieutenants Boye, kam in russische Gefangenschaft und lag in Sebekrod. (Ernes I 667.) 45. Friedrich Wilhelm von Wrangel trat 1741 in russische Dienste und ward 1775 Oberst bei dem Brzoinskischen Infanterie-Regiment. 1763 war er Cornet im narowischen Carabinier-Regiment. 46. Hans von Wrangel aus Itfer wurde 1578 bei Oberpahlen von den Russen gefangen. (Kelch etc. p. 352.) 47. J von Wrangel war am 14. August 1770 schwedischer Lieutenant beim Leib- Regiment. 48. Denis Wrangel diente seit 1753 im russischen Kriegsheer und wurde 1773 erster Oberst-Waclitmeister beim Infanterie-Regiment Kurinsk. (Milit.-Etat p. 34 1.) 49. Ernst Christian Wrangel (geb. 16..) Kapitän bei der schwedischen Abo-Kreis- Infanterie, verstarb 1726. Er verheirathete sich 1719 mit Maria Hedwig von Rohr, Tochter des Rittmeisters Christer von Rohr und seiner Gemahlin Hedwig- geborene Andersson. 50. Gustav von Wrangel, zweiter Unterhauptmann bei dem russischen nischgorodischen Infanterie-Regiment, ward 1759 bei Polzin verwundet. Er diente seit 1754 und wurde 1775 zweiter Oberst-Wachtmeister. Später stand er mit Hauptmannssold bei dem narowischen Garnison-Bataillon. (Gadebusch, Band 16 p. 55. Milit.-Etat p. 80.) 51. Carl Wrangel, zweiter Unterhauptmann bei dem russischen nisowischen Infanterie- Regiment, ward in der Schlacht bei Polzin am 1. (12.) August 1759 leicht verwundet. Er trat 1749 in russische Dienste, wurde 1772 Oberst-Wachtmeister und war 1774 erster Oberst-Wachtmeister bei dem polotzkischen Infanterie-Regiment. Später finden wir ihn als Kommandeur bei dem 2. Petersburger Garnison-Bataillon. (Gadebusch, Bd. 16 p. 87; Danziger Beitr. Bd. YHI p. 54; Milit.-Etat p. 63.) 52. Carl Gustav Wrangel fiel als Seconde-Fähnricli bei der Leib-Garde am 28. Juni 1709 bei Pultawa. 53. Während Karl XII. in Polen vordrang, fielen die Russen, deren Anzahl auf 50 000 Mann geschätzt wurde, in Livland ein. Der Generalfeldwachtmeister Wolmar Anton von Schlippenbach erwartete sie bei Errestfer mit 7000 Mann. Am 30. December 1701 griff ihn Scheremetiew liier an, wurde zwar anfangs zurückgeworfen, dann aber umzingelte er die Schweden und schlug sie nach vierstündigem Kampfe so vollständig, dass 3000 Mann das Schlachtfeld deckten und sämmtliche Geschütze mit aller Bagage den Siegern in die Hände fielen. Gefangen wurden: der Obrist Gustav Enschild, der Oberstlieutenant Reinhold von Lieven, der Major (Heimart Joh.) Nolken, der Rittmeister Wrangell und der Kapitän von Ungern. (Gadebusch m 3, 156; Kelch H 257 ff; nach Peter I. Tag. 57 fand die Schlacht am 1. Januar 1702 statt; von Ung.-Sternberg I p. 370.) 54. Lieutenant von Wrangel ward 1703 in Ingermanland erschossen. 55. In dem Gefecht bei Wyborg am 7. Juni 1703 blieb von der Infanterie Lieutenant von Wrangel. (Kelch, Livl. Hist. Th. n p. 338.) 56. Am 16. August 1708, als am 11. Sonntag nach Trinitatis, des Morgens, da die Sonne aufging, kam der russische Brigadier Monasterioff mit 3000 Dragonern und Fussknechten und zwei kleinen Kanonen an den Fluss Semme, warf die daselbst bei der Brücke stellenden zwei Kapitäne Brümsen und Wrangel nach einer kurzen Gegenwehr über den Haufen und passirte den Strom, machte unterwegs viel Bauernvolk, so aus der Kirche zu gehen begriffen waren, nieder und kam etwa nach sieben Uhr zwischen Finne und Pajust an, wo er im flachen Felde stehende Truppen vor sich fand. In dem entstehenden Kampfe wurde unter mehreren anderen auch der Kapitän Wrangel gefangen. (Kelch, Livl. Gesch. Bd.Up. 602.) 57. Ernst Wrangel, geb. 16.. zu Sabakzar, war königlich schwedischer Lieutenant beim geworbenen Regiment des Oberst H. Hastfer. Er ward bei Rossiena gefangen und befand sich 1710 in Wiborg. 58. Gustav Wrangel, 1747 schwedischer Lieutenant, wurde bei Pruek gefangen. 59. von Wrangel war 1687 schwedischer Hauptmann, 1699 bis 1703 Oberst-Wachtmeister und stand in Dorpat. 60. Hermann Georg von Wrangel, königlich schwedischer Kapitän im Regiment von Dieven 1722. 61. Freiherr von Wrangel, russischer Hauptmann beim podolischen Infanterie-Regiment, ward 1759 im Treffen bei Polzin in Pommern verwundet. 62. Freiherr von Wrangel ward 1708 Oberst und Commandant in Wilna. (Nordberg I, 848.) 63. von Wrangel, schwedischer Oberst-Wachtmeister beim Regiment Wulf, ward 1675 zu Stibnitz gefangen. Er soll 1676 vor Wolgast geblieben sein. 64. von Wrangel, schwedischer Lieutenant im finnischen Infanterie-Regiment des Oberst Piesenhausen, stand 1701 in Dorpat und misshandelte einen dorpatsclien Bürger. Der General-Gouverneur schrieb dieserhalb nachdrücklich an den Vice-Comman- danten Zöge. 65. von Wrangel, schwedischer Kapitän bei dem westgöthisehen Dal-Regiment, blieb am 19. Juli 1705 bei Retusain. 66. Baron Wrangel, angestellt beim österreichischen Regiment Wurmprandt, fiel 1731 an der Spitze seiner Compagnie und hinterliess eine Wittwe. (Yide ad Feldmarschall Graf Fabian von Wrangel, Tab. XVHI 42.) 67. Baron Wrangel bittet 1736 den Feldmarschall Fabian Wrangel (Tab. NVIII 42) um seine Protection zur Anstellung in der russischen Armee. 68. von Wrangel, Rittmeister in der esthländischen Adelsfahne, blieb am 30. Decem- ber 1701 bei Errestfer. 69. von Wrangel, Lieutenant bei dem Abo-Län-Dubblerings-Regiment, blieb bei Rossiena am 6. September 1701. (Dagblad.) 70. von Wrangel, schwedischer Lieutenant, btisst 1703 sein Leben im Kampfe wider die Russen ein. 71. Baron von Wrangel, Kapitän im permischen Infanterie-Regiment, ward 1759 im Treffen bei Polzin verwundet. (Danziger Beitr. Bd. VIII p. 54; Gadebusch Bd. 16.) _ 71 — 72. Als der polnische Feldherr General Paykul erfahren hatte, wie schwach das unter Generallieutenant von Nieroth bei Warschau stehende feindliche schwedische Detachement sei, entsehloss er sich, über die dermalen sehr ausgetrocknete Weichsel zu gehen und selbiges anzugreifen. Sobald nun General Nieroth von dessen Bewegung Kundschaft erhalten, schickte er am 18. Juli 1705 zwei Parteien aus, jede von 180 Pferden, und zwar die eine unter Oberstlieutenant Claus Bonde nach Casum, die andere unter Oberstlieutenant Stahlhammern nach Gura, sowohl die Pässe auf einer Seite zu bewahren, als auch auf der andern Seite um Warschau den Feind zu beobachten. In der Nacht aber bekam Oberstlieutenant Bonde Nachricht, dass der Feind eine Meile davon über den Strom gegangen und sich näher nach Warschau gezogen; Bonde nahm deshalb in der Geschwindigkeit zwanzig Mann mit sich, dieses zu recognosciren, und liess drei Rittmeister mit dem Reste der Partei zurück. Als er nun bei seiner Ankunft gewahr wurde, dass schon eine Anzahl der Feinde über den Fluss gesetzt, wagte er es mit seiner wenigen Mannschaft, dieselbe zurück zu treiben, wurde jedoch nebst allen seinen Begleitern erschossen. Dessenungeachtet erfuhren aber die drei zurückgelassenen Rittmeister Wetting, Elberg und Wrangel, dass ihr Oberstlieutenant mit dem Feinde in Action gerathen wäre, und eilten dahin, ihn zu entsetzen. Der Feind hatte jedoch inzwischen den Fluss in stärkerer Anzahl überschritten und konnten deshalb die drei Rittmeister trotz des bravsten Verhaltens nichts ausrichten. Dem Rittmeister Wetting ward sein Pferd erschossen, und er entkam zu Fuss in den Wald; Elberg wurde gefangen, und Wrangel kam davon, indem er sich durchschlug. (Kelch, Livl. Gesch. Bd. II p. 513.) 73. Gustav Magnus von Wrangel wurde im Juli 1743 auf der Insel Rügen geboren. trat im September 1759 im königlich preussischen Infanterie-Regiment von Canitz Nr. 2 ein, desertirte aber am 16. September 1762 von demselben. Darauf linden wir ihn als Amtshauptmann zu Bergen auf Rügen, aus welcher Stellung er den 11. Mai 1797 seinen Abschied nahm. (Geheimes Staatsarchiv zu Berlin.) 74. Johann Weinmar Wrangel von Koldenhoven. Aus dem königlichen Geheimen Staatsarchiv zu Berlin erhielt der Autor dieses Werkes die Notiz: In der kaiserlich königlichen Reichshofkanzlei zu Wien beruht: „Adelsdiplom für Johann Wrangel, bischöflich münster&cher Rittmeister; Adelsprädikat: von Koldenhoven. d. d. Ebersdorf, den 24. September 1669." In Verfolg dieser Mittheilung begannen die Ermittelungen über diesen von Wrangel, und ward zunächst obige Notiz in dem „Stammbuch, Adel in Deutschland" Band 3, Regensburg 1865, bei Manz, pag. 182 insofern bestätigt, als dieser Wrangel nicht Wrangel, sondern Prangel genannt wird. Letzteres beruht jedoch auf einem Druckfehler, da der in Rede stehende Rittmeister, wie weiter unten bestätigt werden wird, wirklich „W rangel" liiess. Die im königlichen Provinzial-Staatsarchiv in Münster respective im königlichen Provinzial-Staatsarchiv in Düsseldorf und im gräflich Stolbergschen Archiv in Wernigerode in betreff der in Westfalen damals noch vorhandenen Familie von Wrangel in der Grafschaft Broich angestellten Recherchen blieben ohne allen Erfolg, bis es dann endlich gelang, näheres über die Adelserhebnng des bezeichneten bischöflich münsterschen Rittmeisters ans dem kaiserlich königlichen Adelsarchiv in Wien zn erfahren. Die bezügliche Mittheilnng lautet: „Johann Weinmar Wrangel (nicht Prangel), bischöflich münsterscher Rittmeister, wurde durch Kaiser Leopold d. d. Scliloss Ebersdorff, 24. September 1669 in den ritter- mässigen Reichs- und erbländischen Adelstand mit „von Koldenhoven", und der Bewilligung, sich nach den zu erwerbenden Gütern zu nennen, erhoben. Derselbe diente vom Gemeinen auf und ist „von guten ehrlichen Eltern in freiem Stande" geboren (wie er in seinem Adelsgesuch selbst sagt) und ist aus der Grafschaft Bruch 1 ) in Westfalen, woselbst seine Vorfahren seit langen Jahren her sesshaft und begütert gewesen sind. Das ihm verliehene Wappen ist folgendes: In Schwarz eine aufsteigende eingebogene und bis über die Mitte des schwarzen Schildes hinaufgehende blaue Spitze, in welcher sich ein linksgewendeter, doppelschwänziger, goldener Löwe befindet, der in der Linken einen blanken Säbel schwingt. Oben rechts der Spitze ein goldener Triangel; 2 ) oben links der Spitze eine goldene Lilie. Kleinod: wachsender, links gewendeter, goldener Löwe mit dem Säbel zwischen offenem schwarzen Fluge auf dem gekrönten, links gewendeten Helme. 3 ) Helmdecken schwarz-golden." Weitere Nachrichten enthält weder das Diplom noch das Adelsgesuch und ist der Adel mm auf Grund seiner militärischen (vielleicht vierzigjährigen) Dienstzeit und seiner Verdienste erfolgt. Weder über seine Vorfahren und Nachkommen noch Güter hat etwas ermittelt werden können. 75. Anton Wrangel, Lieutenant der schwedischen Garde zu Fuss, wurde am 28. Juni 1709 bei Piütawa gefangen und nach Kiew transportirt. 76. Lieutenant Wrangel vom Regiment Westmorland wurde am 28. Juni 1709 bei Piütawa gefangen und nach Kiew transportirt. 77. Johann Wrangel, Kapitän vom schwedischen Leibregiment, wurde am 28. Juni 1709 bei Piütawa gefangen und nach Smolensk transportirt. 78. Kapitän Wrangel vom Regiment des Generals Hamüton wurde am 28. Juni 1709 bei Piütawa gefangen und nach Smolensk transportirt. 79. Hindrik Wrangel, schwedischer Oberstlieutenant, wurde am 28. Juni 1709 bei Pultawa gefangen. 80. A, Henr. Wrangel, Registrator bei den Reichsständen in Stockholm, vermählte sich am 9. December 1830 in Stockholm mit Anna Sophie af Ditmer, Tochter des Assessors Joachim Ulric af Ditmer und seiner Ehefrau Anna Catharina Wahlberg. J) Herrschaft Bruch in der Rheinprovinz (Mülheim an der Ruhr). In dieser Herrschaft (Broich) hat es jedoch keine Familie Weinmar Wrangel gegeben, und überhaupt keinen Adel. Ist aber Haus Bruch in Westfalen, Kreis Bochum, der gesuchte Ort, so besass dasselbe eine Zeit lang Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode und ist jetzt mit Berg- und Hüttenwerken bei Hattingen an die Disconto-Gesellschaft in Berlin verkauft worden. 2 ) Nach dem Wortlaut im Diplom. Im Diploms-Wappen ist die nebenstehende Figur gemalt, jedoch ist sie mit einem scharfen Instrument so vy" durchstrichen, was vielleicht den zu verleihenden Triangel darstellen sollte, ohne dass jedoch die Figur dadurch als unrichtig bezeichnet und unkenntlich gemacht wurde. 3 ) Die Linksstellung ist hier ausdrücklich vorgeschrieben. 73 81. Moritz Wrangel zu Rojel hatte mit seiner Ehefrau Barbara von Zwiebeln (von Zweiffei?) eine Tochter Dorothea, die sich mit Gerhard von Schätzen zu Fall verheirathete. Jahr unbekannt. b. Weibliche Mitglieder. 82. Adelhaid von Wrangeil war mit Lorenz Hermann von Fersen auf Kenia vermählt. Ihre Tochter Gertrud von Fersen heirathete 1582 Hans von Wrangel auf Addinal in seiner zweiten Ehe (Tab. HA 60). 83. Anna Elisabeth von Wrangel, Wittwe, verstorben am 14. April 1802. 84. Anna von Wrangel ward den 5. Mai 1629 in der St. Marienkirche zu Stettin beigesetzt. Vermählt mit Assmus von Glasenapp, welcher zuerst in fremden Diensten stand, dann als Oberstlieutenant bei dem pommerschen Defensionswerk Commissarius, später unter Gustav Adolph Oberst war. Im Jahre 1615 stand er vor Pleskau; er fiel 1629. Seine Leiche ward 1631 mit grosser Feierlichkeit in der Marienkirche zu Stettin beigesetzt. (Micrälius, Pomm. Gesch.) 85. Anna von Wrangel war Schwägerin des Hans Maydel zu Herküll — Johanns Sohn — und hatte an diesen wegen ihrer Morgengabe eine Forderung von 800 Thalern (1558). Er setzte ihr sein Gut Herküll bis zur Bezahlung der Schuld als Unterpfand aus. S6. Anna von Wrangell war mit Jürgen Rosen von Mojalm vermählt. 87. Anna Wrangel 1 ) war mit Wolter Freiherr von Schenck vermählt. Sohn: Diedrich von Schenck, Herr von Neudeck, Hofmarschall bei dem Herzog Gotthardt (Kettler?) von Kurland. 88. Major Gerhard Christoph von Stromberg, Gemahlin Anna Helene von Wrangel, Tochter des Hakenrichters von Wrangel; vermählt den 21. April 1786. 89. Barbara von Wrangel lebte 1595 und war mit Georg VIII. von Ungern-Sternberg .i. von Assoten, Herrn auf Kawast, vermählt, starb 1590. (Gesch. der von Uiigern- Sternberg.) 90. 'Christina von Wrangel, geboren 17.., war vermählt mit Kapitän Freiherr Fabian Duval in seiner ersten Ehe; letzterer geboren den 12. April 1702, verstorben den 7. November 1752. 91. Elisabeth von Wrangel, verheirathet mit dem Mannrichter zu Oesel, Ernst von Berg, Erbherrn zu Rettenbach. (Hupel 20, 30.) 92. Friedrike Gustava von Wrangel, verstorben den 21. August 1825; sie war vermählt mit dem Kaplan in Joutsa, Tomas Neovius, geboren 1756, verstorben 1806. (Arkiander.) 93. Helene von Wrangel war mit Wilhelm von Medem auf Bersen vermählt. 94. Blasius von Hochgraefe, vermählt mit Kune von Wrangel, macht sein Testament d. d. Niire 1. November 1667. Aus demselben geht hervor, dass Kune von Wrangel ihren beiden Töchtern Dorothea und Sophie Elisabeth je 1000 Rthlr. 1) Anna Wrangel führte einen Flug auf dein Helm, dessen einer silberner Flügel mit einer schwarzen Mauer und dessen an- derer schwarzer Flügel mit einer silbernen Maaer belegt war. 10 auf Kenten vermacht hat, wovon die erstere bereits ihre 1000 Rthlr. empfangen, die letztere dagegen solche Summe mit verschiedenen Au fhellen hei anderen Personen nocli stehen hat. 95. Luise von Wrangel starb 76 Jahre alt den 10. April 1800 in Hyby, einem Predigergut. Sie testirte ihr Vermögen ihrer Schwestertochter Svanande und ihrer anderen leiblichen Schwester, Wittwe Pastorin Olivia Borup. (Inland. Zeitung 1800 Nr. 63, 69.) 96. Klaus Mekes auf Sack und Rappifer machte 1561 sein Testament. Gemahlin Magdalena Wrangel lebte 1574 als Wittwe. Sie betheiligte sich bei der Belagerung von Reval im Kriege Russlands mit Polen. Ihre Tochter Anna Mekes war vermählt mit Paul Scharenberge auf Sauss. (Fam. Scharenberge; von Toll Briefl. I Nr. 1505.) 97. Margarethe von Wrangel aus dem Hause Addinal war mit Johann Anrep zu Soor vermählt. 98. Margarethe Wrangel, verstorben vor 1663, war mit dem Major Jacob Mack Douwall vermählt. Derselbe hatte am 28. März 1664 einen Prozess mit Reinhold von Wrangel (Tab. IX 1) wegen eines Gesindes Rootzipeh und der Mühle Owandes. (Arcli. Oberlandgericht Reval.) 99. Marie Eleonore von Wrangel, geboren 1717, verstorben 1752; sie war vermählt mit dem Kaplan in Sibbo, Johann Talquist (geboren 1715, verstorben 1780), in dessen erster Ehe. (Arkiander.) 100. Maya von Wrangel, vermählt an einen von Gilsa, erhielt bei Gelegenheit des Verkaufes des Hofes zu Wascliel von Gerd Dönliof an Simon Lode im Jahre 1557 eine jährliche Pension ausgesetzt. 101. Märta Marie von Wrangel starb 76 Jahr alt 1762 in Lund als Wittwe des Probstes Agrell. 102. Marie von Wrangel aus Livland vermählte sich mit Henning von Glasenapp (Sohn Hennings junior, Domherrn zu Cammin). Wegen seiner Hastigkeit „Griesler", auch „Grisiler" genannt. Er lebte 1377, war dänischer Admiral, später um 1400 auf Wurchow, Gramenz, Naseband, Coprieben, Bärwalde. Für seinen Herzog Bogislaw VIII. kämpfte er gegen den aufsetzigen Bischof und unterwarf respec- tive verwüstete die Gegend bei Cörlin. Im Jahre 1410 war er als herzoglicher Rath im Gefolge des Herzogs Bogislaw VHI. im polnischen Lager vor der Feste Marienburg; 1423 bewirthete er den König Erich von Dänemark in Neustettin, avo die Herzöge von Pommern, auch der Hochmeister (Heermeister) von Livland anwesend waren und ein Biindniss hauptsächlich gegen den Markgrafen wegen seiner Gelüste auf die Neumark abschlössen. Er ist etwa 1432 gestorben. 103. Petronella Wrangel starb 60 Jahr alt am 18. April 1789 in Lund, Wittwe des verstorbenen Pastors Bacher (introducirt 1787 unter Nr. 41). 104. Sophie Helene Wrangel zeigte am 12. Januar 16S0 von Reval aus den Tod ihres Eheherrn Georg Johann von Berg, erbgesessen auf Luist und Steinhausen, an, der durch einen tödtlichen Schuss seiner Feinde in einem Treffen auf dem Marsch getroffen worden war. Er war schwedischer Major zu Pferde; begraben wurde er den 18. Februar 1680 im Dom zu Reval. (von Toll, Urk. zu Farn .-Nachr.) 105. Eine geborene von Wrangel vermählte sich mit Heinrich Ernst Joachim von Klinkowström (aus einem nicht introducirten Geschlecht). Er starb 1765. (Hopf etc.) 106. Eine von Wrangel vermählte sich am 19. Februar 1711 mit Magnus Wilhelm von Nieroth. Endlich muss hier eines besonderen Zweiges Erwähnung geschehen, welcher noch heutigen Tages in Russland blüht, der Wrangel von Huebenthal. Was die Abstammung dieses Zweiges anbetrifft, so ist eine solche in der Heroldie des I. Senats in St. Petersburg nicht ersichtlich, wiewohl der Familie im Jahre 1854 bei Gelegenheit der Adelst Anerkennung Erwähnung geschieht. Auf Grund der Personalien des nachfolgenden Carl Wrangel von Huebenthal wurden Recherchen über dessen Herkunft in den Universitäts-Acten zu Göttingen und Marburg angestellt, welche indessen ganz resultatlos blieben; dasselbe Schicksal hatte die Nachforschung über die Herstammung dieses Zweiges in Hessen-Kassel. Wir müssen daher die weiteren Untersuchungen über die Vereinigung der Wrangel mit Huebenthal anheimgeben, und dieses umsomehr, als auch im Adelsarchiv zu Wien nichts hierüber aufzufinden war. Folgen wir einer Legende in der Familie Wrangel, so sollen die Wrangel von Huebenthal erst seit dem Feldzuge Napoleons I. nach Russland 1812 aufgetaucht sein und zwar soll ein russischer Offizier (General?) von Wrangel in einer Schlacht (wahrscheinlich Borodino) schwer verwundet und von einem Feldscheer gepflegt worden sein, welcher, nachdem dieser Wrangel seinen Wunden erlegen, die Papiere, Legitimationen u. s. w. des Verstorbenen an sich genommen habe und bald darauf als Wrangel mit dem Zunamen „von Huebenthal" aufgetreten sei. Wiewohl an der Richtigkeit dieser Erzählung gezweifelt wird, haben wir sie dennoch liier mitgetheilt — sie führt vielleicht auf die Spur zur Ermittelung der Abstammung. Auch der Autor kann dieser Erzählung nicht beistimmen, denn augenscheinlich deutet das Wappen auf eine wirkliche Adelserhebung, die von irgend einem demselben unbekannten Fürsten erfolgt ist. Bei Borodino fiel, nach der Ehrentafel im Rittersaale der esthländischen Ritterschaft in Reval zu urtheilen, nur der Stabs-Kapitän Otto Friedrich von Wrangel (Tabelle XI 95). Wir beginnen mit dem aus diesem Zweige ältest bekannt gewordenen 107. Carl (Johannson) Wrangel. Derselbe, aus Kassel gebürtig, war Doctor der Medizin der Universitäten Göttingen und Marburg, wurde im Jahre 1810 oder 1811 vom Grafen Kisseleff für die Stelle eines Haupt-Divisions-Arztes nach Russland eingeladen. Als bedeutender Arzt war er berühmt und gekannt von den Gliedern der Kaiserlichen Familie, von denen er viele Auszeichnungen empfing. Später wurde er Präses der Medizinal-Verwaltung in Odessa und Witebsk und Mitglied vieler gelehrten Vereine. Im Jahre 1854 wurde ihm und seinem Sohne Carl das Adelsattest unter seinem Beinamen „von Huebenthal" ertheilt und führte er auch als „Wrängel von Huebenthal" ein besonderes Wappen. Er verstarb 1858 in der Stadt Witebsk und war zweimal verheirathet: a) mit der Gutsbesitzerin Nassiekin und b) mit der Gutsbesitzerin Anna Jurjewitsch. Aus der ersten Ehe waren Woldemar (107 a) und Constantin (107b), aus der zweiten Ehe die Söhne Carl Peter (107 c) und Alexis Stanislaus (107 d). 107a. Woldemar Wrangel von Huebenthal, Sohn von Carl Wrangel von Huebenthal (107), war Rittmeister und Adjutant bei den General-Gouverneuren Fürsten Galizin, Fürsten ürussoff und Grafen Ignatieff. Später war er Gutsbesitzer im Gouvernement Moliilew und verstarb 1884 zu St. Petersburg. Von seiner Ehegattin, der Gutsbesitzerin Marie Gerard, die 1886 noch lebt, hinterliess Woldemar Wrangel von Huebenthal einen Sohn 107e. Leonid Wrangel von Huebenthal, 1886 Gutsbesitzer und Ehrenfriedensrichter im Gouvernement Moliilew und verheirathet mit Linaida Chrapowitzki, die 1886 noch lebt und Gutsbesitzerin in diesem Gouvernement war. 107b. Constantin Wrangel von Huebenthal. lebt 1886 als verabschiedeter Garde- Lieutenant und Gutsbesitzer im Gouvernement Smolensk, verheirathet mit einer Gutsbesitzerin Tscheslawsky in dem Gouvernement Smolensk; sie leben 1886 in kinderloser Ehe. 107c. Carl Peter Wrangel von Huebenthal, Sohn von Carl Wrangel von Huebenthal (107), geboren den 9. September 1841 zu Witebsk in der Jelatzkischen Gemeinde und nach dem evangelischen Ritus am 6. Januar 1842 getauft. Seine Taufpathen waren Seine Durchlaucht Prinz Friedrich Wilhelm Alexander von Württemberg, Frau Gräfin Luise von der Borcli geborene Gräfin Syberg-Plater, der Gouvernements-Adels-Marschall Felix Cichonowetzki, die Staatsräthin Eleonore Dembinsky, General Reinhold Jeregross und der Adels - Marschall Furerin Bogomolitz. x ) Er verstarb 1865 unverheirathet. 107d. Alexis Stanislaus Wrangel von Huebenthal, Sohn von Carl Wrangel von Huebenthal (107), lebt 1886 als Titular-Rath, Friedensrichter, Präses des Friedensgerichts und Gutsbesitzer im Gouvernement Witebsk. Er war zweimal verheirathet: a) mit Adele Jurgewitsch, b) mit deren Schwester Emilie Jurgewitsch (lebt 1886). Aus der ersten Ehe ist die Tochter Leonida Anna (107f), lebt 1886. Aus der zweiten Ehe die Tochter Adele (107g), lebt 1886, und der Sohn 107h. Woldemar Constantin Wrangel von Huebenthal, lebt 1886. !) lleroldie, Alitlieilting des X. Senats in St. Petersburg. Tabelle II. (Bei von Toll Tab. A.) Die Familie von Wrangel ans dem dreizehnten, vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert his zur Theilnng in die zwanzig Linien. Wie wir bereits früher in Erwägung gezogen haben, kann 1. Tuki Wrang wohl mit zie ml icher Sicherheit als der Stammvater des Geschlechts von Wrangel angesehen werden. Derselbe lebte 1250, war in Esthland im Lande Harrien, in Saintakae undKaeris, Hemaeri, Mairusa, Nakael, Heukael, Lehol, Lemethos, Hiurenkylae angesessen und verblieb nach Erbauung der neuen Burg zu Reval als dänischer Hauptmann. Da indessen Eilardiis. welcher nach Urkunden „de Oberg" hiess und 1240 als Dominus, Vogt zu Beval, auftritt, 1275—1277 dänischer Kapitän (Hauptmann) und neben dieser Stellung noch Vogt zu Reval war, von vielen Schriftstellern als der Stammvater des Geschlechts „von Wrangel" genannt wird, so wollen auch wir ihn an dieser Stelle nicht mit Stillschweigen übergehen. Er besass 176 Haken in Harrien und Wirland, die sich zu Lopae, Paulis, Uvaran- galae (jetzt Wrangeishof), Kattala und Casinae befanden, also an Orten, die noch um 1500 im Besitz der Familie waren. Wir haben seiner und seines Bruders Robertus schon in der ersten Abtheilung Erwähnung gethan und sehen daher von der Wiederholung des dort bereits Gesagten ab. Von ihm sind uns drei Urkunden aus dem Jahre 1277 aufbewahrt. Ein Siegel von ihm, welches sich nebst den Urkunden im Archiv der Stadt Lübeck im Original befindet, haben wir in der Siegeltafel Nr. I aufgenommen. Er blieb am 5. März 1278 bei Ascheraden. Ueber seine directen Nachkommen hat uns die Geschichte nichts überliefert. 2. Heinrich de Wrangele, Wrangel. Er ist der erste seines rulimvollen Namens, von welchem uns die Geschichte berichtet hat. Zunächst tritt derselbe — auch Fr an gen, Wrangen genannt — im Jahre 1277 unter den sechs adligen Personen, welche Vasallen der Kirche zu Riga waren, als Zeuge auf, als sein Schwager, Johann de Lüne, vom Erzbiscliof Johannes von Riga mit drei Lehngütern in der Stadt Riga belehnt wurde. Er wird hier „Dominus Henricus de Wrangele" genannt. — Folgende Begebenheit aus dem Jahre 1278macht uns näher mit ihm bekannt: Nachdem Semgallen scheinbar beruhigt war, hatte sich Walter von Nortekke krankheitshalber nach Marburg in den Convent begeben. Zu seinem Nachfolger ward Ernst von Rassberg Anfang 1273 gewählt. Schon vor dessen Ankunft war der Krieg mit den Litauern wieder ausgebrochen. Auf einem Streifzuge hatten sie nämlich einen ihrer Landsleute — Suxe —, der aus wahrer Ueberzeugung Christ geworden war und die Ritter auf ihren Kriegsfahrten begleitete, mit fünfzehn Genossen erschlagen. Diesen Frevel vergalten ihnen im Jahre 1273 die Ordensbrüder in einem mörderischen Kampfe an der Dubena, einem Nebenfluss der Düna. Zum Schutz des Landes nach dieser Seite hin baute der Ordensmeister gleich nach seiner Ankunft Dünaburg „wie mitten auf das Herz des Grossfürsten Treyden", und legte eine so treffliche Besatzung hinein, dass der Grossfürst, obgleich von russischer Hilfe und vier mächtigen „Bliden" unterstützt, nach vierwöchentlicher Belagerung wegen Missstimmung seines Volkes „mit grosser Pein für sein Leben" abziehen musste. Darauf entbot Ernst von Rassberg 1274 zu einem allgemeinen Zuge gegen Litauen den Statthalter Esthlands, Eilard von Oberg, in dessen Gefolge der stattliche Ritter Heinrich von Wrangel und „ein viel tugendhafter Held" Johann von Tiesenhusen, des Erz- bischofs Vasall, erschienen, und rückte mit Kuren und Semgallen bis Kerno bei Wilna tief in das litauische Land hinein. Auf der Heimkehr aber wurde das Heer, das die einzelnen anrückenden Haufen der Heiden zu vernichten zögerte, umzingelt und konnte trotz aller Tapferkeit den Sieg nicht erringen. Mit der Fahne in der Hand sank Tiesenhusen; Eilard und der Ordensmeister mit 71 Rittern, worunter auch Heinrich Wrangel war, wurden den 5. März 1278 bei Ascheraden erschlagen. Vielleicht sind Arnoldis (3) und Johann (4) seine Söhne. 3. Arnoldis wird in einer Urkunde vom 17. Februar 1314 mit seinem Sohne 5. Heinrich genannt. Nach derselben befindet sich Heinrich zu Maydel in der Umgebung des Ritters Johann von Reval, welcher den rigaischen Minoriten einen Platz in Reval schenkt, wobei Heinrich als Zeuge dient. 4. Johann de Wranghele, Wrangele rinden wir zunächst 1282 zweimal als Zeuge aufgeführt, und zwar das erste Mal in einer am 2. Juli zu Roskild ausgefertigten Urkunde, laut welcher König Erich von Dänemark, ! ) Livländische Reim-Chronik ans dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts, \Vers 8313 ff. Scriptores rerum Livonicarum. Riga und Leipzig 1853. Octav I. 004. Chronicum Livoniae Hermanni de "VVartberge 1378 p. 11. Scriptores rerum Prussicarum. Leipzig 1803 II. 4 ( J. Carl Cröger, Geschichte Livlands, Esthlands und Kurlands, 1807, St. Petersburg, p. 173. 79 in dessen Gefolge sich Johann befand, der Stadt Reval eine Schenkung machte, und das zweite Mal in einer Urkunde vom 8. September, worin der Fürst Wizlaw von Rügen der Kirche zu Riga das höchste Gericht in ihren rügenschen Gütern schenkt. Bndlich wird des Johann Wrangel noch einmal 1287 mit derselben Bezeichnung „Dominus", wie in den beiden vorstehenden Urkunden, in einer Urkunde Erwähnung gethan, worin Johann von Douay dem Ratlie zu Lübeck über seine Sendung nach Reval wegen eines an der Küste von Wirland gestrandeten Schiffes berichtet, dessen Waaren zum Theil geborgen seien. Hierin heisst es besonders „der Dominus Johannes de Wrangeil habe ihnen, nachdem er für das ihm Versprochene (an Bergelohn) sicher gestellt sei, ihre Güter wieder zugestellt". Nach der Ansicht des in Reval verstorbenen Archivars Russwurm, der diese Urkunde in seinem Nachlass mittheilt, war der Ritter Johann wahrscheinlich Herr auf dem Gute Wrangeishof (Dorf Warangalae). Der Ort der Strandung war die Küste bei Kundis. Näheres hierüber erfahren wir aus nachstehendem. Nach einmüthigem Bescliluss aller Ostseefahrer winden die Wisby, die Gesetze über Kauf und Verkauf gestrandeter Güter, welche durch den Bescliluss einer Genossenschaft mehrerer Städte festgesetzt worden waren, allen Ernstes in Erinnerung gebracht. Reval, welche Stadt hierzu die nächste Veranlassung gegeben hatte, aber den Bestimmungen Folge zu leisten sich weigerte, wurde eine einjährige Bedenkzeit gewährt und. wenn es sich alsdann nicht fügen würde, Ausschluss aus der Genossenschaft den 24. Juni 1287 gebieterisch angedroht. Dessenungeachtet wurde ein liibecksches Scldff, das an der Küste Wirlands gestrandet war, seiner Güter beraubt, woran sich Vasallen und Mönche aus Falkenas betheiligt haben sollen. Als Lübeck deshalb beim König Erich Menved Klage erhob, versprach derselbe aus Dankbarkeit dafür, dass die Stadt den Mördern seines Vaters die Aufnahme verweigert hatte, Genugthuung und Auslieferung der Waaren an die in Reval befindlichen Abgeordneten. In grosser Versammlung des Bischofs, der Landräthe und Vasallen, zu welcher auch Gesandte der livländischen Geistlichkeit und des Ordens erschienen, gelobte der Hauptmann Revals, der Wahrheit gemäss zu berichten und forderte auf, die Güter zu zeigen. Es erfolgte nichts; auch der Rath der Stadt Reval tliat weder auf mündliche, noch schriftliche Beschwerde irgend etwas, so dass sich die Gesandten über das „unrechtmässige und gottlose Verfahren" beklagten. Der Bericht einer Com- mission, die im Lande umherreiste, lautete: „dass die Estheii, wie ihre Herren, entwichen seien"; doch wolle man den Bescheid des Königs, dem die Sache vorgelegt sei, abwarten, und sei die von dem Statthalter erlassene Drohung in Abschrift hinzuzufügen, die also gelautet: „wenn euch durch Briefe und Bitten die Güter zurückerstattet werden, sollt ihr mir das Auge ausreissen!" Von allen lieferte nur Johann von Wrangel die von ihm geraubten Güter aus; die andern erklärten, sie hätten die Güter verthan und die Gesandten kehrten unverrichteter Sache zurück. Noch erging eine Vorladung durch den Hauptmann Moltke mit der Zusicherung, gegen die Frevler mit aller Strenge des geltenden Rechts zu verfahren, doch . auch hierauf erfolgte nichts.') Seine Söhne Woldemar (6) und Friedrich (7) von Wrangell (Wrangele, Wrangel) befanden sich 1318 unter denjenigen i) Carl Cröger, Geschichte Livlands, Esthlands und Kurlands, Th. I. p. 191. — so — esthnisclien Herren, welche vom König Erich von Dänemark zu Kolding ihre Besitz- tliümer in Esthland bestätigt erliielten und damit belehnt wimden.') Sie gehören 1306 zn denjenigen Vasallen in Esthland, welche dem König Erich der Dänen berichten müssen, dass sie seine Schlösser und Besitzungen dem Bischof Heinrich von Reval übergeben haben. G. Woldemar von Wrangele, Wrangeil. Er besass Wrangeishof und wird im Jahre 1307 als esthländischer Landrath in Litauen 2 ) genannt. Im Jahre 1306 gehört er zu denjenigen königlich dänischen Vasallen, welche den 26. März zusammentraten, um gute Gebräuche und Landesverordnungen zu berathen und zu beschliessen; liier wird er als ..Bitter-' bezeichnet. 3 ) Am 1. Mai 1307 waren den Oeseischen bei einem Tumulte in der Stadt Riga einige Personen getödtet worden, was zu ernsten Streitigkeiten zwischen dem Bischof (Jonrad von Oesel und der Stadt Riga Anlass zu geben schien. Einige Personen von Adel, unter ihnen auch Waldemar Wrangel(DominoWal, milite dicto de Wrangele), unternahmen es nun, als Vermittler Unterhandlungen anzubahnen, und als später ein Vergleich zu stände gekommen war, befand sich auch der miles Woldemarus de Wrangele unter den Zeugen. Im Jahre 1313 wird Woldemar von Wrangel unter denjenigen dänischen Vasallen erwähnt, welche in Gemeinschaft mit den Bischöfen von Reval und Oesel, dem Statthalter von Reval, den öselschen Vasallen und den revalschen Bürgern am 15. Mai den Deutschen Orden ermahnten, mit Riga Frieden zu scliliessen. Von Woldemar Wrangel wird uns noch folgendes erzählt: Während der Regierung des Meisters Borchard von Dreinleve hielten die Russen von Pleskow Gespräche mit den Domherren und Woldemar von Wrangel, dem Vogte von Kokenhusen, und anderen Beamten des Erzbischofs von Riga, zu denen der Meister, um sie erspriesslicher zu machen, einen gewissen Ordensbruder Heinrich sandte, welcher die russische Sprache verstand. Als aber alle beisammen waren und verhandelten, drangen einige Russen heimlich in die Herberge der Deutschen, assen und tranken daselbst und verstreuten anderes. Berauscht fingen sie an auf die Deutschen zu schimpfen und schlugen auf die Leute der Deutschen los. Es entstand eine Rauferei, wobei einige Russen getödtet wurden; der Lärm drang bis zu den bei der Verhandlung Beschäftigten, welche nach allen Richtungen auseinander flohen. ■ Als sich nun die Russen nicht rächen konnten, überfielen sie das Stift Dorpat. 4 ) 7. Friedrich de Wranghele, Wraiigell, Wrangele, Wrangel. Er wird vielfach bei wichtigen Verhandlungen erwähnt. So linden wir ihn dreimal als Abgeordneten auf dem Landtage zu Wesenberg und zwar in den Jahren 1306, 1321 und 1331. J) Bunge, Urk.-Bucli Bd. II p. 42 Register 708. -) Nacli Htipel, Nord. Miscell. :i ) Russwurm. Material. Das „W. von Vargelin„ hei lluift' hat schon Arnd JI 30 in „Wrangel" berichtigt. 4 ) Livl. Chronik Hermanns von Wartberge, von Ernst Streheke, p. 20. — 81 - Als im Jahre 1306 die rigaischen Bürger ihr verrätherisches Bündniss mit den Litauern, den Feinden des christlichen Glaubens, gegen den Orden, den Bischof Hermann zn Dorpat, die Vasallen desselben und die Bitter des Königs von Dänemark erneuert hatten, verbanden die sich so bedroht Fühlenden und schickten eine Gesandtschaft, der auch Fredericus de Wranghele angehörte und welche, ausser diesem noch aus dem Kaplan des Bischofs und den Eittern Johann de Tysenlmsen (Tiesenliausen) und Hehnoldus de Rosen bestand, nach Riga, mit der Drohung der Fehde, falls die Bürger von ihrem Unterfangen nicht, abständen. ') Am 30. September 1314 sehen wir unsern „Friedrich de Wrangele" unter den Schiedsrichtern in einem Grenzstreit zwischen dem Komtlmr Reimer von Weissenstein und dem Kloster zu Padis wegen Sayentake. Im .Jahre 1321 wird „herre Friedrich von Wrangel" unter den Mannen der esthnischen Ritterschaft erwähnt, welche am 9. Juni von Christian, König der Dänen, den Schutz ihrer Rechte zugesichert erhalten und gleichzeitig aufgefordert werden, innerhalb eines Jahres vor ihm zu erscheinen, um sich belehnen zu lassen. Als zu letzterem Zwecke eine aus obigen „Mannen" gebildete Gesandtschaft nach Kopenhagen geht, wird auch Friedrich bei derselben genannt. „Friedrich von Wranghele" war 1322 zugegen, als Evert, Abt zu Padis, beurkundet, dass die Aebtissin und der Convent des St. Michaeli-Klosters in Reval dem Kloster Padis einige Haken Land auf Wiederkauf verabfolgten. Den 13. December 1326 ist „Friedrich de Wrangele" Zeuge, als Ritter Helmold von Saglien (von Sacken) dem Kloster Padis ein Grundstück über- lässt, welches er von Johann von Lode zu Lehn gehabt, und einen Altar zu Seelenmessen dotirt. Am 15. September 1327 befand sich „miles Fridericus de Wrangeil" unter denjenigen Rittern Livlands, welche in Gemeinschaft mit den Prälaten von Reval den Deutschen Orden Avider die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen in Schutz nehmen. — Friedrich hatte dem Convent zu Padis mehrere Summen Geldes geliehen, welche letzterer aber nach und nach Avieder abträgt, so dass Friedrich 1331 bescheinigen konnte, dass ihm der Abt Eybert und der Convent zu Padis nichts mehr schuldig seien. 2 ) Endlich erschien im Jahre 1333 Friedrich von Wrangel nochmals vor dem Rathe zu Reval. 8 ) Er hatte zrvei Söhne: Hermann (9) und Eilard (10) und wahrscheinlich ist auch Dietrich (8) sein Sohn. 10. Eilard I. von Wrangell, Wranghele, Wrangele, Wranele, Sohn von Friedrich (7). Seinem Namen begegnen Avir in mehreren Urkunden, bei deren Abfassung er als Zeuge fungirte und aus Avelchen hervorgeht, dass er Ritter gewesen ist. So war er am 17. Mai 133S zugegen, als der Bischof von Dorpat und Vertreter des Ordensmeisters bescheinigten, dass zwischen den Gesandten a t oii Lübeck und Gothland mit den Nowgorodern eine „Sühne" stattgefunden habe. Ein zu gleicher Zeit zwischen den Landboten Lübecks und Gotlilands abgescldossener A ertrag, welcher auf Grund der im Jahr zuvor gepüogenen Unterhandlungen zu Stande gekommen 1) Bringe, TJrk.-B. Bd. 2, Reg. 714 p. 18; Rnsswiirra, Material. 2) Bringe, Urk.-B. Bd. 6 p. 42, TJrk. Reg. 880 a: Livländ. 0. A. Reg. Nr. 926. 3) ReTaler Denkelbucli 22; Russwnrm, Material. 11 war, trägt ebenfalls Eilards Zeugenunterschrift. Hier zeichnet er „Wranghele" und „Wranele". Ebenso bezeugt Ritter Eilardus vou Wrangele mit einigen Knappen am 4. März 1341 zu Reval, dass seitens der dorpatschen Rathmänner und Bürger versprochen worden sei, in deren Streite mit Christianus von Sclierenbeke solle von dato an bis Johannis ein Stillstand herrschen. Im Jahre 1374 finden wir Eilard von Wrangele als Stiftsvogt zu Dorpat in der Urkunde vom 30. Juni, in welcher die Abgeordneten der Städte im Namen des ganzen Landes und der Städte Livlands und Esthlands dahin übereinkommen, dass niemand scldechtes Geld in dieses Land bringen solle u. s. w. Am 3. März 1376 ist Eilard Wrangele (hier Gylard genannt) als Zeuge zu dem Vergleich zugezogen, den der Bischof Heinrich zu Dorpat mit den Brüdern Hermann und Otto UexktUl wegen Wiederverleihung ihrer Güter im Stift Dorpat abschliesst. 17. Eilardus II. yoii Wrangele, Sohn von Eilardus I. (10). Er war Vasall des Stiftes Dorpat. In dem Testament des Bartholomäus von Tisenhusen, Ritters des Stiftes Riga und Dorpat, vom 6. Mai 1307 ist er als Zeuge genannt; ebenso am 6. April 1397 in einem Testament, das zu Gunsten der Gebrüder Wolmar I., Berthold und Henneke Wrangel (Tab. II 12, 13, 14) ausgefertigt wurde. Mit seiner Gemahlin Kerstine hatte er einen Sohn 25. Eilardus III. von Wrangel. Derselbe verkaufte den 16. October 1425 dem Dietrich Uexküll und seinen Erben folgende Besitzungen, die letzterer vom Ordensmeister in Livland, Cisse von Rutenberg, verleimt erhält; nämlich: Hof und Mühle zu Oy eil mit 25 Haken, das Dorf Paykul mit 40 Haken, das Dorf Malle (Malla) mit 17 Haken, sämmtlich im Kirchspiel Maholm, ferner das Dorf Zellyel (Selligel) mit 44 Haken, die halbe Mündung zu Rüdiger (Rüdig) und die Gegend am Strande (nämlich: Ledegemze und Tholis im Kirchspiel Halliel), mit dem Rechte der Ritter und Knechte in Harrien und Wirland. Im Jahre 1430 verkauft ferner Eilard an Heinrich Krüdner das Dorf Kitschejärwe (Kitschijerwe) mit 9V 2 Haken, sammt der Mühlenstätte von zwei Haken für S50 neue Mark rigisch, jede Mark von sieben Lotli guten reinen Silbers. Endlich verkaufte er 1447 mit Einwilligung seiner Brüder und seiner Mutter an Gerdt Dahlen das Dorf Megel für 500 alte Mark rigisch. 18. Heinrich II. von Wrangel, Bischof zu Dorpat (1400—1405). Wenn wir auch seine Eltern nicht mit Bestimmtheit namhaft machen können, so haben wir doch Abstand genommen ihn in der Tabelle I, welche uns mit denjenigen Familienmitgliedern bekannt macht, deren genealogischer Zusammenhang in den Stammtafeln nicht nachzuweisen war, aufzuführen. Wir glauben vielmehr, dass wir ihn hier ohne Bedenken einreihen dürfen, da seine Zeitgenossen und sein Geburtsort vermuthen lassen, dass wir in ihm einen Sohn von Eilard I. (10) vor uns haben. 4 — 83 — Heinrich war im Stift Dorpat geboren, war Ritter, dann Domherr der Kirche zu üorpat. Am 2. Juli 1400 nahm er nach Vereinbarung mit dem alten Bischof, dem Kapitel, der Ritterschaft und der Stadt Dorpat die Wahl zum Bischof von Dorpat an, nachdem er sich zuvor der Beistimmung des Ordensmeisters Wennemar von Bruggenaye versichert hatte. Die apostolische Bestätigung soll nachgesucht werden, und wenn sie erlangt, will der alte Bischof die Mannen seines Stifts von dem ihm geleisteten Eide entbinden.') Ueber ihn berichtet der Ordensmeister in Livland, Conrad von Vietinghoff, an den Hochmeister am 17. Juli 1400,-') dass der bisherige Bischof von Dorpat, Dietrich Dammerau, dem Ritter Heinrich Wrangel, der Domherr von Dorpat gewesen sei, am 2. Juli das Bisthum bereits übergeben habe, 3 ) und dass Heinrich auf Verlangen des Kapitels, der Ritterschaft und der Stadt Dörpt (Dorpat) dasselbe auch anzunehmen bereit sei. — Am Schluss des Briefes heisst es: „Der Ritter Heinrich Wrangel ist ein wohl befreundeter Mann und Ritter, im Stifte Dorpat geboren, und seine Vorfahren haben stets mit unserm Orden Frieden gehalten- — u. s. w. Er hat regiert als „Heinrich III." vom 2. Juli 1400 bis 1405. Am 5. Juli 1405 schliesst er zu Riga noch eine Vereinbarung mit seinem Amtsvorgänger, dem alten eme- ritirten Bischof Dietrich, wegen jährlichen Abtrags, wobei er sich selbst „Wy Hinrk de Wrangele" unterschreibt. Den 15. Februar 1409 urkundet „Marinus Episcopus Aprutensis" (Bischof von Teramo), dass er vom Papst Gregor XII. den Auftrag erhalten, die zwischen dem Bischof Henricus von Dorpat und Johannes de Brakel, Vasall der genannten Kirche, wegen einiger Güter ausgebrochenen Streitigkeiten zu untersuchen. 4 ) Dem Bisthum Dorpat war das Münzrecht verliehen; der Bischof Heinrich von Wrangel hat daher auch eine Münze von Silber schlagen lassen, welche auf der Tafel der Denkmünzen unter Nr. 9 aufgenommen worden ist. Bemerkt sei noch, dass uns von dem Bischof Heinrich nur ein einziges Siegel an einer Urkunde vom Jahre 1403 erhalten geblieben ist, welche früher im Archiv des Bistimms Dorpat aufbewahrt war, sich jetzt aber im Archiv der Alterthums-Ge Seilschaft in Riga befindet. 8. Dietrich (Tile) von Wrangel, Wrangele, Vranghele. Wahrscheinlich ist er der Sohn von Friedrich (7). Er war Ritter und dänischer Reichsrath in Harrien und Wirland. 1346 finden wir ihn in Reval, wo er zu der Com- mission gehörte, die eine das Schuldenwesen betreffende Uebereinkunft herbeiführen sollte. ') Mit Margarethe Stanzechen, die 1390 noch lebte, hatte er einen Sohn: Vickone I. (11). Ob noch mehr Kinder da waren, ist nicht bekannt. J ) Bunge, TIrk.-B. IV Nr. 1507. •2) Livländisclie, Esthländische und Kurländisclie Uik.-B. von Bunge. 3) Bunge, Ulk. Nr. 1507 ad dat. 17. Juli 1400; Decbr. 1400; 5. Juni 1403; Gadebusch, Bd. III p. 5 und B. 14 p. IUI : S. N. N. Mise. XVII, 128. 129. 11 Chronologie der Ordensmeister über Livland. Bischöfe von lliga, Dorpat, Eeval etc. von Dr. Schwarte p. 353 u. 354. ö) Leurnen, Livland. Scli. 11* ----- 84 11. Vickone I. von Wrangel, Sohn von Dietrich (Tile) (8). Wir begegnen ihm zuerst im Jahre 1359 als Beisitzer in zwei Gerichtssitzungen und zwar am 11. September, als die Brüder Scherenbeke vor dem Generalmeister von Preussen zu Beval dem Hospital „Zum heiligen Geist" zwei Dörfer schenken, und am 14. September, als diese Schenkung vor dem Komthur von Beval Theodoricus de Warmsdorp nochmals urkundlich bestätigt wird. Das erste Mal finden wir Vickone als Lärmiger" (Waffenträger, Bitter) verzeichnet, während er in dem zweiten Dokument als „Knappe Vycko von Wrangel" aufgeführt ist. Den 3. April 1368 unterzeichnet Vicke Wr angele als Zeuge die Urkunde, worin Arnold von Herike, Komthur zu Fellin, einen Grenzstreit um Lealle zwischen den Landleuten schlichtet. Am 6. Januar 1382 finden wir Vicke von Wranghele als Vermittler in einem Erbschaftsstreit des Bitters Piesenhausen mit seinem Bruderssohn. Am 15. November 1383 setzt der „Vasall der öselschen Kirche Vicko Wranghel" mit mehreren anderen Vasallen über den Ueberfall des Schlosses zu Hapsal durch Dietrich Ixcul (Uexkiill) folgende Urkunde auf: „Propst Hermann, Vicedekan Johannes Lovenborch, Domherren: Gottfried Messepal, Jacob Hapesellis, Johannes Gracianich und Heinrich Bernstert, sowie das Kapitel: Bitter Nicolaus Udenculle, Gebrüder (laus und Johann Wytten, Evert Heckel (anders genannt Paschedach [Ostertag]), Vicko Wrangel, Bartholomäus Vellyn, Johann Tyttevere, Henneke Bütter, Gerhard Tuve, Tyle Palle, Arnold Udenculle, Kersten Cusleve, Heinrich Tystevere und Henneke Lennow, Vasallen der öselschen Kirche, thun kund: Nach dem Tode des Bischofs Heinrich von Oesel hatten sich in der öselschen Kirche viele Streitigkeiten zwischen den Domherren, den Vasallen und Auswärtigen entsponnen, so dass die Domherren ihres Schlosses und ihrer Höfe, ihrer Bücher und aller Sachen beraubt, auch einige von ihnen gefangen genommen wurden, was viele Uebelstände zur Folge hatte. Als endlich die Domherren und Vasallen einsahen, dass Massregeln ergriffen werden nmssten, damit nicht die ganze Diöcese zu Grunde gerichtet würde, wandten sie sich au den Erzbischof von Biga mit der Bitte, er möge den Meister ersuchen, der öselschen Kirche den Frieden wiederzugeben. Der Meister kam auch auf des Erzbischofs Bitte mit seinen Gebietigern, ohne Mühe und Kosten zu scheuen, nach Wolmar, vernahm dort mit Thränen viele Supplicationen des rigaischen, dorpatschen und öselschen Kapitels und der dortigen Vasallen und bescliloss mit dem Erzbischof, unter Zustimmung aller gedachten Parteien, den Frieden in der Weise herzustellen und zu bannen, dass keiner den andern beleidigen, in die öselsclie Diöcese einfallen, dort rauben oder brennen, noch die Burgen angreifen solle, bei Verlust seines Lebens und seiner Güter, bis der von dem Papst ernannte wahre Bischof angelangt sei. Diesem Banne stimmten die Obgenannten, insbesondere Johann Scherenbeke, für sich und die Seinigen ausdrücklich bei und statteten dem Erzbischof wie dem Meister freudig ihren Dank dafür ab. Nachdem nun die Söldlinge (Stipendiarii) bezalilt und entlassen waren, erschien auf einmal Dietrich Ixcul in eigener Person und im Namen Johann Scherenbekes mit seinen Helfershelfern, Herumtreibern (vagis) und Fremden (extraneis); sie erstiegen, zuwider dem Banne, welchem Ixcul wie Scherenbeke beigestimmt hatte, ohne vorher die Fehde angesagt zu haben (indiffidanter), heimlich zur Nachtzeit auf Leitern das Schloss Hapsal, wo die Kathedrale belegen ist, ermordeten dort mehrere G-eistliclie und Laien, andere nahmen sie gefangen, verstümmelten und verwundeten einige, beraubten die Kirche und die Bibliothek (armarium) und verbrannten das ganze grössere Schloss und alle Höfe der Domherren. Demnach wandten sich die eingangs genannten Aussteller dieser Urkunde wieder durch besondere Sendboten an den Erzbischof und den Meister, Hessen ihnen obgedachte Schandthaten und dass die öselsche Kirche während des Bannes so beschädigt worden, vortragen und baten um Hilfe. Der Meister versprach auch, sofox-t gegen die Herumtreiber und Kirchenräuber nach Kräften einzuschreiten, um die Rechte und Besitzungen der Kirche zu erhalten; der Erzbischof dagegen schwieg dazu still (dissimulavit), so dass, wenn der Meister sich nicht ins Mittel gelegt hätte, die ganze Diöcese zu Grunde gerichtet worden wäre." - Schliesslich ratificiren auch die Vasallen Henneke Mekes, Rodger von Bre uns (von Bremen) und Nicolaus Ixcul vorstehende Urkunde durch ihre Mituntersiegelung. 1 ) Am 24. Juli 1390 stiftet „Vicke Wrangel, Tiles Sohn", mit Wissen und Genehmigung seiner Mutter geborene Stanzechen und seiner Hausfrau Elisa den Schwestern in der St. Wenzelkirche des Mertelers zu Reval eine gewisse Rente von 150 Mark rigisch. 19. Vickone II. von Wrangele, Wrangliel, Sohn von Vicko I. (11). Demselben wird 1390 durch den wesenbergschen Rath bezeugt, dass seine Hausfrau, die 1405 „Margarethe" genannt wird, und die Frauen des Stotker und des Hans Engelken Schwestern sind. 2 ) Am 8. Mai 1407 ist Vicke von Wrangel Vermittler, als Klaws von dem Kele und Tuve Bremen mit Zustimmung ihrer rechten Erben dem Roetghere van Bremen und dessen rechten Erben den Hof zu Packer u. s. w. zu Reval überlassen. 3 ) 26. Vrederik (Friedrich) von Wrangliel, Sohn von Vickone II. (19); er lebte 1420. 9. Hermann von Wrangel, Wranghele, Sohn von Friedlich (7), ist am 17. August 1342 Zeuge, als der Erzbischof von Riga, Engelbrecht, den Söhnen des exconimunicirten Ritters Johann von Piesenhausen ihre Lehnsrechte restituirt. Er war ziw Zeit „bacalaiio" beider Rechte. Als am 26. Juli 1367 die Brüder Otto und Henneke Lode mit ihrem Vetter einen Erbvergleich aufrichteten, befindet er sicli unter den Zeugen. Er hatte vier Söhne: Wolmar I. (12), Berthold (13), Henneke (14), Hans (16) und eine Tochter Margarethe (15) aus dem Hause Jesse, die sich 1361 mit Oduart von Lode, General in Esthland, Generalrichter bei dem Regierungsantritt des Hochmeisters Wilhelm von Vrymersheim (1361), Erbherrn auf Pödderas, Iren, Kointull und Poll, vermählte. 4 ) 1) Leuiuern, Li vi. Schaubühne Tli. II p. 135: Gadebusch, Bd. III p. 251. 2) Bunge, TJrk. Livlands und Estlilands, Bd. 6 p. 335, Nr. 2961. 3) Bunge, Bd. II p. 208, Nr. 114. 4 ) Gesch. Familie Lode. 14. Henneke I. von Wrangel, 8olin von Hermann (9), war 1397 Besitzer von Hof Oegel und hatte einen Sohn 23. Henneke IL von Wrangele. Derselbe gründete am 24. Mai 1399 zu Oegel in Reval für die Familie von Wrangel eine unter seiner Lehnshoheit stehende Vicarie, und zwar derartig, dass er dem Rath zu Reval 200 Mark rigisch übergab, die der Rath pünktlich entrichten musste. 16. Hans von Wrangel, Wranghell, Sohn von Hermann (9), besass 1406 Oegel, 1 ) war 1397 Vogt und verkaufte am 15. Juni 1406 Dorf Pödderas mit 35 Haken, Hof Jesse mit 10 Haken, wüste Mark Tammispae mit 3 Haken an Berthold von Wrangel (13). 2 ) Den 15. Juli 1397 wohnte er als Knecht oder Lehnsmann der dorpatschen Kirche dem Friedensschlüsse zu Danzig bei. 3 ) Am 25. März 1406 finden wir ihn als Assessor bei der Manngerichtssitzung, in welcher der Vogt zu Wesenberg, Hartmann Ulnes, bekennt, dass er dem Hermann Riesebiter das halbe Dorf zu Annickfer aufgetragen und aufgelassen hat. 4 ) 24. Bartholomäus von Wrangel, Sohn von Hans (16), besass 1418 Lassenorm und stellte in demselben Jahre dem Woldemar Reval, welcher ihm Gelder geliehen hatte, eine Pfandverschreibung über eine Quantität Getreide aus genanntem Dorfe aus. Am 27. August 1442 empfängt er die dem Vogt von Wesenberg von Hans Sorsever verpfändeten Güter Sontagk, Oli und Collover etc., gegen üebernahme der Schuld des letzteren. — Die Frau des Bartholomäus hatte dem Hans Sorsever 20 Mark feinlöthigen Silbers dörptschen Gewichts in gutem neuen Geschmeide gegeben. Letzterer bekennt dies am 6. Juli 1439 und bestimmt als Pfand bis zur Rückzahlung Merikull im Kirchspiel Maliolm. Bartholomäus schuldete dem Laurens Bolte- mann 137 alte Mark rigisch und gab dafür den 28. Juli 1443 sechs Haken Land mit sechs Gesinden aus dem Dorfe zu Lassenorm, im Kirchspiel Katkull, als Pfand. Sein Sohn war 34. Johann von Wrangel. Er bot dem Wilhelm Gerdeshagen sein Gut Lassenorm zum Kauf an. Die. Verhandlungen scheinen sich indess in die Länge gezogen zu haben, da Johann, der in Geldverlegenheit ist, sich 50 alte Mark rigisch borgt, über welche er am 11. August 1450 eine Obligation ausstellt. Später bei dem Kauf des Gutes und Hofes soll dieser Betrag in Anrechnung gebracht werden. 13. Berthold von Wrangel, Sohn von Hermann (9). Berthold kaufte sich 1406 Pödderas und Jesse von Hans von Wrangel (16) und ward den 14. Juni hiermit belehnt. Wir finden ihn 1397 auf i) Bunge B. 4 p. 83 Reg. 2018. '-*) von Toll, Brief!. 1 Nr. 100. 3) von Toll, Briefl. I p. 119 Nr. 171. 4 ) von Toll. Briefl. 1 p. 180. dem Hofe Oegel, 1402 besass er noch Hof zu W ran gel in Wirland, Kandel und Karoll, Seiligel, Paskol, Viol, Tatters; letztere Orte mit seinem Bruder Wo 1 mar I. (12) gemeinschaftlich. 1416 wurde Berthold vom Ordensmeister in Livland, Conrad von Vitinghof, mit dem Hofe Jesse belehnt. Mit seiner Ehefrau Elisabeth hatte er drei Söhne: Jürgen (20), Johann (21) und Otto (22). Es wird ihrer noch 1422 und 1439 als Wittwe Erwähnung gethan. 21. 22. Johann von Wrangel und Otto von Wränget, Söhne von Berthold (13), lebten 1424. 20. Jürgen von Wrangel, Solm des Berthold (13), verkaufte 1424 an Fromhold Bode mit Zustimmung seiner Mutter und seiner Brüder das Dorf Lechtempe mit der Mühle und fünf Haken Land, das Dorf Hymotenkyla mit drei Haken Land, Dorf Eddifer mit fünf Haken und Dorf Somovere mit drei Haken Land im Kirchspiel Jeve und überlässt diese Güter am 19. December vor dem Vogt zu Wesenberg dem Käufer. Im Jahre 1452 kaufte Jürgen von Gertrud von Kuristall, Heinrich Tuves (Taube) Hausfrau, deren Antheil im Dorfe Poderis (Pödderas), zehn Gesinde mit elf Haken Land im Kirchspiel Halliel. Diese Güter wurden ihm am 29. Juni vor dem Vogt von Wesenberg und dem wischen Manngericht gerichtlich übertragen. Er betheiligte sich 1435 als livländischer Ordensvasall an den Kämpfen in Litauen. Bei einem dieser Kämpfe wurden auch viele Gebietiger, Ritter und Knechte des Ordens von den Polen theils gefangen, theils erschlagen. Unter den Gefangenen finden wir auch Jürgen von Wrangel. Den 12. Juni 1447 ist Jürgen Zeuge einer Schuldverschreibung des Godeke Bremen. Demnächst beschuldigte Jürgen den Hans Mekes von Kavelwegen 16 Last Korn und „Schuld-Stöcken", was beides den Bauern gehöre, er hoffe, Hans Mekes werde ihm solch Korn und Stöcke wieder überantworten und handreichen. Hiermit wurde Jürgen jedoch abgewiesen, da sich Hans Mekes erboten hatte, dem Recht genug thun zu wollen. Jürgen hatte mit seiner Ehefrau fünf Söhne: Wolmar (27), Hans (28), Yicke (30), Dietrich (31) und Otto (32), sowie zwei Töchter: Maya (29), die mit Claus von Kuddelin, Herrn auf Kersell, 1523 vermählt war. Margarethe (33) war verheiratliet an Jacob von Deken, in dessen zweiter Ehe. Sein Sohn gleichen Namens vermählte sich mit Gertrud von Wrangel (nA 11). Tin Jahre 1462 nahm Jacob Deken mit seinen drei Söhnen aus erster Ehe einen Erbtheilungs-Vertrag auf, in welchem dieselben die meisten Güter erhielten. Er behält sich mit seiner Ehefrau: Neuenhof zum Neuenhofe mit der Mühle daselbst und den Dörfern Kurinoia mit sechs besetzten Gesinden und einem Halbhäkner, sowie Karoll, Siegenurm, Kirrimeggi, Leve, Ka- naveer, Tordi, Kolo Sandel, Harol, Tono, Idenpere, welche Güter Margarethe nach seinem Tode quitt und frei besitzen soll. 27. Wolmar von Wrangel, Solin von Jürgen (20). Im Jahre 1468 verkaufte er sein Dorf War des mit 12 Gesinden und 20 Haken Land, das Dorf Nomines mit einem Gesinde und einem Haken Land, das Dorf Ullytz mit zwei Gesinden und einem Haken Land, im Kirchspiel Maholm, Otto von Wrangel (IIA 4) und tiherlässt demselben diese Güter am 29. Juni vor dem Vogt von Wesenberg. Ausser diesen Gütern hat er auch Malle besessen, wonach er sich meistens „Wolmar Wrangel von Mal - ' nennt. Als solchen finden wir ihn in einer Klagesache, die er 1492 wegen einer Rente von 300 Mark rigiscli gegen Claus Treiden hat, verzeichnet. Die Angelegenheit wird vom harrisch-wirischen Manngericht zu seinen Ungunsten dahin entschieden, dass er für die Rente ein genügend sicheres Pfand zu stellen habe. Wolmar scheint schon frühzeitig eine gesuchte Persönlichkeit gewesen zu sein; denn im Jahre 1466 ist er bereits Manngerichts-Beisitzer zu Reval und wird in späteren Jahren noch mehrmals als solcher erwähnt, so: 1477 und endlich am 5. März 1489, als das wirische Manngericht zu Reval über eine streitige Holzmark Rywoldt oder Rewolde der Stael von Holstein entscheidet. Bei dieser Gelegenheit nennt er sicli Wolmar Wrangel von Karewer nach dem inzwischen gekauften Karewer. 1 ) Im Jahre 1493 beschuldigte Bertold Brakel den Wolmar Wrangel von Korver (Karewer) um seine rückständige Summe von 62 Mark seiner „versessenen" Rente und hoffte, dass solchen Gelübdes halber er ihm zu zahlen verpflichtet sei. Wolmar bestritt indessen, dieses Gelübde geleistet zu haben, er verspricht aber in dieser Angelegenheit soviel zu thun, als einem „guten Manne" gebührt und wies ihn auf den Erben, als auf seinen Vetter Wolmar (LtA 33) an. Das Manngericht fällte am 30. Juli zu Reval sein Erkenntniss und bestimmte, dass „wenn Wolmar solches nicht thun wolle, er sein Geld den Priestern zu geben habe". 28. Hans von Wrangel, Sohn von Jürgen (20), besass 1465 den Hof zu Küemahe (Lyüemahe?). Da er 1494 ohne Nachkommen verstarb, so fiel am 6. Februar 1495 dieser Hof durch Erbschaft dem Reinhold von Tieseiihausen zu. 30. Yicke von Wrangel, Sohn von Jürgen (20), iiberliess am 19. März 1465 vor dem Gericht in Wirland den Brüdern Otto und Hans von Wrangel (32, 36) Güter, die jedoch nicht genannt sind. Arn 21. September 1469 erhält Vicke durch das Testament des Helmeit Riesebiter 900 Mark alten Pagiments oder die Renten davon legirt. Am 27. Juni 1482 befand sich Vicke unter den Versammelten „von wegen des Sticlites (Stiftes) Dörpte". 31. Dietrich von Wrangel, Sohn von Jürgen (20), lebte 1489. J ) Kerrafer im Kirchspiel Ampel. 89 — 32. Otto von Wrangel, Solm von Jürgen (20). Derselbe war 1463 bis 1471 Manngericlits-Assessor des harrisch- wirisclien Manngericlits. x ) Im Jalire 1466 hatte Otto einen Zwist wegen einer Holzmark bei dem Dorfe Pödderas, der durch den Rath zu seinen Gunsten entschieden ward. Anno 1474, am Tage Sylvestris des heiligen Papstes, vertauschte Heinrich Mekes, Sanders Sohn zu Karoll, an Otto die Holzung in dem kardiischen Walde für dessen Hof Onalja und Dorf Itfer. Am 17. September 1481 befand sich Otto von Wrangel aus Wirland unter den Gesandten, die der Bischof von Dorpat, Johannes Bertkow, nach Riga schickte, um zwischen der Stadt und dem Orden zu vermitteln. Dieselben gingen zuerst zu dem Heermeister nach Wolmar und trafen am Tage Lamberti in Riga ein, wo die Unterhandlungen begonnen wurden, welche jedoch vorläufig fruchtlos blieben. Erst nach dem am 20. De- cember 1483 erfolgten Tode des Erzbischofs Stephan Grube und der Absetzung des Meisters Bernd von der Borch, welcher am 18. November 1483 zu Wenden resigniren musste, kam es zu einer friedlichen Vereinbarung. -) Otto war mit Barbara von 'Piesenhausen, Tochter des Ritters Hellmuth von 'Piesenhausen, verheirathet, und hatte mit derselben vier Söhne: Hans (35), Moritz (36), 'Pönnies (37), Christoph (38). Nach seinem Tode verglichen sich diese am Sonnabend vor St. Jürgen (20. April) 1499 in einer Erbtheilung folgendermassen: Die Brüder Hans und Mauritius blieben bei demHofe Karoll, mit den Dörfern Karoll, Idelpalla und 'Prosten und dem von altersher dazu gehörigen Strandgut; ausserdem nahmen sie das Dorf Ochto mit der Mühle und das alentakensche Gut Waiwara und Repnick und behielten eine Schuld von 800 Mark ewiger Rente „zu unserer Vicarie zu Halliel - '. Die Brüder Christof- fer und 'Pönnies erhielten den Hof Itfer und die Dörfer Itfer, Poddas und Maydel mit der Mühle und die Holzmark in Kar oll. Gleichzeitig trafen Ottos Söhne die Vereinbarung, dass wenn einer von ihnen stürbe, sein Erbtheil an seine Brüder fallen sollte. ') Nach dem Tode ihrer Brüder Tönnies und Christoffer theilten 1506 die andern Brüder Hans Wrangel von Karoll und Mauritius Wrangel das väterliche Erbe unter sich dergestalt, dass Hans bei dem Hofe Karoll, Dorf Karoll, Dorf Idelpalla, Dorf Trösten mit dem Strandgut und Dorf Ochto mit der Mühle zu Ochto verblieb. Mauritius erhielt dagegen Itfer, die gesammte Hand an der Wildniss Karoll ward aber aufgehoben. 4 ) 3G. Moritz (Mauritius) von Wrangel, Sohn von Otto (32). Wie bereits erwähnt, fiel ihm nach dem Tode seiner Brüder Tönnies und Christoph Itfer zu. Auch besass er das halbe Dorf Kinn (Fynne), welches ihm, nachdem er es von Berthold von Wrangel (IIA 23) gekauft, am 29. September 1515 vom wirischen Manngericht angewiesen wurde. Um diese Zeit und zwar in den Jahren von 150S bis 1516') — bekleidete er selbst das Amt eines Mannrichters. Er 1) von Toll, Briefl. 1 p. 159 Nr. 248; p. 100 Nr-. 240; p. 163 Nr. 255: p. 181 Nr. 286; p. 164 Nr. 256. 2) Ser. Liv. II 775; von Ungern-Stemlierg Urk. 88 p. 157. 3 ) Itfer. Briefl.; von Toll. Briefl. I p. 311 Nr. 584. 4 ) Convölut Okerlandger.-Archiv Reval 278 Nr. 3. 12 — 90 — war 1550 bereits verstorben, was aus einer Verhandlung vor obigein Gericht vom 26. Mai hervorgeht. Moritz (Mauritius) wurde der Ahnherr des III. Hauptstammes und Stammvater des Hauses Jesse (Tab. IV). 37. Tönnies (Thomas) von Wrangel, Sohn von Otto (32), erhielt von Beinhold Ermess als Pfand für ein Darlehn von 500 Mark rigisch dessen in Wirland im Kirchspiel Katkull gelegenes Haus und Hof zu Koiell. Er starb vor 1506. 38. Christoph (Christofler) von Wrangel, Sohn von Otto (32), erhielt am 20. April 1499 bei der Theilung des väterlichen Nachlasses gemeinschaftlich mit seinem Bruder Tönnies (37) Itfer, Poddas, Maydel mit der Mühle und die Holzmark in Karoll. Er starb aber schon vor 1506, da sich in diesem Jahre seine Brüder Hans und Moritz in sein väterliches Erbe theüen. 35. Hans von Wrangel, Sohn von Otto (32), hatte, als er mit seinen Brüdern das väterliche Erbe theilte, Karoll. Idelpalla, Waiwara, Trösten, Bepnick, Ochto mit Strandgut zu seinem persönlichen Antheil bekommen und war nach Waiwara benannt. Auch 1506 behält er diese Landstrecken. Hans wurde bei Helmede gefangen und nach Russland gebracht, wo er — während viele andere in die Sklaverei abgeführt worden waren — im Thurme zu Kolom schmachtete. Von liier aus schrieb er im Jahre 1504 mit noch fünfzehn anderen Gefangenen, unter denen auch Otto von Lennep, Hans von dem Lewenwolde, ein Priester (Herr Daniel genannt) vom „grauen Kloster" zu Reval, Mychel Golthsmyth, Hans Walckmann, Hynryk Slasse etc. erwähnt werden, an die Schwarzenhäupter (die gemeinen Ritter, Gutemannen und Knechte im Dienste der Herren zu Livland) wegen ihrer Noth. Zwar nennen sich die Gefangenen nicht selbst Schwarzenhäupter, 2 ) doch ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie wenigstens zum Theil dieser Gesellschaft angehört haben. Vermählt war er mit Anna von Werden und hatte mit derselben zwei Söhne: Heinrich (39) und Hans (40). 39. Heinrich von Wrangel, Sohn von Hans (35), lebte 1498, 1546 und besass Tomel. In letzterem Jahre ist er Vormund der Wittwe und der Erben des verstorbenen Bartholomäi Patkuls im Bisthum Riga, als ihnen Kaiser Karl V. den Kauf und Verkauf von mehreren !) von Toll. Briefl. I p. 373 Nr. 698; Leclits Briefl.; von Toll, liege st en im Archiv zu Reval. -) Die „Schwarzenhäupter" waren eine hauptsächlich über Nordcleutschlancl verbreitete Gesellschaft, welche den heiligen Mauritius verehrte. Von Magdeburg, wo er ursprünglich seine Verehrung fand, mag sich dieselbe über den nördlichen Theil Deutschlands nach Schweden und Livland verbreitet haben. Die ältesten Statuen dieses Heiligen zeigten einen Negertypus und dies ist wohl der Grund gewesen, dass mehrere unter seinem Schutze zusammen getretene Verbindungen als Wappen einen Mohrenkopf mit weisser Binde wählten. (Beiträge zur Gesch. Esthlands, Kurlands und Livlands. Band 2 Heft 3 p. 377 ad 13 Wolmar.) 91 Gütern von Johann Massoven bestätigt. 1 ) Im Jahre 1536 ist er Zeuge im Dorpater Manngericht.'-) Er hatte einen Sohn 40 A. Wolmar von Wrangel. Derselbe besass Tomel, den Hof Loppe, Hof Meiris, welchen er wie auch Sontagk 1483 an den pernauschen Komthur Heidenrik von Wolgarden verkaufte. Auch ]iess er sich in diesem Jahre die Grenzen zwischen seinen und den von Brakeischen Besitzungen durch den Ordensmeister Bertich von der Borch festsetzen. :l ) "Wolmar kommt als Manngerichts-Assessor in verschiedenen Urkunden aus den Jahren 1477, 1481 und 1494 vor. In allen diesen Urkunden bezeichnet er sich zum > Unterschiede von den vielen in dieser Zeit vorkommenden Wolmar s anfänglich als Wrangel von Tomel, von 1490 ab als Wrangel von Loppe. Im Jahre 1494 wird, wie Ludwig Kriegel, Vogt von Wesenberg, bezeugt, die Urkunde ausgestellt, dass die Wittwe des Hans Yyffhusen dem Benedict Rosenau ein Erbe in Wesenberg verkauft. Aus diesem Schriftstück geht auch hervor, dass die Vormünder der Kinder von Vicke (Wolmar) Wrangel mit der genannten Wittwe Yyffhusen einen Prozess wegen eines der Kirche zn Wesenberg gegenüber gelegenen Hauses angestrengt hatten, welcher aber zu ihren Ungunsten entschieden wurde. 40. Hans von Wrangel, Sohn von Hans (35), besass Woidama, Repnick, Iteker, Aimel (1520). Am 17. De- cember 1498 verkaufte er in Gegenwart seines Bruders Heinrich (39) und mit Wissen und Willen seiner Ehefrau Ilsebe an Hans Soye seinen Hof Kudenorm im Dorpatschen und nahm das halbe Dorf Waiwara mit elf Haken Land und zwei Aeckern, welche der Herrschaft pfliclitig waren, und das Dorf Ihekess (Jekes) im Kirchspiel Nerün mit zwei Gesinden nebst allem Zubehör „erb- und eigenthümlich" mit Ausnahme von 100 Mark Renten, die er dem Herrn von Reuell (Reval) zu verzinsen hat, als Zahlung an. Wegen dieses Kaufes stand er späterhin mit Jacob Soye und dessen Brüdern, den Söhnen von Hans Soye, vor Gericht, da diese sich dadurch beeinträchtigt fühlten, dass ihnen 4000 Mark Renten, die ihnen diese Besitzungen brachten, verloren gingen. Nach dem Kaufbrief stand aber Hans von Wrangel für den Fall, dass die Nachkommen des Hans Soye auf diese Güter Anspruch machen und sich dieselben aneignen sollten, die Befugniss zu, sein Eigenthumrecht geltend zu machen. Das harrisch-wirische Manngericht erkannte ihm daher im Jahre 1528 die bestrittenen Dörfer und Ländereien zu. „Mittwoch in der Pfmgstwoche 1516"' entspann sich zwischen Hans und dem Ritter Simon auf dem Dom zu Reval ein Streit, wobei letzterer den Tod fand. Hans • erhielt daher das Geleit. 1 ) 1) Briefl. Rpsenbeck, Copie in Riga. 2) von Toll, Kuckers Archiv; von Toll, Briefl. 1 p. 599 Kr. 1075. 3) Geleitbuch-Archiv Stadt Reval. 4 ) Geleitbuch der Stadt Reval. 12* — 92 Anno 1517 gerieth Hans von Wrangel mit dem Jungfrauen-Kloster St. Gatharinen in Dorpat in Prozess. Es hatten nämlich die Vorfahren seines Schwiegervaters, Claus II. von Ungern-Sternberg, etwa um das Jahr 1400 baares Geld von diesem Kloster geliehen und dafür demselben einige Schenkungen zugesichert. Die Schuld hatte sich durch Zinsen bis auf 1400 Mark erhöht, und es drang das Kloster auf Berichtigung. Die Sache kam vor das Bischofsgericht in Dorpat und da Hans die Tochter von diesem Claus II. von Ungern-Sternberg zur Ehe hatte, wurde er am 21. März vom Gerichtzur Zahlung dieser Schuld verurtheilt. Hans hatte aus seiner Ehe mit Elisabeth (Ilsebe) von Ungern-Sternberg, mit der er schon 1512 vermählt war, drei Söhne: Hans (41), Moritz (42) und Vicke (44) und eine Tochter Maya (43), welche die Gemahlin Heinrichs von 'Piesenhausen in dessen zweiter Ehe ward. (Seine erste Ehefrau war Anna von 'Piesenhausen.) 41. Johann (Hans) von Wrangel, Sohn von Hans (40). Er erbte Woidama, die Hälfte von Waiwar und Kepnick und nannte sich vorzugsweise Johann Wrangel zu Wedemar (Woudemar, Woidama, Weidema, Weidemar, Wendema), Hansens Sohn von Karoll. 1 ) Am 27. Mai 1552 verkaufte Johann mit Wissen, Consens und „vulborth" seiner Hausfrau und „Erfflynges" (Erben) in einem Erbkauf dem Arend Asserye das halbe Dorf Waiwar mit zehn Haken Land, sein ganzes Dorf Repnick mit vier Haken Land und seinen Theil des Dorfes Olde Wayhör mit zwei Haken Land, alle Dörfer in Alentaken im Kirchspiel Narwa belegen, für 10 500 Mark rigisch, welche in drei Terminen zahlbar, und iibergiebt diese Güter, welche er 1540 zu Heimet am Tage Lucä zum Lehn empfangen hatte, dem Käufer am 25. Juni 1554 vor dem wirischen Manngericht. 2 ) Bei Gelegenheit der Güter-Reduction legte Johann 1586 der Commission Briefe über das Dorf Kechtel vor, worin ihm 1553 an 1000 Gulden rigisch gelehnt worden waren. :i ) Johann wird vielfach bei Deputationen und Gesandtschaften genannt. Donnerstag nach Lätare 1543 gehört Johann (Hans) zu den Verordneten des Adels, welche zum „gemeinen" Landtag zuWolmar deputirt wurden, auf welchem eine gemeine Verwilligung des Adels überall in ganz Livland beschlossen ward. Diese Verwilligung enthielt Bestimmungen zur Verhütung von „Unordnung, Gebrechen und Mängel". Zur wahren Urkunde und zu festem Bestände dieser ihrer „Ordnung und Beliebung" haben unterschrieben: drei Stiftsvögte, drei Abgeordnete aus dem Erzstift, Johann Wrangel aus Roy eil mit noch drei Räthen des Stifts, vier Abgeordnete der Ritterschaft aus dem Stifte Dorpat, sechs Abgeordnete der Ritterschaft aus dem Stifte. Ozell (Oesel), vier Abgeordnete der Ritterschaft aus Harrien, vier Abgeordnete aus Wirland, ein !) Briefl. Waiwara; Protokollbuch Beval. 2 ) Briefl. Waiwara; Waiwara oder Wrangelsliof. ;J ) Briefl. V 56, 60 Nr. 827; Mon. Liv. V. 625 Nr. 248 Titular-Buch, Kuckers, p. 36. — 93 — Abgeordneter aus Kurland, aclit Abgeordnete und Johann Wrangel von Wedeniar aus Jerwen mit etlichen andern Junkern und guten „Mannen" aus Jerwen, Kurland und aus allen Gebieten, aus den Lehnrechten in Kraft ihrer Vollmacht mit Unterdrückung ihrer angeborenen Insiegel. 4 ) Am 28. October 1550 sehen wir Johann bei einer Gesandtschaft, welche sich nach Pleskau zum Zaren begiebt. Derselbe war bei seiner Eroberungssucht auch auf die Kultivirung seines rohen Volkes bedacht und suchte von den Grenzen her Künstler, Gelehrte und tüchtige Kriegsleute nach dem Innern seines Reiches zu ziehen. Ja er sandte sogar einen Abgeordneten an Kaiser Karl V., damit ihm aus dessen Ländern dergleichen Leute zugeführt würden. Als nun der Zar auch aus Livland mehrere Personen für seine Zwecke hatte werben lassen, befürchteten die Livländer, dass diese Werbungen zu Kriegszwecken stattfinden möchten. Der Heermeister Brüggenaye berief daher, um die Kriegseventualität mit den Ständen zu berathen, zum 20. Juli 1548 einen Landtag nach Wolmar, wo sich auch der Bischof von Dorpat, Jobst II. von der Recke, einfand. Man beschloss hier nach langen Debatten, bei dem deutschen Kaiser den Widerruf der dem Abgeordneten des Zaren gegebenen kaiserlichen Erlaubniss, den Russen Gelehrte, Künstler und Handwerker zuführen zu dürfen, zu erbitten, zur Verlängerung des Friedens aber an den Zaren eine Gesandtschaft zu schicken, welche denn auch am 28. October 1550 mit Instructionen d. d. Fellin 24. April 1550 nach Pleskau abreiste. Sie bestand ausser Johann noch aus Otto Grathusen und Jürgen Piepenstock, dem Vogt zu Wenden, und sollte den von Brüggenaye 1535 geschlossenen Beifrieden zu verlängern suchen, wurde aber nach kurzer Unterhandlung, welche die provisorische Bewilligung noch eines Friedensjahres bis 1552 zur Folge hatte, zurückgeschickt. Das Weitere wurde bis auf Trium Regium des kommenden Jahres vertagt. 3 ) Als am 13. Januar 1552 der Meister des ritterlichen Deutschen Ordens in Livland. Heinrich von Galen, zu Reval die Privilegien aller Ritter und Knechte der Stadt Reval bestätigte, war Johann neben Heimet Anrep, Johannsen Fischer, Simon Grossmann (die beiden letzteren waren die Secretäre des Ordensmeisters) und vier besonders hierzu verordneten Commissarien als Zeuge zugegen. Bei dieser Gelegenheit leistete auch, nachdem man sich über die Eidesformel geeinigt, die Ritterschaft und die Stadt Reval in Gegenwart von Rudolph von Bensenrath, Komthur zu Reval, und obiger Commissarien dem Ordensmeister den Eid der Treue. 3 ) Am 12. September 1561 befindet er sich unter der Gesandtschaft, welche die livlän- dische Ritterschaft von Riga aus an den König Sigismund August von Polen schickt, um die Uebergabe Livlands an Polen zu Stande zu bringen und den Huldigungseid zu leisten. 4 ) Im Jahre 1550 pfändete Hans von dem Ordensmeister Wilhelm von Freymersen das Gut Aimel um 3500 Mark rigisch oder 1000 Albert-Thaler ein 5 ) und 1555 finden wir ihn als Rath des Ordensmeisters. 1) Protokollbucli der Stadt Reval p. 190; Ungedr. Urkunden Rittersch.-Archiv Reval. 2) Gesch. von der Recke. 8) Protokollbucli der Stadt Reval p. 314, 469; Ungedr. Urkunden Estiii. Ritterseh.-Arcliiv. 4 ) Riga, Livland. Rittersch.-Arcliiv, mit zwölf Siegeln, darunter auch das des Joli. Vi ran gel von Woid: Original; Index II Bienemann. • r >) Kiliane p. 441; Gadebusch Bd. 3 p. 342. 94 — Infolge Verleumdungen war Johann (Hans) Wrangel von Woidama 1559 in den Verdacht gerathen, den Bauer Hans Meks zur Auskuudschaftung und zum Verratli der W ieck gedungen zu haben. Die Sache ward untersucht und am 31. Mai zu Hapsall durch Claus von Ungern, der diese Untersuchung in Hapsall mit den übrigen weltlichen Raths- herren des Bischofs Johann von Kurland geleitet, das Urtheil gefällt. Der Bauer, welcher den Johann Wrangel von Woidama nebst Johann Holstver verleumdet hatte, wurde zum Jode verurtheilt, während die beiden Edelleute von dem Verdacht freigesprochen wurden.'( 44. Vicke von Wrangel, Solin von Hans (40), erbte mit seinem Bruder Hans (41) Waiwara und Jesse, verkaufte aber den 24. Juni 1550 seinen Antheil, und zwar das halbe Dorf Waiwara und zwei Gesinde Jex (Jekes) für 3300 Mark rigisch an Hermann Lode von Assery. Im Jahre 1532 hatte sich wegen zweier Lehen ein Streit zwischen Hermann Lode, der von Soye und Vicke Wrangel. erhoben. Ersterer behauptete, dass Vicke kein Recht an den Lehen zustehe, da dessen Vater Hans die Besitzungen nur als Pfand für ein Darlehn erhalten habe und wenn derselbe auch damit belelmt worden sei, so habe er doch dieselben von den Soyen als wirkliches Eigenthum erworben. Da Vicke nun gleich einem rechtmässigen Besitzer vom damaligen Hochmeister belehnt worden war, so wurde Hermann Lode trotz seiner Ausführungen vom wirischen Manngericht mit seinen Ansprüchen abgewiesen. Er trat jedoch, da er sich mit dem Bescheid von 1545 nicht beruhigte, im folgenden Jahre (1546) wieder klagend auf, indem er an dem eingangs erwähnten Punkte festhielt, wobei er namentlich hervorhob, dass Vicke die Lehen nicht erblich besitze, sondern die Erblichkeit von den Soyes, den rechten, natürlichen Erben auf Hermann Lode übergegangen sei. Aus den Verhandlungen geht hervor, dass selbst Heinrich von Wrangel (39) vor dem Hochmeister geäussert, sein Bruder Hans (40), Vater von Vicke, habe kein Erbrecht an den Gütern, weil dieser es nur als Pfand besessen, und ferner habe Hans diese Güter nur gegen die Güter des Hofes Kuddernurm (Kudenorm) eingetauscht. Das Manngericht entschied daher, dass Hermann Lode die Güter so lange behalten solle, bis Vicke das Erbrecht nachgewiesen. 42. Moritz von Wrangel, Sohn von Hans (40), auf Woidama 1580, hatte einen Sohn 45. Georg von Wrangel, welchem er Woidama 1600 liinterliess. Dessen Tochter Sophie (46) lebte 1622 und heirathete Georg von Albedyll, der nach ihrem Tode Woidama erbte. 12. Wolmar I. von Wrangel, Sohn von Hermann (9). Um das Jahr 1402 strengte der Vogt zu Wesenberg, Hartmann Ulner, einen Prozess gegen ihn und seinen Bruder Berthold (13) wegen Herausgabe der 1) von Ungern-Starnberg, Th. II, IVa: ürk. 348: Brotze Sylloge, LivL Kitterscli.-Archiv Riga I 293 b, II 190: s. Index 3574; Orig. mit vier Siegeln der Käthe. zwischen den Dörfern- Wlangel, Kandel und Karoll gelegenen Holzmark an. Da aber die Brüder Wrangel vollgültige Beweise beibringen konnten, dass diese Holzmark sammt der Wildniss bis an den Fluss Aryde eine freie Holzmark sei, wurde der Zwist dahin geschlichtet, dass die Brüder Wrangel im Besitz der in diesem Gebiete liegenden Güter: Seigel, Kattel, .Tesse, Pödderas, Paskel, Wrangel, Kandel, Karoll, Yiol und Tatters im Kirchspiel Halliel verbleiben sollten und auf denselben nach Belieben schalten und walten könnten. Es ist dies die erste Urkunde, die uns eine Mittlieilung über den grossen Besitzstand der Familie Wrangel macht. Ausser diesen mit seinem Bruder gemeinschaftlich gehabten Besitzungen hatte Wolmar 1397 noch Oegel erhalten und zwar bei folgender Gelegenheit. Durch die Habitsablegung des Erzbischofs und des Kapitels zu Kiga hatte sich der Deutsche Orden beleidigt gefühlt, was Anlass zu Reibereien gegeben, bei welchen sogar Boten des Kapitels getödtet worden waren. Zur Schlichtung dieser Zwistigkeiten waren nun vierundzwanzig Schiedsrichter, unter ihnen auch Wolmar von Wrangel, gewählt worden, welche nach Prüfung der Angelegenheit folgendes Urtheil fällten: Erzbischof und Kapitel sollen dem Ordensmeister auf Verlangen erklären, dass sie mit der Habitsablegung den Orden nicht hätten verletzen wollen, und die rigaischen Domherren verpflichten sich einmal jährlich für alle verstorbenen Ordensglieder Seelenmesse zu halten; die Prälaten und ihre Kapitel sollen wegen Tödtung der Boten an den Orden keine Ansprüche haben, sondern etwaige Forderungen wegen ihrer dabei umgekommenen Verwandten und verlorenen Güter gegen Gosvin von Ascheberg und dessen Helfershelfer geltend machen; Ascheberg und seine Genossen sollen, wenn man sie findet, nicht in Schutz genommen, sondern dem Gericht übergeben werden; falls der Papst oder der römische König wegen der nicht eingelieferten Hussitensteuer anfragt, sollen die Prälaten in Uebereinstimmung mit dem Ordensmeister darauf antworten; nimmt der Orden den Streit wegen der Ablegung des Habits in Rom wieder auf, so steht es beiden Parteien frei, sich ihrer Privilegien zu bedienen; der vom Erzbischof und Kapitel erwirkte Bann soll aufgehoben sein. Die Schiedsrichter verbürgen sich dafür, dass die Kapitel von Dorpat und Oesel dem Punkt wegen Tödtung der Boten ihre Zustimmung geben werden. Walk 1428, 14. August. 1 ) Wolmar von Wrangel, der auch mitunter „Woldemar" heisst und dessen Geschlechtsname in den verschiedenen Schreibweisen: „Wrangel, Wrangele, Wranghele und Wranghel vorkommt, war Soldat (miles, Ritter). Als solcher wird er 1380 bei der Belehnung der Stadt Kokenhusen durch Fromhold, Erzbischof von Riga, bezeichnet. 2 ) Im Jahre 1372 erklärte Woldemar de Wrangele mit noch zwei andern Rittern, dass nur dem Erzbischof von Riga Recht und Eigenthum an gewissen Gütern und Ländereien zustände. Wolmar besass endlich 1423 noch Seiligel und ward hiernach „Wrangel von Seiligel" genannt. Er war in diesem Vasall des Deutschen Ordens in Livland, im Stifte Reval angesessen, und hatte die Rente seines geistlichen Lehens in dem Dorf Kalligal 1) Bunge, TJrk. Livlands und Esthlands, Bd. G p. 335 Nr. 2961. 2) Nach dem im Königl. Staatsarchiv zu Stockholm befindlichen Orig. (auf Berg.); abgedruckt im Livländisclien TJ.-B. Nr. 1197 gestiftet, aber solche schon über neun Jahre dem Domherrn zu Reval, Gerhard Scheere, gewaltsam vorenthalten unter dem Vorwande, die „Lelmwaare" zu demselben Lehn zu haben. Scheere hatte deshalb zur Erlangung der Rente sehr viele Unkosten durch Reisen im Lande gehabt, die fast 200 Meilen betrugen, und sah sich nun genöthigt, am 24. November genannten Jahres gegen Woldemar Wrangel von Seiligel vor dem Hochmeister klagbar zu werden. Mit seiner Gemahlin Helewy, deren Familienname nicht bekannt, welche aber in dem Adressverzeichniss der nach Livland zum Einsammeln gesandten Brüder des Minoriten- Klosters zu Wisby bei ihrem Manne Woldemar, der ebenfalls als Bruder dort verzeichnet ist, 1405 so genannt wird, hatte Wolmar vier Söhne: Wolmar (2), Hans (3), Otto (4), Heinrich (5) und wurde der Stammvater des I. Hauptstammes zu Jensei und Rojel (Tab. IIA). Tabelle IIA. Als Stammvater dieses Zweiges haben wir der leichteren Uebersicht wegen 1. Wolmar (Woldemar) I. von Wrangel von Selligel, welcher unter Nr. 12 der Haupt-Tabelle II verzeichnet ist, gesetzt. Die näheren Mittheilungen über ihn sind dort ersichtlich. 3. Hans von Wrangel, Sohn von Wolmar I. (1), besass einen Theil von Kioma. Seiner wird im Jahre 1165 Erwähnung gethan; 1495 ist er bereits verstorben. 5. Heinrich von Wrangel, Sohn von Wolmar I. (1). Er verkaufte 1449 Wittenhaue (Wittenhofe, Wittenfelde 1 ) an Friedrich von Wrangel (13); wogegen er 1474 von Hans von Kokenhusen dessen Hof mit einem Landstrich in Trikaten längs der Aa und der Abelle kauft und am Tage der heiligen Dreifaltigkeit 1474 zu Riga vom Heermeister des Deutschen Ordens in Liv- land, Bernhard von der Borch, mit diesem erkauften Landstrich belehnt wird; letzterer ist in dem ertheilten Lehnbriefe speciell bezeichnet. Heinrich wird am 29. Juni 1454 als Beisitzer des Manngerichts in Wirland genannt. Am 28. Juli 1443 war er Zeuge, als Bartholomäus von Wrangel (II 24) sechs seiner besten Haken Land mit sechs der besten Gesinde aus dem Dorfe Lassenorme im Kirchspiel Katkull für ein Darlehn verpfändet, und am 24. Juni 1467 wird er nochmals in einem gütlichen Vergleiche, welchen der Ritter Jacob Deken mit den Söhnen seines gleichnamigen Vetters wegen der Grenze zwischen Larenahsen und dem Dorfe Kyrimeggy abschliessen, als Zeuge genannt. Heinrich ward der Stammvater der Familie von Wrangel, Hans Abellen (Tab. XX). 4. Otto von Wrangel, Solm von Wolmar I. (1), kaufte am 24. October 1456 von Hans Metztaken vor dem Vogt zu AVesenberg und dem wirischen Manngericht den Hof und das Dorf Karzill (Kersell) mit i) Rnsswnrm, Material; Revaler Rathsarcliiv, Urb. Bd. V Nr. 2541). 13 — 98 — der Miilile daselbst, ferner die Dörfer Kurgudell und Haholl und den nach dem Dorfe Eiper gelegenen Heuschlag, welches genannter Hans von seinem Bruder Claus erhalten hatte. 1 ) Am 29. Juni 1468 kaufte Otto sodann von Wolmar von Wrangel, Jürgens Sohn (H 27), das Dorf Wardes mit zwölf Gesinden und zwanzig Haken Land, im Dorfe Nommes ein Gesinde mit einem Haken Land, im Dorfe Ullytz zwei Gesinde mit einem Haken Land, alle im Kirchspiel Maholm gelegen. An demselben Tage liess Wolmar von Wrangel diese Stücke vor dem Vogt von Wesenberg und dem wirischen Manngericht auf. 2 ) Ausser den vorstehenden Besitzungen gehörte ihm noch Wittenhaue. Endlich geht aus dem Testament des Helmeit Riesebiter vom 21. März 1469 hervor, dass ihm Otto von Wrangel nebst noch zwei andern Schuldnern 850 Mark schuldet. 3 ) Nachdem Otto bereits am 24. Juni 1457 Beisitzer bei dem wirischen Manngericht gewesen, finden wir ihn im Jahre 1465 wiederum in gleicher Funktion, bei welcher er sich Otto „Wrangel von Iversell" nennt. Er hatte drei Söhne: Friedrich (13), Wolmar (14), Hans (15). 13. Friedrich von Wrangel (Vrederik Wranghel), Sohn von Otto (4). Anno 1449 hatte er Wittenhaue (Wittenhof, Wittenfeld) von Heinrich von Wrangel (5) gekauft. Bei der Bestimmung der Grenzen zwischen diesem Gute und dem Gebiete der Bürger Hapsals bezogt er sich im Jahre 1450 auf die Aussagen von dessen Vater, der mit seinen Vorfahren das Gut friedlich besessen. Er verkaufte es 1450 schon wieder an Ewert llerkel. 4 ) Friedrich studirte mit noch einunddreissig Livländern in Erfurt und befand sich 1410 unter den drei Studenten daselbst, die das Epitheton „de Livonia" trugen. 5 ) Im Jahre 1420 musste er wegen eines Todtschlages mit seinen Genossen über See zu den Holmen (umb dei Holme) flüchten. Da er an Leben und Gut verurtheilt worden (an deme dat se vordeilt sint lives und gutes), so konnte auf eine Bitte des Raths zu Reval an den Ordensmeister dieser dem Friedrich kein Geleit geben; vielmehr stellte der Ordensmeister dem Rath anlieim, dem Komthur mit Schiffen (Koye, Scheper) auszuhelfen, damit man bei den Holmen sich seiner bemächtige und ihn so hindere, dem Lande irgend welchen Schaden zuzufügen. 14. Wolmar von Wrangel, Sohn von Otto (4), liinterliess, wie aus einer Urkunde vom Jahre 1492 hervorgeht, mit seinem Bruder Friedrich (13) 3000 Mark. 15. Hans von Wrangel, Sohn von Otto (4), besass Iversell im Kirchspiel Katkull in Wirland und nannte sich „Wrangel von Iversell". Im Jahre 1523 verkaufte er jedoch mit Zustimmung seiner Ehefrau und seiner beiden Söhne Johann und Jürgen den Hof Kersell mit dem i) von Toll-Kuckers Sammlung; von Toll, Briefl. I p. 152 Nr! 232. -) von Toll, Briefl. I p. 172 Nr. 273. 3 ) von Toll, Briefl. I p. 174 Nr. 276. 4 ) Bevaler Baths-Arcli. Bd. V 254b; Busswurm, Material; E. Hartmanns Landrolle; von Ungern-Sternberg, Gesell. Bd. I p. 54. 5) Geschichte der Universität Erfurt von Dr. Weissenborn Th. 1. — 99 Dorfe Jowell (Jouliell), dem Heusclilag Eiper und den Mülden zu Kersell und Ölly an ('laus Kuddelyn für 7400 Mark. Die gerichtliche Uebergabe fand am 19. Mai statt. Von jetzt ab nennt sich Hans „Wrangel von Kirpiger". Aus den Verhandlungen seiner Söhne wegen seines Nachlasses geht hervor, dass ihm auch noch Kibbiger, Fynn im Kirchspiel Keel (Newkirchen in Wirland) gehörte; ausserdem war er im Jahre 1512 vom Hochmeister Wolter von Plettenberg mit zwei Haken im Kirchspiel Kirchholm gegen zwei Mark Krugzins, welche er an den Vogt zu entrichten hatte, belehnt worden. Im Jahre 1492 wurde Hans von den Söhnen Vycke von Wrangeis (III 1) wegen einer Rente verklagt und im Jahre 1500 finden wir ihn wiederum in einem Prozesse, den er gegen Odert Hastfer anstrengt, mit welchem er zusammen ein Haus in der Stadt Reval besass. Hastfer hatte dieses Haus aus Noth, nachdem er seinen Antheil zu wiederholten Malen Hans angeboten hatte, versetzt. Die Angelegenheit wurde am 30. Juni vom Gericht, bei welchem Hans durch Hermann Soye vertreten wurde, dahin entschieden, dass, wenn es Hans um das Haus zu tliun wäre, möge er den Antheil Hastfers ankaufen, oder ihn wegen der Verpfändung gefangen setzen lassen. Am 14. Mai 1517 machte Hans Wrangel von Kersell sein Testament. Er bestimmte hierin Wemel als den Ort wo er beerdigt sein wolle und setzte der Kirche und deren Vorständen kleine Legate aus. Die Kinder sollen seiner Hausfrau Elsebe, welche den Verkaufspreis von Kersell erhält, gewisse Naturalien liefern und ihr eine Jahressumme geben. 1546 am Dienstag Lucia vertrugen sich die Erben des Hans Wrangel mit seiner Wittwe wegen des Testaments, welcher Vertragsbrief sich 1604 in einer „Danzke"-Kiste und Lade des Heinrich von Ungern auf Fichel befand. Er war schon 1512 mit Elsebe vermählt und hatte, wie wir aus dem Testament ersehen, ausser den beiden bei dem Verkauf von Kersell bereits erwähnten Söhnen Johann (31) und Jürgen (32) noch einen dritten Sohn Wolmar (33). 31. Johann von Wrangel, Sohn von Hans (15), hatte von seinem Vater den Hof Kibbiger ererbt und nannte sich nach diesem. Ausserdem gehörten ihm der Hof Repes und die Güter mit Hof Lude und Dorf Linsterer und Atzjerve. Diese Besitzungen wurden ihm im Jahre 1540 streitig gemacht. Das Gericht entschied indess am 26. Mai, dass dieselben ihm und seinen Erben verbleiben sollten. Johann studirte auf der Universität Köln, wo er am 22. Juni 1513 in der dritten Matrikel mit der Bezeichnung „de Ryvalia (Revalia) riualiensis dioecesis ad artes juravit et soluit" aufgeführt ist. Anno 1516 Sonntags „na unser lutken leven fruven dage" ist er bei einem Vergleich zugegen, welcher in den Grenzstreitigkeiten wegen der Dörfer Tylizel und Urbt zwischen Fromhold von Tiesenhausen und den Kindern des verstorbenen Bertram Kotz- kules zu stände kommt. Er ist hier als „langer Hans Wrangel" benannt. Im Jahre 1526 untersiegelte „Johann von Kibjerw" als Zeuge einen Vertrag zwischen Hans Reval und Johann Kawer, das Gut Tamnik betreffend. IS' — 100 — Mit dem Komtliur zu Fellin. Wolter von Plettenberg, war Hans Wrangel von Kybijerwe 1528 Schiedsrichter in einer Streitsache zwischen Bruno Drolshagen und Bartholomäus Wulue. Diese Angelegenheit fand indess hiermit noch kein Ende, sondern der alte Bruno Drolshagen setzte seine Klagen 1546 fort und richtete den 5. Mai dieses Jahres ein Schreiben an Hans Wrangel, in welchem er denselben bittet, vor Gericht auszusagen, was demselben über die Angelegenheit bekannt sei. Aus einem Verhöre, wegen einer kurz vor der Uebergabe von Fellin durch die Knechte, die lange keinen Sold erhalten hatten, hervorgerufenen Meuterei geht hervor, dass „Johann Wrangel zu Wrangel" in Gemeinschaft mit dem Bürgermeister und zwei Rathen der Stadt Unterhandlungen mit den Russen gepflogen hat. Von dem, was verhandelt worden ist, erhalten wir leider keine Kenntniss, nur soviel entnehmen wir aus den Aussagen der Knechte, dass die Feinde einen Brief an den „Herrn" geschickt, worauf dieser die Edelleute zu sich gefordert und mit ihnen die Entsendung genannter Unterhändler berathen habe.' ) 32. Jürgen von Wrangel, Sohn von Hans (15), wird als Besitzer von Kagger, Kassar und auch von Kersell genannt. Im Jahre 1493 finden wir ihn in einem Conflict mit Arnd Truve wegen einer Holzmark, die dieser von seinen Leuten hatte abholzen und bestellen lassen. Der Prozess wurde am 30. Juli zu Reval von dem harrisch-wirischen Rath verhandelt, wobei Jürgen mit seinen Ansprüchen abgewiesen wurde, da er nicht wie Arnd Truve einen Besitzbrief aufzuweisen hatte. Am 7. September 1493 wird Jürgen vom Ordensmeister Johann Fridag von dem Loringhove mit den Dörfern Meresmeke und Pälo in dem Kirchspiel Koeskull und dem in den Markungen und Scheidungen gelegenen Gesinde Szeydt belehnt. Ferner finden wir ihn als Besitzer von dem Dorfe Lassil, das er gegen Mekes eingetauscht hatte und später gegen ein Darlehen den Jungfrauen zu Dorpat als Pfand übergab. Er hatte zwei Söhne: Jürgen (45) und Hans (46). 45. Jürgen von Wrangel, Sohn von Jürgen (32), starb 1546 in jugendlichem Alter, nachdem er gemeinschaftlich mit seinem Bruder Kagger und Lassil besessen und 1546 vom Komtliur zu Reval noch belehnt worden war. 46. Hans von Wrangel, Sohn von Jürgen (32), nennt sich 1547, nach seiner Besitzung Rojel, Wrangel von Rojel. In demselben Jahre wurde er vom Ordensmeister mit dem von seinem Bruder Jürgen (45) ererbten Besitzungen Kagger und Lassil belehnt. Ansprüche, die er auf das Dorf Surge, welches er 30 Jahre lang im Besitz gehabt hat, machte, wurden nicht anerkannt, da dasselbe in rechtlicher Weise von Hermann Lode an Thomas Vegesack mit Erbnamen verkauft worden war. Anders verhielt es sich indessen mit Kagger und Lassil, welche ihm zugesprochen wurden. Schon 1539 war ihm der Besitz derselben streitig gemacht worden. Jacob Tuve hatte diese Güter von *) Scliirren, Quellen zur Geschichte des Unterganges livländischer Selbständigkeit, Keval 1S63, 1-5. VI p. 200. — 101 — „Hans Wrangel von Eojel" pfandweise gekauft und die Ansprache daran zu tliun erhalten. Es klagte daher Hermann Lode zu Asserye gegen die Kinder des seligen Jacob Tuve auf die beiden Dörfer Kagger und Lassil, weil sich letzterer noch bei Lebzeiten des Erbnamens'bedient hatte. Die Sache wurde am 24. Juni dieses Jahres zu Gunsten des Hermann Lode entschieden. Da aber inzwischen die Brüder Wrangel 1546 und 1547 belehnt worden waren, so ward diesen der Erbname zugesprochen. 1 ) Hans besass ferner noch Metempe. Im Jahre 1522 war er Kirchherr zu Alt-Pernau und besass auch dort ein Haus; ferner gehörte ihm das Dorf Payeper. Als der Pfarrer Luderus Scheper wegen einer ihm unangenehmen Angelegenheit, der Pfarre zu Alt-Pernau entsagte, ward am 14. April 1522 dem Johann von Wrangel die Pfarre übertragen, welcher dieselbe bis 1532 versah. In den letzten Jahren seines Lebens war er bei der Kirche „Zum heiligen Geist" zu Neu-Pernau.'-) 33. Wolmar von Wrangel, Sohn von Hans (13), war zur Zeit als Claus Treyden und Wolmar Tödwen einen Vertrag wegen des Nachlasses der Gebrüder Friedrich und Wolmar von Wrangel (13 und 14) auf 3000 Mark lautend abschlössen, noch unmündig, und wollte nun, da er 1492 mündig geworden, solchen nicht anerkennen. Er klagte daher gegen Claus Treyden und Wolmar Tödwen auf Herausgabe seines Antheils. Letztere sträubten sich indessen und beriefen sich auf ihre Zettel. Da solche aber nicht untersiegelt waren und sie es ausserdem vorzogen, keinen Eid zu leisten, so entschied am 26. Juli das Manngericht zu Gunsten des Wolmar von Wrangel. Am 15. September 1500 kaufte Wolmar von Berthold Wrangel von Jesse (47) den Hof Jesse und die Güter im Dorfe Pödderas mit zwölf Haken Land, dazu drei Gesinde zu Tammispae mit der Mühle von dem Hofe Jesse, alles im Kirchspiel Halliel gelegen, mit allem Zubehör für 6000 Mark. Dagegen nimmt Berthold von Wrangel anstatt Bezahlung Wolmars Hof Ochto für 2000 Mark an, wie letzterer ihn von den Brüdern „vom Baien" bekommen hatte. Für den Best der Kaufsumme wurden verschiedene Zahlungstermine festgesetzt. Er war im Jahre 1493 Mannrichter in Wirland. 3 ) Im Jahre 1497 wird ihm in dem Testament der Margarethe Lode, Enkelin des Johann von Lode und Schwester seiner Ehefrau, am 28. August ein Legat von 100 Mark ausgesetzt und ausserdem wird Wolmar zu ihrem Testamentario bestimmt. 4 ) Am 2. März 1505 war Wolmar mit den Brüdern Tuve wegen Heuschlägen in Streitigkeiten verwickelt.") von Toll, Briefl. I p. 618, Nr. 1138. 2) Nachrichten über Alten-Pernau (von liusswurm). Erbbuch Nr. 431 p. 83: Nr. 44: Nr. 328 p. 106. - Es lieisst über letztere Pfarre (Kopenhagen. Geheim. Arcli., Livland II 72, 352; Oesel I 214): „Ecclesia in antiqua Pernoue per liberum resignationem et privatiouem Du. L. Scheper vacans eollata est Dno. Johanni Wrangel.« Der Ausdruck „privatio" deutet schon darauf hin. dass die Resignation nicht so ganz freiwillig gewesen ist. 1522 ward Johannes Wrangel Pfarrer: rnm des hyllyghen glieste van. der nyglien parnow Ins 1532. 3) von Toll, Briefl. I p. 200. Nr. 458. 4 ) von Toll, Briefl. I p. 306, Nr. 576. *•) von Toll, Briefl. I p. 349, Nr. 193. 102 — Am 5. März 1506 tritt Weimar als Mittelsmann in einer Liquidationssache zwischen den Vettern Frondiold Vitingiiof und dem jungen Arnd Vitingiief, Arnds Sohn, auf 1 ) und am 19. Mai desselben Jahres ist er Unterhändler bei dem Verkauf des Hofes und der Güter zu Rekiill seitens des Jürgen Brakel an Ludolf Fürstenberg und dessen Hausfrau Margarethe Wränge 1 (18) und am 23. Mai 1507 finden wir Wolmar als bevollmächtigten Vormund der Kinder des seligen Brun Wedberg, deren er sich in einem Vergleich mit ihrem Stiefvater Metztaken annimmt. 3 ) Am 12. Juni 1508 ward er vom Ordensmeister Wolter von Plettenberg mit zwei Gesinden im Dorfe Mesczemecke, dem Gesinde im Dorfe Palamo (Palo), einem Gesinde zu Sorde und dem Gesinde zu Hara im Kirchspiel Katkull, nach dem Wortlaut des alten vom Ordensmeister Johann Vridacli gegebenen Lehnbriefs belehnt. Er war mit der Enkelin des Johann Lode, Schwester des Andreas Lode zu Sompä, vermählt, welche einige Prozesse mit ihrem Schwager Jürgen (32) zu bestehen hatte. Am 30. März 1521 strengt Wolmars Wittwe gegen ihren Schwager (Bolen) Johann von Wrangel einen Prozess an wegen der Mergesmeke Güter mit den beiliegenden andern Gütern Palo, Arra und den dazu gehörigen Gesinden in der Mark, indem sie meinte, dass ihr verstorbener Gatte, da er bei der Theilung des väterlichen Erbes noch unmündig gewesen, mit den genannten Gütern abgefunden worden sei. Da dieselben aber dem Johann von Wrangel zugeschrieben waren, wurde die Wittwe abgewiesen. An demselben Tage tritt dieselbe Wittwe gegen Jürgen von Wrangel mit einem Briefe auf, nach welchem sie vermeinte, der ersten Theilung theilhaftig zu sein, und zwar deshalb, weil Wolmar mit den Gütern Kassar und Kakar abgefunden worden. Da aber Wolmar mit seinen sämmtliclien Brüdern gänzlich getheilt und Jürgen diese beiden Güter mit Geld laut Brief bekommen, so wird die Wittwe abgewiesen. 3 ) Sie hatten drei Söhne: Reinhold (76), Simon (77) und Wolmar (78). 49. Wolmar von Wrangel, Sohn Wolmars (33), war der Vormund 4 ) der Kinder seines Bruders Simon (48). AVir haben ihn schon in dem Verkaufsakte von Hof Jesse nebst Zubehör an Moritz von Wrangeil (H 36, TV 1) erwähnt. Aus dem Verkaufsbriefe des Hofes Tackfer von Hermann Overlacker, Komthur zu Talckhof, als Vormund der Kinder seines Bruders Berend an Peter von Hövden geht hervor, dass 1520 AVolmar, nunmehr Besitzer des Hofes Korsküll im Kirchspiel Pönal in der Wieck, gemeinsam mit dem Besitzer von Tackfer eine Holzmark besass, welche Wolmar in ihren von Alters her gehabten Grenzen und wie sie Claus Hastfer und Johann Aderkas rechtlich an sich gebracht, erkauft, nur war der Erbherr des Hofes zu Pallifer abgesondert worden. 5 ) AA'olmar war mit der Tochter des Berthold von Wrangel auf Jesse (IIA 6) vermählt (1520). T ) von Toll, Briefl. 1 p. 368, Nr. 679; Briefl. Jenvakant. 2 ) von Toll. Briefl. I p. 371. Nr. 694: Briefl. Angern. 3) von Toll, Briefl. I p. 473. Nr. 880, 881. 4 ) von Toll, Briefl. I p. 468, 870, 871, 873. ö) A 'on Toll, Briefl. I p. 468, Nr. 868. 103 — 47. Reinliold von Wrangel, Sohn Wölmars (33), bestätigte am 24. Januar 1538 mit seinen Vettern, class der Rath von Reval ihnen eine Kiste mit Briefen, die ihre Voreltern ehemals dem „Kloster der Mönche" anvertraut hatten und die der Rath darauf zu sich in Verwahrung genommen, zurückgegeben habe. Im Jahre 1542 führt Reinhold gegen Johann Wekebrod einen Prozess, bei welchem er in Gemeinschaft mit Marx von dem Berge den Johann Wekebrod in vier Klagepunkten beschuldigte, nämlich: 1. habe dieser seinen Hof zu Fyoll in die Gesammtheit der drei Dörfer Sal- lonall, Fyoll und Annickfer gelegt; 2. habe der Wekebrod das Gesinde Reymete ebenfalls in die Gesammtheit gelegt; 3. habe derselbe die Gesinde zu Harme ebenfalls gewaltsam in die Gesammtheit gelegt; 4. ward Wekebrod beschuldigt, dass er gewaltsam den Acker Punnapoll besät habe nach seinem Hofe, wiewohl dieser nicht in die Gesammtheit gerechtigt. Die Angelegenheit wurde den 30. Juli 1542 vor dem harrisch-wirischen Ratlie zu Wesenberg zum Austrage gebracht. Das Gericht fällte, nachdem die Zeugen vernommen, das Erkenntniss zu Gunsten des Reinhold und des Marx. Mit demselben Johann Wekebrod hatte Reinhold schon das Jahr zuvor eine Streitsache wegen etlicher Holzmarken, Heuschläge, Aecker und Lande gehabt. Bauern des Wekebrod sollten nämlich auf Reinholds Heuschlag Kassikes, soAvie auf dessen Acker zu Annickfer gewaltsam weggeräumt haben; auch hatte Wekebrod einige dem Reinhold gehörige Marken in Fyoll beackern lassen. Dagegen beauftragte letzterer wiederum seine Bauern in der Wekebrodschen Wildniss Holz zu fällen, woraus er seinen Hof zu Annickfer bauen liess. Die Sache wurde von dem Oberlandgericht von Harrien und Wirland am 6. November 1541 abgeurtheilt, wobei ein gütlicher Vergleich zu stände kam. Reinhold kaufte 1542 von Johann Riesebiter den Hof und die ganze Erbzahl des Hofes und Gutes Annickfer mit dem Gut am Strande, genannt Iddekull (Eidküll). nebst dem Fischfang zu Daches im Kirchspiel HallieL Am 29. Juni liess Riesebiter diese Güter vor dem wirischen Manngericht auf. Den 31. März 1561 machte Reinhold sein Testament, woraus hervorgeht, dass seine Hausfrau eine Morgengabe von 5000 Mark bekommen hatte, von denen seine Tochter Maya zu ihrer Hoclizeit 3000 Mark erhalten sollte. Im Jahre 1569 ward ihm ein Bauer todt geschlagen. Ihm gehörte zur Zeit Riesenberge.') Schliesslich hatte Reinhold noch kurz vor seinem Lebensende im Jahre 1565 eine Klagesache vor dem wirischen Gericht gegen Johann Hameln, den gräflich Södermörischen Hauptmann, wegen abgeführten Holzes und auf Reinholds Seite angestrittener Grenze. i) Geleitlmcli der Stadt Keval Aa 17. — 104 — Er war verlieirat.liet mit Anna von Drolshagen 1 ) 154S, 1561. Ans dieser Ehe stammten Heinrich (55) und eine Tochter Maya (56). Reinliold starb in Reval. Maya (56), war 1561 noch unverheirathet, wurde aber bald darauf die zweite Gemahlin des Heinrich von Tiesenhausen. 55. Heinrich von Wrangel, Sohn von Reinhold (47). Er war erbgesessen auf Sarnow und besass ausserdem Annickfer, sowie das zu diesem Hofe gehörige Dorf Annickfer und das Gut Iddekull (Eidküll) am Strande mit dem Fischfang Daches. Das gesammte Areal des letzteren Hofes schätzten, als nach einer Urkunde vom Jahre 1586 Heinrich den Umfang nicht anzugeben wusste, die Bauern auf 22 V 2 Haken. Ausserdem war er noch im Besitze von der Hälfte des in Alentaken gelegenen Dorfes Peritz mit drei Haken, sowie von Dieckes mit anderthalb Haken und Mattkull mit zwei Haken. Diese Güter waren ihm vom Oommissions-Mitgliede Pontus de la Gardie eingeräumt worden. Verschuldet stand Heinrich in Gefahr, dass sich Reinliold von Rosen zu Perrigel seine Güter, sowie den Hof Eichenangern, welcher seinem Stiefvater Bertram Orges gehörte, aneignen würde. Damit Heinrich dieser Gefahr entginge, lieh ihm sein Oheim Fabian von Ungern, Herr zu Purkull (auch Purkele und Pörkull), in dessen Besitz nach einem Kaufbrief vom 9. Juni 1565, welchen Heinrich unterzeichnet und untersiegelt hatte, bereits Eichenangern für 15 500 Mark übergegangen war, 2 ) 3000 Mark rigisch. Der Schuldbrief hierüber ist am 28. December 1565 zu Purkull ausgefertigt worden. Mit diesem Gelde wurde auch eine Schuld von 1000 Mark, die er an Re inli old von Rosen zu Serrygell hatte, getilgt. 8 ) Am 3. Juni 1566 verkaufte Heinrich noch den Zimmermann Tile Jacke an seinen Oheim und schloss 1568 mit demselben im Geheimen einen Vergleich wegen der Wildniss und Riidung bei Eichenangern ab. (Es sei hierbei bemerkt, dass diese Wildniss sich offenbar bei Wrangelsliof [Dannau oder Sarnau] im Kirchspiel Allendorf befand. 4 ) Da aber dieser Vergleich noch mit anderen Interessen collidirte, war er die Veranlassung, dass am 19. September 1568 zu Demsell vor dem Mannrichter des treydischen Kreises mehrere Zeugen wegen dieses Vergleichs vernommen wurden. 5 ) Hiermit war jedoch die Sache noch nicht abgethan und kaufte Fabian von Ungern am 12. Juni 1572 auch diese Wildnisss noch für 430 Mark rigisch; worauf zwischen Eichenangern und Sarnau in Gegenwart des Kastellans Otto von Ungern eine neue Grenze festgesetzt wurde. Am 20. December desselben Jahres bezeugte Heinrich von Wrangel zu Allendorf, von Fabian von Ungern eine halbe Dast Roggen zu 50 Mark und 10 Tmof Malz zu 30 Mark empfangen zu haben. 8 ) Von Heinrich wird noch erwähnt, dass er sich stets dem Könige gegenüber „wohl verhalten", auch seinen Rossdienst pünktlich geleistet habe und sich 1574, als die Schotten geschlagen wurden, für Wesenberg habe gebrauchen lassen, auch dass er sich „seiner Geschäfte" wegen eine Zeit lang in Kurland aufgehalten habe. l) von Toll. Brief!. 1 p. 773 Nr. 1331, p. 879 Nr. 1501. '-) Heinrich unterschreibt sich hier „Hinrich Fjrangel". Russwurm, Material; von U11 gern-Sternber g, Urk. 368 p. 406. :J ) Brief!. Salisburg Nr. 30. 4) Hagemeister I 109. • r >) von Ung.-Sternbcrg, p. 422 Urk. Nr. 378: Brief!. Salisburg III Nr. 34. •>) von Ung.-Sternberg. p. 419 Urk. 389: Brief!. Salisburg III Nr. 38. 105 Li Anerkennung dessen, sowie mit Rücksicht darauf, dass Heinrichs Güter nur drei Meilen von seinem Hause entfernt lagen, wurden ihm dieselben bei der Güterreduction gelassen, jedoch musste er sich verpflichten, künftig die königliche Confirmation einzuholen. 1 ) Heinrich war 1590 bereits verstorben, denn am 14. Juli dieses Jahres fand ein Vereinbarungsversuch in den Grenztreitigkeiten statt, welche zwischen seiner Wittwe und der Wittwe 2 ) des Fabian von Ungern wegen Eichenangern und Schwänzle tten :i ) ausgebrochen und zu deren Schlichtung Dietrich Aderkas, 4 ) Wilhelm Orries, 5 ) Jürgen von Ungern, Freiherr zu Piirkiü, Heinrich Dönhoff, Heinrich von Ungern zu Salisburg und Fromholt von Ungern das Schiedsrichteramt übernommen hatten. Der selige Fabian von Ungern hatte nämlich bei dem Kaufe des Dorfes Schwarzletten mit dem seligen Heinrich von Wrangel die Grenzen nicht vollständig bestimmt, sondern sich vorbehalten, seiner Zeit in allem Richtigkeit zu machen. „Wenn dies nicht geschehen," heisst es im Kaufbriefe, „sollen die Erben Heinrich von Wrangeis vier Haken Land erhalten, die übrigen Ländereien aber den Erben des seligen Fabian von Ungern nach Eichenangern zufallen." Da nun wegen der Kriegsunruhen die Grenzregulirung nicht hatte vorgenommen werden können, bat Ungerns AVittwe die Schiedsrichter möchten der Billigkeit gemäss die Grenze bestimmen und eine Einigung zwischen ihren Erben und der AVittwe von Wrangel herbeizuführen suchen. Dies haben die Schiedsrichter denn auch versucht und die AVittwe von Wrangel in Gegenwart von Zeugen 0 ) gefragt, ob sie die von ihrem seligen Ehemann getroffenen Vereinbarungen auch für sich als bindend erachten wolle. Sie aber erklärte, sie kenne den Handel nicht, 7 ) und könne daher nicht einwilligen. Auch blieb sie bei ihrer Weigerung, nachdem ihr der Kaufbrief vorgelesen war, von welchem sie sich eine Copie ansbat. Fabians Wittwe bat, dass man ihren Wunsch, eine Einigung herbeizuführen, verzeichnen möge und erklärte, dass sie sich wegen der geschehenen und noch drohenden Gewalt rechtlich verwahre, wenn der edle Gothart Rehbinder wiederum, wie bisher geschehen, mehr als die ihm zustehenden vier Haken sich anmasse und ihr Eindrang thue. Dieser Abschied ist im Beisein der Zeugen beider Parten unterschrieben und untersiegelt zu Eichenangern, den 14. Juli 1590. Heinrich war zweimal verheirathet und zwar a) mit Anna, Tochter des Landraths Robrecht von Taube aus Neygendorf in Harrien und der Hedwig von Drolshagen; b) mit Dorte (Dorothea) von AVesseler, AVittwe des Bertram von Orgiss auf Eichenangern und Sarnow (Wrangelshof). Aus der ersten Ehe stammten Reinliold (61) und Heinrich (62). 62. Heinrich von Wrangel, Sohn von Heinrich (55), besass Sarnow und Annickfer. Als die Landschaft sich beschwerte, dass es ihr fast zu schwer fallen wolle, sämmtliche so oft wiederkehrende r ) Titular-Bucli, Areli. Kuckers p. 82. *) Gertrud a'ou dem AVolde. S) Wahrscheinlich ein zu Eichenangern gehörendes Landstuck. 4) ]). Aderkas von Kadfer Avar vermählt mit Godele von Ungern, Jürgens IV. Tochter. • r ») In der Umschrift: Willem Orges; ihm gehörte Orgislioff oder Idel (Hagem. I. 14U). c») Die Zeugen waren ausser den Obgenannten: Wilhelm von Lantzberg, Hennann Hering. Frantz Schade, Philipp Orries, Christoph Grost, Merten AVessel und sei. Heinrich von Wrang eis Erbe Bertram von Wrangel. 7) Sie hätte die Tage ihres lebendes nichtes davon gehört. Erst am 7. Januar (Nr. St.) 1597 wurde die Sache allendlich verliehen. (von Ung.-Sternb. Urk. 455 p. 475: Brief. Salisburg.) - 106 Landtage zu besuchen, verlangte der Statthalter zu Beval, dass man aus den vier Kreisen einen Ausscliuss des Adels wählen solle, der in Gemeinschaft mit dem Bitterschaftshauptmann und den Bäthen die etwa vorliegenden Sachen zu ordnen habe. Die erste Wahl eines Vertreters für den Kreis Wirland fand am 9. März 1579 statt und fiel auf Heinrich von Wrangel.') Er war 1566 mit Hedwig, Tochter des fürstlich pommerschen Kanzlers Georg von Wolde auf Schenkenberg und Kopriel und der Elisabeth von Vietinghoff und Stieftochter des Bertram von Orgies-Butenberg, vermählt und finden wir ihn 1590 noch am Leben. Auch wird er am 26. Juni 1591 nochmals erwähnt, als er bei einer wirischen Manngerichtssitzung zu Beval ein Zeugniss wegen der der Anna Taube, Ehefrau des Heinrich von Gilsa, versprochenen Mitgift aus den Gütern Soll und Kibier ablegt; 2 ) doch muss Heinrich von Wrangel 1593 bereits verstorben sein, da seine Wittwe sich in diesem Jahre durch Bertram Holtschuer bei dem Manngericht darüber beschwerte, dass die Wittwe des seligen Fabian von Ungern und dessen Erbe Georg von Ungern die Grenzen ihrer Güter gefälscht und ihr allerlei „Unruhe und Ungelegenheit" verursacht haben. Um sich von der Triftigkeit der Klage zu überzeugen, begaben sich daher der Mannrichter und seine beiden Beisitzer zur Klägerin und da dieselbe bei ihrer Beschuldigung beharrte, wurde die Angelegenheit weiter verfolgt. Heinrichs Sohn war 70. Bertram von Wrangel, welcher uns aus einer Verhandlung vom 14. Juli 1590 bekannt ist, in welcher er als Erbe seiner Grossmutter seine Unterschrift leistet. Den 1. Juli 1630 verkaufte er sein Gut Lewenkulla (Löwenküll) im Helmeth- schen an Herrn von Kehbinder zu Wagenkid. s ) öl. Reiiiliolil von Wrangel, Sohn von Heinrich (55), ward der Stammvater des Hauses Lagena (Tab. IX). 48. Simon von Wrangel, Sohn von Wolmar (33). Von ihm ist uns bekannt, dass er in noch jugendlichem Alter regen Antheil an dem öffentlichen Leben nahm, denn schon 1502 finden wir ihn als Assessor in einem Manngericht zu Beval 4 ) und 1508 ist er bereits selbst Mannrichter in Hamen. 5 ) Seine Jugend gab sogar Anlass, dass Hermann Zoyge sich in einer Streitsache, die Hans von Bosen gegen ihn hat, 1509 über Simon beklagt und ihn als „noch einen Jungen für einen Oldersmann" bezeichnet. 0 ) Am 21. Mai 1510 kaufte er von Odert Lode zu Poddus eine Bauernfamilie genannt „Clawes" in dem Dorfe Poddus. 7 ) Aber schon bald hierauf muss er gestorben sein, denn 1520 finden wir, dass Wolmar ') Estiii. Ritterscli. Archiv Reval, Protokoll Bd. VI fol. 36/37. -) Briefl. Salisburg Nr. 3U. 3 ) Briefl. Mönnikorh Nr. 12. 4 ) von Toll, Briefl. I p. 470 Nr.|870, 871, 873; p, 301 Nr. 732. r >) von Toll, Briefl. I p. 391 Nr. 732. °) Urtheilsbncli des liarrisch-wirisclien Rathes; von Toll, Briefl. I p. 397 Nr. 738. 7 ) Rittersch.-Archiv in Reval; von Toll, Reg. — 107 — von Wrangel (49), AVolmärs Sohn, als Vormund von der Scliildseite (Vaters-Seite) und Hermann und Jürgen Polle als Vormünder von der Spielseite (Mutter-Seite) für die Kinder des seligen Simon von Wrangel an Moritz von Wrangeil (IV 1) den Hof Jesse, den Antheil zu Pödderas mit acht besetzten Gesinden und zwölf Haken Land und eine Mühlenstelle vor dem Hofe, ferner das Dorf Tammispae, das Dorf Kailiga], die Mühle zu Kump, den Krug zu Tolsburg und das Land hei Wesenberg für 0000 Mark verkaufen. Am 26. Februar quittiren in Eeval die genannten Vormünder dem Moritz von Wrangel den Empfang des Kaufschillings und am 25. April 1520 lassen sie dem Moritz von Wrangel den Hof Jesse mit Zubehör vor dem Gericht auf. 1 ) Simons Wittwe wird am 10. März 1521 von Vicke von Wrangel (58) beschuldigt, gemeinschaftlich mit ihren Kindern sein väterliches Erbe, namentlich Kal- ligal, unrechtmässiger Weise im Besitz zu haben. Wie aus der Anklage hervorgeht, hatte seine Mutter während seiner Unmündigkeit die Güter verlassen und aufgetragen, wozu sie nach seiner Ansicht nicht berechtigt gewesen war. Vicke wurde jedoch mit seinen Ansprüchen abgewiesen, da er es versäumt hatte, bei seinem Mündigwerden zu redressiren. Simon war mit der Schwester von Hermann und Jürgen Poll vermählt und hatte mit derselben zwei Söhne: Robert (57) und Vicke (58) und eine Tochter Margarethe (Maye) (59), welche zweimal verheirathet war, und zwar: a) mit Wennewer Wesseler, der aber bald verstarb, und b) 1520 mit Johann Asserye. Am 24. Mai 1520 trafen die Brüder Odert und Heinrich Hastfer nebst Bertold Berge mit Johann Wesseler, Wennewers Sohn, und Johann Paykull wegen der Wiederverheirathung der Wittwe des seligen Wennewer Wesseler, Margarethe von Wrangel, mit Johann Asserye eine Vereinbarung, wonach dieselbe auf zwölf Jahre das Gut Goldeberg im Kirchspiel Oberpahlen behalten soll; im dreizehnten Jahre solches aber dem Sohne in dem Zustande wie sie es übernommen zu überliefern habe. Wir finden hierbei Wolmar von Wrangel (49) als Zeuge zugegen. 2 ) Im Jahre 1537 hatte diese Maye von Wrangel ihrem Gatten Johann Asserye. eine Heerweide übergeben, die Ludwig Tuve — jedoch ohne Erfolg — streitig machte. s ) 57. Robert (Robreclit) von Wrangel, Sohn von Simon (48), war, wie wir gesehen, 1520 noch unmündig. Im Jahre 1537 kommt durch Gerd Huyn von Ansteraidt, A^ogt zu AVesenberg, und die „Gutmannen" Hermann von Gilsen und Degener von Gilsen ein Vergleich zu stände zwischen der Wittwe des seligen Mauritius von Wrangeil (II 36) zu Jess eund ihren Kindern und Robert von Wrangel, Simons Sohn, wegen des Hofes und Hauses zu Jesse. Sie behält das Gut und zahlt an Robert 400 Mark, der am 16. Februar 1539 zu Reval den Empfang der letzten Rate von 200 Mark bestätigt, die er bereits am 23. März 1527 erhalten hatte. 4 ) !) von Toll, Briefl. 1. p. 417 Nr. 771. 2) Gesch. der Ungern-Sternberg Urk. 124. 3 ) von Toll, Briefl. I. p. 590 Nr. 1092. 4) Original auf Papier. Unter dem Siegel auf einem Papierstück: Robert Wraugel. (Rittersch.-Arcli.; Esthl. und Livl. Briefl. Nr. 11, 126): von Toll, Briefl. I p. 5S4 Nr. 1082. 14* — 103 — 58. Ticke von Wnmgel, Solan von Simon (48). Von ihm ist nur bekannt, dass er mit Barbara Buxhövden in deren zweiter Ehe vermählt war. Barbara war die Tochter des Glaus von Buxhövden zu Cölljal auf Oesel, mit Sophie von Buxhövden aus Lubolin, der Wittwe des Johann Bevermann. 1 ) 2. Wolmar II. von Wrangel, Sohn von Wolmar I. (1), besass Toall, Seiligel und Bojel und ausserdem im Kirchspiel Theal ein bei Ossete gelegenes Stück Land, welches er von Bartholomäus Ivoskull erhalten, aber vor 1452 wieder an Wilhelm von Ungern verkauft hatte. Er war Ordens-Vasall in Livland. Am 29. Juni 1446 finden wir ihn als Beisitzer bei dem wirischen Manngericht. Als der Magister Gerhard Schere de Livonia eine Vicarie, die Wolmar von Wran- gel gestiftet, beanspruchte, wurde ihm diese von Wolmar vonWrangel widerrechtlich vorenthalten. Schere wandte sich nun an den Hochmeister, aber vergebens, da diesem 1452 vom Meister ein Zeugniss des revalischen Bathes über die Unwürdigkeit des Magisters übermittelt worden war, damit er sich des Schriftstückes in Bom gegen denselben bediene. -) Von Schere sei noch bemerkt, dass er 1425 an der Universität Erfurt immatri- culirt, hierauf Domherr zu Beval und später Kaplan des Kardinals des heiligen Sixtins war. Wolmar war 1464 schon verstorben, denn seine Wittwe lässt ihrer Schwester Luitgard und ihrem Sohne Vicke am 20. März ihre Güter (Erbgüter) auf, da sie 4000 Mark rigisch Morgengabe erhalten. Die Berechtigung so zu handeln begründet Barbara mit der Angabe, dass sie das Dorf Kalligal mit ihrem eingebrachten Gelde gekauft. Wolmar hatte mit seiner Ehefrau Barbara fünf Söhne, nämlich Berthold (6), Gerdt (8), Vicke (9), Wolmar (10), Jürgen (12) und die beiden Töchter 1. Elsebe (7) aus Toall, lebt enoch 1528 als Wittwe des Bertold von Toddewin. 3 ) Sie musste nach einem Urtheil des Manngerichts vom 15. März desselben Jahres die Güter in Harrien räumen, da sie sich mancher Missbräuche gegen Personen, die sie zu Dienstleistungen heranziehen konnte, hatte zu schulden kommen lassen. 2. Gertrud (11) finden wir 1478 an Jacob von Deken verheirathet. Aus einer Prozesssache mit Evert Wedekind geht aber hervor, dass sie schon 1492 ver- wittwet war. Bei dem am 26. Juli desselben Jahres stattfindenden Verhandlungstermin vor dem harrisch-wirischen Gericht ward sie durch Wolmar von VT an gel (10) vertreten. Von ihr sind uns noch einige andere Prozesse und Streitigkeiten bekannt. So steht sie am 30. Juli 1493 gegen Jürgen Truve und im Jahre 1497 gegen Jürgen Lode vor demselben Gericht, wo sie das erste Mal durch ihre Brüder, das zweite Mal aber blos durch ihren Bruder Jürgen (12) vertreten wird. Nach dem Tode ihres Mannes hatte sie mit ihrem Vetter Wolmar von Wrangel (27) ein Uebereinkommen dahin lautend f) von Buxhövden, Güter-Gescliichte p. 109. -) Livland und die Universität Erfurt im fünfzehnten Jahrhundert. s ) von Toll, Brief!. I p. 500 Nr. 93S. — 109 getroffen, dass er ihr eine Pension aussetzen solle, wogegen sie ihm Haus, Hof und Güter abtreten wolle. Wiewohl nun Wolmar seinen Verpflichtungen nachgekommen zu sein scheint, wird dies doch von Gertrud bestritten und ihm ihrerseits die Gegenleistung vorenthalten. Vor Gericht werden beide Theile am 2. März 1505 ermahnt, durch einen gütlichen Vergleich die Angelegenheit zu ordnen. Endlich sei noch angeführt, dass ihr 1500 Hans Hastfer, Bartholomäus Sohn, ein Eliegelöbniss gab, es aber noch in demselben Jahre wieder zurückzog. 1 ) 6. Berthold von Wrangel, Sohn von Wolmar II. (2), besass Jesse. Während der Jahre 1465 bis 1472 war er Manngerichtsassessor und unterzeichnete 1467 als Zeuge den gütlichen Vergleich, welchen der Bitter Jacob Deken mit den Söhnen seines gleichnamigen Vetters bezüglich der Grenzen zwischen Lahrenahsen und dem Dorfe Kyrimeggy abschloss. Am 16. Juli 1482 befand sich Berthold unter den Sendboten Livlands, welche auf dem Landtage zu Eiga verhandelten. Hier wird er „Wrangel von Jesse" genannt. Berthold muss schon vor dem 9. October 1487 gestorben sein, denn an diesem Tage hatte seine Wittwe Margarethe, Tochter des Bitters Jacob Deken und der Margarethe Brakel und Schwester von Jürgen Deken zu Harm, einen Termin wegen einer von ihrem Vater auf dem Dome zu Eeval nachgelassenen Heerwey de. Der Hauskomthur des Deutschen Ordens, Sweder von dem Bussche, fällte zu Beval das Urtheil und sprach das Streitobject dem Andreas Deken für ihn und seine Erben zu. Wir begegnen übrigens Bertliolds Wittwe noch recht oft vor Gericht. So musste sie zur Beitreibung von ausstehenden Geldern zu wiederholten Malen die Hülfe des harrisch-wirischen Eathes anrufen. Aber auch mit ihren eigenen Verwandten gerieth sie sehr häufig in Streitigkeiten und Prozesse — namentlich mit ihrem Schwager Jürgen von Wrangel (12), welchen sie 1492 gewaltthätiger Eingriffe in ihre Besitzthümer beschuldigte. Den 27. Juli 1495 erkennt das harrisch-wirische Manngericht, dass ihr dieselben ungeschmälert verbleiben sollten. An demselben Tage wurde noch ein von ihr gegen Reinhold Drolshagen angestrengter Prozess verhandelt. Drolshagen hatte auf ein in der St. Antonie- Kirche gegebenes Eheversprechen hin Geld von ihr erhalten und klagte sie nun, da er sie nicht gefreit hatte, auf Zurückerstattung dieses Geldes. Von Margarethe von Jesse, wie Bertliolds Wittwe immer genannt wird, sei noch erwähnt, dass sie ihrem Schwager Arnd Truve ihren Antheil an Syuck im Kirchspiel Jörden iiberliess und 1492 auftrug. Im Jahre 1498 theilten sich die beiden Söhne Wolmar (19) und Dietrich (21) in die Hälfte von Peritz, halb Sirgola und halb Metzekiilla mit Schwartzenbeck, welche Dörfer die Vorahnen des späteren Besitzers Reinhold von Wrangel (IX 1) besessen hatten bis auf Schwartzenbeck, welches sonst Musstigöggi genannt wurde. Es waren Theile von Lagena. Berthold hatte aus dieser Ehe vier Söhne: Wolmar (19), Dietrich (21), Beinhold (22), Berthold (23) und fünf Töchter: i) von Toll, Rriefl. I p. 335 Nr. 632. 1. Tocliter (16) vermählt mit Reinhold von Uexkiill 1490. 2. Tocliter (17) vermählt mit Odert von Hastfer zu Undell 1496. 6. Margarethe (18) vermählt 1496 mit Ludolf von Fürstenberg (Luleff Vorsten- berg) in dessen erster Ehe. Derselbe kaufte mit dem Oelde, welches ihm seine Ehefrau Margarethe von Wrangel mitgebracht hatte, von Jürgen Brakel am 19. Mai 1506 den Hof Rayknll. Ludolf verkaufte aber diesen Hof am 22. März 1540 wieder an Lorentz Vertzen für 18000 Mark rigisch. Dieser Ehe entstammten Lorenz Versten (Eiirstenberg) aus Rayknll, welcher die Tochter des Vicke von Wrangel auf Kalligal (III 9), und Maya Fürstenberg, welche Vicke von Wrangel auf Kalligal heirathet. Die beiden Schwäger Odert Hastfer und Ludolf Fürstenberg gerietheu wegen der Morgengabe in Prozess. Ersterer beschuldigte des letzteren Frau Margarethe, dass sie unter Zurückweisung seines Geldes den Hof Undell nicht räumen wolle und zu seinem Schaden im Besitz behalten habe. Der harrisch- wirische Rath, vor welchem dieser Prozess schwebte, gab am 2. März 1505 sein Urtheil dahin ab, dass Odert an Margarethe 4000 Mark in baarem Oelde oder „gutem Pagimente", nicht aber in Briefen, zu zahlen habe, wohingegen letztere Hof und Güter räumen solle; doch wurde ihr die Vergünstigung zu tlieil, noch bis vierzehn Tage nach Pfingsten in dem Hofe Undell zu verbleiben. 4. Oatliarina (20) vermählt mit Moritz von Wrangel auf Jesse (IV 1). 5. Tochter (24) vermählt mit Wolmar von Wrangel (49). Ii). Wolmar von Wrangel, Sohn des Berthold (6). Er besass einen kleinen Tlieil von Annickfer und kaufte zu diesem Besitzthum von seinem Bruder Dietrich (21) noch den Hof zu Addinal mit der Mühle, sowie die Dörfer Paeskul, Poltsum, Arrokul, Kattel und Marynol mit der Hofstätte im Kirchspiel Halliel, ferner den Erbnamen am Dorfe Ameveir im Kirchspiel Xarve und den Erbnamen am Dorfe Aroszel im Kirchspiel Wesenberg. Diese Güter und Dörfer werden Wolmar am 10. Mai 1489 vor Johann Stael von Holstein, dem Vogt in Wesenberg, gerichtlich übergeben. Während wir in den auf uns herüber gekommenen Gerichtsverhandlungen der damaligen Zeit seinem Namen zu öfteren Malen begegnen, wo er bald als Mittelsmann, bald als Vertreter von Unmündigen auftritt, finden wir ihn wegen seiner eigenen Besitzungen nur einmal vor Gericht und zwar mit Claus Tolkes, welcher ihn beschuldigt, durch die Anlage einer Aalwelir den Weg zu den beiden Seiten eines Baches versperrt zu haben. Zu seiner Verteidigung führt Wolmar an, dass bereits sein Grossvater 1 ) und Vater-')-die Aalwehr besessen, ohne dass jemand Einspruch erhoben habe. Das wünsche Manngericht fällt jedoch seinen Spruch dahin lautend, dass die eine Uferseite wieder frei zu legen sei, während Wolmar die andere nach seinem Belieben nutzbar machen könne. 3 ) i) Wolmar IIA 2. '-) Berthold IIA (5. :t ) von Toll-Knckers Samml.: von Toll, Biicfl. 1 p. 225 Nr. 359. — 111 — Nach einer Urkunde vom 18. December 1487. in welcher er uns zum ersten Male genannt wird, war er Beisitzer bei dem Manngericht, als die Gebrüder Lode, Söhne von Heimond Lode, an Hans Hastfer vor dem Vogt zu Wesenberg das Dorf und die Mühle zu Landen verkaufen. Sodann treffen wir ihn am 26. Juli 1492 als Vertreter der Wittwe Jacob Dekens bei ihrem Streit mit Evert Wedekind zu Reval vor dem harrisch- wirischen Gericht. 1 ) Wolmar war mit Anna von Rosen verheirathet, mit der er einen Sohn gleichen Namens hatte. Er starb am 15. Februar 1508 und ward der Ahnherr des freiherrlichen Geschlechts von Wrangel zu Addinal (in Schweden unter Nr 199 immatriculirt). 34. Wolmar von Wrangel, Sohn von M olmar (19). Ihm gehören der Hof Addinal und die übrigen Besitzungen seines Vaters. Wie dieser wird er viel in den gerichtlichen Akten, namentlich bei Urtheilssprüchen und Testamentseröffnungen in den Jahren 1520 bis 1548 genannt. 2 ) Doch ist sein Einfluss viel grösser und das Feld seiner Thätigkeit ein ungleich ausgedehnteres. Er war Amtmann auf dem Hofe Eide und bekleidete gleichzeitig mit Herrn von Lode das Amt eines Mannrichters von 1542 bis 1548, in welcher Zeit er viele wichtige Urtheilssprüche zu fällen hatte. Wolmars Bedeutung wird uns aber erst recht klar, wenn wir ihn im December 1548 selbst eine so hohe Persönlichkeit wie den Ordensmeister Hermann von Bruggenaye, genannt Hasenkamp, nach Reval vor die Schranken des Landgerichts citiren sehen. Wir lassen wegen der Bedeutsamkeit dieses Ereignisses die erwähnte Vorladung hier wörtlich im Urtext folgen: „Meinen Gruss freundlichen v. gutwillige Dienst zuvor. Euwer fürstligen Gnaden allewege steder bevore. Ick mag euwer fürstligen Gnaden nicht bergen, wie ick von Johann Töddewen to rechte gegen den ankünftigen gemeinen Richteldag uf Johanni to Reval binnen vorgeladen, dess Handels halwer, so twischen iuwer Gnaden v. ehme. vorgangen Sommer iss geschehe. Es ist Eurer fürstl. Gnaden in Hochfürstl. Gedächtniss ganss wohl entholden, dat ick my samt mynen gefolgten nicht wolde brücken laden. Euwer fürstligen Gnaden uns samt gefolgden nothloss v. allenn saken enthawen sey, ledig v. schadloss to holden, bin gensslich die hohen toversicht, Euwer förstligen Gnaden wird samt den würdigen Capitel, die Lüfte v. thosage mit dem besten hierinnen weteu to erinnern, My V. mynen gefolgden vor schaden tho behoden, so dann averst nicht geschehe, so citire v. lade ick Wolmar Wrangel to Addinal Euwre förstligen Gnaden samt dem würdigen Capittel vor kegen unse ankünftigen gemeinen Rechtelsdag, den dr ehrwürdige Herr Cumptor to Reval v. Vogt to Wesenberge samt den achtbaren erbaren v. erenvesten reden de lande Harrien v. Wierland to holdende bestimmt hebben uf künftig Johannis Baptistae zu Reval So ick v. eine gefolgden eigenegen schaden v. nadeit geföret worden to rechte sta tor Urkunde sind desen Seddeln twe eines Ludens von ander ge- schreben durch de bockstawen a b c datum Addinal freydags post corporis Clmisti vnd sende Euwer förstligen Gnaden bei dieser Schrift de Vorladimge, welkes my von Johann !) von Toll, Briefl. I p. 241 Nr. .396. 2) Bienemann, Livländ. Urlmndenbucli Bd. 3 p. 206 Nr. 516: Cop. im Revaler Raths-Archiv. — 112 — Töddewen to gescliikt iss, daraus lieft Euwer flirstl. Gnaden alles to verneneme, woher my v. myne gefolgden natrachtet, nyth mehr to dieser tydt, denn Euwer fiirstl. Gnaden Gott dem allmächtigen v. mynen Dienst befohlen. Anno 154S. l ) E. f. Gh. gutwilliger Wolmar Wrangel.to Addinahl." Aber nicht auf die Rechtsprechung allein beschränkt Wolmar seinen Wirkungskreis, sondern er dient seinem »Staate in noch anderer Weise. So finden wir ihn 1559 unter den Gesandten des Ordensmeisters, welche nach Russland zur Friedensunterhandlung geschickt werden, die jedoch zu keinem Resultate führt. Nachdem mit vielen Weitschweifigkeiten der mehrfache Bruch des Friedensbriefes constatirt worden, wird der Entschluss gefasst, den Krieg fortzusetzen und dies durch ein Schreiben des russischen Grossfürsten Iwan Wassiliewicz dem Ordensmeister Wilhelm Fürstenberg, dem Erzbischof von Riga und den anderen Herren in Livland kund gegeben. Desgleichen befand sich Wol- mar von Wrangel unter den Gesandten der Räthe des Domkapitels, welche am 29. März 1558 dem Ordensmeister eine Verschreibung über die Vervollständigung der geliehenen Summe von 60 000 Thalern ausstellen. Wolmar zeichnete sich auch in dem Feldzuge der Herzöge Johann und Karl von Schweden gegen Erich XIV. durch Tapferkeit aus und in der ruhmreichen Schlacht bei Höle-Kirclie stirbt der „tapfere" Wrangel mit Esbjörn Lilliehook und J. Rosenhane unter Iwan Stjernkors, Jesper Krus und Karl Horn. König Karl IX. schreibt in seiner Chronik: „Durch den Sieg fielen 23 Feldstücke und 9 Tonnen Pulver in unsere Hände. Vom flüchtenden Feinde waren nur 40 in jeder Schaar"; er schildert selbst die Begebenheit in nachstehenden Versen: „Iwar Mänsson, der auf der Reise war Obrist er der Kriegsleute war, Vom Könige er geschicket ward Dort waren viel mehrere Als die unter meinem Paniere Zog darum dieses Mal Wieder nach Nyköping fürwahr; Nach Svartäng ich da langte Eilend ich einen Boten sandte Zu meinem Bruder Herzog Johann, Der in Wingaker sich befand, Dass Iwar nicht nach Stockholm wollte. Wir ritten das beste wir kounteu Auf Höle-Wald holen wir sie ein Dann liess ich mein Pferd eilen Nach den Hofleuten die nicht wollten weilen, Und kam nicht eher über den Wald da Als den „Wrangel" todt ich sah. Der war ein edel Mann Und geboren in Livland. Wie ich es gewahrte Wurde ich erzürnt und böse Und wollte dem Feinde folgen länger Und todtschlagen alle die Menge, Allein es war da in der Abendzeit Dass ein Jeder wollte ruhen. Und lagerten wir uns dann bei Höle-Kirche froh, Wolmar Wrangel liess dann ich begraben Den die Feinde hier umgebracht haben, In Höle-Kirche legte man seine Leiche Die Seele ist im Himmelreiche." Leider ist aus dem Leben dieses Mannes auch ein bedauerlicher Vorfall zu berichten. Wolmar hatte 1566 das Unglück einen Todtschlag an Heinrich Harckant zu begehen. Er erhielt jedoch den 14. Mai desselben Jahres das Geleit.-) i| Esflil. Biblotliek in Revnl Nr. 2331. *) Geleitbiicli der Stadt Reval p. 331. 113 — Wolmar war vermählt mit Anna Sophie von Maydel, Tochter des schwedischen Rittmeisters hei der esthländischen Adelsfahne, Johann von Maydel auf Sattlern und Pernorm (Wredenhagen) und dessen Gemahlin Euphemia Nieroth (Tochter des Johann Nieroth auf Kappel in Harrien und der Gertrud Hastfer von Sommerhusen) 1 ) und hatte mit derselben drei Söhne; Hans (52), Heinrich (53) und Gerth (54), sowie die beiden Töchter: 1. Anna (50), welche den Pfandhalter Johann Müller von Erredes 2 ) heirathete, 2. Mayge (51), die sich mit Wolmar von Taube zu Neuenhof vermählte. 53. Heinrich von Wrangel, Sohn von Wolmar (34). Er wurde von Ponto de la Gardie mit Addinal belehnt, weil er sich 1586 in königlich schwedischen Diensten hatte gebrauchen lassen. Schon 1569 wird Heinrich als Besitzer eines kleinen Grundstückes genannt. In demselben Jahre klagte er gegen Gotliard Weckbrodt wegen ausstehenden Forderungen und wurde am 26. Juni durch das Manngericht die Angelegenheit zu seinen Gunsten entschieden. Demiuigeachtet ward die Sache in demselben Jahre nochmals in Anregung gebracht und ein gleiches Erkenntniss gefällt. 54. Gerth von Wrangel, Sohn von Wolmar (34), erhielt wie sein Bruder Heinrich wegen seiner dem König von Schweden geleisteten Dienste von Ponto de la Gardie 1586 Addinal verliehen. 52. Hans (Johann) von Wrangel, Sohn von Wolmar (34). Bereits im Jahre 1558 wird er als Besitzer von Addinal und im Jahre 1582 als solcher von Heymar erwähnt. Im darauf folgenden Jahre unterstützt er seinen Schwager Wolmar von Taube zu Neuenhof bei der Aufrichtung eines Vertrages, welchen dieser mit seinen Vettern wegen ihres Erbtheils aus Neuenhof aufrichtet. Er zog als schwedischer Hauptmann mit Graf Schwanten nach Schweden, keimte aber bald nach Addinal zurück und ging sodann nach Karkuss, um sich zum Herzog- Magnus zu begeben. Während dieser Zeit hielt man seinen einzigen Sohn Hans (Johann) (60) in Haft und vergab, da dieser noch unmündig war, durch Ponto de la Gardie seinen Vettern Heinrich und Gerth von Wrangel (53, 54) Addinal. Hans war vermählt mit Anna von Bolschwenk, Tochter des westfälischen Edelmannes Heinrich von Bolschwenk und der Margarethe Stael von Holstein. 60. Hans (Johann) von Wrangel, Sohn von Hans (52). Aus dem Schriftstücke, in welchem er am 25. Juni 1597 seinem Schwager Fabian von Fersen den Empfang der gesammten Mitgift seiner Frau bestätigt, geht hervor, dass Hans das während seiner Unmündigkeit an Heinrich und Gerth 1) Gadebuscli, Grundriss einer Gesch. des livl. Adels X, p. 435; Palms Briefl. Dieser Maydel war einer der Stammväter der adligen und freiherrlichen Geschlechter von Maydel in Schweden. 2) Livl. Rittersch.-Arcliiv Kr. IIS fol. 600; Mor. Wrgl. Samml. VI p. 205; Raths-Archiv Reval. 15 von Wrangel (53, 54) vergebene Addinal wieder zui'ückerhalten hat, denn er zeichnet hier ausdrücklich mit „Wrangel von Addinal". Von dem Vater seiner ersten Frau, bei welchem Hans am 2. März 1(125 lebte, erbt er noch Heymar mit Naisewall, Moyseküll und Kockufer und nennt sich „Wrangel von Addinal zu Heymar". Ausserdem wissen wir aus einer Zeugenaussage, die Hans wegen eines Heuschlages bei Thomel im Jahre Iß45 machen musste, dass er noch Bauern zu Arrisal besass. Nachdem er längere Zeit Hakenrichter in der Wieck gewesen, wurde er 1624 zum Mannrichter erwählt und scheint überhaupt in bestem Ansehen gestanden zu haben. Im Jahre 1613 hatten die seit 1605 zwischen der Ritterschaft und Landschaft einerseits und dem Rath zu Reval anderseits schwebenden Streitigkeiten sich zu einer solchen Heftigkeit gesteigert, dass sie nur durch Verhandlungen beigelegt werden konnten, welche dann auch am 22. April 1614 begannen und am 10. Mai fortgesetzt werden sollten. Allein wegen Mangel an Futter für ihre Pferde mussten viele von der Ritterschaft abreisen und man sah sich zu anderen Massregeln veranlasst. Es wurde nämlich aus jedem der vier Bezirke Harrien, Wirland, Wieck und Jerwen ein Ausschuss erwählt, welcher an den Verhandlungen tlieilnehmen sollte. Zu diesem Ausschuss wurde für Wirland unser Hans von Wrangel und Tönnies von Wrangel (XI 1) herangezogen, welche der am 11. Mai Vormittags 10 Uhr in der grossen Gilde-Stube zu Reval beginnen den Sitzung beiwohnten. In den Gerichtsprotokollen linden wir Hans mehrere Male erwähnt. Wegen einer rechtmässigen Forderung hatte er im Jahre 1619 bei dem Untergericht für Wirland eine Klage gegen Wolmar von Uexküll zu Karti angestrengt, welcher auch am 15. März zur Zahlung verurtheilt wurde. — Am 22. März 1625 stand er vor dem wirischen Manngericht zu Reval, um eine Aussage wegen des wannamoisischen Heuschlages zu machen. Diese Aussage ist um so bemerkenswerther, als wir aus ihr erfahren, dass er schon seit der Eroberung des Hauses Wesenberg durch die Moskowiter, also über vierzig Jahre, an dem Orte wohnt. — Im Jahre 1627 bestimmt er mit Heinrich von Ungern von Assoten die Grenzen zwischen Pedua und Waddemois, beide im Kirchspiel Merjane gelegen. Am 18. Juni 1628 schloss Hans mit Bernd von Taube wegen der Verheiratliung des letzteren Tochter Luitgard mit seinem Sohne Dietrich (64) eine Eheberedung ab, wonach letzterer bei stattgehabter Vermählung den Hof Heymar erhalten soll, sich dagegen ,.aus jeder Hofes Lotte 9 Pfund Landes" nebst den Buschlanden zum Lebensunterhalt und die drei Dörfer Naisewall, Moyseküll und Kockufer ausbedingt. Dietrich hat den einen Bruder mit 2000 Thaler und die beiden Schwestern Elisabeth (100) und Anna (100A) mit je 1000 Thaler auszusteuern; ebenso letzterer und dem Bruder Wolmar den Lebensunterhalt zu gewähren. Er war zweimal verheirathet: a) mit Kunigunde von Fahrensbach aus Heymar, Tochter Dietrichs von Fahrensbach zu Heymar, und b) 1595 mit Gertrud von Fersen von Erna, Tochter des Lorenz Hermann von Fersen und der Adelhaid Hansdotter von Wrangel. 115 Sie verstarb 1662 und wurde am 12. Februar im Dom zu Reval begraben. 4 ) Es stammten aus der ersten Elie zwei Söhne: Hans der .Jüngere (63), Dietrich (64) und zwei Töchter: 1. Kunna Elisabeth (67), welche 1628 unverheirathet, dann aber 1670 mit dem Oberstlieutenant Wolmar von Wrangel auf Rojel (XVIII 28) vermählt war; 2. Anna (68), die 1628 unverheirathet lebte; aus der zweiten Ehe Hermann (66), Wolmar (65) und eine Tochter: 3. Dorothea (69), die Bernd Tönnisson von Zweiffei auf Walgell und Ellefehr heirathete. 66. Hermann von Wrangel, Sohn von Hans (60), besass Addinal 1660, war mit Beate von Wachtmeister, Tochter des Claes von Wachtmeister, und der Elisabeth von Tönniesdotter Wrangel vermählt und wurde der Stammvater des Hauses Addinal (in Schweden unter Nr. 199 im- matriculirt) (Tab. VII). 63. Hans von Wrangel, Sohn von Hans (60), der Jüngere genannt, lebte 1648 als Herr auf Heymar, war Frbherr von Brackelshof 2 ) oder Sadjärwe und 1664 schwedischer Kapitänlieutenant; er hielt sich 1587 in Dorpat auf. Bei der Verheirathung mit Christina von Taube, Tochter des Statthalters in Reval Jobst von Taube und der Julianna Johannsdotter von Ekeblad, waren Hans von seinem Schwiegervater 5000 Reichsthaler zum Brautschatz versprochen worden. Aber nach dessen Tode liess Hans, weil das Vermögen des Schwiegervaters verschuldet war, 2000 Thaler fallen und kaufte von seinem Schwager, dem Hofmarschall und Oberst Jacob Johann von Taube, Freiherrn auf Kuddinge, für 4345 Reichsthaler die Dörfer Kassinorm und Reliefen, welche später wieder in den Besitz der Brüder Christinas kamen. Der Kaufbrief war zu Reval am 27. September 1663 abgeschlossen und von Christina von Taube, Hans Wrangel von Heymar und dem General- Gouverneur Jacob Johann Taube unterzeichnet und liegt in der Fehtenhofschen Brieflade. Ebenso hatte er Fehtenhof (Väthenhof) 1663 3 ) in Pacht und besass 1650 F ehlenberg. 4 ) Später kaufte Hans von seinem bereits erwähnten Schwager, dem Hofmarschall und nachmaligen Generallientenant Jacob Johann von Taube, am 2. Januar 1667 das Gut Fehtenhof für 5000 Thaler. Obgleich nun dieser Kauf mit königlicher Genehmigung abgeschlossen war, wurde das Gut dennoch am 30. Juli 1685 eingezogen und die Erben des Generallieutenants sahen sich am 10. April 1696 genöthigt, den Kaufschilling zurück zu zahlen. Am 25. Februar 1664 schlössen die beiden Brüder Hans von Wrangel von Heymar auf Fehtenhof und Rehefer, damals schwedischer Kapitänlieutenant, und Wolmar von Wrangel von Heymar (65), damals schwedischer Major, folgenden Erbkauf ab: 1) Livl. Kittersch.-Arcli. Nr. 119 fol. 1, p. 283—288: Moritz Wraugell, Samml. VI 160: Wrangeil, Darstellung Tab. I ad IX. 2) von Toll, Briefl. II 1. p. 328, IST. 373. Gadebuscli Bd. 3; acta ind. pron. Dorp, in pto. Bin. reg. 4) Lude, Briefl. Tab. VIII, Nr. 3: Livl. Rittersch.-Archiv Nr. 119 fol. I, p. 263-288, und Nr. 164 p. 102—128: Gadebuscli, Manuscript. 15* 116 „1. Es verkauft Hans vor sich und mit Consens seiner Ehefrau etc. vor seinem Hause und Platz auf Thumb zu Eeval gelegen gerade den halben Theil seines Platzes, die Länge zu nehmen aus der steinernen Stube vor der Kingmauer gerade bis an die kleine Quergasse, sowohl von Landrath Bernhard Taube von Maidel, als Herrn Gouverneur Nils Asserson Mannerschildt Seiten auf die Hälfte und die Breite von Baron und Landrath Seite ab bis an des steinernen Hauses Einfahrt, so iy 2 Faden breit sein soll zwischen dem verkauften Platz und Herrn Gouverneurs Asserson Räume eingehend in der Länge und Breite, wie es anjetzt abgestochen und abgeplacket worden, dazu noch in der Plank Nurke eine Krümme von einem halben Faden breit, dass man bequem einfahren kann, mit dem darauf gebauten hölzernen Logement und Zubehör bis an des Barons und Landraths Taube Mauern hinan, selbigen halben Theil seines Platzes an seinen Bruder Major Wolmar Wrangel. 2. Für diese Cession giebt Wolmar an seinen Bruder Hans 700 Thaler." 1 ) Im Sommer 1670 hatte Hans das Unglück, dass bei einem grossen Gewitter der Blitz in seinen Besitzungen einschlug und zwei Klaten vollständig einäscherte. Mit diesen gingen auch die Dokumente über Fehtenhof verloren, von denen ausser noch drei anderen folgende beide von besonderer Wichtigkeit waren: 1. Mannrichter Johann Tuwens Brief wegen des gesprochenen Urtheils zwischen Jürgen Fäten und Hermann Wrangel von Ellistf'er (1554). 2. Bischof Hermanns Confirmation oder Urtheil der Commissarien gesprochenen Centenz zwischen Jürgen Fäten und Hermann Wrangel von Ellistfer (1554). Die Vermählung von Hans von Wrangel mit Christina von Taube fand am 24. September 1663 statt. Sie verstarb 1672 und wurde am 20. März auf dem Dom zu Reval begraben. 2 ) Hans von Wrangel starb den 15. December 1690. Er hatte mit Christina zwei Söhne: Johann Dietrich (71) und Jobst Jacob (74) und zwei Töchter: 1. Kristina (72), welche sich mit dem Kapitän Johann Heinrich von Patkul auf Posenhof verheirathete; 2. eine Tochter (73), die zweimal verheirathet gewesen, und zwar: a) mit Woldemar Johann von Buxliövden und b) mit Georg Johann von Rönne. 3 ) 71. Johann Dietrich von Wrangel, Sohn von Hans dem Jüngern (63), war Erbherr auf Relief er und 1678/79 Lieutenant. 4 ) Von ihm wird uns folgende Episode erzählt. Am 5. März 1691 besuchte Johann Dietrich einen Freund, Heinrich Schulmann in Reval, wo er den Lieutenant Behrend Johann Derfeldt und einen Rittmeister Delwig 1 ) von Toll, Ulk. zu Familien-Nachr. des 17. Jalirlidts. 2 ) Dom K. B. Keval; Gesch. der Familie Lode p. 93 Nr. 476. S) Lude, Brief!. Tab. VII! Nr. 3: Livl. Eittersch.-Archiv Nr. 119 fbl. 1, p. 263—288 und Nr. 164 p. 102—128; GadebusA, Manuscript. 4 ) Livl. Jahrb. III 3 p. 287; Moritz Wrangell, Sammlung Tab. VI p. 160; Livl. Bittersclu-ArAiv Nr. 164 p. 102—125. — 117 — antraf. Bei der Unterhaltung des Wrangel mit Derfeldt kam auch das Gespräch auf den Idomaschen Pfandschilling, wobei letzterer von Johann Dietrich eine Sicherheit für die noch restirende Summe verlangte. Da dieser aber nicht hierauf eingehen wollte, bevor ein früher zu stände gekommener Vergleich aus Stockholm zurück und kassirt wäre, so entwickelte sich ein recht heftiger Streit. 1 ) Johann Dietrich verstarb vor 1727 und war mit Anna Margarethe von Wolffeit, Tochter des Kapitän Magnus von Hoffeidt (adl. Wolffeit) vermählt, welche am 28. August 1729 zu Wetzin im Kirchspiel Köthel verstarb. Er hatte mit derselben eine Tochter Marie Julianne (81), die den 7. October 1697 mit dem Kapitän Christoph Friedrich von Kur sei 2 ) copulirt ward. 74. Jobst Jacob yon Wrangel, Solm von Hans dem Jüngern (63),J wurde der Stammvater des Hauses Raick (Tab. X) 64. Dietrich von Wrangel, Sohn von Hans (60). Er erhielt 1638 das Gut Heymar von seinem Vater abgetreten, welches er dann später an seine Töchter vererbte. Dasselbe war ihm schon am 18. Juni 1628 bei der anlässlich seiner Verheirathung mit Luitgard von Taube, Tochter des Berend von Taube zu Kosch und Maydel, stattgehabten Eheberedung zugesichert worden und zwar sollte ihm für den Fall der Verheirathung binnen drei Jahren Hof und Gut Heymar mit Ausnahme der Dörfer Naisewäü, Moyseküll und Kockufer, sowie die grosse Steinkammer mit dem Steinhause, „so vor Alters eine Kapelle gewesen", übergeben werden. Dietrich hatte dagegen seine Schwestern Elisabeth und Anna, sowie seinen Bruder Wolmar anderweitig zu befriedigen. Dietrich war Kapitänlieutenant und wurde 1636 zum Hakenrichter für die Wieck und 1641 zum Mannrichter für denselben Kreis erwählt. Nach seiner Ernennung zum Hakenrichter begannen, so wird erzählt, in seiner Behausung die Berathungen, welchen auch Johann von Wrangel zu Allo beiwohnte, mit „gebührlicher Solennität". Im Jahre 1670 ist Dietrich bereits todt, was wir aus einem Arrenden-Contract ersehen, den Wolmar (65) am 25. März 1670 mit seiner Schwägerin Luitgard (geborene von Taube), der Wittwe Dietrichs, wegen ihres Leibgedinges Heymar nebst Dörfern, auf drei Jahre abschliesst; im März des darauf folgenden Jahres ist Luitgard ebenfalls verstorben. Dietrich hatte einen Sohn Gustav Johann (75), ein Kind (76), welches aber schon 1649 verstarb und am 17. Februar im Dom zu Keval beigesetzt ward,. 3 ) und drei Töchter, von denen 1. Sophie Margarethe (75A), die sich am 20. Juni 1679 mit dem Kapitän Otto Magnus von Hastfer zu Paukern verheirathete; 2. eine Tochter (76A) 1677 unverheirathet lebte; 3. Anna Gertrud (77), welche unverheirathet zu Heymar lebte. 1) Briefl. Leelits; Russwurm, Material. 2) Domkirehenbuch in Reval: Otterkollsche Briefl. Nr. 22: TJngern-Sternberg Urk. 621 p. 568. 3 ) Domkirehenbuch Reval. 118 75. Gustav Johann von Wrangel, Solni von Dietrich (64) von Heymar, schloss mit Claus Huyssen folgenden Pfand- Contraet ab: Es verpfändet Gustav Johann von Wrangel mit Bewilligung seiner Mutter seine im wieckischen Kreise und merimanschen Kirchspiel gelegenen Dörfer und Bauern, als: Dorf Kaggofer mit drei ein viertel Haken und zwei besetzten Hakenbauern, als Simon und Jürgen, und einen halben Hakenbauer Arend — das übrige Feld bleibt zur Hoflage —, einen halben Hakenbauer Namens Lienametz Mart, zu Kaggofer eine halbe Meile vom Hofe gelegen, mit allen Pertinentien und Zubehör für 700 Thaler, die er sofort zur Verzinsung auf sieben Jahre empfing. Aber sowohl Huyssen als dessen Nachfolger Johann Bagge von Kaggofer handelten ganz gegen den Contract, so dass die beiden Schwestern von Wrangel auf Heymar sich klagend an das Gericht wandten. Da ihre Aussagen durch Zeugenvernehmungen vollständig bestätigt wurden, so wurden sowohl Huyssen als Bagge zur genauesten Befolgung des Contracts und Schadloshaltung der Schwestern am 26. Juni 1675 vom Manngericht zu Reval angewiesen. 1 ) 65. Wolmar von Wrangel, Sohn von Hans (60), ist am 12. Februar 1648 geboren und am 20. März 1686 gestorben. Er liegt in der Domkirclie zu Reval begraben, wo ihm zum Andenken ein Epitaph über der Kanzel angebracht ist. Wolmar war schwedischer Major und Mannrichter in der Wieck. Am 3. April 1664 lieh er seinem nachmaligen Schwiegervater Jürgen von Wrangel (XU 10) zu Sickleclit, Sage und Pedua 4724 Speciesthaler und erhielt dafür als Pfand den Hof Sage im Kirchspiel Rappel auf drei Jahre; ebenso schloss Wolmar mit Luitgard von Wrangel geborene von Taube, der Wittwe seines Bruders Dietrich (64) am 25. März 1670 auf drei Jahre einen Arrende-Contract wegen Heymar ab, für welches er 1800 Reichsthaler zahlte. Aus diesem Contract sind ihm viele Weitläufigkeiten erwachsen, da nach dem Tode seiner Schwägerin seine Nichten Anna Gertrud und Sophie Margarethe von Wrangel den Hof nicht räumen wollten und er am 6. April 1676 noch immer auf Sage verbleiben muss, obgleich er seinen Verpflichtungen nachgekommen ist. Er wird daher klagbar und protestirt gegen den ihm aus der Angelegenheit erwachsenden Schaden. Wie wir schon bei seinem Bruder Hans (63) gesehen, schliesst Wolmar am 25. Februar 1664 einen Erbkauf wegen des Hauses und Platzes auf dem Dom zu Reval ab. Im Jahre 1683 führt er als gewesener Vormund wegen der Hinterlassenschaft der inzwischen verstorbenen Gebrüder Johann Hinrieh und Clas Dietrich von Nieroth gemeinschaftlich mit dem Landrath und Oberst Hans von Wrangel (XVII 4) gegen den Oberstlieutenant Otto Reinhold von Nieroth einen Prozess, welcher am 6. October durch das Oberlandgericht in Reval zur Verhandlung und zum Austrag gelangt. Wolmar vermählte sich im Jahre 1670 mit Anna Dorothea von Wrangel, Tochter des Jürgen von Wrangel auf Sickleclit (XIIA 1) und nach deren Tode mit ') Oberlandger. Keval, Convolut 277 Nr. 3. — 119 Anna Dorothea von Maydel ans dem Hanse Tocknmbeck, Tochter des Mannrichters Jürgen von Maydel, welche 1690 noch lebte. Wolmar hatte nur aus seiner ersten Ehe Kinder und zwar drei Töchter: 1. Helene (78), welche 1683 zu Toickfer lebte, 1689 verstarb und am 25. Februar im Dom zu Reval begraben ward. Am 24. September 1685 wurde sie mit Kapitän Christoph Adam von Richter copulirt. Ihr ward 1687 Toickfer zugesprochen. 2. Christiane Charlotte (79); von ihr ist nur bekannt, dass sie am 14. August 1681 zu Reval getauft wurde. 3. Anna Helene (80) verstarb in hohem Alter 1733 und ward den 18. Februar im Dom zu Reval beigesetzt. 21. Dietrich von Wrangel, Bertliolds Sohn (6), hatte von seinem Vater mehrere Güter geerbt und besass ausserdem den Hof Addinal mit mehreren Dörfern und Zubehör, welche er aber 1489 an seinen Bruder Wolmar (19) verkauft und solche am 10. Mai vor dem wirischen Manngericht für denselben auflässt. Das Nähere aus den Jahren 1489 und 1498 ist bei seinem Bruder Wolmar von Wrangel (19) zu ersehen. 22. Reinhold von Wrangel, Sohn von Berthold (6). Er hat im Jahre 1492 als Zeuge die Urkunde, welche Margarethe, Berthold von Wrangeis Wittwe (6), bei Auflassung ihres Erbtheils am Dorfe Syuck an Arnd Tuve am 28. Februar ausstellt, mitunterzeichnet. Ausserdem befindet er sich unter denjenigen Wrangeis, welche über den Empfang einer Kiste mit Briefen vom Rath zu Reval am 24. Januar 1538 quittiren. Er wohnte zuletzt in Lemsal in Livland und wurde 1549 am Tage Palmarum daselbst von Hermann Tuve, „des ehrbaren und ehrenfesten Eilert Krusen Diener", erschlagen; welcher jedoch später von der Stadt Reval das Geleit erhielt. 1 ) 23. Berthold von Wrangel, Sohn von Berthold (6), verkaufte am 15. September 1500 seinen Hof zu Jesse mit den Gütern und Dörfern Pödderas mit zwölf Haken Land, drei Gesinden zu Tammispae mit der Mühle von dem Hofe zu Jesse im Kirchspiel Halliel für 6150 Mark rigisch an Wolmar von Wrangel (33) mit der Bedingung, dessen Hof zu Ochto und den Antheil, den Wolmar an dem gleichnamigen Dorfe hat, als Zahlung für 2000 Mark anzunehmen. Als Unterhändler fungirten hierbei Claus Tolkes und Odert Hastefer. Von Berthold erfahren wir noch, dass er 1511 infolge einer Verwundung von seifen des Marcus Polle, den er mit Worten beleidigt, lahm geworden. Als Berthold klagbar wurde, entschuldigte sich den 16. März Marcus Polle vor dem harriseh-wirischen Rathe damit, dass Berthold sich die Folgen seiner Verwundung selbst zuschreiben müsse, da er ihn durch Worte zur Misshandlung gereizt habe. Das Gericht verurtheilte dessenungeachtet den Marcus Polle, brachte aber gleichzeitig eine Versöhnung zu stände. !) Geleitlmcli der Stadt Reval p. 218. In demselben Jahre wurde Berthold von Wrangel von Jacob von Hurlen wegen eines Schuldbriefes unter dem Vorgehen verklagt, von den geliehenen 465 Mark erst 200 Mark zurückerhalten zu haben. Es wurde jedoch festgestellt, dass der Brief über 465 Mark berichtigt, und so wurde Jacob von Hurlen am 9. September vom harrisch- wirischen, Rath abschlägig beschieden.') Im Jahre 1515 verkaufte Berthold an Moritz von Wrangel (II 36, IV 1) die Hälfte seines Dorfes Einn (Fymie), im Kirchspiel Iveel (Neukirchen) in Wirland belegen, und liess solches am 29. September vor dem wirischen Manngerichte dem Käufer auf.' 2 ) Auch folgende Begebenheit mag nicht unerwähnt bleiben. Als der Bischof Reinhold seine Residenz von llapsal nach dem Oeseischen, der insularen Hälfte seines Bisthums, zu verlegen beabsichtigte und schon seine Dienerschaft in Hapsal entlassen hatte, erhielt er die Meldung, dass ihm der Schlossvogt Godert von Gilsen (Gotthard, Gerds Sohn, stammt aus Wirland) mit seinen Hofjunkern und Dienern den Einzug in die Arensburg auf Grund einer Forderung nicht gestatten wolle, in welcher es heisst: „Die Hofjunker und Diener haben noch zu fordern von drei Jahren her zwei englische Kleidungen und von fünf Jahren her die Beute (Extrabewilligung zum Gehalt). Für jedes Kleid verlangen sie 15 Mark und für die rückständige Beute 10 Mark, so dass jedem 40 Mark (1531 war 1 Speciesthaler = 3 V* Mark rigisch; also 40 Mark = 11 Vr Speciesthaler oder circa 15 Rubel Silbermünze) gezahlt werden müssen, wie es ihnen der Domherr Johann Pulk zugesagt hat." Die Forderung war von 47 Personen unterzeichnet, unter welchen wir neben anderen Ritterschaftsmitgliedern auch Berthold von Wrangel finden. Als darauf der Bischof sich durch List der Burg zu bemächtigen suchte und dies eine Spannung zwischen der Ritterschaft und den Schwarzenhäuptern hervorrief, unternahm es Wrangel, durch zwei Schreiben (vom 3. und 23. März 1531) die Eintracht wieder herzustellen — doch vergebens. Erst nachdem der Domherr Hinrich Ixkiül, der Rath Ohristotter Bode und der auch in Oesel residirende Stiftsvasall Christoft'er Vitingk dem Bischof ihre Hülfe zu theil werden liessen, kam Ende Mai eine Vereinbarung und damit die Beseitigung aller Misshelligkeiten zu stände. 3 ) 9. Vicke von Wrangel, Sohn von Wolmar (2). Er besass 1469 Kalligal und Asse, Land bei Wesenberg (Selckis) und aus einer Urkunde, welche die Familie Uexkiill betrifft, geht hervor, dass ihm 1470 auch drei Gesinde im Dorfe Tolss gehörten. 4 ) Vicke war, wie wir aus den damaligen Urkunden ersehen, Landrath und verstarb vor 1514. Er war mit Margarethe von Taube aus Fylir verheirathet und hatte mit derselben mehrere Kinder. Vicke wurde der Stammvater des II. Hauptstammes zu Tolsburg, Selckis und des Hauses Ellistfer (Tab. III). 1) von Toll. Briefl. I p. 416 Nr. 769. " 2 ) von Toll, Briefl. I p. 446 Nr. 826. :$ ) Beiträge zur Geschichte Esthlands, Kurlands und LivlandsJ Bd. II H. 3 p. 389/91, ad Nr. 21 Arensburg. 4) Archiv Kuckers: von Toll, Begesten. 121 12. Jürgen von Wrangel, Sohn von Wolmar (2), erhielt Rojel als Erbtheil und kaufte hierzu 1493, Sonnabends am St. Johannistag, von seiner Schwester Gertrud (11), Wittwe des Jacob Deken, den im Kirchspiel Rappel gelegenen Hof Sage, zu welchem auch die Mühle, das Dorf Horo, das Gesinde zu Karlepp und Gesinde Meckess, Einfüssling zu Sommere, gehörten. Ferner brachte er 1492 Wrangeishof (Hof zu Wrangel) bei Wolmar an sich. In den Gerichtsakten finden wir Jürgen von Wrangel recht oft genannt; hier tritt er theils als Zeuge, tlieils auch in eigenen Angelegenheiten auf, oder er steht in irgend welchen Beziehungen zur Streitsache. Aus einer Klagesache der Gebrüder Lode gegen Bartholomäus Ermiges, welche am 23. Januar 1472 vor Bartram von Walanden zu Wolmar verhandelt wird, geht hervor, dass erstere dem Jürgen von Wrangel, Wolmars Sohn von Rojel, noch ein Gesinde von 6 „Hoyman" oder 70 Mark schulden. 1 ) Anno 1482 wohnt Jürgen der wemelischen Tageleistung (Gerichtssitzung) bei. 2 ) Am 26. Juli 1492 wird in einer Streitsache des Otto Soie mit Jürgen von Wrangel vom harrisch-wirischen Rath zu Reval erkannt, dass Otto Soie (Zöge) dem Jürgen von Wrangel in der Sache antworten soll. 3 ) —Im Jahre 1500 ist Jürgen Zeuge, als Arnd Viting- hof seinem Bruderssohn den Heuschlag Lathe überlässt. — Am 30. Juni desselben Jahres sehen wir Jürgen in Vertretung seiner Schwester den Dietrich Naschert gewaltsamer Eingriffe in ihr Eigenthum vor dem harrisch-wirischen Manngericht beschuldigen. Er wurde jedoch mit seiner Klage abgewiesen, da die Anschuldigungen sich als grundlos erwiesen. Auch mit seiner Schwägerin, der „Frau von Jesse", hatte Jürgen einen Prozess, welcher am 18. Juli 1496 zur Aburtheilung gelangte. Die Frau klagte nämlich den Jürgen an, dass er sich gewaltsamer Eingriffe in ihr Eigenthum schuldig gemacht habe, und heisst es in der betreffenden Klageschrift, „sie habe ihm Geld angeboten nach Ausweis des Abspruchs, er habe es aber nicht angenommen, sondern ihr Gut angetastet, wiewohl das Geld unter dem obersten Gericht lag-'. Da aber Jürgen weder Geld gesehen noch erhalten zu haben vermeinte, so ward die Frau verurtheilt, ihm die Rente zu geben und ihm zu verabfolgen, was im Dorfe an Habe und Korn sei. Am 30. Juli 1493 klagt Jürgen vor dem harrisch-wirischen Gericht gegen Arnd Truve wegen Holzschädigung durch dessen Bauern. Wegen ausstehender Gelder und Vorenthaltung von Büchern und sonstigen Utensilien, die dem Orden gehörten, hatte er 1497 Prozesse von längerer Dauer zu führen. Sie waren gegen Reinhold von Scherenbeke, Eilliard von Kruse und Berthold von Todwen gerichtet. In demselben Jahre vertrat er auch die Kinder des verstorbenen Arnd von Vitinghof gegen Dietrich von Vitinghof. Sämmtliche Angelegenheiten wurden, wie berichtet wird, „nach sorgfältiger Prüfung dem Rechte nach entschieden". Jürgens Gemahlin, deren Name unbekannt, lebte noch 1521 als Wittwe. Mit ihr hatte er drei Söhne, Berthold (26), Wolmar (27), Helmold (29) und zwei Töchter: V) Briefl. Palm: von Toll, Kegesten. 2) Kelch, p. ITT; Arnd Tli. II p. 160. 3) von Toll, Briefl. p. 238 Nr. 388. 16 Barbara (28) aus Rojel, welche 1490 mit dem Ritter Helmuth von 'Piesenhausen und Randen in seiner ersten Ehe vermählt war. Gertrud (30), verheirathet mit Claus von Treyden, lebte den 15. März 1505 als Wittwe. 2G. Berthold von Wrangel, Sohn von Jürgen (12), bezeugte am 24. November 1499, dass er dem Ritter Hermann von Soye (Zöge) 600 Mark rigisch schuldig sei. In dieser Urkunde wird auch sein Bruder Helinold (29) erwähnt. 27. Wolmar von Wrangel, Solm von Jürgen (12), besass 1505 Sage und erbte durch seine Ehefrau, die jedoch nicht namhaft gemacht wird, Sicklecht. Er lebte 1523 im Stift Dorpat und verstarb 1537. Mit seiner Muhme Gertrud von Wrangel (11) hatte Wolmar ein Abkommen getroffen, dass diese ihm gegen eine Pension ihren Hof und ihre Güter abtreten sollte. Da sie nun dieselben nicht räumen wollte, so strengte Wolmar im Jahre 1505 gegen sie einen Prozess an, wurde aber abgewiesen, da seine Muhme vor Gericht erklärte, dass sie noch niemals die Pension erhalten und ausserdem Wolmar die von seinem Vater erhaltenen Briefe nicht gesehen. Wolmar hatte einen Sohn Evert (35) und eine Tochter: Christine (37), Gemahlin des Landraths Moritz von Wrangel auf Sag und Sicklecht (XH 2), welche beide Güter er durch seine Ehegattin erhalten; 35. Evert von Wrangel, Sohn von Wolmar (27). Ihm gehörte der Hof Sicklecht im Kirchspiel Rappel in Harrien mit den Gütern: das Dorf Jalles mit acht Gesinden, das Dorf Gross-Rokull mit einem Gesinde, das Dorf Klein-Rokull mit vier Gesinden, das Dorf Kodikar mit zwei Gesinden, das Dorf Lesi mit einem Gesinde, das Gesinde Ottempa, desgleichen ein Gesinde zu Tattern und ein Gesinde zu Porko. Wegen dieser Besitzungen hatte Evert einen Streit mit Peter von Neueraidt, weil dieser ihm dieselben vorenthielt. Evert konnte jedoch durch Zeugnisse, Briefe und Zusicherungen sein Anrecht auf den Besitz darlegen und ward ihm infolge dessen am 28. Januar 1537 der Hof mit den Gütern zugesprochen, welche seinem seligen Vater von Otto Tuve in aller Form gerichtlich übergeben worden waren. Im Jahre 1544 wurde er denn auch mit denselben von Hennann von Bruggenaye genannt Hasenkamp, dem Meister des Deutschen Ordens in Livland, belehnt, nachdem er zuvor einen Antrag auf Belehnung eingereicht hatte. 1553 besass Evert auch Sage und im Jahre 1558 wird er nicht nur in Harrien, sondern auch in Wirland als besitzlich bezeichnet. Im Jahre 1549 ist er Vermittler in einem Grenzstreite zwischen Neuenhof und Harm. Am 15. Juli 1552 finden wir Evert als Abgeordneten auf dem Landtage zu Pernau, auf welchem nach Verhandlungen der gemeinen geistlichen und weltlichen Stände, 123 — der Ritterschaft, der Städte und der Gemeinden ein Rezess wegen mehrerer vom Erz- stift Riga und den anderen Stiften und ritterlichen Orden, Ständen und Städten eingelaufener Beschwerden erlassen wurde. 1 ) Als am 19. September 1555 dem Johann Düker das Geleit wegen eines Todtschlages gesperrt ward, war diese Sperrung durch den Bürgermeister Johann Pepersack in Reval und den ehrbaren Bürger Evert von IVran gel veranlasst worden. -) Hamen und Wirland waren im Jahre 1560 wieder von den Moscovitern mit Rauben, Morden und Brennen heimgesucht worden. Als nun von dem Meister in Livland weder Entsatz noch Hilfe zu erwarten war, sandten die Räthe und die Ritterschaft dieser Länder am 12. Juni eine Deputation an Herzog Magnus, um sich diesem zu unterwerfen und von ihm Hilfe zu erbitten, welche ihnen auch zu theil wurde, indem sich Magnus an den König Friedrich II. von Dänemark wegen Unterstützung mit Geld und Kriegsvolk wandte. Die Deputation an den Herzog bestand aus Reinhold von Rosen aus Allo, Evert von Wrangel zu Sage und Hermann Nieroth zu Cappel. 3 ) Im Jahre 1561 leistete Evert dem König von Schweden den Eid der Treue und stand von da ab in schwedischen Diensten. Er wird noch einmal im Jahre 1567 erwähnt, und zwar als Manngerichts-Assessor in Wirland. 1586 ist er bereits verstorben. 29. Helmold von Wrangel, Sohn von Jürgen (12). Er ererbte von seinem Vater Wrangeishof (Hof zu Wrangel) bei Wolrnar und kaufte am 17. August 1519 von Brun Tynsen, Brakelmess Sohn, den Erbnamen am Hof Boyentacke und die Dörfer Boyentacke, Mestküll und Sineon mit der Mühle im Kirchspiel Reywill (Stift Dorpat). Wegen der treuen Dienste, welche er dem Bischof Johann und der Kirche geleistet, bestätigte dieser den Kauf. Im darauffolgenden Jahre brachte er auch noch Halicht, das seinem zweiten Stiefsohne Jürgen von Krüdner, Hansens Sohn, gehörte, durch Kauf an sich. Wie wir bei seinem Bruder Berthold gesehen, wird er schon 1499 in dessen Schuldbrief genannt; aber auch in anderen Urkunden wird seiner noch mehrfach Erwähnung gethan. So ist er am 26. Juni 1536 Beisitzer im dorpatschen Manngericht, in welchem Szoye Zeugen vernehmen lässt wegen der Erbtheilungs - Verhandlungen des Albreclit von Rosenhagen und der Wittwe seines Bruders. Helmold starb 1550. Nach seinem Tode vertrugen sich am 6. Mai 1550 seine Söhne Johann (40) und Jürgen (41) brüderlich. Ersterer nahm den Hof zu Wrangel und verpflichtete sich seinem Bruder Jürgen 6000 Mark rigisch in gewissen Terminen zu zahlen und am 27. Mai erhielt Johann von seinen Brüdern Jürgen und Wolmar (42) den Hof zu Wrangel gerichtlich überwiesen, welcher jedoch später in den Besitz des Wolmar überging, der ihn 1583 besass und am 12. Mai dieses Jahres den Verlust der sämmtlichen Siegel und Briefe über diesen Hof anmeldete, welche in den schweren Kriegszeiten verloren gegangen waren. i) Ungedruckte Urkunden im Ritterseh.-Archiv Reval. 'J) Geleithuch der Stadt Reval p. 264. •*5) Archiv für Gesch. Livlands, Estlilands und Kurlands von Schirren, Bd. IX p. 353. 16* — 124 Heimold heirathete die Wittwe des Hans von Krüdner und hatte mit ihr drei Söhne: Johann (40), Jürgen (41) und Wolmar (42). 40. Johann von Wrangel, Sohn von Helmold (29), behielt laut Vergleich vom 27. Mai 1550 den Hof zu Wrangel und erbte Halicht. 1554 wurde ihm wegen eines „Dorflagers", welches er an Reinhold Engdes zu Dorpat begangen hatte, das Geleite gesperrt und am 25. Februar 1570 ward Johann Wrangel — aus dem Stift Dorpat — abermals wegen eines Todt- schlages geleitet, den er an Reinhold Engels noch vor dem Einfall der Russen begangen hatte. 1 ) Johann war meist im Felde gewesen und hatte sein Leben für die Krone Schwedens eingesetzt. Nach der Einnahme von Dorpat beliess König Karl ihm und seiner Ehefrau ihre Güter und bestätigt ihnen dieselben. Als aber die Polen später das Land wieder erobert hatten, war die Wittwe so verarmt, dass sie nicht „einen Thaler" hatte, „der einem Bürger in Riga nothdürftig". Sie war daher genöthigt, sich von ihrer Hände Arbeit zu erhalten. Johann war verheirathet mit Barbara von Vitinghoff. Er starb vor 1626. Sie hatten keine Kinder. 41. Jürgen von Wrangel, Sohn von Helmold (29), kaufte den 23. October 1547 von Jürgen von Fölckersalim das Gut Satz mit Hof und zugehörigen Dörfern Targest, Luyker, Norwess im Kirchspiel Camby und Odenpä im Stift Dorpat. Er musste aber die drei Töchter Fölckersahms: Edde, Maya und Elsbeth von Fölckersalim bei sich behalten, sie mit Kost und Kleidung versehen und, wenn sie „zu Jahren" gekommen, jeder 2500 Mark rigisch als Mitgift auszahlen. Am 8. Mai 1557 liess er sich den Kauf confirmiren. Er war mit Brigitte von Fölckersalim vermählt, scheint aber keine Kinder gehabt zu haben. 42. Wolmar von Wrangel, Sohn von Helmold (29). Von ihm ist uns nur bekannt, dass, wie wir bei seinem Vater bereits mittheilten, er im Jahre 1583 den Hof zu Wrangel besass. Er war verheirathet mit Anna von Taube, Tochter des Bernd von Taube zu Maydel, die sich 1586 in zweiter Ehe mit Fabian von Wrangel (XVHI 10) vermählte und 1620 noch lebte. Wolmar hatte mit ihr zwei Söhne: Wolmar (54A) und Moritz (54B). 54A. Wolmar von Wrangel. Sohn Wolmars (42), stand in schwedischen Diensten und blieb 1604 vor Weissenstein. 54 B. Moritz von Wrangel, Sohn Wolmars (42). Er wird 1620 erwähnt und stirbt 1641 in Ansbach, wo sein Stiefbruder, dessen Name nicht genannt wird, sein Begräbniss bezahlt. l ) Geleitbucli der Stadt Reval p. 358. — 125 — 8. Gerdt yon Wrangel, Sohn von Wolmar (2). Er besass Köndes (Hof Konde) im Kirchspiel Tristfer und verkaufte denselben mit Einwilligung seiner Hausfrau Katrinka von Kruse dem Simon vonLode. 1524 kaufte er von Bertram Junge erb- und eigenthümlich einen Bauer, Ciauwes genannt. Gerdt war Manngerichts-Beisitzer in Wirland und wird als solcher im Jahre 1517 und im Jahre 1529 am 10. Januar, am 10. und 20. Juni.erwähnt. Er hatte einen Sohn gleichen Namens (25). 25. Gerdt von Wrangel. Wir linden ihn in dem am 26. Juli 1580 zu Reval abgeschlossenen Theilungs- rezess der Gebrüder von Taube wegen Sage, Kersell u. s. w. genannt, nach welchem der eine Bruder Sage und Kersell behält, sich aber verpflichtet, seinem Schwager Gerdt von Wrangel im Jahre 1580 200 und 1581 500 Mark zu geben. 1 ) Er war mit Anna von Taube aus dem Hause Sage und Kersell vermählt, muss aber schon 1586 verstorben sein. Bei der Revision der Güter 1586 2 ) legte seine Wittwe der Commission zwei Briefe vor, von denen der eine auf 500 Mark Verpfändung auf das Dorf Reek im Kirchspiel Rappel in Harrien, und der andere auf 1000 Mark rigisch Verpfändung im Dorfe Kalpy in demselben Kirchspiel mit einem Flächenraum von zehn Haken lautete, welche 1554 und 1556 ausgestellt waren. 1586 hatte sie sich wieder vermählt und zwar mit Tuve von Bremen,' welcher wegen seiner Hausfrau Anna von Taube, Gerdt von Wrangeis nachgelassene Wittwe, Ansprüche auf den Hof Köndes machte. 3 ) 10. Wolmar von Wrangel, Sohn Wolmars (2), zu Rojel 1493, stirbt zwischen 1503 und 1506. Er war verheirathet mit Maria, Wittwe des Otto von Fiting (Vitinghoff), die noch 1548 lebte. Er wurde der Stammvater des Hauses Rojel und Jensei (Tab. XVIII). !) Eickel, Brief!.; die Urkunde enthält sechs Siegel. 2) Titularhuch Archiv Kuckers p. 36. 3) Titularhuch Archiv Kuckers p. 95. Tabelle III. (Bei von Toll Tab. A.) Die Familie von Wrangel aus dem Dause Ellistfer und Tolslmrg. Der Stammvater dieser Linie ist 1. Vicke I. von Wrangel (Tab. IIA 9), Solm von Wollmar II. (IIA 2), besass 1469 Kalligal, Asse und drei Gesinde im Dorfe Tolss und ward später Herr von Seiligel (Selcks, Selckis) mit Tols- bürg in Estkland, x ) und auf Schloss Lude in Livland. Er bekleidete 1464 die Landratlisstelle in Livland. Im Jahre 1494 strengten die Vormünder seiner Kinder einen Prozess gegen die Wittwe des Hans Vyfflmsen an wegen eines der Kirche zu Wesenberg gegenüber gelegenen Hauses, welches die Wittwe dem Benedict Rosenau verkauft hatte. Am Dienstag nach Invocavit gelangte die Streitsache zu Wesenberg vor dem dortigen Vogt, Ludwig Kriegel, zur Aburtheilung, die jedoch zum Nachtheil der Vormünder ausfiel. Er verstarb vor 1514. Vicke war mit Margarethe (nach einigen Nachrichten Magdalena) von Taube aus Fyhr verheirathet, die sich 1514 zum zweiten Male mit Berthold von Berge vermählte. Mit derselben hatte Vicke die Söhne Hermann (2), Hans (6), Wolmar (8), Vicke (9) und Heinrich (10) bestimmt, und wahrscheinlich noch Michael (11) und Arndt (12), sowie vier Töchter: 1. Tochter (3), welche mit Lorenz von Versten (Fürstenberg) zu Raykull vermählt war. 2. Anna (4). Sie war Priorin des Klosters zu Reval. — Lorenz von Versten hatte ihr testamentarisch 200 Mark vermacht, welche sie jedoch dessen Sohne (Hermann) „zu vielen Zeiten nach dem Tode zu behalten" übergab, wogegen sie sich nur ausbedungen hatte, dass ihr von Hermann eine jährliche Rente gezahlt würde, was denn auch geschehen ist. 3. Armgard (o), welche Claes von Rosen auf Kleerhoop heirathete. 4. Magdalena (7), die sich mit Hermann von Teiche auf Saxemoise vermählte. D Lude, Brief!. Tab. JV Nr. 41; Moritz Wrangeil, Sammlung vaterländischer Adelsgesch. 1 116. — 127 — 2. Hermann von Wrangel, Sohn Vickes I. (1), ist uns ans dem Testament des Heilweit von Riesebiter vom 21. März 1469 bekannt, von welchem er einen schweren englischen Edelstein ausgesetzt erhält. 8. Wolmar von Wrangel, Sohn von Yicke I. (1), war 1530 Landrath zu Ellistfer. l ) 9. Vicke II. von Wrangel, Sohn von Yicke I. (1). Er erhält von Heilweit von Iiiesebiter testamentarisch dasselbe Andenken ausgesetzt, wie sein Bruder Hermann (2). Im Jahre 1514 gerieth er mit seinem Stiefvater Berthold von Berge und seiner Mutter wegen seines väterlichen Erbes, des Hofes und der Güter zu Asse, die von seinen Brüdern von dem väterlichen Nachlasse abgetlieilt, von seinem Stiefvater aber in Besitz genommen worden waren, in einen Prozess. Er verlangte namentlich Bechenschaft über die Gründe, die Berthold zu dieser Besitznahme veranlasst hätten und betonte in seiner Anklage, dass dieselbe ohne Wissen und Willen seiner Vormünder, Vettern und sonstigen Verwandten geschehen. I)a aber Berthold durch Dokumente seine Handlungsweise rechtfertigen konnte, wurde Vicke vom Gericht am 11. September abgewiesen. Er war vermählt mit Maya, Tochter des Luleff von Fürstenberg und der Margarethe von Wrangel (IIA 18). Bei seiner Verlieirathung hatte ihm dieser 800 Mark verabfolgt, und am 25. December 1545 erhielt Vicke von seinem Schwager Lorenz von Versten den Restbetrag der Mitgift, welcher 2000 Mark betrug, und ausserdem noch 300 Mark für das Haubengeschmeide, welche ihm bei der Eheberedung von seinem Schwiegervater zugesagt worden waren. 11. Michael von Wrangel, wahrscheinlich Sohn von Vicke I. (1), wird 1520 bei Gelegenheit der Pest erwähnt. 2 ) 12. Arndt von Wrangel, wahrscheinlich Sohn von Vicke I. (1), gab zu Fastnacht 1554 (6. Februar) zum „Neuen Bülch" (Baldachin bei Beerdigungen) den Sehwarzenhäuptern in Reval eine halbe Mark. ;t ) 10. Heinrich von Wrangel, Sohn von Vicke I. (1). Er ist am 13. Juni 1500 bei dem Verhandlungstermin eines von Kord Wekebrodt gegen Hans Mekes von Kawel angestrengten Prozesses zugegen. Aus den hierbei zur Verlesung gelangten Dokumenten ergiebt sich, dass Heinrich der eigentliche, rechtmässige Besitzer von Kawel ist. Im Jahre 1520 finden wir ihn nochmals als Zeugen vor Gericht. Mit seiner dem Namen nach nicht bekannten Gemahlin hatte er einen Sohn: Jürgen (18). 1) Schwedische H. Rechnungen. 2 ) Goldenb., Waclienb. la. 3) Nach schwedischen Angaben. — 128 — 18. Jürgen yon Wrangel. Er erhielt am 21. .Juni 1537 von Jürgen Luggenliusen den Hof Patzs (Pate, Padis) im Kirchspiel Jewe mit der Mülile, das Dorf Agemas (Ojoma) mit drei Haken Land und der Mühle im Kirchspiel Luggenhusen, Gesinde am Strande, Kurgu genannt, mit einem Haken Land im Kirchspiel Keel, sowie ein Gesinde Koikas am Pebes (Peipus) im Kirchspiel Katkull. Am 19. September 1536 ist Jürgen Wrangel von Patzs unter den Schiedsrichtern, die den Streit zwischen dem Vogt zum Neuenscliloss Jets (Sirenitz, Getze) und Johann Lode wegen der Dörfer Soempe und Lechtenpele entscheiden. 1 ) Anno 1549 finden wir Jürgen Wrangel zu Patzs als Mittelsmann, als sich Ernst von Snellenberge, Vogt zu Narva, und Johann Lode zu Kuckers wegen der Grenzen zwischen den Dörfern Teils und Uwikall vergleichen. 2 ) Sodann treffen wir Jürgen Wrangel von Padis am 25. April 1557 bei einem Verhör in Sachen der Gebrüder Lode als Zeuge. Jürgen hatte sechs Töchter, die sämmtlieh in der Theilung seines Vermögens, welche er am 3. Juli 1559 vornahm und die sich namentlich auf den Hof und die Güter zu Padis bezog, bedacht werden. Seine Töchter waren: 1. Maya (27). Bei ihrer Verlieirathung mit Reinhold von Kuddelin, dem Sohne von Engelbrecht von Kuddelin, erhält sie als Mitgift den Hof Padis. Am 18. März 1575 macht ihr Gatte sein Testament, auf Grund dessen sie bei seinem im December 1575 erfolgten Tod den von ihr zugebrachten Hof mit sämmtlichen dazugehörigen Gütern, sowie der Mühlenstätte mit zwei Haken Land erhält. Auch ihre Schwester Meehtild, welche Johann von Kuddelin heirathete, wird im Testament bedacht. Im Jahre 1580 ist Maya bereits verstorben. 2. Anna (28) war 1559 unverheirathet. 3. Meehtild (Mechel genannt) (29) war 1559 noch unverheirathet, verehelichte sich aber bald darauf mit Johann von Kuddelin. Sie lebte 1586 in Russland in Gefangenschaft. Durch das Testament ihrer Schwester Maya von 1580 hatte sie den Hof Padis geerbt. 1586 wurde ihr Gatte Johann Kuddelin in einen Prozess mit Hans von Wrangel (VI 1) verwickelt, da dieser den Hof Padis mit Zubehör beanspruchte. Am 9. Juli fällte indessen das Oberlandgericht zu Reval ein für Meehtild von Wrangel günstiges Urtheil. 4. Magdalena (30) lebte 1559 unverheirathet. 5. Adelhaid (Aelheid, Adelperta) (31) war von 1550 bis 1582 Aebtissin im Marien-Magdalenen-Kloster zu Riga. 6. Dortye (Dorothea) (32) befand sich 1559 im Kloster zu Riga. 31. Adelhaid (Aelheid, Adelperta) yon Wrangel. Sie war 1550 Aebtissin des Marien-Magdalenen-Klosters zu Riga. Als solche war sie vielfach in Streitigkeiten mit der Stadt Riga verwickelt, der gegenüber sie die Rechte !) von Toll. Briefl. I p. 583 Nr. 1081. 2) von Toll, Briefl. I p. 7TA Nr. 1332. 129 ihres Klosters energisch zu wahren wusste. Von ihr wird ausserdem berichtet, dass sie eine eifrige Vorsteherin der Schwesterschaft gewesen sei und sich mit Ernst und Nachdruck dem Einfluss der reformatorischen Kirchen-Neuerungen bezüglich ihres Klosters widersetzt habe. — So liess sie z. B. keine ihrer Nonnen heirathen, obgleich dieses damals ganz landesüblich war. Ebenso durfte keine Nonne aus dem Kloster gehen oder das Evangelium annehmen. Durch die Einführung der Reformation hatten die städtischen Verhältnisse und deren Verwaltung in Riga eine bedeutsame Umgestaltung erfahren. Die Stadt hatte nach dem Tode des Erzbischofs Schöning vier Klöster eingezogen, das Marien-Magdalenen-Kloster aber, welches unter der Ritterschaft stand, weil deren Töchter dort erzogen wurden, blieb vorläufig in seiner bisherigen Gestalt noch weiter bestehen und im Jahre 1556 hatte es sich in einer Streitsache wegen Heuschläge sogar des Schutzes des Ordensmeisters zu erfreuen. Um diese Zeit sehen wir die Aebtissin von Wrangel eifrig bemüht, die Bestätigung des Besitzes von Blumenthal oder Jungfern- hof, welches zum Kloster gehörte, zu erlangen. Unter ihrer Nachfolgerin von Dönhof lockerten sich aber die Klosterverhältnisse bald derartig, dass zuletzt nur noch drei Nonnen übrig bleiben und das Kloster schliesslich an die Jesuiten kommt. x ) Adelperta liegt im Marien-Magdalenen-Kloster, in welchem sie so lange mit Ernst und Strenge in Gottesfurcht gewirkt, begraben. 6. Hans von Wrangel, Sohn von Vicke I. (1). Er war Erbherr auf Tolsburg, Ellistfer (Ikaver) und Selckis (im Tolsburger Gebiet) und besass nach Zeugnissen schon 1500 Kawel, 2 ) — Hof und Gut Ellistfer hatte er 1523 von Heinrich Tuve gekauft und war ihm 1524 vom Bischof Johannes zu Dorpat der Kauf bestätigt worden. 3 ) Am 3. März desselben Jahres hatte Hans wegen Ellistfer (hier Iggafer genannt) vor dem Manntage im Schlosse zu Dorpat einen Streit mit Jürgen Brakel, welcher Ansprüche auf den Erbnamen der Hof-Mühle und des Dorfes ikaver machte, während doch Hans das Erbrecht von dem Erbherrn, dem verstorbenen Heinrich Tuve von Fyhr, in aller Form gekauft hatte. Hans legte daher den Erbkaulbrief und den Kaufbrief vor, in welchem Tuve ihm den Erbnamen überlassen hatte, ferner brachte er einen Brief des Bischofs Johannes bei, worin dieser den Hof und die Güter Ikaver an Claus von Ungern verkauft hatte, von welchem dieselben wieder an Heinrich Tuve übergegangen waren. Dagegen unterbreitete Jürgen Brakel dem Gericht einen Brief, laut welchem ihm seines Vaters Bruder Lorenz Brakel diesen Erbnamen übertragen hatte. Hierzu sei erläutert, dass letzterer denselben vom Bischof Johannes erhalten hatte, dass der betreffende Brief aber verloren gegangen war. Demungeachtet wurden die Dokumente des Hans von Wrangel für richtig befunden und demselben durch Entscheidung des 'genannten Bischofs der Erbname zuerkannt. !) Carl Cröger, Gesch. von Esthland, Livland und Kurland Th. II p. 211. 2) von Toll, Briefl. I p. 318 Nr 601. 3 ) Briefl. Ellistfer. 17 130 Im Jahre 1538 verkaufte Hans zu Ellistfer mit Wissen und Willen seiner Ehefrau Magdalena geborene von Uexküll an Michel Lode die beiden wüsten Haken Land Kamp st (Langest) im Kirchspiel Nienkerken (Neukirchen) im Stifte Dorpat sowie die Holzmark mit dem Dorfe Spesekulle (Sessekull) für 400 Mark rigisch. Hans war königlich schwedischer Rittmeister über acht Compagnien Reiter unter dem Deutschen Orden in Livland und später wurde er Landrath des esthnischen Kreises. Am 26. Mai 1505 d. d. Laisz entscheidet der Komthur zu Vellin, Wennemar von Dellwich, einen Erbschaftsstreit zwischen Reinhold Ermes, Hans von Wrangel und den Kindern des verstorbenen Lorenz Ermes. 1 ) Der Landtag zu Wolmar hatte im Juni 1522 die Einberufung einer Ständeversamm- lung beschlossen. Als 1524 am Sonntage nach Margaretha zu Reval die esthnischen Stände zur Berathung zusammentraten, um ihre Beschlüsse zu fassen, wird als der Abgeordnete des Stiftes Dorpat Hans Wrangel von Ellistfer genannt. 3 ) Sodann wird er im Jahre 1537 als Vertreter der Erben und Kinder des Dietrich Yxkull erwähnt. 3 ) Hans starb im Jahre 1542. Wegen seines Nachlasses kam 1548 zwischen seinen Söhnen Vicke (14) und Hermann (15) ein Vergleich zu stände, nach welchem der letztere Ellistfer behielt. Hans war zweimal verheirathet: a) mit Hsabe, der Wittwe des Lorenz von Armis (Ermis), geborene von Lode, 1525; b) mit Magdalena von Uexkiill 1525 aus dem Hause Laakt, Tochter des Johann von Uexküll von Rappifer und der Anna von Fahrensbach aus Laakt. Von der zweiten Gemahlin wäre zu bemerken, dass sie 1543 mit ihrem Stiefsohne Hermann von Wrangel (15) einen Vertrag wegen Ellistfer abscliliesst, welcher vom Dom-Dechant Moritz von Wrangel (Tab. XVIII 9) und den Commissarien des Heermeisters bestätigt ward. 4 ) Im Jahre 1545 vergleicht sie sich dann auch mit Christoph (13), mit dem schon 1524 ihr Gatte ein Abkommen getroffen hatte. 5 ) Aus beiden Ehen hatte Hans drei Söhne und zwei Töchter und zwar aus der ersten Ehe: Christoph (13), Vicke III. (Victor) (14) und Hermann (15); aus der zweiten Ehe die Töchter 1. Ebba (16), lebt 1548 und ist 1559 mit Herrn von Tolsk vermählt. 2. Anna (17), die 1548 mit Peter von Zweiffei auf Rötig verheirathet war. 13. Christoph von Wrangel, Sohn von Hans (6), verglich sich 1524 am Abend des heiligen Apostels Thomae mit seinem Vater und seiner Stiefmutter Magdalena von Uexküll. Er starb vor 1543 und war vermählt mit Magdalena von Taube aus Fyhr und hatte einen Sohn Hans (19) und eine Tochter Magdalena (20), die sich mit dem Rittmeister der Adelsfahne und Landrichter in Livland Hinrik Wolmarson Mayer (adl. Meyerfeldt Nr. 864) 1562 vermählte. 1) Lude, Brief!. I T. Nr. 9: Pergam. Nr. 21; Toll, Brief!. I Nr. 674 p. 359. 2) von Ung.-Sternb. p. 206 Nr. 148. 3) von Toll, Brief!. I p. 589 Nr. 1091. 4) Estiii. und Livl. Brief!. 3) Brief!. Ellistfer. 131 — 19. Hans von Wraugel, Sohn von Christoph (13), wie aus schwedischen Mittheilungen hervorgeht. Von ihm ist nur bekannt, dass er 1554 Ellistfer besass, mit Anna von Uexkiill zu Riesenberge vermählt war und mit ihr einen Sohn Hans (33) hatte. 33. Hans von Wrangel, Sohn von Hans (19). Er lebte ebenfalls auf Ellistfer und war verheiratliet mit Dorothea, Tochter des Johann von Uexkiill und der Joliannesdotter Dorothea von Mecks zu Pohlex, die 1630 zu Walket und Helmeth lebte. Hans starb 1668 und wurde am 2. März in der Domkirche zu Reval begraben. Er hinterliess eine Tochter (42), die um diese Zeit noch unverheirathet war. 14. Vicke HI. (Victor) von Wrangel, Sohn von Hans (6). Er hatte im Jahre 1529 einen schriftlichen Verzicht auf das väterliche Vermögen abgelegt. Dessenungeachtet strengte er zur Erlangung eines Antheils aus dem väterlichen Nachlasse einen Prozess gegen seine Stiefmutter an und brachte am 15. September 1542 auf dem gewöhnlichen Mann- und Richtertage zu Dorpat, wo der Bischof Johann sachgemäss das Urtheil fällte, folgende Klagepunkte vor: 1. beschwerte er sich, dass ihm als ältestem Sohne die Heerweide von der Stiefmutter vorenthalten würde; 2. gab er vor, sich durch die Abfindung benachtheiligt zu finden; sein Vater habe ihm noch die alten Erbbriefe auf das Dorf Ivek, auch das Gut Dannenbeck. ferner den Tkeilungsbrief zwischen seinem Vater und Heinrich von Wrangel (10), sowie alle Lehnbriefe, die auf die Vicarien Reval, Hapsal, Wesenberg und den auf denselben ruhenden Gerechtigkeiten Bezug hatten, versprochen, wäre aber vor Erfüllung dieses Versprechens unverhofft mit dem Tode abgegangen; 3. beschuldigte er seine Stiefmutter, dass sie ohne Wissen und Willen der Vormünder seiner Brüder die Vicarien zu Wesenberg dem dortigen Vogt für 500 Mark, desgleichen die Erbstätte dem Dietrich Metztacken für 100 Mark verkauft habe; 4. eröffnete er, dass ihm sein seliger Vater einen Erbbrief auf einen Bauer Andreas Talpa zu geben gelobet, welchen ihm seine Stiefmutter vorenthalte, und 5. legt er noch Verwahrung ein gegen die Anschuldigung seiner Mutter, dass er seinem jüngsten Bruder böslich nachgetrachtet habe. 1 ) Im Jahre 1526 war er zu Tokawenden und besass von Jürgen Herkell eine Rente von 30 Mark als Hypothek auf Dorf Hargeleff und Lynte nebst 900 Mark Kapital. Wir erwähnen noch, dass er 1519 Montags vor Laurenti sich derartig verging, des Bischofs von Dorpat und Reval Diener, Wolf Schorefeld, so zu schlagen (erschlagen), dass ihm das Geleit gegeben werden musste. 15. Hermann von Wrangel, Sohn von Hans (6), geboren in Esthland, war Erbherr auf Ellistfer, Tolsburg, Allo, Sadjäwo, Kaiofer in Livland. Im Jahre 1530 finden wir ihn als schwedischen Oberst zu Ross unter dem Deutschen Orden und 1550 als Landrath in Esthland. J) Gadelmscli, Bd. 16 p. 584/586. 17* Im Jahre 1543 kam zwischen ihm und seiner Stiefmutter Magdalena von Uexküll ein Vergleich wegen Ellistfer zu stände und musste er nach schiedsrichterlichem Urtheil derselben für ihr Erbtheil 5500 Mark in gewissen Terminen zahlen; ferner wurde er nach den Landesrezessen angehalten, seinen beiden Schwestern bis zu ihrer Verheirathung den Lebensunterhalt zu gewähren und sie, wie es sich gebührt, mit Hosen, Hemden und Schuhen auszustatten. Auch wurde er verurtheilt, die Schulden, wie sie seine Mutter angegeben, in ungefährer Höhe von 3500 Mark zu bezalden. Diesen Vergleich hatten besiegelt: Johann Stackelberg; Propst Mauritz von Wrangel (XVIH 9), Dechant des Stifts zu Dorpat; Johann Wrangel von Rojel (XVIII 5) und George Holtschur, Kanzler, als verordnete Commissarien ihres gnädigen Fürsten und Herrn, des Bischofs von Dorpat Fromholt von Piesenhausen, und Johann Stackelberg als herangezogene Unterhändler zu diesen Sachen. Im Jahre 1573 ist Hermann Beisitzer im Manngericht zu Reval und wird in demselben Jahre „zu Riesenberge" genannt. Er verheirathete sich iiii Jahre 1550 mit Adelhaid von Uexküll aus dem Hause Riesenberge, Tochter des Landraths in Esthland Johann von Uexküll aus Riesenberge und Tolks mit Dorothea Mecks aus Poll und Robbifehr (starb 1548). Am 27. Juni 1551 quittirte „Hermann (Härmen, Hormen) Wrangel zu Ellistfer" über die von seiner Schwiegermutter und seinem Schwager empfangene Mitgabe seiner Frau. Hermann hatte mit Adelhaid drei Söhne: Hermann (21), Hans (25), und wahrscheinlich auch Helm (26) und drei Töchter: 1. Dorothea (22), welche Reinhold Hermannson von Anrep auf Hehl und Wademoise, Landrath in Esthland, heirathete. Er starb als Feldmarschall im Kriege gegen die Polen (1602). Sie lebte noch 1620 als Wittwe. 2. Anna (23) aus dem Hause Ellistfer, heirathete Jürgen von Nieroth aufPastfer. 3. Gertrud (24) war vermählt mit dem schwedischen Rittmeister Dietrich von Brakel und wurde die Stammmutter des adligen Geschlechts von Brakel (Nr. 1979). 25. Hans von Wrangel, Solm von Hermann (15), schwedischer Oberst und Landrath. 1591 werden bei der Giiter- reduction Ellistfer, Selckis, Tolsburg eingezogen. Hans starb 1593. Seine Gemahlin war Barbara von Anrep aus dem Hause Hehl. Hans wurde der Stammvater des Hauses Lindeberg (Tab. VI). 26. Helmuth von Wrangel, wahrscheinlich ein Sohn von Hermann (15). Durch die zwischen den Schweden, Polen und Moskovitern ausgebrochenen schweren Kriege, durch welche namentlich Livland schwer heimgesucht wurde, sah sich Helmuth mit noch mehreren anderen Vornehmen des liv- ländischen Adels veranlasst, sein Vaterland zu verlassen. Er wandte sich zunächst nach Ungarn und betheiligte sich an den dortigen Kriegen. Nachdem er sich noch in Livland verheirathet, ging er nach Lübeck, und im Jahre 1626 finden wir ihn als Jägermeister der — 133 Staclt Lüneburg, 1 ) von wo aus er jedoch wieder nach Lübeck zurückgeht. Hier ist er gestorben und „mit christ-adligen Ceremonien" beigesetzt worden. 2 ) Helmuth war mit Elisabeth von Holsten (Holstein) vermählt, welche einen Prozess gegen Catharina von Ahlefelclt, die G-emahlin des Christoffel Otto von Soldtwedei'. führte. Letztere hatte sich von Helmuths Frau im Jahre 1620 hundert Gulden und später noch mehr geborgt, wofür sie niemals Zinsen gezahlt hatte. Nachdem vielfache Erinnerungen erfolglos gewesen, leugnete die Soldtwedei zuletzt die Schuld, so dass sich bei dem auf den 18. März anberaumten Verhandlungstermin ein Zeugenverhör nöthig machte. 3 ) Sie hatten einen Sohn Helm (41) und wahrscheinlich noch Otto Heinrich (40). 40. Otto Heinrich von Wrangel, wahrscheinlich ein Sohn von Helmuth (26). Er war der Neffe von David von Mandelslohe auf Neuen Hause, in dessen Stammbuch er sich folgendermassen eintrug: Anno 1613 vide set cui vide 4 ) Tandem bona causa triumphal Dies habe ich Otto Heinrich Wrangeil, dem edlen und ehrenvesten D. von Mandelslohe, meinem lieben Ohm zu brüderlicher Gedächtnisse geschrieben, auf Neuen Hause schreiben wollen den 1. November. 41. Helm (Willielm, Heimhold, Helmold) von Wrangel. Ueber seine Abstammung sind die Meinungen noch schwankend. Gauken behauptet, dass er zur livländiscken Branche gehöre, während Boeder wiederum annimmt, dass er weder mit den Schweden noch mit den Livländern dieses Namens irgendwie verwandt sei, sondern aus Deutschland stamme. Als Beweisgrund führt er an, dass Helms Begräbnissort Anlass zu der Vermutliung gebe, er sei ein Mecklenburger gewesen. Sodann findet sich unter dem vom Archivar Dr. Russwurm zu einer Geschichte der Familie von Wrangel gesammelten Material eine Notiz, nach welcher Helm von Wrangel, der Tolle (galne) genannt, in der Abwesenheit Torstensons (1644) das Com- mando in Holstein gehabt und mit seines Bruders, des General-Admirals (VI 6), Hilfe die Insel Femern, welche am 13. Juli 1644 die Königin Christine besetzen liess, wieder erobert haben soll. Dass sich bezüglich der hier angegebenen verwandtschaftlichen Verhältnisse ein Irrthum eingeschlichen hat, ist sofort einleuchtend, wenn man berücksichtigt, dass der Stiefbruder des General-Admirals, Heinrich Wilhelm (VI 9), dessen Identität mit Helm einzig und allein in Frage kommen könnte, aus der dritten, erst 1636 eingegangenen Ehe seines Vaters stammt, während doch Helm nach seinem Denkmal schon 1599 geboren war. Nach Auffindung der bei Helms Leichenfeier gehaltenen Predigt, 5 ) deren historische Angaben anzuzweifeln wir keine Veranlassung haben, können wir uns nur der 1) Gell. Staate-Archiv in Schwerin. 2) Leichenpredigt des Sohnes von ihm, des schwedischen General Helm von Wrangel. 3 ) Geh. Staats-Arcliiv in Schwerin. 4 ) Der Wahlspruch heisst eigentlich: Tide, sed cui vide. 5 ) Leichenpredigt, gehalten von Herzberg in Wismar, 4°, Universitäts-Bibliothek in Rostock, 1648. — 134 Ansicht Gaulies anschliessen. In dieser Predigt wird uns nämlich erzählt, dass Helm zu k'oyl in Livland geboren sei, dass sein Vater aber bald gezwungen geworden von dort auszuwandern. Auf diese Weise sei Helm über Ungarn nach Lübeck und Lüneburg, wo sein Vater der Jägermeister der Stadt geworden sei, gekommen. Letzterer Umstand mag die Ursache gewesen sein, dass Boeder unsern Helm aus Deutschland stammend annimmt. Auch die in der Wrangeischen Grabkapelle zu Wismar unter seinem Wappen angebrachte Inschrift deutet, indem sich Helm ausdrücklich „Herr zu Selchis" nennt (was auf f Olsburg hinweist), auf seine Abstammung aus Livland hin. Wenn 111111 Hermann von Wrangel(15), wie mit ziemlicher Bestimmtheit anzunehmen ist, der Vater vom Jägermeister Helm von Wrangel gewesen ist, so wäre nach der Stammtafel Helm ein naher Vetter von dem Feldherrn und Feldmarscliall Carl Gustav Graf Wrangel-Salmis (VI 6). Helm hat ein vielbewegtes, thatenreiclies Leben geführt, und sein Name ist vielfach auf den Blättern der Geschichte verzeichnet. Schon von frühester Jugend an zeigte er eine besondere Neigung für den Kriegerstand und als Schweden den Krieg mit Polen begann, trat er in königlich schwedischen Dienst in das Calenbergische Regiment zu Pferde. Im Jahre 1627 machte er unter Feldmarschall Hermann von Wrangel (VI 2) die Schlacht bei Strasburg in Preussen mit. Helm von Wrangel war ein tüchtiger Reiter und zeichnete sich durch Tapferkeit aus, was ihm nicht allein die besten Zeugnisse seiner Vorgesetzten, sondern auch die Corporal-Charge einbrachte. Da er sich andauernd so tapfer verhielt, avancirte er bald von Charge zu Charge und focht 1631 als Lieutenant in dem grossen Treffen bei Leipzig gegen die kaiserliche Haupt-Armee. Wegen seines ausserordentlichen Wold Verhaltens in dieser Schlacht ward Helm zum Rittmeister befördert und nach der Schlacht bei Lützen 1632 erhielt er das Commando über eine Escadron Reiter und ward Oberstlieutenant. Als solcher führte er besonders 1633 unter dem Feldmarschall von Horn 1 ) eine Reihe glänzender Heldenthaten aus. Als der Feldmarschall von Horn im Juli 1633 gegen Ingolstadt operirte, entsandte er die beiden Oberstlieutenants Helm von Wrangel und Delori gegen Memmingen, um das Kloster Buxheim auszufouragiren. Als Helm sich mit seinen 150 Reitern der Stadt Memmingen nähert, brechen plötzlich aus diesem Orte 600 Bayern mit 200 Reitern hervor und formtreu sich, um das kleine Häuflein Schweden zu umzingeln und gefangen zu nehmen. Heiin lässt ihnen jedoch liierzu keine Zeit, er attaquirt sofort und mit solchem Ungestüm und Glück, dass er nicht blos den Feind wirft, sondern ihn bis vor die Thore der Stadt verfolgt, von demselben 150 Mann niederhaut, 100 Mann verwundet, viele Gefangene macht, 60 Pferde und allen Proviant erbeutet und mit dieser Siegesbeute wohlbehalten nach Bobenhausen, von wo aus er seinen Streifzug begonnen hatte, zurückkehrt. Im folgenden Jahre wurde Regensburg von den Kaiserlichen sehr bedroht und Feldmarschall von Horn eilte zu seinem Entsätze herbei. Er hatte auch bereits den Lech überschritten und wollte sich Aichachs bemächtigen, da warf sich ihm am 11. Juni Jean de Werth bei Nördlingen entgegen und zwang ihn durch einen langen unentschiedenen Kampf sein weiteres Vorgehen einzustellen. *) Geschiclitswerk von Chemnitz und Leiclienpredigt des Helm von Wrangel. ----- 135 — Dessenungeachtet commandirte Horn den Oberstlieutenant Helm von Wrangel mit einer starken Abtheilung bald danach gegen Dachau. Letzterer rencontrirte den Oberst Corpus mit 800 Kroaten, warf ihn glücklich, machte einen grossen Theil sammt einem Rittmeister nieder, und nahm einen Rittmeister, einen Lieutenant und mehrere der niederen Chargen gefangen. Bald darauf verliess Helm in Privatangelegenheiten auf einige Zeit die Armee, trat aber Mitte des Jahres 1635 wieder ein. Am 16. des Weinmonats 1635 hielt sich Helm sonderlich tapfer in einem Gefecht mit dem kursächsischen Generalfeldwachtmeister Däline bei Altenburg, „wo auch die Flüchtigen verfolget, viele verwundet und mehrere Offiziere, 60 bis 70 Gemeine nebst der von Vitzthumschen Leibstandarte eingebracht wurden*'. Als im December desselben Jahres die Waffenstillstands-Verhandlungen zwischen dem Kurfürsten von Sachsen und Feldmarschall von Banner abgebrochen wurden, finden wir Helm unter des letzteren Heerschaaren, und als die Feindseligkeiten wieder aufgenommen wurden, liess Banner den General-Major Axel Lillie den Pass von Fehrbellin und am 24. December auch den Pass von Bötzow bei Nauen nehmen und besetzen. Den Oberstlieutenant Helm von Wrangel entsandte er dagegen mit einer gleich starken Abtheilung gegen Zehdenick. Diese Stadt wurde von ihm am 24. December eingeschlossen und ergab sich schon am folgenden Tage. Im Jahre 1636 machte Helm unter dem Feldmarschall Banner die Schlacht bei Wittstock mit, bei welcher er sich so hervorthat, dass er ein Regiment Reiter erhielt und zum Oberst befördert ward. Bald darauf verliess Helm Schweden, wie es heisst wegen eines Todtschlages, x ) den er bei seinem sehr heftigen und jähzornigen Charakter wohl begangen haben mag. Aus späteren kriegsgerichtlichen Ac-ten-Excerpten -) geht hervor, dass ihn der Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg am 24. Januar 1638 zu Stanssdorf in seine Dienste nahm, ihm die Bestallung als Oberst und Chef eines Regiments zu Pferde er- theilte, wobei er den sogenannten „Artikel-Brief" beschwören musste. Wenn auch Gauhen das oben angeführte Vergehen als den Grund von Helms Austritt aus den schwedischen Diensten angiebt, so ist dies doch noch nicht erwiesen. Es ist auch möglich, dass ihn sein Schwager, der Oberst von Buttlar, der in kurbranden- burgischen Diensten stand, zu dem Uebertritt bewogen hat, oder der Graf Schwarzburg (wohl Schwarzenberg), der damalige Gouverneur der Mark, wie eine Andeutung in Torstensons Brief an den Kurfürsten Friedrich V ilhelm glauben lässt, hat ihn als Instructor für die zur Zeit ganz erbärmlichen brandenburgischen Truppen speciell engagirt. Aus den kriegsgerichtlichen Acten-Excerpten geht indessen hervor, dass er zu Pfingsten 1638 sich bemühte, einen Pardon vom Feldmarschall Banner in Lübeck zu erhalten. Soviel steht fest: Helm war 1639 brandenburgischer Regiments-Commandeur und !) Gaulien, Adels-Lexicon Tli. II p. 1908 bis 1912. 2) Koelmii collectan. geneal. Bd. 109. (Königl. Bibliothek Berlin, Mscrpt.) / 136 wurde vom Grafen Scliwarzburg an der Spitze seines Reiter-Regiments nach Gardelegen gesandt mit dem Befehl, diese offene Stadt unter allen Umständen der Mark zu erhalten. Helm protestirte zwar gegen diesen Auftrag, da er es nicht für möglich hielt, mit seinen Reitern eine offene Stadt gegen die anrückende schwedische Armee zu halten, musste sich aber dem Befehle fügen, ja man gewährte ihm nicht einmal die nöthige Unterstützung; selbst mit dem notliwendigsten Proviant und der erforderlichen Munition ward er nicht ausgestattet, „so dass er keine Verantwortung übernehmen konnte", wie er solches schriftlich anzeigte. Als nun die ganze schwedische Armee vorrückt und am 29. Januar 1639 Gardelegen mit drei schwedischen Reiter-Regimentern und 400 Mann Fussvolk einschliesst, sieht Helm jede Hoffnung, den Ort mit Erfolg vertheidigen zu können, schwinden. Er ergiebt sich daher am 1. Februar und tritt mit seinem ganzen Reiter-Regiment und zwei Compagnien von Goldacker in schwedische Dienste. Die damaligen erbärmlichen Zustände in der Mark mögen wohl Helm empört haben und, da er bei seinem aufbrausenden Charakter leicht zu Eigenmächtigkeiten geneigt war, die Veranlassung gewesen sein, zu seinen alten Fahnen zurückzukehren. Wenn nun diese Handlungsweise an und für sich verurtlieilt werden muss, so wird man doch weit milder richten, wenn man in Betracht zieht, dass der schon seit Jahren in Deutschland wüthende Krieg Zucht und Ordnung sehr gelockert hatte und derartige Fälle im dreissig- jährigen Kriege gar nicht ungewöhnlich waren. Der Kurfürst Georg Wilhelm war Helm besonders übel gesinnt, weil er sich so gar nicht an den Artikel-Brief gekehrt hatte, und es wurde eine umfangreiche kriegsgerichtliche Untersuchung in Brandenburg eingeleitet. Als Hauptbelastungspunkt stellte man Helms Verhalten vor Gardelegen hin, in dem man ihm Einverständniss mit dem Feinde zur Last legte, und die Präsidenten und Beisitzer des Kriegsgerichts klagten ihn an: „wider Gott, Gewissen und geleistete schwere Eidespflicht, Ehr und sein selbst eigenes Vaterland Deutscher Nation und wider Kaiser und Reich und Stände, und gegen den Kurfürsten missthätig gehandelt zu haben". In betreff des Einverständnisses mit dem Feinde führte man aus: „dass Helm schon zu Pfingsten 1638 vom General-Feldmarschall Banner in Lübeck einen Pardon zu erlangen versucht und darauf in Gardelegen mit dem Feinde heimlichen Verstand gepflogen habe. Er habe hier seinen Bedienten Georg Kunow zu Banner gesandt und gegen Pardon-Ertheilung versprochen, Gardelegen zu übergeben. Hierzu hätte er seine Offiziere beredet, zum Feinde überzugehen." „Am 30. Januar 1639 sei er auch wirklich aus der schon vom Feinde eingeschlossenen Stadt Gardelegen geritten, habe mit dem feindlichen Oberst Hans von Wachtmeister gesprochen, sich darauf wieder in die Stadt begeben, sein Regiment sammt den beiden Goldackerschen Compagnien zusammengezogen, seinen Hut vor dem Oberst Hans von Wachtmeister abgenommen, seinen Degen eingesteckt und sich mit seinem Regiment und den beiden Compagnien nebst allen Standarten zum Feinde begeben." 137 — Laut Erkenntniss vom 21. Februar 1639, ,,d. d. Cölln an der Spree, auf Sr. Churfl. Durchlaucht in der breiten Strasse belegenen Hause - ', verurtkeilte ihn das Kriegsgericht, 1 ) wobei 17 Offiziere verschiedener Grade richteten, sehr hart. Es sollten ihm, als einem Meineidigen, durch den Scharfrichter die beiden Vorderfinger, mit welchen er geschworen, abgeschlagen, die Zunge aus dem Halse gerissen, der Körper aber in vier Theile zerstückt und solche auf den Landstrassen aufgehängt werden. Der Urtheilsspruch wurde gedruckt verbreitet, und da man Helms nicht habhaft werden konnte, ward angeordnet, dass in sämmtlichen brandenburgischen Städten sein Bild nach Ausspruch des Kriegsgerichts zur öffentlichen Beschimpfung „an die Justitz" mit der Ueberschrift seines Namens angeschlagen und derselbe überall öffentlich als ein „Meineidiger, Verräther, Abtrünniger und öffentlicher Schelm" ausgerufen würde. Jede Ehre wurde ihm ferner abgesprochen, zu keinen Kitterspielen, noch ehrlichen Zusammenkünften sollte er zugelassen, sondern Zeit seines Lebens von jedermann als ein „Meineidiger, Verräther und leichtfertiger Schelmen-Mann gehalten werden". 3 ) Sofort machte Helm von Wrangel den Versuch sich bei dem Kurfürsten zu rechtfertigen und reichte den 12. März 1639 eine Vertheidigungsschrift ein; seine Bemühungen hatten aber vorläufig nicht den gewünschten Erfolg. Erst als sich Generallieutenant von Torstenson am 6. Juli 1643 für ihn verwandte, wurde ihm unter dem 1. August desselben Jahres vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm dem Grossen ein vollständiger Pardon und eine Ehrenerklärung ertheilt. Hierüber liegen drei Briefe vor: 1. Helms Schreiben an den Kurfürsten, mit seiner Verantwortung; 2. Torstensons Schreiben an den Kurfürsten, Bestätigung obiger Angaben und Verwendung; 3. Des Grossen Kurfürsten Ehrenerklärung für Helm. Helm trat also wieder als Major der Cavallerie in schwedische Dienste und war in der Schlacht bei Chemnitz zugegen, in welcher der Feldmarschall Banner die Marazinische Armee schlug. Schon 1641 wird er als Oberst unter den Befehlen des Generals Stal- hantsch aufgeführt, welcher 3000 Reiter und 3700 Mann zu Fuss bei sich hatte. Als dieser General nämlich in genanntem Jahre von der Marazinischen Armee gedrängt wird und die Oder bei Gross-Glogau überschreiten muss, ist der Zustand seiner Truppen derartig zurückgekommen, dass er sich entschliesst, Helm von Wrangel als Vertrauensperson an Torstenson abzusenden, um ihm seine Rathlosigkeit mitzutheilen und ihn dringend um Geld und frische Truppen zu bitten. Auch bei den Offizieren muss Helm Vertrauensmann gewesen sein, denn ein grosser Theil derselben giebt ihm Briefe mit, in denen ganz offen über die obwaltenden Verhältnisse die bitterste Klage geführt wird. Einige Kaiserliche, die vorher wider die Schweden den kürzeren gezogen hatten, vereinigten sich auf der Flucht bei Sagan und belagerten einen schwedischen Hauptmann im dortigen Sclilosse. Zum Glück kamen die Obersten von Schulmann und von Wrangel nebst dem Oberstlieutenant von Hammerstein hinzu, die Banner eben nach Schlesien geschickt 1) Archiv im Königl. Prenss. Kriegs-JIinisteriunl; IUustrirte Berliner Wochenschrift „Der Bär", Jahrgang XTO Nr. 9 p. 110. 2) Königl. Geheimes Staats-Archiv in Berlin. 18 — 138 — hatte. Sofort drangen diese in die Stadt und rieben die ganze Mannschaft auf, indem sie den Grafen Pompei und viele Offiziere gefangen wegführten, die übrigen aber nieder- Iiieben. Im December unternahm Helm einen Streifzug in Schlesien, tödtete mehr als 20 Reiter und brachte 30 Gefangene ein. So war Helm in den misslichen Umständen, in denen sich Stalhantsch befand, der einzige in Schlesien, welcher etwas ausrichtete. Er erstieg Schweidnitz und Grünberg und rieb hier viele hundert Kroaten auf, noch bevor Torstenson ankam. Im Mai 1642 richtete Helm das kaiserliche Regiment Rebbeck, welches freilich nur 300 Knechte stark war, bei Sternberg zu Grunde, die Gemeinen mussten über die Klinge springen, die Offiziere und die, welche das Schwert verschont hatte, geriethen in die Gefangenschaft. Kaum war er von diesem Zuge zurück, als er sich mit 300 Pferden der Stadt Wien bis auf sechs Meilen näherte, viele vornehme Männer aufhob und reiche Beute machte. Im Weinmonat wollte Torstenson, welcher in Böhmen seinen Zweck nicht erreicht hatte, Leipzig belagern, welches nur mit zwei Compagnien besetzt war. Der Kurfürst befahl daher dem Oberst Boldaeker, der zu Naumburg stand, mit seinem ganzen Regiment dahin aufzubrechen. Um ihm nun den Weg zu verlegen, sandten ihm die Schweden von Wrangel entgegen. Boldaeker, der inzwischen bis Weissenfeis vorgerückt war, gerieth zwischen Graf Königsmarck und von Wrangel, so dass er weder nach Leipzig kommen konnte, noch nach Naumburg zurückzukehren vermochte. Helm verhinderte es gleichzeitig, dass die Kaiserlichen Leipzig entsetzen konnten. Schon am 25. Mai 1643 hatten die schwedischen Reichsvormünder durch Jacob Törnschild dem Feldmarschall Torstenson befohlen, dass er gegen den Winter in Holstein einrücken und Dänemark bekriegen sollte. Der Sendbote vermochte aber lange nicht ihn zu erreichen und musste sich in Oppeln aufhalten, bis der Feldmarschall die Gemeinschaft mit Schlesien wieder eröffnet hatte. Dieser stellte sich, als wenn er sich Pommern nähern wollte, versah Olmiitz, Neustadt und Eulenberg mit einer starken Besatzung, liess die übrigen haltbaren Orte schleifen, marschirte nach Schlesien xuid befahl Helm von Wrangel, die Flüsse Warthe und Netze zu beobachten. Im Christmonat rückte Torstenson und mit ihm der tapfere Wrangel in Holstein ein. Helm benahm sich hier so tapfer und verrichtete solche Heldenthaten. dass diese in Jütland und Holstein im ewigen Gedächtniss bleiben werden. Insonderheit führte er die Avantgarde mit drei Regimentern zu Pferde, trennte und schlug hiermit die ganze zusammengezogene Kriegsmacht des Königs von Dänemark total bei Kolding und hob 1644 mit 400 Mann 6000 zusammengerottete Bauern bei Wensheusel in Jütland auf. Später steht Helm von Wrangel unter den direkten Befehlen des Feldmarschalls Carl Gustav von Wrangel (VI 6) und macht 1644 unter demselben die siegreichen Züge durch Holstein und Schleswig mit. Als darauf Carl Gustav der Oberbefehl über die Flotte übertragen wurde und der wieder einigermassen hergestellte Torstenson den Oberbefehl übernommen und mit dem Landheer am 8. August Schleswig verlässt, ertheilt er dem Helm von Wrangel den 139 — Befehl, „mit 4000 Pferden, 1200 Mann Fussvolk und 400 Dragonern zurück zu bleiben und mit diesen Truppen den Besitz des Landes zu sichern". Helm begann damit, von Rendsburg aus, vorerst Kiel zu erobern; dann brach er nach Norden auf und machte einen kurzen Einfall in Jütland. Bei seinem Rückmarsch erobert er eine Schanze bei Neustadt und rückt von da direkt nach Lübeck. Doch ehe er Lübeck erreicht, erhält er von Torstenson den Befehl, „sofort abzumarschiren, um sich mit ihm an der Saale zu vereinigen". Es scheint indessen, dass Torstenson ihn bald nach Gallus Abzüge von Magdeburg und nach den siegreichen Gefechten bei Jüterbogk wieder nach Norden entsendet hat, denn schon im Januar 1645 ist Helm bereits in Jütland, wo er rasch hinter einander Haderslehen, Kolding, Ripen, Aarhuus und Wiborg erobert und in allen diesen Orten Besatzung zurücklässt, nachdem er diese Städte einigermassen befestigt hat. Als während dessen Ripen von den Dänen unvermuthet überfallen und erobert wird, eilt er sofort dahin, sclilägt den dänischen Generallieutenant Bawer total und geht dann Avieder nach Aarhuus, wo er sich zwischen diesem Orte und Randers verschanzt. Um diese Zeit fordert er auch vom Herzoge von Holstein 60 000 Thaler Kriegssteuer, deren Erlassung derselbe aber verlangte, da er sich schon am 3. des Brachmonats 1644 wegen der Kriegssteuer völlig verglichen habe. Im Februar 1645 treten die Dänen mit grösseren Kräften in Holstein auf. Helm eilt daher wieder dorthin, schlägt die beiden vereinigten dänischen Generale von Ahlefeld und Bawer bei Elmshorn und besetzt darauf, ohne Widerstand zu finden, die Stadt Altona; ebenso erobert er, meist mit Stimm, die Orte Pinneberg, Hasselow, Mehldorf und Itzehoe. Im April 1645 rückt Helm mit den ihm noch verbliebenen 3500 Mann und 9 Geschützen gegen Rendsburg vor, um dasselbe zu belagern; einem heranrückenden Entsatz unter Ahlefeld und Buchwald geht er entgegen, schlägt ihn am 25. April im Eiderstädtschen und erstürmt gleich hinterher die Husumer Schanzen. — Rendsburg dagegen hält sich und schlägt drei Stürme ab, so dass Helm im Juni die Belagerung aufgiebt. Er durchstreift nun Avieder das Land, erobert drei Schanzen bei Krempe und macht inzwischen auch wieder einen glücklichen Einfall in Jütland; von diesem muss er aber bald zurückgekehrt sein, da Avir ihn im October, als der Friede ZAvischen Schweden und Dänemark abgeschlossen Avird, bereits wieder in Pinneberg und Kiel antreffen. Von hier aus sendet er Regimenter nach Pommern ab, die sich den Truppen anschliessen, welche Carl Gustav von Wrangel von dort aus als Verstärkung der deutschen Hauptannee zuzuführen gedachte. Nach dem Frieden mit Dänemark ward er Generalmajor über die Cavallerie. Im Jahre 1646 finden Avir Helm bei der Hauptarmee unter Carl Gustav von Wrangel und am 16. April rückt er mit derselben an die Weser, um die Stadt Höxter zu belagern. Bei dieser Gelegenheit erhielt Generalmajor Helm den Befehl, mit der Cavallerie durch die Weser zu schAvimmen und die Stadt zu berennen. Als er sich hierzu anschickte, , 18* 140 machte die darin gelegene Besatzung einen Ausfall und versuchte die Mühle vor der Stadt in Brand zu stecken. Der General Helm von Wrangel trachtete nun danach, den Ausfallenden den Pass zu verlegen. Hierbei wurde er jedoch vom Wall aus mit einer Musketenkugel durch die Brust geschossen, so dass er zwischen den Geschützen niederfiel. Der hei dem General als Volontair dienende Cornet von Fersen 1 ) hob ihn mit eigener Lebensgefahr von der Erde auf, legte ihn auf einen Mantel und trug ihn unter dem Feuer der feindlichen Geschütze mit Hilfe einiger Mann durch Gärten, Hecken und Gräben bis hinter die Mühle. Hier machte Helm, da er selbst an seinem Aufkommen zweifelte, sein Testament und seinen letzten Willen. Allein „weil er früh morgens nüchtern" gewesen, erzählt uns wörtlich der Berichterstatter, „und nicht weidewund geschossen, ist er durch Gottes sonderbare Schickung und angewandten Fleiss der Aerzte innerhalb sechs Wochen wieder frisch und gesund geworden. Bis zu seiner völligen Genesung musste der Cornet von Fersen bei ihm in Paderborn bleiben."-') Höxter hatte sich am 25. April ergeben. In dem folgenden Jahre 1647 hatte sich die schwedische Armee bei der Belagerung von Eger unter Feldmarschall Carl Gustav von Wrangel auf dem Galgenberge verschanzt. Sie wurde liier am 17. Juli von Jean de Werth angegriffen, schlug jedocli den Angriff zurück. Bei diesem Kampfe wird auch General Helm von Wrangel genannt. Nachdem Helm von Wrangel genesen, war er nämlich zu jedermanns grosser Freude wieder bei der Armee eingetroffen, welche in Böhmen den Kaiserlichen gegenüber stand. Die beiden Heere waren durch einen Fluss getrennt. Die Schweden hatten sich jedoch dicht an demselben festgesetzt, während zwischen dem feindlichen Lager und dein Fluss sich ein langer breiter Wiesengrund hinzog. Von diesem Standpunkt aus glaubten die Kaiserlichen jeden Versuch der Schweden, über den Fluss zu setzen, bemerken zu können, und da sie wussten, dass die grosse Fuhrt durch starkes Hochwasser unpassirbar geworden war, stellten sie in dem Gefühle der Sicherheit nur nothdürftig Wachen aus. Zufällig hatten aber die Schweden bei dem Tränken ihrer Pferde eine von dem an geschwemmten Sand neugebildete Fuhrt entdeckt. Dort liess nun Feldmarschall von Wrangel am 20. Juli 1647 mit Tagesgrauen unter Generalmajor Helm von Wrangel das Douglassche, das Fritzlebensclie und das Poleische Regiment als Avantgarde durch das Wasser gehen, um zu versuchen, den vor dem Lager postirten kaiserlichen Wachen Vor- theil abzugewinnen, welche dann auch bald in die Flucht geschlagen und bis in das kaiserliche Lager verfolgt wurden. Die Schweden drangen sogar bis an die Hauptwache vor, wo das Quartier Seiner Kaiserlichen Majestät sich befand, und wenig hätte gefehlt, so wäre ihnen der Kaiser — von dem man erzählt, dass er erst durch den Lärm geweckt worden sei und sich im Schlafrock habe flüchten müssen — selbst als Gefangener in die Hände gefallen. 3 ) !) Der spätere General-Feldmarschall von Fersen. 2 ) Extract aus dem Lebenslauf des Feldmarschalls Otto Willielm von Fersen. 3 ) Hierüber sind gedruckte und geschriebene Nachrichten vorhanden. l4l — Zwei Reiter hatten sogar die Kühnheit abzusteigen und in das Zelt einzudringen. Hier machten sie einen Trabanten nieder und standen im Begriff, des Kaisers Gemach zu betreten, als man ihnen den Weg versperrte, den einen niederstach und den andern gefangen nahm. l ) Die Schweden, die sich zu weit vorgewagt hatten, wurden nun dergestalt von den Kaiserlichen umringt, dass sie verschiedene Offiziere und viele Gemeine im Stich lassen mussten, ehe sie wieder zu den Ihrigen über das Wasser zurück kommen konnten. Die Verwirrung, die die Schweden mit ihrem Einfall angerichtet hatten, war so allgemein gewesen, dass, wie Helm von Wrangel später selbst erklärte, der Kaiser ihm kaum entkommen sein würde, wenn die übrigen Truppen ihm mit gleicher Schnelligkeit gefolgt wären und ihm die Beschaffenheit des Ortes genügend bekannt gewesen sei. Allein, als die Schweden sich im feindlichen Lager zerstreut hätten und die kaiserlichen Regimenter auf die Beine gekommen wären, seien seine Leute nicht ohne Verlust zurückgetrieben worden und hätten den Oberstlieutenant Adolf Hoppe, zwei Lieutenants und einige Gemeine eingebüsst und den Oberstlieutenant Christian von Horn, einen Rittmeister, drei Lieutenants und viele Gemeine in Gefangenschaft zurücklassen müssen, welche aber der Kaiser nach etlichen Tagen zurückschickte. 2 ) Einige Tage nach diesem Ueberfall verliess der Kaiser sein Heer, und General Melander genannt Holzapfel führte die Truppen aus ihren Schanzen mit grosser Vorsicht in die Gegend von Plaan, wo er sich wieder verschanzte. Er giebt an, dass Mangel an Verpflegung ihn dazu veranlasst habe. Später sehen wir die Kaiserlichen wieder näher an die Schweden heranrücken und ungefähr eine viertel Meile von denselben entfernt in einem tiefen Grunde und einem Walde eine vortheilhafte und sichere Stellung einnehmen. Von schwedischer Seite aus wurde Scldoss Triebet mit einem Fähnrich und 30 Dragonern besetzt gehalten; am 9. August 1647 wurde dasselbe jedoch von den Kaiserlichen mit Sturm genommen. Die Schweden versuchten zwar es zu entsetzen, aber umsonst. Sie warfen nun unweit des Schlosses zwei starke Schanzen auf, in welche sie eine Besatzung von sieben Regimentern legten, und hinter den Schanzen steckten sie ein neues Lager ab. Bevor dieses jedoch bezogen wurde, sollte die gesammte Armee erst noch fouragiren und man wollte nicht eher aufbrechen, als bis sämmtliche Fourageurs zurück seien. Hiervon hatten die Kaiserlichen Kunde erhalten und stürmten um die Mittagstunde des 12. August unter Montecuculi und Jean de Werth die noch nicht fertigen Schanzen, machten die Besatzung nieder und richteten dann ihren Marsch auf das schwedische Hauptquartier nach Plaan, welches von Truppen fast gänzlich entblösst war, da die ersten Fourageurs eben erst zurück zu kehren begannen. War die Lage der schwedischen Armee je eine gefährliche gewesen, so war es an diesem Tage der Fall. Es eilte alles was im Lager nur reiten konnte, schnurstracks den Kaiserlichen entgegen, so dass Lieutenant von Fersen von allen seinen braven Leuten nur 16 Reiter zurückbehielt. Als auch dieser angejagt kam, stürmte neben ihm der General- 1) Nacli der^ Chronik. 2 ) Aus dem Tagehucli des Feldmarschalls Otto Wilhelm von Fersen. — 142 — major von Wrangel mit blossem Degen in der Hand auf den Feind los. Ein kaiserlicher Offizier, den Wrangel hierbei direkt angriff, schlug seinen Stutzen auf ihn an und jagte ihm dicht bei der Stelle, wo er bei Höxter verwundet worden war, eine Kugel durch die Brust. 1 ) Wrangel sank nach vorn zusammen, so dass er auf den Hals seines Pferdes zu liegen kam, hatte aber noch die Geistesgegenwart, einen Offizier herbei zu winken und sich vom Pferde heben zu lassen. Man brachte ihn auf seiner „Karete" noch lebend in das Lager zurück, aber schon am dritten Tage erlag er der Verwundung. Der Kampf selbst nahm für die Schweden noch einen günstigen Ausgang. Während die Dispensirten gegen die ganze kaiserliche Cavallerie ihr Aeusserstes und Bestes ausrichteten, kamen die vielen Fähnlein der schwedischen Infanterie, die ausrücken und sich bereit halten sollten, mit den zurückkehrenden Fourageurs zusammen das neue Lager zu beziehen, bei Plaan ins Gefecht. Dies machte die Kaiserlichen, welche glaubten, die ganze schwedische Armee sei im Anzüge, stutzig und veranlasste sie nach ihrem alten Standorte zurück zu weichen. Die Schweden nahmen sofort die Verfolgung auf, mussten dieselbe aber schliesslich aufgeben, da sich die kaiserliche Infanterie in dem Walde verborgen hielt und von liier aus die anstürmenden Schweden mit vollen Salven begrüsste. Hatte man nun auch kaiserlicherseits das Fehlschlagen des so gut angelegten Ueberfalls zu bedauern, der, wenn er so weiter verlaufen, wie er begonnen, mit dem Ruin der ganzen schwedischen Armee geendet haben würde, so hatte man doch wenigstens die Genugthuung, in dem tapfern Generalmajor Helm von Wrangel einen der gefürch- tetsten Gegner verloren zu haben, und so gross war bei ihnen die Freude über dessen Tod, dass man hätte meinen sollen, die Schweden hätten ihre halbe Armee eingebüsst. Bei diesen hingegen sah man überall tiefe Trauer, und nicht nur die Cavallerie, die Helm befehligt hatte, sondern auch die gesammte Infanterie legte solche offen an den Tag. Am lautesten aber wurde che Klage und das Weinen, als die Leiche des theuern Gebieters von dem Heere weggeführt und nach Wismar in Mecklenburg gebracht wurde, wo Helms Besitzungen lagen und seine Familie sich aufhielt. Hier traf die Leiche im September ein und am 15. December erfolgte die Beisetzung unter überaus stattlichem Gepränge und adligen Ceremonien in der St. Marienkirche. Von Seiten der Stadt wurde zehnmal geläutet und M. Joachim Hertzberg hielt vor den andächtig Versammelten, die in Massen herbeigeströmt waren, die Leichenrede über Hiob 7, welche sogar 1648 in Rostock bei Johann Richelm im Druck erschien. 3 ) Später winde ihm, wahrscheinlich auf Veranlassung des Feldmarschalls Graf Carl Gustav von Wrangel-Salmis (VI 6), in der Kirche eine der geräumigen Nischen als Grabkapelle ausgebaut, mit deren Ausführung der Bildhauer Christianus Möller betraut winde und die in ihrer Pracht noch heute Zeugniss giebt von der grossen Verehrung, welche Helm von seinen Zeitgenossen entgegengebracht worden ist. Die Grabkapelle liegt auf der Nordseite neben der des berühmten Rechtsgelehrten David Mevius. Sie fällt bei dem Eintritt in die Kirche sofort durch ihr prächtiges aus schwarzem Marmor erbautes Portal auf, das im Rococostyl mit weiss-marmornen Medaillons f) Nacli anderen Nachrichten soll er einen Schuss durch den Helm in den Hinterkopf erhalten hahen. '-) Schröder, Wismarsche Predigerhistorie p. 187. Org. in der Universitäts-Bibliothek zu Rostock. — 143 und Engeln reich und geschmackvoll verziert ist. Namentlich trägt der obere Aufbau eine ganze Anzahl malerisch gruppirter Embleme und Figuren, von welchen sich die an seinen Füssen zu beiden Seiten angelehnten allegorischen Figuren besonders vortheilhaft abheben. Zwischen diesen erblickt man Embleme des Krieges mit dem Todtenkopfe in der Mitte, unter welchen sich wiederum eine schwarze in weissen Marmor gerahmte Tafel mit der Inschrift: „Hoc Wrangellanum bustum heredum indulto Servat sanctissimos mores Illustris Friderici de Brummer. Magiii ducis Eussiae ac. Holsat. supr. aol. praef. Rnss. equitis. Cuius fidem suspexit Holsatia decorem logens Vismaria aeternum venerabitur." befindet, während über demselben die beiden vereinigten Wappen des Generalmajors und des ebenfalls in dieser Gruft ruhenden Grafen KrümmerQ mit der darüber befindlichen Krone fast den ganzen oberen Theil des Aufbaues ausfüllen. Zu beiden Seiten erhebt sich je ein Obelisk, von denen der rechts vom Beschauer besonders bemerkenswerth, da auf ihm das Geburts- und Sterbejahr des Helm wie nachstehend verzeichnet sind: „HW/ natus / MDLXXXX / denatus /' MDCXXXXVII /." Einen würdigen Abschluss erhält das Ganze durch das hoch oben auf dem Portale thronende Symbol des Auge Gottes, das ein Kranz von Rosen umgiebt. Von der Kirche aus führen drei Stufen nach dem Eingange der Kapelle empor, welcher zu beiden Seiten mit je zwei Säulen geschmückt und mit einer kunstvoll aus Schmiedeeisen gearbeiteten Thür verschlossen ist. Bei dem Oeffnen derselben sieht man sich einer Gruft gegenüber, unter welcher sich noch eine zweite befindet, die aber zugemauert ist und deren Inneres sich daher unsern Blicken entzieht. Die obere bildet das eigentliche Erbbegräbniss. Hier gewahren wir nach dem Oeffnen einer zweiten Thür, welche an der Aussenseite die Inschrift: REQVJES / WRANGELIO / BRVMMER1ANA. trägt, drei Särge von je acht Fuss Länge. Dem Eingange zunächst steht ein hoher kupferner Sarg mit kunstvollen zinnernen Ornamentverzierungen und vergoldeten Zier- ratlien, in welchem der Generalmajor ruht. Am Kopfende und auf der einen Seite ist das Wrangeische, auf der andern Seite aber das Buchwaldsche Wappen, beide in Farben ausgeführt. Sodann folgt der einfache eichene Sarg, der die Gebeine Helms erster Gattin, geborene von Butlar, birgt, und, wie aus Resten zu ersehen, mit schwarzem Sammet beschlagen gewesen ist. Der dritte Sarg ist dann der des Grafen Friedrich Brümmer. Ueber dem Erbbegräbniss erhebt sich der gewaltige Unterbau des Sarkophags, zu welchem eine Treppe empor führt. Er ist aus Holz gefertigt und in den Zwischenfeldern mit kupfernen Platten beschlagen. An den beiden Längsseiten sind die zwölf Apostel angebracht, und während die östliche Querseite das in kunstvoller plastischer Schnitzerei ausgeführte Symbol des Sieges !) Graf Brümmer wurde 1090 zu Waikull in Livland gekoren, war kaiserlicher Okerhofmarschall und Kammerherr und stark 1752 zu Wismar. Dass er in irgendwelchen verwandtschaftlichen Beziehungen zur Familie von Wrangel gestanden, ist nicht nachweisbar . ebensowenig auch die Veranlassung ihn in der Wrangelsclien Kapelle beizusetzen. Möglich, dass er von seinem Geburtsort her mit der Familie bekannt gewesen und diese seinen Hinterbliebenen die Benutzung der Kapelle gestattete. 144 des Gilten über das Böse — ein Engel zertritt den Teufel und über diesen die vier Evangelisten — zeigt, sind an der entgegengesetzten Seite das Wrangeische, x ) Buchwaldsche und Butlarsche Wappen angeheftet. Das erstere ist bedeutend grösser und steht zwischen den beiden andern. Auf dem Sarkophag liegt, in Stein gemeisselt, der General Helm von Wrangel mit seiner ersten Gattin Anna Sabina Treuscli von Butlar. Der General ist mit vollständiger Rüstung angethan, deren Schienenränder und Nägel vergoldet sind. Das Haupt deckt eine eiserne flache Feldkappe. — Helms Gattin trägt ein langes Gewand, ihr Haupt ziert ein niedriges Diadem. Was nun die Kapelle betrifft, so hängt zunächst an der westlichen Wand das grosse Wrangeische Wappen — ein dreizinniges Mauerstück im silbernen Felde mit derselben Figur zwischen zwei schwarzen Adlerflügeln auf dem Helm und schwarzsilbernen Helmdecken — mit der Unterschrift: DER KOENIGLICHEN MAYT. VND REICHS-SCHWEDEN VBER D. CAVALERIE GENERAL VND OBRISTER H. HELM WRANGEL, HERR ZV SELKIS. ANNO 1647.' Unter diesen grossen kunstvoll in Holz geschnittenen Wappen hängt links (vom Beschauer aus gesehen) nochmals dasselbe Wrangeische Wappen, aber kleiner, mit der Unterschrift: H. HELM WRANGEL 1641 und rechts das Butlarsche Wappen ebenfalls in Holz geschnitten, mit Wappentinkturen versehen, mit der Unterschrift: ANNA SOBINA TREISCHEN VON BVTLA 1641. Ueber dem grossen Wrangeischen Wappen wiederholt sich, aber noch kleiner wie die beiden letzten, links das Wrangeische Wappen mit der Unterschrift: H. HELM WRANGEL 1647 und rechts das Buchwaldsche Wappen mit Wappentinkturen und mit der Unterschrift: MAGDALENA BOCKWOLDTEN. Ueber diesen beiden letzten Wappen ist die von Helm getragene eiserne Rüstung — Brustharnisch mit Arm- und Schenkelschienen und Schuppenhandschuhe — nebst eisernem Helm mit Visir und einer fliegenden, schwarzen Straussfeder aufgehangen. Ausserdem ist noch weiter oben ein goldmetallner Helm mit Visir und Halsstück angebracht. Bei der im Jahre 1S84 stattgehabten Restauration der Kapelle wurde auch der früher im Hauptgange des südlichen Kirchenflügels befindliche Grabstein von Helms erster Gattin nach derselben verlegt. Der Stein diente an seinem früheren Platze zum !) Die schwarze dreizinnige Mauer zwischen den beiden Flügeln auf dem Helm. Theil als Unterlage für die Chorbänke, wobei bedauerlicher Weise ein grosser Theil seiner Inschrift verloren ging, so dass sich dieselbe jetzt noch wie nebenstehend präsentirt. Was die Besitzungen des Generals Helm von Wrangel anbetrifft, so finden wir zunächst, dass demselben 1646 am 10. Sonntag nach Trinitatis das an der Ostseite des Marktes zu Wismar unter Nr. 9 von der Altwismarischen Strasse her gelegene Haus zugeschrieben wurde, welches später auf seinen Sohn, den Oberst Carl Friedrich von Wrangel (51), erblich überging. Die Nachkommen desselben hatten dieses Haus noch bis zu Matthäi 1712 im Besitz, wo es dem Joachim Christian Bode von Fräulein Felicia Julianne von Wrangel (63) aufgelassen wurde. Mit ihr unterschrieb der Hauptmann Hans Albrecht von Plüskow als Bevollmächtigter den Kaufcontract. Ausser diesem Haus in Wismar besass der General noch einige Güter im Mecklenburgischen, in deren Besitz er sich jedoch erst gegen Ende seines Lebens gesetzt hatte. 1 ) So sehen wir ihn am 1. Februar 1647 in Unterhandlungen mit Henne von Liitzow, welcher, auf das „gutgönnende Gemüth" Helms bauend, sich bemüht, diesen zum Ankauf eines Gutes zu bewegen, damit er durch den Kaufpreis in den Stand gesetzt werde, seine Gläubiger zu befriedigen. Am 7. März 1647 consentirt der Herzog Albrecht Friedrich die Alienation und Translation des Lehnguts Arpshagen mit seinen Pertinenzien, als den Hof zum Felde und den Pfarrhof Goldbeck von Johann von Plessen auf den Generalmajor Helm von Wrangel, jedoch nach landesüblichem Lehnritus und Lehngebrauch. Auf diesen Umstand soll bei Festsetzung des Kaufpretiums Bücksicht genommen werden, auch ist man im besonderen darauf bedacht, Arpshagen den Pfarrhof Goldbeck einzuverleiben, wozu indess der Herzog seine Einwilligung nicht ertheilen will. Die Lehn- güter wurden auf 36 000 Beichsthaler taxirt, sollten aber für 23 000 Thaler verkäuflich sein, so dass Helm mit dem Ankauf nicht gezögert haben würde, wenn nicht der Mangel an Jagd zu beklagen gewesen wäre. Das ihm von Landrath von Liitzow für 27 000 Thaler angebotene Gut Buschmiilen besass nun zwar Jagd, Helm hatte es aber, da es in seiner Absicht lag, schon bei seinen Lebzeiten jedem seiner beiden Söhne aus erster Ehe eine besondere „Ab- Des Hochedlen gestrengen vesten und a Geborne Treysch von Butler ist K Ü Ö 3 sten Tage eure froliche auf- !> E. ^ erstehuns zum ewigen g? 3 5 Leben umb Christi Willen p ^ ^ aus Gnaden vorleihen wolle. Q M d r-* <•(-"] *r3 g w ÖL • rH 'S 03 ä 3 5 & > <£> r-< g S ^ r ö3 b CD 5l "53 ö 6 M ö cö H SP SP £ - 0 d 'E "o .3 o -3 w s> CD r—I o te- Das von Das von Wrangelsclie Butlarsche Familien- Familien- Wappen. Wappen. H. Hehn . . Wrangel . . .... Phil. . . Christus ist . . Sterben ist . . apocal . Selig sind die . in dem herrn . nunania der . Das sie ruhen. arbei . 3 ö atx[iin pun .upT Tg ']\ T P ire lPA\. S0 -s • CD i| Die Mittheilungen über den Güterbesitz des Generals Ilelra von Wrangel nnd seiner Nachkommen sind den bezüglichen Akten des grossherzoglich mecklenburg-scliwerinsclien Gelieim-Staatsarchivs entnommen. 19 146 — theilung" einzurichten, 1 ) gerade auf Vogtshagen und Arpsliagen abgesehen, obwohl die Gebäulichkeiten des ersteren vollständig niedergebrannt waren und das letztere ebenfalls Spuren der Verwüstung trug. Schon nach vierzehn Tagen musste von Wrangel sich wieder zur Armee begeben und es kam nur der Kauf von Arpsliagen zu stände, welches ihm und seinen männlichen Leibes- und Lehnserben der Herzog Adolf Friedrich am 16. März 1647 bestätigte. Das Gut hatte 23 000 Thaler gekostet und wurde bei der Theilung von Helms Nachlass auf 20 000 Thaler taxirt. Helm war zweimal verheirathet a) mit Anna Sabina Treusch von Butlar aus dem Hause Markershausen in Hessen, Tochter des Jost Siegmund Treusch von Butlar auf Markershausen, schwedischen Oberst (verstorben 1655), und Anna Magdalena von Kreuzburg aus dem Hause Bischofsrode; sie war 1611 geboren und verstarb am 26. Mai 1641. am 29. Mai wurde sie in Wismar begraben; b) 1642 mit Magdalena von Buchwald aus Mecklenburg. Sie war die Tochter des Mathias von Buchwald und der Dorothea von Thienen.' 2 ) Im Jahre 1650 verheirathete sie sich zum zweiten Male mit dem schwedischen Kapitän Hermann Hermannson von Fersen, dem jüngeren Bruder vom Feldmarschall Otto von Fersen. Die Wittwe des Generals Helmuth von Wrangel erhielt von der Königin Christine das Amt C ollatz und einige andere Güter im Pyritzer Kreise in Hinterpommern, welche sie dnrcli den Major Franz Knese verwalten liess. ;! ) Als bei dem westfälischen Frieden Hinterpommern an Brandenburg gefallen war, nahm ihr der Grosse Kurfürst 1652 die Güter wieder ab. Im Jahre 1648 verpfändete David Maacken, ein Bürger Wismars, der Generalin Wrangel für 11 000 Gulden das Gut Kalsow, welches ihr auf 19 Jahre als Pfandgut cedirt wurde. Sie erhielt darüber Consens und Coniirmation am 11. Juli 1648. Noch in demselben Jahre wurde ihr auch das Gut Kohlsdorf von Hans Scharffen- bergs Erben als Pfand abgetreten und im folgenden Jahre schloss die Generalin mit denselben wegen des Gutes einen Pensions-Contract dahin lautend ab, dass sie sich verpflichtete, dasselbe wieder aufzubauen und mit Unterthanen zu besetzen. Dies verursacht ihr aber so viel Kosten, dass sie sich veranlasst sieht, das Dorf Kalsow, welches von einem von der Lühe an den bereits erwähnten David Maacken versetzt worden, wieder einzulösen. »Sie trat dadurch laut Contract und Consens vom Jahre 1646 in des letzteren Gerechtsame ein. Später musste der Oberstlieutenant Hermann von Fersen, nachdem seine Frau bereits verstorben und er mit deren Kindern aus erster Ehe Richtigkeit gemacht hatte, das Gut mit noch einigen Pertinenzien dem David Maacken cediren und abtreten. Er hatte immer gehofft, dass von der Lühe das Pfandrecht abtragen würde, womit dem Kittmeister (Carl Emanuel) Wrangel (49), an welchen die Zahlung zu leisten war, sehr gedient gewesen wäre; allein dies geschah nicht, und so bat von Fersen unter dem 28. April 1685 um ein Mandat für den von der Lühe. x ) Grossherzoglich mecklenburgisches Geheim- und Haupt-Staatsarchiv in Schwerin. 2) Siehe freih. Geschl. von Buchwald, Nil 68 f. 8 ) Berghams, Landbuch von Poramern Bd. II Abth. 8 p. 141. 147 Im Jalire 1689 verstarb nun auch Hermann von Fersen; er liinterliess das von seiner zweiten Gemahlin Magdalena von Wrangel, geborene von Buchwald, geerbte Gut Mohlsdorf, auf welches aber noch 17 000 Thaler an seinen Stiefsohn, den Major Carl Friedrich von Wrangel (51), auszuzahlen waren. Die drei Söhne des Hermann von Fersen — Hermann Otto, August Wilhelm und Jochim Friedrich — konnten diese Schuld nur durch Abtretung von Mohlsdorf und der dazu gehörigen Pertinenzien und Meliorationen tilgen, womit indess dieselbe noch nicht ganz abgetragen war. Sie sahen sich daher veranlasst, dem Major von Wrangel auch noch einige Pertinenzien in Kalsow, Kartlow und Hornsdorf zu cediren und abzutreten, was sie jedoch mit einigen Modifikationen in der Lehnsfolge thaten. Da aber der Major von Wrangel die Allodialmittel nicht zu Lehen machen will, sondern seine mütterlichen Allodialgelder in baar verlangt, und da auch die von der Lühe wegen des Lehens Schwierigkeiten machen, so sehen sich die Gebrüder von Fersen genöthigt, den Herzog unter dem 18. August 1690 zu bitten, ihnen das Lehen Mohlsdorf als ein Fersensches Lehen zu conferireu und zugleich dessen Cession und Verpfändung auf 20 Jahre an den Major von Wrangel und dessen Kinder zu bestätigen. Unter dem 22. Januar 1691 schliessen nach Eingang des Consenses die Gebrüder von Fersen in vorstehendem Sinne einen Pfand-Contract mit dem Major von Wrangel auf 20 Jahre ab, der unter dem 4. Februar 1691 mit dem Beding consentirt wird, dass nach zwölf Jahren die Prolongation nachzusuchen sei, was am 26. September 1702 von Seiten Wrangeis auch auf die Dauer von acht Jahren geschieht. Am 23. Januar 1650 tiberliessen Jochim Christoff von Stralendorf!' und dessen Vettern der Wittwe des Generals Helm von Wrangel ein Bauernerbe im Dorfe Kartlow sammt den dazugehörigen Pertinenzien auf zwölf Jahre von Antoni 1650 bis Antoni 1662 für 1000 Gulden mecklenburgische Währung wiederkäuflich. Von Helms Wittwe wird noch berichtet, dass sie bald nach ihrer Verheirathung mit Hermann von Fersen an den Aufbau der Kirche in Hornsdorf dachte, welche im dreissigjährigen Kriege vollständig beraubt worden war. Sie machte zu diesem Zwecke mehrere milde Stiftungen. Aus diesen beiden Ehen liinterliess der General Helm von Wrangel zwölf Kinder und zwar stammten aus der ersten Ehe Helm (Helmuth, Helmig) (48), Carl Emanuel (49), Hans (50) und eine Tochter (58), die 1647 noch lebte. Aus der zweiten Ehe waren Carl Friedrich (51) und vier Töchter: 1. Dorothea Elisabeth (52), geboren 1644, vermählte sich mit dem Dom- Dechant Jochim von Rantzau. 2. Anna Magdalena (53), geboren 1645, heirathete a) Johann Christof von Fersen, verstorben Ende 1669 zu Barnekow; b) Baron Johann Uexküll-Gülden- band. Schon 1688 stellt ihr, des Johann Uexküll-Güldenband Ehegattin, der Landrath Major Hans von Rosen eine Obligation über 1400 Rthlr. spec. aus, welche sie den 13. März 1698 zu Reval auf ihre Tochter (erster Ehe) Anna Margarethe, Gemahlin des Hans Heinrich von Derfelden, transportirt. 19* — 148 3. Sophie Ester (54), geboren 1646. 4. Anna Margarethe (55), geboren 1647, und ausserdem drei Kinder (56A, 56B, 57), von denen zwei am 8. März 1649 und eins am 3. April 1649 in Wismar begraben ward. Als Vormund wurde der General-Feldmarschall Graf Carl Gustav von Wranged- Salmis (VI 6) eingesetzt. Am 11. November 1650 fand zu Wismar zwischen der nachgelassenen Wittwe, den Söhnen Helm und Carl Emanuel von Wrangel und deren Schwägern die Erb- theilung des Nachlasses des Generals Helm von Wrangel statt. Der General-Feldmarschall lieh am 17. November 1650 in seiner Eigenschaft als Vormund dem Oberstlieutenant Arnd von Levetzow auf dessen Ansuchen 4000 Thaler. Dieser Posten fiel 1665 dem Hermann Fersen und seinem Stiefsohn Carl Friedrich von Wrangel eigenthümlicli zu, welche schon 1662 die Kündigung bei Levetzow veranlasst hatten. Dieser kam jedoch derselben nicht nach, weshalb sich Hermann Fersen genöthigt sah, bei der fürstlich Giistrowschen Canzlei vorstellig zu werden. Ihn zu befangen, fing von Levetzow mit Fersen an zu disputiren (1664), so dass die Exemtion und Immission in die Güter des Levetzow rechtmässig erkannt und auch effectuirt werden sollte, allein Levetzow bot statt Geld Land und Sand, womit dem Fersen aber nicht gedient war. Sie leben daher noch 1666 miteinander im Prozess. Fersen wandte sich am 13. Januar dieses Jahres unter Mittheilung des Verhältnisses an den Grafen Carl Gustav von Wrangel, der sich zur Zeit bei dem Herzog Gustav Adolf von Mecklenburg in Güstrow aufhielt, damit dieser sich als gewesener Vormund von Carl Friedrich von Wrangel (51) verwende. — Sodann lieh der General-Feldmarschall 1651 am Tage Antoni an Jochim von der Lühe 2000 Thaler, welche dieser zur Herrichtung seiner Lehen und Güter be- nöthigte. Für diese Summe wurde das Gut Pantzow im Amt Buckow mit allem Zubehör als Pfand gegeben. Am 22. September 1651 verborgte der General-Feldmarschall nochmals 2000 Tlialer und zwar an Major Ingolff Bergson Bosenfeldt, der für die erhaltene Summe sein von den Creditoren des Curt von der Liihnen erkauftes Gut Koltzow verpfändete. Endlich schlössen die Wittwe des verstorbenen Carl Emanuel von Wrangel (49) und ihre Schwäger und Schwägerinnen einen Vergleich am 13. März 1662 zu Wismar ab, da bei der am 11. November 1650 stattgehabten Erbtheilung die Kinder aus Helms erster Ehe gegen die aus der zweiten benachtheiligt worden waren, was zu mancherlei Streitigkeiten Anlass gegeben hatte, die sich namentlich auf die Güter bezogen. 48. Helm (Helmuth, Helmig) von Wrangel, Sohn von Helm (41), war schwedischer Kittmeister, nahm an der Schlacht bei Posen theil und schlug sich mit 80 Mann bei Warschau durch. Er verstarb 1658 zu Lübeck. Seine Leiche wurde nach Wismar gebracht und hier im Februar 1659 beerdigt. Er war mit Hedwig Sophie von der Lieth, verwittweten von Schweder, Tochter des Präsidenten und Landraths in Bremen, Detlof von der Lieth zu Eimelo und Ficken- mühle und der Magdalena von Hackeborn, verheirathet. Kinder scheinen dieser Ehe nicht entsprossen zu sein. — 149 49. Carl Emanuel von Wrangel, Sohn von Hehn (41). Von ihm ist nur bekannt, class er als Eittmeister in schwedischen Diensten stand und 1658 verstarb. Er war mit Hedwig von Buchwald vermählt. Er hatte ein Kind (59), welches zwischen 1658 und 1662 in ganz jungen Jahren verstirbt. Hedwig, geborene von Buchwald, hatte ein Haus zu Wismar schiüdenhalber angenommen, welches noch von ihrem Schwiegervater, dem General Helm von Wrangel herstammte. Als in demselben Jahre, in welchem Carl Emanuel von Wrangel starb, auch sein Bruder Helm (48) ohne Kinder zu hinterlassen aus dem Leben scheidet, kam wegen beider Hinterlassenschaften zwischen den Erben ein Vergleich zu stände, nach welchem die Wittwe des ersteren sich aller Ansprüche auf Helms Nachlass enthielt, wogegen sie ihren Gatten beerbte. Am 13. April 1659 verkaufte sie dieses Haus rechtmässig für 1200 Thaler an Alexander Wigers in Wismar, der indessen nicht regelmässig die Zinsen zahlte. Als sie nun im Jahre 1662 eine zweite Ehe mit Heinrich Christof von Bibow, fürstlich mecklenburgischem Hauptmann zu Neu-Buckow, eingegangen war, strengte dieser einen Prozess gegen Wigers an. 50. Hans von Wrangel, Sohn von Helm (41), starb jung vor 1647. 51. Carl Friedrich von Wrangel, Sohn von Helm (41), geboren 1643, war 1681 schwedischer Eittmeister, 1689 Major, 1698 Oberstlieutenant und 1705 Oberst. Er besass Eohlsdorf, Kalsow, Kathlow, Hornsdorf theils als Lehen theils als Pfandgut. Er hatte sich als Eittmeister mit Beate Johanna Midier von der Lühnen verheirathet, die die Tochter des Generals und General- Commandeurs in Pommern, Burchard Müller (nobilitirt unter dem Namen Müller von der Lühnen, aber in Schweden nicht introducirt) mit Ilsabe Maria von Schmeling (Schmölin- gen) war. Er verstarb im März 1710 und ward in Wismar beerdigt. Ueber die militärische Thätigkeit des Oberstlieutenants Carl Friedrich von Wrangel sind uns leider keine Nachrichten aufbewahrt. Nur einmal ersehen wir, dass er am 7. September 1703 vom Generalgouverneur in Esthland, Axel Julius de la Gardie, den Befehl erhält, mit acht Musketieren die ungehorsamen Bauern „zm- defension des Landes auszutreiben, und nicht eher von den Höfen wegzugehen, bis schuldiger gehorsam geleistet worden". Die Bauern wurden in diesem Aufstande durch Verabreichung von Geweimen und Zubehör vom General-Adjutanten Stael von Holstein unterstützt. 1 ) Aus dem Leben des Oberstlieutenants Carl Friedrich von Wrangel wird uns erzählt, dass, während er sich auf dem Marsche nach der polnischen Grenze befand, und seine Ehegattin erst von dort zurückgekehrt war, diese gerichtlich am 21. und 24. August 1703 aufgefordert wurde, clie brieflichen Urkunden über vier wüste Kossäthen- Stätten in Kartlow nebst Zubehör, sowie über zwei Bauern-Stätten in Hornsdorf vorzulegen. Sie befand sich zur Zeit in Anclam, wo ihr Mann ziüetzt in Garnison gestanden !) Archiv Stael-Holstein; Busswurm, Gesch. Stael-Holstein Nr. 189 p. 188. 150 hatte, und war nicht im stände, in den Besitz dieser Papiere zu gelangen, was sie unter dem 9. October 1703 dem fürstlichen Gericht mittheilte. Als der Oberstlieutenant aus dem Kriege zurückgekehrt, fand die Angelegenheit indess ihren Abschluss noch nicht, da beide Eheleute von Wrangel bettlägerig krank wurden und am 19. April 1704 der Oberstlieutenant von Wrangel von Buggenhagen in Pommern aus die Forderung des Oberstlieutenants von Bornfeldt entschieden ablehnte, bevor dieser nicht die Berechtigung seiner Ansprüche auf die Brieflade nachgewiesen habe. Der Prozess wurde dadurch noch mehr in die Länge gezogen, — die eine Partei hielt ihre Forderung und die andere ihre Abweisung fest, der Oberstlieutenant von Wrangel entschuldigte sich bei jeder Vorladung mit Kränklichkeit und bat am 30. December 1705 um Aufschub, da er nach Mecklenburg überzusiedeln gedenke. Endlich erfolgte am 28. September 1706 durch die Universität zu Rostock der Rechtsspruch, nach welchem sich der Oberst von Wrangel mit dem Kläger, dem Oberstlieutenant von Bornfeldt, abzufinden habe, widrigenfalls er „condemnationem" zu gewärtigen hätte. Oberst von Wrangel fühlte sich indess durch dieses Urtheil verletzt und ap- pellirte an das Reichsgericht. Während dieser Zeit verursachte ihm der Tod seiner Ehegattin grossen Kummer, und als endlich die Universität Halle den Spruch am 22. Mai 1710 zum Nachtheil des Oberst von Wrangel fällte, war auch dieser verstorben, so dass das Urtheil nicht vollzogen werden konnte. Die Kosten beliefen sich auf 51 Gulden 5 Schilling, welche der Oberst von Wrangel tragen sollte. Da dieser verstorben, hielt man sich an seine Nachkommen, den Oberst Burchard von Wangel und dessen zwei Brüder und Schwestern, die sich indessen in Pommern aufhielten, so dass eine Communication und ein Zusammentritt zum Vergleich nicht möglich war, zumal eine Eröffnung des Testaments noch nicht stattgefunden hatte. Von seiten der von Wrangel sah man die ganze Angelegenheit als beseitigt an, allein damit beruhigte sich der Oberstlieutenant von Bornfeldt nicht, sondern setzte seine Forderungen gegen den Oberst Burchard fort. Als dieser 1712 vorgeladen werden sollte, war auch er im December 1711 verstorben, so dass die Wittwe Beate Elisabeth von Wrangel, geborene von Jordan, an welche sich Bornfeldt am 16. April 1712 hielt, den Herzog um einen Aufschub von vier Monaten bat, „da eine unmündige Tochter verblieben" sei. Ein weiterer Verlauf dieses langen Prozesses ist aus den Akten bedauerlicher Weise nicht ersichtlich. Die Wittwe des Carl Friedrich von Wrangel verstarb im November 1706 zu Rohlsdorf. Aus der Ehe stammten drei Söhne: Burchard (60), ein Sohn (62), dessen Name unbekannt ist, und Gustav Friedlich (66); sowie drei Töchter und ein Kind. 1. Ein Kind (61), von welchem weder Geschlecht noch Name bekannt, ward am 10. October 1681 in Wismar begraben. 2. Felicia Julianne (63), welche den 14. März 1749 unvermählt in Wismar nach langem Kranksein verstarb. — 151 3. Ilse Beate (04) vermählte sich mit Baron von der Lieth und lebte 1702. 4. Eine Tochter (65), welche am 22. März 1699 zu Wismar verstarb und hier in aller Stille in der St. Marien-Kirche begraben ward. Von der Tochter Felicia Julianne wird uns noch mitgetheilt, dass sie dem Amtmann auf Peel und Arrendator auf Kohlsdorf, Herrn Schtinemann, im Jahre 1725 180 Thaler schuldete, welche eingeklagt wurden. Bei der Verhandlung wurde Felicia Juli ahne zur Zahlung verurtheilt.') 60. Burchard von Wrangel, Sohn von Carl Friedrich (51), brachte es bis zum schwedischen Oberst. Er besass Rohlsdorf, Hornsdorf, Kalsow und Kartlow theils als Lehen, theils als Pfand. Wenn uns auch jede Mittheilung über sein militärisches Leben fehlt, so erfahren wir doch einiges über sein Privatleben und seine Besitzungen. Zunächst bat Oberst Burchard von Wrangel, weil die Pfandjahre bald abgelaufen seien, 1710 um Prolongation des Contracts wegen Rolilsdorf; es ward dieses indessen unnöthig, da die Gebrüder von Fersen am 24. Juli genannten Jahres dem Oberst von Wrangel das Gut Rohlsdorf mit Pertinenzien, der Lehngerechtigkeit nebst den Dörfern Hornsdorf, Kalsow und Kartlow für den Pfandschilling' von 17000 Thalern gänzlich abtreten. Unter dem 14. August 1710 wurde dem Oberst der Allodialbrief über das Gut Rohlsdorf mit den genannten drei Dörfern ertheilt. Nach seiner Verheirathung überliess Burchard von Wrangel das Allodium Rohlsdorf wieder seinem Schwiegervater; letzterer traf indessen schon den 25. Mai 1720 im Namen seiner Tochter, der verwittweten Frau Oberst von Wrangel, wegen dieser Güter einen Tauschvertrag mit dem Pastor Johann Christian Höfisch gegen einige Pfründe.-) Oberst Burchard von Wrangel verstarb im December 1711 zu Rohlsdorf und wurde am 8. Mai 1715 in Wismar in der St. Marien-Kirche beigesetzt. Er vermählte sich 1705 mit Beate Elisabeth von Jordan, Tochter des braun- schweigischen Generalfeldzeugmeisters Carl Gustav von Jordan, welche im März 1722 zu Wismar verstarb. Ihre Leiche wurde am 18. October desselben Jahres nach Hornsdorf gebracht und hier unter fünfmaligem Geläute der Glocken im Erbbegräbniss beigesetzt. Sodann wurde noch zehn Tage lang das „Glockenspiel" auf je eine Stunde geläutet. Aus der Ehe war nur eine Tochter entsprossen: Christine Beate Eleonore (68), welche sich im Anfange des Jahres 1722 mit dem Baron Adolf George von Werthern auf Wiehe verheirathete. 3 ) 62. Ein Soiin von Carl Friedrich von Wrangel (51), war schwedischer Major bei dem Dragoner-Regiment des Oberst von Strömfeld, stand 1710 in Pommern und fiel bei Gadebusch. Im Juni 1712 wurde er in Wismar begraben. 1) Gell. Staats-Arcliiv Schwerin. 2) Geh. Staats-Archiv Schwerin. 3) Königl. säclis. Haupt-Staats-Archiv in Dresden, Vol. VI Nr. 5522 P>1. »5, Tab. III 81. — 152 — 66. Gustav Friedrich von Wrangel, .Solin von Carl Friedrich (51); war schwedischer Kapitän. Von ihm ist uns bekannt, dass er einem Inquisitionsprozess unterworfen war, zu welchem vom herzoglich mecklenburgischen Tribunal der Feldmarschall Bielke requirirt wurde. Ueber die Ursache dieses Prozesses wird mis mitgetheilt, dass von Wrangel, als er noch Lieutenant war, einen Streit mit dem Rittmeister von Mevius hatte und denselben mit einigen beleidigenden Ausdrücken zum Duell forderte, wobei er sogar dem Rittmeister drohte, dass, wenn dieser sich ihm nicht stelle, er ihn auf seiner Reise nach Wismar durchprügeln und so zum Duell zwingen werde. In dieser Angelegenheit erfahren wir weiter, dass, nachdem der Kannnerpage von Birckholz es ausgesclüagen das Amt eines Sekundanten zu übernehmen, von Wrangel den Kammerjunker von Bülow als Zeugen aufforderte. Dieser bemühte sich eine Versöhnung zwischen den Parteien herbeizuführen und der Rittmeister von Mevius schien auch geneigt, in eine solche einzuwilligen. Da aber von Wrangel zum Termin nicht erschien, nahm die Sache ihren gesetzlichen Fortgang. Ihr Ausfall ist indessen unbekannt. 21. Hermann von Wrangel, Sohn von Hermann (15) — der gemeiniglich „der Aeltere" genannt wird—, war den 29. Juni 1567 geboren und verstarb 1628. Er war Erbherr auf Ellistfer, Kaiofer, Sadjärwo und Tolsburg, verlor aber diese Güter im russischen Kriege, welche sein Sohn Hermann (37) jedoch später wieder erhielt, soweit sie sein Vater noch kiu'z vor seinem Tode erstanden hatte. Es ist bedauerlich, dass über diesen Mann, der in seinen späteren Jahren eine so bedeutende Stellung, wie die eines Feldmarschalls einnahm, wenig Nachrichten auf uns gekommen sind und dass wir, namentlich was seine militärische Laufbahn anbetrifft, nur einige Episoden nachzuweisen vermögen. Aus seiner Jugend ist uns bekannt, dass er schon frühzeitig Händel hatte und am 15. August 1575 in der St. Nicolai-Strasse zu Reval einen Schweden mit Namen Marcus Pawelsen erstach, wofür er vom Gericht am folgenden Tage nach ltibischen Rechten „friedlos" gelegt wurde. ] ) Als im Februar 2 ) 1562 zufolge eines Vergleichs mit Polen der Deutsche Ritterorden in Livland sein Ende erreichte, der letzte Heermeister Kettler Herzog und Fürst von Kurland wurde und Radziwill in Riga als Commissarius der Krone Polen in- stallirt worden war, geriethen viele des livländischen Adels in ein sehr abhängiges Ver- hältniss zu dem König von Polen. Auf dem Reichstage zu Warschau 159 7 wurden schon eine grosse Anzahl Adelsgeschlechter aus Livland als Lehnsträger aufgeführt, worunter sich auch die Barone und Herren von Wrangel befanden. Daher kam es auch, dass viele Livländer, worunter auch unser Hermann von Wrangel, in polnische Dienste traten. 1) E. von Nottbeck, Alte G'riminal-Chronik von Reval p. 94. 2 ) Theatram Livoniae. Hermann von Wrangel „der Aeltere", schwedischer Feldmarscbaü. III 21. — 153 — Als min König Sigismund III. 1598 den Entscliluss gefasst hatte, für sich die Krone Schwedens zu erwerben, entbrannte der Kampf von neuem. Herzog Carl von Schweden hatte 1599 Reval genommen, und rückte Ende des Jahres 1600 vor Dorpat, in welcher Stadt Hermann von Wrangel als polnischer Oberst mit Georg Schenking und Heinrich Stammel das Obercommando führte. Die Stadt wurde tapfer vertheidigt, und selbst als sie schon so stark beschossen war, dass die Mauern zu bersten begannen, war die Bürgerschaft noch gegen die Ueber- gabe. Hermann, der über die schlechte Belohnung, die er vom König Sigismund für seine geleisteten Dienste erhalten und nicht weniger über den Hass der Polen gegen seine Landsleute, die Liven, missvergnügt war, öffnete indess am 27. December dem Feinde, bei welchem sein Schwager Beinhold von Anrep stand, die Thore und Mittags um 1 Uhr hielt Herzog Carl seinen Einzug. 1 ) Gleich nach der Uebergabe der Stadt trat Hermann in schwedische Dienste über, ward Commandant in Dorpat und hatte auch bald Gelegenheit, sich anderweitig hervor- zuthun. Noch sei bemerkt, dass er, als König Carl Dorpat eroberte, zu des Fürstenthums Esthlaud Ritter- und Landschaft als Rittmeister verordnet gewesen. Unmittelbar nach der Einnahme von Dorpat erhielten diejenigen Schweden, die nach Süden abmarschirt waren und unter den Befehlen des Feldmarschalls Moritz von Wrangel (XIII 6) und dem Oberst Johann Bergt Hyärn standen, am 7. Januar 1601 eine empfindliche Schlappe bei Werden. Hermann von Wrangel, der mit dabei war, sammelte den Rest der Truppen und brachte noch 550 Knechte und 350 Reiter wieder zurück nach Dorpat, wo er sie einquartieren liess. Mit diesem Reste der Truppen begab sich Hermann von Wrangel später zu der vor Kokenhusen stehenden schwedischen Armee. Unter General Carl Carlson Gyl- denhjelm hatte diese im April 1601 die Stadt erobert und belagerte von liier aus das Schloss, wurde aber selbst wieder eingeschlossen und gerieth in grosse Noth. Es waren nämlich die Polen unter Radziwill und Oberst Sizinsky zur Belagerung dieser Stadt herangerückt. 2 ) Sofort marschirte Giildenhjelm von Erla her mit etwa 2000 Reitern und ein paar tausend Mann Fussvolk, 16 Feldstücken und gegen 300 Wagen mit Nachfuhr zum Entsatz gegen Kokenhusen heran und es entspann sich am 13. Juni eine blutige Sclilacht. Den ersten Haufen führte der Oberst Hermann von Wrangel mit dem Reste der Mannschaft, welche er aus Dorpat mitgebracht hatte. Dann folgte Georg von Krüdner zu Rosenbeck mit dem pernauschen und wendenschen Kriegsvolk als linker Flügel. Diesem kam Carl Chodkiewitz, Starost von Samaiten und polnischer Anführer, mit Kosaken und Spitzreitern eine viertel Meile von Kokenhusen entgegen gerückt. Die Kosaken, welche ins Treffen voranritten, wurden zurückgeschlagen und geriethen bei ihrer Flucht in die geordneten Reihen der nachfolgenden Spitzreiter. Demungeachtet drang Chodkiewitz mit diesen ritterlich und tapfer durch die Kosaken durch und so in die schwedischen Haufen ein, dass dieselben bald muthlos wurden. Im ersten Treffen hatten sich die Deutschen *) Gadebiiscli, Livl. Jahrbücher; Dalin: nach Kelch erfolgte die Uebergabe am 1. Januar 1601. 2 ) Hyärn. Geschichte Curlands, Livlands und Esthlnnds. 20 — 154 auf dem linken Flügel am mannhaftesten gehalten, jagten die Litauer in die Flucht, verfolgten sie drei Werst, nahmen viele Feldstücke und vernagelten ausserdem noch mehrere. Der rechte Flügel der Schweden dagegen wurde während dieser Zeit geschlagen; hauptsächlich betraf dies die Livländer, welche nicht blos zurückgeworfen, sondern auch getrennt wurden. Hierbei geriethen Oberst Hermann von Wränge! und der Rittmeister Hindrich von Ungern in Gefangenschaft. Jetzt sank der Mutli vollends und jeder suchte den Busch zu erreichen, allen Tross, die Wagen und selbst die Feldstücke im Stich lassend. Freilich wurden auch vornehme Leute von der litauischen Seite erschlagen und verwundet. Die Folge war, dass sich die Schweden im Städtchen Kokenhusen ergeben mussten und alle mit Ausnahme weniger vom Feinde in die Düna gedrängt oder niedergehauen wurden. 1 ) Hermann von AVrangel muss sehr bald wieder aus der Gefangenschaft entlassen worden sein, denn schon lßOG wird er zum schwedischen Feldmarschall ernannt und hiermit schliesst für uns die Kenntniss seiner Kriegsthaten fast vollständig ab.-) Nur nachstehende Episode ist uns noch überliefert worden: Als die Schweden 1007 in die Winterquartiere rückten, bauten sie noch vorher ein Blockhaus bei Salis am Flusse gleichen Namens und machten die umwohnenden Bauern zinsbar, wobei Adam von Schraffer und Hermann von Wrangel als Gommis- sarien starke Requisitionen im Dorpatschen eintrieben. Mit fliegenden Colonnen durchziehen sie das Land. Wolmar widersteht ihrem Angriff, während Burtrich und die Stadt Wenden mit dem dortigen Schloss von ihnen erobert wird. 8 ) Aus dem Privatleben unseres Hermann von Wrangel wäre nachstehendes zu erwähnen: 4 ) Im Jahre 1592 kaufte Hermann von Wrangel, welcher ein Haus in der Quappenstrasse zu Dorpat besass, sich einen Stuhl und Begräbnissplatz in der Domkirche daselbst. Zu derselben Zeit hatte er mit mehreren anderen eine Bürgschaft für den Bürger Dietrich Korffmacher in Reval übernommen, sie war jedoch nicht in Anwendung gekommen. Die andern Bürgen hatten daher an Hermann von Wrangel geschrieben, aber — weil er im Felde gestanden — keine Antwort erhalten, weshalb Korffmacher sich am 31. October seinen Schaden und seine Unkosten bewahrt. Aus dem Jahre 1593 finden wir sodann von ihm zwei Quittungen auf „zwei Moid Peto und Thunnis'' erwähnt. 5 ) Am 18. October 1014 wurde in dem Hause des Bernd von Scharenberg von dem Gouverneur und sechs Landräthen, worunter Otto (XI 2) und Moritz von AVrangel (XII 2) sich befanden, zur Schlichtung einer Klagesache der AVittwe des Reinhold von !) von Ungern-Sternberg Tli. I p. 162. -) Ritterscliafts-Archiv zu Riga (Familie Wrangel Nr. 55). — Dieser Hermann von Wrangel der Aeltere ist. nielit mit seinem Neffen — Hermann von Wrangel dem Jüngern — zu verwechseln, der als Feldmarscnall nicht blos in Livland, sondern auch in Ostpreussen und an der Oder etc. im dreissigjälirigen Kriege Kriegsruhm erwarb. 8 ) Nach Gadebuscli. 4 ) 11. Theil der esthländischen und livländisclien Brieflade. 5 ) Inventar der Urkundenkiste der Magdalena von Rosen vom 9. und 11. August 1593; von Toll. Briefl. II, a. p. 122, Nr. 138. 155 Taube wider Hermann vqn Wrangel den Aelteren wegen des Hofes und Gutes Kelp sowie anderer Güter eine Gerichtssitzung abgehalten. Der Versuch, einen gütlichen Vergleich herbeizuführen, war ohne Erfolg gewesen. Die Wittwe gab an, dass sie Hermann von Wrangel zu zweien Malen „unterschiedlich angeredet, was er ihr an den Gütern zu willen wüsste". Darauf habe er aber geantwortet: „Er wäre sowohl der negste erbe zu den güttern wegen seiner haussfrowen, als Reinhold von Tauben erbend' Hermann von Wrangel dagegen behauptete, dass, wenn er die Güter für sich beanspruche, es nicht in seiner Absicht liege, die Erben zu verdrängen, sondern er begehre nur dasjenige, was recht sei, nämlich dass er wegen seiner Hausfrau miterbe, und bat, dass die Sache im guten erledigt werden möchte. Da sich aber die Wittwe als die allein richtige Erbin ansah, so bestand sie auf Herausgabe der Güter, sowie der darauf bezüglichen Siegel und Briefe. Infolge dessen verlangte Hermann, dass die Erben die Schulden seiner Hausfrau, die noch vom Vater herrührten, zahlen und ferner „das jungferliche Geschmeide", die Mitgabe, auszahlen, seine Unkosten decken und den Rossdienst leisten sollten. Da eine Einigung nicht zu stände kam, so musste zum Fällen des Urtheils geschritten werden. Hermann von Wrangel wurde freundlich und gütlich ermahnt, „nach den Landrechten die Güter sanunt Siegel und Briefen den rechten Erben abzutreten, damit Reinhold von Taubens Wittwe wieder Ursache gewinne, des seligen Vaters Schulden abzulegen". Was den Hof und das Gut Oertten betrifft, so wurde die Frau von Taube angewiesen, sich — weil der ältesten Tochter 4000 Mark rigisch versprochen — mit Hermann von Wrangel zu vergleichen; ein Gleiches auch wegen der nachweisbaren Schuld zu thun. Da nun Hermann von Wrangel wegen seiner Hausfrau auch einen Antheil an den Hof Kelp und den andern Gütern beanspruchte, wurden diese Güter, weil sie sehr verschuldet, „wardirt" und geschätzt und hiernach die Schulden rechtmässig und gleichmässig gedeckt. Im folgenden Jahre hatte sodann Hermann eine grössere Prozesssache 1 ) mit der Wittwe Anna von Sacken, geborne von Piesenhausen, wegen des Hofes Kappel und des Hauses auf dem Dom in Reval, welche Güter Hermann von Wrangel der Aeltere sich gewaltsam angemasst und die durch Testament der Kirche vermachten und legirten Gelder derselben vorenthalten haben sollte. Hermann von Wrangel brachte indess zu seiner Vertheidigung vor, dass erden Hof Kappel noch bei Lebzeiten von seiner Mutter 2 ) Euphemia von Nieroth „mit ihrem guten Willen rechtmässig und als nächster Erbe und Blutsfreund erhalten habe, weil sie als zweier Schwesternkinder, vor der Anna von Sacken dazu berechtigt sei und solchen daher innehabe". Am 19. Januar 1615 wurde diese Klage auf dem gerichtlichen Dingeltage des schwedischen Oberlandesgerichts zu Reval verhandelt und dahin entschieden, dass 1) Johann Elers Protokollbuch Nr. VIII; Bitterschafts-Archiv Keval p. 116. 2) Bichtiger Schwiegermutter. 20* Hermann von Wrangel, nachdem er sein Anrecht auf die Besitztliiimer nachgewiesen, im Besitz derselben zu belassen sei. An demselben Tage wird noch ein zweiter Prozess der beiden genannten Clienten wegen Mayentaken abgeurtheilt; nur tritt hier Hermann von Wrangel als Kläger gegen Anna geborene von Piesenhausen auf. Letztere hatte auf unrechten Bericht" hin den Hof Mayentaken eingenommen und alle Einkünfte daraus bezogen. Die Verklagte wies jedoch ihre Beeilte auf diesen Hof nach, so dass Hermann von Wrangel mit seiner Klage abgewiesen wurde. Eine Wiederholung der Klage wegen des Hofes Kappel und des Hauses auf dem Dom zu Beval im Jahre 1617 hatte am 5. Februar ein gleiches Urtheil des Manngerichts zu Beval wie am 19. Januar 1615 zur Folge. Nach einem Prozessactenstücke ohne Datum hat er, nachdem er sein Vermögen infolge seiner treuen Dienste, die er der Krone Schwedens geleistet, bei der Occupation Livlands durch die Polen verloren, erhielt solches aber 1623 ersetzt, so dass er im stände war, sich kurz vor seinem Tode wieder in den Besitz der alten Stammgüter Ellistfer und TOlsburg zu setzen. 1 ) Im Jahre 1616 hatte Heinrich von Lohe, Bürgermeister der Stadt Beval, den Hol und das Gut Lodensee an George Heideman erblich verkauft. Hermann von Wrangel der Aeltere glaubte jedoch einen Anspruch auf diese Besitzungen zu haben und den Kauf verhindern zu können. Der Bürgermeister ermahnte ihn, sich dem Verkauf nicht entgegen zu stellen, da er für die Berechtigung zu diesem die Papiere und richtigen Beweismittel in den Händen habe; worauf Hermann von Wrangel jedoch einwandte, dass seine noch bei ihm wohnende Mutter die nächste Erbin zu dem Gute Lodensee sei, weil solches ihrem seligen Bruder zugehörig gewesen. Wrangel hatte, als er erfuhr, dass von Lohe das Gut anderweitig verkaufen wolle, den Kauf im Namen seiner Mutter „beigesprochen", theilte der letzteren alles mit und überliess ihr, sich mit dem Bürgermeister von Lohe zu streiten. 2 ) Hermann von Wrangel war zweimal verheirathet, und zwar: a) mit Wilmuth von Anrep aus dem Hause Kockixll, Tochter des Adolf von Anrep und der Euphemia von Nieroth aus Kaiofer und b) mit Elisabeth von Taube (Schwester Bobrechts von Taube), welche 1649 starb. Letztere lag 1636 wegen des Gutes Sage mit der Wittwe des Heinrich von Paykull in Streit. Der Landrath Otto von Wrangel (XI 2) suchte denselben durch Unterhandlung beizulegen und erreichte es auch, dass ein Vergleich zwischen beiden Parteien zu stände kam. 3 ) Elisabeth starb auf dem Gute Kelp, wo auch ihr Naclilass verblieben ist. Ihr Erbe war ihr Schwiegersohn, der Mannrichter Georg von Uexkixll. Als am 2. Mai 1665 die Gebrüder von Lode aus Itfer Ansprüche an diesen Naclilass erhoben, gab Georg von Uexküll das Inventarium eidlich auf und verglich sich gütlich mit den Prätendenten, zumal auch 1) Gadebuscli. Bd. 16, Bd. 11 p. 111: Lude Briefl. Th. VIII Nr. 44, «. '•*) Johann Elers Protokollbncli Bd. VIII: Ritterscliafts-Archiv in Beval p. 231. 3 ) Protokollbncli; Ritterscliafts-Archiv Beval X11A p. 232. der Sohn der Elisabeth von Taube, Reinhold von Wrangel, in Deutschland geblieben war. l ) Aus der ersten Ehe waren Hans (34), Jürgen (36), Hermann (37) und Gertrud (35), welche mit Hans von Riesebiter zu Addila verheirathet war. Sie starb 1677 und wurde am 7. Februar zu St. Nicolai in Reval beigesetzt.-) Aus der zweiten Ehe stammten Reinhold (39) und Elisabeth Magdalena (38), welche Jürgen von Uexkiill auf Angern, Gerten und Tockumbeck heirathete. 3 ) 34. Hans von Wrangel, Sohn von Hermann (21), wurde 1589 geboren. Sein Vater bat bei ihm den Rath, die Aelteiieute und die Aeltesten der Dorpater Gilde zu Gevattern. Er besass Ellistfer, Tolsburg, Braklemois; war schwedischer Oberstlieutenant bei einem Cavallerie-Regimente und starb 1630 an der Pest in Preussen. Er vermählte sich 1620 mit Helewy von Posse aus Tolsburg und Wennersnäs, Tochter des Hofjunkers des Königs Johann III., Arvid Lagersson von Posse auf Aspenäs und Frotuna und der Brita Gustavsdotter Bäät af Fällenäs. Sie hatten eine Tochter Dorothea (43), welche den 6. December 1627 geboren wurde und am 20. Juli 1657 starb. Nachdem sie im jugendlichen Alter schon ihren Vater verloren hatte, erhielt sie den schwedischen Feldmarschall und Reichsrath Hermann von Wrangel (VI 2) zum Vormund. Sie verlieirathete sich am 8. December 1646 mit dem schwedischen Reichsrath und Feldmarschall Grafen Moritz Löwenhaupt (geboren am 15. März 1620, gestorben am 12. December 1660). Von letzterem ist uns bekannt, dass er 1652 einen Prozess gegen Adam Johann von Schrapfer hatte und seine Prätension wegen des Dorfes Neho dadurch behauptete, dass sein Schwiegervater, Hans von Wrangel, das Gut Tolsburg am 23. April 1625 vom König Gustav Adolf mit allen dazu gehörigen Landen donirt und solche Donation am 10. Juni 1650 von der damaligen Königin von Schweden confirmirt erhalten habe. Das Dorf Neho war in den tolsburgischen Landen und Grenzen belegen, und so verlangte Graf Löwenhaupt dieses Dorf vom Verklagten zurück. Da dieser aber bereits seit 35 Jahren das Dorf besessen, wird Graf Löwenhaupt vom Landgericht zu Reval mit seiner Klage am 16. März 1652 abgewiesen. Am 1. Februar 1661 einigten sich die sämmtlichen Erben väterlicher- und mütterlicherseits der verstorbenen Gräfin Dorothea, und zwar: Hermann Baron von Wrangel zu Ludenhof (47), Gertrud von Wrangel (vermählte von Riesebiter) (35) auf Addila und die Posseschen Erben, dahin, dass Hermann die Hälfte von Tolsburg nebst den dazu gehörigen Dörfern erhalten, dagegen für die andere Hälfte, die den Posseschen Erben zugetheilt, ihnen zum Erlös 4000 Thaler geben solle. 1) Gadebuseli Bd. 3: Protokoll im Dorpater Rath, 1594 p. 152. 1595 p. 119, 159, 1S4. 2) Wrangell a. a. O. III Nr. 79: Kirchenbuch St. Nicolai zu Reval. 8) Wrangell I., Urk.-Saminl. II Nr. 120: Lude, Brief!. II Nr. 120. 158 — 86. Jürgen von Wrangel, Sohn von Hermann (21). lebte als Erbherr auf Ellistfer in Livland, Kaiofer, Walket im Kirchspiel Mariema in Livland und war 1631 schwedischer Lieutenant. Er wurde Stammvater des Hauses Kaiofer, Walket und des in Schweden unter Nr. 2092 introdu- cirten Geschlechts von Wrangel (Tab. V). 37. Hermann von Wrangel, Sohn von Hermann dem Aelteren (21), war Erbherr auf Ellistfer, Kaiofer, Warrol, Nömküll, Jerwakant, Sadjärwo, Tolsburg, Wissuth, Selckis und im Jahre 1600 polnischer Rittmeister. Er blisste 1626 durch Mörderhand sein Leben ein. Noch kurz vor seinem Tode (20. Mai 1626) war er Beisitzer im Manngericht zu Reval. Verheirathet war er mit Gertrud von 'Piesenhausen, Erbfrau auf Jerwakant, Tochter Dietrichs von 'Piesenhausen (Mutter nicht bekannt), welche am 29. Juni 1654 in Reval starb. 1 ) Aus seiner Ehe hatte er einen Sohn Hermann (47) und drei Töchter, nämlich: 1. Margarethe (44) heirathete: a) Gustav Heinrich von Wrangel, Erbherr auf Jensei (XVHI 30); b) Gustav Adolf Clodt von Jürgersburg, Landrath in Estliland (1664). Sie war 1689 bereits verstorben. 2 ) 2. Gertrud (45) vermählte sich 1648 mit dem Major und späteren Oberst Franz von Scharenberg, Herrn auf Kersell, welcher bereits 1660 verstorben war. Sie lebte noch 1689. : 'j Aus ihrem Leben erfahren wir, dass sie mehrfache Prozesse und Streitigkeiten hatte, die vom Dorpater Hofgericht geführt und entschieden wurden. 3. Elisabeth Dorothea (46) verheirathete sich 1654 mit dem Major Helmich von Wrangel 4 ) auf Uchten (XVIII 32) und verstarb 1659. 47. Hermann von Wrangel, Sohn von Hermann dem Aelteren (37), theilte sich am 6. November 1648 mit seinem Vetter Hermann von Wrangel (V 2), Sohn von Jürgen (III 36 und V 1) in Ellistfer und Kaiofer, wobei Hermann (V 2) Ellistfer erhielt, Avas 1648 von der Königin Christina bestätigt wurde. Hermann von Wrangel (47) erhielt Kaiofer und Lude und war der Stammvater des Hauses Ludenhof (Tab. VIII). Er nahm die Schreibweise seines Namens mit „11" an, welche seine Nachkommen beibehielten. 39. Reinliold von Wrangel, Sohn von Hermann (21), flel als Kapitän in der Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634, was mit der Angabe in einem Urtheil des Dorpater Hofgerichts übereinstimmt, dass Reinhold von Wrangel schon am 5. Februar 1639 verstorben gervesen sei. 5 ) 1) Kirchenbuch St. Nicolai in .Reval; Gadehuscli, Livl. Jahrbücher 112, p. 226; Moritz Wrangeil a. a. O. II Nr. 28, I 122, 123. 2) Zur livl. Adelsmatrikel Nr. 41 und 42 gehörig: Moritz Wrangel], Darst. Tab. XXIII. 3 ) Wrangel I., Urk.-Samml. II Nr. 113: Arch. Nr. 130 p. 705: Lnde, Briefl. Tb. II Nr. 113; Livl. Ritterschafts-Arcliiv Nr. 130 p. 705. 4 ) Kirchenbuch Uchten. 5) Oberger.-Acte, Convolut 265 Nr. 15. Tabelle IV. (Bei von Toll Tabelle F.) 'J Die Familie von Wrangel aus dem Hause Jesse. (In Schweden immatriculirt unter Nr. 1770.) 1. Moritz (Mauritius) von Wrangel, (Tab. II 36), Sohn von Otto von Wrangel (II 32) und der Barbara von 'Piesenhausen, theilte sich,' wie wir bereits bei Otto von Wrangel (II 32) gesehen, im Jahre 1499 mit seinen drei Brüdern in den väterlichen Nachlass derartig, dass Moritz mit seinem Bruder Hans (II 35) gemeinschaftlich Iti'er, Jesse, Ivaroll, Idelpalla, Trösten, Ochto, Wai- wara und Eepnick erhielt. Als aber seine Brüder Tönnies und Christoph verstarben, tlieilten sich die beiden übrig gebliebenen Brüder Moritz und Hans 1506 in das väterliche Erbe abermals dergestalt, dass Moritz Itfer erhielt, während sein Bruder Hans bei dem Hofe Karoll, Dorfe Karoll, den Dörfern Idelpalla, Trösten nebst dem Strandgut und Ochto mit der Miilile zu Ochto verblieb. Die gesammte Hand an der Wildniss Karoll ward dagegen aulgehoben. x ) Moritz war sein 1 auf die Vermehrung seines Besitzes bedacht, denn am 12. De- cember 1514 überlässt ihm der Vogt des Deutschen Ordens in Wesenberg, Paul von dem Steyne, aus dem Dorfe Arkenal zwei Bauern. 2 ) Ferner kaufte er am 29. September 1515 von Berthold von Wrangel (IIA 23) das halbe Dorf Finn (Fynne, Vyme) und am 20. Februar 1520 von Wolmar von Wrangel (IIA 49), welcher Vormund des unmündigen Robert von Wrangel, Simons Sohn (HA 48), war, den Hof Jesse mit einem Antheile von Pödderas nebst dem Dorfe Tammispae und dem Lande zu Wesenberg für 6000 Mark. Am 25. April desselben Jahres ward Moritz mit Jesse belehnt. Endlich verkaufte am 26. April 1523 der schon oben genannte Vogt zu Wesenberg, Paul von dem Steyne, abermals an Moritz von Wrangel einen Bauer mit Kindern aus dem Dorfe Arkenal. 3 ) Moritz ist uns nicht blos in dieser Hinsicht bekannt geworden, sondern wir ersehen aus sehr vielen Verhandlungen, dass er Mannrichter in Wirland gewesen und als solcher in der Zeit von 1508 bis 1521 mehreren Manngerichten präsidirt. 1) Convolut 278 Nr. 8, Oberlandger.-Archiv Reval. 2) von Toll, Brief!. I p. 488, Nr. 809. 3) von Toll, Briefl. I p. 485, Nr. 908. 160 Allein 1523 muss Moritz dieses Amt niedergelegt haben, denn wir finden schon am 19. April genannten Jahres, dass Heinrich von Hastfer Mannrichter in Wirland ist und Moritz von Wrangel das liarrisch-wirische Manngericht um Veranstaltung eines Zeugenverhörs wegen des Testaments der Wittwe des Wolmar von Wrangel (IIA 24, 49) bittet. Hiernach wird Moritz mit seinen Kindern zu Erben eingesetzt, falls der Wittwe Schwester (IIA 17), die an Odert von Hastfer verheiratliet war, vor ihm versterben sollte. Moritz verstarb 1525, denn schon im folgenden Jahre zahlte die Unterbliebene Wittwe der Kirche zu Halliel 200 Mark, welche Simon von Wrangel (IIA 48) der Kirche schuldig geblieben war. 1 ) Moritz war zweimal verheiratliet und zwar: a) mit Catharina, Tochter des Berthold von Wrangel auf Jesse (IIA 6) und der Margarethe von Deken; sie verstarb 1521; b) mit Anna von Hastfer, Tochter des Hans von Hastfer zu Arkenal und der Anna von Kalif. Ueber letztere Ehegattin, die als Wittwe noch viele Jahre lebte und sehr alt geworden sein muss, wird uns mehreres mitgetheilt. Zunächst wird sie am 21. Januar 1527 in der Theilung erwähnt, welche die Gebrüder von Hastfer unter sich vornehmen. Hierbei gedenken dieselben des Umstandes, dass die genannte Wittwe schon bei ihrer Hochzeit von ihrem Vater „kostspielige Knöpfe auf den Fuss - ' bekommen habe. 2 ) Im Jahre 1533 tauschte sich Moritz' Wittwe von Otto von Lode, Otters Sohn, für den halben Antheil von Finn und unter Baarzahlung von 3000 Mark Tatters ein. 3 ) Sodann verglichen sich 1537 die Wittwe „zu Jesse" und ihre Kinder unter Ver- mittelung des Vogts zu Wesenberg mit Robert von Wrangel (IIA 57) wegen des Hofes und Hauses zu Jesse dahin, dass die Wittwe gegen Zahlung von 400 Mark diese Güter behält. Sie zahlte diese Summe in zwei Raten bis 1539 ab. Schliesslich wird der Wittwe in einem Schriftstücke vom 26. Mai 1550 noch nachgerühmt, dass sie in aufopferndster Weise ihrer Kindespflicht nachgekommen sei, indem sie mit ihrer Mutter Anna, geborene von Kalif, ilmen Vater Hans von Hastfer mit „ganz besonderer Treue und Liebe" während seiner langen schweren Krankheit, wovon ihn endlich der Tod erlöste, gepflegt habe. Moritz hatte aus beiden Ehen Kinder, und zwar aus der ersten Ehe einen Sohn Otto (2) und eine Tochter Catharina (6), die an den Manngerichts-Assessor Goderth (Gerd) von Gilsa verheiratliet war. Aus der zweiten Ehe hatte er drei Söhne: Moritz (3), Tönnies (4), Jürgen (5) und drei Töchter: 1. Magdalena (auch Helene genannt) (7), ist verheiratliet mit Arnd von Asserye zu Höbbet und Tolks, 4 ) lebte noch 1556. 1) von Toll. Briefl. I p. 499, Nr. 925. 2 ) von Toll, Briefl. I p. 503, Nr. 930. 3 ) von Toll. Regesten. 4 ) Maydel, Briefl. — 161 — 2. Tochter (8) ist verheiratliet an Herrn von Treyden, welcher Tatters als Mitgift erhält; 3. Anna (9) ans Jesse, die Johann von Lode heirathete. Derselbe quittirte zn Arkenal am 24. Juni 1556 seinem Schwager Jürgen von Wrangel (5) zu Jesse über den richtigen Empfang von 1000 Mark als Mitgift seiner Frau. 1 ) Die älteste Tochter, Catharina, in den Urkunden „Katze Wrangel, Gerd Gilsen's Weib" genannt, scheint eine nicht unbemittelte, gutwillige und wohlthätige Dame gewesen zu sein, die oftmals die Gelder, welche sie in ihrer Gutmüthigkeit ausgeliehen, nur auf gerichtlichem Wege wieder erlangen konnte. So hatte sie 1552, als sie schon Wittwe war, eine Forderung von 200 Mark an Dietrich Summern, genannt Kalif, zn machen, wofür sie ein Gesinde in Paddes mit einem Haken Land verpfändet erhält. Derselbe Dietrich Summern verpfändete ihr im August 1552 gegen ein Darlehn von 200 Mark abermals ein Gesinde in demselben Orte mit einem Haken Land. Ferner hatte sie 1551 eine Schuldforderung von 100 Mark an ihre Tochter Brigitte von dem Berge, wofür diese der Mutter ein Grundstück in Aussicht stellt. Dieselbe Tochter schuldete der Mutter 1556 wiederum 100 Mark rigisch, wofür Katze Wrangel ein Gesinde mit drei Söhnen und ein und einen halben Haken Land, mit Namen Meygis, verpfändet erhält. Sodann erfahren wir, dass im Jahre 1554 Helmold von Tödwen zu Köndes ihr gegen 1000 Mark rigisch das Dorf Poidel im Kirchspiel Maholm und 1557 Heinrich von Tuve gegen 300 Mark drei Gesinde mit drei Hufen Land im Dorfe Lusik im Kirchspiel Kattkull zum Pfände gaben. Von Catharina sei ferner noch erwähnt, dass sie von ihrem Manne eine goldene Spange als Brautschmuck mit der Bedingung erhalten hatte, solche „im Geblüt" zu belassen. Als nun ihr Gatte verstorben war und Catharina nach eigenem Gutdünken über die Spange verfügen zu können glaubte, entstand ein Prozess, der am 24. Juni 1547 durch den harrisch-wirischen Rath dahin entschieden ward, dass die Spange an Marie von Gilsa überzugehen habe. Schliesslich erfalmen wir auch, dass Catharina ein Haus auf dem Marktplatz in Wesenberg besass 2 ) und ihren nahen Verwandten Otto von Wrangel (XI 2) zum Erben einsetzte. 2. Otto von Wrangel, Sohn von Moritz (1), lernen wir in der Zeit von 1532 bis 1554 als Manngerichts-Assessor kennen. Als solcher wohnte er vielen Manngerichten bei. So war er auch als Beisitzer im Manngericht zu Reval am 30. Juni 1529 zugegen, als Johann von Oerten, welcher sich mit Hilfe seiner Bauern gegen Odert von Hastfer mehrfache Gewaltthaten erlaubt hatte, von letzterem verklagt wurde und das Manngericht entscheiden musste. Bei diesen Sitzungen nennt sich Otto „Wrangeil von 1) von Toll. Gesch. III. 114: Gesch. Familie Lode: von Toll, Briefl. I p. 844, Nr. 1440. 2) von Toll, Briefl. I p. 768. Nr. 1324. 21 Datters", wie er solches schon 1549 gethan, 1534 und später auch 1550 „zu Karoll", und endlich 1552 nochmals „zu Tatters". Anscheinend hatte Otto von Wränge 1 auch Schuldfordlrungen, denn wir ersehen aus Urkunden, dass er 1551 und 1553 zu Reval Claus von Hastfer über den Empfang von 1300 Mark Rente quittirt. Mit seiner Gemahlin Barbara von Tiesenhausen, Tochter des Georg von Tiesen- hausen zu Ranner und Edda von Krüdner, hatte er einen Sohn Otto (10) und eine Tochter (11), die mit Godert von Walrafen vermählt war. 1 ) Sie lebten 1586. 10. Otto yoil Wrangel, Sohn von Otto (2), wird oftmals der „Aeltere" genannt. Er besass Tatters, Karoll, Kojl, Jesse, Kurifer, Kassisaba und hat sich vorzugsweise dem Kriegsdienste gewidmet. So befand er sich 1560 als Sold-Reiter bei der Haus-Komthurei des Deutschen Ordens in Reval. Am 31. Mai 1560 erging von Ascheraden aus der Befehl, dass diese Reiter, falls sie nicht freiwillig noch einen Kriegszug mitmachen wollten, zu entlassen seien. Otto von Wrangel gab die Erklärung dahin ab, dass er sich noch an einem Zug betheiligen wolle und daher fernere Befehle erwarte. 2 ) Im Jahre 15 86 zu den Zeiten des Königs Erich von Dänemark treffen wir Otto von Wrangel als Fähnrich. Ihm war zwar, wahrscheinlich seines vorgerückten Alters wegen, die Fahne abgenommen worden, allein er trat doch wieder in die Armee ein und machte den Kriegszug gegen die Polen und Russen mit. Er blieb nebst Wassily Rass- ladin und Hans von Maydel in der Schlacht bei Koyeb (Kook) 3 ) gegen die Russen, welche zui' Zeit des Joannoburs am 4. Februar 1590 geschlagen wurde. Nach einigen Nachrichten soll Otto von Wrangel gleich bei dem ersten Zusannnenstoss von den Russen gefangen und getödtet worden sein. 4 ) Bei Kook steht noch jetzt in ganz geringer Entfernung von der Seekiiste ein hohes, steinernes Kreuz, von welchem der eine Arm abgebrochen ist und auf dessen einer Seite zu lesen ist: „Anno 1590 den 4. Februar ist der Russe in das schwedische Lager gefallen und hat den Edlen und mannhaften Wassily Rass erschlagen." Auf der andern Seite des Kreuzes ist eine altslavische Inschrift angebracht. 5 ) Ueber die Güter des Otto von Wrangel wird uns mitgetheilt, dass er 1586, als die Reductions-Commission in Reval tagte, den Hof Kurifer oder Karofer im Kirchspiel Katküll besass. Dieser Hof gehörte eigentlich dem Heinrich Knoflocli, allein dieser war nebst seinen Kindern von Oberpahlen aus nach Russland abgeführt worden, so dass keine Briefe vorhanden waren, die den Zweifel lichteten, ob Otto von Wrangel diesen Hof eigenthümlich oder nur pfandweise besass. Der Hof umfasste acht Haken, allein vom 1) von Toll, Regestcn. 2 ) Schirren, Quellen zur Gesch. des Unterganges livländ. Selbständigkeit Bd. V 97, 601 p. 98; Stockholm Ritterscli.-Archiv; Schirren Vz. I 910. 3) Koyeb. jetzt Kook, liegt auf halbem Wege auf der Strasse von Narwa nach Reval zwischen der jetzigen Poststation Wargel und Ilohenkreuz, etwa 90 Werst von Narwa. 4 ) Gadebusch, Adels-Gesch. Mscrpt. 5 ) Geschichte der Stadt Narwa. — 163 — Jahre 1556 her standen mehrere Schulden als Hypotheken auf demselben, so dass sein eigentlicher AVerth nur ein geringer war. l ) Der Hof Tatters, zwei Meilen von AVesenberg, mit dem Dorfe Kalliel mit zehn Haken und zwei Mühlenstätten, die nach dem Hause gelegt worden und eine halbe Meile AVeges von TolsbUrg gelegen, sowie zwei Gesinde im Dorfe Tuncku waren von dem Commissionär Pontus de la Gardie dem Michel von Lode eingeräumt worden. Der zweite Gemahl von Lodes AVittwe, Otto von AVrangel, war auf Ober- pahlen „in des schwedischen Königs Eide" gewesen und hatte seine Briefe gezeigt. Die Revisions-Commission befand die letzteren wohl für richtig, doch ging aus denselben hervor, dass Otto von AVrangel bis jetzt dem Könige zu wenig Dienste geleistet. Sie bestimmte daher, dass alles dasjenige, was nach dem Hause gelegen, ebenso das, was ihm die Commissarien eingeräumt hatten, also verbleiben solle. Otto von AVrangel sollte indessen zuvörderst auch hierzu die königliche Confirmation einholen, und erboten sich die Commissarien, ihm behilflich zu sein, dass er solche auch für das ganze Gut erlange. 2 ) Auch wurde ihm im Jahre 1586 von der Commission vergönnt, den in AVirland im Kirchspiel Maholm gelegenen Hof Poddes (Padis), welcher den Erben des Tonnes Lehenwalde (Löwenwalde) gehörte, wie bisher, zu deren Besten weiter zu verwalten. Im folgenden Jahre strengte Otto von AVrangel gegen seinen Schwiegervater Loff Tuve (von Taube) einen Prozess an wegen der Morgengabe seiner Frau, wobei er vorgab, dass ihm als Restsumme noch 9000 Mark auszuzahlen seien. Nach den Landesrechten und Privilegien, welche bestimmten, dass bei einer Mitgift von 1000 Mark die Morgengabe nur 2000 Mark zu betragen habe, stand ihm aber nur Anspruch auf 3000 Mark zu. In diesem Sinne wurde auch vom Gericht zu Reval am Tage Johannis des Täufers das Urtheil gefällt. Otto begnügte sich indessen nicht mit demselben und appellirte 1589 an das Oberlandgericht zu Reval, vor welchem denn auch die Angelegenheit am 30. Juni zur Verhandlung kam, jedoch nicht zum Austrag gebracht wurde. Otto war zweimal verheirathet, und zwar: a) mit der AVittwe von Michel von Lode (eine Tochter des Loff von Taube) und b) mit Magdalena von Löwenwolde aus dem Hause Padis. Letzterer wurde bei der Giiterreduction der Hof Kar oll mit 27 Haken Land von der Commission eingeräumt, weil ihr Mann im Kriege gegen die Russen sein Leben eingebüsst und ihr mehrere Kinder hinterlassen hatte. 3 ) Nach dem sogenannten Titularbuch besass sie um diese Zeit noch Ifer von der Heyde im Kirchspiel Kalküll und wurde ihr auch von Pontus de la Gardie das Dorf Kallikall, welches zu Michel von Lodes Hof Tatters gehörte, mit zehn Haken Land im tolsburgschen Gebiete zugeschrieben.' 4 ) Im Jahre 1597 war sie noch genöthigt, einen Prozess gegen ihren Stiefsohn Otto von AVrangel (14) anzustrengen. Sie war nämlich bei diesem in Karoll !) Titular-Bucli, Arch. Kuckers p. 99. 2) Titular-Bucli p. 84. 3 ) Enkel Hartmann: Manuscript in der Revaler Bibliothek Th. n p. 561. 4) Titular-Buch etc. p. 10. 21* — 164 — wohnen geblieben, wo schon ihr Mann mit ihr und den Kindern seinen Wohnsitz aufgeschlagen. Hier hatte sie die zahlreiche Familie aus Padis, ihrem väterlichen Erbtheil, zu erhalten, so dass zuletzt alles, was sie eingebracht hatte, aufgezehrt und sie nun von allen Mitteln entblösst war. Nach dem Tode ihres Gatten stand ihr zwar der Anspruch auf ein Leibgedinge zu, dessen Verabfolgung ihr aber von ihrem Stiefsohn verweigert wurde; es blieb ihr daher nichts übrig, als gegen denselben klagbar zu werden. Der Statthalter und die Käthe des esthländischen Kittergerichts behandelten diesen Prozess und fällten unter dem 14. Juli 1597 ihren Spruch dahin lautend, dass sie als „adlige Wittwe" mit einem gebührlichen Leibgedinge, wovon sie sich sammt ihren beiden Kindern erhalten könne, „nothdürftig" zu versorgen sei und ihr zu diesem Zwecke das wüste „Höflein" Kassisaba mit drei Bauern eingeräumt werde. Otto hatte zwar erklärt, dass die Bewirtschaftung der Güter viel erfordert, allein das Spruchgericht sah dies als keine Entschuldigung an, sondern wies darauf hin, dass ihm und seinen Brüdern dies nur zu gute gekommen und sonach der „betrübten" Wittwe das ihr zustehende Leibgedinge nicht geschmälert werden dürfe. Da dasselbe aber zur Zeit verpfändet war, wurde Otto aufgefordert, solches einzulösen und der Wittwe und ihren beiden Kindern als Ruhesitz zu überlassen. Nach ihrem Tode solle das Leibgedinge dann wieder an den Hof Karoll zurückfallen. Ausserdem ward Otto noch angehalten, die beiden Töchter der Wittwe, wenn sie mündig würden, gleich seinen andern Schwestern zu erhalten und den Vermögensverhältnissen entsprechend ihnen „ehrliche Heirathen auszusteuern". Ferner erkannte das Gericht, dass Otto seiner Stiefmutter 50 Thaler zu zahlen habe, damit diese ihr gegen obige Summe an einen Bojaren aus Notli verpfändetes Geschmeide, welches den Erben erhalten bleiben müsse, wieder einlösen könne. Endlich wurden im Verhandlungstermin noch anderweitige kleine Differenzen zwischen den beiden Parteien ausgeglichen. Otto von Wrangel der Aeltere, wie er häufig bezeichnet wird, hatte im ganzen zwölf Kinder, von denen indessen 1586 nur noch sechs lebten. Aus der ersten Ehe stammten: Otto der Jüngere (14) und ein ungenannter Sohn (15), sowie zwei Töchter: 1. Maria (16), welche 1619 an Hans von Stapell verheirathet war; sie lebten in fremdem Lande und liessen sich, als sie später zurückkehrten, in Esth- land nieder. 2. eine Tochter (17), die 1619 in Ehe mit Hermann von Lode lebte. Aus der zweiten Ehe waren nur zwei Töchter: 3. eine Tochter (18), die 1597 noch unmündig, 1619 aber mit Johann von Bremen vermählt war, und 4. eine Tochter (19), die 1597 ebenfalls noch unmündig, 1619 indessen gleichfalls verheirathet ist und zwar mit Michel von Lode zu Tatters. Während uns von den letzten drei Töchtern nichts weiter bekannt geworden, erfahren wir von Maria, der erstgenannten, ältesten Tochter, dass sie als Wittwe einen längeren Prozess gegen Rötger von Piesenhausen führte. 165 Die Klagesache betraf das Gut Karoll, auf welches sie Ansprüche erhob. Der Prozess kam am 10. Februar 1637 vor dem Obergericlit, in Reval, welches am 3. Februar zusammengetreten war, zur Entscheidung. Aus dem Erkfenntniss ist ersichtlich, dass der Klägerin schon 1619 aus dem Gute Karoll ihre „frauliche Gerechtigkeit" — also was ihr aus diesem Gute zustand — mit gewissen Bedingungen zuerkannt worden, sie aber zur Zeit nicht im stände war, den Nachweis zu liefern, dass die Bedingungen erfüllt seien. Die Wittwe theilte indessen mit, dass ihr Ehemann Stapell „von der seligen königlichen Majestät angenommen worden", und sie hierüber auch Briefe besessen, die ihr indessen verloren gegangen; sie sei aber erbötig, solches mit des Reichskanzlers und des Feldmarschalls Hermann von Wrangel (VI 2) Zeugniss zu beweisen, dass solche existirt hätten. Es wurde ihr nun aufgegeben, die gesuchte Einführung noch beizubringen.') 14. Otto von Wrangel, vielfach der Jüngere genannt, Sohn von Otto (10), haben wir schon oben in den Klagesachen seiner Stiefmutter gegen ihn kennen gelernt. Er besass 1597 das väterliche Gut Karoll und 1599 noch Güter auf der Insel Dago. Was die letzteren betrifft, so wurde er von der Revisions-Commission aufgefordert, sich auf diese Güter lautende Briefe von Seiner Majestät zu verschaffen. 2 ) Auch Otto von Wrangel finden wir vielfach theils als Zeuge, theils als Kläger vor Gerichten. Im Jahre 1597 ist er Landrath und wohnt als solcher am 16. Juli genannten Jahres einer Burggerichts-Sitzung, in welcher auch Otto von Wrangel (XI 2) zu Laceda zugegen war, auf dem Hause Reval bei. In einer ernsteren Angelegenheit stand Otto von Wrangel im Jahre 1618 vor Gericht, bei welchem ihn Frau Sopliie Ruth wegen eines Zweikampfes mit ihrem Ehegatten verklagt hatte. Otto von Wrangel war mit letzterem, dem Cornet Hauenschild, zusammengeritten, welcher zweimal stürzte und beim zweiten Sturz den Otto von Wrangel so über den Kopf schlug, dass diesem das Blut entströmte. Otto ergriff nun seine Pistole und schoss den Cornet in die Schulter. In den Verhandlungen wird ganz besonders hervorgehoben, dass das gegenseitige Verhalten um so auffallender gewesen sei, als beide Gegner stets die besten Freunde gewesen und alle militärischen Uebungen gemeinschaftlich durchgemacht hätten. Die Angelegenheit ward indess in friedlicher Weise beigelegt, und zwar dadurch, dass Otto von Wrangel der Wittwe, die zu Arensberg auf Oesel lebte, am 27. December einen Entschuldigungsbrief zukommen liess. !i ) 15. Ungenannter Sohn von Otto (10) lebte 1597 zu Karoll. Weiteres über denselben ist nicht bekannt. 5. Moritz von Wrangel, Sohn von Moritz (1), besass Itfer mit dem Dorfe Kunda, und Kojl (Koyell) und war 1550 Manngerichts-Beisitzer in Wirland. 1) Protokollbueli des Oberlandger. in Reval Nr. XII A p. 315. 2 ) Güterverzeiclmiss der Familie von TJngern-Sternberg. 3 ) Oberlandger.-Arcliiv Reval, Convolut 191 Nr. 11. 166 — Aus seinem Leben werden uns viele Streitigkeiten mitgetkeilt, in welche Moritz 1551 mit Hermann von Anrep und dem Convent des Klosters zu Keval wegen vielfacher Grenzverletzungen und anderer Uebergriffe von Seiten des letzteren gerieth. Die Streitobjekte waren hauptsächlich Kappel, Kirdal, Kullerneggi, Birtel, Teggada, Paytel, Kechkomezze. Wiewohl im Jahre 1552 die Grenzen zwischen den Besitzungen des Moritz von Wrangel und dem dem Kloster gehörenden Hof und den Gütern zu Kappel durch den Vogt zu Wesenberg festgesetzt worden, auch im August des folgenden Jahres sich Moritz mit dem Kloster wegen der Grenzen zwischen Kappel und Sage verglichen, so scheinen damit die Grenzstreitigkeiten ihre Erledigung doch noch nicht gefunden zu haben, denn 1553 schlössen Franz von Segenhausen, Komthur zu Keval, und die Käthe in Harrien und Wirland eine Compromiss-EntScheidung zwischen diesem Kloster bei Keval einestheils und Moritz von Wrangel anderntheils wegen der Grenzen zwischen Hof und Gut Kappel und den Gütern Kojl und Kirdal. Ungeachtet dieser Entscheidung liess sich Moritz von Wrangel verleiten, die Grenzen zu änderil, willkürlich die Grenzsteine aufzustellen und Bäume zu fällen, was zur Folge hatte, dass Moritz abermals vor das Gericht gefordert wurde, und zwar diesmal vor das Manngericht der Wieck. Dasselbe fällte am 12. Juni 1553 seinen Spruch zu Ungunsten des Moritz von Wrangel. Erst im Jahre 1559 scheint die Sache endgültig- geregelt worden zu sein, denn am 12. Juni wird Claus von Ungern ausersehen, die beregten Grenzen zu reguliren. Moritz von Wrangel verstarb im Jahre 1563. J ) Er war mit Sophie von Hastfer, Tochter des Hans von Hastfer auf Sommerhusen und der Helene von Dwers, verheirathet und hatte mit derselben einen Sohn Moritz (12) und eine Tochter Elisabeth (Ilse) (13), welche mit Hermann von Hieroth zu Kappel vermählt war. 12. Moritz von Wrangel, Solin von Moritz (3), auch Monte genannt, besass Jesse und Kojl 2 ) in Livland, Itfer und Zasten in Esthland, Padis und Sage. Er war schwedischer Rittmeister und Landrath von Esthland. Moritz wurde der Stammvater des Hauses Kojl und Tois (Tab. XTTT). 4. Tönnies (Üyonisius, Anton) von Wrangel, Sohn von Moritz (1), war Erbherr auf Jesse (Jesze) und Sauss (Sausis) in Esthland, der Mühle Selly, Kaw, Sellide (1563) und erhielt in diesem Jahre sein Eigenthum bestätigt. Er wurde der Stammvater des Hauses Jesse, Sauss und Huer (Tab. XI). 5. Jürgen von Wrangel, Sohn von Moritz (1) auf Jesse, kauft am 25. Juni 1554 Waygel und ward der Stammvater des Hauses Waygel (Tab. XII). 1) liusswurm, Material zur Geschichte der "Wrangeis. 2) Wrnngelshof Brief!.: Itfer Brief!. 5. Tabelle V. (Bei von Toll Stammtafel I.) Die Familie von Wrangel ans dem Hanse Ellistfer in Livland. (In Schweden naturalisirt 1772; introducirt 1776 unter Nr. 2092.) 1. Jürgen von Wrangel (Tab. III 36), Solm von Hermann dem Aelteren (III 21) und der Wilmutli Anrep, war Erbherr von Ellistfer, Kaiofer und Walket in Livland, letzteres im Kirchspiel Maiema gelegen, und 1631 schwedischer Lieutenant. Nach seinem Tode, der spätestens um 1639 in Deutschland erfolgt sein muss, entstanden Streitigkeiten zwischen seinen Erben in betreff der hinterlassenen Güter; diese wurden durch den Spruch des königlichen Hofgerichts zu Dorpat am 5. Februar 1639 geschlichtet. Hiernach fielen nach Natur und Eigenschaft die Güter Ellistfer an Jürgens Brüder als Lehnsfolger; seine Wittwe erhielt die eine Hälfte, der Sohn die andere Hälfte nach ihrem Part der andern Güter. Er war vermählt mit Gertrud, einziger Tochter des Arnd Heinrich von Fahrens- bacli aufPallal und Kosk und der Magdalena von Uexküll auf Walk und Kosk. Gertrud erbte 1621 die Güter ihres Vaters. Mit ihr hatte er einen Sohn Hermann (2) und eine Tochter Gertrud (3), welche 1648 den Oberstlieutenant Walter von Vietinghoff heirathete. Derselbe lebte 1657, aber er sowohl als seine Ehefrau waren 1678 bereits verstorben. 2. Hermann von Wrangel, Solin von Jürgen (1), war Erbherr auf Kaiofer und Walket und schwedischer Kittmeister, theilte sich am 16. November 1644 mit seinem Vetter Hermann von Wrangel von Jervakant (VIII 1) in die Güter Ellistfer und Kaiofer 1 ) und erhielt hierbei ersteres Gut. Er verstarb am 8. Februar 1651 zu Walk und wurde am 20. Februar 1652 in dem Dom zu Reval beigesetzt. 1) Ellistfer Brief!. — 168 — Seine, Gemahlin, mit der er sich um 1640 verheirathete, war Anna von Taube, Tochter des Bernhard von Taube auf Etz, Jena und Ko lm . Sie lebte noch 1669 als Wittwe. Mit ihr hatte er fünf Söhne: Jürgen Johann (5), Bengt Gustav (6), Hermann (7), Fromhold Adolf (8) und Wolter Reinhold (9), dann noch ein Kind (8A), welches am 24. März 1649 im Dom zu Reval begraben ward, sowie eine Tochter. Elisabeth Gertrud (4), welche Jen 3. November 1663 zu Reval den ver- wittweten Oberstlieutenant Baron Bernd Otto von Lieven lieirathete und in der Domkirche zu Reval getraut wurde. 1 ) Sie erhielt, als nach dem am 2. Februar 1696 erfolgten Ableben ihres Bruders Fromhold Adolf sich Jürgen Johann und Wolter Johann am 28. April 1697 in den Naclilass theilten, 1500 Thaler ausgezahlt, wogegen diese Kaiofer an sich nahmen. 6. Beugt Gustav (Gustav Bernhard) von Wrangel, Solni von Hermann (2), war Fähnrich 12. Juni 1662, Lieutenant im Regiment Upland 1672 und zuletzt Kapitän-Lieutenant 1676. Er starb ohne Nachkommen. 7. Hermann von Wrangel, des vorigen Bruder, lebte 1676 und war mit Henriette von Lieven vermählt. Auch er war ohne Nachkommen. 8. Fromhold Adolf von Wrangel, Sohn von Hermann (2), geboren den 3. Januar 1650, war den 3. September 1681 Major bei dem Dragoner-Regiment des Obersten Freiherrn von Budberg, starb den 2. Februar 1696 und wurde in der Domkirche zu Reval beigesetzt. 2 ) Er erbte nach einem Vergleich mit seinen Brüdern Kaiofer und Walket und schloss in Gemeinschaft mit seinen Brüdern Georg Johann und Wolter Reinhold von Wrangel und mit den Vettern zu Ellist- fer, Tolsburg und in der Freiherrschaft Ludenhof einen Vergleich wegen Brakelshof, wonach die Vettern solches mit dem Dorfe Sadjärwo behielten, die Brüder zu Kaiofer und Walket aber 1750 Reichsthaler ausgezahlt bekamen. 3 ) 9. Wolter Reinhold von Wrangel, 4 ) Sohn von Hermann (2), geboren den 26. December 1648, ward im Hause seiner Eltern auf dem Dom zu Reval erzogen und verstarb am 22. Mai 1697. Er war Erbherr auf Ottenküll und Walket. Am 19. März 1674 war er Kapitän, später Oberst über das leichte Infanterie- Regiment Södermanland, mit dem er am 24. October 1688 nahe bei Stockholm und den 24. März 1697 in Reval stand. Nach dem Tode seines Bruders Fromhold Adolf fand am 28. April 1697 zwischen Wolter Reinhold, Jürgen Johann und deren Schwester Elisabeth Gertrud ein !) Dom-K.-B. Reval; Hupel, Nord. Mise. Stck. 15 p. 417. '•*) Dora-K.-B. Reval. . 3 ) Ungern-Sternberg p. 692 Urk. 491. 4) Hupel, Topogr. Naclir. III 237 Urk. 852, 872. 169 Erbvergleich statt, laut welchem die Brüder Kaiofer erhalten und ihrer Schwester 1500 Thaler herauszahlen. Als aber kurz darauf Wolter Reinhold ebenfalls verstarb, traf dessen Wittwe mit ihrem Schwager Jürgen Johann ein Abkommen, wonach sie der schlechten Zeiten halber von der Annahme des Gutes für ihren unmündigen Sohn absieht. Jürgen Johann nahm es daher bis zur Mündig werdung von Magnus Johann von Wrangel für 13 000 Species-Thaler an, wiewohl es nur 12 000 Thaler wertli war, und verzinst demselben die Summe mit sechs Procent. Er verheirathete sich mit Anna Elisabeth von Stryck, Tochter des Majors Magnus Ernst von Stryck auf Ottenküll und Ausonsdotter von Hans von Stryck (naturalisirt in Schweden als Stryck Nr. 177). Nach von Wrangeis Tode vermählte sie sich zum zweiten Male mit dem Oberstlieutenant Freiherrn Lennert von Passe auf Säby und nach dessen 1701 erfolgtem Tode ging sie eine dritte Ehe ein mit dem Generalmajor, späteren Generallieutenant in schwedischen respective russischen Diensten Gustav Ernst von Albedyll in dessen zweiter Ehe. Wolter Reinhold von Wrangel hatte mit seiner Ehegattin zwei Söhne, von denen aber der eine Sohn (17), dessen Name nicht genannt, ganz jung vor 1697 verstirbt, und Magnus Johann (18), sowie drei Töchter: 1. Dorothea (16), welche den 11. Februar 1682 auf Schloss Lude geboren wurde und am 27. Mai 1719 in Repshof verstarb. Sie war verlieiratliet mit Friedrich von Uhlenbrock, schwedischem Rittmeister, Herrn zu Repshof und Toikfer, welcher 1724 starb. 1 ) 2. Anna Elisabeth (19), vermählt mit dem Oberst Gerhard Gerhardson vonLöwe. 3. Dorothea Elisabeth (20), vermählte sich am 22. März 1680 mit dem schwedischen Rittmeister, Ritterschaftshauptmann, Landrath Bernd Reinhold von Wrangel (IX 8), Herr auf Lagena und Toikfer. Sie verstirbt schon 1686. 18. Magnus Johann von Wrangel, Sohn von Wolter Reinhold (9), wurde am 29. März 1687 in Reval getauft. 2 ) Er hatte durch Urtheil und Recht das Gut Ottenküll als zuständiges Erbgut zugesprochen erhalten und auch seiner Mutter Kindespart mit anderweitigen Wrangeischen Mitteln erlegt erhalten. Eingegangene Beschwerden seines Stiefbruders, des Barons von Posse, liessen diese Sache weiter verfolgen, und endlich ward das Urtheil unter dem 10. Juli 1699 dahin lautend gefällt. dass die Wittwe Anna Elisabeth von Stryck mit ihrem Sohne Magnus die Hälfte des Nachlasses von dem verstorbenen Oberst Wolter Reinhold von Wrangel erben solle, dagegen das Gut Ottenküll beim Sohne Magnus zu verbleiben habe, so dass die Mutter die halbe Taxe des Gutes mit 3000 Reichsthalern nebst Möbel, Vieh und fahrender Habe erhält. Die Schulden verblieben jedem zur Hälfte. 3 ) Infolge dieses Urtheils schlössen noch an demselben Tage, den 13. Juli 1699, die Vormünder des Magnus von Wrangel, Oberst Gustav von Wrangel und Oberst- 1) Livl. Rittersch.-Arcli. a. a. O. 2) St. Nicolai-Kirclien-Bucli in Reval. 3) (Vberlandger. Reval Convolut 275 Nr. 21. — 170 — lieutenant Jürgen von Wrangel, mit dem Stiefvater, dem Baron und Oberstlieutenant Leonhard von Posse, wegen dieses Gutes Ottenkiill einen Arrende - Contract ab, wonach dieses Erbgut mit allen Gebäuden, Aeckern, Wiesen, Vieh, Triften, Holzung, Wasser, Bauernländern, Bauern, sowie derer Arbeit und Gerechtigung und allen andern Pertinenzien ohne Ausnahme dem genannten Stiefvater während der Unmündigkeit des Stiefsohnes Magnus von Wrangel auf Arrende oder Ankauf überlassen wird. Der Arrendator hat dagegen den veranschlagten Werth mit sechs Procent im Betrage von 480 Species-Thaler, welche jedes Jahr kurz vor Ostern postnumerando zu zahlen sind, zu verzinsen. Magnus Johann von Wrangel verstarb 1710 an der Pest. 5. Jürgen Johann von Wrangel, Sohn von Hermann (2), geboren in Reval den 10. Februar 1644, verstorben den 14. Mai 1698, war Erbherr auf Ellistfer und Ivaiofer in Livland. Wegen des letzteren Gutes schloss er am 19. Juni 1697 mit der Wittwe seines Bruders Wolter Reinhold von Wrangel ein Uebereinkommen ab, wonach er das Gut bis zur Grossjährigkeit seines Bruderssohnes Magnus Johann von Wrangel für 1300 Thaler mit Verzinsung von sechs Procent annimmt. Jürgen Johann trat als Volontair in das Regiment des Grafen Carl Gustav von Wrangel-Salmis ein, wo er Lieutenant und nach vier Jahren Hauptmann wurde. Demnächst machte er in der holländischen Armee den Feldzug mit. Am 2. Juni 1676 wurde er General - Adjutant und führte als solcher die Vortruppen des linken Flügels in der Schlacht bei Helmstedt, bei welcher Gelegenheit ihm das Pferd unter dem Leibe getödtet wurde. Auch in der Schlacht von Lund am 4. December 1676 war er zugegen. Hier wurde er sehr schwer verwundet. Da die höheren Offiziere eines Dragoner-Regiments theils todt theils verwundet waren, befahl der König, dass von Wrangel dieses Regiment führen solle. Gleich nach der Schlacht ward er zum Oberstlieutenant bei dem Oestgöta- und Westergüta-Cavallerie-Regiment ernannt und kurz darauf in derselben Stellung in das Regiment von Lybecher versetzt. In der Schlacht von Landscrona 1677 führte Oberstlieutenant von Wrangel eine Schwadron, machte mit derselben ein ganzes Bataillon nieder und nahm mit eigener Hand eine Fahne. In der Schlacht bei Christianstadt schlug von Wrangel mit 250 Schweden 500 Mann dänischer Cavallerie und nahm 1 Major, 1 Cornet und 15 Mann gefangen, indess von den Seinigen 2 Lieutenants und 40 Mann auf dem Platze blieben. Am 22. Juli 1683 avancirte er zum Oberst im Regiment von Upland. Er war zweimal verheirathet und zwar a) 1685 mit der Gräfin Margarethe, Tochter des Reichs-Raths und Reichs-Zeugmeisters Grafen Eric Gustavson Stenbock auf Bogesund, Oeresten, Kronobäck, Torpa und Lindholmen und dessen erster Ehegattin, der Catharina von Schwerin; b) 1690 mit Freiin Hedwig Eleonore von Horn in deren erster Ehe. Sie war die Tochter des Reichs - Raths, Feldmarschalls und General - Gouverneurs in Bremen Hernie Henricson, Barons von Horn af Marienborg, Kanckas, Hesslö, Wenden und lngritz aus dessen dritter Ehe mit Emerentia von Ribbing. 171 — Hedwig Eleonore heiratliete später in ihrer zweiten Ehe Gustav Wilhelm von Fersen, Oberst bei dem Leibregiment der verwittweten Königin Hedwig Eleonore. Aus der ersten Ehe hatte Jürgen Johann eine Tochter, Hedwig Eleonore (10), welche 1687 geboren wurde, Oberhofmeisterin der Königin Ulrike Eleonore von Schweden ward und den 8. März 1751 1 ) verstarb. 1721 vermählte sie sich mit dem Reichsrathe Grafen Johann Carl von Strömfeldt, welcher 1678 geboren, am 26. October 1736 verstarb. Aus der zweiten Ehe stammten fünf Söhne: George Gutsav (11), Carl Johann (12), Bengt Adolf (13), Leonhard (14), Heinrich (Hindrik) Hermann (15). 11. George Gustav von Wrangel, Sohn von Jürgen Johann (5), geboren 1697, Erbherr auf Mälhammer (im Kirchspiel Björkestad in Westmanland) und Elfgärdt in Upland, war Kapitän bei der schwedischen Leibgarde und verstarb 1741 kinderlos. Er war vermählt mit der Gräfin Charlotte Margarethe von Stenbock, geboren 1688, gestorben den 21. Mai 1761, Tochter des Lieutenants beim Leibtrabanten-Corps Grafen Jacob von Stenbock mit Freiin Sigrid Magdalena von Baner. 12. Carl Johann von Wrangel, Sohn von Jürgen Johann (5), wurde am 4. März 1696 geboren und fiel im ungarischen Feldzuge. 14. Leonhard von Wrangel, Sohn von Jürgen Johann (5), geboren den 27. Mai 1698, war schwedischer Kapitän im Skaraborg-Regiment Stenbock; ging, nachdem er den Abschied genommen, nach Livland. Zuletzt war er Arrendator zu Koy und verstarb im August 1731 als Kapitän im Regiment Upland. Er vermählte sich mit Freiiii Helene von Stakelberg, geboren 1698, gestorben 1748, die sich nach seinem Tode mit dem russischen Brigadier von Bielsky 1734 wieder ver- heirathet. Sie war die Tochter des Freiherrn Bernd Otto von Stakelberg und der Freiin Margarathe von Maydel. 15. Heinrich (Hindrik) Hermann von Wrangel, Sohn von Jürgen Johann (5), geboren den 12. Mai 1692, gestorben 1733, war schwedischer Kapitän bei dem Skaraborg Infanterie-Regiment. Er nahm wie sein Bruder Leonhard Abschied und ging nach Livland. 2 ) Nach seinem Tode schlössen die Vormünder der Erben am 8. April 1734 mit Nicolai von Dittmar einen Arrende-Contract über das voii Heinrich Unterlassene Gut Kono im Kirchspiel Klein-Marien (Wirland) auf sechs Jahre ab; derselbe wurde am 30. Januar 1740 auf weitere drei Jahre verlängert. 4) Gesch. Fam. Rosen p. 364. 2) Wrangeil. Sammlung I 112. Im Jahre 1750 schlössen sodann die Erben einen Erbtheilungs-Vergleich, wonach das Gut Kono zu 5000 Rubel geschätzt und dem jüngsten Sohn, dem Lieutenant Gustav Reinhold von Wrangel (32), überlassen wurde. Heinrich war mit Helena Christina von Löwen, einer Verwandten des Ritterschaftshauptmanns von Löwen vermählt, welche zwischen 1734 und 1750 stirbt. Er hatte mit ihr drei Söhne: Friedrich Wilhelm (30), Johann Adolf (31), Gustav Reinhold (32) und zwei Töchter: 1. Hedwig Elisabeth (33), lebt 1750 noch imverheirathet. 2. Helene Henrica Eleonore (34), geboren zu Kaiofer. Der Oberstlieutenant von Berg hatte sie 1744 als Pflegetochter angenommen. Sie heirathete nach 1750 den Landrath und russischen Major Bernd Johann von Wrangel auf Tois (XIII 41) und lebte noch 1786 als Wittwe. 30. Friedrich Wilhelm von Wrangel, Sohn von Heinrich Hermann (15), war 1734 noch unmündig und kam 1741 mit seinem Bruder Johann Adolf in das Kadetten-Corps zu St. Petersburg. Am 20. Januar 1748 erhielt er zu seiner Equipirung 300 Rubel von seinen Vormündern nach Petersburg geschickt. Als er sich 1750 mit seinen Brüdern in das väterliche Erbe theilte, war er Fähnrich. 31. Johann Adolf von Wrangel, Sohn von Heinrich Hermann (15), war 1727 geboren und wurde in einem Alter von vierzehn Jahren von seinem Vormunde, dem Oberstlieutenant Georg Otto von Berg, 1740 in die Ritter- und Domschule in Reval zur Erziehung gebracht. Dort kam er zum SubRektor Tideböhl in Pension, für welche laut Verabredung 100 Thaler oder 8000 Kopeken jährlich zu zahlen waren. Noch vor Beginn des Jahres 1741 trat er indess mit seinem Bruder Friedrich Wilhelm (30) in das Kadetten-Corps zu St. Petersburg ein und erhielt am 20. Januar 1748 von seinen Vormündern 300 Rubel zu seiner Equipirung nach Petersburg geschickt. Im Jahre 1750 wird er als Fähnrich erwähnt. Er starb 1774 zu Tois als Oberstlieutenant und wurde am 14. Mai genannten Jahres beerdigt. 32. Gustav Reinhold von Wrangel, Sohn von Heinrich Hermann (15), war 1734 noch unmündig und trat bei dem Prinzen von Stolberg ein, welcher ihm eine Fähnrichstelle versprochen hatte. In dessen Regiment machte er den holländischen Feldzug mit. 1745 stand er in Mastricht und marschirte Anfang 1756 nach Sas vor Gent, welches von den Franzosen in kürzester Frist belagert werden sollte. Wiewohl am 30. December 1745 eine vacante Fahne bei Graf Stolberg war, so blieb er doch noch Kadett und befand sich wegen der geringen Gage in Geldverlegenheit, so dass er seine Vormünder bat, ihm Unterstützungen zuzusenden. Im Jahre 1750 als Lieutenant wieder in Esthland eingetroffen, betheiligte er sich an dem brüderlichen Erbtheilungs-Vergleich und erhielt, ungeachtet er der jüngste Bruder war, das Gut Kono für 5000 Rubel mit einigen Abgabe-Bedingungen an seine Geschwister. 173 13. Beugt Adolf von Wrangel, Solin von Jürgen Johann (5). wurde am 22. Januar 1697 geboren. Er trat als Freiwilliger ins schwedische Regiment Elfsborg; 1712 wurde er in demselben Rüstmeister. 1713 Freiwilliger im Leibregiment zu Pferde der Königin-Wittwe, 1714 Oorporal in demselben und 1716 Cornet. Als solcher Wirde er 1718 zum Leib-Dragoner-Regiment versetzt. 1721 finden wir ihn als Lieutenant bei Generalmajor Thure Horns Regiment und 1723 als Fähnrich installirt. Am 23. April 1726 genehmigte der König Friedrich von Schweden, dass der Lieutenant mit Fähnrichsbestallung im Garnison-Regiment des Generalmajors Schwerin, Beugt Adolf von Wrangel, mit dem in der Quartiermeister - Eintheilung im Regiment der Adelsfahne befindlichen Lieutenant Carl Gustav Morath tauschen solle. Am 15. December 1732 wurde er zum Cornet, am 22. März 1737 zum Lieutenant bei der Oestgöta-Cavallerie, den 3. September 1741 bei derselben zum Regiments-Quartiermeister und 1746 zum Rittmeister ernannt. Am 20. Januar 1748 genehmigte der König von Schweden das Abschieds-Gesuch des Bengt Adolf, ertheilte ihm wegen seiner Verdienste im Kriege den Charakter als Major und verlieh ihm den Schwert-Orden. Bengt Adolf von Wrangel hatte sich bei der Belagerung von Stralsund 1712, an den Feldzügen in Norwegen 1718 und Rosslagen 1719 betheiligt. 1 ) Er verstarb auf Stora-Hedegord im Kirchspiel Larfs und Skaraborg-Län in Wester- götland am 14. Januar 1771. Etwa um 1720 hatte er sich mit Hedwig Sophie von Boye aus Gennäs, der Tochter des Obersten Anders von Boye auf Gennas und der Freiin Elisabeth Christina von Liewen, vermählt. Sie war geboren 1703 und verstarb am 14. October 1774, nachdem sie ihrem Ehemann fünf Söhne: Johann Gustav (21), Friedrich Göran (22), Heinrich (Henric) Hermann (23), Andreas Leonhard (25) und Carl Erich (29) geboren, die sämmtlich als Schweden am 13. September 1772 naturalisirt und 1776 unter Nr. 2092 introducirt wurden. Ausser diesen Söhnen hatte er noch vier Töchter: 1. Hedwig Christina (24), geboren 1731, starb am 2. Januar 1807 in Joura Capell als Wittwe des Kirchenpatrons F. G. Neovius. 2. Anna Maria (26), geboren 1735, starb den 29. Juni 1805 unverheirathet. 3. Elisabeth Margarethe (27), geboren 1738, starb am 26. Juli 1792 in Bitterna Prestgard unverheirathet. 2 ) 4. Ulrike Eleonore (28), geboren 1739, starb am 17. Juni 1S02 auf Haräsen im Kirchspiel Bellerna. Am 18. October 1772 hatte sie sich mit dem Kirchenpatron Prediger Jonas Holwen in Bitterna, geboren 1730, gestorben 1792, verheirathet. 8 ) 21. Johann Gustav von Wrangel, Sohn von Bengt Adolf (13), wurde am 23. April 1723 geboren. Nach vollendeten Studien wurde er am 10. September 1736 Volontair bei dem Oestgöta-Infanterie-Re- giment, den 22. April 1743 Rüstmeister, den 27. Mai desselben Jahres Fourier, in welchem Dienstverhältniss er der Schonenschen Campagne beiwohnte. Am 15. Februar 1) Relibinder, Matrikel 1 p. -141. 2 ) Skara, Archiv p. 444. 8) Skara, Archiv p. 63. A — 174 — 1749 wurde er Sergeant und avancirte am 5. April 1749 zum Fähnrich bei dem damaligen Lantingshausenschen und späteren Flemmingschen Regiment, den 31. December 1750 zum Lieutenant, den 13. September 1762 zum Kapitän bei demselben Regiment. Am 28. Mai 1772 wurde er Ritter vom Schwert-Orden, im August desselben Jahres diente er während der Revolution in Stockholm unter den Befehlen des Generallieutenants Baron Sprengporten, ward den 13. Juni 1773 Major in der Armee, den 23. November zur Compagnie im Leibregiment Ihrer Majestät der verwittweten Königin versetzt und den 11. März 1778 zum Seconde-Major ernannt. Am 12. April 1780 erhielt er auf Verlangen gnädigen Abschied und verstarb am 12. Januar 1787 auf Linnanpä in Finnland. Mit ihm starb der Zweig seines Adelsgeschlechtes im männlichen Stamme aus. Am 18. April 1775 vermählte er sich mit der Freiin Ulrike Amalie Dorothea, Tochter des Feldmarschalls und Grosskreuz-Commandeurs des Schwert-Ordens Freiherrn Berend Otto von Stakelberg und dessen zweiter Ehegattin Amalie Elisabeth von Elrichshausen aus Oesterreich. Ulrike Amalie Dorothea von Stakelberg war geboren den 17. September 1742 und starb den 6. August 1818 auf Walkiola im Kreise Wiborg. Aus dieser Ehe entsprossten vier Töchter: 1. Ottiiiana Gustava (35), geboren 3. Februar 1780 zu Bär in Finnland. 2. Hedwig Elisabeth (36), geboren am 3. December 1781. 3. Julianne Ulrike (37), geboren am 10. August 17S5 zu Bär in Finnland, gestorben den 12. November 1844 zu Vik im Kirchspiel Sibbe in Finnland. 4. Friederike (38), geboren 1787, verstorben den 25. April 1852, verheirathet mit dem Vicelieroldshauptniann Freiherrn Carl Hernie von Wrede von Elimä in dessen dritter Ehe; geboren 1778, gestorben 1837. 22. Friedrich Gör an von Wrangel, 1 ) uaturalisirt Wrangel (Nr. 2092), Sohn von Bengt, Adolf (13), winde den 16. März 1724 auf Hirum im Kirchspiel Tauhems, Westergötland geboren. Nach vollendeten Studien wurde er 1743 Volontair und später Fourier beim Regiment Westmanland. Im Jahre 1747 avancirte er zum Corporal beim Regiment Adelsfahne. Im folgenden Jahre ging er mit Erlaubniss nach Frankreich, wo er im August desselben Jahres als Fähnrich im Regiment des Grafen Moritz von Sachsen eintrat, dabei aber in schwedischen Diensten fortgeführt wurde. 1752 ward er Cornet beim Regiment Adelsfahne, 1756 Secondelleutenant, 1758 Premierlieutenant im genannten französischen Regiment, machte 1757 die Campagne in Westfalen und 1758 bis 1762 den Feldzug in Hessen mit, in welchem er den Actionen und Schlachten vor Minden, am Lutterberg und bei Bingen, sowie den Affairen bei Minden und Ernsdorf beiwohnte. Bei letzterer Gelegenheit gerieth er 1760 in Gefangenschaft. Am 13. August 1761 beim Regiment Adelsfahne zum Lieutenant befördert, erhielt er 1763 auf sein Verlangen den Abschied aus französischen Diensten, avancirte den 7. December 1764 zum Stabs-Rittmeister bei genanntem Regiment, winde 1772 Ritter des Schwert-Ordens und erhielt 1776 gnädigen Abschied und Pension. „Er starb unvermählt am 14. Juni 1810 zu Steffenshagen in Ekana. 1) Relibinder. Matrikel I p. +37. +38. — 175 23. Heinrich Hermann von Wrangel, 1 ) naturalisirt, Wrangel (Nr. 2092), Sohn von Bengt Adolf (13), geboren 3. April 1730. Nach vollendeten Studien ward er 1746 Page bei dem König Adolf Friedlich von Schweden, am 4. Mai 1754 Fähnrich bei dem Leib-Regiment der Königin-Wittwe Hamilton; 175S schiffte er sich mit diesem Regiment ein. um von Finnland nach Stockholm überzusetzen. Das Fahrzeug strandete aber bei Portiela; das Commando wurde bei Jungfrau Sund ans Land gesetzt und musste nach Abo marschiren, wo es den Winter über stehen blieb. Am 1. Juni 1759 schiffte er sich wieder ein und kam den 8. in Stockholm an. Den 19. April 1760 durch Tausch mit Graf Ekeblad ins Regiment Upland gekommen, ging er mit Rekruten nach Pommern und machte dort die Campagnen mit. Den 2. April 1761 ward er Stabs-Kapitän im Regiment Upland. Den 8. Juni 1761 segelte er mit einem Theil der Armee auf der Flottille ins grosse Frische Haff, wo er mehreren Scharmützeln bei Loitz beiwohnte. Den 1. Juni 1762 wurde er nach Malkin commandirt, um an mehreren Kriegsübungen theil zu nehmen, was ein Jahr dauerte. Am 2. April wurde er Lieutenant beim Regiment Upland, den 3. Juli darauf, nach beendetem Kriege, auf Galeeren eingeschifft, um als Chef über 150 Mann nach Ystadt und Stockholm zu gehen. Den 12. Juli 1768 Lieutenant, erhielt er den 8. September 1771 eines schweren Beinbruches wegen den Abschied als Kapitän. Später nahm er auf Befehl des Königs an den Festungsbauten von Sveaborg theil, wo er am 12. März 178S starb. Er verlieirathete sich a) zum ersten Male den 11. Juni 1763 mit Emerentia von Runeberg, der Wittwe des 1756 gestorbenen Lieutenants Friedrich Wilhelm von El- genstjerna, geboren den 6. December 1729, gestorben den 9. Januar 1769, Tochter des Probstes Lars von Runeberg in Alunda und Morkorla in Upland und der Agneta Elisabeth Maijstrin; darauf b) zum zweiten Male am 4. November 1769 mit Friederike Philippine Philp, Tochter des Yice-Corporal-Lieutenants bei Seiner Majestät Leibtrabanten-Corps Anders Philp' und der Johanna Julianne Catharina Friederike von Stjernhielm; geboren den 28. October 1732, starb den 7. Januar 1773. und endlich c) zum dritten Male, wobei indessen der Name der Gattin unbekannt geblieben ist. Aus erster Ehe entsprossen ein Sohn Adolf Lorenz (39) und eine Tochter Agneta Sophia (40), welche den 22. August 1765 geboren und Hofdame bei der Herzogin von Södermanland war. Sie verlieirathete sich am 23. Juni 1785 mit dem Hauptmann Graf Carl Gustav Löwenhjelm auf Läng, geboren den 10. Mai 1759, verstorben 1S39. Sie starb am 16. Juli 1800 auf Läng im Kirchspiel Grums in Wermland. Aus der zweiten Ehe drei Söhne: Gustav (42), Carl Gustav (43), Hans Hermann (44) und eine Tochter Charlotte (41), welche am 8. Juni 1771 geboren war und als Wittwe am 25. Juli 1S09 starb. Sie vermählte sich a) am 9. März 1791 auf Stora- Heeden mit Sven Roos, einem Brauer in Stockholm und Hauptmann bei der i) Bellbinder, Matrikel 11 1794 p. 227, I 43«, 440. 176 dortigen Bürgerwehr, welcher den 11. November 1798 daselbst starb; b) am 28. März 1803 in der Danriks Pfarre mit ihrem Vetter, dem Adjutanten Wilhelm Pliilp, welcher den S. Juni 1777 geboren war und vor 1809 verstarb. 39. Adolf Lorenz von Wrangel, Sohn von Heinrich Hermann (23), geboren am 24. Januar 1764, trat den 29. April 1778 als Fähnrich in die königliche Kriegsflotte ein und wurde 1778 Lieutenant, den 23. Juli 1790 Kapitän der Flotte und Ritter des Schwert-Ordens, Rittmeister bei der Adelsfahne. Er starb unverheirathet am 3. Februar 1817 in Stockholm, so dass mit ihm der Stamm erlosch. 42. Gustav von Wrangel, Bruder des vorigen (39), geboren 3. August 1772, starb jung. 43. Carl Gustav von Wrangel und 44. Hans Hermann von Wrangel, Brüder von Adolf Lorenz (39), wurden als Zwillinge 1773 geboren, starben aber schon nach einigen Wochen. 25. Andreas Leonhard von Wrangel, Sohn von Bengt Adolf (13), geboren 11. Mai 1732. Im Jahre 1748 war er Kadett, später als Fähnrich bei dem Regiment des Kronprinzen angestellt. Im December 1756 machte er als Officier in demselben das Commando nach Finnland nnd Lant-Nygen mit. Er fiel 1758 bei Fehrbellin. 29. Carl Erich von Wrangel, Sohn von Bengt Adolf (13), geboren den 12. November 1736, trat nach vollendeten Akademiestudien den 1. Januar 1750 als Volontair in das schwedische Regiment Hessenstein ein, wurde 1751 Rüstmeister im Regiment Spens, am 18. December 1756 Fourier im Regiment Kronprinz. Noch in demselben Jahre wurde er zu den Festungsbauten in Sveaborg conunandirt. Er ging 1757 nach Pommern zur Theilnahme an der Campagne. Während derselben wurde er am 24. Februar 1758 nach Colberger Fähre zum Aufeisen unter feindlichem Kanonenfeuer, v.on welchem ein anderes Commando schon vertrieben worden war, commandirt. Er benahm sich hierbei so brav, dass der König ihn mittelst Allerhöchster Cabinets-Ordre vom 14. März 1758 zum Fähnrich, jedoch vorläufig ohne Gehaltserhöhung, ernannte. Demnächst wurde er auf die Galeere Blekingen unter Oberst und Ritter Björn Markx commandirt, aber schon am darauf folgenden 25. Mai wieder in die Armee zurückversetzt, und machte den 28. September die Attacke bei Fehrbellin, sowie verschiedene andere Scharmützel mit. 1767 wurde er Lieutenant, den 25. September 1772 Kapitän und Regmients-Quartiermeister im Regiment Kronprinz; den 17. Januar 1776 als Compagnie-Chef zum Regiment Kronoberg versetzt und erhielt den 22. Oc- tober 1777 gnädigen Abschied mit Pension und Accord; gleichzeitig wurde er Ritter des Schwert-Ordens. . Auf dem schwedischen Ritterhause wurde er im Jahre 1776 introducirt. Er starb am 3. Juli 1802 auf Haräsen in Westergötland. — 177 — Verheirathet war er seit 1780 mit Margarethe Maria von Bark, welche sich nach seinem Tode, den 29. Juli 1808, zum zweiten Male mit dem Fähnrich Christian Albrecht Härlemann in dessen zweiter Ehe vermählte. Kinder: drei Söhne Adolf Friedrich (46), Johann Jürgen (49), Johann Georg (50) und drei Töchter: 1. Hedwig Sophie (45), gehören den 16. April 1781, starb schon den 7. September desselben Jahres. 2. Hedwig Sophie (47), geboren den 4. November 1783, ebenfalls schon am 31. December desselben Jahres gestorben. 3. Henriette Christine (48), geboren den 11. November 1784, starb unver- heirathet in Linköping am 3. December 1815. 46. Adolf Friedrich von Wrangel, Sohn von Carl Erich (29), geboren den 26. Juli 1782, trat den 12. Juli 1796 als Volontär bei der Skaraborg-Infanterie ein, wurde den 15. October 179S Fourier und am 28. November 1799 Sergeant bei der Göta - Artillerie. Er begab sich 1802 ins Ausland und hat nichts mehr von sich hören lassen. Wie später angezeigt wurde, starb er 1805. 50. Johann Georg von Wrangel, Sohn von Carl Erich (29), geboren den 7. December 1784; starb als Kind. 49. Johann Jürgen von Wrangel, Sohn von Carl Erich (29), geboren den 9. April 1787 im Kirchspiel Kölfolwe im Elfsborg- Län, ist 1807 Fahnenjunker, den 9. März 1808 Fähnrich im Elfsborgschen Regiment. Er machte die Feldziige 1807 in Pommern und 1808 in Norwegen mit. Während des letzteren trieb er den Feind bei Oehr und Gäddelund zurück. Ferner wohnte er, seit dem 30. April 1812 Lieutenant im Elfsborgschen Regiment, dem Feldzuge 1813 in Deutschland bei und zeichnete sich in einigen Treffen aus, so dass er die goldene Medaille „För tapperhet i Fält - ' erhielt. Am 27. Mai 1815 erhielt er den erbetenen Abschied. Bei einer Ueberfährt nach Deutschland, wobei er ausser vielen Effecten fast alle seine Papiere, Familien-Dokumente u. s. w. mitführte, ertrank er. Von diesen Effecten wurde seinen Hinterbliebenen soviel wie nichts zurückgegeben. Am 24. Juli 1812 hatte er sich zu Swanö verheirathet mit Margarethe Johanna von Oijens, Tochter des englischen Fabrikherrn und Secretärs Samuel von Oijens-Esquire und der Maria Christine Götenstjerna. Sie starb den 14. Januar 1841. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne: Carl Adolf (52) und Eric Frederic (53), sowie eine Tochter Adelaide Maria Friederike (51), geboren den 28. Juni 1813. Sie vermählte sich am 13. December 1838 mit dem Hof-Kammerrath Pelir Hollenborg, wurde 1860 Wittwe und lebte seitdem in Sköfde, wo sie den 4. September 1875 verstarb. 23 — 178 — 52. Carl Adolf von Wrangel, Solm von Johann Jürgen (49), geboren den 3. Mai 1815, gestorben in demselben Jalwe am 11. September. 53. Eric Frederic von Wrangel, Solin von Johann Jürgen (49), geboren den 17. Jiüi 1816. Er wurde nach dem Tode seines Vaters in dem Hause Seiner Excellenz des Freiherrn Carl Adam von Wrangel und desseii Sohnes, des Freiherrn Henning Gustav (VH 38, 46), im Sperlingholmschen erzogen. Diese beiden Herren waren die reichsten und bedeutendsten der in Schweden wohnenden Familienmitglieder; man schätzte ihre Güter auf V 166 des gesammten festen Grundeigenthums des Landes. Nachdem Carl Adam 1829 gestorben, verschied 1833 auch sein Sohn ohne Nachkommen zu hinterlassen. Der Tod des letzteren war auf einer Reise so plötzlich zur Nachtzeit erfolgt, dass man bei ihm mm das Concept seines Testamentes vorfand. Es entspann sich nun wegen seines Nachlasses zwischen Mitgliedern aus der Familie von Wrangel und der von Hamilton ein durch drei Jahre sich hinziehender Prozess, welchen die erstere Partei, als sie schon einmal zum Theil gewonnen, zuletzt doch noch verlor, so dass Eric Frederic aus seiner Heimath nicht das geringste mitnehmen konnte. Schon mit 15 Jahren bezog dieser die Universität Lund und besuchte später die Kriegsschule zu Stockholm und die Kriegshochschule zu Marieberg. Aus der ersteren trat er 1836, aus der letzteren 1844 aus. Während dieser Zeit war er 1836 zum Fahnenjunker und den 11. August 1837 zum Secondelieutenant bei dem Westergöta-Regiment ernannt worden. Den 23. Januar 1843 zum Lieutenant befördert, wurde er den 6. November Generalstabs-Offizier und den 8. April 1852 Hauptmann in der Armee. 1855 wurde er als solcher in das oben erwähnte Regiment versetzt. 1856 zum Major in der Armee befördert, erhielt er 1858 das Ritterkreuz des Schwertordens und wurde 1859 Ritter des norwegischen St. Olafsordens. 1861 Major im Regiment, avancirte er 1862 zum Oberstlieutenant in der Armee und im Generalstabe und am 29. December 1865 zum Obersten. Ausserdem war er von 1844 bis 1848 bei den Kriegsschulen in Skara und Stockholm Lelmer, von 1846 bis 1848 Compagnieoffizier bei der Kriegsschule zu Carlberg, wurde 1848 nach Dänemark commandirt und war von da ab bis zum Jahre 1865 in der Commandoexpedition des Kriegsministers (Departement Landesverteidigung). Im Jahre 1851 war er Mitglied der königlichen Kriegswissenschaft-Akademie und von 1858 bis 1866 Hexmusgeber ihr er' Handlungen und Zeitschrift, von 1857 bis 1866 Lehrer bei der Kriegshochschule zu Marieberg und von 1S66 bis zum 2. September 1881 Postinspector in Wexiö. Während der letzten Jahre dienstfrei, war er Major bei dem Westergöta-Regiment geblieben. Von 1850 bis 1856 wohnte er als Haupt der Familie den Reichstagen bei und war Mitglied einiger Ausschüsse und vom Könige niedergesetzter Comites. Auf königlichen Befehl machte er im Jahre 1861 eine kriegswissenschaftliche Reise nach Berlin, Brüssel und Paris. Eric Frederic ist Verfasser mehrerer Militärschriften (u.a. 2 Theile — 179 — Lärobok i Krigshistorien) und in Schweden bekannter Lieder für Piano. Er lebt (1886) in Hagavik bei Wexiö. Am 30. Juli 1854 vermählte er sich zu Stockholm mit Catliarina Maria Gustava (Carina) von Ehrenstam (geboren den 9. December 1832), Tochter des verstorbenen See- ministers, Staatsraths und Commandeims des Schwertordens Johann Frederic von Ehrenstam und der Constantia Sophia Caroline von Trolle. Sie haben vier Söhne, und zwar: 54. Carl Henning Friedrich von Wrangel, geboren den 25. April 1855; war Candidat der Philosophie. 55. Johann Gustav Fabian von Wrangel, geboren den 11. Januar 1858; war Eleve auf der Kriegsschule und wurde am 16. November 1877 Unterlieutenant bei dem Regiment Kronoberg und Aspirant im G-eneralstabe. 56. Hermann Georg Woldemar von Wrangel, geboren den 30. März 1859; wurde am 17. October 1879 Unterlieutenant in der königlichen Marine und am 27. April 1883 Premierlieutenant (Lieutenant zur See). 57. Evert Heinrich Gabriel von Wrangel, geboren den 20. November 1863; war 1883 Student auf der Universität in Lund. 23* Tabelle VI. (Bei von Toll Tabelle A.) Die Familie von Wrangel Freiherren zu Lindeberg mit einem Zweig der Freiherren zn Lndenhof und (trafen zn Salmis (Sölfnitzhorg). (Freiherren 1654, introducirt 1654 unter Nr. 41.) 1. Hans von Wrangel (Tab. III 25), Solin von Hermann (III 15) und der Adelheid von Uexküll, war schwedischer Rittmeister und Landrath in Esthland und besass Ellistfer und Allo. Im Jahre 1578 wurde er bei Oberpahlen von den Russen gefangen, erst nach Dorpat gebracht und von hier nach Moskau übergeführt. 1 ) Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft hatte Hans von Wrangel mancherlei Prozesse wegen Ankaufs und Verkaufs von Gütern zu bestehen. So hatte 1584 Reinliold von Rosen Hof und Güter Sontagk dem Otto Uexküll mit dazu gehörigen Ländereien für seine Lebzeit verlehnt. Demungeachtet sperrte Rosen durch Verhauen der Wild- niss diese Lande, verdarb sie und verkaufte den Hof und die Güter Sontagk noch obendrein ohne Wissen des Uexküll an Hans von Wrangel. Wegen dieser Handlungen wurde Rosen vom Gericht aller seiner an den Gütern habenden Rechte für verlustig erklärt. Ferner wurde am Richteltage, dem 25. Juni 1585, vom Obergericht erkannt, dass Hans von Wrangel als unbefugter Käufer dem Otto Uexküll zu Allo „Gewalt gethan und daher den gekauften Hof und Güter Sontagk verwirkt, indessen mit einigen Vergünstigungen für Hans von WrangeL. Am 19. October 1584 hatte Pontus de la Gardie, königlich schwedischer Rittmeister zu Stockholm, sein Gut Walküll, welches früher nach Reval, 1586 aber zum Kirchspiel Jegelecht in Hamen gehörte und 45 Haken umfasste, an Hans von Wrangel für 620 Thaler 3 Pfennige zu Unterpfand eingeräumt. Bei Gelegenheit der Güterreduction !) Livl. Jahrbücher II 1, 195; Gadehuscli, Bd. 3 p. 263. 1S1 — aber forderte Ebert Kampferbeck wegen Klots Erben dieses Dorf zurück und präsentirte 1 herbei Briefe, welche noch vom Heermeister Gotthard Kettler herrührten. Die Herren Commissarien erachteten allerdings das Gut für eine solche geringe Summe zu gross, nichts desto weniger liessen sie es dem Hans von Wrangel für seine „treuen Dienste", die er dem Könige von Schweden geleistet hatte, damit er dadurch seines verdienten Soldes wegen befriedigt würde. 1 ) Anno 1586 besass Hans von Wrangel noch im Leppenschen Gute, welches er von seines Vaters „Anpart" vom Hofe Riesenberge im Kirchspiel Kegel in Harrien behalten hatte: im Dorfe Tappesal fünf Haken, im Dorfe Ilmatalken sieben Haken vier Gesinde, Märest einen Haken und drei Fischer, in allem achtzehn Haken. Ausserdem hatte er noch ein Erbe auf ein Haus, das sogenannte „grosse Erbe" auf dem Dom zu Reval. Auch die auf diese Besitzungen bezüglichen Papiere und Briefe wurden für richtig befunden und er im Besitz dieser Güter gelassen. Dagegen wurden bei dem Hofe Addinal Einwendungen erhoben. Es war nämlich bei dem Hof Addinal das Dorf Kaskyll mit zwei Haken Land, das Dorf Arrisill mit sechzehn Haken Land, sammt einem Heuschlag Ivattel mit fünfzehn Haken, Arrokyll mit drei Haken, Marienurm mit ein und einem halben Haken, Selgemeht mit einem Haken, in Summa fünfzig Haken. Ausserdem war als Besitz von Hans noch ein Dorf Amoper in Alentaken, zwei Meilen von Narwa gelegen, mit acht Haken Land und sechzehn Bauern genannt. Die Briefe über die letzteren Besitzungen wurden aber als unrichtig befunden und es wurde daher bestimmt, dass Hans nur fünfzig Haken behalten solle. Das Dorf Amoper ward nach Narwa gelegt. Wie wir ferner ersehen, hatte Hans von Wrangel im Jahre 1586 auch den Hof Patz in Wirland inne, welchen man ihm ebenfalls zuerkannte. Nur wurde ihm aufgegeben, die Zugehörigkeit von Torwno (Torwejöggi), dessen Flächeninhalt Hans nicht angeben konnte, nachzuweisen. Für das halbe Dorf Torwejöggi wünschte Hans gern das Dorf Wallas, welches nahe an der Grenze seiner Patzschen Besitzungen gelegen war, aber zu Bedika gehörte, einzutauschen und machten ihm die Commissare auch die Zusage, solches bei dem Könige auszuwirken. Wegen Patz hatte der „Rittmeister Johann von Wrangel" am 3Qf Juni 1591 vor dem Manngericht zu Reval eine Streitsache gegen Johann von Kuddelin. Es war schon einmal am 4. Juli 1586 in derselben Sache ein Urtheil zu Gunsten des Wrangel gefällt worden; trotzdem riss Kuddelin den Acker auf, so dass sich Wrangel veranlasst sah auf Execution und Einweisung zu drängen. Das Gut hatte einer kinderlosen Wittwe gehört, und machte Kuddelin als ihres Mannes Freund Anspruch auf den Hof, was aber gegen die Landesgesetze verstiess, nach Avelchen in dergleichen Fällen der Nachlass an die nächsten Blutsfreunde und Verwandten der Frau vererben musste. Wir wissen aus einer Entscheidung des Obergerichts vom 9. Juli 1586, dass der Bruder des Johann von Kuddelin — Reinhold von Kuddelin — am IS. März 1575 ein Testament gemacht, worin derselbe seiner Ehefrau, Maya von Wrangel (III 27), den von ihr herstammenden Hof !) Titular-Bucli p. IT. — 182 — lind die Güter Padis (Patz) vermacht hatte, und letztere wiederum durch ein Testament vom 0. November 1580 ihre sich in russischer Gefangenschaft befindliche Schwester Mecliel von Wrangel (III 29) zur Erbin der genannten Güter einsetzte. Da nun beide Schwestern ohne Kinder verstarben, so gingen die genannten Güter nach den obigen Landesgesetzen an die nächsten Blutsfreunde und Verwandten, und zwar an den Kittmeister Johann von Wrangel zu Allo über, wodurch derselbe rechtmässig in den Besitz und das Jus von Padis gelangte. Kuddelin hatte aber ungeachtet des Richterspruchs von 1586 den Acker besät und verlangte den Genuss von seinem aufgesäten Korn. Durch den richterlichen Spruch wurde aber Kuddelin vollständig abgewiesen und noch obendrein verpflichtet, den aufgebrochenen Acker wieder mit Roggen zu besäen. Gleichzeitig wurde erkannt, dass aller Korn-Zehnte bei dem Hofe bleiben solle, bis vom König eine weitere Erklärung abgegeben sei. Die Resolution des Königs Sigismund erfolgte am 7. Juni 1594 zu Gunsten der Erben des mittlerweile (1593) verstorbenen Rittmeisters Johann von Wrangel. Im Jahre 1587 kaufte Johann von Wrangel das Gut Allo von Otto von Uexküll, wofür er sein Leppensches Gut am Strande diesem überliess und noch 3883 alte Mark rigisch herauszahlte. Am 8. Juli 1589 liess ihm infolge dessen Otto von Uexküll den Hof und die Güter Allo mit Ausnahme der Erbgerechtigkeit und „Zuspräche", welche Claus von Kursei besass, auf und gleichzeitig übertrug Alita von Rosen Johann von Wrangel, dem Schwager ihres Vaters Reinhold von Rosen, dieses Gut. 1591 gerieth Johann von Wrangel wegen dieses Hofes Allo mit Claus von Uexküll zu Felks in Streit, welcher indessen vom Oberlandesgericht beigelegt wurde. Es hatte nämlich Reinhold von Rosen das Gut und den Hof Allo dem Otto von Uexküll testamentarisch vermacht, doch mit dem Vorbehalt, dass Otto von Uexküll nach Rosens Tode sich bezüglich der Erbgerechtigkeit mit dessen anderer Tochter und dessen Schwägern vergleichen und vertragen solle. Da aber Johann von Wrangel diese Güter rechtmässig durch Kauf an sich gebracht hatte und somit auch die Erbgerechtigkeit und des Erbtheils Mitgabe der jüngsten Schwester, so wurde er vom Gericht „als der nächste des Hofes und aller Güter Allo" anerkannt. Hiermit war aber die Sache noch nicht abgethan, denn noch in demselben Jahre sah sich der Rittmeister Johann von Wrangel zu Ellistfer veranlasst, abermals klagend gegen Claus von Uexküll zu Felks aufzutreten; auch dieses Mal erfolgte durch den obersten Gerichtshof am 30. Juni lediglich die Bestätigung des vorher mitgetheilten Erkenntnisses, so dass Johann von Wrangel im vollsten Besitz auch des Jus über den Hof und die Güter Allo verblieb. Hans von Wrangel hatte sich mit Barbara von Anrep 1 ) aus dem Hause Hehl, Tochter des schwedischen Feldmarschalls und Landraths zu Hehl, Hermann Johansson von Anrep, und der Margarethe Hinriesdotter von Rosen zu Allo aus dem Hause Hochrosen, vermählt und mit derselben zwei Söhne: Hermann (2) und Hans (5), sowie drei Töchter: 1. Adelhaid (2A), die an Hans von Fersen, Statthalter zu Hapsal auf Nomküll, Ritterschaftshauptmann, Oberstwachtmeister, verheiratliet war. i) Lude, Briefl. III Nr. 12; Moritz Wrangell, Darstellung Tab. XXX. — 183 — 2. Dorothea (3), geboren 1590, gestorben 1662, "vermählt mit Beinhold von Fersen auf Sipp und Obja, geboren 1594, gestorben 1649, schwedischer Oberstlieutenant, 1 ) Stammvater eines Zweiges der Freiherren von Fersen. Von beiden Eheleuten befinden sich Brustbilder im Schloss zu Stafsund (Stock- holm-Län). 3. Margarethe Helene (4) war mit Otto Freiherr von Scheidingen auf Stocko- witz vermählt. Bald nach dem Tode ihres Ehemannes fand sich die Wittwe am 6. September 1594 mit den Gebrüdern Clans und Eeinhold von Uexkiill wegen des Hofes zu Allo ab, und waren hierzu ihre Vormünder und Verwandten, als: Dietrich von Stryk zu Mönnikorb, Bittmeister Moritz von Wrangel zu Parrienthal (XIH 6), Wilhelm von Uexküll zu Kosk, Heinrich von A-nrep zu Hehl, Christopher von Treyden und Fabian von Wrangel (XVHI 16) erschienen. Sie verkaufte Allo und wurde befriedigt. Endlich befindet sich die Wittwe (1596) in einer Klagesache wider Bersten von Firks, welcher Gelder von Kudlins (Kuddelin) Erben empfangen und dafür drei Gesinde dem Gute Padis (Patz) verschafft hatte. Am 27. Januar ward diese Klage vom Obergericht in der grossen Gildestube zu Beval zu Gunsten der Wittwe entschieden. Wie wir schon gesehen, hatte der verstorbene Johann von Wrangel lange mit dem verstorbenen Johann von Kuddelin wegen der Güter Patz gestritten, und war laut JJrtheil vom 9. Juli 1586 Mechel von Wrangel, welche lange Zeit in Bussland gefangen gehalten wurde, als rechtmässige Erbin anerkannt worden. Sie hätte wohl ausgelöst werden können, allein hierzu zeigte Johann von Hastfer von Idenorm, der sich noch bei Lebzeiten dieser Wittwe als rechtmässiger Erbe der Güter bemächtigt hatte, wenig Neigung; er verkaufte dieselben vielmehr sehr billig an Johann von Wrangel, wozu Hastfer jedoch kein Becht, gehabt hatte. Es traten daher Fromhold von Lode, auch beide Jürgen von Paykul, als Schwester- und Bruderkinder gegen die Wittwe des Johann von Wrangel, Barbara von Anrep zu Allo, und deren Sohn, den Lieutenant Johann von Wrangel auf Allo, als Kläger auf und verlangten als rechtmässige Erben in die Güter eingewiesen zu werden. Ferner verklagte Hans von Treyden zu Soempe die Wittwe und wies nach, dass er der Mechel von Wrangel von der Schwertseite verwandt und dass seine Grossmutter auf dem Gute Patz geboren, also sein Vater Wolmar von Treyden mit gedachter Wittwe Geschwisterkinder gewesen, und da die Schwertseite nach dortigem Beeilte alle Zeit der Spielseite vorzuziehen sei, so bat er, ihn als den rechten Erben zu obengedachtem Gute zu erkennen. Der Lieutenant Hans von Wrangel legte im Namen seiner Mutter hiergegen Verwahrung ein und bestritt zunächst die von Eeinhold von Lode eingebrachten Beschuldigungen, nach welchen sein Vater dem Urtheil und Becht zuwider die Güter an sich gebracht und die natürlichen Erben von demselben ausgeschlossen habe, auch bekämpft er, dass seine Mutter das von ihrem Ehewirth gethane adelige Gelübde nicht erfüllt habe. l) Wrangeil I., Urk.-Samml. III Nr. 12. 184 — Da Mecliel von Wrangel sich bei dem Feinde in Russland häuslich niedergelassen, so habe, wie aus dem königlichen Schreiben d. d. Stockholm 1594 ersichtlich, „sein seliger Vater sich durch ordentliche Mittel der Obrigkeit die Güter einräumen lassen". Die Kläger hätten dieses alles ruhig geschehen, und seinen Vater sowie auch später dessen Wittwe das Gut bis jetzt (1618) ruhig besitzen lassen, wodurch seine Mutter billiger Weise das Eigentliunisrecht am Gute erlangt hätte. Fromhold von Lode entsagte hierauf allen Ansprüchen auf das Gut. Das Urtheil wurde am 15. März 1619 gefällt. Nach demselben waren, wie wir früher bereits gesehen, in dieser Angelegenheit wegen des Hofes und Gutes Patz schon den 7. Juli 1586 und den 8. Juli 1591 Urtheüe publicirt worden, welche d. d. Stockholm, den 7. Juni 1594 ratificirt worden waren. Der Gerichtshof bestätigte die früheren Urtheile und erkannte, dass die Beklagte sowie alle ihre Erben wolilbefugte und mit Recht eingewiesene Besitzer des Hofes und Gutes Patz seien. Das Urtheil gründete sich namentlich darauf, dass Mecliel von Wrangel freiwillig nach erledigter Gefangenschaft bei dem Feinde geblieben und daselbst unter Verlassen ihres Vaterlandes gelieirathet. Nach Ludwig von Erlinghausens gegebenem und confir- mirtem Gnadenrechte habe sie sich auf diese Weise der Erbschaft verlustig gemacht und sei daher von IJastfer als der nächste Blutsverwandte vollständig befugt gewesen, das Gut zu veräussern. 2. Hermann von Wrangel, 1 ) Sohn von Hans (1), wurde am 29. Juni 1587 in Livland geboren und führte zu seiner nähern Bezeichnung zum Unterschiede von seinem Oheim (in 21) den Beinamen „der Jüngere". Er widmete sich von Jugend auf dem Kriegsdienste, den er bis kurz vor seinem Tode nicht verlassen hat. Seine militärischen Leistungen im livländischen, sowie im polnischen Kriege unter dem König Carl IX., dann auch im dänischen, polnischen und deutschen Kriege unter Gustav Adolf und der Königin Christine haben ihm einen Platz unter den grössten Kriegshelden des schwedischen Reiches gesichert. Ueber den Beginn und die ersten Thaten seiner militärischen Laufbahn ist uns leider nichts überliefert worden. Die erste Nachricht über ihn sta mm t aus dem Jahre 1608, wo er bereits Rittmeister in der Oestgöta - Cavallerie ist. In derselben macht er in den Jahren 1609 und 1610 unter dem schwedischen General de la Gardie den Feldzug gegen die Moscoviter mit. Als nach einer langwierigen Belagerung Iwangorod genommen worden war, wurde Hermann 1612 Commandant dieser Festung. Gleichzeitig bei seiner Ernennung wurde er zu der Königlichen Leibfalme versetzt. Noch in demselben Jahre wurde er von den Dänen bei Wittsjö gefangen, wo die Schweden von George yeni Brahe am 8. Hornung überrumpelt wurden, als eben der König mit Wrangel Karten spielte. Hier bei Wittsjö war es, avo sich Hermann von Wrangel zum ersten Mal hervorragend auszeichnete, indem er den Kirchhof so lange vertheidigte, bis der in grosser Noth und Bedrängniss sich befindende König Gustav Adolf Gelegenheit fand, sich vor der grossen Uebermacht der Dänen zurückzuziehen. Der König brach hierbei im Eise ein und Avard von Pelm vjjn Bauer (Banner ) und dem Reiter Thomas Larson mit eigener Lebensgefahr i) Stjernmann, Matr. p. 95: Hupel, N. M. XV p. 342, XVI, XVII: Urk. 18, 19 p. 478 ff. vor dem Ertrinken gerettet. Bei dieser heldenmüthigen Vertlieidignng ward Hermann von Wrangel zuletzt verwundet, übermannt und gefangen genommen. Erst beim Frieden zu Knäröd 1613 erliielt. er seine Freiheit wieder. Bei seiner Auslieferung wurden 326 Reichsthaler für seine Person und 32 Reichsthaler für 32 Wochen Verpflegung gezahlt. Sein königlicher Kriegsherr belohnte Hermanns aufopfernde Helden- tliat bei Wittsjö dadurch, dass er ihn später von Stufe zu Stufe beförderte und ihn zunächst 1616 zum Oberst und Commandanten von Kalmar ernannte, ihn aber noch in demselben Jahre daselbst als Statthalter über Schloss und Kreis einsetzte und ihn 1619 zum Befehlshaber der Festung und des Kreises Elfsborg machte. Im Jahre 1621 ernannte ihn der König von Schweden während der Belagerung von Riga unter dem Feldherrn de la Gardie zum Feldmarschall-Lieutenant. Der König selbst traf am 1. August 1621 dort ein und zwar so nahe bei Riga, dass man von der Domkirclie aus seine ganze Flotte sehen konnte. Es entstand indess ein so grosser Sturm, dass die Flotte zerstreut wurde und einige mit Munition beladene Fahrzeuge zu Grunde gingen. Gustav Adolf stand trotzdem von seinem Vorhaben nicht ab, liess durch die beiden Admirale die Flotte sammeln und bei Dünamünde landen. Die Rigaer rüsteten sich nun so gut sie es vermochten zur Gegenwehr, zerstörten ihre Vorstädte und schönen Gärten, sicherten sich gegen Feuersgefahr und armirten Schloss und Wälle. Als König Gustav Adolf am 8. August mit etlichen Truppen von Pernau bei dem Mühlgraben unweit Riga ankam, fand er daselbst seine Regimenter und seine Artillerie ans Land gesetzt. Er Hess nun durch den Feldmarschall Hermann von Wrangel, der die ganze Belagerung von Anfang bis zu Ende leitete, ein drittes Lager formiren, welches von Wrangeis und des schottischen Obristen Redwin Regimentern (im ganzen sieben Schwadronen) vertheidigt wurde. Hier beschloss er, die finnischen Truppen, welche der damalige Reichsmarschall und Gouverneur über Esthland, Graf Jacob de la Gardie, herführte, zu erwarten und rückte am 11. August mit ihnen bis an die Sandberge vor. Auf dem rechten Flügel im ersten Treffen befand sich der König selbst, dessen Bruder, Herzog Carl Pliilipp, der Graf von Mansfeld, die Obersten Gustav -r^n Horn, Oxenstjerna, Handrich und Rosencrantz mit fünf Regimentern zu Fuss und acht Es- cadrons Reitern, und Lorentz von Müller mit der königlichen Garde. Im andern Treffen ■waren Graf Jacob de la Gardie, Oberst von Cloth und Oberst Johann Heinrichs Sohn, mit drei Regimentern zu Fuss und etlichen Truppen Reiterei. Auf dem linken Flügel marschirte im ersten Treffen der Feldmarschall Hermann von Wrangel, Oberst Redwin mit etlichen Truppen zu Fuss und sieben Escadrons Reitern. Im andern Treffen Oberst Jacob Liton mit einigen Truppen. Während nun der König mit dem rechten Flügel auf den Sandbergen, Feldmarschall Hermann von Wrangel aber mit dem linken Flügel bei Hintzenhof und Hermann Flemming jenseits der Düna, woselbst er eine Schanze hatte aufweifen lassen, mit etlichen Truppen zu Pferde und Fuss Posto gefasst hatten, wurde auf die schwedischen Vorwachen von Riga aus ein starker Ausfall gemacht, welcher aber zurückgeschlagen wurde. Bei der eifrigen Verfolgung durch die Schweden wurden viele mit Stücken 186 — von den Wällen aus erschossen. Erst am 16. September fand die Uebergabe von Riga statt. 1 ) Im October eroberte der König noch Mitau, kehrte dann aber nach Riga zurück, um sein dortiges Lager gegen die Kosaken zu decken, während er den Feldmarschall von Wrangel mit 2000 Mann in Mitau znriickliess. Sodann eroberte König Gustav Adolf am 4. Januar 1622 die Stadt Wolmer. Oberst von Korff, der den folgenden Tag mit 18 Compagnien polnischer Reiterei zur Unterstützung der Stadt ankam, niusste sich in aller Eile wieder zurückziehen und wurde auch, als er bei Smilten den Feldmarschall Hermann von Wrangel angriff, so empfangen, dass er mit Hinterlassung vieler Todten und Verwundeten seinen Rückzug antrat. 2 ) Im Jahre 1623 wurde Wrangel wieder Statthalter über Kalmar und den Kreis, aber auch zugleich Oberst über das ganze Smäland-Kriegsvolk; im Jahre 1625 in gleicher Eigenschaft nach Jönköping versetzt. Das folgende Jahr wurde der Feldmarschall nach Preussen gesandt, wo er sich gegen die Polen glücklich behauptete, bis der König im Mai 1627 in Preussen landete und mit seinen gesammelten 35 000 Mann vor Danzig rückte. Nachdem die Schanze am Danziger-Haupt genommen, erfolgte in der Nacht zum 24. Mai der verunglückte Ueber- fall auf die Festung selbst, wobei Gustav Adolf einen Schuss in den Unterleib erhielt. Im August befand sich der König indess wieder an der Spitze seiner Truppen bei Dirschau. Die Polen lagen ganz in der Nähe bei Lubischow in einem verschanzten Lager und täglich fielen Gefechte unter den Vorposten vor. Namentlich fand am 7. August ein heftiges Treffen statt, wo die schwedische Reiterei unter dem Könige selbst, Hermann von Wrangel und von Thum, und die polnische unter Koniecpolski Proben grosser Tapferkeit ablegten. Einmal machten die Letztgenannten einen so heftigen Ohoc, dass die ganze schwedische Reiterei zurückweichen musste, mit Ausnahme von Erich Soops mit den Westgothen, die den Feind aufhielten und ihren Kameraden dadurch Zeit gaben, sich zu sammeln und den Kampf wieder aufzunehmen. Doch wollte sich keine der streitenden Parteien in ernsten Kampf einlassen und beide zogen sich wieder in ihre Lager zurück. Am folgenden Tage liess Gustav Adolf sein ganzes Heer auf dem freien Felde aufstellen. Er selbst führte das Centrum, Thum den linken, Hermann von Wrangel den rechten Flügel. Da Koniecpolski aber seine Polen innerhalb der Verschanzungen hielt, so beschloss Gustav Adolf einen Angriff auf dieselben. Schon war es gelungen, die Polen durch einen heftigen Angriff, den ein mörderisches Kanonenfeuer unterstützte, zum Wanken zu bringen, als der König, von einer Kugel in die rechte Seite getroffen, wie todt niedersank und ins Lager zurückgetragen werden musste. Augenblicklich ward die Verfolgung der schon weichenden Polen aufgegeben; denn alles glaubte den grossen König todt. Die Polen konnten dadurch ihre frühere Stellung wieder einnehmen, während sich die Schweden in düsterer Stimmung zurückzogen. 3 ) i) Kelcli, Geschichte der Kriege in den haltischen Provinzen p. 523. '-) Kelch, Geschichte der Kriege in den haltischen Provinzen p. 529. 3 ) Fryxell, Lehen Gustav Adolfs p. 61, 62. — 187 — Als der König im weiteren Verlauf des Krieges gegen die Polen bei einer Recog- noscirung von Falkenau ans gegen die von den Polen verschanzten Höhen am 11. September von überlegenen Kräften mit Verlusten zurückgedrängt wurde, gelang es erst dem rasch herbeieilenden Feldmarschall von Wrangel, die Polen aufzuhalten und nach und nach gegen die Schanzen wieder zurückzudrücken, und als der König später Verstärkung erhielt, wurden jene sogar genommen. Hatte man bisher allgemein dem schwedischen Fussvolk den Vorzug vor dem polnischen eingeräumt, so war man wiederum geneigt gewesen, die polnische Reiterei der schwedischen vorzuziehen. Nach der Schlacht von Dirschau trat aber auch hier ein umgekehrtes Verhältniss ein. Koniecpolski, dem es sehr wohl bewusst war, dass die Ueber- legenheit seiner Reiterei immer mehr und mehr schwand, vermied es daher, sich in ein Haupttreffen einzulassen und suchte den Schweden nur durch Hunger und Streifzüge zu schaden. Da beschloss Gustav Adolf tiefer ins Land einzudringen, theils um in den noch nicht verheerten Gegenden Unterkommen „für seine Leute zu finden, theils um die Polen in Schrecken zu setzen und Koniecpolski zu einer Schlacht zu zwingen. Am 8. August feierte das Heer einen allgemeinen Bettag und am Morgen darauf brach man auf. Die Schweden waren 15 000 Mann stark und wurden vom Könige selbst <ü angeführt. Unter ihm commandirten wiederum Hermann von Wrangel, A&ke vhn Tott, Banner, beide Thum, Didrich von Falkenberg, Teuffei, Soop, Ruthwen, Hepburn, Torsten- son, La Chapelle u. A. Man zog am östlichen Ufer der Weichsel entlang, während Koniecpolski mit den Polen den Weg an dem andern Ufer einschlug. Die Schweden eroberten Marienwerder, Neuenbürg, Egelsburg, nebst mehreren Schlössern und Ortschaften und machten bedeutende Beute; namentlich hatten die Streifzüge des Oberst der Söderman- landschen Reiterei, Zacharias Pauli, fast immer glücklichen Erfolg. Teuffei, Soop, Hepburn u. A. scharmützelten, ebenso wie der König selbst, beständig gegen den Feind. Als Gustav Adolf vor Graudenz lag, kam beständig Verstärkung. Der König von Dänemark hatte nämlich den Rheingrafen Otto Ludwig nebst dem Oberst von Baudiss mit ihren Truppen entlassen, die sich sämmtlicli nach Preussen begaben, um in Gustav Adolfs Dienste zu treten. Durch den Zuwachs ermuthigt, zogen die schwedischen Truppen sofort gegen die Stadt. Strasburg, die unter dem Befehle Lamontaignes stand und belagerten sie, bis sie sich am 25. September ergab. Durch fortgesetzte Streifzüge, den vollständigen Mangel an ordentlichen Vorräthen, sowie durch Krankheiten u. s. w., hatte das schwedische Heer erheblich gelitten und sah sich Gustav Adolf ungeachtet der Vorstellungen seines Schwagers veranlasst, den Truppen frühe und gute Winterquartiere in dem bisher vom Kriege verschonten Brandenburgischen zu geben. Teuffei und Thum wurden zu Befehlshabern in Strasburg ernannt, worauf der König am 30. September von dort ab die Küste entlang zog. Koniecpolski verfolgte ihn, und diesem sammt dem Irländer Oberst von Butler gelang es, bei Osterode Baudiss nebst einem Häuflein Reiter zu überraschen und gefangen zu nehmen. Nach diesem Vorfall ward der Krieg eingestellt und beide Heere bezogen die Winterquartiere. Ende October kehrte der König nach Schweden zurück und übertrug, wie gewöhnlich, den höchsten Befehl über das Land und das Heer Axel yerff Oxenstjerna. 24* — 188 — Auf Seite der Polen hatte sich Koniecpolski ebenfalls entfernt und den Oberbefehl dem Stanislaus Potocki übergeben. Dieser belagerte Strasburg und zwar mit nicht unwesentlicher Aussicht auf Erfolg, so dass, nachdem Thum einer Krankheit erlegen und Teuffei nach Elbing abgegangen war, der nunmehrige Befehlshaber Wildenstein bei Oxenstjerna um Entsetzungstruppen bitten musste. Unter Hermann von Wrangel, dem eine Anzahl der kräftigsten Unterbefehlshaber beigegeben war, wurden 8000 jVIann Schweden gesammelt, die am 25. Januar 1628 aufbrachen, den Weg nach Dollstadt, Saalfeld, Osterode und von dort an dem südlichen Ufer der Uribenz entlang nahmen, um in dem vom Kriege mehr verschont gebliebenen Michelavien Unterkommen zu finden. Dieser Zug der Schweden ward so eilig und so unvermuthet unternommen, dass der Feind nicht im stände war, seine ganze Macht zu sammeln. Mit dem, was er an Truppen hatte, setzte sich Potocki bei der kleinen Stadt Gorzno, x ) zwei Meilen vor Strasburg, fest. Hier hatten die Schweden einen schwierigen Durchgang zu passiren, dessen Yertheidigung die örtlichen Verhältnisse den Polen sehr erleichterten und den Uebergang über den Fluss erschwerten. Am 1. Februar 1628 kamen die schwedischen Truppen liier an; obgleich von Wrangel den Uebergang über den noch nicht ganz zugefrorenen Fluss für sehr gefährlich hielt, so veranlasste ihn doch der desfallsige Befehl des Königs und die in seinem Heere sich kundgebende ungemeine Kampflust, ein Gefecht zu wagen. Früh morgens am 2. Februar griffen die Schweden an. Teuffei commandirte das Centrum, Axel yon Lilje und Eamsey den einen, Ehrenreuter den anderen Flügel. Die Polen waren anfangs sehr vortheilhaft postirt, verliessen aber ihre Stellung beim ersten Angriff der Schweden und zogen sich weiter auf ihre Hauptstärke zurück, so dass die Schweden mit ihrer Artillerie und ihrem Train unbehindert über den Fluss kamen und sich des Passes bemächtigten. Auf der anderen Seite befand sich eine grosse Ebene, wo Potocki sein Heer in Schlachtordnung gestellt hatte, von Wrangel aber war hierauf gefasst gewesen und Potocki sah bald die Schweden in ebenso geordneter Schlachtordnung sich gegenüber stehen. Obgleich von Wrangel erst die Ankunft seiner noch zurückgebliebenen Reserve hatte abwarten wollen, geschah der Angriff doch durch Teuffels Heftigkeit schon früher. Es lag nämlich in der Nähe des Schlachtfeldes ein Dorf, dessen Besitz Teuffei für wichtig hielt. Er schickte deshalb einigös Fussvolk vor, um es einzunehmen; aber die Polen, welche die Bewegung bemerkten und deren Zweck begriffen, schickten alsbald eine Abtheilung Husaren dahin, um die Ausführung des schwedischen Planes zu verhindern. Infolge dieser Bewegung entstand ein lebhaftes Gefecht, das erst mit wechselndem Glück geführt wurde, bis endlich, nachdem die Schweden sich mit Ungestüm auf die mehrere Male zum Weichen gebrachte polnische Reiterei warfen, das polnische Heer in wilder Flucht das Schlachtfeld räumte, 1500 Todte auf dem Felde liess und 500 Gefangene, vier Kanonen und der ganze Tross in die Hände des Feindes fielen. Nun stand der Weg nach Strasburg offen, das auch schon am folgenden Tage mit frischen Truppen und Vorräthen versehen ward, worauf von Wrangel geradenwegs auf Thorn marschirte, um bei der ersten Ver- f) Ob dieses Gorzno das heutige Gnrzno oder Gronzawy ist, bleibt fraglich. Beide Orte — eine Meile von einander entfernt — liegen am Flussabschnitt und zwei Meilen von Strasburg. Die Terrainbeschreibung passt mehr auf Gronzawy. — 189 — wirrung im feindlichen Heere diesen wichtigen Ort zu nehmen. Dies wäre beinahe geglückt; denn in der Stadt befanden sich mir wenige Trappen und die Vorstädte und Aussenwerke wurden bald genommen. Aber bei der ersten Nachricht von der Niederlage bei Gorzno war der polnische Oberst von Dönhoff, der diesen Angriff voraussah, nach Thorn geeilt. Zwei Stunden vor den Schweden angekommen, stellte er sich sofort an die Spitze der Vertheidigungsanstalten. von Wrangel sah bald ein, dass nichts auszurichten sei, da er keinen Belagerungspark bei sich führte. Er steckte daher die Vorstädte in Brand, verheerte das Land und zog dann wieder in die Winterquartiere, so dass er am 13. Februar 1628 in Elbing eintraf. Gleich nach dem Treffen bei Gorzno schloss Oxenstjerna mit den Polen einen Waffenstillstand bis zum 1. Juni 1629 ab. Schon acht Tage vor Ablauf desselben war Gustav Adolf mit Verstärkung in Elbing angekommen. Er beabsichtigte in diesem Jahre den Krieg nach Deutschland zu verlegen und in Preussen nur vertheidigungsweise zu Werke zu gehen. Er hatte zu dem Ende eine bedeutende Anzahl Truppen mitgebracht. Das Erste, was ihm begegnete, war die Nachricht von dem Herannahen der kaiserlichen Hilfstruppen für die Polen. Nach einem mit Oxenstjerna gepflogenen Rath ward nun folgende Disposition getroffen. Torstensons und Rutliwens Regiment nebst einigen andern Truppen wurden bei Dirschau, eine andere Abtlieilung bei der Montauer Spitze und das Hauptheer unter Hermann von Wrangel bei Marienburg in stark befestigte, untereinander durch Brücken verbundene Lager gelegt. Hierdurch beherrschten die Schweden die ganze Weichsel, konnten die eigene Zufuhr erleichtern, die des Feindes verhindern und waren im stände, sich gegenseitig, wenn nöthig, zu Hilfe zu kommen. Zugleich erhielten auch verschiedene Regimenter in Livland Befehl, zum Ersatz herbeizueilen. Mitte Juni brach der König mit der Reiterei gegen Marienwerder auf. Nach dem ungünstigen Gefecht bei Stuhm zog sich Gustav Adolf mit seiner geschlagenen Reiterei hinter die Mauern Marienburgs zurück und verhielt sich ruhig innerhalb der Verschanzungen, welche König Sigismund verschiedene Male ohne Erfolg angriff. Als bald darauf Unterhandlungen mit dem polnischen König Sigismund begannen, die nach fünf Wochen zu dem Waffenstillstand von Stuhmsdorf 1 ) führten, war unser Feldmarschall von Wrangel mit Axel wh Oxenstjerna und Johann ym Bauer Bevollmächtigter. Der Waffenstillstand ward auf sechs Jahre abgeschlossen. Nach Eroberung der Stadt Elbing wurde der Feldmarschall Gouverneur dieses Ortes. Demnächst erhielt er den Ritterschlag und wurde zur Würde eines königlichen Reichsrathes erhoben. Als Gouverneur von Elbing operirte Feldmarschall von Wrangel noch im Jahre 1628 glücklich gegen den Feind, schlug bei Rador 3000 Polen in die Flucht, nahm ihnen 1000 Gefangene ab und eroberte nach einander fünf Städte. 1632 erfolgte seine Ernennung zum Gouverneur in Preussen. Um diese Zeit hätte der Kurfürst von Sachsen, als Arnheim verdächtigt wurde, Hermann von Wrangel sehr gern in seine Dienste genommen, allein dessen Monarch versagte seine Erlaubniss hierzu. i) Stuhm in der Altmark. Im Jahre 1633 finden wir sodann Hermann von Wränge 1 unter den schwedischen Reichsräthen, welche die Leiche des bei Lützen gefallenen Königs an der Küste der Ostsee in Empfang nehmen, um solche nach Schweden überzuführen. Die Leiche Gustav Adolfs war aus Sachsen (Weissenfeis) in einem grossartigen Trauerzuge nach Wolgast gebracht worden. Im dortigen Hafen lag Gyllenhjelm mit der schwedischen Flotte, welche den entseelten Körper des Königs nach dem Vaterlande zurücktragen sollte, bereit. Am Strande hatte sich eine grosse Menschenmenge zusammengefunden, auch eine Anzahl fürstlicher Personen war erschienen; unter ihnen die Königin- Wittwe Maria Eleonore nebst Bruder, Schwester und mehreren anderen Verwandten. Von den anwesenden Reichsräthen werden namentlich Hermann von Wrangel, Ake Tott, Johann Baner, Gabriel Oxenstjerna und Stern Bjelke genannt. Am 15. Juli wurde die Leiche in feierlichem Zuge aus der Stadt getragen, um von der harrenden Flotte aufgenommen zu werden. Am Gestade hielt noch Stern Bjelke eine tiefergreifende Rede, worin er daran erinnerte, wie der König vor drei Jahren an dieser Küste ans Land gestiegen sei, selbst voll Muth und froher Hoffnung, begleitet von des Vaterlandes Segenswünschen, empfangen von Deutschlands erwartungsvollen und segnenden Blicken. Nun sehe man dieselbe Flotte an derselben Küste und ungefähr um dieselbe Stunde; aber dieses Mal, um die Ueberreste des gefallenen Helden von dem trauernden Deutschland nach dem trauernden Vaterlande zu führen. Die Reise ging glücklich' von statten und am 8. August langte die Flotte in Nykjöping an. l ) Da der altmärkische Waffenstillstand zu Ende lief und Frankreich, England nebst Brandenburg auf einen Frieden oder längeren Waffenstillstand mit Polen drangen, so ward Hermann von Wrangel schon 1634 zum Bevollmächtigten in dieser Angelegenheit ernannt, die Unterhandlungen nahmen indess erst 1635 ihren Anfang. Am 2. December ward der Stuhmsdorfer Waffenstillstand auf 26 Jahre verlängert. Durch denselben erhielt Polen alles znrück, was Schweden bisher in Polen inne gehabt hatte. Ueber diese Abmachung war man in Schweden ungehalten. Der König Wladislaus suchte infolgedessen von Wrangel auf seine Seite zu ziehen, doch vergebens. Stolz auf seine Thaten und auf sein Ansehen, entzweite sich Hermann von Wrangel mit Johann Baner, was jedoch die Veranlassung war, dass er das Heer verliess und nach Hause reiste. Hier fasste er, ohne indess Erwiederung zu finden, Zuneigung zu Fräulein Margaretha von Stenbock. Da er zweifelte, dass sein Alter an der kühlen Haltung des Fräuleins schuld sein könne, vielmehr vermuthete, ihm stehe der dänische Gesandte Minister Kundsen im Wege, fasste er den Entschluss, demselben eine Lection zu er- theilen. Als von Wrangel vor dem Stockholmer Schloss dem Minister einst begegnete, wurde ersterer so erbittert, dass er seinen Stock auf Kundsens Kopf zerschlug und einem Trabanten das Schwert entriss, um seinen Nebenbuhler damit zu durchbohren, woran er indessen von Axel Baner verhindert wurde. !) Fryxell, a. a. 0. p. 309. — 191 Durch Hermanns That war das Völkerrecht in gröblichster Weise verletzt, allein Schweden war damals viel zu mächtig, um wegen dergleichen Sachen beunruhigt zu werden. Im Jahre 1636 befindet sich Hermann von Wrangel wieder im Felde. Ihm wurde von Graf Oxenstjerna eine eigene Armee zur Beobachtung des Oder-Stroms übergeben. von Wrangel sammelte hierzu bei Stettin ein neues Corps und nahm 3000 Mann aus Preussen zu demselben mit. Im Februar traf er bei Stettin ein und unternahm mit 3454 Mann einen raschen Angriff auf Löckenitz, das er nach kurzer Belagerung im März nahm. Nach vergeblicher Belagerung von Garz kehrte er nach Stettin zurück und sammelte hier sein Corps zur Deckung der neumärkischen und pommerschen Quartiere. Als Pommern, bis auf Garz und Schwedt, von den Verbündeten unter dem kaiserlichen General Mazini verlassen worden, concentrirte von Wrangel seine Truppen sofort zu Friedland unweit Treptow, entsandte den Generallieutenant von Vitzthum Anfang- September zu Baner und mit dem Rest seiner Truppen — nur 1850 Mann zu Pferde und 1400 Mann zu Fuss — begann er seine weiteren Unternehmungen, die sich zunächst auf Schwedt und Garz richteten. Den ersteren Ort hatte bereits am 23. September der kaiserliche Oberst Rostock verlassen, nur Garz war noch von Don Felix besetzt. Am 27. September langte von Wrangel hier an und beginnt aus zwei bis drei Batterien die Beschiessung. Capitulations - Verhandlungen scheiterten an den Bedingungen des kaiserlichen Obersten Don Felix und so wurde zum 30. in der Nacht das Bombardement, in verstärktem Grade fortgesetzt, wodurch der Commandant zur Uebergabe genötliigt ward. Er erhielt freien Abzug mit 200 ..Paggagy-Wägen■'. 1200 Mann wurden gefangen und zum Theil bei den Schweden untergesteckt. Hierdurch und durch die Nachricht vom Siege bei Wittstock ermuthigt, marschirt nun von Wrangel in die Mark, nicht allein um seinen Truppen bessere Quartiere zu verschaffen, sondern auch, um den Kurfürsten von Brandenburg, der nach Peitz geflohen war, mit Güte oder Gewalt für das schwedische Interesse zu gewinnen. Da seine Vermittejungs-Vorschlüge unberücksichtigt blieben, auch Drohungen fruchtlos waren, so verlegte er seine Quartiere nach Bernau, Freienwalde etc. und rückte in der Nacht zum 30. October in Blumenau — zwei Meilen von Berlin — mit dem grössten Theil seiner Truppen und 44 Geschützen ein, so dass die Ritterschaft endlich Anerbietungen machte. Am 31. October abends erscheint von Wrangel vor Berlins Thoren, besetzt es ohne Widerstand zu finden mit fünf Compagnien unter dem Oberstlieutenant Kallenbach und schliesst alle Tliore; nur ein Thor behalten die Berliner Stadtsoldaten besetzt. Nachdem der Stadt eine ziemlich starke Contribution auferlegt worden war, rückte von Wrangel vor Küstrin, hebt die Belagerung aber bald wieder auf und besetzt Frankfurt an der Oder. Er selbst nahm sein Hauptquartier in Cöpenick und entsendete gegen die nach Küstrin und Landsberg vorgegangenen feindlichen Abtheilungen mit Erfolg Streifparteien. Gleichzeitig schickte er kleine Abtheilungen bis Ostheim und Meiningen, die ebenfalls glückliche Gefechte bestanden. Wegen Mangel an Lebensmitteln musste indess die schwedische Besatzung die Mark wieder verlassen, von Wrangel vereinte nun Anfang December seine sämmtliclien — 192 — Truppen um Stettin, weil der brandenburgische General Christian von Flitzing mit einem rasch formirten Corps von 19 Regimentern ihn von Pommern abzuschneiden suchte, welches Vorhaben von Wrangel jedoch durch Eilmärsche vereitelte. Aus seinen Winterquartieren entsendete von Wrangel verschiedene Streifcorps, darunter den General von Vitzthum, nach Landsberg und Küstrin. Diese Orte werden besetzt, Driesen kann jedoch nicht genommen werden. Ferner erhielt der schwedische Gesandte Steno von Bielke 1637 Befehl, mit einem weiteren Streifcorps nach Boitzenburg in der Ukermark zu gehen, um den sächsischen Generallieutenant Arnheim (von Arnim) auf seinem dortigen Gute gefangen zu nehmen, was auch gelang. Der Gefangene wurde nach Schweden geschickt. Wegen des unglücklichen Zustandes der bei Leipzig stehenden Armee des Feldmarschalls Baner verlegte von Wrangel im März das Hauptquartier nach Landsberg a. W., vertheilte sein 9000 Mann starkes Heer aufwärts gegen Ziilch 1 ) bis zehn Meilen nach Schlesien hinein, liess von Küstrin alle Zufuhr abschneiden und die Brücken abbrennen, weil den Schweden von diesem Orte viel Schaden gethan worden war. Auch liess er Gross-Glogau nehmen und besetzen. Im Juni zog sich von Wrangel wieder über Arnswalde nach Schwedt zurück, vereinigte sich am 3. (13.) Juli bei Neustadt mit Bauer und liess am folgenden Tage auch sein Hauptcoi-ps zu demselben stossen. Sodann wurde nach Vorpommern dislo- cirt, wo von Wrangel sein Hauptquartier in Anclam aufschlug und die Peene besetzte. Später setzte er sich in Loitz fest. Es folgt nun ein vielfaches Umhermarschiren der getrennten Corps; infolge dessen die beträchtlich schwächeren Schweden immer mehr gegen Stettin und Stralsund zurückgedrängt werden. Im Pass von Tribsees war am 24. October das Vitzthumsche Corps von Gallas überfallen worden, von Wrangel fand nun Ende October Veranlassung, in Anbetracht der erheblichen Ueberzahl der Feinde, sich in die festen Plätze zu werfen. Seine Reiterei entsandte er auf die Insel Usedom, das übrige Fussvolk nach Wolgast, Anklam und Greifswald; er selbst begab sich nach Stralsund, welches erst nach langen Unterhandlungen ihm mit einem Regiment den Einlass gewährte. Sein Sohn Carl Gustav (6) übernahm die Verteidigung von Greifswald. Obgleich die schwedische Armee, wolil durch die mangelhafte Sorgfalt der eigenen Regierung, sehr zusammengeschmolzen und in einen schlimmen Zustand versetzt rvar, so schrieb unser Feldmarschall von Wrangel die vielen Misserfolge der Waffen doch mehr dem Verhalten des Generals Bauer zu, wodurch das Verhältniss zwischen diesen beiden Feldherren, welches schon ein schlechtes war, sich noch schlimmer gestaltete, so dass von Wrangel schliesslich um seine Abberufung aus Deutschland bat, indem er anführt: ..seines Alters und seiner vielen Wunden wegen". Diesen nachgesuchten Abschied erhielt er nun auch den 6. April 1638, worauf er nach Schweden ging und sich meistenteils im Skokloster aufhielt. Von hier aus führte !) Züllichau. 193 — er einen sehr lebhaften und höchst interessanten Briefwechsel mit seinem Sohne Carl Gustav, der bei der Armee verblieben war.') Nach Bauers Tode sollten entweder Hermann von Wrangel oder Graf de la Gardie 1641 das General-Commando über Schwedens Heere in Deutschland erhalten; beide lehnten jedoch dasselbe wegen ihres hohen Alters ab, ersterer übernahm aber dennoch nach Bengt Oxenstjernas Tode 1642 das General-Gouvernement in Livland, welchem Amte auch nur ein erfahrener Mann wie von Wrangel gewachsen war, namentlich in einer Zeit, wo man weder dem Kaiser noch dem Zaren, noch den Polen traute. Am 31. August 1643 kam der neuernannte General-Gouverneur von Livland zu Schiffe in Dünamünde an und hielt am 3. September seinen Einzug in Riga, wo ihm ein höchst ehrenvoller Empfang zu theil wurde, welchen uns sein Chronist Helms in folgender Weise schildert: „Er ritt die neue Sandpforte ein, die Sandstrasse hin vors Rathhaus, da er Einen Erbaren Rath fand stehend. Er stieg nebst, seinem Sohne vom Pferde, gab jeder Rathsperson die Hand, zog Schulpforte aus längst der Düna nach dem Schloss, worauf man das Geschütz lösete. Darauf sandte ihm der Rath zum Willkommen zwei schöne Marzipanen, einen grossen Korb voll Citronen und Pomeranzen, zwei Körbe mit Bocklis, einen grossen Korb mit Grembrodt und einen mit Weissbrodt, zwei Tonnen Wein, einen abgeschlachteten Ochsen, drei Kälber und drei Schafe." 2 ) Hermann von Wrangel war es indess nicht lange vergönnt, zum Segen seines engeren Vaterlandes durch Verwaltung desselben zu wirken, denn schon nach einem Aufenthalte von 14 Wochen und einem Tag in Riga wurde er in der Nacht des 11. Decem- ber durch den Tod abgerufen. Die Leiche wurde in der Jacobi-Kirche zu Riga, in welcher auch zu ehrendem Andenken an den verblichenen General-Gouverneur dessen Wappen aufgehängt wurde, 3 ) aufgebahrt, bis sie am 30. Juni 1644 nach dem Schlosse und drei Tage darauf von dort aus nach Schweden gebracht wurde. Gleich nach Hermanns Tode wurden acht Tage lang sämmtliche Glocken der Stadt in der Zeit von 12 bis 1 Uhr geläutet. Die Ueberführung der Leiche erfolgte sodann unter stattlichem Trauer gepränge. Auch über dieses giebt uns der bereits erwähnte Helms ausführliche Beschreibung, indem er erzählt: „Am 30. Juni 1644 ward von den Kanzeln abgekündigt, dass der selige General (ohne Zweifel von Wrangel) den 3. Juli sollte vom Schloss zu Schiff gebracht werden und die Bürger gebeten, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Den 3. Juli war des General-Gouverneurs von Wrangel Begleitung in die Jacobi- Pforte eingeritten in die Domkirche mit folgendem Zuge. Em halbes Regiment Soldaten, die Schüler zwischen den Soldaten, die Prädikanten, vier Trompeter, der Ritterschafts- i) Viele Originalbriefe befinden sich in der Bibliothek jenes Schlosses Sko. Wörtlicher Bericht von Helms im Gadebusch Bd. 10 Fol. 735. Die Umständlichkeit, mit welcher Helms in seiner Chronik von Riga erzählt, zeigt,, dass er alles mit angesehen hat. 3 ) Das Wappenschild befand sich noch zu Brotzes Zeiten in der Kirche, ist jedoch jetzt (1886) nicht mehr vorhanden: Berkholz, Prediger, Beitr. über die Gesch. der Kirchen und Prediger in Riga. •25 Hauptmann Otto von Mengden ging allein. Ein Reiter auf einem braunen Pferde in vergoldetem Harnisch, blossem Schwert, schönen Plumagen auf des Mannes und Pferdes Haupt, ein Pferd mit schwarzem Sammet. Zwei grosse schöne Fähnlein, drei Personen mit sammetnen Kissen, auf dem mittelsten ein Sturmhut, auf dem zur Rechten ein blosses Schwert, zur Linken ein Commandostöckchen. Das adlige Wappen an einer Stange auf Kupfer. Der Sarg mit schwarzem Want (Wollenzeug) bedeckt, von livländischen Edelleuten getragen, 24 trugen und 24 gingen zum Ablösen daneben. Auf jeder Seite des Sarges wurden acht Reuterfähnlein getragen. Ihm folgte seines kurz vor ihm verstorbenen Söhnleins Sarg, mit schwarzem Tuch bedeckt und von acht Personen getragen. Ein Trauerpferd, zwei Trauerfahnen, ein Trauerpferd mit einem weissen Kreuz. Ein Söhnlein des seligen Herrn von zAvei Edelleuten geleitet, ein Söhnlein, das getragen wurde. Des Seligen Sohn und des Seligen Bruder, Herr Oberster von Wrangel, zwei Paar nahe Blutsverwandten. Der jetzige General-Gouverneur (Erich Rttning) allein. Der Herr Burggraf Harm. Meiners zwischen dem Herren Kriegs-Cöjnmissario Mengden und einem Oberst. Der Rath, die Aeltesten und Bürger. Die Gräfin, des . Seligen Wittwe, wurde vom Generalmajor Stenbock und von dem Stadt-Gaubernator Andreas Erichson geleitet; dem folgten andere mehr (vielleicht Frauen). Die Leichenpredigt hielt der Oberpastor M. Johannes de Grave, dann wurde schön „discantirt" und die Leiche nachher zur Neupforte hinaus ins Schiff gebracht. Von den Wällen und dem Schiff, auch von einem Regiment Musketiere wurde längst der Düne geschossen." Neben seinen vielen Aemtern und Heerzügen hat sich der Feldmarschall auch vielen Bauten auf seinen Gütern und Höfen, die wir noch mittheilen werden, gewidmet. So hat er sich in den Jahren 1620 bis 1624 die Sko-Kirche sowie das nördlich vom Schloss stehende steinernde Gebäude bauen und in der Kirche nahe dem Schloss für sich ein eigenes Gewölbe einrichten lassen. Nach seiner Beisetzung in diesem Gewölbe liess ihm sein Sohn Carl Gustav von Wrangel (6) ein würdiges und kunstvolles Denkmal errichten. Auf einem Sarkophag von Porphyr, reich geziert mit sinnreichen Sculpturen und Emblemen religiösen Charakters, liegt in getreuer Nachbildung der Feldmarschall in carrarischem Marmor gemeisselt. Gehen wir nun noch näher auf dieses Schloss nebst Zubehör ein. Die jetzige Kirche und ein paar Steinhäuser, das Schloss in der Stadt — jetzt das königliche Schloss — und einige Lehen in Sko sind des Feldmarschalls Hermann von Wrangel Werk. Als er sein Wohnhaus — die noch jetzt in gutem Stande befindliche, nahe dem Schloss belegene Inspector-Wohnung — gebaut hatte, lud er seinen Sohn Carl Gustav ein, herauszukommen, damit es dieser bewundere. Carl Gustav lachte und sagte: „Wenn ich erst Herr zu Sko bin, werde ich ein Schloss erbauen, so gross, dass dasjenige meines lieben Vaters ganz dagegen verschwinden solle," was den Greis so empörte, dass er niemals wieder Söhne einlud. 1 ) i) Nach anderen Berichten soll er darob dein Sohne eine Ohrfeige gegeben haben. 195 — Carl Gustav hat indess, wie wir später sehen werden, Wort gehalten, denn jetzt bemerkt man kaum des Vaters Haus, da es halb von Riesenbäumen verdeckt ist; aber der Palast von Carl Gustav ragt hoch über die Kronen der Bäume und fesselt das Auge des Beschauers. Das Sko-Kloster am Mälar-See war die erste grosse Erwerbung des Fehlmarschalls. Dasselbe war von dem Verräther Christoffer Some eingezogen worden, und am 7. August 1611 wurde der Rittmeister Hermann von Wrangel von König Carl IX. von Schweden damit belehnt. Am 8. Januar 1612 bestätigte Gustav Adolf dem Hermann, zur Zeit Rittmeister der königlichen Leibwache, das Sko-Gärd. 1 ) In dem Schlosse Sko sind eine Menge Kunstschätze, Waffen, Fahnen, Rüstungen, eine sehr reichhaltige Bibliothek in dazu besonders eingerichteten Sälen, sowie auch mehrere, die Familie von Wrangel betreffende Portraits vorhanden, wie das von Hermann, seinen drei Gemahlinnen und noch anderen Familienmitgliedern. Ausser diesen Portraits befinden sich auch noch solche über den Feldmarschall Hermann zu Säby in Södermanland im Aspö-soken, denselben in ganzer Figur darstellend, ferner ein Kniestück von demselben, desgleichen ein kleines Bild mit Tusche auf Pergament gezeichnet, ihn als Leiche in seiner Rüstung darstellend, endlich ein kleiner Kupferstich, seine zweite Gemahlin darstellend. Betrachten wir nun noch das Privatleben des Feldmarschalls Hermann von Wrangel und fügen noch seine Erwerbung von Gütern hinzu. Im Jahre 1604 befindet er sich in dem grossen Spruchgericht als Reichsrath zu Stockholm, in welchem der damals berüchtigte Hochverraths-Prozess gegen den Feldmarschall Moritz von Wrangel (XIII 6) verhandelt ward. Im December 1617 verlieh König Gustav Adolf an Hermann von Wrangel auf „Lebtags-Rechte" Tolsburg 2 ) und am 14. Juli 1623 verkaufte er an von Wrangel zu Allo und Sko-Kloster die Krongüter im Gebiete Narwa: Wöbsküll, Karropal und das halbe Dorf Waywer und verlieh ihm dieselben für seine treuen Dienste und weil er zu Kriegsbedürfnissen 2500 Rubel Vorschuss geleistet. 3 ) Im Jahre 1623 finden wir Hermann im erblichen Besitz von Wallküll in Harrien, und 1627 legte er neun Haken aus dem Dorfe zur Hoflage. l ) Nach Wiederherstellung der schwedischen Herrschaft in Livland schenkte 1623 Gustav Adolf dem Feldmarschall Oberpahlen mit dem dazu gehörigen Gebiet von 111 Haken und anderen Gütern. Am 1. September 1631 verkaufte Hermann von Wrangel — damals bereits im Besitze des Hofes Lerichholm (Lärjeholm) — an Hans von Fock für 3000 Reichsthaler sein vätei'liches Erbgut Padis-Hof (Paatz) sammt dem Dorfe Padis nebst der Mühlenstelle, das Dorf Oigema, drei Haken Land und Kuru am Strande gelegen mit einem Haken Land nebst Hof und Gut. Ferner finden wir ihn schon im October desselben Jahres auf Lergö erbgesessen, wo er als Vormund seines Pflegekindes, der Tochter des verstorbenen Oberst Hans von Wrangel (III 34) wegen eines im tolsburgschen Gebiet und ampelschen !) Upl. Sko-Kloster 15. 16; Reg. im esthländ. Ritterscliafts-Archiv in Stockholm. 2 ) Enkel Hartraann, Wirland p. 56. 3 ) Altes Oberlandesgericlits-Archiv in Reval: Rnsswurm, Material. 4 ) Enkel Hartmann, Händen. 196 — Kirchspiel gelegenen Dorfes Neho mit der Wittwe des Commissarius Adam von Schrapfer zn Alpa sich im Streit befindet, indem Hermann auf dasselbe Anspruch erhob, weil es im Gebiete des Hauses Tolsburg lag, und solches nebst anderen Dörfern und Ländern von der Königin seinem verstorbeilen Vater Hans von Wrangel im Jahre 1625 erb- und eigenthiimlich geschenkt und verbrieft worden. Die Wittwe von Schrapfer wandte dagegen ein, dass letzterer dieses Dorf niemals pfandweise besessen, sondern solches 1615 von Anna Wekebrod, der Tochter des Ernst Wekebrod, als ein Erbdorf erhandelt habe. Wekebrod hatte Neho, welches nur vier Haken umfasst, 1599 von Georg von Boyen für sein Erbdorf Potzigk eingetauscht. Da die Wittwe alle Papiere und Briefe vorzeigte, so konnte Hermann von Wrangel in der Gerichtssitzung am 30. October nichts für sein Pflegekind ausrichten. Am 17. August 1624 verkaufte die Wittwe des Joachim Hindrich von Kahlen - wieder vermählt an Eromhold Leps — Dorf Sottkiill in Esthland, Wasahof oder Kuropall mit der Krugstelle Sillemeggi für 1500 Reichsthaler an Hermann von Wrangel. Aus eigenen Mitteln erstand der Feldmarschall Edottsocke, das steinerne Haus in Gothesburg und löste mit 2000 Reichsthalern ein Haus in der kleinen Bergstrasse (nach dem Schlossgraben) in Stockholm von den Geschwistern seiner Mutter ein. Vom Oberst Jorgen Könnige kaufte er erblich den Hof Beurbeholm in Westergöt- land; ferner aus seinen baaren Mitteln seiner dritten Ehegattin den Hof Svinesund. Durch väterliche Erbschaft fiel ihm das Haus auf dem Dom zu Reval zu. In Stockholm liess er ferner ein steinernes Haus am Schlossgraben und Norderstrom mit dem Eingang von dem Norder-Halfen in der kleinen Berggasse mit den Fenstern nach der grossen Kirche erbauen. Die Güter in Livland hatte der Feldmarschall theils mit eigenen baaren Mitteln, theils „mit schwerem Dienst und Verwundung" erworben. Es gehörten hierzu das Amtshaus Odenpä mit 22 Haken vor Wrangelshof im Gebiete Dorpat, welches er vom Reichskanzler Oxenstjerna für Wohlfahrt oder Hovebshof eingetauscht. Ferner Salahof an der Narowa, Carowina in Ingermanland, welche er von Bogislav von Rosen für 2000 Thaler als Pfand genommen. Die Starostei Oberpahlen in Livland erwarb Hermann von Wrangel „ durch den Degen" und ererbte Wallküll in Livland, Boglösa in Schweden, sowie endlich mütterlicherseits das Gut Rostorf in Smäland bei Jönköping. Nach allen diesen Erwerbungen schrieb er sich in Dokumenten, Urkunden etc.: „Herr zu Lärjeholm, Svinesund, Sko-Kloster, Ober-Palen, Boglösa, Ludenliof, Lindeberg, Wallküll. Odenpä, Hagebyholm, Björnboholm, Brandstorp. Gransbo." Bei seinem Tode hatte Hermann von Wrangel noch Forderungen, welche aus seinen verschiedenen Dienststellungen herrührten, an die Krone Schwedens zu machen: Aus den livländischen Diensten her 14000 Thaler, aus den preussischen 18000 Thaler und aus den pommerschen Diensten noch 21000 Thaler. Neben seinen hervorragenden militärischen Eigenschaften soll Hermann von Wrangel aber auch einen rasch aufbrausenden leidenschaftlichen Charakter gehabt 197 1 iahen, wovon mehrfache Thatsachen in seinem Lehen Zengniss ablegen.') wie das schon mitgetheilte Kencontre mit dem damaligen (1630) dänischen Gesandten in Stockholm. o Ein anderes Mal hatte er ein Dnell mit Ake Tott. welches indessen dadurch unterbrochen wurde, dass ein Scharfrichter mit dem Befehl des Königs eintraf, denjenigen der Herren hinzurichten, welcher beim Zweikampf den Sieg davontrage. Am 25. Januar 1643 schrieb der Feldmarschall zu Stockholm sein Testament, welches seiner Klarheit, Religiosität und Bestimmtheit, sowie seiner Gründlichkeit wegen als ein Muster hingestellt werden kann. -) Der Feldmarschall Hermann von Wrangel war dreimal verheirathet: 1. Laut Morgengabe-Brief in Stockholm den 1. December 1612 mit Freiin Margarethe von Grip, Tochter des Reichsraths .und General-Kriegs-Obersten Freiherrn Moritz Birgersson von Grip auf Vinäs und Tärna und der Gräfin Edla Leijenlmfvnd; geboren 1586, gestorben 1624. Sie stammte väterlicherseits von dem reichen und mächtigen Bo Jorsson von Grip und mütterlicherseits von der Schwester Gustav Wasas ab. Von ihrem Ehemanne erhielt sie als Morgengabe das Lehn- und Erbgut Sko-Kloster, wogegen sie ihm das Gut Lärjeholm in Westergötland und Windo in Smäland gab. 2. Laut Morgengabe-Brief in Säby vom 18. Februar 1626 mit Catliarina von Gyl- lenstjerna, Tochter des Assessors Carl Ericson von Gyllenstjerna zu Nynäs. Arstadt, Limared, Rössberg, Svaneholm und Anna von Ribbing. Sie erhielt von ihrem Ehegatten das Lehen Brandesdorf mit Bransboda und Dunäse und starb vor dem 16. April 1634. 3. Am 28. April 1636 schloss er in dem fürstlichen Residenzschloss zu Stettin mit Amalie Magdalena, Gräfin zu Nassau, einen Heiraths-Contract, welcher nach Hermanns Heimkunft in Stockholm am 25. December 1640 die königliche Confirmation erhielt. Sie war die Tochter des Grafen Johann von Nassau-Vianden, Katzenellnbogen und Dietz, Herrn auf Willenberg und der Prinzessin Margarethe von Holstein, des Herzogs Johann Tochter, und war am 2. September 1613 geboren. 1649 vermählte sie sich zu Stockholm wieder mit dem regierenden Pfalzgrafen Christian August zu Sulzbach. Sie verstarb 1669. Hermann setzte dieser Gemahlin ein Leibgedinge in Schweden und den Hof Wallküll in Livland aus und erbaute für sie ein Vorwerk auf dem Hofe Hayby, wozu vier Bauern in Schobolandt gehörten. Bei der Heimführung seiner dritten Gemahlin trat der Feldmarschall seinen Söhnen ihr Mütterliches nach einer in Stockholm am 25. August 1638 vollzogenen Theilung ab. Diesen drei Ehen waren' folgende Kinder entsprossen: der ersten Ehe: Carl Gustav (6), Johann Moritz (7); der zweiten Ehe: Adolf Hermann (8, VIA 1); der dritten Ehe: Heinrich Wilhelm (9), Johann Friedrich (11), Weimar Hermann (12), Heinrich Wilhelm (14) und die drei Töchter: 1. Maria Christiane (10), geboren den 28. August 1638, vermählte sich 1657 mit dem Reichsfeldzeugmeister und schwedischen Generallieutenant Graf Conrad Christoffer von Königsmarck auf Westerwick, 'Stegeholm, Rotenburg, Neuhaus (geboren 1634; fällt 1673 vor Bonn). Sie lebte mit ihrem Gemahl unglücklich; f) Nach Löweiiliaupts Angaben. 2 ) Abschrift im esthl. Rittersch.-Arcliiv in Reval. 198 — am 17. December 1691 starb sie und wurde laut einer Gedicht-Grabinschrift von Ph. 0. Widmau am 5. Jnli 1692 in der Ridderliolms-Kirche in Stockholm beigesetzt. 1 ) Sie war die Mutter der Aurora Maria Königsmarck, Pröpstin von Quedlinburg, einer berühmten Schönheit, welche bei dem König August II. von Polen, Kurfürsten zu Sachsen, in hohen Ehren stand und ihm dem berühmten Feldherrn „Moritz von Sachsen" gebar. Maria Christiane und ihre beiden Schwestern (13 und 15) hatten 1681 einen Prozess mit der Gräfin Christina Wasaborg wegen des Nachlasses ihres Bruders, des Generallieutenants Wolmar von Wrangel (12), und baten den König Carl XI. um seinen Beistand. Dieser befahl denn auch unter dem 31. August 1681 d. d. Kongföhr, dass der Gräfin Königsmarck behilflich beigestanden werden soll. 2 ) 2. Margarethe Barbara (13), geboren 1642, lebte noch 1707 in Sko und starb unverheirathet. Ihr Portrait befindet sich in Sko. Wie hoch sie bei Hofe angesehen war, geht aus einer Aeusserung des Königs Carl bei ihrem Tode hervor, indem er letzteren nicht nur bedauerte, sondern auch bei demselben die gnädigen Worte sagte: „Sie war lustig und munter, aber, da sie sowohl als Graf Johann gestorben, so müssen wir viele gemiithliche Stunden entbehren". Dieser Graf Johann war Graf Stenbock, welcher, nach dem Bericht des französischen Botschafters, eine ernste stille Neigung zu diesem ausgezeichneten und einflussreichen Hoffräulein gefasst hatte und ihretwillen die Hand der Tochter des Herzogs Adolf Johann, der Pfalzgräfin Catharina, ausgeschlagen habe und ledig geblieben sei. Margarethe Barbara von Wrangel machte den 18. März 1706 ihr Testament, welches von grosser Frömmigkeit und Duldsamkeit zeugt. Sie wünschte ebenfalls in der Sko-Kirche, wo ihr Vater und Bruder liegen, beigesetzt zu werden und testirte zu dem Zwecke, dass zum Unterhalt des Grabes 1000 Thaler bestimmt würden, welche der Patron der Kirche, Graf Abraham Brahe, zu verwalten habe, neben dem Grafen Gustav Bonde und dem Pfarrer und Vorsteher der deutschen Gemeinde in Stockholm. Ausserdem vermachte sie der Sko-Gemeinde-Kirche 1000 Thaler für ein neues Dach von Blech und übertrug die Verwaltung dieser Summe ebenfalls dem genannten Grafen Brahe. „Gleich nach ihrem Tode sollen diese Legatbestimmungen ins Kirchenbuch eingetragen werden und ein Extrakt davon ist dem Pfarrer und Vorsteher der deutschen Gemeinde in Stockholm zu übergeben, damit niemand sich unterstehen dürfe, ihren Willen in dieser Angelegenheit, in dieser Hinsicht zu ändern. Die Zinsen von den gegebenen Capitalien sollen jährlich in Anspruch genommen werden, wenn eine Reparatur der Gräber nothwendig ist, widrigenfalls soll dieses Zins zum Capital geschlagen werden, das Grund-Capital 1) Hupel. Tab. XI. 2) Aus dem Archiv der ehemaligen Riga-AVerdenschen Oeconomie-Verwaltung: Livl. Ritterseh.-Arcliiv. 199 — soll für alle Zeiten fest stehen bleiben, in der Reichsbank sicher niedergelegt und nicht gerührt werden, von wem es auch sei." Nachdem ihr Leichnam in dem bestimmten Grabe beigesetzt worden, so bestimmt Margarethe Barbara von Wrangel weiter, ,.dass das Grab demnächst eingemauert werde, damit die verstorbenen Körper weder jetzt noch in der Zukunft in irgend einer Weise berührt werden könnten." ') 3. Elisabeth Dorothea (15), geboren 1644, vermählte sich 1665 mit dem Landrath in Esthland, Otto Baron von Scheidingen auf Kegel, Jacowall, Wallinge und Leholm; geboren 1637, gestorben 1714. Zu ihrer Taufe lud die Wittwe- Mutter den Rath zu Riga als Pathen ein. Da derselbe behindert war, an der Taufhandlung tlieil zu nehmen, so sandte er Herrn Engelbrecht von Mengden nach Oberpahlen, wo die Taufe stattfinden sollte. 2 ) Nach dem Testament des Vaters, des Feldmarschalls Hermann von Wrangel, erbte: 1. Carl Gustav (6) das Lehn- und Erbgut Sko-Kloster, Erbgut Rostorf in Smäland bei Jönköping, das neuaufgebaute Haus an der Norderhocken auf der AVester- langgasse in Stockholm. 2. Johann Moritz (7) bekam das Gut Lerichliolm in Wester- gotland, und Wiedo in Smäland und Edottsocke, das steinerne Haus in Gotesburg. 3. Adolf Hermann (8) erbte Brandesdorf mit Bransboda und Dunäse, Haus in der kleinen Berggasse am Schlossgarten in Stockholm. 4. Seine dritte Gemahlin geborene Gräfin Nassau erbte ein Leibgedinge in Gransbo in Schweden und ein Leibgedinge Oberpahlen in Livland. 5. Heinrich Wilhelm (9) erhielt den Hof Beurbeholm in Westergotland. 6. Johann Friedrich (11) ward mit Svinesund, mit Her Bauern in Schoboland und Vorwerk Hayby, abgefunden. 7. Wolmar Hermann (12) sollte bei der Mutter Zeit ihres Lebens bleiben und erhält nach deren Tode Hof Boglösa. 8. Die beiden Töchter Maria Christiane und Margarethe Barbara (10 und 13) erhielten von den Brüdern Geldabfindung. 9. Die Gemahlin Gräfin Nassau erhielt das neue Haus am Schlossgraben und Norderstrom in Stockholm mit dem Beding, dass es im Wrangelsehen Geschlecht erhalten bleiben soll; ferner die Starostei Oberpahlen, Walküll, Haus in Reval auf dem Dom. 10. Adolf Hermann (8) bekam Carowina in Ingermanland und 11. Johann Moritz (7) Gut Wasa- hof an der Narva. 12. Schliesslich erhielt noch Carl Gustav (6) für die Folge das Amtshaus Odenpä vor Wrangeishof im dorpatschen Gebiet. Aber auch die Kinder seiner dritten Ehe bedachte Hermann von Wrangel in seinem Testamente, indem er denselben die in Vorpommern belegenen, ihm dotirten Güter Neuen-Vorwerk (später und noch heute Wrangeisburg genannt), Gross-Ernsdorf und Span- dowerhagen vermachte. Der Vormund und Vaterbruder dieser Kinder, der esthländische Landrath und Oberst Hans von Wrangel (5), vertauschte diese Güter indess an den ältesten Bruder seiner Mündel, den Grafen Carl Gustav von Wrangel zu Salmis, gegen dessen in Livland belegene Güter Wrangeishof und Odenpä. i) Uplands Schlösser von Ivlingspor und Schlägel Bd. 1. -) Mitthoiluiigen der liistor. Gesellschaft in Dorpat. 200 — Am 12. März 1653, d. d. Stockholm, bestätigte die Königin Christine „Ihrem und der Reiche Schweden Rath, Feldmarschall lind Reichs-Vice-Admiral, auch besonders lieben und getreuen Herrn, Carl Gustav von Wrangel, Grafen auf Salmis, Herr zu etc." diesen Tausch. Wrangeisburg, früher Vorwerk, auch Neuen-Vorwerk genannt, war am 14. Mai 1625 mit dem Gute Mellenthin aus dem Besitz des Christof von Neuenkirchen in den der Familie von Carnitz gekommen. Am 28. Januar 1629 wird das Gut durch Neuenkirchens Vermittelung dem Feldmarschall Hans Georg von Arnim (Arnheim) auf Boitzenburg als Lehen verschrieben und den 20. October 1629 als wirkliches Eigenthum übergeben. Da nun Arnim sich den Schweden feindlich zeigte, so hatte ihn Hermann von Wrangel auf Befehl seiner Regierung 1637 durch Steno Bielke in Boitzenburg arretiren und nach Schweden schicken lassen. Der Gefangene entkam aber schon 1638 von dort und übernahm sofort ein Commando in der kaiserlichen Armee. Daraufhin confiscirte die Königin Christine dessen in Pommern gelegene Güter und gab selbige dem Feldmarschall Hermann dem Jüngern von Wrangel zu Lehen, durchweichen die beiden Güter Vorwerk und Mellenthin den Namen „Wrangelsburg" erhielten. Nach dem Tode des Feldmarschalls Johann Georg von Arnim haben dessen Nachkommen sich sehr bemüht, wieder in den Besitz dieser Güter zu gelangen. Es existirt auch hierüber ein weitläufiges Document vom 24. Januar 1645, durch welches Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg der von Arnimsclien Familie verspricht, „gegen gewisse anderweitige Geldarrangements diese Güter ihr wieder zu übergeben, sobald er in den Besitz dieser Theile Pommerns gelangen würde". — Trotzdem ist die Familie von Arnim niemals in den faktischen Besitz von Wrangelsburg gekommen, vielmehr hat der königlich preussische Generalfeldmarschall von Arnim im Jahre 1716 bei dem pommerscheu Kriege sich mit dem damaligen Besitzer von Wrangelsburg, einem Baron Müller von der Lühnen, verglichen und von demselben eine Abfindung von 10 000 Thalern angenommen, worauf er weiteren Ansprüchen entsagte. Um die Verdienste des verstorbenen Feldmarschalls Hermann des Jüngeren von Wrangel zu belohnen und solches auch auf seine Nachkommen zu übertragen, wurden seine genannten Kinder, als Johann Moritz (7), Adolf Hermann (8), Johann Friedrich (11), Wolmar Hermann (12), Heinrich Wilhelm (14), sowie deren Schwestern Maria Christiane (10), Margarethe Barbara (13) und Elisabeth Dorothea (15) von der Königin Christine am 21. März 1654 in den Freiherrenstand erhoben und noch in demselben Jahre unter Nr. 41 in Schweden introducirt. Sie schrieben sich darnach Freiherren respective Freiinnen von Wrangel zu Lindeberg. ti. Carl Gustav von Wrangel, Graf zu Salmis, Freiherr zu Lindeberg und Ludenhof, Sohn von Hermann (2), gehört zu den hervorragendsten, thatenreichsten und verdienstvollsten Mitgliedern der Familie von Wrangel, welche zu den gewiss seltenen Familien gehöi't, in denen Vater und Sohn und des ersteren Onkel als Soldaten die höchsten Stellungen bekleideten, die überhaupt in Armeen erreicht werden können; denn wir werden aus den folgenden Blättern ersehen, dass auch diesem Carl Gustav von Wrangel JV. Pirna JcuipsiC rrss tri St/hii/zb'uniA, fibcr Raro in Linc/es^erv.cfrrLuJtnJio^, Dt rn JLi&jW, Br£iför&, Wrarpebburgh , Spu/ctr. rtGrtfaicrp )o>ntnus rr.x* { - — v -i-'vVt ■ Wl-^T' STR'M 0 :ReemorSuecifcSenatorAiarschfgenei^Cxibertiator in |V Ppmerania,Pra?ses Regal CoUenij militaris,nec non fupremrlegirer sfcfej Uubuidi-ar ut et Acactemi« Gripsuialdensis Canceilan.us, Wik Carl Gustav yoü Wrangel, Graf zu Salmis, königlich schwedischer Feldmarschall und Yice-Admiral. vi 6. 201 die höchste militärische Charge eines Feldmarschalls ertheilt und er sogar zum Reichs- feldherrn und Reichs-Vice-Admiral ernannt wurde. Carl Gustav von Wrangel ward am 13. December 1613 zu Sko geboren und 1623 in das Collegium zu Skytti in Stockholm gebracht. 1627 folgte er seinem Vater in den Krieg nach Preussen, wurde 1629 zum Kammerjunker des Königs Gustav Adolf ernannt und gleichzeitig als Cornet heim Leib-Regiment der vielbewährten finnländischen Reiterei eingestellt. 1630 Rittmeister, 1633 Oberstlieutenant, 1636 Oberst vom Leib- Regiment, wurde er schon 1638 unter seinem Vater Generalmajor der Cavallerie. 1644 beförderte man ihn zum Admiral von der Flotte, 1645 zum Reichszeugmeister, worauf 1646 seine Ernennung zum Reichsrath, Feldmarschall und commandirenden General der Armee in Deutschland erfolgte. 1648 wurde er General-Gouverneur in Pommern und Kanzler der Akademie in Greifswald. Am 26. März 1651 erhob die Königin von Schweden unsern Carl Gustav von Wrangel in den Grafenstand und dotirte ihn wegen seiner hohen Verdienste im dreissig- jährigen Kriege mit den Gütern Salmis und Suitama in Keksholm-Län am Ladoga-See im nördlichen Theile als Grafschaft, ertheilte ihm auch ein besonderes Wappen als Graf von'Salmis. Seine Introduction auf der Grafenbank des Stockholmer Ritterhauses erfolgte 1652 unter Nr. XIII. Er nannte sich Graf zu Salmis. 1 ) Im Jahre 1653 wurde Graf von Wrangel zum Reichs-Vice-Admiral, 1657 zum Richter (Lagmann) von Upland ernannt; 1660 ward er Mitglied der königlichen Vormund- schafts-Regierung, 1664 Präsident des Kriegs-Collegiums, Reichsmarschall und Generalfeldherr. Bei allen Stellungen behielt er noch den General-Gouverneur-Posten in Pommern. Fassen wir die sämmtliclien Titel zusammen, so war Carl Gustav von Wrangel auf dem Höhepunkt seiner weltlichen Macht „Marschall, Reichsfeldherr, Reichsrath, Reichs-Vice- Admiral, Reichszeugmeister des Königreichs Schweden" 1675. Graf von Wrangel führte noch ausser dem Titel eines „Grafen von Salmis und Sylffnitzberg" den eines „Freiherrn zu Lindeberg und Ludenhof", ferner war er „Herr auf Sko-Kloster, Bremer-Vörde, Wrangeisburg, Spyker (auf Rügen), Rapiu, Ekebyhof, Gripen- borg, Rostorp, Grossen-Ernsthof, Spandowerhagen, Nonnendorf und Pritzier". Am 5. April 1675 erwarb Erik Linsköld das zwei Mantal grosse adlige Gut Stafsund - Stockholm - Län, auch Staf genannt, von dem Grafen Carl Gustav von Wrangel. Endlich war er noch Pfandinhaber der Insel Oje bei Rügen. Was dieses kleine Eiland betrifft, so war es 1292 durch eine Schenkung des Herzogs Bogislav IV. von Pommern in den Besitz der Stadt Greifswald gelangt. Vorher führte die kleine Insel nicht ihren heutigen Namen, sie hiess Swante-Wusterhusen. Im Jahre 1668 wurde sie an Feldmarschall Gustav von Wrangel verpfändet und erst 1749 wieder mit dem Bemerken eingelöst, dass es für die Gemeinde von Werth sei, eine Insel im Meere zu besitzen. Diese blieb nun fast ein und ein halbes Jahrhundert im Besitze der Stadt Greifswald, welche Oje 1882 der Staatsregierung für 52 000 Mark abtrat. !) Wappen sielie Tafel 3. 26 202 Wegen der Kreiherrschaft Ludenhof hatte sich ein längerer Prozess entsponnen, da die Seitenlinie die Berechtigung zur Fülirung des Titels „Baron zu Ludenhof" zu haben glaubte. Es hatte, wie wir gesehen, König Carl Gustav von Schweden am 8. Oc- tober 1053 seinem Landrath und Obersten Hans von Wrangel auf Allo, Kymene- gärd und Ludenhof das Prädikat „Baron" wegen seiner Verdienste verliehen und dessen adliges Gut Ludenhof in Livland zu einer Freiherrschaft declarirt; aber auch gleichzeitig auf das Ansuchen des Hans von Wrangel dessen Schwiegersohn, dem Oberstlieutenant Carl von Piesenhausen, und dem Bittmeister Hermann von Wrangel, welcher des letzteren Tochter, Dorothea von Piesenhausen, geheirathet, das Successions- Becht auf die Freiherrschaft mit Titel, Würden u. s. w. übertragen. Hiergegen remon- strirte Carl Gustav von Wrangel, Graf zu Salmis, Freiherr zu Lindeberg, Herr zu Sko-Kloster, Bremer-Vörde, Wrangeisburg, Spyker und Bostorp, Beiclisratb, Feldmarschall und Beichs-Vice-Admiral — diese Titel und Würden führte er 1654 —, indem er als Gründe anführte, dass dem Bittmeister Hermann von Wrangel die bedeutete Succession „in der Freiherrschaft Ludenhof mit Fug nicht zukomme, noch mit Becht er etwas praetendiren könne, zumal die Ehe, welche er mit der Tochter des verstorbenen Oberstlieutenants von Piesenhausen vollzogen, nicht von der Familie des Barons Hans von Wrangel und dessen Tochter Kinde, die keine Kinder mit dem von Piesenhausen gezeuget, sondern des Piesenhausen Tochter erster Ehe, die in diesem Bespect und Grade der Succession nicht theilhaftig sein könne, herrühre, vielmehr aber ihm (nämlich dem Keichsrath u. s. w. Graf Carl Gustav von Wrangel) als nächsten Agnaten und Erstgeborenen Bruders-Sohn, des Eingangs einleiten Landraths und Obersten Hans von Wrangel zustehe". Infolge dessen veränderte der König Carl Gustav am 22. Mai 1655 die dem Bittmeister von Wrangel gegebene Concession dahin, dass er dem Grafen Carl Gustav von Wrangel und seinen männlichen gräflichen Nachkommen die Succession ertheilte, so dass letzterer von nun an den Titel eines Freiherrn von Ludenhof führte und die Freiherrschaft, die noch in dem Besitz des lebenden Hans von Wrangel war, erst nach dem Absterben seiner männlichen gräflichen Nachkommen auf Hermann von Wrangel und dessen Nachkommen vererben sollte. 1 ) In vorstehendem haben wir bereits gesehen, welche hervorragende Persönlichkeit unser Graf Salmis gewesen ist. Nachfolgende biographische Notizen mögen nun dazu dienen uns einen ausführlicheren Bericht über das thatenreiche Leben Carl Gustavs zu geben. Sie sind zum grossen Theil aus dessen mit grosser Sorgfalt geführtem Kriegstagebuche, welches sich noch im Originaltexte in dem Besitze der Familie befindet, entnommen. Leider war eine vollständige Wiedergabe dieser interessanten Aufzeichnung nicht möglich und konnten des beschränkten Baumes wegen nur solche Begebenheiten, die sich speciell auf die Person Carl Gustavs beziehen, Aufnahme finden. Von Jugend auf Soldat, hat er durch seine Kühnheit, sein Glück und durch seine vielseitig ausgebildeten geistigen Anlagen und Fähigkeiten, die er durch Beisen ins Aus- !) K. schwed. Ileichs-Arehiv in Stockholm. — Wegen der Wappenvennehrang infolge der Annahme dieses neuen Titels siehe Abth. H Seite 48, Note. 203 land immer melir zu vervollkommnen gesucht, sich einen Namen erworben, der sich den ruhmgekröntesten zur Seite stellen kann. Schon im Alter von 16 Jahren in die unmittelbare Umgebung von Gustav Adolf berufen, erhielt er von diesem grossen Schlachtenfürsten die erste praktische Anleitung im Kriegshandwerk, in welchem er sich später unter seinem Vater, unter Bauer und Torstenson immer mehr heranbildete, bis er selbst als Oberbefehlshaber die Welt durch seine kühnen Kriegszüge in Erstaunen setzte. Gleichzeitig bewährte er sich aber auch als tüchtiger Seemann. Wir sehen ihn mehrmals an der Spitze der schwedischen Flotte in Seeschlachten kämpfen und Siege erfechten. Ebenso dient er seinem Vaterlande als General-Gouverneur und Reichsrath und muss auch hierin hervorragendes geleistet haben; denn wir werden sehen, dass man ihm mehrfach gerade die schwierigsten Posten anvertraut hat. Sein edelmüthiger, offener Charakter documentirte sich in vielen Zügen und von seinem ausgebildeten Sinn für das Schöne zeugt noch heute das von ihm erbaute und prächtig eingerichtete Schloss Sko. Man erwies ihm nicht nur alle Dankbarkeit und Ehren, sondern man ehrte ihn auch nach seinem Tode dadurch, dass man 1666 und 1676 zu seinem Gedächtniss Medaillen schlagen liess, deren Abbildungen wir als Beilage beifügen. 1 ) Sie führen das Motto: „Donec Ervnt Homines" (So lange es Menschen giebt, wird man deinem Ruhme nachsagen), und „Non est Mortale Quod Opto" (Ich strebe nach etwas Höherem — Himmlischem). Sämmtliche Medaillen sind mit von Wrangeis Brustbild versehen ; die eine Medaille trägt auf der Kehrseite das Wappenschild des Grafen. Carl Gustav hatte sich unter der finnischen Reiterei, angeführt von Torsten Stalhanske, herangebildet und finden wir seinen Namen zum ersten Mal bei der Revue genannt, welche Gustav Adolf über sein nach Deutschland gehendes Heer hielt. Hier stand er unter der Reiterei der Finnländer im ersten Treffen der Schlachtordnung. Schon als Jüngling nahm er ohne Vorwisseu seines Vaters an Scharmützeln theil, so dass der König Gustav Adolf dem Feldmarschall von Wrangel, Carl Gustavs Vater, sagen liess, auf den „hoffnungsvollen Sohn" achtzuhaben. Seine erste Waffenthat führte er, noch nicht 20 Jahr alt, am Lech in Gegenwart s'eiues Königs aus, als derselbe den kaiserlichen General Tilly bis hierher zurückgedrängt hatte und am 5. April 1632 im Angesichte des ganzen kaiserlichen Heeres den Ueber- gang über eine Brücke forciren will. Der König hatte den selbst ausgesuchten Ueber- gangspunkt stark mit Artillerie besetzt und mit eigener Hand 60 Schüsse abgegeben. Nachdem die Brücke fertig geworden, würden 300 finnische Fusssoldaten hinübergeschickt zum Aufwerfen eines Brückenkopfes. Tilly verdoppelte sein Kanonenfeuer, welches Gustav Adolf erwiderte. Während dieser gegenseitigen heftigen Kanonade waren die Finnen mit ihren Schanzen fertig geworden und hatten Verstärkungen von 300 Landsleuten unter dem Rittmeister Carl Gustav von Wrangel erhalten. Während Herzog Bernhard mit einem Haufen finnischer Reiter durch eine Fuhrt den Lech passirte, unternahm das Fussvolk den Angriff über die Brücke. i) Siehe Münztafeln Nr. 4 und 5. 204 — Tilly sandte dem Feinde nun den General Altringer mit seinen Bayern entgegen; aber sobald dieselben sich dem Ufer und somit dem mörderischen Feuer nahten, welches die 72 Kanonen des Königs und Wrangeis Finnen ihnen entgegen warfen, stutzten sie und machten kehrt. Bei einem erneuten Angriff fiel Altringer, und die Seinen flohen. Da liess Tilly seine Wallonen aus den Yerschanzungen hervorbrechen, aber auch diese Truppen prallten zurück vor dem mörderischen Kugelregen. Tilly stellte sich nun an ihre Spitze und stürmte mit einer Fahne in der Hand Wrangeis Finnen entgegen. Die Wallonen folgten, aber schon nach einigen Minuten ward der alte Feldherr von einer Falkonetkugel getroffen, die ihm das Bein zerschmetterte, so dass er zu Boden fiel. Die Wallonen nahmen ihren geliebten Feldherrn auf und zogen sich zurück, und in der bereits anbrechenden Nacht folgte ihnen der Kiirfürst von Bayern mit seiner gesammten Truppenmacht, so dass am Morgen des 6. April das ganze schwedische Heer den Lech ungehindert passiren konnte. In der Schlacht bei Lützen befand sich unser Rittmeister von Wrangel bei dem König Gustav Adolf und wurde von diesem, kurz ehe er fiel, mit dem Zuruf: „Reite schnell!" zum linken Flügel geschickt; von Wrangel bewahrte diese letzten Worte seines königlichen Herrn immer in liebendem Gedächtniss. Den 4. (14.) März 1637 erhielt der junge Oberst Carl Gustav von Wrangel von dem General Bauer den Befehl, mit. seinem Regiment und 700 commandirten Musketieren nebst des Oberst Schlangen Regiment aus dem Lager zu Torgau aufzubrechen und einen Vorstoss auf die Wittenberger Brückenschanze zu unternehmen, um sich derselben zu bemächtigen. Dies war nicht so leicht, weshalb der Oberst von Wrangel genöthigt war, sich selbst an die Spitze der Seinen zu stellen. Bei dem Angriff erhielt Carl Gustav einen Streifschuss am Kopfe, so dass er vom Pferde fiel; auch wurde ihm ein Arm von einer Musketenkugel zerschmettert, worauf er von den Feinden fortgeschleppt, von den Seinen aber wieder befreit, und nach Torgau zum Verband gebracht wurde. Bei dem Abmarsch des Feldmarschalls Hermann von Wrangel im März 1637 nach Landsberg nahm derselbe seinen Sohn Carl Gustav mit und entsandte ihn im Juni mit einem Streifcorps von 800 Reitern nach Neubrandenburg, wo er den 30. Juni eintraf. Ei 1 vernichtete hier zehn Compagnien Dragoner unter Oberst Deberol, machte 300 von dem Oberst Wins befehligte Reiter nieder, führte 3 Oberstlieutenants, 2 Rittmeister, 3 Kapitäne und 300 Soldaten als Gefangene ab und eroberte 2 Dragoner-Standarten. Die ihm vom Vater anvertraute öftere Führung solcher Streifcorps erledigte Carl Gustav stets mit grosser Umsicht und vieler Gewandtheit. Ende des Jahres 1637 mit der Vertheidigung von Greifswald beauftragt, führte er solche glänzend durch. Als im April 1638 Hermann von Wrangel den Abschied genommen, ward sein Sohn Carl Gustav General und trat nunmehr in den Vordergrund. Er verblieb vorläufig unter Bauers und Torstensons Führung. Nach der Schlacht bei Chemnitz drang Bauer in Böhmen ein, nachdem er noch den 23. April (3. Mai) 1639 Pirna genommen hatte. Noch während der achttägigen Belagerung dieses Ortes entsendet Baner die Generale Stalhanske und Carl Gustav von Wrangel mit 9 Reiter-Regimentern und 500 Mus- 205 ketieren nach Böhmen, welche rasch hintereinander vom 20. bis 24. April (4. Mai) die Orte Aussig, Tetschen, Melnik und Leitnieritz nehmen. Am 26. April (6. Mai) rückt dann Baner mit dem Hauptcorps in Böhmen ein, geht über Leitnieritz. Melnik nach Alt-Bunzlau, stellt sich Brandeis gegenüber auf und demonstrirt hier, als ob er die Elbbrücke forciren wolle, welche der kaiserliche General Hofkirch mit zehn Regimentern vertlieidigte. Plötzlich macht Baner mit dem Hauptcorps einen Rückmarsch; während er nur Carl Gustav von Wrangel und Pfull vor der Brücke stehen lässt, überschreitet er am 19. (29.) Mai die Elbe bei Melnik, schlägt die ihm entgegengerückten Kaiserlichen, nimmt Hofkirch und Montecuculi gefangen, verfolgt den Rest des Feindes nach Prag, beschiesst diese Stadt, stürmt vergeblich und bezieht am 23. Mai bei Brandeis weitläufige Quartiere. Als die Kaiserlichen nunmehr den Grafen Hatzfeld mit 6000 Mann gegen Pirna vorschicken, entsendet Bauer sofort Carl Gustav von Wrangel sowie Stall\anske nach Meissen und folgt bald selbst nach; er trifft am 26. September (6. October) in Pirna ein und zerstört diesen Ort. Im Winter 1640 wird Bauers Lage sehr bedenklich; er räumt Böhmen, geht im April nach Erfurt, knüpft Unterhandlungen an und zieht alle zerstreuten Corps hier zusammen. Nachdem sich Brandenburg wieder angeschlossen, hat Bauer am 5. (15.) Mai um Erfurt eine Armee von 22 000 Mann Fussvolk und 20 000 Reiter vereinigt. Aus Verpflegungs-Rücksichten zieht sich Baner an die Saale, später an die Weser zurück, ist jedoch zu Ende des Jahres 1640 wiederum bei Erfurt concentrirt. Während Bauers Vorgehen nach Bayern wird Carl Gustav von Wrangel nach Heldrungen geschickt; er erobert diesen Ort und folgt dann dem Oberfeldherrn nach Regensburg, woselbst er am 16. (26.) Januar eintrifft. Von hier wird Wrangel wieder nach Furth an die böhmische Grenze entsendet. Nach Wiedervereinigung mit den Franzosen unter Guebriant am 20. (30.) März 1641 marschirt Bauer über Zwickau nach Halberstadt und stirbt hier, erst 45 Jahre alt, am 9. (19.) Mai. Kurz vorher hatte er die fernere Leitung des Heeres den Generalen Carl Gustav von Wrangel, Pfull und Wittenberg übergeben. Nach vielen Hin- und Hermärschen finden wir die beiden feindlichen Heere am 16. (26.) Juni bei Wolfenbüttel sich gegenüberstehend — die Verbündeten 22 000 Mann, die Kaiserlichen 20 000 Mann stark. — Hier kam es denn auch am 19. (29.) Juni zum Kampf, welchen Carl Gustav von Wrangel, der die Reserve führte, zum Siege entscheidet, indem er den Feind „mit der Pike" aus dein Walde vertreibt. Uneinigkeiten und immer mehr um sich greifende Indisciplin veranlassen die Verbündeten, bei Sarstadt an der Leine ein Lager zu beziehen. Endlich trifft Torstenson am 4. (14.) October mit Geld und 7000 Mann in Stralsund ein, so dass Carl Gustav von Wrangel und Pfull das Heer missmuthig verlassen und am 19. October bei Torstenson in Wismar eintreffen; A r on Wrangel ward beim Beginn des Frühjahres nach Schweden geschickt, um Verstärkungen zu holen, während Torstenson mit dem Heere, von dem sich die Franzosen getrennt, nach Schlesien vor Gross-Glogau rückt und am 24. Mai (3. Juni) Schweidnitz einnimmt. — 206 Torstenson folgt dem geschlagenen Feinde nach Mähren, nimmt 5. (15.) Juni Olmütz und sendet Helmold von Wrangel (III 41) vor, der bis sechs Meilen vor Wien streift. Torstenson kehrte nach und nach bis Guben zurück, bezog hier ein Lager, um die Verstärkungen abzuwarten, die Carl Gustav von Wrangel am 26. August zuführte, und rückte sofort zum Entsätze vor Glogau. Nach Besetzung von Schlesien und anderweitigen Hin- und Hermärschen gelangte das schwedische Heer in guter Ordnung den 28. September vor Zittau; und obschon es den Feind zum Entsatz nahen sah und der Commandant in Zuversicht darauf sich wehrte, griffen die Schweden um die Mittagszeit die Stadt mit Sturm an; Carl Gustav von Wrangel occupirte ein Aussenwerk, und der Commandant ergab sich mit seinen 150 Mann, die in schwedische Dienste gingen. Torstenson blieb hier bis zum 6. October, und benutzte die Zeit zu einem Vergleich behufs Auslieferung der Kriegsgefangenen. Die Kaiserlichen hatten sich an der böhmischen Grenze eine Meile von den Schweden gelagert. Von der schwedischen Mannschaft, welche Carl Gustav von Wrangel als Succurs gebracht, war kaum ein Drittel als diensttüchtig übrig geblieben. Die übrigen, welche, die starken Märsche ungewohnt, an Proviant Mangel litten, waren theils erkrankt und in den Garnisonen zurückgelassen worden, theils den Strapazen erlegen. Dagegen hatten die Kaiserlichen das Land überall zum Freunde. 1 ) Von Zittau aus näherte sich Torstenson mehr der Elbe, welche er am 17. (27.) October bei Torgau überschritt. Nachdem er sich mit Ivönigsmarck vereinigt, rückt er auf Leipzig und stellt sich in Schlachtordnung dem ihn verfolgenden Feinde entgegen, und zwar an der Stelle auf, wo vormals der König ein Gefecht mit Tilly gehabt. Am 23. October (2. November) 1642 standen sich beide Heere gegenüber. Die Schweden waren 20 000 bis 22 000 Mann, der Feind etwa 25 000 bis 27 000 Mann stark. Wrangel stand mit zwölf Infanterie-Regimentern im Centrum. Die Dörfer Breitenfeld und Seehausen lagen hinter ihren beiden Flügeln. „Als der Feind 2 ) sich nicht von der Stelle rührte, avancirten die Schweden „in Gottes Namen" in voller Schlachtordnung, obgleich sie durch Schrot und Kartätschen grossen Schaden litten, bis sich die Gegner einander unter das Gesicht bekamen. So begann die Schlacht und dauerte ungefähr" vier Stunden. Unser rechter Flügel warf den kaiserlichen linken ohne grossen Widerstand. Darauf kam unser linker und die Brigade (des Centrums) auch ins Handgemenge und beiderseits wurde tapfer gefochten. Und obschon der rechte Flügel des Feindes so vorgedrungen, dass einige unserer Brigaden und besonders unser linker Flügel — Königsmarck und Slange — in Verwirrung gerathen, und die Constabeln theils den Stücken entliefen, so haben wir doch umgewandt, emsig unsern rechten Flügel — Stalhanske und Wittenberg — angeführt und den linken secundirt, so dass wir mit Gottes Hilfe den Feind aus dem Felde geschlagen, völlig seine Infanterie gesprengt, die elf Brigaden und weit stärker als die unsern waren. Sie hatten sich in einen kleinen Wald begeben, wo auch zu Zeiten des Königs und Tillys einiges Fussvolk soll aufgestellt gewesen sein. Allein ich nahm sie in die Flanke und trieb sie von 1) Aus einem Briefe des Carl Gustav von Wrangel an seinen Vater. 2) So berichtet Carl Gustav von Wrangel wörtlich an seinen Vater über die Schlacht bei Breitenfeld. I dannen, und als sie ins Freie kamen, hat unsere Reiterei ihnen so mitgespielt, dass kaum einer entronnen. Wir haben die ganze feindliche Artillerie (46 grössere und kleinere Stücke) erobert, 50 Munitions-, über 1000 Bagage-Wagen, viele Fahnen etc. etc. genommen. Die feindliche Reiterei hatte den Erzherzog und Piccolomini im Stich gelassen, die mit Noth entkamen. Des Erzherzogs Bagage und Silber ist unsere Beute. Ich habe seine Kalesche und sein Gold-Service bekommen. Es ist ein gar hartes Treffen gewesen, und wir haben lange Pike gegen Pike gefochten. Der Wind war erst gegen uns, wandte sich aber. Der Feldmarschall kann von grossem Glück sagen, denn ein Theil seines Pelzes ward ihm durch eine Stückkugel vom Leibe geschossen, sein Pferd wurde erschossen, und neben ihm riss die Kugel dem Pferde des Pfalzgrafen Carl Gustav den Kopf weg. — Dieselbe Kettenkugel tödtete den Staats-Secretär Grubbe. — Liljeliook, tüdtlich verwundet, befahl Carl Gustav seine Frau und Kinder und starb abends, mit dem Siege der Seinen sich tröstend." Auch in dieser blutigen Schlacht sehen wir Carl Gustav von Wrangel wieder als denjenigen Helden, welcher durch seine Umsicht und Tapferkeit den Sieg herbeiführte. Die Kaiserlichen unter dem Erzherzog verloren ausser den schon angeführten Stücken 5000 Todte und 4000 Gefangene, die Schweden an 4000 Todte und Verwundete. Torstenson konnte mit seiner geschwächten Armee nicht dem über Dresden nach Böhmen zurückgehenden Feinde folgen, bezwang aber Leipzig sammt der Pleissenburg am 25. November (5. December); später wandte er sich nach Freiberg, lag aber vom 28. December 1642 bis Mitte Februar 1643 erfolglos vor dieser Stadt, welche er sodann wegen herannahenden Entsatzes durch Piccolomini verlassen musste; er marschirte bis Elsterwerda, der Feind bis Dresden. Als hierauf die Schweden ein neues Lager bei Bautzen und Reichenbach beziehen, geht der Feind nach Böhmen, wo der Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini das Commando niederlegen, welches von Gallas, Götz und Buchheim übernommen wird. Am 7. (17.) April marschirt Torstenson mit 5000 Mann zu Fuss und 13 000 Reitern ohne Geldmittel und mit einem Mangel an 6000 Pferden von Bautzen ab und geht über Friedland nach Jung-Bunzlau, wo er am 18. (28.) April eintrifft und persönlich sehr leidend bis 20. (30.) Mai verbleibt. Der weitere Marsch führt ihn bei Melnik über die Elbe; der Feind folgt langsam und lagert unthätig bei Brandeis. Am 8. (18.) Juni bricht Torstenson unerwartet auf, rückt vor Prag, beschiesst es, geht ins Lager bei Müglitz, lässt Einfälle in Mähren machen, Brünn und Kremsier nehmen und schickt Carl Gustav von Wrangel mit 3000 Pferden bis an die Donau-Brücke vor Wien, wo dieser mehrere Tage stehen bleibt und vergeblich auf die verheissene Mitwirkung von Raccozi, Fürsten von Siebenbürgen, wartete. Bei diesem Streifzuge nimmt Carl Gustav von Wrangel am 9. Juni Litta, erbeutet viel Proviant und erobert am 14. Juni Bluhmelaw. Nachdem Torstenson am 24. Juli (3. August) noch bis Prerau vorgegangen, zieht er sich wegen der wachsenden Uebermacht des Feindes über Ülmütz nach Eulenburg zurück und eroberte diesen Ort am 19. (29.) September. Da erhält er von Schweden den geheimen Befelil, sich ungesäumt gegen Dänemark zuwenden. Er marschirt unter andauernder Täuschung des Feindes über Jägerndorf, 208 — Strehlen bis Breslau und zieht hier seine Streitkräfte zusammen. Dann setzte er seinen Marsch am 4. (14.) November über Forste, Zerbst nach Havelberg fort, trifft hier am ti. (16.) December ein und theilt den bereits murrenden Offizieren sein eigentliches Vorhaben mit. Carl Gustav von Wrangel hatte bei dem ferneren Zuge durch Holstein mit seiner Brigade das Amt Segeberg erobert und dann Rendsburg besetzt. Im weiteren Verlauf schlugen die Schweden im Winter die dänische Reiterei bei Kolding, nahmen die Schanzen bei Middelfahrt und besetzten, ohne grossen Widerstand zu finden, Jutland bis Skagen. Am 9. Februar 1644 versuchte Carl Gustav von Wrangel von Middelfahrt aus sogar einen Uebergang nach Fünen, die stürmische Jahreszeit jedoch liess das Unternehmen nicht zur Ausführung kommen; es missglückte vollständig, wobei von Wrangel und der General Stalhanske durch den Sturm verschlagen wurden, so dass man längere Zeit beide Generale für gefangen oder todt hielt. Am 26. Juli 1644 blieb der Admiral Flemming vor Kiel, welche Stadt durch die von den Dänen zu Hilfe gerufenen Kaiserlichen unter Gallas belagert wurde. An Flemmings Stelle ward Carl Gustav von Wrangel im August dieses Jahres zum Oberbefehlshaber der Flotte ernannt; diese Stellung behielt derselbe bis 1645, wo er der Nachfolger von Torstensoli wurde. Die schwedische Flotte hatte bisher nur immer Verluste erlitten und man erwartete, dass von Wrangel mit seinem energischen Charakter ihr wieder Ordnung und heilbringende Thätigkeit beibringen werde. Sobald Carl Gustav von Wrangel im Oberbefehl über die Flotte bestätigt war, führte er dieselbe vorerst nach Stockholm zurück, um sie vollständig wieder auszurüsten. Während dessen segelte die verbündete holländische Flotte unter dem Admiral de Geer von Gothenburg aus durch den Sund nach Calmar, wo sie die schwedische erwartete. Dieser Flotte eilt nun Carl Gustav von Wrangel mit der seinigen entgegen, vereinigt sich mit ihr und beide, zusammen 42 Segel stark, treffen am 7. October bei Stralsund ein. Wenige Tage darauf laufen die vereinten Flotten wieder aus und treffen auch bald am 13. October mit der dänischen Flotte zwischen Laaland und Femern zusammen. Die Dänen, nur 17 Kriegsschiffe stark, werden total geschlagen, 10 Schiffe werden ihnen genommen, 2 verbrannt, 3 auf den Strand getrieben und 2 entrannen dem Verderben. Hiernach führte Carl Gustav von Wrangel die Flotte nach Kiel und erobert bald darauf die Insel Femern. Vier der grössten genommenen Schiffe schickt er als Siegestrophäe nach Stockholm, während er selbst mit seiner Flotte noch bis in den Monat November hinein auf der Ostsee kreuzte, wo sich aber kein Däne mehr sehen liess. Im März 1645 finden wir unsern von Wrangel mit seiner Flotte in Stralsund, als- er zum Range eines General-Feld-Zeug meistens erhoben wurde; am 20. Mai geht er mit der ganzen Flotte von 76 Kriegsschiffen nach Stockholm unter Segel. Am 9. Juni erscheint er wieder vor der Insel Bornholm, erobert dieselbe und lässt daselbst sofort der Königin Christine huldigen. Dann vereinigt sich Carl Gustav von Wrangel mit der holländischen Flotte unter Admiral Erich Ryning, segelt nach Kopen- — 209 — hagen and schliesst es ein. Der Friede zu Brömsebro am 13. August 1645 beendete die Feindseligkeiten zwischen Schweden und Dänemark. Die Schweden hielten 1645 Wismar besetzt; ihr e Flotte lag wohhintergebracht im trefflichen Hafen und die beiden Admirale derselben, Carl Gustav von Wrangel und Blume, von der dänischen Bevölkerung bitter gehasst, bereiteten sich zur Rückkehr nach Stockholm vor, als ein auf beide Admirale abgesehenes Attentat 1 ) ihr Auslaufen verzögerte. Wenden wir - uns nun zu Carl Gustav von Wrangel als Oberbefehlshaber in Deutschland und erwähnen auch hier nur wieder die Begebenheiten, bei welchen er persönlich betheiligt gewesen, umgehen aber die Geschichte der einzelnen Corps, obwohl sie gleichfalls unter von Wrangeis Befehlen standen. Torstensons oft wiederkehrende Krankheitsanfälle, die ihn in den glücklichsten Operationen mitunter zur Unthätigkeit zwangen, und das Zusammenschmelzen seiner Armee veranlassten die schwedische Regierung nach dem Frieden mit Dänemark, Carl Gustav von Wrangel zu beauftragen, „alle nur disponibel gewordenen Kräfte zu sammeln und selbige nach Böhmen zu fuhren". Mit allen in Pommern, Schonen und Holstein gesammelten Truppen— 10 000 Mann — traf er demzufolge im December 1645 bei Saatz in Böhmen ein. Am 5. De- cember war ihm bereits an Stelle Torstensons der Oberbefehl über das Hauptheer übertragen worden. Am 11. Januar 1646 nimmt von Wrangel das Schloss Brüx, nachdem er dasselbe drei Tage h in durch mit 12 halben Karthaunen und zwei Feuer-Mörsern hatte beschiessen lassen, ebenso Teplitz. Seine Totalstärke belief sich in Böhmen auf 14 000 Reiter, 9000 Mann zu Fuss und 3000 Dragoner. Die Kaiserlichen, unter Erzherzog Leopold Wilhelm, zählten 13 000 Mann zu Pferde, 11 000 Mann zu Fuss, die Bayern, die sich mit den Kaiserlichen am 10. (20.) Januar 1646 bei Stab an der böhmischen Grenze vereinigt, 8000 Mann in 12 Regimentern zu Pferd und IS Regimentern zu Fuss. von Wrangel, zu Unternehmungen nach den liegenden Verhältnissen zu schwach, beschloss Böhmen zu verlassen, um das fliegende Corps von Königsmarck an sich zu l) Die Schiffe, welche sie dahin bringen sollten, „Lejon" und ,.Drake-\ hatten die Anker gelichtet und Ruderboote ausgesetzt, mn sich ans dem Hafen bugsiren zu lassen. Die Admirale "wollten den Schiffen in ihren Staatsbarken folgen und sie erst beim Auslaufen in die offene See besteigen. Da nahte auf einer schnellen Jolle ein Mann von vertrauenerweckendem Aeussern zunächst dem Admiralsschiffe von Wrangeis, bat, dasselbe besteigen zu dürfen und händigte dem Steward des Admirals eine Kiste, wie er sagte, sehr kostbaren Inhalts, im Auftrage des Seehelden ein, mit der Bestimmung, dass sie in seiner eigenen Kajüte, ja in seiner unmittelbaren Nahe sorgsam untergebracht werde. Anscheinend dann eilig nach der Stadt zurückkehrend, wiederholte er dasselbe Manöver auch am Bord des „Drake"; hier wie dort ward er wohl aufgenommen und fand für die Befehle der Admirale Gehorsam. von Wrangeis guter Stern aber wollte, dass sein Steward ein neugieriger Herr war, der mit Ohr und Nase die wohlempfohlene Kiste untersuchte, um eine Idee von dem kostbaren Inhalte, den sein Herr in unmittelbarer Nähe haben wollte, zu bekommen. Da hörte er denn ganz deutlich eine grosse TJlir ticken. Kaum war der Held an Bord, so fragte ihn der bevorzugte Diener, wohin er die Kiste mit der Uhr gestellt zu sehen wünsche, von Wrangel, überrascht von dem Vorhandensein einer Ulir, von der er nichts wusste, und vielleicht ein Geschenk von hoher Hand erwartend, lioss die Kiste öffnen. Da fand sich denn, dass sie in ihrer Mitte ein Uhrwerk enthielt, so construirt, dass es nach berechneter Zeit ein Flintenscliloss der damals üblichen Form in Bewegung setzen rausste, wobei ein rasch umschnellendes Stalilrad, sich an einen Feuerstein reibend, zahlreiche Funken sprühen machte, welche auf eine Pulvermenge Helen, gross genug, das Schiff zu sprengen oder docli zu entzünden. Das Attentat war offenbar. Die Fahrt des Schiffes wurde eingestellt, die Admirale conferirten; am Bord des „Lejon- fand- sich derselbe Apparat, und die Admiralsschiffe kehrten zu strenger Untersuchung der Untliat, beziehentlich Züchtigung Wismars dahin zurück. Schneller als man hoffen konnte, wurde durch einen Zufall der Tliäter in Person eines gewissen Hans Krevet aus Barth bei Stralsund ermittelt, der angab, von drei hochgestellten, aber ihm unbekannten Bürgern Lübecks mit Ueberbringung der Geschenke an die Admirale beauftragt worden zu sein; endlich aber gestand er, auf Antrieb dänischer Agenten in Lübeck das Attentat versucht zu haben. Er wurde am 5. Juli lß-iö enthauptet. 210 — ziehen. Nach Versicherung der Pässe über den Böhmer-Wald marschirte er über Meissen an die Saale und liess von einzelnen Streifcorps bis nach Schlesien hinein Contributionen eintreiben. Während nun von Wrangel über Gera nach Jena und Kahla geht, um die Armee sich „refrechiren" zu lassen, rückt der Erzherzog nach Wunsiedel, die Bayern ziehen sicli nach Bayreuth und die Kursachsen nach Gebessen. Den 28. April ward die Vollmacht von Wrangeis als Feldmarschall mit 17 000 Thaler jährlichem Gehalt ausgestellt. Die Königin Christine theilte ihm dies durch einen eigenhändigen Brief mit. von Wrangel hatte sich im April nach Dingelstädt, in der Richtung nach der Weser zu in Marsch gesetzt, um mit Hilfe der Landgräiin von Hessen Höxter zu erobern, dann das Land zwischen Elbe und Weser sammt Westfalen vollends zu bezwingen und am Unter-Rhein zu Turenne zu stossen, der jetzt noch nicht eingetroffen war. Am 18. (28.) April wurde Höxter eingeschlossen und am 24. April (4. Mai) genommen, x ) nachdem aus zwei Batterien eine grosse Bresche gelegt worden. Ein jetzt von den Belagerten versuchtes Parlamentiren wurde vom Feldmarschall von Wrangel abgeschlagen •— die Stadt musste sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Der Commandant mit den Offizieren und Sergeanten wurden unter Bedeckung nach Hamm escortirt, die Unteroffiziere und Gemeinen — 600 Mann — bei den Schweden unterstellt, die Schanzen und Stadtmauer aber niedergerissen. Danach nahmen die Schweden noch mehrere in dieser Gegend liegende Ortschaften, "qp am 15. Mai auch Paderborn, dessen Hornwerk vor der Oster-Pforte innerhalb acht Stunden durch Batterien niedergelegt wurde. Aehnlich erging es Stadtberge. Die Stadt ging in Flammen auf; die älteste Kirche Westfalens, die Karl der Grosse erbaut und Leo III. eingeweiht hatte, wurde von den Hessen in die Luft gesprengt. von Wrangel zog nun nach Darmstadt, während Königsmarck die Eroberung von Lemgo und Pyrmont fortsetzte. Als endlich die Nachricht eintraf, dass Turenne Anfang Juni bei Bacharach über den Rhein gehen wolle, brach von Wrangel nach Marburg auf, zog den 5. (15.) Juni Königsmarck, welcher inzwischen mit seinen 8000 Mann im Bremenschen stark gebrandschatzt und die Stadt Bremervörde nach harter Gegenwehr genommen hatte, bei Wetzlar an sich. Turenne's Ankunft am Rhein verschob sich indessen, und so Avar von Wrangel vorläufig wieder auf sich angewiesen. Er geht daher nach Kirchhain zurück, nimmt das Schloss Gleichberg und erobert Amöneburg, dessen Befestigung er vollständig schleifen lässt. Bei Kirchhain bezieht er ein festes Lager und zieht am 7. (17.) Juli Bennighausen an sich. /Im weiteren erobert er Homberg a. d. Ohm und rückt am 18. Juli dem Feinde bis Giessen nach. Anfang August befinden sich beide feindliche Armeen in der Wetterau stillliegend: die Schweden zu Lollar (eine Meile oberhalb Giessen) und um Heuchelheim, die Kaiserlichen um Kloster Ilmstadt, eine Meile von Friedberg, die Bayern zu Burggrafen- Roda; am 28. Juli hatte sich Turenne mit den Schweden vereinigt und letztere dadurch i) Näheres üher die Einschliessnng und Einnahme von Höxter ist zu finden in: .,Theatruin EuropaeunW. — 211 — um 3500 Mann zu Fuss und 1500 Mann zu Pferde verstärkt. Am 3. (13.) August stand die verbündete schwedische Armee zu Rossbach, eine Stunde von Friedberg, in Schlachtordnung dem kaiserlichen Lager auf Musketenschussweite gegenüber, geht aber nach Höchst, Bergen und Windecken weiter, überschreitet die Nidda, rückt gegen den Main vor und erobert das grosse kaiserliche Magazin in Steinheini. Die Kaiserlichen hatten sich auf Limburg und Königstein gesetzt. In diesen acht Tagen — vom 1. bis 8. August — hatte somit Feldmarschall von Wrangel Erfolge erreicht, wie sie ihm kaum ein entscheidender Sieg hätte gewähren können. Durch seine richtig durchdachte und mit Kühnheit und Glück ausgeführte Operation hat er den mindestens gleich starken Gegner strategisch und taktisch umgangen, ihn von seinen Magazinen getrennt, seine Vorräthe sich selbst nutzbar gemacht, die feindlichen Truppen von ihrer natürlichen Rückzugslinie zurückgeschlagen und seiner eigenen Armee hierdurch den ungehinderten Eintritt .in die schwach besetzten Erbländer geöffnet. — Und dem gegenüber finden wir im kaiserlichen Lager damals schon eine unthätige Sicherheit und das Kleben an Formalitäten; wir sehen den Erzherzog in seinem Lager zu Ehren der Krönung des jungen Königs von Böhmen, Ferdinands IV., grosse Feste arrangiren und Freudenschüsse abgeben, gerade an dem Tage, als von Wrangel mit seiner ganzen Armee hart an seinem Lager vorbei den Flankenmarsch nach Bonames ausführt und ihn so vor seinen Augen umgeht. Der Abmarsch des Erzherzogs nach der Lahn hin und tiefer nach Hessen hinein irritirt von Wrangel durchaus nicht, im Gegentheil, bestärkt ihn in seinem früheren Plan, demzufolge er mit Turenne gegen Ober - Deutschland und Bayern vorzudringen beabsichtigt, während der General - Feldzeugmeister Wittenberg, verstärkt durch eben aus Schweden angekommene 3000 Knechte und 900 Reiter, gegen Schlesien vorrücken sollte, mittels Einnahme von Troppau in Oberschlesien festen Fuss zu fassen habe und von dort entweder durch Böhmen oder Mähren eine Diversion gegen Oesterreich versuchen solle. Infolge dessen bricht das verbündete Heer am 9. (19.) August auf und geht nach Aschaffenburg, nimmt am 13. (23.) d. Mts. Seligenstadt, gewinnt hierdurch das ganze Oberstift Ma inz und zieht 4000 Mann französischer Truppen aus Worms und Speyer an sich. Bei der Theilung der Armee dirigirt sich von Wrangel selbst mit der Hauptmacht gegen Heilbronn, während Königsmarck nach Würzburg gesandt wird, um dann später sich in Heilbronn wieder mit von Wrangel zu vereinigen. Turenne ging erst nach Mildenburg und dann an den Kocher, von wo aus er nach Schwäbisch-Hall rückt, um daselbst mit von Wrangeis Hauptheer Verbindung zu nehmen. Im September machten die Alliirten bedeutende Fortschritte, nahmen unter andern Städten Crailsheim und Nürdlingen, südlich Lauingen, am 3. September Donauwörth, das dem Feldmarschall von Wrangel bis nach Harburg a. d. Wernitz die Schlüssel der Stadt entgegenbringt. Sobald die dortige Donaubrücke wieder hergestellt ist, rückt von Wrangel gegen das stark befestigte Rain, während Königsmarck gegen Augsburg streift, wobei er die Lechbrücken bei Friedberg und Lechhausen abbrechen lässt. Um Rain von beiden 212 Seiten gleichzeitig zu belagern, lässt von Wrangel bei Oberndorf eine Brücke schlagen und uberschreitet im stärksten feindlichen Feuer den Lech. Wiewohl einzelne feindliche Abtheilungen seinen Rücken bedrohen, fährt von Wrangel rührig fort, Rain zu belagern und Augsburg zu berennen, während seine Streifcorps das feste Freising nehmen und bis vor München gehen. Rain ergiebt sich am 11. (21.) September, nachdem die Aussenwerke bereits erstürmt waren; die Besatzung — 1600 Mann — wird nach Ingolstadt entlassen. Darauf rückt nun von Wrangel mit Turenne am 18. (28.) September selbst vor Augsburg, und es beginnt nunmehr eine ernstliche Belagerung. Die durch nachträglich angelangte Truppen verstärkte Besatzung vertlieidigte sich sehr brav. Schon hatte der Feind seine Minen bis unter den Hauptwall geführt, viele Kirchen und Gebäude lagen schon in Trümmern, selbst die Mauer war bereits stark beschädigt, als endlich der bayer- sche General Johann de Werth mit 4000 Pferden als Vorhut des kaiserlichen Heeres am 12. (22.) October zum Entsatz erschien. Infolge dessen gab von Wrangel die Belagerung auf und zog sich mit Turenne auf das befestigte Lauingen zurück, indem er es zu einem grossen Brückenkopf herrichten liess; seine Cavallerie schickte er bis Burgau und Rheinhausen. Durch Bewegungen des Feindes rückte von Wrangel mit Turenne dem Feinde nach bis Mindelheim, nahm am 24. October (3. November) Landsberg ein und bemächtigte sich der dortigen Lechbriicke. Durch dies kühne und rasche Manöver stand nun von Wrangel wiederum zwischen der feindlichen Armee und dem Lande, zu dessen Deckung dieselbe eben angelangt war. Das Land bis München wurde vollständig ausfouragirt und viel Schaden angerichtet. Endlich fand das kaiserliche Heer an der Donau, zwischen Neuburg und Ingolstadt, am 7. (17.) November Ruhe. von Wrangel, der in Brück — 3 Meilen von München — sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, liess das Land systematisch verwüsten, wobei etwa 150 Dörfer eingeäschert worden sein sollen, während seine Streifcorps grosse Beute aus Landau, Landshut und den Umgegenden von Regensburg und Straubing mitbrachten. Immer weiter wollte nun der Feldmarschall gegen den Inn vordringen, indess Turenne weigerte sich, eingetroffener Befehle gemäss, weiter vorzugehen. Infolge dessen ging von Wrangel mit den Franzosen bei Schongau am 10. (20.) November über den Lech in die Winterquartiere, und zwar breiteten sich die Schweden in dem Rayon von Kempten, Füssen, Mindelheim bis Babenhausen, die Franzosen mehr nördlich um Weissenborn aus, wohin Turenne sein Hauptquartier verlegte- Anfang December zogen sich die Kaiserlichen in die Winterquartiere in der Oberpfalz. Die Bayern blieben wegen der eingeleiteten Unterhan dlungen im eigenen Lande, die Franzosen wandten sich längs der Donau bis nach Tübingen hin, während von Wrangel mehr südlich gegen den Bodensee marschirte. In diesen Quartieren kam es zu vielfachen Reibereien mit den schweizerischen Landleuten, die sich zusammenrotteten und sogar in der Nacht zum 16. December das Cantonnements-Quartier Kempten mit Erfolg überfielen. Diese Vorfälle führten nach und 213 — nach zur Einnahme von Bregenz und zu sonstigen Operationen am Bodensee.*) von Wrangel hatte sein Hauptquartier zu Leutkirch genommen und machte von hier gegen die im Walde hei Isny verschanzten und den Schweden allerlei Widerwärtigkeiten bereitenden schweizerischen Landleute am 22. December einen glücklichen Coup. Als die Bauern flohen, verfolgte sie der Feldmarschall am 23. December früh gegen die Bregenzer Klause, am 24. bis Hoffe; am 25., am heiligen CMsttage, ging der Feldmarschall mit der Infanterie gegen die Klause vor. Weil zur Linken sehr hohe Felsen waren, auf welchen sich die Bauern in ihren vortheilhaften Schanzen gegen die Schweden stark gezeigt, liess der General etliche 100 Mann hinaufsteigen, welche auch trotz starker Gegenwehr den Felsen erreichten und die Bauern hinabtrieben. Diese hatten sich aber auch unten am Felsen, bei einem oberhalb der Klause gelegenen Dorfe, stark verschanzt und bis an den Felsen eine feste Brustwehr aufgeworfen, hinter welcher sie sich noch tapfer vertheidigten. Es sah sich daher der General Montaigne genöthigt, mit seinen Knechten darauf loszugehen; er schlug die Bauern auch bald in die Flucht, eröffnete den Pass und machte viele nieder. Die Schweden verfolgten so hart, dass den Bauern nichts anderes übrig blieb, als sich in die Stadt Bregenz zu werfen. Nach deren Einnahme aber wurden sie auch hieraus vertrieben und bis an den Bodensee verfolgt, in welchem viele ertranken. Von den 6000 Bauern blieben nur wenige übrig. Schwedischerseits waren nur ein Kapitän von Wrangeil 3 ) und etliche Gemeine todt, ein Offizier und einige Knechte verwundet.- Ueberblicken wir am Schlüsse des Jahres 1646 die Thätigkeit des Feldmarschalls von Wrangel, so können wir derselben unsere vollste Anerkennung nicht versagen. So lange er einem bedeutend überlegenen Feinde gegenübersteht, temporisirt und lavirt er vortrefflich, wobei er in Westfalen noch grosse Erfolge erringt. Sobald er aber durch die französische Hilfe dem Feinde nur einigermassen numerisch gleich steht, beginnt er an der Nidda und am Lech seine kühnen und glücklichen Operationen, die offenbar von richtiger üeberlegung, Gewandtheit und Energie ein hervorragendes Beispiel geben, welches alles noch die Einnahme des bisher für unüberwindlich gehaltenen Schlosses Bregenz am Schlüsse des Jahres krönt. Carl Gustav von Wrangel erhielt für diese Waffenthat einen prachtvollen Degen und einen Handbrief von Ludwig XIV. und seine Gräfin Gemahlin das Bildniss des Königs zum Geschenk. Das unerwartete Auftreten des Feldmarschalls von Wrangel an den Ufern des Bodensees und die rasche Eroberung der festen Positionen bei Bregenz erregte nicht blos allseitige Befürchtungen, sondern führte den Schweden auch grossen materiellen Gewinn und reiche Beute zu. -— Um aber in diesen Gegenden bleibend festen Fuss zu fassen, war der Besitz von Lindau unerlässlich. Am 24. December 1646 (3. Januar 1647) fielen einzelne Truppen in das Lindauer Territorium ein. Schon am folgenden Tage liess daher der Commandant 3 ) eilends die Schiffe 1) Das Nähere dieser Vorfälle ist im „Tlieatrum Europaeum" zu finden. 2) Schwedischer Kapitän Heinrich von Wrangell (IX 2). 3) Maximilian Wilibald, des heil. Reichs Erbtruchsess, Graf zu Wolfeck, Herr zu Waldburg, Waldsee. Zeil etc. ^tc., Kaiserl. Majestät Hofkriegsrath. General-Wachtmeister und bestallter Oberster, ein Herr von gdndrosit£, hohem Verstand und Discretion. 214 am Fussach nehmen und rüstete sicli zur Gegenwehr, wobei der Rath und die Bürgerschaft von Lindau ihm allen Vorschub und möglichste Beihilfe geleistet. Nach persönlicher Recognoscirung der Stadt und des Kapuziner - Klosters führte von Wränge 1 eine Batterie auf, beschoss und bewarf die Stadt, liess auf der andern Seite Laufgräben ausheben und andere Vorbereitungen zu Wasser und zu Lande machen. Eine am 16. Januar 1647 vom kaiserlichen General Gallas der Stadt Lindau zugesagte Verstärkung war nicht eingetroffen und blieb sonach der Commandant auf sich beschränkt. Inzwischen besetzte von Wrangel das Schloss Langen-Arga (dessen Commandant in Lindau enthauptet wurde, weil er es zu eili^- verlassen hatte) und rüstete seine Kriegsschiffe zu Bregenz aus. Zwei derselben sandte von Wrangel am Abend des 22. Januar vor die Stadt Lindau; sie wurden aber zurückgeschlagen. Am folgenden Tage jedoch kamen fünf Schiffe heran, welche im Vereine mit den Batterien beim Kapuziner-Kloster und aus der Gärber-Schanze die Stadt nunmehr beschossen. Der Brückenkopf, von den Belagerten gut verstärkt, war besetzt und leistete kräftigen Widerstand, ebenso wurde den schwedischen Minen durch Contre-Minen wirksam entgegengetreten. Ein am 30. Januar (9. Februar) unternommener Sturm wurde tapfer zurückgeschlagen, und obgleich am 2. (12.) Februar eine Mine sogar ein Drittel der Schanze zerstörte, ward sie dennoch gehalten. Die eigentliche Belagerung der Stadt scheint am 5. (15.) Januar begonnen zu haben, wo von vier Uhr nachmittags an eine starke Beschiessung begann, welche mit grosser Heftigkeit drei Stunden hindurch währte; über 250 glühende Kugeln schlugen dabei in die Stadt ein, welche indess durch die zweckmässigen Anordnungen des Oberst Crivelle verhältnissmässig nur wenig litt; letzterer leitete sogar einige glückliche Ausfälle. Den 22. Januar' (2. Februar) erschienen die Schweden mit dreizehn Schiffen auf dem See und eröffneten ein kleines Feuer auf die Stadt, welches dieselbe erwiderte. Sie fuhren hierauf nach der Insel Mainau ab, welche ihnen deren Commandant, der Oberstlieutenant Hiuidpiss, Deutsch - Ordens - Komtlmr, am 25. Januar (4. Februar) durch Vereinbarung übergab. Die von den Schweden bei den Linden wieder gebauten und armirten Batterien wurden indessen durch starkes Gegenfeuer ruinirt. Am 15. Februar besichtigte von Wrangel nicht nur die Schanze vor der Brücke, sondern sandte wieder viele Schiffe auf dem See gegen die Stadt und beschoss diese stark; gleichzeitig liess er die unter der gedachten Schanze befindliche Mine sprengen, so dass diese Schanze nun auch auf der rechten Seite demolirt wurde und von beiden Seiten unbesetzt blieb. Am 16. nachmittags warfen die Schweden zum letzten Male Granaten in die Stadt und gaben am 19. Februar (1. März) früh nur noch zwei Schuss ab; weil die Belagerten wieder einen glücklichen Ausfall 1 ) machten bereiteten sich die Schweden zum Abzug vor. Hiermit !) Dieser Ausfall glückte hauptsächlich dadurch, dass die Leute Heraden übergezogen hatten, so dass sie auf demJächnee zu spät bemerkt wurden. \ — 215 — begannen sie am 24. Februar (6. März), indem sie ihr schweres Geschütz vor Lindau abfuhren, am 25. das Schloss Bregenz in die Luft sprengten und am folgenden Tage sich um Tettnang concentrirten, die Klause sprengten, auf dem Bodensee zwei Schiffe verbrannten und ihre Gefangenen auswechselten. Abends nahm der Feldmarschall von Wrangel sein Hauptquartier im Schlosse Giessen am Flusse Argen. 1 ) Nach dem zu Ulm zwischen Frankreich, Schweden und Bayern zu stände gekommenen Waffenstillstand wurde an Schweden Ueberlingen und Memmingen übergeben, Augsburg blieb neutral und Bayern sagte sich ganz vom Kaiser los, worüber dieser entrüstet war. Er machte daher von Wrangel Anerbietungen, Frieden zu schliessen, worüber vom Feldmarschall nach Stockholm berichtet ward. Nach dem ratificirten Waffenstillstand brach von Wrangel sofort auf, liess nur Besatzung auf der Insel Mainau, in Langen-Arga und Neuburg und marschirte über Ravensburg direct nach Nördlingen, wohin er das Haupt-Rendezvous der ganzen Armee verlegt hatte. Löwenhaupt traf hier am 27. März (6. April) mit schwedischen Verstärkungen beim Hauptcorps ein, während von Wrangel selbst, unter Zurücklassung einer Besatzung, über Kitzingen vor Schweinfurt marschirte, wo er am 1. (11.) April eintraf. Der kaiserliche General Lodron commandirte dort. Die übrige Armee folgte gegen diese Stadt und kam am 6. (16.) April 10 Uhr auf der Westseite beim Siechenhause und der Nordseite bei dem Galgen auf der Höhe an. Am folgenden Tage, 12 Uhr, begann das Beschlossen der Stadt vom Galgenberge aus. In der Stadt befanden sich 3000 Kaiserliche, nur Fussvolk. Mit grosser Schnelligkeit schritt die Arbeit in den Laufgräben vor, so dass sich die Schweden in denselben schon am 10. April den Stadtgräben auf Pistolenschussweite genähert hatten und mit Feuereinwerfen grossen Ernst machten; daher denn auch sechzehn französische Regimenter, weil von Wrangel die Uebergabe bald wünschte, zu Gemünden über den Main gingen und sich zum Sturm auf Schweinfurt beeilten. Den kaiserlichen Regimentern Donep, Holzapfel und Nassau glückte es noch, mit Zurücklassung ihrer Bagage, nach Schweinfurt zu gelangen, so dass der Stadtcommandant Graf Lodron nunmehr über fünf Regimenter verfügte und täglich meist glückliche Ausfälle mit 500 bis 600 Mann unternehmen konnte. Den 12. April erstiegen die Schweden die grosse Schanze jenseits der Brücke und wollten auch die kleine Schanze am Thor einnehmen; sie wurden aber zurückgeschlagen. Durch diesen Erfolg der Schweden entmuthigt, einigte sich am 13. April Graf Lodron mit von Wrangel und vollzog in der Nacht eine Uebereinkunft. Am 14. erfolgte die Uebergabe. Lodron mit den Offizieren etc. wird nach Eger entlassen, die Garnison, worunter 700 wohlgerüstete Reiter, aber in die schwedischen Truppen eingestellt. Sehr bald darauf musste Tu re nn e nach Flandern abrücken, so dass von Wrangel abermals auf sich allein beschränkt blieb. Er benutzte die Zeit, um seine Reiterei neu beritten zu machen und die Ausrüstung überall zu ergänzen, wozu er Bamberg und Würzburg stark mit heranzog. Nach letzterem Orte wurde er feierlich eingeladen und machte i) Im Gastliaus „Zur Krone" in Lindau hing 1S58 noch eine grosse Bombe im Corridor, als Erinnerung daran, dass dieselbe 1647 in das Haus eingeschlagen ist: auch von Wrangels Bild wird in diesem Gasthofe treulich aufbewahrt. — 216 - auch daselbst mit mehreren Generalen einen Besuch — „allwo sie mit drei Karossen eingeholet und bei Hofe logiret worden". Nachdem er Schweinfurt stark befestigt und sein Heer auf 8S Compagnien zu Fuss, 52 Stück grosse Geschütze, 12 000 Reiter mit 300 Munitionswagen gebracht hat, will er nach Böhmen einrücken, wo Graf Melander unter der Bedingung, unabhängig vom Hofkriegs- ratli zu sein, das Commando der kaiserlichen Armee nach Holzapfel übernommen hatte. Zu seiner Verstärkung zog der Feldmarschall den General Wittenberg von Schlesien nach Böhmen heran, während Königsmarck in Westfalen gegen Lamboy stehen blieb. Gegen Ende Mai brach nun von Wrangel von Schweinfurt über Bamberg nach Egen auf, traf liier den 9. (19.) Juni ein und fand die Kaiserlichen bei Budweis vor sich. Noch am 9. (19.) Juni berannte er die Stadt; in den folgenden beiden Tagen gelangte das Fussvolk mit den Stücken vollständig an, so dass der Commandant, Oberst Franz Paradies, die Vorstädte anzündete und mit der Garnison, die sich auf 1500 Mann zu Fuss und einige Freiwerber belief, sowie mit der ganzen Bürgerschaft zur Gegenwehr nothwendige Anstellung machte. „Nach Verfertigung der Batterien zwischen dem Ober- und Kamt.hore wurde am 14. (24.) und 15. (25.) Juni von den Schweden die Stadt beschossen und zwar so, dass die Streichlinien auf selbiger Seite bis an das Wasser mehrerentlieils ruinirt, sowie auch bei dem Schäfftlior und auf dem Spitalberg gegenüber der Burg die Geschütze gepflanzt und der schwarze Thurm allda stark beschossen, auch durch eingeworfene Feuerkugeln und Granaten ein ziemlicher Brand verursacht ward, der indessen noch rechtzeitig von den Belagerten gelöscht und unter anderen geschehenen Gegenwehren auch ein grosser Ausfall gemacht wurde." Obwohl die Schweden wegen der eingetretenen nassen Witterung einige Tage manche Hindernisse fanden, so gingen sie mit ihren Approchen bis auf 15 Schritt an den Graben heran, schnitten sich hier ein und zerschossen die oberen Theile von dem Schwarzen- und Veilthurm, auch das Rundel zwischen dem Obern- und Flössthor, so dass den Belagerten ihre Gegenwehr benommen wurde. Inzwischen hatte der Oberst Paradies alle feuergefährlichen Häuser abbrechen und mehrere Abschnitte in der Stadt selbst herstellen lassen. Am 21. (31.) Juli entstand abermals durch eingeworfene glühende Kugeln an zwei Orten ein Brand, welcher wiederum gelöscht wurde. Auch ward aus der Stadt ein Ausfall gemacht. von Wrangel hatte seine Hauptbatterie bei Nonnenhof aufgefahren, liess nun die - Vorstadt von Eger abbrennen und besetzte auch noch gleichzeitig die Königswarter Schanze mit 300 Mann. Ein aufgefangener Brief des Kaisers an den Commandanten, in welchem er den herannahenden Entsatz ankündigt, veranlasst von Wrangel, die Belagerung mit grösster Energie zu betreiben. Den 30. Juni bis 1. Juli (10. bis 11. Juli) liess man, nachdem der Commandant zu accordiren gesucht und mit etlichen Bürgern und Einwohnern sammt allen den Ihrigen mit Sack und Pack auszuziehen versucht, eine Mine sprengen; hierdurch wurde eine starke Mauer, die bei dem Eamthörlein gestanden, in den Graben geworfen und Palli- saden ruinirt. Sodann wurde die Stadt stark beschossen. — 217 — Demungeachtet setzte die Garnison mit den Bürgern den ernstlichen Widerstand fort und verfertigte unterschiedliche Abschnitte. Am 2. (12.) Juli erstürmte von Wrangel einen „halben Mond" (demi-lunette); die Belagerten hatten aber dieses Werk unterminirt und zündeten es, als die Schweden siegreich eindrangen, an, so dass die Sieger in die Luft flogen. Bald darauf erstürmten aber die Schweden einen Thurm im Zwinger, konnten sich indess nicht darin halten und mussten denselben wieder verlassen. Am 4. (14.) Juli machten die Schweden einen Versuch auf die Stadt, konnten aber wegen noch zu grosser Höhe an der gelegten Bresche ohne augenscheinlichen Verlust zum vorgenommenen Sturm nicht gelangen. Noch ein zweiter Brief des Kaisers wird aufgefangen, der von Wrangel zur grössten Kraftanstrengung veranlasst; obgleich bereits drei Stürme erfolglos geblieben, ordnete er am 6. (16.) Juli noch einen Hauptsturm an; mit fliegenden Fahnen rücken die Schweden an, werden aber wiederum mit grossem Verlast zurückgeschlagen. Feldmarschall von Wrangel liess daher wiederum tüchtig beschiessen, so dass der Commandant bald darauf abermals um Accord sich anmeldete und den jüngst überschickten Oberst von Wrangel (VI 12) hineinbegehrte, welcher denn mit dem Oberst Braunen abgefertigt wurde, die Wünsche zu hören. Es ward Abzug mit Volk und Bagage gewünscht, welches aber selbst nach vielem Wortwechsel nicht bewilligt ward. Man be- schloss daher schwedischerseits, das äusserste zu wagen. Die Schweden führten am 7. (17.) Juli Mittwoch früh vier Uhr noch zehn schwere Stücke in die Linie, Hessen zwei Minen mit Erfolg sprengen, schnitten die Stadt hierdurch ab, Hessen Bollwerk und beschüttete Häuser forträumen und befahlen, die Völker mit fliegenden Fahnen vorzuführen. Nach diesem Versuch musste sich enclHch um neun Ulm früh der Commandant auf Gnade und Ungnade ergeben. Die Schweden besetzten sofort zwei Thore, und mittags zog der Commandant mit seinen Oberoffizieren und ihrer eigenen Bagage ab, während die Unteroffiziere mit der ganzen Garnison, so in drei Compagnien Keiter, fünf Compagnien Dragoner und zehn Compagnien Fussvolk bestand, sammt ihren Standarten und Fähnlein den Schweden unterstellt wurden. Noch an demselben Tage erschien der Vortrupp des Kaisers, welcher mit seinem Heere bei Schlackenwald stand, als Entsatz vor Eger, zog sich aber wieder zurück. Während dieser achtzehntägigen Belagerung sollen die Schweden vier Kapitäns und an 200 Mann Todte verloren haben; 200 wurden gequetscht. Nach anderen Berichten soll der Verlust jedoch viel höher gewesen sein. In der Stadt aber, welche nach Abnahme der meisten Pferde, für Brandschatzung, Glocken und Geschütz noch 22 000 Reichsthaler in Terminen liefern musste — ausgeschlossen, was der zur Burg gehörigen Ritterschaft und anderen, wie auch den Juden absonderlich, ist auferlegt worden —, sind nur vier Bürger todt und 52 gequetscht. Von der Garnison waren 300 Mann todt und verwundet. von Wrangel bHeb ruhig bei Eger stehen, setzte die Stadt in dieser Zeit vollständig in Vertheidigungsznstand, Hess die überflüssigen Aussenwerke schleifen und verschanzte sein Lager auf dem Galgenberge. Ein Angriff der Kaiserlichen am 17. (27.) 28 218 Juli wird vollständig zurückgeschlagen; ein am 20. (30.) Juli durch den Feldmarschall von Wrangel in Begleitung des Generalmajors Helm von Wrangel (Hl 41) unternommener Ueberfall des Lagers der Kaiserlichen ist mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt. Einige Tage bleiben nun noch die feindlichen Heere sich gegenüber stellen, be- schiessen sich gegenseitig, während die Vortruppen sich abwechselnd beunruhigen, bis die Kaiserlichen durch Mangel an Verpflegung gezwungen werden, am 29. Juli (8. August) ihr Lager abzubrechen und auf Plan abzumarschiren. Die Schweden wollen sofort nachsetzen, doch Melander selbst schützt sein Heer mit einer starken Arrieregarde von zehn Regimentern zu Pferd, 2000 Musketieren und sechzehn Geschützen. Auf diese Weise gelingt es ihm, dasselbe ohne grosse Verluste nach Plan zu führen. Die Schweden folgen sofort und lagern sich eine halbe Meile von ihm entfernt. Der Kaiser hatte mit dem Hofkriegsrath von Plan aus seine Armee verlassen. So standen also die Schweden bereits am 3. (13.) August bei Plan und beginnen auch sofort sicli zu verschanzen. Da die Kaiserlichen ein gleiches bei dem Schloss Triebel thun, so musste von Wrangel Sicherheiten treffen, um sein in der Flanke bedrohtes Lager zu schützen. Als daher der Feldmarschall zwei neue Schanzen aufwerfen lassen wollte, wurden am Nachmittage des 12. (22.) August die Arbeiter und deren Bedeckung aus einem Hinterhalt, den Johann de Werth und Montecuculi gelegt, überfallen und ins Lager zurückgetrieben. Dem nun mit anderen Generalen erscheinenden Feldmarschall von Wrangel gelingt es jedoch, die zerstreuten Regimenter zum Stehen zu bringen und die Kaiserlichen durch schwedische Gavallerie aufzuhalten. Es kam zu einem hitzigen zweistündigen Treffen, in welchem auf beiden Seiten sehr tapfer gefochten wurde. Die Schweden gaben ihren Verlust in diesem Treffen auf 117 Todte — worunter sich auch der Generalmajor Helm von Wrangel (HI 41) befand — und 189 Verwundete an. Beide Armeen blieben nun noch einige Tage sich einander gegenüber stehen, in welcher Zeit nur kleine Scharmützel ohne Bedeutung vorfielen, bis die Schweden, durch Futtermangel genöthigt, eine andere Aufstellung nahmen, wodurch sie sich allerdings von Tachau entfernten und so dem Feinde Gelegenheit gaben, dieses Schloss am 26. August (5. September) in Besitz zu nehmen, nachdem die schwache schwedische Besatzung dasselbe verlassen hatte. Infolge einer Bewegung der Kaiserlichen gegen die Königswarter Schanze wandte sich von Wrangel am 28. August (7. September) nach TOpl, wo er zwischen diesem Orte und Teusing eine vortheilhafte Aufstellung nahm, gegen welche die Kaiserlichen sich alsobald in Marsch setzten. Beide Heere führten eigentlich hierdurch einen Flankenmarsch aus — die Kaiserlichen allerdings auf der Hauptstrasse, während die Schweden auf Nebenwegen marschirten. Somit erlangten erstere bald einen Vorsprung, wodurch es ihnen möglich wurde, mit drei Regimentern eine dominirende Höhe zwischen beiden Lagern zu besetzen, ehe die Schweden angekommen waren. Die Kaiserlichen liessen aber die Pferde unten im Gebüsch stehen; von Wrangel, hiervon in Kenntniss gesetzt, entsandte sofort drei Brigaden zur Vertreibung jener auf der Höhe postirten drei Regimenter, Avas auch mit vollständiger Auf- — 219 — reibung derselben gelang. Oberst Pacbonhay sowie alle Offiziere und Leute, die nicht geblieben, wurden gefangen. Nach Aufgabe dieser Höhen verschanzten sich die Schweden dicht vor Töpl, wo sich das kaiserliche Hauptquartier befand. Unbedeutende Beschiessungen und Postenneckereien füllten die nächsten Tage bis 31. August (10. September) aus. Am 7. September kündigten die Bayern den Waffenstillstand, wodurch Aenderungen in den Bewegungen von Wrangeis veranlasst wurden. Die beiden feindlichen Hauptarmeen blieben nun noch einige Tage ziemlich un- tliätig bei Töpl einander gegenüber stehen. Als aber die Kaiserlichen erfuhren, dass General von Hammerstein mit Regimentern vom Königsmarckschen Corps im Anmarsch zu der schwedischen Hauptarmee sei, brachen sie zur Nachtzeit von Töpl auf und rückten nach ihrem alten Lager bei Triebel. Am 8. (18.) September marschirte auch von Wrangel nach Kaaden und Saatz, wo er die von Hammerstein geführten Unterstützungen an sich zog und dadurch eine Stärke von 9(344 Mann zu Pferde und 4530 Mann zu Fuss erreichte, mit welchen er nun ein verschanztes Lager hinter der Eger bezog. Infolge des von Bayern gekündigten Waffenstillstandes fühlte sich von Wrangel docli zu schwach, die beabsichtigte Vereinigung Melanders mit den Bayern zu stören, und um sich dieser Uebermacht zu entziehen, brach er am 20. (30.) September von Kaaden und Saatz auf und rückte über Annaberg nach Meissen. Melander folgte bis Saatz und vereinigte sich hier mit 13 bayerischen Regimentern unter Gronsfeld, während andere 8 bayerische Regimenter nach Memmingen gingen. Nach dieser Vereinigung zog sich von Wrangel an die Saale zurück, die er theils bei Merseburg — wo die Brücke brach —, theils bei Naumburg überschritt, nachdem Wittenberg wiederum nach Schlesien entsandt worden war, um dem jetzt dort auftretenden Johann de Werth kräftig entgegenzutreten. Im Hinblick auf seine Schwäche musste von Wrangel danach streben, sich mit Königsmarck und den Hessen zu vereinigen; er marschirte deshalb nach Höxter, überschritt hier auf einer Schiffbrücke am 29. October (8. November) die Weser und schlug sein Hauptquartier in Corvey auf. Durch das höchst saumselige Nachfolgen der Kaiserlichen unter Melander entgingen die Schweden, deren Angelegenheiten in Anbetracht der erheblichen Schwäche selten so schlecht gestanden hatten, grossen Gefahren; denn unbedenklich hätten nun die Wrangeischen Truppen über Braunschweig nach Pommern geworfen werden können, zumal da Königsmarck und die Hessen an Lamboy ihren Gegner an der Ems gefunden hatten. Melander folgte nicht, sondern verwüstete Hessen und kam am 16. (26.) November bis Zierenberg. Um aber dem General von Wrangel nacheilen zu können, bedurfte er der Verstärkung durch die Bayern, deren General Gronsfeld indessen geheime Befelile seines Kurfürsten erhalten hatte, nichts weiter gegen die Schweden zu unternehmen, weil in solchem Falle Bayern ernstlich durch Frankreich bedroht werden würde. Gronsfeld trennte daher seine Truppen von den Kaiserlichen und nahm Quartier in Franken. 28' — 220 — Wir haben von Wrangel verlassen, als er ohne Geld und sonstige Unterstützung vom Mutterlande sein Hauptquartier nach Corvey verlegt hatte. Hier blieb er, bis die Nachricht einging, dass Melander einen ernsten Angriff auf ihn beabsichtige. Da brach er die Brücke bei Höxter ab. schickte alle Weserschiffe nach Hameln und verlegte selbst sein Hauptquartier nach Oldendorf zwischen Hameln und Rinteln. Nachdem jedoch kein Angriff erfolgte und der Feind Winterquartiere bezog, verlegte auch von Wrangel seine Armee in weitläufige Quartiere bis nach Magdeburg, Halberstadt und Hildesheim und trug eifrig Sorge, dass seine Offiziere und Reiter hinlänglich mit Pferden versehen wurden. In diese Zeit fallen auch die unangenehmen Verhandlungen betreffs des Oberst Wanke. Dieser Offizier hatte nämlich die Absicht gehabt, mit 500 Reitern den Kurfürsten von Sachsen aufzuheben, wurde aber bei diesem tollkühnen Vorhaben gefangen und auf die Pleissenburg nach Leipzig gebracht, von Wrangel, der mit Recht die Rache des Kurfürsten fürchtete, bestand nun darauf, dass Oberst Wanke ihm selbst ausgeliefert werde, damit er von einem schwedischen Kriegsgericht abgeurtheilt werden solle. Das ganze Benehmen des Feldmarschalls zeugt hierbei von Energie und Edelsinn. Ein Versuch, das Schloss Gleichenstein im Eichsfeld zu nehmen, missglückte ebenfalls in dieser unglücklichen Zeitperiode. Feldmarschall von Wrangel hatte die ihm gelassene Zeit vortrefflich benutzt, seine Armee wieder zu reorganisiren. Die Herzöge von Braunschweig mussten allein 11000 Pferde dazu hergeben. Da auch inzwischen Verstärkungen eintrafen, konnte von Wrangel schon Anfang Januar 1648 mit 22000 Mann trefflich ausgerüsteter Truppen die Weser bei Minden passiren und sich bei Pyrmont, seinem derzeitigen Hauptquartier, concentriren. Melander ging seiner Schwäche wegen gegenüber den immer mehr sich verstärkenden Feinden bis Nürnberg zurück und überschritt am 14. (24.) und 15. (25.) März bei Ingolstadt die Donau, um die Lechlinie zu decken. Somit war dem Feldmarschall von Wrangel nördlich des Main freie Hand gelassen. Er nahm die noch vom Feinde besetzten Plätze, wie Homburg, Friedland und Gleichenstein (letzteres durch Douglas), und ging sodann mit dem Hauptcorps in der Richtung auf Mainz, um sich mit Turenne zu vereinigen, dem er Saalmünster als Sammelplatz vorgeschlagen hatte. Gleichzeitig macht er der Landgräfin in Cassel persönlich einen Besuch, um dieselbe für einen Winterfeldzug zu interessiren, was ihm allerdings nur theilweise gelang; noch weniger glückte es ihm, den Landgrafen Georg dazu zu bewegen, ihm die von den Kaiserlichen zurückgelassenen Kanonen herauszugeben. Trotzdem setzt von Wrangel seinen Vormarsch fort. Er geht über Fritzlar nach der Wetterau, dann von Saalmünster durch den Spessart und trifft am 6. (16.) Februar in Gemünden ein, während Königs- marck mit der Avantgarde in Neustadt an der Saale steht. Seine Stärke bestand um diese Zeit aus 15 000 Pferden, 7000 bis 8000 Mann zu Fuss, 60 Geschützen und 100 neuen Munitionswagen. Turenne, noch verstimmt wegen der Annahme seiner revoltirten deutschen Regimenter, beeilte seinen Anmarsch durchaus nicht. Erst am 7. Februar ging er mit 4000 — 221 Mann zu Fuss, 4000 Reitern und 20 Geschützen zwischen Mainz und Oppenheim über den Rhein, besetzte Ascliaffenburg und langte am 14. (24.) Februar bei Lohr am Main an. In Gemünden traf von Wrangel, welcher aus seinem Hauptquartier Arnstein herüberkam, mit Turenne zusammen, wo letzterer noch mehrfache vergebliche Versuche machte, seine entlaufenen Regimenter zurückzubekommen. Von hier aus begaben sich sämmtliche Generale am 23. Februar (4. März) nach Würzburg, wo sie vom Kurfürsten feierlich empfangen und b'ewirthet wurden. Nachdem von Wrangel von liier aus die wenigen hessischen Regimenter nach Hessen zurückgeschickt hat, verlegte er sein Hauptquartier am 28. Februar (9. März) von Kissingen nach Uffenheim und veranlasste von hier aus durch Drohungen, dass ihm der Bischof von Bamberg die vom Feinde bei Forchheim zurückgelassenen Geschütze über- liess; mit diesen begann er sofort die Belagerung des festen Windsheim und nahm dasselbe auch nach dreitägiger Beschiessung am 3. (13.) März ein. Am 8. (18.) März setzte von Wrangel seinen Marsch über Leutershausen in die Ebenen von Wassertrüdingen, Oettingen und Dinkelsbühl fort und vereint sich am 13. (23.) März wieder mit Turenne, der von Lohr über Crailsheim herangerückt war. Während beide Heere hier einige Tage ruhen, lässt von Wrangel durch den Oberst von Bülow das Schloss Wallerstein erobern; Königsmarck nimmt das Schloss Pappenheim. Turenne dagegen ergreift in dieser Zeit Besitz vom Schlosse Harburg; Donauwörth wird wiederum vom Feinde freiwillig verlassen und die geängstigten Bürger bringen von Wrangel die Schlüssel entgegen. Die Bayern unter Melanders Befehlen verliessen bei Annäherung der Schweden gegen die Donau ihre Stellungen bei Regensburg und rückten nach Thierhaupten an den Lech, vergebens noch immer Lamboy erwartend, der vom Kurfürsten von Cöln zurückgehalten wurde. von Wrangeis Absicht ging nun dahin, im Verein mit Turenne nach Böhmen zu marschiren, woselbst Eger von den Kaiserlichen belagert wurde; letzterer, der Schwaben als Operationsbasis erwählt hatte, weigerte sich jedoch entschieden mitzugehen. Nachdem Königsmarck mit 2000 Reitern, 2 Compagnien Dragonern und einigen Geschützen Hirschau erobert, entsetzt er am 27. März Eger und kommt am 6. (16.) April mit reicher Beute beladen bei Bamberg an, so dass er sicli noch bei der Einnahme von Dinkelsbühl betheiligen kann. Während dessen hatten die beiden Hauptarmeen wenig erhebliches gethau. Nach Verstärkung der Befestigung von Nürdlingen rückt von Wrangel am 20. (30.) März nach Weissenburg, während Turenne sich westlich nach Dinkelsbühl und Crailsheim wendet, von Wrangel nimmt alle vom Feinde besetzten Schlösser, geht allmählich bis Neumark vor, wendet sich zur Altmühl und langt am 6. (16.) April bei Dürrwangen, eine Meile von Dinkelsbühl, an. Nach zweitägiger Beschiessung ergiebt sich letztere Stadt am 11. (21.) April an den Feldmarschall, nachdem die Mauer in Bresche gelegt war. Hier gerieth von Wrangel in Lebensgefahr. Nachdem er vor Dinkelsbühl gestanden und eines Tages nur mit einem Pagen, einem Trompeter und zwei Windspielen — 222 — von den Truppen ab ins Feld geritten, ( hielt ein kaiserlicher Kittmeister, der vordem auch Trompeter gewesen, mit einem Trupp im Busch und ward den Feldmarschall und den bei sich habenden Trompeter gewahr. Der Kittmeister sagte daher zu seinen Leuten: „Das ist bei dem Teufel der General; denn ich kenne den Trompeter, so mit ihm reitet, gar wohl —• bin vor diesem sein Kamerad gewesen." „Solche Rede", sagt die alte Chronik, „hat der Herr General — zweifelsohne aus himmlischer Yerhängniss — gehöret, dem Pferde alsbald die Sporen gegeben und ist zu seinen Truppen zurückgeeilt." Der kaiserliche Rittmeister setzte zwar ans dem Busche nach und kam dem General schon so nahe, dass er ihn bald hätte mit den Händen erreichen können; der begleitende Page bemerkte dies, eilte sofort herbei und gab Feuer auf den Rittmeister. Letzterer erschoss indessen dem Pagen das Pferd unter dem Leibe, wandte sich hierauf und sprengte davon — so war von Wrangel gerettet. Am 17. (27.) April verliess von Wrangel Dinkelsbühl, nachdem er es befestigt und mit hinlänglicher Besatzung versehen. Im Verein mit den französischen Regimentern bezog er am 20. (30.) April das Hauptquartier in Göppingen, Turenne das in Reutlingen. Nach den Anstrengungen der Winter - Champagne gönnte man hier den Truppen einige Wochen Ruhe und bezog deshalb weitläufige Erholungsquartiere. In Göppingen erhielt von Wrangel einen eigenhändigen, höchst gnädigen Brief von der Königin Christine, worin sie sagt: „Wie sie mit seinen bisherigen Handlungen gar wohl zufrieden wäre, hätte jedoch aus hoch bewegenden Ursachen dem Pfalzgrafen Carl Gustav das Obercommando auftragen müssen, jedoch solcher Gestalt, dass er nächst demselbem das Commando führen solle." — Ausserdem schenkte die Königin dem Feldmarschall das Schloss Bremervörde und erhöhte sein Jahresgehalt um 12 000 Thaler. Der Pfalzgraf schrieb ebenfalls an von Wrangel höchst freundliche Briefe mit der Zusicherung, keine Hauptaction ohne seinen besonderen Rath unternehmen zu wollen. Somit konnte eigentlich von Wrangel gar nicht anders, als dem Befehle seiner Königin treulich nachzukommen und zwar um so mehr, als damals jedermann die Ueber- zeugung hatte, dass der Pfalzgraf der baldige Gemahl der Königin sein würde. Der Feind hatte sein Hauptquartier in letzter Zeit nach Günzburg verlegt, während er einzelne Abtheilungen auch auf das linke Donau-Ufer hinübergeschoben hatte. Das inzwischen durch die Tureunesche Armee verstärkte schwedische Heer, 1 ) auf vierzehn Tage mit Lebensmitteln versehen, war am 1.(11.) Mai aus seinen Quartieren aufgebrochen und erschien am 3. (13.) Mai bei Langenau, eine Meile von Günzburg. Melander hatte iudess nicht die Absicht, hier stehen zu bleiben; er brach deshalb die Donaubrücke ab und ging auf Augsburg zurück, von Wrangel und Turenne verfolgten ihn sofort über die erhalten gebliebene Donaubrücke bei Lauingen am 6. (16.) Mai bis nach Zusmarshausen an der Zusam, an deren östlichem Ufer der Feind eine vortheilhafte Stellung eingenommen hatte. Am Abend genannten Tages erschien von Wrangel per- i) von Wrangeis und Turennes Armee hatte damals folgende Stärke: 35 schwedische Reiter-Regimenter zu 10 500 Mann (2000 ohne Pferde), 8 schwedische Brigaden zu Fuss mit 4500 Mann, französische Reiterei 4000 Mann (800 ohne Pferde), französisches Fussvolk 3000 Mann, zusammen 22000 Mann. sönlich mit der Vorhut, (aus sechs schwedischen und drei französischen Regimentern bestehend), um die feindliche Stellung zu recognosciren. Melander befürchtete von Augsburg abgeschnitten zu werden und befahl den Abmarsch auf den 7. (17.) Mai in aller Frühe, welchen Montecuculi mit 800 Musketieren, 1500 Reitern und 4 Geschützen decken sollte. Als Melander den Anmarsch des Feindes erfuhr, ertheilte er sofort eine weitläufige Marschordnung, aus der hervorgeht, dass er befürchtete, der Feind habe schon einen Vorsprung gegen Augsburg erlangt, und er werde somit mit seiner Vorhut auf ihn treffen, wodurch das abrückende Heer von der Nachhut durch die ganze Bagage getrennt wurde. Kaum hatten sich die Wagen in Bewegung gesetzt, so erschienen auch schon die Franzosen, welche heute von Wrangeis Vorhut bildeten, an der Zusam. Infolge der gemachten Recognoscirung hatte nämlich von Wrangel dem Gros seiner Armee den Befehl geschickt, „mit der Bagage die ganze Nacht hindurch zu mar- scliiren," wodurch er es ermöglichte, dass am 7. Mai früh zwei Uhr die herbeieilenden Regimenter den befohlenen Sammelplatz erreicht hatten. Mit Tagesanbruch setzten sich 30 französische Coinpagnien zu Pferde gegen den Feind in Marsch, denen sich der Feldmarschall persönlich anschloss. So stand er mit dieser geschlossenen Abtheilung früh sieben Uhr der kaiserlichen Nachhut gegenüber. Montecuculi liess, um dies sofort dem vorausgeeilten Melander zu melden, die verabredeten drei Signalschüsse abgeben. Damit aber die Armee den nöthigen Vorsprung sich verschaffen konnte, suchte er mit Benutzung des Terrains sich noch einige Zeit zu halten, was ihm meisterhaft gelang. Als sich aber der Feind immermehr verstärkte, befahl Melander, dass Montecuculi den Rückzug antrete, welcher bis zu einem Pass glücklich ausgeführt wurde. Hier an diesem Defile, dessen Front durch einen Morast gedeckt war, wurde Montecuculi von Melander selbst aufgenommen, der mit 500 Musketieren, 400 Reitern und zwei Geschützen eine vortheilhafte Stellung gewählt hatte, während Bronsfeld und Fernemont den Rest der Armee weiter rückwärts nach einer neuen Position fortführten. Iudess auch hier wurden die kaiserlichen Reiter vom Feinde bald geworfen und flohen. Melander eilte hinzu, ward aber — durch einen Carabinerschuss in den Rücken — getödtet. Auch Montecuculi wurde mit der Infanterie aus dem Holze geworfen und rettete seine Person nur dadurch, dass er vom Pferde sprang und durch einen Morast watend in einen Wald entkam. Während Turenne den Feind in der Front festhielt, hatte von Wrangel den Morast rechts und links umgangen und hierdurch die feindliche Nachhut von ihrem Gros um so vollständiger abgeschnitten, als zwischen beiden die Bagage sich befand. — Die kaiserlichen Musketiere wurden gänzlich aufgerieben und gefangen, sechs Geschütze und viele Wagen erbeutet und nur ein Theil der Reiterei verdankte der Geschwindigkeit ihrer Pferde die eigene Rettung. Das Gros war hinter der tief eingeschnittenen Sehmutter aufgestellt, die Ueber- gänge waren stark besetzt, und man war in dieser vortheilhaften Position zum hartnäckigsten Widerstand entschlossen. 224 — von Wrang el traf nun hier mit der Reiterei und 30 Geschützen ein, konnte aber die Position nicht nehmen, da die Infanterie des forcirten Nachtmarsches wegen vor Ermüdung nicht mehr hatte folgen können. Erst die Nacht machte liier dem Kampfe ein Ende. Während der Nacht zogen die Kaiserlichen, die selbst ihren Verlust auf 1782 Mann, 6 Kanonen, 353 Wagen und 633 Pferde angeben, sich hinter die Wertacli zurück, so dass sie nun hart vor Augsburg standen. In der traurigsten Verfassung führen Gronsfeld und Montecuculi die Armee am 8. (18.) Mai über den Lech, stellen sich bei Kissing auf, und es gelingt ihnen, sich an dem zufällig sehr angeschwollenen Flusse bis zum 18. (28.) Mai zu halten. Der Feldmarschall von Wrangel entsandte unmittelbar nach der Schlacht den General Königsmarck mit vier Regimentern zu Pferde, seinen Dragonern und seiner Leib- Compagnie zurück au die Donau, durch die Oberpfalz nach Böhmen. von Wrangel selbst marsckirte am 14. (24.) Mai zur Täuschimg seines Gegners den Lech aufwärts, den Feind cotoyirend; in der Nacht kommt der Feldmarschall aber rasch zurück, doch der Feind bemerkt es, kehrt ebenfalls um und steht am andern Morgen den Schweden gerade gegenüber, und zwar auf derselben Stelle, wo schon Tilly den Lech gegen Gustav Adolf vertheidigt hatte, was nun von Wrangel veranlasste, auch seinerseits die Aufstellung des Königs zu wählen. Eine Schlacht schien somit unvermeidlich; zu einem solchen Wagstück hatte aber Gronsfeld vom Kurfürsten keine Erlaubniss erhalten, weshalb der gemeinschaftliche Rückzug ins Innere Bayerns beschlossen wurde; dieser wurde denn auch am 6. (16.) Mai in einer, allerdings so übereilten Weise angetreten, dass man den grössten Theil des Heergeräths am Lecli stehen liess, obschon die Schweden erst am 19. (29.) Mai mit dem Schlagen einer Brücke über den sehr angeschwollenen Fluss zu stände kommen konnten. Dieses gab nun das Zeichen zu einer allgemeinen Flucht in ganz Bayern, voran der Kurfürst Maximilian, welcher nach Wasserburg und Salzburg ging, doch nicht, ohne vorher den General Gronsfeld wegen der schlechten Vertheidigung des Lech verhaften und vor ein Kriegsgericht stellen zu lassen. Gronsfeld wurde jedoch, da er bewies, in allem den bestimmten Insructionen des Kurfürsten streng nachgekommen zu sein, freigesprochen. von Wrangel liess nur 2000 Mann an der Lechbrücke bei Rain zurück und rückte mit Turenne langsam gegen die Isar vor, indem er das Land gründlich verwüstete, um den Kurfürten für seinen Treubruch recht empfindlich zu strafen, von Wrangel, welcher die weichende kaiserliche Armee immer weiter verfolgte, legte eine Besatzung in das verlassene Landshut, vertrieb den Feind bei Freising und überschritt am 22. Mai (1. Juni) auf einer von seinen Truppen geschlagenen Brücke die Isar. In dieser Zeit fordert von Wrangel von Bayern 2 000 000 Gulden Gold als Rantion und tritt deshalb mit dem bayerischen Minister, Grafen Kurzen, in Briefwechsel. Derselbe führte aber zu keinem Resultat, und da der Kurfürst nicht zahlte, so musste es das Land entgelten. Bei Gelegenheit des Marsches über Erdingen und Haag schleift von Wrangel den 28. Mai das Scliloss Hochburg und trifft am 2. (12.) Juni in der Stadt Mühldorf ein, wo auf dem andern Ufer des Inn eine Schanze lag, die von den Bayern besetzt war. Ueberhaupt wird den Alliirten ein Ueberschreiten des Inn durch die neugeworbenen kaiserlichen Truppen unter Graf Piccolomini, Herzog von Amalfi, ernstlich verwehrt; derselbe steht auf dem rechten Ufer mit 20 000 Mann wohl ausgerüsteter Truppen. Auch Johann de Werth ist wieder zum Heere zurückgekehrt, nachdem er sich mit dem Kurfürsten wegen seiner Desertion zu den Kaiserlichen ausgesöhnt hat. Nach mehrfachen vergeblichen Uebergangsversuchen verliessen von Wrangel und Turenne den Inn und bezogen bei Eggenfelden ein festes Lager, in welchem sie des fortwährenden Kegens wegen fünf Tage liegen blieben. Den Kaiserlichen waren während dessen in dem ganz ausfouragirten Lande die Mittel zur Verpflegung sein- knapp geworden. Sie überschritten daher bei Vilshofen die Donau, versahen sich auf dem andern Ufer mit Lebensmitteln, zogen gleiclizeitig Cavallerie aus Böhmen an sich, betraten dann das rechte Donau-Ufer bei Schärtingen und setzten sich hier fest. Hiergegen brach nun von Wrangel am 11. (21.) Juni auf in der Absicht direct an die Donau zu gehen; er rückte auch bis Hirschbergen vor, wendete sich jedoch zur Isar um, theils aus Verpflegungsrücksichten, theils aber auch um Bayern noch länger seine strafende Hand fühlen zu lassen und steht am 16. Juni in Dingolfing, wo nun von den Alliirten ein festes Lager bezogen und die Isarbrücke mit einem festen Brückenkopfe versehen wird. Die Kaiserlichen unter Piccolomini und die Bayern (jetzt unter Enkevort) folgen der Bewegung der Schweden und langen am 19. (29.) Jidi bei Landau an, wo sie sich ebenfalls verschanzen und Brücken über die Isar schlagen. Beide Armeen standen sich somit nahe gegenüber, und es erfolgten viele kleine Gefechte, unter denen das am 22. Juli (1. August) vorgefallene besonders zu erwähnen ist. Der Feldmarschall von Wrangel ritt an diesem Tage, einem Sonnabend, mit etlichen Escadrons über die Brücke gegen das Schloss Leonsberg zur Kecognoscirung des kaiserlichen Lagers. Hier traf er im Walde den Feldmarschall-Lieutenant Truck- müller und den Herzog Ulrich von Württemberg mit etwa 1500 Pferden an. Wegen des Holzes konnte nur truppenweise chargirt werden, und so gelang es von Wrangel, den Herzog mit 150 Reitern gefangen zu nehmen und nach Dingolfing zu bringen. Dieses Vorfalls wird späterhin bei den Mittheilungen über die Familie des Feldmarschalls nochmals Erwähnung gethan werden. Am 28. Juli (7. August) rückte Piccolomini direct gegen das feindliche Lager vor und stellte sich bei Mamming auf. Auch diese Zeit Hüllten nur kleine Gefechte aus, die zum Nachtheil der Kaiserlichen ausfielen. Nur in einem gelang es diesen, eine vorgeschobene Schanze zu nehmen; indess bald führte von Wrangel die Reserven vor und trieb den Feind wieder mit empfindlichen Verlusten zurück. Als die Lebensmittel knapp werden, brechen von Wrangel und Turenne am 18. (28.) August aus ihrem Lager auf und rücken längs der Isar bis eine Meile vor Landshut; aber schon am 23. August nach Isareck und beziehen am 25. August (4. September) ein Lager bei Mosburg, das von Wrangel sofort verschanzen lässt; auch werden auf dessen Befeld hier zwei mit Brückenköpfen versehene Brücken über die Isar geschla- — 226 — gen. Von hier aus unternehmen die Schweden Streifparteien, welche sich bis vor München und Regensburg erstreckten und ihnen auch Beute einbrachten. Namentlich fügten sie dem Lande dadurch unermesslichen Schaden zu, dass sie Pferde und sonstiges Vieh mit sich fortführten. Piccolomini marschirte unterdessen langsam von einem Ort zum andern, bis er denn am 24. September (4. October) nach München kam; von Wrangel dagegen rückt über Freising und Haimhausen nach Dachau, wo er am 22. September (2. October) eintrifft und in der grössten Gefahr schwebt gefangen zu werden. Turenne lagerte eine Stunde davon. Hier in Dachau ereignete sich nämlich die oft erzählte, sogar besungene, sogenannte Hirschjagd bei Dachau, 1 ) die das letzte gelieferte Gefecht von einiger Bedeutung in diesem Kriege war und auch für die Sittengeschichte einiges Interesse bietet. In dem von Morästen umgebenen Walde zwischen München und Dachau, unweit des Dorfes Feldmacliiugen, hegte der Kurfürst die stattlichsten Hirsche. Der Feldmarschall von Wrangel, der ein Waidmann sondergleichen war, liess in der Absicht, sich dem Vergnügen der Jagd hinzugeben, am 25. September (5. October) die Gehege durch Soldaten in grosser Anzahl umstellen, mit 600 Reitern aber die Landzunge vor dem Gehölz besetzen, so dass er unter dem Schutze von 16 Schwadronen wohl gegen jede Störung in der Befriedigung seiner Leidenschaft sich gesichert wähnen konnte. Johann de Werth, welchem das Stattfinden dieser Jagd bekannt geworden, beschloss, sich an ihr zu betheiligen; er befahl zu dieser Expedition die besten Reiter aus den einzelnen Regimentern auszusuchen, sammelte sie, liess Mäntel und Futtersäcke ablegen, und trabte sodann mit den Reitern, begleitet von Enkevort, dem Jagdrevier zu. In tiefer Stille, durchaus unerwartet, fielen sie auf das Regiment, welches des Waldes Zugang hüten sollte. Die Hüter wurden auseinandergesprengt, bevor die Generale, die in das Waidwerk vertieft waren, auch nur eine Ahnung von der Gefahr erlangt hatten. Unbeschreibliche Bestürzung ergriff die in ihrer Lust gestörten Herren, die beiden Gebrüder von Wrangel, Turenne, Douglas und andere Cavaliere. Carl Gustav von Wrangel gebot augenblicklichen Rückzug, den er durch Aufstellung von 140 Dragonern in vortheilhafter Position an einem Wasser zu decken wähnte. Aber ungestüm setzte Johann de Werth mit dem linken, Enkevort mit dem rechten Flügel durch den Bach; die Dragoner wurden umringt und niedergehauen, bevor sie zu ihren Pferden kommen konnten. Darauf galt es von Wrangeis Leib-Regiment, welches als das hinterste den Rückzug decken sollte; es wurde mit bedeutendem Verluste gesprengt, sein Oberstlieutenant getüdtet. Das Gleiche widerfuhr auch den nächsten Schwadronen. Zwischen dem Morast und den Feinden eingeengt, würde die ganze Schaar wohl schwerlich dem !) Welches Aufsehen diese sogenannte Hirschjagd von Dachau damals erregt hat, geht daraus hervor, dass man dieselbe sogar bildlich darstellte. Im Vordergründe des Gemäldes sieht man den sich schnell entfernenden, nach den Feinden umsehenden Feldmarschall von Wrangel am Rande des Morastes mit Turenne, eine Flinte haltend; neben ersterem liegt ein verendeter stark aufgesetzter Hirsch; hinter dem Feldmarschall der lichte Wald, in welchem die Seinen üborfallen worden und viel Handgemenge stattfindet. Rheinisches Künstler-Album 1852; Theatrum Europaeum. Pulverliorn des Feldmarsclialls Graf Carl Gustav von Wrangel. Vorderseite. — 227 Tode oder der Gefangenschaft entgangen sein, falls de Werth Zeit gehabt hätte, mittelst vorgenommener Schwenkung an des Waldes Ausgang Dachau zu erreichen, und der Himmel selbst sich nicht der gefährdeten Jäger angenommen hätte. Vor ihren Augen setzte ein geängstigter Hirsch durch den Morast; seiner Spur zu folgen und die Stelle zu untersuchen, wurde sofort ein Reiter beauftragt, welcher auch glücklich die andere Seite erreichte. So war ein Ausgang gefunden und der Feldmarschall von Wrangel konnte noch eben mit Turenne und einigen anderen entschlüpfen, aber sein Bruder Adolf Hermann von Wrangel (VI 8) und sein Vetter Gustav von Wrangel (VII 2), Oberstlieutenant bei den Dragonern, der junge Horn und eine Anzahl vornehmer Offiziere wurden gefangen und der Todten mehrere Hundert gezählt. Unter den Trophäen des Tages befanden sich die Standarten von Wrangeis Regiment, sowie des Generals von Wrangel Degen, 800 bis 1000 Pferde — die Schweden gaben nur einen Verlust von 350 Pferden an —, silbernes und goldenes Tafelgeschirr; aber hiermit zeigte sich der Kurfürst Maximilian nicht befriedigt. Beharrlich in seiner Abneigung gegen Johann de Werth, gab er diesem schuld, dass er durch absichtliches Zurückhalten seines Flügels den schwedischen Feldmarschall habe entrinnen lassen. Wegen Mangel an Verpflegung in dem ausgesogenen Lande rückte von Wrangel am .26. September über Mamendorf nach Kaufering bei Landsberg. Aber schon am folgenden Tage, den 29. September, musste A'on Wrangel auch diese Gegend verlassen, weil auf Befehl des Kurfürsten alle Subsistenzmittel hatten fortgeschafft werden müssen. Er dirigirte sich daher über Scheuring in die Gegend von Schwab-München an den Lech und lagerte sich hier den 1. (11.) October. Am 5. (15.) October verlegte von Wrangel sein Hauptquartier nach Donauwörth und liess die ganze Armee über die Donau gehen. Turenne ging nach Dillingen, die schwedische Cavallerie quartierte sich um Nördlingen ein. Inzwischen war aber Friede geschlossen worden. Am 8. (IS.) October trafen bereits die bei Dachau gefangenen Offiziere ein, unter ihnen auch die beiden Wrangel; überhaupt schien um diese Zeit schon eine Auswechselung der gefangenen Offiziere stattgefunden zu haben. Am 19. (29.) October bricht von Wrangel von Donauwörth auf, zieht „mit grossem Comitat" durch Nördlingen und legt sein Hauptquartier in das Dorf Wechimpen in der Grafschaft Dettingen. Am folgenden Tage erhielt von Wrangel durch einen Courier aus Nürnberg die Nachricht vom Friedensschluss, so dass er am 23. October, obgleich Nördlingen auf ein Jahr verproviantirt war, nach Arnebau und Turenne nach Feuchtwangen rückten. Infolge der am 27. October durch einen bayrischen Trompeter erhaltenen Meldung von der befohlenen Einstellung der Feindseligkeiten machte von Wrangel am 28. dem Marschall Turenne in Feuchtwangen seinen Abschiedsbesuch, den dieser am folgenden Tage in Arnebau erwidert. Turenne rückt am 30. October (9. November) auf Rothenburg ab. von Wrangel setzte seinen Rückzug nach Nürnberg fort und traf am 1. (11.) November hier in Person ein. Die schwedischen Agenten hatten grosse Vorbereitungen — 228 — getroffen, und schon den Tag vorher 80 000 Pfund Brot nach Schwabach in das Hauptquartier gesandt. Ausserdem waren nach Nürnberg wegen Verpflegung der vielen Offiziere, Soldaten, Marketender und der Gemahlin des Feldmarschalls allerhand Lebensmittel gebracht worden. von Wrangel blieb hier vier Tage und marschirte demnächst mit der Armee nach Bamberg, wo sie längere Zeit liegen blieb. In einem Dorfe, eine halbe Meile von Bamberg, nahm von Wrangel sein Hauptquartier, während seine Armee Interimsquartiere erhielt, die sich von hier bis Gotha und Weimar erstreckten. Obgleich nun der Friede 1G48 abgeschlossen war, blieben die schwedischen Truppen noch bis Mitte 1650 in Deutschland. Im Januar 1649 wurde zu Bamberg für dieselben eine weitläufige Dislocation ausgearbeitet, die auch bald ins Leben trat. Unser Feldmarschall von Wrangel erhielt mit dem Generalmajor Lorenz von der Linde in Schweinfurt, Wertheim, Neuhaus etc. Hauptquartier angewiesen. Am 14. November 1648 wählte von Wrangel Schweinfurt zum Hauptquartier, wo er auch seine Frau und Kinder im Hause des Dr. Bausch auf dem Rossmarkte einlogirte. Am 24. November erfolgte die Publikation des Friedensschlusses durch öffentlichen Trommelschlag in Schweinfurt mit einem ganz besonderen Signat; es verging aber noch lange Zeit, bis die Bedingungen des Friedens vollzogen, die Ratifikationen ausgewechselt und die an die Schweden zu zahlenden Kriegskosten erlegt werden konnten. Nachdem endlich am 28. August 1649 der Friedensrezess in Nürnberg zu stände gebracht und am 21. September von allen Theilen unterzeichnet worden war, wurden daselbst prachtvolle Bankets gegeben. Namentlich zeichnete sich das von von Wrangel auf dem Kathhause zu Nürnberg am 5. October arrangirte Fest aus. In Schweinfürt wurden grosse Feuerwerke abgebrannt und die Gastmahle fortgesetzt, nachdem der Feldmarschall hier angekommen war. In letzterer Stadt sah derselbe sich auch veranlasst, am 20. October ein strenges Gericht abzuhalten. Bei der Reduction der Garnison von Schweinfurt und allmählichen Räumung der verschiedenen besetzt gehaltenen festen Plätze weigerte sich das national- schwedische Infanterie-Regiment Steinecker nach Livland zu gehen; es wollte vielmehr entlassen sein. Die Meuterer warfen sich in den Zwinger und verschanzten sich daselbst. Nachdem alle Versuche zu einer gütlichen Beilegung gescheitert waren, berichtete der Pommandant alles an die Generalität nach Nürnberg, von wo der Feldmarschall von Wrangel, welcher am 14. Mai mit sein Familie dorthin übergesiedelt war, selbst nach Schweinfurt kam. Beim Einreiten in die Stadt überreichte ihm die Schildwache der Unzufriedenen vor dem Zwingerthore eine Bittschrift, die der Feldmarschall auf dem Markte las. Da nun auch ein an die Empörer abgesandter Oberst ihren Starrsinn nicht zu beugen vermochte, so wurden nach und nach von verschiedenen Orten Truppen herangezogen, so dass der Markt stark besetzt werden konnte. Der Feldmarschall sandte nun seinen General-Auditeur zu den Aufwieglern, um dieselben zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Der Versuch scheiterte indess. Das Regiment beharrte bei seinem Verlangen, verabscliiedet zu werden; man hiess dem Abgesandten sogar, sich sofort zu entfernen, widrigenfalls wäre die Kugel sein Doos. Nun ritt der Feldmarschall in Begleitung des Commandanten und anderer Stäbs- Offiziere selbst vor den Zwinger und liess den Meuterern unter ernstlicher Ansprache Gnade anbieten, wenn sie ohne Verzug ihre Verschanzung verlassen und die Anstifter ausliefern würden. Zwei der hauptsächlichsten Rädelsführer liefen vor, warfen sich dem Feldmarschall zu Füssen, Hellten ihn um Gnade und erhielten sie auch, worauf der ganze Haufe die Verschanzung verliess und im Gewehr und mit brennenden Lunten in die grosse Schanze vor dem Brückentliore zog. Der Feldmarschall begab sich in Begleitung des Commandanten dorthin und erliess den Befehl, die Gewehre niederzulegen, welchem auch sofort Folge geleistet wurde. Die Rädelsführer wurden hierauf auf das Stockhaus gebracht. Bei dem noch an demselben Tage abgehaltenen Kriegsgericht wurden 27 derselben als Erzrebeilen bezeichnet und zum Stricke verurtheilt. Man knüpfte zunächst vier Mann auf, sieben andere mussten loosen, wer von ihnen als der fünfte gehängt werden sollte; den übrigen schenkte der Feldmarschall das Leben. Die Mannschaft liess man aufs neue Treue schwören, worauf sie in ihre Quartiere entlassen wurde. Beim Abgange des Feldmarschalls von Schweinfurt am 22. October schenkte ihm der Magistrat ein Trinkgefäss in Gestalt eines Greifes, 220 Thaler werth, wogegen er der Stadt ein Gegengeschenk mit einer dänischen Halbkartaune machte. In Nürnberg erliess der Feldmarschall ein Verbot, das in Schweinfurt Vorgefallene in den Zeitungen zu besprechen. Endlich wurden am 9. Februar 1650 die letzten Tractate zu Nürnberg unterzeichnet. Am 2. April nahm von Wrangel von Nürnberg Abschied und kam am 6. April zu Wasser in Schweinfurt an, von wo er am 8. April mit Gemahlin und Kindern nach Würzburg aufbrach. Hier Avird er gut empfangen und tractirt, auch giebt man ihm zu Ehren Feuerwerk und Comödie. Am 11. April kamen aus dem Stifte Würzburg vierzig Wagen nach Schweinfurt, um die zahlreichen Effecten des Feldmarschalls und anderer Stabspersonen wegzuführen, und am 17. April zog von Wrangel selbst ab; seine Gemahlin mit der noch, hier befindlichen Hofdienerschaft folgte am 19. April. Unweit Verden, avo der Feldmarschall am 12. Mai anlangte, entliess er die Leib- Compagnie zu Pferde, die Dragoner-Compagnie und die Compagnie Polacken und reducirte das Leib-Regiment auf sechs Compagnien. Am 27. Mai brach jedoch von Wrangel, der die Stelle des Generalissimus in Nürnberg bei einigen eingetretenen Schwierigkeiten ersetzen sollte und daher von diesem zurückgerufen wurde, wieder nach Schweinfurt auf, jedoch ohne grosses Gefolge, und traf am 17. Juni ein. Die Gemahlin des Feldmarschalls blieb zurück. 1 ) Diesmal wurde der Feldmarschall vom Rathe zu Schweinfurt bewirthet, Nachdem alles noch hier befindliche Geschütz (eine Halbkartaune, zwei Achtpfünder, einige Feuermörser und gegen 26 Wagen mit Granaten, Feuerbällen, Blei und anderer Munition) ab- i) Um sicli von dem grossen Tross des Feldmarschalls ein Maros Bild zu machen, möge folgende Notiz Aufnahme linden. Der St ah und Unterstab bestand aus: dem Feldmarschall, ZAvei Generale:;, neun höheren Beamten des Stahes. Ausserdem befanden sich die Gemahlin, zwei Kinder und die ganze Dienerschaft hei dem Feldmarschall, so dass sich im ganzen 175 Personen und 331 Pferde heim Stahe befanden. Der Hofstaat des Feldmarschalls seihst bestand aus 106 Personen exclusive Pagen männlichen Geschlechts, sotvie aus 21 weihlichen Personen. Aber auch die übrigen Herren vom Stahe und Unterstehe hatten ein entsprechendes Personal und in demselben Verhältniss auch die übrigen Stabs-Offiziere. — 230 — geführt und der Feldmarscliall der Stadt noch zwei alte Stücke geschenkt, verliess derselbe diese für immer. Am 6. August 1650 früh '/s 5 Uhr lieferte der schwedische Commandant Nilson dem Rathe die Thorschlüssel auf dem Markte aus, wogegen ihn derselbe mit einem 60 Loth schweren Pokal und 2'V a Eimer guten Weines, seine Kinder aber mit einem zu Nürnberg gekauften überaus schönen Näh-Trühlein beschenkte. Interessant ist es, was der Stadt noch auf den Wällen verblieb: 1 sechspfündige Schlange, 11 vierpfündige Schlangen, 1 Rebhuhn, 2 eiserne 1 y, pfündige Schlangen, 1 Adler, 1 eiserne mit Meerwundern versehene Schlange, 1 dreipfündige Schlange, ■ 1 einpfündige Schlange. J ) Aus den verschiedenen Chroniken ist für die nächste Zeit ein zusammenhängendes Lebensbild des Feldmarschalls nicht gut zusammenzustellen; bei mehreren Gelegenheiten wird er als mithandelnd aufgeführt, und so wollen wir auf Grund bestimmter Anhaltspunkte kleine Episoden aus dem Leben desselben während der Friedensjahre 1649 bis 1657 anzuführen versuchen. Am 28. Januar 1649 reist von Wrangel mit seiner Gemahlin nach Erfurt zum Pfalzgrafen Carl Gustav, welcher sich mit ihm und noch einigen hohen Generalen nach Cassel begiebt, um als Generallissimus den Frieden sabschluss aus den Händen der Diplomaten zu erhalten. Am 10. (20.) Februar 1649 werden sie daselbst festlich empfangen und mit Ballets, Feuerwerk, Wolf- und Schweinsjagden unterhalten, bis sie am 15. (25.) Februar mit gleicher Feierlichkeit aus Cassel abreisen und nach Minden gehen, wo Oxenstjerna sie erwartet. Bei diesen Conferenzen kommen denn die widerwärtigsten Streitigkeiten unter den hohen Herren vor. In Nürnberg veranstaltet man ebenfalls dem Feldmarschall und seiner Familie zu Ehren eine Reihe der glänzendsten Feste, welche bei mehrfachen Gelegenheiten auf das stattlichste erwidert werden. Das am 5. October in dieser Stadt den Gesandten selbst gegebene Banket übertraf an Glanz alles frühere. Der Wein und die Speisen sollen allein (>000 Thaler gekostet haben, und die Schweinfurter Chronik klagt gewaltig über die grossen Weinfässer und die vielen Wagen voll Hühner etc., welche die Stadt zu solchen Festen habe nach Nürnberg hinüber senden müssen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Schweinfurt kehrt von Wrangel am 8. Juli .1650 nach Nürnberg zurück, von wo aus er auf ausdrücklichen Befehl der Königin Christine am 23. Juli mit dem Pfalzgrafen Carl Gustav nach Schweden sich begiebt. Die Reisenden nahmen den Weg über Bamberg, Erfurt und treffen am 10. August in Cassel ein. Ueberall, namentlich in letzterem Orte, werden sie feierlichst empfangen und ihnen zu Ehren grosse Feste arrangirt. Am 23. September schifften sich die Herren in Wismar ein und am 28. September (8. October) erfolgte dann der prächtige Einzug des Pfalzgrafen Carl Gustav in Stockholm, dem der Feldmarschall beiwohnte. Die gleich darauf folgenden Berathungen werden in von Wrangeis Stadtschloss abgehalten. Bei den im Anfange 1651 ertheilten Gnaden- J) Die obigen An galten sind einer Chronik von Sclnveinfiirt entnommen. 231 — f beweisen wird auch von Wrangel bedacht, indem derselbe am 26. März zum Grafen erhoben wird. Im Jahre 1652 wird er unter Nr. 13 introducirt und schwört am 24. De- cember den Huldigungseid als Reichsgraf auf dem damals in Stockholm versammelten Reichstage. Am Schluss des letzteren giebt der Feldmarschall grossartige Feste, unter anderen auch „einen ansehnlichen Aufzug". Im Frühjahr 1652 war Graf Wrangel in Stettin, wo er auf ausdrücklichen königlichen Befehl als General - Gouverneur in Pommern das allen und ihm besonders lieb gewordene „blaue Regiment" auflöste; — dies war die noch bis zuletzt übrig gebliebene deutsche Truppe, welche überall in hohem Ansehen gestanden hatte. Im Anfang des Jahres 1653 finden wir Graf Wrangel auf zwei Reisen begriffen und zwar zuerst zum Grafen Königsmarck nach Vegesack dem Hafen Bremens — und sodann nach Oldenburg, wo er ausnehmend honorirt und von dem regierenden Grafen mit „einer Karete und sechs Pferden beschenket" wird. Im Jahre 1653 zum Reichs-Vice-Adiniral ernannt, machte Graf Wrangel einige unerheblichere Reisen nach Deutschland und wohnt im Juni dem Reichstage in Upsala bei, auf welchem die Königin Christine am 6. (16.) Juni 1654 der Krone feierlich entsagt. Wie reich der Feldmarschall gewesen sein muss, geht aus folgendem hervor: Nach Beendigung der grossen Feste, welche zu Ehren der Königin Christine bei deren Thron - Entsagung gegeben wurden, wollte dieselbe Schweden schnellstens verlassen und zwar zur See. Graf Wrangel erhielt daher den Auftrag, „die ganze schwedische Flotte bei Calmar zu vereinen, um ihr mit derselben ein ehrenvolles Geleit zu geben"; ebenso sollten auch Detachements von Landtruppen dabei sein. Aus eigenem Antriebe liess Graf Wrangel hierzu sein Admiralsschiff zum Empfange der Königin aufs prächtigste einrichten, allein dieselbe änderte ihren Entschluss. Bei der erfolgenden Krönung des Pfalzgrafen Carl Gustav zum Könige von Schweden ergab es sich, dass fast alle Kronschätze von der Königin Christine aus dem Schlosse mitgenommen worden waren. Da trat Graf Wrangel hinzu und lieh aus seinem Besitz alle nöthigen Prunkgegenstände, die denn auch bei den Krönungsfesten im Schlosse figurirten. Wie Graf Wrangel bei der Vermählung des Königs Carl Gustav an allen Lustbarkeiten theil nimmt und beim grossen Ringelreiten den ersten Preis erringt, so erhielt er bei der feierlichen Beisetzung der Wittwe des Königs Gustav Adolf den Ehrenplatz neben dem Könige. Schon beginnen die Zerwürfnisse mit dem Reichstage und der Regierung. — Auf dem Reichstage im April und Juni 1655 ertheilen die Stände endlich dem Könige ihre Zustimmung zu den Kriegsrüstungen gegen Polen, dem man feindselige Handlungen vorwarf. Carl Gustav Graf Wrangel war allerdings nicht für diesen Krieg; er trat vielmehr dafür ein, dass zuerst gegen Dänemark die Waffen erhoben würden, welches seit dem Frieden von Brümsebro noch nie so feindlich und so gerüstet dastehe, als gerade jetzt. — Er drang damals mit seiner Ansicht nicht durch; doch bald nach Beginn des Krieges mit Polen sah man ein, wie richtig dieselbe gewesen war, und musste sich nun entscliliessen, zwei Kriege auf einmal zu führen. Beim Ausbruch des Krieges wider Polen commandirte Carl Gustav Graf Wrangel die Flotte, mit welcher er am 9. Juli die Truppen des Königs nach Deutschland hinüber- führte und sich in die Putziger Bucht legen musste, um die Danziger auf die schwedische Seite zu ziehen. Er hatte auch Befehl, von denjenigen Schiffen, die zu Danzig ein- und ausliefen, einen massigen Zoll zu fordern. In der Tliat verfuhr man mit den Danzigern sehr gelinde, um zwischen Rath und Bürgerschaft Uneinigkeit zu erwecken. Allein der König hatte von diesem Zolle nicht den Nutzen, welchen er erhofft und welchen ehemals Gustav Adolf gehabt hatte;*) denn der Ratli zu Danzig, der dem Könige von Polen, wie es billig, ganz ergeben war, schloss seine Zollkammer und liess kein Schiff in die Stadt, welches den Schweden Zoll bezahlt hatte. Als Graf Wrangel Pautzke (Putzig) anzugreifen beschlossen und wegen des widrigen Windes seine Soldaten zu spät ausgesetzt hatte, schickten die Danziger zur Verstärkung 100 Mann dahin. Graf Wrangeis Vorstellungen hiergegen waren fruchtlos. 2 ) Gegen den Winter schickte er die Flotte nach Schweden zurück. Der König aber liess ihn zu sich nach Thorn kommen, weil er sich vorgenommen hatte, den Kurfürsten von Brandenburg, der damals zu Königsberg war, mit seiner ganzen Macht anzugreifen und zu dem Ende gerade nach Königsberg zu marschiren. Polen war erobert und Johann Kasimir von Polen nach Oesterreichisch-Schlesien geflohen. Als daher der Kurfürst einsah, dass von dieser Seite aus kein Beistand zu erwarten sei, die Schweden ihn aber anzugreifen Ernst machten, entschloss er sich, der ungünstigen Lage Rechnung zu tragen und die Misshelligkeiten einzustellen. Am 17. Januar 165(i sagte er sich durch den Königsberger Vertrag vom polnischen Lehnsverbande los, öffnete seine Häfen dem Könige von Schweden und erkannte diesen als seinen Lehnsherrn an. Da ermannten sich indess die Polen rvieder und aller Orten entbrannte der Kampf gegen die Schweden von neuem, die bei ihrer geringen Zahl denselben nicht gewachsen waren. Der Kurfürst von Brandenburg entschloss sich daher, für den König von Schweden seine Streitkräfte ins Feld zu fuhren, wenn dieser einer so grossen Leistung entsprechende Zugeständnisse zu machen bereit wäre. Es kam zwischen beiden Mächten ein Schutz- und Trutzbündniss am 25. Juni 1656 zu stände und gleich darauf begann der entscheidende Kampf vor Warschau. Holen Avir kleine Begebenheiten, wobei Carl Gustav Graf Wrangel betheiligt war, bis zu dem vorher erzählten Zeitpunkte nach. Nachdem die Flotte zurückgeschickt war, führt Graf Wrangel wieder die Landmacht an unter dem Pfalzgrafen Adolf Johann. Am 27. April schlug er den Polenanführer Czarnecki bei Gneseri, welcher 15 000 Mann, während Graf Wrangel nur 10 000 Mann bei sich hatte. Das Treffen Avährte von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends. Die Polen !) Pufendorf, de rebus Car. Gast. 1. II § 18, p. Gfi. 2 ) Pufendorf, de rebus Car. Gust. 1. II § 58, p. 92 sq. — 233 — verloren auf der Walstatt 600 und auf der Flucht circa 2500 Mann. Durch diesen Sieg wurden die Schweden in Posen gerettet, die von den Polacken hart bedrängt, waren. Nicht weniger vermochte Graf Wrangel im Mai hei Eksin, da Czarnecki von dem Könige selbst geuöthigt ward, die Flucht zu ergreifen. Warschau, welches die Litauer belagert hatten, wollte der König gerettet wissen, allein Graf Wrangel schrieb ihm, dass bei der überlegenen Macht der Feinde keine Hoffnung dazu wäre. Also ging diese Stadt verloren. Graf Wrangel trieb die Polen, welche bei Sakroezin diesseits der Weichsel einbrechen wollten, zurück und erschlug etliche hundert Mann von ihnen. In der Schlacht bei Warschau am 18., 19., 20. Juli befand sich Graf Wrangel nach des Königs Willen auf dem linken Flügel. Er musste mit 600 Reitern und einem Haufen Dragoner die Wege in dem der Schlachtordnung gegenüber gelegenen Walde besetzen und das Terrain jenseits des Waldes recognosciren. Man fand es für den rechten Flügel, den der König anführte, viel zu eng. Dort hatte der Feind seine erste Linie aufgestellt. Graf Wrangel musste sie angreifen. Er trieb sie gar bald bis an ihr Lager, gerieth aber darüber zu weit von dem schwedischen Fussvolk ab. Der König fürchtete nicht ohne Ursache, Wrangel könnte abgeschnitten werden und schickte ihm deshalb Douglas mit vier Schwadronen zu Hilfe, welcher auch zur rechten Zeit ankam, eben als der Feind Graf Wrangel von der Seite angreifen wollte. Der Feind wurde geschlagen und bis an seine Verschanzungen und zu seinem Fussvolk zurückgedrän gt. Weil der Tag sich neigte, konnte nichts weiter versucht werden. Der König von Schweden blieb vor den feindlichen Verschanzungen stehen, bis das Fussvolk und der Kurfürst mit dem linken Flügel sich näherte, dergestalt, dass er den Wald im Rücken hatte. Als es dunkel wurde, zogen die verbündeten Armeen sich zurück; die schwedische ste Ute sich neben der Weichsel und die brandenburgische neben dem Walde auf. Am zweiten Tage fochten beide Heere mit grosser Tapferkeit, aber ohne dass eine Entscheidung herbeigeführt wurde. Am dritten Tage bewies Graf Wrangel seine Umsicht, indem er die polnischen Reiter in einen See jagte, wo sie zum Theil ertranken, zum Theil erschossen wurden. An diesem Tage wurden die Polen, obgleich ihr König alle Pflichten eines tüchtigen Feldherrn erfüllte, endlich genöthigt, die Flucht zu ergreifen und ihren Besiegern die Walstatt zu überlassen. Die erste Frucht dieses wichtigen Sieges war Warschau, welches sich am folgenden Tage ohne Widerstand ergab. Als der König von Schweden sich nach Preussen wendete, ertheilte er Graf Wrangel das Commando über die Armee in Grosspolen. Der polnische Vice-Kanzler Hieronymus Radziejowski hatte sich den Unwillen des Königs von Schweden zugezogen. Er hatte nä mli ch diesen Monarchen zum polnischen Kriege ermuntert, und suchte ihm hernach vielen Schaden zuzufügen. Der König trachtete, sein böses Gemüth mit Gnade und Wohlthat zu bessern. Trotzdem hatte er wider den König verächtliche und beleidigende Worte ausgestossen. Graf Wrangel und Oxenstjerna mussten ihm dieses unwürdige Beuehmen, sowie die Folgen desselben vorstellen und ihn ermahnen, davon abzustehen. 30 yn — 234 — Doch waren alle Bemühungen fruchtlos. Radziejowski wurde nun in Gefangenschaft gesetzt und erst entlassen, nachdem der Friede geschlossen war. 1 ) Gegen das Ende des Jahres 1656 wurde Graf Wrangel nach Pommern geschickt, wo die Polen, welche sich nach ihrer Niederlage bei Warschau wiederum erholt hatten, Streifzüge unternahmen. Gleichzeitig wurden die Dänen verdächtig ein geheimes Verständniss mit der Stadt Stralsund zu unterhalten. Graf Wrangel musste daher seine Wachsamkeit auch auf die übrigen schwedischen Länder in Deutschland richten, weil der König aus Frankreich erfuhr, dass der Kaisei' Dänemark wider Schweden in den Harnisch zu bringen suche. 2 ) Der König Carl Gustav führte die in Polen entbehrlichen Truppen, 8000 Mann stark, gegen die Dänen. Als er im .Juli Stettin passirt, übergab ihm Graf Wrangel in Wolgast neuformirte Mannschaften und 30 neue Geschütze. Obgleich der König in diesem ersten dänischen Kriege sich speciell den Oberbefehl vorbehält, erhielt doch Graf Wrangel das Commando der Hauptarmee. Der Pfalzgraf von Sulzbach, der am 13. (23.) Juli in Rostock ankam, befehligte die Avantgarde. Die Dänen hatten mit dem grösseren Theil ihrer Truppen Holstein besetzt und waren mit 9000 Mann und 40 Kanonen in das Bremer Land eingefallen, welches schon fast gänzlich von ihnen erobert war, als der König die holsteinische Grenze überschritt. Ungeachtet die Dänen beim Herannahen des Feindes eilig nach Holstein zurückgingen, entsandte der König dennoch den Feldmarschall von Hamburg aus am 27. Juli mit 1800 Mann in der Richtung auf Bremen; bald war die Bützflether und Gesendorfer Schanze genommen und bei der letzteren eine grosse Anzahl Pferde erbeutet, die von der dänischen Cavallerie bei ihrer übereilten Flucht zurückgelassen waren. Nachdem Graf Wrangel in sehr kurzer Zeit das ganze Herzogthum Bremen unterworfen hatte, mit Ausnahme von Bremervörde, das durch Ascheberg eingeschlossen ward, kehrte er über die Elbe zur Hauptarmee zurück, welche unterdessen in Holstein mehrere Schanzen erobert hatte und nach Kiel gegangen war. Graf Wrangel traf hier am IS. (28.) August ein. Der König war inzwischen mit der Avantgarde bereits am 14. (24.) August in Gottorp und am 18. (28.) August in Flensburg eingerückt, die fliehenden Dänen vor sich hertreibend, die nun in Friedrichsöde (Fridericia) sich einschliessen, welchen Ort der König am 25. August (4. September) zu belagern begann. Der Marschall, der sich nunmehr mit dem Könige vereinigte, nimmt thätigen Antheil an der Bescliiessung der Festung, wobei eine feindliche Kugel sein eigenes Zelt durchschlägt. Nachdem der König das Heer verlassen, übernahm Graf Wrangel den Oberbefehl und begann nunmehr die Sache etwas systematischer anzufassen. Er liess sofort die Festung durch eine enge Einscliliessung vom Lande isoliren und von starken Streif- Commandos in ganz Schleswig und Jütland hohe Contributionen eintreiben. Der Marschall selbst nahm sein Hauptquartier in Bredstrop, wo man noch im Kriege 1849 die Linien der um diesen Ort aufgeworfenen Verschanzungen erkennen konnte. Durch seine Streif- i) Loccenius 779—783, 813: Pufendorf, de rebus Carol. Gust. 1. III, § 15—28, 42, 1.1Y, § 3, p. 333; Cadebuscli, Bd. 3, p. 303—309. Pufendorf, de reb. Carol. Gust., 1. III, § 39, 92, üb. IV, § 10. — 235 — Corps wurden ausserdem noch in Jütland mehrere Schanzen bei Aalborg genommen und dabei viel Kriegsmaterial erbeutet. Der König wurde indess bald über die lange Belagerung von Friedrichsöde ungeduldig und empfahl dringend einen Sturm, obgleich Graf Wra'ngel ausser seiner Cavallerie nur 4000 Mann zu Fuss hatte, während die Festung von 6000 Dänen ver- theidigt wurde. Nachdem GrafWrangel die Wälle und Gräben in mehreren aufeinander folgenden Nächten durch herankriechende Leute genau hatte recognosciren lassen, ward in einem am 23. October (2. November) abgehaltenen Kriegsrathe beschlossen, den Sturm in nächster Nacht zu unternehmen, und zwar sollte derselbe durch drei Colonnen ausgeführt werden, von denen der Marschall selbst die Colonne des rechten Flügels, zunächst der See, führen wollte, welche aus vier Brigaden bestand. Generallieutenant Graf de la Gardie sollte ebenfalls mit vier Brigaden die beiden mittelsten Bastionen nahe dem Galgenberge stürmen, während Generalmajor Berens mit der dritten Colonne gegen die nach Norden gelegene Königspforte vorzugehen hatte. In der Nacht vom 23. zum 24. October sammelten sich die Colonnen auf den genau bestimmten Plätzen und mit Tagesanbruch erfolgte der Sturm auf Friedrichsöde in nachfolgend beschriebener Art: „Wie nun die zum Anfall bequem geachtete Zeit heramiahete und wegen des Zeichens verabredet war, dass, sobald in einem wüsten Dorfe, wovon Graf Wrangel unweit stand, ein Haus in Feuer aufgehen würde, man allsofort von allen drei Orten her zugleich auf die Festung ansetzen sollte, wozu Seine Excellenz zuvor das Wort „Hilf Jesu!" austheilte, und dabei befahl, dass ein jeder einen Büschel Stroh, zum Unterschied wer Freund und Feind, auf den Hut stecken sollte; — so brachen die Völker auf solche gegebene Losung aus ihren Orten hervor, da denn Seine Excellenz auf seinen Posten ordinirte, dass 1) die dreizehn Zimmerleute, nebst etlichen Unteroffizieren vorangehen und die Pallisaden, um den Reitern einen Weg dadurch zu machen, abhauen mussten; darauf folgten 2) die Artillerieleute, wie oben gedacht, mit Handgranaten; sodann 3) fünfzig Knechte unter einem Kapitän mit dieser angemessenen Ordre, alsofort die halbe Bastion, so nächst am Wasser lag, zu besteigen, welchen 4) der Graf Niels Brahe — später des Marschalls Schwiegersohn — und Oberst Sparr mit ihren Brigaden folgten." „Auf die nächste Bastion zur Linken ging der Oberst Fersen und Oberst Spens los; und indem die Knechte im Besteigen der Bastion im Werk begriffen waren, ritt der Fürst von Anhalt mit bei sich habenden beiden Regimentern zu Pferd, um die beiden ersten Reihen Pallisaden durch das Wasser, wie sie aber vor die dritte kamen, ergab es sich, dass das Wasser zu tief und sie nicht weiter reiten konnten, liess derotwegen etliche Reiter absitzen, die mussten mit den zu solch End expresse mitgenommenen Aexten, ein Loch durch solche Pallisaden machen, dass sie also dadurch in die Stadt hinein dringen konnten, allwo sie eine Brigade von der dänischen Besatzung vor sich fanden, die sie alsofort chergirten und übern Haufen warfen." 80* 236 Unterdessen bestiegen die Knechte die Bastions, und zwar obwohl die in der Besatzung ein Bollwerk nach dem andern suchten zu disputiren, mit beherzter Gegenwehr, so gingen doch des ungeacht, des Herrn Marschalls Grafen Wrangeis Leute mit einer solchen tapferen Resolution auf jene los, dass sie einen Posten nach dem anderen quit- tiren mussten." „Der Generallieutenant Graf Jacob de la Gardie drang auch mit seiner bei sich habenden Brigade auf die ihm vorgesetzten Bastions ein, dass also die Besatzung auch an diesem Orte endlich weichen, und was in der Furie nicht erlegt war, sich gefangen geben musste. Allein die Reiter sammt den 200 commandirten Musketieren — die dritte Angriffscolonne — fanden auf ihrem Posten dem Thor zu, wo sie anliefen, den härtesten Stand, sintemal ihnen grösserer Widerstand geschähe, als man gemeint hatte; doch mussten die drinnen, weil sie nicht abweichen wollten, letzlich den Posten verlassen, wiewohl es, weil der Petardier so das Thor öffnen sollte, verwundet ward, etwas langsam herging, ehe die Pforte aufgethan und dem Generalmajor Berens der Weg hereinzubrechen gebahnt wurde." „Also ward die weitberufene und mit sieben Bollwerken versehene, neu fortificirte Stadt Friedricksöde sammt der ganzen Besatzung, auf 5000 Mann geschätzt, in gar kurzer Zeit und durch einen einzigen Sturm erobert und in königlich schwedischen Gehorsam gebracht etc. . . ." Der Commandant Reichsmarschall Bille wollte sich allerdings noch in der Citadelle ernstlich vertheidigen, musste sich aber auch bald ergeben und starb gleich darauf an den Folgen seiner im Kampfe erhaltenen beiden Kopfwunden. Der Marschall Graf Wrangel lobt in seinem Gefechtsberichte an den König den grossen Muth der Truppen beim Sturm. In Wismar wurde am 1. (11.) November vom Könige ein grosses Dankfest veranstaltet. Es wurden gefangen: 6 Oberstlieutenants, 8 Majore, 26 Kapitäns, 27 Lieutenants, 26 Fähnriche, 2 Ingenieure, 56 Unteroffiziere, 4 Stückjunker, 1J Constäbler und 2000 Gemeine. Ferner erbeutete man 33 Fahnen 1 ) und ein sehr reichhaltiges Kriegsmaterial. Die Schweden hatten folgende Verluste: todt 12 Offiziere und 63 Mann, gequetscht 22 Offiziere und 168 Mann, in Summa 34 Offiziere und 231 Mann. Bald darauf wurden auch noch zwei dänische Schiffe bei Middelfahrt genommen. Nachdem ferner die Insel Alsen ohne Schwierigkeit erobert und Schloss Sonderburg mit 200 Mann besetzt worden war, blieb den Dänen nur noch Firnen übrig, während das ganze Festland von denselben geräumt war. Nunmehr bot man schwedischerseits Unterhandlungen an, die jedoch von den Dänen nicht acceptirt wurden. Zur anderweitigen Bestimmung über die ferneren Operationen berief der König zum 9. (19.) Januar einen Kriegsrath nach Kiel, zu dem auch der nunmehr zum Reichs- Admiral ernannte Carl Gustav Graf Wrangel beschieden wurde. Man entschloss sich zu einem Winterfeldzug und wählte Fünen als Angriffsobject, da die grosse Kälte selbst die See mit einer Eisdecke belegt hatte. i) Von diesen Falinen befinden .sicli in der Bittorholms-Ivirclie in Stockholm eine dänische Fahne und eine dänische Standarte aufgehängt. 237 Graf Wrangel ordnete sofort zum 2G. Januar 1658 eine Concentration seiner sämmtlichen in Jütland befindlichen Truppen zwischen Kolding und Friedrichsöde an. Ein Gleiches geschah vom Könige am 28. Januar zu Flensburg mit allen zerstreuten Truppen aus dem südlichen Schleswig. Da das Eis hielt, schob Graf Wrangel eine Art Avantgarde von fünfzig Reitern mit einigem Fussvolk nach der Insel Bramsoe (Brandsoe) vor, dislocirte das Gros seiner Truppen zwischen Kolding und Hadersleben, verlegte sein Hauptquartier nach Heiisen und verstärkte von hier aus die Besatzung von Bramsoe nach und nach immer mehr. Soweit waren die Vorbereitungen gediehen, als der König, von Graf Wrangel in Anslet empfangen, ankam. Beide ritten sodann nach Bramsoe hinüber, wo der König- vorläufig verblieb, während Graf Wrangel persönlich weiter gegen Firnen vorritt, um das Eis selbst zu prüfen. An der schmälsten Stelle fand man die Eisdecke zu dünn, weshalb weitere Recognoscirungen vorgenommen wurden, die günstigere Resultate ergaben, so dass die Truppen zum 30. Januar sämmtlicli nach Bramsoe beordert wurden, mit hinreichender Anzahl von Brettern, Stangen etc. versehen. Von Heiisen liess der König die Hauptwache — bestehend in dem Ihrer Majestät der Königin gehörenden anhaltinischen Regimente und dem Leibregiment des Reiclis- Admirals unter Commando des Oberst Bonmann — sarnrnt 390 Knechten gegen Bramsoe vorangehen, während diesen Truppen der König selbst unmittelbar folgte. Nach nochmaliger Untersuchung des Eises in betreff seiner Haltbarkeit ging die Avantgarde ungesäumt nach Flinen über und wurde auch alsobald mit den unter Seestädts Oberbefehl dort aufgestellten dänischen Truppen handgemein. Währenddessen formirte der König bei Bramsoe seine Armee, die aus 9000 Mann zu Ross und 3000 Mann zu Fuss bestand. Den rechten Flügel befehligte der Markgraf von Baden und Generalmajor von Trotte, den linken Generalmajor Berens, das Centrum Graf Jacob de la Gardie und Generalmajor Tavasor. Noch hatte der König die Aufstellung nicht vollendet, weil das Eintreffen der Infanterie erwartet wurde, als Graf Wrangel den ungleichen Kampf seiner Avantgarde an der Küste Fünens bemerkte. Da augenblickliches Handeln nöthig erschien, so setzte er sich ohne weiteres an die Spitze der Reiterei des linken Flügels und unterstützte mit derselben seine Avantgarde so kräftig, dass er bald den Oberst Seestädt in seiner Position bei Tybrung und Fundschau total schlug, ihn selbst mit seinem Offizier - Corps gefangen nahm und dem nunmehr vorrückenden Könige die bereits genommenen feindlichen Fahnen entgegensenden konnte. Als der König mit dem Gros der Armee auf dem Schlachtfelde eintrifft, sind die dänischen Reserven auch eben angelangt, mit denen Oberst Jens, in Abwesenheit des Generals Gyldenlufvnds (Güldenlöwe), etwas mehr rückwärts eine sehr vortheilhafte Aufstellung eingenommen hatte. Graf Wrangel wollte eben zum Angriff' gegen diese Position vorgehen, als der König plötzlich eine andere Disposition ausgiebt, nach welcher Graf Wrangel die Dänen rechts am Wasser angreifen soll, während der König die Mitte nimmt und der linke Flügel unter den Markgrafen und General von Trotte gestellt wird. TTf — 238 — Dieser überlegene Angriff gelang auch vollständig, obgleich Graf Wrang eis Mügelcolonne, zwei Compagnien des Regiments Waldeck und einige Reiter im Eise einbrachen und ertranken. — Zuletzt hielt sich ein grosser Hänfen Pussknechte und leistete in vortheilhafter Position verzweifelten Widerstand. Als Graf Wrangel dies bemerkte, ritt er dicht an sie heran und befahl ihnen, sich sofort zu ergeben, worauf die Leute auch wirklich die Waffen fortwarfen und Oberst Jens den Degen an Graf Wrangel aushändigte. Von der ganzen dänischen Armee, die aus 3000 Reitern und 2200 Fussknechten bestanden hatte, entkamen kaum 200 Mann durch eilige Flucht. Im weiteren Verfolg wurden Svendborg, Middelfahrt und Odensee ohne Hindernisse genommen und sehr reiche Beute an Kriegsmaterial gemacht. Auch viele Feinde, namentlich höhere Offiziere, brachte man als Gefangene ein. Als der König sodann vier bei Neuburg eingefrorene dänische Kriegsschiffe als Beute in Beschlag nehmen wollte, kam ein englischer Unterhändler den Schweden entgegen und machte Friedensvorschläge. Auf dieselben einzugehen lag nun aber nicht in den Intentionen des Königs, er gab deshalb am 5. (15.) Februar dem Abgesandten freies Geleit zurück und erklärte ihm, dass die begonnenen Operationen fortgesetzt würden. Noch denselben Tag musste der Markgraf mit fast der ganzen Cavallerie von Svendborg über die Insel Taasing nach Rudkiöping auf Langeland vorgehen. Graf Wrangel war mittlerweile mit dem Gros der Armee auf Nyborg dirigirt worden und versuchte von liier aus über das Eis direkt nach Seeland überzugehen, von welchem Plane er jedoch absehen musste, weil der grosse Belt nicht vollständig zugefroren war. Dagegen nahm Graf Wrangel die schon oben erwähnten vier eingefrorenen Kriegsschiffe bei Neuburg; er hatte nur zwei Stunden Bedenkzeit gestattet, die Besatzung zog es vor sich zu ergeben und so fielen Graf Wrangel nicht blos 600 Matrosen und 400 Seesoldaten in die Hände, sondern auch ein reiches Kriegsmaterial, darunter namentlich 180 metallene und viele eiserne Geschütze. Nehmen wir die in diesen Tagen auf den Inseln etc. eroberten Kanonen hinzu, so kann man den Verlust der Dänen auf circa 300 Geschütze veranschlagen. Nach Erreichung von Rudkiöping musste Graf Wrangel ungesäumt dem Könige mit dem Gros folgen. Auch auf Langeland fiel alles zu Gunsten der Schweden aus. Der König hatte nicht bloss Rudkiöping genommen, sondern war auch über die dort drei Meilen breite Eisfläche hinüber nach Grimstedt auf Laaland gegangen. Am 7. Februar öffnete ihm der auf dieser Insel gelegene feste Platz Nakskov freiwillig die Tliore, wodurch der König abermals 20 Geschütze erbeutete und 1600 Mann Gefangene machte. Nach Zurücklassung einer Besatzung drang der König mit der Cavallerie immer weiter vor, so dass er bereits am 8. Februar Saxkiöping passirte und bei Nykiöping, den zugefrorenen Meeresarm überschreitend, die Insel Falster betrat, auf welcher er ungesäumt in der Richtung auf Seeland vorrückte und erst am Ufer des Sundes anhielt, der diese beiden Inseln trennt. — Hier, gegenüber Vordingsborg auf Seeland, giebt der König den Truppen am 9. Februar einen Ruhetag und erwartet den nachrückenden Marschall, der — 239 — seinen Marsch so beschleunigt hatte, class bereits am 10. (20.) Februar die Vereinigung mit dem Könige stattfand. Noch am nämlichen Tage trifft der König in Vordingsborg ein und findet hier bereits englische und dänische Abgesandte versammelt, welche Friedensunterhandlungen anbieten. Da indess eine Einigung nicht erzielt wird, setzt der König am 11. (21.) Februar seinen Marsch nach Kopenhagen ungestört fort. Hier herrschte die grösste Furcht und Bestürzung. Als der König sich der Stadt auf zwei Meilen genähert hatte, wurden ihm Abgesandte entgegengeschickt, die um Waffenstillstand bitten, welchen der König indess nicht bewilligt. Nun entsendet man eiligst Friedensimterhändler in das Hauptquartier des Königs nach Torstlundmaglo. Diese finden endlich gnädige Aufnahme; am 18. (28.) Februar wurde der Friede im Flecken Tostrup abgeschlossen, worauf die Könige von Schweden und Dänemark am 3. (13.) März in Köskilde zusammenkamen, sich gegenseitig beschenkten und sodann am 7. (17.) März die Ratification des Friedens von Röskilde vollzogen. Nach demselben blieben die schwedischen Truppen vorläufig auf Fiinen, in Jütland und Holstein unter speciellem Befehl Graf Wrangeis, dem der König als besondere Gratification 60 000 Thaler gab. Wie gefürchtet Graf Wrangel damals von seinem Könige wurde, geht aus den Worten des Verfassers der „Gedanken über die Kalmarsche Union" im „Historischen Portefeuille 1784 B. II p. 666 ffg." hervor: „Der König Carl Gustav hatte Seeland für Graf Wrangel bestimmt, allein, weil dieser Mann kühn und ehrgeizig war und der König, wie er selbst sagte, aus seiner eigenen Beschaffenheit wusste, dass ein Ehrgeiziger nie gesättigt werden kann, so wollte er schlimmen Folgen seiner Freigebigkeit dadurch zuvorkommen, dass er Kopenhagen völlig schleifete, auf dem Platz dieser Stadt nur eine kleine Schanze zur Vertheidigung des Hafens und der Flotte diüdete und die Vorrechte der Stadt unter die Bürger zu Malmöe und Landskrona vertheilte. Darauf wollte er seinen Sitz von Stockholm nach Schonen verlegen" etc. Die Ausführung der Friedens-Stipulationen stösst jedoch gegenüber Dänemark auf viele Schwierigkeiten, in welchen es durch Brandenburg und Holland derartig bestärkt wird, dass Schweden wieder rüsten muss. Marschall Graf Wrangel widerrieth zwar in einem am 7. Juli auf dem Schlosse Gottorp gehaltenen Kriegsrathe diesem nochmaligen Feldzuge entschieden, er blieb aber mit seiner Ansicht ganz isolirt und somit beschliesst der König den zweiten dänischen Krieg. Demzufolge wurde die Concentrirung säinmtlicher Truppen um Kiel befohlen. Der König bescheidet den Reichs-Admiral Graf Wrangel nach diesem Orte und trifft selbst den 31. Juli daselbst ein, während die Truppen in der Zeit vom 1. bis 3. August sich hier sammeln. Am 5. (15.) August früh 6 Uhr stachen der König und Graf Wrangel mit den gesammelten Kräften von 4300 Mann zu Fuss und 2970 Mann zu Pferde von Kiel aus in See. Währenddessen erscheint ganz unerwartet der Pfalzgraf von Sulzbach am 10. (20.) August vor Rendsburg, scliliesst es ein und lässt gleichzeitig das dänische Regiment Eberstein überfallen. Dies rasche, energische Handeln bringt den Schweden grosse Vor- — 240 t,heile, es fallen ihnen viele vornehme Gefangene in die Hände, mehrere Ortschaften ergehen sich ohne weiteres, auch einzelne Schilfe werden genommen. Am 7. (17.) August 1658 landete die schwedische Flotte hei Korsör auf Seeland. Der König und Graf Wrangel stiegen mit fast sämmtlichen Truppen sogleich ans Land, während gleichzeitig das Kriegsschiff Neptun auf direkten Befehl das dänische Wacht- scliiff hei Nyhorg genommen hatte. Kaum gelandet, geht auch schon Cavallerie unter Graf Totte am 8. (IC.) August als Avantgarde vor und macht noch denselben Tag 1000 dänische Reiter zu Gefangenen. Am 9. (19.) August folgte das Gros über Slagelse nach Ringstedt, wo gleichzeitig mit dem Könige auch zwei dänische Abgesandte anlangen, um sich Erklärungen über diesen Friedensbruch auszubitten; die Herren wurden indess gar nicht vorgelassen und mussten schleunigst zurückkehren. Ganz unbelästigt setzte der König seinen Marsch am 10. (20.) August bis Röskilde fort und langte am 11. (21.) August eine halbe Meile vor Kopenhagen in dem Augenblicke an, als die Vorstädte dieser Hauptstadt in Flammen aufgingen. Am 13. (23.) August rückte der König hart an die Stadt heran und umschloss sie zu Lande vollständig, während er den Reichs-Admiral Graf Wrangel mit drei Regimentern gegen Kronenburg vorschob, welches damals sehr stark befestigt war und selbst Helsingör beschützte. Nachdem Graf Wrangel aus Schonen noch eine Verstärkung von drei Regimentern und einigen Geschützen unter Stenbock erhalten hatte, nahm er Helsingör, besetzte es mit 200 Mann und begann die Belagerung. Gleich anfangs machte der Commandant, Oberst Bonefeld, einen Ausfall, den Graf Wrangel sofort energisch zu seinem Vortheil benutzen will; die zu diesem Behuf gegebenen Befehle werden indess nicht genau befolgt und so gelingt es den Dänen, grösstentlieils glücklich in ihre Festung zurückzukommen. Der Marschall, empört über das Misslingen seines Planes, lässt über die Schuldigen Kriegsrecht halten und werden infolge dessen ein Major und ein Lieutenant für schuldig befunden und sofort aufgehängt. Es musste nun der förmliche Angriff gegen das feste Schloss begonnen werden. Man ging mit Approchen gegen dasselbe vor und beschoss es aus 36 Geschützen. Anfangs wurde das Schloss selbst verschont; später indess, als der Commandant trotzig jede Uebereinkunft verweigerte, wurde es auf ausdrücklichen königlichen Befelil mit aller Energie beschossen und bald stürzten die Mauern zusammen. Endlich, als der Graben- iibergang bereits gebaut ist und die Minengänge schon vollendet sind, ergiebt sich die Besatzung am 6. (16.) September dem Reichs-Admiral und erhält von ihm einen ehrenvollen, freien Abzug gewährt. Erst den 7. und 8. September wurde das Schloss förmlich den Schweden übergeben. Nunmehr konnte man beurtheilen, welche Menge von brauchbarem Proviant und Kriegsmaterial hier aufgehäuft war. Der König kam in diesen Tagen selbst nach Kronenburg; von den Schönheiten des Baues angezogen, befahl er sofort, das Schloss wieder möglichst in stand zu setzen. Nachdem 150 Mann liier als Besatzung zurückgelassen, — '241 — kehrte der König mit allen anderen Truppen nach Kopenhagen zurück, wo er eine energische Belagerung beginnt. Die Dänen, angefeuert durch das Beispiel ihres Königs, hatten inzwischen Kopenhagen zur hartnäckigsten Vertheidigung eingerichtet, die Wälle mit 16 000 Mann besetzt und mit allem Eifer an der Herstellung der Flotte gearbeitet. Die durch Verträge zugesagte holländische Flotte wird ungeduldig erwartet; gleichzeitig lässt man dänischer- seits durch Plakate und Schriftstücke, die ins feindliche Lager eingeschmuggelt werden, die Schweden zur Desertion und Untreue auffordern. Ihren wachsenden Muth bethätigen die Dänen durch zwölf verschiedentliche Ausfälle, von denen namentlich der zweite am 23. August (2. September) für sie ein reiches Resultat abwirft. Da nun die Ankunft der niederländischen Flotte in nächster Zeit zu erwarten war, sandte man ihr am 20. (30.) September den Rest der schwedischen Flotte nach dem Sunde entgegen; gleichzeitig aber wurde vom Belagerungscorps die Insel Amager genommen und besetzt, um so eine leichtere Verbindung mit der Flotte zu erhalten. Gegen die Arbeiten auf dieser Insel Amager machten die Dänen am 10. October ihren zehnten Ausfall, wobei zufällig beide Könige sich ganz nahe gegenüber standen. Die Sache nahm übrigens nach und nach hier für die Schweden eine so bedenkliche Wendung, dass der König mit dem Marschall nur mit knapper Noth auf einem Kahne sich ans andere Ufer retten konnten. Nunmehr erhielt Graf Wrangel den bestimmten Befehl, als Reichs-Admiral sich zu der vorausgesegelten Flotte zu begeben, deren Oberbefehl zu übernehmen und den Holländern im Sunde entgegen zu treten. Die letzteren, befehligt vom Admiral Baron Wassenaer, Herrn van Opdam, hatten sich bereits am 26. October (5. November) in jenen Gewässern gezeigt und zwar in einer Stärke von 44 Kriegsschiffen, 6 Bremer- und vielen Transportschiffen, welch letztere der Besatzung von Kopenhagen auch Verstärkungen zuführen sollten. Am 27. und 28. October lag diese ganze holländische Flotte an der seeländischen Seite des Sundes bei Königskrug vor Anker; am 29. October ging sie mit gutem Winde nach Süden unter Segel und war früh 8 Uhr zwischen Kronenburg und Heisingborg eben angelangt, als ihr daselbst die schwedische Flotte unter dem Reichs-Admiral Carl Gustav Graf Wrangel entgegentrat. Dieselbe war in drei Escadres und eine Reserve in folgender Art eingetheilt: HI. Escadre: H. Escadre: I. Escadre: Bilkenstern. Carl Gustav Graf Wrangel. H. Gerdson. Reserve (Nachhut): Vice-Admiral Gustav von Wrangel (VII 2). Die nun sich entwickelnde Seeschlacht beginnt damit, dass der Reichs-Admiral Carl Gustav Graf Wrangel auf seinem Admiralsschiff „Victoria" an der Spitze der von ihm speciell befehligten II. Escadre direct auf die holländische Vorhut unter Witte Wittens losgeht und dessen Hauptschiff „Brederod" zusammenschiesst; Witte wollte entfliehen, doch Bilkenstern eilt herbei und nimmt ihn gefangen. 31 Im weiteren Verfolg keisst es wörtlich: „Mittlerweile gerieth cler Reicks - Admiral an den Admiral Opdam, welcher das Schiff „Eintracht" führte; er gab ihm beide Lagen und richtete ihn so zu, dass er die untersten Pforten zumachen lassen musste." „Der Reichs-Admiral Graf Wrangel musste auch eine gute Lage von hinten durch das Schiff von ihm annehmen; legte aber ihme (dem Opdam) sich an Bord, liesse mit Musketen verschiedene Salven in sein Volk, welches ziemlich häufig stund, geben und begann ihn zu entern; derotwegen sechs Holländer, weil sie ihren Admiral in solcher Notli sahen, ihm zu entsetzen sich zum äussersten bemühten, und dahero den Reichs- Admiral von allen Orten und Enden befochten, welcher aber sie männlich abtrieb und dreiviertel Stunden lang ohne Entsatz sich alleine zu defendiren genöthigt ward, bis ihm endlich Bilkenstern mit noch fünf anderen Schiffen secundirte. Gleichwohl aber ward denselben doch seine Wand, neben dem Besam, dem Ruder und anderen Geräthschaften dergestalt weggeschossen, dass das Schiff nicht mehr regiert werden konnte und unbeweglich liegen musste; — dadurch der Admiral Opdam zwar salviret, — zwei seiner Secundern aber in Grund geschossen wurden." „Es währete diese Freude aber nicht lange, sondern oftgedachter Opdam gerieth ferner an die schwedische Hauptschiffe, als die „Amarante" und den „Nordstern", welche ihn dergestalt kandtirten, dass er viele Todte und noch mehr Beschädigte, auch ein ganz rettloses Schiff' und in demselben schon etliche Fuss Wasser kriegte." „Inmittelst als die Prinzipalisten dergestalt in Action waren, feierten die anderen Cavalliere als H. Vice-Admiral Gustav von Wrangel und H. Heinrich Gerdson, auch nicht; — sondern es tliat ein jeglicher sein Bestes, so dass beide Flotten endlich von einander kamen. — Denn die Holländer nmssten neben der Gegenwehr auch vorsichtig zusehen, wie sie die Kauffahrteischiffe und Sluyten sicher durchbringen möchten, deren aber keins von den Schweden angepackt ward, weil Seine Königliche Majestät es gar hart verboten, damit sie dadurch nicht sollten am Gefecht verhindert werden, welche also mit durchpassirten und sich mit den Kriegsschiffen hinter die Insel Wön, allwo die dänischen Schiffe zum Entsatz stunden, zogen. — Die Schweden begaben sich theils nach Kronenburg, theils nach Landskrona in den Hafen. Jeder Tkeil schrieb sich den Sieg zu." „Die Schweden rühmten sich, dass sie offene See gehalten und die holländische Flotte bis unter Wön verfolgt hätten, machten ihren Schaden klein und wollten von mehr nicht als drei Schiffen wissen, so sie verloren hätten, welche sie benamset: den „Nordstern", den „Pelikan" und den „Leopard", welchen vorletzten sie zuvor den Dänen abgenommen hatten, in diesem Gefechte aber durch seinen untreuen holländischen Kapitän an die Holländer übergeben worden; — hingegen hätten sie den Holländern drei Schiffe verbrannt, vier in den Grund und zwei an den Strand gejagt, worunter „Brederod" und „Breda" — auch über 400 Mann gefangen genommen, so dass dieselben mit den Todten auf ihrer Flotte wohl bei 1000 Mann missen werden etc." „Aber wiederum die Dänen und Holländer machten ihren Gewinn gross und rühmten sich, dass sie nicht allein die offene See gehalten, sondern 28 schwedische Schiffe nach — 243 — Lanclskrona und aclit nach Kronenburg gejagt und die drei oben benannten Schilfe auch nach Kopenhagen eingebracht hätten, etc." Später indess gestanden die Dänen selbst ein, dass sie in Kopenhagen allein 400 Holländer begraben und über 200 Verwundete verpflegt hätten, auch dass sie vier Schiffe total verloren und dass ebenso die Vice-Admirale de Witte und Floris in dieser Schlacht geblieben seien. Den Schweden sollen in Wirklichkeit neun Schiffe seeuntüchtig gemacht worden sein, darunter die drei oben genannten; auch 500 Gefangene sollen sie eingebiisst haben. Selbst der Reichs - Admiral Graf Wrangel war durch einen Splitter leicht am Kopfe verwundet worden. Am Schluss dieser Schlacht-Relation heisst es: „Die Holländer ihres theils bekennen gerne, dass der schwedische Admiral Graf Wrangel dieses blutige Treffen — so fast bei sechs Stunden gewähret — sehr klüglich angestellt, indem seine Ordres solches allein vermocht hatte." Jedenfalls hatte die schwächere schwedische Flotte nicht verhindern können, dass Verstärkungen nach Kopenhagen hineingeworfen wurden, weshalb der König von Schweden es für gerathen hielt, in der nächstfolgenden Nacht sein Heer vor Kopenhagen etwas mehr zurückzuziehen und eine Aufstellung bei Wallyborg, eine Viertelmeile von der Stadt, zu nehmen. In Kopenhagen hielt man dies für das Ende der Belagerung und arrangirte deshalb Dankfeste. Man wollte nun auch gleich offensiv gegen die Schweden vorgehen und ihnen Kronenburg entreissen. Indess scheiterte der Anschlag total; die ganze ausgerückte Abtheilung wurde am 24. November von den Schweden gefangen genommen. Im December trat nun wieder starker Frost ein, der alle Gräben mit einer dicken Eisdecke belegte. Obgleich die Dänen sehr fleissig aufeisten, konnten sie doch nicht verhindern, dass schwedische Patrouillen bis hart an die Thore kamen und der Unternehmungsgeist der Schweden sich wieder so steigerte, dass man vielfach an einen Sturm dachte. Dies fühlte man bald in der belagerten Stadt und wurde gerade jetzt um so vorsichtiger, dies um so mein-, als man durch Zuzüge und durch die Nachricht von Bornholms Abfall von Schweden bedeutend ermuthigt wurde. Schon am 11. (21.) November hatte der König Carl Gustav dem Reichs-Admiral Graf Wrangel befohlen: „nach Fünen zu gehen, um auf der in Holstein und Jütland eingezogenen Oesterreicher und brandenburgischen Völker Vorhaben ein wachsames Auge zu haben, weil sie gewisse Nachrichten bekommen, dass die Schiffer und Schuten schon ordiniret worden, dieselbigen Völker überzuführen, und sollte er derowegen des folgenden Tages unfehlbar aus Kopenhagen nach dem Belte auslaufen." Schon am 12. (22.) November begab sich demnach der Reichs-Admiral von Kronenburg nach Friedrichsburg, und wir werden ihn weiter unten als den glücklichen Ver- theidiger Fünens, selbst gegen die Angriffe des Grossen Kurfürsten sehen. Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte Berlin bereits am 7. (17.) September verlassen, um seinen vorausgegangenen Truppen zu folgen, welche in folgender Stärke ausgerückt waren: Brandenburger 9000 Mann zu Fuss, 4000 zu Pferd, 3000 Dragoner, 42 Geschütze. 31- 244 Oesterreicher unter Montecuculi 10 000 bis 11 000 Mann mit 20 Geschützen; ausserdem noch ein Corps von Czarnecki. Summa circa 30 000 Mann. Bereits am 13. (23.) October erreichte diese alliirte Armee Flensburg und bezog liier Winterquartiere, in welchen die Polen ganz furchtbar hausten, nachdem das Schloss Gottorp capitulirt hatte. Die Schweden waren vor dieser grossen Uebermacht bis Friedrichsöde zurückgewichen und hatten nur 1600 Mann unter Ascheberg auf Alsen zurückgelassen, welcher indess bei Annäherung der Verbündeten in der Nacht zum 6. December durch eine kleine Pforte in der Schlossmauer glücklich nach Ftinen entkam. Kopenhagen blieb noch blockirt. In Friedericia hatten die Schweden im Januar 1659 noch 3000 Mann Besatzung gelassen, die von hier aus öfter ganz glückliche Streifzüge ausführten. Als nun aber gegen das Frühjahr die Alliirten ernste Anstalt machten, die Festung zu blockiren, machten die Schweden die Befestigungen möglichst unbrauchbar und schifften nach Fünen über, während nur die Citadelle erhalten und besetzt blieb. Am 14. (24.) Mai rückten nun wirklich die Verbündeten mit 60 schweren Geschützen vor die Citadelle und eröffneten bereits am 15. die Laufgräben; — da zog Graf Wrangel in der Nacht zum 16. auch den letzten Theil der Besatzung nach Fünen herüber, nachdem er alle vier Bastionen hatte in die Luft sprengen lassen. Der Kurfürst liess nun seinerseits die Werke möglichst wieder herstellen und legte 16 Compagnien Dragoner hinein. — Sein Hauptobjekt blieb aber Fünen, und so concentrirte er zu einem Uebergäng nach dieser Insel 5000 Mann zu Ross und 4000 Mann zu Fuss bei Stenderup und sieben grosse Kriegsschiffe, sowie eine grosse Anzahl kleinerer Fahrzeuge hart an der dortigen Küste. Am 31. Mai machte man den ersten Versuch, die Insel Fanöe zu nehmen; öa indess der Wind hierbei umschlug, so wurde der Angriff mit Verlust zurückgewiesen. Am 1. (11.) Juni wurde dieser Angriff in aller Frühe bei günstigem Winde und mit bedeutenden Kräften wiederholt, und es gelang auch, die 400 Schweden auf Fanöe zu überwältigen, worauf man sofort die Insel mit zahlreichen Schanzen gegen das Geschütz von Fiinen deckte und dieselben mit einer grossen Anzahl Kanonen armirte. Hiergegen liess nun Graf Wrangel das gegenüberliegende Ufer von Fünen ebenfalls stark befestigen und mit Geschützen versehen. In dieser Zeit boten sich die Franzosen als Friedensstifter an, allein ihre Vorschläge fanden keinen Anklang. Namentlich setzten die Verbündeten ihre Anstrengungen mit grossem Eifer fort; es wurden noch mehr Schiffe herangezogen und 32 Compagnien Dänen von Femern herbeordert. Da der Kurfürst aber in Erfahrung gebracht hatte, dass Graf Wrangel gegenüber Fanöe Schanzen gebaut und in der Gegend 4000 Mann concentrirt habe, so änderte man den Angriffspunkt und beabsichtigte nun einen Stoss auf Middelfahrt auszuführen. Nach grossartigen Vorbereitungen gingen zu dem Ende am 26. Juni (6. Juli) sechs Kriegsschiffe und viele Transportfahrzeuge mit allen disponiblen Truppen von Fanöe aus nach Middelfahrt unter Segel und legten sich oberhalb der Stadt an das Ufer der Insel 245 Fünen. Indess die Schweden sind aufmerksam allen Bewegungen der Feinde gefolgt, und heim Landen tritt ihnen Graf Wrangel mit genügenden Kräften entgegen. Ein heisser Kampf beginnt, der nach vierstündiger Dauer damit endigt, dass die Verbündeten total zurückgeschlagen werden und sich schleunig ans jenseitige Ufer retten, nachdem viele ihrer Schiffe hart mitgenommen waren. Während nun die Alliirten sich neue Fahrzeuge aus Aalborg kommen liessen, hatte auch König Carl Gustav acht Kriegsschiffe von Kronenburg aus dem Reichs-Admiral Graf Wrangel zu Hilfe geschickt, die am 21. (31.) Juli bei der Insel Endelave anlangten. Mit diesen Schiffen liess nun Graf Wrangel am 23. Juli (2. August) die von Aalborg her ansegelnden alliirten Fahrzeuge anfallen; es glückte ihm auch, die ganze feindliche Flotte zu vernichten, und 200 Brandenburger als Gefangene in seine Hände zu bekommen. Den folgenden Tag nahmen die Schweden noch 24 Schiffe und schössen die Stadt Aarhuus in Brand. Nach diesen Misserfolgen zogen die Alliirten über Flensburg nach Pommern ab und liessen nur acht Regimenter und 1000 Polen in .Tiitland zurück. Nach Pommern zog auch der Kurfürst, weshalb der König Carl Gustav schon im September an Graf Wrangel den Befehl ertlieilte „nach Pommern zu gehen, um daselbst dem siegreichen Vordringen der Feinde Einhalt zu thun". Kaum hatte Graf AVrangel Fünen verlassen, so brach hier das Unglück über die Schweden herein. Die in Jütland zurückgelassenen Truppen der Verbündeten, 9800 Mann stark, wurden nämlich mit Hilfe der dänisch-holländischen Flotte eingeschifft und erschienen am 29. October (8. November) vor Nyeborg, während Feldmarschall Eberstein und der brandenburgische Generalmajor von Quast auf Middelfahrts-Sund vorgingen. Da die Landung bei Nyeborg auf Schwierigkeiten stiess, erzwang die Hauptmacht die Landung bei Cartemünde (Kierteminde) am 31. October (10. November) und trieb nun mit leichter Mühe die wenigen schwedischen Reiter vor sich her. Eberstein und Quast landeten gleich darauf am 4. (14.) November zwischen Assens und Middelfalirt, nahmen diese beiden Orte und verjagten ebenfalls die Schweden gegen Neustadt, wo der Pfalzgraf von Sulzbach stand. Nach einem höchst hartnäckigen Kampfe, in welchem die Schweden sehr brav fochten, mussten sich dieselben in die Stadt zurückziehen und am 15. (25.) November mit Generallieutenant von Horn ergeben. In Pommern waren im Juli die Kaiserlichen unter Graf de Souches eingefallen, hatten nach einander Greifenhagen, Damm, Kammin genommen und standen bereits vor Stettin, als der Kurfürst mit 18000 Mann aus Jütland auch auf diesem Kriegsschauplatze erschien, am 17. (27.) September die Schanzen bei Tribsees eroberte, Greifswald hart, wenngleich vergebens, bedrängte und Demmin am 11. (21.) October durch Capitulation wegnahm. In dieser Zeit, und zwar gleich nach dem Abmärsche des Kurfürsten aus Jütland, war es, wo der bisher stets siegreiche Graf Wrangel schon im September von Fünen nach Stralsund gesandt wurde, um daselbst dem unaufhaltsamen Vordringen der Verbündeten entgegen zu treten. Er sammelte in Stralsund die zersprengten Truppen, rüstete sie in aller Stille wieder nothdürftig aus, und sobald die überlegenen Brandenburger und — 246 — i Polen die Umgegend am 20. (30.) October verliesseh, entsandte er schon am 21. October den General Andersen mit Truppen über Greifswald nach Wolgast, um dem bedrängten Stettin zu helfen; er selbst folgte bald zu Wasser nach. Schon in der Nacht zum 22. October liess der Keiclis-Admiral Graf Wrangel an der Wolgaster Fähre einige 100 Knechte übersetzen, welche den dortigen Posten überrumpelten; am 25. October nahm er die Swine-Schanze auf Usedom, wobei über 200 Brandenburger gefangen wurden. Die Alliirten vor Stettin, welche von Graf Wrangeis Ankunft und von seinem Anmarsch noch immer nichts erfahren hatten, bombardirten unterdessen die Festung unablässig; namentlich heftig war diese Beschiessung noch am 28. und 29. October. — Mittlerweile hat Graf Wrangel rasch die ganze Insel Usedom erobert, ist aber trotzdem viel zu schwach, um direkt als Entsatz dem Feinde entgegen treten zu können. Der Reichs-Admiral beobachtete daher das Haff und wartete die fiigliche Gelegenheit ab, um etliche hundert Mann von den Seinigen zu Schiff auf der Oder in Stettin zu landen. — Als er von dem Generallieutenant Würzen über die Beschaffenheit der alliirten Lager Nachricht erhalten, liess er 1000 Pferde und 600 Mann Fusssoldaten die Oder hinauffahren. Sie kamen alle glücklich in die Stadt Stettin hinein, da die Alliirten die Fahrzeuge für Fischerschiffe gehalten, auch sonst in ihrem Lager sich für zu sicher hielten, und den Schweden den Pass zur See offen gelassen. Alle diese Fehler mussten die Alliirten schwer entgelten. Sobald diese Verstärkung angelangt war, machte auch der Generallieutenant Würzen am 2. (12.) November sofort einen ganz energischen Ausfall, vernagelte dem Feinde sämmtliches Geschütz und brachte ihm ausserdem einen Verlust von 300 Mann bei. — Am 3. (13.) November schickte er schon um 5 Uhr früh einige zwanzig Kähne nach Curau, dreiviertel Meile oberhalb Stettin, wo das Proviant- und Munitions-Magazin der Verbündeten lag; dasselbe wurde auch überfallen und genommen, wodurch dem Feinde ein ganz unersetzlicher Schaden beigebracht ward. Durch diese beiden kühnen Unternehmungen wurden die Belagerer so entmuthigt, dass sie nachts 12 Uhr ihre sämmtlichen Geschütze abfahren und somit am 4. (14.) November die bereits sechs Wochen währende Belagerung ganz auflieben und weiter zurückgehend Winterquartiere beziehen, nachdem noch der Kurfürst in Kammin, Wollin, Damm, Demmin und einigen sonstigen Schanzen Garnisonen zurückgelassen hatte. Mit Beginn des Jahres 1660 wurden die Friedensunterhandlungen eifrig fortgesetzt. Während derselben starb der König Carl Gustav ganz unerwartet am 13. (23.) Februar zu Gothenburg. Bis zum Abschluss des Friedens fanden noch mehrere kleine Scharmützel in Pommern, Mecklenburg und auf den Inseln statt, meist mit wechselndem Erfolge. Ebenso harcelirten sich einige Abtheilungen auch auf Seeland, woselbst die Schweden noch immer im verschanzten Lager vor Kopenhagen standen. Endlich am 23. April (3. Mai) erfolgte der Friedensschluss zu Oliva, durch welchen Schweden ganz Rügen erhält, dagegen die von ihn}-'besetzten dänischen Inseln an Dänemark zuriickgiebt. 247 Nach dem Tode des Königs Carl Gustav wurde der Reichs-Admiral Graf Wrangel zu einem der fünf Vormunde für den jungen König Carl XI. ernannt, welcher zur Zeit erst fünf Jahre alt war. Am 4. (14.) November fand in Stockholm das feierliche Begräbniss des Königs Carl Gustav statt, wobei Graf Wrangel in dem Trauerzuge als Reichs-Admiral das Scepter trug. Mit dem Tode des thatendurstigen Kriegsfürsten Carl Gustav beginnt Schweden von seiner hervorragenden Weltstellung herabzusteigen; innere Parteikämpfe schwächen den Einfluss nach aussen und lähmen die innere Kraft; selbst die Reichstage zeigen oft ein trauriges Bild vollständiger Zerfahrenheit. Dieses Parteitreiben war dem Reichs-Admiral vollständig zuwider, er war vor allem Heerführer, der Krieg war seine Leidenschaft; im übrigen ziemlich gleichgültig bei den inneren Streitigkeiten, ergriff er am liebsten dessen Partei, der ihm Aussicht gab, wieder sein Schwert ziehen zu dürfen. Er liebte eine etwas üppige Lebensweise, aus seinem Gesichte leuchteten durch das Feuer seines kräftigen Geistes auch die fege grosser Leidenschaft hervor. Der Reichs-Admiral war ein Mann der kräftigen That, aber durchaus Gegner des Wortkampfes und der Intrigue, deshalb entzog er sich möglichst den politischen Umtrieben und verweilte meistentheils auf einem oder dem anderen seiner Schlösser. Seine Grafschaft lag in Finnland, seine grossen Besitzungen auf Rügen und in Pommern; daher er sich auch gern ausserhalb Schwedens aufhielt, wiewohl wir ihn auch in Schweden auf seiner schönen Besitzung „Sko-Kloster" finden, dessen Schloss seine Schöpfung ist. Aus diesen letzteren Ursachen finden wir denn auch seinen Namen in den Chroniken während der nächsten sechs Jahre selten genannt; nur ab und zu tritt er in die Oeffentlichkeit. So feierte er das Osterfest 1662 mit seiner Familie in Pommern; am 20. (30.) März 1663 ist er bei der Bestattung der Leiche des auf dem Meere verunglückten Grafen Schlippen- bacli in Stettin zugegen, wohin er von Wolgast aus „mit seiner Gemahlin, dem jungen Sohne und einem Fräulein in einer kleinen Flotte von drei Gallioten" gekommen und wo ihm viele hohe Ehren bereitet wurden. Am 30. März (9. April) geht Graf Wrangel nach Wolgast zurück, um dort die für Pommern bestellte Hauptcommission zu verabschieden; die Arrangements Iderbei ziehen sich aber sehr in die Länge, so dass erst am 14. Juli Graf Wrangel im Namen der Krone Schwedens dort den Huldigungseid der Stände entgegennehmen kann. Im Februar 1664 machte Graf Wrangel im Auftrage der Regierung dem österreichischen Gesandten Grafen Windisch-Grätz auf der Flotte in Stockholm die Honneurs, was wohl darin seinen Grund fand, dass man dem Kaiser ein kleines Truppencorps gegen die Türken versprochen hatte. Den 5. (15.) Mai 1664 trat der Reichstag zusammen, der hauptsächlich dadurch Interesse gewann, dass der Bruder des verstorbenen Königs beantragte, „alleiniger Vormund seines Neffen, des jungen Königs, und gleichzeitig Oberfeldherr zu werden". 24S Gegen diese Zumuthung erhob sicli der Reichstag, und mit noch nie dagewesener Einstimmigkeit wurde am 13. (23.) Mai 1664 Carl Gustav Graf Wrangel zu Salmis zum Reichsfeldherrn erwählt und proklamirt. x Im Jahre 1665 kam der nunmehrige Reichsfeldherr wieder zu den Sitzungen des Reichsraths nach Stockholm und am 4. (14.) October reiste er mit seiner ganzen Suite aus Schweden nach Daler-Haven, woselbst zwei königliche Schiffe auf ihn warteten. Die schwedische Regierung scheint um diese Zeit sowohl durch innere als durch politische Gründe bewogen worden zu sein, wiederum das Schwert ziehen zu wollen. Indess der Reichstag war durchaus unentschlossen, mit wem er sich verbünden und gegen wen er Krieg führen sollte. Unterhandlungeil wurden gepflogen mit England und dem i hm feindlichen Frankreich; bald soll Polen, bald Dänemark, bald Holland angegriffen werden, deshalb erhält auch Graf Wrangel als Reichsfeldherr mehrfach widersprechende Instructionen, so im Januar, dann im Februar und am 4. Mai; bald soll er gegen Bremen rücken, dann wieder abwarten, dann nach Pommern gehen etc. Nur hieraus kann man sich das langsame Vorgehen und die Unterhandlungen mit Bremen im Jahre 1666 erklären. Auf sein dringendes Ansuchen erhielt er endlich im Juli 1666 die Erlaubniss, weiter gegen Bremen vorzugehen. Bald hindern aber geänderte Befehle aus Stockholm seine energischen Absichten nnd führen schliesslich zu resultatlosen Vergleichen. Wir theilen einen grösseren Theil der Berichte über diese Zeit aus den Chroniken wörtlich mit, da sie viele militärisch interessante Details geben und auch manche originelle Bilder aus dem Leben jener Zeit uns vorführen: „Nachdem die Krone Schweden eine Zeithero sich stark armiret, brach der Reichsfeldherr, Graf Carl Gustav Wrangel, mit der im verwichenen Jahre im Herzogthum Pommern gelegenen, wohl montirten und meist gewaffneten Cavallerie, unter Commando des Generalmajors Ascheberg, und der Infanterie, samrnt der dazu gehörigen Artillerie unter dem Obersten von der Wiek und Grotthausen, von Wolgast den 10. (20.) Januar auf, und ward der Zug in drei Theilen durch Mecklenburg nach der Elbe zu nehmen, angeordnet." „Als 1. der Herr Reichsfeldherr ging mit dem ganzen Generalstabe und des Herrn Baron Woldemar Wrangeis (VI 12) Regiment mit dem Regimentsstab (850 Pferden) sammt des Herrn Reichsfeldherrn Dragonern (250 Mann stark) über Tribbesee gegen Güstrau, all wohin Seine Fürstliche Durchlaucht der Herzog Seine Hochgräfliche Excellenz zu gastiren hatte einladen lassen, wollte hernach jenseits Wismar mit Seiner Excellenz dem Herrn Generalfeldmarschall Graf Dohna nebst bei sich habenden Völkern, sich conjungiren, nachher zusammen über die Elbe setzen und mit dem Herrn Generallieutenant Ahren- schild und Herrn Generalmajor Grafen Königsmarck, sammt denen im Stift Bremen auf etliche tausend Mann gerechneten deutschen Völker und denen daselbst fertig stehenden Stücken, sich gleichfalls zusammen ziehen." „2. Der Herr Generalmajor Ascheberg nahm seinen Weg über Pasewalk und Neubrandenburg, mit des Oberst Rochs Regiment, 6 Compagnien, 650 Pferde stark." — 249 ,.3. Der Herr Oberst von der Wiek mit der Artillerie samrnt der zugehörigen Bedienten, ging über Damgarten, Schwan und so fort mit 400 Pferden und 4 Compagnien Fussvölker vom Grotthaus'sehen Regiment, auch 600 Mann stark.-' „Noch denselben Tag traf Seine Excellenz der Herr Reichsfeldherr mit seiner Familie dicht vor G iistrau ein und wurde hier einlogiret." Am 23. Januar (2. Februar) findet die Vereinigung Graf Wrangeis mit den Truppen unter Dohna bei Lauenburg an der Elbe statt, und am folgenden Tage überschreiten beide die Elbe und rücken bis an che Grenze Bremens vor. „An allen Orten wurde der Reichsfeldherr über die Maassen stattlich tractiret. Am 25. Januar hielt derselbe unweit Bodensee mit allen Völkern Rendezvous oder Musterung und liess durch Generalmajor Ascheberg und den Ober-Generaladjutanten Latermann die Cavallerie und die Infanterie in eine Fronte stellen, worauf der Reichsfeldherr neben dem Grafen Dohna und den fürstlich lüneburgischen Deputirten, solche zu sehen, vorbei ritte, wobei sich die Heerpauken und Trompeten gar lustig hören liessen." Das ganze Corps bestand damals aus sieben starken, wohl ausgerüsteten Regimentern, 7000 bis 8000 Mann etwa. Danach be'giebt sich Graf Wrangel über Buxtehude nach Stade, unterwegs vom Feldmarschall Horn mit grosser Suite empfangen. Ueber den Einzug sagt uns die Chronik: „Hier setzte sich Seine Hochgräfliche Excellenz in des Herrn Feldmarschalls und Gouverneurs, Herrn Baron Horns Carosse und wurde sammt dem Herrn Grafen und Feldmarschall Dohna, dem Herrn Grafen und Vice-Gouverneur Königsmarck, dem Herrn Generallieutenant Ahrenschild, dem Herrn Canzlar und noch anderen Anwe senden nachher Stade geleitet, in welcher Stadt alle Gassen bis an die äussersten Pforten mit Musketieren besetzt waren." „Alle Stücke um die Stadt wurden zweimal gelöset und Seine H ochgräfliche Excellenz in des Herrn Gouverneurs Behausung einquartiert." „Am 3. (13.) Februar begab sich Graf Wrangel nach seinem Residenzschloss und Hauptquartier Bremervörde." „Am 8. (18.) Februar erschienen hier Deputirte aus Bremen, hatten am folgenden Tage Audienz beim Feldherrn, und darauf zur Tafel behalten, und gegen Abend mit einem guten Rausch in der Leibkutsche wieder ins Quartier geführet. — Im übrigen war noch zur Zeit von keiner Feindseligkeit etwas zu hören; selbige aber liessen sich bald hernachen etwas kenntlicher merken." Am 12. (22.) Februar rückte Graf Wrangel mit seinem Stabe und 1200 Mann des Delmenschen Regiments zu Fuss gegen die Burg bei Vegesack vor und quartiert sich abends im Kloster Osterholz ein. Wie menschenfreundlich und edel der Feldherr Graf Wrangel war, geht daraus hervor, dass hier am 13. (23.) Februar wiederum Bittgesuche der Bremer eingingen, durch welche um Pässe für ihre Deputirten und um Freilassung einiger ihrer Schiffe aus Vegesack gebeten wird, welche der Feldherr gewährte und dadurch grosse Freude verursachte. 82 — 250 — Demungeachtet dauerten die Streitigkeiten mit Bremen fort, und wenngleich auch (traf Wrangel die Stadt selbst von einer naheliegenden Höhe recognoscirte und seinen Adjutanten Lutermann, einen geborenen Bremer, nach Bremen zur Ausforschung der Gesinnung der Stadt beurlaubte, so konnte er dennoch nur die Zusicherung erreichen, dass die Stadt Deputirte nach Stade schicken würde. Infolge dessen begab sich denn auch Graf Wrangel am 19. Februar (1. März) mit stattlicher Suite, seinen Generalen und seinem Generalstab dorthin, ertheilte dann mehreren fremden Gesandten Audienzen, während er die Bremer Abgeordneten nur durch seinen Adjutanten empfangen liess. Am 20. Februar (2. März) wird nun diesen Herren ganz unumwunden eröffnet: 1. Bremen solle seine unrechtmässig angemasste Reichs-Immedietät ohne weiteres aufgeben, 2. es solle als Landstadt bestimmt zu Schweden halten, 3. solle es wenigstens theilweis schwedische Garnison aufnehmen, — etc., etc., und wenn Bremen hierauf nicht unbedingt eingehen werde, so würde es durch Waffengewalt dazu gezwungen werden. Die Bremer Abgeordneten konnten, in ihrer Bestürzung darauf natürlich nur ausweichende Antworten geben. Mittlerweile kamen zum Reichsfeldherrn nach Stade Abgesandte von Lüneburg- Celle, Osnabrück und Oldenburg; letztere brachten ein schönes Gespann Schimmel zum Geschenk für Graf Wrangel mit, wohl aus Dankbarkeit, dafür, dass dem Grafen von Oldenburg auf seine im Februar schon vorgetragenen Bitten eine vollständige Neutralität zugesichert worden war. Uebrigens wurden sämmtliche Abgesandte grossartig aufgenommen, bewirthet und, wie die Chronik wörtlich sagt, „allemal mit einem guten Räuschchen versehen 1 '. Infolge einer abermaligen kleinen Recognoscirung gegen Bremen fangen die Bürger der Stadt doch an, den Ernst der Verhältnisse zu erkennen, und es wird von ihnen nun beschlossen, sich auf die kräftigste Gegenwehr zu rüsten; zu dem Ende lassen sie sämmtliche Ziegelhäuser vor der Stadt niederreissen und errichten 21 neue Bürgerfahnen, jede zu 300 Mann, neben den bereits angeworbenen Mannschaften. Als Graf Wrangel den Magistrat über diese kriegerischen Vorbereitungen zur Erklärung auffordern lässt, erhält er nur durchaus nichtssagende Entschuldigungsgründe. Die Zeit vergeht durch Bremens andauernde ausweichende Antworten, und selbst die Ansuchen Bremens bei den General-Staaten und endlich bei Brandenburg, die Ver- mittelung zu übernehmen, bleiben erfolglos, bis denn endlich am 21. (31.) August Bremen feierlich erklärt, „dass es seinen Reichstitel mit Gut und Blut vertheidigen werde". Bereits während der Abwesenheit Graf Wrangeis in Hamburg zur Begriissung der Königin Christine hatte der schwedische Oberst Koch durch drei Soldaten das unbewachte breimensche Wachtschiff am 5. (15.) August fortnehmen lassen. Am 22. August (1. September) durchstachen die Bremer die Dämme, um die Schweden von ihren Viehweiden abzuhalten, und begannen am 29. August (8. September) 251 auf die schwedischen Wachen zu feuern. Auf Graf Wrangeis Befehl wurde jetzt auch das Feuer erwidert. So waren dann endlich auch der Form nach die Feindseligkeiten eröffnet. Am 30. August rückte nun Graf Wrangel von Burg aus an die Weser, und da die Bremer fliehen und vorerst keinen Widerstand leisten, so lässt er nach und nach Truppen in Kähnen übersetzen und selbige gegen Wolmershausen vorrücken, während er selbst mit der ganzen Cavallerie und Artillerie am Nachmittage übergeht und auf Blankenau marschirt. General Arnschild geht mit Woldemar von Wrangeis Regiment bei Hemling über und besetzt die dortige verlassene Schanze und den Katten-Thurm. Ebenso lässt Graf Wrangel den Pass am Wartthurm und das Dorf Wolmershausen besetzen, damit die Stadt von allen Seiten vollständig eingeschlossen werde. Darauf zieht Graf Wrangel alle entbehrlichen Truppen aus Stade, Buxtehude und Bremervörde heran und sichert seine Aufstellung gegen die Stadt durch viele Verschanzungen, von denen aus er nach und nach immer weiter gegen die Stadt vorrückt. Bis auf 600 Schritt von den Wällen hatten die Bremer das Terrain vollständig freigelegt und eingeebnet. In der Nacht vom 2. (12.) September machten die Belagerten ihren ersten Ausfall und brannten dabei das Dorf Wolmershausen nieder, wodurch grosse Getreide-Vor- räthe verloren gingen; den darauf folgenden Tag entschuldigten sie sich deshalb beim Reichsfeldherrn und benutzten die Gelegenheit, um wieder Unterhandlungen anzuknüpfen, die indess ganz resultatlos blieben. Kleinere Ausfälle der Belagerten wurden jedesmal bei der Wachsamkeit der Schweden zurückgewiesen und die Bremer bis vor die Thore ihrer Stadt verfolgt. Um dem Feinde diese Ausfälle zu verleiden, lässt Graf Wrangel in der Nacht vom 7. (17.) August hinter einem Meierhofe sehr geschickt ein Versteck legen. Die Bremer werden richtig in der Nacht durch ein berechnetes Vorgehen anderer Abtheilungen verleitet, einen Ausfall zu machen, und als sie nichts ahnend diesen Abtheilungen folgen, bricht die Bemannung des Verstecks gegen ihre Flanke und in ihrem Rücken vor und bringt ihnen bedeutende Verluste bei. Zu einer förmlichen Belagerung fühlt sich Graf Wrangel zu schwach, namentlich aber fehlt es ihm an Artillerie. Aus diesem Grunde lässt er seine Truppen zwei verschanzte Lager beziehen, das eine bei Habenhausen unter seinem speziellen Befehl, das andere bei Lankenau unter des Feldmarschalls Dohna Befehlen. Im übrigen ist die Stadt mm durch Wachen und Posten cernirt. Während Graf Wrangel nun die Bremer durch Neckereien beschäftigt, lässt er aus Pommern Verstärkungen, namentlich schweres Geschütz und Munition kommen, um die Belagerung dann rasch zu Ende führen zu können. In dieser Zeit machen die Bremer noch einen Versuch, Unterhandlungen anzuknüpfen. Da indess Graf Wrangel ihnen bestimmt erklärt, dass er sich nicht eher auf etwas einlassen würde, bis die Stadt ihre Reichs-Immedietät ganz aufgegeben habe, so bleiben auch diese Versuche ohne Erfolg. 82* Die Belagerten benutzten daher die scheinbare Unthätigkeit der Schweden dazu, anfangs October eine neue Schanze vor ihren Thoren aufzuwerfen. Doch kaum ist die Arbeit begonnen, so lässt Graf Wrangel sein Geschützfeuer dahin concentriren und vereitelt ihnen so auch diesen Versuch. Mittlerweile langt denn endlich bei den Schweden die erwartete Verstärkung an; sofort werden die neuen Geschütze in die bereits zu ihrer Aufnahme eingerichteten Schanzen eingefahren und am 0. (16.) October beginnt man den Ort mit glühenden Kugeln zu bescliiessen, so dass Bremen bald an vier Stellen brennt. Durch die Verstärkung war das schwedische Corps bis auf 12 000 Mann angewachsen, obgleich Graf Wrangeis Leibregiment aus Pommern noch nicht eingetroffen war. Verschiedentliche Abgesandte deutscher Fürsten betrieben während dessen die Unterhandlungen weiter, und es gelingt ihnen endlich, in Stade einen Waffenstillstand bei Graf Wrangel zu vermitteln, den letzterer auch in seinem Hauptquartier Habenhausen am 16. (26.) October publiciren lässt. Da indessen die Bremer noch immer nicht alle Bedingungen annehmen wollen und auch die Lüneburger den Durchmarsch verweigern, bereitet sich Graf Wrangel auf alle Eventualitäten vor und concentrirt beide Lager um Habenhausen, behält die Schanzen zu Arsten am Katten- und Wartthurm besetzt und hält die ganze Stadt mit seinen Wachen noch umschlossen. Infolge dieser entschiedenen Massregeln des Reichsfeldherrn, wodurch man seinen festen Entscliluss bestimmt zu Tage treten sah, begannen die Verhandlungen aufs neue, denen sich auch wieder die fremden Abgeordneten beigesellten; man ward gefügiger und am 13. (23.) November nahm Bremen die ihm gestellten Bedingungen an, so dass man zum Abschluss kam, der denn auch am 15. (25.) November beiderseitig untersclirieben ward. Der Tractat enthielt fünfzehn Artikel. Nachdem Graf Wrangel noch am 20. (30). November vor Bremens Thoren eine grosse Heerschau, der ein grosser Theil der Bürger mit sehr verschiedentlichen Gedanken beiwohnte, gehalten, rückten die Truppen von hier aus direct in die Winterquartiere; der Reichsfeldherr selbst ging mit seinem Stabe nach Stade, wo er am 22. November (2. De- cember) eintraf. Der Pöbel Bremens war mit diesem Ausgange der Feindseligkeiten wenig zufrieden und demolirte, um sein Missbehagen zu äussern, im December das Haus des Staatsraths Speckhau vollständig, weil man diesem Herrn schwedenfreundliche Gesinnungen zuschrieb. Als sich nun Speckhau bei Graf Wrangel beschwert, entschuldigt sich der Magistrat demiithig, bestraft die Rädelsführer und entschädigt sogar den Staatsrath, so dass sich Graf Wrangel damit zufrieden gestellt erklärt. Die Schlussverhandlungen mit Bremen ziehen sich durch die ganze erste Hälfte des Jahres 1667. Diese Zeit benutzt Graf Wrangel zu Besuchen, unter anderen auch bei dem Grafen Anton Günther in Oldenburg. Um den Lesern ein Bild davon zu geben und zu zeigen, wie hoch unser Feldherr Graf Wrangel überall angeschrieben stand, möge nachstehende Schilderung dieses Besuchs liier Platz finden. 1 )' 1 ) Zedier, TJuiversal-Lejicon. „Im Jahre 1667 kam der Graf Wrangel mit einer ansehnlichen Suite den 15. Mai gen Oldenburg, den Herrn Grafen Anton Günther in seinem hohen Alter noch einmal zu sehen. — Es wurde derselbe nebst bei sich habenden Herrn Grafen Königsmarck, Herrn Hof-Marschall Gustav Horn und anderen mitgebrachten Cavalieren durch den Grafen von Mörsburg und Grafen Anton mit den dasigen Edel- und Hofleuten, denen 130 Pferde folgten, wie auch hernach durch die fürstliche Frau Gemalilin und beihabende Gräfliche und Freiherrliche Fräulein, des Herrn Reichsfeldherrn Frau Gemahlin, die Frau Gräfin Königsmarck sanunt bei sich habenden Fräulein und anderen Frauenzimmern, in sechs Karossen und einigen Kaleschen sehr prächtig eingeholet, herrlich tractirt, acht Tage lang mit allerhand angenehmen Ergötzlichkeiten unterhalten, auf der Jagd erlustiret, und mit sieben Stücken hochschätzbaren Tigerpferden zum Gespann beschenket." — Einen ähnlichen Empfang bereitete der Feldherr Graf Wrangel der auf ihrer Keise von Kopenhagen nach Cassel begriffenen Landgräfin von Hessen-Cassel in Hamburg und Stade und auf seinem eigenen Schloss Bremervörde im Juni. Als die Verhandlungen mit Bremen ihr Ende erreicht, fand am 9. (19.) Juli die Huldigung in Bremen statL Bei dieser Feierlichkeit nahm unser Reichsfeldherr Graf Wrangel eine hervorragende Stellung ein. Schon mehrere Tage vorher hatte er seinen Hofmarschall Freudenau und zwei Tage hierauf auch seinen Genei'al-Adjutanten Lutermann nach Bremen vorausgeschickt, um alles vorzubereiten, während er selbst vorläufig noch in Leese blieb. Bei den ganzen Feierlichkeiten zeigte sich Graf Wrangel gegen die Bürgermeister, die Herren des Raths und die Stadt-Aeltesten so freundlich, dass er ihre Liebe erwarb und niemand zweifelte, dass dieses zwischen der Krone Schweden und der Stadt Bremen gestiftete gute Vertrauen würde beständig sein. Am 13. (23.) Juli verliess der Reichsfeldherr in demselben festlichen Aufzuge Bremen, mit welchem er eingezogen war; hierbei ritt er einen schönen, wohl ausgestatteten Fuchs „mit langen Mähnen und Schweif". Gegen Ende des Monats war er in Hamburg und reiste am 12. (22.) August von Stettin aus nach Schweden zurück. Vor seiner Abreise wurde ihm zu Ehren ein Abschiedsschmaus gegeben, bei welchem sich die Landstände und die Abgeordneten der Städte betheiligten, welche ihm zwei grosse eiförmige Becher aus reinem Gold überreichten, die auf 4000 Reichsthaler geschätzt wurden. Die Ueberfahrt erfolgte auf dem wohlausgerüsteten und prächtigen Schiff „Wrangel", welches 60 Kanonen und in der untersten Lage mehrere halbe Kartaunen führte. Beim Lichten der Anker wurden wie bei fürstlichen Personen die groben Geschütze gelöst. Bis zum Jahre 1671 scheint sich unser Reichsfeldherr vom öffentlichen Leben zurückgezogen zu haben; denn erst im genannten Jahre wird seiner wieder Erwähnung gethan und zwar bei den Festlichkeiten, die aus Anlass des feierlichen Einzuges des jungen Königs Carl XI. in Stockholm und dessen Introduction im hohen Rath gegeben wurden. Auch zeigt sich seine Thätigkeit noch in einzelnen dienstlichen Veranlassungen, namentlich in seiner Eigenschaft als Generalgouverneur von Pommern. Erst im — 254 — i .fahre 1674 ist er wieder kriegerisch thätig in den Kämpfen zwischen Schweden und Brandenburg. Am 15. des Weinmonats stattete Graf Wrangel der Königlichen Frau Mutter seinen Bericht ab, welches etliche Stunden dauerte. Tags zuvor hatte er noch auf seinem Schiffe den englischen Botschafter Grafen Carlisle, welcher aus Moskau zurückkam und nach Polen ging, sehr prächtig bewirthet. Im Jahre 1674 erhielt er den Befehl über die Armee in Pommern, welche auf Fr ankreichs Antrieb den Kurfürsten von Brandenburg, bei welchem Graf Wrangel sehr viel galt, angreifen sollte. Der Geheimrath Brand, damaliger kurfürstlicher Abgesandter zu Stockholm, berichtete: „Die Schweden und der französische Abgesandte zu Stockholm — Freuquerres — wären noch nicht völlig einig, und jene rühmten sich, sie wollten ihre Truppen in Deutschland auf eigene Kosten unterhalten. Graf Wrangel war zu Schiff gegangen, ohne von Freuquerres Abschied zu nehmen, weil unter ihnen ein Zwist entstanden war, oder weil man andere täuschen wollte. Jedoch Hess ihn Freuquerres durch einen Edelmann nacli Pommern begleiten, wohin auch aus Frankreich Vitry geschickt worden, um Graf Wrangeis Anordnungen zu beobachten. Johann Gyldenstjerna, welcher der Björn- kloschen Partei angehörte, sagte spöttelnd: „Graf Wrangel zögein den Krieg, der doch an Händen und Füssen schwach wäre". Zu gleicher Zeit hatte der schwedische Gesandte am französischen Hofe, Peter Sparre, dem Könige von Frankreich die Versicherung gegeben, es wäre dem Grafen Wrangel eingebunden worden, die Feindseligkeiten anzufangen und sich Berlins zu bemächtigen. Nichtsdestoweniger ward dem Grafen Wrangel befohlen „er solle die Feindseligkeiten so lange einstellen, bis man sehen würde, wie das Gewerbe des Grafen Brahe, welcher zwischen Dänemark und Schweden einen Bund scliliessen sollte, zu Kopenhagen abliefe, und ob der Kurfürst aus dem Elsass zurückkehren werde, da alsdann dort die Macht der Verbündeten von selbst einstürzen würde". Mit solcher Hoffnung hatte man bisher Freuquerres genährt. Als dieser merkte, dass die Schweden unter dem Vor wände der dänischen Unterhandlung Zeit zu gewinnen trachteten, drang er mit heftigen Schriften in sie und verhiess die Vorausbezahlung reichlicherer Hilfsgelder, wenn sie ohne die dänische Entschliessung abzuwarten, dem Kurfürsten ins Land fielen. Demzufolge wurde im Wintermonat 1674 ein Eilbote mit entscheidenden Befehlen an Graf Wrangel abgefertigt. Von der Zeit an hörte man von nichts anderem, als von Feindseligkeiten wider den Kurfürsten, welcher nun seinen Gesandten aus Stockholm abberief. Als Brand von Steen Bjelke Abschied nahm, liess dieser verlauten, „es thäte ihm leid, dass des Kurfürsten Land dergestalt angefallen würde; das wäre freilich ein offenbarer Krieg; weder er, noch die meisten Reichsräthe, hätten eher etwas hiervon erfahren, als bis alles beschlossen und verabredet worden, einen Krieg ohne Einwilligung des Senats und der Stände zu beschliessen; es rühre blos von der „de la Gar- dieschen Partei" und von Graf Wrangel her; wie diese solches vor denen, welchen sie Rechenschaft über ihr Thun zu geben hätten, verantworten wollten, würde dermaleinst ihre Sorge sein". Ebenso drückte sich Johann Gyldenstjerna aus. konnte aber nicht in Abrede stellen, dass alles auf den Krieg gerichtet sei; von den Befehlen aber, welche Graf Wrangel erhalten, wüsste niemand anders als der König und de la Gardie; die Reichs- rätlie wurden befragt: ob der Kiieg wider Erwarten ausbrechen und Schweden dadurch in Schaden und Noth gerathen sollte; in diesem Falle könnte Graf de la Gardie leicht seinen Kopf verlieren, besonders wenn Dänemark und Russland Krieg anfingen. Die drei Parteien in Schweden — die von Brahe, de la Gardie und Graf Wrangeistritten noch immer, wohin man die Waffen kehren sollte. Ende 1674 wollte man ganz in Uebereinstimmung mit Wrang eis Wünschen und Rathschlägen den Feldmarschall gegen Holstein marschiren lassen, um vorerst Dänemark unschädlich zu machen; diess hintertrieb jedoch der französische Gesandte. Der französische Einfluss und die Partei ,.de la Gardie" trugen den Sieg davon und Graf Wrangel erhielt am 19. De- cember 1674 den bestimmten Befehl, mit 16 000 Mann in das brandenburgische Pommern einzufallen, während der Kurfürst sich mit seiner Streitmacht noch im Elsass befand. Graf Wrangel hatte innerhalb sechs Tagen sechs verschiedene Befehle erhalten, welche den Einfall geboten und verboten. Der letzte ging dahin, dass die Armee bei Pasewalk zusammen gezogen werden sollte. Auch waren schon einige Regimenter aus dem Bremensclien durch Mecklenburg ohne die geringste Kriegserklärung in die Uker- mark eingedrungen. Darüber beschwerte sich der Statthalter in der Mark, Johann Georg Fürst von Anhalt, durch Hasso Adam von Wedel bei dem schwedischen Feldherrn und bat ihn, dieses abzuändern, indem er glaube, es wäre ohne Wrangeis Befehl geschehen, denn Brandenburg habe der Krone Schweden keine Ursache zu solchem Vorgehen gegeben. Allein bald darauf am 27. December ward die Mark von der ganzen schwedischen Armee überschwemmt. Graf Wrangel litt hierbei unendlich. Alle Grausamkeiten, die uer schwedische Soldat verübte, wurden ihm zugerechnet, weil er nicht bestrafte. Man sagte, es wären in einer kurzen Zeit 7000 Einwohner aus der Mark nach Polen geflohen, um den Räubereien und Unmenschlichkeiten des hungrigen Feindes zu entgehen. Der Zustand des Heeres war der Spiegel der schwankenden Entschlüsse des jungen Königs Carl XI. und der Vernachlässigung, welche hierdurch seit längerer Zeit in der Kriegsverwaltung herrschend gewesen war. Carl Gustav Graf Wrangel, bereits in den sechziger Jahren und infolge der fortwährenden Kriegsstrapazen sehr an Gicht und Podagra leidend, war meistens bettlägerig und bereits ein hinfälliger Greis geworden. Nun hatte man, um ihn in seinem Alter und in seiner Krä nkli chkeit zu unterstützen, Helmfeld und Otto Wilhelm Graf Künigs- marck ihm als Unterbefehlshaber zuertheilen wollen; indess Helmfeld dankte entschieden für das Conimando, und Königsmarck, der immer noch als Fremdling betrachtet und von vielen gehasst wurde, wollte die Stellung ebenfalls nicht annehmen. V on den anderen Generalen war Baron Woldemar von Wrangel (VT 12) tapfer, aber jung, unerfahren, — 250 — iibermüthig und der Gegenstand des Neides für viele. Mardefeld ferner kam sogar in den Verdacht, im Einverständniss mit dem Feinde zu stehen. Die Folge davon war, dass sich in der Leitung des Ganzen keine Kraft bemerkbar machen konnte. Die Beschlüsse für die Bewegungen der Armee wurden langsamer gefasst und ohne die erforderliche Raschheit und Umsicht ausgeführt. „Der schwedische Reichsfeldherr Graf Wrangel", so wird erzählt, „war ein vortrefflicher Herr, dem keiner unter allen Obersten, die bei diesem Kriege thätig sein sollten, mit Recht vorzuziehen war; auch nahm er seinen guten Namen wohl in acht, dessen Unsterblichkeit er nach seinem Leibspruche wünschte." Seinen Feldzugsplan passte er nun den Forderungen des französischen Gesandten, „sich vorerst mit dem Kurfürsten von Hannover zu vereinigen", an. Zu diesem Zwecke waren seine Truppen von Stettin aus in die Mark Brandenburg eingebrochen und gingen im Frühling 1675 über die Havel. Oranienburg wurde genommen und ging in Flammen auf. Die schwedischen Reiter streiften sogar bis nahe an Berlin heran und machten reiche Beute. Allerdings hätten die brandenburgischen Truppen diese schwachen Abtheilungen am Defile bei Fehrbellin leicht einige Tage aufhalten können; indess sie zogen sich ohne Kampf beim Herannahen der Feinde zurück, so mächtig wirkte noch das frühere Ansehen der schwedischen Truppen, obgleich ihr jetziger Zustand das nicht mein rechtfertigte. Der Reichsfeldherr, welcher am 26. Mai von Stettin aufgebrochen war, um der Armee zu folgen, kam nicht weiter als bis nach Neubrandenburg, wo er wieder einen schweren Gichtanfall bekam, der ihn zehn Tage ans Bett fesselte. Auch General Mardefeld erkrankte so schwer, dass man au seiner Genesung zweifelte; so ging der höchste Befehl an den Generallieutenant Woldemar Baron von Wrangel (VI 12) über. Nun brach bald Uneinigkeit unter den Generalen aus, durch welche das Band der Kriegszucht immer mein gelöst wurde; der Soldat plünderte dabei ganz gewaltig. Bald war das Land ausgesogen und die Einwohner zu offenem Widerstand gereizt. Hierauf bemächtigten sich die Schweden der an der Havel gelegenen Städte Rathenow, Brandenburg, Havelberg etc., peinigten auf dem Lande die Leute, richteten hin und beraubten die Kirchen dergestalt, dass der kranke Reichsfeldherr Graf Wrangel selbst in einem an seinen Stiefbruder, den Generallieutenant Woldemar Baron von Wrangel abgelassenen und dann von einer brandenburgischen Partei aufgefangenen Schreiben eingestand, „dass seit Menschengedenken, und so lange er ein Soldat sei, dergleichen Verfahren unter Christen nicht wäre erhöret worden". Inzwischen schrieb der Reichsfeldherr an den König nach dem Uebergange der Truppen über die Havel: „Dass er sich nunmehr auch des Uebergangs über die Elbe versichern wolle, dass ferner der Kurfürst noch nicht bereit sei zurückzukommen und er somit hoffen könne, zwischen ihm und dem kaiserlichen Heere in Schlesien sich einzuschieben, wodurch ihre Vereinigung erschwert würde und die Möglichkeit entstände, einen oder den anderen energisch anzufallen." Doch die Ausführung entsprach nicht diesem kühnen Plane. Die Generale wollten den kranken Feldherrn unter so geringer Bedeckung in einem feindlichen Lande nicht so 257 weit hinter sich lassen, man wollte seine Genesung abwarten, und damit während dessen die Truppen die nöthige Zufuhr an Lebensmitteln erhalten konnten, wurden sie in noch weitläufigere Quartiere verlegt. >So gingen denn Wochen verloren für den wichtigen Elbübergang und gerade zu einer Zeit, wo jeder Tag kostbar war. Endlich kam der Reichsfeldherr, noch krank und in einer Sänfte getragen, am 9. Juni in Neuruppin an, verbot sofort aufs strengste alles Plündern und ordnete unverzüglich grössere Recognoscirungen gegen Magdeburg an, da soeben die Nachricht eingegangen, dass der Kurfürst bereits auf dem Heimmarsche begriffen sei. Den 11. Juni verliess er Neuruppin und begab sich zum Regiment Dalekarlien, welches bei ihm im Quartier gelegen hatte, nach Havelberg, während er den bestimmten Befehl an seinen Bruder sandte, „die Infanterie und Cavallerie über die Brücke von Rathenow sogleich zu ihm stossen und alle Yorräthe mitführen zu lassen". Am 13. Juni liess der Reichsfeldherr von Havelberg ans bei Werben, zwei Stunden Weges davon, recognosciren, um den geeignetsten Punkt zum Brückenschlag zu bestimmen. In einem Briefe des französischen Bevollmächtigten Vitry 1 ), der das Heer begleitete, vom 15. d. d. Havelberg, heisst es: „Uebermorgen wird das Eussvolk erwartet und dann der Angriff am Fluss geschehen, falls dieser vertheidigt wird, aber es stehen dort nur einige Hundert Bauern." „Uebermorgen beginnt die Arbeit an der Brücke und zu Ende der Woche wird die ganze Armee über die Elbe gegangen sein. Des Feldherrn Plan ist dann, über die schöne Ebene um Halberstadt gerade auf den Kurfürsten los zu gehen und ihn zu schlagen, wenn er Stand zu halten wagt, was nicht anzunehmen ist, nachdem der Feldherr mit den hannoverschen Truppen sich vereinigt, was gleich nach dem Flussübergange geschehen wird." Der oben angeführte Befehl des Reichsfeldherrn hinsichtlich der Bewegung der Infanterie kam nie zur Ausführung. Statt dessen lief die Nachricht ein, „dass Oberst von Wangelin, welcher mit einem Regiment Dragoner bei Rathenow stand, überrascht und vom Kurfürsten bereits geschlagen worden sei". Der Kurfürst war nämlich mit grossen Tagemärschen in sein Land zurückgeeilt und hielt sein Erscheinen möglichst geheim. In Magdeburg setzte er sein Fussvolk auf Wagen und marschirte nun so eilig, dass er den 15. Juni 3 Ulm morgens die Schweden in Rathenow noch ganz sorglos fand. Nach einer tapferen Gegenwehr ward das Regiment theils niedergehauen, theils gefangen genommen. Die schwedische Linie war nun so durchbrochen und die Vereinigung auf dem linken Ufer der Havel unmöglich. Der Reichsfeldherr, welcher sicli an einem nicht festen Orte ohne Munition befand, gab nun Befehl, dass die Munition auf dem Wege über Fehr- bellin zu ihm stossen solle, und er selbst brach am 16. Juni nach Neustadt auf, um sie in Empfang zu nehmen. Als der Feldherr indessen schon Feinde bei Felmbellin antraf, zog er sich noch weiter bis Wittstock zurück. i) Als hauptsächlichste Quelle über alle diese und folgenden Begebenheiten hat eine Art Tagebuch dieses eben genannten Bevollmächtigten gedient, der sich im Hauptquartier befand und von hier ans mehrere Berichte einschickte. 25S Nachdem der Kurfürst 500 Musketiere unter Graf Dünhof als Besatzung und zur Bedeckung der Gefangenen in Rathenow zurückgelassen, eilte er mit schwacher Bedeckung bis Bamme voraus, erwartete dort seine Reiter und die wieder auf Wagen gesetzten 500 Musketiere, und fort ging es trotz strömenden Regens und völlig aufgeweichter Wege, bis man in der Nähe von Barnewitz, 3 y 3 Meilen von Rathenow, bei fast völlig eingetretener Dunkelheit nach 9 Uhr abends 1 ) (10. Juni) die Nachhut der Schweden lagernd fand. Sofort anzugreifen war mit der Reiterei bei der Nacht nicht thunlich, aber zum Morgen erwartete man um so sicherer den Kampf. Die Pferde blieben gesattelt, um jeden Augenblick bereit zu sein, und der Kurfürst brachte die Nacht in seiner Kalesche zu. Die Seinigen legten sich alle um ihn herum und es regnete die ganze Nacht. Beim Anbruch des Tages fand man jedoch, dass die Schweden unter dem Schutze der Nacht sich zurückgezogen und die Nachhut bei der Rhinbrücke hatten stehen lassen. Schnell wurde nun aufgesessen, der 71jährige Generalmajor Liideke übernahm mit 1000 Pferden des rechten Flügels die Vorhut, und fort ging es in rasender Eile. Ueberall stiess man auf die Spuren eines in Unordnung stattgefundenen Rückzuges: da lagen neben todten Pferden Panzer, Waffen aller Art, umgestürzte Wagen, und alles liess darauf schliessen, ..dass der Feind in dem Bewusstsein war gejagt zu werden und die Furcht schon zwischen ihm sei". Und in der That herrschte bereits eine Verwirrung unter den Schweden, wie sie weniger den schon erlittenen Verlusten, als vielmehr dem unsichern Gefühl zuzuschreiben ist, dass man bei völliger Unkenntniss über Stärke und Stellung des Feindes sich in einem fast labyrinthischen Terrain befand. Nicht unwesentlich trug sicherlich die Uneinigkeit der schwedischen Generale dazu bei, die ohne einen festen, einheitlichen Oberbefehl, nun die grössten Fehler begingen. Schon ihre erste Aufstellung war schlecht, der rechte Flügel war fast ganz vom Centrum getrennt, und eine dominirende Höhe vor der Front, die das ganze Schlachtfeld beherrschte, war gar nicht besetzt. Ausserdem aber liess man die günstige Gelegenheit unbenutzt, die schwachen, total ermatteten Truppen des Kurfürsten anzugreifen, bevor die nachrückenden Unterstützungen heran sein konnten. Es stellte sich somit immer bestimmter heraus, wie sehr hier die Oberleitung des abwesenden kranken Feldherrn fehlte; die Uneinigkeit unter den Generalen erreichte zuletzt solchen Grad, dass es beinahe zum Handgemenge unter ihnen gekommen wäre. Der in Abwesenheit des Feldherrn commandirende Stiefbruder desselben, der Generallieutenant Wölmar Baron von Wrangel, schien seiner Aufgabe nicht gewachsen zu sein und ward ausserdem von den übrigen Führern mit eifersüchtigen Augen betrachtet. Nur so lässt es sich erklären, dass er, während man bei einem Train von 3000 Fahrzeugen hätte suchen müssen durch die Arrieregarde den Feind möglichst weit entfernt zu halten, die zur Vertheidigung günstigsten Punkte jedesmal vorzeitig aufgab. Der Weg führte die zum Tlieil im Galopp dahin jagenden Brandenburger, voran Generalmajor Liideke mit 1000, dahinter Oberstlieutenant von Sydow mit 200 Pferden, f) So mehrere gleichzeitige Berichte, während andere die Ankunft erst um 1 Uhr nachts, also am 17. Juni früh, eintreten lassen, eine Differenz, die sich wohl aus dem Eintreffen der verschiedenen Truppentlieile erklären lässt. 259 — denen der Kurfürst in der Hoffnung, den Feind zum Stehen zu bringen „so gut er konnte", in demselben Tempo folgte, zuerst bis nach der Klinkmühle. Diese liegt an einem durch Fliesse verbundenen Seenzuge, der bei Brandenburg in die Havel mündet. Die Niederung zwischen den jetzt sogenannten Seen von Behnitz und Riewendt, damals ein zusammenhängendes Becken, ist nur auf dem von der Klinkmühle nach Gohlitz führenden Damm zu überschreiten. An diesem äusserst günstigen Punkte hatten die Schweden Posto gefasst, zur Erhöhung der Yertheidigungsfähigkeit an dem Nordende des Riewendt-Sees eine Redoute aufgeworfen und mit Geschützen armirt, aber nach Ankunft der brandenburgischen Avantgarde die Mühle niedergebrannt, die Brücke zerstört, die Geschütze in den See geworfen und den Rückzug nach des Kurfürsten eigenen Worten „verwirrt und ängstlich" fortgesetzt. Lüdeke folgte, und nachdem unterwegs viele Versprengte niedergemacht worden, meldete er eine Stunde später, dass er vor Nauen angekommen sei, dass der Feind mit dem grössten Theil seines Heeres den hinter dieser Stadt über einen breiten Flusslauf (Muhre oder Mühlenwasser) führenden Damm passirt habe, die Thore des Ortes verschlossen halte und auf jeden Versuch der Annäherung mit Kanonen und Musketen feuere; „er bäte Seine Durchlaucht, ihm Dragoner zu senden, um die Stadt einzunehmen". Der Kurfürst sandte diese sofort, ordnete auch an, dass man sogleich Geschütz vorziehe, und erneuerte den Befehl an Lüdeke, „den Feind zu schlagen, wo er ihn fände", und in Erwartung der Schlacht trug er dem Kammerjunker von Buch auf, „er solle ihn in der Schlacht nicht verlassen, sondern immer bei seiner Person sein". Es waren dieses die Schweden unter Generallieutenant Wolmar Baron von Wrangel, welche sich auf dem Rückzüge nach Fehrbellin befanden und hierbei Nauen besetzt hatten. Bei diesem unbedeutenden Scharmützel hielten sich die schwedischen Generale, meist aus Kampfbegier, bei der Avantgarde auf, vernachlässigten aber hierbei, ihre Truppen der General-Idee gemäss zu führen. Dieser zufolge sollte der Rückzug- eiligst nach Fehrbellin fortgesetzt werden, um die Rhinbrücke zu erreichen. Bevor indessen Geschütze und Dragoner herankamen, hatte Oberstlieutenant von Sydow mit seinen 200 Pferden die aus 1000 Kürassieren bestehende Nachhut des Feindes über den Haufen geworfen, worauf dann die Besetzung Nauens, ein Bataillon Infanterie, wiederum zu frühzeitig, die Stadt aufgegeben und sich Hals über Kopf grössten- theils über den Damm gerettet hatte; der nicht unbedeutende Rest wurde von den nachdrängenden Brandenburgern niedergehauen. Der Pass aber, ausser der abgebrochenen Brücke ein langhingestreckter Steindamm, war so schmal, dass nur drei Reiter nebeneinander ihn zu passiven vermochten; den rechts und links befindlichen, selbst für Fussgänger undurchdringlichen Morast vermochte die brandenburgische Vorhut nicht zu nehmen. Die Schweden hatten jenseits eine Schanze aufgeworfen und sich da hin ter in voller Schlachtordnung entfaltet, den Ausgang des Dammes selbst mit Kanonen besetzt, die diesen bestreichend jeden Versuch Lüdekes blutig zurückwiesen. Zwar gelang es Derfflinger, die Brücke angesichts des Feindes herzustellen und durch drei geschickt aufgestellte Geschütze die feindliche Artillerie zu 83* — 260 delogiren; aber immerliin wäre es ein gewagtes, vielleicht unausführbares Unternehmen gewesen, unter den Augen des Feindes zu debouchiren. So erging der Befehl, dass die ausserordentlich angegriffenen Truppen sich in und hinter die Stadt zurückziehen und dort campiren sollten. Die Schweden hatten auf einem Rückzüge an 2000 Stück Hauptvieh verloren. Inzwischen drängte das Eintreffen der Nachricht, dass der Feldherr Graf Wrangel sich von Havelberg auf Ruppin gewendet habe (sie erwies sich später als falsch), zu einem Entschluss. Kam jener von Norden her über Fehrbellin seinem bedrängten Heere zu Hilfe, so waren die bisher von den Brandenburgern gemachten Anstrengungen nutzlos. Deshalb entschloss sich der Kurfürst zu einem bei der geringen Stärke seines Heeres gewagten Schritt: „er wollte, bevor jener herankam, die Schweden zwischen zwei Feuer nehmen" und ertheilte dem General Liideke den Auftrag, „eine Stunde Weges östlich von Nauen einen nicht jedem bekannten Punkt zu suchen, wo anstatt des Sumpfes Wasser war, r J dort mit seinen 1200 Pferden zu passiren und den Schweden in den Rücken zu fallen". Indessen lagerten beide Heere, das brandenburgische westlich von Nauen, das schwedische nordöstlich davon gegen Börnicke zu, und der Kurfürst gab, jetzt freilich zu spät, die Ordre, den Fehrbelliner Pass zu besetzen, „doch dafern es noch sein könne". Eben kam von dorther der Oberstlieutenant Henning, der unter Verlust von nur zehn Reitern dem schwedischen Detachement etwa sechzig Mann getödtet. hatte, nach Nauen zurück. Vielleicht wäre sein Ausharren auf dem freilich sehr exponirten Posten bei dem entscheidenden Kampfe tags darauf für die Schweden verhängnissvoll geworden. Der dreitägige Feldzug vom 15. bis 17. Juni hatte unerwartete Resultate gehabt: ein wohl ausgeruhtes, aus allen Waffengattungen bestehendes Heer, mit Geschütz reichlich ausgestattet, war durch eine halb so starke, nur aus Reitern bestehende Truppe aus einer schwer angreifbaren Stellung geworfen, war flüchtig dahingescheucht und hatte in diesen drei Tagen 600 Mann an Todten und mehr als 600 Mann an Gefangenen eingebüsst. Die Schweden, an der Brücke über den Rliinfluss angekommen, mussten noch vor diesem Defile stehen bleiben, weil die Artillerie und der Tross, unrichtig geführt, daselbst noch nicht eingetroffen waren. Der Kurfürst liess, als er die Schweden erreicht hatte, gleichfalls halten und erwartete seine Reserven. Am Abend des 17. Juni hatten sich beide Heere auf Kanonenschussweite gegenüber gestanden; zum Morgen erwartete man den Beginn der Schlacht. Allein als beim Grauen des Tages um drei Uhr die brandenburgischen Vorposten nach dem Feinde ausschauen, ist derselbe verschwunden, sei es, dass er von der ihm durch General Lüdeke drohenden Umgehung gehört, sei es, dass andere Umstände ihn zu beschleunigterem Rückgänge bewogen, als die unbehinderte Abführung seines Trains räthlich machte. !) Die Lage dieses Punktes östlich von Nauen gegen den Briselank zu ergiebt sich aus dem Umstände, dass an diesem Tage der rechte Flügel die Vorhut hatte, ausserdem nördlich und westlich Nauens sich wohl das morastische Luch, nicht aber passirbares „Wasser" findet. — 201 — Sofort ertlieilte der Kurfürst Befelil zum Aufbruch aller Truppen, und da General Lüdeke, der die Vorhut bisher geführt hatte, von seiner Detacliirung noch nicht zurückgekehrt war, übernahm dieselbe auf seine Bitte der General der Cavallerie, Landgraf von Hessen-Homburg, der als Besitzer von Neustadt an der Dosse der Gegend genau kundig war. Auf 1500 Pferde verstärkt, suchte er durch Beschleunigung des Marsches die verloren gegangene Fühlung mit den Schweden wieder herzustellen. Nach Ueberschreitung des Passes traf er jenseits desselben beim Vorrücken zunächst auf Lüdeke, der mit seinen 1200 Pferden tags zuvor ausgeschickt war, um dem noch vor Nauen lagernden Feinde in den Bücken zu fallen. Aber das Wasser, das er eine Stunde östlich von Nauen hatte passiren sollen, war durch die andauernden Regengüsse der letzten Tage so angeschwollen, dass seine Reiter dasselbe wohl dreissig Schritt weit schwimmend, die Waffen über dem Kopfe haltend, hatten überschreiten können, und da iiberdem die Nacht ihn überraschte, hatte dieser für Kürassiere schwierige Uebergang seine rechtzeitige Ankunft im Rücken der Feinde nicht möglich werden lassen. Es regnete noch heftig. Der Nebel verhinderte jede weitere [Umschau und die grundlosen Wege erschwerten das Fortkommen. Trotzdem folgte Homburg dem Feinde „in gutem Trabe". Der Kurfürst brach mit dem Gros um 5V 2 Uhr auf. Die Dispositionen des Kurfürsten schlössen sich eng an das mögliche Verhalten des Feindes an. Dieses konnte dreierlei Art sein: Baron Wrangel hätte von Nauen aus über Börnicke, Staffelde auf Kremmen, oder über Paaren, Perwenitz, Eichstedt auf Oranienburg, oder über Tietzow, an Flatow vorbei, über Linum, Hakenberg, Tarnow auf Fehrbellin weichen können, und jede dieser Möglichkeiten bedingte für den Kurfürsten andere Entschlüsse. Die 1500 Reiter fänden auf dem Wege vom Nauener Pass nach Norden die Spuren des Feindes so deutlich, dass sie über die Richtung des Rückzuges nicht in Zweifel sein konnten. Dieselbe ging von Nauen aus direkt nach Norden auf Tietzow, wie die Ueberreste des eiligen, fast schon fluchtartigen Rückzuges, zerbrochene Wagen, Kürasse, Eisenhüte, weggeworfene Waffen, gefallene Pferde und anderes mehr bekundeten. Der Weg führte damals noch mehr wie jetzt zwischen Busch, Morast und verwachsenem Holze hindurch, durch welches, wie der Kurfürst schreibt, die Nachhut Graf Wrangeis „rechtschaffen durchgejaget ward". Es mochte etwa sechs Uhr sein, als der Landgraf die Schweden gezwungen hatte, sich zu setzen und unverzüglich veranlasste, dass Graf Promnitz die oben erwähnte Anhöhe sofort besetzte. Es waren dieses die zwischen Tietzow und Flatow sicli hinziehenden Sandberge. Trotzdem sich die in Schlachtordnung aufgestellten Schweden in keiner vortheil- haften Situation befanden, so wollte doch der Kurfürst dieselben nicht vom Landgrafen angreifen lassen, bevor er im stände wäre, ihn gut zu unterstützen; denn die Artillerie sowohl als das Gros der Truppen hatten kaum den schmalen Damm passirt und konnten bei der Enge und Schlechtigkeit der Wege nicht hinreichend schnell folgen. Inzwischen hatten die Schweden ihre Stellung verlassen, und unaufhörlich vom Landgrafen gedrängt, zog Baron von Wrangel sich bald zurück, bald stellte er sich in — 262 — Schlachtordnung, um seinem Gepäck Zeit zum Abzug zu verschaffen. So kamen sie bis an die alte Südgrenze des Landes Beilin gegen den Glien hin, wo von Norden her sich das Rhin-Luch dem Havel-Luch bis auf eine Entfernung von 1200 Schritten nähert, eine Flankirung durch die Undurchdringlichkeit des Morastes zu beiden Seiten ausgeschlossen ist, und zwischen beiden die Front nach Süden die „Landwehr" bildet (eine alte Befestigung, aus hohem Walle und trockenem, fünf Fuss tiefem, 12 Fuss breitem Graben bestehend, die nur an zwei Stellen durchritten werden kann, den Angriff für Cavallerie beinahe zur Unmöglichkeit macht). Sobald die Schweden diesen Punkt erreicht hatten, mussten sie hoffen, liier auf der Insel "Rell in , eingeschlossen von den unpassirbaren Brüchern, Schutz zu haben, da von Norden her der von Havelberg angeblich auf Ruppin marschirende Feldherr Graf Wrangel ihnen voraussichtlich die Hand reichen, jedenfalls aber ihnen die vorher angeordnete Besetzung des Passes bei Fehrbellin durch 160 Reiter den Rückweg decken würde. Der festen Stellung der Feinde gegenüber schickte der Landgraf eine Meldung an den Kurfürsten mit der wiederholten Bitte um Unterstützung; aber bevor Antwort von diesem gekommen war, muss die Schweden die Nachricht erreicht haben, dass ihre Besatzung der Schanze von Fehrbellin niedergemacht und der Pass in ihrem Rücken zerstört sei. War vorher schon bei den Schweden durch die von allen Seiten, wenn auch niu 1 in kleinen Parteien, über sie herfallenden Brandenburger das Gefühl der Unsicherheit allmählich in Furcht verwandelt, so hörte jetzt fast' jede Ueberlegung auf, und von der Ueberlegenheit des eigenen Heeres bei günstigstem Terrain wird gar kein Gebrauch gemacht. Man drängt nur nach rückwärts und jeder Versuch eines Vorstosses hat blos den Zweck, den Rückzug zu ermöglichen. Dementsprechend sendet der General- lieutenant Baron Wrangel ein Regiment Infanterie nach Fehrbellin voraus, welches den durchstochenen Damm zuzuschütten, die verbrannten Brücken herzustellen und die Stadt mit einer Reihe von Schanzen zu umgeben, Befehl hatte. Anstatt aber die vortreffliche Stellung an der „Linumer Landwehr" wenigstens so lange zu halten, bis jener Auftrag ausgeführt war und vor allem der kolossale Train von fast 3000 Axen den völlig freien Weg von 1% Meile bis Fehrbellin zurückgelegt hätte, zog er, bei dem dichten Nebel in Unkenntniss, ob er nicht das ganze brandenburgische Heer, vielleicht auch gar die Kaiserlichen unter General Kopp sich gegenüber habe, mit dem Gros seines Heeres in eine dritte Aufstellung, eine Viertelmeile jenseits Linum, gegen Hakenberg zu und liess die „Landwehr" so schwach besetzt, dass Friedrich von Homburg, ohne die erbetene Unterstützung abzuwarten, mit seinen Kürassieren den Durchgang erzwingen konnte. Der Kurfürst entschied für den sofortigen Angriff mit den Worten: „Da man so nahe beim Feinde sei, müsse derselbe Fell oder Federn lassen." Die gewünschten Dragoner wurden zugesagt und die ganze Streitmacht setzte sich, soviel es anging, in schnellere Bewegung. Da indessen bei den engen Wald- und Bruchwegen die Colonnen nicht dicht aufgeschlossen folgen konnten, so musste öfter Halt 263 gemacht werden, und bevor die ersehnte Hilfe der Spitze zu theil ward, hatten die Schweden, wie schon erwähnt, weiter rückwärts Stellung genommen. Das Heer derselben bestand aus acht Regimentern zu Fuss, die aber, anstatt wie gewöhnlich, je 1200 Mann zählend, im ganzen nur noch 7000 Mann stark und deshalb während der Schlacht in sechs Brigaden („Brigade- seit Gustav Adolf taktische Einheit) rangirt waren; ferner aus 4200 Mann Üavallerie und 3S Geschützen. Die Brandenburger dagegen zählten 5000 Kürassiere, wobei sich theils aus den Schlachtberichten, theils aus der Erwähnimg verwundeter Offiziere die Gegenwart der Trabantengarde, des Leibregiments, Anhalt, Kurprinz, Hessen-Homburg, Derfflinger, Görtzke, Lüdeke, Oberst Printz, Mörner, sowie einzelner Schwadronen von Croy und Bruckdorf nachweisen lassen, von denen beim Ausrücken 1G74 die Trabanten nur 300 Pferde, die übrigen je 500 bis 680 Pferde stark waren. An Dragonern hatte der Kurfürst 600 Pferde, meist vom Regiment. Derfflinger. An Artillerie hatten die Brandenburger nur dreizehn Geschütze meist kleinen Kalibers. Die Musketiere aus Rathenow waren noch einen Tagemarsch zurück. Der Raum, auf dem sich nun die Schlacht entwickelte, das schon erwähnte Land Beilin, durch die Brücher eingeschlossen, ist ungefähr von birnenförmiger Gestalt, an Breite bei Fehrbellin etwa von 7000, bei Tarnow etwa von 7500 und bei der Limmer Landwehr von 1200 Schritt. Die Höhe des Ländchens, eines hügeligen Plateaus, ist verschieden; die Dörfer der Nordseite Linum, Hakenberg, Tarnow, über welche die alte Landstrasse von Nauen nach Ruppin und weiterhin nach Hamburg ging, liegen verhältniss- mässig tief; der übrige Theil der Insel ist von drei an der schmäleren Seite parallel laufenden Hügelreihen besetzt, die sich zu achtzig Fuss über den Spiegel der umliegenden Gewässer erheben und damals grösstentheils mit Kiefern, zum Theil mit dicht verwachsenem Unterholz, kleinere Strecken auch mit Eichen bepflanzt waren. Zwischen diesen befinden sich versumpfte Reste früherer Gewässer oder auch Hügel, welche, jene parallelen Ketten mit einander verbindend, vertlieidigungsfähige Abschnitte mit der Front nach Süden herstellen. Auf einem dieser Abschnitte, vor sich einen etwa 1200 Schritt breiten freien Raum, in der rechten Flanke ein Gehölz, halben Weges zwischen Linum und Hakenberg, von jedem der Orte etwa eine Viertelmeile entfernt, hatte Generallieutenant Baron von Wrangel, den linken Flügel geschützt durch einen einspringenden Zipfel des Luchs, in drei Treffen seine dritte Aufstellung genommen und seine acht Regimenter Infanterie in sechs Brigaden rangirt, die üavallerie zum Theil auf die rechte Flanke gezogen, als der Landgraf ihn hier in seiner von üavallerie entblössten linken Flanke angriff. x ) Wegen des nun stattfindenden hartnäckigen Kampfes ging Derfflinger mit den Dragonern (vier Schwadronen Reitern und zwei Geschützen) sofort dem Landgrafen zu Hilfe, fand aber bei seinem Eintreffen den Feind abermals zurückgegangen und den linken Flügel gestützt auf das Dorf Hakenberg, den rechten bis in die Nähe der zweiten Parallel-Hügelkette auf einer der vorigen ähnlichen Terrain welle in zwei Treffen auf- 1) Zu dieser Auflassung zwingt der dem Theatrum Europaeum beigegebene Plan, obgleich der Prinz, der Ordre-de-bataille nach, da man brandenburgiseinerseits vom linken Flügel abmarschirt war. siebt auf die rechte Flanke des Feindes hätte werfen müssen. 264 gestellt, wiederum die Infanterie in der Front, die Cavallerie hinter den Flügeln der Schlachtordnung. Den richtigen Punkt erkennend, ging Derfflinger, gedeckt durch das Tarnower Gehölz, auf die ganz in der rechten Flanke der feindlichen Stellung von den Schweden nicht besetzten Hügel vor und placirte seine Truppen vortheilhaft, obwohl unmittelbar in seinem Rücken der Katharinenpfuhl gelegen war. Um acht Uhr begann er sein Feuer, wiewohl sein Detachement nur klein und das Gros noch sehr weit zurück war. Der Himmel, der bis dahin Ströme Regens herabgesendet, klärte sich um diese Zeit auf und und der Nebel senkte sich. Die Bestürzung der Schweden, welche jetzt sahen, dass sie von den auf der Höhe befindlichen brandenburgischen Geschützen in der ganzen Länge ihrer Schlachtordnung bestrichen werden konnten, war nicht gering. Es blieb ihnen nichts übrig als der Versuch, die schon ihre Rückzugslinie auf Fehrbellin bedrohenden Geschütze zu nehmen. Der Generallieutenant Baron von Wrängel liess daher das Leib - Infanterie- Regiment des Generalmajors von Dalwig unter dem wegen seiner Tapferkeit berühmten Führer, dem Oberstlieutenant von Malzahn, sowie die Cavallerie des rechten Flügels dahin vorgehen. Schon waren die brandenburgischen Geschütze in grösster Gefahr und bereits ging das Regiment Dalwig mit gesenkten Spiessen gegen die Geschütze vor, als sich Homburg durch ein kühnes Manöver auf den Feind warf und mit mächtigem Clioc die Schweden zurücktrieb. Aber Baron von Wrangel verstärkte jetzt, da sein linker Flügel nicht mehr durch die brandenburgische Avantgarde der „1500 Mann" bedrängt wurde, mit diesem seine rechte Flanke, während der Kurfürst, jetzt selbst zur Stelle, in der Verlängerung der die Stellung der Schweden dominirenden Hügel den allmählich herankommenden Rest der Geschütze aufstellte, an deren Wirkung Baron von Wrangel am deutlichsten den Fehler erkannte, den er mit der Nichtbesetzung jener Hügel begangen hatte. Dieses Versehen gut zu machen, erneuerte er seinen Angriff; noch ein zweites Mal kamen die Geschütze in grosse Gefahr, so dass der Kurfürst den ältesten Obersten, den Generalwachtmeister von Monier, durch den Generaladjutanten von Küssow zum Schutz derselben vorbeorderte, der dann mit solcher Wucht auf das östgötische Arkebusirer- Regiment (Kürassiere) des Oberst Baron Wachtmeister traf, dass er den Seinigen für den Moment Luft machte. Beide Obersten schössen sich gegenseitig von den Pferden, 1 ) und in dem erbitterten Handgemenge gewannen die Brandenburger nur dadurch die Oberhand, dass der Oberstlieutenant Henning sofort an des gefallenen Mörners Stelle trat, die Soldaten immer wieder rangirte, in das östgötische Regiment hinein ritt, es trennte, mehrere Hundert niederhieb und den Rest zu eiligster Flucht zwang. Aber neue Schaaren der Schweden traten an die Stelle, und es folgte nun ein Kampf, ein wirres Durcheinander, dessen einzelne Episoden nicht mehr entrollt werden können. Den Schweden, hier für die Rettung ihres Lebens fechtend, kam ihre Ueber- zahl dabei trefflich zu statten, bis der Ungleichheit der Streitkräfte das Eintreffen J ) Handschrift des pommersehen „Greyff", p. 133. — 265 — auch der letzten brandeiibiirgischen Reiter-Regimenter auf dem Kampfplatze einigermassen ein Ende machte; sowie die einzelnen Geschwader ankamen, wurden sie ins Feuer geführt. Der Kurfürst selbst war überall, sammelte die in wilder Flucht dahineilenden Trabanten und das Regiment Anhalt, setzte sich, da ihre Führer bereits gefallen, an ihre Spitze und stürzte sich selbst mit den eben geordneten Schwadronen in die Feinde. Sich zu weit vorwagend, ward er von schwedischen Reitern umringt, aber von neun der Seinigen wieder herausgehauen. Die schwedische Tapferkeit verleugnete sich auch hier nicht: Alles, was ihnen im ersten Anlauf entgegentrat, wurde niedergeworfen; indess diese vereinzelten Angriffe wurden bald von den richtig zusammenwirkenden brandenburgischen Truppen, gegenüber der eigenmächtigen willkürlichen Handlungsweise der schwedischen Unterführer, gebrochen. Schliesslich ward der schwedische Angriff abgeschlagen und die schwedische Reiterei zu eiliger Flucht genöthigt; das am weitesten vorgerückte Infanterie-Regiment Dalwig, das jener schnellen Flucht nicht hatte folgen können, blieb allein den Angriffen der gesammten brandenburgischen Reiterei ausgesetzt. Mit gesenkten Piken erwartete es die Attacke, wurde allmählich uniringt, von allen Seiten angegriffen, schliesslich durchbrochen und Mann für Mann niedergemacht, so dass nicht zwanzig Soldaten davon kamen und nur sechzig bis siebenzig verwundet in Gefangenschaft fielen. Der tapfere Oberstlieutenant von Malzahn hatte an der Spitze seines acht Compagnien zählenden Regiments den Tod gefunden; die acht Fähnlein desselben, aus weissem Taffet mit goldenem gemalten Rautenkranz, darunter Silber mit blauen Flammen, waren den brandenburgischen Reitern zur Beute gefallen. So hatte der rechte Flügel der Schweden eine empfindliche Schlappe erlitten, der achte Theil ihrer Infanterie war völlig vernichtet und die Cavallerie so arg mitgenommen, dass sie nur hinter den festgeschlossenen Gliedern ihrer Infanterie sich gedeckt glaubte: alles eine Folge erstens der Nichtbesetzung jener Höhen, sodann zweitens der schlechten Disposition des Baron von Wrangel, die durch das frühzeitige Vorbrechen der eigenen Truppen ihn verhinderte, von seiner den Brandenburgern dreifach überlegenen Artillerie ausgiebigen Gebrauch zu machen. Es blieb ihm nichts übrig, als den Rückzug, zu dessen Sicherung er den Kampf allein aufgenommen hatte, früher fortzusetzen, als der Fehrbelliner Pass hergestellt war, und früher als sein Tross denselben passirt haben konnte. Beschleunigt wurde der Entschluss dazu noch durch die Nachricht, welche sich während der Schlacht bei Brandenburgern und Schweden verbreitete, der kaiserliche General Kopp nahe sich mit einem Hilfscorps von 10 000 Mann, ein Gerücht, welches wohl durch die Annäherung der von Berlin und Spandau aus heraneilenden brandenburgischen Truppen veranlasst worden war. Der Kurfürst erkannte, da jetzt der Nebel um zehn Uhr völlig fiel, dass die feindliche Reiterei des rechten Flügels in völliger Auflösung zwischen den Heerhaufen ihres Fussvolkes Schutz suchte, und dass dieses in zwei Colonnen über Tarnow seinen Rückzug nach Fehrbellin antrat. Nur nothdiirftig wurden die Reitergeschwader in zwei Treffen geordnet, und indem er die Schweden von seiner in gleicher Höhe marschirenden 34 Artillerie dauernd bescliiessen liess, versuchte er noch einmal in die geschlossenen Marschsäulen der Schweden einzubrechen. Bei dieser Gelegenheit setzte sicli der Kurfürst selbst so sehr dem feindlichen Geschützfeuer aus, dass eine über den Hals des Pferdes fliegende Stückkugel dem dicht hinter ihm reitenden Leibjäger Uhle das Bein oberhalb des rechten Kniees wegnahm, an welcher Verwundung derselbe anderthalb Stunden später verschied. Es war auf dieser Seite den Schweden, die hier noch sechs festgeschlossene Regimenter Infanterie entgegenstellten, bei der Abschüssigkeit der Hügel mit der Oavallerie nicht beizukommen, und so versuchte es der Kurfürst, auf der von Hakenberg über Tarnow nach Fehrbellin führenden Hauptstrasse die Oavallerie des linken schwedischen Flügels zu attackiren. Aber so wünschenswert!! und entscheidend hier auch ein Erfolg gewesen wäre, so war doch mit den bis zur äussersten Erschöpfung angestrengten Menschen und Pferden — es war seit sechs Tagen nicht abgesattelt worden nichts mehr auszurichten. So musste sich der Kurfürst damit zufrieden geben, den Feind in seiner rechten Flanke zu geleiten, durch Geschützfeuer zu beunruhigen und durch fortgesetzte kleinere Angriffe einzelne Abtheilungen von der Hauptmasse der Schweden abzuschneiden oder in das Rhin-Lucli zu drängen, wo man heutzutage noch im Torf schwedische Waffen und Münzen findet. Den Rückzug nach Fehrbellin zu verhindern, war nicht möglich. Gegen Mittag erreichte Baron von Wrangel die auf einer mässigen Anhöhe gelegene Stadt, welche durch das vorausgesandte Infanterie-Regiment mit Schanzen versehen und an allen Zugängen verhauen war; das Gepäck hatte man dahinter geborgen. Der Kurfürst zog die völlig erschöpften Kämpfer bis gegen Tarnow zurück, liess daselbst lagern und die bis in den Tod ermüdeten Vortruppen ablösen; traf aber sofort Anstalten und erliess Befehle zur Verstärkung seiner Truppen. Noch denselben Abend langten Zuzüge aus Rathenow, Berlin und Spandau an, worüber er sofort an seinen Schwager belichtete. Der Kurfürst hatte die Nacht in Einum zugebracht; am 19. Juni brach er früh aus dem Quartier auf, um mit seinem Stabe eine Recognoscirung der feindlichen Stellung vorzunehmen, passirte das Schlachtfeld und das Lager der weiter vorgeschobenen Reiterei, ward aber sein' in Erstaunen gesetzt durch die Wahrnehmung, dass der Feind während der Nacht nicht nur die Brücken und den Damm wiederhergestellt, sondern zum grossen Theil sein Heer darüber hatte passiren lassen. Waren indessen bis zur Schlacht zur Sicherung des Gepäcks die Truppen hinter demselben marschirt, so hatte der General- lieutenant Baron von Wrangel, um nur zunächst die Truppen zu retten, diese, sowie einen Theil der Artillerie zuerst übergehen lassen, während die Bagage, noch über 2000 Wagen, darunter viele Kaleschen, in der Stadt Fehrbellin zurückgeblieben war und die tags zuvor aufgeworfenen Verschanzungen durch die zwei Bataillone des Regiments Herzog von Gotha besetzt gehalten wurden. Die weitere Recognoscirung ergab, dass diese Bataillone nicht allzu entschlossen waren, ihre Stellung lange zu behaupten. In der That sah man dieselben bald darauf durch die Stadt nach der Brücke zu abziehen und sich auf dem mehr als 8200 Fuss langen, schmalen Damm der Marschcolonne der Ihrigen änschliessen. Unmittelbar nach dem Abmarsch muss aber die der Stadt zunächst 267 — liegende, nur notlidürftig hergestellte Zugbrücke gebrochen sein, denn der Zug der Feinde erlitt eine Unterbrechung, während in der Stadt die Verwirrung sich mehrte. Inzwischen eilte auch schon der hierherbeorderte General-Feldmarschall Derfflinger mit 250 Pferden herbei, drang, ohne erst eine Spitze vorauszusenden, in die Stadt ein, hieb einen Theil der Begleitung der Bagage nieder, wendete sich dann zu dem auf einer kleinen Anhöhe gelegenen Amtshause und übersah von liier, Arne die 300 von Baron von Wrangel zurückgelassenen Infanteristen eifrig bemüht waren, die Brücke wieder herzustellen. Dieses zu verhindern, musste vor allem versucht werden. Zwar gab er Ordre, dass 50 der Kürassiere absitzen und von einer die Brücke flankirenden Erdaufschüttung aus den Brückenbau durch ihr Feuer verhindern sollten, während er, der Feldmarschall, Dragoner und Geschütze herbeiholte; aber hatten seine Reiter nur ungern die Sättel verlassen, so verminderte sich ihre Zahl immer mehr und mehr, als jene 300 Mann ihr Feuer gegen sie concentrirten und schwedische Artillerie gegen sie vorgezogen wurde, deren Vollkugeln durch den Wall schlugen. Nothgedrungen wurde der Posten wieder aufgegeben und die Schweden setzten ihre Arbeit zur Wiederherstellung des Ueber- ganges fort. Endlich traf Derfflinger mit Dragonern ein und liess einen Theil derselben in die vorhin erwähnte flankirende Stellung rücken, während er selbst gerade auf die Brücke zu galoppirte. Die Schweden, um sich zu decken und vor allem, um die noch zurückgelassenen 5 Geschütze, 15 Munitionswagen, 33 V 2 Centner Pulver, sowie zahlreiches andere Armeematerial nicht in feindliche Hände fallen zu lassen, steckten die Brücke und die dieser zunächst stehenden Häuser in Brand und es folgte nun ein hartnäckiger Kampf aus der Nähe, bei dessen wirrem Durcheinander — einerseits dem Streben der Brandenburger, das Feuer zu löschen und dadurch Geschütze, Munition und Bagage zu retten, andererseits der Schweden, dies um jeden Preis zu verhindern — der Major vou Schlaberndorff von den brandenburgischen Dragonern erschossen wurde. Man musste 18 Centner Pulver in Wasser und Schlamm treten, um das zur Vertheidigung eingerichtete Zollhaus nicht in die Luft fliegen zu lassen. Endlich ward der Widerstand der Schweden bewältigt. Was jenseits der während des Gefechtes völlig zerstörten Brücke gestanden, zog sich, von dem Kanonenfeuer der Brandenburger verfolgt, auf dem engen Dannne zurück. Die Folgen dieses Sieges waren weittragend. Bei strömendem Regen von Magdeburg ausgerückt, hatte der Kurfürst, ohne Kenntniss über die formidable Position der Gegner, mit einem mächtigen Schlage das Centrum derselben erobert, hatte den Haupt- theil des schwedischen Heeres bei andauernd ungünstiger Witterung, welche die Tiefen der damals sehr viel bedeutenderen Gewässer steigerte, aus einer Stellung nach der andern gehetzt, ihren inneren Halt gelockert, ihre damals noch weltberühmte Disciplin fast vernichtet und vor der Schlacht den Sieg schon davon getragen, den die durch die unglaublichen Strapazen mitgenommenen brandenburgischen Reiter kaum noch einzuernten vermochten. 31* Am Tage der Schlacht selbst versucht der Feind viermal durch Entfaltung der vollen Schlachtordnung den Kurfürsten zurückzuschrecken. Schon um seinem Trosse die Möglichkeit des Rückzuges zn sichern, aber aus Gründen, die sich der näheren Beschreibung entziehen und vielleicht in dem Neide der schwedischen Generale gegen den Generallieutenant Baron vonJWrangel zn suchen sind, verlässt er die drei günstigsten Positionen ohne hinreichende Nöthigung; schliesslich wird er durch den ihn mit einem kleinen Detachement überflügelnden Feldmarschall Dertflinger zur Schlacht gezwungen und trotz enormer Ueberlegenlieit erfolgt die Niederlage eines kleinen Theiles seines Heeres, zu dessen Ueberwältigung die Brandenburger die letzte Kraft aufgewendet hatten, um ihn zum weiteren Rückzüge zu bewegen. Selbst die Wahrnehmung, dass des Kurfürsten siegreiche Reiterei bei der Verfolgung von seiner Nachhut in jähe Flucht gejagt war, vermag ihn nicht zu einem energischen Vorstoss, der ihm Luft schaffen musste, zu bewegen; er eilt nur, das schnell verschanzte Fehrbellin zu erreichen. Es erscheint fraglich, ob Baron von Wrangel in seinem Streben, die Vereinigung mit dem Feldherrn um jeden Preis herzustellen, recht hatte. Nicht unmöglich ist es, dass er schliesslich bei längerem Verweilen, bei entschlossenen Kämpfen, durch die concentrisch aus Nauen, Spandau, Berlin, Frankfurt und Küstrin anmarschirenden Gegner mit seiner ganzen Armee kriegsgefangen worden wäre; noch fraglicher indessen dünkt es nach den Erfolgen, ob der Kurfürst unrecht daran gethan, die ursprünglich auf völlige Vernichtung des Feindes absehende Disposition aufzugeben. Vereinzelt findet sich die Nachricht, dass der Feldherr Graf Wrangel, der mit 1500 Reitern und dem Infanterie-Regiment Notli in Havelberg gestanden, sich nach Fehrbellin gewandt habe; es wäre dies strategisch richtig gewesen; jedenfalls stand er am Tage der Schlacht in Kyritz', also kaum drei Meilen vom Nordende des Dammes entfernt, und nach einem Gewaltmarsche über Ruppin und Kremmen konnte der Kurfürst eine Diversion desselben in seinem Rücken befürchten, die für ihn verhängnissvoll werden musste. Die Folgen dieser Ereignisse waren viel grösser, als der Kurfürst sie am Abend der Schlacht selbst geschätzt. Von den Schweden lagen 2100 Mann todt auf der Walstatt, 300 bis 400 waren gefangen, die Zahl ihrer Verwundeten hat man nie erfahren, doch kann dieselbe nicht gering gewesen sein. Eine Anzahl der tüchtigsten Offiziere war geblieben, darunter der Oberst Adam von Wachtmeister, Oberstlieutenant von Malzahn, fünf andere Stabsoffiziere, sechs Kapitäns der Reiterei, ohne die Lieutenants und Cornets, sowie sämmtliche Offiziere vom Regiment Dalwig,' während von brandenburgischer Seite der General-Wachtmeister von Mörner, ein Major, vier Rittmeister, einige Lieutenants und 218 Mann todt und noch nicht 300 Mann verwundet waren, unter letzteren drei Oberstlientenants und ein Kapitän. Ausserdem wurden in Fehrbellin von den Brandenburgern erbeutet: 2000 Bagagewagen, 3 dreipfündige Regimentsstücke, 3 sechspfündige lange Stücke von Metall, 1 eiserner Doppelhaken, 15 1 j 2 Centner Pulver — über 18 Centner mussten wegen heftigen Brandes vernichtet werden —, 9 Centner Lunten, 7 Centner Musketenkugeln, 1276 dreipfündige, 466 sechspfündige, 257 vierzehnpfündige Stückkugeln, 66 dreipfündige Kar- — 26!) — taunen, 208 dreipfündige Kartätschen und dergleichen mein-, 4 Munitionskarren. 10 Kugelwagen, endlich 2 Estandarten und 8 Fähnlein. Erst nach der Einnahme von Fehrbellin erkannte der Kurfürst zum Theil aus der Aussage der Gefangenen, grösstentheils aber aus der Sinnlosigkeit, mit welcher der Feind den Rückzug angetreten, vor allem, wie er seinen ganzen Train preisgegeben, ja sogar die Frauen der höheren Offiziere, darunter die Gemahlinnen der Generale Baron von Wrangel und von Dalwig, im Stich gelassen hatte, den vollen Umfang des Sieges; er beschloss daher unter Hintansetzung der bisher beobachteten Vorsichtsmassregeln trotz der Ermüdung von Ross und Mann, die weitere energische Verfolgung des Feindes. Generallieutenant Baron von Wrangel war am 1!). früh mit dem grössten Theil des Heeres, welcher gerettet war, in guter Ordnung über die Rhinbrücke bei Fehrbellin gezogen und kam nach einem ehrenvollen Rückzüge in Wittstock an, einen Tag später, als der noch kranke Feldherr bereits abmarscliirt war, wozu er durch die übertriebenen Gerüchte des Kriegs-Commissars Oernstädt veranlasst worden. Dieser, des Krieges ungewöhnt, gab die Verluste bedeutend übertriebener an und hatte ausserdem gemeldet, dass das ganze schwedische Fussvolk und die Artillerie abgeschnitten wäre. Zur Verfolgung sandte der Kurfürst den Feldmarschall Derfflinger über den Kremmenschen Pass mit einigen tausend Pferden, dem flüchtigen Feinde vorzubeugen und zu sehen, ob er denselben noch einmal „zum Stande" bringen möchte. Der Kurfürst selbst setzte dem geschlagenen Feinde mit der übrigen Cavallerie nach, und ward die Infanterie und Artillerie, so über Nauen kam, beordert, ihren Marsch zu beschleunigen. Letzterer Befehl wurde bei der schnellen Flucht des Feindes daliin abgeändert, dass der Herzog von Holstein mit der Infanterie und Artillerie von Magdeburg elbab- wärts über Sandau nach Havelberg marschiren sollte, wo er schon am 23. Juni eintraf, die von den Schweden zerstörte Havelbrücke herstellte und von dort weiter auf Wittstock zu rückte. Der Feldherr Graf Wrangel hatte von letzterein Orte, ohne das Herankommen des Hauptheeres, wie wir gesehen, abzuwarten, den Rückzug nach Stettin, wie der Kurfürst schreibt „in Buckssprüngen" fortgesetzt, während sein Stiefbruder Woldemar Baron von Wrangel mit dem Heere von Ruppin aus Dennnin in kaum geringerer Eile zu erreichen suchte. Erst am 22. Juni erhielt der Reichsfeldherr in Dennnin einen zuverlässigen Bericht über die Schlacht. J ) Die Verfolgung durch Derfflinger erreichte nicht ihren Zweck; dagegen hatte der Kurfürst noch einmal Gelegenheit zu einem kleinen Rencontre. Er war, nachdem die Brücke am 19. Juni hergestellt, am 20. Juni den Schweden auf dem Fusse gefolgt und traf sie am 21. Juni jenseits der Stadt Wittstock in Schlachtordnung aufgestellt. Die brandenburgische Armee blieb diesseits stellen, und der Kurfürst unternahm nur mit den Generalen unter einer Bedeckung von 150 Pferden vom Leib-Kürassier-Regiment über die Stadt hinaus eine Recognoscirung, ward aber unvermuthet von sechs Schwadronen der i) Des Feldlierrn Graf Wrangels ofiicielle Sellin clitherichte sind vom 25. Juni. 27. Juni und 2. Juli. Sie sind im schwedischen Reichsarchiv deponirt. 270 — feindlichen Arrieregarde attackirt. Hierbei wurden der Rittmeister von Maltitz und sieben Reiter getödtet und der Generalmajor von Götze, dem das Pferd unter dem Leibe erschossen worden, nach dreifacher Verwundung vor der Stadt gefangen genommen, aber bald darauf gegen Parole, in diesem Kriege keine Kriegsdienste mehr zu thun, gegen den bei Rathenow gefangenen Oberst von Wangelia ausgetauscht. Wegen übergrosser Ermüdung der Truppen ging der Kurfürst mit denselben zwei bis drei Meilen zurück bis Garz und wartete hier das weitere ab. Hatten die Schweden bei Fehrbellin etwa 4000 Mann an Todten und Verwundeten verloren, so schmolz bei dem weiteren Rückzüge ihre Zahl von Tag zu Tag, die Mehr- zald der Geworbenen wendete sich nach Hamburg, um von neuem unter glücklicheren Fahnen Handgeld zu nehmen, und mit nur 4000 Mann, dem Rest von 12 000, kehrte der schwedische General, nachdem er am 22. Juni schon die mecklenburgische Grenze passirt hatte, nach Demmin zurück. Wir haben absichtlich die Verhältnisse vor, während und nach der Schlacht bei Fehrbellin so eingehend beschrieben, weil dieselben, wie wir bald sehen werden, für das Schicksal des Reichsfeldherrn Carl Gustav Graf Wrangel im folgenden Jahre verhängnissvoll werden sollten, obgleich er, krank, gar nicht der Schlacht selbst beigewohnt hat. Die Darstellung giebt hierüber mehr Licht und verhilft dem guten Namen und dem Kriegsruhme dieses bewährten Feldherrn, ungeachtet der grossen Anfeindungen in Schweden selbst, namentlich des Grafen Königsmarck, wieder zu seinem Rechte. Der hinfällige kranke Feldherr, der gegen seinen Willen in diesen Krieg geschickt wurde, lag meist bettlägerig viele Meilen zurück, als die Katastrophe eintrat — konnte sie also unmöglich verschuldet haben. Da Graf Wrangel noch immer sehr leidend war, bat er jetzt nochmals, ihn vom Oberbefehl zu entbinden; indess Mardefeld lag auch schwer krank darnieder, Helmfeld war abwesend und Königsmarck, der gerade am Schlachttage zum Feldherrn gekommen, wollte aus Bescheidenheit nicht den Vortritt vor älteren Generalen haben. Die Armee zog sich nunmehr nach Pommern zurück und stand also wieder auf schwedischem Gebiete. Sie war allerdings bedeutend geschwächt, weniger jedoch durch die Schlacht als durch Desertion und die kleinen Anfälle des gereizten Landvolkes während des Rückzuges durch das damals noch mit Wäldern und Morästen bedeckte Land. Diese Schlacht, welche den schwedischen Waffen ihr bisheriges hohes Ansehen theilweise raubte, verursachte auch viele politische Nachtheile. So verband sich Holland mit Brandenburg und dem Kaiser zur Vertreibung der Schweden aus Deutschland, der Bischof von Münster wollte sich Bremen aneignen und sogar Dänemark begann eine zweideutige Rolle zu spielen. Das Heer in Pommern war mehr zerstreut als geschlagen; es hätte nur kräftiger Befehle und einiger tausend Mann Verstärkung bedurft, um den Abfall von Hannover zu verhüten und dem kaiserlichen General Montecuculi kräftig entgegen treten zu können. Jndess die Schlaffheit in der Regierung und die Schroffheit in den Parteistellungen bei Hofe veranlassten, dass gar nichts geschah. In dem Heere herrschte fortdauernd die grösste Unordnung; der alte kranke Reichsfeldherr konnte selbstverständlich keinen ge- — 271 Rügenden Einfluss auf so gelockerte Zustände ausüben; gegen seinen vielfach motivirten Rath und trotz seines Widerspruches war dieser Krieg begonnen, und ungeachtet seiner ernsten Krankheit und seiner wiederholten Abschiedsgesuche musste er den Oberbefehl übernehmen und fortführen, was unter solchen Umständen natürlich nur mit dem grössten Widerwillen geschehen konnte. Jetzt bat er nun dringend, dass man ihm wenigstens zwei Reichsräthe zu seinem Beistande senden möge. Oer grösste Theil der Generale war krank oder dienstunbrauchbar und viele Offiziere gaben in Briefen an den König offen ihren Unmuth zu erkennen. Indess der Zwiespalt der Parteien in Schweden trieb sein Spiel weiter fort und so geschah es denn, dass nicht blos die Flotte thatenlos zurückkehrte, sondern auch, dass man den Reichsfeldherrn durchaus ohne alle Unterstützung liess, und so ging denn Wolgast und bald auch der grösste Theil von Pommern verloren, wodurch Stralsund von Schweden isolirt wurde. Auch Wismar fiel; der damalige Commandant, Feldmarschalllieutenant Gustav von Wrangel (VII 2), wurde deshalb zur Verantwortung gezogen. Oer kra nk e Reichsfeldherr, ohne Verstärkung, ohne Geld, hatte sich während dessen nach Stralsund begeben und war von hier nach Rüden gegangen, um die ersehnte Flotte dort abzuwarten. Königsmarck vertheidigte in dieser Zeit das Defile von Damgarten sehr tapfer gegen die Dänen und Mardefeld sollte Wolgast halten, doch letzterer verliess für seine Person diesen Posten beim Herannahen des Kurfürsten, welcher nun Wolgast ohne Schwierigkeit nahm. Oer Commandant des Ortes, Mardefelds Schwiegersohn, wurde deshalb später vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurtheilt; es gelang ihm indess aus seinem Gefängniss zu entfliehen. Endlich ergriff Carl XI. selbst mit starker Hand die Zügel der Regierung. In allen Branchen wurden strenge Untersuchungen anbefohlen und infolge dessen auch Mardefeld, Wolmar Baron von Wrangel, Stahl und Wangelin vorgeladen. Indess der König drang ungeachtet seiner Energie nicht durch. Pommern erhielt keine Unterstützung, so dass der Feind dort nach und nach immer mehr vordrang. Da erfüllt endlich der König den öfters ausgesprochenen Wunsch des Grafen Wrangel, indem er ihn vom Obercommando entbindet, gleichzeitig verabschiedet er Mardefeld und übergiebt dem Grafen Königsmarck das Commando in Pommern. Hiermit hatte unser Carl Gustav Wrangel Graf zu Salmis seine militärische Mission beendet und konnte nun in stiller Zurückgezogenheit leben, was bei seinem schweren Podagraleiden ein dringendes Erforderniss geworden war. Zur Ergänzung sei noch erwähnt, dass der Feldmarschall auf seinen zahlreichen Reisen auch nach Paris gekommen war. Carl Gustav Graf Wrangel war sehr reich, da ihm viele Dotationen in erheblichen Summen zugefallen waren. Aber er gebrauchte nicht blos viel für sich, sondern war auch freigebig und wohlthätig gegen seine Familienmitglieder. So übernahm er die Vormundschaft über die Kinder seines Vetters, des bei Triebel 1647 gefallenen schwedischen Generals Helm von Wrangel (III 41), und kaufte für jeden nachgelassenen Sohn ein Arrendegut in Mecklenburg für je 2000 Thaler. 272 In betreff seiner zahlreichen und schönen Güter sei einiges liier erwähnt. Am 12. März 1650 erhielt er einen lehnsherrlichen Consens, wonach.er seine in Livlaud belegenen Güter Wrangeishof und Odenpä an seine Stiefgeschwister dritter Ehe, namentlich Maria Christiane von Wrangel, Johann Friedrich von Wrangel, Wolmar Hermann von Wrangel, Elisabeth und Margarethe von Wrangel und deren Vormund, seinen Vaterbruder, esthländischen Landrath und Oberst Hans von Wrangel (VI 5), für die denselben laut väterlichem Testament in Vorpommern zugefallenen Güter Neuen -Vorwerk, Grossen-Ernsthof und Spandauershagen tauschweise überliess und zu diesen vorpommerschen Gütern auch noch vom Oberst Carl Ruthen das Gut Nonnendorf und vom Oberst Conrad Mardefeld das Gut Pritzier im Amte Wolgast mit Zubehör erhandelte; d. d. Stockholm den 12. März 165,3 bestätigte die Königin Christine diesen Tausch. 1 ) Das Gut Spyker (Spiker) auf Rügen besass Carl von Jasmund als der letzte dieser Linie. Nach seinem Tode conferirte die Königin Christine dasselbe dem Reichsrath, FeldmarschaU und Generalgouverneur von Pommern, Carl Gustav Graf Wrangel, zum Ersatz für das demselben auf gewisse .1 ahre conferirte und an das Kurhaus Brandenburg abgetretene Amt Satzig und ertheilte ihm darüber einen Lehnsbrief sub dato Stockholm den 5. Juli 1649. 2 ) Das Gut und Vorwerk Wrangeisburg 3 ) bei Greifswald war, ehe es der Feldmarschall Carl Gustav Graf Wrangel erhielt, ein Vorwerk, welches nebst andern schönen Gütern die längst ausgestorbene Familie von Nienkerken besass. Der letzte Besitzer hatte den Bau eines kostspieligen Gebäudes begonnen, das er indess nicht zu vollenden vermochte. Graf Wrangel baute nun dasselbe erst voUständig aus. Es fiel bei der Theilung nebst dem Ackervorwerk Crepzow nach dem ohne männliche Erben erfolgten Tode des Feldherrn Carl Gustav Graf Wrangel seiner Enkelin, der Gräfin Marianne Wittenberg zu, welche im Januar 1678 an den Oberst Grafen Christian von Ascheberg vermählt ward. 4 ) Was die Wappen des in den Grafenstand am 26. März 1651 erhobenen Carl Gustav von Wrangel und dessen in den Freiherrnstand erhobenen Geschwister betrifft, so wird auf die schon mitgetheilten Darstellungen verwiesen. Es sei noch erwähnt, dass sich das Wappen des Feldmarschalls Carl Gustav Graf Wrangel noch jetzt in Gehweinfurt am Thore als Denkmal vorfindet; es zeigt das Stammwappen der Familie. Nach der Einnahme von Schweinfurt wurde nämlich dieses Wappen des Feldmarschalls mit dem der Königin Christine von Schweden in Stein gehauen und in die Werke und Thore eingesetzt. Am zweiten Osterfeiertage, den 5. April 1649, früh morgens wurden jedoch diese sämmtlichenJWappenmedaillons des Feldmarschalls herausgenommen und die Oeffnungen zugemauert; nach den Feiertagen aber ein und einhalb J ) Wrangelsche Lelmsakten, fol. 7, 8, Nr. I. 2 ) Wrangolscho Lehnsakten, fol. 77, 80, Nr. I. ;i ) Gegenwärtig geliört Wrangelsliurg einem Herrn von Homeyer und Crepzow einem Herrn Heidemann. 4 ) Wrangelsche Lehnsakten. Anzeige des Grafen Ascheberg vom 30. März 1698, Nr. 5 und fol. 28, Nr. 6. — 273 — Schuh niediger als zuvor wieder eingesetzt, damit sie den Wappen der Königin nicht gleich ständen. Mehrere dieser Wappen sind gegenwärtig noch vorhanden und zwei derselben am Thurme des Oberthores eingemauert, und zwar beide in gleicher Höhe, wo sie, nachdem sie lange im Bürgerhof gestanden, erst im Jahre 1834 wieder angebracht wurden.*) Schliesslich sei noch bemerkt, dass der Feldmarschall der Gilde der Schwarzhäupter in Reval im Jahre 1670 einen grossen silbernen Pokal verehrte. Derselbe ist 62 Centimeter hoch, hat einen Durchmesser von 16 x / 2 Centmieter und ein Gewicht von 5214 Loth. Der Pokal befindet sich noch heute im Hause dieser Gilde. Es ist dieses Geschenk ein Beweis des grossen Reichthums des Grafen. Nachdem der Feldherr seine vollständige Entlassung erhalten hatte, begab er sich nach Spyker. Er hielt sich hier gern auf, wozu der Propst und Pastor zu Bobbin, Joachim Pagenkop, viel beitrug; dieser gelehrte Mann und angesehene Prediger hatte sich die Gnade des Reichsfeldherrn dermassen erworben, dass dieser ihn gern um sich sah. Was nun das Lebensende des Feldherrn Carl Gustav Graf Wrangel anbetrifft, so finden sich hierüber verschiedene Angaben. Einige berichten, dass er infolge der schweren, in den letzten Jahren gehabten Krankheit in der Nacht zwischen dem 24. und 25. Juni 1676 gestorben sei und zwar gegen 12 Ulm, nachdem er zwei Tage nicht mehr habe sprechen können, wie dies von seinem Hofprediger und anderen Hofbedienten bestätigt wird; andere lassen den Tod am 14. Juni 1676 zu Spyker auf Rügen erfolgen; wieder andere berichten, dass er infolge richterlichen Spruches seinen Tod durch das Schwert gefunden. Gauhen 2 ) verlegt den Todestag auf den 28. November 1676 ebenfalls nach Spyker. Der Leichnam wurde von des Grafen Hofmeister, Herrn von Bäckhusen, nach Schweden gebracht und nicht eher als am Christmonat 1680 zu Stockholm begraben, ohne Pracht und ohne militärische Bedeckung. Der König und beide Königinnen folgten der Leiche in Karossen und die Reichsräthe zu Fuss. Es war dies das letzte grosse Leichenbegängniss. Denn einem Reichstagsbeschlusse zufolge sollte die Leiche am Abend vorher nach der Kirche gebracht, des Mittags auf die Bahre gelegt, um zwei Uhr sollte dann geläutet, nachher eine Predigt gehalten und hierauf der Körper eingesenkt werden. Wenn dieses geschehen, sollte alles nach Hause gehen. Auf diese Art wurde zuerst am 14. Christmonat der Reichsrath und Präsident Knut Kuck bestattet. 3 ) In der Abhandlung: „Der Bischof-Roggen" von Julius von Bohlen (Stralsund 1850, Löfflersche Buchhandlung) findet sich eine wohl mehr als Gerücht oder Sage anzusehende Anmerkung, wonach wegen des 1674 und 1675 gegen den Grossen Kurfürsten erfolglos geführten Krieges der Feldmarschall in Ungnade gefallen, ihm der Oberbefehl genommen, zu Anfang des Jahres 1676 an den Grafen Otto X. Ivönigsmarck übertragen worden und Carl Gustav Graf Wrangel fast wie zur Wer antwortung nach Schweden berufen worden sei. 1) Clironik von Schweinfurt. 2) Gauhen, Adels-Lexicon, Tli, II. p, 190S—1912 ad Art. des oben Genannten, entnommen aus: Butkers, Tropliees de Brabant, Supplem. Tom. 1. p. 428. — Pufendorff: de Rebus gestis Caroli Gustavi Regis Svecial; item vom deutsch-schwedischen Kriege. — Theatrum Europaeum und Chemnitz; vom deutschen Kriege. — Locrenii Historia Suecial; Beschreibung von Schweden p. 776. s ) Gadebusch, Mscrpt. Band 3 p. 333. 35 Einen Tlieil dieser Abhandlung haben wir oben widerlegt; die Voraussetzungen in derselben sind unrichtig; denn wir wissen, dass der Feldherr an den beregten Schlachttagen bettlägerig mehrere Meilen entfernt von den Gefechtsorten lag und der Oberbefehl an seinen Stiefbruder übergegangen war. Zwei Briefe und zwar einer aus Ruppin den 5. Juni 1675 an seinen Halbbruder, den Generallieutenant Freiherrn Woldemar von Wrangel, und ein anderer an den Kanzleirath Oernstädt in Stockholm vom 29. Februar 1676 geben über die damaligen Verhältnisse einigen Aufschluss. Aus letzterem Schreiben spricht in durchaus würdiger Weise ein tiefverletzter, gerechter Stolz. x ) Da der Feldmarschall Graf Wrangel die Entfernung seines verhassten Nebenbuhlers und nunmehrigen Nachfolgers im Obercommando, des Grafen Königsmarck, nicht erreichen konnte, so vermied er dessen Nähe und verliess Stralsund. —• In Ealswick und Spyker brachte er die letzten Monate seines thatenreichen und auf die Schicksale seines Vaterlandes so einflussreichen Lebens zu. Gleich nach seinem Tode war allgemein das Gerücht verbreitet, er sei „wie ein Soldat dirnch das Schwert gefallen". Es erschien auch wenige Tage später in einer Stralsunder Druckerei ein Blatt, welches die desfallsigen „Rationes" zusammenstellte. Königsmarck gerietk darüber in die höchste Wuth. Der Drucker entging nur mit grösster Mühe als böswilliger Calumniant dem Tode. — Die ganze Auflage des Flugblattes wurde vernichtet und mit Aengstlichkeit wurde nach den bereits ausgegebenen Exemplaren geforscht. Der Inhalt dieses Schriftstückes war nun folgender: 1) Ist es weltbekannt, dass er, der Reichsfeldherr, der de la Gardie-französischen Partei zuwider gewesen, daher er auch den Einfall ins Brandenburgische sehr widerrathen, wie er denn 2) niemals gut französisch gewesen, so aus seinem Benehmen, da er mit Turenne bei Augsburg stand, allwo er weder dem Feldmarschall Turenne noch seiner französischen Armee sehr geneigt, sondern fast zuwider war, zu entnehmen. 3) Weiss man, dass er nach der verlornen Schlacht von Fehrbellin in Seiner Majestät Ungnade gefallen, als auf den die Franzosen, so dazumal bei Hofe viel galten, ohnedies schon ein scheeles Auge hatten und sich nicht scheuten auszusprengen, dass er mit Brandenburg unter dem Hütchen spiele. 4) Ist bekannt, dass er die, zweimal vom Hofe gesandten Ordres in Hinterpommern und in die Mark einzufallen, und alles, weil es ein offenes Land wäre, mit Feuer und Schwert zu verwüsten, nicht hat executiren wollen, sondern gesagt: „er wäre ein redlicher Soldat und kein Mordbrenner". 5) Ist bekannt, dass er nach Stockholm zu kommen gefordert worden ist; aber nicht hat hinkommen wollen, da wenig von den Dahingezogenen jemals zurückgekommen. 1 ) Das Original "befindet sicli im königlich schwedischen Reichs-Archiv Handlinger rörande Skandinaviens Historia, Y Delen p. 247 seq. — 275 — G) Ist bekannt, dass zwei schwedische Reichsräthe mit einem Schiff aus Stockholm nach Rügen gekommen und gleich nach "Wrangeis Tode mit Beisetzen aller Segel rasch davon gefahren. 7) Ist das Geschrei bekannt und sein- allgemein, dass des Abends vor Wrangeis Tode der Stralsunder Scharfrichter mit verbundenen Augen über Wasser war geholt worden durch zwei Offiziere, die ihn in einen herrlichen Saal geführt, allwo viele vermaskete Personen und schwarz bekleidete Diener gestanden, und die Thüren mit starker Wache versehen gewesen und auf dem Fussboden eine grosse schwarze Sammetdecke mit goldenen Fransen bordirt, gelegen. Nach welchem eine kleine Weile eine vermaskete Person, in langem, seidenen Schlafrock, ein Buch in den Händen haltend, von vielen vermummten Leuten hereingebracht worden, welche sich auf die schwarze Decke gesetzt, und habe der Scharfrichter auf ein gegebenes Zeichen an solcher Person sein Amt verrichten und ihm den Kopf abschlagen müssen. Und dann nach geschehener Sache sei der Scharfrichter wieder nach Hause gebracht, auf die Art, wie er gekommen, und in Stralsund ihm das Geld für seine Arbeit gezahlt worden. Weil nun den folgenden Tag darauf das Geschrei entstanden, dass Graf Wrangel zur Nacht am Schlagfluss gestorben, und man nicht wusste, dass ein anderer Vornehmer sollte decoltirt sein, so schlössen die Leute theilweise gleich darauf, dass solche Person der Feldherr Graf Wrangel gewesen sei. Das Flugblatt gehört zu den grössten Seltenheiten. Der einzige Schriftsteller, der dieses Gerücht ganz so wie das oben gedachte unterdrückte Flugblatt erwähnt, ist der Prediger zu Stuchow und Wittenfelde, Peter Rudolfi, in seiner für pommersche Geschichte des 17. Jahrhunderts wichtigen Chronik „Der pommersche Greif" (geschrieben in den Jahren 1693—1G97). Erst neuerdings erschien bezüglich des unaufgeklärten Lebensendes des Feldmarschalls im „Fremden-Blatt" 1865 unter den „Vermischten Nachrichten" ein kleiner Aufsatz, den wir liier wörtlich wiedergeben, da er sich aller Wahrscheinliclikeit nach darauf bezieht und daher zur Klarlegung von Wichtigkeit erscheint. „Bei Gelegenheit der Restauration einer kleinen Landkirche in Neu-Vorpommern hatte der Kirchenpatron sämmtliche Archive und Kirchenbücher in seine Wohnung bringen lassen und dieselben dort einer sorgfältigen Durchsicht unterworfen. Man fand hierbei ein kleines versiegeltes Manuscript, welches seinem Aussehen nach auf ein hohes Alter schliessen liess. Der Inhalt dieses merkwürdigen, in lateinischer Sprache von dem Ortsgeistlichen abgefassten Schriftstückes ist so seltsam und, wie nicht zu bezweifeln, von unzweifelhafter Echtheit, dass wir nicht umhin können, unseren Lesern davon umsomehr Mittheilung zu machen, als bisher unseres Wissens nichts davon in die Oeffentlichkeit gelangt ist. Der Inhalt des gedachten Manuscripts lautet etwa wie folgt: „Es warum die elfte Stunde im Monat November des Jahres 16 . ., als der Gutsherr, den ich noch tags zuvor munter und gesund gesehen, mit den Sterbesacramenten mich zu sich bescheiden liess. So seltsam mir auch der Auftrag vorkommen mochte, so leistete ich ihm 35* — 276 — dennoch Folge. Ich fand den Gutsherrn, einen ehemaligen General, umgeben von drei, mir gänzlich fremden, stattlichen Männern, im Lehnstuhl sitzend. Auf meine Frage nach seinem Befinden erhielt ich keine Antwort, dagegen wurden mir von dem scheinbar vornehmsten der drei fremden Männer gleichfalls mehrere Fragen vorgelegt, die ich sicht- barlich zur Zufriedenheit beantwortete. Zur Eidesleistung aufgefordert, musste ich schwören, von alle dem, was ich alsbald hier hören oder sehen sollte, niemand auch nur das mindeste zu erzählen bei Strafe selbst das Leben zu verlieren. Der General verlangte hierauf das heilige Abendmahl, welches ihm von mir gereicht wurde; nachdem wir vorher noch ein kurzes Gebet zusammen verrichtet, öffnete einer von den anwesenden drei Männern die Thür zu dem anstossenden Zimmer, wo ich einen Block und auf demselben ein blankes Beil liegen sah. Herein traten nun infolge eines gegebenen Zeichens zwei roth angekleidete Männer, die ich für Scharfrichterknechte ansah, und es auch, wie ich gleich erfahren sollte, wirklich waren. Es erfolgte nun die Verlesung eines Urtheil- spruches in schwedischer Sprache; man verband dem General die Augen, es winde ihm geboten niederzuknieen und den Kopf auf den Block zu legen. Einige Secunden später hatte der Scharfrichter schon sein Amt vollzogen und den Kopf vom Rumpfe getrennt. Den Körper in einen bereit gehaltenen Sarg legen, Block und Beil, sowie die Blutspuren oberfläclilicli entfernen, das war gleichfalls das Werk einiger Minuten, so dass ich in Zeit von einer Stunde wieder in meiner Wohnung angelangt war und dort erst Müsse gewann, über das Geschehene nachzudenken. Das Schweigen hatte ich eidlich gelobt, nicht aber das Schreiben, dennoch war Vorsicht nöthig. — Niu - diesem letzteren Umstände ist es daher auch wohl zuzuschreiben, dass das Manuscript erst in imsern Tagen zur öffentlichen Kenntniss kam und geben wir die Erzählung so, wie sie uns zu Ohren gekommen, ohne irgend welche Garantie für die Wahrheit derselben zu übernehmen. Schliesslich bemerken wir, dass die uns genannten Orts- und Personennamen aus Rücksicht für die noch lebenden Familien nicht publicirt werden konnten." Wir sehen, dass die Darstellung dieser Begebenheit im allgemeinen mit den Mittheilungen in der Flugschrift der Stralsunder Druckerei und des Predigers zu Stuchow übereinstimmt und noch glaubwürdiger wird, wenn der Feldherr wirklich am „28. November", wie Gaulien angiebt, und nicht am „14. Juni", wie Familienangaben besagen, gestorben ist und der obige Vorfall sich in Spyker zugetragen hat. Das Schloss Spyker gehört zum Sprengel der Kirche von Bobbin, über die der Feldherr sogar Patron war und wo sich mancherlei unwesentliche Aufzeichnungen und Andenken von ihm vorfinden, seines Todes aber mit keiner Silbe erwähnt wird. Gadebusch sagt im Manuscript Bd. 3 p. 333, dass der Feldherr eine Zeit lang (etliche Jahre) gekränkelt habe und den 27. des Brachmonats (Juni) 1676 auf seinem Landsitze Spyker verstorben sei. Ist also Graf Wrangel wirklich zu Spyker gestorben, so scheinen Gründe obgewaltet zu haben, ihn nicht in dem Bobbiner Kirchen-Todtenregister zu führen. Im Jahre 1859 beschloss Oberst Carl Freiherr von Wrangel (XX 66), sich durch Oeffnen des Sarges Carl Gustavs Aufklärung über das räthselhafte Lebensende des Feldmarschalls zu verschaffen, was ihm indess nicht gelang, da der Eingang des Grabgewölbes bald nach der Beisetzung der Leiche verschlossen und vermauert worden ist und der Schlüssel, wie erzählt wird, von Barbara von Wrangel (VI 13) in den Mälar- See geworfen worden sein soll. Der Oberst hat nur durch die mit TraiHen versehenen Fensterchen zwei Särge in der Gruft nebeneinander stehen sehen. 1 ) Wo die Leiche des Feldherrn unmittelbar nach seinem Tode beigesetzt worden, ist nicht nachweisbar. Gaulien erwähnt nichts hierüber; nur Anrepp, 2 ) der den Tod „in der Nacht zum 25. Juni zu Spyker" erfolgen lässt, giebt an, dass der Feldherr in der Ritterholms-Kirche beigesetzt und dann in das von Wrangeische Gewölbe in der Sko-Kirche übergeführt worden sei. Diese Annahmen hatten sich bis in die jetzige Zeit überliefert, wo selbst die Sage über den vermuthlichen Tod des Feldherrn von Wrangel in diesseitigen Lokalblättern behandelt wurde. 3 ) Wenngleich nun zur Ermittelung des wahren Sachverhaltes die umfangreichsten Recherchen angestellt worden, welche die verschiedensten Resultate geliefert, so schien es bei der Herausgabe der vorliegenden Familiengeschichte geboten, jene nochmals in Angriff zu nehmen. Zunächst kam aus Schweden selbst vom Grafen Friedrich von Wrangel-Sauss die Mittheilung, dass die Tochter (13) des Feldmarschalls Hermann von Wrangel (2) in ihrem Testament gewünscht habe, dass „kein Sarg im Wrangeischen Grabgewölbe berührt werde". Durch diese testamentarische Bestimmung war die Hauptquelle — „das Oeffnen des Sarges des Carl Gustav von Wrangel, Grafen von Salmis" — abgeschnitten. Es fand sich aber eine sehr wichtige Quelle vor, welche sofort alle Skrupel in dieser ganzen Angelegenheit beseitigte. In der königlichen Bibliothek zu Kopenhagen ward ein Buch aufgefunden, welches den Titel: „Christoph Helwigii de morbo et obitu illustr. celsiss. comitis Dn. Caroli Gustavi Wrangeiii, S. Reg. Maj. regnocumque Svesiae Senatoris et Archistrategi etc. etc., Domini sui clementissimi, ad illustrissimos heredes relativ meclica Gryphiswaldae 1676 4°", führt. Dieser Professor Dr. med. Helwig an der Universität Greifswald ward zum Feldherrn von Wrangel, der auf seinem Besitze Spyker auf Rügen krank lag, gerufen und giebt in diesem Buche den Erben Wrang eis einen ärztlichen Bericht (relativ medica) über die Kra nkh eit und den Tod des Patienten. Das Buch besteht aus folgenden Theilen: 1) Declication an die Familie des Verstorbenen, den Grafen Niels Brahe zu Wissingsborg, den Grafen Leonh. Jo. Wittenberg von Debern zu Neuburg und drei Damen der Familie von Wrangel; „Greifswald den 1. November 1676" unterzeichnet. -— 2) Einleitung, betreffend die Krankheit des Verstorbenen, im Original in griechischer Sprache angegeben, welche Angabe in der Ueber- setzung sich mit „Diarrhoe, Indigestion, Unverdaulichkeit" deckt. — 3) Darauf folgt der 1) Eine nähere Aufklärung des wahren Sachverhalts ist "bereits bei Margarethe Barbara Freiin von Wrangel (13) Seite 198 mitgetheilt worden. 2) In Svenska Adelns Aettar-Taflor nt gifna (Stockholm 1864) Band 4 p. 634 bis 652. 3 ) So auch in der illustrirten Berliner Wochenschrift „Der Bär" im Jahrgang X Nr. 7 vom 10. November 1883 p. 101. Der Aufsatz enthält im allgemeinen den schon vorher mitgetlieiltcn Zusammenhang. — 278 — Haupttlieil oder die eigentliche relativ medica in zusammengedrängter Darstellung auf vier Blättern, aber durch und durch mit Notenzahlen von 1 bis 201 versehen, die auf die folgende Abtheilung verweisen, worin der Verfasser mit grosser Gelehrtheit entwickelt, was in den vier Blättern enthalten ist. Diese relativ medica ist überschrieben: „Wrangelius coeliacus", was auf deutsch heissen könnte: „Der magenkranke, gastrische Wrangel". Der Verfasser erzählt nun, wie er am 16. Juni 1676 nach Spyker zu dem kranken Grafen, der seit dem 10. Juni schwer angegriffen war, gerufen wurde, und vergisst nicht, dass der Graf damals in dem 63. Lebensjahr stand, also in dem, wie bekannt nach Meinung der Alten gefährlichen „klimacterisclien Jahre". Der Verfasser theilt in aller Kürze mit, wie der Graf von seinem Arzte, Dr. Horn, den 13., 14. und 15. Juni behandelt worden sei und kommt dann zu seiner eigenen Behandlung am 16. Juni. Als er gegen Abend angekommen war, klagte der Kranke über Erbrechen, Durst, Schwindel, Besorgniss wegen Schwindsuch't. Vom 17. bis 19. Juni waren zwar ruhige Nächte; das Erbrechen erfolgte jedoch mehrere Male. Am 20. und 21. Juni waren die Nächte unruhig und das Erbrechen nahm zu, so dass der Graf, welcher selbst an seinem Aufkommen zweifelte, sich das heilige Abendmahl reichen liess. Am 22. Juni wurde Professor Helwig nachts um ein Uhr gerufen und fand den Zustand bedenklich. In der folgenden Nacht führte der Kranke die zitternde Hand nach dem Gesicht; der ganze Körper war mit heissem Schweiss bedeckt; bald schloss der Graf die Augen gleichwie im Todesschlafe, erkannte die Umstehenden von neuem und sprach mit einigen, wobei jedoch die Zunge zitterte. In der Nacht zum 24. Juni erschien der Kranke zeitweise ruhig, zuweilen wegen heftiger Convulsionen unruhig und ängstlich; er schrie laut, es trat ein heftiges Erbrechen mit epileptischen Anfällen ein, wobei er die Daumen einkniff. So lag er ohne grosse Veränderung bis sieben Uhr abends. Während er den ganzen Tag nichts gesprochen hatte, brach er jetzt in den Seufzer aus: „Ach Gott, erhöre mich!" Um 12 Ulm nachts starb er ganz sanft. Dieser dritte Theil des Buches enthält also die Antwort auf die beiden Fragen, wann und wie Carl Gustav Graf Wrangel gestorben ist. Er starb am 24. Juni 1676 nachts 12 Uhr und zwar am gastrischen Fieber oder einer Krankheit, die man wohl jetzt „tödtlichen Typhus" nennen würde. Die vierte und letzte Abtheilung der Schrift, die sogenannte Erklärung der dritten soeben besprochenen Abtheilung, ist der weitläufigste Theil des Buches. Dieselbe enthält nämlich 70 Quartseiten, ist aber lediglich eine Erklärung und gelehrte Rechtfertigung der während der Krankheit angewandten medicinischen Kur. Auf dem letzten Blatte findet sich ausser einem lateinischen Vers auch eine Abbildung des Sarges des Verstorbenen. An der Glaubwürdigkeit des so umständlich beschriebenen Inhaltes des Buches ist nicht zu zweifeln, und darf man sich wohl der Hoffnung hingeben, dass hierdurch alle Gerüchte über die eigenthümlichen Todesarten des Feldherrn Grafen Wrangel widerlegt sind, und zwar um so schlagender, als der Pfarrer Johann Vulejus am 21. Septem- 279 ber 1680 bei der Ueberflilirung der Leiche von Spyker nach Schweden in der Ritter- holms-Kirche zu Stockholm eine Leichenpredigt hielt, die dieses im grossen und ganzen bestätigt. Nachdem der genannte Pastor die Personalien des „von Seiner Majestät höchst betrauten Mannes, Raths, Reichsmarschalls, Generalfeldherrn, Präsidenten des Kriegs- Collegii, General - Gouverneurs von Pommern, Kanzlers der Akademie zu Greifswald, Herrn Carl Gustav von Wrangel, Grafen zu Silvesborg, Freiherrn zu Lindeberg und Ludenhof, Herrn zu Skokloster, Bremervörden, Wrangeisburg, Spyker, Rapin, Ekebyhof und Gripenberg", wie ihn der Pastor vollständig betitelt, erwähnt, über die ehrenvollen Verdienste, Avelche sich Carl Gustav Graf Wrangel um das Vaterland erworben, seine Anerkennung ausgesprochen, geht er auf seine Krankheit über und drückt sich folgender- massen aus: Was nun die letztere und den seligen Abgang des genannten hohen Herrn anbetrifft, so begab sich Graf Wrangel 1676 nach dem Lande Rügen auf sein Gut Spyker, um in Ruhe und Stille desto besser seine Gesundheit zu pflegen. Obwohl er meist mit Krankheit und Lebensschwäche behaftet gewesen, so war es doch noch sein einziger Wunsch, wie er solches verschiedene Male in Gegenwart seiner Hofbedienung mit grösster Sehnsucht geäussert, als die königliche Orlogsflotte in See gestochen, noch so glücklich sein zu können, auf derselben Dienste zu thun, um seinem Leben, wenn es Gott gefiele, eine ruhmvolle Ivriegsaction zuzuwenden. Dieser Wunsch sollte ihm aber nicht mehr erfüllt werden; denn als er sich am 12. Juni desselben Jahres unfern Mönchgut begeben, um zu recognosciren, weil einige Schiffe dort waren, ward er von einer schweren Un- pässlichkeit befallen, so dass er nur mit der grüssten Mühe am folgenden Tage Spyker erreichen konnte. Weil der hohe Herr fühlte, dass die Krankheit mehr und mehr zunahm, so vereinte er sich nach einer christlichen Vorbereitung mit Gott, machte eine aufrichtige, wohltlmende Bekennung und nahm mit der grössten Devotion und Andacht das heilige Abendmahl. Nachdem legte er alle Gedanken ans Irdische ab und beschäftigte sich nur mit dem Ewigen. Nur wünschte er noch Seine Majestät den König zu sprechen, um ihm in ehrfurchtvollster Weise über seine Führung eine Richtschnur zu geben und den Wunsch auszudrücken, dass Gott seiner Seele in der letzten Stunde gnädig sein möge. Nach diesem Wunsche und dieser christlichen Vorbereitung und nachdem er seine Kinder, welche alle abwesend waren, dem allmächtigen Schutze Gottes befohlen und sie Seiner- Majestät gnädigen Fürsorge und Gewogenheit anempfohlen hatte, ward er am 23. Juni durch Lähmung der Zunge des Sprachvermögens beraubt und schliesslich in der Nacht vom 24. zum 25. Juni um 12 Uhr in Gegenwart seines Hofpredigers und anderer Hofbediensteten im Alter von 62 Jahren 6 Monaten 9 Tagen von den irdischen Leiden durch den Tod befreit. Zum Schluss widmet der Pfarrer Vulejus dem selig Entschlafenen noch einige die Anwesenden ergreifende christliche Worte. Von Carl Gustav befinden sich zwei Portraits. und ein Portrait der Gräfin in Säby. Ebenso ist noch in Sko ein Gemälde, welches des Feldmarschalls sechs Kinder darstellt. Ausserdem befinden sich noch von ihm Portraits zu Sko, Säby und Gripsholm. — 280 — In der Königlichen Bibliothek zn Stockholm sind allein fiinfnnddreissig verschiedene Portraits von ihm aufbewahrt. In Florenz befindet sich in der Collection der Portraits berühmter Männer unter den bestplacirtesten auch das des Grafen Carl Gustav Wrangel-Salmis. Endlich hat man in Kydboholm (Stockholmer Län) im Speisesaal ein Gemälde von Gustav II. Adolf, umgehen von den Bildern seiner Zeitgenossen Axel Oxenstjerna, Lennart Torstenson, Johan Baner, Gustav Horn, Hans Christofer Königsmarck und Carl Gustav von Wrangel. Das Skokloster, welches Carl Gustav Graf Wrangel von seinem Vater geerbt, hat er aufs prächtigste ausstatten und namentlich das schöne Schloss aufführen lassen. Es enthält noch heutigen Tages viele historische Schätze jener Zeit. Eine übergrosse Anzahl von sehr werthvollen Gegenständen aus dem Nachlass des Feldherrn, seine reichhaltige, viele schätzbare Manuscripte enthaltende Bibliothek, die Portraits aller seiner Unterbefehlshaber etc. etc. werden mit seltener Pietät behandelt und sind von den Besitzern, den Grafen Brahe, Nachkommen der Margarethe Julianne, der ältesten Tochter des Feldherrn, mit grosser Gewissenhaftigkeit geordnet. In der Kirche des Skoklosters nahe dem Schlosse hatte Carl Gustav Graf Wrangel seinem Vater, dem Feldmarschall Hermann von Wrangel, wie schon früher hei demselben erwähnt worden ist, ein "würdiges und kunstvolles Denkmal setzen lassen. In derselben Kapelle ward später an der Wand noch eine Eeiterstatue von Carl Gustav aufgestellt. Eigenthiünlicher Weise trägt diese Statue den wirklichen Kriegsanzug des Feldherrn, sein Schwert und seine ledernen Stiefel; ebenso ist das Pferd mit dem Ori- ginal-Ledersattel und dem Zaumzeug etc. ausgerüstet. Dies alles ist aber mit Oelfarbe weiss angestrichen, so dass das Ganze wie eine Marmorstatue aussieht. In einer unter dieser Kapelle befindlichen Gruft stehen beide Särge, von denen der des Carl Gustav Grafen Wrangel von seiner ältesten Tochter Margarethe Julianne 1680 hier beigesetzt worden ist. Unter seinem kupfernen Bilde steht: „S. E. M. Eegnique Sueciae Senator, Marschalls Generalis Gubernator in Pomerania, Praeses Eegii Collegii militans, nec non Supremus Legifer Uplandiae et academiae gripswalden fis Cancellarius, Carolus Gustav®! Wrangel, Comes in Silfnitzburg (in Schonen), liber Baro in Lindesberg et Ludenhof (Luhde bei Walk in Livland), Dominus in Skokloster (bei Stockholm), Brem Förde (Bremervörde), Wrangeisburg (zwei Meilen von Greifswald), Spiker (auf Insel Engen) et Greifenberg (bei Ekscrio in Smäland). Er erlebte nicht das grosse Unglück seines Vaterlandes, die Eeduction, wobei ein nicht geringer Theil dieser Güter 1686 eingezogen worden ist. Ausser diesen Besitzungen gehörte ihm auch noch ein schöner Palast zu Stockholm auf derjenigen Spitze des Bitterholms, welche sich in den Mälar-See erstreckt. Nach seinem Tode hatte dieser Palast durch eine Feuersbrunst sehr gelitten. Nichts desto weniger kaufte ihn der König, als das königliche Schloss 1697 abbrannte, und liess ihn den Sommer über dergestalt ausbessern, dass er im Herbst bewohnbar und grösstentheils fertig ward. \ — 281 — Was nrni den Nachlass des Feldherrn anbetrifft, so erbte die älteste Tochter Margarethe Jnlianne das Schloss Skokloster mit allen darin befindlichen Schätzen; die zweite Tochter Eleonore Sophie bekam Schloss Spyker und die Besitzungen auf Rügen; die dritte Tochter Polydora Christina erhielt das Gut und Vorwerk Wrangels- burg nebst Crepzow. Da Carl Gustav Graf Wrangel ohne männliche Nachkommen starb, so erlosch nicht allein mit ihm der Stamm der Grafen von Salmis, sondern es fielen auch die Güter an seine Schwiegersöhne. Am 1. Juni 1640 hatte sich Carl Gustav von Wrangel im Lager vor Erfurt mit Anna Margarethe von Haugwitz, Tochter des Balthasar Joachim von Haugwitz, Erbherrn auf Calbe an der Saale, und Sophie von Veltheim aus Harpke, vermählt. Sie war am 18. Januar 1622 zu Calbe geboren, starb am 20. März 1673 in Stockholm und ward erst in die Hauptkirche, am 11. Mai aber in die Ritterholms-Kirche überführt. Es waren hierbei zugegen: der König, die Königin-Wittwe, einige fürstliche Personen, die Reichsräthe u. s. w. Später wurde sie dann im Wrangeischen Erbbegräbniss zu Skokloster beigesetzt.*) Von ihr befinden sich Portraits zu Sko, Säby und Hesselby. Sie führt dasselbe Wappen, wie Herzog Magnus von Ostergöthlands Maitresse, Anna von Haubitz, nä mli ch ein schwarzes Widderhaupt mit Krone, welches heute noch das in Deutschland florirende Geschlecht der Grafen Haubitz führt. Sie hat selbst ihren Lebenslauf beschrieben, welcher bei ihrem Begräbniss verlesen wurde. Sie hatte in dem Kriege fast alles eingebiisst, auch ihren Vater 1626 und ihre Mutter 1630 verloren. Ihre Verwandten, welche gleichfalls nicht über grosse Besitz- thümer verfügten, hatten sie in das Kloster zu Egeln gethan. Hier fand sie die ver- wittwete Gräfin von Löwenstein, welche sie zu sich nahm mit den Worten: „Ich bin eine Wittwe, sie eine Waise, ich habe selber nicht viel, doch kann ich das Kind hier nicht lassen und fürchte, dass sie zur römisch-katholischen Religion verführet werde, was mir Gott geben wird, solle sie auch gemessen." Die Begegnung mit dieser Dame rühmte Anna Margarethe bis an ihr Ende. Vierzehn Tage vor dem Tode dieser.Gräfin verlobte sie sich mit von Wrangel. Die Gräfin starb am 28. Mai 1640. Anna Margarethe begleitete, wie dies damals üblich war, ihren Gemahl auf allen seinen Kriegszügen in Deutschland. So finden wir sie 1648 zu Dingolfing; am 14. Mai reist sie mit ihrer Tochter Margarethe Julianne nach Nürnberg, um ihren kleinen Sohn Carl Philipp abzuholen; am 14. November 1648 trifft sie mit ihren Kindern im Hauptquartier zu Schweinfurt ein und wird im Hause des Dr. Bausch auf dem Rossmarkt untergebracht. 1666 ist sie in Stade, trifft am 4. (14.) September im Lager vor Bremen ein-; hier wird namentlich ihr Zelt stark mit Stücken beworfen. i) Ein Abdruck der vom deutseben Oberhofprediger M. Johann Heinrich Gerthen gehaltenen und in demselben Jahre in Stockholm gedruckten Leichenpredigt befindet sich in der Ludesclien Brieflade. 36 f — 282 — Am 8. (18.) Juli 1667 reist sie mit den Fräulein und Frauenzimmern, welche sie bei sicli hatte, in drei Kutschen in Begleitung des General-Adjutanten und Hofmeisters Holm von der Burg, jedoch incognito, zur Huldigung nach Bremen voraus, wohnt dem Einzüge ihres Gemahls am folgenden Tage von der Probstei aus bei, wo sie eingekehrt, ist beim Gottesdienst in der Domkirche zugegen und besucht am 12. (22.) Juli mit Gemahl und glänzender Suite die Domkirche zweimal, um den angesetzten Busstag zu feiern. Nachdem Graf Wrangel Bremen am 13. (23.) Juli verlassen, erfolgte später in feierlicher Weise unter Abgabe von Salutschüssen die Abreise seiner Gattin und Tochter. In dieser Ehe wurden fünf Söhne: Hannibal Gustav (17), Achilles (18), Carl Philipp (19), Hermann (24), Carl Heinrich (25) und folgende sechs Töchter (20, 21, 22, 23, 26 A, 26 B) geboren, von welchen Kindern beim Tode des Vaters aber nur noch drei Töchter lebten. 1. Margarethe Julianne (20), geboren 1642, gestorben 9. Juli 1701; sie besass Oestanä, Westanä und Lyckäs in Smäland und liegt mit ihrem Manne in der Kirche zu Oester-Ryd in Roslagen begraben, welche sie, sowie das Brahesche Familienbegräbniss, hatten ausbauen lassen und der sie eine grössere und kleinere Thurmuhr mxl verschiedene Gemälde verehrt hatten. Bei ilmer Taufe waren unter anderen auch eine Landgräfin von Hessen und zwei Herzöge von Braunschweig zugegen. Am 27. December 1660 (6. Januar 1661) vermählte sie sich mit dem Reichsrath und Vice-Admiral Grafen Nils Nilsson-Brahe, Grafen zu Wisingsborg, Freiherrn zu Kajana, Herrn zu Rydboholm, Lyckäs, Oestanä, Westanä, Sesswegen, nach dem Tode seines Schwiegervaters auch Herr zu Skokloster und Spyker. Er war 10. April 1633 in Anklam geboren, starb 1699 den 26. Januar in Stockholm und liegt mit seiner Frau in der Braheschen Gruft in Oester-Ryds- kyrka begraben. Ein Jahr vor ihrem Tode machte Margarethe Julianne das Gut Spyker und Skoscliloss mit sämmtlichen Liegenschaften zu einem Fideicommiss für ihren Sohn, den Grafen Abraham Brahe. In ihrem Testamente vom 24. Januar 1701 setzte Margarethe Julianne von Wrangel vermählte Gräfin Nils-Brahe fest, dass ihr Sohn Abraham Brahe „das Haus Skokloster sammt allem, was sich darin befindet, das sie und ihr Gemahl von ihrem Vater bekommen hat, nicht als Erbniss, sondern als Geschenk seinem Namen zur Erinnerung" erhalten solle. Sie gab es ihm „wie auch seinen Lebenserben nach ihm, also dass allezeit der älteste von den Söhnen, und wenn die, da Gott vor bewahre, aussterben sollten, die älteste von den Töchtern, solches haben und besitzen soll". 2. Polydona Christine (21) ist laut Sarkophagplatte den 5. November 1655 geboren und am 12. Februar 1675 zu Stade gestorben. Das Schiff', worauf die Leiche nach Schweden überführt wurde, ward im Kriege 1676 von den Dänen nach Kopenhagen aufgebracht, aber von dem Könige für frei erklärt. Sie — 283 — verlieiratliete sich 1673 mit dem Generallieutenant Johann Leonard Arvid Grafen Wittenberg- auf Nyborg, Loimocky, Herrn auf Nynäs, Ylstad, Johannisberg, Carlby und Thedingshausen, geboren 1636, gestorben 14. März 1679 in Livland als schwedischer Oberst über ein Regiment zu Pferde und Generallieutenant von der Cavallerie. Tin- Portrait befindet sich in Säby. Auf der Rückseite steht „Anna Poly- dora" verzeichnet. Sie liegt mit ihrem Gemahl in der von Hornschen Gruft in der Badelunda-Kirche in Kapperkiste begraben. Sie hatten eine Tochter Marianne, welche im Januar 1698 an den Grafen Christian Ascheberg vermählt ward und nach dem Tode des Grossvaters, des Feldmarschalls Carl Gustav Graf Wrangel, Wrangeisburg erbte. 3. Eleonore Sophie (22) 1 ), gestorben den 13. Februar 1687 in Stralsund. Sie vermählte sich am 9. April 1678 in Stockholm mit Ernst Ludwig II. Freiherrn zu Putbus, Falkenhagen, Uselitz. Nach dem Tode des Schwiegervaters erbte er Spyker; dieses fiel aber später an die Grafen Brahe. Er war geboren den 17. December 1649 und starb am 6. October 1702 in Mi t.au als letzter des Woldemarschen Zweiges, so dass Putbus an die dänischen oder Fridborskschen Zweige überging. Freiherr zu Putbus war 1676 Oberstlieutenant beim Leibregiment zu Fuss der Königin-Wittwe, Prälat im Stift Kammin, Oberst über ein Infanterie-Regiment, Landrath und Erblandmarschall und hatte aus seiner Ehe drei Kinder, von denen zwei vor dem Vater gestorben sind. Ihr Portait hatte sich unter den Familienbildern der fürstlichen Familie bis zu dem vor einigen Jahren stattgehabten Brande des Schlosses Putbus erhalten, ging aber hierbei zu Grunde. 4. Augusta Aurora (23), lebte noch 1687, versprach das Chor in der Ecke der Kirche zu Ekebyhof zu verbessern und starb unverheirathet auf ihrem Sitz Ekebyhof. 5. 6. Zwei Töchter (26 A, 26 B) starben jung. 17. Hannibal Gustav von Wrangel, Sohn von Carl Gustav (6), geboren den 8. September 1641, gestorben den 8. Januar 1643 in Lüneburg. In Skokloster befindet sich ein Bild, wo er als Leiche in ein mit reichen Spitzen verziertes Grabtucli gehüllt dargestellt ist; auf dem Haupt eine Kindermütze, um welche ein Kranz von mit Perlen versehenen Eichenblättern befestigt ist. In den gefalteten Händen hält er einen Blumenstrauss; darüber steht folgende Inschrift: 2 ) Hic iacet Hannibal: non Ille Hamilcaris Filius Sed Hannibal Gustavus Wrangeil, Infans Gratiosissimis, Generosissimis, Exelentissimis, Natus Parentibus, Patre Carolo Gustavo, Magno Exercitus Sueciae Generali etc. Matre Anna Margarita Ex Nobilissima Familia Haugwitzen: Ille Cartageniensis, 1) Hnpel, X. M. Stck. 15, 1«, 17; Tab. XVIII. -) Russwurm, Material; Mittheilung aus Sähy. 36* Cum Exercitu Suo Periit, Hic Non Periit Secl in Conspectu Sanctissimae Et Individuae Trinitatis Cum Exercitu Coelistis Müitiae Vivit. — Ille Victor Victus Tandem, Misere Mortmis. Hic Victor Mortis, Triumphator Gloriosissimus, Cum Ananum Et Sedecim Septimanas Vixisset, Velut Somno Se Componens. Placide Expiravit, Et Ab Angeliis In Coelum Transportatus Est, Victurus in AEternum. A. 0. 1643, 8. januar. Circa 10 Vespertinam In Aedibus Johannis Eleri Doctor. Cam. Palat. Caesar. Lüneburg!. 18. Achilles von Wrangel, Sohn von Carl Gustav (G), gestorben 1648 in jugendlichem Alter. 19. Carl Philipp von Wrangel, Graf zu Salmis, Sohn von Carl Gustav (6), ward am 16. (26.) Mai 1648 auf dem Marsche in Bayern in einem Bauernhause geboren. Bei der am Sonntag den 23. Juli (2. August) 1648 in Dingolfing festgesetzten Taufe sollte der regierende Herzog von Württemberg Gevatter stehen. Es hatte sich jedoch ereignet, dass der Feldmarschall Graf Wrangel am Tage vorher bei einer Eecognoscirung gegen das Scliloss Leonsberg nebst anderen mit 1500 Pferden den Herzog Ulrich von Württemberg (Bruder des regierenden Herzogs) gefangen genommen hatte, und so war es möglich, dass dieser die Stelle seines Bruders bei der Taufe vertrat. Carl Philipp schlug die diplomatische Carriere ein, er starb als Cavalier bei der schwedischen Gesandtschaft in London am 13. April 1668. Sein Hauptbanner belindet sich in der Sko-Kirche; auf demselben steht, ,.dass er in London am 13. April 1668 gestorben und am 14. December 1670 in dem Sko-Kyrka, nachdem die Leiche nach Stockholm gebracht war, begraben worden". 24. Hermann von Wrangel, Graf zu Salmis, Sohn von Carl Gustav (6), geboren am 13. April 1661, gestorben am 16. Mai 1661. Sein Hauptbanner befindet sich in der Sko-Kirche; er ist ebendaselbst begraben. 25. Carl Heinrich von Wrangel, Sohn von Carl Gustav (6), gestorben am 20. November 1643 in jugendlichem Alter. 7. Johann Moritz von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, 1 ) Sohn von Hermann (2), wurde am 16. Mai 1616 geboren und war Herr auf Lärjeholm, Soya, Wrangeishof (Wasahof), Bengeholm, Winda, Norby. Er widmete sich hauptsächlich dem Militärdienste und war 1637 Oberstwachtmeister, 1643 Oberstlieutenant, 1653 Oberst des Kegiments Upland zu Ross, 1654 Generalmajor und Oberst über die Upländische Cavallerie. Als 1658 die mit Polen veranlassten Tractate in Preussen ihren Fortgang nehmen sollten und der König von Schweden hierzu einer „tüchtigen Person" benöthigte, die „bei seiner Legation die Marschallstelle bekleide" und die Vorsorge trage, dass „die dabei zu beobachtenden nöthigen Solennitäten" der Gebühr „observirt würden", fällt die Wahl des J ) Wappen sielie Tafel 4. — 2S5 Kölligs auf den in Elbing befindlichen Generalmajor Johann Moritz von Wrangel. Das betreffende Patent datirt vom lß. Februar. Von Johann Moritz sind uns mehrere Prozessangelegenheiten aufbewahrt worden. Am 6. August 1646 hatte er eine Streitsache mit dem Oberstlieutenant Reinhold von Wrangel (IX 1) wegen eines Stück Landes, Kerrekunda genannt. Es war fraglich, ob dieses Land zu Mustigeji oder zu Wasahof gehöre, und wurde dasselbe Gegenstand eines Prozesses, der zu Lagena vom wirisch-jervischen Manngericht zu Gunsten Reinholds entschieden wurde. 1653 setzt Johann Moritz von Wrangel den Landrath Hans von Wrangel zu Allo und Kymenegärcl (5) als Bevollmächtigten für sich ein, als das Manngericht zu Reval am 9. Juni die Arrende - Liquidation mit dem Hofmeister der Königin - Mutter zu Stockholm entscheidet. Es hatte nämlich Johann Moritz von Wrangel mit dem genannten Hofmeister, Zeugmeister der Stadt Reval, Zitfeld-Buchau, 1647 diesen Pfand- und Arrende-Contract wegen Wasahof geschlossen. In dieser Angelegenheit sei noch erwähnt, dass Wasahof nach dem Tode des Johann Moritz wieder an seine Erben zurückfallen sollte. Die Wittwe des Zitfeld-Buchau weigerte sich aber und so entstand 1687 ein Prozess, den Bernd Johann von Wrangeil (1X5) im Namen und in Vollmacht der Kläger gegen die genannte Wittwe führte. 1 ) Schliesslich wird dieselbe zur Zahlung von 368374 Reichsthalern verurtheilt. Johann Moritz von Wrangel hatte 1654 noch einen zweiten Arrende-Contract wegen Wrangelsliof von Ostern 1660 bis Ostern 1680 mit demselben Zeugmeister Zitfeld- Buchau für die Summe von 2867 Reichsthalern abgeschlossen, wovon Buchau zu Ostern 1665 dem Baron Hans von Wrangel (5), Vetter des Johann Moritz, 1143 Reichsthaler zahlt, welche Summe Johann Moritz dem Hans von Wrangel (5) am 3. April 1655 vorgeschossen. Am 28. Mai 1655 endlich erkannte das Manngericht zu Narwa auf Wiederherstellung der alten Grenze zwischen dem der Stadt Narwa gehörigen Dorfe Kutterküll und dem Gute Wasahof, und setzt auch hier einstweilen die Grenze zwischen dem zugehörigen Dorfe Wepskiill und der Stadt Narwa fest. 2 ) Nachdem Johann Moritz Baron von Wrangel am 13. Mai 1660 zum Reichsrath ernannt worden war, verstarb er den 10. Januar 1665 auf seinem Hofe Norby und ward in Sko-Kyrka begraben. Er war dreimal verheirathet und zwar: a) den 28. März 1638 mit Anna Bäät, Tochter des Statthalters und Assessors Bo Gustafsson Bäät zu Fallnäs, Skärjesholm und Hüga mit Anna vprf Ribbing; sie wurde am 16. Juni 1646 begraben; b) hm 26. Juli 1652 auf Hjelmarsberg bei Oerebro mit der Freifrau Catharina Leyonhufvnd, geboren 1628 am 22. October, gestorben 1659, Tochter des Landeshauptmanns Gustav Ericson Barons Leyenhufvnd auf Ekeberg, Ado, Hjelmarsberg und Höckeruni und dessen ersten Frau Catharina prfi Sparre auf Rosswik; c) am 24. Februar 1660 in Gottenburg mit Baroness Beate ymi Kagg in ihrer ersten Ehe, geboren 28. Juli 1638 auf Kjellstorp 1) Oberlandgericlit Reval, Convol. 272, Nr. 5. 2) Gesch. Familie Lode, p. 87, Nr. 431; Clir. Gerher, Prot. Y, 147. im Kirchspiel Orslösa in Westgothland, Tochter des Gouverneurs Nils-Nilson Barons Kagg auf Tockmajerfoi, Kjellstorp und Skäfvesund und der Freifrau Margarethe Bonde. Sie vermählte sich in zweiter Ehe mit dem Landeshauptmann Freiherrn Gabriel Kurk auf Lämpela, Lanko und Tottjerfoi in dessen zweiter Ehe. Aus seiner ersten Ehe hatte Johann Moritz den Sohn Moritz Friedrich (27) und die beiden Töchter Christine (28) und Anna Elisabeth (29), aus der zweiten Ehe: Adolf Johann (30) und aus der dritten Ehe: Hermann (31), Carl Gustav (32), Johann (33), Margarethe Agnes (34) und zwei Söhne (35 und 36), die jung gestorben sind. 1. Christine (28) verstarb den 28. October 1682 im Wochenbett und liegt mit ihrem Manne und dessen drei anderen Frauen in der Kirche zu Södermanland begraben. Den 27. September 1677 vermählte sie sich mit dem Enkel der Schwester ihrer Grossmutter, dem Präsidenten Freiherrn Johann Bosenhan auf Ikalab, Marienborg, Björkvik und Tistad in dessen erster Ehe. Er war geboren am 16. März 1642 und starb den 3. September 1710 in Wismar. 2. Anna Elisabeth (29), geboren 1640, gestorben 1687, vermählte sich 1662 mit dem Neffen des Mannes ihrer Tante mütterlicherseits, dem Beichsrath, Feldmarschall und Generalgouverneur in Livland und der Stadt Biga, Frei- o herm Christer Claesson Horn von Aminne, Herrn auf Wykhus, Gamleby, Wyck, Görvelsdal, Oerlinna, Lisjö, Lärjehohn und Salisborg, in seiner zweiten Ehe. Er war 1622 geboren und starb 1692. 3. Margaretha Agnes (34), geboren ungefähr 1660, vermählte sich mit ihrem Halbvetter, dem Oberstlieutenant Freiherrn Philipp Carl von Scheidingen auf Kegel, welcher 1666 geboren war. 27. Moritz Friedrich von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Johann Moritz (7), ward 1641 geboren und war Erbherr auf Wrangeishof, Lärjeholm und Oberpahlen. Im Jahre 1689 ist er Major und Bittmeister einer Compagnie zu Pferde; den 23. De- cember 1691 wird er als Oberst bei dem in holländischen Diensten stehenden fürstlich sächsisch-gothaischen Begiment zu Pferde angestellt und stand 1694 mit dem Begimente in Brüssel. Auf seinen Wunsch, aus dem genannten Begimente auszutreten und nach Schweden zurückzukehren, erhielt er von den Offizieren des Regiments unter dem 16. Mai 1694 ein „vortheilhaftes" Abgangszeugniss, infolge dessen seine Anstellung in Schweden erfolgte. Am 28. November 1695 wurde er in Schweden Oberst über das Regiment Abo und Björnebor zu Pferde. Diese Charge bekleidete er noch den 26. März 1699 und erhielt am 31. December 1701 einen Urlaub zum Besuche ausländischer Bäder. Im Jahre 1706 am 9. Juni hatte er mit Abraham von Brahe wegen Skokloster einen Prozess, der zu des letzteren Gunsten entschieden wird. 1 ) Moritz Friedrich verstarb 1715. Er war vermählt seit 13. Juli 1702 mit seiner Halbcousine und der Schwägerin seiner Stiefschwester, der Freiin Amalie Charlotte von i) Rittersch. Arch. Reval. — 2S7 — Scheidiiigen, Tochter des Landraths Otto von Scheidingen auf Kegel . Jasowall und Wallinge mit Elisabeth Dorothea von Wrangel, Freiin zu Lindeberg. Sie ver- heirathete sich am 25. Februar 1728 zum zweiten Male mit dem Generalmajor Otto Johann Baron Maydel. Mit derselben hatte Moritz Friedrich einen Sohn: 42. Johann Abraham von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, welcher aber ganz jung vor dem Vater verstarb. 30. Adolf Johann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Johann Moritz (J), nannte sich 1682 selbst noch „Freiherr zu Ludenhof" und war Kapitän in der Admiralität. Am 12. Juli 1682 d. d. Stockholm verkaufte er seine „Erbportion" am Gute Wasahof, welche 5% Haken Land betrug, und zwar von der alten Hoflage nebst dem in selbiger Grenze gelegenen Dorfe Torwajäggi 4% und einen Haken am Strande, genannt Wepsküll, für 200 Reichsthaler an seinen Vetter, den Kapitän „über die Artillerie" Bernd Johann von Wrangell (1X5). Er starb unverheirathet. 31. Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, Sohn von Johann Moritz (7), besass Hörlingstorp in Westergüthland. Er war Kapitän beim Skaraborg-Regiment, dann Major bei der Infanterie und starb 1703 während des Krieges in Polen. Um 1690 hatte er sich mit Anna Beate af Kaffle, Tochter des Kapitän- o lieutenants Ake af Kaffle auf Ranäker, Ribbingstorp und Uddböö und der Ebba von Soop vermählt. Dieser Ehe entspross nur eine Tochter Anna Beate (43), welche am 1. November 1695 geboren und am 25. De- cember 1728 gestorben ist. Sie vermählte sich am 25. October 1715 mit dem Rittmeister Lars af Gyllenhaal auf Härlingstorp und Ranäker in dessen erster Ehe. Er war 1690 geboren und starb 1756. 32. Carl Gustav von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, 1 ) Sohn von Johann Moritz (7), lebte 1686 als Fähnrich in Dorpat, war Kapitän beim Regiment Westgötha-Dals, dann Major von der Infanterie und starb 1705 bei der Wyborgschen Expedition auf der See. 1703 verheirathete er sich mit Metta Elisabeth von Reenstjerna in deren erster Ehe; sie war geboren am 22. Januar 1686, starb 1736 auf Ribbingstorp in Westergothland, Tochter des Rittmeisters Abraham Reenstjerna auf Halla und der Metta Hjerta. 1711 verheirathet sie sich wieder mit dem Oberst Arnold Niclas Edler von Burguer. 33. Johann von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, Sohn von Johann Moritz (7), war schwedischer Major bei der Infanterie und vermählte sich mit der Freiin Margarethe von Soop, Tochter des Freiherrn Gustav von Soop zu Limingo. Die Ehe war kinderlos. i) Hnpel, N. M. Stck. 15, 16. 17. 28S — 8. Adolf Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, 9 Sohn von Hermann (2), geboren 1628, starb am 16. Juni 1656. Wir haben ihn zum Stammvater des Nebenzweiges des Hauses Lindeberg, Haus Säby (Tabelle VIA) gesetzt. Seine Nachkommen leben noch heutigen Tages. 9. Heinrich Wilhelm von Wrangel, Solm von Hermann (2), geboren um 1638, verstarb schon am 20. November 1643. 11. Johann Friedrich von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, 2 ) Sohn von Hermann (2), ward den 11. Juli 164Q zu Stockholm geboren und verstarb da- selbst den 10. Mai 1662. Sein Banner befindet sich in Skokloster. 12. Wolmar Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, 3 ) Sohn von Hermann (2), Erbherr auf Oberpahlen, Odenpäh, Wrangeishof, Walküll, Boglösa und Svinesund, war am 1. November 1641 geboren. Er kam jung an den Hof des Königs Carl XI. und sollte 1654 nach Ungarn gehen; aber der bald darauf erfolgte Friede machte solches unnöthig; 1658 wurde er zum Rittmeister, 1665 zum Oberst bei Uplands CavaUerie, am 12. November 1674 zum Generallieutena'it der Caval- lerie befördert, und bald darauf ernannte ihn der König zum Reichsrath. Gegen das Jahr 1670 war Wolmar von Wrangel bei Hofe ein sehr angesehener Mann, übte dort einen bedeutenden Einfluss aus, namentlich während der Regierung König Carls XI. Wir finden ihn als das Haupt der damals sogenannten „von Wrangeischen Partei". So gab man ihm auch schuld, dass er den König wider die Senatoren und Grossen des Reiches aufreize, was den König veranlasste, von den letzteren Rechenschaft über ihre Verwaltung während seiner Minderjährigkeit zu fordern. Der militärischen Thätigkeit Wolmar Hermanns haben wir bereits in der Lebensgeschichte des Feldherrn Carl Gustav Graf Wrangel (VI 6) Erwähnung gethan, wo wir berichteten, dass ihm an Stelle seines erkra nk ten Stiefbruders im Jahre 1675 die Führung der schwedischen Armee gegen den Kurfürsten von Brandenburg übertragen wurde. Um Wiederholungen zu vermeiden, verweisen wir deshalb hier auf jene Mit- theüungen. Sein Portrait befindet sich in Säby. Am 22. Februar 1665 vermählte er sich in Stockholm mit der Gräfin Christiane von Wasaborg, geboren 1641, gestorben den 9. September 1709 in Dorpat, 4 ) Tochter des Gouverneurs und Reichsraths Gustaf Edlen von Gustafson, Barons und Grafen von Wasaborg auf Hundslosen, Nystadt, Wibyliolm, Saris, Wilshausen und Dahlen, und der Anna Sophie Gräfin von Wied-Runkel (Tochter des Grafen Hermann zu Wied, Runkel und Isenburg, Enkelin des Königs Gustav Adolf). 5 ) Sie machte mit ihrem Gemahl 1675 den brandenburgischen Feldzug mit und ward in der Stadt Fehrbellin bei der Eroberung des Hupel, YI, 15, 16, 17, Tab. XI. — Wappen sielie Tafel 4. 2) Hupel, Tab. XI. — Wappen siehe Tafel 4. 3 ) Wappen siehe Tafel 4. 4) K.-B. Dorpat. 5 ) Sljernmann p. 94 ff. % Wolmar Hermaiin von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, königlich schwedischer Generallieutenant der Cavallerie und Eeichsrath. VI 12. — 289 — ganzen schwedischen Trains am 19. Juni 1675 vom Feldmarschall Derfflinger mitgefangen, aber wieder freigegeben. Sie besass ein Haus und eine Koppel in Dorpat. Jenes ward gewöhnlich das Ob er palilensehe genannt, so dass man hieraus schliessen kann, dass sie Oberpahlen in Pacht gehabt hat. In der Johanniskirche, zehn Werst von Oberpahlen, befindet sich das Wappen des Wolmar Hermann Freiherrn Wrangel in einem Fenster. Im Kirchenbuche steht, ..dass seine Frau, geborene Wasaborg, und 14 estlmische Mädchen beim Durchsuchen eines Waldes, wo der Tradition nach eine Kirche gewesen sein soll, diese Kirche gefunden haben. Die Kirche stammte aus der grossen Pestzeit. In der Kirche fanden sie hundert Skelette und eine Eiche, die in der Mitte stand und deren Zweige weit über die Mauern hervorragten, woraus man ersehen konnte, dass die Kirche seit lange nicht mehr gebraucht worden ist." Der Ehe entsprossen ein Sohn (39) und drei Töchter: 1. Amalie Sophie (38), welche am 26. Februar 1680"unverheirathet stirbt. 2. Margarethe (40) verstarb den 17. November 1706 unverheirathet. Sie erbte nach dem Testamente des Reichsmarschalls Grafen Johann Gabriel Stenbock 20 000 Thaler species. 3. Polydona Aurora (41) vermählte sich am 8. September 1689 mit dem polnischen Marschall und Starosten von Darsnicky (oder Donspinsky) Fürsten Bogislav Kosielsk-Oginsky. Nach ihrem Tode 1708 entspannen sich lange Prozesse wegen Oberpahlen und Wrangeishof zwischen ihren Erben. 14. Heinrich Wilhelm von Wrangel, 1 ) Sohn von Hermann (2), geboren 1643, war schwedischer Rittmeister und ist wahrscheinlich niemals Freiherr geworden; der Grund hiervon mag darin gelegen haben, dass er zur Zeit, als seine Geschwister 1654 diese Standeserhöhung erhielten, sich noch in den ersten Stadien der militärischen Laufbahn im Auslande befunden hat, und die Seinigen nicht wussten, wo er sich zur Zeit aufhielt. In Skokloster befindet sich von ihm nur ein „adliges" Hauptbanner mit seinem Namen, welches in einem Fenster eingravirt ist. 1666 wurde er zu Harck zum Manngerichtsassessor gewählt und verstarb den .12. November 1673 unverheirathet. 5. Hans von Wrangel, Freiherr zu Ludenhof, 2 ) Sohn von Hans (1), wurde 1588 geboren, war Erbherr auf Kymenegard, Ludenhof, Fellin und zu Allo. Diese Güter waren grösstentheils durch Erbschaft in seinen Besitz gekommen. Hierzu kaufte er 1663 von der Krone Schweden noch Selge. Im Jahre 1620 befand er sicli als Lieutenant bei der Adelsfahne des Königs Gustav Adolf, und schon im Jahre 1624 ist er bei seiner Ernennung zum Landrath 3 ) in Harrien schwedischer Oberstlieutenant. Im darauf folgenden Jahre 1625 wurde er von Jacob !) Leiclienpredigt von Zeschgrini. Jonas, Theodosius, Anorne etc. 2) Wa'ppen siehe Tafel 5. 3) Johann Ehlers Protocollbuch 1624 p. 2 n. s. f. 37 VIT — 290 — de la Gardie mit einigen Leuten abgesandt, die beiden kleinen Festungen Rositten und Ludzen zu erobern, wobei Adzell am Aa-Fluss genommen wurde. 1 ) Sein Regiment stand zur Zeit in Dorpat, Nyhaten, Marienburg und kam demnächst nach Rositten, Adzell und Sesswegen. Im Jahre 1631 ist Hans von Wrangel schwedischer Oberst und Statthalter der Festung Kokenhusen sammt inliegenden Lehen; 1632 linden wir ihn als Kriegsoberst über ein Regiment Dragoner, 1633 steht er in Narwa und erhält den Befehl, die vom Schnell von Persien zurückkehrende holsteinische Gesandtschaft mit fünfzig Reitern einzuholen. -') Wie bereits erwähnt, war er Landrath in Barrien. Seine Wahl als solcher erfolgte am 4. Juli 1624, worauf er sofort den Eid leistete und diese Stellung antrat, in welcher er eine ausserordentlich erspriessliche Thätigkeit entwickelte. Auch aus seinem Privatleben sind uns mehrere Mittheilungen, die meistentheils Streitsachen beim Hofgericht betreffen, überkommen. Im Jahre 1626 hatte er ein Duell mit dem Junker Arnd Metztaken, welchen er verwundete. Demzufolge übernahm der Landrath Bernd von Scharenberg das Geleit für Hans von Wrangel, welches von dem Bürgermeister von Reval Johann Derentlial vergönnt wurde. :! ) Am 8. Februar 1632 quittirt er dem Hans von Rechenberg über die gegen den Königlichen Gnadenbrief auf das Gut Asserye empfangenen 1500 Reichsthaler, welche Hans auf Anordnung des Königs und gemäss der ihm gegebenen Instruction und Vollmacht empfangen und diese Summe in den königlichen Diensten, Nutzung und Anwerbung von Reitern angewandt. Er händigt dem Hans Rechenberg nach Empfang dieser Geldsumme den Königlichen Gnadenbrief auf das Gut Asserye aus, welchen Hans Wrangel vom Könige im Feldlager zu Wiirzburg erhalten hatte. Im Jahre 1635 hatte Hans von Wrangel einen Prozess gegen Jürgen von Wrangel (XII10, XIIA 1) zu Pedua und Sicklecht. Die Commission hatte schon 1630 in derselben Sache geurtheilt und unter dem 30. April 1632 entschieden, dass Oberst Hans von Wrangel zu Allo bei erwiesenen Grenzen bleiben solle. Jürgen von Wrangel beschwerte sich indess, dass er seine Beweise nicht so schnell hätte beibringen können, er habe 1633 seine Bittschrift beim Landgericht angebracht; auch aus andern Gründen wurde Jürgen von Wrangel nochmals gehört. Der Landrath Hans von Wrangel zu Allo klagte 1635 dagegen. Es ward daher die Sache nochmals von dem Gouverneur und von den Landräthen, unter denen auch Otto Wrangel zu Kaw (XI 2) war, verhandelt, welche den Jürgen von Wrangel wegen Mangel an Beweisen zu einer Strafe von 500 Reichsthalern verurtheilten. Dagegen wurde die Anklage gegen den Landrath Hans von Wrangel, der Gewalt gegen den Jürgen von Wrangel durch Grenzverletzung angewandt, dem Gericht am 31. August 1635 übergeben. Dasselbe entschied, dass beide Parteien in ihren Grenzen von Allo und Sicklecht zu verbleiben hätten. 4 ) f) v. Ungern-Sternberg, Arcli.; Joli. Elilers Protokoll-Büch 1624 p. 2 u. s. f. 2 ) Geschichte der Stadt Narwa. 3 ) Geleitbuch der Stadt Reval p. 501. 4 ) Protocollbuch des Oberlandgerichts zu Reval XIIA p. 112, 167. — 291 — Im Jahre 1636 hatten sich Differenzen zwischen Bernhard von Scharenberg, welcher, weil blödsinnig, den Landrath Hans von Wrangel zu Allo zum Vormund erhalten hatte, und der Hausfrau des Johann von Uexkiill und dessen Kindern erhohen. Am 20. Februar genannten Jahres waren einige Versuche zu Ausgleichungen gemacht worden, die aber ohne Resultat verliefen. Endlich am 10. September 1638 kam ein Vertrag zwischen Bernhard von Scharenberg und den Uexküllschen Erben zu Staude, welcher vor dem königlich schwedischen Rath, des Fürstenthums Gubernator etc. und zehn Landräthen dieses Fürstenthums zu Reval abgeschlossen wurde. Die Parteien waren: Bernhard von Scharenberg zu Sauss, estlmischer Landrath, respective dessen Schwieger-und Stiefkinder, Herr Hans Wrangel zu Allo, für sich und seine Hausfrau Anna von Uexkiill einestheils und Johann Georg von Uexkiill, erbgesessen zu Fickel, Mentz und Assig, anderntheils. Der Streit betraf den Hof und das Gut Sack, sowie des Landraths von Scharenberg Gut Fickel. Er wurde endlich derart gütlich beigelegt, dass der Oberst Hans von Wrangel, Johann und George von Uexküll für sich und ihre Erben der Forderung von 9000 Reichs- thalern in specie oder der beweglichen und unbeweglichen Güter an den Landrath Bernhard von Scharenberg entsagten. Von diesen 9000 Reichsthalern wurden aber die 2000 Reichsthaler in specie ausgenommen, Avelche letztgenannter Landrath der Jungfrau Ebba Barbara von Wrangel (16) geschenkt hatte. Die Uexküllschen Erben versuchten zwar den angenommenen Vertrag mit Bernhard von Scharenberg wieder anzufechten, allein es gelang ihnen nicht. Im Jahre 1647 hatte der Landrath Oberst Hans von Wrangel des Johann von Rosen Güter Sonorm und Schönanger unter dem Vorwande, die für dessen Bruder gemachten Schulden daraus zu bezahlen, an sich genommen und mit Bewilligung der Mutter des letzteren im Besitz behalten, jedoch mit der Bestimmung, dass er dieselben hei Rückkunft eines der Brüder von Rosen, die sich in Deutschland befanden, wieder abtreten solle. Hans von Wrangel hatte während der Abwesenheit der Geschwister Elisabeth, Magdalena und des Rittmeisters Johann von Rosen die Güter zu administriren und ward, als letzterer zurückkehrte, um Abtretung der väterlichen Güter angehalten; Johann von Rosen vergleicht sich daher mit Hans von Wrangel am 2. Februar 1647 derartig, dass die Mutter von Rosen, geborene Magdalena von Asserye, das Haus in Reval und Riesenberge behält, dem Hans von Wrangel dagegen Sonorm zur Administration und mit dem Unterhalt der Magdalena von Rosen belassen wird bis zur - Theilung unter die beiden Brüder Dietrich und Johann von Rosen, wo Hans von Wrangel es zum Unterhalt ihrer Schwester Magdalena von Rosen abtritt. Als Unterpfand behält Hans von Wrangel Schönangern für seine ausgelegten Gelder im Betrage von 3472 ' 4 Reichthalern, die zum Theil die Ausstattung seiner Tochter bildeten, welche den Kapitän Dietrich von Rosen heirathen will. Ausserdem werden noch einige unwesentliche Bedingungen festgesetzt und Hans von Wrangel übernimmt -es 292 endlich, die Jungfrau Elisabeth von Kosen zu sich zu nehmen und mit Kleidung zu versehen.') Im Jahre 1651 befand sich unser Oberst Hans von Wrangel wegen der Grenzen zwischen Pirk und der Sellyschen Mühle mit dem Mannrichter Jürgen von Uexkiill zu Angern im Streit. Nach einer Verhandlung vor dem hämischen Mannrichter am 4. August wurden indessen die Grenzen festgesetzt. Um diese Zeit giebt uns Hans von Wrangel einen Beweis seiner grossen Güte und Fürsorge. Nachdem er schon 1650 der Kirche zu Kappel das Pastoralland geschenkt, stellte er den 29. September 1651 eine Schenkungs-Urkunde für die Kirchen zu St. Johannis und Oberpalilen aus. Nach dem Tode seines Bruders Hermann von Wrangel (2) war Hans von Wrangel zum Vormund von dessen Erben und demzufolge auch zum Administrator von dessen nachgelassenen Gütern erwählt worden. Hans von Wrangel hatte als solcher wahrgenommen, dass die Kirchen und Pastoren mit schlechtem Auskommen versehen waren und dieserhalb schon oft „querulirt" hatten. Er half diesem Uebel zur „Beförderung Gottes Ehre und besseren Unterhalts der Prediger" ab und legte nach der Johannis- Kirche drei Bauern mit Land und nach der Oberpahlenschen Kirche so viel Land, als dem Pastor nöthig, und ausserdem auch das Dorf „Sachse Assent", worauf er vier Bauern setzte. Noch in demselben Jahre reist er als Deputirter der esthnischen Kitterschaft nach Schweden. Am 9. Juni 1653 finden wir Landrath Hans von Wrangel zu Allo und Kymene- gärd als Bevollmächtigten des Obersten Johann Moritz von AVrangel (7), als das Manngericht über die Arrende-Liquidation nach einem mit dem Hofmeister seiner Mutter zu Stockholm am 10. März 1647 über Wasahof abgeschlossenen Contract entscheidet. Endlich ist noch anzuführen, dass sich im Jahre 1655 Freiherr Hans von Wrangel von Allo in einer Sclmldklage gegen Moritz von Langen befand, welcher ihn vor das Hofgericht zu Dorpat citirte, zu welchem Termin aber Hans von AVrangel nicht erschien. 1659 abermals citirt, reicht Hans von Wrangel eine Supplik an das königliche Hofgericht ein, welche dasselbe am 7. December dem Kath zu Dorpat einsendet und demzufolge von Langen verurtheilt wird. Der Landrath und Oberst (1653 ausser Dienst) Hans von AVrangel hatte sich, wie wir gesehen, von Jugend auf den Kriegsdiensten der Könige von Schweden gewidmet und sich bei allen Gelegenheiten brav und tapfer benommen, ausserdem bei Ausübung seines Landrathsamtes zu seines Landesherrn und des Reiches Zufriedenheit sicli immer willig und tüchtig gezeigt, ferner besonders gegen die Königin Christine und die Krone Schweden seine Treue und Redlichkeit zu jeder Zeit bewiesen. Die Königin Christine fand sich daher d. d. Stockholm den 8. October 1653 bewogen, den Oberst bei der esthländischen Adelsfahne und Landrath in Estldand Hans von AVrangel zugleich mit seinem A'etter, den Rittmeister Hermann von AVrangell, den wir noch als Stammvater des Hauses Ludenhof (VHI 1) kennen lernen werden, zu Ellistfer nebst deren Kindern und nachkommenden Leibeserben zur Verbesserung ihres !) Oherlandgericht zu Keval, Archiv Convol. 191, Nr. 5. — 293 — adeligen Standes mit Freiherrntitel, Privilegien nnd Bedingungen zu versehen und ihnen hierüber ein Diplom auszustellen, wodurch die Königin den beiden genannten von Wrangeis den Freiherrn-Stand, -Titel und -Würde verlieh. Auch gab die Monarchin ihnen „zum Unterschied von anderen freiherrlichen und verschiedenen ritterlichen und adligen Familien" ein vermehrtes Wappen. Endlich verlieh die Königin — weil Hans von Wrangel das Gut Ludenhof in Liv- land infolge Donation im Jahre 1624 besass, für welches die Königin seinem Schwiegersohne, dem Oberstlieutenant Carl von Tiesenhausen, die Expectenz ertheilt hatte, dieser aber 1653 schon verstorben war und hiernach das Gut Ludenhof der von Tiesenliausen- schen Tochter, 4 verheirathet an Hermann von Wrangeil, zugefallen war — den beiden Wrangeis das Recht, sich Freiherren zu Ludenhof schreiben und nennen zu dürfen. Die Königin machte sonach Ludenhof zu einer Freiherrschaft. 1664 ward Freiherr Hans von Wrangel auf der Freiherrenbank im Ritterhause zu Stockholm unter Nr. 55 immatriculirt, verstarb aber schon 1667 zu Reval, wo er am 14. Juli in der Domkirche beigesetzt und ihm ein Denkmal in derselben errichtet wurde. Dieses besteht in einem grossen, mit kunstvoll geschnitzten Helmdecken versehenen, in Farben ausgemalten Wappen mit einer Inschrift. Auf den Hehndecken liegen ringsherum die gemalten Wappen seiner sechzehn Ahnen. Das Denkmal befindet sich an der Wand des Altarraumes neben dem Rathschore. Nach dem Tode des Landraths Freiherrn Hans von Wrangel entwickelten sich mehrere Prozesse wegen seines Nachlasses. Laut Kaufbrief vom 24. October 1650 hatte er nämlich das Gut Parkanehmj in Finnland mit Vieh und fahrender Habe an den Oberst Gerhard von Löwen für 2800 Reichsthaler species verkauft und letzterer auch noch die Intraden und Einkünfte erhalten. Durch die Reduction fiel das Gut 1685 dem König anheim und es wurde hierbei bestimmt, dass die Erben des von Löwen von den Erben des verstorbenen Oberst von Wrangel den Kaufschilling laut Urtheil des Oberlandgerichts imd von Ihrer Majestät geschehenen Confirmation zurückerhalten sollen, und zwar die Summe von 3752 Reichstlialern, in welchen die Zinsen von obigen 2800 Reichstlialern inbegriffen waren. Ausserdem wurde für die vier Jahr und elf Monate im Genuss gehabten 7 y 2 Haken eine Entschädigung von 1843 Reichstlialern species und 48 Groschen festgesetzt, welche • Summe ebenfalls zurückgezahlt werden sollte. 1 ) Diese 7 x / 2 Haken beanspruchten die Löwenschen Erben ebenfalls. Ferner lautete die Immission des Hakenrichters Fromhold Otto von Wrangel (XII 35) am 30. April 1686 in des Freiherrn Hans von Wrangeis Erben Güter auf 14y 2 Haken, wiewohl in der Immission nur 1 y 2 Haken vermerkt waren, welche den Löwenschen Erben zur Abtragung der Interessen für diese Haken vom Eintritt der Immission bis zum 3. April 1691 auf sechs Procent Gebühren normirt waren, nach des Hakenrichters Reinhold von Engdes unter dem 26. Mai 1690 aber den letzgenannten Erben zugelegten Immission von sieben Haken als Bestand festgesetzt, welche in den erwähnten vier Jahren elf Monaten i) Die Arbeit für einen Hakenbauer, indem selbiger mit seinem eigenen Gespann und Unterhalt die Arbeit verrichten musste, wurde pro Tag mit einem Tlialer berechnet. 294 — 820 Reichsthaler species betrugen. Laut königlicher Resolution vom 7. October 1690 mussten des Hans von Wrangel Erben auch diese Summe zahlen. 1 ) 1694 klagte nun Hans von Rosen im Namen der Erben des verstorbenen Freiherrn Hans von Wrangel zu Allo gegen des verstorbenen Oberst Gerhard von Löwen Erben wegen Beeinträchtigung der ersteren bei der Immission derer Güter. Ferner beanspruchten die Löwenschen Erben, da das Gut Parkanehmj von der Krone eingezogen, die Immission in Selly und Allo und wollen in betreff des letzteren, welches Hans von Wrangel vom Landrath Baron Bernhard von Taube gekauft, nicht eher der Immission entsagen, bis sie den oben erwähnten Kaufschilling von Parkanehmj (Pirkemanni) zurückerhalten hätten. Es entstellt 1689 deshalb ein langer Prozess, der am 5. Juli 1689 in Reval dahin entschieden wird, dass die Löwenschen Erben nicht aus den immitirten Gütern Allo und Selly entfernt werden könnten, weil der Vater die Immission erlangt hätte. 2 ) Oberst Hans von Wrangel war zweimal verheirathet: a) 1620 mit Anna von Uexküll aus Meks und Fickel, Tochter des Landraths Johann von Uexküll und der Anna von Rosen; sie starb 1651 und wurde am 14. März im Dom zu Reval beigesetzt; b) mit seiner Cousine (Andergeschwisterkind) Gertrud von Uexküll, Tochter des Mannrichters Georg von Ueküll auf Oerten und Angern und der Elisabeth Magdalena von Wrangel aus Ellistfer (III 38). Die Trauung fand am 15. September 1661 in der Domkirche zu Reval statt. Nach Hans von Wrangeis Tode vermählte sich seine Wittwe zum zweiten Male am 23. März 1669 mit dem Feldmarschall und Gouverneur von Narwa Freiherrn Otto Wilhelm von Fersen auf Cronendahl, Raykiül, Kurnal, Kymenegärd in Finnland und ward die Stam mm utter des freiherrlichen Geschlechts Uexküll von Meyendorff. 3 ) Sie starb am 25. October 1688 im Alter von 48 Jahren und wurde am 10. März 1689 im Dom zu Reval im Chor beigesetzt, in des Grafen Mathias von Thum Kapelle. In diesem Gewölbe ruht auch der Feldmarschall Otto Wilhelm von Fersen, dem daselbst ein grosser steinerner Sarkophag gesetzt worden ist. Nach ihrem Tode vererbten sich: Allo an ihre Tochter Margarethe Elisabeth von Fersen, verehelicht an Beiigt Heinrich von Bistram; Kymenegärd an Wilhelmine Gertrud von Fersen, verehelicht an Gustav Johann von der Osten; Raykull erhielt Julianne Helene von Fersen, verehelicht an Oberst Jürgen Johann von Wrangel (XII 31), später an Oberstlieutenant Heimich Johann von Schlippenbach, und Kurnal an Christina Eleonore von Fersen, verehelicht an Otto Fabian von Wrangel (XII 30). Hier sei noch erwähnt, dass uns vom Feldmarschall Otto von Fersen ein Notizbuch in Kleinoctav-Format mit Pergamentumschlag erhalten geblieben ist. Die ersten Seiten desselben sind von Gertrud, der gewesenen zweiten Gattin Hans von Wrangeis und nunmehrigen Gattin Fersens selbst geschrieben und mögen dieselben, da sie uns Kunde von einem schweren Brandunglück geben, von welchem auch einige Mitglieder der Familie *) Oberlandgericht Reval, Arcli. Convol. 265, Niv 9. 2 ) Oberlandgericht Reval, Arch. Convol. 217, Nr. 19 und 272. Nr. 1. a ) Lude Briefl. III, Nr. 13. 19, 46, 56. Notizbuch des Feldmarschalls Otto Wilhelm von Fersen, p. 1: Arch. Kuckers. — Feldmarschall Otto Wilhelm von Fersen wurde im Dom zu Reval in der Kapelle des Mathias Grafen Thum, der die Veranlassung zum dreissig- jährigen Kriege gab, beigesetzt. von Wrangel in Mitleidenschaft gezogen worden, dem Wortlaute nach folgen: ,,Ao. 1G87 habe dieses Bncli angefangen, weil Ao. 1684 den 6. Juni in einem kläglichen Brande auf dem Dorn zu Reval nicht allein unser schönes Haus, sondern in demselben unser grosses Vermögen an Gold, Silber, Korn, Hausgeräth^ baarem Gelde, Kutschen, Schlitten, Pferd und Geschirre, ja alles, sogar kostbare Möbel und Kleider, wie auch die alten Urkunden, Siegel und Briefladen der beiden Güter, als Kimengord in Finnland belegen, den Kaufbrief von glorwürdigstem König Gustav Adolf; wie auch des seligen Baron Obristen und Landrath Hans von Wränge 1 von Allo Testament, Codicill darin er es seinen Frauen erblich vermacht, zu verschenken, und zu vergeben hierauf mit seinen Erben als Frau Barbara von Wrangel und ihrem Manne dem Obersten Otto Johann Meyendorf von Uexküll, wie auch der anderen Tochter Kinder als Rittmeister Hans von Rosen von Sonorm, Dirich von Rosen von Allo und Frau Barbara Magdalena von Rosen, Herrn Oberst Pahlens Eheliebste vollkommen Transaction und Vertragschrift über das Testament und das Codicill, alle des seligen Herrn Vaters und Grossvaters Vermachungen, letzten Willen und Testament genehm zu halten und als gehorsame Erben danach zu leben, alle sämmtlich unterschrieben und versiegelt." Hans von Wrangel hatte nur aus der ersten Ehe Kinder und zwar zwei Töchter: 1. Ebba Barbara (16), welche dreimal verheirathet gewesen, vermählte sich a) mit dem Oberstlieutenant und Landrath Carl Adolf von Tiesenhausen in seiner zweiten Ehe. Er verstarb im December 1652. Auf dem Beschlüsse zu Norkjöping hatte ihm sein Schwiegervater Hans von Wrangel das Gut Lude mit dem Beding abgetreten, dass, wenn er ohne männliche Leibeserben versterben sollte, genannter Tiesenhausen nebst dessen Ehefrau und ehelichen Leibeserben beiderlei Geschlechts dieses Gut als ein gesetzliches Erbgut gemessen sollten. Lude gelangte demzufolge in den Besitz von Carl Adolf von Tiesenhausen und kam nach dessen Tode an seine aus erster Ehe stammende Tochter Anna Dorothea, welche an den Rittmeister Hermann von Wrangeil (V TTT 1) vermählt war. Nach dem Tode ihres ersten Gemahls vermählte sich Ebba Barbara b) mit Johann Eberhard von Bellingshausen, Freiherrn von Uelzen. in dessen zweiter Ehe; geboren 1604, den 8. August 1651 in den Freiherrenstand erhoben (unter Nr. 32 introducirt mit verbessertem Wappen), von Bellingshausen war schwedischerOberst eines Regiments in Deutschland, 1650 Generalmajor und Befehlshaber der Cavallerie in Livland und am 26. April 1650 Landrath. Er besass die Güter Klimitina und Kumolowa in Ingermanland, sowie Güter in Finnland, im südlichen Theil von Kexholm-Län, Kirchspiel Sackulo, und kauft 1651 Urbs, Kirchspiel Anzen. Er starb am 13. Juni 1655 und wurde in der Domkirche zu Riga begraben. Als Wittwensitz wurde Ebba Barbara das Gut Kumolowa in Ingermanland angewiesen; als sie aber c) den Oberstlieutenant Otto Johann von Uexküll, Freiherrn von Meyendorf lieirathete. trat sie Kumolowa ihrem Stiefsohn, dem Rittmeister Leonhard Johann von Bellingshausen (geboren 1642, gestorben 1689), ab. 2. Anna Brita (16A) von Allo lieirathete vor dem Jalire 1652 den Major Dietrich von Bosen, den Stammvater der Grafen von Kosen (1657), auf Schönangern, Riesenberge, ward aber am 17. Januar 1695 Wittwe. Wie oben bereits erwähnt, war Ebba Barbaras Stieftochter Anna Dorothea von Tiesenhausen an Freiherrn Hermann von Wrangell (Uli 1) verheirathet. Als nun dessen Schwiegervater Carl von Tiesenhausen verstarb, ohne Kindel' von Ebba Barbara zu hinterlassen, verblieb letztere in der Haushaltung zwei Jahre, als wenn Hermanns Gattin oder andere Erben gar nicht vorhanden wären, und nahm alle haaren Mittel, Gefälle, Obligationen und was bis zum Werthe von 12 000 Reichsthalern nur gefunden ward, an sich; auch bestand sie darauf, dass die ihr zugesagte Morgengabe in Höhe von 20 000 Reichs- t,haiern, anstatt 10 000 Reichsthalern, mit dem Trauerjahre, sammt Mobilien und anderen Stücken, wie es Landesrecht und üblicher Gebrauch wäre, ausgesteuert werden möchte. Hierbei begnügte sich aber die Beklagte nicht, sondern verlangte noch mehr und wollte die Güter nicht verlassen. Hermann von Wrangell wandte sich daher an das Hofgericht zu Dorpat, welches am 6. März 1655 sein Urtheil dahin abgab, dass Hermann von Wrangell der Ebba Barbara die ganze Morgengabe nebst vielem anderen bezahlen sollte, und begründete solches darauf, dass des Klägers Schwiegervater so viele Allodial-Güter hinterlassen habe, die später nach Norkjöpinger Beschluss der Anna Dorothea zufallen würden. Vierzehn Tage nach obbesagtem Urtheil versuchte die Beklagte durch Freunde und Freundes Freunde, den Kläger Hermann von Wrangell zu bereden, mit ihr einen Accord einzugehen, versuchte sogar durch seinen Advokaten ihn in die Meinung zu bringen, „wie sie von allen Allodial-Gütern ab- und der Kläger zugegangen, insonderheit aber, welche grosse Wohlthaten er von ihrem Vater Hans von Wrangel empfangen, und nach des letzteren Tode selbst die Freiherrschaft bekommen". Endlich verstand sie es, den Kläger, der von der inzwischen eingetretenen Reduction nichts wusste, durch schmeichelnde Worte dahin zu bringen, folgenden Accord zu unterschreiben, welcher am 10. October 1655 seine Bestätigung durch die schwedische Reichskammer erhielt: 1. Aller Unfriede wird vergessen. 2. Hermann von Wrangell verpflichtet sich, dem von Bellingshausen wegen seiner Eheliebsten Ebba Barbara von Wrangel über alles, was sie aus ihres verstorbenen Eheherrn von Tiesenhausen Verlassenschaft bis jetzt in Händen hat, alles in allem 9000 Thaler, zu geben und des verstorbenen Johann von Uexkiill und verstorbenen Jürgen von Uexkiills Wittwen Obligationen, jede von 2000 Reichsthalern, auszuliefern, welche Summen bei Uebergabe des Capitals von 9000 Reichsthalern abgehen. 3. Zur Versicherung bis Erlegung dieses Capitals mit sechs Procent Zinsen verpfändet Hermann von Wrangell an Bellingshausen seine harrischen Güter Jerwakant und Idenorm. 4. Hingegen cedirt Bellingshausen dem Hermann von Wrangell seiner Eheliebsten väterliche Güter Rösthof und Warrol im Dörptschen, das Gut Wiesrück in Ingermanland und das Gut im Kirchspiel Sackula in Finnland. 5. Wegen des in Dörpt stehenden Hauses verbleibt es bei des Barons Hans von Wrangeis väterlicher Donation, jedoch, dass Baron von Bellingshausen, so lange er und seine Eheliebste leben, daran freie Niessung und Verfügung behalten. — 297 — 6. Das zu Reval erkaufte Erbbegräbniss aber soll Hermann von Wrangeil und Bellingshausens Eheliebste in gemeinschaftlicher Hand behalten. de Dato, 20. März 1655. x ) Als darauf am 20. März 1656, wo Ebba Barbara abermals Wittwe ist, 7000 Reichsthaler in specie nebst den Zinsen auf ein Jahr gezalilt werden sollen, erliess sie für das laufende Jahr die Verzinsung und bestimmte andere Termine zur Auszahlung. Während sich nun Hermann von Wrangeil im Kriege befand, überredete die Ebba Barbara durch List des Klägers Frau und seinen Schwager Helmig von Wrangel, des Klägers gegebener Vollmacht zuwider den vorigen Accord aufzuheben und brachte es dahin, dass sie einen gleichlautenden Accord ohne Vorwissen des Klägers eingingen; als sie das Unterschriebene erhielt, dachte sie bei dem alten Vater alles aufs ärgste aus und brachte den Kläger, seiner Gütigkeit halber, in einen Streit mit dem Feldherrn. Unmittelbar darauf erfolgte die Reductionssatzung, so dass Hermann von Wrangeil für accordirte 19 000 Reichsthaler nicht mehr als zehn Haken Land und seiner Frau Erbtheil behielt. Da nun Ebba Barbara erfuhr, dass wieder alles auf die rechte Bahn kam und sie zum höchsten nicht mehr zu fordern hatte als den doppelten Betrag ihres jetzigen Vermögens von 1400 Reichsthalern, in Summa 2800 Reichsthaler, ihre Untensilien, die Ansprüche während des Trauerjahres und was sonst dem Landesgebrauch nach, beruhigte sie sich endlich. 2 ) Während obiger Prozess noch spielte, strengte der dritte Gemahl von Ebba Barbara, der Oberstlieutenant Otto Johann von Uexküll, im Namen seiner Gattin gegen Hermann von Wrangell eine zweite Klage an. „1661, als Hermanns verstorbenen Schwiegervaters, der Beklagtin verstorbenen Eheman ns, Grab zu Reval eröffnet ward, um die Frau Statthalterin, des verstorbenen Fabians von Wraiigels Wittwe (XVHI 21) darin beizusetzen, nahm Ebba Barbara ein Ornament von etwa sechs Pfund Silber an sich, stieg dann ohne Scheu persönlich ins Grab hinab, öffnete den Sarg ihres verstorbenen Ehemanns und zog ihm den goldenen Training, der ihm zuletzt zu ewigen Ehren aufgesteckt, von der Hand, wodurch sie nicht blos den Kläger und dessen Ehegattin als Blutsfreunde, sondern auch ihren verstorbenen Ehemann selbst noch im Sarge stark injurirte, worauf die Rechte schwere Strafen verordnen. Durch diese That machte sich Ebba Barbara der „fraulichen Gerechtigkeit" und der Verlassenschaft ihres Ehemannes verlustig und unfähig, so dass sich der Kläger Hermann Baron von Wrangeil veranlasst fand, solches dem Hofgerichte anzuzeigen." In betreff der Entheiligung des Sarges wird bezüglich der Beklagten noch mitge- theilt, „dass sicli die abscheuliche Verunehrung ihres verstorbenen Ehegattens fast ver- weseten Körpers nicht verwischen kann, wozu sie keineswegs „das begierliche Anschauen des Verstorbenen" getrieben hat, sondern weil sie schon in der drittmaligen Heirath gestanden, vielmehr eine andere, allenthalben verlautbare Ursache hierzu gehabt, welche sie ganz allein in ihrem Herzen verborgen gehalten". *) Oberlandger. Reval, Convol. 250, Nr. 5. 2) Oberlandger. Reval, Acte Convol. 249, Nr. 1. 38 Die von Hermann von Wrangeil erwähnte Anzeige hatte eine längere und strenge Untersuchung zur Folge und veranlasste mehrere Zeugenvernehmungen, wozu von Hermann auch mehrere Personen vorgeschlagen wurden. Hierunter befanden sich namentlich des Klägers Schwester und zugleich auch der Oberst Wolmar von Wrangel (XVIII 28), da sie es besonders gewesen, die nur einzig und allein zu dem Zwecke ins gemauerte Grab gestiegen, um sich den Ort anzusehen, wo ihre Mutter respective Schwiegermutter beigesetzt werden sollte. Sie wurden hierbei etwas vom Sarge abgefallenes Silber gewahr. Die Beklagte begnügte sich aber nicht blos hiermit, sondern liess auch das angeheftete abnehmen und wegbringen. Die genannten Zeugen bestätigten also nicht nur diesen Anklagepunkt vor dem Hofgericht, sondern sagten noch weiter aus, dass, als er, der Oberst Wolmar und des Klägers Schwester wieder aus dem Grabe hinaufgestiegen und noch in der Kirche umhergegangen seien, die Beklagte beim Glockengeläute x ) im Grabe allein zurückgeblieben, den Sarg eröffnet und ihrem verstorbenen Manne den noch auf dem Finger befindlichen goldenen Bing abgezogen habe. !) Solches Glockengeläute verlangte der Kläger "bei der Vereidigung. ts \ 1 :| : i I t Tabelle VIA. Nebenzweig des Hauses Lindeberg, Haus Säby. 1. Adolf Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg (Tab. VI 8), Sohn des Hermann von Wrangel (2) und der Catharina von Gyllenstjerna, ist der einzige Sohn, dessen Stamm sich fortpflanzte. Er war 1628 zu Strömsnäs in Westmanland geboren und befand sich zuletzt als schwedischer Oberst des Infanterie-Regiments Smäland in Deutschland bei dem Heere seines Stiefbruders, des Reichsfeldherrn Carl Gustav Graf Wrangel. Bei Erzählung von des letzteren Lebensgeschichte haben wir schon Adolf Hermann kennen gelernt, als wir von der am 25. September 1648 stattgehabten Hirschjagd zu Dachau berichteten, bei welcher er von Johann de Werth gefangen wurde. 1654 war er Oberst über ein Regiment zu Fuss. Er starb am 16. Juni 1658. Adolf Hermann war seit 1649 verheirathet mit Elisabeth von Rosen, welche 1628 geboren wurde und am 24. November 1670 auf Grantsbö in Saby-soken in Smäland starb. Sie war die Tochter des Robert von Rosen, Ritter, Oberst und Landrath in Esth- land und Sonorm, und dessen Ehegattin Anna Dorothea von Asserye. Ihre Ahnen sind auf einer persianischen Tafel verzeichnet, welche sich in dem Besitze des Rittmeisters Axel Peter Freiherr von Wrangel (7) befand. Das Portrait von Adolf Hermanns Gattin beflndet sich in Säby, 1652 gemalt vom Maler Matts Merian. Von ihr ist noch zu bemerken, dass sie nach dem Tode ihres Vaters eine Selbstbiographie geschrieben hat. Aus dieser Ehe stammten ein Sohn Carl Adolf (2) und eine Tochter Anna Catharina (3), geboren am 13. November 1656, nach dem Tode des Vaters, zu Grantsbü. Auch Anna Catharina hat ihre Lebensgeschichte niedergeschrieben; aus dieser leuchtet ihre christliche Gottesfurcht und unendliche Dankbarkeit für alle Liebe, die Unerwiesen, hervor; sie stellt sich selbst als ein unwichtiges Atom in der AVeit hin. Nach dem Tode ihrer Mutter nahm sie die gottesiürchtige und tugendreiche Gräfin Anna Margarethe von Wrangel, geborene -von Haugwitz (VL 6), auf, die der Anna 38* — 300 — Catharina von Wrangel alle mütterliche Liebe und Pflege widmete. Das grosse Glück, von ihrem guten Beispiel, von ihrem scharfen und klaren Verstände zu profitiren, wurde ihr aber nicht lange zu theil; denn sie wurde schon am 20. März 1673 zum zweiten Male mutterlos. Im September dieses Jahres nahm sie ihr Vormund Graf Nils Brahe und dessen tugendhafte Ehegattin zu sich in sein vornehmes Haus, wo Anna Catharina von Wrangel bis zu ihrer Verheiratliung blieb. Am 4. December 1689 vermählte sie sich mit dem gottesfürchtigen, tugendhaften Lagmann von Wermeland Freiherr Christer af Bonde. Die Trauung fand in der Ritter- holms-Kirclie statt; die Hochzeitfeier beging man im Hause ihrer Schwiegermutter, der Freiin Elsa af Cruus, von welcher sie auch vollständig ausgestattet wurde. Christer Christerson af Bonde war Herr zu Bordsjö, Freiherr von Imseholm, Herr auf Catarinäholm, Hästeryd, Säby, Anneby und Marby, geboren 1655. Sie führten eine tugendhafte, ruhige und vornehme Ehe bis zum 2. October 1712, wo Gott ihren Mann zu sich nahm. Es war ihr ein besonderer Trost, dass ihre Schwiegermutter, geborene Elsa af Cruus, auch ferner in der liebevollsten Weise für sie sorgte, ihr grosse mütterliche Liebe zeigte und dadurch ihren hart geprüften Wittwenstand erleichterte. Am 9. Mai 1716, am Himmelfalirtstage, verlor sie auch diese edle Dame in einem Alter von 85 Jahren auf ihrem Gute Oenhammar. Es war an demselben Datum, an welchem ihr Mann, der Reichsrath Freiherr Christer af Bonde, im Jahre 1659 in Göteborg- gestorben war. Auf Wunsch der Anna Catharina wurde ihre verstorbene Schwiegermutter im September in Säby begraben. 1 ) Sie selbst starb den 2. November 1724 zu Säby auf Aspön in Södermanland und ward neben ihrem Manne in der Kirche daselbst beigesetzt. Sie hatte Säby von ihrer Schwiegermutter am 28. October 1712 geerbt und machte es mit mehreren dazu gehörigen Gütern auf der Insel Aspön im Mälar-See zu einem Fideicommiss für ihren Neffen Erich von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg (4) und dessen Nachkommen, in deren Besitz es sich noch zur Zeit befindet. 2. Carl Adolf yon Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Adolf Hermann (1), wurde am 26. April 1655 geboren, trat als Cornet 1686 ins Regiment Upland zu Pferde und war zuletzt Lieutenant beim Leib-Regiment zu Pferde. Er brachte viele Jahre bei der Königin Christine in Rom zu und starb am 23. September 1721 zu Grantsbö. In der Jugend sehr hoffnungsvoll, hatte er das Unglück, als Jüngling von fünfzehn Jahren einen unglücklichen Schlag auf den Kopf zu bekommen, so dass er trepanirt werden musste und gezwungen war seine Studien einzustellen. Er gewann aber durch Reisen ins Ausland eine grosse Uebirng in den Sprachen und Schilderungen, war ein Lebemann und wurde gern gesehen. Nichts destoweniger riethen ihm seine Freunde, da er namentlich von heftigem Charakter war, von öffentlichen Diensten ab, womit er ganz einverstanden war. f) Stjernmann p. 94: Hupel Tab. X, XI; "Wrangel!, Samml. I, 115. — 301 Carl XI., in dessen Gesellschaft er sich von Kindheit an befunden und welcher sich sehr an Carl Adolf von Wrangel gewöhnt hatte, bewahrte ihm eine gnädige Freundschaft und gab von Wrangeis Zurückziehen nicht zu, sondern ertheilte ihm bei seiner Kückkelir aus Italien eine Cornetvollmacht beim Leib-Regiment. Nicht lange hierauf übereilte er sich aber in einem Gesellschaftskreise des Königs, so dass der König selbst dem Carl Adolf von Wrangel durch dessen Sohn Erich rathen liess, den Abschied als Lieutenant zu nehmen, was er auch tliat. Sein Portrait befindet sich in Säby. Er vermählte sich laut Morgengabebrief zu Strömsnäs am 25. Juli 1682 mit Ingeb org Baroness Fleming aus Lais, welche als Zwillingsschwester am 25. Juli 1657 zu Stockholm geboren wurde. Sie war die Tochter des Reichsrathes und Präsidenten des Bergcollegii Eric Baron Fleming auf Lais, Fitura, Edeby, Riksten, Ekeby, Strömsnäs, Svidja und Pickala und dessen zweiter Frau Christine af Cruus aus Edeby. Sie starb am 14. März 1726 und wurde in Säby-Kyrka begraben. Die Leichenpredigt, welche Jacob Frese gehalten, ist gedruckt worden. Ihr Portrait hängt ebenfalls in Säby. Carl Adolf hatte vier Söhne: Erich (4), Carl Gustav (5), Axel Peter (7), Adolf Hermann (8), von denen nur Erich und Axel Peter den Stamm fortsetzten, und eine Tochter: Christine Elisabeth(6), welche am 22. October 1687 geboren wurde, am 12. Juli 1691 aber schon starb. Sie wurde in der von Wrangeischen Grabkapelle in Aspö-Kyrka begraben. In derselben befindet sich folgende Inschrift: „Nach einer hart geprüften Wanderung und sehr schwerer Krankheit hat nun der liebe Gott gewollt, die nunmehro selige Jungfrau Christine Elisabeth von Wrangel zu ihrer ewigen Ruhe abzurufen; liier aber ruhen ihre Gebeine von sehr vornehmer und uralter und edler Herkunft wegen ihres Ursprungs, nämlich von beiden im Freiherrnstand gebornen Eltern. Sie wurde am 22. October 1687 geboren, wurde von liier aber abgerufen am 12. Juli 1691, nur die jungen Jahre und so schnelles Hinscheiden lassen nur eine so kurze Nachricht hier geben." 5. Carl Gustav von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Carl Adolf (2), wurde am 2. December 1688 geboren und starb am 29. April 1694. 8. Adolf Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Carl Adolf (2) zu Marby und Kurö am Mälarsee, geboren am 31. Juli 1684 zu Strömsnäs in Westermanland, war bei der Ankunft in Polen schon Soldat beim Regiment Leibgarde, wurde 1702 Sergeant, 1704 Unteroffizier, 1706 Fähnrich; wohnte 1708 dem Treffen bei Holofzin bei, in welchem er schwer an der linken Schulter verwundet wurde. 1709 avancirte er zum Lieutenant bei der Leibgarde und wurde am 1. Juli desselben Jahres zu Ryssarne am Dnjepr gefangen, nach Tobolsk und Moskau gebracht, von wo er über Arcliangel mit einer holländischen Jacht nach Holland entfloh und später zu König Carl XII. in Lund kam; er erhielt 1716 Vollmacht als Major beim Leib-Regiment, 302 — wurde 1717 Major beim Grenadier - Bataillon, in demselben Jahre Major beim Regiment Sluprudare und 1718 Major beim Yestra-Skanska-Infanterie-Regiment. 1721 wurde er Oberstlieutenant der Infanterie und erhielt 1723 die Expectenz auf Gehalt beim Wester- manland-Regiment. Er starb am 8. December 1746 und ward in der von Wrangeischen Grabkapelle in Aspö-Kyrka beigesetzt. Hier wiuxle auch seine Gemahlin begraben und auf ihrem Sarge folgende Inschrift angebracht: „Hier liegt begraben und mit diesen Brettern verschlossen den Geist des Herrn und den Tag der Auferstehung erwartende, die selige Freiin hochwohlgeborne Frau Sophie Gyllenstjerna mit ihrer kleinen Tochter dem hoch- wohlgebornen Fräulein von Wrangel, geboren zu Stockholm am 26. October 1682, wurde verheirathet mit Seiner Majestät treuem Diener, Oberstlieutenant Herrn Adolf Hermann von Wrangel zu Nynäs in Bälings-Gemeinde am 2. October 1720, wurde in der linken Seite vom Schlage getroffen aus Schreck über den unerwarteten Tod der am 3. April 1722 verstorbenen neugeborenen Tochter, und also in den Herrn eingeschlafen ist am folgenden Tage den 4. April, nachdem sie wie ein goldener Stern in ihrer vollen christlichen Tugend geleuchtet und gelebet, 40 Jahre und 9 Tage alt gewesen." Er verheirathete sich am 2. October 1720 zu Nynäs mit der Freiin Sophie Gyllenstjerna aus Uleberg, geboren am 26. October 1682; indess sie starb schon am 4. April 1722 im Wochenbett. Sie war die Tochter des Landeshauptmanns Freiherrn Conrad Ericson Gyllenstjerna auf Uleberg, Nynäs, Aräs, Girnö, Revelstad, Kuröen, Johannisberg und AVartof'ta und dessen Frau Gräfin Eva Lewenhaupt. Beider Gatten Portraits, das seinige gemalt von J. H. AVedekind Lio 1718, das ihrige gemalt von George de Marees am 14. September 1721 mit Datum der Geburt auf der Rückseite, befinden sich in Säby. Sie hatten nur eine Tochter Eva (25), welche einen Tag nach ihrer Geburt, den 4. April 1722, starb. 4. Erich von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, der Aeltere genannt, Sohn von Carl Adolf (2), wohnt auf dem von seiner Tante erhaltenen Fideicommiss Säby auf der Insel Aspön im Mälar-See. Es gehörten zu diesem Fideicommiss Lagnö (auch auf der Insel Aspön), Kurö, Svinsund und Ränö. Erich von Wrangel, geboren' am 9. August 1686 zu Stockholm im Hause seines Gr os svaters, erhielt zum Inspector einen Professor Reftelius und setzte seine' Studien bis 1707 fort, worauf er eine Reise ins Ausland machte. 1712 in London zum Commissions- Secretär ernannt, kehrteer 1714 zurück und wurde von seinen Eltern, die ihn acht Jahre lang nicht gesehen, nicht wieder erkannt. 1716 von obiger Stellung gänzlich entbunden, ging er im Mai 1718 mit den schwedischen Bevollmächtigten zu den Friedensverhandlungen nach Aland, ward 1718 Lagmann (Gesetzmann, Landrichter) in „Skaraborgs-Län". 1719 bis October 1720 war er bei den Reichstagen im „secreten Ausschuss" thätig und war gleich darauf Kanzleirath. Am 14. August 1727 wurde Erich von Wrangel Landshöfding (Landeshauptmann, Gouverneur) zu Skaraborg-Län und 1729 zu Nerike und AYermland (damals ein Lehen); 1738 wird Erich von Wrangel Präses in der „secreten Handelsund Manufactur-Deputation", konnte aber die Verbote wider Einfuhr ausländischer Waaren — 303 — nicht verhindern. Er erklärte die Verbote, da der Gebrauch nicht untersagt, nur dann dienlich, wenn man den Zoll vermindern, die Preise steigern und zum Schleichhandel zwingen wolle. Er glaubte, dass man auch solche Waaren, die in Schweden verfertigt werden könnten, nicht verbieten solle, dass aber der Zoll fünf Procent ausmachen könne, damit sowohl im Preise als in der Ausdauer eiu beständiger Wetteifer unterhalten werde, welcher durch Monopole aufgehoben werde; Grundsätze, die noch 1855, nach hundert Jahren, bei den schwedischen Reichstagen nicht vermocht haben, sicli geltend zu machen. 1739 ward Erich von Wrangel zum Reichsrath ernannt. Er war ein vertrauter Freund des schwedischen Dichters Carl Gyllenborg, gab 1736 „Phaedri" Fabeln heraus, später die Tragödie „Toriila" und „Fräulein Schneeweiss"; seine letzte Arbeit war die Komödie „Missverstand in der Liebe". Er hat auch eine gute Abhandlung über Verbesserung der Wiesen geschrieben. 1 ) 1743 Mitglied der Akademie der Wissenschaften, nahm er aus dem Amte als Reichsrath am 4. Juni 1744 seinen Abschied; 1748 bot man ihm den Seraphinenorden an, er lehnte ihn aber ab. In den Jahren 1719, 1720, 1723, 1727 und 1731 war er zum Mit- gliede des geheimen Ausschusses bei den Reichstagen gewählt worden und beschäftigte sich hier hauptsächlich mit der Zurückverleihung der Freiheit. In seinen Kreisen war er als Landeshauptmann sehr thätig. Vergebens leimte er beim Könige und bei den Ständen die Ehre ab, Reichsrath zu werden. Seine Gelehrsamkeit machte ihn bekannt; er sammelte auf seinem Fideicommiss Säby eine grosse Bibliothek und ein Archiv und verordnete, dass einige Dokumente mit ihm ins Grab gelegt und nicht vor 1835 herausgenommen werden sollten; es stellte sich hierbei aber 1835 heraus, dass es nur Familienpapiere waren. Noch ist aus seinem Leben zu bemerken, dass er 1743 mit Axel von Löwen nach Hamburg entsandt wurde, um den neuen schwedischen Thronfolger, Herzog von Holstein- Gottorp, dort zu empfangen und feierlichst nach Stralsund zu geleiten. Ueber diese Mission wird uns mitgetheilt 2 ): „Am 10. September 1743 fand er sich in Begleitung des Bardns Axel yön^Löwen, .der gleichfalls Reichsrath war, im Namen des Königs von Schweden und des ganzen Reiches mit einem ansehnlichen Gefolge über Stralsund in Hamburg ein. Beide waren zu obigem Zweck am 20. August von Stockholm abgereist. Sie wurden folgenden Tag, am 11. September, in drei sechsspännigen Karossen aus ihren Quartieren durch zwei Marschälle abgeholt und zu dem Thronfolger zur Audienz geführt. Nach gehabter Audienz fuhren sie zur verwittweten Frau Herzogin, des neuen Thronfolgers Frau Mutter, wo sie mittags mit dem ganzen fürstlichen Hause zur Tafel befolilen waren." „Den 17. September früh um acht Uhr reiste der Thronfolger in Begleitung seines ältesten Bruders, des Prinzen Friedrich August, und der beiden schwedischen Reichs- räthe mit seinem ganzen Hofstaat und einem ansehnlichen Gefolge unter Lösung der Kanonen von Hamburg ab." „Den 21. September hielt er seinen öffentlichen Einzug in Stralsund. In dem zweiten Wagen, also gleich nach dem des Thronfolgers, befand sich der Prinz Friedrich August 1) Viertes Stück der Schriften der Gesellschaft der Akademie der Wissenschaften. 2 ) Zedlers Universal-Lexikon. *r? — 304 — mit dem Baron Erich von Wrangel, gleichwie er auch bei dem am 25. October erfolgten öffentlichen Einzüge in Stockholm nebst dem obengedachten Baron von Löwen bei dem Thronfolger vorn in der Karosse sass." Erich von Wränge 1 starb am 18. Januar 1765 zu Lagnö und liegt mit seiner Frau auf dem Kirchhof der Insel Aspön unter einem grossen Marmor stein begraben. Von ihm befinden sich drei Portraits in Säby. Auch er hat eine Selbstbiographie geschrieben, Avelche sich gedruckt in Handling-Skandin befindet. Am 6. August 1720 verheirathete er sich mit seiner Cousine, der Schwägerin seines Bruders Axel Peter (7), Elisabetli von Bosen auf Berga in Koslagen, geboren am 8. November 1688, gestorben am 13. Januar 1751. Sie war die Tochter des Generalmajors und sächsischen Generalwachtmeisters Otto von Bosen auf Schonangern, Hüddingen und Berga und seiner ersten Frau Anna Maria Svinhufvnd aus Qvalstad. Die Hochzeit ward bei seiner Tante Anna Catharina von Wrangel (3) auf Katharinäholmsgärd in Jön- köpings-Län und seiner Eltern Gegenwart vollzogen. 1 ) Aus der Ehe waren entsprossen drei Söhne: Erich (11), Arvid Hermann (12), Carl Otto (14), sowie drei Töchter: 1. Ingeborg (9), geboren am 24. Juni 1722 in Stockholm. Sie war ausserordentlich schön. Sie heirathete noch jung den Referendar Hans Schrowe, wurde aber wieder von ihm getrennt und kehrte zu ihren Eltern zurück. 1748 ging sie zu ihrem Verwandten Friedlich Sparre zu Sparreholm. Da indess die Freiin von Sparre in die Wochen kam, so begab sich Ingeborg zur Freiin A. M. Ceder- hjelm, geborene von Strokirch, zu Lindholmen. Hier lernte sie den Hütten- director Carl Tholin in Ronoholm kennen, welcher von hier aus bei den Eltern anfragte, ob sie eine Eheschliessung genehmigen würden, was diese bejahen. Die Ehe ward am 24. März 1751 geschlossen. Auf dem Sterbebette setzte Erich von Wrangel noch eine gewisse Summe aus für seine Tochter; sie starb in Norwegen. 2. Friederike (10), geboren am 1. October 1728 zu Marieholm, starb am 28. October 1788 auf der Fabrik in Svanä im Kirchspiel Harakers in Westmanland. Am 15. September 1751 verheirathete sie sich mit dem Oberst Graf Knut Posse auf Svanä und Kurö, der 1724 geboren, '1788 stirbt. König Friedrich I. war ihr Pathe. 3. Ulrike Eleonore (13) wurde am 15. April 1731 zu Lagnö geboren und starb am 13. März 1795 auf Rafvenäs im Kirchspiel Konungssund in Ostgothland. Sie liegt mit ihren Töchtern und dem Major Julius Sköldarm in einem von ihr in der Nähe des erwähnten Gutes in einem Feldberg erbauten Grabe begraben. Sie war verheirathet mit dem Schwager ihrer Schwester, dem Herrenhaus- Mitgliede, Generallieutenant, Generaladjutant, Oberst des Oesterbodden- Regiments , Serapliinenritters Graf Fredric Arvidsson Posse auf Gottenvick und Rafvenäs, welcher am 7. Mai 1727 geboren wurde und am 11. December 1794 in Stockholm starb. 2 ) *) E. von Wrangeis usbe lefvad in Handel röra Scandinavia historica. 2 ) Hupel, Tab. X: E. von Wrangeis usbe lefvad in Handel röra Scandinavia historica. 305 — 11. Erich von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, der Jüngere genannt, Sohn von Erich (4), auf Säby, geboren am 23. April 1721 in Stockholm, wurde am 12. Juni 1740 Kanzleijunker, 1743 Kammerherr beim Thronfolger Adolf Friedrich, noch in demselben Jahre Commissions-Secretär bei Tessins Ambassade nach Dänemark und 1749 Landrichter auf Gothland. Er war ein besonderer Günstling der Königin Luise Ulrike, beim Reichstag 1755 eine bedeutende Persönlichkeit in der Mösspartei und der eigentliche Urheber des Re- volutionsversuchs 1756. Zu diesem Zwecke hat er namentlich 1756 in Christiania verschiedene Schmähschriften gegen die damals herrschende Partei herausgegeben, um derentwillen er nach Norwegen fliehen musste. Er wurde am 5. October 1756 verurtheilt, „Gut, Ehre und Leben zu verlieren, wenn er die Grenzen des Reichs wieder beträte". Im schwedischen Staats-Kalender von 1859 kommt der niederländische Kapitän „von Wrangel zu Lindeberg", jetzt niederländischer Generalmajor Wilhelm Baron von Wrangel 1 ) vor. Derselbe behauptet, nach Anzeige des Freiherrn Carl Otto von Wrangel zu Lindeberg (VI 14), von dem Lagmann Erich von Wrangel abzustammen. Dieses erscheint indessen nicht wahrscheinlich, da in Säby über diesen Erich von Wrangel ein Todesattest vorhanden ist, wonach derselbe in Hamburg unver- heirathet und ohne Erben gestorben war. Ein weiteres über den genealogischen Zusammenhang dieser Tabelle VIA mit dem niederländischen Zweige ersehe man im Anhang zu Tabelle WA Einleitung. 12. Arvid Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, Sohn von Erich (4), geboren am 13. März 1725, war Kammerherr und wohnte 1782 zu Näs, einem etwa 30 Kilometer von Stockholm entfernten Kirchspiel, mit den beiden Schwestern Friederike und Catharina zusammen. Er starb am 28. December 1794 auf der Insel Kurö. Am 16. April 1759 vermählte er sich mit der Tochter seines Vetters, Anna Sophie von Rosen, welche 1730 geboren wurde und den 25. Juni 1777 in Stockholm starb. Sie war die Töchter des Kapitäns Fredric Johann von Rosen und der Freiin Barbara Helena Meyendorf von Uexküll. Wiewohl aus dieser Ehe sieben Söhne und zwei Töchter entsprossen, so starb dieser Zweig doch mit ihnen aus. 1. Friederike Sophie (27), geboren am 4. Januar 1761, starb um 24. Januar 1814 zu Biskoppskulla. Sie vermählte sich am 15. November 1792 mit dem Pastor Pehr Westerland zu Biskoppskulla und Frögislunda; derselbe war 1761 geboren und verstarb am 28. Januar 1814 zu Biskoppskulla. 2. Anna Catharina (28), geboren am 25. Juni 1762, vermählte sich am 27. October 1793 mit dem damaligen Lieutenant im Regiment Westmanland, Ritter des Schwertordens, Emanuel Fabian von Brunck, welcher 1795 seinen Abschied nahm. 26. Erich Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Arvid Hermann (12), geboren am 12. October 1759, starb am 27. April 1760. i) Anhang zu Tabelle VIA. 39 — 306 29. Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Arvid Hermann (12), geboren am 24. Februar 1765, starb am 14. Mai 1766. 30. Wolmar von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Arvid Hermann (12), geboren am 6. Mai 1766, starb im Juni 1767. 31. Paul Adolf von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Arvid Hermann (12), geboren am 22. Juni 1767, war Lieutenant zur See, Ritter des Schwertordens und blieb unverheirathet. Er büsste am 29. Juni 1793 sein Leben ein, als das Orlogscliiff Dyggden bei Cärlscrona in die Luft flog. 32. Abraham Tiburtius von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Arvid Hermann (12), geboren am 14. April 1769, starb am 10. Mai 1771. 33. Fredric Reinhold von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Arvid Hermann (12), geboren am 21. October 1773, starb am 4. November 1774. 34. Axel Ludwig von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Arvid Hermann (12), geboren am 16. Juni 1777. Er war Matrose und starb am 14. December 1795 auf einer Reise nach Westindien. 14. Carl Otto von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Erich (4), auf dem Fideicommiss Säby und Lagnö, geboren am 28. Juli 1723 in Stockholm, war am 29. September 1742 Kadet bei der Artillerie, am 26. November 1743 Leibtrabant, 18. December 1745 Lieutenant im Regiment Westmanland, 20. Mai 1747 Kapitän ebendaselbst, am 21. August 1750 Vice - C-orporal bei dem königlichen Leibtrabanten-Corps und den 24. Mai 1753 Corporal in demselben Corps. Er erhielt den Abschied mit dem Charakter als Oberstlieutenant. Den 1. April 1760 wurde Carl Otto Ritter des Schwertordens. Er starb am 18. Juni 1775 zu Säby. Am 1. April 1760 vermählte er sich mit der Gräfin Hedwig Ulrike Posse, der Schwägerin von zweien seiner Schwestern, die 1730 geboren, am 17. April 1810 in Stockholm stirbt. Sie war die Tochter des Reichsraths und Seraphinen-Ritters Grafen Arvid Knutson Posse auf Welamsund, Svanü, Axholm, Skilberg, Gottenvik und Rafvenäs und der Gräfin Hedwig Christina Stenbock. Aus dieser Ehe stammen drei Söhne: Erich Carl Benedict (35), Arvid Ulrich (36), Otto Ludwig Benedict (37) und vier Töchter: 1. Hedwig Benedicta (38), geboren am 11. December 1765, stirbt am 11. Mai 1777 zu Säby. 2. Ulrike Charlotte Benedicta (39), geboren am 10. August 1769, stirbt am 8. November desselben Jahres. 3. Sophie Benedicta (40), geboren am 6. October 1770 auf Lästad im Kirchspiel Strengnäs in Södermanland, stirbt zu Lästad am 13. December 1800. — 307 Sie vermählte sich am 22. September 1795 auf der Insel LagnÖ mit dem •Kanzlisten Ingemund Liljesträle, der 1764 am 13. Mai geboren, 1828 am 27. Mai auf Lästad stirbt. 4. Charlotte Benedicta (41), geboren am 30. Januar 1772, stirbt schon am 2. April desselben Jahres. 35. Erich Carl Benedict von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, Sohn von Carl Otto (14), auf dem Fideicommiss Säby, geboren am 2. Februar 1763, war laut Vollmacht 1778 Stabs-Fähnrich beim Regiment Jemtland und 1783 Lieutenant in demselben Regiment. Er nahm 1788 seinen Abschied und starb am 17. September 1798 auf dem Fideicommiss Säby. Er war zweimal verheiratliet und zwar a) am 30. September 1787 mit Sophie Christine af Stjemeroos, geboren am 19. Mai 1762, gestorben am 15. März 1795 auf der Insel Säby; sie war die Tochter des Rittmeisters Axel Magnus af Stjemeroos und der Wendela Regina af Fahenhjelm in dessen erster Ehe; b) am 21. Januar 1797 zu Svedäng mit Johanna Fredrica af Bergenstjerna, geboren am 18. November 1771, stirbt am 19. Juni 1854 in Stockholm; sie war die Tochter des Hof- und Jagdjunkers Adolf Fredric af Bergenstjerna und der Catliarina Freuder. Aus der zweiten Ehe stammen keine Kinder. dagegen entsprossen der ersten ein Solin Carl Gustav Erich (45) und drei Töchter: 1. Hedwig Sophie Wilhelmine (46), geboren am 15. September 1789 auf Säby, stirbt daselbst am 27. August 1791. 2. Gustava Eleonore Christine (47), geboren am 30. Januar 1791 auf Säby, stirbt daselbst am 1. Mai 1794. 3. Albertine Luise Regina (48), geboren am 14. August 1793 auf Säby, stirbt am 19. November 1797. 45. Carl Gustav Erich von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, Sohn von Erich Carl Benedict (35), geboren am 15. Juli 1788 auf Säby, starb schon am 0. November desselben Jahres. 30. Arvid Ulrich von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, Sohn von Carl Otto (14), auf Fideicommiss Säby, geboren am 26. August 1764, war Fähnrich beim Regiment Stakelberg, 1787 Kammerjunker und am 14. Januar 1789 Major bei Sandels Bataillon und im Heere am 5. Mai 1791, dann Major beim Regiment Uplands und schliesslich Major bei der Adelsfahne, Kammerjunker und am 4. Mai 1805 Oberstlieutenant in der Armee. Er war unverheirathet und verunglückte tödtlich am 24. Februar 1809 auf einer Reise. 37. Otto Ludwig Benedict von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, Sohn von Carl Otto (14), geboren am 2. April 1768, besass das Fideicommiss Säby. Am 29. Mai 1781 wurde er Kadet in der Fortiflkation, am 2. April Cönducteur, am 21. Februar 1788 Lieutenant, am 18. September 1793 Lieutenant im Regiment Jemt- 39' — 308 — land, versetzt zum Regiment Södermanland am 23. Juni 1794. am 7. März 1796 Kapitän, am 18. September 1798 Stabs-Kapitän. 16. December 1802 Compagnie-Chef, 7. April 1808 Major und wurde am 26. Februar 1811 in Anbetracht seiner Verdienste als Oberstlieutenant verabschiedet. Am 3. Juli 1809 wurde er Ritter des Schwertordens. Er nahm in den Jahren 1780 bis 1790 und 180S bis 1809 an den Feldzügen in Finnland, sowie 1806 bis 1807 an dem Feldzug in Pommern theil und starb am 4. December 1825 in Upsala. Von ihm und seiner Gattin befinden sich zwei Portraits in Säby. Am 15. März 1808 vermählte er sich mit Brita Charlotte von Wattrang, die, am 3. Juli 1775 geboren, am 26. September 1850 auf Tibble im Kirchspiel Björnlunda in Södermanland verstirbt. Sie war die Tochter des Majors Carl Adolf von Wattrang und der Johanna Christina von Forselles. Sie hatten zwei Söhne: Carl Otto (50) und Erich Ludwig (52), sowie zwei Töchter: 1. Ulrike Charlotte (49), geboren am 24. Januar 1810; am 3. Juli 1834 vermählt zu Tibble mit dem Kapitän bei dem Södermanland-Regiment Axel Wilhelm af Svinhufvnd aus Westergöthland, der am 27. Juli 1S00 geboren wurde und am 27. Januar 1870 starb. Sie folgte ihm im Tode am 10. Februar 1871 zu Stockholm. 2. Johanna Luise (51), geboren im Juni 1813, vermählt am 18. Juli 1843 zu Tibble mit dem Lieutenant im königlichen Vermland-Jäger-Regiment Fredric Wilhelm Skjöldebrand in dessen zweiter Ehe. Derselbe wurde am 4. Februar 1803 geboren und starb am 26. October 1860. Sie verschied am 11. März 1874 zu Tynelsö. 52. Erich Ludwig von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Otto Ludwig Benedict (37), wurde am 9. Mai 1815 geboren und starb am 22. Juni 1821 zu Tibble in Södermanland. 50. Carl Otto von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Otto Ludwig Benedict (37), auf Säby (Aspön) in Södermanland, geboren am 10. November 1811. Er gehörte 1824 als Student dem Gottlandverband an; am 27. Februar 1830 stand er als Dornet beim Leib-Regiment (Husarencorps); am 21. Mai 1837 ist er Lieutenant in demselben Regiment, am 3. Juli 1849 Rittmeister und Regiments-Quartier- meister, am 18. December 1854 Ritter des Schwertordens, am 8. Mai 1855 Escadron-Chef und nimmt am 12. Mai 1857 seinen Abschied als Rittmeister aus dem genannten Corps, bei welcher Gelegenheit er zum Major in der Armee ernannt wurde. Er wohnte zu Säby (Strengnäs). Am 6. September 1856 vermählte er sich zu Hagbyberge in Södermanland mit der Freiin Sophie Charlotte (Lotten) Leyonhufvnd, die am 28. December 1828 geboren wurde und die Tochter des Oberstlientenants Freiherrn Knut Axel Leyonhufvnd in dessen zweiter Ehe mit Freiin Johanna Gustafva Ribbiug aus Koberg ist. Beide leben 1886. Sie haben sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter: 1. Johanna Mechtild Charlotte (53), geboren zu Säby am 27. August 1857, Stiftsjungfrau. Sie starb am 19. August 1866. — 309 — 2. Hedwig- Maria Catharina (56), geboren zu Säby am 12. Juli 1861, Stiftsjungfrau. Sie starb am 15. October 1S76 zu Säby. 3. Luise Margarethe (58), geboren am 9. Mai 1S63 zu Säby, Stiftsjungfrau. Vermählt am 8. August 1883 zu Säby in Södermanland mit dem Kapitän zur See Otto Fredric af Skjöldebrand in dessen zweiter Ehe. Er ist am 18. Januar 1849 geboren. Sie leben 1886. 54. Carl Hermann Knut von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Carl Otto (50), geboren am 4. Februar 1860 zu Säby. Lebt 1886. 55. Sperling Otto Wolmar yon Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Solm von Carl Otto (50), geboren am 3. December 1864 zu Säby. Lebt 1886. 57. Gustav Moritz von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Carl Otto (50), geboren am 17. August 1866 zu Aspö-förs. Lebt 1886. 7. Axel Peter von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, 1 ) Sohn von Carl Adolf (2) auf Springstad, Gransbo, Ahnby und Knutstorp, geboren am 21. Mai 1690 in Stockholm, Rittmeister beim Leib-Regiment. Er starb 1752 im December und ward in der von Wrangeischen Grabkapelle zu Aspü-Kyrka beigesetzt. Er war zweimal verheirathet und zwar: a) 1719 mit seiner Cousine Julianne von Rosen, die am 19. Mai 1691 geboren wurde und am 9. März 1731 starb; sie war die Tochter des Generalmajors Otto von Rosen auf Schönangern, Hüddingen und Berga und dessen erster Frau Anna Maria Svinhufvnd aus Qvalstad; b) 1733 mit der Freiin Charlotte Beate von Sparre, welche, am 11. September 1693 geboren, am 30. September 1763 starb. Sie war die Tochter des königlichen Kammerherrn Freiherrn Carl Axelsou ° Sparre auf Moholm, Malma, Flistad und Arnäs und dessen zweiter Frau, der Freiin Anna Ebba Horn auf Marienburg. Axel Peter hatte in erster Ehe vier Söhne: Carl Hermann (16), Fredric Otto (17), Axel Hermann (19), Erich Fabian (20) und vier Töchter: Julianne Sophie (15), Ingeborg Catharina (18), Anna Julianne (21), Elisabeth (22), in zweiter Ehe zwei Töchter: Anna Ebba (23) und Charlotte Beate (24). 1. Julianne Sophie (15), geboren am 19. October 1723, gestorben am 22. December desselben Jahres. 2. Ingeborg Catharina (18), geboren am 28. Juli 1721, starb am 20. November 1808 in Stockholm. Sie vermählte sich im December 1753 mit dem Lagmann und Ritter des Schwertordens Johann Christoffer Hasenkampff, geboren am 26. November 1724, gestorben am 2. Juni 1796. 3. Anna Julianne (21), geboren am 21. Mai 1727, starb am 14. Juli 1801 auf Angelskog in Bleckinge und liegt mit ihrem Manne in dem sogenannten o „Björnögrafven" (Bärengrab) bei Aby-Kirche im Kreise Calmare begraben. Sie !) Hnpel, Tabelle X. — 310 — verheirathete sicli am 24. März 1754 mit dem Kapitän Johann Gustav af Ulfverclou, der 1722 geboren war und 1762 starb. 4. Elisabeth (22), geboren am 6. Februar 1730, starb 1768 in Aby. Am o 22. Januar 1754 vermählte sie sich in Aneby mit dem Contracts - Probst von o Aby 1 ) und Oederliüg, dem Pastor Jons Meurling in Mörby in dessen zweiter Ehe. Er war geboren am 6. Januar 1703 und starb am 16. December 1778. 5. Anna Ebba (23), geboren am 1. Februar 1734, starb am 7. October 1794 in Stockholm. Sie vermählte sich am 11. October 1753 mit dem Generallieutenant und Commandern' des Schwertordens mit dem Sternkreuz Carl Moritz von Aminoff, geboren am 19. Juni 1728, gestorben am 27. December 1798. o 6. Charlotte Beate (24), geboren am 25. Februar 1731 zu Aneby-Gut Breden- stads Gemeinde, starb am 4. April 1813 zu Klosteräs im Kreise Jönköping und ward in der von Wrangeischen Grabkapelle zu Aspö-Kyrka beigesetzt. Sie vermählte sich am 17. Februar 1753 mit dem Oberstlieutenant und Ritter des Scliwertordens Carl Fredric af Gyllenhammar auf Gransbo und Ringstad in dessen erster Ehe; er wurde am 9. Januar 1725 geboren und starb am 15. Januar 17S8. l (i. Carl Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Axel Peter (7), geboren am 4. Januar 1719, gestorben am 10. Januar desselben Jahres. 19. Axel Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Axel Peter (7), geboren am 9. October 1722, starb 1753 unverheiratliet auf einer Reise in Italien. 20. Erich Fabian von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Solin von Axel Peter (47), geboren am 26. Mai 1725, starb im folgenden Jahre. 17. Fredric Otto von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Axel Peter (7), geboren am 31. Juli 1720. Am 9. October 1741 Auscultator beim Hofgericht in Gotha, am 17. December 1747 Bezirksrichter über Kind- und Ydre- kreis und Hofrath in Oestergöthland, am 17. April 1752 beisitzendes Mitglied im vorgenannten Hofgericht, erhielt am 29. Juni 1762 seine Vollmacht zum Lagman und starb o am 12. December 1762 durch einen Unglücksfall bei Aneby. Am 4. September 1748 vermählte er sich mit Ingeborg Carina af Lilljehook aus Färdala, die, am 4. Februar 1726 geboren, am 20. Mai 1760 starb. Sie war die Tochter des Oberstlieutenant Fils af Lilljehook von Färdala auf Wi und der Freiin Barbara Hedwig Wachtmeister aus Björkö. Fredric Otto hatte drei Kinder; einen Sohn: Hermann (43) und zwei Töchter: Eleonore (42), Ulrike (44). Demungeaclitet starb auch dieser Zweig der Freiherren zu Lindeberg mit ihnen aus. 3 ) Aby ist das Pfarrhaus in Lanköping. — 311 — o 1. Eleonore (42), geboren im Januar 1751 zu Aneby, starb den 24. April 1793 zu Hammarsberg und wurde in Nidestad-Kirchengut begraben. Sie war zweimal verlieirathet: a) am 10. November 1772 zu Stockholm mit dem dornet, bei der Adelsfahne Lars Fredric af Gyllenram zu Johannisberg in dessen erster Ehe, wurde aber geschieden; er war geboren 1745 und starb 1819; b) am 4. April 1783 mit ihrem Vetter, dem königlichen Protocoll-Secretär Adolf Meurling, geboren am 14. September 1759, starb am 19. December 1838. 2. Ulrike (44), geboren 1756, Stiftsdame; starb unverheiratliet am 27. Juni 1778 in Stockholm und ward in dem Flemingschen Grabgewölbe in der Sorunda- Kirche in Södermanland beigesetzt. 43. Hermann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Fredric Otto (17), geboren 1752, starb 1763 im Juli. Scliluss-Bemerkung zu Tabelle VI. Aus vorstehendem ist ersichtlich, dass der Zweig von Wrangel, Grafen zu Salmis, im Jahre 1676 mit seinem Stifter, dem königlich schwedischen Reichsfeldherrn Carl Gustav von Wrangel (6), bereits wieder im männlichen Stamme erloschen ist, während der Zweig von Wrangel, Freiherren zu Lindeberg, noch gegenwärtig in mehreren männlichen Mitgliedern, welche von Adolf Hermann von Wrangel (8), dem zweiten Stiefbruder des obengenannten Carl Gustav von Wrangel abstammen, blüht. Auch verweisen wir auf den in Anhang zu Tabelle VIA aufgeführten königlich niederländischen General Baron Wilhelm von Wrangel-Lindeberg und auf die in Tabelle XX genannten, im Königreiche Preussen wohnenden Freiherren von Wrangel, welche mit den Mitgliedern aus dem Hause Lindeberg dasselbe Wappen führen, wiewohl letztere Linie, in gar keinem directen Zusammenhange mit Tabelle VI stehend, aus Curland stammt und sich schon um 1470 von dem ältesten Hauptstamme (Tab. II) mit Heinrich von Wrangel (IIA 5) abgezweigt hat. Anhang znr Tabelle VIA. Zweig in Niedersachsen und in Holland. (Als niederländischer Adel von der Adelskammer im Frühjahr 1885 anerkannt.) In welchem Zusammenhange dieser Nebenzweig der Freiherren zu Lindeberg zu dem Stammhause steht, hat trotz der gründlichsten Nachforschungen leider bis jetzt noch nicht mit Bestimmtheit aufgeklärt werden können; doch darf man die Hoffnung darauf nicht aufgeben, so lange noch gewisse Anhaltspunkte vorhanden sind, die zum Ziele führen können. Wir werden in den nachfolgenden Blättern alle geschehenen Forschungen erschöpfen und dadurch den Beweis liefern, dass dieser Nebenzweig mehr wie wahrscheinlich zu dem Stammhause der Freiherren zu Lindeberg gehört und demnach hier an richtiger Stelle eingefügt worden ist. Im Jahre 1853 wandte sich der damalige königlich niederländische Lieutenant erster Klasse Wilhelm Freiherr von Wrangel zur Ermittelung seiner Vorfahren, „da er fast gar keinen Anhalt für seine Abstammung besitze", an den in Berlin wohnenden General der Cavallerie Friedrich Freiherr von Wrangel (XX 58). Der Bittsteller konnte hierbei nur die Notizen geben, dass sein A^ater, mit Namen Carl, sich Baron von AA T rangel auf Lindeberg genannt habe, in Stockholm am 10. September 17Gl geboren, und von seinem — Wilhelms — Grossvater, welcher schwedischer Oberst gewesen, um das Jahr 1770 nach Berlin in das Kadettencorps gebracht worden sei. Auch machte er einige Mittheüungen bezüglich der militärischen Laufbahn seines A r aters, welcher später noch gedacht werden wird. Ferner brachte Wilhelm Freiherr von Wrangel vor, dass sein Vater das freiherrlich AVrangel-Lindebergsche Wappen geführt habe und er im Besitz seines Petschafts sowie eines von ihm hinterlassenen Stammbuches sei. Was dieses Stammbuch anbetrifft, so ist es in Schweinsleder eingebunden und mehr als ein Briefjournal anzusehen, in welchem in der Zeit vom 23. Januar 1794 bis 27. April 1796 während des Aufenthaltes Carls in Gent, Venlo, Duisburg, AVesel alle eingegangenen und abgefertigten Briefe täglich notirt worden sind. Unter den Persönlichkeiten, welche genannt werden, kommen darin meist nur französische und holländische, aber wenig deutsche, — 313 — Namen von Lieferanten, Kadetten, Offizieren und Beamten vor. Nur einige Persönlichkeiten sind darin genannt, die für unsere Forschungen von Wichtigkeit sind und im engsten Zusammenhange mit dem später genannten Peter (Andersson) von Wrangel, Freiherrn von Holm (Hälil) und Näs zu stehen scheinen; nämlich Carls ungenannte Schwester in Verbindung mit einem Herrn Rumhild in Schweden, sowie der Magister Svantejon Björklund, Comminister in Nees (Näs) by Stockholm. Auffallend ist es besonders, dass eine starke Correspondenz mit einem „Solliciteur" gepflogen worden ist, der als ein Rechtssucher fungirt. Bemerkenswerth ist noch, dass der Führer dieses Briefjournals alles chiffrirt geschrieben hat und die Uebersetzung erst in neuester Zeit gelungen ist. Infolge der eingangs erwähnten Bitte wurden Ermittelungen zunächst im Kadettencorps zu Berlin angestellt, deren Ergebnisse folgende waren: 1. Carl Heinrich von Wrangel, im Alter von 11 Jahren am 26. Februar 1772 in das Kadettencorps gekommen, ist aus Eutritzsch bei Leipzig in Kursachsen gebürtig, verblieb in dieser Anstalt 6 Jahre und kam am 25. Februar 1778 in das preussiscke Infanterie-Regiment von Anhalt (Nr. 43) zu Liegnitz als Fähnrich. 2. Dessen Bruder Johann August von Wrangel ist ebenfalls aus Eutritzsch gebürtig und kam im Alter von 12 Jahren am 13. Februar 1775 in das Kadettencorps, starb aber schon am 4. April 1775 an der Schwindsucht. 3. Peter Samuel von Wrangel, Sohn des Oberst in schwedischen Diensten, war im Juni 1775 9y 2 Jahr alt und Kadet im grossen Potsdam'schen Militär-Waisenhause. Er verliess demnächst aber den Soldatenstand. Weitere Forschungen in den alten Stammlisten des Regiments Graf Anhalt (Nr. 43) ergeben, dass Carl Heinrich von Wrangel aus dem Hause Lindeberg 1778 Fähnrich bei diesem Regimente war, aber in einem Alter von 32 Jahren 11 Monaten nach einer Dienstzeit von 14 Jahren 5 Monaten aus den königlich preussischen Diensten schied und sich in seinem Entlassungsrevers d. d. Berlin den 12. September 1791 „Carl Baron von Wrangel - ' unterschrieb. Nun wurden zunächst die Taufregister von Eutritzsch durchforscht. Ein Geistlicher in Eilenburg in der Provinz Sachsen sandte folgende Notiz aus dem Kirchenbuch von Torgau aus dem Jahre 1772: „Den 23. Juli ist zu Hänichen auf „Kugelberg" gestorben Herr Peter Baron von Wrangel, Freiherr zu Holm und Näs (oder Nätz, ist nicht deutlich zu lesen), in Schweden hochbestallt gewesener königlich schwedischer Oberstlieutenant, bei der Garde in Kopenhagen (?) ein Ehrenmann, so am 25. Juli in Eilenburg standesgemäss zur Erde bestattet, den 16. August aber allhier (in Torgau) von der Kanzel abgekündigt worden, weil er einige Jahre lang hier (in Torgau) gewohnt." Ein Geistlicher der sogenannten „Berg-Kirche - ' bei Eilenburg ergänzte obige Mittheilung infolge fortgesetzter Forschungen durch nachstehendes: „Der besagte Baron von Wrangel hatte bei der Cavallerie gestanden, war bei seinem Ableben 60 Jahre 2 Monate weniger 5 Tage alt und soll, abweichend vom Torgauer Kirchenbuch, in der Stille zu Hänichen oder Hainichen beigesetzt worden sein. Es soll auch ein Leichenstein vorhanden gewesen sein, der aber 1867 nicht mein - existirte." 40 314 Betrachtet man die Gegend, wo der obige Peter Baron von Wrangel gestorben und die drei Kadetten geboren, so kann man schon mit grosser Sicherheit annehmen, dass diese Personen Vater nnd Söhne gewesen. Es erschien nun nothwendig, zur weiteren Feststellung der Persönlichkeit dieses Barons Peter von "Wrangel die Collectaneen genealogica des Johanniterordens-Raths König in der königlichen Bibliothek zu Berlin durchzusehen. In Band 109 finden wir, dass der Vorname „Peter" fehlt, dass aber andere Angaben die Auslassungen der Geistlichen bestätigen. Rath König giebt nämlich an: „von Wrangel-Audersson ist königlich schwedischer Major gewesen und befand sich 1772 in Torgau, wo er daselbst in demselben Jahre verstirbt. Er hinterliess eine Wittwe Regina Dorothea Börnerin und hatte mit derselben vier Söhne, nämlich Carl Heinrich. Friedrich Adolf, Johann August, Peter Samuel; der jüngste Sohn wird 1774 im Potsdamsclien Waisenhause bei den Kadetten aufgenommen. Der zweite und dritte Sohn, Zwillinge, 9 Jahre alt, wurden 1772 in derselben Anstalt bei den Kadetten aufgenommen." Nach diesen Angaben und den schon gemachten Mittheilungen ist also Carl Heinrich im Jahre 1761, Peter Samuel 1765 und die beiden Zwillinge 1763 geboren. Aus den Akten des Kadettencorps und des Waisenhauses darf man schliessen, dass die vier genannten Persönlichkeiten Brüder gewesen sind, was auch durch das Kirchenbuch zu Eutritzsch, wie wir noch sehen werden, bestätigt wird. Dass die Angaben des Ordensrathes König richtig sind, geht auch aus einer Bittschrift vom 11. November 1772 hervor, welche die Wittwe des Barons von Wrangel an den König Friedrich IL richtet. Sie führt in derselben an, dass ihr verstorbener Ehemann Oberstlieutenant gewesen sei, und dass derselbe wegen zu grosser Zuneigung zum Hofe im Jahre 1756 sein Vaterland und seine Güter habe verlassen müssen. Nachdem sich die schwedische Regierungsform aber geändert, bittet sie den König, ihr zur Wiedererlangung der von ihrem Manne in Schweden verlassenen Güter für ihre Kinder behilflich zu sein, und motivirt dieses Immediatgesuch dadurch, dass ihre drei ältesten Söhne unter die Kadetten in Berlin und Potsdam aufgenommen worden. Obgleich hierin der Name des Ehegatten nicht genannt wird und es fast den Anschein hat, als hätte man die Nennung des Namens absichtlich vermieden, so heben die Mittheilungen aus dem Kirchenbuch zu Eutritzsch jeden Zweifel. Dieses nennt im Taufregister als die Eltern des am 19. September 1761 getauften Carl Heinrich den Kriegscommissarius Peter von Andersson und dessen Gemahlin Regina Dorothea. Noch specieller wird bei der Taufe der am 14. December geborenen und am 16. December 1762 getauften Zwillinge Friedrich Adolf und Johann August als Vater genannt: der Kriegscommissarius Peter von Andersson. Von dem Prediger wurde seiner Zeit noch ausdrücklich bemerkt, dass über diesen Namen später noch „Baron von Wrangel" und „Regina Dorothea, geborne Börnerin" geschrieben sei. Die Pathen sind durchweg Träger sächsischer Namen: „von Dieskau, von Minckwitz, Börner, von Ponickau." Am 19. Juli 1765 fand die Taufe der Tochter Eleonore Luise statt; hier ist indess nur der Vater Oberstlieutenant Peter Baron von Wrangel genannt. Schliesslich werden „der Oberstlieutenant Baron Peter von Wrangel und dessen Ehegattin Regina Dorothea bei der Taufe ihres Sohnes Peter Samuel am 17. October 315 — 1766 ' nochmals erwähnt. Im alphabetischen Namens-Register des Kirchenbuchs steht: von Andersson oder vielmehr von Wrangel. Durch alle diese Forschungen war man eigentlich dem Ziele noch nicht viel näher gerückt. Es war nun zu beweisen, dass der schon mehrfach erwähnte Carl Heinrich wirklich der richtige Vater des jetzigen niederländischen Generals Wilhelm von Wrangel gewesen ist, denn letzterer hat von Carl Baron von Wrangel, dem notorischen Vater dieses Generals, mehrere kirchliche Zeugnisse in den Händen, welche als den Geburtsort desselben „Stockholm" bezeichnen, während, wie wir nach den Kadettenlisten und dem Kirchenbuch von Eutritzsch gesehen, der Geburtsort von „Carl Heinrich" „Eutritzsch" gewesen ist. Dieses erscheint jedoch unwesentlich, da man annehmen kann, dass Carl Baron Wrangel bei seinen kirchlichen Angaben nur im allgemeinen seinen Geburtsort (Stammland) hat angeben wollen, da es hierbei nicht auf den wirklichen Geburtsort angekommen, zumal die kirchlichen Handlungen sämmtlich im Auslande, in den Niederlanden, vor sich gingen. Es kam bei den Forschungen nun hauptsächlich auf die Abkunft des Peter (Andersson) von Wrangel, Freiherrn zu Holm und Näs an. Da in Schweden die Kinder durch Anhängimg der Silben „son" oder „dotter" den Namen des Vaters ihrem Vornamen beizufügen pflegen, so musste Peters Vater Anders — „Andreas" - geheissen haben. Allein ein solcher Vorname kommt in der fraglichen Zeit in den Tabellen nur einmal als „Andreas Leonhard" (V 25) vor, dessen Alter und Zeit aber nicht für einen etwaigen Sohn „Peter" anzupassen ist, denn dieser „Andreas Leonhard" ist 1732 geboren und fällt 1758 unverheirathet. Wohl aber ist es möglich, dass Anders (Andreas) von Wrangel, welcher nach dem Schriftsteller Ennes (Th. I pag. 609) als schwedischer Kapitän beim Regiment des Generals Grafen Adam Ludwig Löwenhaupt stand, am Dnjepr bei Riisseine 1709 gefangen wurde und später in Niesna wohnte, der gesuchte Vater des Peter (Andersson) von Wrangel sei; allein uns felüen alle Angaben über die Herkunft und den Ehestand desselben. Demungeachtet haben wir ihn vorläufig als den Vater angenommen, nur des Namens und der Lebenszeit wegen, wiewohl wir uns nicht verschliessen können, den Grossvater und Vater des Generals Wilhelm von Wrangel in Tabelle VIA bestimmt anzunehmen, wie wir noch ausführen werden. Suchen wir nun ferner nach dem Namen „Peter" in den Stamm-Tabellen, so stossen wir auf zwei Freiherren von Wrangel, die den Namen „Peter" nebenbei führen; es sind dieses Axel Peter (VIA 7) und Peter Friedrich (XVII 38). Was zunächst den letzteren betrifft, so muss die Identität mit dem fraglichen Peter schon deshalb für ausgeschlossen gelten, weil derselbe, wie wir sehen werden, 1726 geboren war und als Fähnrich in französischen Diensten stand. Ueber den ersteren, „Axel Peter", werden unsere Bedenken noch dadurch verstärkt, dass derselbe nur „Rittmeister" gewesen und unter seinen Kindern, die sämmtlich bekannt sind, ein „Carl Heinrich" nicht vorkommt. Jedenfalls muss der Zusammenhang der in Sachsen aufhältlich gewesenen von Wrangeis mit den schwedischen, respective russischen Linien noch in anderer Weise zu suchen sein, deshalb wurden auch Ermittelungen in Schweden angestellt. Die 40* — 316 — Forschungen ergaben, dass ein ,,Peter von Wrangel" dort überhaupt nicht vorkommt, wohl aber ein „Näs, Näss", oder Neetz, welches Arvid Hermann Freiherr von Wrangel zu Lindeberg (VIA 12) 1790 besass, und dass mit „Holm" „Sperlings ho Im" gemeint sein könne, welches zuletzt dem schwedischen General und Domherrn zu Havelberg, Baron Georg Gustav von Wrangel (YH 30) gehörte. Nach dem vorliegenden Material hatte dieser letztere mit seiner ersten Gemahlin, Dorothea Albertine von Barnewitz, die letzte ihres Familiengeschlechts in Mecklenburg, Nachkommen, die aber nirgends genannt werden und auch in Schweden unbekannt geblieben sind, und welche nach Deutschland gegangen sein sollen. Sie starb 1761 in Stockholm, wohin ihr Ehemann nach Erledigung seines Postens in Hamburg zurückgekehrt. Es ist daher wohl möglich, dass sie bei der Geburt eines Kindes gestorben ist, 4 welches im Hinblick auf das Datum und auf die in den niederländischen Kirchenbüchern gegebenen Notizen, Carl Baron von Wrangel, der Vater des General Wilhelm von Wrangel gewesen sein könnte; allein hiergegen sprechen wieder die Umstände, dass Georg Gustav von Wrangel aus dem Hause Addinal war mid ein ganz anderes Wappen führte als Carl seinem Sohne, dem General Wilhelm, hinterlassen, und auch dass Carl sich stets Freiherr zu Lindeberg unterschrieben hat. Nachdem alle diese Forschungen fehlgeschlagen, selbst die umfassendsten Anfragen im Haupt-Staatsarchiv zu Dresden, dem geheimen Staatsarchiv zu Berlin, dem Provinzial- arcliiv zu Magdeburg, dem königlichen Kammergericht zu Berlin, dem Oberlandesgericht zu Naumburg an der Saale, dem Stadtarchiv zu Leipzig zu keinem Resultate geführt, wurden nochmals Nachforschungen in Schweden veranlasst und lief von dort die Antwort ein: „dass der niederländische Zweig ganz gewiss nicht von dem Zweige von Lindeberg abstamme; es seien alle Handlungen in Säby durchgegangen und es sei jedes Glied dieser Familie sehr gut bekannt. Die einzige Person, von dem der Vater des Generals Wilhelm, Freiherr Carl von Wrangel, abstammen könne, sei der Freiherr Erich von Wrangel (VIA 11), der in Hamburg 1760 gestorben ist. Allein nach dem zu Säby befindlichen Original-Erbdokument ist dieser ohne Leibeserben zu hinterlassen gestorben, und deswegen von seinem Bruder in Schweden beerbt worden." Nun hatten zwar die Brüder Erich und Arvid Hermann, welch letzterer Näs besass, noch einen dritten Bruder Carl Otto von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, allein bei demselben ist der Geburtsund Sterbetag ein anderer, als bei dem gewesenen Kadetten Carl Heinrich Baron von Wrangel angegeben ist. Dennoch müssen wir bei dem Hause Lindeberg stehen bleiben, weil es mehr wie wahrscheinlich ist, dass die Abkunft des Generals Wilhelm von dort abzuleiten ist. Auffallend ist, dass der Zweig Peter (Andersson) Freiherrn von Wrangel sich nach der Lausitz und Sachsen begeben hat, und liegt die Annahme nahe, dass irgend welche Familienbeziehungen zwischen diesem und Erich I. Freiherr von Wrangel (WA 4) zu Säby stattgefunden haben und Peter (Andersson), um seine Ansprüche auf die Güter nicht fallen zu lassen, die Betitelung Freiherr zu Holm (soll Hühl sein) und Näs beibehielt. Dieser Erich I. Freiherr von Wrangel zu Lindeberg, schwedischer Reichs und Kriegsrath, heirathete nämlich am 6. August 1720 Fräulein Elisabeth von Rosen zu — 317 Berga in Eoslagen, geboren am 8. November 1688, Tochter des sächsischen Ober-Com- mandanten in Wittenberg, Generalmajor Otto von Eosen und der Ann a Maria von Svin- hufvnd af Qualstad. Nach dem im Jahre 1697 erfolgten Tode der letzteren ging der General von Eosen eine zweite Ehe mit Eva Sophie von Schünberg ein, welche Wittwe des verstorbenen Georg Friedlich von Lüben war und durch letzteren mehrere Güter in der Lausitz besass. Der General Otto von Eosen hatte zuvörderst in königlich schwedischen Diensten gestanden und dann Dienste beim Kurfürsten von Sachsen genommen. Beim Ausbruch des Krieges im Jahre 1700 ward er vom Könige Carl XII. aufgefordert, nach Schweden zurückzukehren, allein er leistete nicht Folge, sondern verblieb in kursächsischen Diensten. Er starb schon 1714 zu Wittenberg und seine Ehefrau zweiter Ehe verblieb in der Lausitz auf ihren Gütern. Hier ist es, wo Peter (Andersson) Freiherr vonWrangel erscheint respective die Wittwe von Wrangel, welche drei in Eutritzsch geborene Söhne im Kadettenhause zu Berlin und Waisenhause zu Potsdam hatte. Ziehen wir schliesslich diesen Umstand in Betracht, so kommen wir zu der Ansicht, dass Peter (Andersson) vielleicht ein Sohn des genannten Erich I. ist und das Torgau er Sterberegister in betreff des Alters nicht genau geführt worden ist. Peter (Andersson) mag wie sein Bruder Erich II. (VIA 11) politischer Verhältnisse wegen 1756 Schweden verlassen und diesen Namen zur Verdeckung seines Aufenthaltes angenommen haben. Dies mag auch der Grund sein, dass er nicht in den Stammtabellen eingetragen ist. Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände halten wir uns zu der Annahme berechtigt, dass der niederländische Zweig von der Lindebergschen Linie (Tab. VI A) abstammt und haben wir ihn daher dieser Tabelle als Anhang zugetheilt. Wir beginnen mit: 1. Anders (Andreas) von Wrangel, 1 ) welcher als schwedischer Kapitän beim Eegiment des Generals Grafen Adam Ludwig Löwenhaupt stand, am Dnjepr bei Eüsseine 1709 gefangen wurde und später in Niesna wohnte. Vermuthlich war derselbe der Vater des 2. Peter Andersson von Wrangel, Freiherr zu Holm (Hälil) und Näs (bei Stockholm) und zu Lindeberg, welcher am 18. Mai 1712 geboren wurde. Näs (Nees), nach welchem ein Kirchspiel benannt, liegt etwa 30 Kilometer von Stockholm entfernt und finden wir es später im Besitz des Freiherrn Arvid Hermann von Wrangel-Lindeberg (VIA 12). Peter Andersson war schwedischer Oberstlieutenant in der Garde bei der Cavallerie, verliess wegen zu grosser Zuneigung zum Hofe 1756 Schweden und seine Güter und begab sich nach Preussen. Hier finden wir ihn 1761 bis December 1762 als Kriegs-Conunissar in Sachsen in der Gegend von Leipzig. Er stai'b am 23. Juli 1772 auf „Kugelberg" bei Hänichen (Hainichen) bei Eilenburg und wurde an letzterem Orte am 25. Juli standesge- 1) Eimes, Th. I, 609. — 318 — mäss bestattet. Am 16. August wurde sein Tod von der Kanzel zu Torgau, wo er einige .Jahre gewohnt, abgekündigt. In Hänichen soll ihm ein Leichenstein gesetzt worden sein, der 1867 aber nicht mehr vorhanden war. Er liinterliess eine Wittwe Kegina Dorothea Börnerin, mit welcher er vier Söhne: Carl Heinrich (3), Friedrich Adolf (4), Johann (August (5), Peter Samuel (7) und zwei Töchter hatte: 1. Eleonore Luise (6) 1 ) wurde zu Eutritzsch bei Leipzig am 19. Juli 1765 getauft, starb aber kurz danach, denn sie wurde schon am 25. Juli desselben Jahres zu Eutritzsch begraben. 2. Tochter (8), lebte um 1794 in Stockholm. 2 ) 4.. 5. Friedrich Adolf und Johann August von Wrangel, Freiherren zu Lindeherg, Zwillinge, geboren 1763, traten 1775 im Potsdamer Waisenhause bei den Kadetten ein. Nach den Akten des Kadettencorps ist Johann August, Freiherr, in Eutritzsch bei Leipzig geboren, am 13. Februar 1775 in das Kadettencorps aufgenommen worden, verstarb aber hier schon am 4. April 1775 an der Schwindsucht. 6. Peter Samuel von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, wurde 1765 geboren und 1774 im grossen Potsdamer Waisenhause bei den Kadetten aufgenommen, lebte noch im Juni 1775 daselbst, ist aber nicht Offizier geworden. 3. Carl Heinrieh von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, Sohn des Peter Andersson (2), wurde am 19. September 1761 zu Eutritzsch bei Leipzig getauft und am 26. Februar- 1772 dem königlichen Kadettencorps in Berlin zugetheilt. Wenn daher der niederländische General Wilhelm Freiherr von Wrangel seinen Vater Carl, wie es auch in den Kirchenzeugnissen vonWychen angegeben, als am 16. August 1761 in „Stockholm" geboren anführt, so könnte der letztere „Carl" nicht identisch sein mit dem unter 3 genannten Carl Heinrich. Es wäre daher möglich, dass Carl bei seiner Trauaufnahme im allgemeinen nur den Geburtsort „Stockholm" angegeben, wo seine Vorfahren herstammen, und dass solches auch in seinem Todesattest beibehalten worden ist. Die Geburt des Carl in „Stockholm" hat durch die genaueste Recherche in den dortigen Kirchenlisten und bei dem Ritterhause nicht festgestellt werden können. Wäre er in Stockholm geboren, so hätten sich dort jedenfalls die bezüglichen Notizen finden müssen. Es wird daher die vorhin angedeutete Vermuthung nur bestärkt. Carl Heinrich von Wrangel wurde am 3. März 1778 dem preussischen Infanterie- Regiment Graf Anhalt (Nr. 43) in Liegnitz zugetheilt; am 10. September 1781 wurde er Fähnrich und am 30. April 1786 Secondelieutenant. 1789 zum Infanterie-Bataillon von Troschke (Nr. 50) versetzt, nahm er nach einer Dienstzeit von 14 Jahren 5 Monaten am 20. August 1791 seinen Abschied aus der königlich preussischen Armee, gegen einen Revers, den er am 12. September 1791 zu Berlin ausstellte. 1) K.-B. Eutritzsch. 2 ) Stammbuch des Bruders Carl Freiherr von Wrangel. — 319 Mit dem Regiment Graf Anhalt machte Carl von W ran gel zwei Feldzüge während des bayrischen Erbfolgekrieges 1778 und 1779 mit und wurde in einem Treffen bei Zuckmantel in Mähren am 15. Januar 1779 von einer Kartätsche am rechten Arm verwundet. Im Jahre 1792 focht er im Gefolge des Herzogs von Braunschweig während des Feldzuges gegen Frankreich und trat sodann als Hauptmann in niederländische Dienste über. 1793 wurde er unter den Augen des Prinzen von Oranien im Gefechte zu Werwick in Belgien schwer verwundet und blieb, nachdem er 22 Stiche erhalten, auf dem Schlacht- felde liegen. Nach erfolgter Genesung nahm er seinen Abschied und zog nach Wychen in der Provinz Geldern, Arrondissement Nymwegen. Hier verstarb er am 28. Mai 1821. Am 15. November 1808 vermählte er sich mit Angenitta Koentz in Wychen und hatte mit derselben einen Sohn 9. Willem (Wilhelm, Giiillaume) von Wrangel, Freiherr zu Lindeherg, geboren zu Wychen am 22. April und getauft am 30. April 1815. Er trat am 2. März 1831 bei der niederländischen Infanterie ein, wurde am 10. September 1836 bei derselben Lieutenant II. Klasse, am 4. April 1850 Lieutenant I. Klasse und als solcher am 10. April 1S54 zum Garde-Corps versetzt. Nachdem er am 25. Juli 1856 zum Hauptmann bei der Infanterie avancirt war, erfolgte in gleicher Eigenschaft am 11. December 1858 seine Versetzung zu den Garde- • Jägern im Garde-Corps. 1859 ward Wilhelm von Wrangel vom Könige nach Schweden zum Beiwohnen der grossen Manöver gesandt. Am 5. April ,1864 avancirte er zum Major in der Infanterie, am 24. December 1867 zum Oberstlieutenant, am 4. April 1870 zum Oberst, wurde am 17. Juli 1870 Commandant einer Brigade und am 14. Juni 1873 zum Generalmajor befördert. Er ist Mitglied des höchsten militärischen Appellationsgerichts in Utrecht und feierte am 2. März 1881 sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Am 24. December 1849 wurde er Kitter des Ordens der holländischen „Eisernen Krone", am 7. Juli 1859 Ritter des St. Olaf-Ordens von Norwegen und Schweden. Auf seinen Vortrag hin wurde 1874 eine „militärische Union" gegründet, deren Zweck ist, soviel wie möglich in jeder Stadt, wo hinlängliche Garnison steht, ein „Daheimfür Soldaten zu gründen. Seit 1S74 ist der General Wilhelm von Wrangel Präsident dieser „Union". Während des belgischen Aufstandes kam er 1831 in die Festimg Nymwegen, 1832 und 1833, als das niederländische Heer mobil erklärt wurde, in die Cantonnements, sodann 1834 in die Festung Mastricht in Garnison. Ein Jahr nach dem Tode seines Vaters wurde ein Einbruch in das elterliche Haus auf dem Lande verübt, wobei alle Familien- und Werthpapiere verloren gingen. Infolge eines Immediatgesuches an den König von Preussen im Jahre 1865 um Anerkennung seines „freiherrlichen" Prädikats wurde auch bei der prüfenden Behörde die Vermuthung erweckt, dass der ebenfalls in diesem Gesuch erwähnte Grossvater Peter Andersson Baron von Wrangel eines „Andreas Sohn" gewesen; im übrigen wurde dem Freiherrn Wilhelm von W ran gel anheimgegeben, sein Adelsprädikat fortzuführen. 1 ) Im Frühjahr 1885 wurde sein Adel von der Adelskammer anerkannt und in den niederländischen Adel eingetragen. Er vermählte sich 1860 mit Frederica Suzanne Luise Henriette Nedermeyer von Rosenthal und hat mit derselben zwei Söhne: Carl Johann (10), Erich Willem (11) und eine Tochter: Wilhelmine Luise Julie Anna (12), geboren am 15. Juni 1866. 10. Carl Johann von Wrangel, Freiherr zu Lindeberg, Sohn von Wilhelm (9), geboren am 27. October 1861, starb am 24. Januar 1875. 11. Erich Willem von Wrangel. Freiherr zu Liudeberg, Sohn von Wilhelm (9), geboren am 8. Januar 1864, ist seit 1880 holländischer Kadet, 1886 Lieutenant in der niederländischen Cavallerie. i) Königlich preussisches Heroldsamt in Berlin. Tabelle VII. (Bei von Toll Tabelle B.) Die Herren, Freiherren und Grafen von Wrangel von Addinal. Naturalisirt und introdncirt als Freiherren unter Nr. 199, als Grafen unter Nr 37 (f aus), gegenwärtig in Neu-Sommerhusen, Sompä, Uhhe, Terrafer und in Russland. Der Stammvater dieses Zweiges ist 1. Hermann von Wrangel (IIA 66), Sohn von Hans (IIA 60), Erblierr auf Addinal und Kattel, war 1642 Landrath, 1647 schwedischer Kapitän. Aus seinem Leben ist uns nur bekannt, dass er oftmals in Grenzstreitigkeiten als Connnissar hat fungiren müssen, aber auch selbst in Grenzstreitigkeiten gerieth. So befand er sich am 19. Juli 1636 unter den Commissarien, welche bei der Grenzbestimmung zwischen Wannamois und Arisal zu Tois thätig waren. Hierbei musste sein Vater, der „alte" Hans von Wrangel, über frühere Grenzen einen Eid ablegen. Aehnliche Grenzregulirungen fanden 1642 und später am 18. Mai 1647 statt; das letztere Mal wegen der Grenze zwischen den Dörfern Peschküll, den Brederoden Erben gehörig, und Kattel, dem Hermann von Wrangel gehörig. 1 ) Am 12. Juli 1647 donirte die Königin Christine von Schweden den schwedischen Kapitän Hermann von Wrangel auf Addinal einen der Krone zustehenden und auf dem Dom zu ßeval zwischen des verstorbenen Friedrich Valesten und Thomas Wichmann Wohnhäusern belegenen Platz, auf welchem ein Goldschmied, Kam ens Ludwig Wachmann, bisher seine Wohnung gehabt; Hermann erhält den Platz, der 12 Faden in der Länge und 7V 2 Faden in der Breite xunfasst, für sich und seine Erben angewiesen. 2 ) Im Jahre 1653 betheiligte er sich bei der Klage der Gebrüder Fabian und Hans von Wrangel auf Jesse gegen Rötger von Piesenhausen auf Karoll wegen Verweigerung 1) von Toll, Brief!. II. 1, p. 580, Hr. 601. -) von Toll, Urk. zu Familien-Nachrichten. 41 322 der freien Holzung unter den Dörfern Wrang el, Kandel, Kar oll etc. Nachdem alle beigebrachten Acten und Documente im Landgericht durchgesehen waren, erkannte dasselbe am 15. Juni, dass die Kläger bei ihrer uralten Freiheit zu erhalten seien. Hermann von Wrangel starb 1666 und wurde am 14. Februar in der Nicolai- kirclie zu Reval begraben. 1 ) Hermann von Wrangel war mit seiner Verwandten Beate von Wachtmeister, der fochter des Oberst und Landraths Claes von Wachtmeister auf Pall, Bjäkö, Lechett und Neumühlen, und der Elisabeth Tönnisdotter von Wrangel (XI 13) aus dem Hause Sausis verheirathet. Sie starb 1685 und wurde am 26. Januar begraben. 2 ) Hermann hatte drei Söhne: Gustav (2), Dietrich (4), Reinliold (5) und eine Tochter: Beate Elisabeth (3), welche 1730 lebte und mit dem Rittmeister Johann Henning von Bock vermählt war. 3 ) Sie erbt von ihrem Manne Wennefer im Kirchspiel Simonis und liess 1703 zu Narwa das ,.Knipersche Haus" durch den Bürgermeister zu Reval in Auktion verkaufen. Nach dem Tode Hermann von Wrangeis einigten und verglichen sich unter Beistand des Generalmajors und Landraths Hans von Fersen und des Landraths Baron Heinrich von Tiesenhausen am 3. September 1670 zu Reval seine Erben auf Grund seines Testaments in „Einmiithigkeit und Freundlichkeit". Es erhielt der älteste Sohn, der Feldmarschall-Lieutenant Gustav von Wrangel das Gut Addinal und gab der Wittwe, seiner Mutter, geborene Beate von Wachtmeister, 2000 Reichsthaler species heraus. Sie blieb so lange auf dem Gute, bis sie diese Summe erhalten hatte, was kurz danach geschehen zu sein scheint, da, wie wir sehen werden, Gustav von Wrangel schon sehr bald das Gut Addinal an Bernd Johann von Wrangeil (IX 5) auf Lagena, Kapitän der Artillerie, verkaufte. Die Tochter Beate Elisabeth von Wrangel bekam 1500 Reichsthaler und behielt die von ihrem Vater geschenkt erhaltene Summe Geldes. Wegen des Hauses auf dem Dom verblieb es bei dem getroffenen Vergleich. Der jüngste Sohn, der Kapitän Reinhold von Wrangel, erhielt 2000 Reichsthaler, und der andere Sohn, der Major Dietrich von Wrangel, zu seinem Autheil 1500 Reichsthaler species, beide in zwei Raten bis 1675 vom ältesten Bruder Gustav zu zahlen. Die Mutter versprach dem jüngsten Sohn Reinhold ausserdem nach ihrem Tode noch 500 Reichsthaler species. Inzwischen hatte Gustav von Wrangel das Gut Addinal an Bernd Johann von Wrangeil (IX 5) verkauft, und es verlangte die Beate Elisabeth von Wrangel ihre 1500 Reichsthaler heraus, welche ihr von ihrem Bruder versichert waren. Bernd Johann von Wrangeil verweigerte indess die Herausgabe dieser Gelder und so stand am 11. April 1671 beim Justizcollegium der Provinz Esthland ein Termin an, bei welchem der Beklagte, ferner Gustav von Wrangel und die Vormünder der Beate Elisabeth von Wrangel, Landrath Hans von Fersen, Hans *) K.-B. St. Nicolai-Reval. 2 ) K.-B. St. Nicolai-Reval. 8 ) Moritz Wrangeil, Sarami. VI, 10. — 323 — Henrich und Fromhold von Tiesenhausen, erschienen. Die letzteren erklärten zunächst, dass sie nicht von der Forderung aus dem Gute abstehen könnten, da es bekannt sei, dass Beate Elisabeth Hochzeit machen wolle und hierzu die 1500 Thaler verwendet werden sollten. Bernd Johann wandte dagegen ein, dass die Klägerin nicht in seinem Gutskauf angeführt sei. Die Vormünder erboten sich daher, sobald Bernd Johann nur geneigt wäre, 500 Thaler zu geben, die restirenden 1000 Thaler gegen Verschreibung eines Pfandes aus seinem Gute Lagena auf einige Zeit lassen zu wollen. Ausserdem trat aber noch der Umstand hinzu, dass Bernd Johann eigentlich noch verpflichtet war, der Beate Elisabeth bei ihrer Verheirathung aus dem Gute 8000 Tlialer zu zahlen, allein auch diese Summe weigerte er sich zu geben, und es konnte selbst das Oberlandgericht keinen Einwand dagegen erheben. 2. Gustav von Wrangel, Sohn von Hermann (1), wurde 1630 geboren und war Erbherr auf Sundbyholm und Addinal. Das letztere Gut nebst Dörfern und Zubehör verkaufte er jedoch am 28. März 1670 au den Rittmeister Bernd Johann von Wrangeil (TX 5) für 13 000 Reichsthaler. In seiner Jugend stand er in polnischen, sodann in schwedischen Kriegsdiensten und hatte das Missgeschick, 1647 als Lieutenant bei Priick in Gefangenschaft zu gerathen. Im Jahre 1650 verdächtigte man ihn, einen Herrn von Tiesenhausen erschossen zu haben; er wurde dieserhalb zur Verantwortung gezogen, bewies aber, dass sein Schuss nicht tödtlich gewesen, sondern der Tod durch die ungeschickte Behandlung eines Barbiers herbeigeführt worden sei. Wir haben ihn schon beim Feldmarschall Carl Gustav Graf Wrangel- Salmis (VI 6) keimen gelernt, wo unser Gustav von Wrangel bereits als Vice-Admiral 1653 die Seeschlacht bei Kronenburg mitmachte und 1675 als Feldmarschall-Lieutenant die Stadt Wismar besetzt hatte. Nach dem Fall dieser Stadt wurde er zur Verantwortung gezogen. Auch befand er sich unter den Persönlichkeiten, welche in der sogenannten „Hirschjagd bei Dachau" 1648 gefangen genommen wurden. Damals war von Wrangel Oberstlieutenant bei den Dragonern. Ueber Gustavs Verhalten bei der Belagerung der Stadt Wismar wird uns folgendes berichtet: „Nach der für die Schweden so unglücklichen Schlacht bei Fehrbellin mussten dieselben ihren Rückzug nach Pommern nehmen, und es hatten alle diese Provinzen viel zu leiden, besonders die königliche Stadt Wismar, welche nicht gerüstet und gesichert war. Es vereinigten sich daher die Militär- und Civilpersonen, um mit der grössten Sorgfalt diese Stadt in guten Verteidigungszustand zu setzen." „Am 24. Juni 1675 traf der Gouverneur und Feldmarschall-Lieutenant Gustav von Wrangel in Wismar ein und trat seine Funktion als Gouverneur an. Sein erstes Bestreben war, die schadhaften Wälle und Vertlieidigungsmittel in besseren Stand zu setzen, was um so mehr Umsicht erforderte, als die Krone Schweden hier sehr wenig Vorräte hatte. Die Stadt musste daher vieles liefern und aller Art Handwerker stellen." „Die erste Verstärkung brachte ein schwedischer Oberst mit 230 Commandirten; eine andere Verstärkung kam durch die schwedische Besatzung aus der Warnemünder 41* 324 Schanze auf Böten nach Wismar. Ungeachtet die Brandenburger den Pass Schwan besetzt hielten, wurden dennoch die Arbeiten durch Soldaten fortgesetzt, kleine Ausfälle gemacht und nicht selten brandenburgische Gefangene eingebracht. Am 28. Juli verbot von Wrangel die Ausfuhr von Getreide aus der Stadt, und am 8. September mussten die Müller vor den Thoren ilire Mühlen unbrauchbar machen und die Mühlsteine in die Stadt bringen, sowie sämmtliche wismarsche Dorfschaften ihr Vieh und Habe in die Stadt schaffen, damit es nicht von den Dänen genommen werden könne." „ Am 10. September liess von Wrangel die dänischen Truppen am Galgenberge vor dem Mecklenburger Thor mit Geschütz beschiessen. Fortgesetzte Scharmützel und Kämpfe mit den Dänen reizten doch endlich dieselben so, dass sie glühende Kugeln in die Stadt warfen, die auch verschiedentliche Male zündeten, so dass von Wrangel von den Kanzeln eine Instruction verkünden liess, wie man diesen Feuern zu entgehen habe, auch ordnete er die Entfernung von Stroh und anderen feuerfangenden Gegenständen aus der Stadt an, und liess über die Ausführung seiner Befehle Visitationen anstellen. Am 28. October ward die Schanze auf dem Galgenberge fertig und eine zweite auf dem Lehmberge angelegt. Ein am 11. November angeordneter Ausfäll hatte wegen schlechter Leitung nicht den gewünschten Erfolg; man ward aber gewahr, dass die Dänen sich mit ihren Aprochen gegen das Neuwerk und den Schiessangel genähert. Deshalb zog man die Geschütze vom Galgenberge näher heran und richtete die Stadt selbst zur stärksten Ver- theidigung ein. Vom 20. November bis zum 13. December fand ein starkes Bewerfen von Wismar statt. Am letztgenannten Tage wurde eine für von Wrangel ehrenvolle Capitulation abgeschlossen, das Mecklenburger Thor von den Dänen besetzt, und am 14. December zogen die Schweden mit 12 Fahnen nach Kriegsgebrauch unter Gouverneur von Wrangel und Commandanten Graf Carlsson aus der Stadt. Bald darauf kamep sie aber in Begleitung zweier dänischer Generale wieder zurück und hielten in Wismar das Mittagsmahl." 1 ) Gustav von Wrangel starb am 26. October 1688 und wurde in der Nordebäcks- Kirche beigesetzt. Er hatte sich im Juli 1653 in Gegenwart der Königin mit Marie von Sparre, Tochter des Reichsrathes Peter Erikson von Sparre, Freiherrn zu Kroneberg, in dessen erster Ehe mit Elsa von Posse, vermählt. Sie starb zu Hamburg 1674. Aus der Ehe stammten ein Sohn, Kasimir Sigismund (8) und drei Töchter: 1. Hedwig (6), welche 1723^ zu Yibyholm lebte, woselbst sich auch ihr Portrait, gemalt von Scheffer 1723, befindet. 2. Agnes (7) war Hoffräulein bei der Königin, der Gemahlin Carls X.; sie starb 1730 unverheirathet. Auf der Rückseite ihres Portraits, welches sich in Säby befindet, steht: „Auch verwandt mit Landeshauptmann Jacob Ludwig Saltza, dessen Grossmutter Catharina von Wrangel war." 3. Margarethe (9), welche sich mit dem schwedischen Major Johann von Rosen- stjerna vermählte, 1700 zu Sundyholm starb und in Mälläsakyrka beerdigt wurde. i) M. d. Springius, "Wahrhaftige Erzählung dessen, was anno 1675 vor, in und kurz nach der Belagerung der Königlichen Stadt Wismar sich daselbst zugetragen, p. 1: in Schröder, Beschreibung von Wismar, p. 369; Bibliothek Wismar. 8. Kasimir Sigismund von Wrangel, Sohn von Gustav (2), kam von dem Leibgarde-Regiment laut Annotirung in der Musterrolle als Fähnrich am 1. Juni 1682 zum Regiment Westmanland, wurde am 24. December 1684 Lieutenant, am 15. März 1689 Hauptmann heim Regiment des Grafen Nils Bjelke; am 7. December 1693 als Compagnie-Chef ins Regiment Westmanland zurückversetzt, ging er 1695 mit königlicher Genehmigung in ausländische Kriegsdienste, kam aber schon nach einem Jahre wieder nach Schweden zurück. Als Hauptmann führte er bei Namva am 29. November 1700 auf dem rechten Flügel ein Bataillon vom genannten Regiment, zeigte grosse Tapferkeit und Entschlossenheit, hatte aber das Unglück, gefangen zu werden. Inzwischen am 5. Juni 1703 als Major zum Regiment Upland übergeführt, wurde er am 7. Juli 1704 gegen einen russischen Oberstlieutenant ausgewechselt und am 19. Januar 1707 zum Oberstlieutenant im Regiment Westmanland befördert. Bei der Belagerung von Narwa musste er eine Bastion besetzen, in welcher am 31. Juli ein kleines Laboratorium sammt den darin liegenden Granaten in Brand gerieth. Später nahm Kasimir von Wrangel an den übrigen Kriegsoperationen bis zu seinem Tode theil. Am 14. November 1705 ward er bei Plotzk verwundet, wurde jedoch wieder hergestellt. Am 28. Juni 1709 fiel er indessen in der Schlacht bei Pultawa. 4. Dietrich von Wrangel, 1 ) Sohn von Hermann (1), wurde am 12. März 1637 zu Addinal in Livland geboren, war 1653 Unterlieutenant bei der Admiralität und 1655 Oberlieutenant. In diesen Chargen wohnte er in dem letzten polnischen Kriege verschiedenen Rencontres und Gefechten bei und führte sowohl in Polen als auch in Russland mehrere Landungen aus, welche meisten- theils mit kleinen Fahrzeugen unternommen wurden. In der dänischen Fehde machte er auf dem Admiralsschiff Sjöholm 1658 als Kapitän zur See die Schlacht im Sunde und das Jahr darauf auf dem Schiff des Admirals Bjelkenstjerna die Schlacht zwischen Femern und Langeland mit, „wobei er sich so wohl verhielt, wie es einem tapferen Krieger und Offizier gebührt". 1666 ward er zum Major in der Admiralität, 1669 zum „Holm-Major", am 3. December 1670 zum Admiral-Lieutenant befördert und 1674 wegen des Lobes, welches er sich in diesen Stellungen erworben, wie auch in Anbetracht des der Krone Schweden erwiesenen treuen und beträchtlichen Dienstes als Landeshauptmann über die Provinz Oesterbotten in Nericien mit der Verlegung der Residenz nach Wasa angestellt. Gleich bei Antritt dieses Postens zeigte sich sein redlicher Eifer und seine Fürsorge für die Beförderung der königlichen Gerechtsame, wie auch für die Erhaltung des Gemeindewohls, „indem er zu der Zeit, wo es am nothwendigsten war, dem Könige 7000 Mann aus Oesterbotten zur Fortsetzung des noch fortdauernden Krieges verschaffte, nicht minder, besagtes, ihm anvertrautes Am t, mit allem Fleiss und Eifer verwaltete und ebenso des Königs Interesse, wie auch bemeldeter Provinz sich angelegen sein liess". Welch' grosse Ziele ihm vor Augen schwebten und welche fürsorgliche Anhänglichkeit er für die Krone i) Hupel, N. Mise. Stck. 15, 16, 17 p. 350, 352; Stjernmann, Matr. Tli. I p. 31; Kersel, Briefl.; Maria-Magdalena-Kirch.-B. in Lerita; Estliländisclie und Livländische Brieflade. — 326 — Schweden hegte, trat aber am besten zu Tage, als ihm in Finnland eine Commission anvertraut wird, welche die Landmiliz von der Seemiliz separiren soll. Diese Bestrebungen landen denn auch die gebührende Anerkennung, und König Carl, der ihm seine volle Gunst zuwandte, berief Dietrich, um ihn näher bei sich zu haben, von seinem damaligen Posten nach Stockholm und ernannte ihn 1685 zum Landeshauptmann in Nerike und Wermland. Ausserdem wurde Dietrich von Wrangel fortgesetzt mit verschiedenen hochwichtigen Aufträgen und Verrichtungen betraut, die er alle mit Pünktlichkeit und unverdrossenem Eifer ausführte, so dass der König in seinem Vertrauen zu ihm immer mehr gestärkt wurde und sich veranlasst fand, Dietrich von Wrangel 1693 zum Königlichen Bath zu erheben und ihn als Präsident in das Berg-Collegium zu versetzen. Am 28. November 1680 wurde Dietrich von Wrangel mit seinem Bruder Beinhold (5) in den Freiherrnstand erhoben. Doch ist Dietrich niemals introducirt worden, da er schon am 7. Juni 1693 vom König Carl in den Grafenstand erhoben wurde. Seine Introduction auf der Grafenbank erfolgte unter Nummer 37. J ) Laut Hauptbanner verstarb Dietrich von Wrangel am 15. Februar 1706 und wurde in der Kentby-Kirche in Bosbogen beigegesetzt. Ueber seiner sowie über seiner Gattin Buhestätte erheben sich zwei prächtige Denksteine, welche die beiden Familienwappen tragen. Dietrich schrieb sich „Graf von Addinal Freiherr zu Jürdansby". Noch ist zu erwähnen, dass Graf Dietrich von Wrangel von Amts wegen bei der Secirung der Leiche des Königs Carl XI. 1697 zugegen war und bei der am 14. December stattfindenden Krönung seines Nachfolgers Carl XII. 1697 den Thronhimmel über dem neuen Monarchen trug. Er vermählte sich mit Magdalena von Clerck, die 1640 geboren war und 1707 noch lebte. Sie war die Tochter des Holm-Admirals Hans von Clerck, aus dem edlen Geschlecht Clerck auf Näshult, Hunnerstadt, Morlunda, Wirmurmäki und Pävist mit seiner ersten Frau Brita von Svalin. Sie hatten einen Sohn Carl Gustav (13) und vier Töchter: 1. Beate Elisabeth (10), Gräfin, verheirathet 1690 mit dem Admiral Fredric Edvard Baron Taube auf Odenkat, gestorben 1703. 2 ) 2. Magdalena (11), Gräfin, verheirathet mit dem Bittmeister von Möller von Kunda. Sie ertranken beide nebst zwei Kindern auf einer Beise von Livland nach Schweden. 3. Anna Maria (12), Gräfin, vermählte sich am 11. Juni 1687 mit dem Schwager ihres Vetters, dem Oberstlieutenant Stampus (Hans) von Mörner von Morlanda auf Lennartsberg, Enbaga und Szoryo in dessen erster Ehe. Er starb 1705. 4. Greta (14), Gräfin, war ein einflussreiches und berühmtes Hoffräulein. In einem Briefe an dieselbe bittet Carl Xn. um „seine Becommandation zu allen Hofdamen, den Prinzen von Wirtenberg und Greta von Wrangel". 3 ) Wappen siehe Tafel 6. 2 ) Hnpel, a. a. 0. 188. — 327 — 13. Carl Gustav von Wrangel, Graf von Addinal, 1 ) Sohn des Grafen Dietrich (4), geboren am 30. November 1667 in Stockholm, studirte in Upsala, wurde 16S5 Fähnrich und 1690 Lieutenant bei der königlichen Leib-Garde. Noch in dem letzteren Jahre ging er nach Frankreich, studirte hier die Kriegskunst in französischen Diensten und nahm 1691 an dem Feldzuge des französischen Heeres in den Niederlanden theil; namentlich betheiligte er sich an der Belagerung von Möns, welches nach sechzehn Tagen fiel. Hier sah er den König Ludwig persönlich commandiren. Ferner nahm er theil an dem Bombardement von Cliarleroi und dem Treffen bei Leuxe, wo der Duc de Luxembourg mit dem Degen in der Faust die ihm überlegene feindliche Cavallerie über den Haufen warf. Nachdem er unter so vortrefflichen Führern reiche Kriegserfahrung gesammelt, kehrte Graf Wrangel nach Schweden zurück und nahm seine Stellung als Lieutenant bei der Leib-Garde wieder ein. Doch schon 1693 begab er sich wieder zur Armee des Duc de Luxembourg und sah diesen wie auch König Wilhelm der unirten Staaten in der Schlacht bei Neerwieden heldenmüthig kämpfen. Er bekleidete hier die Charge eines General-Adjutanten beim Generallieutenant Koos. Im folgenden Jahre begab sich Graf Wrangel nach Paris und studirte die ritterlichen Wissenschaften. Im Jahre 1695 nach Schweden zurückgekehrt, wurde er zum Hauptmann befördert und gleichzeitig als Lieutenant zu den Trabanten versetzt. 1697 wurde Graf Wrangel ausersehen, nach dem Tode des Königs Carl XI. mit dem Grafen Jacob Sperling nach Holland zu gehen, um hier das Ritterkreuz des blauen Hosenband-Ordens, das der verstorbene König getragen, an den Grafen Carl Bonde in Ryswiek, den schwedischen Gesandten und Bevollmächtigten zu Friedens-Vermittelungen, abzugeben und mit diesem nach England zu reisen. Im Jahre 1700 nahm der König mit seinen Leibtrabanten, die er schon 1699 auf einen besseren Fuss gesetzt hatte, eine neue Organisation vor, indem er sich selbst als ihr Hauptmann an die Spitze stellte. Graf Arvid Horn wurde zum Stabs-Hauptmann und Graf Carl Wrangel zum Unterhauptmann mit dem Charakter eines Oberst in der Armee ernannt. Am 20. November 1700 machte Graf Carl die Schlacht bei Narwa mit, worüber er ausführlich berichtete und besonders die vielen Marodeurs, die sich dort eingefunden, tadelte. Ihm zur Seite hatte sein Vetter Otto Freiherr von Wrangel (25) gekämpft, welcher in der Schlacht verwundet wurde. Als sodann am 9. (20.) des Heumonats 1701 König Carl XII. bei Riga auf Kähnen über die Düna setzte und von seiner Cavallerie nur 400 Pferde und seine Trabanten mit hinüber nehmen konnte, befanden sich wieder Graf C arl und Oberst Baron Otto von Wrangel an der Spitze jener Trabanten. Bei dem sich hierbei entspinnenden Gefecht hielten sie tapfer das Feuer der Sachsen aus, griffen darauf die Kürassiere mit dem Degen in der Faust beherzt an und warfen sie mit bestem Erfolg über den Haufen. Oberst Otto ward wiederum verwundet und mit ihm 17 Trabanten. 1) Moritz Wrangeil, Material. — 328 — Graf Carl von Wrangel bewies überall grossen Mutli. So befand er sich auch bei der Landung auf Seeland im Jahre 1700 in derselben Schaluppe, in welcher der König sass, und watete mit ihm durch das Wasser. „Welche Tapferkeit zeigte er nicht bei Narwa, an der Düna u. s. w. im Jahre 1700, welchen Muth bei Clissow? welche vigeur bei Pultusk und Riga" heisst es in den Personalien, „wobei man bemerkte, dass die Fatiguen und Märsche während des ganzen Krieges den Grafen niemals ermüdeten". Anfang Juli 1702 standen sich die feindlichen Armeen, die polnische unter König Friedrich August mit den Sachsen und die schwedische unter König Carl XII. bei Krakau gegenüber; die Schweden hatten bei Clissow ein Lager bezogen und beabsichtigten hier eine Schlacht zu liefern. Am 9. (20.) Juli traf König Carl bei Obile mit seinen Verstärkungen unter General von Mörner ein und stellte seine Armee in Schlachtordnung auf, um die Polen in ihrem Lager anzugreifen. Beide Flügel waren in zwei Treffen aufgestellt; auf dem rechten Flügel im ersten Treffen dreizehn Escadrons der Cavallerie und zwar erstlich eine Escadron Dragoner vom Leib-Regiment unter Oberst von Hamilton, des Königs Trabanten unter den beiden Lieutenants, dem Grafen Carl von Wrangel und Oberst Otto Baron von Wrangel etc. etc. Die Schweden erfochten einen glänzenden Sieg; der rechte Flügel gerieth am wenigsten in Action. Die beiden von Wrangel blieben unversehrt, wiewohl neun von des Königs Trabanten getödtet wurden. Im Jahre 1704 ging Carl XII. mit der Kanzlei, dem Hofstaat und den Trabanten aus polnisch Preussen nach Gross-Polen voraus. Im nächsten Jahre wurde Graf Carl von Wrangel zum Stabshauptmann von den Trabanten und General-Feldwachtmeister der Cavallerie ernannt und folgte dem Könige und dem General von Horn nach Deutschland. Im Anfang des Jahres 1706 erlaubte er zehn Trabanten, einen Trupp Russen und Bauern, welche Proviant nach Grodno bringen wollten, anzugreifen, welches sehr glücklich ablief. Im Mai des folgenden Jahres erkrankte Graf Carl von Wrangel am Fleckfieber und starb schon nach kurzer Krankheit am 29. Mai (9.) Juni 1707 *) zu Altranstädt in Sachsen, wo die Schweden damals standen und das Hauptquartier des Königs, der ihn auch während der Krankheit oft besuchte, sich befand. Die Leiche ward nach dem Dorfe Kötschau geführt, wo am 15. Juni das Leichenbegängniss in nachstehender Weise stattfand. Die Kirche war zu dieser Feier vollständig mit schwarzem Tuch ausgeschlagen. „Nachdem am 10. Juni, der verblichene Körper, welcher in einem doppelten Sarge lag, so mit schwarzem, feinem und noch darüber mit einem sammetnen Leichentuche bedeckt, darauf dessen Degen entblösst und mit der Scheide kreuzweise gebunden war, nach Kötschau gebracht und im Chor der Kirche etliche Schritte vom Altar aufgestellt worden, begaben sich am genannten Tage, es war der Plingstdienstag, Seine Majestät i) Nach Zedlitz Universal-Lexicon; Hupel a. a, 0. Nach Gauhen, Adels-Lexicon Th. II p. 1908 "bis 1912, ist Graf Carl in der Schlacht bei Holow an der Spitze der königlich schwedischen Trabanten 1708 gebliehen. Jedenfalls ist jedoch die obige Angabe richtig. — 329 — der König- von Schweden, in Begleitung Seiner Durchlaucht des Herrn Administrators, Herzogs von Holstein, ungleichen Ihre Durchlaucht die Prinzen von Mecklenburg und Württemberg, auch sämmtliche Excellenzen, Generale und Corps in die Kirche, allwo schon vorher die vornehmen schwedischen Damen und andere von dem Königlichen Hofstaat sich eingefunden und auf gehörigen Stellen in der Kirche Platz genommen, welche ausserdem so voll von Volk war, dass fast das Chor, wo die Orgel stand, eingefallen wäre. Hierauf ward mit allen Glocken geläutet." „Um den Sarg standen achtzehn Corporate und Vice-Corporale mit ihren Bandeliers, die den Sarg tragen sollten. Die zur rechten Seite standen, traten von der Seite, als der Prästaff und Marschall, Herr Lieutenant und Oberster Härd von den Trabanten bei Ankunft in der Kirche Seiner Königlichen Majestät und anderen hochfürstlichen Personen und Generalen nach ihren Stühlen anwies, worauf gemeldete Corporate vom Sarge hinweg sich gleichfalls unweit davon in die Stühle begaben. Der Gottesdienst begann nun mit dem Gesang: „Herr Jesu Christ, ich weiss gar Wohl!" „Die Aufwartung und Wache vor dem Stuhl, wo Seine Majestät standen, geschah von dem Lieutenant und Oberst von den Leibtrabanten, Otto Baron von Wrangel, Corporal von der Wacht, Degenschild, Kapitän Grafen Torstenson, Generaladjutanten Kannifer und noch zwei Trabanten, worauf die Predigt von dem M. Peter Lampa, zeit- herigem ersten Prediger bei den Trabanten, nunmehrigem berufenen Pfarrer und Probst zu Arbauga in Schweden in schwedischer Sprache gehalten wurde. Der Leichentext war aus der Epistel an die Philipper HI. Cap., Vers 20, 21.-' „Als nun die Predigt und die Personalien vorbei waren und wieder gesungen wurde, begab sich vorgedachter Herr Marschall mit den Trägern wieder zum Sarg, stellten sich auf beide Seiten und als nun der Gesang: „Mit Fried und Freud etc." wieder angefangen, setzten sie die Hüte auf, trugen den Leichnam in die Gewölbe dieser Kirche und setzten ihn bei. - ' „Darauf hatte gleich ein Corporal von den Trabanten, Baron Rälamb, eine Ansprache halten sollen, was indessen durch einen unvorhergesehenen Zufall unterblieb. Es sprach daher der Priester vor dem Altar ein Gebet, wobei mit den Glocken geläutet wurde." „Hierauf führten Seine Majestät und Ober-Marschall Graf Piper die Frau Gräfin bei der Hand aus der Kirche zur Kutsche und Seine Durchlaucht der Administrator von Holstein die Frau Gräfin und Feldmarschall Reinschild, Seine Durchlaucht der Prinz von Mecklenburg die Frau Generalin von Hummelhjelm, Seine Durchlaucht der Prinz von Württemberg die Frau Hof - Intendantin, Seine Ezcellenz der königliche Rath und Ober- Marschall Graf Piper die Frau Baron und Generalin von Mardefeld etc. etc." „Als nun die Damen wegfuhren, begaben sich Seine Majestät mit dero sämmtlichen Suite in das Haus neben der Kirche, allwo die hohen Personen und Generale mit Con- fituren und anderen Erfrischungen traktirt wurden und nach einer mehr als halbstündigen Zeit begaben sich Seine Majestät um sechs Ulm mit einem grossen Gefolge nach dem Hauptquartier." 42 — 330 — Seine Leiche ward später in einer doppelten Kiste mit dem Wappen in Silber in die W ran gel sehe Grabkapelle nach Aspö-Kyrka transportirt, wo viele seines Geschlechts beigesetzt sind. Graf Carl von Wrangel war unvermählt, so dass mit ihm die Grafen von Addinal (Nr. 37) ausstarben. 5. Reinhold von Wrangel, Freiherr von Addinal, 1 ) Sohn von Hermann (1), war 1G74 schwedischer Kapitän; 1700 befand er sich im Leibtrabanten-Corps und wurde bei Narwa verwundet. 2 ) Er besass Urbs, Sontagk, Bockenhof, Kidijerwo und Korrofer. ' Am 28. October 1680 wurde er mit seinem Bruder Dietrich in den Freilierrn- stand erhoben, aber bei Lebzeiten nicht introducirt; erst 1731, nachdem er schon 1693 verstorben war, fand die Introduction statt und zwar unter Nr. 199. Er war zweimal verheirathet: a) mit Martha von Horn, Tochter des Reichsraths Grafen von Horn auf Ranzien 3 ), hatte aber von derselben keine Kinder; b) mit Anna Margarethe von Züge auf AVeissenfeld in Livland in deren zweiter Ehe. Sie war die Tochter des Oberstlieutenants Joachim Friedrich von Zöge auf Weissenfeid und Errestfer, welcher 1642 bei Leipzig fiel, und der Helene von Horn auf Rorches. Sie war verheirathet gewesen seit 1658 mit dem Generalmajor Reinhold Baron Lieven auf Eksjö, Tullis, Kurrisal und Weissenfeid in dessen zweiter Ehe. Er starb am 17. September 1665. Nach des Reinliold von Wrangeis Tode heirathete sie zum dritten Male Georg Anton vdn Reich, starb 1693 und wurde am 10. Februar im Dom zu Reval beigesetzt. 4 ) Aus der Ehe Reinholds mit Anna Margaretha stammten sieben Söhne: Carl Heinrich (15), Reinhold (17), Hermann Gustav (19), Jürgen Johann (23), Reinhold Gottlieb (24), Otto Magnus (25) und Heinrich Gustav (26), nebst vier Töchtern und zwar: 1. Helene (16), welche vermählt war: a) mit dem Generallieutenant und Geheimen Kriegsrath Wolmar Anton von Schlippenbach, der vor 1726 starb; b)mit dem Oberstlieutenant Joachim Friedrich Baron von Lieven, Erbherr von AVeissenfeld, Sodepäh. 1696 Rittmeister, Landrath in Esthland. Er starb 1713. Nach dem Tode ihres ersten Gatten, des Geheimen Kriegsraths und Generallieutenants AVolmar Anton von Schlippenbach, entspann sich wegen dessen Nachlasses zwischen Helene und ihrem Bruder, dem Oberst Carl Heinrich von Wrangel, nebst ihren anderen Geschwistern sowie auch ihren Geschwisterkindern ein Prozess. Derselbe wurde nach erfolgtem hochgerichtlichen Urtheile im März 1726, als Helene schon zum zweiten Male verheirathet war, durch einen A'ergleich dergestalt beigelegt, dass gedachter von AV'rangei und seine Miterben Urbs und Sontagk, dagegen die Frau Baroness Helene von Lieven wegen der von General von Schlippenbach auf Wiedererlangung dieser !) Wappen siehe Tafel 7. 2) Schwed. Biogr., Bd. 1, p. 276; Nordberg I, p. 871, 3 ) Wolmar W r a n g e 11 s Chronik. 4) K.-B. Dom Kevah — 331 — Güter verwandten 6000 Reichsthaler das Gut Bockenhof nebst den Dörfern Kidi- jerwo und Korrofer behielt. Diese Stücke cedirte, donirte und übertrug der Oberst Carl Heinrich von Wrangel den Kindern der Frau Generalin erblich. 1 ) 2. Eva Julianne (18), welche 1684 geboren wurde. Sie verheirathete sich a) mit dem Mannrichter und Rittmeister Fromhold von Knorring auf Kurristal und nach dessen Tode zum zweiten Mal b) mit dem Schwager ihres Vetters, dem Landrath Gustav Reinhold von Lode aus Livland; geboren 1669. Sie starb am 18. September 1739 und wurde im Dom zu Reval beigesetzt. 3. Beate Christine (20) starb 1703; sie war vermählt mit dem Rittmeister und Generaladjutanten Freiherrn Carl Reinhold von Rehbinder. 2 ) 4.- Anna Helene (21) lebte noch 1733. Sie war ebenfalls zweimal verheirathet und zwar: a) mit Wolmar Johann von Bock, Oberstlieutenant und Commandant von Dünamünde, welcher 1710 starb, und b) mit dem Major Robert von Stakelberg auf Kersel in Esthland. 3 ) Ihr Sohn aus erster Ehe war der Landrath Bernd Johann von Bock, welcher Sontagk und Kersel erbte. 17. Reinhold von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Reinhold (5), geboren 1673, war 1698 Fähnrich beim Regiment Westmanland nnd fiel am 20. November 1700 als Corporal bei den Leibtrabanten neben dem König Carl XH. in der Schlacht bei Narwa. Er war unverheirathet. In der Kirche zu Kentby befindet sich sein adliges Hauptbanner mit den Ahnenwappen. 19. Hermann Gustav von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Reinhold (5), war Lieutenant zur See und starb unverheirathet in Lissabon. 24. Reinhold Gottlieb von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Reinhold (5), geboren 1685, starb ganz jung. 25. Otto Magnus (Wilhelm) von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Reinhold (5). Wir haben des Otto von Wrangel schon mehrfach Erwähnung gethan bei den Feldzügen seines Vetters Carl von Wrangel (13); hier fügen wir daher nur noch nachstehendes hinzu: Er trat in kursächsische Dienste, musste jedoch solche auf Befehl Königs Carl Xn. verlassen nnd wurde, als er in Schweden angekommen war, 1700 zweiter Lieutenant bei den Trabanten und Oberst bei dem Leib-Dragoner-Corps, dessen Anführer er während des Feldzugs in Polen war. Bei der Landung auf Seeland 1700 befand er sich schon auf diesem Posten. 4 ) Bei Narwa commandirte er die zweite Schwadron der Trabanten. Als der König nach Livland schiffte, that von Wrangel mit sechzig Trabanten den Wachtdienst auf 1) Gadebusch, Güter-Geschichte der Ungarn-Sternberg. 2) Wrangel, Samml. vaterl. Adels-Geschl. II, 66 Nr. I und IV. 3 ) Wrangel, Samml. vaterl. Adels-Geschl. II, 66 Nr. 2; Kersel K.-B. 4) Ennes 2, 136: ein Aufsatz im Aftanbladet 1862 vom 14. Juli: Gordon, Leben Peter deö Grossen p. 281: Gadebusch B. 16 p. 1083 bis 1090. » 42* — 332 — dem Schiffe des Königs ,.Westermanland". Nachdem der König 1701 über die Düna gegangen war, focht von Wrangel wider die Sachsen mit überaus grossem Muthe und mit ausgezeichneter Tapferkeit; ebenso bei Clissow 1702. Nach dem Tode Carl von Wrangeis 1707 wurde er Kapitänlieutenant von den Trabanten und G-euer alfeldwach tmeister. Allein diesen Posten bekleidete er nicht lange. Im Jahre 1708, als Carl XU. mit seinen Truppen aus Litauen weiter östlich gegen Mohilew zu drängte und zum Fluss Beresina kam, begegneten sich die beiden Armeen am 3. (14.) Juli unweit des Dorfes Golowtchin, wo es zu einer blutigen Schlacht kam. In dieser Schlacht fiel auch Otto von Wrangel, wie aus nachfolgendem Briefe Peter des Grossen vom 23. Juli an Aprakxien zu ersehen: ..Min Herr! Hab Dir nichts mehr zu melden, als dass der Feind ruhig in Mohilew steht, hat bei Golowtchin die Hälfte seiner Trabanten verloren (deren Offiziere alle Majors Bang haben). Auch ist General von Wrangel gefallen und zwei Oberste, und an 100 Offiziere (ausser Trabanten) und 1000 Gemeine. Auch verwundet ist ein General der Infanterie, viele Offiziere und Soldaten." von Wrangel wurde auf dem Kampfplatze mit sieben Leib-Trabanten und dreizehn andern Offizieren begraben. 26. Heinrich Gustav von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Beinhold (5), war schwedischer Hauptmann und blieb 1746 in Schwaben. 15. Carl Heinrich von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Beinhold (5), wurde am 28. Januar 1681 geboren. Er war Erbherr auf Errita und erhielt Sperlingsholm von seinem Schwiegervater. Ferner erbte er Kymenegärd in Finnland und bekam durch einen Vergleich mit seiner Schwester Helene Freiin von Wrangel, vemvittweten von Schlippenbach, Urbs und Sontagk. Ersteres wurde ihm am 24. April 1725 vom livländischen Hofgericht zugesprochen. Am 1. des Heumonats 1728 verkaufte er es aber schon wieder an den Landgerichtsbeisitzer Johann Daniel Spalekober für 5200 Bubel, Avas auch von der Bestitutions-Commission unter dem 8. März 1729 bestätigt wurde. Im Jahre 1731 Avurde Carl von Wrangel auf der Freiherrenbank der schwe- dischen Bitterschaft unter Nr. 199 introducirt. Als man ihm 1739 auch noch die SenatorenAvürde anbot, lehnte er diese Auszeichnung ab. Im Jahre 1701 Avurde Carl von Wrangel als Lieutenant bei der scliAvedischen Leib-Garde angestellt und 1705 zum Hauptmann befördert, als Avelcher er sich an den Gefechten bei Narwa, Biga, Cüssoav und Golowtchin 1708 betheiligte. Im Jahre 1727 stand er beim Begiment Tavastehus, 1728 Avird er zum Begiment Nylands - Dragoner versetzt und avancirte 1737 zum Generalmajor; 1739 war er Chef der „Skaraborgare", 1743 Generallieutenant und Oberst beim Regiment Nericien und Wermland. Noch in demselben Jahre wurde er zum General befördert. 1748 im März nahm er den Abschied und wurde im April Commandern - des Grosskreuzes des Schwertordens. Ausserdem Avar er Bitter des königlich preussischen Ordens ,.de la Generosite". 1754 wurde er zum Feldmarschall ernannt. — 333 — Im Jahre 1739 gehörte Carl Heinreich zur sogenannten Mütze" (Name einer Partei auf dem schwedischen Reichstage), war folglich wider den Krieg. Am 18. des Weinmonats 1702 ging er mit 30 Mann der schwedischen Garde angesichts des Feindes bei Karziow über die Weichsel. Der König selbst wollte mit dem Prinzen von Württemberg ihm hier folgen; allein die Brücke, welche zu schwach war, brach und beide kamen in Lebensgefahr. Freiherr von Wrangel hätte nun von dem Feinde leicht über den Haufen geworfen werden können; die Sachsen aber rührten sich nicht. Die Ursache hiervon war wohl, dass die Schweden die Höhe inne hatten und sobald sich nur ein Feind sehen liess, mit ihren Stücken auf die äussersten Ecken des Waldes spielten. Indessen hatte man Zeit, den König und alle die übrigen, die mit ihm ins Wasser gefallen waren, zu retten und mehr Volk in Böten überzusetzen; dieses trug viel zur raschen Einnahme von Warschau bei. Bald darauf erfolgte die Beförderung des Carl Heinrich von Wrangel zum Oberstlieutenant bei den schonischen Dragonern; 1709 wurde er aber von den Russen bei Pultawa gefangen und nach Moskau abgeführt. Nachdem er 1722 aus dieser Gefangenschaft nach Schweden zurückgekehrt, erfolgt seine Ernennung zum Oberst bei den nyländischen Dragonern. Als Schweden 1741 den Krieg an Russland erklärt hatte, wovon Freiherr von Wrangel abgeredet, commandirte er als Generalmajor in Finnland nur 3000 Mann; er hatte jedoch eine Verstärkung durch General Löwenhaupt in Aussicht. Gegen diese geringe Macht rückte der russische General Graf Lacy mit allen in Finnland stehenden russischen Truppen heran und schlägt Carl Heinrich von Wrangel am 3. September bei Wilmanstrand, nachdem sich die 3000 Schweden gegen 16 000 bis 18 000 Russen sechs Stunden lang sehr brav gehalten hatten. Bei dieser Gelegenheit wurde Carl Heinrich durch den Verlust eines Armes sehr schwer verwundet und nach der tapfersten Gegenwehr blutend gefangen genommen. ') Der General Graf Carl von Löwenhaupt berichtet an den König über dieses tap fere Verhalten folgendes: ..Dasjenige, was sich mit General von Wrangeis Com- mando zugetragen, hat mich anfänglich, in Betrachtung der dabei verlornen Mannschaft, sehr gerüret. Jedoch hat der Muth und die innere Begierde der Soldaten, diesen von ihnen für einen Schimpf gehaltenen Verlust, ohngeachtet ihre Kameraden ihr Leben theuer genug verkauft haben, zu ersetzen, mich wieder getröstet. Der Herr General von Wrangel ist gefangen und nebst der Oberstlieutenants Wilbrand, Griepenhjelm, Graf Wasaborg und andere nach Viborg geführet worden. Sie sollen allesammt blessiret sein; einige mehr, andere weniger. Unsere Leute haben sich über die Masen wohl gehalten. Besonders muss man dieses von den Dalkerlu, Sudermannlandischen und Westerbothnischen Soldaten rühmen: immasen drei Bataillons deren jedes aus 500 Mann bestanden, nicht nur gegen 16 000 Mann feindlicher Truppen gefochten, sondern auch dieselben dreimal repoussiret und von ihren Kanonen zurückgetrieben haben. Der Graf Wasaborg hat diejenigen, welche in zwei Linien gegen ihn gestanden, zweimal über den Haufen geworfen; bei der dritten Attaque aber ist er übermannt Avorden etc." 2 ) 1) Seit dieser Zeit trug Carl Heinrich Freiherr von Wrangel seinen Arm beständig in einer Binde. 2 ) Geschichte und Thaten des 1744 enthaupteten Grafen Carl von Löwenhaupt; Altona 1744; p. 244. — 334 — Auf Befehl der russischen Kaiserin wurde General von Wrangel bereits 1742 wieder in Freiheit gesetzt. Sobald er am 18. Juni in Stockholm eintraf, liess ihn der König sofort durch zwei Generale zur Audienz abholen, empfing ihn sein- gnädig, hatte dann mit ihm bis abends zehn Uhr eine Unterredung und beschenkte ihn mit einem goldenen Degen und einer mit Diamanten besetzten Tabatiere. So wurde ihm auch im Februar 1743 ein grosses, über 2000 Loth schweres Silberservice eingehändigt, welches vierzig Mitglieder der Kaufmannschaft in Stockholm zur Erkenntlichkeit für seine im Gefecht von Wilmanstrand bewiesene besondere Tapferkeit und Treue gegen das Vaterland hatten anfertigen lassen. Im Jahre 1743 wurde Carl Heinrich von Wrangel mit dem Generallieutenant von Steinflycht als Deputirter des Adels an die Dahle-Bauern abgesandt. Diesen währte die Zeit bis zur Wahl eines Thronfolgers zu lange und sie hatten deshalb den Entschluss gefasst, in Person nach Stockholm zu kommen, um sich von der Ursache der Verzögerung zu überzeugen. Als die Keichsstände von dieser Reise hörten, schickten sie sofort Deputirte und zwar ein jeder Stand zwei, welche ihnen die Ursache der Verzögerung eröffnen und sie beruhigen sollten. Im August 1743 bekam Carl Heinrich von Wrangel das wermländische Infanterie-Regiment und ward nicht lange hierauf zum General der Infanterie ernannt. 1 ) Als die Schweden 1743 bemüht waren, sich gegen Dänemark in einen guten Verteidigungszustand zu setzen und hierzu zwei Lager — eines in Skäne, das andere in Bahus —, deren jedes 15 000 Mann stark sein sollte, errichteten, wurde dem General Carl Heinrich von Wrangel das Commando über das letztere angetragen. Am Palmsonntag 1718 vermählte sich Carl Heinrich von Wrangel in Moskau mit der Gräfin Martha Helena von Horn aus Ranzien, welche 1690 geboren war und am 13. Mai 1771 zu Sperlingsholm starb. Ihr Vater war der schwedische Reichsrath und General-Feldzeugmeister Graf Henning Rudolf Horn von Ranzien, Gouverneur von Narwa, 2 ) als diese Stadt 1700 und 1704 belagert wurde. Da bei der zweiten Belagerung Narwa mit Sturm genommen worden war, wurde Martha Helene von Horn mit ihrer ganzen Familie, worunter auch die Mutter, eine geborene Gräfin Helena von Sperling aus Sperlingsholm, Tochter des Göran Sperling von Sperlingsholm, in russische Gefangenschaft abgeführt; hierbei ging ihr ganzes Vermögen verloren, so dass sich bis zu ihrer erst bei dem Ny- städter Frieden erfolgten Entlassung aus dieser barbarischen Gefangenhaltung ihre ganze Familie durch ihrer Hände Arbeit ernähren musste. Feldmarschall Carl Heinrich von Wrangel, Freiherr von Addinal starb den 23. März A755 zu Sperlingsholm. Er und seine Ehegattin sind im Geggeschen Grabgewölbe in der Kirche zu Halmstadt beigesetzt, wo ihnen ein Sarkophag von grünem Marmor errichtet wurde. Carl Heinrichs Portraits befinden sich in Huby und Engsö. Der Ehe waren vier Söhne entsprossen: Heinrich (Henning) Reinhold (27), Carl Friedrich (29), Georg Gustav (30), Heinrich Dietrich (32) und drei Töchter: f) Zedlers Univers.-Lexikon; Gauhen. Adels-Lexifcon Bd. 2. 2) Ladvocats historisches Wörterbuch. 1. Helene Magdalene (28), die am 8. März 1723 geboren wurde und am 23. Juni 1812') auf Hedenlunda im Kirchspiel Wadsbrö in Södermanland starb. Sie heirathete am 24. Juni 1744 den Hofmarschall Baron Carl Friedrich Hamilton von Hageby auf Hedenlunda, Bogesund, Oestanä und Westana in seiner zweiten Ehe; dieser ist 1705 geboren und starb 1793 in Hedenlunda. 2., 3. Martha Helene (30A) und Agneta Julianne (31), Zwillingsschwestern, welche am 9. August 1725 geboren wurden; letztere starb unverheirathet am 30. Juli 1801 in Christianstadt. 29. Carl Friedrich von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Carl Heinrich (15), wurde am 2. August 1726 geboren und starb am 11. September 1740. 2 ) 30. Georg Gustav von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Carl Heinrich (15), wurde am 24. März 1728 geboren. 1737 ist er Volontär bei den Nyland-Dragonern, 1741 Sergeant ebendaselbst, wurde aber noch in demselben Jahre zu den königlichen Leib-Trabanten versetzt. 1746 ist er Fähnrich bei der Leib-Garde, ging dann in französische Dienste, wo er Kapitän wurde. Nach seiner Bückkehr wurde er 1748 Lieutenant bei der erwähnten Leib-Garde, 1749 Hauptmann im Regiment Cronhjort, 1750 Ober-Adjutant, 1752 Cavalier bei dem Kronprinzen, dem nachmaligen König Gustav HL, 1757 Major bei dem Leib - Regiment der Königin, 1759 erster Generaladjutant bei der Armee in Pommern, 1760 Ritter des Schwertordens, Minister in Nieder - Sachsen und Resident zu Hamburg; 1761 wurde er zurückberufen und als Oberst dem „gelben Husaren- Regiment" zugetlieilt, 1763 im Bohus-Län-Regiment und 1769 bei den Nyland-Dragonern angestellt; 1770 wurde er Generalmajor und erhielt 1775 den erbetenen Abschied. Er wurde 1772 Commandern' des Grosskreuzes des Schwertordens, war 1770 bis 1773 Domherr zu Havelberg in der Mark Brandenburg, 1776 Landeshauptmann zu Westerbönen, 3 ) dann 1786 des Kreises Helmstadt und 1789 bevollmächtigter Gesandter in Italien; Er sollte 1793 in gleicher Eigenschaft nach England geschickt werden, sclxlug aber dieses Anerbieten aus und nahm noch in demselben Jahre seine Entlassung als Landeshauptmann (Landhüfting). Was die Erlangung der Domherrnwürde in Havelberg anbetrifft, so geben uns die Akten im Domstift Havelberg folgende Auskunft hierüber: Es bezog der Präsident des kurbrandenburgischen Ober - Consistoriums von Hagen beim Domcapitel eine Präbende. Derselbe übertrug diese an den schwedischen Generalmajor, Ritter des schwedischen Schwertordens, Freiherrn Georg Gustav von Wrangel. Am 29. October 1770 ward von Wrangel als Domherr durch den König Friedlich n. Allerhöchst bestätigt. Mit königlicher Genehmigung vom 26. Februar 1773 trat aber von Wrangel seine Präbende an den Kapitän und Adjutanten Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ferdinand von Preussen Grafen Carl Friedlich Wilhelm von Schmettau ab. 1) Nacli einer Stammtafel der Wrangel-Addinal soll sie 1793 verstorben sein. 2 ) Maria-Magdalenen-lv.-B. zu Lerida. 3) Staatstagebuch, Bd. II, p. 522: Leipzig, Geneal. Handb., Th. I. — 336 — Georg Gustav brachte den König Gustav III. auf den Gedanken eine königliche Branntweinbrennerei zu gründen, deren Direction i hm in Gemeinschaft mit dem Präsidenten von Boije und dem Staats-Secretär von Liljencranz für die Zeit von 1775 bis 1781 übertragen war. Dies war die Veranlassung, dass er den Beinamen „Branntwein-Wrangel" erhielt. Von ihm ist noch anzuführen, dass er als Besitzer von Netzeband, einer mecklenburgischen Enclave bei Neu-Ruppin in der Mark Brandenburg, den landesgesetzlichen Erbvergleich mit unterschrieb. Netzeband, wie noch einige andere Güter hatte er durch seine Gattin, geborene von Barnewitz, seit 1742 im Besitz. Schon 1740 hatte der damalige Besitzer, Graf Christian Günther von der Schulenburg zu Retzow und Scharnebeck, darum gebeten, die Mannlehn-Güter Netzeband, Retzow, Neuen- und Alten-Leppin, Clopsow zu Weiberlehen zu qualificiren, damit nach Abgang der männlichen Erben auch die Töchter darin succediren könnten und darüber einen Lehnbrief ausfertigen zu lassen. Am 28. Januar 1741 wurden diese genannten Lehngüter mit Roggentin, Rechlin, Drüsedau und Grüneberg zu Allodien zu Wismar vom Herzog Carl Leopold von Mecklenburg declarirt. x ) Auch solche Allodificiriuig hielt der Ober-Adjutant Georg Gustav Freiherr von Wrangel in seinem Interesse liegend und beantragte daher im Jahre 1753 zu Wismar solche Alloclialitäts-Bestätigung seiner Güter Netzeband, Leppin und Retzow. Es wird ihm aber solches am 6. Februar 1754 abgeschlagen, die mecklenburg-schwerinsche Regierung ist indessen aus besondern Gnaden nicht abgeneigt, i hm und seinem Schwager, dem dänischen Major von Lowzow (beider Ehefrauen waren Schwestern), bemeldete Güter gegen die gewöhnlichen Erlegnisse zum neuen Mannlehen zu reichen. Im Mai verglich sich daher von Wrangel mit seinem Schwager dahin, dass ersterer die Güter Netzeband, Grünberg, Dowetze, letzterer aber Retzow, Neu- und Alt-Leppin, Klopzow, Rogentin, Reglin erhielt. Unter dem 3. Juni 1754 bat nunmehr von Wrangel von Wismar aus um die Belehnung und Mitbelehnmig der respectiven Theile für sich und seine männlichen Nachkommen, und wenn ein Stamm ausginge, sollte der Theil auf den andern Stamm übergehen. Darauf wiederholte er nochmals seine Bitte um Allodificirung seines Theiles für 80 000 Thaler und den des Schwagers für 90 000 Thaler. Die Belehnung erfolgte unter dem 24. Juli 1754 und 10. März 1757. Bald nachdem er durch seine Verheiratliung Netzeband mit den Pertinentien Grünberg und Driisdow (sonst Doversee auch Doweltz genannt) erhalten, gerieth er mit den Gebrüdern von Rohr in einen langwierigen Prozess. Diese Brüder glaubten nämlich einen Anspruch auf die Lehngüter Netzeband, Griinberg und Doversee zu haben und strengten 1768 einen Prozess gegen den Obersten Freiherr von Wrangel an, der vor dem Reichs-Kammergericlit zu Wetzlar am 11. März 1768 zur Entscheidung gelangt, wiewohl die von Rohr bereits ein rechtskräftiges Erkenntniss d. d. Festung Schwerin vom 4. Januar 1766 mit abschlägigem Bescheid erhalten hatten. Die Güter Netzeband 2 ) Diese ganzen Angelegenheiten über die Lehngüter Netzeband, Driisedan, Grünberg sind ans dem grossherzoglichen geheimen Staats-Archiv zu Schwerin zusammengestellt. — 337 — waren schon länger als ein Jahrhundert ausserhalb der Familie von Rohr gewesen und bereits vor 74 Jahren einem Herrn von Barnewitz verliehen worden. Erst nach dem Tode des Schwiegervaters Georg Gustavs meldeten sich die von Rohr. Die herzoglich mecklenburgische Lehnkammer belehnte aber von Wrangel mit diesen Gütern, wodurch die Lehnansprüche der von Rohr hinfällig wurden. Als nun 1765 Freiherr von Wrangel die Absicht hatte, diese Güter seinen Bauern zu verkaufen, ergingen 1765 dieserhalb öffentliche Lehn-Parlamente. Major David Ludwig von Rohr hielt auf dem Termin seine Lehnsansprüche aufrecht, von Wrangel provocirte ihn zu deren Beibringung; von Rohr befolgte aber keine Befehle, suchte eine Frist über die andere, erhielt solche viermal und so vergingen neun Monate, ehe er seine Revocationsklage einbrachte. Es erfolgte aber ein abschlägiges Decret, welches in Rechtskraft trat. Am 14. Januar 1769 ward in Wetzlar beim Reichs- Kammergericht die Sache zu Gunsten von Wrangeis entschieden. De dato Schwerin den 16. Juli 1765 verpfändete und verschrieb Oberst Freiherr von Wrangel der herzoglich mecklenburgischen Lehnkammer überhaupt alle seine beweglichen und unbeweglichen Güter, insbesondere aber die aus den verkauften Gütern Netzeband, Doversee und Grünberg ihm noch rückständigen Kaufgelder sub pacto executivo, wie solches den Rechten nach aufs bündigste geschehen konnte und mochte. Er verbürgte sich ferner, dass er die Kaufgelder nach dem Kaufcontract über 40 000 Klafter Holz, welchen er mit dem preussischen Kammerrath Garbe und den Hausleuten zu Netzeband als Käufer der Güter Netzeband, Doversee, Grünberg am 6. Februar 1765 abgeschlossen, sobald die Käufer nicht die Bedingungen halten sollten, nicht an Ausländer, die der Lehnkammer nicht gefallen, bringen wolle. Am 25. Juni 1770 verkaufte er die genannten drei Lehngüter an den Generalmajor Hans Christoph von Königsmarck auf Kötzlin, worüber am 16. Juli 1770 zu Schwerin der Consens und die Konfirmation ertheilt ward. Diese Güter liegen im Amt Wredenhagen; das Kaufgeld für dieselben und für das Vieh betrug 97 000 Reichsthaler „Alt-Geld". Freiherr von Wrangel erhielt noch ausserdem 3000 Reichsthaler „Alt-Geld", und es bestand ferner die Bedingung, dass der Käufer bei der Uebergabe 86 000 Thaler haar zahlen und 14 000 Thaler auf Zins geben sollte. Der Gemahlin des genannten von Königsmarck, geborene von Saldern, und deren Schwester, dem Fräulein von Saldern, gehörten von ihren Eltern her das in der Priegnitz gelegene Antheilgut Gaarz als Allodialgut. Weil die Baulichkeiten nun sehr heruntergekommen, beabsichtigten sie es theilungshalber zu verkaufen und ging der General von Wrangel am 24. Juli 1770 auf Ankauf desselben für 18 000 Thaler ein. Unter dem 18. November 1774 kaufte er noch vom Stiftshauptmann Joachim Detlof von Winterfeld dessen Antheilgut in Gaarz für 8000 Thaler. Die Generalin von Königsmarck zog 1770 nach Netzebaud, wo sie in einigen Jahren Wittwe wurde. Ihr gefiel aber der Aufenthalt im Mecklenburgischen nicht, weshalb sie nach der Kurmark und namentlich nach ihrem Erbgute Gaarz zurückzukehren wünschte. Sie setzte sich dieserhalb mit dem Generallieutenant und Domherrn Freiherrn von Wrangel in Verbindung und kam mit demselben daliin überein, dass dieser ihr 43 — 338 — das Gut Gaarz nebst dem vormaligen von Winterfeldschen Antheil für 20 000 Thaler wieder abtrat und übereignete.') Als Besitzer des Gutes Gaarz bei Hopenrade in der Priegnitz bat von Wrangel 1772 um Regelung gutsherrlicher Unterthanen-Verhältnisse in diesem Gute. Georg Gustav vermählte sich: a) mit Dorothea Albertiue Ernestine von Barnewitz, Tochter des Kammerjunkers Christoph Friedrich von Barnewitz auf Netzeband, Leppin, Retzow, und seiner Ehefrau, der Tochter des Grafen Clmistian Günther von der Schulenburg auf Retzow und Scharnebeck; sie starb 1761 als letzte ihres Stammes; b) mit der Freifrau Maria Charlotte Cedercreutz, welche, am 20. December 1736 geboren, Staatsdame bei der Königin Sophie Magdalena war und am 28. Mai 1815 in Stockholm starb. Sie war die Tochter des königlichen Kammerherrn Freiherrn Lars Fredric Cedercreutz mit Catharina af Siljeström. Sie lebten zuletzt geschieden. Ihr Portrait befindet sich in Hesselbyholm, von G. D. Mathieu gemalt. Er starb am 7. September 1795 in Livorno. -) Sein Wappen führt die Devise. „Tystoch Waken". Sein Stamm soll nach schwedischen Nachrichten in Deutschland fortleben. Von seinen Kindern hat man keine Nachricht. 32. Heinrich Dietrich von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Carl Heinrich (15), wurde am 18. September 1729 geboren und starb schon am 14. November desselben Jahres. / 27. Heinrich Reinhold (auch Henning Rudolf genannt) von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Carl Heinrich (15), war am 17. Februar 1720 in Moskau geboren; 1735 wurde er Corporal bei den Nyland-Dragonern und 1739 solcher bei den kömglichen Leibtrabanten. Im Jahre 1741 finden wir ihn als Lieutenant bei der Nowa-Skäningarne Cavallerie, 1746 ist er Rittmeister und 1753 Major. 1745 machte er freiwillig den zweiten schlesischen Krieg unter peussischen Fahnen in Böhmen und Schlesien mit. Den 19. Februar 1748 vermählte er sich mit Hedwig Sophie von Winterfeld, welche ihre reiche Tante mütterlicherseits, die Frau des Feldmarschalls Stael von Holstein, beerbte. Sie war 1723 geboren und starb am 27. Juni 1801 in Christianstadt. Sie war die Tochter des Majors bei den Dragonern, Generallieutenants von Albedyll Adam Ludwig von Winterfeld auf Ovesholm, Jodsberga und Hanaskog, und der Ulrike Eleonore von Ridderscliantz. Er starb den 24. December 1783 auf seinem Besitzthum Sperlingsholm und hinterlies s nur einen Sohn: 38. Carl Adam von Wrangel, Freiherr von Addinal auf Sperlingsholm. Er wurde am 28. December 1748 geboren, ist 1766 Sergeant bei der schwedischen Garde und Fähnrich, 1772 Hauptmann in der Armee. 1774 wurde er !) Königl. Lehnsarchiv im Kammergericht zu Berlin: Domcapitel zu Havelberg. 2 ) Maria-Magdalenen-K.-B. zu Lerida. Kammerherr bei der Königin-Wittwe Luise Ulrike. 1786 ist er Landeshauptmann im Kreise Christianstadt und erhielt 1798 das Kitterkreuz des Nordsternordens. 1803 nahm er seinen Abschied aus dem Landeshauptmanns-Amt, wurde 1814 Commandern' des Ami- genannten Ordens und 1825 Mitglied des Herrenhauses. Er starb am 16. April 1829 im einundachtzigsten Lebensjahre zu Areslöfs - Sätes- gärd in Skäne. Den 6. April 1779 hatte er sich zu Bresebäch mit der Gräfin Anna Margarethe Hamilton, die am 17. März 1760 geboren wurde und am 25. Januar 1815 in Christianstadt starb, vermählt. Sie war die Tochter des Herrenhaus-Mitgliedes Feldmarschalls Freiherrn Gustav David Hamilton auf Hageby, Grafen Hamilton auf Barsebäck, Togarup, Lundäkra, Hofterup, Habo und Henkelstorp und der Jacobina Henriette Hildebrand. Im Jahre 1810 machten Carl Adam Freiherr Wrangel und seine Gemahlin Gräfin Hamilton alle Güter in Skäne: Ovesholm, Araslöf, Oretorp mit neunzig schwedischen Hemman oder Mantal, und in Hailand: Sperlingsholm, Freiberga mit hundert Hemman für schwedische Wrangeis zu einem Majorat. Sie hatten um jene Zeit nur noch den einen Sohn Henning Gustav und dieser wünschte bei dem Tode des Vaters 1829 die Aufhebung des Majorats, weil er kinderlos war und, nachdem er flott gelebt, zu der Cultivirung der Güter Geldanleihen machen musste. Als er nun 1833 starb, fielen alle diese Güter in die Hamiltonschen Hände. Infolge dessen begann der Vater des Carl Gustav von Wrangel-Christinaeberg (XVI 23) als Prätendent des Majorats sofort einen Prozess. Wenngleich auch die von Wrangeis in der höchsten Instanz mit einer Stimme in der Mehrheit verblieben, so ging ihnen doch der Prozess verloren, „Aveil nicht eine Stimme aufheben konnte, was zwei gestiftet". Dieser Ehe entsprossen zwei Söhne: Henning Gustav (46) und LudAvig Ulrich Carl Adam (47). 46. Henning Gustav von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Carl Adam (38), wurde am 4. Februar 1780 geboren. Nachdem er Kadet in Carlberg gewesen, wurde er am 4. Juni 1795 Fähnrich ohne Gage in der Svea-Leibgarde und am 7. März 1803 Lieutenant; 1809 nahm er als Hauptmann den Abschied. 1819 ist er Ritter des Sclrwertordens und 1826 Commandern' des Wasaordens, 1829 oberster Kammerherr. Er starb kinderlos am 21. October 1S33 auf dem Familiengute Sperlingsholm. Von ihm ist bekannt, dass er von sehr heftigem, leidenschaftlichem Charakter Avar, Avas ihn oft in unangenehme Lagen brachte und ihm selbst mehrere Duelle zuzog. Er war der echte Typus eines „liberalen Aristokraten" und ist in Schweden wegen seines Ansehens, seiner Empfindlichkeit, Avie wegen seines Reichthums und seiner Stärke allgemein als der „letzte Ritter" bekannt. In Paris nannte man ihn nur „le beau Suedois". Sein Kammerdiener und Biograph berichtet Aveitläufig von seinen Duellen und Reisen, so auch folgende Episode: „In Schweden lebte damals ein Riese (Puttetorpa- Sven oder Puttetorpe-Here genannt), mit ungeheuren Körperkräften ausgerüstet. Henning von Wrangel, der von ihm gehört und dessen Stärke in Schweden berühmt, reiste nach \ — 340 — \ v Smäland, um sich mit ihm im Ringen zu prüfen. Da Here anfangs nicht alle seine Kräfte anwendete, gelang es von Wrangel, ihn aufs Knie niederzubeugen. Im nächsten Gange aber schlug er von Wrangel so hart auf den Boden, dass eine Planke losging, worauf von Wrangel, der unter des Riesen Gewicht alle Rippen gebrochen zu haben glaubte, „i oredesmode" (im Zorne) abreiste." Am 11. April 1810 vermählte er sich auf dem Schlosse Carlberg mit der Gräfin Anna Hedwig Gustafsdotter Löwenhaupt, welche am 13. December 1792 geboren wurde und am 24. Juli 1833 in Christianstadt starb. Sie war die Tochter des Oberst Grafen Gustav Löwenhaupt aus seiner ersten Ehe mit der Freiin Anna Helena Alströmer. Mit Henning Gustav erlosch 1833 der letzte Zweig des Hauses Addinal in Schweden. Es wird jedoch angenommen, dass dieses Geschlecht in Nachkommen seines Urgrossvaters Georg Gustav (30) in Deutschland fortlebt. Nach seinem Tode fiel sein Nachlass an die Hamiltons, allein Graf Hamilton auf Akesholm (Ovesholm) händigte denselben an den Grafen Friedrich von Wrangel- Sauss aus. 47. Ludwig Ulrich Carl Adam von Wrangel, Freiherr von Addinal, Sohn von Carl Adam (38), geboren am 2. März 1783, war 1795 Cornet bei der Süd- Skäne-Cavallerie. Er nahm 1801 seinen Abschied, um in den Civildienst zu treten; 1802 ist er in demselben Auscultator beim schwedischen Hofgericht, 1803 Canzlist bei der .Tustiz- Revisions-Abtheilung und dann Vice-Bezirksrichter. Er starb unverheirathet am 31. October 1809. Tabelle VIIA. (Fortsetzung von Tabelle VII.) Haus Sompä. 23. Jürgen Johann von Wrangeil, Baron von Addinal, Solin von Reinhold (5). Er bediente sich der Schreibweise seines Namens abwechselnd mit „1" und ,.11" und seine Nachkommen, Avie auch alle in Russland lebenden Wrangeis, nahmen die letzere an. Jürgen Johann Avar 1704 Rittmeister und Avird 1708 als Arrendebesitzer von Lustifer genannt. Am 19. October 1705 wurde er in der St. Nicolai - Kirche zu Reval mit Sophie Helene Baroness Taube, Tochter des Oberst Baron LudAvig Wilhelm Taube zu Carlöö aus dem Hause Maydel und der Hedwig von Taube aus Etz, getraut. Laut Resolution des Revisions-Collegiums zu Reval A r om 9. März 1715 Avurde ihm als rechtmässigem Erben das im Simonis-Kirchspiel in Wirland belegene Out Wennefer zum Besitz und zur Disposition infolge der Klage des Generallieutenants Wolmer Anton von Schlippenbach angeAviesen, jedoch sollte er Kaution dafür stellen. Das Gut ging später auf seine Wittwe über. Jürgen Johann starb 1719. Carl LudAvig von Taube, Bruder der Sophie Helena von Taube, machte am 13. März 1739 sein Testament. Es setzte darin fest: „1. Seine Ehefrau Gertrud von Wrangeil soll ihn ehrlich und christlich nach „Standesgebühr" beerdigen lassen. 2. Als Erbin setzte er seine Ehefrau Gertrud von Wrangeil in alle seine Verlassenschaft, beweglich und unbeAveglich, ein. 3. ZAvei Jahre nach seinem Tode soll seine Ehefrau - Wittwe an seine Sclrwester Sophie Helena von Taube, des verstorbenen Rittmeisters Jürgen Johann von Wrangel nachgelassene Wittwe und deren Kinder 2000 Reichsthaler ä 80 Kopeken ohne Interessen, als die einzige von seinen Vorfahren ererbte Summe auszahlen. Von dieser Summe von 2000 Reichsthalern behält seine Schwester 1000 Reichsthaler, der Sohn Nils Johann von Wrangeil, Avelcher vorher schon 1000 Rubel von ihm zum Geschenk erhalten, annoch — 342 — 500 Reichsthaler und die Tochter Helene von Wrangel (35) den Best mit 500 Beichsthalern. Nach dem Tode seiner Gemahlin ist es sein Wille, dass seiner Schwester-Sohn Nils Johann von Wrangeil (33) das von ihm für seine wohlerworbenen Mittel erblich erkaufte Gut Kandel mit Vieh und Vasel ungravirt, frank und frei von allen Schulden hinwieder erblich für sich und dessen Nachkommen antrete und zu ewigen Zeiten besitze, nur ist er gehalten, des Testators Schwester, seiner Mutter 1000 Rubel, wie auch an deren Tochter, als seiner Schwester 1000 Rubel auszuzahlen mit der Massnahme, von diesen 1000 Rubeln, die er seiner Mutter ausgekehrt, nach deren Tode nichts entnehmen soll, sondern dasjenige, was von dieser Summe noch übrig, seiner Schwester zu behändigen hat. 4. Die Ivirche zu Halljall so 100 Reichsthaler, die Kirche zu Maria Magdalena ebenfalls 100 Reichsthaler, die Waiwarasche Kirche ebenso 100 Reichsthaler, das Dom- Hospital 100 Reichsthaler erhalten und an nothleidende Hausarme ebenfalls 100 Reichsthaler, jeder zu 80 Kopeken, gezahlt werden. Diese Summen sind gleich nach des Testators Tode auszuzahlen.-' Trotz obigen Testaments ad pass. 3. befand sich das Gut Kandel in fremden Händen und zwar in denen des Majors Heinrich Gustav von Hastfer. Heinrich Johann von Wrang eil will aber sein Recht nicht aufgeben, da sein Vater Nils Johann von Wrang eil im rechtmässigen Besitz des Gutes gewesen; er wurde demzufolge am 6. Februar 1780 gegen den genannten Major von Hastfer klagbar. Nils Johann von Wrangell hatte indessen bereits am 11. März 1760 das Gut, indem er die Gelder seiner Schwester als Kaufschilling stehen liess, an den verstorbenen Lieutenant und Assessor Reinhold Johann von Rittern, dem antecessor matrimorii des Heinrich Gustav von Hastfer, verkauft, womit letzterer der Klage entgegentritt und dem Heinrich Johann von Wrangell jedes Anrecht an Kandel abspricht. 1 ) Aus der Ehe stammten drei Söhne (33, 34, 36) und zwei Töchter: 1. Anna Helene (35), welche am 24. November 1706 in St. Nicolai zu Reval getauft wurde und noch 1749 unverheirathet lebte. 2 ) 2. Sophie Helene (37) ward 1712 geboren. 3 ) 34. Nils von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Jürgen Johann (23), geboren 1710, starb aber schon 1715. 36. Johann von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Jürgen Johann (23), geboren 1714, verstarb in sehr jugendlichem Alter. 33. Nils Johann von Wrangell, Baron von Addinal, 4 ) Sohn von Jürgen Johann (23), wurde den 23. Mai 1709 in Reval (St. Nicolai) getauft. Er brachte durch Näherecht die Schlippenbachschen Güter Kiddejärwe (Löweküll) im Kreise Dorpat, sowie auch Kandel im Revalschen, im Herzogthum Esthland, sowie Konofer *) Oberlandgericht Reval, Convol. 288, Nr. 5. 2) K.-B. Nicolai zu Reval; Oberlandger.-Protocoll vom 9. März 1749. 3 ) Russwurm, Material. 4 ) St. Nicolai-K.-B. Reval; Senats-Urth. 4. September 1786; Oberlandger.-Protocoll 9. März 1749; Sagnitz K.-B. p. 562: Wrangell a. a. 0. XYI 1749: Wrangell, Samml. vaterl. Adels-Gesch. YI p. 162: Toll, Urk.-Samml. — 343 — an sich. Ausserdem besass er Alt- und Neu-Bockenhof, Sontagk im Kreise Dorpat. Das letztere Gut hatte er am 27. des Brachmonats 1752 von dem Generallieutenant Andreas Graf Zöge von Manteuffel um 14 200 Rubel gekauft. Er verbrauchte sein ganzes Vermögen, so dass er endlich seine Güter seinen Gläubigern abtreten musste. Nachdem er am 22. Juni 1765 schon einen Theil von Neu-Bockenhof an den Rittmeister Valentin Johann von Löwenstern auf Kuikatz für 1800 Silber-Rubel überlassen hatte, kam der Rest von Bockenhof am 28. Januar 1773 an den Kapitän Hans Jacob Eggers. Er behielt nur eine Abtheilung des Gutes, die er Klein-Bockenhof nannte, und verkaufte Alt-Bockenliof vor 1770 dem Ordnungsrichter Otto Reinhold Baron Rosen. Zu Sontagk und Kiddejärwe war er, wie wir bereits gesehen, durch das Nähe- recht gekommen, in welchem er zu diesen Sclilippenbachschen Gütern stand, und so kaufte er letzteres von der Geheimen Kriegsräthin von Schlippenbach, verkaufte es aber bald wieder. Löwenkilll, im Kirchspiel Ranges, kaufte er am 30. des Wintermonats 1744 von dem Hauptmann Carl Gustav Bach für 2200 Rubel und am 20. des Heumonats 1760 verkaufte er es wieder dem Hauptmann Heinrich Lindgreen. Das 1739 laut Testament von seiner Mutter Bruder, dem Kapitän Baron Carl Ludwig von Taube, geerbte Gut Kandel in Esthland verkaufte er 1759 dem Assessor Reinhold Johann von Rittern. (Siehe Jürgen Johann Nr. 23.) Nils Johann, der mit 42 Jahren schon schneeweisses Haar hatte, starb plötzlich 1778 auf dem Gütchen Klein-Bockenhof. Er war seit dem 11. Juli 1734 mit Augusta von Essen, Tochter des Landraths Klaus Gustav von Essen ans dem Hause Pödclis, vermählt und hatte ausser den vier Söhnen Carl Gustav (39), Heinrich Johann (43), Friedrich Wilhelm (44), Otto Reinhold (45) drei Töchter und zwar: 1. Lunette Sophie (40), die, am 9. October 1738 geboren, sich mit Major Gustav Wilhelm Freiherrn von Frensdorf vermählte. 1 ) 2. Donette Helene (41), geboren den 3. October 1740, starb unverheirathet. 3. Auguste (42), geboren den 15. Juni 1741, starb unverheirathet. 39. Carl Gustav von Wrangeil, Baron von Addinal, Sohn von Nils Johann (33), geboren den 21. Januar 1734, starb in jugendlichem Alter zu Mahölm. 2 ) 44. Friedrich Wilhelm von Wrangeil, Baron von Addinal, Sohn von Nils Johann (33), geboren den 9. Juli 1742, starb in jugendlichem Alter. 45. Otto Reinhold von Wrangeil, Baron von Addinal, Sohn von Nils Johann (33), geboren den 5. Juni 1745, nahm 1786 seinen Abschied als russischer Major und starb 1809 unverheirathet in Türpsal. 3 ) 1) K.-B. Sagnitz. 2 ) K.-B. Maliolm. 3) Arch. 110 p. 51; Mor. Wrangell, Tafel. — 344 — 43. Heinrich Johann von Wrangeil, Baron von Addinal, 1 ) Sohn von Nils Johann (33), hiess in russischen Diensten „Andreas oder Andrey' und in dem Taufschein eines Sohnes sogar „Nils Andreas". Er war am 9. Decemher 1736 gehören, wurde im Land-Kadetten-Corps in St. Petersburg erzogen, trat 1755 in russische Dienste, machte 1757 als Offizier den siebenjährigen Krieg mit, war 1767 russischer Major und musste mit dem Regiment nach Polen gehen, weshalb er am 14. des Hornmonats wegen Neu-Bockenhof seinem Vater eine Vollmacht ausstellte. Im Jahre 1771 war er Oberstwachtmeister beim Regiment Nisow und wurde, nachdem er bei der Erstürmung eines türkischen Retranchements verwundet worden war, mit dem St. Georgen-Orden decorirt. Im Jahre 1777 wurde er Oberstlieutenant, 1778 Oberst im Regiment Kexholm, am Katharinentage 1780 Brigadier, am 13. October 1783 aber zum Staatsrath umbenannt unter dem Titel eines Gouverneur - Lieutenants oder Vice-Gouverneurs von Esthland und mit dem Vorsitz des neu errichteten esthlän- dischen Kameralhofes betraut. Am 18. November in Reval angelangt, trat er hier seinen Dienst bei Eröffnung der Behörde am 10. December 17S3 in aller Form an. Als 1786 Grotenhjelm Senator wurde, musste er in der revalschen Statthalterschaftsregierung dessen Stelle vertreten. Nach seiner Beförderung 1790 zum Generalmajor wurde Freiherr Wrangeil zum Statthalter des revalschen Gouvernements oder Civil - Gouverneur Allergnädigst verordnet, 1791 zum Generallieutenant befördert und demnächst mit dem St. Wladimir-Orden zweiter Klasse decorirt. Nach dem Thronwechsel am 6. November 1796 und nachdem Stadt und Land bereits am 8. November dem neuen Monarchen gehuldigt hatte, wurde die Statthalterschaftsverfassung mittelst Allerhöchsten Befehls vom 28. November für Reval und Esthland wieder aufgehoben und infolge dessen der bisherige Statthalter zum Geheimrath umbenannt und in Gnaden entlassen. Als Erbherr auf Neu-Sommerhusen im Kreise Wesenberg, Sompä, Terrafer in Allentaken, Uhhe und Neu-Bockenhof zog sich nun Heinrich Johann im März 1797 auf diese Güter zurück. Bei den Versuchen 2 ), Schweden nach langem Siechtlmm wieder zur Grossmacht des Nordens zu erheben, gerieth Gustav HI. zunächst in Conflict mit Russland, dem mächtigen Nachbar und Erben der Herrschaft Schwedens auf dem Baltischen Meere. Der Einführung der Statthalterschafts-Verfassung vom Jahre 1783 folgte 1785 und 1786 die Octroyirung der russischen Städte- und Adels - Ordnung, obwohl die Aufrechterhaltung der angestammten ständischen Institutionen zwei Jahre vorher aufs neue gewährleistet worden war. Es erwuchsen hierdurch Zustände in Esthland und Livland, welche die patriotischen Gefühle des Adels erkalten Hessen und viele Missstände hervorriefen. Es ging, nach den Berichten des schwedischen Kundschafters und Agenten, Einigkeit verloren und es wurden die Esthländer und Livländer aus warmen Patrioten in ungleich kurzer Zeit zu kalten Egoisten. f) Gadebusch B. 16 p. 1302 bis 1304; die Civil- und Militär-Oberbefehlshaber in Esthland von 1704 bis 1855, Dorpat 1855 p. 22; St. Petersburg. Ztg. 1771 Nr. 71 im Anhang; Milit. Etat p. 34d; Wrangell, Samml. adlig. Geschl. VI, 222; TJrk.-Samml VI 64; K.-B. Jeve. 2 ) Bienemann, Die Ostseeprovinzen -während des schwedisch-russischen Krieges 1788 bis 1790. St. Petersburg, 1874. In Livland waltete ein besonders bedeutsamer Umstand ob, welcher den livländisclien Adel abhielt, den König Gustav um Schutz und die schwedische Krone um Garantie für die Nystädter Friedensbedingungen anzurufen; dies war die Hinneigung des Landvolkes zu Schweden, ein Umstand, welcher im Falle eines Krieges zwischen Schweden und Kussland dem livländisclien Adel äusserst gefährlich werden konnte, da bei der entferntesten Aussicht auf eine schwedische Landung in Livland sämmtliche Bauern unzweifelhaft gegen ihre Bedrücker aufstehen und unter die schwedischen Banner treten würden; sicher waren dann die hartherzigsten unter den Grundbesitzern die ersten, gegen welche sich die Rache und der Ingrimm der empörten Bauern richteten. Dieses befürchtend, suchte der livländische Adel, da ihm die Zuneigung der Estheii und Letten an Schweden zu bekannt, sein Heil im Anschluss an Russland und schien, sobald das Kriegstheater ins Land verlegt würde, was der Adel zu verhindern nicht im stände war, vor allem einen Krieg mit Schweden zu fürchten. Als daher die Gerüchte von einem bevorstehenden Friedensbruche Bekräftigung fanden und man die Anstalten zur Vertheidigung des Landes mit Eifer traf, trat erst die Bestürzung des Adels vor der einen Kriegsfall drohenden Gefahr offen zu Tage, und ebenso zeigte sich unter dem Landvolke, das nun erst von diesen Gerüchten vernahm, ja selbst unter dem Pöbel von Reval die unverkennbarste Freude. Um diesen in gehörigen Schranken zu halten, liess der Gouverneur General Heinrich Baron von Wrangell die Vorstädte Revals und die Stadt selbst mit Piquets lahmer und blinder Invaliden anfüllen und an solche, welche die bevorstehende Landung der Schweden in zu lebhafter Freude verriethen, „Batoggeir'*) austheilen. Die Bestürzung des esthländischen Adels war, als zwei russische Generale' sowie Admiral Baiais aus St. Petersburg am 4. April 1788 unvermuthet eintrafen, um den Zustand der Festung und des Hafens von Reval zu untersuchen, unbeschreiblich. Der eine, Ingenieur - General Tutschkow, war nur bis zum 8. April, der andere auf einige Wochen dort. Seitdem erwartete man jeden Augenblick die schwedische Flotte auf der Rhede. Mittlerweile wurde so viel Volk, als sich aufraffen liess, zusammengetrieben, um die Hafendämme zur Aufnahme von Geschützen herzustellen. Unteroffiziere wurden zu Fuss aufs Land hinausgeschickt, um für acht Regimenter, welche aus der Stadt ankommen sollten, beim Landvolk Quartier vorzubereiten; durch diese Ankündigung hoffte man die Bauern im Zaume zu halten. In der Festung schaufelte man den Sand aus einigen alten eingesunkenen Eisengeschützen und schleppte sie ohne Lafetten auf die Wälle. Am 5. und am 28. April wurden alle Niederlandsgerichte 2 ) zur Publication angewiesen, dass, wer Arbeitsleute oder Material zum Hafenbau stellen wolle, sein Angebot dem Admiral Baiais machen möge. Mit solchen Handwerkern, welche Tag und Nacht arbeiteten, wurden Contracte geschlossen über Lieferung von Lafetten und mit verschiedenen Kaufleuten Contracte auf Halbjahrescredit über Lieferung von 8000 Tonnen Getreide, wovon der grössere Theil aus Deutschland kommen sollte. Die Garnison wurde durch Truppen aus St. Petersburg u. s. w. vermehrt. !) Das ist wohl von dem veralteten „batogie", eine leichtere Prügelgattung. 2 ) Das sind die Kreisland-Polizeibeliörden zur Zeit der Statthalt erschafts-Yerfassung. Esthländisclies Kegiertings-Arcliiv. U — 346 Die esthländische Ritterschaft war entrüstet von den über ihre Gesinnungen gegen die Kaiserin innlaufenden Gerüchten und kurz vor der unter Gneighs Leitung stattgefundenen Schlacht bei Hochland, die am 6. Jnli für Russland günstig ablief, wurde eine Sitzung des ritterlichen Ausschusses unter dem 3. Juli abgehalten, in welcher die anhängliche Gesinnung an die Kaiserin derselben zu unterbreiten beschlossen wurde, und unter dem 7. Juli bat der Gouvernements - Marschall Iwan von Bevern den Gouverneur Generalmajor Baron von Wrangeil, der selbst ein Mitglied der esthländischen Ritterschaft war, um dessen Verwendung in dieser Sache. Eine gleiche Versicherung der Gesinnungstreue erhielt die Kaiserin auch von der livländischen Ritterschaft. Seine Festung in gutem Vertheidigungszustand wissend und von der loyalen Gesinnung der esthländischen und livländischen Ritterschaft überzeugt, konnte der Gouverneur von Reval der Ankunft der Schweden ruhig entgegensehen. Zunächst musste er nach Waiwara und Fockenliof ein Commando schicken, weil sich dort die Bauern zusammengerottet hatten, um bewaffnet in die Wälder zu gehen und dort Gewaltthätigkeiten auszuüben. Sie thaten dies, um sich dem Frohndienst und der Leibeigenschaft durch die Flucht zu entziehen. Allein schon am 12. August konnte von Wrang eil dem General-Gouverneur melden, dass in diesen Ortschaften wieder alles ruhig wäre. Seit der Seeschlacht bei Hochland hatte sich kein schwedisches Schiff wieder an der esthländischen Küste sehen lassen. Nur einmal versuchten die Schweden bei Baltischport zu landen. Am 6. März 1790 morgens 9 Uhr erblickte man von der Küste aus zwei grosse Schiffe, von Norden herkommend, direct auf die Rhede zusteuern. Ihre Annäherung erregte indess kein Befremden, da die schwedische Flagge nicht geliisst war und namentlich auch weil um diese Zeit für gewöhnlich Schiffe mit Früchten in den dortigen Hafen einzulaufen pflegten. Um y 2 ll Uhr konnte man aber schon von der Molo aus die blauen Jacken oder die Uniform der Schweden erkennen. Um 11 Uhr gingen diese Schiffe dem Hafen gegenüber vor Anker, setzten die Schaluppen aus, nahmen ihre holländische Flagge herunter und entfalteten die schwedische. Gleich nach dem Abstossen von den Schiffen eröffneten die zwei bemannten Schaluppen ihr Feuer und landeten bei dem Molo. Die Mannschaft, ungefähr fünfzig bis sechzig an der Zahl, erstieg die unbewachte Festung, vernagelte die Kanonen, richtete eine derselben in die Mitte des Eingangs und setzte sicli so in den Besitz einer Befestigung, die ihr ohne Schwierigkeit den Untergang hätte bereiten können. Vor Schreck ergriff der Commandant Oberst de Roberty sofort ein weisses Tuch, das Halstuch seiner Frau, und lief damit dem Feinde entgegen, welcher gleichfalls von seiner Seite aus der Festung einen Offizier mit einem ähnlichen Zeichen sandte. Nachdem die Herren parlamentirt hatten, mussten ein Major und ein Kapitän von der Garnison als Geissein nach der Festung gehen und der commandirende schwedische Offizier nebst zwei anderen erschienen beim Commandanten. Die schwedischen Forderungen, welche in erheblichen Naturallieferungen, Munition, Festungsmaterial und in einer Brandschatzung von 4000 Dukaten bestanden, mussten bewilligt werden. Die Garnison, 600 Mann stark, protestirte zwar gegen die Capitulation, allein es war zu spät. — 347 — Am 1. Mai segelte die ganze schwedische Flotte von Baltischport unter Gross- Admiral von Siidermanland nach Reval, um die russische Flotte zu zerstören. In Reval ward eine Bürgerwehr eingerichtet und alles auf das genaueste bestimmt. Am Abend des 1. Mai schrieb von Wrangell dem General-Gouverneur: „Nach den von unsern Kreuzern eingezogenen Nachrichten ist die schwedische Flotte aus Karlskrona ausgelaufen. Am gestrigen Tage haben fünf feindliche Kriegsschiffe im Angesicht von Reval gelegen, sich aber wieder entfernt und unweit Baltischport aufgehalten, woselbst man auch die ganze, aus dreissig Segeln bestehende feindliche Flotte sieht. Unsere allhier überwinterte Flotte liegt auf der hiesigen Rhede in Bereitschaft, ist aber zu schwach, die feindliche anzugreifen, insolang die Kronstädter Flotte, die auch bereits in See gegangen sein soll, sich mit ihr noch nicht vereinigt hat. Jedoch stehet nicht zu vermuthen, dass der Feind es wagen sollte, wider die allhier befindliche Flotte etwas zu unternehmen und sie auf der Rhede, woselbst ihr auch von Batterien des festen Landes Beistand geleistet werden kann, zu attackiren. Auf alle Fälle ist allhier alles zur Defension vorbereitet." Mit fliegender Hand ist am Vormittage des Schlachttages folgender Briefentwurf an Graf Browne gefertigt: „Die schwedische Kriegsflotte, von welcher man jetzt siebenundzwanzig grosse Schiffe zählt, segelt gerade auf Reval zu, hat die Bucht bereits passirt und befindet sich auf der Rhede. Daher zu vermuthen, dass es in ein paar Stunden zu einer Seeschlacht mit unserer aus zehn Kriegsschiffen und fünf Fregatten bestehenden, gleichfalls auf der Rhede dem Hafen näher sich befindenden Flotte kommen wird." Wenige Stunden später eilte ein zweiter Bote mit der Kunde nach Riga, dass um 112 Uhr die Schlacht 1 ) begonnen und über zwei Stunden gedauert habe, wobei ein feindliches Schiff genommen sei. Am 15. Mai war die feindliche Flotte gänzlich den Blicken Revals entschwunden. Aus dem Privatleben Heinrich Johanns ist noch zu bemerken, dass er 1780 sich wegen Kandel in einem Prozess mit Heinrich Gustav von Hastfer befand. Das nähere siehe bei Nils Johann (VII 33). Am 4. Mai 1778 verheirathete er sich zu Dorpat mit Jacobine Auguste Elisabeth von Löwenstern, der einzigen Tochter des Rittmeisters Valentin Johann von Löwenstern auf Neu-Anzen, Haus Kuikatz. Sie war geboren den 14. Februar 1756 und starb am 15. Februar 1818. Aus dieser Ehe waren neun Söhne entsprossen: Andreas Georg Carl Heinrich (48), Reinhold Johann (49), Nils Ludwig Valentin (51), Carl Johann (52), Otto Wilhelm (53), Nils Ludwig (55), Nicolai (Nils) (57), Alexander (58), August Gotthardt (59) und drei Töchter: 1. Julianne (50), vermählte sich 1822 mit dem Ingenieur-Kapitän von Blau. 2. Friederike (56), vermählte sich 1822 mit dem Ingenieur-Lieutenant von der Weyde. 3. Tochter (54), vermählt an einen von Friderici. 2 ) !) Von Interesse ist es fiir die Familie von Wrangel, dass diese Schlacht die Grossmutter des k. russischen Staatsraths und Kammerherm Herrn Alexander Freiherrn von Wrangell (Tab. VHI 120), geborene Charlotte von Manderstjerna, als 17jährige Frau mitgemacht hat. 2 ) Husswurm, Material. 44* — 348 48. Andreas George Carl Heinrich yoii Wrangeil, Baron von Addinal, r ) Sohn von Heinrich Johann (43), geboren am 28. Juli 1779 in Riga, war russischer Stabs-Rittmeister bei den Ulanen und starb als solcher 1809 unvermählt in Minsk. 49. Reinliold Johann von Wrangeil, Baron von Addinal, Sohn von Heinrich Johann (43), geboren am 26. Juli 1780, war russischer Lieutenant, später Hakenrichter in Stund-Wirland, lebte 1844 als Erbherr auf Neu-Sommerliusen, verkauft dieses indess an Baron Dietrich von Tiesenhausen. Er starb zu Neu-Sommer- lmsen am 28. September 1S59 2 ) kinderlos. Vermählt war er mit Elisabeth Cäcilie Sophie von Loewenstern, Tochter des Carl Gustav von Loewenstern, Erbherrn auf Neu-Anzen, und der Mademoiselle de Bergers aus Frankreich. Sie starb zu Wesenberg am 15. April 1863. 3 ) 51. Nils Ludwig von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Heinrich Johann (43), geboren am 3. Juli 1781 in Wesenberg, starb als Kind. 53. Otto Wilhelm von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Heinrich Johann (43), wurde am 19. Februar 1785 zu Riga 4 ) geboren. Er war kaiserlich russischer Oberstlieutenant, Ritter mehrerer Orden und nahm 1812 an der Schlacht bei Borodino theil. Von früher Jugend an dem Dienst des Vaterlandes gewidmet, gegen dessen Feinde er von 1805 beständig focht, erwarb er sich durch die Ausübung aller Tugenden, die den Krieger ehren, die Achtung und Liebe seiner Oberen und Untergebenen, sowie aller derer, die ihn genauer kannten. 5 ) Er starb am 28. Januar 1822 unverlieirathet. 57. Nicolai (Nils) von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Heinrich Johann (43), geboren am 17. October 1793, starb am 5. Februar 1794/') 58. Alexander Johann von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Heinrich Johann (43), geboren 1790. Er trat 1803 in kaiserlich russischen Militärdienst bei den Jägern ein, betheiligte sich am 6. September 1812 an der Schlacht bei Borodino, wurde am 26. October 1818 zum Stabs-Kapitän und den 31. Januar 1820 zum Kapitän befördert. Nachdem er 1S24 nach noch nicht erreichter 30jähriger Dienstzeit ohne Pension seinen Abschied genommen, trat er 1830 als Major wieder bei den Jägern ein, machte in den Jahren 1830 und 1831 die Kämpfe gegen die polnischen Insurgenten mit und zeichnete sich in denselben so aus, dass er vom Zaren sehr bedeutende Krongüter und den 15. Januar 1S36 einen Siegelring mit Brillanten und Topas erhielt. Es war ihm namentlich gelungen, während des Aufstandes bedeutende Staatsgelder über den preussi- schen Grenzort Schmoleningken in Sicherheit zu bringen. Nach dem Aufstande nahm er !) Moritz von Wrangell, Material VI p. 222. 2 ) K.-B. Jewe. 3 ) Iv.-B. Wesenherg. 4 ) K.-B. Dom Riga. 5 ) Archiv Kuckers, Anzeige seines Bruders Reinhold. 6) K.-B. Dom Reval. — 349 — als Oberstlieutenant seinen Abschied und ward Polizeigouverneur in Wilna. Er war Kitter mehrerer Orden. In Schmoleningken lernte er seine spätere Frau, Angelica Le- Juge, Schwester des am 10. Juli 1874 zu Erfurt verstorbenen Regierungsraths Le-Juge. kennen. Der Verlobung folgte bald die Vermählung, welche ihn aber in Zwiespalt mit seiner Familie in Russland brachte. Das Ehepaar lebte auf dem zwischen Tauroggen und Russisch-Georgenburg in der Nähe der preussischen Grenze gelegenen Gute Screstemon, welches ihm als Arrende gegeben worden war. Hier starb Baron Alexander von Wrangeil 1845 nach kinderloser Ehe. Alle seine Güter fielen an die Krone zurück, so dass die völlig mittellos gewordene Wittwe Zuflucht bei ihrem genannten Bruder suchen musste. Mehrere Gesuche um Wittwenpension und Unterstützung in den Jahren 1S46 und 1847 blieben ohne Erfolg. Nach dem Tode ihres Bruders zog sie mit ihren beiden Neffen Le-Juge, die in Hannover als Offiziere standen, zusammen und starb bei denselben 1879. 59. August Gotthardt von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Heinrich Johann (43), wurde am 6. August 1795 in Riga geboren, trat ins russische Militär ein, machte am 6. September IS 12 die Schlacht bei Borodino mit und starb unverheirathet. x ) 52. Carl Johann von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Heinrich Johann (43), wurde am 24. Juni 1782 in Wesenberg geboren und starb am 10. Mai 1865 in Reval. 2 ) Er machte in kaiserlich russischem Dienste 1812 die Sclilacht bei Borodino mit und wurde später Hakenrichter in Allentaken, sodann 1834 Kreisrichter zu Zempe in Wirland und Mitglied des ritterschaftlichen Ausschusses in Esthland. Er war Erbherr auf Sompä, Ulihe und Terrafer. Am 20. Januar 1830 vermählte er sich mit Henriette von Baumgarten aus dem Hause Sonorrn. Sie ist am 26. April 1812 geboren. Sie hatten drei Söhne: Hermann Ludwig (60), Reinhold Nils (62), Carl Johann (65) und drei Töchter: 1. Annette Auguste (61), 3 ) geboren am 29. Mai 1831, getauft am 20. Juni, vermählte sich am 28. September 1851 mit ihrer Mutter Bruder Gotthardt Hermann Ferdinand von Baumgarten, Rittmeister bei den Gerdt-Husaren. 2. Juliette Friedrike (63) geboren am 25. October 1S43 in Terrafer, vermählte sich am 26. August 1866 mit Paul Heinrich von Dehn, Hakenrichter und Erbherr auf Kickel. 3. Alexandra Agathe (64), 5 ) geboren am 30. August 1846. Lebt verheirathet. 62. Reinhold Nils von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Carl Johann (52), geboren am 30. Juni 1834, besuchte bis 1851 die Ritterund Domschule in Reval, trat sodann in das russische Lublinsche Husaren-Regiment (Erzherzog Carl Ludwig) und nahm 1870 seinen Abschied als Major. 1) K.-B, Dom Reval. 2 ) K.-B. Jewe in St. Catharinae. 3) K.-B. Jewe; K.-B. Nicolai Reval. 4) K.-B. Jewe; K.-B. Nicolai Reval. 3) K.-B. Jewe. — 350 — 65. Carl Johann von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Carl Johann (52), geboren am 2. November 1837, l ) besitzt Mnddis. 60. Hermann Ludwig von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Carl Johann (52), geboren am 16. Juli 1832, 2 ) besuchte bis 1853 die Ritterund Domschule in Reval, erhielt das russische Adelsattest am 2. Mai 1860 sub Nr. 5 und ist griechischer Confession. Er starb als Hofrath zu Jewe im Gouvernement Witebsk und war Erbherr auf Terrafer. Er war vermählt mit Anna Sibileff, Tochter eines Gutsbesitzers im Gouvernement Orel. Der Ehe entsprossen ein Sohn Wladi mir (76) und zwei Töchter: 1. Anna (75), geboren am 11. August 1872, wurde von Nicolai von Wrangell auf Tolks adoptirt (XIIA 66). 2. Helene (77), geboren am 28. September 1873. 76. Wladimir (Woldemar) von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Hermann Ludwig (60), geboren am 22. Juni 1871 in Witebsk, starb den 14. Mai 1876 in Terrafer in Esthland. 3 ) 55. Nils Ludwig von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Heinrich Johann (43), geboren den 18. Mai 1786, erhielt seinen ersten Unterricht in der Ritter-Akademie und Domschule in Reval, wurde 1798 Page am Hofe Seiner Majestät des Kaisers, trat in Militärdienste, wurde Oberst und commandirte ein Regiment, ging als Etatsrath in den Civildienst über, wurde Vice-Goirverneur in Shitomir, Ritter des St. Annen-Ordens zweiter Klasse, des Wladimir-Ordens vierter Klasse mit der Schleife, des preussischen Ordens pour-le-merite, Inhaber mehrerer Verdienst - Medaillen und wirklicher Staatsrath. Vermählt mit Anna Tschefkin, welche am 4. Mai 1800 geboren, hat er sechs Söhne: Alexander (66), Woldemar (68), Heinrich Andres (70), Ludwig (71), Piaton (72), Constantin Franz (74) und drei Töchter: 1. Marie Leonide (67), geboren am 11. April 1825, vermählt am 5. October 1850 mit Carl Nemiritsch. 2. Marie (69), geboren am 5. August 1826 zu Shitomir, vermählt mit von Linewsky. 3. Annette (73), geboren am 30. Januar 1829 zu Shitomir; Zwillingsschwester von Piaton (72), war vermählt: a) mit Graf Chotkewicz und heirathete b) in zweiter Ehe einen Malynsky. 66. Alexander von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Nils Ludwig (55), geboren am 10. Mai 1818, wurde im Pagencorps zu St. Petersburg erzogen, war 1858 Major im Neginskischen Dragoner-Regiment und starb als Oberst. i) K.-B. Jewe. '-) K.-B. Jewe. 3 ) K.-B. Jewe. Am 4. April 1859 wurde ihm von der Ritterschaft in Esthland unter Nr. 10 von der Matrikelcommission das Adelsattest zur Matrikulation in Russland ertheilt. Das Reclit der vorgenannten Familie, den Barontitel zu führen, ist durch den Ukas des Heroldie-Depar- tements des dirigirenden Senats d. d. 17. November 1855 siib Nr. 7867 bestätigt worden. Er war 1851 mit Sophie Kanisclitschef, Tochter des Oberst Wasili Kanischtschef, vermählt und hat zwei Söhne: Alexander (80), Sergei (81) und zwei Töchter: 1. Catharina (78), geboren am 24. Juli 1852. 2. Barbara (79), geboren am 16. Januar 1857. 80. Alexander von Wrangeil, Baron von Addinal, Sohn von Alexander (66), geboren am 30. Juli 1849, erhält sein Adelsattest am 4. April 1859 zu Reval unter Nr. 10. 81. Sergei von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Alexander (66), geboren am 6. März 1S54, erhält sein Adelsattest am 4. April 1859 zu Reval unter Nr. 789. 68. Woldemar von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Nils Ludwig (55), geboren am 20. Februar 1820, ist 1881 russischer Generalmajor und Commandern- der ersten Brigade der 22. Infanterie-Division; 1883 Generallieutenant, erhielt er am 15. Mai anlässlich der Krönung Kaisers Alexander III. in Moskau den St. Wladimir-Orden zweiter Klasse. Er steht in Nowgorod. Mit seiner Gemahlin, einer Stuart-Holiburton, hat er zwei Söhne und eine Tochter: Alexandra (83), geboren 1861, katholischer Confession. 82. Constantin von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Woldemar (68), geboren 1860, lutherisch getauft. 84. Piaton von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Woldemar (68), geboren 1863. lutherisch getauft. 70. Heinrich von Wrangell, Baron von Addinal, (in der Dienstliste „Andrei" genannt), Sohn von Nils Ludwig (55), geboren am 5. Januar 1824. 1857 ist er Ingenieur, dann Staatsrath und Kammerherr des Kaisers von Russland; 1884 bekleidet er das Amt eines Stadthauptmanns in Jalta in der Krim. Er war verheirathet: a) mit Cäcilie Graff, wurde geschieden und lebt in zweiter Ehe b) mit der Fürstin Galitzin. geborene Gräfin Plater. genannt von dem Broele. Aus der ersten Ehe stammt ein Sohn: 85. Anatole Nils 1 ) von Wrangell, Baron von Addinal, war am 28. April 1849 zu Neu - Tscherkask im Lande der Donschen Kosaken geboren. Er war den 12. Juli 1868. Fähnrich, 1870 Lieutenant der Leibgarde des zweiten Scharf- i) Taufscheine des Pastors der liolländ. reform. Gemeinde in St. Petersburg; K.-B. des Leibgarde-Kürassier-Regiraent Seiner Majestät in Zarskoje-Selo. schützen - Bataillons, nahm an den Feldzügen 1877/78 in der Türkei tlieil, erhielt am 3. August 1879 die Polizeimeisterstelle in Zarskoje-Selo, wurde am 12. April 1881 Oberstlieutenant und ist Ritter des St. Wladimir-Ordens vierter Klasse mit Schwertern, des St. Annen-Ordens dritter Klasse mit Schwertern, des St. Stanislaus-Ordens zweiter Klasse mit Schwertern, Inhaber der Bronze-Medaille 1877/78 und des fürstlich rumänischen „Eisernen Kreuzes". Er ist lutherisch getauft. Am 26. Mai 1859 erhielt er unter Nr. 10 das Adelsattest mit dem Baronstitel. Er ist mit Nadesda Klawer, Tochter des Generalmajors Carl Klawer (griechisch-orthodox), vermählt und hat zwei Söhne und eine Tochter, nämlich: Glafina (94), geboren am 23. September 1876. 93. Anatole von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Anatole Nils (85), geboren am 5. October 1877 in Zarskoje-Selo, griechisch getauft. 95. Andreas von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Anatole Nils (85), geboren am 18. Januar 1881. 71. Ludwig von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Nils Ludwig (55), geboren am 19. März 1821. 1881 Oberstlieutenant beim Stabe der Ortstruppen in St. Petersburg und Chef der Militär-Verwaltung von Ostrow. Nach dem Urtheil des Petersburger Militärgerichts vom 8. October 1S82 wurde er für grobe Ungesetzlichkeiten zum Verlust aller besondern Standesrechte und des Adels, sowie zur Verbannung nach Tobolsk verurtheilt. Er ist mit einer Kolmykoff vermählt. 72. Piaton von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Nils Ludwig (55), geboren am 30. Januar 1829, Zwillingsbruder von Annette (73), war wirklicher Staatsratli, nahm aber seinen Abschied und lebt in St. Petersburg. Mit seiner Gemahlin, gebornen Lermontoff, hat er drei Söhne und zwei Töchter: 1. Catharina (87), geboren 1857, vermählt mit Sergei von Glasenapp, Professor der Astronomie in St. Petersburg (Sohn des Obersten des Geniecorps Paul von Glasenapp). 2. Elisabeth (89), geboren 1862. 86. Alexander von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Piaton (72), geboren 1855, griechisch getauft. 88. Nicolai von Wrangell, Baron von Addinal, Sohn von Piaton (72), geboren 1860, griechisch getauft; erzogen im Kaiser Alexander- Lyceum, dient seit 1880 im Ministerium des Aeussern, 1882 Collegien-Assessor und zweiter Secretär der Gesandtschaft in Peking, erhielt zu Ostern 1S84 den St. Annen-Orden dritter Klasse und ward 1885 dem asiatischen Departement des Ministeriums des Auswärtigen zugezählt. 90. Wladimir von Wrangel, Baron von Addinal, Sohn von Piaton (72), geboren 1863, griechisch getauft; erzogen im Pagencorps. 74. Constantin Franz von Wrangeil, Baron von Addinal, Sohn von Nils Ludwig (55), geboren am 5. August 1835 zu Mohilew am Dnjepr, Gouverneur von Plotzk in Polen, Generalmajor in der Reserve. Er erhielt das Adelsattest am 30. Januar 1860 unter Nr. 4 in Reval. Aus seiner ersten Ehe mit einer Popoff hat er zwei Söhne, von seiner zweiten Gattin, einer Schebaschoff, dagegen keine Kinder. Jene zwei Söhne sind: 91. Alexander von Wrangeil, Baron von Addinal, geboren im Juni 1863. 92. Wladimir von Wrangeil, Baron von Addinal, geboren am 17. November 1865. 45 Tabelle VIII. (Bei von Toll Tabelle C.) I)ie Freiherren (Barone) von Wrangeil ans dem Hanse Lndenliof. Auf der Freiherrenbank in Schweden unter Nr. 55 introducirt. Wir haben schon bei Nummer 5 der Tabelle VI mitgetkeilt, dass der Hof Ludenhof •m Besitz des Hauses Ellistfer war, und zwar dem Landrath und Oberst Hans von Wrangel auf Allo und Kymenegärd gehörte. Als dieser, seit 1653 Freiherr, 1667 ohne männliche Erben starb, ging die Freiherrschaft Lndenliof an den Gatten seiner Tochter Stieftochter Anna Dorothea von Tiesenhausen, Hermann von Wrangel] (III 47). über, welcher der Sohn Hermanns von Wrangel (IH 37) und dessen Ehegattin Gertrud von Tiesenhausen war. Dieser 1. Hermann von Wrangell, Freiherr (Baron) zu Lndenliof 1 ) (Tab. IH 47) ist daher als der Stammvater des noch heute in Bussland blühenden Zweiges der Barone zu Ludenhof anzusehen. Es entstand zwar wegen der Freiherrschaft Ludenhof ein Streit mit dem Keichsfeldherrn Carl Gustav Grafen von Wrangel-Salmis (VI 6), allein das Gut Lude ward diesem Oberstlieutenant Hermann von Wrangell als „rechtem natürlichem Erben" mittelst königlicher Eesolution zuerkannt. 2 ) In der Inländischen Landrolle von 1657 ist Hermann von Wrangell als Besitzer von Ludenhof mit 27Cd Haken und von Ensthof mit 3"/ 4 Haken verzeichnet. Durch seine Ehegattin erbte Hermann auch noch Warrol. Hermann war Erbherr auf Ellistfer, Sadjärwo, Warrol und Ensthof, Herr zu Schloss Lude in Livland, Jerwakant, Nömküll. Tolsburg mit Selckis in Esthland und Braklemois, und hatte auch Güter von seinem Vater in der russischen Provinz Ingermanland, dem jetzigen russischen Gouvernement St. Petersburg', geerbt. So gehörte ihm das Gut Wisotzkoje mit den Dürfern Fralowitchy, Kostowo, Gorbowa f) Wappen siehe Tafel 5. -) Killiani p. 426 ff. 355 und Petrowo, die nocli jetzt im Peterhofsclien Kreise, Am t Woronowo, existiren. Seit dieser Zeit ist die Familie immer in dieser Gegend besitzlich geblieben und die einzige, die noch aus der Schwedenzeit im St. Petersburger Gouvernement existirt. Am 16. November 1644 theilten sich die Vettern: Hermann von Wrangel, Jürgens Sohn von Walket, und Hermann r r on Wrangeil zu Jerwakant in die Güter Ellistfer und Kaiofer, wonach letzterer Ellistfer bekam und 1648 von der Königin Christina bestätigt erhielt. r ) Wegen seiner Güter hatte Hermann viele Weitläufigkeiten und Prozesse zu bestehen; es seien liier nur die wichtigsten Streitigkeiten hervorgehoben. Am 5. Juni 1645 wurde vom Manngericht über eine Streitigkeit des Oberstlieutenants Evert von Taube gegen Hermann von Wrang eil zn Jerwakant wegen eines in Tarrasowo belegenen Heuschlages der Güter Odenkott und Jerwakant zum Nachtheil des Hermann von Wrangeil, der „nichts Beständiges" beweisen konnte, entschieden. Am 11. Juli 1647 erhielt er einen Hausplatz auf dem Dom zu Reval. Nachdem Hans von Wrangel (IH 34) seiner Gattin Helewy geborene von Posse das ganze Gut Tolsburg nebst Zubehör, welches er laut der am 23. April 1625 von König Adolf erhaltenen Donation als eine Morgengabe zu verkaufen, zu verpfänden und zu vertauschen berechtigt war, als Morgengabe zugesprochen hatte, massten sich nach seinem Tode die Freunde und Verwandten seiner Gattin das Gut an, bis endlich der Freiherr Hermann von "Wrangel 1, theils durch Rechtsprozesse, theils durch gütlichen Vergleich das Gut Tolsburg wieder an sich brachte. Da Hans von Riesebieter den seiner Ehefrau Gertrud, geborenen von Wrangeil, erblich angehörenden halben Theil des Gutes Tolsburg Alters und Schwachheit halber in Person anzusprechen und einzunehmen nicht vermochte, setzte er 1660 den Oberstlieutenant und Freiherrn Hermann von Wrangeil zum Erben ein mit dem Beding, diese Erbschaft gegen den Grafen Carl Moritz von Löwenhaupt (Reichsrath und Feldmarschall) gerichtlich zu suchen und anzutreten, und von dem Erlös derselben dem Hans von Riesebieter und dessen Ehefrau Zeit ihres Lebens jährlich 100 Thaler zu verabfolgen. Dagegen sollte dem Hermann von Wrangeil die Restitution der Unkosten und des Ungemachs wider die Miterben vorbehalten bleiben, im übrigen aber che freie Disposition über die Erbschaft ohne irgend jemandes Einmischungen und Behinderungen behalten. Endlich war dem Freiherrn Hermann von Wrangeil noch aufgegeben worden, alle durch den Prozess mit dem Grafen Löwenhaupt entstehenden grossen Reisekosten, Gerichtsausgaben und alle Mühewaltungen auf sich zu nehmen. Freiherr Hermann von Wrangeil strengte denn auch einen Prozess gegen den Grafen Löwenhaupt an, was ihn nöthigte, im Herbst drei beschwerliche, mit vieler Leibes- und Lebensgefahr verbundene Reisen in das Reich zu unternehmen, wodurch seine Gesundheit sehr litt, abgesehen davon, dass er dabei einige tausend Reichsthaler mehr opferte, als ihm die Erbschaft einbrachte. Die letzte Reise kostete ihm allein 3000 Reichsthaler. 1) Briefl. Ellistfer. — 356 — Nach vielen Weitläufigkeiten und Mühewaltungen brachte Hermann von Wrangell es doch dahin, dass er den Prozess 1662 nicht allein in erster Instanz gewann, sondern sogar 1664 die völlige Confirmation der Königin erhielt des Inhalts, „dass dem Freiherrn Hermann von Wrangell, als dem Erben der Dorothea von Wrangel, verehelichten Gräfin Löwenhaupt, es frei stehen solle, die tolsburgsche Erbschaft sofort anzutreten und in Besitz zu nehmen". Inzwischen hatte aber kurz vor ihrem Tode Frau Gertrud von Kiesebieter mit Vorwissen und Consens ihres Ehemannes ein ordentliches Testament aufgerichtet, Hermann von Wrangell als ihren „geliebten erkorenen Sohn" adoptirt und ihn als ihren einzigen und wahren Universalerben eingesetzt. Somit war das Gut Tolsburg erb- und eigenthümlich an Hermann von Wrangel übergegangen. Später verglich sich Hermann von Wrangell mit den schwedischen Erben den Posseschen und Löwenhauptschen — vollständig, kaufte den anderen Theil des Gutes Tolsburg für 3000 Reichsthaler, ausgenommen von 1000 Reichsthalern, welche wegen Abtragung der gehobenen Fruchtuiessung zugelegt waren, baar ab, so dass Freiherr Hermann von Wrangell das Gut Tolsburg mit vollem Titel und Recht nunmehr als sein Erb- und Eigenthum ansehen konnte. Im Jahre 1679, als Hermann bereits verstorben war. strengten zwar Margarethe und Gertrud von Wrangel nochmals einen Prozess wegen Tolsburg, Selckis und Nöm- kiill gegen die Erben Hermanns an, wurden aber mit ihrer Klage abgewiesen. Am 10. Juli 1668 verkaufte er zu seinem und der Seinigen Nutzen an Hans von Wrangel zu Waschel (XVII 4) das Gesinde und die Mühle zu Pörne an den waschelschen Grenzen und im Kirchspiel Maholrn gelegen, „wie er und die tolsburgschen Brben es von jeher besessen für 400 Reichsthaler in specie". Am 9. Januar 1674 wurde zu Stockholm ein Transakt wegen Braklemois und Sadjärwo zwischen Oberstlieutenant Hermann von Wrangell zu Ellistfer und dem Kapitänlieutenant Gustav Bernd von Wrangel zu Kaiofer und Walket für sich und seine Brüder abgeschlossen. Nach demselben behielt Hermann obige Güter. Kurz vor der Reise des Oberstlieutenants Hermann von Wrangell nach Stockholm im März 1674 überreichte er dem Fromhold Jürgen von Wrangel (XVII 8) eine Specifikation über die Erb- und Landbauern von seinem Erbgut Jerwakant, welches Fromhold Jiirgen'von Wrangel von ihm gekauft hatte, um die sichere Einführung durch einen mannrichterlichen Auftrag auszuführen. Bei Uebernahme des Gutes ergab es sich aber, dass nicht so viel Land- und Erbbauern vorhanden, als verkauft, und auch nicht mit den Nachbarn die Grenzen richtig waren. Fromhold Jürgen von Wrangel erwartete daher die Rückkehr des Hermann von Wrangell, um die mannrichterliche Uebergabe zu erlangen; auch legte er unter dem 3. April 1674 Verwahrung beim General-Gouverneur ein, und da bis 1677 Hermann von Wrangell immer bettlägerig gewesen und inzwischen verstorben, so pro- testirte Fromhold Jürgen von Wrangel wegen des unrichtigen Verkaufs am 23. März 1677 gegen die nachgelassenen Söhne und Erben des Hermann von Wrangell und verlangte eine sachgemässe Herabsetzung der Kaufsumme und Entschädigung.*) Dieser Streit wurde erst am 2. März 1685 beigelegt, an welchem Tage die Beklagten sich zu einem friedlichen Ausgang bereit erklärten. 2 ) Endlich sei noch angeführt, dass Hermann von Wrangeil wegen der nachgelassenen Güter seines Schwiegervaters, des Carl Adolf von Tiesenhausen, 1665 viele Misshelligkeiten hatte, die durch einen am 20. März desselben Jahres zu stände gekommenen Vergleich ihren Abschluss fanden. Wir haben derselben bereits in Tabelle VT unter Nr. 16 Erwähnung gethan. In betreff der militärischen Thätigkeit Hermanns ist uns nur wenig überliefert worden. Wir erfahren blos, dass er als Rittmeister eine Compagnie Reiter im Leib- Regiment der Königin von Schweden geworben und geführt und dass er „mit Fleiss und Treue" an den Gefechten theil genommen hat. Sodann führte er 1648 als Oberstlieutenant eine Compagnie im Regiment des Oberst Leonhard von Vitinghoff, und • machte 1657 den üebergang über die Narowa mit, wobei von Vitinghoff flel. 3 ) Zuletzt war er Oberst. In Anerkennung seines Wohlverhaltens als Rittmeister und der hohen Verdienste seines Grossvaters, des Oberst Hermann von Wrangel zu Ellistfer (III 19), erhob die Königin Christine den Rittmeister Hermann von Wrangeil nebst seinem Vetter Hans von Wrangel (VI 5), wie wir schon gesehen haben, zur Verbesserung ihres adligen Standes am 8. October 1653 in den Freiherrnstand für sich und ihre ehelichen Leibeserben, mit der Berechtigung, sich „Freiherren zu Ludenhof" zu nennen und gab ihnen auch ein vermehrtes Wappen. 1664 wurde Freiherr Hermann von Wrangeil unter Nr. 55 auf der Freiherrnbank in Schweden introducirt. Hermann von Wrangeil starb am 8. December 1675 in Reval und wurde zwischen dem 7. und 10. März 1676 im dortigen Dom begraben. Zu seiner Erinnerung wurde im Altarschiff der Kirche neben dem Rathschor an der Wand ein sehr grosses Wappen von ihm, reich mit allegorischen Figuren geschmückt, welche ebenso wie die Helmdecken, auf denen sich die 16 Ahnenwappen bunt gemalt befinden, kunstvoll in Holz geschnitzt sind, aufgehängt. Freiherr Hermann von Wrangeil war mit Anna Dorothea von Tiesenhausen, Tochter des schwedischen Oberstlieutenants und Inländischen Landraths Carl Adolf von Tiesenhausen, Erbherrn auf Lude, Warrol, Röstorf, Wisseet (geboren 1605, stirbt 1652) und der Anna Dorothea von Tiesenhausen aus dem Hause Kalzesau, vermählt. Sie starb 1676 und wurde am 20. März auf dem Dom zu Reval beigesetzt. 4 ) Er hatte mit derselben sechs Söhne: Jürgen Gustav (2), Heinrich Otto (3), Hermann Adolf (5), Helmig (10), Ludwig (11), Carl Johann (14) und sieben Töchter: 1. Julianne Margarethe (4) 5 ) vermählte sich mit dem Oberstlieutenant Jacob Johannson von Kaulbars, der mütterlicherseits ein Urahn des Wilhelm Peter Georg Adolf von Wrangel (1X32) war; von Kaulbars war am 11. November 1) Oberlandgericlit Reval, Convolut 403 Nr. 8. 2 ) Olierlandgericlit Reval, Convolut 274 Nr. 9. 3 ) Gesell, von Ungern-Sternberg II p. G26 Urk. 692. 4 ) K.-B. Dom Reval. 5) Hupel, Nord. Miscell., Stck. 18. 19, p. 159: Lude, Briefl. Tom. III, Nr. 402. — 358 — 1G61 geboren und fiel am 16. Juli 1705 in der Schlacht bei Gemauertshof. Seine Gattin lebte noch 1687. 2. Ebba Barbara (6) heirathete 1661 den Bittmeister Jobann von Baggehufvnd auf Kussifer in dessen zweiter Ehe. Am 15. Mai 1704 vermählte sie sich zum zweiten Mal mit dem Oberst Gustav von Wrangel (XIII 20). 3. Gertrud Elisabeth (7) vermählte sich vor 1687 mit dem Begiments- Quartiermeister, Bittmeister Otto Friedrich von Buxhövden, Freiherrn auf Allen- kiill, Kerrafer in Esthland, Padel; sie starb 1697 und liegt in der Pönal sehen Kirche begraben. 4. Anna Dorothea (8) 1 ) vermählte sich am 17. Februar 1689 mit Beinhold Johann von Vitinghoff. Sie starb 1719. 5. Helene (9) 2 ) vermählte sich am 8. April 1697 mit dem Oberst Bogislav von der Pallien zu Beggafer (geboren 1646) in dessen zweiter Ehe. Sie lebte als Wittwe zu B,eggafer, musste dieses Gut aber 1723 an ihr e Stieftochter abgeben. Helene starb am 18. Februar 1728 und liegt im Dom zu Beval begraben/') Sie erbte einen Theil der Verlassenschaft ihres Bruders Helmig (10), schenkte indessen denselben am 3. Februar 1717 den beiden Söhnen ihrer Schwester Julianne Margarethe (4), den Gebrüdern Erich Helmig und Jacob Julius von Kaulbars. 4 ) 6. Tochter (12), vermählte sich 1689 mit dem Baron von Ungern-Sternberg auf Sadjärwo. 7. Tochter (13), vermählte sich 1688 mit Otto Hermann von Maydell. Am 17. des Hornmonats 1687 kam unter diesen Geschwistern eine Erbtheilung zu stände, wobei Oberstlieutenant Carl Johann: Ellistfer, Hermann Adolf: Nömkiill (Nemküll), der Hauptmann Georg Gustav: Brackelshof mit dem Dorfe Sadjärwo und Bösthof, der Lieutenant Helmig: 2722 Speciesthaler bekamen. Das Dorf Warrol blieb damals ungetheilt. Das Gut Sadjärwo ward von der Beductionscommission am 27. Herbstmonats 1682 wie ein Allodialgut den Kindern und Erben des Obersten Hermann von Wrangeil unverkürzt belassen. 3. Heinrich Otto von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Hermann (1), geboren am 1. December 1656 und in der Kirche St. Nicolai zu Beval getauft, scheint schon 1687 verstorben gewesen zu sein, da er in einem Vergleich- Instrument von diesem Datum nicht mehr erwähnt wird. 5. Hermann Adolf von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, 5 ) Sohn von Hermann (1), Erbherr auf Nömküll, welches er in der brüderlichen Theilung erhalten, war 1675 schwedischer Bittmeister und ist dies noch 1687; er starb 1695. Nachdem das Gut TOlsburg von der schwedischen Beduction eingezogen worden, er- 1) K.-B. Dom Keval. 2 ) K.-B. St. Olaiüeval; Stjernmanu, Matr. p. 119. 3) Lude, Briefl., Tom. III, p. 127. *) Lude, Briefl., Tom. VIII, p. 402. y) Lude, Briefl., Tom. III, p. 127. hielten die Erben des verstorbenen Rittmeisters Baron Hermann Adolf von Vr an gell die perpetuelle Arrende mit Nachgäbe, das Tertial darin zu lassen. Im Jahre 1695 hatte er einen Prozess mit dem Landrath Major von Rosen. Dieser hatte sein auf dem Brockberge in der Stadt Reval belegenes Haus abbrechen lassen und beabsichtigte es wieder aufzubauen. Mit seinem Neubau war er nun dem Hause der von Wrangelischen Erben zu nahe gekommen, wodurch das Pupillenhaus sehr im Fundament und in der Mauerstärke geschädigt ward. Die Vormünder verlangten daher, dass diesem Nachtheil vorgebeugt werde, wogegen indessen von Rosen protestirte. Der Erfolg ist nicht ersichtlich. 1 ) Er war vermählt mit G-erdula Maria von Rosen, Tochter Hinrichs von Rosen, welche 1692 starb, und hatte zwei Kinder, die aber am 8. Februar 1692 jung starben. 10. Helmig von Wraugell, Baron zu Ludenliof, 3 ) Sohn von Hermann (1), war 1677 schwedischer Lieutenant, 1684 Rittmeister und stand in Wien; 1698 war er Major, machte 1704 das Treffen zwischen den Schweden und Sachsen bei Posen mit und schlug sich 1705 bei Warschau, nachdem seine Kameraden theils gefangen theils getödtet waren, mit achtzig Mann glücklich durch. Er wollte nämlich seinem bedrängten Oberstlieutenant Hönde zu Hülfe eilen, wurde aber hierbei umringt, so dass es beiden nur mit grösster Anstrengung gelang, sich durchzuschlagen und mit Wunden bedeckt die Ihrigen zu erreichen. Er nahm bei der Theilung des väterlichen Nachlasses 1687 seinen Antheil in Geld; 1717 war er bereits verstorben. Er war vermählt mit Elisabeth Dorothea von Wrangell aus dem Hause Kojl (X TTT 34), Tochter des Hans von Wrangell auf Kojl (XIH 16). Sie hatten ausser einem Sohn Helmeth (21) noch zwei Kinder (23 und 24), die am 14. November 1654 geboren waren und am 18. November zu St. Nicolai in Reval begraben wurden. 3 ) 21. Helmeth von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Sohn von Helmig (10), geboren 1658 zu Reval, wurde am 27. October zu St. Nicolai getauft. Er starb vor dem Vater und ist zu St. Nicolai in Reval begraben. 4 ) 11. Ludwig von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Solm von Hermann (1), wurde 1631 geboren und starb 1697. Er war schwedischer Oberst auf Schloss Lude; vermählt war er mit Anna von Stryck, geboren 1640, gestorben 1702, und hinterliess eine Tochter: i) Raths-Archiv Reval, Acta „von Wrangell". 2j Lude Briefl., T. III, p. 108; Gadebuscli, Bd. 3; Ellistfer Briefl. Diese Angaben beruhen auf Dokumenten in Lude Briefl, III, Ist , 342. Es wird hier angegeben, dass Helmig mit Elisabeth Dorothea von Wrangel verheiratliet, was nach der angedeuteten Fundstelle richtig sein mag. Wenn aber in einigen Tabellen mitgetheilt wird, dass sein Solm der Feldmarschall Graf Fabian von Wrangel (Tab. XVIH 42) geivesen sei, so beruht dieses auf einem Irrthum. Dieser giebt zwar selbst an, wie wir später in Tabelle XVIII bei seiner Lebensbeschreibung sehen werden, dass seine Mutter Elisabeth Dorothea von Wrangel gewesen, indessen bezeichnet eine in Brüssel befindliche Ahnentafel deren Vater als Hermann von Wrangel auf Ellistfer (III 37), so dass der oben erwähnte Holmig von Wrangell (VIII 10) der Bruder-Sohn der letztgenannten Mutter des Grafen Fabian von Wrangel gewesen sein müsste. Es war sonach der Vater des letzteren der Schwager von Hermann von Wrangell (VIH 1) und ein anderer Ilelraig von Wrangell (XVIII 3) als der oben in der Ludeschen Brief lade hier VH1 10 aufgeführte Helm ig von Wrangell. 3) Kirchenbuch der Nicolai-Kirclie in Reval. i) Kirchenbuch der Nicolai-Kirche in Reval. 360 Dorothea (25), welche zu Schloss Lude am 11. Februar 1672 geboren wurde und am 27. Mai 1719 zu Repsdorf starb. Sie war vermählt mit Heinrich von Uhlenbrook, schwedischem Rittmeister und Erbherrn auf Eepsdorf; geboren 1669, gestorben am 5. Januar 1724. 14. Carl Johann von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, Sohn von Hermann (1), auf Ellistfer, Warrol und Grosshof Lude. Wir haben denselben als Stammvater (1er in Tabelle VIIIA, Hans Ludenliof, aufgeführten Glieder gesetzt. 2. Jürgen (George) Gustav von Wrangeil, Baron zn Ludenliof, 1 ) Sohn von Hermann (1), ist 1662 geboren und wurde am 17. September in der Nicolai-Kirche getauft. Er war Erbherr auf Ellistfer, Warrol, Tolsburg, Nömküll; 1681 war er Kapitän bei der Leibgarde und später Oberstlieutenant; 1697 verzog er nach Livland. 1704 stand er schon seit längerer Zeit in Dorpat und ist 1714 Landrath der Ritterschaft des Kreises Dorpat. 1715 kehrte er nach Esthland zurück und war 1733 der älteste Landrath daselbst. Im Jahre 1687 bekam er bei der brüderlichen Theilung Brackelshof nebst dem Dorfe Sadjärwo und Rösthof; letzteres ward 1683 von der Reductions-Commission als „frei" anerkannt. Das Gut Brackelshof verwandelte er in ein Dorf und machte aus dem Dorfe Sadjärwo eme Hoflage, so dass letzteres an die Stelle des ersteren trat und das neue Gut Sadjärwo mit dem alten Brackelshof vereinigt wurde. Der Name Sadjärwo war schon 1691 gebräuchlich. 2 ) Da Rüsthof von der königlichen Reductions-Commission am 19. Juni 1683 als Erb- uhd Allodial-Gut declarirt ivar, so konnte der Landrath und Kapitän Jürgen Gustav Baron von Wrangeil, nach Verzichtleistung der Gebrüder d. d. Ellistfer den 3. December 1687 auf Ansprüche an dieses Gut, am 14. April 1688 den Hof mit dem Dorfe Korrost im Kirchspiel Theal und das Dorf Wysall im Kirchspiel Urbs an den Oberstlieutenant Hermann von Bellingshausen für 6000 Reichsthaler species verkaufen. Nach dem brüderlichen Vergleich vom 17. Februar 1689 sollen ad 12 der Schlüssel und die Brieflade bei dem ältesten Bruder verbleiben und soll einem jeden von den vorhandenen Urkunden eine Specifikation ertheilt werden, welche sie mit ihren Unterschriften und Siegeln bekräftigten. Es hatte indessen nach dem Absterben des Vaters des Carl Johann (12), Georg- Gustav (2), der Baron und Landrath von Wrangeil als Vormund des jungen Carl Johann v on Wrang eil (VIIIA 4) und Vater-Bruder des letzteren die Original-Urkunden über Lude und Ellistfer und die sämmtlichen Briefschaften seines Vaters aus dem Sterbehause an sich genommen, so dass sich Carl Johann von Wrangeil (VHIA 4) nun veranlasst sah, durch ein Immediatgesuch an Peter den Grossen die weggenommenen Dokumente, die nur beim Aeltesten der Familie des Hauses bleiben durften, zu reclamiren. Er wird indessen am 1. Mai 1723 abgewiesen, weil diese Güter nicht in Esthland, sondern in Livland liegen. 1) Kirclienbucli clor Nicolai-Kirche in Beval. 2 ) Gadebusch. Bd. 3. — 3öl — Am 9. October 1690 verkaufte Jürgen Gustav die vier Inseln: Hochland (welches er von seinem Vater geerbt), Aspö, Stamnöe und Kwarsalnöo an seines Vaters Schwester, des verstorbenen Majors Franz Scharenberg Wittwe. 1 ) Im Jahre 1714 lernen wir den Landrath Georg Gustav Baron von Wrangeil als Arrendegeber an fremde Personen kennen, was mit seinem Amte zusammengehangen hat. In den folgenden Jahren lebte er meist in seinem zu Sadjärwo neugebildeten Hofe, wie auch ab und zu in Koick. 1714 und 1715 wohnte er den Landtagen der dorpat- schen Ritterschaft als Landrath bei. 1720 legte er durch Beweismittel seinen rechtmässigen und ererbten Besitz von Tolsburg der russischen Restitutions-Gommission über die Güter dar und ward ihm auch der Besitz zuerkannt. Er selbst gehörte obiger Commission als zweiter Landrath an und musste in diesem Jahre wegen dieser Angelegenheit nach St. Petersburg reisen, kehrte aber am 10. October 1720 wieder nach Reval zurück, löste seinen Stellvertreter in der Commission, den Ritterschafts-Hauptmann Hans Heinrich von Fersen ab und übernahm seine Geschäfte wieder bis zum 17. April 1721; er trat dann abermals zurück, übernahm jedoch mit dem Landrath Beugt Heinrich von Bistram am 22. Mai 1722 dieses Amt wieder. 2 ) Am 9. Juni 1721 wurde er von den Landräthen beauftragt, die Kaiserin bis Narwa zu geleiten. 1723 trat der Landrath Georg Gustav von Wrangeil seinem Brudersohn, dem Baron und Oberstlieutenant Carl Johann von Wrangeil (VHIA4), seine väterlichen Güter Selckis, Tolsburg, Nömküll, Warrol mit Dewen ab und richtete deshalb am 15. Juli zu Reval einen Vergleich auf. „Die Güter waren zu 14 000 Thaler unter sämmtliclien Erben in Güte taxirt worden, so dass der Oberstlieutenant Carl Johann von Wrangell auf seinen Antheil 4000 Thaler inne hatte. 4000 Thaler wurden an den Landrath Georg Gustav von Wrangell bei Abtretung der Güter erlegt; ferner erhält der Landrath Hans Heinrich von Fersen 2000 Thaler, und an die Frau Oberst von der Pallien wie auch an die Gebrüder von Kaulbars als Schwesterkinder werden 4000 Thaler, und zwar alles zu achtzig- Kopeken gerechnet, richtig ausbezahlt, rveshalb denn sämmtliche Miterben alles ihr Recht und Ansprache an oben genannte Güter dem Baron Carl Johann von Wrangell vollständig cediren und übertragen. Beim Antritt der Güter verblieb das auf den Höfen befindliche Vieh nützlich und allein dem Baron Carl Johann von Wrangell." 3 ) Jürgen Gustav starb 1734 zu Sadjärwo. Er war vermählt a) am 17. März 1686 mit Agnes Elisabeth, Tochter des Oberstlieutenant Baron Hermann von Fersen auf Sipp, Kirna, Nömküll und Catharina von Funcken, geboren 1667, getauft im Dom zu Reval am 25. Juli; b) mit Sabina Sidonie von Paykull, Tochter des Generalfeld Wachtmeisters Rembertvon Paykull 1 ) und Wittwe des Oberst Gustav Adolf von Meilin; sie war am 5. Juni 1677 geboren und starb 1714; durch sie erhielt er 1720 das Mellinsche Gut Innis in Wirland im Kirchspiel St. Jacobi; c) mit Baroness Elisabeth Margarethe von 1) Oberlandgericht Rev.il, Convolut 277. 2) Oberlandgericht Reval, Convolut 406, p. 50, 408. 3) Oberlandgericht Reval, Convolut 280, Nr. 10. ■*) Briefl. Rittersch. Archiv Nr. 172 p. 68. 46 — 362 der Pallien, Tochter des livländischen Landraths Gustav von -der Pallien auf Sepküll und der Barbara Gertrud von Ermes. Sie war geboren 1660. Am 31. Mai 1682 vermählte sie sich in erster Ehe mit dem Rittmeister Johann Georg von Mohrenschild auf Koick. Als dieser 1710 verstorben, verblieben ihr ,.wegen ihres eingebrachten Brautschatzes und der angewandten Begräbnisskosten" die Mohrenschild sehen Güter Koick und Arro. Dieselben nahm später Jürgen Johann von Wrangeil, der sich am 18. Juli 1715 mit der Wittwe verheirathete, 1 ) als deren wahre Pfandgüter in Besitz und bezahlte die Berg scheu und Mohrenschild sehen Erben jährlich daraus aus. 2 ) — Ihre Pflegetochter war Agnes Margarethe von Wrangel, die sich 1734 mit Hermann von Kaulbars vermählte. Er hatte aus der ersten Ehe drei Söhne: Carl Johann (15), Hermann Gustav (16), Hans (17) und eine Tochter: Auguste Helene (18), welche am 16. Januar 1702 in der Domkirche zu Reval getauft wurde. Aus der zweiten Ehe entsprossen zwei Söhne: Georg Gustav (19) und Gerhard Johann (20). 15. Carl Johann von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Jürgen Gustav (2), wurde 1688 in Reval geboren und am 9. Februar in der dortigen Domkirche getauft. Er trat 1701 als Musketier ins Regiment des Generallieutenants Skytter in Livland ein. Im Jahre 1702 wurde er bei demselben Regiment Corpora!, Unteroffizier, Adjutant und Fähnrich; 1704 wurde er Lieutenant im Regiment des Oberst von 'Piesenhausen und 1707 trat er in das Regiment des Oberst von Aderkas in Holland, wurde Kapitän beim Regiment Graf Wellingk in Stade und am 10. November 1711 Hauptmann bei der Leibgarde zu Fuss. (Vollmacht d. d. Bender.) Am 2. Juli 1718 wurde er Oberstlieutenant beim Leib-Regiment zu Fuss der Königin Wittwe und am 28. August 1718 als Oberstlieutenant in das Regiment Södermanland versetzt. Zu dieser Zeit hegte Schweden die Absicht, auf Madagascar eine Niederlassung zu gründen, und hatte von Wrang eil schon die Erlaubniss und den Befehl erhalten, sich der Expedition anzuschliessen. Der Plan gelangte incless nicht zur Verwirklichung und so verblieb Carl Johann in Schweden. Im Jahre 1720 wurde er Oberst beim Infanterie-Regiment Oestgöta und dann Generalfeldwachtmeister. Als solcher verstarb er am 24 September 1742 in Schweden. 3 ) Im Jahre 1708 erhielt er in der Schlacht bei Oudenarde einen Schuss unter das rechte Auge. Die Kugel blieb im Kopfe sitzen, aber dennoch lebte er noch 34 Jahre. Er vermählte sich a) 1719 mit der Gräfin Christine Luise Oxenstjerna aus Korsholm, der Tochter des Oberst Grafen Gustav Adolf Oxenstjerna auf Korsholm, Wasa und Edsberg und der Gräfin Christina Douglas. Sie starb am 12. März 1729. b) 1734 vermählte er sich mit einer Nichte seiner ersten Frau, der Freiin Beate Elisabeth Rälamb, geboren am 5. Juli 1706, gestorben 1761. Sie war die Tochter des Präsidenten im Berg- i) Oberlandgericht Reval, Convolut 408 p. 292. -) K.-B. Ampel. 3) Brich. Rittersch. Archiv Nr. 172 p. 68. — 363 — Collegium C. N. 0. Freiherrn Gustav Rälamb auf Byestad und der Gräfin Hedwig Douglas. Diese Elie war kinderlos. Aus der ersten Ehe hatte er zwei Söhne: Carl Gutsav (26) und Gabriel Adolf (27)4 26. Carl Gustav von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Carl Johann (15), geboren am 11. September 1718, trat den 24. Mai 1734 als Volontär bei der östgötischen Infanterie ein, wurde 1735 Unteroffizier und am 14. Juni Fähnrich bei derselben; am 25. Juni 1741 wurde er Lieutenant und am 30. März 1743 Kapitän. Im Jahre 1748 nahm er als Major seinen Abschied, erhielt 1751 den Schwertorden, wurde 1762 Königlicher Kammerherr und Cavalier beim Prinzen Car von Schweden, kam 1770 in die Richterverwaltung, wurde 1773 Richter (Lagmann) in Gothland und 1777 Ceremonienmeister des Königlichen Hofes. Er starb am 3. Januar 1779. Am 24. Juli 1744 vermählte er sich mit seiner Cousine, ' der Freiin Christine Marie von Falkenberg, welche am 24. Juli 1720 geboren wurde und am 18. Januar 1760 starb. Sie war die Tochter des Landeshauptmanns und R. N. 0. Gabriel Baron von Falkenberg auf Trystorp etc. und der Gräfin Beate Margarethe Douglas. Sie hatten drei Söhne, nämlich: 45. Carl Gabriel von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Carl Gustav (26), geboren und gestorben 1747. 46. Gustav Adolf von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Carl Gustav (26), stirbt jung. 47. Hermann von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Carl Gustav (26), stirbt jung. 27. Gabriel Adolf von Wrangell, Baron zu Ludenhof Sohn von Carl Johann (15), wurde 1724 geboren. Am 11. August 1746 ward er Adjutant in der Leibgarde und am 3. September 1747 Lieutenant; am 30. October 1752 befand er sich als Kapitän bei der östgötischen Infanterie, wurde am 11. August 1760 Major, 1761 Ritter des Schwertordens. Er starb am 29. October 1790 als Oberstlieutenant zu Norrby in Ostgothland. Er vermählte sich 1748 mit der Freiin Sophie Helene von Bildstein, welche um 1720 geboren wurde und am 9. November 1798 zu Norrby starb. Sie war die Tochter des Generallieutenants Eberhard Baron Bildstein auf Hunnerstad und der Freiin Beate Clerck. Sein Sohn war: 48. Carl Eberhard von Wrangell, Baron zu Ludenhof, geboren 1759, starb schon 1763. Sein Wappen wurde in der Höredakirche im Kreise Jönköping in Smäland aufgehängt. 46" 364 — 16. Hermann Gustav von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, 1 ) Sohn von Jürgen Gustav (2), wird auch mit den Vornamen Hermann Georg geführt. Er war gehören 1686, getauft am 13. December in der Domkirche zu Reval; 1704 war er Fähnrich in Dorpat und 1708 schwedischer Kapitän im geworbenen Regiment des Oberst Hans Heinrich von Dieven. Als solcher wurde er am 16. August 1708 bei Wesenberg gefangen. Im Jahre 1722 kehrte er aus der Gefangenschaft von Tobolsk zurück und nahm 1724 als Major seinen Abschied. Er starb unverheirathet. 19. Georg Gustav von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, 2 ) Sohn von Jürgen Gustav (2), war Erbherr auf Schloss Lude und erbte ausserdem von seinem Vater noch Sadjärwo. Im Jahre 1753 kaufte er von dem Lieutenant Ernst Vol'ratli von Gyllenschmidt für 20 300 Rubel das Gut Wernershof, neben welches er eine Hoflage baute. Sodann kaufte er am 13. Decemher 1748 von seinem Schwager, dem Dornet Martin Heinrich von Löwenstern, Repshof und Toickfer für 10 000 Rubel und 50 Dukaten nebst einem Reitpferde. Beide Güter verkaufte er am 19. des Brachmonats 1762" dem Oberstlieutenant Otto Wilhelm Freiherrn von Fersen für 15 800 Rubel. Auch das Gut Türsei bei Narwa hat er gekauft. Im Jahre 1730 war er Kapitän bei der Svea-Leibgarde und wurde 1739 Ordnungsgerichtsadjunkt in Gripsholm. Von Georg Gustav ist uns bekannt, dass er sehr streitsüchtig war und ohne Grund viele Prozesse anhängig machte, deren Durchführung er dann seinen Sachwaltern über- liess, ohne dieselben jedoch vorher wahrheitsgetreu mit dem Sachverhalt vertraut gemacht zu haben. So berief er sich zuweilen auf Zeugen; sollte er sie aber stellen, so gab er vor, sie wären alle kürzlich gestorben. Schliesslich waren seine Sachwalter oft noch gezwungen, ihre Geldforderungen gerichtlich einzuklagen. Georg Gustav hatte mit einer Jonierin einen natürlichen Sohn. Er nannte ihn mit Versetzung der Buchstaben „Granwel", liess ihn gut erziehen und die Rechte studiren. Nach vollendeten Studien trat dieser in russische Kriegsdienste, starb aber nicht lange darauf. Zur Gattin hatte Georg Gustav Anna Beate von Löwenstern, eine Tochter des Oberstwachtmeisters Carl von Löwenstern auf Anzen, welche am 6. März 1725 geboren war und am 12. August 1787 zu Weslershof eines plötzlichen Todes starb; sie trank sofort nach einem genommenen Bade Meth und Eiskellerbier und bekam einen Lungen- sclilag. Am 28. April 1783 hatte sie mit ihren unten genannten beiden Schwiegersöhnen einen Erbschafts- und Theilungs-Vertrag geschlossen, in welchem sie ihnen alles abtrat und sich dagegen ein jährliches Einkommen von 2000 Rubeln ausmachte. Sie hatten einen Sohn und drei Töchter: 1. Euphrosyne Elisabeth (39), vermählt mit dem Lieutenant a. D. Gustav Magnus Baron Fersen, nachherigem livländischen Landrath, auf Lanhäl und Wredenhagen, geboren am 10. April 1748. Er erhielt Sadjärwo. i) Gadebusch Bd. 3. '-) Gadebusch, Livl. Jahrbücher IV 2 bis 101. 2. Auguste Sidonie (41), vermählt a) mit dem russischen Oberst und General- feldwachtmeister Wilhelm Theodor von Schutter; b) mit Wilhelm Theodor von Schultz, schwedischer Generallieutenant. 3. Charlotte (41A), vermählt mit einem von Koschkul, der sich 180C> auf Sad- järwo befindet. 40. Carl Gustav von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Sohn von Georg Gustav (19), geboren am 19. März 1743 zu Anzen, starb jung. 20. Gerhard Johann von Wrangell, Baron zu Ludenliof, 1 ) Sohn von Jürgen Gustav (2), Erbherr auf Sauss, wurde 1713 geboren und starb am 28. Juli 1777. 2 ) Am 13. Januar 1752 hatte er einen Prozess gegen den Major Erich Helmig von Kaulbars. Dem Baron von Wrangell war durch kaiserlichen ükas des Senats in St. Petersburg das Gut Paunküll immissionsweise übergeben worden. Major von Kaulbars hatte bei dieser Immission dem Baron von Wrangell keinerlei Vieh noch sonst das Notlüge, wie das gelegte Inventarium auswies, gelassen, sondern alles weggeführt, mithin dem Baron von Wrangell seine Interessen aus dem Gute zu schaffen, recht schwer und kostspielig gemacht. Baron von Wrangell war aber weniger um das Gut Paunküll oder dessen Revffuen, sondern vielmehr um sein Geld zu thun, welches er, nachdem er inzwischen Sauss gekauft hatte, dringend gebrauchte. Die Ukase gestatteten in diesem Falle die Versteigerung des Gutes Paunküll und so stellte Baron von Wrangell, da von Kaulbars nach der gegebenen Frist keine Antwort gegeben, am 5. November 1751 den Antrag, dass das Gut Paunküll gerichtlich an den Meistbietenden verkauft werde. :i ) Am 20. Juni 1756 vermählte sich Gerhard Johann mit Johanna Dorothea Baroness von Wrangell (VIII 31), einer Cousine, welche die Tochter von Hans Baron von Wrangell zu Ludenhof und Erras (17) war und am 27. October 1773 starb Er zeugte mit ihr einen Sohn und zwei Töchter: 1. Elisabeth Johanna Dorothea (43), geboren am 4. Februar 1761, starb im März 1761. 2. Julianne Charlotte (44), geboren 16. Februar 1765, vermählte sich a) mit dem Landrath von Patkull zu Tois, wurde von diesem geschieden und vermählte sich zum zweiten Mal b) mit dem königlich schwedischen Kapitän von Yhlen. Sie starb am 12. August 1830. Vom Rittmeister Alexander Daniel von Villebois erhält sie am 20. Februar 1800 für 13 500 S.-R. und 1500 Rubel Kalle 4 ) im Kirchspiel Ampel cedirt und lässt es sich am 31. März 1800 zuzeichnen. 42. Hans von Wrangell, Baron zu Ludenliof. Sohn von Gerhard Johann (20), geboren am 3. Januar 1757, war Erbherr auf Sauss, welches er verkaufte. Im Jahre 1788 kaufte er Udenkyll (früher zu Nömküll gehörig) vom 1) K.-B. Halljal; K.-B. Luggenliuscn. 2) K.-B. Halljal. 3) Oborlandgericlit Reval, Convolut 280 Nr. 12. J) Kalle war eine Lanilstelle vom Gute Nömkiill. 366 — Kapitän von Saltza, Er lebte noch 1788 und führte fälschlich das Wappen „von Wrangel- Lindeberg".*) Er vermählte sich, mit einer de Villebois. 17. Hans von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Jürgen Gustav (2), war 1723 Kapitän, Erbherr auf Erras im Kirchspiel Lug- genlmsen und Uchten im Kirchspiel Wesenberg, welches er durch seine Gemahlin erbte mid von Reinhold VIII. Axel von Ungern-Sternberg, Geheimrath, 1735 durch Renuncirung seiner Ansprüche überlassen erhielt. Im Jahre 1733 erbte Hans Baron von Wrangell - schon Hakenrichter und Kapitän — von seinem Vater Nömküll mit den Dörfern Karronga und Saiakoppel. Nachdem die Erben des Commandanten Jürgen Reinhold von Ungern-Sternberg am 11. März 1731 Ubbias von Alt-Uchten abgetheilt hatten und es seinen unver- heiratheten Töchtern Sophie Eleonore und Luise Charlotte unter dem Namen „Neu- Uchten" in Arrende gegeben, bis es am 29. Februar 1738 an Ludwig Friedrich Baron von Ungern-Sternberg für 6000 Reichsthaler oder 4800 Silberrubel verkauft worden, wurde Ubbias oder Neu-Uchten von ihm 1748 an Hans Baron von Wrangell für 1900 Rubel banco cedirt und so wieder mit Uchten verbunden. Im Jahre 1748 finden wir Hans Baron von Wrangell als Hakenrichter, als Kapitän und als gerichtlich constituirten Curator der Fräuleins Susanne Charlotte und Gprtrud Helene Lindemeyer. 2 ) Ei' verglich sich am 3. März desselben Jahres mit Georg Johann von Albedyll wegen seiner Ansprüche am Gute Kydepäh. 8 ) Er starb 1754 und ward am 7. März zu Reval begraben. Hans Baron von Wrangel hatte mehrere Prozesse zu bestehen, die hauptsächlich seine Güter Erras und Wrangel, aus welchen sein naher Verwandter Fabian von Wrangel (XII 39) Gelder zu fordern hatte, betrafen, die Zeit von 1735 bis 1746 ausfüllen und hauptsächlich gegen die nahen Verwandten, den General-Adjutanten und Landrath Fabian Ernst von Ungern-Sternberg und den Geheimen Rath Reinhold Axel Freiherrn von Ungern-Sternberg geführt wurden. Hans führte sie theils in seinem Interesse, tlieils vertrat er in diesen Prozessen seine klagende Schwiegermutter Frau Baronin von Ungern-Sternberg, geborene Anna Margarethe von Wrangel (XII 37), durch welche das Gut Wrangel in den Besitz des Baron Hans von Wrangell gelangt war. Schon 1734 hatten die beiden Verwandten, der genannte Geheimrath Freiherr von Ungern-Sternberg und Baron Hans von Wrangell wegen der Güter Erras und Kydepäh in Streit gelegen, welcher am 6. Februar 1735 durch einen Transakt beigelegt wurde. Hans von Wrangell erhielt durch denselben das Gut Erras mit allem Zubehör und den Briefschaften, der Geheimrath von Ungern-Sternberg dagegen übernahm Kydepäh. Dieser Vergleich erregte indessen viele Unzufriedenheit unter den Verwandten, indem *) Staats-Archiv in Reval Convolut, „von "Wrangell", 2 ) Esthländ. Landgüter von Pancker Tli. I, p. 60. 8 ) Esthländ. Rittersch. Archiv. einzelne von ihnen mehrere Gelder aus den genannten Gütern beanspruchten. Die Kläger wurden indessen auf Grund von Testamenten und richtigen Vergleichen abschlägig beschieden. Endlich aber schwebte 1744 noch ein zweiter Prozess wegen Erras und Wrangel, welchen Frau Baroness Anna Margarethe von Ungern-Sternberg, geborene von Wrangel, gegen den Hakenrichter Baron Hans von Wrangeil führte; indem genannte Frau Baronin noch das ihr zustehende Erbtheil aus dem Gute Wrangel und noch gewisse' Einkünfte von genanntem Schwiegersohne forderte. Dieser Prozess endete damit, dass Hans von Wrangeil am 21. März 1747 zur Zahlung vorürtheilt wurde. 1 ) Hans Baron von Wrang eil vermählte sich am 19. März 1716 mit Elisabeth Dorothea von Ungern-Sternberg, Tochter des Fabian Ernst II. von Ungern-Sternberg auf Erras und der Anna Margarethe von Wrangel (Tochter des Claus Moritz von Wrangel auf Mehntaken [XII 27] Elisabeth von Oerten); sie wurde 1700 geboren, am 18. November getauft und ist am 22. Februar 1762 gestorben. Sie hatten fünf Söhne: Jürgen Gustav (28), Fabian Ernst (30), George Hans (32), Hermann (36), Carl Johann 37) und sechs Töchter: 1. Anna Helena (29), vermählt am IS. September 1743 mit dem Premier-Major beim muranischen Infanterie - Regiment Alexander Ciapier de Cologne. 2 ) Sie stirbt am 7. Mai 1773. 2. Johanna Dorothea (31), 8 ) war 1723 geboren und vermählte sich am 20. Juni 1756 mit Baron Gerhard Johann von Wrangeil auf Sauss (20). Sie starb am 27. October 1773. 3. Sophie Renata (33), vermählte sich a) am 3. Januar 1757 mit dem russischen Lieutenant Johann Wilhelm Baron Bielsky, Erbherrn auf Buil; b) 1764 mit dem Oberst Conrad Baron Rosen in erster Ehe. Sie starb 1765. 4. Julianne Charlotte (34), ^ geboren am. 24. December 1729, vermählte sich 1763 mit dem Kapitän Peter ,von Rennenkampff, Erblierrn von Selckis, Tolsburg, Kandel. Sie stirbt am 16. Februar 1798 als Wittwe. Das Gut Kandel vermachte sie ihrem Schwestergrosssohn, dem Major Peter von Loewis de Menar, späterem Erbherrn auf Sackhof. 5. Anna Christina (35), stirbt 1760 am 3. Januar ander Wassersucht; sie war 27 Jahre alt. 6. Margarethe Elisabeth (38), vermählt am 13. September 1743 mit dem damaligen Oberstlieutenant Carl Philipp von Frauendorff. 28. Jürgen Gustav von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, Sohn von Hans (17), Erbherr auf Erras, wurde 1718 geboren und vermählte sich am 15. Juli 1772 mit Anna Margarethe von Krusenstjerna, Wittwe des Lieutenants Hermann Reinhold 1) Geschichte der Familie von TJngern-Stemberg, Bd. I, 329; Oberlandgericht Keval. Convolut 411 Nr. 5 und 6. 2) K.-B. Mahohn. 3) K.-B. Halljal. 4) K.-B. Halljal und Maholm 368 von Essen; sie war die Tochter des Oberstlieutenants Evert Philipp von Krusenstjerna auf Meggad in Livland und Eva Maria von Paykul. Georg Gustav Baron von Wrang-eil hatte aus Erras seiner Schwester Anna Helene (29), Gemahlin des Majors Alexander Ciapier de Cologne auf Somm, 3000 Silberrubel und der Johanna Dorothea (31), Gemahlin des Barons Gerhard Johann von Wrang eil auf Sauss, eben so viel auszuzahlen. Die Schulden sollten aus dem Erlös von den in Beval liegenden 83 Lasten Boggen getilgt und dann noch dem Fräulein Julianne Charlotte (34) zur Aussteuer 500 Silberrubel reservirt werden. Der Best des aus dem Verkauf gelösten Geldes und das Silberzeug war an alle Erben gleich- massig zu vertheilen. Nach Georg Gustav Baron von Wrangells Tode verblieb Erras den Erben, die es am 29. September 1796 in öffentlicher Auktion verkauften. Diese Erben waren: 1. Frau Kapitän Julianne von Bennenkampff, Wittwe (34); 2. Jacob Baron von Wrangeil (53); 3. George Baron von Wrangeil (54); 4. Hermann Baron von Wrangeil (36); 5. Frau Flotten-Kapitän von Lohmen, geborene Hedwig Baronin von Wrangell (56); 6. Frau Kapitän von Korff, geborne Charlotte Baronin von Wrangell (57); 7. Hofrath Wilhelm von Wrangell (51); 8. Hans Baron von Wrangell und die Frau von Yhlen, geborene Julianne von Wrangell (32, 44); 9. Kapitän Hans Ciapier de Cologne; 10. Major Jean Ciapier de Cologne; 11. Frau Generalin von Löwig, Wittwe Ciapier de Cologne. 30. Fabian Ernst von Wrangell, Baron zu Lndenhof, r ) Sohn von Hans (17), ward von der Kaiserin Elisabeth d. d. Moskau den 19. November 1749 laut Patent vom 21. Februar 1748 zum Kapitän ernannt und später zum Major befördert. Er war Erbherr auf Ontika und verstarb vor 1765. Mit seiner Gemahlin Anna Helene von Stakelberg aus dem Hause Kersel und Puddifer in Esthland hatte er zwei Söhne: Fabian Adolf (49), Bernhard Wilhelm (51) und eine Tochter: Elisabeth Dorothea (50), die als Kind stirbt. 49. Fabian Adolf von Wrangell, Baron zu Ludeilhof, Sohn von Fabian Ernst (30), war kaiserlich russischer Major und wurde 1783 auf einer Beise in der Gegend von Pleskau von Soldaten erschossen. Er war unvermählt. 51. Bernhard Wilhelm von Wrangell, Baron zu Ludenhof, 2 ) Sohn von Fabian Ernst (30), wurde am 1. November 1747 geboren und trat 1765 in den Militärdienst. Im Jahre 1776 war er Kapitän, ging 1778 in den Civildienst über, in welchem er 1780 kaiserlich russischer Hofrath und demnächst Collegien-Assessor in Pleskau wurde, sich aber 1798 zur Buhe setzte. Er war Erbherr auf Ontika und .Johannishof, verkaufte aber ersteres 1797 und wohnte seit dem 15. August 1777 in Werro. Er starb am 17. März 1845 in St. Petersburg in einem Alter von 97 Jahren. *) Gadobuscli, Beweise zur Livl. Adels-Gescli. Bd. V. p. 775. 2 ) Gadebusch, Beweise zur Livl. Adels-Gescli. Bd. Y. p. 795. Er lebte über 60 Jahre in der Ehe mit seiner Gattin Hedwig Barbara Elisabeth von Wrangeil ans dem Hanse Lagena (1X19), welche am 15. November 1758 geboren wurde und am 24. Januar 1838 in St. Petersburg stai'b. Diese würdige Frau war viele Jahre Vorsteherin einer Erziehungsanstalt für junge Damen, anfangs in Werro, später in Reval. Sie war die Tochter des Kammerherrn Bernd Gustav von Wrangeil (IX 18). Aus dieser Ehe stammten sieben Söhne: Georg Gustav (62), Fabian Wilhelm Christoph (64), Eduard (65), Carl (66), Wilhelm Bernhard Friedrich (67), Georg Gustav Ludwig (68), Alexander Peter Magnus (70) und vier Töchter: 1. Marie Elisabeth (61); sie wurde geboren 1778 und starb in demselben Jahre. 2. Margarethe Elisabeth Julianne (63), geboren am 13. März 1790, wurde am 25. Januar 1807 mit dem Flotten-Kapitänlieutenant Friedrich von Homberg vermählt, welcher nach seiner Rückkehr von der Reise um die Welt unter Krusenstern am 25. Januar 1805 jene Charge auf der Kriegs-Fregatte „Her- miona" erlangt hatte. Er starb am 7. Februar 1811. Sie zog nach Zarskoje- Sselo und lebte hier noch im Jahre 1845. 3. Anna Barbara Charlotte (69), geboren am 2. October 1787, stirbt am 4. Juni 1824 unverheiratliet. 4. Wilhelmine Dorothea Catharina (71), wurde am 30. Juli 1802 geboren und starb am 17. November 1826. ] ) 62. Georg Gustav von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, Sohn von Bernhard Wilhelm (51), wurde am 31. Mai 1780 geboren und starb 1791. 64. Fabian Wilhelm Christoph von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Bernhard Wilhelm (51), wurde am 27. November 1791 geboren, studirte in Kasan, diente im Jahre 1818 bei der Gesetz-Commission in St. Petersburg, wurde Collegien- Assessor, 1824 Regierungsrath in Riga, Ritter des St. Annen-Ordens n. Klasse und des St. Wladimir-Ordens IV. Klasse und starb am 18. December 1833 zu Riga. Von seiner ersten Gemahlin a) Catharina Margarethe von Villars wurde er geschieden und heirathete darauf am 27. Mai 1827 b) Cäcilie von Guliewsky, welche, am 4. Januar 1806 geboren, im März 1873 in Wiesbaden starb. Aus der ersten Ehe hatte er einen Sohn: 80. Julius Fabian von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, welcher am 9. Februar 1822 geboren wurde. Er besuchte die Ritter- und Domsclmle in Reval, trat im Jahre 1840 ins Heer ein, machte 1848/49 als Ordonnanz-Offizier des Generals Grabbe den Feldzug in Ungarn gegen die Insurgenten mit, nahm seinen Abschied und trat bei der Grenzwache ein, wurde 1865 Compagnie-Commandeur und Major in Esthland, später war er an der preussischen Grenze in Wirballen. 65. Eduard von Wrangeil, Baron zu Ludenliof. Sohn von Bernhard Wilhelm (51), war 1800 geboren und starb in demselben Jahre. i) K-B. Nicolai in Reval. 66. Carl von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, des letztern Bruder, war 1798 geboren und starb in demselben Jahre. 67. Wilhelm Bernhard Friedrich von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Bernhard Wilhelm (51), wurde am 6. Januar 1797 in Pleskow geboren. Im Jahre 1809 trat er als Kadet in das Seecorps in St. Petersburg ein; 1815 kam er als Midshipman zur baltischen Flotte, 1820 war er Lieutenant der Flotte und wurde 1822 auf sechs Jahre nach Dorpat als Gehilfe des Professors Struve bei der Gradmessung ab- commandirt. Im Jahre 1828 wurde er dem General Schubert, Chef der trigonometrischen und astronomischen Messungen der Küsten Kusslands am Baltischen Meer und Rigaischen Meerbusen, bis zum Jahre 1839 zugetheilt. Im Jahre 1830 wurde er Kapitänlieutenant und 1831 Oberstlieutenant mit Ueber- führung zum Steuermann-Corps unter Belassung in der früheren Stellung; 1833 nahm er thätigen Antheil an der ersten russischen Chronometer-Expedition unter General Schubert; 1838 wurde er Oberst; 1839 erhielt er zur Herstellung seiner Gesundheit einen viermonatlichen Urlaub nach dem Ausland. Nach seiner Rückkehr zum Chef einer Abtheilung zur Aufnahme der Küsten und Sondirung der Ostsee auf Grundlage beendeter trigonometrischer und astronomischer Messungen ernannt, avancirte Baron Wilhelm von Wrangell im Jähre 1849 zum Generalmajor mit Beibehaltung der früheren Functionen, im Jahr 1854 wurde er zum Chef der Telegraphenlinien am südlichen Ufer des Finnischen Meerbusens ernannt und 1855 zum Generallieutenant und Director der baltischen Leuclitthürme befördert. Im Jahre 1860 ward er Commandern' des Revaler-Port mit Verbleib in seinen übrigen Functionen. Thm wurden folgende Auszeichnungen zu theil: Im Jahre 1828 erhielt er eine besondere kaiserliche Danksagung für die Theilnakme an der Gradmessung und wurde zum Correspondenten in der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg ernannt. Weiter erhielt er im Jahre 1831 eine besondere kaiserliche Danksagung für Hilfeleistung während der Cholera in Reval; 1833 erhielt er den St. Wladimir-Orden IV. Klasse und den Schwertorden vom Könige von Schweden. Im Jahre 1836 wurde er Mitglied der königlichen Akademie der Kriegswissenschaften zu Stockholm. Im Jahre 1843 wurde ihm der St. Georgen-Orden IV. Klasse für 25 Dienstjahre verliehen, 1846 der St. Annen-Orden II. Klasse, 1847 nach 30jähriger Dienstzeit die Verdienstschnalle, 1855 der St. Stanislaus-Orden II. Klasse, 1861 der St. Annen-Orden I. Klasse und 1863 die Krone zu diesem Orden. Im Jahre 1865 erhielt er nach 50jährigen Dienstzeit im Oflizierrange den St. Wladimir - Orden H. Klasse und wurde umbenannt zum Vice- Admiral, sodann wurde er im Jahre 1866 Voller Admiral in seiner früheren Stellung. Im Jahre 1868 erhielt er den Weissen Adlerorden und am 16. April 1872 den St. Alexander- Newski-Orden. See-Campagnen und Aufträge: 1812 und 1813 auf der Fregatte „Maloi"; 1814 auf der Brigantine „Simeoni Anna"; 1816 auf dem Linienschiff „Tri-Patriarcha" im Finnischen Meerbusen und in der Ostsee; 1817 auf dem Linienschiffe „Dresden" unter Admiral Moller von Reval durch den Grossen Belt nach Gotenburg, England und Cadix; 181S auf der — 371 — spanischen Corvette „St. Joseph-' über England, Kopenhagen nach Kronstadt; 1818 war er auf den Linienschiffen „Pamjätz-Efstafei", 1821 auf „Tschesma", 1822 auf „Leipzig" in der Ostsee gekreuzt; 1822 bis 1828 bei der Gradmessung in Dorpat von Hochland bis Jacobstadt; 1829 bis 1839 jeden Sommer auf verschiedenen Fahrzeugen als Chef der Kiisten- vermessung in der Ostsee; 1833 auf der Dampf-Corvette „Hercules" unter General Schubert zur chronometrischen Expedition zwischen Reval, Kronstadt, Pillau, Danzig, Swinemiinde, Arcona auf Rügen, Lübeck, Kopenhagen, Christjansöe, Carlscrona, Öland, Gothland, Stock- holm, Abo, Helsingfors. Im Jahre 1835 überschritt er von Reval aus das Eis nach den Alands-Inseln, um dort auf dem Eise eine Basis zu messen. In den Jahren 1840 bis 1852 befand er sich jeden Sommer als Chef einer Abtheilung von Fahrzeugen zu hydrographischen Arbeiten in der Ostsee. Er starb am 25. April 1872 zu Reval; in der Domkirche daselbst sind seine Admiralsflaggen mit grossem Wappen befindlich. Am 16. October 1831 hatte er sich mit Ida von Helmersen aus dem Hause Testama, Tochter des Andreas von Helmersen, Erbherrn auf Testama, und Anna von der Felden vermählt. Sie wurde am 6. August 1808 geboren und lebt 1887 noch in Reval. Mit derselben hatte er nur einen Sohn: 81. Wilhelm Andreas Georg von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, wurde am 9. September 1832 in Reval geboren. Erzogen in der kaiserlichen Rechtsschule zu St. Petersburg, trat er 1852 als Collegien-Secretär in die Heroldie, später war er im Departement des Senats, ward Beamter für besondere Aufträge im Justiz- Ministerium bis 1868, ging bei Einführung des neuen Gerichtsverfahrens als Mitglied des Bezirksgerichts nach Odessa und später nach Moskau, wo er sich 1887 noch befindet. Er ist Staatsrath, Ritter des St. Stanislaus-Ordens II. Klasse mit der kaiserlichen Krone und des St. Annen-Ordens' IL Klasse. 70. Alexander Peter Magnus von Wrangeil, Baron zn Ludenliof, Sohn von Bernhard Wilhelm (51), geboren am 21. September 1794, getauft am 24. September in Pleskow.'") Erzogen im zweiten Land-Kadettencorps, wurde er 1812 als Offizier angestellt und am 6. September 1812 bei Borodino verwundet. Demnächst machte er die übrigen Feldzüge in den Jahren 1812, 1813 bis 1814 und in letzterem am 30. März die Einnahme von Paris mit. Ferner betheiligte er sich 1830/31 an dem polnischen Kriege und wurde als Commandern- des 50. Jäger-Regiments mit diesem zu den Truppen abgegeben, die nach Konstantinopel zum Schutz des Sultans gegen den Vice-König von Aegypten abgingen. Er starb am 20. Juli 1841 in Wilkomir als Brigade-General und Ritter mehrerer Orden. Er war vermählt mit Julie von Charitow; sie hatten aber keine Kinder. J ) K.-B. St. Johannis in Narwa. 47* 68. Georg Gustav Ludwig von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Bernhard Wilhelm (51), Wirde am 23. October 1784 geboren, studirte an deinen errichteten Universität in Dorpat in den Jahren 1802 und 1803, dann in Wittenberg und Heidelberg. Er diente in St. Petersburg in der Gesetz-Commission unter Speransky und Röhenkampff, folgte 1S11 einem Rufe als Professor des russischen Rechts nach Kasan. Im Jahre 1820 war er Professor am Lyceuni in Zarskoje-Sselo, Professor an der Universität in St. Petersburg und dem pädagogischen Institut. Bei Eröffnung der kaiserlichen Rechtsschule in St. Petersburg wurde er ausserdem Inspector derselben und zugleich Lehrer des kaiserlichen Thronfolgers, des späteren Kaisers Alexander II. Er starb am 16. Juni 1841 in St. Petersburg als Wirklicher Staatsrath. Georg Ludwig verheirathete sich in Kasan mit Praskovja Jakoffkin, Tochter des am 4. October 1858 in St. Petersburg gestorbenen Professors Ilja Jakoffkin. Sie wurde am 26. October 1794 geboren und starb am 15. October 1871. Dieser Ehe entsprossen vier Söhne und vier Töchter: 1. Catharina (83), geboren am 14. Januar 1S15, starb am 20. August 1863 in St. Petersburg; sie war griechischer Confession. 2. Warwara (S5), geboren am 20. August 1817, starb am 27. Januar 1873 in St. Petersburg; sie war griechischer Confession. 3. Julianne (87), geboren am 12. März 1819, vermählte sich mit dem Elotten- Kapitänlieutenant Basil Zavoiko. Er war Verweser der russisch-amerikanischen Colonien, später Kriegs-Gouverneur in Kamtschatka, wo er 1854 im Range eines Contre-Admirals die englische Escadre, die Peter-Pawlowsk nehmen wollte, mit grossem Verlust für die Engländer zurückschlug. 1860 war er Mitglied des Auditoriats-1 »epartements des See-Ministeriums. 4. Anna (88), geboren am 20. November 1S20. 82. Wilhelm von Wrangeil, Baron zu Lutlenliof, Sohn von Georg Gustav Ludwig (68), geboren am 1. März 1816 in Kasan, war griechisch-katholischer Confession. Er absolvirte bis 1834 das kaiserliche Lyceum in Zarskoje-Sselo und erhielt die erste goldene Medaille und die IX. Rangklasse; 1S35 wurde er Titularrath. Im Jahre 1837 ging er zum See-Ministerium über, wo er Tischvorsteher im Departement der Schiffbauwälder Wirde. 1845 wurde er Chef dieses Departements. Im Jahre 1841 war von ihm eine Schrift in russischer Sprache unter dem Titel „Geschichte der Gesetzgebung, die Waldungen in Russland betreffend" erschienen, die auf Allerhöchsten Befehl gedruckt wurde. 1850 wurde er Staatsrath, 1853 Wirklicher Staatsrath und in demselben Jahre Jurisconsult in der Kanzlei des See-Ministeriums. Er war der Person des Grossfürsten Constantin Nicolajewitsch zu besonderen Aufträgen attachirt und nahm auf des letzteren Befelil an verschiedenen Comites theil. Die letzten drei Jahre seines Lebens war er krank, blieb aber dennoch im Dienst. Er starb am 15. October 1860 in St. Petersburg an einer Gehirnkrankheit. Wegen seiner Verdienste waren ihm folgende Orden verliehen worden: der Stanislaus - Orden 373 III. Klasse, derselbe mit der Krone II. Klasse, ferner derselbe I. Klasse (erhalten im Jahre 1856); der St. Annen-Orden III. Klasse, derselbe II. Klasse mit der Krone; auch erhielt er 1855 den St. Wladimir-Orden m. Klasse; die Verdienst-Schnalle für fünfzehn Jahre Dienstzeit. Seit 1843 war er unter Beibehaltung- seiner Staatsämter in der rassisch- amerikanischen Compagnie angestellt, deren Directorinm er über zehn Jahre angehörte. Im Jahre 1848 wurde er zum aktiven Mitgliede der kaiserlich russischen Geographischen Gesellschaft erwählt. 84. Victor von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Sohn von Georg Gustav Ludwig (68), wurde 1823 geboren, war griechisch-katholischer Confession und starb 1836 als Zögling der kaiserlichen Rechtsschule in St. Petersburg. 86. Georg von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Sohn von Georg Gustav Ludwig (68), geboren am 21. Juni 1827, war griechisch-katholischer Confession und wurde in der kaiserlichen Rechtsschule zu St. Petersburg erzogen. Er verliess dieselbe am 30. Mai 1846 als Titulaturrath und trat in den Dienst des Senats und zwar in die Kanzlei der ersten Abtheilung des dritten Departements als stellvertretender ältester Gehilfe des Secretärs dieser Kanzlei. Dann wurde er jüngerer und bald darauf ältester Gehilfe des Secretärs, demnächst stellvertretender, hierauf bestätigter Secretär der Liquidations-Expedition und 1849 Secretär der ersten Abtheilung des dritten Departements des Senats. Am 20. April 1852 in das Justiz-Ministerium berufen, wurde er in. demselben stellvertretender Redacteur der dritten Abtheilung und bald darauf in dieser Stellung bestätigt; am 30. Mai 1853 zum Hofrath ernannt, erhielt er am 13. December 1S53 die Stellung als stellvertretender Chef der Abtheilung des Departements des Justiz-Ministeriums. Am 1. October 1854 wurde er unter Verleihung des St. Annen-Ordens II. Klasse dem Departement des Justiz - Ministeriums zugezählt und dann zum stellvertretenden ältesten Jurisconsult des Justiz-Ministeriums ernannt. Bei Verleihmig des St. Stanislaus- Ordens II. Klasse berief man ihn in den Senat als Beamten am Oberprocureurtisch und zugleich als stellvertretenden Vice-Director des Justiz-Ministerium-Departements und den 20. Mai 1858 als Vice-Director des Departements des Justiz - Ministeriums; am 4. Juli 1857 zum Staatsrath und am 6. November 1859 zum Wirklichen Staatsrath ernannt, Avurde er am 24. April 1862 unter Enthebung der Dienstverpllichtungen eines Vice - Directors beauftragt, an der besondern Commission der kaiserlichen Kanzlei anlässlich der Reorganisation des Gerichtswesens theil zu nehmen. Am 23. October 1862 erhielt er den St. Wladimir-Orden III. Klasse und wurde am 7. November desselben Jahres Departements- Chef des Justiz - Ministeriums und als solcher am 1. Januar 1864 Allerhöchst bestätigt. Nachdem er den St. Stanislaus - Orden I. Klasse erhalten, Avurde ihm am 31. December 1864 auf Befehl des Kaisers eine Gehaltszulage von jährlich 2000 Rubeln für besondere Verdienste bei der Zusammenstellung der Verordnimgen, die Justiz - Reform betreffend, verliehen. Diese Gehaltszulage sollte ihm bei seinem Austritt aus dem Dienste als Zulage zu seiner Pension verbleiben'. — 374 — Am 30. August 1865 wurde er Geheimer Rat,Ii und erhielt am 4. Juni 1866 durch den Chef der dritten Abtheilung der eigenen Kanzlei des Kaisers die Uebermittelung des kaiserlichen Dankes für die erfolgreiche Erfüllung eines geheimen Auftrages. Am 30. August 1866 erhielt er den St. Annen-Orden I. Klasse; am 15. April 1867 wurde er zum Senator ernannt, mit Beibehaltung der Leitung des Departements des Justiz-Ministeriums, und am 30. November 1867 erfolgte noch eine Allerhöchste Danksagung. Er nahm ferner theil an den Berathungen über die Justiz-Reform im Königreich Polen. Am 1. Januar 1869 bekam er den St. Wladimir-Orden II. Klasse. Ausserdem erhielt er zu verschiedenen Malen im ganzen die Summe von 10 070 Rubel als Belohnung; desgleichen anstatt einer Arrende von 1861 an jährlich 1200 Rubel. Er starb am 21. Januar 1875 in St. Petersburg. Am 11. September 1855 vermählte er sich mit Natalie Jewreinoff, Tochter des Staatsraths Nicolai Jewreinoff, welche am 18. Juli 1837 geboren war. Sie schenkte ihm drei Söhne: Georg (98), Wassili (99), Peter (106) und eine Tochter: Natalie (106), geboren am 27. October 1857. 103. Georg von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Georg (86), wurde am 23. August 1846 geboren und in der griechisch-orthodoxen Confession erzogen; er kam in die Rechtsschule zu St. Petersburg und diente im Senat. 104. Wassili von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Georg (86), wurde am 13. Juni 1862 geboren und im Pagen-Corps erzogen. Er ist griechisch-orthodoxer Confession. 105. Peter von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Georg (86), geboren am 29. Juni 1874, bekennt sich zur griechisch-orthodoxen Confession. 89. Alexander von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Georg Gustav Ludwig (68), wurde 1812 geboren und starb 1813. 32. George Hans von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Hans (17), geboren am 10. April 1727, war Erbherr auf Uchten und Erras und diente als Major im Gatschina-Kürassier-Regiment des Kaisers Paul. Nach dem Tode seines Vaters schloss er mit seinen beiden Brüdern am 28. April 1762 in Uchten einen Erbtheilungsvertrag wegen Erras und Uchten ab, durch welchen er, damals Ober-Landgerichts-Assessor, Uchten nebst Nürms für IS 000 R. S. übernahm. Nacli seinem Tode 1774 hinterliess er es seiner Wittwe Anna Charlotte Stael von Holstein, nach deren Tode schlössen die Kinder dieses Ehepaares am 12. Juli 1797 einen Erb vertrag ab. Am 1. März 1765 quittirte er zu Reval über den Empfang des Inventars von Undell; seine Frau gehörte nämlich 1771 zu den Erben der Frau Mannrichter Hedwig Margarethe Stael von Holstein aus Hannijöggi. x ) i) Gadebusch a. a. 0., Gesell, der itaöl-Holstein p. 192 Anra.; K.-B. St. Johannis in Harrien. Am 9. October 1763 vermählte er sich in Hamen mit Anna Charlotte Stael von Holstein, Tochter des Mannrichters Jacob Johann Stael von Holstein zu Undel und der Hedwig - Margarethe geborene Stael von Holstein. Sie wurde 1746 geboren und starb 28. Februar 1795. 1 ) Sie hatten fünf Söhne: Hans (52), Jacob Johann (53), Georg Gustav (54), Carl Hermann (55), Bernhard (58) und vier Töchter: 1. Hedwig Margarethe (56) 2 ), geboren am 17. October 1766, lebte 1822 in Keval, starb daselbst am 31. Juli 1831 an der Cholera und wurde am 3. August begraben. Sie war mit dem Vice-Admiral Friedrich Wilhelm von Lohmen vermählt, welcher gleichfalls 1831 an der Cholera verstarb. 2. Anna Charlotte (57), lebte noch 1845. Sie war vermählt mit Herrn von Ivorff, Erbherrn auf Sala bei Narwa in Ingermanland. 3. Gertrud Helene (59), wurde 1770 geboren und starb schon in demselben Jahre. 4. Dorothea Elisabeth (60), wurde 1768 geboren und am 29. Januar desselben Jahres getauft. Sie starb vor 1796 unverheirathet. 3 ) 52. Hans von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, Sohn von Georg Hans (32), geboren am 25. September 1764, gestorben zwischen 1795 und 1796. 53. Jacob Johann von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, Sohn von Georg Hans (32), war am 3. September 1765 geboren, erhielt 1796 bei der brüderlichen Theilung ein Praecipuum von 1500 Rubel Silber, die sein Bruder Georg Gustav bei Uebernahme von Alt- und Neu-Uchten und Niirms mit übernimmt; er lebte noch 1801. 54. Georg Gustav von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, Sohn von Georg Hans (32), geboren 1767, wurde 1782 Militär, nahm als Lieutenant seinen Abschied, kaufte sich Rudnick in Ingermanland, welches er aber später wieder an seiner Schwester Sohn, Baron Joseph Ivorff, verkauft. 1796 hatte er bei der brüderlichen Theilung Neu- und Alt-Uchten mit Nürms für 90 000 Rubel Silber unter gewissen Verpflichtungen gegen seine Geschwister angenommen, verpfändet diese drei Güter aber am 7. März 1799 an seinen Vetter, den Lieutenant Georg Johann Baron von Wrangell (XIIA 43) auf neunzig Jahre für 105 000 Rubel Silber. Er starb 1824 unverheirathet in Sala in Ingermanland. 58. Bernhard von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Georg Hans (32), starb unverheirathet vor 1795. Weiteres von ihm ist nicht bekannt. 1) K.-B. Dom Reval; von Russwurm, Gesell. Stael-Holstein. 2) K-B. Nicolai in Reval; K.-B. St. Johannis in Harrien; Wrangell, zweite Urk.-Samml. VI, Nr. 73. 3) K.-B. Nicolai in Reval. — 376 — 55. Carl Hermann von Wrangeil, Baron zu Lndenliof, Solln von Georg Hans (32), ist im Jalire 1769 auf Scliloss Uchten in Esthland geboren. Nachdem er seine Studien auf der Ritterschule zu Reval beendet hatte, trat er im Jahre 1782 in das Gatschina - Leibgarde - Kürassier - Regiment, in welchem auch sein Vater gedient hatte, als Corporal ein. Bekanntlich lebte damals Grossfürst Paul Petrowitsch (nachheriger Kaiser Paiü I) vom grossen Hofe Katharinas getrennt, gleichsam wie im Exil, in dieser Stadt. Der Grossfürst brachte die ganze Zeit in Paraden mit seiner sogenannten Gatschina - Garde zu und hatte den schlanken, schönen Offizier sehr gern. Hier lernte ihn auch die liebenswürdige Frau Grossfürstin Maria Feodorowna kennen, die den jungen Mann gern in ihren Kreisen sah und auch in der Folgezeit ihm ihre hohe Protection bewahrte. Im Jahre 1788 machte Hermann von Wrangeil den Feldzug nach Finnland gegen die Schweden mit, ging mit seinem Regiment zur preussischen Grenze nach Kurland, und nach erfolgtem Avancement zum Cornet und Lieutenant nahm er im Jahre 1795, mit Decorationen geschmückt, seinen Abschied, heirathete und zog nach Uchten, welches Scliloss er einige Jahre später verkaufte. Das flotte Leben, welches damals der grösste Theil des Adels führte, und die zahlreich heranwachsenden Kinder zwangen Hermann wieder Staatsdienst zu nehmen. Er trat 1805 ins Finanz-Ministerium ein, wurde als Zollbeamter für Pernau ernannt, 1809 nach Riga berufen und starb daselbst am 12. (24.) April 1821 als Packliaus-Inspector. Er liegt in Riga auf dem St. Johannis-Kirchhofe neben seinem Bruder begraben. Hermann war vermählt mit Anna Johanna von Manderstjerna (starb 1840) und hatte mit derselben vier Söhne: Hans Georg Hermann (72), Alexander (73), Nicolaus Anastasius Reinliold (78), Woldemar (79), sowie vier Töchter: 1. Charlotte (74), war vermählt mit dem Generalmajor Schipoff und starb am 1. (13.) April 1863. 2. Ida Natalie (75), starb in Kiew unvermählt am 8. (20.) Januar 1864 und wurde daselbst begraben. 3. Jeannette (Jenny) (76), lebt 1886 unverheirathet in Terpilitz. 4. Marie (77), vermählt mit dem Generallieutenant Alexander von Korff, Erbherrn auf Sala. 72. Hans Georg Hermann von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, Sohn von Carl Hermann (55), wurde am 10. (22.) October 1803 in Riga geboren. Nachdem er clie Domschule zu Reval besucht hatte, trat er in das erste Kadetten - Corps in St. Petersburg ein, wurde im Jalire 1823 der Armee - Artillerie zugezählt und ein Jahr später als einer der vorzüglichsten jungen Offiziere in das Garde - Grenadier - Regiment versetzt. Bei der Thronbesteigung Kaiser Nicolaus I. nahm das Regiment einen regen An- tlieil an der Militär-Revolte, dem sogenannten December - Aufstande, gegen den Kaiser. Viele Offiziere des Regiments gehörten zu den Leitern der Verschwörung. Georg von Wrangeil hatte noch zwei jüngere Brüder im Regiment, welche er durch seinen Einflims von dem Vorhaben der Kameraden fernzuhalten suchte. Als am 14. (26.) December 377 — die meuterischen Garde - Regimenter gegen das Winterpalais ausrückten, beredete von Wrangeil seine Compagnie, dem Eide treu zu bleiben, und rückte alsdann seinerseits mit derselben aus der Kaserne ebenfalls zum Winterpalais. Als die Soldaten im Laufschritt, Georg von Wrangeil voran, entlang dem Newa- Quai dem Palais sich näherten, kam Kaiser Nicolaus selbst auf sie angesprengt und richtete an von Wrang eil die Frage: „Bist Du auch einer von der Bande?" Ein lautes: „Es lebe der Kaiser!" begleitet von einem schallenden: „Hurrah!" war die Antwort. Nicolaus führte nunmehr selbst die Compagnie zur Aufstellung. Bald waren die treu gebliebenen Offiziere und Soldaten versammelt, auch Oberst von Sturler, Regiments-Com- mandeur, war bald auf dem Platze. Begleitet von seinen Adjutanten, Baron von Salza und Georg von Wrang eil, begab sich derselbe zu seinen meuterischen Bataillonen, um dieselben durch Ueberredung zum Gehorsam zu bringen, fiel aber dabei von einer Kugel getroffen in die Arme seiner Begleiter. Am Sterbebette, zu dem der Kaiser nachher eilte, bat von Sturler den Monarchen, seine beiden treuen Offiziere nicht zu vergessen, was auch von seifen Seiner Majestät geschah. Im Jahre 1828 machte Georg von Wrang eil mit seinem Regiment den Feldzug gegen die Türken mit. Die Geschichte des Regiments bekundet, mit welcher Auszeichnung dasselbe während dieses Krieges gefochten und wie gross seine Verluste waren. Ein schöner Zug aus dem Leben Georg von Wrang eil s während dieses Feldzuges ist folgender: Am 16. (28.) September 1828 wurde bei der Belagerung von Warna das erste Bataillon des Leibgrenadier - Regiments abgeschickt, um das zum Entsatz der Festung heranrückende türkische Corps aufzuhalten. Es entspann sich bald ein wütlien- des Handgemenge. Das Bataillon, Hilfe erwartend, hielt den Ansturm von 15 000 Türken ab. Bereits waren der Commandern-, der zweite Oberst, viele Offiziere und 163 Gemeine gefallen, als Georg von Wrangeil, die weitere Gefahr überschauend, mit beredten Worten seinen Grenadieren den bei Kahul erworbenen Ruhm ins Gedächtniss zurückrief, darauf mit den anderen Offizieren voran, mit immer erneuten Bajonettangriffen das tapfere Bataillon durch die dichtesten Türkenmassen führte. Der Liebling des Barons von Wrangeil, der Grenadier Semugin, erstach bei dieser Gelegenheit fünf Türken, wurde aber zuletzt selbst am Fusse verwundet und sank zu Boden. Um den Verwundeten nicht der Rache des Feindes zu überlassen, ergriff von Wrangeil denselben und trug ihn auf seinen Armen aus dem Gemetzel, da die Soldaten zu sehr vom Feinde belästigt wurden, um solches thun zu können. Noch blutiger war der Sturm vom 18. (30.) September auf das verschanzte Lager des türkischen Corps, welches Omer Urgöni befehligte. Dreimal stürmten die Grenadiere die von Natur sehr feste Stellung und dreimal wurden sie zurückgeworfen; da stellten sich alle Offiziere, viele schwer verwundet, unter diesen auch Ge«org von Wrangeil, an die Spitze der Truppe und führten sie zum vierten Male zum blutigen Angriff und zum Siege. Als Auszeichnung während dieses Feldzuges erhielt von Wrang eil den St. Annen- Orden IV. Klasse mit der Inschrift „Für Tapferkeit" auf dem Säbel, den St. Annen- Orden III. Klasse und den St. Wladimir-Orden IV. Klasse mit der Schleife. 48 — 378 Im kaiserlichen Patent zum Wladimir-Orden ist wörtlich gesagt: „Für die Tapferkeit, die Sie am 18. September gegen den Feind zeigten, indem Sie, obgleich verwundet, an der Spitze des Bataillons sich vorwärts warfen und die Soldaten mit Muth erfüllten!" Im Jahre 1830 machte Georg von Wrangeil mit seinem Regiment den Feldzug gegen die Polen mit, betheiligte sich am Sturm auf Warschau, erhielt den „goldenen Säbel für Tapferkeit", das polnische Kreuz „Virtuti militaria" und den Rang eines Stabs- Kapitäns. Im Jahre 1833 trat er in den Civildienst über. Bis zum Jahre 1844 diente Baron Georg von Wrangeil als Proviantmeister des Garde- und Grenadier-Corps und stand stets im Rufe eines hochehrlichen und praktischen Mannes. Wie sehr er von seinen Unterbeamten und Dienstkameraden im Kriegs- Ministerium geachtet und geliebt wurde, beweist eine Adresse und eine kostbare dreiviertel Meter hohe kunstvoll getriebene und mit dem Wrangelsclien Wappen gezierte Silbervase, die ihm zum Andenken übergeben wurde. Das von seinem Onkel Hans geerbte Gut Rudnick (Gouvernement Petersburg, Kreis Jamburg) verkaufte er an Baron Joseph Korff und verwandte diese flüssigen Kapitalien zu commerziellen Unternehmungen, baute eine Baumwollenspinnerei bei Kasan, errichtete von dort ab eine freie Postverbindung mit West-Sibirien, unternahm die Vertiefung des Hafens von Kronstadt und erwarb sich ein bedeutendes Vermögen, welches er grössten- theils zum Güterankauf verwandte. So kaufte er 1850 vom Baron von Uexküll Lopez, Terpilitz und Schloss Toroso wa im Gouvernement Petersburg und Fedowa im Gouvernement Nowgorod. Im Jahre 1853 wurde Baron Georg von Wrangeil, nachdem er schon 1850 zum Collegienrath ernannt war, vom Adel zum Landes-Marschall des jamburgschen Kreises erwählt und verblieb auf diesem Ehrenposten bis zum Jahre 1864. Es war eine Zeit, wo diese Stellung in Russland noch eine hohe Bedeutung hatte, denn der Adels-Marschall hatte in seinen Händen nicht nur die Angelegenheiten der Grossgrundbesitzer und der Bauern, die noch Leibeigene waren, sondern war auch laut Reichsgesetz Präses aller möglichen Comrnis- sionen und Regierungs-Stiftungen. Als der erste orientalische Krieg 1853 ausbrach, formirte von Wrangeil den Reichslandsturm seines Kreises, machte demselben namhafte Dotationen und beredete den Adel, den zehnten Theil seiner Einkünfte dem Staate zu opfern. In einem Rescript des Kaisers Nicolaus I. vom 24. März 1854 und einem speciellen Schreiben des Fürsten Schahowskoi vom 4. März 1855 wurde von Wrangeil im Namen des Kaisers zweimal dafür gedankt. Nach Beendigung des Krieges widmete sich von Wrangeil ganz den Landesangelegenheiten und veranlasste den Adel, durch seinen Einfluss die Befreiung und Do- tirung der leibeignen Bauern zu befürworten und durchzuführen. In dieser wichtigen Frage war der Grossgrundbesitz des jamburgschen Kreises der erste, der in seinen Versammlungen die Bauern - Emancipatiön gesetzlich erörterte und als leuchtendes Beispiel dem ganzen Gouvernement St. Petersburg voranschritt. Nowgorod und Twer folgten bald. Eine Adresse des Adels an von Wrangeil hat solches — 379 — dankend anerkannt. Sie datirt vom 19. März 1860 und beweist, mit welcher Dankbarkeit seine dem Lande erwiesenen Dienste aufgenommen wurden. Bei dieser Gelegenheit überreichte ihm der Adel eine kostbare silberne Vase mit dem von Wrangeischen Wappen mit Emblemen der wichtigsten Momente aus der Bauern-Emancipation. Als im Jahre 1862 der polnische Aufstand wüthete und Napoleon mit England eine hochmüthige Stellung gegen Russland einnahm, war von Wrangeil einer derjenigen, die als Deputirte des Adels beim Kaiser Alexander II. erschienen, um mitzutheilen, dass im Falle eines Krieges mit West-Europa der ganze Adel sich in die Reihen der Kämpfer zu stellen und sein Blut und Vermögen dem Lande zu opfern bereit sei. Nachdem der Kaiser der Deputation gedankt hatte, wandte er sich zu den alten Offizieren und sprach tief gerührt: „Ich danke Ihnen, meine Herren, für die Adresse. In den gegenwärtigen unsteten Zeiten ist sie mir einer der angenehmsten und trostbringendsten Momente in meinem Leben. Ich selbst als Adliger theile ganz Ihre Gefühle und bin überzeugt, dass der ganze russische Adel, so wie Sie, meine Herren, denkt und fühlt. Ich hoffe, dass Sie nicht unterlassen werden, auch Ilmen Kindern dieselben Gefühle einzuprägen, mit denen Sie mich heute hoch erfreuen. Die Liebe zum Vaterlande begreife ich, so wie Sie es mir ausgedrückt haben. Diese Liebe bildet seit Jahrhunderten die Macht Russlands, und von Geschlecht zu Geschlecht übergehend, wird diese Vaterlandsliebe der Schirm unserer Macht bleiben. Nochmals danke Ich Ihnen, meine Herren, und bitte diese Worte dem Adel zu übermitteln." Im Jahre 1864 musste Baron Wrangeil seinen Posten als Landes-Marschall wegen angegriffener Gesundheit aufgeben. Bis zu seinem Tode blieb von Wrangeil jedoch der Rathgeber und der stille Leiter des St. Petersburger Adels. Treu seinem Kaiser und Herrn ergeben, liebte er ehrlich sein russisches Vaterland, verachtete die Heuchelei und betrachtete den Adelsstand nicht als eine privilegirte Klasse, die den Bauer und Bürger ausnutzen könne, sondern sah sich als Adliger verpflichtet, die Stütze und Hilfe der niederen Stände zu sein. Diese Gefühle wusste er auch seinen Söhnen einzuimpfen. Beweise sind zur Genüge vorhanden, was von Wrangell für seine Leibeignen war. AVährend seines Civildienstes erhielt Baron AVrangell den St. Stanislaus - Orden II. Klasse, die Krone dazu, den St. Annen-Orden II. Klasse, die Krone dazu, das Kreuz für die Forminuig des Reichs - Landsturmes, das Kreuz für die Emancipation der Leibeignen, die Medaille für besondere Arbeiten in dieser Angelegenheit und im Jahre 1863 den Rang des Wirklichen Staatsraths mit dem Prädikat „Excellenz". Er entschlief am 2. (14.) October 1868 auf seinem Gute Terpilitz im jamburgschen und peterhofschen Kreise. Am 7. (19.) desselben Monats fand unter reger Betheiligung der Anverwandten des Entschlafenen, der Nachbarn, aller Bauern seiner Güter und der benachbarten Anwohner die Leichenfeierlichkeit statt und erfolgte seine Beisetzung in der Familiengruft zu Raskulitz (einem von Korffsehen Gute). Nach Erledigung der Beerdigungs - Formalitäten wandten sich alle dem Baron Georg von Wrang eil zeitweilig verpflichteten Bauern an den Redacteur der St. Peters- 18* — 380 — burger Zeitung mit der Bitte, nachfolgende Erklärung in genannter Zeitung aufzunehmen, welchem Wunsche derselbe auch am 9. (21.) October 1868 infolge eines Schreibens des Friedensrichters des ersten Bezirks im jamburgischen Kreise, Andreas Netzer, nachkam. Die Erklärung lautete: „Wir, Bauern des St. Petersburgschen Gouvernements, jamburgschen und peter- hofschen Kreises, der Dörfer Terpilitza, Räbititz, Wolosowo, Rogatino, Torosowa, Gorki. Rellewo und Klein-Gorki halten es für unsere heiligste Pflicht unsern innigsten Dank unserm vielgeliebten Wohlthäter und Besitzer, dem selig entschlafenen Baron Georg, Hermanns Sohn, von Wrangeil für die unausgesetzte Sorge für unser Wohl auszusprechen. Gering ist die Zahl unserer Häuser, die nicht aus seinem Material und seinem Gelde erbaut sind. Die beständig uns gebotene Gelegenheit zum lohnenden Verdienst, wofür wir alljährlich im Winter von den Prohnarbeiten zur Zeit der Leibeigenschaft befreit waren, und die unausgesetzte Ueberwachung und Anleitung in unseren eigenen Wirthschaften haben den Grund zu unserem gegenwärtigen Wohlergehen gelegt, wofür ihn unsere Kinder noch segnen werden. In schweren Jahren wandte sich jeder Bedürftige mit der Bitte um Geldunterstützung zum Ankauf von Vieh und Korn an ihn, mit der vollen Ueberzeu- gung, dass seine Bitte nicht unberücksichtigt bleiben wird, falls sie durch wirkliches Bediirfniss veranlasst war. Die Sorge für unser Wohl hörte auch nach der Aufhebung der Leibeigenschaft nicht auf. Unausgesetzt fanden wir in dem Entschlafenen einen weisen Berather. Insbesondere fühlten wir uns im vorigen Jahre zum Dank verpflichtet, als er fern von uns im Auslande weilend und von unserer leidenden Lage erfahrend, die Verfügung zum Ankauf und Vertheilung von 1500 Sack Roggen d. h. pro Kopf ein Sack, traf. In St. Petersburg zum Empfange des Getreides eintreffend, versammelten wir uns in der Kathedrale der heiligen Kasanschen Mutter Gottes und hielten einen Dank-Gottesdienst damals für die Gesundheit und ein langes Leben unsers Wohlthäters und seiner Familie ab." Hans Georg Hermann war seit dem 13. November 1831 vermählt mit Dorothea Rausch von Traubenberg, Tochter des Oberst Barons Rausch von Traubenberg. Sie war griechischer Confession und starb am 21. August 1851 in Dresden. Sie wurde Trinitati in der Familiengruft beigesetzt. Aus dieser Ehe stammten vier Söhne: Alexander (90), Michael (91), Georg (93), Nicolai (95) und drei Töchter: 1. Wera (92), Oberin in dem Stift Kreuz und der Grossen Militärklinik an der neuen Alexanderbrücke zu St. Petersburg, begab sich nach Ausbruch des russischtürkischen Krieges 1877/78 nach der Türkei und übernahm die Leitung der Hospitalschwestern. Sie entwickelte namentlich in Tirnowa beim Schipkapass und nach der Einnahme von Plewna eine segensreiche Wirksamkeit. Als dann im Kriege zwischen Bulgarien und Serbien 1885 von St. Petersburg aus zwei Detachements des rotheu Kreuzes nach dem Kriegsschauplatz gesandt wurden, ging Wera Baroness von Wrang eil mit dem einen Detache- ment, welches aus 24 Schwestern bestand, nach Sofia. Am 8. December traf die Colonne in Giurgewo ein und wurde dort von einem Vertreter des Fürsten — 381 — und den Mitgliedern der bulgarischen Gesellschaft des Rothen Kreuzes empfangen, dann auf einem Dampfer über die Donau gesetzt und in Rustschuk untergebracht. Hierauf zog die Colonne nach Sofia ab, wo sie nach einer beschwerlichen Reise über den Balkan am 15. December eintraf und in ehrenvollster Weise empfangen wurde. Fürst Alexander selbst ritt an der Spitze einer Truppenabtheilung der Colonne von Sofia aus entgegen; die Truppen salutirten, und sodann schritt der Fürst mit der Baroness Wrangell, der Vorsteherin des Detachements der barmherzigen Schwestern, die Front ab. Hieran scliloss sich der feierliche Einzug. Die Oberin übernahm ein Hospital von sechzig Betten, welches von russischen Militär-Agenten organisirt war und auf Wunsch des Fürsten nur Schwerverwundete aufnehmen sollte. Da die meisten ausländischen Sanitäts- Colonnen bereits im Begriff waren den Kriegsschauplatz wieder zu verlassen, sich aber noch gegen 2000 Verwundete vorfanden, die der Pflege harrten, so fand die Oberin Baroness von Wrangell noch reichlich Gelegenheit zur Ausübung ihres schweren Berufes. 2. Annastasia (94), vermählt an den Landes-Marschall Alexis von Manderstern im Gouvernement Pultawa. 3. Dorothea (96), vermählt mit dem Rittmeister a. D. vom Garde du Corps Peter von Obuchoff. 90. Alexander von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Sohn von Hans George Hermann (72), wurde am 23. März 1833 auf dem Gute Werina unweit Narwa geboren. Als siebenjähriger Knabe wurde er dem Alexander-Kadetten- Corps übergeben und besuchte diese Anstalt drei Jahre, da nach den damaligen Begriffen die Jugend nicht zeitig genug an die stramme Militärzucht gewöhnt werden konnte. Es war zu der Zeit, wo der Soldatenstand beim Kaiser Nicolaus alles zu bedeuten hatte. Die kleinen Kadetten wurden von alten Garde-Unteroffizieren wie Rekruten gedrillt und mussten im Sommer im Park ein Zeltlager beziehen. In dieser Anstalt, „Kadetten-Corps der Minderjährigen" genannt — mit zwölf Jahren wimde man in die regulären Corps übergeführt —, bestand eine Abtheilung, in der sich Offizierswaisen im Alter von nur zwei bis fünf Jahren befanden und von ihren unifor- mirten Klassendamen, denen die Ruthe das beste Erziehungsmittel war, militärisch streng behandelt wurden. Die Körperstrafe war damals gang und gäbe, für das geringste Dis- ciplinarvergehen wurden die armen Geschöpfe bis zur Ohnmacht mit Ruthen gepeitscht. Jeden Morgen hatte man das zweifelhafte Vergnügen, dieser Execution nach dein Gebet mit beizuwohnen. Das Corps befand sich in Zarskoje-Sselo, der Lieblings- und Sommerresidenz des Kaisers Nicolaus, und wurde vom Kaiser fast wöchentlich besucht. Seine Majestät machte sich ein Vergnügen, daraus seine „künftigen Generale", wie er sie nannte, selbst exerciren und turnen zu lassen. Oft wurden die Ohren und Zöpfe der Zöglinge von - 382 Höchsteigenen Händen bearbeitet, noch weit häufiger aber die Flinken mit Aepfeln und Zuckergebäck belohnt.. Das Hungern, Prügeln und Drillen während dreier Jahre bewirkte, dass der kleine Alexander einen Widerwillen gegen den Militärdienst empfand und sich den Wissenschaften widmen wollte; besonders zogen ihn die Naturstudien an. Im Alter von zehn Jahren wurde Alexander einem Lehrer übergeben, bei dem er zwei Jahre verblieb. Dieser Herr litt am Delirium tremens, misshandelte seine junge Frau und seinen Schüler Alexander und schloss beide, wenn er sich einen guten Tag machen wollte, ein, bis er eines Tages von der Criminal-Polizei gepackt und auf mehrere Jahre unschädlich gemacht wurde. Das schlechte Beispiel hatte auf die gute Natur des Kindes keinen Einfluss. Seine Mineralien, Schmetterlinge und Bücher erlaubten ihm kaum an etwas anderes zu denken, auch stand ihm die Mutter, der er in kindlicher Liebe und Achtung sehr ergeben war, warnend und berathend zur Seite. Mit zwölf Jahren kam Alexander in die Hände des in Petersburg bekannten Professors der alten Sprachen am Kaiser-Alexander-Lyceum, Grosdoff, einer Persönlichkeit, die Generationen von russischen Staatsmännern erzogen hat. Dieser Mann, ein Bauernsohn, war seiner Strenge und Grobheit wegen bekannt und gehörte seiner Methode nach in das vorige Jahrhundert, wo der Stock eine mächtige Polle in der Erziehung spielte. Endlich im vierzehnten Lebensjahre trat von Wrangell in das Kaiser-Alexander-Lyceum, die beste bis jetzt bestehende Anstalt in Russland, die nur für 120 Schüler, Söhne des hohen Adels, eingerichtet ist. Sechs Jahre verblieb er in dieser Anstalt und beendete seine Studien im Jahre 1853 als einer der besten Zöglinge mit dem Range eines Titular- raths. Dieser ausgezeichneten Schule hat er vieles zu verdanken, und der feine Sinn, sowie die Kameradschaft der Mitschüler wirkten wohlthuend auf ihn ein. Kaum beim Justiz-Ministerium angestellt, wurde der junge Mann nach West-Sibirien abcommandirt. Das Treiben der grossen Welt, zu der Alexander durch Stand, Vermögen und Verwandtschaft in St. Petersburg gehörte, hatte für ihn wenig Anziehendes. Reisen und Naturstudien waren sein Beruf; er nahm daher die Stellung in dem fernen Osten mit Freuden an, besuchte auf der Hinreise die Bergwerke im Ural-Gebirge, blieb längere Zeit in Tobolsk, machte eine Reise nach Beresow und von dort auf Rennthieren bis Obdorsk und ging 1855 als Staatsanwalt nach Semipalatinsk am Irtischfluss. Es war dieses ein neues Gouvernement, bestehend aus den Ländereien der Kirgisensteppe, der neueroberten chinesischen und turkestanisclien Distrikte und einigen Theilen des südwestlichen Altai-Gebirges. Hier Wieb Baron Wrangell zwei Jahre; seine freie Zeit widmete er wissenschaftlichen Studien und Reisen, besuchte das Gebiet der Balchasch und Issik-Kul-Seen, mehrere Male das Altaigebirge und kam mit sehr erweiterten ethnographischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen und Sammlungen im Frühjahr 1857 nach St. Petersburg zurück. Die in West-Sibirien zugebrachte Zeit wirkte in vieler Beziehung auf von Wrangell ein. Hier lernte er das Leben und die Menschen von den verschiedensten Seiten kennen. — 383 Damals lebten noch Tausende politischer Vergehen halber verbannte Polen in jener Gegend, mit denenBaron Wrangell viel Umgang in der Einsamkeit hatte; auch befreundete er sich und stand lange im Briefwechsel mit den damals noch lebenden Decabristen: J. J. Puschzin, M. Murawjew, Basargin, Annenkoff, Swistunow etc. Auch fand er in Semipalatinsk seinen alten Bekannten, den so berühmt gewordenen Schriftsteller F. Doc- toewsky als einfachen Soldaten wieder. Die zwischen diesem ausgezeichneten Schriftsteller und von Wrangell gepflogene Correspondenz, die im Druck erschienen ist, giebt ein höchst interessantes Bild der damaligen Verhältnisse und des Lebens der Verbannten in Sibirien. Mit allen Reisenden und Gelehrten, die zu jener Zeit in diese Einöden gingen, kam Baron Wrangell in engere Berührung und wurde durch ihren Umgang vielseitig angeregt. Aus dieser Zeit datirt auch der erste schriftliche Verkehr zwischen Alexander von Wrangell und Alexander von Humboldt. Als von Wrangell im Frühjahr 1857 in Petersburg ankam, war die Regierung eben dabei, eine grosse, zur Befahrung der Küstengebiete in Ost-Asien und China bestimmte Es- cadre auszurüsten. Auf Befehl des Kaisers Alexander II. wurde Baron Wrangell zum Secretär des Commandeurs der Expedition ernannt mit der gleichzeitigen Aufgabe, naturhistorische Sammlungen anzulegen und eine genaue Reisebeschreibung zu vermerken. Alexander von Wrangell ging zuvor ins Ausland, besuchte Alexander von Humboldt in Tegel, bereiste Deutschland, die Schweiz und Italien und kehrte im Herbst nach Petersburg zurück, um im October mit der Expedition abzusegeln. Die Escadre, bestehend aus drei Corvetten, drei Klippern, der Fregatte „Askold" und dem Transportschiff „St. Nicolay" der russisch-amerikanischen Compagnie, sollte sich zunächst an die chinesische Küste, später an die Ostküste der Mandschurey nach Japan und dem Amurgebiete begeben. Es war zur Zeit des chinesisch-englisch-französischen Krieges. Die Amerikaner und Russen sollten eine beobachtende Stellung einnehmen und sich unter Umständen am Kriege betheiligen. Nachdem von Wrangell die Häfen von Kopenhagen, Cherboürg und Brest und die Inseln Madeira, Teneriffa, Ascension etc. besucht hatte, hielt er sich längere Zeit in Süd-Afrika auf, segelte durch die Sunda-Strasse nach Singapore, Hongkong, Schanghai, Hocodade in Japan und endlich in den Amur-Fluss. Im Jahre 1859 unternahm er eine Reise den Amur entlang bis nach Irkutsk, der Hauptstadt von Ost-Sibirien. Zu jener Zeit bestand die Verbindung zwischen Nikolajewsk (Hauptort an der Mündung des Amur) und dem Sitz des General-Gouverneurs von Ost-Sibirien, über Port- Ajan, einer kleinen Stadt am Ochotskischen Meer. Zuerst wurde die Reise mit Renn- thieren und zu Pferde bis Jeniseisk und von dort bis Irkutsk, theils per Post theils im Boot, je nach der Jahreszeit und den Umständen fortgesetzt. Die Richtung dem Amur entlang, wie von Wrangell sie wählte, wurde damals im Winter für höchst gefährlich gehalten, da Hunderte von Meilen Landes am Amur-Fluss noch unangesiedelt waren und die meisten der Nomadenstämme, als Ghiliaken, Golden, Samager etc. um diese Jahreszeit weiter nach Süd-Osten bis zur mandschurischen Grenze, Korea und Sachalin, zur Zobeljagd auswandern. Aber gerade diese Schwierigkeiten reizten den jungen Mann besonders zu dem Unternehmen. Begleitet von einem Gomptoiristen der russisch-nord- — 384 — amerikanischen Handels-Compagnie, der gleichzeitig Jäger war, und eines jungen Golden, der die russische Sprache begriff und als Dolmetscher dienen sollte, reiste Baron Wrangeil am 2. (14.) Januar 1859 mit drei Schlitten, von denen jeder acht Hunde zum Vorspann hatte, ab, geradenwegs in die Urwälder und Einöden. Der festgefrorene Amur-Strom diente meistens als Weg, was die Heise sehr erleichterte. Genächtigt wurde wochenlang im Schnee, dann und wann in der Jurte eines Wilden, gegessen aus dem Kessel der Hunde, die mit getrocknetem Lachs (Jukala), der abgekocht wird, gefüttert werden. An Fisch und Wild war nie Mangel. Die Gegend war sehr unsicher, da die Pekinger Regierung den Traktat von Aigun noch nicht anerkannte und die mandschurischen Beamten sich äusserst bemühten, die halbwilden Nomadenstämme gegen Russland aufzureizen. von Wrangeil war daher gezwungen, die Reise als Kleinkrämer, der Messer, Spiegel und Stoffe gegen Zobel- und Fuchsfelle eintauschte und bei den Wilden meistens ein willkommener Gast war, zu unternehmen. Im Februar langte von Wrangeil in Habarowska, einer neu angelegten Stadt an der Mündung des Ussuri-Stromes an, ruhte dort einige Tage aus und setzte die Reise fort, jedoch jetzt bereits mit Pferden, denn von Habarowska an befanden sich nach je 50 bis 100 Kilometern schon neu angelegte Ansiedelungen, aus einigen Blockhäusern bestehend. Baron Wrangell musste noch einen Abstecher in die mandschurische Stadt Aigun machen, um den chinesischen General-Gouverneur (Dzian-Dzün) zu sprechen. Nach einem Zeitraum von drei Monaten langte von Wrangell mit dem General-Gouverneur Grafen Murawjew-Amiu'sky, den er unterwegs traf, in Irkutsk an. Kaum ausgeruht, schickte ihn der Graf mit wichtigen, soeben aus Peking eingegangenen Papieren als Staatscourier an den Kaiser. Nach einer Tag und Nacht dauernden Courierreise von 27 Tagen, wobei 6000 Kilometer Landweg zurückgelegt wurden, traf von Wrangell in St. Petersburg ein und fuhr direct in das Winterpalais. In der Folge trat von Wrangell ganz in den Dienst des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. Im Jahre 1861 wurde er Secretär des russischen General-Consulats in Bukarest. Sein Chef war damals N. von Giers, der gegenwärtige Leiter der russischen Politik. Unter der Leitung dieses ausgezeichneten und gediegenen Mannes, mit dem von Wrangell seit jener Zeit eng befreundet geblieben, lernte er den diplomatischen Dienst kennen. Der Posten in Rumänien war damals einer der schwersten infolge des Pro- tectorats der fünf Grossmächte, von denen eine gegen die andere intriguirte. Im General- Consulat concentrirten sich auch alle bulgarischen und serbischen Angelegenheiten. Hier wurde Baron AVr angell für besondere Auszeichnung im Jahre 1863 vom Kaiser zum Hofkammerjunker ernannt. Nachdem er mehrere Reisen in die Nachbarländer und Siebenbürgen unternommen und sein Chef als Gesandter nach Persien versetzt worden, reiste Baron AVr angell, nachdem er Urlaub erhalten, nach Schwalbach, wurde dort vom anwesenden Kaiser Alexander H. empfangen und als Legations-Secretär nach Kopenhagen gesandt, wo er gleichzeitig mit dem Grossfürsten - Thronfolger Czarewitsch Nicolaus eintraf. — 385 — Letzterer sollte um die Hand der Prinzessin Dagmar (gegenwärtige Kaiserin Maria Feodorowna) von Russland werben. Die Stellung eines russischen Diplomaten am dänischen Hofe war eine sehr angenehme: man verkehrte viel beim Hofe, sah immer hohen russischen Besuch und stand der ganzen kaiserlichen Familie näher. Da der Chef, Baron N., kränklich war und auch als Geisteskranker starb, hatte Baron Wrangell Gelegenheit, in alle Familienangelegenheiten der beiden Höfe eingeweiht zu werden. Nach dem Tode des Thronfolgers wurde die Prinzessin mit dem Grossfürsten Alexander (gegenwärtiger Kaiser Alexander in.) verlobt, der vordem schon zweimal Kopenhagen besucht hatte. Im Jahre 1S66, Ende September, begleitete Baron Wrangell die Prinzessin Dagmar nach St. Petersburg 1 ) und hatte im folgenden Jahre in Dänemark oft die Ehre, mit dem jungen hohen Paare zu verkehren. Dem Wunsche seines alten Vaters folgend, verliess Alexander von Wrangell demnächst Kopenhagen, um die Leitung seiner in Litauen angekauften Besitzung ,.Rudabelka" zu übernehmen. Die folgenden sieben Jahre widmete von Wrangell ganz der Landwirthschaft und den Landesangelegenheiten seines Gouvernements; er rief die Commercebank zu Minsk ins Leben und wurde einstimmig zum Präses derselben ernannt, organisirte den landwirth- schaftlichen Verein der Grossgrundbesitzer, wurde Vice-Präsident dieses Vereins und von der Regierung zum Landes-Ehren-Friedensrichter ernannt. Nachdem Alexander von Wrangell die Besitzung Rudabelka 1874 verkauft hatte, befand er sich meistens auf Reisen in Deutschland und Italien, bis ihn im Mai 1876 der Gehilfe des russischen Reichskanzlers, Herr von Giers, wieder ins Ministerium berief. Es war zu der Zeit, als die orientalische Frage in Südost-Europa zur Entscheidung drängte. Kaiser Alexander H. that sein möglichstes, um die Ruhe in Serbien, Montenegro und Bosnien zu erhalten, aber die Stimme des weisen Monarchen vermochte weder der türkischen Willkür noch den geheimen Hetzereien der Panslavisten Stillstand zu gebieten. Im Mai 1876 ging Baron Wrangell mit einer geheimen Mission über Wien nach Montenegro, verblieb den Sommer über bei seiner Familie in Italien und kehrte im Spätherbst ins Ministerium nach St. Petersburg zurück. Auf Allerhöchsten Befehl ging Baron Wrangell im September 187 7 über Wien nach Montenegro. Als Commissar der Regierung hatte er die Verpflegung des ganzen kleinen Staates zu leiten; denn alles was nur Waffen tragen konnte, lag seit drei Jahren im Felde gegen die Türken, die Aecker blieben unbestellt, das Land war dem Verhungern ausgesetzt; zudem mussten noch 72000 Flüchtlinge aus Bosnien und der Herzegowina, sowie die kleine tapfere Amnee des Fürsten Nicolaus, etwa 21000 Mann stark, von Baron Wrangell mit Brot versorgt werden. Er entledigte sich dieser schweren Aufgabe zur allgemeinen Befriedigung, machte den montenegrinischen Winterfeldzug in Nordwest-Albanien und die Belagerung von Antivari mit, war bei vielen kleineren Gefechten und der Schlacht von Dnlcingo zugegen. Als der Prel-Friede von San Stefano das Kriegsgetümmel lahm legte, ging Alexander Baron Wrangell nach St. Petersburg, um dem Kaiser ein Schreiben des Fürsten Nicolaus zu überbringen und mündlichen Bericht abzustatten. i) Zu seiner Disposition wurde die kaiserliche-Jaclit „Oloff" gestellt. 49 Gnädig vom Kaiser empfangen, musste von Wränge 11 bald wieder nach Montenegro abreisen, um im Falle eines neuen Krieges mit der Türkei und England entsprechende Vorkehrungen zu treffen und die Auswanderungs-Angelegenheit der Herzegowina endgültig zu regeln. Bis Juni 1878 verblieb Baron Wrangeil in Süd-Herzegowina, wo er an 45 000 Seelen wieder unter Dach und Fach brachte und neue Häuslichkeiten einrichten half. Als Baron Wrangeil sich dem Kaiser nachher vorstellte, dankte ihm der Monarch öffentlich und ernannte ihn bald darauf zu seinem Kammerherrn. Im Herbst desselben Jahres musste Baron Wrangeil nochmals nach Dalmatien und Montenegro reisen, um die letzten Emigrations-Angelegenheiten an Oesterreich zu übergeben und die Rechnungen zu ordnen. Im März 1879 aus Wien zurückgekehrt, wurde Baron Wrangeil abermals vom Kaiser höchst gnädig empfangen, öffentlich belobt, mit dem St. Wladimir-Orden HI. Klasse decorirt und zum General-Consul in Danzig (als Grenzposten eines der wichtigsten Con- sulate Russlands) ernannt. Hier hatte Alexander Baron Wrangell die Ehre, in seiner Amtswohnung am 28. August (8. September) 1881 den jetzt regierenden Kaiser Alexander HI. während der Danziger Zusammenkunft mit dem Kaiser des Deutschen Reiches, Wilhelm, zu empfangen und zu beherbergen. Zum Andenken an die Danziger Zusammenkunft machte der russische Kaiser dem Baron Wrangell ein sehr kostbares, aus Diamanten und Saphyren bestehendes Geschenk, und der Deutsche Kaiser Wilhelm verlieh ihm den Rothen Adler-Orden II. Klasse. Im November 1882 besuchte auf der Durchreise der Minister des Aeussern, Herr von Giers, den Baron Wrangell und hatte derselbe Gelegenheit, seinen hohen Chef über Varzin nach Berlin zu begleiten. Im December 1882 wurde er zum Wirklichen Staatsrath ernannt. Von ausländischen Decorationen besitzt der Baron Alexander von Wrangell den persischen Sonnen- und Löwen-Orden II. Klasse mit Stern, den montenegrinischen Danilo - Orden H. Klasse mit Stern, den preussischen Rothen Adler-Orden II. Klasse, den dänischen Danebrog III. Klasse, die Montenegro - Militär - Medaille für den Feldzug von 1876 78. An kaiserlich russischen Orden besitzt er den St. Wladimir - Orden am Halse, den St. Annen-Orden II. Klasse, den St. Stanislaus - Orden II. Klasse, als der älteste Sohn in der Familie die Medaille vom Jahre 1812, die er vom Grossvater und Vater erbte, die Balkan-Medaille für den Feldzug 1877 78, die russische Krim-Medaille pro 1S53/56. Am 13. (25.) April 1866 erhielt Baron Wrangell den Stern und das Grossband I. Klasse des St. Stanislaus-Ordens verliehen. Ihm gehört das Schloss Terpilitz im Gouvernement St. Petersburg und Ruda-Belki im Gouvernement Minsk; er ist griechischer Confession. Im Jahre 1861 vermählte er sich mit Anna Schaf hausen - Schönberg - Eck von Schaufus, Tochter des Chefs des Militär-Kabinets des Kaisers, Senators Schafhausen-Schönberg-Eck von Schaufus, geboren am 6. August 1841, und hat mit derselben zwei Söhne Georg (107) und Nicolaus (109) und zwei Töchter: 1. Olga (108), geboren am 13. (25.) März 1862 in Bukarest, hat ihr Universitäts- Examen in St. Petersburg 1878 absolvirt. Am 22. November 1882 vermählte — 387 — sie sich zu Berlin, wohin die Eltern von Danzig mit der Familie gekommen, mit dem preussischen Bittmeister im rheinischen Ulanen - Begiment Nr. 7 und Adjutanten der 2. Division, Max Lange. Die Trauung fand zuerst in der griechischen Kapelle der dortigen russischen Botschaft statt und dann in der Berliner Garnisons-Kirche. Es wohnten derselben auch die russischen Botschaftsmitglieder, der russische Minister des Aeussern, von Giers, und andere geladene Gäste bei. Nachmittags trat das neuvermählte Paar seine Hochzeitsreise an. 2. Catharina (110), geboren 1865 in Kopenhagen, starb schon 1867. 107. George von Wrangeil, Baron zu Lndenhof, geboren am 26. April 1863 in Bukarest, Page des Kaisers von Bussland, lebt in Terpilitz. 109. Nicolaus von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, geboren am 15. (27.) August 1869 in Stadt Strelna, Page des Kaisers von Eussland. Im Juli 1884 bestand er sein Examen in St. Petersburg und erhielt als der Zweitbeste von Dreien das Stipendium des Kaisers Alexander I. im Betrage von 1000 Bubeln; er trat infolge dessen am 14. September in die beste und höchste Anstalt Busslands, das kaiserliche Lyceum in St. Petersburg ein. 91. Michael von Wrangell, Baron zu Lndenhof, Sohn von Hans George Hermann (72), wurde am 29. December 1836 in St. Petersburg geboren, erhielt seinen ersten Unterricht in der damals sehr beliebten Anstalt Birkenruh in Livland, trat 1851 in die Garde-Junkerschule in St. Petersburg, wo er als einer der vorzüglichsten Schüler zum Wachtmeister derselben ernannt und nach Beendigung der Studien im Jahre 1854 als Begünstigter in das reitende Garde-Begiment (Garde du Corps) als Offizier befördert wurde. Drei Jahre später besuchte er die Militär - Akademie, endigte den Cursus daselbst mit Auszeichnung, wurde in den grossen Generalstab berufen und zum Feldmarschall Bariatinsky nach Tiflis abcommandirt, wo er als Generalstabs- Offizier auf der linken Flanke unter General von Filipson die Feldzüge gegen die letzten Tscherkessen-Stämme der Chapsugen und Madrechen (1860, 1861, 1862) mitmachte. Hier wurde von Wrangell verwundet und trotz seiner Tapferkeit gefangen genommen, jedoch durch eiuen unter Befehl des Grafen Hauke ausgeführten Bajonnett-Angriff des Bataillons befreit. Dieser Graf Hauke, ein Jugenfreund von Michael von Wrangell, betheiligte sich später am polnischen Aufstande unter dem Namen Bossack. Im Jahre 1864 war von Wrangell Chef des Militär-Bezirks in Lomsha, Während des polnischen Aufstandes wurde von Wrangell, welcher als sehr energischer Offizier bekannt war, als Chef des Stabes der Garde-Division nach Wilna berufen und führte, damals im Bange eines Oberst stehend, seine Truppen in mehreren Treffen wider die Aufständischen. Nachdem er einige Zeit in Warschau als Attache des Statthalters Murawieff (1867) zugebracht hatte, wurde er zum Militär-Gouverneur in Plozk und bald darauf (1871) zum Civil-Gouverneur in Livland mit dem Sitz in Biga ernannt. 49* — 388 — Krankheitshalber verliess von Wrangeil im Jahre 1873 diesen Posten und nahm 1875 als Generallieutenant seinen Abschied, nachdem er eine merkwürdig schnelle Carriere hinter sich hatte. Er lebt auf seinem Schloss Torosowa in der Nähe von St. Petersburg und besitzt das Grosskreuz des St. Annen - Ordens, das Grosskreuz des Stanislaus - Ordens, den Wladimir - Orden III. Klasse, das Kreuz für die Unterwerfung des Kaukasus und drei Kriegs- Medaillen. Er ist mit der Baroness Charlotte von Korff seit 1867 vermählt und hat mit derselben vier Söhne Paul (112), Michael (113), George (114), Dimitry (115) und eine Tochter: Dorothea (111), starb 1868. 112. Paul von Wrangell, Baron zu Ludenhof, geboren am 1. (13.) März 1868, starb Juli 1883. 113. Michael von Wrangell, Baron zu Ludenhof, geboren am 14. (26.) Januar 1874. 114. George von Wrangell, Baron zu Ludenhof, geboren am 7. (19.) Februar 1876. 115. Dimitry von Wrangell, Baron zu Ludenhof, geboren am 20. Mai (1. Juni) 1881. 93. George von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Hans George Hermann (72), geboren am 3. September 1842; erzogen in der kaiserlichen Rechtsschule zu St. Petersburg, wurde er im Mai 1862 als Titularrath im ersten Departement des Senats angestellt. Nach Ausbruch des polnischen Aufstandes 1864 trat er als Freiwilliger und Junker in das 5. Alexandrinsche Husaren-Regiment ein, avan- cirte 1864 zum Offizier und wurde 1866 in das Grodnowsche Garde - Husaren - Regiment versetzt. 1869 war er Regiments-Adjutant in demselben. 1875 wurde er zu besonderen Aufträgen dem Hetman der donischen Kosaken attachirt und lebt seit 1876 als Rittmeister ausser Dienst auf dem Schloss Kazatskoje, welches er als Mitgift seiner Gemahlin 1 ) erhalten, und zu Beschbarski im Gouvernement Kiew und Cherson. Am 27. August 1872 vermählte er sich mit der Fürstin Barbara Gregoriewna Galitzin in Warschau und hat mit derselben drei Töchter: 1. Elisabeth (116), geboren am 17. (29.) Juli 1873, starb am 20. December 1875. 2. Barbara (117), geboren am 17. (29.) November 1876 in Meran. 3. Tatiana (118), geboren am 5. April 1879 in Odessa. 95. Nicolaus von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Hans George Hermann (72), geboren am 6. Juli 1847, war 1868 Doctor der Philosophie der Universität Göttingen, 1879 Friedens-Vermittler in Polen und ist in der f) Fürstin Barbara Gregoriewna Galitzin hatte Kazatskoje von ihrem Grossonkel, dem Grafen Tonndonkley, geerbt. — 389 — literarischen Welt nicht unbekannt. Er gab im Jahre 1886 zwei Werke in den Druck: 1) Etudes sur la Protection et son Influence sur l'Industrie manufacturiere et celle de la Russie en particulier, par le Br. N. Wrangell, Docteur en philosophie et maitre des arts; Berlin, Hennann Peters, 1867; 2) (russisch) zwei historische Dramen: Peter Feodorowitsch Basmmanoff und Marina Mnischek; Petersburg, Topographie von Stassulevitsch, 1886. Mit seiner Gemahlin Marie, Tochter des verabschiedeten Majors Nicolaew, hat er zwei Söhne: 119. Peter yoil Wrangell, Baron zu Ludenhof, geboren 1878, und 120. Nicolaus von Wrangell, Baron zu Ludenhof, geboren 1880. 73. Alexander von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Carl Hermann (55), geboren 1804, trat in das Garde-Grenaclier-Regiment ein und war beim Sturm von Warna 1828 der erste auf der Mauer, nahm die Türkenfahne und wurde schwer verwundet. Am 15. Mai 1830 starb er in St. Petersburg als Lieutenant und Ritter mehrerer Orden an diesen Wunden und wurde auf dem Friedhofe von Smolensky begraben, wo ihm das Garde-Regiment ein schönes Monument setzte. Er war unverheirathet. 78. Nicolai Anastasius Reinhold von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Carl Hermann (55), wurde in Narwa am 10. März 1809 geboren. Er ist lutherischer Confession, genoss seine Erziehung in der Garde-Unterfähnrichs-Schule und wurde am 2. December 1826 als Unteroffizier beim Leib-Garde-Regiment der reitenden Grenadiere eingestellt. Am 29. Mai 1827 erfolgte seine Beförderung zum Unterfähnrich, am 26. September 1828 zum Fähnrich mit Anciennität vom 16. September, am 1. Januar 1833 zum Seconde-Lieutenant. Wegen häuslicher Angelegenheiten erhielt er als Stabs- Kapitän am 12. Januar 1837 den erbetenen Urlaub und wurde am 26. Januar 1837 aus dem Regiment ausgeschlossen. Am 13. Februar 1838 nahm man Baron von Wrangell jedoch wieder in den Dienst, wie vorher, als Lieutenant beim Leib-Garde-Regiment der reitenden Grenadiere auf. Am 6. December 1838 wurde er zum Stabs-Kapitän, am 10. December 1840 zum Commandern- der 4. Escadron, am 30. März 1841 zum Kapitän, am 29. August 1842 zum Commandern- der 4. Escadron bestätigt und am 7. Juli 1S46 zum Commandern- der 7. Vorraths- (nunmehr Rerserve-) Escadron ernannt. Er übernahm die Escadron auf gesetzlicher Grundlage am 13. März 1847, wurde am 21. März 1847 Oberst, am 22. August 1847 als Commandern- der 3. Division bestätigt und durch Allerhöchsten Ukas vom 6. Mai 1854 zum Commandern- des Rigaer, Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Grossfürstin Catharina Michailowna, Dragoner-Regiments bestimmt, wohin er am 27. Mai 1854 abging; am 24. Juli 1854 traf er daselbst ein und übernahm das Commando an diesem Tage. Durch Allerhöchsten Ukas vom 8. September 1855 wurde Baron von Wrangell für Auszeichnung im Dienst zum Generalmajor befördert. 390 — Er hat nachstehende Feldztige mitgemacht: Am 9. April 1828 marscliirte er mit dem Regiment aus St. Petersburg und ging, nachdem er am 4. August die Donau hei der Festung Isaktschi im türkischen Gebiete überschritten hatte, über Bobadach, Kostendscha, Mongalia und Kowarna bis zur Festung Warna. Er war bei der Belagerung der Landzunge vom 28. August an auf der südlichen Seite dieser Festung und war dabei bethätigt am 16. September bei Vertreibung zahlreicher türkischer Reiterei und Infanterie, am 18. September bei einer Attacke auf eine türkische Redoute; am 8. October marscliirte er zurück auf dem Wege, auf dem er nach Warna gekommen, und traf am 21. October nach Ueberschreitung der Donau in Russland ein. In diesem Feldzuge hat er sich durch seine Tapferkeit sehr bekannt gemacht. Sein Ozako und sein Mantel waren von achtzehn Kugeln durchbohrt worden; beide Gegenstände werden im Arsenal-Palais zu Zarskoje-Sselo aufbewahrt. Er durchzog demnächst die Provinz Bessarabien und bezog am 26. November die Winterlager bei Kamenetz im podolskschen Gouvernement. Von dort marscliirte er am 18. September 1829 mit dem Regiment in die Cantonirungsquartiere ins kiewsche Gouvernement und von dort am 26. October nach St. Petersburg ab, wo er mit dem Regiment am 25. Januar 1830 eintraf. Am 4. Januar 1831 verliess er diese Stadt und marscliirte mit dem Regiment über die Städte Riga, Wilna und Grodno, überschritt am 12. März den Fluss Narew und die Grenze des Königreichs Polen im Orte Tykoczin, langte am 14. März in den temporären Lagern im Orte Wysokomasoweck an, von wo er am 17. aufbrach und in forcirtem Marsche über den Ort Lembrow behufs Vereinigung mit dem ganzen Corps in der Stadt Lomsha anlangte. Vom 1. bis zum 10. April war er mit dem Reginiente im Orte Kolno zur Deckung der Communication mit der preussiscken Grenze, am 5. Mai stand er beim Angriff der Rebellen beim Orte Sujadowo in Position in der ersten Linie, am 6. Mai zur Verstärkung der Avantgarde beim Dorfe Malotz-Jakotz, am 7. Mai bei dem Rückzüge der Armee der Rebellen über den Ort Sujadowo zur Verstärkung der auf der rechten Flanke stehenden Kürassier-Brigade und von diesem Tage bis zum 9. Mai marscliirt er über die Dörfer Gatsch, Rudki und die Stadt Tykatschin ins russische Kaiserreich in der Arriere- garde unterm Commando des General-Adjutanten von Bistram. Dabei war er am 8. Mai in der wirklichen Schlacht beim Dorfe Rudki. Vom 11. bis 15. Mai verfolgte er den Feind in forcirten Märschen bis zur Stadt Ostrolenka., wo er den Fluss Narew überschritt. Am 22. Mai marschirte er über den Ort Mokowo, die Stadt Plozk und den Ort Lissno, um dort auf das linke Ufer der Weichsel überzusetzen, welche er am 7. Juli beim Dorfe Osowko überschritt, und langte über Lowitsch und Nadarschin am 25. August bei der Stadt Warschau an, bei deren Erstürmung er am ersten Tage in der Hauptreserve in Position stand, am 26. August aber auf der rechten Flanke der Linie, wo er auch mit dem Regimente im starken feindlichen Feuer sich befand, um die Jerusalemer Thore zu vertheidigen; am 27. August zog er in Warschau ein. Am 7. October marschirte er in die temporären Quartiere nahe der Stadt Pultusk; am 16. October verliess er diese und, nachdem er den Fluss Njiemen bei Kowno überschritten hatte, langte er am 4. November im Kaiserreich Russland an, kam am 23. November im kurländischen — 391 — Gouvernement in die Cantonirungsquartiere und von dort am 7. März 1832 nach St. Petersburg. Mit dem Grenadierzuge der Rotte des Kaisers in der Gardeabtheilung, welche unter Führung des Commandirenden, des Generaladjutanten Istlenjew, stand, schiffte er sich am 11. Juli 1S35 in St. Petersburg auf der Ostsee nach Panzig ein, von wo er zu Lande ins Königreich Polen nach der Stadt Kali seh zu dem grossen Lager der Verbündeten marschirte, und schlug von liier aus seinen Rückmarsch auf demselben Wege nach Danzig wieder ein; von hier wurde er zufolge Allerhöchsten Befehls am 27. September nach Berlin abcommandirt. Der Kaiser von Russland stellte ihn damals dem König von Preussen mit den Worten vor: Das ist wohl mit der bravste Offizier meiner Armee. Am 8. November 1835 kehrte er dann zum Regiment wieder zurück. Während des Krieges in Ungarn im Jahre 1849 betheiligte sich Baron von Wrangeil vom 27. Mai bis zum 30. October genannten Jahres am Feldzuge der Garde ins westliche Gebiet des Kaiserreichs. Im Jahre 1854 machte er den Feldzug gegen die Türken, Engländer und Franzosen mit und marschirte, nachdem er am 17. Juni den Fluss Prath, überschritten hatte, gegen die Fürstentümer Moldau und die Walachei über die Städte Jassy, Byrlak, Tekutsch, Fokschany, Busro. Von dort trat er den Marsch über die Stadt Bukarest zur Festung Murschi an, und ging wieder über dieselben Städte ausser Jassy bis zum Orte Seow, wo er auch die Grenze am 22. August überschritt. Im Jahre 1855 und 1856 in der zweiten und dritten Campagne gegen die alliirten Armeen der Türkei, Englands und Frankreichs marschirte er am 2. März aus der Umgegend der Stadt Odessa auf Simpheropol und darauf auf die Stadt Baktscliisarai am Flusse Katscha zu; am 11. Juni stand er in Position am Flusse Belbek, nahe bei Sewastopol, und begab sich von da aus ins Heer des 3. Armee-Corps unter dem Commando des Cavallerie-Generals Nead, am 3. August in einem Nachtmarsche in Position nahe dem Flusse Tschernoi, am 4. August machte er die Schlacht beim Flusse Tschernoi und den Höhen von Feduchin unter dem Commando des Cavallerie-Generals Schabelski mit und gelangte am 5. August auf dem Rückzüge beim Flusse Belbek an, wo er bis zum 27. September stand. Am 27. September befand, er sich auf dem Marsche auf die Position beim Dorfe Uglusala,. am 1. October auf dem Angriffsmarsche der ehemaligen I. Brigade der 2. Dragoner - Division auf Tatar - Osmanskoi unter dem Commando des Generallieutenants Montresor, auf dem Rückmärsche von dort in Position nahe dem Dorfe Orto-Oblasko behufs Vereinigung mit der eupatorisclien Abtheilung unter dem Commando des Cavallerie-Generals von Helfreich, wo er auch bis 17. December verblieb. Von dieser Zeit an bis zum Abschluss der Friedensbedingungen am 19. März 1856 blieb er nahe bei der Stadt Perekow zum Schutz der Küstenstriche des Schwarzen Meeres vor Landung des Feindes stehen. Baron von Wrang eil wurden folgende Auszeichnungen zu theil: Ernennung zum Ritter des St. Georg-Ordens IV. Klasse für fünfundzwanzigjährige Dienstzeit, des St. Wladimir-Ordens IV. und III. Klasse, des St. Annen-Ordens III. Klasse mit der Schleife, II. Klasse ohne Krone und II. Klasse geschmückt mit der kaiserlichen Krone und erhielt das Ehrenzeichen des Militär-Ordens des St. Georg unter Nr. 48621, sowie die silbernen I : V — 392 — Medaillen: für den türkischen Krieg 1828/1829; für die Erstürmung Warschaus am 25. 26. August 1831; polnisches Ehrenzeichen für militärische Tüchtigkeit IV. Klasse und das Ehrenzeichen für tadellosen zwanzigjährigen Dienst. Er starb im October 1856 und liegt auf seinem Gute Ljatschina im Gouvernement Nowgorod begraben. Seine Gattin war Helene Wasiljevo Anitschkow, Tochter des Hofraths Anitschkow aus dem Gouvernement Nowgorod im Kreise Krestetzk (Kirchspiel Rutschkoivski). Sie hatten drei Söhne (97, 99, 102) und drei Töchter: 1. Catharina (98), geboren am 9. September 1843; vermählte sich mit dem königlich preussischen Stabsarzt Dr. med. von Pfeiffer, Assistent des Geheimen Raths von Langenheck in Berlin. 2. Anna (100), geboren am 3. September 1847, lebt 1885 bei der Mutter. 3. Barbara (101), geboren am 17. October 1854. 97. Gregor von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, geboren am 3. Februar 1845, erzogen im Pagen-Corps in St. Petersburg und 1862 Offizier im Leib-Garde-Regiment der reitenden Grenadiere; erschoss sich 1865. 99. Nicolaus von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, geboren am 23. Juli 1849, wurde im Pagen-Corps in St. Petersburg erzogen und durch Allerhöchsten Befehl zum Pagen Seiner Kaiserlichen Majestät Alexander II. ernannt. Er starb 1869. 102. Michael von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, geboren 1858; war 1882 russischer Lieutenant bei dem Garde-Ulanen-Regiment. 79. Woldemar von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Sohn von Carl Hermann (55), geboren 1816 in Riga, diente im Gatschina-Kürassier-Regi- ment Kaiser Paul, dann im Garde-Regiment der reitenden Grenadiere als Hauptmann. Er machte den Feldzug im Kaukasus mit, war in der Schlacht bei Dargo thätig und starb 1859 in Simpheropol in der Krim, nachdem er die Belagerung von Sewastopol gut überstanden hatte. 36. Hermann von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Sohn von Hans (17), geboren 1734, starb am 5. April 1748 an einer Entzündung. 37. Carl Johann von Wrangell, Baron zu Ludenhof, 1 ) Sohn von Hans (17), geboren am 4. October 1740, starb am 20. December 1744 an den Blattern. i) K.-B. Luggenlmsen. Tabelle VIIIA. Haus Lude und Tuniesliof. 1. Carl Johann von Wrangell, Baron zu Ludenliof, 1 ) (Tab. VIII 14), Solm von Hermann (Tab. VIII 1) und Anna Dorothea von Tiesenhausen, war Erbherr auf Ellistfer, welches er durch den Theilungsvergleioh vom 17. Februar 1687 erhielt, auf Schloss Lude, welches er als eine Freiherrschaft von König Carl XI. am 5. November 1687 bestätigt erhielt, sowie auf Lude-Grosshof und Warrol. Er befand sich bereits 1625 im Militärdienst, war 1677 Major, 1679 Oberstlieutenant im Leib-Regiment der Königin von Schweden, 1683 im Regiment des Generals von der Pallien, musterte am 4. März 1691 zu Trikaten die Compagnie des Rittmeisters Georg Reinhold von Tiesenhausen und starb am 1. August desselben Jahres zu Riga. Hier wurde er am 18. Februar 1692 in der Domkirche beigesetzt, wo ihm eine Ehren- säule geweiht wurde. Er vermählte sich bald nach 1681 mit seiner Cousine, der Freiin Anna Ebba. o Horn aus Amine in deren erster Ehe. Sie war die Tochter des Reichsraths, Feldmar- o sclialls und General-Gouverneurs von Livland, Freiherrn Christer Claesson Horn zu Amine auf Wickhus, Gamleby, Wyk, Görvelsdal, Orlinne, Lisjö, Lärgeholm und Salisborg und dessen zweiter Frau Freiiii Anna Elisabeth von Wrangel zu Lindeberg (Tab. VI 29). Nach Carl Johanns Tode heirathete Anna Ebba noch zweimal und zwar: erstens am 5. December 1693 den Oberstlieutenant Gustav Johann Forbus, welcher am 31. August 1694 starb, und zweitens den Oberstlieutenant Gotthard Wilhelm von Uexkiill aus Ildenson. Sie starb 1744. Carl Johann hinterliess drei Söhne: Christian (Christer) Hermann (2), Hans (3), Carl Johann (4). 2. Christian (Christel 1 ) Hermann von Wrangell, Baron zu Lnclenhof, 2 ) Solm von Carl Johann (1), war im Februar 1696 noch unmündig, diente dann als Cornet bei der esthländischen Adelsfahne, erhielt am 22. Juli 1705 von König Carl XII. die !) Wrangell, Urk.-Samml. III Nr. 129. 2 ) Wrangell, Stck. I. 112: Lude," Brief!.: Toll. Urk.-Samml. 50 — 394 — Bestätigung' als wirklicher Cornet in der liyläiidischen Adelsfaline, nachdem er schon am 1. October 1704 hierzu ernannt worden war. Er reiste am 23. April 1708 von Reval zur Armee ah und wurde 1710 in Livland von Marodeurs ermordet. 3. Haiis von Wrangell, Baron zu Lndenliof, Sohn von Carl Johann (1), war Cornet hei den Schlippenbach-Dragonern, gerieth 1709 am Dnjepr in Gefangenschaft und starb während derselben in Tobolsk 1718/19. 4. Carl Johann von Wrangell, Baron zu Lndenliof. 1 ) Sohn von Carl Johann (1), geboren am 29. Mai 1689, Erbherr auf Ellistfer, Schloss Lude, Warrol, reiste am 23. April 1708 als Cornet zur Armee ab und wurde als solcher 1709 bei Pultawa gefangen und nach Tobolsk abgeführt. Im Jahre 1722 kehrte er zurück, wurde Rittmeister bei der östgötischen Cavallerie, nahm als Oberstlieutenant den Abschied und wurde 1737 Landrath in Livland; 1738 ist er Assessor im Hofgericht und starb am 24. September 1742 als General-Oeconomie-Direktor. Durch Vergleich zu Reval mit seinen Brüdern 2 ) vom 15. Juli 1723 wurde er Heilder Güter Selckis bei Tolsburg undNömküll. Am 12. Hönning 1723 verkaufte er Ellistfer nebst allen seinen im Dorpatschen liegenden Gründen und Plätzen dem Hauptmann und nachmaligen Landrath Otto Reinhold von Stakelberg zu Reval. 3 ) Am 9. Februar 1748 schlössen die drei Söhne einen Transakt wegen der Nachlassenschaft ab. Es behielt hiernach Carl Johann (5) das Mannlehn Lude und zahlte seinem jungem Bruder Johann Georg (8) 3400 Thaler aus, während Gotthard Wilhelm(7) das Mannlehn Grosshof bekam und ebenfalls seinem jüngern Bruder Johann Georg 800 Thaler zahlte. Endlich erhielt Johann Georg ausser diesen 4200 Thalern das Weiberlehn Warrol. Am 21. Juni 1724 vermählte sich Carl Johann zu Reval mit Charlotte Johanna Baroness von Liebsberg, geboren am 5. September 1703 in Naumburg, starb am 29. März 1748 zu Warrol; sie war die Tochter des königlich dänischen Cavallerie-Oberst Johann Friedrich Baron von Liebsberg. 4 ) Mit derselben hatte er drei Söhne: Carl Johann (5), Gotthard Wilhelm (7), Johann Georg (8) und eine Tochter Charlotte Dorothea (6), 5 ) wurde im Mai 1726 zu Riga geboren und am 30. Januar 1778 zu Nicolai in Reval begraben. Sie war seit dem 24. Juni 1749 verheirathet mit Adam Johann von Tiesenhausen, Erbherrn auf Aeller, Herrn auf Assicker, der 1768 Lieutenant war. 5. Carl Johann von Wrangell, Baron zu Ludenhof, 6 ) Sohn von Carl Johann (4), wurde am 12. April 1725 geboren, war durch Vergleich mit seinem Bruder Gotthard Wilhelm (7) Erbherr auf Schloss Lude mit Lude-Grosshof f) Wrangell, - Mittli. 2) Lude Brief!., T. VIII Nr. 304. 3 ) Dörpt Ratlisprotokoll 1726; Brief!. Ellistfer 5; Wrangell, Samml. u. Tal). XV; Tv.-B. Lude. 4 ) Wrangell, Samml. I, 113. ' 5 ) Wrangell, Samml. I, 113; Iv.-B. Nicolai in Reval. G ) Wrangell, 2. Urk.-Samml. VI, Nr. 61. — 395 — und bekam durch seine Ehegattin Turneshof und Gross-Soldina in Esthland. 1747 ist er Ordnungsgerichts-Adjunkt, 1769 Assessor und Hakenrichter; er starb am 6. Juli 1798 zu Riga. Er verkaufte Lude-Grosshof an Barclay de Tolly. C„arl Johann vermählte sich a) am 17. Januar 1753 mit Eva, Tochter des verstorbenen Lieutenants Engelbrecht Johann Meck; b) 1758 mit Renate Johanna de la Barre, geboren 1732, älteste Tochter des schwedischen Oberst Robert Friederich de la Barre. Erbherrn auf Turneshof und Neu-Harküll, und Christina Gyllenlood (die geschiedene Frau des Yice-Präsidenten des Kammer-Collegiums Carl Friedrich Stael von Holstein). .Sie starb 1765 und wurde in der Kirche zu Lude unter dem Fenster neben der Sakristei begraben, wo noch 1821 das Kreuz in der Mauer zu sehen war. Sie hatte zwei Söhne: Carl Johann Wilhelm (9) und Hans Hermann Gustav (10). 10. Hans Hermann Gustav von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Carl Johann (5), wurde am 7. August 1765 geboren und starb am 5. März 1783.0 9. Carl Johann Wilhelm von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, 2 ) Sohn von Carl Johann (5), war am 3. Juni 1760 geboren. Nachdem er als Cornet vom Leib-Kürassier-Regiment seinen Abschied genommen, wurde er 1783 Assessor beim Nieder- landesgericlit in Walk, 1786 Kreisgerichts-Assessor, 1789 Kreisrichter und 1804 Kirchspielsrichter in Walk. Er war Erbherr auf Schloss Lude, Turneshof, Gross-Soldina, Herr auf Neu-Kackel. Am 14. März 1808 verkaufte er Gross-Soldina an den Rathsherrn Gottfried Friedrich Götta. Carl Johann Wilhelm starb am 27. Februar 1818. Er vermählte sich 1786 mit seiner Cousine (Geschwisterkind) Wilhelmine Charlotte Dorothea Baroness von Wrangeil zu Ludenhof (VIIIA 13), Tochter von Gotthard Wilhelm Baron von Wrangeil zu Ludenhof (VIIIA 7), und hatte mit derselben einen Sohn (21) und eine Tochter: Margarethe Marie Johanna (22), 3 ) in der Familie „Gruna" genannt, wurde am 26. Mai 1789 geboren und vermählte sich am 14. October 1810 mit Anton Otto von Wrangell auf Maydel (XIV 39), geboren 1779. "21. Carl Wilhelm von Wrängeil, Baron zu Ludenhof, 1 ) Solm von Carl Johann Willielm (9), war am 26. August 1787 geboren und starb am 20. Juni 1789. 8. Johann Georg von Wrangell, Baron zu Ludenhof, 5 ) Sohn von Carl Johann (4), geboren am 28. August 1732, bekam in der brüderlichen Theilung Warrol in Livland und war etliche Jahre Ordnungsgerichts-Adjunkt im Kreise Dorpat. 1) K.-B. Lude. 2) Wrangell, Samml. und Tal). XV; K.-B. Lude. 3 ) Mir. Nr. 346, Tab. II. 4) K.-B. Lude. ö) Gadebusch etc. 50* — 396 Am 2. Mai 1754 machte er Einwendungen gegen den von seinem Vater vollzogenen Verkauf des Erbgutes Ellistfer, da er zur Zeit des Verkaufs erst neun Jahre alt gewesen und nicht habe protestiren können. Allein das Hofgericht wies ihn ab.() Johann Georg starb 1805. Er vermählte sich am 17. Juni 1759 mit Maria Elisabeth von Löwenstjern, des Oberstwachtmeisters Carl Löwenstjern jüngerer Tochter, des Rittmeisters Otto Heinrich Stakelberg Wittwe, welche ihm 20 000 Rubel zubrachte. Sie starb zu Dorpat am 25. December 1761 und hinterliess eine Tochter: Charlotte Helene (20), welche am 15. October 1760 geboren, am 10. März 1828 starb und mit dem Grafen Peter Sievers, Hofrath, Ritter und Erbherr auf Wiesenhof in Ciuiand verheirathet war. Er starb 1827. 7. Gotthard Wilhelm von Wrangell, Baron zu Liulenhof, Sohn von Carl Johann (4), geboren am 9. August 1727, erbte Lude-Grosshof, überliess dasselbe aber seinem Bruder Carl Johann. Für das Geld, welches er aus der brüderlichen Theilung empfangen, pachtete er sich Tnrneshof und Odenpäh. Seine schwächliche Gesundheit nöthigte ihn, im Auslande Stärkung zu suchen; daher hielt er sich bis 17 75 im Auslande an deutschen Höfen auf. ging dann in seine Heimath zurück, war 1783 Assessor und starb am 23. März 1786 als Kreisrichter in Walk. Mit seiner Gemahlin Anna Maria von Gersdorff, geboren am 4. Mai 1749, gestorben am 22. September 1814, Tochter des Ordnnngsrichters Georg Gustav von Gersdorff auf Koiküll und Asnma, vermählte sich Gotthard Wilhelm am 1. December 1766 und hatten dieselben drei Söhne: Georg Gotthard Wilhelm (14), Carl Gustav Friedrich (15), Johann (18) und sechs Töchter: 1. Margarethe Gotthardine Elisabeth (Gretchen genannt) (11), geboren am 11. September 1769, starb unvermählt am 8. Januar 1831. 2. Anna Friederike Luise (12), geboren am 19. October 1783, vermählte sich mit dem Collegienrath Carl von Hehn und lebte noch 1845. 3. Wilhelmine Charlotte Dorothea (Minna genannt) (13), geboren am 17. März 1770 zu Odenpäh, starb am 30. October 1839; vermählt war sie seit 1786 mit Carl Johann Wilhelm von Wrangell, Baron zu Ludenhof (VniA 9), geboren am 3. Juni 1760. 4. Elisabeth Eleonore (16), geboren am 2. Mai 1780, ist 1854 unverhei- rathet gestorben. 5. Jeannette Marie (17), geboren am 1. September 1777, starb 1820 unvermählt. 6. Adolfine Auguste (19), geboren am 24. December 1784, starb am 30. März 1839; vermählt mit Hofrath Johann von Hehn, gestorben 1813. 15. Carl Gustav Friedrich von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von Gotthard Wilhelm (7), wurde am 24. Mai 1773 geboren, studirte in Wittenberg, arrendirte demnächst das dem Herrn von Bonislawski an der littauischen Grenze ge- i) Briefl. Ellistfer. — 397 legeneGut Ludwinowo uncl starb 3. Februar 1813 in Witebsk am Typixus; dieser herrschte überall, wo die grosse französische Armee unter Napoleon durchgezogen war. Er war zweimal verheirathet, und zwar a) mit Christiane Elisabeth von Wernsdorf, der einzigen Tochter des Professors von Wernsdorf in Wittenberg, im März 1792; sie war geboren am 19. Juni 1778 und starb im Februar 1802; b) 1808 mit M. Freiwald, starb 1813 gleichfalls in Witebsk am Typhus, gleich nach ihrem Gemahl. Aus der ersten Ehe stammten: ein Sohn Carl Wilhelm Gottlieb (30) und eine Tochter: Christiane Elisabeth (Lisinka genannt) (29), welche am 14. Februar 1798 geboren war, lebte 1885 in Riga. Ausserdem entsprossen dieser Ehe noch vier Kinder (28), welche alle jung starben. Aus der zAveiten Ehe war eine Tochter: Caroline Helene (Lina genannt) (32), geboren am 0. August 1809, vermählt am 5. Februar 1833 mit dem verabschiedeten Oberst Simischin in dessen dritter Ehe. Sie starb am 12. Juli 1833 in Narwa am Nervenfieber. Es stammten aus dieser zweiten Ehe noch zwei Kinder (31), die 1813, im Todesjahr ihrer Eltern, jung in Witebsk am Typhus starben. 30. Carl Wilhelm Gottliel) von Wrangell, Baron zu Ludenliof; Sohn von Carl Gustav Friedlich (15), ist in der Familie unter dem Namen ,.der Baja- zetsche" bekannt, welchen er, wie wir später erfahren werden, wegen der Eroberung der starken Festung Bajazet im Kaukasus erhalten hat. Er hat seine Lebensbeschreibung selbst verfasst, und geben wir dieselbe hier wörtlich wieder. Er sagt: „Ich wurde auf dem an der litauischen Grenze gelegenen Gute Ludwinowo, welches mein Vater für einen Herrn von Bonislawski arrendirte, am 22. Juli 1800 geboren. Da damals in der ganzen Umgegend kein lutherischer Prediger zu haben war, brachten meine Ludeschen Verwandten ihren Prediger, den Pastor Horeb, mit, welcher die lutherische Taufe vollzog. Im Februar 1802 verloren ich und meine Schwester, ich anderthalb Jahr, letztere vier Jahre, alt, unsere Mutter, und wurden zu unserer Grossmutter väterlicherseits, der gebornen Anna Maria von Gersdorff, nach Turnesliof gebracht und der liebevollen Pflege der unverheiratheten Tante Gretchen von Wrangell (11) übergeben. Meine Schwester ist bei ihnen erzogen und ei'wachsen und hat sie bis zu ihrem Tode nicht veidassen. Bis zu meinem zehnten Jahre war ich bei einer Schwester meines Vaters, meiner Tante Minna von Wrangell (13) in Lude, wo eine Französin im Hanse war und ich die Sprache mit erlernte. Unterdessen war mein Vater nach Witebsk gezogen, kam 1810 nach Livland, holte mich ab und erzählte mir auf der Reise in französischer Sprache, dass er geheirathet habe und ich Mutter und Schwester vorfinden würde. Dieses war eine Nachricht, von der weder meine Schwester Lisinka (29), noch ich eine Ahnung hatten. In Witebsk wurde ich der Stiefmutter übergeben und fand 398 — meine Schwester Lina (32), die aber noch auf dem Arme getragen wurde, vor. Man gab mich nun dort in eine Jesuitenschule, wo icli aber nur kurze Zeit blieb, da 1812 der französische Krieg ausbrach und wir im Sommer flüchten mussten. Wir verliessen die Stadt, als der Feind so nahe war, dass wir die feindlichen Kanonen donnern hörten, fuhren dann tiefer ins Land hinein zu einem bekannten Gutsbesitzer, dessen Gut in der Nähe von Weliki-Luki lag. Unser Hab und Gut war auf einer Britschka zusammengepackt, wrde von zwei Pferden gezogen und von einem lettischen treuen Diener meines Vaters gekutscht. Wie lange wir auf dem Gute blieben, dessen erinnere ich mich nicht mehr. Als sich das Gerücht verbreitete, der Feind sei nahe, brenne und plündere überall, vergrub mein Vater in der Nacht im Garten seine werthvollern Sachen und wir fuhren eiligst in den Wald, um uns zu verstecken, denn den Bauern, die ihre Herrschaft den Feinden verrietlien, durfte man nicht trauen. Wir zogen nun hin und her, haben oft Hunger und Durst durchgemacht und konnten erst im Herbst nach Witebsk zurückkommen, wo mein Vater eine Sicherheitskarte von einem französischen General, der bei uns einquartiert war, erhielt. Es war eine schwere, schauerliche Zeit: Kranke, Blessirte, Sterbende und Todte sah man überall, auch bei uns im Hause waren solche, wodurch das Nervenfieber auch bei uns einkehrte und wir alle daran erkrankten. Mein Vater starb zuerst am 3. Februar 1813, sodann sein Diener, zwei kleine Schwestern und zuletzt die Mutter; meine dreijährige Schwester Lina und ich wurden gesund und von unserm alten treuen Diener Heinrich so lange gepflegt, bis er selbst krank wurde. Fremde Menschen nahmen sich unserer an, wer sie gewesen, weiss ich nicht mehr. Das noch nicht vollendete Wohnhaus, welches mein Vater bauen liess, und viele andere Sachen sind damals verloren gegangen. Im Frühling, als Diener Heinrich so weit hergestellt war, dass er reisen konnte, brachte er uns in Begleitung einer polnischen Drechslerfrau zu unserer Grossmutter nach Livland. Bis zum Herbst 1813 war ich dort und wurde dann mit einem Vetter Gotthard Hehn nach Petersburg ins damalige Militär-Waisenhaus x ) gebracht, wo der Onkel von Gotthard Hehn Director desselben war. Ein Jahr nur blieben wir unter seinem Schutze. Er stürzte bei Besichtigung eines Neubaues von einem Gerüste und starb an den Folgen. Im Herbst 1815 besuchte General-en-Chef Piesenhausen, ein Vetter unserer Eltern, Livland, und kam auch zu meiner Tante, der Schwester meines Vaters, nach Lude, hörte von unserm einsamen Corpsleben und versprach, sich unserer anzunehmen, was er auch gleich bei seiner Rückkehr nach Petersburg that. Des Onkels Piesenhausen Tochter, Charlotte, war die Frau des Oberst Carl Bistram, Commandern' des Garde-Jäger-Regiments. Der erste Besuch zu ihnen wurde uns nicht leicht, nachdem wir so verlassen gelebt hatten. Die Güte und Freundlichkeit hob bald alle Blödigkeit und bald waren wir wie Kinder des Hauses dort aufgenommen. Im März 1819 2 ) wurden wir beide, mein Vetter Hehn und ich, Offiziere und !) Jetzt Pav/lofsclie Junkersclmle. 2 ) Nach der Dienstliste am 25. Marz 1819. 4 — 399 — kamen ins Lehrregiment,1) von wo uns Carl Bistram, cler inzwischen General geworden, zn sich ins Garde-Regiment 2 ) überführte. So gross unsere Freude auch war, hatten wir armen Jungen es oft recht schwer. Zur Equipirung bekam ich 1500 Rubel Banco. Unterstützung konnte ich von niemand erwarten, aber in Petersburg in der Garde zu dienen, war gar zu schön. Ich lebte mit meinem Vetter zusammen, wir liessen uns oft die Soldatensuppe schmecken, waren aber dabei heiter, froh und freuten uns auf den Sonntag, wo es zu Bistrams ging, wo man uns manches Vergnügen schaffte und die gute Charlotte Bistram uns auch dazwischen mit Geld unterstützte. 1821 bezogen Bistrams eine grössere Wohnung, und wir bekamen einige Zimmer in der untern Etage, wo wir mit Charlottens Bruder und Vetter, zwei Vettern Hehns und ich zusammen lebten, und alles bekamen, was wir brauchten. Oft kam Bistram unbemerkt und still in unsere Zimmer, um zu sehen, was wir trieben. Es war eine schöne, sorgenfreie Zeit, die uns unvergesslich geblieben. Ich lernte auch damals die Schwester der Bistram, Caroline, kennen und lieben, wir versprachen uns mit Einwilligung ihrer Eltern, und hielten treu neun Jahre aus, bis wir zum Ziel kamen. Ach! lange währte dieses Glück nicht. Im Februar 1823 starb die liebenswürdige gute Charlotte und alles wurde anders. Wir bezogen unsere Kasernen- Wohnung, Bistram nahm eine kleinere Wohnung und die Schwiegereltern zogen auf ihren kleinen Besitz Annenhof bei Narwa. Die erste Zeit meines Dienstes hatte ich das Glück, unter dem damaligen Grossfürsten Nicolai, der unser Brigade-General war, zu dienen und erfreute mich seines Wohlwollens. 3 ) Als nun am 11. December 1825 der Militär-Aufstand in Petersburg losbrach, der Grossfürst zum Kaiser ernannt wurde, hatte ich die Wache in der Admiralität, sah, wie sich das verführte moskausche Regiment um das Monument Peter des Grossen versammelte und auch das Garde-Grenadier-Regiment anmarschirt kam. Dieser Tag war bestimmt, dass die Truppen dem Kaiser Nicolai den Eid der Treue schwören sollten. Den jungen Kaiser sah ich zu Pferde vor dem ersten Bataillon des Pawlofschen Regiments auf dem Admirals-Platz. In dieser Zeit wurde ich abgelöst. Als ich die Wache abführte, rief mich der Kaiser bei Namen und fragte: „Haben die Leute geschworen?" Ich antwortete: „Nein." — Da befahl er mir das Commando dem Unteroffizier abzugeben, ins Regiment zu eilen und dem General Härtung, der der Chef desselben war, zu sagen: „das Regiment schwören zu lassen, und auf den Platz vor dem Kriegs-Ministerium zu führen". Während der Kaiser mit mir sprach, fielen die ersten Flintenschüsse der Aufrührer. Bevor ich den Platz verliess, sah ich den braven hochverdienten General Miloradowitsch verwundet taumeln, und von Blut überströmt, sterbend forttragen. Ehe das Jäger-Regiment geschworen und sich gesammelt hatte, war es spät geworden und dämmerte schon, als wir den bestimmten Platz erreichten, wo ich die ersten Kanonenschüsse hörte und Blessirte sah. General Carl Bistram stand vor unserm Regimente und sagte: „Hilft das Feuern nicht, will ich Euch mit kalter Waffe gegen die Revolteure führen." 1) Karabinier-Füsilier-Lelirregi raent. 2) Nach der Dienstliste am 23. März 1820 in das Leibgarde-Jägerregiment. 3 ) Holen wir einige Angaben der Dienstliste nach: Am 26. Juni 1S22 Unterlieutenant, am 29. April 1823 Lieutenant. 400 Das Gewissen begann, sie zur Vernunft zu bringen, sie fingen an, sich zu zerstreuen. Mir wurde der Befehl, nieinen Zug scharf laden zu lassen und die Patrouille um die Isaak-Kirche zu machen. Diese wurde gebaut und der Zaun um dieselbe nahm fast den ganzen Platz ein, den die verführten Soldaten besetzt hatten; umher lagen unglückliche Opfer aus allen Ständen todt und verwundet, und mehrere liess ich zum Verband in die Hauptwache der Gouvernements-Regierung, die am nächsten war, tragen. Mein Dienst ging ungestört weiter, bis der persische Krieg im Herbst 1826 ausbrach und ich im Januar 1827 vom Kaiser selbst bestimmt wurde, zu den wenigen Garde-Offizieren zu gehören, die den Krieg mitmachen sollten. Die Trennung von meiner geliebten Caroline wurde mir unendlich schwer; es ging in ein fernes fremdes Land, vielleicht dort sterben zu müssen! Der Herzenswunsch, im Dienst vorwärts zu kommen, erleichterte die schwere Trennung. r ) Ende December 1826 reisten wir nach Tiflis, wo damals General Jermolof, der berühmte Kriegsheld von 1812, Befehlshaber war. Sehr freundlich empfing er uns: „Ich habe alles vorbereitet, den Feind zu vernichten", sagteer, „darf ihn nicht selbst schlagen, denn jetzt wird mir rechtsum commandirt, ich muss gehorchen!" — Dem alten Mann mit silberweissem Haar traten bei diesen Worten Thränen in die Augen, die ich nie vergessen werde. General Paskewitsch trat an seine Stelle. Wir Garde - Offiziere wurden in verschiedene Regimenter geschickt, mein Kamerad Baron Eugen Mengden und ich kamen ins 41. Jäger-Regiment, welches in der Provinz Karabach in der Nähe des Arakses-Flusses, wo das Klima sehr ungesund war und uns das traurige Schicksal wurde, mit Kameelen Lebensmittel für die Armee zu transportiren, stand. Vom Feinde sahen wir nichts, da er schon mehrere Male aufs Haupt geschlagen war und unsere Grenzen verlassen hatte. Nach der Einnahme von Eriwan mussten wir nach Tauris marschiren, wo später der Friede von Turkmanscliir geschlossen wurde. Noch immer fand ich keine Gelegenheit ins Gefecht zu kommen, so sehr ich es auch wünschte. Den Sommer hindurch hatten wir durch Krankheiten grossen Verlust an Menschen gehabt, da wurde eines Tages, es war sehr heiss, Alarm geschlagen, wir sollten den Feind suchen und ich freute mich endlich ins Feuer zu kommen: aber spurlos war der Feind geflüchtet. Die Sonne brannte unerträglich, als wir ins Lager zurückkehrten: ich fühlte mich krank, konnte mich kaum auf dem Pferde halten, bekam ein heftiges Fieber und wurde von Soldaten auf einer Pferdedecke 12 Werst getragen, wo das Hospital hoch im Gebirge lag, im armenischen Dorfe Digi. Als ich die Augen aufschlug, sah ich lauter vermummte Gestalten jammernd um mich stehen, neben ihnen aber auch der Hospitalarzt, einen kleinen sehr dicken Mann, Doctor Schiitter. Was früher mit mir geschehen, davon hatte ich keine Ahnung. Man brachte mich in eine besondere Wohnung, einen Raum von sechs Schritt Länge und gleicher Breite, dort eine „Sackla" genannt. Diese wird in einen Berg hineingegraben, so dass sich drei feste Seiten bilden, die vordere Seite mit i) Nacli der Dienstliste: Durch kaiserlichen Ukas vom 22. März 1826 wurde "bestimmt, dass dem Lieutenant Carl von Wrangeil ein Jahr von der vorgeschriebenen Dienstzeit erlassen werden soll, die erforderlich bis zur Verleihung des St. Georgen-Ordens für 25 Jahre. — 401 der Thür ist aus Ziegeln und Lehm. Das Tageslicht fällt von oben durch eine runde Oeffnung hinein, die mit Erde herum erhöht ist, damit das Regenwasser aus den Bergen nicht gleich hineinfliessen kann. Dies war mein Krankenzimmer. Ich lag auf einem von Strauch geflochtenen Bette, mein Diener und ein Soldat, der bei den Pferden war, hatten den ledernen Sack, den ich sonst als Matratze benutzte, über meiner Bettstelle befestigt, damit die Erde nicht durch die Schilf läge auf mich fiel; von Tisch und Bank war keine Spur, ein Krankenpfleger, bei uns „Feischer" genannt, brachte Arznei und icli stellte sie neben mich in eine kleine Nische. Die alte Wirthin der Sackla, eine Armenierin, war die einzige, die mir eingab und dann meine trockene Zunge mit Quellwasser erfrischte. Wie lange ich so gelegen, weiss ich nicht, da steckte der Feischer den Kopf zur Thür hinein und verschwand, den Ruf meiner schwachen Stimme hörte er nicht. Eine halbe Stunde später hörte ich den armen dicken Doctor Schütter stöhnend und pustend, in Schweiss gebadet, hereinkommen und sich auf gefüllte Gerstensäcke hinsetzen, die für die Pferde im Winkel standen; dann fasste er meine Hand, fühlte den Puls und sagte: „Ich gratulire, Sie werden gesund." Von da an besuchte er mich täglich. Kaum hatte ich einige leichtere bessere Tage gehabt, als ein Geschwür im linken Olm mir viel Qual und Schmerzen bereitete. In dieser Zeit hörte ich in einer Nacht Frauen, Kinder und Hunde jammern, und schreien, Flintenschüsse fielen und die Weiber riefen mir durch die obere Oeffnung zu „Kitbasch", das heisst „der Feind". Schwach wie ich war, musste ich ruhig abwarten, was kommen würde. Der Soldat, der bei mir war, hatte einige Kameraden gefunden, die kamen, führten die Pferde zu mir herein, machten die Thüre mit Holzstücken zu, und luden ihre Flinten, wie auch die meinigen und meinten: „umsonst würden sie ihre Köpfe nicht vertieren". Einige Stunden dauerte diese Spannung. Es wurde wieder still und es hiess, dass die Perser emen Theil der zum Transport gehörenden Ochsen genommen hätten. Endlich ging das Geschwür im Ohr auf und ich fühlte Erleichterung; meine Kräfte fingen an zuzunehmen. Das Gefühl, welches ich hatte, als die Soldaten mich zum ersten Male an die Luft brachten, ich den Himmel, die Bäume und das Lager im Thal wiedersah, ist mir noch jetzt nach vierundvierzig Jahren unvergesslich. Im Hospital befanden sich vierhundert kranke Soldaten und fünfundvierzig Offiziere und aüe musste der arme dicke Doctor Sclfiitter allein behandeln. In demselben Dorfe lebte ein alter Mulatte, der mich ab und zu besuchte. Er war ein Armenier aus diesem Dorfe, als Knabe von den Türken geraubt und nach Aegypten verkauft, wo er als Mameluck den französischen Feldzug bis Moskau mitmachte und von dort in die Heimath zurückkehrte. Das Hauptquartier war unterdessen bis Eriwan vorgerückt und das Regiment, zu dem ich gehörte, weiter marschirt, um sich mit den übrigen Truppen zu vereinigen. Ich wollte nicht zurückbleiben, verliess das Hospital und erreichte das Regiment bei der Festung Suscha. Diese Reise konnte man nur zu Pferde machen. Ich bekam aufs neue das Fieber. Der Commandant machte mir Schwierigkeiten, sprach von der Unsicherheit der Gegend, da sich die persische Cavallerie überall sehen liesse. Es gelang mir jedoch die Erlaubniss 402 — auszuwirken, dass ich mitziehen durfte. Der Weg ging durchs Gebirge nach dem Dorfe Gerusi, das uns am nächsten war und von wo aus ich das Eegiment einholen konnte. Der Weg war eng und schmal, aber dennoch lagen hier zwei Ideine armenische Dörfer, die bewohntwaren. Dort nahmen wir Wegweiser, die zu Fuss unsere Packpferde führten. Ich selbst war so schwach und krank, dass ich das Pferd nicht lenken konnte und Soldaten es für mich tliaten. Mein Diener war krank im Hospital zurückgeblieben. Zwei Nächte mussten wir in diesen Dörfern nächtigen, weil es unmöglich war, den Weg in der Dunkelheit fortzusetzen, der sich längs tiefer Schluchten, Felsen und Bergströmen schlängelte; man sah weder Pferd noch Führer; durch Zurufen wusste man nur, dass man zusammen ging. Das Fieber quälte mich. Während des Paroxismüs konnte ich mich auf dem Pferde nicht halten; fand ich eine Stelle, wo ich liegen konnte, breitete ich meine Burka aus und legte mich hin. In beiden Dörfern wurde ich bei den stattlichsten Armeniern einquartiert, die mich gastfrei aufnahmen. Sie lebten aber in grosser Furcht vor dem Feinde, da die persische Reiterei sich immer wieder sehen liess. Im ersten Dorfe, als ich es mir so bequem als möglich gemacht, wurde Alarm geläutet, man hörte Schüsse fallen. Der Hauswirth kam bestürzt, sagte, dass die Perser kämen und bot mir an mich zu verstecken. Hierbei hob er einen grossen irdenen Topf von der Stelle und zeigte mir eine Oeffnung, in die ich steigen sollte, wie auch die Soldaten mit den Sachen hineingeschoben wurden. Wir fanden wirklich Raum, obgleich noch Gerste neben uns aufgeschüttet lag. Oben wurde es zugemacht. Sehr drückend und gegen mein Gefühl war diese Lage. Zu unserm Glück zogen die Marodeurs vorüber, da sie die aufgestellte Wache bemerkt hatten. Am andern Tage gab mir der Dorfälteste (Gusbasch) eine kleine Escorte bewaffneter Reiter als Begleitung mit. Müde und matt erreichte ich das nächste Dorf, wo ich in der Nacht wieder Alarm erlebte. Wir näherten uns nun dem russischen Lager. Der Weg wurde besser, so dass ich ab und zu fahren konnte. Die Truppen erreichte ich im Dorfe Gerusi einige Tage vor dem Ausmarsch, was mir eine grosse Freude war. Meine Kameraden begrüssten mich besonders herzlich, weil sich die Nachricht verbreitet hatte, ich sei todt. Mit frohem Herzen dankte ich Gott, dass alles überstanden und ich den Ort meiner Bestimmung erreicht hatte. Bei den geringen Mitteln, die mir zu Gebote standen, war es wohl eine sehr schwere Zeit für mich — doch die Jugend kann alles leichter ertragen und überwinden. Wo es möglich war, schrieb ich meiner Braut und meiner Schwester. Wir sollten nach Nahischewan, wo wir uns mit dem Gros der Truppen vereinigten, um nach Tauris zu marschiren, welches ohne Schlacht eingenommen wurde. Dort blieben wir einige Zeit und sahen das Leben und Treiben der Perser, was oft zu herzlichem Lachen Anlass gab. Das 41. Jäger - Regiment wurde nach der Stadt Gagri geschickt, wo es den Winter bleiben sollte, da es nur 100 Werst von der russischen Grenze entfernt ist. Diese Stadt war die Residenz des persischen Thronfolgers Abas-Mirza und wurde Memet-Mrrza genannt. Es war damals ein erbärmlicher Ort. Im Palais und Harem des Prinzen wurden wir einquartiert. Am 2. Januar 1828 bekam ich den Befehl, einen Transport für die Apotheke und ein Commando entlassener Soldaten aus den Hospitälern, die aus Grusien kamen, unter — 403 — Escorte nach Taurien zu bringen. Das Wetter war mild und schön als wir ausrückten; mein Kamerad, Baron Mengden, hatte vergnügt eine Schnepfenjagd mitgemacht. Mit zwei Compagnien marschirten wir aus. Unter den Soldaten war auch der frühere Oberst des Semenofschen Garde - Regiments, Fürst Scherbatof, der für den 14. December 1825 nach Sibirien musste, aus Gnade jetzt im 41. Jäger-Regiment als Soldat diente, sich schon bis zum Seconde - Lieutenant aufgedient hatte und die andere Compagnie commandirte. Mengden war in meiner Compagnie. Fürst Scherbatof war ein Mann in den vierziger Jahren, sehr wohl erzogen, aus einer reichen und sehr vornehmen Familie. So lange er Soldat war, erfüllte er treu seine [.'flicht, trug selbst Holz und Wasser für die Compagnie, iiberliess es selbst seinem treuen leibeignen Diener nicht, der ihm auch aus Sibirien gefolgt war. Er war ein charakterfester, sehi- liebenswürdiger Mann. Die Sonne schien hell und schön und wir freuten uns auf den angenehmen Marsch, waren aber kaum zwölf Werst von der Stadt entfernt, da führte der Weg nach Tauris über einen ziemlich hohen Bergrücken und in die Schlucht Bewerdi, wo man das mit Schnee bedeckte Gebirge übersieht: ein schöner Anblick! wir ahnten nicht, was uns für grosse Hindernisse erwarteten. Der Wegweiser sagte zwar, wir würden nicht ohne grosse Hindernisse die Schlucht passiren können, was wir auch gleich bemerkten. Das Vorgebirge war so verweht, dass wir Halt machen mussten, und wir den Oberst Avenarius, der die Truppenabtheilung commandirte, baten, einen Rapport nach Gagri zu schicken und um Hilfe zu bitten. Nach einigen Stunden kam auch eine Compagnie Sappeurs und mit Hilfe unserer Leute ging der Transport vorwärts. Je höher die Berge wurden, desto besser wurde der Weg, die Kälte aber um so fühlbarer, als wir nur Sommerkleidung hatten. Der Schnee knarrte unter den Füssen; wir marschirten rasch, weil wir viel Zeit verloren hatten und gern das Nachtquartier erreichen wollten. Das Dorf, welches unser Ziel sein sollte, führte den gleichen Namen wie die Schlucht. Wir hatten schon die höchsten Berge dort überstiegen, da bedeckte sich der Himmel mit dicken grauen Wolken und es kam ein Nebel, der so dicht war, dass man die nächsten Gegenstände nicht erkannte; es fing in grossen Flocken an zu schneien. Der Führer rieth zum raschern Vorwärtsschreiten, da der Nebel auf ein grosses Schneegestöber deute, wobei wir alle im Gebirge unsern Tod finden könnten. Glücklicherweise fanden wir in der Schlucht noch eine so grosse Fläche, um sechzig Transportwagen zusammenstellen zu können. Es waren grusinische zweiräderige Wagen, die sie dort „Arben" nennen und mit vier Ochsen bespannt werden. Angefüllt waren diese hohen Karren mit Kasten von Medicamenten, die mit leinenen Decken bedeckt sind. Durch meinen Rückmarsch aus Tauris war mir der Weg nicht ganz fremd, wie auch die Lage des Dorfes, wo wir hin sollten. Ein Kosaken - Offizier musste nun mit seinen Leuten vorausgehen und ich gab Befehl zum besseren Orientiren Feuer auf den flachen Dächern anzumachen, was insofern gefahrlos ist, als dieselben von Erde sind. Das Gestöber wurde immer ärger, die Dunkelheit grösser. Die Wagen wurden im Kreise zu- 51* — 404 — sammengestellt. Die Soldaten mussten längst des Flusses gehen und sich nach den Feuern auf den Dächern richten. Die persischen Dörfer sind alle im Quadrat gebaut und mit einer dicken Lehm- mauer umgeben. Von jeder Seite ist eine Pforte, aber dermassen eng, dass nur ein bepacktes Pferd durchgehen kann. Nachdem der Transport geordnet war, liess ich eine Wache von zwölf Mann nebst Unteroffizieren und zwei Kosaken dort, die in der Mitte der kleinen Festung bleiben mussten. Die Treiber mit ihren Ochsen mussten sich auch nach dem Fliesse richten. Einige Kasten wurden zerhauen, damit die Menschen sich Feuer anmachen konnten. Währenddessen waren das Wetter und der Stimm so arg geworden, dass man kaum einen Schritt weit vor sich die Gegenstände erkennen konnte. Ich war der letzte der in Begleitung eines Kosaken den übrigen folgte, und rief den Soldaten zu, auf keine weiteren Anordnungen zu warten, sondern sich einzuquartieren, wo sie Gelegenheit fänden. Als ich nahe dem Dorfe den Berg hinaufgeritten war, kamen mir Kosaken zum Tränken ihrer Pferde entgegen. Wir sahen etwas Schwarzes im Schnee liegen, es war die Burka eines Offiziers, und als ich näher kam, erkannte ich Mengden, der sein Pferd vorausgeschickt, weil er geglaubt, zu Fuss leichter vorwärts zu kommen. Er war aber so ermüdet und erschöpft gewesen, dass er niedergesunken und eingeschlafen war, und wohl verschneit worden wäre, wenn der Kosak ihn nicht bemerkt hätte. Bewusstlos wurde er in eine Stube des Dorfes gebracht, mit Schnee und Branntwein geriehen, bis er zu sich kam. Das Wetter tobte fort und meine Unruhe war gross um Transport und Menschen, denn, ohne dass Leute verunglückten, konnte es nicht abgehen. Endlich gegen Morgen schien das Wetter sich zu ändern; es wurde hell, die Sonne leuchtete freundlich und es war ein herrlicher Wintermorgen. Ich liess Alarm trommeln, um näheres über das Schicksal der Leute zu erfahren. Sie kamen zusammen, es wurden nur sechs vermisst, aber viele hatten erfrorene Glieder, und 24 Paar Ochsen fehlten ganz. Als nun die armen Erfrorenen verpflegt waren, schickte ich zwei Kosaken auf Kundschaft aus, um näheres über den Transport zu erfahren, und noch andere Soldaten wurden geschickt, die Vermissten zu suchen. Das Dorf lag ungefähr 6 bis 7 Werst von der Stelle, wo die Wagen gehliehen. Ein Kosak kam zurück mit der Meldung, niemand sei zu finden, kerne Spur zu sehen, nur hoher Schnee bedecke die ganze Gegend. Schliesslich fand man doch noch vier Soldaten am Lehen, zwei waren todt. Ich glaubte den Platz wieder zu erkennen, wo der Transport und die Leute gehliehen, überliess dem Lieutenant Scherhatof die Sorge für Kranke und Gesunde, setzte mich zu Pferde, ritt zurück, und suchte den Weg. Von einer Spur war nichts zu sehen, nur die gefallenen Ochsen wurden die Wegweiser und mit Mühe und Anstrengung kamen wir zu dem Platze. Vor uns sahen wir nichts als Schnee, wir riefen und schrieen. Da hörten wir endlich eine Antwort und sahen gegen die Sonne einen schwachen Bauch aufsteigen. Bald zeigte sich auch der wachthabende Soldat und Unteroffizier. Mir schlug das Herz vor Freude, als ich sie sah und fragen konnte: „Was ist aus Euch geworden?" „Alles ist gut" war die Antwort. 405 „Warum schicktet ihr niemand zu mir, damit ich erfuhr, wie es Euch ging?" „Wir konnten nicht, der Schnee ist so hoch, wie die Wagen, nur der innere Kreis war frei gehliehen, so dass wir uns doch Feuer anmachen konnten und unter dem Schutz eines ausgespannten Zeltes sicher waren." Nim suchte ich mir Leute zu schaffen, und hekam auch 300 Menschen mit Schaufeln, die drei Tage arbeiten mussten, ehe der Transport nach Ardebil geschafft werden konnte. Brot war auch nur für vier Tage mitgenommen worden, und wir mussten Contribution fordern, was nicht leicht war. Nach Tauris schickte ich durch die Kosaken-Post, die von Dorf zu Dorf aufgestellt war, Nachricht, um die Verbindung mit den Truppen zu erhalten. Ein anderer Bericht ging zum Grafen Suchtein, der bei Paskewitsch Chef vom Stabe war; ich bat dringend um Hilfe für die armen Kranken und Erfrorenen und ersuchte für ein weiteres Fortkommen zu sorgen. In Tauris war man sehr aufgebracht, dass so etwas vorgekommen sei: meine Bitten wurden aber doch erhört, es kamen zwei Aerzte und Transportwagen für die Kranken. Nach zwei Tagemärschen erreichten wir Tauris, wo ich streng und ernst von meinen Vorgesetzten empfangen wurde und viel Vorwürfe von ihnen hören musste. Zu meinem Glück reiste General Suchtein mit seiner Suite denselben Weg, um Truppen, die in Gagri standen, nach Ardebil zu schicken, damit die Stadt eingenommen würde. Als ich dem Grafen sagte, dass er mit seiner Equipage nicht durchkommen würde, wollte er es nicht glauben, musste sich jedoch bald davon überzeugen, und seine Equipage zurückschicken. Das Wetter war schön geworden und viel Schnee unterdess geschmolzen; der General sah aber am Wege all die Gerippe der Ochsen, die von Baubthieren und Raubvögeln verzehrt dalagen. Für mich war es eine bange Zeit — es dauerte aber nicht lange, so kam vom Befehlshaber Paskewitsch ein Schreiben, in welchem ich von aller Schuld frei gesprochen wurde. General Suchtein war gegen uns Garde-Offiziere immer sehr gütig, kannte viele persönlich, so auch mich, da ich ihn oft mit seiner Frau beim General von Bistram und meinen Schwiegereltern gesehen hatte. Diese Gelegenheit benutzend, bat ich ihn, mich in ein anderes Regiment überzuführen, welches in Tauris blieb. Dies geschah. Baron Mengden und ich kamen ins Sehirwansche Regiment. Wir wohnten in einem Zimmer zusammen, der Winter war ungewöhnlich kalt für Persien; vir mussten zum Heizen Holz kaufen und zwar pfundweise. Diese Zeit dauerte glücklicherweise nicht lange, da die Friedensunterhandlungen begannen. Der persische Kronprinz Abas-Mirza kam auch hin, um den Oberbefehlshaber Paskewitsch zu sprechen und im Februar 1S2S wurde der Friede in Türkowanzai geschlossen. Im März ging es nach Grusien zurück; dieser Marsch war nicht ohne Beschwerde, da es an Pferden fehlte und wir nur mit Mühe so viel bekamen, die das Gold fortbrachten, welches die Perser ausgezahlt hatten. Die Ostertage brachten wir in der Festung Suscha zu, wo ich das zweite starke Erdbeben erlebte. In Tiflis rückten wir mit der schönen Goldbeute im Triumph und Pomp ein, hörten aber gleich von dem un- 406 vermeidlichen Krieg mit der Türkei. Aus Petersburg war vom Grossfürsten Michael der Befehl gekommen, dass die Gardeoffiziere heimkehren sollten. So sehr mich auch mein Herz dabin zog, entschloss ich mich zu bleiben, ging zum Grafen Süchteln und bat, mich zu behalten, um den Krieg mitzumachen. Bis jetzt hatte ich gar keinen Vortheil von der persischen Campagne gehabt und wollte nicht ohne solchen heimkehren. Baron Mengden und ich blieben zurück und kamen ins 39. Jäger-Regiment, : welches schon auf der Grenze in einer Festung erster Klasse, Gumri, l ) stand. Mitte Juni rückten wir über den Argazan, einen Fluss, der die Grenze bildete. Von hier bis zur Festung Kars waren 60 Werst. Im 39. Jäger-Regiment wurden wir sehr unfreundlich empfangen und ich wollte gleich vor Ausbruch des Krieges von dort fort; ging ins Hauptquartier zum General von der Osten-Sacken und bat ihn, mich ins Regiment des Obersten Reut zu comman- diren. Das Regiment bestand aus kaukasischen Truppen und zog mich besonders an. Nach einem beschwerlichen Marsch in Schlachtordnung mit einem grossen Transport, bei brennender Sonnengluth erreichten wir am Abend unsern Bestimmungsort und waren sehr ermüdet. General von der Osten-Sacken war noch nicht vom Recognosciren zurück. Auf Aurathen des Fürsten Scherbatof, beständiger Ordonnanz-Offizier beim General, stellte ich mich an sein Zelt so, dass er mich bemerken konnte, was zu meiner Freude auch geschah; noch denselben Abend erhielt ich den Befehl, ins 42. Jäger-Regiment übergeführt zu werden. Ich meldete mich sofort beim Oberst Reut, und am Morgen war ich schon mit bei der Recognoscirung und tags darauf belagerten wir die Festung Kars. Am 22. Juni abends rückte das Regiment vor, um in der Nacht einen Kirchhof vor der Vorstadt zu besetzen, und eine Batterie aufzuführen. Ich war in der zweiten Oompagnie, mein Kapitän hiess Schermogloschef. Wir sollten die Dunkelheit benutzen, um den Kirchhof einzunehmen und die Batterie aufzuführen. Die Arbeit dauerte die ganze Nacht. Ich commandirte die Scharfschützen und lag mit den Leuten am Rande des Kirchhofes, es waren 16 Scharfschützen, arme degradirte Offiziere des 14. Decembers, die aus Sibirien zurückberufen waren, um den Krieg mitzumachen, und Gelegenheit zu finden, sich wieder in die Höhe zu dienen. Sie waren meist aus der Garde und Bekannte. Zu ihnen gehörte auch Baron Friedrichs aus dem Semenofschen Regiment, der eines Duells wegen verschickt worden. Schon von früher her bekannt, freuten wir uns des Wiederfindens und bezogen zusammen ein Zelt. Es dauerte nicht lange, so wurde das Flintenfeuer von der rechten Seite her sehr heftig. Da wir aber nicht wiederschiessen durften, um uns nicht zu verrathen, wurde es wieder still. Die Nacht war sehr dunkel; was im Gebirge noch viel bemerkbarer wird. Gegen Morgen wurde es kalt, mich fror und ich schickte nach meiner Burka, 2 ) die in der Reserve geblieben. Als der Morgen dämmerte, riefen die Mullas 3 ) von ihren Kirchen die Gläubigen zum Gebet und der erste Kanonenschuss wurde aus der Festung gethan. Wir wurden angegriffen und die Grabdenkmäler dienten uns oft zum Schutz. i) Dem jetzigen Alexandropol. -) Ein diele gefilzter Mantel ans Scliafswolle. 3) Türkische Priester. — 407 Baron Friedrichs und andere Herren aus der Garde waren behilflich eine Barrikade aufzuwerfen, die uns Schutz gewähren sollte. Der Feind eröffnete aber ein starkes Feuer aus der Festung und wir bemerkten eine Batterie, welche in der Nacht dem Kirchhof gegenüber armirt worden war und uns jetzt viel Schaden that, so dass wir in der Art unserer Stellung viele Leute verloren. Als ich kaum meine mir gebrachte Burka angelegt, ward ich zum Obersten gerufen und erhielt den Befehl: „Lieutenant von Wrangeil treiben Sie die Türken aus dem Kirchhof und rücken Sie vor, damit unsere Artilleristen nicht heruntergeschossen werden." Nun ging es mit dem Bajonet vor und hiess: „Vorwärts, die Türken aus dem Kirchhof bis zur Batterie", wo sie sich in einer Tranchee verborgen hatten und aufs neue heftig zu schiessen anfingen. Mein zweiter Angriff glückte; wir nahmen die Batterie mit zwei Kanonen und einigen Fahnen, die aufgestellt standen. In demselben Augenblick rückten aber Türken, die hinter einem Hügel versteckt gestanden und welche die Batterie nur als Lockspeise aufgefahren hatten, zum Angriff vor und griffen uns mit einem grässlichen Geschrei an. Ich hatte, nur ein kleines Commando von einigen hundert Mann, wurde gegen einen Felsabhang zurückgedrängt und von der Reserve abgeschnitten. Es kam zum Handgemenge. Wir waren mitten unter den Feinden, da fühlte ich, dass an der Burka, die ich um hatte, gezogen wurde; ich machte einen Schritt vorwärts, da riss zum Glück der Riemen, ich stolperte noch einige Schritte, erhielt mich auf den Füssen und sah, wie zwei Türken mit gehobenen Jatagans auf mich zukamen. Meine Jagdflinte hatte ich immer bei mir und — ich befreite mich durch sie von beiden Verfolgern. Friedrichs, mein Kamerad, wurde auch verfolgt — seine Flinte versagte — er bekam einen Hieb über die Hand; ich schoss und befreite auch ihn. Ein unvergesslicher Eindruck ist mir geblieben: es war das erste Mal, dass ich auf Menschen zielte! Wir waren in einer verzweifelten Lage: hinter uns einen unabsehbaren Abgrund und von zwei Seiten drängte der Feind mit grosser Uebermacht auf uns ein. Es kam noch ein Trupp Türken mit fliegender Fahne; jeder suchte sich zu schützen; ich erschoss den Fahnenträger und nahm die Fahne. Graf Paskewitsch stand mit der Hauptarmee am Fluss bei der Belagerungs-Batterie und hatte die ganze Scene mit angesehen; er ertheilte zwar den Befehl: „das schwere Geschütz auf den Feind", änderte denselben aber sofort, als er erfuhr, dass viele von den Unserigen unter den Feinden wären. Er rief mir daher zu: „zehn Feinde und einer von uns!" Da kam endlich Oberst Reut mit zwei Batterien und zwei Kosakengeschützen zu Hilfe, griff den Feind in den Flanken an und befreite uns. Wir waren bunt durcheinander gemischt und verfolgten den Feind bis in die Vorstadt. Die Strasse, auf der der Feind retirirte und wir kämpften, führte zu einer Brücke vor dem Festungsthor. Von beiden Seiten lagen enge Querstrassen, in denen die Türken dicht zusammengedrängt standen, keinen Ausweg fanden und meist getödtet wurden. Sie wollten unsere Verfolgung aufhalten. Paskewitsch wurde unzufrieden, dass wir in die 408 — Stadt eingedrungen, allein die Truppen liessen sich nicht aufhalten und gingen immer vorwärts. Die Lust, Beute zu machen, mag auch wohl viel dazu heigetragen haben. Die Leute hiervon abzuhalten, ist bei solchen Gelegenheiten selten möglich. Al s Avil 1 die Brücke erreicht, standen wir unter dem Schuss der feindlichen Kanonen. Oberst Reut suchte seine Truppen möglichst zusammenzuziehen in der Erwartung, dass etwas unternommen werden Aviirde. Da kam Hilfe und wir sahen nun, Avie der Feind die Flucht ergriff und sich längs den flachen Dächern der Häuser zu retten suchte, um in die Festung zu gelangen. Jetzt ging es über die Brücke zum Wasserthor hinein in die Festung; ich Avar der erste Offizier, der in dieselbe eindrang. Das Hauptthor war verrammelt und mit einer Batterie besetzt, die eingenommen werden musste; die dieselbe bedienenden russischen Ueberläufer baten bei unserer Ankunft um Gnade. Nun wurden die Kanonen umgekehrt und auf den Feind Feuer gegeben. Von den Ueberläufern blieben nur Avenige am Leben, denn der Groll gegen sie Avar sehr gross. Weisse Tücher und Mützen an den Flinten verkündeten, dass Avir in der Festung seien. Baskewitsch, der dies alles selbst sah, führte nun die Truppen, die er disponibel hatte, zum Sturm. Das Artilleriefeuer war von allen Seiten fürchterlich stark, alles ging vorwärts und von der entgegengesetzten Seite besetzte in demselben Augenblick die Oavallerie die Festung. Das Blutbad Avar fürchterlich. Um 11 Uhr morgens standen Avir vor der Citadelle und die weisse Fahne erschien auf den Moscheen und die Mullas riefen Aman. 1 ) Der Sturm hörte zwar auf, aber es dauerte ziemlich lange, bis Stille eintrat. Der Palast des Paschas hatte einen sehr engen Hof, aber dennoch musste eine Abtheilung gefangener Türken hinein und die Waffen ablegen. Mein Kapitän Schermogloschef hatte zwei schwere Blessuren in die Brust bekommen und ich erhielt das Commando über die Compagnie, musste das Haus besetzt halten, avo die Waffen lagen und dann später auf Befehl die Gefangenen zum Oberbefehlshaber führen, Avas um so schwerer war, da noch die grösste Unordnung in den engen unbekannten Strassen herrschte und man Desertionen fürchtete, die auch wohl trotz der grössten Vorsicht vorgekommen sein mögen. Bei dieser Gelegenheit sammelte ich mein Commando und sandte einen Unteroffizier und Soldaten zum Abholen meiner genommenen Kanonen, um dieselben vorzustellen, allein sie wurden nicht mehr gefunden und so kam ich um meine erste Beute und den Ruhm. Später erfuhr ich, dass meine Unerfalirenheit benutzt worden war, und ein anderer dafür den St. Georgen-Orden IV. Klasse erhalten hatte. Obgleich er in der Reserve war, wollte ich keine Unannehmlichkeiten haben und — schwieg. Jetzt ist diese Person hochgestellt — ob mit Recht oder Unrecht? Im Lager fand ich den Grafen Paskewitsch vor seinem Zelte Kanonen und Fahnen übersehen, die erbeutet waren und stehen blieben. Der Graf äusserte sich zufrieden und sehr freundlich über mein Benehmen, Avas mir sehr angenehm war. Noch an demselben Tage erhielt ich einen leichten Streifschuss an der linken Hand und einige Contusionen von den Marmordenkmälern auf dem Kirchhof an den Füssen, da Kartätschenschüsse Stücke absprengten. Meine Hand war mir indess längere Zeit unbrauchbar. !) Das heisst: Gnade. 409 — Den andern Tag wurde ich zum Oberbefehlshaber Paskewitsch zu Mittag eingeladen, was für mich als Oberoffizier selten geschah. Für die Affaire von Kars wurde milder St. Wladimir-Orden IV. Klasse mit der SchleifeQ zu theil und am andern Tage bezog ich die hoch über die Stadt ragende Citadelle. Hier fanden wir viele alte türkische Munition, aber auch eine Unordnung sondergleichen. In derselben Zeit brach die Pest aus und es starben in der Nacht drei Soldaten von meiner Compagnie. Am andern Tage wurden strenge Massregeln ergriffen der Krankheit vorzubeugen — ich wurde mit meinen Leuten ganz abgesondert, jede Verbindung war streng verboten, Schildwachen mit scharfgeladenem Gewehr ausgestellt. Alle Truppen- Abtheilungen hatten dasselbe zu thun. Das ganze Corps lagerte zu beiden Seiten des Flusses Karsphai. Die Marketender wurden auf Inseln des Flusses placirt, wo beim Kauf die zu empfangenden Esswaaren und Geld durch Essig gezogen werden mussten. Was sich die Soldaten an Sachen beim Sturm angeeignet, wurde durchsucht und verbrannt. Durch diese Vorsicht und Strenge hörte die Pest schneller auf und wir konnten schon Mitte Juli nach der Festung Ahalkalaky marschiren. In dieser Zeit wurden alle, vom Oberbefehlshaber bis auf den letzten Soldaten täglich nackend besichtigt, die Kleidungen gingen in die Quarantäne und währenddessen badete man im Fluss. Mit Chlor durchräuchert erhielten wir unsere Sachen zurück. Zu der Abtheilung, welche die sogenannte Festung oder richtiger das befestigte Schloss Ahalkalaky belagern sollte, gehörte auch das 42. Jäger-Regiment, welchem ich zugetheilt, war. Das Schloss lag sehr vortheilhaft für uns auf einer Halbinsel von zwei Bergströmen gebildet, die sich hier vereinigten und hohe Felsufer hatten, wodurch wir die ganze Befestigung übersehen und sie völlig beherrschend, beobachten konnten, wie die Leute in der Stadt auf ihren flachen Dächern umhergingen. Am Abend rückten wir beim Dunkelwerden ohne Flintenschuss vor die Mauern, obgleich die Feinde auf uns schössen. Unser Verlust war unbedeutend. Die Festungsmauer war mit Naphta oder Gas erleuchtet; an den Zacken derselben waren starke Balken angebracht, die mit Steinen beladen auf uns geschleudert wurden. Die Stelle, auf der wir uns befanden, bestand aus weicher Erde, wodurch wir unsere Batterie schneller auffahren konnten. Die 'erleuchteten Mauern begünstigten sehr unsere Arbeit. Bei Tagesanbruch war die Arbeit fertig. Währenddessen war es in der Festung todtenstill, so dass viele glaubten, der Feind sei geflüchtet. Es wurden Wetten entrirt, auch ich wettete mit dem Oberst Mikloschefsky auf eine Flasche Champagner, denn ich behauptete, dass der Feind noch in der Festung zu finden sei. Es wurde hell und der Mulla rief zum Gebet und mit dem letzten Worte fiel der erste Kanonenschuss. Ich rief: „Ich habe gewonnen!" und nun ging es in die Schlacht. Neben uns traf die Kanonenkugel einen Artilleriekasten und alle lachten beim Knall und riefen: „Das ist der Champagnerpfropfen." Das Kanonenfeuer wurde auf beiden Seiten heftiger und bald waren die feindlichen Kanonen demontirt imd die Garnison fand keinen Winkel zur Deckung. Unsere Offiziere und Soldaten sahen aus der Höhe zu, wie die armen Verzweifelten sich zu den Mauern drängten, die sie dadurch zu erklettern hofften, dass grosse Schutt- Was jetzt die Sclrwerter sind: laut Ukas vom 6. December 1828. 52 — 410 — und Schmutzhaufen ihnen behilflich werden konnten. Das Thor von der Landseite war mit Kanonen besetzt, demungeachtet hatten wir die ganze Geschichte in einigen Stunden mit geringem Verlust eingenommen. Unter den genommenen Kanonen waren auch zwei, die 1812 durch die Türken den Russen beim Sturm derselben Festung unter dem Befehl des Marquis Paulutzi erbeutet worden. In den letzten Tagen des Juli ging es vorwärts. Es war ein sehr beschwerlicher Marsch über einen hohen Bergrücken, der „Zeburetschai" liiess und ohne Weg war, so dass wir den Durchhau durch einen dichten Wald erst machen mussten, was grosse Hindernisse verursachte. Jede Kanone, jeder Wagen gab besondere Arbeit, weil grosse Bäume an denselben befestigt, die Räder gehemmt und der Baumstamm mit Menschen beschwert werden musste, um die Abhänge hinunter zu kommen. Auf diese Weise ging es Werste weit die steilen Berge nach Achalzig. Soldaten waren in kleinere Abtheilungen längs dem neuen Wege aufgestellt, um immer frische Kräfte zu haben. Am 5. August 1828 erreichten wir die Festung Achalzig, gingen über den Fluss „Kur" und belagerten die Festung, wobei unbedeutende Avantgardengefechte vorfielen. An demselben Abend erhielt das Bataillon, zu welchem ich gehörte, den Befehl, eine Batterie auf einer Anhöhe aufzuführen, von welcher am Morgen des 6. August die ersten Schüsse fielen. Der Commandern- war der Artillerie-Commandeur von Brümmer, mit dem ich von diesem Tage an bekannt geblieben bin. Bis zum 9. August fiel nichts besonderes vor, wir sahen nur, dass der Pascha Kaso von Erzerum aus 30 000 Mann Verstärkung erhielt und sich mit denselben im Garten am Fluss unterhalb der Festung einlogirte. Unser Befehlshaber Paskewitsch hatte im ganzen nur über 12 000 Mann zu verfügen und konnte auf keine Weise die Verstärkung des Feindes verhindern, wollte aber auch nicht, dass die russische Armee zum dritten Male von Achalzig zurückginge. Wir hatten wenig Proviant und Munition. Die Stadt musste mit Steinen bombardirt werden. Ochsenhäute wurden hierzu mit Steinen gefüllt, Körbe zu demselben Zweck aus Wein- ranken gemacht; allein trotz des Ungemachs entschloss sich Paskewitsch den Feind mit kleinen Abtheilungen anzugreifen, ohne die Belagerung, die aber nur von drei Seiten stattfand, aufzuheben. In der Nacht rückten die bestimmten Bataillone in der Stille aus dem Lager. Ich commandirte die 2. Jäger - Compagnie. Es war verboten, Pferde und Hunde mitzunehmen, die Räder der Kanonen wurden mit Stroh umwickelt, um jedes Geräusch zu vermeiden. Tags vorher war ein Generalstabs-Offizier mit einem Armenier (aus der Festung) ausgeschickt die Wege zu recognosciren, um die richtigen nicht zu verfehlen, und so hoffte man ohne Schwierigkeit die Flanken des feindlichen Lagers zu erreichen. Wir kamen jedoch in der Nacht zwischen hohe Berge und hatten den rechten Weg verloren, so dass wir nun ganz deutlich die türkischen Vorposten über uns auf den Bergen sahen. Endlich fanden wir den rechten Weg. Darüber war es aber hell geworden und die Feinde konnten sehen, als wir uns zum Angriff stellten. — 411 Die Geheimbewegung-, die wir gemacht, war verfehlt und es musste angegriffen werden. Kaum waren wir einige hundert Faden vorwärts gerückt, so standen wir vor einer tiefen Schlucht, die von den Eecognoscirenden nicht bemerkt worden war, was in Gebirgsgegenden leicht vorkommt. Wir fanden zwar eine Stelle, wo es gelang, die Kanonen hinüberzuschaffen, doch ehe wir zum Angriff kamen, waren noch viele Schwierigkeiten zu überwinden, weil ein tiefer Bergstrom mit steilen Ufern angetroffen ivurde und wir auf eine Erdzunge zwischen zwei Schluchten gerathen waren. Wie nun die Artillerie aufstellen? Ein kleiner Theil der Truppen konnte nur dazu benutzt werden und der Feind fand Zeit, seine Pläne auszuführen. Bataillone von uns wurden zum Aufhalten des Feindes in die Schlucht geschickt, die übrigen deckten die Artillerie und standen in der Schlucht. Die Artillerie in Ordnung zu bringen und zu stellen, kostete viel Arbeit und Mühe, denn nur der kleinste Theil der Leute konnte beschäftigt werden. Zum Glück fanden wir Cavallerie in der Schlucht. Der erste Angriff misslang. Die Schlacht währte vom Anbruch des Tages bis 5 Uhr nachmittags. Es war entsetzlich heiss und alle schmachteten nach Wasser, welches nur in der Schlucht zu finden war. Der Feind bemerkte dieses und liess das Wasser ab, was die Leute dort besonders gut verstehen. Unsere Lage wurde immer schwieriger, der Verlust war bedeutend, vom Lager waren wir abgeschnitten. Mit grosser Gefahr hatte der Befehl von Paskewitsch den General Murawief, der in der Wagenburg war, erreicht, der zu Hilfe kommen sollte. Währenddessen bewölkte sich der Himmel, es zog ein Gewitter auf und mächtige Adler schwebten über uns, nach Beute suchend. Vom 42. Jäger - Regiment stand das erste Bataillon an einem Abhang, wo die Artillerie an einem Wege aufgestellt stand, der zum feindlichen Lager führte, welches unsere linke Flanke bedrohte. Die feindliche Infanterie bewegte sich längs des Weges, um in die Schlucht zu kommen. Nun wurden zwei Kanonen auf den Weg gestellt, es erwies sich jedoch, dass ein Artillerie-Offizier fehlte. Da kam General Güldenschmidt und sagte: „Wrangeil, Sie stehen hier umsonst, sobald der Feind sich zeigt, geben Sie Feuer." Oberst Reut, der es mit anhörte, willigte ein und ich bekam das Commando. Am Nachmittage fing es stark an zu regnen und zu gewittern. Da kam Paskewitsch unerwartet, zeigte auf die Adler, die unruhig über uns flogen, und sagte: „Seht, die sind unser Reichswappen, sie zeigen uns, dass wir angreifen sollen, wir haben lange genug gewartet —." „Jetzt vorwärts!" rief General Karolkof und befahl, mit zwei Bataillonen des 42. Jäger-Regiments und vier leichten Kosaken-Geschützen aus der Batterie des berühmten, tapfern Subkof das befestigte Lager zu stürmen. Zur Unterstützung kamen zwei Bataillone des Schiriwan sehen Regiments unter Befeld des Oberst Borodin (ein Adjutant von Paskewitsch von 1812). Ich stellte mich vor meine Compagnie, die sich an der Spitze der Sturmcolonne befand. Der General ritt mit seinen Adjutanten Adkasof und Müller vor mir. Wir mussten bergan, um das Lager zu erreichen, vor welchem ein aufgepflügtes Feld lag, dessen lehmiger Boden durch den Regen ganz klebrig war, an den Stiefeln fest sass und den Marsch erschwerte. 52* 412 Da machte General Karolkof den Fehler zu befehlen, im Sturmschritt anzugreifen. Es ging bergan und viele von den Soldaten blieben stehen, weil ihnen der Athem zu kurz wurde und sie nicht weiter konnten. Der Feind befand sich hinter einem Bollwerk und bestand aus zwei Batterien, jede mit vier Geschützen besetzt, einer Courtine und einer Tranchee versehen, deren vordere Seite mit Balken gedeckt und mit Schiessscharten versehen war. Wir konnten bemerken, wie alle ins Lager eilten, um unserer Bewegung zuvor zu kommen. Sie waren so nahe, dass wir die Linie ihrer Flintenlänfe zählen konnten. Plötzlich eröffneten sie ein heftiges Feuer. Unsere armen erschöpften Leute konnten sich bei aller Anstrengung kaum fortbewegen, ein Kugel- und Kartätschenregen überfiel sie, und vor mir stürzte der General mit beiden Adjutanten mit den Pferden: wie durch einen elektrischen Schlag lagen alle auf der Erde. Als ich mich umsah, war auch kein Mann auf den Füssen. „Vorwärts!" rief ich, ■— es rückte und bewegte sich niemand. Da schrie ich: „Mit Euch feigen Menunen will ich nicht sterben, lasst mich von den Feinden erschiessen," — und ging rasch vorwärts. Da fingen viele von meiner Compagnie an auf allen Vieren zu kriechen und so näher an mich heranzukommen. Da rief ich wieder: „Habt Ihr keinen Mutli mir zu folgen, nun so kriecht weiter!" In diesem Augenblick traf General Murawief mit einer combinirten Batterie und zwei schweren Belagerungs-Geschützen, die der Garde-Kapitän Filosofof commandirte, ein. Da rief ich wieder: „Hurrah, vorwärts!" Endlich sprangen sie alle auf und wir erstürmten glücklich die Batterie und das Lager. Nun konnte ich an die genommenen Kanonen denken und schickte einen Offizier mit sechzehn Mann zur Bewachung derselben hin, damit es mir nicht wie das erste Mal ginge. Wir mussten den Feind einen steilen Berg hinunter bis zum Festungsgraben verjagen, wo wir nur mit Mühe die Soldaten aufhalten konnten, da sie es wie bei Kars zu machen glaubten. Mich hatte man bei diesem Wirrwarr mit meiner Compagnie allein gelassen und ich musste jetzt eilen, ehe die Türken sich vom Schreck erholten. Das Lager fanden wir leer, nur abgehauene Soldatenköpfe lagen zusammengetragen in Menge, was die Soldaten in Wuth setzte. Von den Chersonschen Grenadieren waren die meisten, sie hatten sich den ganzen Tag in der Schlucht halten müssen. Ich bekam den Befehl, den steilen Berg hinauf mich wieder zurückzuziehen und blieb dadurch den feindlichen Kartätschen ausgesetzt. Endlich fanden wir. eine vom Regen ausgerissene Stelle, die uns etwas Schutz gewährte. Nicht lange hierauf kam mir Oberst Burzof, der Tranchee-Major, entgegen und rief: „Ich gratiüire auf Befehl des Oberbefehlshabers zum Georgen-Orden IV. Klasse." *) Was damals in mir vorging, kann ich nicht beschreiben. Als icli meine eroberten vier Kanonen wieder erreichte, fand ich meine Leute artilleristisch beschäftigt und Festung und Stadt beschiessend. Graf Paskewitsch kam zu Pferde heran, rief mich, dankte für meine Haltung und sagte: „Sie bekommen den Georgen-Orden IV. Klasse." 1) Laut l'kas vom 15. Februar 1820 „für das Niederwerfen des 30000 Mann starken türkischen Heeres hei Achalzig am 9. August 1828- — 413 — Vom 9. bis zum 15. August, dem Tage des Sturms, war ich ohne Abwechselung auf der Bresche-Batterie stets der Gefahr ausgesetzt, aber auch wunderbar beschützt, was ich dankbar in tiefster Seele erkannte. In dieser Zeit war es, wo zwei alte graubärtige Türken mich verfolgten und nach mir zielten. Dem ersten versagte die Flinte und er lief davon. Die andere Kugel traf mich durch Gottes Gnade nicht. Da warf der Kerl die Flinte fort, griff nach dem Jatagan und kam auf mich los. Ich richtete mein Gewehr auf ihn, traf seine offene Brust und er stürzte hin, so dass ich ihn nicht mehr ansehen mochte. Der Krieg macht für anderes Leid unempfindlich. Ich bat Unteroffiziere, mir die Waffe 1 ) des Türken zu bringen, wenn ich am Leben bliebe. Eines Tages hatte ich mich mit dem Oberst Warsilin, Kosaken-Commandeur der combinirten Linie, unter einen Pulverkasten hingestreckt und über die Fiemera eine Burka gedeckt, um Schutz vor der heissen Sonne zu finden, als eine feindliche Granate zu unsern Füssen platzte, unsern Vorhang, die Burka, wie auch zwei Speichen aus einem Rade fortreissend. Gottes Hilfe und Vaterhand schützte uns wunderbar. Bei solchen Gelegenheiten erkennt man die Allmacht Gottes! In der Nacht musste von der rechten Seite noch eine Tranchee-Batterie aufgeführt werden. Unser Regiment, das 42., rückte dicht vor die Festungswerke und wurde vom Oberst Filosofof geführt. Ich sollte die Batterie mit meiner Compagnie decken und stand mit der 2. Jäger-Compagnie in einem Graben. Gegen Abend begann der Sturm. Wir waren schwach an Truppen und konnten nur zwei Bataillone des Scliiriwanschen Regiments mit Sappeuren zum Angriff in die Bresche schicken. Sie drangen bis zur katholischen Kirche vor, um welche ein ziemlich freier Platz war. Die Garnison der Festung und wer sich glaubte schützen zu können, ging dorthin. Die grosse Menschenmenge brachte uns grosse Verluste an Leuten und es war nahe daran, dass wir zurückgehen mussten. Während dieser Zeit hatte Filosofof eine Bresche gelegt, die freilich nicht breiter als eine Hausthür war, den Feind aber doch vom Hauptsturm abzog. Hierauf erhielt Oberst Jermolof den Befehl von Paskewitsch, die Bresche zu erstürmen. Es gelang ohne bedeutenden Verlust. Es kam Verstärkung mit zwei leichten Kosakengeschützen, welche über den Festungsgraben geschafft werden mussten. Zum Glück waren die Wälle mit starken Balken verpallisadirt, welche zum Bau der Brücke verwendet werden konnten, die über den Graben führen sollte. Thüren aus nahe stehenden Häusern wurden gebracht und auf die Balken gelegt. Unterdessen that der Feind alles, um uns aufznhalten, und be- schoss uns mit Gewehrfeuer von allen Seiten. Wir brachten die eine Kanone hinüber, mit der zweiten ging es nicht, weil das Feuer zu heftig wurde. Die Kanone fing an zu rollen und stürzte in den Graben. Viele wurden verwundet. Viel Mühe und Arbeit kostete es uns, die Kanone herauszuheben und brauchbar zu machen. !) Es war ein Stutzer mit der Inschrift: Aclialzig den 9. August 1828. — 414 — Unsere Lage war zweifelhaft, vorzudringen unmöglich, die Strassen eng, fast jedes Haus musste erstürmt werden, was viel Menschenlehen kostete. Der erste Brand entstand dadurch, dass vor einem Hause eine Menge erschlagene Soldaten lagen, um welche sich viele andere sammelten, auf die nun scharf gezielt wurde. Ich eilte hin um Ordnung zu schaffen, fand eine Bude mit Rumfässern und Zucker, über welche sich die Soldaten hergemacht, sie tauchten den Zucker in den Rum und sogen bis zum Trunkenwerden daran. Viele nahmen mit, was sie in der Eile erreichten. Ich befahl daher, die Rumfässer auszugiessen, um ärgeren Spectakel zu vermeiden. Diese Unruhe benutzten die Türken, sich in die Häuser zu verstecken, um jeden niederzuschiessen, der sich nahen würde. Nun wusste ich mir nicht anders zu helfen, als zu befehlen, den auf der Strasse Üiessendeii Rum anzuzünden. Vorher hatte ich einige Anker für Schwache und Kranke fortgeschafft, und was wir brauchen konnten mitgenommen, sowie auch leere Flaschen, die mit Wasser zur Erfrischung von Sterbenden und Blessirten gefüllt wurden. Ein sogenanntes „Schnelllicht" der Artilleristen liess ich in ein Bündel Hen stecken und als es brannte, ging das Feuer weiter, so dass der Feind nach allen Seiten flüchtete und wir Luft bekamen. Der Wind, der anfangs das Feuer zu uns trieb, wandte sich auf einmal, und verfolgte den Feind. Es war ein schauerliches Mittel, den Feind fortzuschaffen, aber es half, wir konnten uns sammeln und handeln. Zu Anfang des Sturmes war das Schiessen sehr heftig, so dass von der Bedienung der beiden Kanonen nur noch ein Offizier und Unteroffizier übrig geblieben. Es wurden daher zwei andere Kanonen von der 21. Batterie des Oberstlieutenants Sebrikof gesandt. Der unglückliche Brand, den ich in meiner Verzweiflung anlegen liess, wurde das Signal zum Brande der ganzen Stadt; was erlaubt man sich nicht alles im Kriege! Nur dadurch wurden wir die Sieger! Viele Heubunde der Cavallerie flogen- ins Feuer, um es zu verstärken, wir gingen dem Feuer nach. Das Gemetzel in den Strassen, auf den Dächern der niedrigen Häuser ist nicht zu beschreiben, jedes Haus wurde von den Türken ver- theidigt, Feuer' und Schwert wiithete entsetzlich. Der Stadttheil, in welchen ich mit den Kanonen eingedrungen, wurde von christlichen Armeniern bewohnt; sie kleideten sich aber wie Türken, weshalb keine Gnade stattfand. In ihrer Angst brachten sie ihre Heiligenbilder, hielten sie vor sich und riefen „Christus", womit sie sich zu erkennen geben wollten. Die Sodaten waren aber unerbittlich, zogen wohl die Mützen vor den Heiligenbildern, schlugen das Kreuz, stürzten aber doch mit dem Bajonet auf alle los, die ihnen entgegen kamen. Ein Stimm ist wohl das allerschrecklichste, was der Krieg bei all dem Gräulichen mit sich bringt, dabei das Plündern, welches durch keine menschliche Kraft verhindert werden kann, selbst wenn der Tod unvermeidlich ist. Der Sturm dauerte bis zum Anbruch des Tages. Dem Feind war seine letzte Hoffnung genommen, die goldne Brücke, wie sie sie nannten, da sie die letzte Flucht sichern sollte. Jetzt sah man weisse Fahnen flattern und es ging zur Kapitulation. Trommeln wirbelten, der Sturm hatte ein Ende und das Schiessen hörte allmählich auf. — 415 I)a ging clie Sonne plötzlich blutroth auf, die Stadt lag von dicken Rauchwolken umgeben, durch welche die Sonnenstrahlen kaum durchbrechen konnten. Um 7 Uhr morgens zog der Feind mit den Waffen in der Hand aus der Citadelle und wir mar- scliirten hinein. Achalzig ergab sich nach fünfzehnstündigem Kampfe. Paskewitscli sagte in seinem Bericht an den Kaiser Nicolaus: ,.Achalzig ist nach fünfzehn Stunden Stimm genommen, und liegt zu den Füssen Ihrer Majestät. Ich konnte nicht zugeben, dass wir zum dritten Male vor dieser Festung zurückgehen sollten." Ich commandirte als Garde-Lieutenant zwei abgetheilte Compagnien mit zwei Geschützen bis der Sturm zu Ende war. Durch das Vordringen und Brennen am 15. August 1828 gewannen wir die Oberhand. Am andern Tage wurde ich zum Diner beim Oberbefehlshaber eingeladen, der mir für meinen Dienst dankte und mich laut lobte, was mir als jungem Offizier natürlich sehr schmeichelhaft und angenehm zu hören war, und gab den Befehl, mich zum Annen- Orden II. Klasse mit Brillanten vorzuschlagen. Es versteht sich von selbst, dass mich dieses alles sehr beglückte, es brachte mich doch meinem heissen Wunsch und Ziele näher. Da in den ersten Tagen des September Schnee fiel, so ward das Vorrücken nach Ardagan aufgegeben und bestimmt, den Feldzug im Frühjahr wieder zu beginnen. Baron Mengden und ich erhielten Befehl, den Winter über in Tifiis zu bleiben, wo wir alle ins Lehr-Bataillon kamen. Bald darauf wurde ich in der Linie Stabs-Ivapitän. Paskewitsch wollte, dass ich für Auszeichnung gleich Kapitän werden sollte. Kaiser Nicolaus beschloss es aber anders, ich bekam bloss eine Danksagung. Obgleich sich Paskewitsch wirklich dafür interessirte, entging mir die verdiente Belohnung. Im Januar 1829 reiste ich mit Baron Mengden zurück, und wir nahmen den Weg über Livland, wo ich meine Schwester und Verwandte auf kurze Zeit besuchte. Dann eilte- ich nach Narwa, wo meine Schwiegereltern lebten und ich eine geliebte Braut fand. Dem alten Papa musste ich viel von meinen Erlebnissen erzählen; er als alter Militär interessirte sich besonders dafür und ich lebte mit ihm in der Rückerinnerung. Jetzt wurde meine Hochzeit bestimmt, sie sollte im Mai sein, und ich reiste glücklich und zufrieden nach Petersburg ab. Ostern wurde ich auf der Wachtparade dem Kaiser vorgestellt. Der gütige Kaiser umarmte und kiisste mich, und war sehr gnädig zu mir, was vielfach von Kameraden und Zuschauern bemerkt wurde. Damals war ich der einzige Georgen-Ritter unter den Ober-Offizieren der Garde, so dass mein weisses Kreuz Aufsehen machte. Meine Hochzeit wurde am 14. Mai 1S29 ganz in der Nähe von Narwa, auf Annenhof, dem kleinen Besitz meiner Schwiegereltern, gefeiert. Meine Schwester feierte mit mir den glücklichsten Tag meines Lebens, denn nun brauchte ich mich nicht mehr von meiner Caroline zu trennen. Meine Frau brachte ich in eine Kronswohnung ins Gornofsche Haus, welches wir Garde-Jäger-Offiziere bewohnten. Dort lebten wir eingeschränkt und sparsam, waren zufrieden und machten keine Schulden. — 416 — General von Bistram machte es Freude, mich als decorirten Offizier zn sehen. Er besuchte uns oft, ihm dankte ich die Stellung, in der ich war, denn durch ihn kam ich in die Garde. Leider musste er bald Petersburg verlassen, da die Folgen seiner vielen Blessuren ihn kränklich machten und er ins Ausland ging, von wo er nicht mehr zurückkehrte. 1830 hielt er unser erstes Kind zur Taufe, das den Namen „Nicolai" bekam. Bistram starb im Juli 1838. Am 1. November 1830 marschirte die Garde über Livland nach Polen, wo im November in Warschau der Aufstand ausgebrochen. Frau und Kind blieben bei den Eltern, Schwester und Verwandte sah ich wieder. So ging es beim kalten Wintermarsch weiter. Bis zum 4. Mai 1831 war nichts von Bedeutung vorgefallen. Man schlug sich ohne grossen Erfolg. Am 4. Mai war das erste ernste Zusammentreffen mit dem Garde-Corps, welches General von Bistram, auf kurze Zeit aus dem Auslande gekommen, commandirte. Die Garde-Jäger befehligte General Poleschko, der die Avantgarde von Bistram, bestehend aus einem Bataillon Jäger mit zwei Geschützen und einigen Schwadronen Kosaken, führte. Wir standen bei dem Dorfe Pschetizi. Meine Compagnie war auf der Vorhut und ich blieb in der Arriere-Garde bei dem Dorfe Dolgosedlo. Es war dies meine erste Affaire gegen europäische Truppen. Pschetizi hiess auch das Herrengut, welches ganz nahe liegt, von Gärten und Feldern umgeben ist, und an einen lichten Tannenwald grenzt. Das Gut liegt auf einer Anhöhe, der Weg nach der Stadt Louesa ging ganz nahe vorbei und ein Flüsschen schlängelte sich längs dem Weg und dem Gut. Unser Lager stand auf einem Sandhügel, von dem man die Wege übersehen konnte. Rechts stand die Artillerie und ein halbes Bataillon, links die andere Hälfte der Truppen schon bis in den Wald hinein. Zelte hatten wir nicht, es waren bloss Hütten aus Tannenzweigen. Meine Compagnie hatte am Morgen die Vorposten bezogen und ich war du-jour der ganzen Abtheilung. Der 4. Mai war ein sehr heisser Tag. Einige Kameraden wollten baden und fanden im Garten einen Teich. Da hörten wir in der Entfernimg schiessen, und bald sprengte auch ein Kosak auf schaumbedecktem Pferde mit der Nachricht heran: der Feind kommt. Gleichzeitig kam auch schon der Befehl, die Kochkessel auszugiessen und zu packen, ich musste mich auf die Vorposten begeben mit dem Befehl, dass, wenn der Feind zu stark sei, ins Dorf zu retiriren, womöglich mich festzusetzen, und dort auf spätere Ordre zu warten. Meine kleine Reserve stand neben dem Wohnhause, von wo man die ganze Umgegend übersehen konnte. Der zehnmal stärkere Feind kam langsamen Schrittes, unterhielt dabei ein fortwährendes Tirailleurfeuer, und stellte sich an die Waldlisiere, ohne dass das Schiessen aufhörte. Nun kam General Poleschko und befahl, diese Position bis aufs äusserste zu vertheidigen und schickte zwei Kanonen, welche neben dem Wohnhause aufgestellt wurden. Blessirte und Sterbende wurden schon getragen. Menien Tirailleurs suchte ich näher zu kommen, wollte auf Ordnung sehen, als ich bemerkte, dass vom Lager nichts mehr zu sehen war, die Kanonen blieben auch aus, und ich erkannte die schwere Stellung, in der ich mich befand. Deutlich hörte man das Gerassel der feindlichen Kanonen, die sich nahten. Links vom Walde bemerkte man durch eine offene Stelle des Waldes zwei Bataillone mit Geschützen heranziehen, um unsere linke Flanke zu umgehen. Ein Unteroffizier meldete, dass wir eingeschlossen würden, und während dieser Meldung traf auch schon ein Kosak ein, der gleichfalls meldete, dass von rechts grosse Massen anmarschirt kämen. Wir sahen auch aus dem Walde grosse Colonnen deboucliiren. Mir blieb nur Zeit zur Flucht, um nicht in Gefangenschaft zu gerathen. Es war ein schrecklich unvergesslicher Augenblick. Der Feind glaubte sicher uns alle zu fangen. Es trat eine Todesstille ein, alle warteten auf meinen Befehl. Mir schlug das Herz, ich glaube hörbar, da gab ich das Signal „sich zu sammeln". Es ertönte das Horn und von allen Seiten eilten alle herbei. Da rief ich: „Compagnie links um, kein Schuss darf fallen; folgt mir im Laufschritt; wird jemand blessirt, darf kein Kamerad zurückbleiben, die Polen sind keine Asiaten, niemand wird Verwundeten etwas zu leide tlmn, haltet Euch soviel als möglich in Reih und Glied." Wir nahmen den kürzesten Weg durch deii kleinen Fluss, um vor der feindlichen Colonne die Strasse zu erreichen. Wir kamen glücklich hin, obgleich wir von der rechten Seite aus dem Walde mit einem Schnellfeuer begriisst wurden; den Weg konnten sie uns ideht mehr versperren. Fast alle waren athemlos, einige stürzten erschöpft hin und wurden gefangen. Mein Freund Mesaydof hing sich an meinen Ann, er konnte kaum weiter. Ich fragte, ob er blessirt sei. „Nein nur erschöpft." „Dann lass mich los, ich bin auch müde." Wir hatten glücklich einen Vorsprung errungen, machten einige Minuten Halt, die Tirailleurs mussten voraus und wir setzten unsere Retirade noch 7 Werst fort, wurden während dessen von der Vorhut der Polen gedrängt, fanden aber Schutz durch den Wald, der von beiden Seiten den Weg deckte, wodurch es möglich wurde, dass wir uns retten und das Dorf Dolgosedli erreichen konnten, wo der General geblieben war, um den Verlauf unseres Abzuges abzuwarten und uns abzulösen. Durch einen Kosaken-Offizier hatte er erfahren, was geschehen war und wie wir glücklich durchgekommen. Drei Wege vereinigten sich bei diesem Dorfe und an dem mittleren Wege lagen grosse aus Stein gebaute Krüge x ) mit Nebengebäuden, hinter denen die ablösenden Compagnien standen. General Poleschko kam mir entgegen, dankte, lobte mich und wies mich zur Reserve-Artillerie. Während wir noch so sprachen, hörten wir von zwei Seiten das Gerassel von Cavallerie und Artillerie, welche aus dem Walde debouchirten. Da com- mandirte der General: „links um!" und ich blieb in der Avantgarde. Im Dorfe hatte man so viel als möglich niedergerissen, damit ihre Cavallerie ungehindert weiter könnte. Hinter dem Dorfe war eine Niederung, die von einem sumpfigen Flüsschen durchschnitten wurde und mit einer Brücke versehen war, die nach dem Passiren unserer Kanonen abgebrochen wurde. Ich blieb diesseits stehen, um bei Verfolgung die Cavallerie abzuhalten. Letztere kam jedoch zu spät, mein Zug, sowie die Tirailleurkette kamen noch hinüber. In diesem i) Häuser, Gasthöfe, wo Bier und Branntwein verschenkt wird. — 418 — Moment trafen ein feindlicher Train Artillerie und Ulanen in der Carriere an, erstere protzte auf Kartätsch-Distanz ab und gab Feuer. Zum Glück flogen die meisten Kartätschen über unsere Köpfe. Gleichzeitig attackirte eine Schwadron, als ich das bekannte Signal zum Zurückgehen gab. Der sumpfig nasse Boden hinderte meinen Flügel, den bestimmten Punkt zu erreichen, zehn meiner Soldaten wurden umgeritten und erstochen. Der Zug hatte sich wieder ziemlich geordnet, ich sprach den Leuten Muth zu und befahl erst auf mein besonderes Commando zu scliiessen und auf die Brust der Pferde zu zielen. Etwa auf 60 Schritt eröffnete ich auf die anstürmenden Ulanen ein Schnellfeuer, welches Leute und Pferde in Verwirrung brachte; so dass die Attacke ziemlich erfolglos blieb. Da kam eine andere Escadron mit gesenkten Lanzen heran, und ich rief meinen Leuten zu: „Fürchtet Euch nicht, Ihr habt gesehen, was eben geschehen ist, lasset sie näher kommen, keinen Schuss ohne Commando!" Die Keiter waren schon ziemlich nahe, da wurde ein neues Feuer eröffnet. Viele kamen uns so nahe, dass unsere Leute durch ihre Piken verwundet wurden. Mein Fähnrich Heidenreich bekam auch eine Stichwunde in die linke Seite. Ein polnischer Major mit dem russischen Annen-Orden um den Hals hieb mit dem Säbel nach dem Soldaten Peter Sirkal. x ) Derselbe machte einen Schritt vorwärts und stiess den Major und noch einen andern Offizier vom Pferde. Die Polen gingen zurück und viele Reiter und Pferde, welche bei der scharfen Attacke geblieben, lagen vor uns. Jetzt mussten wir eilen über den Fluss zu kommen, denn der Feind näherte sich in grossen Massen. Vier dicke Balken wurden zusammengebunden und jedes Pferd einzeln hinübergeführt, was einen so grossen Aufenthalt verursachte, dass wir zuletzt die Pferde losmachen und mit Schlägen und Stössen in Wasser und Sumpf treiben mussten. Die feindliche Artillerie beschoss uns zwar, konnte indess wegen der Terrain-Beschaffenheit uns nicht näher kommen. Hinter uns war ein junger Birkenwald, in welchem ich meine Soldaten so zerstreute, dass ich den Rückzug fortsetzen konnte. Nicht weit von hier lag eine Wassermühle mit grosser Stauung. Dort wollte der General sich setzen und den Secours abwarten, den man im Anmarsch glaubte. Allein die Stauung war gegen unsere Erwartung so trocken, dass man von allen Seiten durchgehen konnte; wir fanden dort ein Bataillon flnnländischer Gardeschützen unter dem Befehl des Oberst Ramsey. 2 ) An demselben Tage wurde ich vom ersten Bataillon unseres Regiments mit sechs Kanonen der zweiten leichten Batterie abgelöst. Es war fast Abend geworden, ehe ich den General Poleschko erreichte. Seine Begrüssung war sehr herzlich: „Wie schön, dass Du hier bist, ich gestehe, dass ich fürchtete, Dich als Opfer bei den Fahnen und Kanonen zu lassen." Der Verlust an Leuten war gottlob nicht so bedeutend, als ich gefürchtet. Einige Soldaten waren gefangen und zwei Fähnriche blessirt, Marquis Paulutzi durch eine Kugel, Heidenreich hatte einen Lanzenstich. !) Ein Lette. 2) 1872 Generallieutenant und Mitglied des Kriegsratlis. Er wurde verwundet. Ermüdet wie ich war, ruhte ich etwas, als der Befehl kam, eilig in aller Stille weiter zu retiriren. Die Feuer liessen wir zur Täuschung des Feindes brennen und mar- schirten die ganze Nacht hindurch ohne verfolgt zu werden. Beim Tagesgrauen hörten wir die ersten Kanonenschüsse. Der Feind führte seine Infanterie auf Bauernwagen, die sie überall fanden und bekamen, während wir weder für Geld noch gute Worte solche für Blessirte und Kranke erhielten. Die mich abgelösten Truppen bildeten die Avantgarde. Zu Mittag erreichten wir einen kleinen Flecken Gakatzi. Der Feind hatte uns aus dem Gesicht verloren und wir machten einen Halt, um die Wagenburg passiren zu lassen und unsere Grütze kochen zu können, da wir schon seit zwei Tagen nichts Warmes genossen hatten. Alle warteten mit Ungeduld auf die Wagen, die wir im Trab fahren hörten; da fingen die Kanonen aufs neue an zu donnern und die Kugeln sausten um uns her. Es ward in Eile wieder gepackt und wir brachen auf. Unsere Ferkelbraten nahmen wir von den Pfannen •und verzehrten sie ohne Brot mit dem besten Appetit. Hier erreichte uns der Feind und nahm uns mehrere Wagen, unter denen auch der Reisewagen des Generals Carl Iwanitsch von Bistram war, der aber doch noch gerettet wurde. Gegen Abend erreichten wir einen sumpfigen Fluss, hinter welchem die 1. Brigade unserer Division aufgestellt war. Diese Position benutzte General von Bistram, liess die Brücke abnehmen und die Brigade zurückmarschiren. Wir hatten schweres Geschütz und der Feind blieb auf der andern Seite des Flusses. Hierher kam der Grossfürst Michael Pawlowitsch, Bruder des Kaisers Nicolai, grüsste sehr freundlich und ritt nach einigen Stunden mit dem General von Bistram zu den finnländi- schen Garde-Tirailleurs. General von Bistram bat den Grossfürsten, sich nicht der Gefahr auszusetzen, da Granaten und Kanonenkugeln oft abgeschossen wurden und sich dieses mehrte, als man die grosse Suite des Grossfürsten bemerkte. Das finnländisclie Regiment war in der Front aufgestellt und General von Bistram bat noch einmal den Grossfürsten, sich nicht der Gefahr auszusetzen, als eine Granate zwischen beiden platzte, jedoch ohne jemand zu verletzen. Ja, in solchen Momenten fühlt und erkennt man die Guade und Allmacht Gottes, des Herrn, die jedem sein Ziel gestellt. Darauf reichte der Grossfürst dem General die Hand und sagte: Warum soll ich nicht auch hier stehen, ich hoffe, dass unsere Georgenkreuze mit einander verwandt geworden sind." Diese Position blieb uns. Wir hatten aber nichts zu essen — die Wagen waren nach Sokolowa vorausgeschickt. Links davon lag ein hübsches Landgut, welches zum Theil zerstört werden rnusste, um unseren Kanonen eine gute sichere Stellung zu geben. Als nun das Demoliren an noch gefüllte Gebäude kam, wurde mitgenommen, was man fand, denn wir waren alle hungrig. Als das Feuer eben zu brennen anfing, hiess es: „Ordnet und stellt Euch!" Die Jäger sollten längs des Flusses nach dem Städtchen Kletschkowa, wo der Feind die Brücke besetzen wollte, die von den reitenden Grenadieren mit zwei Kanonen unter Befehl des Barons Reinhold Wrangeil (XIV 48) besetzt war. Mit Mühe behielten wir hier die Oberhand und standen den 6. und 7. Mai dort. — 420 — In der Nackt versuchten die Polen die Brücke nochmals anzugreifen und brannten sie zum Theil ab. Am Morgen sollten wir uns bis zum Städtchen Sniadow zurückziehen, wo der grösste Theil des Garde-Corps zusammengezogen war, weil der Grossfürst Michael eine Schlacht liefern wollte. General von Bistram machte Vorstellungen, dass die ganze polnische Armee vor uns stände und die Chaussee nach Bialystock, wie der Weg nach Slotky, der nahen Grenze des Zollamts am Narew-Flusse mit einer langen Brücke noch in unseren Händen war. Nachdem der Befehl zum Rückzug gegeben, fing derselbe compagnieweise an. Das 3. Bataillon, zu dem ich gehörte, war das letzte. Das Bataillon konnte sich ungefähr erst nach einer halben Stunde ordentlich sammeln. Als wir dem Feinde aus den Augen waren, ging es rasch vorwärts, damit jeder sein Bataillon erreichte, welche in einem Walde warteten. Kaum waren wir aus dem Walde debouchirt, als wir grosse Staubwolken auf der Chaussee von Ostrolenka aufsteigen sahen, was uns das Annähern des Feindes ahnen liess. Die Chaussee hätte die Garde-Kürassier-Division in Schlachtordnung mit einer reitenden Batterie besetzt und stand unter Befehl des Prinzen Alexander von Württemberg, der das erste Treffen commandirte. Der Prinz liess das 2. Bataillon unter seinem Commandern - Moller als Reserve der Kürassiere aufstellen, während wir das erste so schnell als möglich zu erreichen suchen sollten, welches nach Sniadow geschickt war. Wir schwenkten links, nahmen den nächsten Weg und liessen die Kürassiere hinter uns. Als wir uns dem Städtchen näherten, fanden wir das ganze Corps schlagfertig dem Feinde gegenüber in einer Entfernung von anderthalb Kanonenschussweite aufgestellt. Kaum hatten wir unsern Platz eingenommen, als die vollständige Schlachtordnung ihre Retirade antrat, und wir jeden Augenblick einen Angriff erwarteten, da der Feind uns gleichmässig folgte und uns weit überlegen war. Der Tag war heiss, wir mussten über aufgeackerte Felder, die sehr ausgetrocknet waren, marschiren, der Staub war unerträglich, die Gesichter so bestaubt, dass man fast unkenntlich aussah. Diese Märsche hatten mich so ermüdet, dass ich kaum weiter konnte. Zum Gefecht kam es nicht. Die Nacht hindurch marschirten wir bis zum Städtchen Rudki, wo das 3. Bataillon bleiben und die Vorposten besetzen sollte. Wir standen vor einem Judenkrug, jeder suchte sich etwas zu essen zu schaffen, aber vergebens, es war von unsern Vorgängern vollständig aufgeräumt worden. Die Vorposten waren eben aufgestellt, als der Nachtrupp (es waren Dragoner) in vollem Trab durch den Wald geritten kam und vielleicht eine viertel Werst vom Städtchen den Weg besetzten. Im Vorrüberreiten riefen sie: ,.Der Feind folgt!" Wir bemerkten auch grosse Bewegung im feindlichen Heere. Adjutanten sprengten hin und her. Ich erhielt Befehl längs dem Wege so weit als möglich vorzurücken, die anderen Compagnien wurden rechts und links in dem Walde postirt und der General befahl ihnen, mit meiner Compagnie die Lisiere zu halten. — 421 Wir marscMrten durch den Wald ohne den Feind zu sehen, derselbe hatte aber eine Anhöhe besetzt und eine Batterie mit 24 Kanonen etablirt, unter deren Schutz seine Truppen sicher waren und unser Corps zu erwarten schienen. Wir retirirten ohne Aufenthalt weiter und liessen eine Brigade Cavallerie mit gehöriger Artillerie als Arrieregarde zurück. Weil der Park der Armee bei dem sandigen Wege nicht rasch folgen konnte, wurden wir in den Wald geschickt, um den Feind womöglich aufzuhalten. Die Hauptarmee der Polen commandirte General Salutzky, ein früherer General- Adjutant des Kaisers Nicolai, der im Türkenkriege am 10. September 1828 die Garde- Jäger bei Warna ins Verderben führte und verrieth.*) Der Wald war nicht dicht und fiel in eine Niederung ab, die stellenweise ganz mit Nusssträuchern verwachsen war, und die dem Feinde nützlich sein konnte, da eiserne Position festhielt. Die Uhr ging auf die zwölfte Stunde mittags, als der erste Schuss unserer Kanonen hörbar wurde, er war auf die feindliche Colonne gerichtet, die den Weg besetzt hatte. Rechts stand meine Compagnie, links die meines Vetters Wilhelm von Hehn, der bei Warna 1818 eine Verwundung erhalten, die ihm den linken Arm steif und unbrauchbar gemacht hatte. Es war Schlag 12 Uhr mittags am 8. Mai 1831, ein schöner Tag. Ich reichte Wilhelm die Hand und sagte: „Ehe die Sonne untergeht, hat manches Herz zu schlagen aufgehört", und wir drückten uns schweigend die Hände. Gleich hierauf hörten wir das Signal, dass die Tirailleurs sich zerstreuen sollten, und das „Links". Ein Dragoner-Unteroffizier mit einigen Soldaten wurden zum Recognoscirenfüber das Vorgefallene vorgeschickt, waren aber noch nicht aus unserem Gesichtskreise, als auf sie geschossen wurde, woraus man erkannte, dass die Polen das verwachsene Wäldchen besetzt hatten. Wilhelm von Hehn ging mit seiner Compagnie dem Feind entgegen und seine Stell ung besetzte ich mit einem Zuge meiner Compagnie. Da eröffnete sich ein heftiges Flintenfeuer von der linken Seite des Weges. Den Feind konnten wir noch nicht sehen, hörten aber die Kanonen, deren Geschosse im Walde grässlich wütheten und Spitzen der Bäume und Zweige abschlugen, so dass viele Verwundungen vorkamen. Der Feind marschirte in Colonnen durch den Wald. Unsere Soldaten schlugen sich äusserst tapfer und jblieben im Zurückgehen. Schritt vor Schritt kam uns der Feind näher und wurde dann mit dem Bajonet zurückgeworfen. Wir sollten den Wald so lange als möglich behaupten, dreimal ging es mit dem Bajonet durch den Wald, unermüdlich wurde gekämpft und mit grosser Tapferkeit schlugen sich unsere Leute. Es ging schon gegen Abend. Als wir zum letzten Male den Wald forcirten, fanden wir auf dem Wege, unsern Kanonen gegenüber, eine feindliche Kanone demontirt liegen. Der Seconde-Lieutenant vom Generalstabe Frolof kam mit dem Befehl, das de- montirte Geschütz mitzunehmen. Ich konnte nur einen Zug dazu benutzen, da unsere !) Er war damals ilir Divisions-Chef. 422 Kanone nicht ohne Deckung' bleiben durfte, und schlug dem Lieutenant Frolof vor mit zu reiten, um sich zu überzeugen, was geschehe. Die Compagnie mit den Tirailleurs war im Walde nicht mehr zu sehen. Da schlug die Trommel den Sturmschritt und wir mussten vorwärts. Der Trommelschläger hatte kaum zehn Schritt gemacht, als eine Kugel ihn zwischen den Augen traf und er todt zu Boden stürzte. Nicht weit davon fanden wir einen Kameraden auf dem Wege, was uns die Hoffnung gab, unser Ziel doch zu erreichen. Ich wollte längs dem Walde bis zur Kanone vordringen, kam aber wieder in eine stark bewachsene Niederung, in welcher die feindlichen Geschütze sich versteckt hielten und unser Anrücken erwarteten. Es waren freiwillige Buschwächter mit doppelläufigen Flinten, die gut zu scliiessen verstanden. Kaum hatten sie uns bemerkt, als sie das Feuer begannen. Da kamen zwei Mann mit ihren Doppelläufen im Anschlag auf mich los. Ich war wenige Schritte von meinem Zuge, hatte auch mein Gewehr in der Hand, es war keine Zeit zu verlieren, ich drückte ab und meine Gegner fielen. Ein Unteroffizier Safranof sah es und rief: „Beide sind gefallen, Hochwohlgeboren!" Sehr überraschend war es, statt unserer 7. Compagnie, den Feind im Walde vorzufinden; sie hatte den rechten Weg verfehlt. Ich liess daher die Soldaten sich zerstreuen und hoffte mich zurückziehen zu können, um im Walde Schutz zu finden. Da sah ich das Pferd des Lieutenants Frolof liegen und viele unserer braven Leute, und das Herz wurde mir schwer! Aufs neue fing man an zu schiessen und wir bemerkten hierbei, dass man uns von der linken Flanke angreifen und uns von unsern Truppen trennen wollte. Meine braven Jäger hatten es kaum bemerkt, als sie von allen Seiten herbeikamen und mein Commando erwarteten, was nur in dem Worte: „Schiesst!" bestehen konnte. Leider mussten die Blessirten zurückbleiben, nur die, die sich selbst noch fortschleppten, folgten. Ich war der einzige Offizier; keine andere Kettung blieb mir, um nicht in Gefangenschaft zu gerathen, als der Versuch, über die Strasse zu gelangen. Auf dem Wege standen die feindlichen Kanonen, hinter ihnen eine Colonne Infanterie. Ich rief: „Haltet Euch zusammen, kein Schuss, imr das Bajonet kann uns helfen, folgt mir auf dem Fusse, und nun mit Gottes Beistand über den Weg." Unser Erscheinen kam dem Feinde unerwartet. Kartätschenschüsse folgten uns, zum Glück trafen nicht alle, wir waren hinüber. Seconde-Lieutenant Scheffler war durch Flintenkolben so mitgenommen, dass er nicht weiter konnte. Etwas weiter fanden wir zwei Offiziere und Soldaten vom 1. Bataillon, die sich im Walde verloren hatten. Es wurde Abend. Da erblickten wir aufs neue feindliche Colonnen, die Tirailleure vor sich aufgestellt hatten. Ich blieb auf dem Wege, der Wald war lichter. Ich hoffte diese Colonnen würden sich nicht unserer Artillerie aussetzen; auch bemerkte der Feind uns nicht gleich, da er uns den Rücken gekehrt hatte, wodurch wir so nahe kamen, dass wir uns mit einem „Hurrah!" auf die Schützen warfen und einige Gefangene machten. Da endlich trafen wir die finnländischen Scharfschützen, die uns zu Hilfe kamen. Die Soldaten erkannten uns nicht gleich und ein Unteroffizier hatte schon die Flinte auf mich gerichtet, und wenn ich ihn nicht schnell angerufen hätte, so wäre ich wahrscheinlich von einem eigenen russischen Soldaten erschossen worden. Unterdessen hatte der 423 Feind viele Truppen in den Wald gezogen, iun uns herauszutreiben und wir wurden sonach scharf gedrängt. Unsere Soldaten liefen von beiden Seiten dem Wege zu, um unsere Kanonen zu schützen. Da kam endlich der General von der Artillerie Gerbel und commandirte mit den Kanonen vorzurücken. Als ich demselben bemerkte, dass der Wald von Feinden besetzt sei, hörten wir auch schon die Trommel, die zum Angriff rief. Alle liefen, um unsere Artillerie zn schützen, es durfte kein Feuer gegeben werden. Mehrere Kameraden standen zusammen und wir reichten uns die Hände; ob man sich wiedersehen würde, wusste niemand. Dem General Gerbel wurde das Pferd unter dem Leibe erschossen, sein Adjutant schwer verwundet. Mehr als eine Division Polen war im Walde, so dass wir es vorzogen, denselben zu verlassen, und den Rückzug antraten. Es war Abend geworden, der Rauch erhöhte die Dunkelheit. Man konnte kaum erkennen, was um Einen war und geschah. Das nächste Städtchen Rudki liegt auf einer A nh öhe: unsere Artillerie stand dadurch etwas geschützt. Der General befahl mir, das Bataillon zu formiren und zu commandiren, da Oberst Moller verwundet sei. Viele Kameraden fehlten schon und unser Verlust war bedeutend; 14 Offiziere fehlten, unter denen auch der jetzige (1872) Generallieutenant Stepaonof, der eine schwere Brustwunde hatte. Obgleich wir retirirten, machten wir doch mehrere hundert Gefangene. Von beiden Seiten wurde tapfer gefochten. Im Walde lagen viele Leichen brüderlich zusammen. Mein armer Frolof erhielt sieben Wunden und gerieth in Gefangenschaft. So dauerten die kleinen und grössern Gefechte fort bis vor Warschau, welches am 26. August 1831 unter heftigen Kämpfen genommen wurde. In den Strassen noch kämpfte man ohne Erbarmen. Mich hat der Herr wunderbar geschützt, ich blieb gesund." Bis hierher hat der Baron Carl von Wrangeil seine Kriegserlebnisse selbst niedergeschrieben, und sind sie hier wörtlich wiedergegeben. Die nachfolgenden Ergänzungen sind theils aus der kaiserlichen Dienstliste, theils aus Mittheilungen seiner eigenen Familienglieder geschöpft. Für Auszeichnung in dem persischen (1827) und türkischen Kriege (1828) erhielt von Wrangell durch Ukas vom Kaiser am 9. Januar 1829 eine Gratifikation und eine silberne Medaille; für die Einnahme von Achalzig wurde ihm unter dem 15. August 1828 ein kaiserliches Anerkennungsschreiben zu theil, und er erhielt noch für diesen türkischen Krieg eine silberne Medaille 1828. Für Auszeichnung im Kampfe mit den polnischen Insurgenten vom 4. bis 8. Mai 1831 erhielt von Wrangell den goldenen Ehrensäbel mit der Aufschrift: „Für Tapferkeit" am 25. Juni 1831 und den St. Annen-Orden II. Klasse (damals ohne Schwerter), und für Erstürmung des Hauptwalles von Warschau am 26. August 1831 unter dem 15. Januar 1832 den St. Annen-Orden II. Klasse mit der kaiserlichen Krone. Am 28. Januar 1832 wurde von Wrangell Kapitän und erhielt noch für die Kämpfe in — 424 — Polen und die Einnahme von Warschau die polnische Medaille IV. Klasse und eine silberne Medaille für letztere Gelegenheit. Am 29. Mai 1834 wurde von Wrangeil eine Gratifikation von 1500 Ruhein zu theil; am 6. December 1834 wurde er Oberst, erhielt am 22. September 1835 den St. Stanislaus - Orden HI. Klasse (jetzt II. Klasse), machte die grosse Revue bei Kaiisch mit und wurde mit andern Offizieren der Garde nach Berlin geschickt, wo König Friedrich Wilhelm HI. ihm den Rothen Adler-Orden III. Klasse verlieh. Am 1. September 1836 wurde ihm eine Gratifikation von 3000 Rubeln zu theil. Unerwartet hatte ihn Kaiser Nicolaus am 23. October 1837 dazu bestimmt, das Eriwansche Regiment (jetzt Leib - Grenadier - Regiment Seiner Majestät des Kaisers) im Kaukasus als Commandern- zu übernehmen, von Wrangeil reiste im December 1837 dahin ab, da er vom 30. November bis zum 22. Januar 1838 Urlaub erhalten hatte. Er erhielt 2000 Rubel Umzugsgelder und Maglis, eine Militär - Ansiedelung fünfzig Werst von fiflis, als Standquartier. Als seine Familie eintraf, war das Eriwansche Regiment schon auf eine Expedition gegen die Tscherkessen nach Suhme-Kalai geschickt und hatte er die Familie daher nicht abwarten können. Er wurde hier krank und es dauerte einige Wochen, ehe seine Gattin ihn abholen konnte. Später nahm er an dem Kriege im Kaukasus theil und erhielt für den Sieg über die Bergvölker am 17. bis 19. August bei Satschu-Peta am 16. April 1839 den Wladimir-Orden III. Klasse. Am 11. October 1843 wurde er Generalmajor und zog nach Gori, darauf am 2. December d. J. wurde er Commandern- der kaukasischen Reserve- Grenadier-Brigade, wobei er nach Zarsko-Rolotzo, einer Militär-Ansiedelung, kam. In den Jahren 1845 und 1846 erhielt er eine Gratifikation von je 2000 Rubeln. Nachdem er am 22. August 1847 das Abzeichen für musterhafte Führung während fünfundzwanzigjähriger Dienstzeit erhalten, bekam er am 13. März 1848 den St. Stanislaus- Orden I. Klasse und für Auszeichnung in den Kämpfen vom 1. Juni bis 16. Juli gegen die Bergvölker im Kaukasus am 10. August 1848 den St. Annen-Orden I. Klasse. Am 3. August 1849 "wurde er Commandern - der 21. Infanterie - Division und übernahm dieses Commando am 19. September 1849. Am 20. November 1849 wurde ihm als Anerkennung seiner Verdienste als Commandern-, sowie nützlicher Aenderungen, die er eingeführt, der St. Annen-Orden I. Klasse mit der kaiserlichen Krone verliehen; am 22. August 1851 erhielt er das Abzeichen für dreissigjährige Dienstzeit. Ende December 1848 reiste er nach St. Petersburg und nahm im Juli 1849 seine beiden Söhne mit nach dem Kaukasus. Am 6. December 1849 wurde General von Wrangeil zum Generallieutenant befördert und Commandern- des Detachements von Achalzig, am 20. November 1853 interimistischer Befehlshaber des Corps an der türkischen Grenze, war vom 9. Januar bis 27. Februar 1854 interimistischer Commandern- der Corps an der kaukasisch-türkischen Grenze, connnandirte am 14. März 1854 das Eriwansche Detachement von 6000 bis 7000 Mann und erhielt 3000 Rubel zur Reise zur Krim- Armee, sowie am 16. April 1854 noch als Belohnung eine Arrende von jährlich 2000 Rubeln auf zwölf Jahre. Während er in Eriwan stand, erhielt er den Befehl, die Festung Bajazet zu nehmen. Die Hitze war unerträglich und stieg von Tag zu Tag. Krankheiten und Mangel aller — 425 — Art fingen an sich fühlbar zu machen, und so entschloss sich der General von Wrangeil, da er vergeblich auf Beistand wartete, die Festung zu nehmen. Als nun am 17. Juli 1854 von Wrangeil die 15 000 Mann starke türkische Armee auf den Natschinskischen Höhen geschlagen hatte, wobei er eine leichte Blessur am Fusse erhielt, die einzige überhaupt, die er gehabt, schlich während der Nacht General von Wrangeil an die Festung heran, und als der Morgen graute, stiegen seine Truppen im Kampfe den Berg hinan und mit Gottes Hilfe wurde die Festung genommen mit der ganzen Garnison nebst Waffen und allem Proviant-Vorrath. Die Türken hatten 2000 Todte verloren, unter denen sich der Commandern- der Baschi-Bozuki Ali Pascha befand, von Wrangeil eroberte vier grosse und mehrere kleine Geschütze, einundzwanzig Fahnen, zwei vollständige Lager mit Munition und Proviant und machte eine grosse Anzahl Gefangener. Für diese glänzende Waffentliat erhielt er am 11. August den St. Georgs-Orden HI. Klasse. Infolge der Verwundung vom 17. Juli 1854 legte von Wrangeil das Commando nieder, wurde am 4. Januar 1855 aber schon Commandern- der 6. Reserve - Infanterie- Division, zu welcher die Regimenter zwischen Nikolajeff und Perekop gehörten, und übernahm dieses Commando am 10. Februar 1855; er machte den Krim-Krieg mit und befand sich in Feodosia. Am 9. März 1855 wurde von Wrangeil vom Commandirenden der Süd-Armee und der Marine in der Krim nach Sebastopol beordert, rückte daselbst ein und wurde am 20. März 1855 zum Commandern- der Ost-Armee in der Krim ernannt. Am 22. Januar 1856 erhielt er flu- Auszeichnung im Krim-Kriege den St. Wladimir- Orden IL Klasse mit Schwertern und eine Gratifikation von 1500 Rubeln. Am 24. Januar 1856 zum Oberbefehlshaber der Krim-Armee, mit Ausnahme der Marine, ernannt und am 16. Juli 1856 zum Commandern- der 3. Infanterie - Division befohlen, verliess von Wrangeil am 1. September die Krim-Armee und übernahm am 5. October 1856 das Commando in Lublin, wurde aber nach Grodno versetzt, wo er zwei Jahre verblieb. Zur Erinnerung an die Kriege von 1853 bis 1856 erhielt er eine Medaille in Bronze am Georgenbande und eine silberne Medaille flu- die Vertheidigung von Sewastopol, sowie am 16. De- cember 1857 den Weissen Adler-Orden. Nachdem er am 9. Mai 1859 zur Heilung seiner Verwundung 1116 Rubel erhalten hatte, wurde von Wrangell am 20. October 1S59 zum Commandirenden des 4. Armee- Corps in Worraisch ernannt, zu welchem er am 29. November 1859 abging; am 6. De- cember erhielt er 5000 Rubel Reisegelder und trat am 22. Januar 1860 das Commando an. Laut kaiserlichen Ukas vom 25. Januar 1860 wurde die ihm am 26. April 1854 verliehene Arrende noch um 1000 Rubel jährlich vermehrt; am 20. August 1859 wurde ihm bei Inspection der 10. Infanterie-Division in Tula von Seiten des Kaisers Alexander besonderer Allerhöchster Dank und Anerkennung ausgedrückt. Den 22. August 1S60 erhielt von Wrangell das Zeichen für fünfunddreissigjährige Dienstzeit, am 19. November 1860 bei Rückkehr des 4. Armee-Corps für musterhafte Beschaffenheit der Truppen vom Kaiser eine besondere Anerkennung; am 2. April 1861 zum 3. Armee-Corps in Schitomir commandirt, erhielt er 5000 Rubel Reisegelder, übernahm dieses Commando am 26. August 1861, wurde am 30. August 1861 General der 54 — 426 — Infanterie und am 6. Juli 1862 interimistischer Commandern 1 der Truppen im Bezirk Kiew nach Auflösung des 3. Armee-Corps. Am 19. December 1862 zum Mitglied des Kriegsrathes und zum Armee-Inspecteur ernannt, erhielt von Wrangeil 5000 Bubel Reisegelder, später am 22. August 1S63 das Abzeichen für vierzigjährige Dienstzeit, am 19. April 1864 den St. Alexander-Newsky-Orden, am 26. April 1866 als Extra - Belohnung die Arrende von 3000 Rubeln noch auf sechs Jahre verlängert, am 5. April 1866 für Dienstleistungen beim 3. und 4. Armee-Corps als Anerkennung ein kaiserliches Dankschreiben, am 16. April 1S67 den Alexander- Newsky-Orden mit Brillanten, 1868 für geleistete Dienste im Kaukasus ein Geschenk von 3000 Disitin Grundbesitz im Kaukasus, das kaukasische Kreuz für die Kämpfe mit den Bergvölkern, eine goldene Medaille und ein silbernes Geschenk als Erinnerung an die durch ihn bewirkte Aufhebung des Zwanges der Bauern, in den verschiedenen kaiserlichen Fabriken arbeiten zu müssen, am 17. April 1869 beim fünfzigjährigen Dienstjubiläum ein Anerkennungsschreiben und die für immer dauernde Commandirung und Ernennung zum General - Adjutanten Seiner Majestät des Kaisers, endlich am 13. März 1872 die nochmalige Verlängerung seiner Arrende auf sechs Jahre. i Im Februar 1872 rührte ihn plötzlich der Schlag und lähmte ihn an der linken Seite; Arm und Fuss Avurden unbrauchbar und trotz Hilfe und Beistand der Aerzte konnte ihm nicht geholfen werden. Während dieser Krankheit erfreute er sich der Theilnalime vieler Kameraden und Freunde, und mit tiefer Wehnrath empfand er die Gnade des Kaisers, der täglich einen Courier zu ihm schickte, um zu erfahren, wie es mit dem Befinden „seines alten treuen Dieners" stehe. Eines Morgens, als der Courier wieder kam, liess er ihn zu sich kommen und sagte: „Danken Sie meinem verehrten, geliebten Kaiser; seine Gnade und sein Wohl- Avollen sind ein Balsam für meine Seele und diesen Dank sprechen Sie aus. Ich nehme ihn mit ins Grab." Als von Wrangell fühlte, dass es nicht besser mit ihm Avurde, gab er seinen Aufenthalt in St. Petersburg auf und zog im Mai 1872 zu seinen Kindern und Grosskindern nach Grodno, avo der Sclrwiegersohn Divisions - General Avar. Hier starb der General schon nach vier Monaten am 5. September. Vor seinem Scheiden versammelte er nochmals seine Lieben um sich und nahm ruhig und gefasst von ihnen Abschied. Beerdigt ist er seinem Wunsche gemäss auf dem lutherischen Kirchhofe bei Narwa. Er ruht hier neben der Gattin und seinen beiden Töchtern Anna und Lisinka. Zu von Wrangells Leichenfeier entsendete der Kaiser Offiziere des Leibregiments, Avelche dem Verblichenen die letzte militärische Ehre erweisen sollten. Am 14. Mai 1829 hatte sich von Wrangell nach neunjährigem Brautstande mit Caroline von Tiesenhausen, geboren am 3. Juli 1798, verheirathet. Sie Avar die Tochter des Generals en chef Anton Otto von Tiesenhausen, der damals in Narwa lebte, und einer Türkin (Tochter eines Aga aus Ismael), die in der Taufe den Namen Anna Antonowna erhalten. Die Trauung fand auf dem von Tiesenhausenschen Gute Annenhof statt. Nach der Trauung zog das junge Paar nach St. Petersburg in eine Kronswohnung. — 427 — Bei seiner Versetzung im October 1837 nach dem Kaukasus musste von Wrangeil vorläufig Frau und Kinder der schlechten Jahreszeit wegen zurücklassen; erst im Sommer 1838 konnten sie nachreisen. Der Gattin wurde die Trennung von Mutter und Schwester sehr schwer; sie liess daher mit Bitten und Vorstellungen nicht eher nach, bis die alte liebevolle Mutter einwilligte, ihren Besitz zu verkaufen und mitzuziehen. Die Schwester des Oberst blieb in Livland zurück. Mitte Juli 1838 wurde die Keise angetreten und nach sechs Wochen Tiflis erreicht. Der Gatte befand sich auf einer Expedition gegen die Tscherkessen im Kaukasus, er ei'krankte hier, und erst nach einigen Wochen holte ihn seine Gemahlin von Suhumkalai ab. Die Mutter konnte aber das Klima und die veränderte Lebensweise nicht vertragen und stai'b bald. Im Spätherbst 1848 unternahm von Wrangells Gattin von Sehnsucht getrieben eine Keise nach St. Petersburg. Ihre kleinen Töchter, die sie mitgenommen, konnten indess das nordische Klima nicht vertragen. Eine weitere Keise machte sie, als ihr Gatte in der Krim stand, mit ihrer Tochter Helene nach Cherson, um dem Kriegsschauplatze näher zu sein. Als dann Waffenstillstand eintrat, benutzte sie diese Gelegenheit ihren Gatten wieder zu sehen und siedelte nach Feodosia über. Unterwegs kam ihr der Sohn entgegen, unter dessen Schutze sie die Reise vollendete. Die Generalin starb am 28. Juli 1861 zu Berlin. Ihre Leiche wurde aber nach Narwa gebracht und auf dem dortigen lutherischen Kirchhofe begraben. Während des elfjährigen Wittwenstandes des Generals wohnte seine Schwester wieder bei ihm. Der General Carl von Wrangeil hatte zwei Söhne, Anton Carl Nicolaus (38) und Carl Paul (41), sowie drei Töchter: 1. Helene Christine (39), geboren am 13. October 1836, war 1848 in St. Peters- burg sehr krank und lag drei Monate hoffnungslos. 1856 verlobte sie sich zu Feodosia in der Krim mit dem damaligen russischen Oberst Baron Eduard von Dellingshausen auf Tois in Jerven. Am 22. Juni 1856 feierten sie ihre Vermählung in Feodosia und leben beide 1887 in Riga mit drei Töchtern. Der Gemahl ist 1886 Corps-General des 3. Armee-Corps in Riga. 2. Anna (40), geboren am 27. October 1S32, stai'b am 6. December 1836, liegt in Narwa begraben. 3. Elisabeth (42), Lisinka genannt, geboren am 19. November 1839 im Kaukasus, starb am 13. December 1848 in St. Petersburg am Typhus; sie ist in Narwa begraben. 38. Anton Carl Nicolaus von Wrangeil, Baron zw Ludenliof, Sohn von Carl (30), wiu'de am 10. Mai 1830 in Annenhof bei Naiwa geboren und war ein Pathenkind des Kaisers Nicolaus I. Er kam 1845 in die Junkerschule zu St. Petersburg und wurde hier Offizier; als solchen nahm ihn sein Vater im Juli 1849 mit nach Kaukasien, wo er den spätem Kämpfen seines Vaters gegen die Tschei'kessen 54* — 428 — beiwohnte. So machte er auch die Schlacht bei Bayazet am 17. Juli 1854 unter seinem Vater mit und eroberte eine Fahne. Später wurde er als Courier mit der Nachricht der Einnahme von Bayazet zum Kaiser geschickt und erhielt für die genommene Fahne den Georgen-Orden IV. Klasse. Eigenhändig nahm Kaiser Nicolaus das Georgenkreuz seines Sohnes Alexander II. und gab es dem Lieutenant Nicolaus von "Wrangeil, wodurch es für ihn doppelten Werth hatte. Er starb am 5. April 1864. Im Jahre 1858 vermählte er sich mit Maria von Hehn. Tochter des Präsidenten des Cameralhofes in Grodno, und hatte mit derselben eine Tochter Marie (45), welche am 8. Mai 1862 geboren und im Alexander-Institut in Moskau erzogen wurde. 41. Carl Paul von Wrangeil, Baron zu Ludenliof, Sohn von Carl (30), wurde am 16. August 1834 geboren, kam 1845 in das Pauls-Corps zu St. Petersburg und verliess diese Stadt im Juli 1849, um mit dem Vater nach der Kr im zurückzugehen. Er wurde von einem ausländischen Lehrer unterrichtet und wollte sein Offizierexamen machen, als er in Taganrog an der dort herrschenden Bulir am 17. Juli 1853 starb. 14. George Gotthard Wilhelm von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Gotthard Wilhelm (7), wurde am 15. August 1772 geboren und starb am 17. Januar 1850 in St. Petersburg. Er trat in kaiserlich russische Militärdienste ein. Im Jahre 1833 war er Rittmeister und wurde auf dem livländischen Landtage zu Riga einstimmig zum Assessor nobilis im wendenschen Ober-Kirchenvorsteher-Amt erwählt, nachdem bereits am 11. Februar 1837 von der livländischen Gouvernements-Regierung angefragt worden war, ob derselbe in Vorschlag zu bringen sein und die Stellung annehmen würde. Baron George von Wrangell schied als Rittmeister aus dem Dienst, weil er das Gut Turneshof übernehmen wollte. Im Jahre 1844 finden wir ihn jedoch wieder als Zollbeamten in Liebau. Hier wird er auch als Inhaber der „Schnalle für fünfundzwanzig untadelhafte Dienstjahre" genannt. Er war vermählt mit Margarethe Helene Baroness von Ungern-Sternberg, geboren am 13. November 1779, Tochter des Hofgerichts-Assessors Freiherrn Wilhelm III. Friedrich von Ungern-Sternberg und Catharina Johanna Wilhelmine von Wiedow in deren zweiter Ehe. 1836 ward ihr eine Unterstützung aus der livländischen Ritterscliafts- Kasse zu theil. George hatte mit seiner Gattin folgende Kinder: 1. Anna Helene Wilhelmine (23), geboren am 17. December 1802, vermählt 1820 mit dem Ingenieur-Oberstlieutenant und Ritter Carl Eberhard von Bul- mering; sie lebte 1845 in St. Petersburg verwittwet. 2. Luise Julie Henriette (24), geboren am 18. December 1804, lebte 1833 in St. Petersburg bei Ihro Excellenz der Frau Senatorin Scliilitschew. 1840 — 429 wird sie auf ihr Gesuch um Aufnahme im fellinschen Fräuleinstift als Ex- spectantin am 2. November durch die livländische Ritterschaft notirt, da augenblicklich keine Vacanzen vorhanden waren. Erst 1847 wurde sie in dieses Stift aufgenommen. Sie starb daselbst 1849. 3. Helene Wilhelmine Antoinette (25), geboren am 26. Mai 1807, vermählt 1824 mit dem Lieutenant Lucian Abaewichs Michaeloff in Russland. 4. Auguste Alexandrine Wilhelmine (27), geboren am 8. März 1812, vermählt 1842 mit Nicolai von Scherffer in Woronesch, starb im August 1876. 26. Hermann Ferdinand Wilhelm Alexander von Wrangell, Baron zu Ludenhof, Sohn von George Gotthard Wilhelm (14), starb im August 1876 in Kaluga unverheirathet. 18. Moritz Johann von Wrangell, Baron zu Ludenhof, l ) Sohn von Gotthard Wilhelm (7), wurde am 11. November 1781 geboren auf Odenpäh, was vormals dem Reichsfeldherrn Carl Gustav Grafen von Wrangel (VI 6) gehörte, von demselben aber gegen Wrangeisburg bei Anclam vertauscht würde und so in die Hände seiner jüngern Brüder kam. 2 ) Schon als Knabe von fünf Jahren verlor er seinen Vater, der als Kreisrichter in Walk lebte. Seine Mutter, welche er bis zum Tode mit innigster Liebe verehrte, sorgte für seine Erziehung und brachte ihn schliesslich in das Haus des Kreismarschalls von Bock zu Woiseck. Er blieb hier zwei Jahre, wurde 1804 zur Wasser-Communications-Commission commandirt und dann zum Assessor beim pernauschen Landgericht zu Fellin erwählt. In den Kriegsjahren 1807 trat er in die Garde und übernahm 1808 die Secretariats- geschäfte bei der Vermessimgs-Revisions-Commission. 1812 trat er als Major wieder in die Reihen der freiwilligen Krieger und machte den französischen Feldzug im Kürassier- Regiment Ihro Kaiserlichen Majestät mit. 1816 nach dem Friedensschluss nahm er seinen Abschied und liess sich in Walk nieder, wo er von 1818 an das Amt eines Kirchspielrichters bekleidete. Daneben widmete er sich seiner Lieblingsbeschäftigung, der genealogischen Forschung. Er begann schon im Mai 1816 damit, alle vorhandenen Briefladen (Privatarchive) in seinem Bekanntenkreise sorgfältig zu durchsuchen und viele derselben, nach getroffener Auswahl, chronologisch zu ordnen und genau zu excerpiren. Im Frühjahr 1820 benutzte er die Sammlung genealogischer Nachrichten des verstorbenen Consistorial- Secretärs Hoffmann in Reval und des verstorbenen Herrn von Vegesack, des Herrn Con- rectors Brotze und Herrn Pastors von Bergmann zu Rujen, und setzte sich am 28. September 1822 in den Besitz der handschriftlichen Adelsgeschichte des verstorbenen Bürgermeisters Gadebusch, zwölf Quartbände umfassend, mit 172 Nummern der livländischen Adelsmatrikel. Seine Arbeiten auf diesem Gebiete fanden bald die gebührende Anerkennung. Schon 1821 wurde ihm der ehrenvolle Auftrag, das ganze Ritterschafts-Archiv zu ordnen, welches durch die Kriegsunruhen sehr in Unordnung gerathen war. Nach mehrjährigem !) Inland. Wochenschrift Liv-, Estli- und Kurlands von Bunge, 7. Jahrg. 1842, Nr. 3, pag. 268. 2 ) Siehe Lehensbeschreibung des Feldmarschalls Hermannn des jüngern Tab. YI 2. 430 — Fleiss gelang es ihm, diese grosse Arbeit zu dankbarer Anerkennung seiner Mitbrüder zu vollenden. Die Gelegenheit, aus dem Archive alles auf die Geschichte und Genealogie der livländisclien adligen Familien Bezügliche ausziehen zu können und für sich zu bemerken, nutzte er aufs beste aus. Er visitirte alle vaterländischen öffentlichen Archive, soviel Gutsbriefladen, als ihm zugänglich waren, excerpirte Kirchenbücher und sammelte auf diese Weise einen Schatz von adelsgeschichtlichen Notizen, welcher ihn in den Stand setzte, die Genealogien aller Iivländisehen adligen Familien mit Genauigkeit von der frühesten bis auf die gegenwärtige Zeit anzufertigen. Hierbei kam ihm namentlich ein obrigkeitlicher Erlass vom 29. Januar 1834, laut welchem sämmtliche immatrikulirte adlige Familien Livlands zur Einsendung von Nachrichten aufgefordert wurden, sehr zu statten. Während er noch hiermit beschäftigt war, hatte er die ehrenvolle Genugthuung, seine Bestrebungen von seiten der esthländischen Bitterschaft dergestalt berücksichtigt zu sehen, dass sie aus einem von ihm über 104 Nummern aufgestellten Verzeichnisse sechzig Hefte ihrer Auswahl würdigte und über deren Mittheilung, vorbehaltlich seines Eigenthumsrechts, am 15. Mai 1833 eine Convention mit von Wrangeil traf, welche bereits im September 1835 ein gedeihliches Ziel erreicht hatte. Im darauf folgenden Jahre gab Moritz eine bei Wilhelm Ferdinand Hacker zu Eiga gedruckte kleine Broschüre über seine Sammlung geschichtlicher Notizen, den Adel in Livland betreffend, heraus. Nach derselben besteht die ganze Sammlung aus 300 Heften und behandelt 355 Nummern der livländischen Adelsmatrikel bis zum Jahre 1830, nach den vier Perioden der Landesgeschichte geordnet. Jedes Heft bildet ein für sich bestehendes Ganzes und enthält: 1. Genealogische Tabellen mit vorangestellter Uebersicht derselben nach den verschiedenen Häusern, auf welchen ausser den vollständigen Anzeigen des Güterbesitzes sowie der Wappen auch noch die Beweise und Quellen sowohl hinsichtlich der Filiation als auch der angeführten Lebensumstände einzelner Glieder solcher Familien durch numerirte Anmerkungen bezeichnet sind. 2. Nachricht über Herkunft, Alter u. s. w., mündliche und schriftliche Ueber- lieferungen und Aufzählung der damals (1830) lebenden Glieder. 3. Nachweisungen zu den Beweisen und Quellen, chronologisch geordnet, mit Anführung des kurzen Inhalts der Urkunden sowie des Orts, wo selbige 1830 zu finden waren oder von dem Verfasser angetroffen wimden, soweit ausgeführt, als dies die jedesmaligen Materialien erlaubt hatten. 4. Alphabetisches Begister sämmtlicher dem Sammler bis zum Jahre 1830 bekannt gewordenen Personen solcher Familien mit Hinweisung auf die obigen Tabellen oder, wo sich das nicht thun liess, mit genauer Anzeige der Urkunden oder Denkmäler aller Art, wo selbige vorkommen. Aus dem Leben von Moritz von Wrangeil ist noch als besonders bemer- kenswerth nachzuholen, dass er 1826 als Begleiter des Landesmarschalls zur Krönung des Kaisers Nicolaus nach Moskau delegirt wurde. 431 — Im Jahre 1832 wurde er Mitglied der Vermessungs-Regulirungs-Commission und 1838 Mitglied der Reorganisations-Commission der Reichs-Domänen, in welchen Stellungen er theils in St. Petersburg theils in Riga mit den verschiedenartigsten Arbeiten überhäuft war, unter deren Last seine kräftige Natur erlag. Er starb zu Walk am 8. Juni 1842 als Oollegienrath. Am 7. Juli 1815 hatte er sich mit Barbara Caroline von Wrangel aus dem Hause Maydel 1 ), Tochter von Georg Ludwig Baron von Wrangel auf Maydel (XIV 38) und Anna Eleonore von Krüdner, vermählt. Sie war geboren am 19. September 1784 und verstarb am 8. Juni 1867. Am 16. December 1842 bewilligte der livländische Landtag in Riga der Wittwe eine jährliche lebenslängliche Pension von 300 Silberrubeln vom Todestage ihres Ehemannes an aus der livländischen Ritterkasse. Moritz hatte folgende Kinder: Georg Gotthard Moritz Ernst (33), Anton Ludwig Gotthard Wilhelm Victor August (35), Gotthard Wilhelm Geron Hermann (36), Nicolaus Georg Gotthard Carl (37) und eine Tochter: Anna Agnes Caroline (34), welche am 21. November 1817 geboren war und am (14.) 26. März 1885 in Walk unverheiratliet starb. 33. Georg Gotthard Moritz Ernst von Wrangeil, Baron zu Lndenliof, Sohn von Moritz Johann (18), geboren am 15. Juni 1816 auf Scliloss Lude 2 ), trat 1830 als Kadet ins zweite Kadetten-Corps; 1834 war er Offizier im St. Petersburger Ulanen- Regiment; 1835 wurde er in das Apscharonsche Infanterie-Regiment versetzt und von 1837 bis 1838 zur reitenden Artillerie commandirt; 1841 war er Stabs-Rittmeister im Ulanen-Regiment; 1843 versetzte man ihn auf seine Bitte als Stabs-Kapitän ins Abodo- ranska-Regiment im Kaukasus, worauf er für Auszeichnung im Kampfe gegen die Bergvölker im Kaukasus 1844 zum Kapitän avancirte; 1845 wurde er ins Eriwansche Cara- binier-Regiment des Thronfolgers übergeführt. Moritz machte folgende Feldzüge mit: 1843 zeichnete er sich in der ersten Campagne nach Avarien gegen die Bergvölker von <• Timir Chan Schura und Dargo aus, und war am 29. August in dem Kampfe der Russen gegen eine grosse Uebermacht des Feindes unter Anführung Schamiis bei Usunkul zugegen; ferner machte er die Expedition nach Dargo, 1844 die Expedition nach Ernely, wie auch die unter General Lüders in der Daghestanschen Abtheilung unter General Passek mit, wobei der glänzende Sieg der Russen über grosse Massen Bergvölker auf den Pa- raulskischen Höhen errungen ward. Im Jahre 1844 erhielt Moritz für ausgezeichnete Tapferkeit bei der naradogschen Brücke den St. Annen-Orden ni. Klasse mit dem Bande. 1845 ist er in der fliegenden Snlakschen Abtheilung, später in der Armee des Fürsten Bebutow in der Eugenschen Befestigung in der Abtheilung des Generals Woronzow unter Passek; am 12. Juli betheiligte er sich an der Schlacht bei Dargo. Für Tapferkeit erhielt er den St. Wladimir-Orden IV. Klasse mit dem Bande. 1S45 ist er Adjutant beim Fürsten Gortschakow in Sibirien mit Ueberführung in das St. Petersburger Ulanen-Regiment. Für Auszeichnung im Dienste 1) K.-B. Luggenliuseii. 2) K.-B. Lude. — 432 — avancirte er am 16. Juni 1846 zum Major und am 18. Januar 1848 zum Chef der Grossen Kirgisen-Horde und erbaute das Fort Kopal au der chinesischen Grenze; 1851 wird er als Gehilfe des Präses der Grenz-Commisson nach Orenburg übergeführt. Er wurde vom Ministerium des Auswärtigen beauftragt, in Kuldscha und Tschugutschak in China russische Factoreien anzulegen; infolge dessen wurde er vom Ministerium nach St. Petersburg beordert und 1853 vom orenburgschen General - Gouverneur Per- vosky dorthin gesandt, um über seine Thätigkeit in China zu berichten. Für die gute Ausführung dieses Auftrages wurde er zum Oberstlieutenant befördert und erhielt den St. Annen-Orden II. Klasse. 1854 wurde er zur Befestigung Uralsk und zweimal nach Fort Perowski abcommandirt, erhielt für ausgezeichnete Führung der dortigen Geschäfte den St. Stanislaus-Orden II. Klasse mit der Krone. Darauf wird er 1857 nochmals nach Baku zur Verhandlung mit den Kirgisen abcommandirt. 1858 avancirte er zum Oberst, nahm seinen Abschied und ging darauf nach Baku, wo er bis 1860 blieb. 1862 kehrte er nach Livland zurück und trat wieder in Kronendienst zurück. 1862 wurde er ins Ministerium der Finanzen versetzt, 1864 zum Staatsrath und Kreischef des reval- schen Zollbezirks ernannt, 1867 zum wirklichen Staatsrath und Mitglied des Staatsraths befördert. 1870 erfolgte seine Versetzung nach Warschau und 1871 seine Ernennung zum Geheimen Rath. 1876 nahm er seinen Abschied und zog auf sein Gut Soor im Kirchspiel Lude in Livland. Von Moritz von Wrangeil wird uns noch berichtet, dass er als Knabe viel auf Kersel, einem Gute seines Onkels, des Landraths von Bock, lebte und die dortige Gesellschaft durch seine humoristischen Unterhaltungen, indem er oft auf einen Stuhl steigend belustigende Reden hielt, amüsirte. Er machte viele Reisen, und ist namentlich sein zweijähriger Aufenthalt in der Horde des grossen Kirgis-Kosakenstammes in der Nähe des Alataugebirges zu erwähnen. Dort traf er auch gegen Ende September 1848 mit dem berühmten englischen Aquarellmaler Anderson zusammen, mit dem er sehr befreundet wurde. Dieser Künstler war besonders Landschaftsmaler und stellte in kurzer Zeit die trefflichsten Bilder aus den malerischen Ansichten des Alataugebirges und seiner herrlichen Thäler und Schluchten dar. Beide Europäer hatten nach Brauch und dortiger Sitte sich jeder eine Filzjurte besorgt. 1 ) Hier war es, wo dem Landschaftsmaler ein Sohn geboren ward, welchen Moritz Baron von Wrangeil in Ermangelung eines Predigers taufte und ihm den Namen „Alatau Tamtschi Bulak" gab. Alatau heisst in der Wüstensprache: „bunter Berg" und Tamtschi Bulak: „Tropfquell". Ferner machte auch hier unser Baron von Wrang eil die Bekanntschaft eines vornehmen und reichen Sultans, was soviel wie Stammeshäuptling bedeutet, mit Namen Rüstern Effendiarow, eines Greises von mein 1 als achtzig Jahren, dessen ehrwürdiges Antlitz das Gepräge schwerer Seelenleiden verrieth. Dieses, Avie auch besonders sein verständig stilles Wesen zog unsern Baron von Wrangeil an und er suchte die Freundschaft und das *) Diese Jurten halten Regen und Wind vollkommen ah, müssen aber wegen der plötzlichen Sturmwinde stets verpfählt sein. Den Fusshoden decken dicke Teppiche, die mit Benutzung von Matratzen zur Schlafstelle dienen. In der Mitte der Jurte befindet sich eine Grube, in welcher, so oft es erforderlich ist, Feuer angemacht wird, dessen Rauch durch eine in der Decke der Jurte befindliche verschliessbare Oeffnung abzieht. — 433 — Vertrauen dieses Mannes zn gewinnen, was ihm auch gelang, so dass der edle Greis ihm seihst die tiefsten Geheimnisse seines Herzens mittheilte. Am 13. Juni 1850 heirathete Baron Moritz Elisabeth von Smitten, Tochter des Landraths Conrad von Smitten. Moritz starb am 25. November 1878 an einem Lungenleiden in dem von ihm gekauften Soor. Er hatte einen Sohn (44) und eine Tochter Elisabeth Caroline Auguste (43), geboren am 19. November 1S52, welche als Kind starb. 44. Moritz Conrad Christoph von Wrangeil, Baron zu Ludenhof, Sohn von Georg Gotthard Moritz (33), wurde am 23. September 1856 in Orenburg geboren; er besuchte von 1866 bis 1869 eine Privatschule in Reval, von 1870 bis 1872 war er im sechsten Gymnasium zu Warschau; 1872 kam er in die Erziehungsanstalt Birkenruh bei Wenden in Livland; 1875 betrat er die Universität Dorpat, wo er sich 1877 den Grad eines Candidaten der Oeconomie erwarb; 1878 nahm er sein väterliches Gut Soor bei Walk in Livland in Besitz und besass ausserdem das Schloss Trikaten bei Riga. Er wurde 1880 Kirchspielvorsteher des ludeschen Kirchspiels. Geistreich, begabt, voll Energie und klarem Urtheil, rastlos thätig, berechtigte er zu den schönsten Hoffnungen, die leider ein allzufrüher Tod vernichtete. Am 17. Decem- ber 1882 wurde er durch ein jähes Ende dem blühendsten Leben und den glücklichsten Familienverhältnissen entrissen. Er hatte eine mit Dampfkraft arbeitende Häckselmaschine aufstellen lassen und legte, um dieselbe in Gang zu bringen, selbst mit Hand an. Hierbei kam er in das Getriebe und verlor den rechten Arm, der ihm kurz an der Schulter vom Rumpfe getrennt wurde. Trotz der furchtbarsten Schmerzen kam kein Klagelaut über seine Lippen; er war nur darauf bedacht, dass seine junge Gattin in der schonendsten Weise von seinem Unglück Nachricht erhielt. Heldenmüthig ertrug er alle Schmerzen, von denen ihn nach 15 Stunden der Tod erlöste. Moritz Baron von Wrang eil ver heirathete sich am 6. August 1881 mit Elisabeth von Löwis of Menar, geboren am 4. Januar 1861, Tochter des Landraths Oskar Conrad Gustav Woldemar von Löwis of Menar auf Sackhof und Marie Julianne Caroline Hermine von Wrangel (XIV 55) aus dem Hause Maydel, und wurde ihm nach seinem Tode ein Sohn (46) geboren. 4G. Moritz Benvenuto von Wrangell, Baron zn Ludenliof, Sohn von Moritz Conrad (44), winde am 23. Februar 1883 in Reval geboren. Auf ihm beruht das Fortbestehen des Hauses Turneshof und Soor sowie Lude und speciell der livländischen Wrangells. 35. Anton Ludwig Gotthard Wilhelm Victor August von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Sohn von Moritz Johann (18), geboren am 4. August 1819, x ) trat im October 1833 ins adlige Kadetten-Corps zu St. Petersburg ein, wurde 1837 Fähnrich, kam 1842 als Corps- i) K.-B. Lude. — 434 — Offizier in dasselbe adlige Kadetten-Corps (adlige Regiment genannt), liess sich von dort in das Eriwansche Leib-Carabinier-Regiment des Thronfolgers überführen und wurde als Major und Commandern- des 2. Bataillons am 17. September 1855 beim Stimme auf Kars so schwer verwundet, dass er am 8. October nach schmerzvollem Lager in Alexan- dropol starb, wo er auch am 10. October beerdigt wurde. 36. Gotthard Wilhelm Geron Hermann von Wrangell, Baron zu Ludenliof, Sohn von Moritz Johann (18), (Geron, alias Gotthard) wurde am 11. Februar 1821') geboren und trat 1835 in das adlige Kadetten - Corps in St. Petersburg ein, wo er „Gotthard" genannt wurde. Nachdem sein Vater für ihn das Sustentations-Zeugniss zum Cavalleriedienst am 19. Januar 1838 erhalten, wurde er am 8. August 1839 als Fähnrich in das Grenadier-Regiment des Kaisers Franz I. von Oesterreich, welches damals in Jamburg stand, entlassen. 1843 liess er sich jit das Eriwansche Carabinier-Re- giment des Thronfolgers überführen, zugleich mit seinem jüngsten Bruder Nicolai (37), der als Junker mit ihm im Regiment diente und mit ihm nach Grusien ging. Er machte unter dem Fürsten Woronzow verschiedene Expeditionen gegen die Bergvölker, sowie den Krieg gegen die Türken mit und wurde als Bataillons -Commandern- am 19. November 1853 in der Schlacht bei Bäsch Kadiklar schwer verwundet. Ihm wurde für Tapferkeit der St. Georg-Orden IV. Klasse verliehen. Beim Sturm auf Kars 1855, an welchem er sich als Bataillons-Commandeur betheiligte, erhielt er eine Contusion. 1860 wurde er Regiments-Commandeur und stand in Layodechi. bis er im Januar 1864 zum Generalmajor avancirte. Auf einer zur Kräftigung seiner durch die Verwundungen sehr geschädigten Gesundheit unternommenen Reise vom Kaukasus nach Walk in Livland starb er am 2. Mai 1864 in Moskau. Am 6. October 1857 vermählte er sich mit Thekla von Bulmering, Tochter des Generallieutenants der Wasser-Communication Carl Eberhard von Bulmering und Anna Helene AVilhelmine von Wrangell (VIIIA 23). 37. Georg Gotthard Nicolai Carl von Wrangell, Baron zu Lndenhof, Sohn von Moritz Johann (18), geboren am 16. September 1826. 3 ) Er trat am 19. September 1842 als Junker ins Grenadier-Regiment Kaiser Franz I. ein und wurde 1843 mit seinem Bruder Geron (36) ins Eriwansche Carabinier-Regiment nach Grusien übergeführt. Sodann 1847 Fähnrich, mit einem Patent vom 8. Juli 1844 wurde er 1S53 in das Muster- Regiment nach Pawlowsk übergeführt, musste von dort in der Krim eingeübte Rekruten zu den Kosaken in den Kaukasus begleiten, wurde 1S64 ins Muromsche Regiment in Plotzk übergeführt, erkrankte aber auf der Rückreise in Pultawa am Typhus und starb am 6. (18.) Januar 1872 an der Schwindsucht als Oberstlieutenant in Plotzk, wo er die Scharfschützen des Regiments commandirte. Er hatte verschiedene Orden und Medaillen. 1) K.-B. Lude. 2) K.-B. Lude. Tabelle IX. (Bei von Toll Tabelle D.) Die Familie von Wrangeil aus dem Hause Lagena. (1772 in die livländisehe Matrikel unter Nr. XLI eingetragen; seit 1855 freiherrlich.) Vorbemerkung. In der schwedischen Genealogie, bei Moritz von Wrangell Urkunden-Sammlung II Nr. 58, in dessen Archiv 130, pag. 137, und in dessen Tabellen, ebenso bei Friedrich von Toll in dessen Stammtafeln (in den liv- und esthländischen Kitterschafts-Archiven befindlich) wird Reinhold von Wrangel, den wir als Stammvater des Hauses Lagena betrachten, als der Sohn von Hermann von Wrangel (III 21) auf Ellistfer und der Elisabeth von Taube angegeben. Dieser Hermann hat nun allerdings einen Sohn mit Namen Reinhold gehabt, über denselben berichtet aber Gadebusch, dass er als schwedischer Kapitän am 6. September 1634 bei Nördlingen gefallen sei. Dies wird uns in den Akten des Obergerichts in Reval, Convolut 265 Nr. 15, vom dörptsehen Hofgericht auch insofern bestätigt, als dort Reinhold von Wrangel am 5. Februar 1639 als gestorben bezeichnet wird. Von Reinhold, dem Stammvater des Hauses Lagena, wissen wir aber, dass er erst Ende Mai 1654 gestorben ist, demnach mit obigem Reinhold nicht identisch sein kann. Der Umstand, dass der Stammvater des Hauses Lagena das Gut Annickfer besass, liess nun vermutlien, dass dieser in Beziehungen zu Heinrich von Wrangel (IT A 55), dem 1561 genanntes Gut gehörte, stände. Es wurden nach dieser Seite hin Nachforschungen angestellt, deren Ergebniss die Auffindung einer die Familie von Lode aus dem Hause Harm und Pachel betreffende Ahnentafel durch Herrn Ritterschafts- Secretär Harold Baron von Toll in Reval war. Dieselbe stammte aus dem 17. Jahrhundert und lautet der hier interessirende Theil folgendermassen: „Reinhold von Wrangel auf Annigfer und Lagena, Oberst (verheirathet mit Frau Elisabeth Dorothea 436 — geborene von Hastfer), ein Sohn des Hindrich von Wrangel (IIA 55) auf Annigfer und seiner Ehefrau Anna von Taube von Neygenhoff." Dieser Hindrich stammt aber wieder ab von Reinhold von Wrangel auf Annigfer (H A 47) und der Frau Ann a von. Drolhagen (Drolshagen), Anna von Taube aber von Robert Thup von Neygenhoff und dessen Frau Hedwig von Drolshagen. Nach sorgfältiger Erwägung der uns bekannten verwandtschaftlichen Verhältnisse Reinholds, des Stammvaters des Hauses Lagena, lag kein Grund vor, die Richtigkeit obiger Angaben noch irgendwie in Frage zu stellen und beginnen wir daher vorliegende Tabelle IX mit 1. Reinhold von Wrangeil (II A 61), Sohn von Heinrich (Hindrich) (II A 55) und Anna von Taube. Er war etwa 1600 geboren und Herr von Newenhofen, Lagena bei Narwa, Annickfer und besass drei Hausplätze in Narwa; 1613 studirte er und trat dann in schwedische Kriegsdienste, in welchen er am 4. August 1633 Kapitän wurde und 1635 bereits Oberst über ein Regiment karelischer Knechte in Südermanland ist, welches Regiment den Namen „Wrangel" führte. Im Jahre 1639 erhielt er den Auftrag, am 31. März mit fünfzig Reitern die holsteinische Gesandtschaft (Olearius), welche von dem Sultan voif Persien zurückkehrte, vor Narwa zu empfangen. 1 ) Vom Jahre 1643 ab bekleidet er die Stellung eines Vice-Commandanten von Narwa, als welcher er im Mai 1654 starb. Im Jahre 1623 besass er das Gut Newenhoff (Neuenhof, Neyenhof, Newenhofen) wiederkaufsweise von Robrecht von Taube, dessen Schwestersohn er war. Als Reinhold aus dem Kriege nach Esthland zurückkehrte, wollte er genannten Hof nebst dem Gut übernehmen; Robrecht von Taube, erbgesessen zu Maart und schwedischer Landrath, hatte aber das Erbgut und den Hof Newenhoff seinem Schwager, dem schwedischen Oberst. Johann von Rechenberg, erblich verkauft, wozu nun indessen Reinhold von Wrang eil d. d. Reval den 16. Januar 1623 seine Einwilligung ertheilte und 500 Reichsthaler Abfindung erhielt. Am 4. August 1623 kaufte der Kapitän Reinhold von Wrangeil vom Oberst Johann von Rechenberg das Dorf Uddrias (Uddars) in Allentaken, zwei Meilen von Narwa, mit 22 Vj Haken für 4667 Thaler species. Schon 1630 hatte König Gustav Adolf von Schweden in Rybnik bestimmt, unter adliger Freiheit und Rittermannsdienst dem Reinhold von Wrangell Lagena mit Zubehör als ein Eigenthum zu verkaufen. Dieses hatte sich aber durch den Feldzug und den Tod des Königs hingezogen und erst dessen Tochter Christine brachte diese Bestimmung zur Ausführung. Am 9. April 1635 verkaufte sie dem Oberst Reinhold von Wrangell zu Annickfer das Krondorf Lagena (Laakna) nebst dem Strandbauer Merekylla Pauss einen halben Haken im Gebiete Narwa mit zusammen sechs und einen halben Haken für 1000 Reichsthaler species, die Reinhold in der königlichen Rentkammer zu Schloss Riga entrichtet. 2 ) Sodann wird ihm am 18. September 1637 von der Königin das Dorf 1) Gesell, der Stadt Narwa pag. 25 (von Hausen 1858 Dorpat). 2 ) Archiv Oherlandgericlit Reval, Convolut 265, Nr. 15. — 437 — Mustajocki (Must'ajöggi, Mustigeji) von zwei Haken im Gebiet Narwa donirt. Dieses Dorf war schon früher durch Donationen der Könige von Schweden im Besitz der Vorfahren des Reinhold von Wrangeil, die auch den vollständigen Genuss des Dorfes hatten. Unter dem 4. April 1647 wird für alle Güter, die er 1035 und 1637 erhalten, die königliche Confirmation ertlieilt. Am 22. August 1640 verglich sich der Oberst Reinhold von Wrangeil mit seinen Schwägerinnen Brita Wildemann und Ebba Wildemann (Willmann) brüderlich und schwesterlich. Auf Reinhold von Wrangells „lieben Kindes Muttertheil" fielen folgende Güter: im Kirchspiel Borgä: Boogärd von vier Skatt und vier Mantal; Söderwärkosk von vier Skatt, zwölf Ellen und acht Mantal; Sillwyk von zwei Skatt und zwei Mantal;, Swartzää mit einem Skatt und zwei Mantal; Uplabbas mit einem halben Skatt und zwei Mantal; Honnuannas mit einem Skatt und einem Mantal; im Kirchspiel Sibbo: Box und Hinsby mit einem Skatt und zwei Mantal; Wiek st er by mit Tärbacka mit zwei Skatt, vier Ellen und drei Mantal; im Kirchspiel Pyttis: Björnwyk mit einem halben Skatt und einem Mantal. Im ganzen erhielt Reinhold von Wrangeil hierdurch sechzehn Skatt. sechzehn Ellen und vierundzwanzig Mantal. Nachdem die Geschwister Willmann auch ihr Theil erhalten, wurden noch viele Pfandgüter unter die sämmtliclien Geschwister getheilt und geordnet, so dass auf Reinhold von Wrangells Theil noch im Kirchspiel Pyttis fielen: Stockforss mit 8 Thalern 24 Oere Rente und Bäckby mit 12 Thalern 23 Oere. Ferner blieb vorbehalten: Ebba Willmann und Reinliold von Wrang eil der Theil, den sie nach Verzichtleistung der Brita Willmann wieder bekommen, nämlich Ebba Willmann zwei und eine halbe Elle und Reinhold eine Elle. Wegen Ungleichheit der Rossdienste in den Erbtlieilen übernahm der Oberst Reinliold von Wrangeil das dritte Pferd, welchem allein ein halbes Skatt von oben benannten Gütern in Björnwyck zugefallen, und für ihre übrigen Freigüter blieb ein jeder ohnedies verantwortlich. Das, Steinhaus zu Tinsterbyliof behielt Reinhold von Wrangells Schwägerin Ebba Willmann und bezahlte an jenen 800 Kupfermünzen oder 400 Thaler schwedische Silbermünzen. 1 ) Am 9. October 1640 unterschreibt und untersiegelt Reinhold von Wrangeil eine Vollmacht für den königlichen Buchhalter zu Abo, „in seinem Namen gütlich oder gerichtlich mit der Frau Anna von Schneckenbergh wegen einer Forderungssache zu verhandeln". Das Siegel zeigt die Mauer auf beiden Flügeln und links und rechts der letzteren befinden sich die Buchstaben R. W. Am 5. März 1642 legte er Protest ein wegen seines rechtlichen Anspruches an das Gut und den Hof Maart, den er durch den Landrath Robert von Taube, seiner Mutter Bruder, erworben. Letzterer hatte die Besitzung Maart vor einigen Jahren dem Hans von Taube von Hallinap aufgetragen und wiederholt solches am 12. September 1642 nochmals dem Gouverneur gegenüber. Oberst Reinhold von Wrangeil war wegen seiner Grenzen von Annickfer im Zweifel und begab sich daher am 22. Juli 1642 mit einem Zeugen vor das jerwisclie und !) Hackers Brief!. — 438 — "wirisclie Manngericht und bat, diesen Zeugen zu verhören, „was ihm eigentlich wegen des Stückes Acker auf dem Kabschen Berge wissend wäre und ob dasselbe nach Annickfer gehörig sei''. Der Zeuge bejahte letzteres und bestätigte die Grenzen. 1 ) Im Jahre 1644 (schon zu Lage na) führte er wegen der Nachlassenschaft des Landraths Bobert von Taube mit dessen Wittwe Anna geborne von Fersen einen Prozess, infolge des Testaments genannten Landraths, „seines Oheims". 2 ) Am 6. August 1646 urtheilte das jerwisch-wirisclie Manngericht in der Klagesache des Oberstlieutenants Reinhold von Wrangell gegen den Oberst Johann Moritz von Wrangel (VI 7) wegen eines streitigen Stück Landes, Kerrekunda genannt, da es fraglich war, ob dieses Stück zum Dorfe Mustigeji oder zu Wasahof gehöre. 1647 wird uns der Oberst Reinhold von Wrangell als „Erbsass zu Lagena und Annickfer" genannt, als er mit seinem Schwager Johann von Hastfer zu Kattentack und Sack vor dem Manngericht in Wirland und Jerwen am 1. Juli mit einem Kaufbrief erscheint und die „Auftracht" von demselben erbittet. In diesem Kaufbrief verkauft der genannte von Hastfer dem Oberst Reinhold von Wrangell sein Part, das halbe Dorf Wayfer nebst den beiden Haken zu Alten-Wayfer mit Pertinenzien und Zubehör im Gebiete Narwa für 3000 Reichsthaler. Am 26. Mai 1654 wurde noch vom Manngericht in einer Grenzsache entschieden, die der Oberst Reinhold von Wrangell zu Lagena wider den Bürgermeister Poppelmann zu Narwa wegen des Gesindes Thuls hatte. Noch in demselben Jahre starb aber der Oberst Reinhold von Wrangell (begraben am 3. Juni). Am 25. October 1654 entschied das Manngericht in Grenzsachen des Jacob Mack Duvall zu Saggad wider den Landrath Reinhold Metztaken zu Palms etc. und des Obersten Reinhold von Wrangells Wittwe zu Annickfer, deren Stiefsohn Arffwidt (Arvid) von Wrangell die Brieflade des Gutes nach Finnland mitgenommen hatte. Der Oberst Reinhold von Wrangell war zweimal verheiratliet: a) mit Catharina von Willmann (nobilitirt Wildemann), Tochter des Statthalters zu Nystatt Arvid Tönnesson von Wildemann und der Anna Hansdotter Björmann; wahrscheinlich 1639 gestorben; sie war Erbfrau der Güter Bogand und Kelgola in Finnland; b) vor 1640 mit Elisabeth Dorothea von Hastfer, Schwester des Johann von Hastfer zu Kattentack und Sack und Tochter des von Hastfer zu Waywar (Wayfer); sie starb 1675. Aus diesen beiden Ehen stammten vier Söhne und eine Tochter und zwar aus der ersten Ehe: Heinrich (2), Arvid oder Ehrfried (3) und eine Tochter (4), die mit dem Hauptmann Dietrich von Lode vermählt war. Aus der zweiten Ehe: Bernhard Johann (5) und Reinhold (6). Im Jahre 1662 den 14. Februar fand ein Vergleich unter den Erben des Oberst Reinhold von Wrangell statt, da die Wittwe Elisabeth Dorothea von Hastfer noch lebte und der Stiefsohn derselben, Arvid von Wrangell, inzwischen gestorben war. Vor allem wurde hierbei an dem väterlichen Testament festgehalten, wonach dem Sohne Reinhold Lagena und Wayfer zufiel und Arvid von Wrangell Annick- !) von Toll, Regesten. 2) von Toll. Biiefl. II, Nr. 514, 519. — 439 — fer sowie das von seiner seligen Mutter ererbte Gut Borgärth im borgäsclien Kirchspiel in Finnland, ancli Kellola bei Wyborg erhalten hatte. Der dritte Bruder Bernhard Johann von Wrang eil, welcher sich in Kriegsdiensten befand, war mit Theilen im Gute Anniekfer, Metzekul undWiewekund abgefunden worden. Bei dieser Theilung trat letzterer sein Theil dem Bruder Reinhold von Wrangeil ab, wogegen dieser wieder dem altern Bruder Bernhard Johann das väterliche Erbgut und Dorf Wayfer übergab. Die Wittwe hatte durch das Testament ihres Ehegatten, des Oberst Reinhold von Wrangeil, ein Leibgedinge ausgesetzt erhalten, welches sie aber bei der jetzigen Theilung freiwillig aufgab, dagegen von ihren beiden Söhnen ein Deputat ausgesetzt erhielt, welches in drei Last Roggen, drei Last Gerste, einer Last Hafer und einer Tonne Butter bestand. Ausserdem erhielt sie nach Abtragung aller Schulden die übrig gebliebene Baarschaft mit Abzug von 2000 Reichsthalern, welche auf dem Dorfe Salle wall zum Besten der Söhne verblieben. Die zwei Haken Landes von Metzekul und Wiewekund (Wehekunda) erhielt Reinhold von Wrangell, sein Bruder Bernhard Johann behielt sich dagegen mehrere Gerechtsame von den Besitzern des Gutes Lagena mit dem Dorfe Uddrias, der alten Hoflage Waiwara mit Ausschluss des halben Dorfes Gross-Waiwara vor. 1672 verkauft Reinhold der Jüngere das Dorf Mustejöggi mit zwei Haken sammt den Dörfern Metzekul und Wehekunda mit zwei Haken, Türsell mit ein und einem halben Haken, Perritz mit vier und einem halben Haken flu 1 3500 Reichsthaler seinem Bruder Bernd Johann von Wrangell. Von den väterlichen drei Hausplätzen zuNarwa erhielt die Wittwe einen Sitz, die beiden andern behielten die beiden Söhne zu gleichen Theilen nach dem Taxwerth. In die in Finnland belegenen Güter, als Bogärd im Kirchspiele Borgä mit sechzehn Skatt Landes und in das Gut Kelkola im Wyborgschen theilten sich die Brüder. Die Stiefschwester erhielt am 14. Februar 1667 1000 Reichsthaler als Totalabfindung. 2. Heinrich von Wrangell, Sohn von Reinhold (1), blieb 1646 in der Schlacht bei Bregenz als schwedischer Hauptmann. ] ) 8. Arvid (Ehrfried) von Wrangell, Sohn von Reinhold (1), hatte beim Tode des Vaters Anniekfer im hallielschen Kirchspiel in Esthland, sowie Bogärd und Kellola bei Wyburg geerbt, welche letzteren beiden Güter von der Mutter herstammten. Ueber sein Lebensende wird uns folgendes berichtet: Etwa im Mai 1654 kam er ungebeten in den Hof des Christian Grönfeld in Nöllupbreesse, trieb dort allerlei Unfug und versuchte selbst den Grönfeld mit der Schusswaffe anzugreifen, was jedoch ein Fähnrich verhinderte. Da alle Vorstellungen wegen seines Benehmens nichts halfen, so lockte Grönfeld ihn auf sein Zimmer und forderte ihn auf, den nächsten Tag zu Pferde *) Pufendorf, rer. succ. üb. 18, Nr. 32 p. 440 — und mit Pistolen sich zu stellen, von Wrangeil ward hierbei durch einen Schuss in den Schenkel schwer verwundet und starb nach 24 Wochen im October; er lag am 25. October 1654 noch unbegraben. Grönfeld begab sich auf die Flucht, bat aber schon am 18. Juni 1655 um Begnadigung und Rückkehr. 6. Reiiihold von Wrangeil, 0 Sohn von Reinhold (1), ist 1671 Fähnrich, bald darauf Lieutenant 2 ) und in demselben Jahre noch wirischer Hakenrichter. 3 ) Am 14. Februar 1662 hatte er mit seinem Bruder Behrend Johann einen Vergleich wegen der ererbten Güter abgeschlossen. Hiernach begab sich Reinhold von Wrang eil freiwillig und wohlbedächtig aller Rechte und Beneficien und untersiegelte diesen Vergleich. Ausserdem war eine Bedenkfrist von einem Jahre festgesetzt worden. Johann Behrend von Wrangeil hatte nach dieser Zeit 400 Reichsthaler nebst Zinsen an seinen Bruder Reinhold zu zahlen, welches ersterer aber nicht inne hielt, so dass letzterer sich veranlasst fand, am 18. März 1668 eine Klage gegen seinen Bruder Johann Behrend zu erheben, die vom königlichen Oberlandesgericht dahin entschieden wurde, dass der Beklagte die 400 Thaler nebst Zinsen zu bezahlen habe. Ausserdem hatten sich beide Brüder in die finnischen Güter theilen wollen, konnten jedoch nicht einig werden. Hiermit liess sich aber das Oberlandesgericht nicht ein und gab ihnen ihre Papiere zurück. Im Jahre 1664 wurde Reinhold von Wrangeil wegen der Zuständigkeit des Gesindes Rootzipeh und der Mühle Owandes von dem Major Jacob Mack von Duvall verklagt. Da aber letzterer in gebührender Frist diese Mühle „beigesprochen", so ward ihm vom Oberlandgericht zu Reval, weil auch die Mutter des Reinhold solche angeboten erhalten, eine Einigung am 28. März freigestellt. Im darauf folgenden Jahr drang Reinhold von Wrang eil einem Urtheil von 1642 zuwider auf eigenmächtige Weise in die wollialischen Grenzen und schlug hier eine ansehnliche Quantität Holz. Im März 1665 darüber zur Rechenschaft gezogen, setzte er in einer Supplik auseinander, dass das Holz auf seinen, durch das Urtheil 1642 bestärkten, ruhig besessenen Grenzen gefällt worden, kam aber hiermit nicht durch, sondern wurde angewiesen, das gefällte und weggeschaffte Holz wieder an Ort und Stelle zu schaffen. Noch in demselben Jahre finden wir Reinhold von Wrangeil in einer anderen Streitsache. Es hatte nämlich schon im Juli 1642 das Manngericht entschieden, dass dem Reinhold von Wrangeil zu Annickfer (1) das streitige Land „vff" dem Roix- schen Berge nebst der Stauung zuerkannt werde, die Lande „Zwarten" (zwar) cedirt, die Stauungen aber bis dato annoch vorenthalten werden sollten. Diesem war aber nicht nachgekommen worden, so dass der Hauptmann am 31. October 1665 von Philipp von Krusenstjern, dem Gouverneur, angewiesen wird, nach „Urtheil und Recht" die J ) Dörpt. Rechts-Protocoll 1677 p. 126: Oberlandesger. Urtheil in pen 1687 p. 382. 2 ) Oberlandesger. Protocoll 1687 p. 12. 3 ) Oberlandesger. Protocoll 1687 p. 3S0, 382. — 441 — Stallungen dem Reinhold von Wrangeil allsofort einzuräumen, damit er zufrieden gestellt werde.*) Am 17. April 1665 reicht Reinliold von Wrangeil zu Annickfer Avieder eine Bittschrift. Wolgel betreffend, ein. Näheres ist jedoch nicht ersichtlich. 2 ) Am 6. JVIai 1671 vertauschen der Fähnrich und Hakenrichter Reinhold von Wrangeil zu Annickfer und der Lieutenant Gotthard von Stryck auf Sali ihre Güter untereinander. Letzterer hatte sein Gut vor den Gläubigern nicht mehr retten können und da es auch seinen nächsten Angehörigen nicht möglich war, ihm ihre Unterstützung angedeihen zu lassen, zog er es vor, einen Tausch seines in Wierland gelegenen Erbgutes Sali mit dem Erbbegräbniss, im St. Simonis Kirchspiel, einzugehen. Die Besitzung begriff in sich den Hof Sali, die Dörfer Sali, Kattküll, Maitz, Möndeefer, Mösemah, die Sallsche Mühle, die Krugstelle Arro, den Fischer bei den sechs frischen Seen, wie auch den Hof Koilah nebst der Mühle und die Dörfer Koilah, Gross- und Klein-Kahwer, eine Krugstelle Nappoh, eine Freibauernstelle Liesu und ein und einen halben Haken Land bei dem petkülsehen Bach. 1674 kam Reinliold von Wr angell Avieder mit dem Oberst Forbus in Streit, da letzterer bedeutende Gelder auf Sali zu fordern hatte. In dem Spruchgericht vom 24. Januar wurde er aber zur Zahlung verurtheilt. 3 ) Reinhold von Wrangeil gab gegen diese Güter sein im hallielsclien Kirchspiel gelegenes Erbgut Annickfer, das ganze Dorf Annickfer, die Mühle am Hofe und die drei Stranddörfer Motzipäli, Idepäli und Kolimah. Stryck zahlte noch ausserdem 8500 Thaler und 100 Thaler zur Discretion an Reinhold von Wrang eil. 4 ) Diesem Avurden am 21. März 1682 aus dem Gute Annickfer vom Niederlandsgericht noch Interessen zugesprochen. Zu Ostern 1680 verkaufte Reinliold indessen das Gut Sali wieder an den Ober- Inspector Anclreae Mayerfeldt für 16 000 Thaler species. Der Käufer zahlte aber den Kaufschilling nicht und liess sogar Korn abschneiden und mit einer grossen Anzahl Wagen nach seinem, des Mayerfeldts, Gute Lustifer abfahren. Da Reinhold von Wrangeil hierdurch in grosse Verlegenheit gerieth, so klagte er 1682, wobei indessen, da die Sachen nicht ganz zu beAveisen waren, am 20. März 1682 ein Contumacial-Erkenntniss im allgemeinen ohne besondern Erfolg ergeht. ä ) Dieser Verlust, soivie die von Gottfried Stryck her auf Sali liegenden Schulden führten nun bald den Ruin Reinhold von Wrangells herbei. Im Jahre 1686 wurde über sein Vermögen der Concurs eröffnet. Um diesen aufzuheben, erhielt Reinhold 1687 von seinem Bruder Bernd Johann von Wrang eil eine Obligation von 2030 Reichsthalern und nahm laut einer am 21. März desselben Jahres beim Obergericht in Reval stattgehabten Verhandlung eine weitere Obligation von 1000 Thalern auf, Avelche Summe zur 1) Geschichte der Familie Lode. 2) Geschichte der Familie Lode. 3) Weimar Wrangel, Chronik; Hupel a. a. O. p. 351; Stjemmann Ma.tr. I, 183; Sternmann N. M. p. 351; Mor. Wrangeil, Dar Stellung Tah. Y, XXXVIII. 4) Protocoll 1687 p. 380, 382. 5) Oberlandgericht, Convolut 272 Nr. 7. 56 — 442 — Verringerung der Schuld der Stryekschen Erben dienen sollte. 1 ) Trotzdem kam Sali 1689 doch in Concurs, und das Obergericht sandte Reinhold von "Wrangeil einen Erlass zu, entweder selbst das Gut zu kaufen oder einen Käufer, der ihm mehr gäbe, als die Creditoren für das Gut in Concurs gezahlt hätten, zu präsentiren. Einen solchen fand er in der Person des Majors Bernhard von Schulmann und der Kauf wurde auch unterm 3. Juli 1689 vom Obergericht bestätigt. Nachgeholt muss noch werden, dass Reinhold von Wrangeil auch mit seinem Bruder vielfach in Streitigkeit gerietli, welche namentlich die Grenzen ihrer Güter sowie überhaupt den Nachlass ihres Vaters betrafen und von denen nur die beiden nachfolgenden Erwähnung linden mögen. Das väterliche Testament bestimmte, dass Bernd Johann von Wrangeil, weil er mehr Land bekommen, seinem Bruder Reinhold 1000 Reichsthaler herauszahlen sollte. Da nun bei dem am 14. Februar 1662 zwischen der Mutter und den beiden Brüdern zu stände gekommenen Vergleich das obige Testament in allen Punkten und Klauseln aufrechterhalten werden sollte, so cedirte Bernhard Johann von Wrangeil seinem Bruder die ihm zukommende Hälfte der bei dem Landeshauptmann Jacob Mack von Duwall auf Interessen stehenden 2000 Reichsthaler. Wegen dieser Summe entstand aber mit dem erwähnten Duwall ein Streit, der insofern ungünstig für die Brüder ablief, als ihnen- 190 Thaler vom Kapital nebst den Interessen, sowie auch andere Gefälle, wie Zollkorn und Reiterverpflegung abgesprochen wurden. Dieser Verlust, sowie die Prozesskosten waren von den Brüdern gleichmässig zu tragen und nach dem Testament war Bernd Johann noch obendrein verpflichtet, den Abgang von den cedirten 1000 Reichsthalern zu ergänzen. Bernd Johann ging aber gutwillig auf nichts ein, so dass Reinhold nichts übrig blieb, als klagbar zu werden. 2 ) Sodann sah sich dieser nochmals im Jahre 1677 gezwungen, seinen Bruder gerichtlich zu belangen. Nachdem nämlich die Mutter 1675 gestorben war und eine versiegelte Brieflade, worin vor allem gute Nachrichten vorhanden gewesen sein sollen, nachgelassen, hatte Reinhold seinen Bruder am 9. Mai 1676 gebeten, mit ihm zusammen die Brieflade zu öffnen und den Nachlass, den Bestimmungen des väterlichen Testaments vom 22. Januar 1652 gemäss, zu ordnen. Da nun Bernd Johann diesem Ersuchen in keiner Weise nachkam, legte Reinhold am 19. März 1677 beim Ober- landesgericlit gegen seinen Bruder wegen der gehabten Schäden, Kosten und Auslagen etc. Protest ein. Reinhold von Wrangeil war verheirathet. Der Name seiner Ehegattin ist jedoch nicht bekannt. Ihrer wird nur einmal in einer Klagesache, die Reinhold gegen Johann Jürgen von Helfreich und dessen Söhne am 27. October „wegen grober Injurien, verübter Gewalt, Aufkündigung des Landfriedens und dadurch vieler verursachten Kosten" anhängig gemacht hatte. Reinhold starb 1706, nachdem er schon am 25. Juli 1684 vom königlichen Consistoriiun zu Reval einen Begräbnissplatz in der Domkirche zu Reval für 80 Thaler !) Oberlandgericlit, Protocoll 1687 p. 382. 2 ) Oberlandgericht Reval, Convolut 403 Nr. 8. — 443 — gekauft hatte. Derselbe lag im Eingange der grossen Kirchentliür südwärts an From- hold von Taube, westwärts an Baron Wrede, nordwärts an Bernd von 'Piesenhausen und ostwärts an Landrath Johann von Hastfer. Er mass in der Länge nach Süden 47g Ellen, nach Norden 4% Ellen, in der Breite nach Westen 4 s / 4 Ellen und 2 Zoll und nach Osten 5 Ellen schwedisch. o. Bernhard (Bernd) Johann von Wrangel (Wrangeil), Sohn von Reinhold (1), ist schon hei seinem Vater und Bruder (6) erwähnt worden. Er war 1684 schwedischer Artillerie-Kapitän J ) und erhielt am 28. Februar 1689, damals Kapitänlieutenant, auf sein Ansuchen seine Dimission aus dem wirklichen Kriegsdienste. 1670 ist er Ma n n r ichter. Er besass Annickfer, Wayfer, Sallewall, Metzekul, Wie- wekund und hatte mit seinem Bruder Reinhold gemeinschaftlich zwei Hausplätze in Narwa. Auch gehörte ihm Lagena und Uddrias 2 ) und im Jahre 1677 brachte er Addinal (Kirchspiel Halliel) in Wierland dmch Kauf an sich. Schon 1670 hatte er mit dem Feldmarschall-Lieutenant Gustav von Wrangeil (VII 2) wegen dieses Gutes einen Pfand - Contract, welchen der General, wie auch dessen Mutter und Erben unterschrieben hatten, dergestalt abgeschlossen, dass nach demselben Bernd Johann von Wrangeil dem General selbst 4000 Reichsthaler, dessen Mutter in Livland und dessen Erben 2000 Reichsthaler erlegen musste, das Gut Addinal dagegen beziehen und den Rest an die Erben — die Sclrwestern und Brüder — bezahlen sollte. Infolge dieser Vereinbarung nahm Bernd Johann von Wrangell seine in der Bank zu Stockholm ihm baar zustehenden 4000 Reichsthaler species und lieferte dieselben dem Feldmarschall-Lieutenant selbst aus, empfing darauf Quittung und Briefe an dessen Mutter in Livland, welche er neben Präsentirung der 2000 Reichsthaler überlieferte. Die Briefe wurden angenommen, das Geld aber und der Einweisungsbesitz zurückgewiesen, der Contract disputirt und endlich vom Oberlandgericht annullirt, die alte Frau und Erben bei ihrem Besitz geschützt und Bernd Johann von Wrangell befohlen, seinen Contrahenten zu suchen. Er suchte ihn in Polen und Preussen, und als er nach gehabten grossen Unkosten wieder in Schweden eingetroffen, musste Bernd Johann von Wrangell in Stockholm wegen Rückzahlung seines Geldes oder Uebertragung des verkauften Gutes sehr scharf disputiren, wiewohl er mit dem General, bei Abänderung der gegenseitigen Abmachungen dahin, dass aus dem Pfand- ein Erbcontract geschlossen worden w r äre und er für die Erbnahmen 1000 Reichsthaler zugelegt hätte, die Angelegenheit viel eher zu Ende gebracht haben würde. Er wurde dadurch, dass die Angelegenheit sich sehr in die Länge zog, so ruinirt, dass er, um das Gut frei zu machen, Gelder auf Interessen zu nehmen gezwungen war. Der Landrath Fabian von Wrangell (XII 39) streckte ihm als Freund und Nachbar gegen Verschreibung und Verpfändung des Gutes Addinal zwar 3000 Reichsthaler vor — soviel als von selbigem zu der Summe nöthig war — doch dergestalt, dass ihm diese Summe zu sechs Prozent verzinst !) Esthländisclie Landrolle 1657; Arch. Kuckers. 8) Landrolle 1666, 1677, 1678. — 444 — werden miisste und Bernd Johann diesem gestattete aus seinem Busch jährlich für jegliches Hundert zwei Faden Holz hauen zu lassen. Die Interessen trug Bernd Johann ah; er musste aber, um solche zahlen zu können, 1000 Thaler von anderen aufnehmen. Ebenso wurde auch das Holz verabfolgt, bis man sah, dass die Genehmigung zum Hauen sehr gemissbraucht wurde; denn das gehauene Holz wurde nicht in Faden gesetzt und ebensowenig vor der Abführung dem Amtmann von Addinal zur Prüfung der Richtigkeit gezeigt. Dem Landrath war nur vergönnt gewesen, im ganzen sechzig Faden zu hauen, er hatte es jedoch für besser befunden, jedem Bauer wohl sechzig Faden zu gestatten. Dem Bernd Johann entstand durch dieses alles sehr viel Schaden und er bat daher am 27. Februar 1688, den Landrath dahin zu verurtheilen, dass dieser, wenn er das ganze Gut Addinal einnehmen und besitzen wolle, an Bernd Johann zuvörderst das auf einseitigen Brief zugeschlagene Gut neben der Hoflage für den Preis, welchen Bernd Johann gezahlt, sowie gegen Erstattung des zugefügten Schadens und Bauern- restanten, annehmen solle. Da Fabian sich hierzu nicht verstehen wollte, machte Bernd Johann den Vorschlag, ihm, dem Kläger, ein Gut bis zur Befriedigung einzuräumen und so lange, bis sich ein anderer Käufer finden würde, mit den Interessen seiner vorgeschossenen 3000 Reichsthaler zufrieden zu stellen, und er erst nach Verkauf des Gutes sein Kapital mit Zinsen zurückgezahlt erhalten würde. Kurz darauf fand sich auch in der Person des Landeshöfdings Baron Hans Heinrich von Piesenhausen ein Käufer für das Gut Addinal. *) Bernhard Johann von Wrang eil scheint von sehr starrsinnigem, streitsüchtigem Charakter gewesen zu sein, wovon seine vielen Prozesse, die er oft ohne rechten Grund begann, Zeugniss geben; selbst mit seinen nächsten Verwandten hielt er keinen Frieden. Von den vielen Streitigkeiten seien hier nur die wichtigsten erwähnt. Zunächst wurde ihm wegen einer Schuld mit Execution gedroht. Allein er litt keine Executoren auf seinem Hofe Lagena und drohte, solche hinaus zu werfen, falls sie kommen würden. Der Fiscus ging daher klagend gegen von Wrangeil vor. Die Exemtion wurde durch den Rathsverwandten, Gerichtsvogt Caspar Dunten veranlasst, welcher aus dem zu Lagena gehörigen Gute Uddrias zwei Hocken Roggen zu fordern hatte und nach vielfältigen Erinnerungen zwei Immissionen in das Gut Lagena vornahm, von Wrangell widersetzte sich dieser Immission sehr, beachtete selbst die deshalb angedrohte militärische Execution nicht, sondern erklärte, den Unteroffizier, sobald er in seinem Gute die Execution vornähme, daraus zu verjagen und ihm die Haut voll zu schlagen. Die Schuld rührte von seiner verstorbenen Mutter her und hätte von den beiden Brüdern bezahlt werden müssen. Bernhard Johann hatte für seinen Antheil schon zwei Posten von 100 Tonnen Korn abgetragen, so dass er nichts mehr hergeben wollte, sondern den Rest von seinem Bruder Reinhold einzuziehen überliess. Die Mutter des Bernd Johann von Wrang eil hatte sich am 14. Februar 1662 von ihren Söhnen und Töchtern separirt und durch Transakt mit einem jährlichen Deputat !) Oberlandgericht Reval, Convolut 410 p. 358 Nr. 37. — 445 — von drei Last Koggen, drei Last Gerste, einer Last Hafer und einer Tonne Butter von einem jeden der Söhne abgefunden, dagegen aber den Söhnen die Disposition der väterlichen Güter mit Vorbehalt der Baarschaft cedirt mit dem Versprechen, die Schuld zu bezahlen. Ja es war ihr von ihrem Ehemanne im Testament denominirtes Leibgeding gegen ein Deputat angewiesen und abgetreten. Die Mutter hatte nun 1666 wegen ihrer eignen Schuld eine Obligation an Caspar Dunten ausgegeben und' ihren Sohn Bernd Johann von Wrangeil dabei nur als einen Zeugen gebraucht. In dieser Obligation setzt sie einen Termin, und wenn sie solchen nicht halten würde, werde sie ihre sichersten, gewissesten und beweglichen Güter zum Unterpfande verschreiben, welches aber nichts anderes bedeutete, als ihr Deputat sammt den Interessen über die ausstehenden Schulden zu opfern. Dunten veranlasste erst 1682 das fernere. Bernd Johann von Wrangeil war seit 1669 wenig zu Hause, viel in Stockholm und nachmals in königlichen Diensten gewesen, so dass er in keiner Weise irgend eine Verpflichtung zur Deckung der Schuld hatte. x ) Im Jahre 1690 sah sich Bernhard Johann sogar veranlasst, eine Klage gegen seine eigene Ehefrau Gertrud geborene von Wrede und seinen ältesten Sohn, den Rittmeister Bernhard Reinhold von Wrangeil, einzureichen. Kläger Bernhard Johann von Wrangell hatte, weil er so mit Schwachheit und Krankheit beladen, dass er seiner Füsse nicht mächtig, sondern meistens bettlägerig war, Verlangen gehabt, aller weltlichen Sorge und Bekümmerniss zu entsagen und seinem Gotte bis an sein Ende in Frieden und Ruhe zu dienen. Er hatte daher am 28. April 1689 eine Schrift aufgesetzt, laut welcher er seiner Gattin seinen ganzen Haushalt übertrug und ihr die freie Disposition gab, über alle seine Güter ohne jegliches Widersprechen nach ihrem Belieben und Vorsichtigkeit zu schalten, walten und zu regieren, und die Prozesse, wozu er ihr die Documente gegeben, auszuführen, also, wie sie es vor Gott und ihren Kindern verantworten könne. Dagegen soll sie ihn „mit Essen und Trinken, leinen Zeug, einer Magd und Diener, so ihm aufwarten, unterhalten und zu Kleidern, ein Spielgeld von 124 Reichsthalern jährlich geben", und dass solches steif und fest gehalten und nimmer geändert werden solle, unterschrieben nicht allein beide Parteien diese Schrift, sondern es wurde auch der General-Gouverneur in Narwa gebeten, als Zeuge zu unterschreiben. Allein schon nach zwei Jahren sah sich Bernd Johann veranlasst, gegen seine Ehefrau und seinen ältesten Sohn Bernhard Reinhold klagend vorzugehen, weil 1) ohne sein, des Vaters, Vorwissen beide ihre Vollmachten überschritten hatten, und ohne alle Noth, sogar gegen des Vaters Verbot, flu- einen geringen Preis sein kostbares Haus in Narwa verkaufen wollten; 2) will seine Ehefrau ihn unmündig machen, seine Brieflade nicht verabfolgen lassen und hatte verboten die Documente wegen seiner Prozesse mit dem Bruder seiner Eheliebsten, dem Grafen von Wrede, und Obersten Cronmann, bei dem sie deponirt liegen, herauszugeben, was um so gefährlicher, als er den Prozess mit i) Oberlandgericlit Reval, Convolut 71 Nr. 3. — 446 — dem Grafen von Wrede schon gewonnen und er die Antwort erhalten, dass er sich aller Anforderungen und seines Antlieils begehen solle, welches seinen und seiner Kinder unfehlbaren Ruin verursachen würde; 3) hätten sie zu Ablegung der Schulden das Haus verkauft, obgleich die gravirten Güter nicht veräussert, sondern aus den jährlichen Einkünften derselben nach und nach die Schulden bezahlt werden sollen. Man habe, damit Bernd Johann nicht wissen solle, wieviel jährlich zu Entrichtung der Schulden über- schiesse, die alte Kiibbiassen abgesetzt und ihm die Riegenstöcke genommen, und endlich 4) gegen das Instrument weder eine Magd noch einen Knecht gehalten und das Essen und Trinken mit Verdruss gereicht und ,.seines Leibes Nahrung mit gutem Herzen ihm nicht gegönnet 1 '. Bernd Johann von Wrangeil beantragte daher Nichtigkeitserklärung des Instruments und Auslieferung von allem Gold und Silber, sowie der Schriften und Documente, da er alles wieder selbst in die Hand nehmen wolle, weil sich sein Gesundheitszustand erheblich gebessert. Die Beklagten sagten dagegen aus, dass ihr Mann respective Vater aus eigenem Willen den Contract gemacht und sie gewissermassen dazu gezwungen worden; allein schon nach dreiviertel Jahren habe der Vater denselben revociren wollen, was aber nicht gegangen. Das Haus in Narwa zu verkaufen, wäre Bernhard Reinhold berechtigt, denn sein Grossvater habe den Platz seiner Grossmutter, und diese ihn wieder ihm, dem Enkel, vermacht, und sein Vater habe den Platz ohne sein (des Bernhard Reinhold) Vorwissen bebaut. Der König habe das Haus schon kaufen wollen, es hätte aber der Vater 8000 Reichsthaler gefordert. Nachdem sie sich aber besprochen und den Preis viel zu hoch gefunden, hätten sie sich geeinigt und solches für 5000 Thaler losgeschlagen. Weil sie ihren Mann respective Vater auf weltliche Händel nicht haben bringen wollen, so hätten sie den Contract nicht inne gehalten. Im übrigen beziehen sich die Beklagten auf den Contract, der ihnen über alles freie Verfügung gestattet. Ferner bringen die Angeklagten zu ihrer Verteidigung vor, dass sie ihm Diener und Mädchen gestellt hätten, allein dieselben hätten nicht bleiben wollen und wären davon gelaufen. Im Jahre 1665 übte Bernd Johann als Eigenthümer von Lagena, was ihm durch das Testament seines Vaters zugefallen war, das Patronatrecht an der Kirche zu Waiwara aus, welcher Rechtsakt jedoch vom Besitzer von Wasahof oder Wrangels- liof (Freiherr Adolf Johann von W ran gel [VI 30]), als ihm nicht zukommend, angefochten wurde. Die Angelegenheit lag am 1. November dem Oberlandgericht zu Reval zur Entscheidung vor. Es hatte nämlich der Kapitän der Admiralität Adolf Johann von Wrangel (VI 30), Sohn des verstorbenen Johann Moritz von Wrangel (VI 7), seine Erbportion am Gute Wasahof, welche 5 1 /5 Haken Land betrug und zwar von der alten Hoflage nebst dem in selbiger Grenze gelegenen Tärwajeggi 47 2 und einen Haken am Strande, genannt „Wepsküll", für 200 Reichsthaler an den Kapitän „über die Artillerie" Bernhard Johann von Wrangeil verkauft. Auf Grund dieses Kaufes gründete letzterer sein Recht, und es entstand ein Prozess, der noch 1684 schwebte und mit dem sich ein anderer für Bernhard Johann verband, welchen dieser gegen den Magistrat zu Narwa — 447 wegen seines Dorfes Merreküll und des Hofes Kullerküll (zu Narwa gehörig) im Kirchspiel Waiwara führte; Bernhard Johann von Wrangeil spricht in der Citation an den Rath von Narwa, die er im Januar 1684 erlässt, nicht nur von seinem Hofe „Addinal", sondern auch in den Satzschriften von Addinal als von seinem Gute. Das Gut Addinal hatte Bernd Johann mit über 7500 Reichsthalern gekauft, davon waren 6000 eigenes väterliches, 1500 von seiner Ehegattin eingebrachtes, der Rest anderweit aufgenommenes Geld; er hätte das Gut nicht verkauft, wenn er, gemäss des königlichen Urtheils, welches bei der Conferenz vorgezeigt werden konnte, von den Wrede bei Zeiten befriedigt worden wäre. Wegen dieser Versäumniss hatte der Kläger an 3000 Loth versetztes Silber eine Zeit lang zu verzinsen gehabt, bis er im stände war, es wieder einzulösen, auch musste er wegen Verbleib desselben viele Nachfragen halten, wodurch ihm abermals viele Unkosten erwuchsen. l ) Am 7. März 1688 begann Bernhard Johann von Wrang eil gegen den Oberst Joachim von Cronemann einen Prozess, wobei es sich um ein von Wrangeil beanspruchtes Nälierkaufsrecht „am Gute Wasahof" handelt, von Wrangeil sagt nämlich: er habe mit den Wrangellschen Erben wegen des Gutes Wasahof auf 8000 Reichsthaler in Handel gestanden, um das Gut erblich an sich zu bringen, zumal er wegen der Krone Schuld, die er richtig bezahlt, 14y 4 Haken Landes im wirklichen Besitz hatte und iiber- dem ein Verwandter vom Besitzer dieses Gutes war. Bevor jedoch die Kaufs- respective Verkaufs-Urkunde aufgesetzt und unterschrieben worden, kam Cronemann durch ein Gebot von 10 000 Reichsthalern dazwischen. Infolge dessen verlangte von Wrangeil die Rückgabe des Gutes Wasahof und Vergütung der Einnahme desselben. Cronemann will sich nur darauf verstehen, dass von Wrangeil ihm das Gut abkauft und kein jus gentium des letzteren an dem Gute erkennen. In seiner Replik hebt von Wrang eil hervor, dass er, wie schon eben angegeben, des einen Miterben, des verstorbenen Freiherrn Adolf Johann von Wrangel in Wasahof gehabte Erbportion an sich erhandelt und dadurch das jus congrui erlangt habe. In der Duplik (prod. am 6. März 1690) fusst Cronemann auf den rechtmässigen Handel mit den von Wrangellschen Erben und sagt, dass Bernd Johann von Wrang eil wegen Geldmangels zur Zeit des Kaufes von Wasahof sein altes adliges Gut Addila (Addinal?) verkauft habe. Die nachfolgenden Satzschriften, Suppliken und Memorialen werden aber nicht mehr von Bernd Johann von Wrangeil. sondern von Rittmeister Bernd Reinhold von Wrangeil „im Namen sämmtlicher Erben" eingereicht, und im Urtheil vom 21. März 1692 werden die Kläger vollkommen abgewiesen, ohne dass das Gericht auf eine Untersuchung des angeblichen Näherrechts eingeht. Wegen einer anderen Erbportion an Wasahof, die dem Johann Moritz von Wrangel (VI 7) zugefallen war, führte Bernd Johann im Namen und Vollmacht der „Wasahofsclien Erben" als Ankläger einen Prozess gegen die Wittwe des Zitfeld-Buchau, der mit dem Generallieutenant Johann Moritz von Wrangel einen Pfand- und Ar- rende-Contract wegen Wasahof abgeschlossen hatte. Wir finden Bernd Johann in dieser Angelegenheit am 9. April 1680 in Narwa, am 21. August 1684 in Stockholm, von wo i) Oberlandgericlit Reval, Convolut 272 Nr. 5. — 448 — er im Februar 1685 noch nicht zurückgekehrt ist. 1 ) Im Jahre 1687 ist diese Streitsache noch nicht beigelegt. 2 ) Im Jahre 1683 befand sich Bernd Johann wegen der freien Holzung „unter den Dörfern" AVrangel, Kandel und Karrol mit mehreren anderen in einer Streitsache gegen Christoph Friedrich von Tiesenhausen und der Wittwe des verstorbenen Johann Friedlich von Hastfer, welcher Streit am 7. September durch das Manngericht zu Karrol entschieden wird. Bernd Johann muss im Jahre 1690 und zwar in der Zeit vom 6. März bis zum 9. September gestorben sein. Unter ersterem Datum wird seiner in Reval nochmals Erwähnung gethan, während er bei der am 9. September erfolgten Thronbesteigung König Carls XI. von Schweden den Huldigungseid der esthländischen Ritterschaft schon nicht mein' unterschreibt, was, wenn er zu dieser Zeit noch lebte, hätte geschehen müssen. 3 ) Am 7. Juni 1657 vermählte er sich mit Gertrud von AVrede, Tochter des Kapitänlieutenants (Rittmeisters) Caspar Baron von Wrede, Erbherrn auf Sitz im Kirchspiel Marien-Magdalenen im Kreise Jerven, und von Wredenliof in Esthland, sowie von Elimek, Ruha, Hindhär in Finnland (starb 1667) und der Freiin Sophie von Taube aus Carlöö. Letztere war die Schwester der Frau Anna Elisabeth von Taube und der Frau des Landraths Johann von Hastfer, Bruders der Mutter von Bernhard Johann von Wrangeil auf Lagena. Sie starb mit Hinterlassung eines Testaments im Februar 1716, wurde zu Lagena in dem von ihr erkauften Grabgewölbe beigesetzt und „mit christadligem Be- gräbniss nebst Leichenrede" zu Grabe getragen. 4 ) Aus dieser Ehe stammten drei Söhne. Bernd Reinliold (8), Heinrich Wilhelm (9), Otto Dietrich (10) und eine Tochter: Sophie Elisabeth (7), die sich nach 1693 mit dem Kapitän von Nieroth ver- heirathete. 5 ) Sie starb am 27. December 1711 und wurde in dem von ihrer Mutter erkauften Grabgewölbe beigesetzt. Bernhard Johann von Wrangeil hat aber auch nach anderer Richtung hin eine Bedeutung für den Zweig Lagena. Während sein Vater Reinhold (1) ein Wappen führte, in welchem die Wrangeische Mauer nicht zwischen, sondern auf beiden Flügeln sich befindet, auch neben den Flügeln R.W. steht, und dieses Wappen dessen Sohn Reinliold (6) 1663 festhielt, wechselte Bernhard Johann von Wrang eil dasselbe dreimal, und zwar zeigt am 20. September 1664 das Siegel die Mauer im Wappenschilde, sowie auf beiden Helmflügeln, nicht aber zwischen diesen, zur Seite der Flügel die Buchstaben B. W. Im Februar 1680 ist die Mauer weder auf beiden Flügeln, noch zwischen denselben. Das AVappen trägt hier die drei Buchstaben B. J. AV., von denen eins und drei an den .Seiten der Flügel, zwei aber zwischen diesen steht. i) Oberlandgerielit Keval, Convolut 271 Nr. 5. -) Oberlandgericht, Protokoll 1087 p. 876 a, 377. 3 ) Estiii. Ritt.-Arch. ad 1690: Oberlandgericht, Convolut 26S Nr. 17. 4 ) Marien-Magdalenen-K.-B., Kreis Jerven. 5 ) Marien-Magdalenen-K.-B., Kreis Jerven. — 449 — Im Januar 1684 führt Bernd Johann die Matter zwischen den Flügeln, sowie im Wappenschilde. Auch hier sind die drei Buchstaben B. J. W. zu sehen, wobei J. über der Mauer zwischen den Flügeln steht. Sonach ist Bernd Johann der erste, der das Lagenasche Wappen, das heisst die Mauer zwischen den Flügeln, führt, was seine Nachkommen beibehielten. Ebenso schrieb sich Bernd Johann von Wrangeil bald mit einem 1, bald mit „11". Auch die letztere Schreibweise behielten seine Nachkommen bei. Nach dem Tode des Kapitäns Bernd Johann von Wrangeil verglichen sich die Erben am 4. Januar 1693 auf dem Hofe zu Lagena wegen des Nachlasses. Zugegen waren nur die Wittwe, der älteste Sohn Bernhard Reinhold (8) und die einzige noch un- verheiratliete Tochter Sophie Elisabeth (7). Der jüngste Sohn Otto Dietrich (10) befand sich im Auslande und Heinrich Wilhelm (9) stand bei der Garde. Bei der Erbtheilung erhielt Bernhard Reinhold Lagena, welches fünfzig Haken umfasste, von denen jeder auf 200 Reichsthaler geschätzt wurde, er musste aber 3598 Reichsthaler Schulden der Eltern tilgen. Die Mutter und Schwester erhielten gewisse Alimente aus der Hoflage Alt- Waiwara und Gross-Waiwara und den beiden Krügen zu Mustajöggi und Waiwara. Den Rest von den 10 000 Reichsthalern theilten sich die Brüder. Ferner erhielt die Mutter noch 475 Reichsthaler, welche die Krone für das eine Haus in Narwa „zu dem persianischen Stupel" noch nicht entrichtet, zu ihrer Disposition, während 800 Reichsthaler, die noch auf dem andern Hause in Narwa standen, nach der Mutter Tode unter die Geschwister zu theilen waren. Für den Fall, dass der jüngste abwesende Bruder etwa das Gut Lagena in Besitz zu nehmen wünschte, sollte ihm dieses mit denselben Verpflichtungen, wie sie dem ältesten auferlegt, gewährt werden. 9. Heinrich Wilhelm von Wrangell, Sohn von Bernd Johann (5), war 1693 schwedischer Lieutenant der Garde und starb unverheirathet. 10. Otto Dietrich von Wrangell, Sohn von Bernd Johann (5), war schwedischer Hauptmann und bewohnte das Gut Toickfer, von welchem er aber nicht Erbherr, sondern nur entweder Pfandherr oder Pächter war, da es der Familie Maydel gehörte. Ausgang des siebzehnten Jahrhunderts wurde er von einigen toickferischen sowie fremden erkauften Bauern an einem finsteren Abend vor der Pforte des Hofes mörderisch angefallen und exiitt dabei den Tod. Das damalige Hofgericht bestrafte diese Frevel- tliat dergestalt, dass einige von den Mördern mit glühenden Zangen gezwickt und mit dem Rade von oben ab zerstossen, ihre Körper aber aufs Rad geflochten und an verschiedenen Landstrassen zu einem Schreckmal aufgesteckt, andere wieder zu beständiger Kronarbeit verdammt wurden. Diejenigen aber, welche von dieser Mordthat nur einige Nachricht gehabt und nicht Anzeige gemacht hatten, wurden mit harter Ruthenstrafe gezüchtigt; — 450 — wer der Strafe entfloh, sollte, wenn er ergriffen würde, sofort nach Dorpat oder nach der nächsten Festung gefänglich eingebracht werden. Der Brnder des Entleibten hatte für jede derartige Ergreifung eine Belohnung ausgesetzt. 1 ) 8. Bernhard (Benul) Reinhold von Wrangeil, Sohn von Bernhard Johann (5), befand sich von 1670 bis 1672 auf der Akademie zu Bernau, die er aber mit Schulden verliess. Diese hatte er nach einem Oberlandgerichts- Urtheil im Jahre 1687 noch nicht getilgt. Amtlich finden wir seinen Namen zunächst in den Huldigungsakten der esth- ländischen Ritterschaft zu Eeval 1690 anlässlich der Thronbesteigung des Königs Carl XI. aufgeführt 2 ) und zwar unter den Eingepfarrten des Kirchspiels Jewe, wohin damals das Gut Lagena gehörte, dessen Besitzer er war und als solcher in den Landrollen von 1715 bis 1716 und 1720 eingetragen ist. 1687 war Bernd Reinhold Rittmeister, 3 ) später Major; 4 ) er wurde 1687 vom fiscalischen Commissarius beim Oberlandgericht zu Reval wegen einer Gewaltthat verklagt. 5 ) Am 12. März 1678 lebte er auf Toickfer, jedoch nur als Immissarius der Frau Anna Dorothea von Wrangel, Wittwe des Majors Wolmar von Wrangel; 1693 aber als Besitzer daselbst. 0 ) Am 28. October 1683 unterschrieb er sich als Zeuge. 7 ) Am 3. Februar 1687 schiesst der Rittmeister Bernd Reinliold von Wrangeil seiner Schwiegermutter Dorothea von Hastfer, Wittwe des seligen Mannrichters Jürgen von Maydel, zu des letzteren Beerdigung 120 Reichsthaler vor. 8 ) In einer Streitsache wider Jürgen von Maydel in betreff der Güter Tockumbeck und Toickfer richtete Anna Dorothea von Wrangel, Wittwe des Majors Wolmar von Wrangel (XIIA 7), an das dörptsche Hofgericht das Gesuch, den genannten von Maydel zu citiren. Nicht nur bei dieser Gelegenheit fungirte Bernd Reinhold von Wrangell neben dem Schwager dieses Maydel, sondern auch am 31. März 1690 beim erlassenen Abschiede wurde er vor das Gericht geladen, wobei er sich „Rittmeister" titulirt. Als der Ritterschaftshauptmann Freiherr Ernst Stael von Holstein um Entlassung aus seinen Functionen bat, wurde von den Lanclräthen und dem Gouverneiu - eine Zusammenkunft der in der Stadt Reval anwesenden Ritterschaft zum 5. März 1706 angesetzt. Bei der am folgenden Tage angesetzten Neuwahl wurden von den königlichen Landräthen drei Kandidaten vorgeschlagen, von denen die Ritterschaft den Major Bernd Reinhold von Wrangell auf Lagena einmütliig erwählte. 9 ) 1707 präsidirte er als Ritterschaftshauptmann, als der Ritterschaft mehrere Gnadenacte vom Könige von Schweden !) Siehe das in dieser Sache ergangene und in den livländischen Landes-Ordnungen p. 719 "bis 722 abgedruckte gouverneraent- liche General-Patent; Gadebusch mscrpt. 2) Das der Unterschrift beigefügte Siegel zeigt hier die Mauer zwischen den Adlerflügeln als Helraschmuck. 3) Toll, Briefl. II 2, Nr. 910. 4 ) Esthländisclie Ritterscliafts-Akten, Landsachen. 5) Oberlandgerichts-Protokoll 1G87. 6 ) Moritz von Wrangell, Sammlung; K.-B. Torma; Ritterschafts-Archiv Reval Nr. 89, p. 516. 7) Lude, Briefl. T. VIII, Nr. 277. 8) von Toll, Briefl. 112, p. 920, Nr. 910. 9 ) Protokoll im esthländischen Ritterschafts-Archiv, Landsachen Band 1; Russwurm, Geschichte Stael-Holstein, p. 141, Nr. 193; p. 148, Nr. 210. — 451 — mitgetheilt wurden. Er bekleidete diese Stellung bis 1709, in welchem Jahre er am 13. Januar zu Reval zum Landrath erwählt wird. 1 ) Mit seinem Gute Lagena hatte er viel Unglück. Dreimal wurde es vom Feinde verwüstet, so dass sich Bernd Reinhold von Wrangell am 20. Februar 1708 veranlasst fand, den General - Gouverneur Grafen Axel Julius de la Gardie um Befreiung von der Rüstung des Gutes zu bitten. 2 ) Er lebte noch am 5. October 1710, starb aber wahrscheinlich noch in demselben Jahre (an der Pest?), denn am 9. Januar 1711 3 ) stimmt für Lagena der „junge Herr von Wrangell" und ist der Huldigungseid der esthländischen Ritterschaft an den Kaiser Peter I. am 22. Februar 1711 auch nicht mehr von Bernhard Reinhold von Wrangell unterschrieben. 4 ) Er war zweimal vermählt 5 ): a) zu Reval am 22. März 1680°) mit Dorothea Elisabeth von Wrangel (V 20), Tochter des Oberstlieutenants Woldemar Reinhold von Wrangel (V9); sie starb schon vor 1686; b) 1686 vermählte er sich zum zweiten Male (als Erbherr auf Lagena, Mustajöggi, Uddrias und Waiwara in Wirland, welche Güter 1716 seine Wittwe inne hatte) mit Anna Catharina von Maydel, Tochter des Rittmeisters und Mannrichters Jürgen von Maydel (welcher am 3. Februar 1687 starb) und dessen zweiter Gemahlin Dorothea von Hastfer G u - 7 ); sie erbt Sitz und Kappo 8 ) und starb 1716. Aus der ersten Ehe stammte ein Sohn, dessen Namen nicht bekannt geworden (11), und aus der zweiten Ehe die beiden Söhne: Georg Johann (15) und Heinrich Wilhelm (16), sowie drei Töchter: 1. Anna Magdalena (12), getauft am 19. März 1698 in Torma 9 ), vermählte sich mit dem Kapitän Freiherrn Fabian von Wrede auf Elimä, Geschwisterkind mit ihrem Vater. Sie starb am 31. Juli 1766. 2. Catharina Elisabeth (13), welche am 5. März 1734 den Assessor Wilhelm Christoph von Rehbinder heirathete, 10 ) und 3. Dorothea Elisabeth (14), starb im September 1754 und war mit dem schwedischen Lieutenant Friedrich von Stakelberg zu Selly vermählt. 11 ) Dass mehr als ein Sohn dagewesen, geht aus der Landrolle von 1720 hervor, wo unter „Lagena" erwähnt ist, „der eine Sohn 12 ) ist mit Hxro Hochfürstlichen Durchlauchtigkeit Pass nach Deutschland gegangen und stehet in königlich preussischen Diensten". 13 ) 1) Oherlandgericlit Protokoll 1709, p. 22, 23, 33. 2) Paucker, Esthlands Landgüter II Wirland, p. 40; Landrolle 1715/16. 3) Esthländisches Ritterschafts-Archiv Reval. 4) Pancker, Landr.; Wrangell, Chronik von Esthland, p. 214 ff. 5) Nach Moritz von Wrangells Material-Sammlung. 6) Esthland. und livländ. Briefl., Bd. 3, Nr. 848, 910, 943, 951; Gesch. Familie Maydel, p. 202, 218, Taf. IX; Paucker, Esthland. Landgüter II, p. 40, 44; Iv.-B. Reval. 7) von Toll, Briefl. II, Nr. 910. 8) Oherlandgericht Reval, Convolut 407, p. 425. 9) Maria-Magdalenen-K.-B. Torma; Sammlung Moritz Wrangells. 10) Nicolai-K.-B. Reval. 11) K.-B. Halljal. 12) Gadehusch, Beweise etc., V, p. 770. 13) Landrolle vom 20. August 1720. — 452 15. Georg Johann von Wrangeil, Solin von Bernd Re inh old (8), stimmte bei den Waiden am 9. Januar 1711 für Lagena und leistete den Huldigungseid mit der estldändischen Ritterschaft an den Kaiser Peter I.') Er war Erbherr auf Lagena, schwedischer Lieutenant und hatte das Unglück, 1725 vom Pferde in einen Brunnen zu stürzen, wobei er kläglich umkam. Den 20. Mai genannten Jahres wurde er zu Lagena beerdigt. Er war vermählt mit Anna Helene von Maydel, verwittwete von Berg, Tochter des Hans Ernst von Maydel zu Tatters und der Anna Margarethe von Treyden aus Tatters. Sie vermählte sich zum dritten Male am 9. April 1728 mit Otto Wilhelm von Dittmar auf Kurro in dessen zweiter Ehe. Aus dieser Ehe stammte nur eine Tochter: Anna Margarethe (17), welche am 1. März 1725 zu Lagena getauft wurde und am 22. August 1727 starb. 2 ) 16. Heinrich Wilhelm von Wrangeil, 3 ) Sohn von Bernd Reinhold (8), war schwedischer Kapitän und Hakenrichter. 1728 war er Erbherr auf Lagena und Waiwara und starb 1773 in einem Alter von etwa achtzig Jahren auf dem Gute Maydel in Wirland. Am 27. September 1736 verheiratliete er sich mit Hedwig Christina von Delwig, Wittwe des verstorbenen Lieutenants von Delwig; sie starb am 3. August 1755. Aus dieser Ehe hatte er einen Sohn Bernhard (Bernd) Gustav (18). 18. Bernhard (Bernd) Gustav von Wrangeil, Sohn von Heinrich Wilhelm (16), wurde 1737 geboren und war Erbherr auf Maydel, Lagena und Waiwara. Am 4. Januar 1760 verkaufte er Lagena und Alt-Waiwara an den kaiserlich russischen Generallieutenant, Hofmarschall, Wirklichen Kammerherrn und Ritter Baron Carl von Sievers und schloss einen Contract mit demselben ab, nachdem der Verkauf bereits am 21. September 1759 in Pimctation stattgefunden hatte. Da die Hoflage Alt- Waiwara schon damals an den Oekonomie-Rath Kienlein verkauft gewesen, so wurde dieselbe in dem Verkauf am 21. September ausgeschlossen. Beregte Hoflage Alt-Waiwara fiel jedoch wiederum dem Rittmeister von Wrangeil erblich und eigenthümlich zu, so dass er dieselbe ebenfalls an den Herrn von Sievers für 1000 Rubel verkaufen konnte. Zu dieser Zeit war von Wrangeil Rittmeister, später wurde er schleswig-holsteinischer Kammerjunker, dann 1770 Oberstlieutenant und Kammerherr Seiner Kaiserlichen Hoheit des Grossfürsten und späteren Kaisers Peter III. Er war diesem treu ergeben und stand sich mit demselben so, dass er dem Fürsten offen seine Meinung aussprechen durfte; daher warnte er ihn zweimal und rettete ihn auf diese Weise. Ferner rieth er ihm, sich nicht !) Ritterschaftliches Archiv Reval, Hudigung 1711. 2) K.-B. St. Johannis in Narwa. 3 ) Wrangells Sammlung vaterländ. Adelsgeschlechter I 129, Tab. VIII 37; Brotze, mscrpt.; K.-B. Luggenliusen: Maydel Briefl. II, 69, 74, 91; K.-B. Waiwara. — 453 von einem „Frauenzimmer" beherrschen zn lassen, weshalb von Wrangeil den Zorn der Kaiserin anf sich lud und dieselbe sein Vermögen confiscirte. Er hatte dasselbe Schicksal wie sämmtliche holsteinische Offiziere, die damals in Petersburg waren, und kam fast nackt und bloss nach Somel zu seinem Schwiegervater. Da er nun so viele Schulden gemacht hatte, dass er es nicht für rathsam befand in Livland zu bleiben, verliess er im Heumonat 1770 heimlich' Frau und Kinder und wandte von Reval absegelnd dem Vaterlande den Rücken. Lange nachher vernahm man, dass er sich theils In Danzig, theils in Augsburg, theils in Holland aufgehalten und sich hierauf nach Ostindien begeben hatte. Nach seiner Entweichung drang seine Ehegattin auf eine Scheidung, welche laut Urtheil des livländischen Ober - Consistoriums am 14. des Heumonates 1771 erfolgte. Sie liess auch die Gläubiger ihres Ehemannes bei dem damaligen livländischen Hofgericht vorladen; es meldete sich aber niemand, denn man wusste wohl, dass nichts vorhanden war. Bernhard Gustav hatte sich 1772 nach Batavia gewandt, wo er mehrere Jahre unter Beilegung des Namens Brand lebte. Trotz der Scheidung von seiner Frau unter- liess er es nicht, von Batavia aus derselben Briefe, Geschenke und Geld zu senden. Letzteres wurde durch das Handlungshaus Thomas Clayhills und Zur Mühlen übermittelt. Nach seinem am 17. Februar 1776 zu St. Domingo erfolgten Tode erschien auf dem Gute Maydel sein Diener, den er nach Batavia mitgenommen hatte, und brachte mit der Meldung vom Tode seines Herrn zwei Strausseneier, welche im Innern Briefe enthielten. Diese Strausseneier befanden sich noch 1879 in Ruil in Aufbewahrung. Am 30. December 1757 hatte er sich mit Barbara Charlotte von Krüdner aus dem Hause Somel vermählt. Dieselbe war am 16. December 1740 geboren und lebte noch 1786. Aus dieser Ehe waren zwei Söhne: Peter Ludwig (20), Ludwig Johann (22), sowie zwei Töchter: 1. Hedwig Barbara Elisabeth (19) x ), geboren am 15. December 1758, vermählt am 15. August 1777 mit dem Baron Bernhard Wilhelm von Wrangeil (VllL 51) auf Ontika, geboren 1748, starb am 29. Januar 1838 in St. Petersburg. 2. Julianne Wilhelmine (21), geboren 1762, vermählte sich am 25. August 177S mit Gotthard Johann von Helfreich, Kreisrichter in Wesenberg, Erbherr von Viol, Errinal und Rabenküll. geboren am 24. Juni 1752, starb am 12. December 1807. Nach zweiundzwanzigjähriger Ehe wurden sie geschieden. 2 ) Sie wurde sein- alt. 22. Ludwig Johann von Wrangeil, 3 ) Sohn von Bernd Gustav (18), geboren am 28. Februar 1770, starb am 17. Mai 1811 in Reval. Er trat in kaiserlich russische Militärdienste und wurde 1787 Seconde-Lieutenant, nahm indessen sehr bald seinen Abschied, studirte 1797 in Jena; später war er Doctor med. und Stadtphysikus in Reval. !) Gadebuscli, a. a. O. Y, p. 771. 2) Dies veranlasste Kotzeliue seine „Leontine" zu schreiben. 8 ) Gadebusch, a. a. 0. Y, p. 771. Er verheiratkete sich mit Auguste von Rickmann, welche als Wittwe den Syndikus des reval sehen Kaths, nachmaligen Kanzlei-Director des General-Gouverneurs der Ostsee- Provinzen, 1833 Wirklicher Hofrath, Bitter Heinrich von Tideböhl in Biga lieirathete. 20. Peter Ludwig von Wrangeil, 1 ) Sohn von Bernd Gustav (18), wurde den 26. April 1760 geboren und von dem Thronfolger, nachmaligem Kaiser Peter IH. über die Taufe gehalten. Er trat 1773 in die Artillerie ein, war Corps-Offizier im Artillerie-Corps, dem späteren zweiten Kadetten-Corps in St. Petersburg; 1797 war er Artillerie - Kapitän und wurde zu einer Expedition, der die Landesvermessung des russischen Keiches zur Aufgabe gemacht wurde, als Assessor versetzt. Während dieser Arbeit hielt er sich vorübergehend mit seiner Familie in Pleskau auf, nahm dann aber den Abschied als Major und lebte sodann ohne einen besonderen Posten auf seinem Erbgute Waymel - Neuhof, welches 5% Haken gross war. Ausserdem gehörte ihm Hurmi mit 6 5 /s Haken, was ihm seine Frau eingebracht hatte. Beide Besitzungen lagen im Kreise Dorpat. Im Jahre 1797 hatte er für sich und seinen Bruder Ludwig Johann, der sich damals auf der Universität Jena befand, das Adels-Attest bei der livländischen Ritterschaft erbeten, 2 ) welches ihm auch verabfolgt wurde, da seine Vorfahren bereits 1742 sich bei der Matrikel-Commission gemeldet und in die erste Klasse unter Nr. 41 eingetragen waren. Er starb im August 1807. Vermählt hatte er sich am 23. December 1792 zu Biga mit Dorothea Margarethe Barbara von Freymann, Tochter des verstorbenen Generallieutenants und Bitters Ferdinand Magnus von Freymann, Erbherrn zu Waymel-Neuliof und Hurmi und Catkarina Elisabeth von Krtidner. Dieser General von Freymann stammte aus einem aus Bayern unter Herzog- Jacob nach Kurland eingewanderten Geschlecht von Freymann von Hohen-Randeck, das mit dem jetzt (1879) in Livland lebenden Geschlecht von Freymann nicht zu verwechseln ist. Sie war 1768 geboren und starb am 22. October 1806. Sie hatten zwei Söhne: Ferdinand Friedrich George Ludwig (25) und George Anton Otto (29), sowie fünf Töchter und zwar: 1. Elisabeth Petronella 3 ) (23), geboren am 8. Februar 1795, starb am 25. Mai 1818 in Reval. 2. Julianne (24), geboren im Januar 1796, starb am 18. October 1808 in Reval. 3. Charlotte Auguste Ludovica 4 ) (26), geboren am 20. Juli 1801, starb 1833. Am 24. März 1823 vermählte sie sich mit Gottlieb Heinrich Theodor von Koschkull auf Mentzen. 4. Constantia Margarethe Johanna 5 ) (27), geboren 1799, starb als Kind. 5. Therese Henriette Eleonore (28), geboren 1804, starb als Kind. 1) Gadebusch, a. a. O. V, p. 771; Wrangeil, Sammlung I 138. 2) Ritterschafts-Archiv Riga, Nr. 116, p. 2755/2759. 3 ) K.-B. Dom Reval; St. Johannis K.-B. 4) Wrangeil, a. a. 0. VIII, 159: ß ) Wrangeil, a. a. 0. VIII, 159. Ferdinand Friedrich George Ludwig Baron yoii Wrangeil, kaiserlich russischer Admiral und Mitglied des Reichsrathes. IX 25. — 455 ----- 25. Ferdinand Friedrich George Ludwig Baron von Wrangeil, 1 ) Sohn von Peter Ludwig - (20), wurde am 29. December 1796 in Pleskau geboren, wo seine Eltern sich vorübergehend aufhielten. Seine früheste Jugend verlebte er in Livland auf dem Gute seiner Eltern, Waimel- Neuhof. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt im Städtchen Werro, wohin die Familie übergesiedelt war, wurde er wieder aufs Land geschickt in das Haus seiner Tante, Fr. von Freymann, auf dem Gut Nursi, w r o er im Verein mit drei anderen Knaben den Unterricht eines aus Deutschland berufenen Lelmers, Hrn. Gnüchtel, gemessen sollte. Inwieweit Herr Gnüchtel im stände war seinen Schülern einen systematischen und gründlichen Unterricht zu ertheilen oder nicht, muss dahingestellt bleiben, denn er zog es jedenfalls vor, dieselben mit allem und jedem Schulunterricht unbehelligt zu lassen und die drei jüngeren Knaben, zu denen Ferdinand von Wrangeil gehörte, ganz sich selbst zu überlassen; nach Herzenslust beuteten sie dies auch aus, indem sie bei jedem Wetter und zu allen Jahreszeiten in Wald und Flur sich tummelten und ihren Ehrgeiz darein setzten, sich recht abzuhärten, ihre Kräfte zu üben und in allen körperlichen Spielen eine grosse Fertigkeit zu erlangen. Um Grammatik und Rechenbuch kümmerten sie sich ebenso wenig als der Lelmer, was ihnen nicht zu verdenken war. Ferdinand von Wrang eil besass ein eigenes Reitpferd, das er nach Belieben benutzen konnte, und so wurde der angeborene Drang des Knaben nach starker Bewegung in freier Natur, nach abhärtenden und sogar anstrengenden körperlichen Uebungen schon in den Kinderjahren sehr entwickelt. Sein Sinnen und Trachten ging schon als kleiner Bube auf kühne Unternehmungen aus; Entdeckungsreisen und Abenteuer aller Art schwebten ihm in seinen kindlichen Spielen vor, und er pflegte dann in selbsterfundenen Heldenliedern seine überströmenden Empfindungen mit mehr Begeisterung als Wohlklang- laut in die Welt hinaus zu singen; der stets wiederkehrende Refrain dieser Gesänge lautete: „In die Welt hinaus mit Bogen und Pfeil!" Als fünfjähriges Bürschlein schon war er eines Tages von Hause fortgelaufen und bereits eine weite Strecke auf der Landstrasse gewandert, als man seine Abwesenheit bemerkte und ihn einholte; auf die Frage: wohin er denn wolle? gab er zur Antwort: „In die weite Welt." Vorläufig musste er aber noch in die enge Kinderstube zurückkehren, und die Erfüllung dieses Strebens blieb erst späteren Jahren vorbehalten. Während seines Aufenthaltes bei den Verwandten Freymann traf den noch nicht zehnjährigen Knaben das Unglück, zuerst seine Mutter und ein halbes Jahr später auch den Vater zu verlieren. Gleichzeitig ging auch das Vermögen verloren, indem'der Vater ein zweites Gut erstanden hatte, für welches der Preis in Silber-Rubeln angegeben war; nun aber stieg plötzlich der Silber-Rubel um das Vierfache infolge einer Finanzbestimmung des Kaisers, und so musste nach dem Tode der Eltern alles verkauft werden, um den eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Die noch lebenden fünf Kinder standen elternlos und mittellos da. Sie wurden von verschiedenen Verwandten und Freunden in i) Eine sehr ausführliehe Biographie dieses Berühmt gewordenen Mannes Bietet der LeBensaBriss desselBen von L. von Engelhardt, 1885 in Leipzig im "Verlag von Duncker und HumBlot erschienen, dar. Ebenso in anderer Auflassung: „Die Biographische Skizze, verfasst vom russischen General der Artillerie K. N. Schwartz", enthalten im Sischen Journal „Russlands alte Zeit", Band V, Ausgabe 1872, St. Petersburg. ilire Häuser und Familien aufgenommen, nur über den ältesten Sohn Ferdinand wurde beschlossen, dass er ins Seekadetten-Corps in St. Petersburg eintrete. Eine Cousine (VIII63) Ferdinands hatte sich kürzlich mit einem jungen Seeoffizier von Romberg verheirathet, unter dessen Protection man nun den Bruder der jungen Frau, Wilhelm von Wrangeil (V TTT 67), der ein Altersgenosse und steter Gefährte Ferdinands war, sowie diesen letzteren im Seekadetten - Corps placirte. Wilhelm hatte von diesen Plänen zuerst etwas vernommen und schrieb seinem Freunde Ferdinand die grosse Nachricht aufs Land, mit den Worten: „Unser Glück ist gemacht: wir ziehen in die Residenz!" In dieser gehobenen Stimmung kamen beide aus ihrer Inländischen Landeinsamkeit in die Residenz, unter 600 andere Knaben, die aber alle nur russisch sprachen, wovon sie zunächst kein Wort verstanden, das sie jedoch nach einiger Zeit genügend erlernt hatten, um sich nicht mehr vereinsamt in der fremden Umgebung zu fühlen. Die neun Jahre, welche Baron von Wrangeil jetzt im Seecorps verbrachte, waren für den Knaben und Jüngling mehr noch eine Schule des Lebens als der Wissenschaft, von welcher nur die Mathematik gründlich, wenn auch ganz geistlos getrieben wurde. Alles andere war gleich Null zu achten; die Knaben waren nicht einmal gezwungen bei den Sclnüstunden zugegen zu sein, und innerhalb der Mauern des Seecorps war ihnen ein Grad der „Freizügigkeit" und Freiheit gestattet, wie es heutzutage in einer solchen von der Krone unterhaltenen Militärerziehungsanstalt undenkbar wäre. Ferdinand von Wrangeil zeichnete sich sehr bald unter all seinen Kameraden durch seine reiche Begabung, seinen Wissensdrang und Lerneifer und vielleicht noch mehr durch seine hervorragenden Charaktereigenschaften aus, die ihn bald nicht nur auf der Schulbank, sondern auch in der Stellung zu seinen Mitschülern unbestritten zum Ersten an der Spitze der vielen hundert anderen machten. Er war auffallend klein von Figur, was er immer geblieben ist, doch so proportionirt und gut gebaut und in allen Körperübungen von früh auf so gewandt, dass er auch auf dem Fechtboden und dem Spielplatz von keinem übertroffen wurde; sein brennender Ehrgeiz, der jetzt erwacht war, liess ihm auch keine Ruhe, bis er sich auf jedem Gebiet die möglichste Fertigkeit angeeignet hatte — nirgend wollte er einem andern nachstehen. Ausser dem allzu heftigen Ehrgeiz war es ein anderer Fehler, der ihn in jener Zeit beherrschte, nämlich eine aufbrausende Heftigkeit; doch diese lernte er, gerade in seiner Stellung als erster, die ihm das Gefühl der Verantwortung schärfte, einigermassen zügeln. Die hervorragenden Züge seines Wesens waren schon damals, wie auch im späteren Leben: eine rückhaltlose Wahrhaftigkeit in Wort und Wandel, eine unparteiische Gerechtigkeit mit dem Zug gepaart, die Rechte des Schwächeren gegen Uebergriffe des Stärkeren zu schützen; eine ungewöhnliche Thatkraft verbunden mit grossem organisatorischem Talent, wobei er die Tendenz hatte bei aller Ordnung und Gliederung des Ganzen die Selbständigkeit und Verantwortlichkeit des Einzelnen zu betonen; eine hohe und glühende Begeisterung für alles Edle und Grosse und ebenso glühender Hass und Abscheu gegen alles Gemeine und Niedrige; eine vollständige Hingabe an die Sache, der er sich weihte, der gegenüber das Interesse oder die Bequemlichkeit der eigenen Person gar nicht in Frage kamen. Eine hervorragende Rednergabe besass er nicht und war für die leichte gesellige Unterhaltung wenig geschickt, — aber sein scharfer Blick fand in allen Fragen den Kernpunkt sicher heraus, und seine Art, auch solchen Personen, die bisher einer Frage fern gestanden, dieselbe klar, treffend und mit einer eigenthümlichen ernsten Energie vorzutragen, brachte eine nachhaltigere Wirkung hervor als manche glänzende Bede. Bald war er von den Vorgesetzten mit Achtung und Anerkennung, von den Mitschülern mit unbedingtem Vertrauen und dabei mit herzlicher Anhänglichkeit behandelt und schliesslich, wie er sich selbst ausdrückte, „zu glauben anfing er sei etwas!-' Er absolvirte 1815 sein Examen mit grosser Auszeichnung und trat nun in der Stellung eines jungen Midshipmans (seit 1812 Gardemariner, seit 1814 Unteroffizier) aus dem Corps ins wirkliche Leben ein und wurde der 19. Equipage der baltischen Flotte, die in Beval stand, zugezählt. Hier setzte er die Studien zu seinen Unternehmungen fort. Er wurde mit seinem treuen Vetter Wilhelm und einem andern intimen Freunde, Herrn von Anjou, nach Eeval commandirt, wohin Wilhelms Eltern, die auch Ferdinand wie ihren Sohn betrachteten, mittlerweile übergesiedelt waren. Hier begann nun ein munteres, geselliges Leben und Treiben; aber ein besonderer Widerwille gegen alles leichte jugendliche Getändel und gesellige Freuden überhaupt er- fasste das Gemüth des jungen Seemanns, der sich bald ganz von der Gesellschaft zurückzog und sich mit doppeltem Eifer dem Studium von Beisewerken, sowie nautischen wissenschaftlichen Arbeiten hingab. Im Frühjahr 1810 ward eine Escadre zu den im Sommer stattfindenden Uebungs- fahrten in Eeval armirt und Baron Wrang eil mit seinem Freunde Anjou der Fregatte „Awtroil" zugetheilt. Die Fahrten fanden im finnischen Meerbusen statt, im Herbst kehrte die Escadre nach Beval zurück. Im Laufe des Sommers 1816 erfuhr Wrang eil durch den aus Kronstadt kommenden Midshipman Demidow unter der Hand, dass nächstens ein paar Schiffe eine Beise um die Welt unternehmen sollten — doch sei es natürlich sehr schwer eine Ernennung auf eines dieser Schiffe zu erhalten, dazu bedürfe es hoher Protektion. Eine Beise um die Welt! Wie ein elektrischer Schlag durchfuhr diese Nachricht den jungen Wrangeil, und er war sofort entschlossen alles dran zu setzen, um auch ohne Protektion seine Ernennung zu erwirken. Er begab sich nach Petersburg, trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse, die es zu überwinden gab; mit einer sehr geringen Baarschaft verstand er es die Beise hin und zurück und den Aufenthalt dort zu bestreiten. Von achtundzwanzig Tagen seines Urlaubs vergingen neunzehn Tage auf der Hinreise, bei ungünstigem Winde in einer elenden Barke; sechs Tage brauchte er, um im einfachen Frachtwagen von Petersburg wieder zurückzureisen, wobei er die meiste Zeit zu Fuss ging, und nur zwei Tage blieben ihm an Ort und Stelle, um diese wichtige und schwierige Sache, an der sein ganzes Streben hing, durchzuführen. Er begab sich sofort zum Kapitän Golownin, dem Chef der geplanten Expediton, und trug ihm in Kürze ohne Umschweife sein Anliegen vor. Kapitän Golownin entliess ihn freundlich, mit dem Versprechen sein möglichstes zu thun, um ihm die Ernennung auf eins der Fahrzeuge zu erwirken, und mit hoch vor Freude klopfendem Herzen verliess der junge Seemann die Besidenz. Es dauerte auch — 458 — nicht lange, so hatte er die Ernennung an Bord der Kriegs-Schaluppe „Kamtschatka" unter dem Commando des Kapitän Golownin in Händen. Im September des Jahres 1817 verliess die „Kamtschatka" die Rhede von Kronstadt; die Reise dauerte 2% Jahre. Das Tagebuch, welches Wrangeil während derselben führte, ist leider bei einem Brande vernichtet worden. Er hatte dasselbe mit pedantischer Genauigkeit täglich geführt und alles was er sah und hörte niedergeschrieben, so dass nach dem Verlust desselben man die lebhaften Eindrücke des jungen Midshipman, seine Sinnesart, seine Gedanken und Anschauung nur aus dem Munde des greisen Admirals hörte, der die ganze Poesie seiner ersten Seefahrt nie vergessen hatte. Theilen wir nur einiges aus den für seine Kinder geschriebenen „Erinnerungen" mit. Baron Wrangeil schreibt: „Eine solche Weltumsegelung übt einen mächtigen Eindruck aus auf Geist und Gemüth eines nach Kenntnissen und Erfahrung strebenden jungen Seeoffiziers. Keine Studien können das ersetzen, was er so mit seinen leiblichen Sinnen erlebt und betrachtet. Ich kann mit gutem Gewissen bezeugen, dass ich ganz Auge und Ohr, ganz Aufmerksamkeit war für alles, was sich während der zweijährigen Reise zutrug. Nautische Praktik, nautische Astronomie, Länderkunde waren die Gegenstände, in denen Kenntnisse und Erfahrung zu erwerben ich mich bemühte Es thut mir leid, mein damals geführtes Tagebuch nicht mehr zu besitzen, es würde mir die mannigfaltigen Begebenheiten ins Gedächtniss rufen, die auf das jugendliche Gemüth um so lebhafter eingewirkt haben mögen, als sie ihrer Natur nach so ganz verschieden waren von allem, was ich bis dahin gesehen und erlebt hatte. Der erste tüchtige Sturm auf dem Ocean; die erste fremde Küste; der erste fremde Hafen; das erste englische Kriegsschiff; der Eintritt in das Atlantische Meer; der letzte Hinblick auf europäisches Land; das erste Erscheinen der amerikanischen Andes, der Palme, der Tropenvegetation; die Sonne im Scheitel über einem; der zauberhafte Farbenschmelz nach Sonnenuntergang in den Tropen; das Aufsteigen nie gesehener Sternbilder, des südlichen Kreuzes! Das wonnevolle Hingleiten unter vollen, von mässigem Passatwinde geschwellten Segeln; das Leuchten des Meeres; Schaaren fliegender Fische, der erste Walfisch, der Riesen-Albatross. Nach angestrengtem dreimonatlichem Kämpfen gegen conträre Stürme und berghohe Wellen die endliche Umschiffung des Cap Horn und der Eintritt in die Südsee. Engländer, Dänen, amerikanische Portugiesen, amerikanische Spanier, Stidsee-Malayen, Kamtschadalen, Aleuten, rothhäutige Indianer Nord-Amerikas! London mit seinen Wundern, Brasilien, der Hof Rio de Janeiros; die balsamische Luft an den Küsten Chiles und Perus; die Cordilleren; das eisige Kamtschatka mit seinen riesenhaften Vulkanen; Californien, Lima und Pizarros Nachkommen; die Sandwich-Inseln und der Mörder Cooks als erster König daselbst, und das Aufkommen europäischer Civilisation unter seiner Regierung; die Bananen-Gärten der Ladronen und das reiche Manilla; St. Helena, zu dessen Gefangenen Napoleon der ersehnte Besuch uns von den Engländern nicht gestattet wurde; die Wein- und Orangengärten der Azoren und endlich die Heimkehr nach Europa, in den Hafen von Kronstadt! — Dies alles bildet ein so überaus reiches Panorama, die Eindrücke der so verschiedenartigen Naturscenerien, Völker- und Gesellschaftsformen sind so mannigfaltig und überraschend, dass der Geist geweckt und ergriffen wird und man in zwei kurzen Jahren ein langes, reiches Menschen- — 459 — alter durchlebt zu haben meint. Man lernt es, gegen die aufgeregten Elemente mit Zuversicht und Selbstvertrauen anzukämpfen, Gefahren keck ins Auge zu schauen, sich eine Seelenruhe zu bewahren mitten im Toben der Stürme und berghoch sich thürmender Wellen; man fühlt sich körperlich und geistig emanzipirt vom engen Stubenleben auf abgeschlossenem Lande, und eingeführt als Bürger der ganzen weiten, schönen, wundervollen Erde! Das ist in Wahrheit eine grossartige Bildungsschule, nicht für das gesellige und gesellschaftliche Leben, am wenigsten für den Salon, — aber eine echte Bildungsschule für den Seemann, dessen Sinnen und Trachten mit Liebe und Leidenschaft seinem Elemente zugewandt ist und dem nun Mühen, Gefahren und Entbehrungen wohlbekannte Ereunde geworden sind. — Die grossartigen Ansichten, welche aus dem Schooss des Oceans auftauchen und wieder von ihm verschlungen werden, um andere folgen zu lassen; die rege Bewegung der Völker der ganzen Welt auf den unbegrenzten Strassen des Welthandels, das richtet den betrachtenden Geist auf das Allgemeine, es reizt ihn zu edlen und grossartigen Entschlüssen; sein innerer Sinn wird auf das AVahre und Wesentliche gelenkt: Lüge und Schein werden ihm verhasst. Ein solches Leben bewegt sich in einer Reihe von Contrasten, welche den Geist des Seemanns auf eine eigenthümliche Weise bearbeiten: am Bord des Schiffes während zwei- bis dreimonatlichen Segeins von einem Hafen zum andern, die strengste Disciplin; im Hafen angelangt und den Fuss auf festes Land gesetzt — ist jedes Zeichen militärisch strengen Dienstes abgeworfen. Auf der See magere Kost, die grösste Einfachheit und Regelmässigkeit in der Tagesordnung; am Lande Ueberfluss von allem, offene Wahl der Vergnügungen und Genüsse. Dort ein enger Raum und immer und ewig die gleichen Menschen und dieselben Unterhaltungen, — hier keine Grenzen freier Bewegung: gesattelte Pferde, bespannte Wagen stehen bereit, einen durch die Strassen der fremden Städte, in die Pflanzungen, in den Wald, in die Villen zu führen, und neue Bekanntschaften giebt's auf jedem Schritt, da eine so seltene Erscheinung, wie die eines Russen es damals war, stets ein willkommener Gast war. So wechseln die Contraste und wiederholen sich in mancherlei Formen alle zwei, drei bis vier Monate, und müssen dem Wesen des Seemanns einen besonderen Stempel aufdrücken." Auf dieser Reise knüpfte der junge Midshipman Wrangell mit einem seiner Mitoffiziere, Midshipman von Lütke, ein Freundschaftsband, das trotz grosser Verschiedenartigkeit in Charakter und Anschauung durchs ganze Leben festgeblieben ist. Während der zweiten Hälfte der Reise beschäftigte sich Wr angell besonders mit arktischen Reisebeschreibungen, und es erwachte in ihm der Wunsch, auf diesem Gebiete seine Kräfte erproben zu können. Gross war daher seine Freude, als ihm bald nach seiner Rückkehr, nach welcher er zum Lieutenant avancirte, im Jahr 1819 durch seinen Vorgesetzten Kapitän Golownin der Vorschlag gemacht wurde, die Leitung einer Expedition an die Nordküste Sibiriens zu übernehmen, auf welchen er mit Eifer einging. Er besuchte noch seine Verwandten in Livland und hielt sich einige Zeit in Dorpat auf, um sich in verschiedenen wissenschaftlichen Fächern besser auszubilden, die ihm auf der bevorstehenden Expedition von Nutzen sein konnten. So hörte er beim 58' 460 Professor von Engelhardt Mineralogie. Die anziehende geistreiche Belehrung und der liebenswürdige Umgang dieses Mannes gewährte ihm hohen Genuss und blieb ihm bis in sein Alter unvergesslich. Bei Professor Parrot senior hörte er Physik; bei Struve übte er sich in der Behandlung des künstlichen Spiegelhorizontes. In Petersburg liess er sich von einem Barometerfabrikanten, Bospini, Anweisung geben das Quecksilber in Barometerröhren auszukochen, um in Sibirien an Ort und Stelle zuverlässige Barometer selbst anfertigen zu können. So vorbereitet und ausgerüstet trat er seine Beise an die Nordküste Sibiriens an, und nach den Hilfsmitteln jener Zeit war er mit allem versehen was für seinen Zweck irgend nützlich und praktisch erschien. Aber wie kümmerlich waren doch damals noch die Hilfsmittel im Vergleich mit der Jetztzeit! Um nur ein Beispiel aus vielen herauszugreifen, sei daran erinnert, dass die Erfindung der Schwefelhölzchen noch nicht gemacht war. Man war zum Feueranmachen noch auf Feuerstein und Zunder angewiesen, eine Manipulation, welche mit erstarrten Fingern bei 40° unter Null ausgeführt, in vielen Fällen ganz resultatlos blieb, so dass die erschöpften und halberfrorenen Beisenden ge- nöthigt waren ohne die lebensspendende Wohlthat eines erwärmenden Feuers und heissen Trankes die Nacht unter freiem Himmel zuzubringen, der ganzen Unbill des Polarklimas preisgegeben. Auch die Conserven von Fleisch und Gemüse, die es jetzt ermöglichen kräftige Nahrungsmittel mit grösster Baumersparniss mit sich zu führen, existirten damals nicht. Zum besseren Verständniss von Ziel und Zweck des Unternehmens sei es gestattet, an dieser Stelle einige erläuternde Bemerkungen einzuschalten und später auf den weiteren Lebensgang Wränge Iis zurückzukommen. Auf dem Gebiete der Geographie und Hydrographie an der Nordküste Sibiriens herrschte die grösste Unklarheit und Ungewissheit, indem sämmtliche Aufnahmen und Karten sogar in mehreren der wesentlichsten Ortsbestimmungen um 1y 2 und mehr Grad von einander abwichen. Namentlich aber blieb die ganze Küstenstrecke vom Cap Schelagskoj bis ans Nord-Cap noch völlig unbekannt, auch waren die Meinungen getheilt über das Dasein eines problematischen Landes im hohen Norden, der Kolyma-Mündung gegenüber, welches ein Kosake Andrejew entdeckt haben wollte. Um nun diese grosse Lücke in der Geographie sowie in der Kenntniss des russischen Beiches auszufüllen, beschloss Kaiser Alexander I. die Aussendung zweier Expeditionen, welche unter die Leitung von Offizieren der kaiserlichen Marine gestellt werden sollten und die Aufgabe erhielten, eine genaue Aufnahme der Nord-Ost-Küste Sibiriens von der Jana bis ans Cap Gchelagskoj, sowie der auf dieser Strecke befindlichen Inseln zu liefern und daneben hydrographische, meteorologische, magnetische und andere wissenschaftliche Beobachtungen und Arbeiten auszuführen. Im Jahre 1820 wurden die beiden Expeditionen ausgerüstet, die gleichzeitig, jedoch ganz unabhängig von einander, ihre Thätigkeit auszuüben hatten. Der unter dem Oberbefehl des Lieutenants von Anjou stehenden ward der westliche Theil der Küstenstrecke zur Durchforschung übertragen, der anderen, unter Wrangells Oberbefehl, der östliche, von der Kolyma an gerechnet. Ausserdem wurde diesem der specielle Auftrag zu theil: über die Existenz oder Nichtexistenz des Andrejew sehen Landes Klarheit zu verschaffen. — 461 — Zu diesem Zweck sollte sein Standquartier der kleine Ort Nyshne-Kolymsk sein, von wo aus er mit Hundeschlitten auf dem Meereise so weit als thunlich vordringen sollte, um wo möglich das fragliche Land auf diese Weise zu erreichen. Zu Begleitern des Lieutenants von Wrangeil wurden ernannt: Midshipman von Matjuschkin, Steuermanns-Offizier Kosmin, Dr. med. Kyber und zwei Matrosen, davon der eine Schlosser, der andere Zimmermann war. Am glücklichsten war der junge Lieutenant an dem Tage, wo er den Postwagen bestieg, um nach Sibirien abzureisen. Am 26. Mai 1820 meldete er sich in Irkutsk beim Administrator Speransky, der ganz auf seine Ideen einging. Nachdem Baron von Wrangeil in 27 Tagen 2500 Werst auf dem Flusse Ka- tschuga zurückgelegt hatte, traf er in Jakutsk ein und reiste mit derselben Geschwindigkeit nach Nislme-Kolymsk, dem Operationspunkt für sein Unternehmen, wo er am 2. November 1820 bei —32 Grad Reaumur anlangte. Der Aufenthalt der Expedition in Nyshne-Kolymsk hat drei Jahre gedauert, während welcher Zeit mehrere Entdeckungsreisen auf dem Eise des Polarmeeres, sowie im Sommer Forschungsreisen ins Innere des Landes unternommen wurden. Das Resultat dieser Expedition war einestheils eine genaue und correcte Aufnahme der Küste und der Inseln, sowie eine Reihe werthvoller Beobachtungen auf anderen wissenschaftlichen Gebieten; anderntheils aber der begründete Nachweis, dass das von Andrejew beschriebene Land an der Stelle, wo derselbe es angegeben, nicht existire, weshalb es denn auch von da an von den Karten verschwunden ist. Dagegen hatten die Erzählungen der Tschukschen bei Wrangeil die Ueberzeugung wachgerufen, dass an einem anderen Punkte, bedeutend weiter nach Osten, im Norden des Cap Jakan ein unentdecktes Land sich befinde, und er hatte den lebhaften Wunsch, von diesem Cap aus neue Entdeckungsfahrten zu unternehmen, um die Existenz dieses Landes constatiren zu können. Als daher die drei Jahre in Nyshne-Kolymsk vorüber und Ziel und Zweck dieser Expedition erreicht waren, richtete er die dringende Bitte an das kaiserliche Ministerium, ihm noch Mittel zu einer Forschungsreise von weiteren drei Jahren zu gewähren, damit er vom Cap Jakan aus seine Entdeckungsfahrten ausführen könne. Das Gesuch wurde indess abschlägig beschieden, weil es an Geld zu solchen Zwecken gebrach, und zu seinem grossen Leidwesen musste nun Wrangell die Hoffnung aufgeben das gesuchte Land zu finden, von dessen Dasein er so überzeugt war, dass er auf seiner Karte im Norden des Cap Jakan ein Land angegeben hat mit der Bezeichnung: „Berge, bei heiterem Sommerwetter von Cap Jakan aus sichtbar." Es ist ihm aber doch, fast ein halbes Jahrhundert später, die Genugthuung zu theil geworden, dass seine Angaben und Voraussetzungen sich als vollständig richtig erwiesen haben, indem das im Jahre 1867 von Kapitän Long im Norden des Cap Jakan entdeckte Land in seiner Lage an einem Punkte mit der muthmasslichen Angabe auf der Karte Wrangells über das noch zu suchende Land übereinstimmt. Kapitän Long gab ihm den Namen Wrangell-Land, und damit ist dem kühnen und eifrigen Reisenden gerade auf dem Schauplatz seiner mühe- und gefahrvollen Thätig- keit für alle Zeiten ein Denkmal gesetzt. — 462 — Infolge den Ablehnung seines Gesuches musste Baron Wrangeil an die Riick- kehr denken und es war hohe Zeit dieselbe anzutreten. Zweimal war er dem Tode fast verfallen. Das erste Mal, als ein Eisfeld circa 200 Werst vom Ufer wie durch einen unterirdischen Schlag unter seinen Füssen in kleine Stücke zerschellte und sich offene Strecken von etwa einer halben Werst Breite bildeten; das zweite Mal, als er auf einer losgelösten Eisscholle zwei Tage und Nächte, fast ohne Nahrung, umhergetrieben wurde; hier rettete ihn nur seine Geistesgegenwart, Energie und die rechtzeitige Hilfe des Mid- shipman Matjuschkin. Gegen Ende seiner Reise stellten sich aber körperliche Leiden ein. Die eiserne Constitution befiel der Rheumatismus, die Augen versagten infolge beständiger Entzündungen den Dienst, und freilich konnten in Nishne-Kolymsk bei —30 Grad und —40 Grad Reaumur die verlornen Kräfte nicht wieder hergestellt werden. Im Februar traf der Lieutenant von Wrangeil in Irkutsk ein, wo er, nicht mehr Herr seiner Füsse, den Befehl erhielt, nach Petersburg zu eilen. Auf eigene Verantwortung behielt ihn indessen der General-Gouverneur Lawinsky in Irkutsk zurück, damit Wrangeil sobald wie möglich die burgusinskyschen Heilquellen benutzen könne. Im Juli 1824 kehrte er erst nach St. Petersburg zurück. Der Kaiser Alexander empfing den Lieutenant von Wrangeil sehr gnädig und liess sich sehr viele Einzelheiten ausführlich erzählen. Für die gehabte Mühe avan- cirte Baron Wrangeil 1824 zum Kapitän-Lieutenant, wurde mit dem St. Wladimir- Orden IV. Klasse decorirt, erhielt zu seinem Gehalt als Zulage seine Lieutenants - Gage und die auf der Expedition zugebrachte Zeit bei der Pension als doppelte Dienstzeit in Anrechnung gebracht. Wrangells Name war nun in der wissenschaftlichen Welt ein mit Ehren genannter, und auch als Offizier war er geschätzt, so dass sich ihm eine glänzende Carriere in der Residenz eröffnete, wie ihn auch verschiedene einflussreiche Personen, die ihm wohlwollten, ermunternd aufforderten, seine günstige Stellung nicht ungenützt zu lassen. Allein dem kühnen Forschungsreisenden, der sich auf einer Eisscholle im Polarmeer weit mehr in seinem Elemente fühlte als auf den Teppichen und glatten Parquets der Petersburger Paläste und Salons, war der Gedanke unerträglich, in dieser Welt, im büreau- kratischen Dienst und am Schreibtisch, seine ferneren Tage zu verbringen, und sollte ihn das auch binnen kürzester Frist zu hohen Aemtern führen. Er verhielt sich daher ablehnend gegen die „lockenden Aussichten" und war ganz glücklich, als ihm durch seinen früheren Kapitän Golownin, der jetzt General - Intendant war, der Vorschlag gemacht wurde: als Kapitän eines kleinen Fahrzeuges, der dreimastigen Brigg „Krotky", eine Reise um die Welt zu unternehmen, mit dem Zwecke: den wohlfeilsten und zweck- mässigsten Modus zur Versorgung Kamtschatkas mit den nöthigen Materialien festzustellen und einen Anfang damit für die dortige Colonie zu machen. Der Bau des Schiffes ward ihm anvertraut und hielt ihn fast ein Jahr in St. Petersbusg fest. Im Mai 1825 wurde die „Krotky" vom Stapel gelassen und im September verliess sie die Rhede von Kronstadt. Die Reise der „Krotky" dauerte zwei Jahre; im August des Jahres 1827, in einer Nacht, die durch ein prachtvolles Nordlicht erleuchtet war, das den alten Bekannten aus — 463 — Sibirien zu begrüssen schien, lief Kapitän Baron Wrangell mit seinem „Krotky" in Kronstadt wieder ein. Der Kaiser Nikolaus besuchte das Schiff, unterhielt sich eingehend mit dem Kapitän und erwies ihm jetzt und auch in den späteren Jahren seine Huld und Anerkennung. Er wollte Wrangell zum Commandern- eines Linienschiffes ernennen, doch bereitete diese Aussicht dem damit Geehrten das grösste Entsetzen, da ihm der hiermit verbundene Gar. nisondienst auf dem Lande und der maritime „Gamaschendienst" eine ebenso unbekannte als widerstrebende Sache war. Er sprach seinen schuldigen Dank für die ihm zugedachte Ehre aus, bat aber zugleich, ihm lieber eine Fregatte anstatt eines Linienschiffes zutheilen zu wollen. Sein Wunsch wurde genehmigt, indem er zum Commandern' der Fregatte „Elisabeth" ernannt und mit ihrem Bau betraut wurde. Für die auf der Reise um die Welt verbrachten zwei Jahre und für die von Erfolg gekrönte Ausführung des ihm übertragenen Auftrages wurde Baron Wrangell 1827 mit dem St. Annen-Orden H. Klasse belohnt und befohlen, dass die auf der Expedition verbrachte Zeit doppelt anzurechnen und das von ihm bezogene Gehalt in eine Pension umzuwandeln sei. Wenige Tage nach diesen Belohnungen avancirte Baron Wrangell zum Kapitän zweiten Ranges und wurde Mitglied des gelehrten Comite beim See-Ministerium. Als solches Mitglied veranlasste er die Einführung eines grösseren Geschütz-Kalibers bei der Flotte. Im Spätherbst 1828 traf die Fregatte „Elisabeth" in Kronstadt ein, bei welcher Gelegenheit Wrangell zum Commandern- einer combinirten Brigade und zum Präses der kriegsgerichtlichen Untersuchungs-Commission ernannt wurde. Im Jahre 1829 avancirte er zum Kapitän ersten Ranges und ward zum Oberverwaltenden der russisch-amerikanischen Compagnie ernannt. Schon während der Zeit des Baues und in der darauf folgenden, die er in Kronstadt verlebte, wo er an der russischen Ausgabe seiner Polar-Expedition arbeitete, sehnte sich Wrangell nach einem eigenen Hausstand, um nach so bewegtem, anstrengendem Leben Geist und Herz zu erfrischen. Aber ohne Vermögen und einzig auf den Dienstgehalt angewiesen, war er nicht im stände eine Familie zu ernähren. Er besprach diese seine Sorge mit seinem alten Gönner, dem Admiral Murawjeff (ehemals Gouverneur der russisch-amerikanischen Colonie), der mit grosser Theilnahme sich auch für die persönlichen Angelegenheiten Wrangell s interessirte. Auf seine Empfehlung hin wurde dem Baron Wrangell bald darauf von der russisch-amerikanischen Compagnie (ein Institut ähnlich dem der englisch-ostindischen Compagnie) die vom Admiral Murawjeff inne gehabte Stellung angetragen, die von einem Regierungsbeamten, der für die Dauer von fünf Jahren aus dem activen Dienst entlassen wurde, besetzt werden musste. Wrangell wurde im Frühling 1829 zum „General-Gouverneur der amerikanischen Colonien" mit dem Charakter eines Kapitäns ersten Ranges vom Kaiser bestätigt. Nun galt es eine Frau zu finden, welche die idealen Vorstellungen und Ansprüche, die der nun vierunddreissigjährige Mann an eine Lebensgefährtin stellte, befriedigen, und zugleich so muthig und entschlossen sein musste, ihm sofort auf einer gefahr- und mühevollen Reise in ein ganz uncultivirtes, so gut wie verschollenes Land zu folgen, in welchem man beispielsweise nur einmal im Jahr Nachricht aus der Heimath erhalten konnte. — 464 — In der erst neunzehnjährigen Baronnesse Elisabeth Rossillon, deren Eltern in Reval lebten und mit von Wrangells Verwandten innig befreundet "waren, wurde ihm eine Lebensgefährtin zu theil, die in seltenem Masse alle Eigenschaften verband, welche nicht nur sein Leben schmückten, sein tiefes und zartes Gemüth, das bisher so wenig Nahrung gehabt, pflegte und beglückte, sondern auch in seiner Arbeit und Wirksamkeit, in den vielen Stürmen und Sorgen, die das Leben ihm brachte, als treue Gefährtin ihm zur Seite stand, die stets tröstend, besänftigend, in festem Gottvertrauen Herz und Blick nach oben richtete. Ein selten reiches und edles Eheglück ward ihm durch diese Gattin geschenkt, mit der er fast 25 Jahre vereint bleiben durfte. — Die Freiersfahrt des Seemanns zeichnete sich durch ebenso raschen Gang als glänzenden Erfolg aus. Bei seiner Ankunft in Reval erblickte er beim Aussteigen aus der Diligence in einer grösseren Gesellschaft, die gerade am Postgebäude vorüberging und seine Reisegefährtin, die treue Cousine Julie von Romberg (VIII 63) freundschaftlich begrüsste, ein schlankes blondes Fräulein von selten anmuthigem und geistvollem Aussehen, Lisinka Rossillon, und nun war er auch nicht mehr im Zweifel, wohin er seinen Kurs lenken solle. Zwei Wochen später war dies Mädchen seine Braut, noch zwei Wochen, und sie waren ein glückliches Ehepaar, und abermals zwei Wochen später, sassen sie mit einander im Reisewagen in St. Petersburg, um eine Hochzeitsreise anzutreten, wie sie wohl nimmer gemacht worden ist. Ihr Weg führte nämlich von St. Petersburg ostwärts, durch die ganze Breite Sibiriens bis an das Meer von Ochotsk, von wo sie zu Schiff an die Westspitze Amerikas, den Ort ihrer Bestimmung, Neu-Archangel auf der Insel Sitka, gelangten. Im Interesse der Geschäfte der russisch-amerikanischen Compagnie war es geboten, diese unbequemste aller Routen einzuschlagen, um die Faktoreien in Sibirien zu inspiciren. Die Reise dauerte iy 2 Jahre. Im November langte das junge Paar in Irkutsk, der Hauptstadt Sibiriens an, wo sie den Winter über bleiben nmssten. Sie benutzten diese Zeit unter anderem zu einer höchst interessanten Reise über das kristallklare Eis des Baikal-Sees bis an die chinesische Grenze nach Kiachta und Maimatschin. Am 4. April 1830 wurde ihnen ein Töchterchen x ) geschenkt, und da der Juli der einzige Monat ist, in dem die. gefahrvolle Reise durch die Urwälder und Moräste Sibiriens, die zwischen Jakutsk und dem Meerbusen von Ochotsk liegen, unternommen werden kann, so musste die junge Mutter mit dem erst vier Wochen alten Säugling die Weiterreise schon Mitte Juni antreten. Die ersten zwei Wochen fuhren sie in einer bequem hergerichteten Barke den majestätischen Lena-Strom hinunter bis nach Jakutsk. Von hier ab legten sie bis Ochotsk noch 1200 Werst in 40 Tagen und 40 Nächten, stets unter freiem Himmel und nnr in Zelten übernachtend, auf ungebahnten, oft sehr gefahrvollen Wegen meist zu Pferde, denn an eine Beförderung mittelst einer Tragbahre oder dergleichen war in den Urwäldern nicht zu denken, und langten nach einer einen Monat dauernden Seefahrt bei höchst regnerischem und stürmischem Wetter in Sitka, und endlich im October an ihrem Wohnort Neu- Arcliangel an, welches die Reisenden fünf Jahre lang ihre Heimath nennen sollten. Die junge Baronin von Wrangell war die erste gebildete Dame, welche den Boden Sitkas betrat, und ihre Aufgabe war es, im Verein mit ihrem Gatten an der He- !) Marie Natalie (31). - 465 — bung und sittlichen Veredelung der kleinen Welt, an deren Spitze sie jetzt gestellt waren, zu arbeiten. Sie hat sich dieser Aufgabe mit einem Ernst und feinen Takt, einer Selbstlosigkeit und liebenswürdigem Eingehen auf das Verständniss und die Bedürfnisse ihrer dreiviertel wilden und nur ein viertel civilisirten Umgebung unterzogen, die nicht nur die Bewunderung ihres glücklichen Eheherrn, sondern die ungetheilte Dankbarkeit und Anerkennung ihrer ganzen Umgebung, vom niedrigsten bis zum höchsten auf der gesellschaftlichen Scala Sitkas, hervorrief, so dass die Beamten und Offiziere der Colonie einstimmig erklärten, mit der Ankunft des Wrangellschen Paares sei eine ganz neue Aera für die Colonie angebrochen. Auf dem Gebiet der Verwaltung und Organisation trat das in nicht minder augenfälliger Weise zu Tage, da von Wrangeil hier seine hohe organisatorische und praktische Begabung in glänzender Weise entfalten konnte. Als endlich die fünf Jahre ihr Ende erreicht hatten und die kleine Familie die weite Heimreise antrat, liess sie ein tlieures Grab in der fremden Erde zurück, das die Hülle des lieblichen Töchterchens barg,, welches die Eeise durch Sibirien glücklich ertragen hatte, dann aber, drei Jahre alt, den Eltern wieder genommen wurde. Ein Knabe von drei Jahren war jetzt der Eltern Begleiter auf der nicht minder ungewöhnlichen Rückreise, denn diese musste ebenfalls im Interesse der Compagnie, welche im nördlichen Californien eine Besitzung hatte, die besucht werden sollte, und zu der man bei den damaligen Communicationen nicht anders gelangen konnte, von Sitka aus zu Wasser bis Tepie, von dort zu Lande reitend zurückgelegt werden. So kamen sie über die Colonie Ross 1833 nach Mexiko, woselbst die sehr angegriffene Frau sich einige Wochen erholen musste, ehe die Reise fortgesetzt werden konnte. Dann ging es auf dem gewöhnlichen Verkehrswege, über New- York—Havre, endlich in die geliebte heissersehnte Heimath, wo die Reisenden am 8. Juli 1836 eintrafen. Baron Wrangeil wurde jetzt von der russisch-amerikanischen Compagnie zum Direktor mit einem Jahrgehalt von 9000 Rubeln erwählt und führte nun auch in der Verwaltung durchgreifende Reformen ein, dieselbe, sowie den ganzen Geschäftsbetrieb auf neuer rationeller Basis organisirend. Zwar rief dies den Aerger der früheren Direktoren und einiger anderer Angestellten hervor, denen von nun an die Möglichkeit abgeschnitten war im' Trüben zu fischen, dagegen erntete er die allgemeine Zustimmung und Anerkennung der Aktionäre sowie des Publikums; die Compagnie, deren Einnahmen er wesentlich, vermehrte, hob sich zu einer ganz neuen, geachteten Stellung empor. Er gewann ein solches Vertrauen, dass er 1841 zum Chef-Direktor erwählt ward. AVir gehen nicht in die Details seiner zehnjährigen Verwaltung der Angelegenheiten der Compagnie ein; seine Mühen sind von der öffentlichen Meinung und den Aktionären ihrem vollen AVerthe nach geschätzt worden; denn als er seinen Abschied aus dem Dienste nahm, und auch den Posten eines Chef-Direktors der Compagnie niederlegte, wurde ihm eine lebenslängliche Pension von 1200 Rubeln bestimmt. Wenn auch die Compagnie dem Baron von AVrangell reichliche Mittel zu einem sorgenfreien ruhigen Leben ausgesetzt hatte, so stand dem doch sein reger Geist entgegen. Ihm genügten nicht die mühevollen Beschäftigungen eines Chef-Direktors, sondern er 59 ,.£r' — 466 — suchte Zerstreuungen in uneigennützigen geistigen Beschäftigungen zum Nutzen der Wissenschaft. In seinen Unterhaltungen mit Fachmännern war die Erdkunde sein Lieblingsthema. In der Geographischen Gesellschaft, zu deren Gründern sich auch Baron von Wrang eil zählte, wurde er zum Präsidenten der Abtlieilung für allgemeine Geographie ernannt. Eine ausführliche Darstellung der Thätigkeit des Barons von Wrangell als Direktor der russisch-amerikanischen Compagnie sowohl während seines Aufenthalts in Neu-Archangel, als in St. Petersburg zu geben, würde hier zu weit führen, wir haben dieselbe in vorstehenden Zeilen im allgemeinen angedeutet. Es würde noch zu erwähnen bleiben, dass von Wrangell während seines Aufenthalts in Mexiko durch Vermittlung der beiderseitigen Regierungen eine Colonie gründete, welche bei San Francisco in Californien lag und „Russa" genannt wurde. Dorthin reiste er alle Jahre, um sie zu inspiciren und zu heben. Letzteres war aber unter den dortigen wilden Völkern und selbst gegen die Mexikaner so schwer, dass die Colonie 1841 an die Schweizer verkauft wurde. Zwei Jahr später entdeckte man dort die Goldgruben im Sacramento. Wenden wir uns jetzt zur staatsdienstlichen Laufbahn des Barons Ferdinand von Wrangell. Nach seiner Rückkehr aus Sitka, am 8. Juli 1836, wurde unser Baron von Wrangell unter Beförderung zum Contre-Admiral zum Mitgliede der allgemeinen Session des Departements für Schiffbau und am 5. August zum stellvertretenden Direktor desselben Departements ernannt. Dreizehn Jahre lang bekleidete er dieses Amt, das ihn zur Besichtigung der weiten Wälder strecken durch alle Tlieile des russischen Reiches führte. Der Wirkungskreis des Departements umfasst die europäischen Waldregionen des Reiches vom Ural bis Polen, von Archangelsk bis an die Süd-Küste der Krim. Er erkannte bald, dass die rein büreaukratische Verwaltung, die bisher bestanden hatte, eigentlich nichts organisirt, nichts praktisch Nützliches zu stände gebracht hatte, und gab sich nun mit allem Eifer und aller Energie der Lösung der Aufgabe hin, vor die er sich liier gestellt sah. Das dienstliche Verhältniss zu seinen Collegen und seinen Vorgesetzten gestaltete sich aber mit den Jahren immer schwieriger und unerquicklicher. Die Rührigkeit und makellose Rechtlichkeit Wrangells wurde der Mehrzahl seiner Collegen immer unbequemer, und bald war er von einem Netz von Intriguen umgeben, die schliesslich jede gedeihliche Weiterarbeit unmöglich machten. Er reichte 1849 seinen Abschied ein, verliess St. Petersburg ganz, und zog sich nach Esthland auf sein Gut Ruil, das er nach der Rückkehr aus Amerika käuflich erstanden hatte, mit seiner Familie zurück, die sich inzwischen um vier Kinder vermehrt hatte. Der Wirkungskreis eines esthländischen Landedelmannes war freilich nicht ganz das Element des inzwischen zum Vice-Admiral avancirten Seemannes; aber mit der ihm eigenen Energie und Treue bis ins kleinste, bei allen ihm gestellten Aufgaben, ergriff er seinen jetzigen Beruf mit ganzem Ernst und Eifer; er bemühte sich die esthnisclie Sprache zu erlernen, um mit seinen Untergebenen direkt verkehren zu können und sich über alle Dinge zu instruiren, die für den Landmann von Wichtigkeit sind. Auch den Institutionen seines Heimathlandes, wo die Privilegien des besitzlichen Adels mit grossen — 467 — mul schwerwiegenden Verpflichtungen verbunden sind, denen nachzukommen einem baltischen Edelmanne Ehrensache und Freude ist, widmete Wrangeil jetzt besonderes Interesse, und suchte so an seinem Theil ein nützliches Glied der Gesellschaft zu sein, der er angehörte. Im Jahre 1852 verschlimmerte sich die schon seit längerer Zeit schwankende Gesundheit seiner geliebten Frau so sehr, dass die Familie vom Lande nach Reval übersiedelte, um dem Arzte näher zu sein. Nach schwerem, qualvollem Leiden wurde die treue Gattin und Mutter am 31. Mai 1854 aus diesem Leben abgerufen, den Mann und fünf Kinder in schmerzlichster Weise verwittwet und verwaist zurücklassend. Es war das erste Jahr des Krimkrieges und die englische Flotte blockirte in diesem Sommer Reval. Da war es für den tiefgebeugten Wittwer eine heilsame Ableitung vom eigenen Schmerz, in der Zeit der allgemeinen Noth und Drangsal seine Kraft und Erfahrung dem Dienst der Gesammtlieit zu widmen. Er stellte sich dem Obercom- mandirenden, General Graf Berg, zur Verfügung und blieb den ganzen Sommer über in Reval. Da kam an ihn ganz überraschend die Aufforderung aus dem Marine-Ministerium, vom General-Admiral Grossfürsten Constantin, wieder in den Seedienst einzutreten; freudig leistete er Folge. Zuerst als Direktor des hydrographischen Departements angestellt, wurde er wenige Monate darauf zum Verweser des Marineministeriums (Seeminister) ernannt. Nach Uebernahme des neuen Postens wandte Baron von Wrang eil seine besondere Aufmerksamkeit dem Karten-Depot, der Bibliothek und Topographie zu. Zwei Monate darauf wurde er zum Präses der Commission für Durchsicht des Marine-Criminal-Codex ernannt, am 23. Februar 1853 ward er Präses des geleimten Comite des Seeministeriums und am 13. April Inspektor des Steuermann-Corps der baltischen Flotte. Die grosse Aufgabe, die er jetzt im Verein mit dem General- Admiral, seinem direkten Vorgesetzten, zu verwirklichen hatte, war eine vollständige Reorganisation und Reform der russischen Flotte, deren mangelhafte Verwaltung im Verlauf des soeben beendigten Krimkrieges klar zu Tage getreten war. Mit Lust und Liebe griff Wrangeil diese Arbeit an; anfänglich befand er sich dabei in voller Uebereinstimmung mit seinem Chef, und die Mühe beider wurde reichlich gelohnt durch den kräftigen, lebensvollen Aufschwung, den die russische Flotte nahm; ja diese ging mit einer ganzen Reihe von Reformen und Einrichtungen voran, denen die anderen Ministerien, soweit es ihrem Fach entsprach, nachfolgten. Nach einiger Zeit musste von Wrang eil leider die Erfahrung machen, dass zwischen seinem hohen Vorgesetzten und ihm Meinungsverschiedenheiten über die Verwaltung seines Ressorts eintraten. Am 18. Mai 1855 wurde Baron von Wrangeil zum Dirigirenden des Seeministeriums und mit dieser Stellung zugleich zum Mitglied des Reichsrathes und des Minister-Comite ernannt. Zu derselben Zeit wurde er Mitglied des sibirischen Comite und im August Mitglied des Allerhöchst bestätigten Comite zur Erwägung von Mitteln behufs Vertheidigung der Ufer des Baltischen Meeres. Im folgenden Jahre 1856 ward Baron von Wrangeil zum General-Adjutanten ernannt und zum Vollen Admiral befördert. Am 16. April 1856 wurde er Präsident des letztgenannten Comite. 59* — 468 — Sein überanstrengendes Arbeiten all die letzten Jahre hindurch, die vielen Aufregungen und Geinüthsbewegiuigen hatten überdies seine eiserne Constitution nun doch untergraben. Er fing an, alle Gegenstände doppelt und in schiefer Stellung zu sehen, und verfiel ein paar mal in tiefe Ohnmächten, die lange andauerten. Trotzdem arbeitete er, sich vorlesen lassend und dictirend, immer noch unermüdlich fort, weil sehr wichtige und dringende Dinge zu erledigen waren. Dann aber trat eine bedenkliche Ohnmacht ein, nach der sein Zustand ihm jede geistige Beschäftigung unmöglich machte. Die Aerzte verlangten absolute Ruhe und eine Badekur in Deutschland. Der erbetene Urlaub wurde ihm ertheilt, und er begab sich im April 1857 in die Graefesche Klinik nach Berlin, sowie zu einer Kur nach Wiesbaden. Sein Kaiser bestimmte ihm 5000 Dukaten zu dieser Reise und enthob ihn vom Posten eines Dirigirenden des Seeministeriums, beliess ihn aber in der Stellung als Mitglied des Reichsrathes. Den Winter dieses Jahres verbrachte er mit einer Tochter und seiner Schwägerin in Venedig und kehrte im folgenden Frühjahr, 1858, über Constantinopel und das Schwarze Meer, die Südküste der Krim und Sebastopol besuchend, nach St. Petersburg zurück, wo er im Herbst 1859 seinen Sitz im Reichsrathe, dem obersten gesetzgebenden Körper des russischen Reiches, einnahm und zu einem der engeren Comites desselben gehörte. Die Jahre, welche jetzt folgten, die Zeit der grossen Reformen Kaiser Alexanders IL, waren für die innere Geschichte Russlands besonders wichtige. Die Fragen der Bauern- Emancipation, der Agrarreformen, der Justizreformen u. s. w. mussten gesetzlich geregelt werden. Die tiefeingreifendsten Debatten und Verhandlungen machten das Leben eines im wahren Sinne des Wortes aktiven Mitglieds des Reichsraths zu einem sehr bewegten, ja aufreibenden. Dies wurde es für den jetzt vierundsechzigjährigen, doch wieder in voller Kraft dastehenden Wrang eil besonders dann, als nach dem unterdrückten polnischen Aufstand das entfachte Nationalgefühl des jungen Russlands die bekannten Angriffe auf die Unterthanen deutscher Nationalität in den baltischen Provinzen begann. Dem stets loyal gesinnten und mit einer warmen Liebe zum grossen russischen Reich beseelten Manne, der seine ganze Lebenskraft und Lebensarbeit diesem Reiche geweiht hatte, dabei aber mit der gleichen Treue und Loyalität sich seiner deutschen Nationalität und Muttersprache bewusst war und an dem historischen Recht seiner baltischen Heimath und ihrer evangelischen Kirche festhielt, bereiteten diese Kämpfe den tiefsten Schmerz. Nicht minder widerstand es seiner Ueberzeugung, als im Reichsrath der Antrag auf Auflösung der russisch-amerikanischen Compagnie und Verkauf der amerikanischen Colonien vorbereitet wurde. Um gegen diesen Plan, den Baron von Wrangeil für durchaus unvortheilhaft ansah, ganz ungehindert bei den Verhandlungen des Reichsraths auftreten zu können, verkaufte er alle seine Aktien, die er in der amerikanischen Compagnie hatte, und verzichtete auf die lebenslängliche Pension von 1200 Rubeln, die ihm von der Compagnie bei seinem Abgang als Direktor, als Ausdruck der Anerkennung und Dankbarkeit für seine Verdienste, verliehen worden war. Damit war jeder Schatten eines Vorwurfs abgeschnitten, dass er beim Einstehen für die Existenz der russisch-amerikanischen Compagnie — 469 und der russischen Colonie in Amerika nicht ganz unparteiisch sei. Er tlnxt nun alles, was in seinen Kräften stand, um den Reichsrath zur Ablehnung des gestellten Antrags zu bewegen. Doch umsonst! Alle diese schweren Kämpfe, sowie wiederholte Lungenentzündungen und eine Augenentzündung, die er im Laufe des Winters durchzumachen hatte, griffen ihn sehr an; er bedurfte der Stärkung und Erholung, und in der Ueberzeugung, jetzt auch im Reichsrath von keinem Nutzen mehr sein zu können, beschlossen, Petersburg für immer zu verlassen und den Rest seines Lebens in Ruhe und Frieden im Kreise seiner Familie zu verleben. Den äusseren Gang dieses vielbewegten Lebens haben wir bis zu diesem Punkt in allgemeinen Umrissen zu zeichnen gesucht; es wird nicht überflüssig sein, nun auch einen Blick in den inneren Lebensgang Wrangells zu thun, wobei wir uns an die zuverlässigste Quelle wenden können, nämlich seine eigenen Worte in den schon vorhin erwähnten „Erinnerungen". An einer Stelle derselben äussert er sich folgendermassen im Rückblick auf seine Polar-Expedition und deren moralische Einwirkung auf seinen Ent- wickelungsgang: „Das Eldorado meiner Phantasie war also dieses Mal eine schauerliche Schnee- und Eiswüste gewesen, spärlich bewohnt von halbwilden Nomaden, fast unzugänglich finden Europäer, und abgeschnitten von aller Civilisation. Meine Stellung als Chef einer kleinen Anzahl von Männern, völlig unabhängig von höheren Autoritäten, deren Entfernung sie mir unzugänglich machten, mit bedeutenden Vollmachten ausgerüstet, war eine ganz eigenthümlich isolirte, im nord-östlichsten Winkel Sibiriens, am Eismeere. Mein geringer Vorrath wissenschaftlicher Kenntnisse reichte nicht hin, aus den verborgenen Quellen der Natur Nahrung für den Geist zu schöpfen, an Anregung fehlte es durchaus, für wissenschaftliche und literarische Hilfsmittel war nicht gesorgt infolge eines ausdrücklichen Verbotes von Golownin, andere Bücher als ein paar russische Reisebeschreibungen mitzunehmen. Die „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" von Herder (ein Geschenk Engelhardts in Dorpat) und eine Bibel waren denn auch meine einzigen Ressourcen. Und so wirkten positive und negative Kräfte, den kaum begonnenen Bildungsprozess meines Geistes zurückzudrängen" u. s. w. Im Frühling des Jahres 1864 nahm der sehr angegriffene, an Leib und Seele sich nach Ruhe sehnende Mann einen „Urlaub auf unbestimmte Zeit" — die einzige Form, in der ein Mitglied des Reichsraths sich von den Geschäften zurückziehen kann, da die Ertheilung des Abschieds nur als Ausdruck der kaiserlichen Ungnade vorkommt. Die Häuslichkeit in St. Petersburg wurde definitiv aufgelöst, und in Begleitung seiner beiden' Töchter begab sich Baron Wrangeil zunächst nach Italien, wo er sich mit seinem Bruder, dem einzigen von seinen Geschwistern, der noch am Leben war und mit dem ihn eine innige Liebe verband, Generallieutenant Georg Baron von Wrangeil (29), und dessen Frau und Tochter zu einer Häuslichkeit vereinigte, welche zwei Winter in Rom und den Sommer dazwischen in Sorrento bestand. Diese Zeit war für den schon fast siebzigjährigen, doch immer noch in jugendlicher Geistesfrische dastehenden Greis eine Periode der Ruhe und Erholung an Leib, Seele und Geist. Im Verkehr mit bedeutenden Männern verschiedensten Berufes und verschiedener Nationalität, der sich in ungezwungener einfacher Weise auch hier in Rom in der Wrangelischen Doppelfamilie bildete, war es bewunderungswürdig zu sehen wie er, im Drange sich von einem jeden auf dem Gebiet belehren zu lassen, das diesen speciell beschäftigte — sei es nun Sculptur, Malerei, Archäologie, sei es die evangelische Glaubenslehre beim evangelischen Prediger oder die katholischen Dogmen und Anschauungen eines päpstlichen Prälaten —, überall den Punkt herauszugreifen wusste, um den sich alles andere gruppirte. Ja die Männer, denen gegenüber er als Laie in ihrem Fach sich ganz auf die Schulbank setzte, mussten mehrmals bekennen, durch die Fragen dieses siebzigjährigen „Schülers" hätten sie mehr gelernt und wären zu grösserer Klarheit über die Gesetze ihrer Kunst oder Wissenschaft gekommen, als durch lauge Vorträge manchen Lehrers. Im Frühjahr 1866, als ganz Europa in Kriegsaufregung war, auch Italien rüstete, verliessen die beiden Familien von Wrangell Italien; der Admiral mit seinen beiden Töchtern kehrte über Deutschland in seine nordische Heimath zurück, wo er die letzten Lebensjahre in ländlicher Stille auf seinem Gute im Kreise seiner Kinder und Grosskinder verleben wollte. Der jüngere Bruder, General von Wrangell, folgte mit seiner Familie erst ein Jahr später dem gleichen Zug und nahm seinen Wohnort für den Rest seines Lebens in Dorpat, so dass die beiden alten Brüder nach einem kämpf- und sturmbewegten Leben schliesslich einander wieder nahe sein und sich oft sehen durften. Vier Jahre waren Ferdinand von Wrangell jetzt noch beschieden, die ihm nun wirklich zu einem schönen friedevollen Feierabend wurden. Zwar fehlte es auch in dieser Zeit nicht an manchem Schweren, doch lag über dem Ganzen ein stilles Abendroth ausgebreitet; das Wort des Propheten Jeremia war hier zu Wahrheit geworden: „Um den Abend wird es lichte sein." Sehnenden Geistes blickte er nach der ewigen Heimath hinüber und bereitete sich täglich vor, dem Rufe seines Herrn zu folgen; er „bestellte sein Haus" auch im äusseren Sinn des Wortes, indem er alle Vermögensverhält- nisse u. s. w. regelte, damit bei seinem Tode alles schon geordnet und klar sei. Dabei behielt er aber das lebhafteste Interesse für alle politischen und anderen Fragen, die damals die Gemütlier bewegten, und fuhr fort nach besten. Kräften seinem Lande und auch der engeren Heimatli durch seinen erfahrenen Rath in Schrift und Wort nützlich zu sein. Für die Hausgenossen und den Kreis befreundeter Familien aus der Nachbarschaft, die sich gern auf dem Gute Ruil einfanden, war der Verkehr und Gedankenaustausch mit dem ernsten, doch mildgesinnten, stets lebendig angeregten Greis eine Quelle reicher Belehrung und Genusses. Eine grosse Bescheidenheit in betreff seiner eigenen Person zeichnete sein Wesen aus, auch im Rückblick auf sein thatenreiches Leben, dem es ja an Anerkennung und Auszeichnung aller Art nicht gefehlt hatte. Unter anderem war er auch zum Mitglied der „Academie de France", als Nachfolger Decandolle's, gewählt worden; nach seinem Tode ist der Sitz an den Kaiser von Brasilien übergegangen. Dieser feingebildete und gelehrte Herrscher hat ein ganz besonderes persönliches Interesse für diesen seinen Vorgänger in der Akademie bekundet, nicht blos für den Reisenden und Gelehrten, sondern auch für den Menschen; er liess sich alles Material zur Kenntniss des Lehens und des Entwickelungsganges Wrang eil s, das man ihm zur Verfügung stellen konnte, schicken. Als er dann vor einigen Jahren seinen Sitz in der „Academie" einnahm, hat er, einem Usus folgend, in einer Antrittsrede vorübergehend des Admirals von Wrangeil Erwähnung gethan. Nach einer besonderen Mittheilung des kaiserlich russischen Gesandten von Jonin in Brasilien an den kaiserlich russischen General-Consul Baron Alexander von Wrangeil (VIII 90) in Lanzig vom 17. (29.) Mai 1885, sagte ihm der Kaiser von Brasilien, dass, als er die Stelle des Admirals Ferdinand von Wrangell in der Academie des Sciences eingenommen, er seiner nicht in längerer Bede gedacht habe, aber aus besonderer Achtung für den Admiral eine Broschüre veröffentlichen wolle und deshalb Material sammle, dessen grössten Theil der Admiral Graf Lütke verschaffte. Mit dieser Arbeit sei der Kaiser noch nicht zu Ende. Nach mancherlei Sorgen hatte sich für ihn auch der Blick in die Zukunft seiner Kinder freundlich gelichtet, als sein eigener Tag nun zu Ende ging: zwei seiner Kinder sah er glücklich verheirathet, zwei andere ebenso glücklich verlobt, und das fünfte wusste er geborgen im Vertrauen auf Gottes gnädiges Walten. Im Frühling des Jahres 1870 sprach der auch körperlich noch vollkommen rüstige Greis gegen seine Kinder aus, er habe noch einen irdischen Wunsch, den er vor seinem Ende gern erfüllt sehen möchte, nämlich den: eineKeise nachLivland an die Orte zu machen, wo er seine glückliche erste Kindheit mit lieben Eltern und Geschwistern verlebt habe. „Das wäre mir ein freundlicher Abschluss meines Lebens, diese Güter noch wiedergeselm zu haben, nach diesen 65 Jahren" sagte er. Er äusserte sich, besonders gegen die älteste Tochter, oft über seinen Tod, und wie er Gott bitte: wenn's anders für seine Seele gut sei, ihn nach kurzem Leiden und bei vollem Bewusstsein hinzurufen und ihm, wie der Umgebung, die Trübsal eines langsamen Hinsterbens und abstumpfender Altersschwäche in Gnaden zu ersparen. Als er im Winter 1869 vom Tode eines Bekannten hörte, der nur wenige Stunden schwer gelitten, doch bei voller Besinnung an einem Biss im Herzen gestorben war, sagte er zur Tochter: „Es ist vielleicht thöricht um so etwas zu bitten, aber ich bitte Gott, mich an einem Biss im Herzen sterben zu lassen, das wäre der Tod, den ich mir erwünschte, kurz, klar und ohne der Umgebung schwere Pflege aufzuerlegen. Aber," fügte er lächelnd hinzu, „wie der Herr es macht, wird's am besten sein, ich will es Ihm ja auch nicht vorschreiben." Im April 1870 besuchte er für einige Wochen seinen Bruder in Dorpat, führte in der zweiten Hälfte des Mai in Begleitung seines zweiten Sohnes die geplante kleine Eeise auf die Güter Waimel-Neuhof und Nursi aus und kehrte dann sein 1 befriedigt nach Dorpat zurück. Auf seinen dringenden Wunsch war die Familie des Bruders schon vor seiner Bückkehr nach Esthland aufgebrochen, um in Buil den Sommer zu verleben. Er hatte einen ganz unbedeutenden Katarrh, den er ein paar Tage lang erst in Dorpat ausheilen wollte, ehe er selbst aufs Land zurückkehrte; doch wollte er nichts davon hören, dass der Sohn länger mit ihm in Dorpat bliebe, da derselbe nur kurzen Urlaub hatte und die übrigbleibenden Tage bei seiner von schwerer Krankheit eben erst genesenden, Braut verbringen sollte. Da kein Grund zur Besorgniss vorlag, folgte dieser dem Wunsche des Vaters, welcher mit Gewissheit annahm, nach ein paar Tagen Dorpat wieder zu — 472 — 0 verlassen. So kam es, dass kein einziger seiner Angehörigen zugegen war, als unerwartet am 25. Mai der Ruf seines Herrn, nach dem er sich so herzlich sehnte, an ihn erging. Kurz zuvor hatte er in lebhafter Weise, wie es seine Art war, mit zwei lieben Bekannten sich unterhalten. Als sie ihn verlassen hatten, wollte er sich zum Ausruhen aufs Sofa niederlegen, da vernahm eine treue Dienerin des Hauses, die im Nebenzimmer war, einen schmerzlichen Klagelaut. Sie eilte ins Zimmer und begriff sofort, dass es ernst stand. Ein Arzt war ein paar Minuten später zur Stelle, der Sterbende wurde aufs Bett niedergelegt — nur noch einige Worte sprach er, aber der Blick des Auges bewies, dass er bei vollständig klarem Bewusstsein war. In weniger als einer Viertelstunde tliat er seinen letzten Athemzug! Rasch, klar und wie auf Adlerfittigen war sein Geist diesem Leben entrückt. Ein Riss im Herzen, so constatirten die Aerzte, war die Todesursache gewesen; gerade wie er sich's erbeten. Die irdische Hülle des Entschlafenen wurde nach Esthland in das Familienbegräb- niss übergeführt, wo sie neben der treuen Gattin ruht. Die Begräbnissfeier war, dem Geiste des Entschlafenen entsprechend, ganz schlicht und einfach, ohne jeden Prunk. Die Bauernwirthe und Pächter des Gutes Ruil trugen den Sarg auf ihren Schultern von der Kirche auf den ländlichen Friedhof hinaus, dem Zug voran gingen die Schulkinder aus den Bauernschulen des Gutes, die der Gutsherr ihnen gestiftet hatte, und sangen mit ihren hellen Kinderstimmen einen Choral, nach der Melodie, die der Verstorbene so gern gehabt hatte: „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesu offenbart." Seine an diesem Tage vollzählig versammelten Kinder und Schwiegerkinder, die mit einer zahlreichen Schaar von Angehörigen und Freunden dem Sarge folgten, konnten in diesem Augenblick nicht anders fühlen, als dass mitten im tiefen Schmerz, einen solchen Vater verloren zu haben, der Dank zu Gott emporstieg, der ihn so lange und bis zuletzt in ungeschwächter Lebensfülle ihnen erhalten und der sein Ende so gefügt hatte, wie er sich's selbst gewünscht, zu einem sieghaften Hindurchdringen aus diesem zeitlichen Dasein in die Welt der Ewigkeiten, wo sein Herz schon lange daheim war. Wrangeil war meist ernst und in Gedanken vertieft, dem Aeusseren nach erschien er kalt und wenig mittheilsam; wenn man seine Berühmtheit in der Gelelirten- welt bedenkt, so ist es erklärlich, woher viele während der ersten Zeit ihrer Bekanntschaft mit ihm in seiner Gegenwart sich gleichsam beengt fühlten. Man fürchtete in ihm einen strengen Richter zu finden, während er in Wirklichkeit der nachsichtigste Mensch war; man fürchtete seine Gelehrsamkeit, während er stets bereit war von jedermann zu lernen; andere haben vielleicht erwartet mit offenen Armen empfangen zu werden, dazu war jedoch von Wrangeil durchaus unfähig. Ohne Sympathien und Antipathien zu kennen, scliloss er sich weder plötzlich einem Menschen an, noch zog er sich plötzlich zurück; wer jedoch in seinem Herzen sich einen Platz erobert hatte, der fand bei ihm stets freundliche Aufnahme, Rath, Theiliiahme und Hilfe. Heuchelei, Eitelkeit und das sogenannte „Sand in die Augen werfen" hasste er als die allerschädlichsten gesellschaftlichen Mängel. Er war tief religiös, jedoch nicht scheinheilig. Er las die zeitgenössischen Anschauungen der Materialisten und Rationalisten, hatte Unterredungen mit vielen Lehrern der Philosophie, und trotz dieses Schatzes von Erfahrungen blieb er unerschütterlich bei dem — 473 — Glauben, dass die christliche Religion der einzig wahre Weg zum Heile sei. Auch war er stets geneigt Wohlthaten zu erweisen und eifrig an der Verbreitung des Christenthums mitzuwirken. Dieser Mann, der sich ununterbrochen für die Wissenschaft abmühte, kannte den Müssiggang gar nicht; ja selbst wenn er promenirte, war sein Cfeist thätig, und in Gedanken versunken widmete er der Aussenwelt nicht die geringste Aufmerksamkeit. Er war massig, wie selten jemand, und jegliche Leidenschaft war ihm durchaus fremd; nur besass er eine und zwar etwas kostspielige Liebhaberei, und diese war — seine Bibliothek. Andererseits war Wrangeil froher Dinge, scherzte und mass sich selbst gar keine Autorität bei. Dies war namentlich der Fall, wenn er hinter der Schwelle seines Kabinets alle ihn bewegenden Gedanken gelassen, sich an den Familientisch oder in den Kreis der Bekannten und Verwandten setzte. Er achtete die Meinung eines jeden; durch seine Lebenserfahrung hatte er die Ueberzeugung gewonnen, dass man sogar von Samo- jeden, Tschukschen und Koloschen manches lernen könne, was in keinem Buche zu finden sei; er schien überzeugt, dass man von jedem Menschen etwas für die Bereicherung seiner Kenntnisse profitiren könne. Dabei waren seine Kenntnisse enorm und man muss staunen, wann er dieselben sich zu erwerben Zeit gehabt hat. Es ist wahr, seit seinem neunzehnten Lebensjahre bildete die Wissenschaft seinen ausschliesslichen Zufluchtsort. Schwer ist es zu bestimmen, welche Disciplin der Hauptgegenstand seiner Beschäftigungen war; mit Fähigkeiten reich ausgestattet, war er bald ein gelehrter Tourist, bald ein fähiger Administrator, dem Privat-Actien-Gesellschaften grosse Gagen zahlten; bald war er wieder Landwirth, bald Jurist. In letzter Zeit beschäftigte er sich hauptsächlich mit politischökonomischen Fragen und setzte manches Mal durch Kenntnisse, die gar nicht bei ihm vermuthet wurden, in Erstaunen. So kam es einstmals bei einer Unterhaltung über den soeben erschienenen Roman Gontscharows „Oblomow" an den Tag, dass er alle bemerkens- werthen belletristischen Werke der russischen Literatur gelesen hatte. Ausser zwei Werken: „Die Bereisung der nördlichen Ufer Sibiriens" und „Der erste Band gesammelter Nachrichten über Russland", die von allen europäischen Autoritäten sowohl als gelehrte Werke wie auch als Kunsterzeugnisse anerkannt wurden, hat Ferdinand Baron Wrangeil noch mehrere Abhandlungen, die verschiedenartigsten Fragen betreffend, in periodischen Journalen drucken lassen; das meiste von ihm Geschriebene war indess nicht für den Druck bestimmt. Wir wissen es aus authentischen Quellen, dass er ein Tagebuch führte und viele Memoiren niedergeschrieben hat, in denen er sich über die bedeutendsten Tagesereignisse und Reformen Rechenschaft ablegte; wenn auch sein Tagebuch für längere Zeit oder auch für immer ein unantastbares Eigenthum seiner Familie bleiben sollte, so gehören doch seine Memoiren und Notizen der Geschichte an und dürften vielleicht bald im Druck erscheinen. Wrangeil kannte alle specifischen Eigenthümlichkeiten der russischen Sprache und liebte die Russen von ganzer Seele. Aber hat denn Wrangeil gar keine Mängel besessen? Auf diese Frage antworten wir nicht mit der stereotypen Phrase, dass man von den Todten nur Gutes sagen solle, sondern aufrichtig und mit vollster Ueberzeugung: Freilich besass er auch Mängel, denn er oo war ein Mensch; aber wir. die wir ihn schätzen, achten und lieben, haben diese Mängel nicht bemerkt; wir waren geblendet von seinem klaren Verstände, seiner reinen Seele und seinem guten Herzen, und in unserer Erinnerung wird er stets als das Vorbild und Muster eines Avahrhaft humanen Menschen, eines ehremverthen charaktervollen Bürgers und tadellosen Familienvaters fortleben. "Wenden wir uns noch zu einem Manuscript, welches Ferdinand Baron von Wrangeil über die Begebenheiten seiner Heise nach Sibirien und zu den Küsten des Eismeeres in den Jahren 1820 bis 1824 verfasste. Er legte dasselbe dem damaligen Direktor des Marine-Ministeriums W. M. Golownin nicht lange vor seiner Abreise in die nordamerikanischen Colonien vor. Während Wrangells Abwesenheit verstarb Grolownin und das Manuscript gerieth in Vergessenheit. Im Jahr 1839 erhielt von Engelhardt auf irgend einem Wege dasselbe, übertrug es ohne AVrangells Vorwissen in die deutsche Sprache und übergab die Uebersetzung dem berühmten deutschen Gelehrten Carl Ritter, welcher es mit seinem Vorworte herausgab. Dieses Werk erweckte ein grosses Interesse im Westen, besonders in England, wo es in demselben Jahre von der Frau des bekannten englischen Reisenden Sabin in die englische Sprache übertragen wurde. Der Erfolg des Buches in England war so gross, dass nach einigen Monaten eine zweite Auflage verlangt wurde. Damals erinnerte man sich auch schon in Russland an Wrangells Manuscript und der Vorsitzende des Gelehrten-Comite des Marine-Ministeriums, Admiral L. J. Golenischtschew, beauftragte Wrangeil, welcher damals in St. Petersburg weilte, sich mit der Herausgabe seiner Schrift zu beschäftigen. Golenischtschews Wunsche aa'ÜI- fahrend, übergab Wrangeil das Manuscript dem Buchhändler Smirdin, durch den es endlich unter Beihilfe der Akademie der Wissenschaften im Jahre 1841 mit Zeichnungen und Plänen gedruckt wurde. Die in der „Russischen Revue" gedruckten Privat - Reiseberichte des Admirals Baron Ferdinand von Wrangeil, welche für seinen Bruder geschrieben waren, Avurden unter des letzteren Papieren aufbewahrt und der Redaction der „Russischen Revue" durch dessen Sohn, den Baron Wasili WassiljeAvitsch von Wrangeil, mitgetheilt. Was diese eigenen Aufzeichnungen seiner Forschungsreisen in den Jahren 1820 bis 1824 anbetrifft, so würde es zu Aveit führen, diese Schriftstücke speciell liier mitzutheilen. Wir wollen daher nur in aller Kürze seine Reisen erwähnen. Am 23. März 1820 verliessen beide Abtheilungen der Expedition nach Nordost- Sibirien St. Petersburg, um über Moskau auf einem gewöhnlichen leichten Postwagen (Telegi), der auf jeder Station gewechselt wird, nach Sibirien, zunächst Irkutsk zu gelangen (bis hierher von Moskau 5317 Werst, ungefähr ein Drittel der ganzen Ausdehnung Russlands von West nach Ost). In Moskau trennten sich beide Abtheilungen. Am 18. Mai gelangte Wrangeil in Irkutsk an, wo er am 25. Juni mit der Expedition Anjou zusammentraf, die Reise fortsetzte und am 27. Juni in Kotschuga (236 Werst von Irkutsk) am linken Ufer der von hier schiffbaren Lena ankam. Von da ab ging am 28. Juni die Reise zu Wasser auf einem grossen flachen Fahrzeug mit Verdeck weiter; sie berührten die Orte Rigi, Ustkutsk, Saborje, Kirensk (35 Werst, zu Wasser aber 105 Werst), Tschästye, Ostrowä (die dichten Inseln), Schtscheki. Am 9. Juli sind 475 — sie der Stadt Oleknia, im Lande der Jakuten, gegenüber, wo nocli schwache Spuren von Gartenpflege und Ackerbau bemerkt werden, die jedoch auch bald verschwinden. Am 25. Juli trafen sie in Jakutsk (von Kotschuga 2500 Werst) am linken Ufer der Lena ein. Von Jakutsk an hat das Fahren mit Schlitten und Telegen ein Ende. Von hier bis Nishne-Kolymsk und durch die ganze ungeheure Eiswüste im Norden Sibiriens giebt es keine gebahnten Strassen, sondern höchstens enge, holprige Fusssteige, die durch Moräste, grosse AVälder, dicht verwachsenes Gebüsch, über Hügel und steile Berge führen, so dass man nicht anders als zu Pferde bis an die flacheren Gegenden gelangen kann, wo denn zum Weiterkommen entweder Renntliiere oder Hunde - vor Schlitten gespannt werden. Auf der sogenannten jakutskischen Strasse, vom rechten Ufer der Lena schräg nach dem Aldan hin, sind in Entfernungen von 15 bis 40 Werst Poststationen zum Pferdewechsel eingerichtet. Am 12. September verliess Wrangeil Jakutsk mit einem Matrosen und einem verabschiedeten Unteroffizier als Dolmetscher für die jakutskische Sprache. Zum Reiten wie zum Tragen des Proviants und Gepäcks wurden dreizehn Pferde mitgenommen. Es folgt nun die Reise auf dem tukulanschen Wege über Thal Miörö, Station Aldanskaja oder Schelesninskaja, eine halbe Werst vom Aldan, der 90 Werst von liier in die Lena fällt, nach dem Strom Tukulan, über den werchojanskischen Bergrücken, der Wasserscheide zwischen der Lena und Jana. Am 26. September setzte Wrang eil die Reise vom Tukulan-Thal bis Nishne- Kolymsk über Baralas, Tabalog (300 AVerst) fort; am 3. October kommt er an die Ufer der Jana, geht dann über die Scheidung an die Indigirka und am 10. October wird die Stadt Saschiwersk am rechten Ufer (415 AVerst von Tabalog) erreicht; von hier aus führt der AVeg nach dem grossen See (315 Werst) Orinkino an der Grenze des saschiwerski- schen Bezirks gelegen, wo die jakutischen Niederlassungen aufhören und der kolymskische Kreis beginnt. Hierauf wird eine völlig unbewohnte AVüste von 250 AVerst nach dem waldigen alasejischen Bergrücken (100 AVerst) durchzogen, der das Flusssystem der Indigirka von dem des Alasej trennt. Am 21. October (17 bis 24°) erreichte von AVrangell die Poststation Sardach (140 AVerst), am 25. October die Kolyma beim Städtchen Sredne-Kolymsk (Mittel-Kolymsk) mit dreizehn Häusern (18 bis 29° Kälte) und am 27. October die Station Omolönskaya (320 Werst). Von hier werden die Pferde verlassen und Schlitten (Närty genannt) bestiegen, die schmal sind und mit Hunden bespannt werden. Hier hört der Baumwuchs auf, nur spärlich Gesträuch findet sich noch vor. Nach zwei Tagen traf am 2. November die Expedition in Nishne-Kolymsk (Unter- oder Nieder-Kolymsk), wo 32° Kälte waren, ein. Von St. Petersburg bis hierher beträgt die Entfernung 11000 AVerst und dauerte die ganze Reise 224 Tage. Nishne-Kolymsk ist ein jämmerliches Fischerdorf und diente Ferdinand von AV rangell auf volle drei Jahre als Residenz. Von hier aus unternahm er seine Eisfahrten, welche die Vermessung der Küste sowie die Nachforschung nach dem vermeint- 60* / — 476 — liehen Lande, welches der Ivosake Andrejew gesehen haben wollte, bezweckten. Die Vorbereitungen zu den Excursionen nahmen allein drei Monate in Anspruch, da nicht weniger als fünfzig Närten mit 600 Hunden beschafft werden mussten. Am 19. Februar 1821 trat von "Wrangeil seine erste Eisfahrt an. Dieselbe berührte die Station Suchernoje, die Baranow-Felsen und erstreckte sich bis Cap Schelagskoje. Am 14. März langten die Reisenden nach einer Abwesenheit von 23 Tagen, in welchen im ganzen 1122 Werst gefahren worden waren, in Nishne-Kolymsk wieder an. Schon am 23. März wurde eine zweite Eisfahrt nach den Bären-Inseln begonnen. Dieselbe dauerte 36 Tage, welche grösstentheils auf dem todten, starren Meere zugebracht wurden. Trotz der ungeheuren Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, da sich die Expedition durch mächtige Terosse (Eisberge) und gefährliche Eisspalten durcharbeiten musste, wurden doch 1210 Werst zurückgelegt. Den Sommer des Jahres 1S21 brachte Ferdinand von Wrangeil theils mit Vorbereitungen zu einer neuen Reise, theils mit Vermessungen des Kolyma zu, welche Arbeit meist zu Wasser auf einem Boote, das der während der zweiten Fahrt in Nishne- Kolymsk zurückgelassene Steuermann Kosmin gebaut hatte, ausgeführt wurde. Die dritte Eisfährt wurde dann am 10. März 1822 angetreten. Wie bei der ersten wurde wieder die Richtung über Suchernoje und die Baranowfelsen eingeschlagen. Auf dem Eismeere angelangt, hielt sich jedoch von Wrangeil diesmal mein- ostwärts und drang bis zu 71° 50' Breite vor. Als er auf der Rückfahrt nach Pocholdsk kam, traf er ganz unerwartet den Lieutenant von Anjou mit der andern Abtheilung der von St. Petersburg ausgegangenen Expedition. Dieser kam von Neu-Sibirien und beabsichtigte von Nishne-Kolymsk aus längs der Küste nach der Lena zurückzukehren. Am 5. Mai zog Ferdinand von Wrangeil wieder in Nishne-Kolymsk ein, nach einer Abwesenheit von 57 Tagen, in welcher Zeit im ganzen 1355 Werst durchführen worden waren. Der Sommer 1822 wurde zu astronomischen Ortsbestimmungen ausgenutzt; auch wurde eine grössere Reise durch die „steinige Tundra" unternommen, um die Waldgrenze festzustellen. Am 22. Februar 1823 wurde dann zur vierten Eisfahrt aufgebrochen. Dieselbe wurde über das Cap Schelagskoje hinaus in das Gebiet der Tschukschen bis zum Nord- Cap unternommen. Von allen Fahrten war dies die gefahrvollste, da von Wrangeil mit seinen Gefährten mehrfach auf Treibeis gerieth und ausserdem noch stark mit Entbehrungen zu kämpfen hatte. Nur dadurch, dass er sich das Zutrauen einiger Tschuk- schenhäuptlinge zu erwerben wusste, wurde seine verhängnissvolle Lage gebessert. Von einem derselben erfuhr Wrang eil auch, nach rvelcher Richtung er das gesuchte Land, das später nach ihm „Wrangelland" genannt wurde, finden konnte. Er machte sich auf den Weg nach dort, musste aber nach einigen Tagen umkehren, da das offene Meer ihm das weitere Vordringen nicht gestattete. Der Heimweg nach Nishne-Kolymsk wurde nun angetreten, welches am 10. Mai, wenn auch nicht ohne weitere Mühseligkeiten, so doch wohlbehalten erreicht wurde. Die ganze Fahrt hatte 78 Tage gedauert und waren 2300 AVerst zurückgelegt worden. 477 — Nach den ihm ertheilten Vorschriften waren jetzt die Arbeiten und Forschungen liier im hohen Norden als beendigt anzusehen und musste von Wrangeil nun darauf bedacht sein, sobald als es thunlich wäre, Nisline - Kolymsk zu verlassen. Nachdem sämmtliche Angelegenheiten dort geordnet waren, verliess er daher diesen Ort und kam bald in Sredne-Kolymsk an; von dort aus trat er am 19. November, bei einer Kälte von 32°, seine eigentliche Rückreise, jedoch auf einer anderen Route, an. Er überstieg mit Beginn des Jahres 1824 das werchojanskische Gebirge und traf am 10. Januar in Jakutsk ein, wo Lieutenant von Anjou sich schon befand. Am 25. Februar erreichten dann beide Irkutsk, wo sie Urlaub zur Benutzung der turinskischen warmen Heilquellen nahmen. Erst am 25. August 1824 kamen sie wieder nach St. Petersburg zurück. Fügen wir noch einige der kaiserlichen Dienstliste entnommene Notizen über Baron Ferdinand von Wrangeil bei. Er erhielt, 1828 eine besondere Danksagung für den Bau der Fregatte Elisabeth; 1832 die Verdienstschnalle für 15jährige Dienstzeit; 1837 das Militär-St.-Georgenkreuz für 25 Dienstjahre; 1838 den St. Stanislaus-Orden I. Klasse mit dem Stern und die Verdienstschnalle für 20jährige Dienstzeit; 1840 den St. Stanislaus-Orden I. Klasse mit Band und Stern; 1841 eine besondere kaiserliche Danksagung auf Vorstellung des Ministers der Domänen, von Seiner Majestät dem Kaiser einen Brillantring, die Verdienstschnalle für 25 Dienstjahre; 1843 das St. Annen-Band I. Klasse mit dem Stern; 1846 die Verdienstschnalle für 30 Dienstjahre; 1847 eine besondere kaiserliche Danksagung auf Vorstellung des Vice-Kanzlers für die Ausführung eines geheimen Auftrages; 1848 die Krone zum St. Annen-Orden I. Klasse. Er war Mitglied folgender gelehrter Gesellschaften: 1827 ernannt zum Correspondenten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg; 1833 zum Mitglied der kaiserlichen Gesellschaft für Naturforschung in Moskau; 1836 Mitglied der kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Waldwirtschaft, in St. Petersburg; 1837 Correspondent der königlichen Geographischen Gesellschaft in London; 1842 Mitglied eines Comite zur Prüfung der Mittel das Schiffsbauholz vor Fäulniss zu bewahren; 1843 Mitglied eines Allerhöchst ernannten Comite beim Minister der Wege und Bauten; 1843 Mitglied eines Comite in Angelegenheiten in Bezug auf Kamtschatka; 1843 Ehrenmitglied der kaiserlichen Universität zu Charkow; 1844 Präsident der russisch-amerikanischen Compagnie; 1848 Ehrenmitglied der kaiserlichen Universität zu St. Petersburg; 1856 Mitglied der „Academie de France" in Paris; correspondirendes Mitglied der Aca- demie der Wissenschaften in Frankreich. Er gehörte mit zu den Freunden Alexanders von Humboldt. Ferner war er Mitglied der kaiserlich russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg und gehörte noch vielen anderen gelehrten Vereinigungen an. Wegen seiner grossen Verdienste wurden nach ihm benannt: 1. Wrangel-Land im Norden der Belirings-Strasse im nördlichen Eismeer; 2. Wrangels-Berge an der Nordwestküste bei Sitka in Amerika; 3. eine Bai an der Küste Mandschu in Sibirien. Er war, wie wir schon erwähnt, seit dem 31. Mai 1829 vermählt mit Elisabeth Baroness Rossillon, deren Mutter Natalie von Toll, Tochter des Rittmeisters Carl Gustav — 478 — von Toll, Erbherr auf Ruil, war. Sie folgte gleich nach ihrer Verheirathung ihrem Manne nach Sitka, starb in Reval am 31. Mai 1854 *) und wurde in St. Jacoby in Wirland beerdigt. Sie war geboren am 6. Januar 1810. Aus dieser Ehe waren vier Söhne: Wilhelm Peter George Adolf (32), Nicolai Peter Ludwig Friedrich (33), Peter George Ludwig Alexander (34), Ferdinand Georg Friedrich (35), sowie fünf Töchter: 1. Marie Natalie (31), geboren am 4. April 1830 in Irkutsk auf der Reise der Eltern nach Sitka, starb in Sitka am 25. August 1832. 2. Elisabeth Pauline Julie Antonie (36), geboren am 19. April 1842, vermählte sich am 18. Februar 1875 mit Alfred von Engelhardt, wurde aber schon am 9. Juni 1875 Wittwe. 3. Natalie Ida Sophie Luise (37), geboren am 6. Juli 1845, starb am 4. Januar 1849 in Ruil. 2 ) 4. Dorothea Catharina Cäcilie Caroline (38), geboren am 16. October 1847, starb am 1. Januar 1849 in Ruil. :i ) 5. Caroline Antonie Sophie Ebba (39) 4 ), geborüh am 24. Mai 1850, vermählte sich am 8. August 1869 mit dem Baron Otto von Schilling, Erbherrn auf Kook und Asseryen in Wirland. 33. Nicolai Peter Ludwig Friedrich Baron von Wrangeil, Sohn von Ferdinand Ludwig (25), geboren am 25. Juni 1836, war ein Taufsohn des Kaisers Nicolai I., starb schon im October desselben Jahres. 34. Peter George Ludwig Alexander Baron von Wrangeil, Sohn von Ferdinand Ludwig (25), wurde am 27. August 1840 in St. Petersburg 5 ) geboren. Er besuchte 1852 und 1853 die Ritter- und Domschule in Reval und trat hierauf in Werro in die Krimmersche Privat-Knabenanstalt ein. 1857 erfolgte seine Aufnahme als Junker in die kaiserlich russische Marine; er machte Reisen im Mittelmeer auf dem Linienschiff „Retwisan", wurde 1859 Offizier, machte auf dem Klipper „Gaydamak" eine Reise nach China, Japan und an den Anmrfluss. Der Klipper Gaydamak erlitt an der Westküste der Insel Sachalin Schiffbruch, infolgedessen verbrachte von Wrangell neun Monate auf dieser Insel und kehrte auf dem Küpper Raboinik 1863 um das Cap der „Guten Hoffnung" nach Russland zurück. 1863 wurde er Lieutenant und erhielt den St. Stanislaus-Orden III. Klasse. Im Jahre 1864 machte er auf dem Panzerschiff „Smersch" Reisen im Baltischen Meer und erhielt 1866 den St. Annen-Orden III. Klasse. 1866 erlitt dieses Panzerschiff Schiffbruch' in den finnischen Skären, worauf von Wrangell 1867 auf die Fregatte „Swethana" übergeführt wurde und als Instruktor der Gardemarine eine Reise nach *) K.-B. St. Jacobi. 2) K.-B. Nicolai in Reval. 3) K.-B. St. Jacobi. 4 ) K.-B. Maliolm; K.-B. St. Jacobi. ft ) K.-B. St. Annen. — 479 — Brasilien machte. 1868 kam er auf die Schulfregatte „Dmitry Donskoy" und segelte auf ihr zum zweiten Male nach Brasilien. 1869 wurde von Wrangeil abcommandirt, eine Partie Gardemarine auf deren Dienstreise zu Lande von Kronstadt nach Nicolajewsk am Schwarzen Meere zu beaufsichtigen und erhielt den St. Stanislaus-Orden II. Klasse. 1869 und 1870 machte von Wrangeil auf der Corvette „Lwitza" Reisen im Schwarzen und Mittel-Meere und kehrte 1870 zu Lande nach Kronstadt zurück. In demselben Jahre heirathete er in Reval Fräulein Cäcilie Gräfin Stenbock, geboren am 13. Juni 1842, Tochter des verstorbenen Majoratsherrn Grafen Ludwig Stenbock auf Kolk und Cäcilie von Mohrerischildt. Er zog mit seiner Ehegattin nach Kronstadt. 1871 wurde von Wrangeil ältester Offizier des Monitor „Jedinorog" und machte auf demselben Reisen im Finnischen Meerbusen. 1874 avancirte er zum Kapitänlieutenant und ältesten Offizier auf der Panzerfregatte „Minin". 1875 zog vonWrangell sich aus Gesundheitsrücksichten vom activen Dienste zurück, ohne aus dem Staatsdienste auszuscheiden, und kaufte von den Erben des Barons H. von Piesenhausen das Gut Itfe'r in Esthland. - , Später wurde er Kreisschul-Revident in Wirland und 1881 Kirchspielsrichter in Haljall. 1885 avancirte er zum Kapitän zweiten Ranges, nahm aber in demselben Jahre noch seinen Absclded aus dem Staatsdienste. 35. Ferdinand George Friedrich Baron von Wrangeil, Sohn von Ferdinand Ludwig (25), geboren am 16. (28.) Februar 1844 zu St. Petersburg, trat aus dem See-Kadettencorps daselbst 1862 als Offizier zur kaiserlich russischen Marine über. Bis 1864 beschäftigte er sich an der Universität zu Dorpat mit Astronomie und Physik unter der Leitung von Mädler, Kämptz und Minding. Er machte darauf mehrere Reisen am Bord verschiedener kaiserlich russischer Kriegsschiffe im Mittelmeere und in der Ostsee. 1869 trat er in die Marine-Akademie und absolvirte sie als Erster 1870. Im darauf folgenden Jahre heirathete er Miss Adeline' Montagne. Er wurde 1872 Commandern' des Kanonenbootes Priboi, 1873 Chef, der physikalischen Untersuchungen am Schwarzen und Asowschen Meere, 1879 Erzieher des Prinzen Carl Michael von Mecklenburg - Strelitz ,* des zweiten Sohnes Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Grossfürstin Katharina Michailowna, und 1883 Inspektor des Kaiserlichen Alexander-Lyceum in St. Petersburg. Er veröffentlichte folgende Schriften in russischer Sprache im Journal „Morskoi Sbornik": „Ueber das elektrische Loth von Schneider", 1866; „Challenger", 1872: „Meteorologische Beobachtungen auf Kriegsschiffen", 1873; „Physikalische Untersuchungen im Schwarzen und Asowschen Meere", 1874; „Ueber neue Strömungstheorie", 1875; Physikalische Untersuchungen im Schwarzen Meere", 1875; „Die Theorie der Bora" (ins Deutsche übersetzt), 1876; „Die internationale Ausstellung wissenschaftlicher Apparate", 1877; „Die Reorganisation der Marine-Akademie", 1881; „Neue Methode zur Bestimmung der Distanzen zur See", 1882; „Tabellen zur Berechnung der Distanzen nach der von Wrangellsclien Methode", 1883; bei Brockhaus in Leipzig erschien vom Baron Ferdinand von Wrangeil: „Die russisch-baltische Frage" (auch in deutscher Sprache), 1882. — 480 — 32. Wilhelm Peter George Adolf Baron von Wrangeil, Solin von Ferdinand Ludwig (25), wurde auf der Insel Sitka in Amerika am 25. November 1831 geboren und erhielt dort vom Vater am 6. December 1831 die Nothtaufe. Diese wurde am 28. Juni 1836 vom esthländischen General-Superintendenten Dr. Rein in der Ritter- und Domkirche zu Reval bestätigt und eingesegnet. 1 ) Nach dem Besuch der Ritter- und Domschule in Reval, von 1846 bis 1850, kam er 1851 auf die Universität in St. Petersburg und studirte liier Naturwissenschaften. 1855 machte er mit dem Akademiker General von Helmersen eine geognostische wissenschaftliche Reise in den Ural und nach Deutschland und trat 1857 die Bewirthschaftung des väterlichen Gutes Ruil in Wirland an. Neun Jahre später finden wir ihn als Kirchspielrichter in Wirland, 1867 als Hakenrichter und drei Jahre später ist er Kreisdeputirter. Seit dem 13. Januar 1881 Ritterschaftshauptmann von Esthland, wurde er anlässlich der Krönung des Kaisers Alexander III. am 15. Mai 1883 zum Staatsrath ernannt. Am 17. Januar 1884 (n. St.) legte er an dem gewöhnlichen Landtage der esthländischen Ritterschaft den „silbernen Stab", das Symbol des Amtes als Ritterschaftshauptmann, nieder und wurde am 17. Januar 1884 zum esthländischen Landrath erwählt. Er ist seit dem 18. Juni 1861 3 ) mit Lucie Cäcilie Gräfin Stenbock aus dem Hause Kolk vermählt, welche am 13. Januar 1840 als die Tochter des verstorbenen Majoratsherrn Grafen Ludwig Stenbock auf Kolk und der Cäcilie von Mohrenschildt geboren wurde. Ihre Schwester war die Gattin des Barons Peter von Wrangeil (34), ihres Mannes Bruder. :! ) Aus dieser Ehe sind sechs Söhne und fünf Töchter entsprossen. 4 ) 1. Elisabeth Beate Charlotte (54), geboren am 8. Juli 1870 5 ) in Reval, starb am 8. September 1871 zu Ruil. , 2. Lucilla Natalie (55), geboren am 14. Juli 1872 in Ruil, Drillingsschwester von 3. Egla Antonie (56) und einer todtgebornen Tochter (57). 4. Margarethe Paulina (58), Zwillingsschwester von Otto Wilhelm, geboren am 10. Juli 1875. 49. Ferdinand Wilhelm George Alexander Baron von Wrangeil, Sohn von Wilhelm Peter George Adolf (32), geboren am 4. Januar 1863, getauft am 19. Februar 1863 in Reval, c ) wurde in der Ritter- und Domschule in Reval erzogen und studirte seit 1882 auf der Universität zu Dorpat. Als am 5. (17.) October 1885 dem scheidenden Professor Dr. E. von Wahl zu Ehren ein stattlicher Fackelzug veranstaltet wurde, war Baron Ferdinand von Wrangell dazu ausersehen, im Namen des Chargirten-Convents die Ansprache zu halten. 50. Magnus Peter Baron von Wrangeil, Sohn von Wilhelm Peter George Adolf (32), geboren am 3. April 1864 zu Ruil, ist 1885 Student auf der Universität zu Dorpat. *) K.-B. Dom Reval. 2 ) K.-B. Dom Reval. 3 ) K.-B. Dom Reval. *) K.-B. St. Jacobi. 5) K.-B. St. Jacobi. 6 ) K.-B. Nicolai in Reval. — 481 — 52. George Eduard Baron von Wrangeil, Solin von Wilhelm Peter George Adolf (32), gehören am 2. Januar 1806 in Ruil, ist 1885 Student in Dorpat. 52. Ludwig Ferdinand Friedrich Wilhelm Baron von Wrangeil, Sohn von Wilhelm Peter George Adolf (32), geboren am 12. Juli 1867 in Ruil, starb daselbst am 4. Juli 1868. 53. Wilhelm (Helm) Ferdinand Rudolf Otto Baron von Wrangeil, Sohn von Wilhelm Peter George Adolf (32), geboren am 18. März 1869 in Ruil. befindet sich 1885 in der Erziehungsanstalt in Dorpat. 59. Otto Wilhelm Baron von Wrangeil, Sohn von Wilhelm Peter George Adolf (32), geboren am 10. Juli 1875 in Ruil, Zwillingsbruder von Margarethe Pauline (58). 29. George Otto Anton Baron von Wrangeil, l ) Sohn von Peter Ludwig (20), wurde am 25. Februar (9. März) 1803 auf dem elterlichen Gute Waimel im Kreise Werro in Livland geboren und erhielt als Freipension vom Januar 1811 bis Frühjahr 1815 seine Erziehung in der Ritter- und Domschule zu Reval. Notiren wir zuvörderst, was die bis 1851 gehende Kaiserliche Dienstliste über ihn berichtet: Er trat am 1. Januar 1817 als Junker in das Alexandrinische (schwarze) Husaren- Regiment im Gouvernement Jekaterinoslaw ein; am 24. April 1S18 fand seine Beförderung zum ersten Offizierrang statt und am 4. April 1821 wurde er in das narwasche Dragoner - Regiment im Gouvernement Pultawa übergeführt. Am 11. April desselben Jahres zum Ober-Lieutenant befördert, that er vom September 1821 bis December 1823 Dienste in der Cavallerie-Lehr-Division im Hauptquartier bei der ersten Armee zu Mohilew am Dnjepr und wurde am 26. November 1823 für Auszeichnung im Heere Stabs-Kapitän. Am 17. Juni 1824 zum Adjutanten des Chefs des Stabes vom 4. Infanterie-Corps, Generalmajors (späteren Generals der Infanterie und General-Adjutanten) Krassowsky zu Kiew ernannt, wurde George von Wrangeil bei Ernennung des letzteren zum Commandern- der in den Krieg gegen Persien beorderten 20. Infanterie-Division im October 1826 in das kaukasische Corps nach Tiflis versetzt und am 14. December desselben Jahres bei Umgestaltung der 4. Dragoner-Division zur 4. Husaren-Division mit Verbleibung in seiner Adjutantenstellung zum Stabs-Rittmeister umbenannt. Am 17. August 1827 erhielt Baron von Wrangeil den St. Annen-Orden IH. Klasse mit der Schleife für Auszeichnung in der Schlacht bei Uschagan und 1827 den St. Wladimir- Orden IV. Klasse mit der Schleife für die vom 15. September bis 1. October währende Belagerung und Einnahme der Festungen Sardar-Abbat und Eriwan. Im Mai 1828 i) Wrangell, *2. Urk.-Samml VII, Nr. 38 p. 0. IH ■W — 482 — empfing er die silberne Medaille „Für den persischen Krieg" an dem vereinigten Bande des Georgen- und St. Wladimir - Ordens. Im Juli desselben Jahres kehrte er aus dem kaukasischen Corps nach Kussland zurück und wurde am 16. Juli 1828 zum Kitt meist er befördert. Am 11. September kam er von Odessa zu Schiff in das kaiserliche Hauptquartier vor der Festung Warna in der europäischen Türkei, wurde am 29. September 1828 für Auszeichnung in den Gefechten während der Belagerung und Einnahme von Warna in das reitende Garde-Jäger-Kegiment (zur damaligen jungen Garde gehörig mit einem Vorrang) als Kapitän (gleich dem Major der Armee) übergeführt und erhielt den St. Annen-Orden II. Klasse für Auszeichnung in den Gefechten während der Belagerung und Einnahme von Silistria vom 11. Mai bis 18. Juni 1829. Bald hierauf machte von Wrangeil die Courier-Reise von Silistria ins Hauptquartier des Oberbefehlshabers Baron Diebitsch vor Scliumla und von dort über Kiew nach Koseletz im Gouvernement Tschernigow zum Kaiser mit Ueberbringung der Schlüssel von Silistria, und wurde am 27. Juni 1829 persönlich durch Seine Majestät in das Garde - Husaren - Regiment (alte Garde, welche mit zwei Rangstufen der Armee voraus ist) als Rittmeister (gleich dem Oberstlieutenant der Armee), mit Verbleibung in der Stellung des Adjutanten bei dem Commandern- des 3. Infanterie-Corps, Generallieutenant Krassowsky versetzt. Im Januar 1830 wurde ihm die silberne Medaille „Für den türkischen Krieg" an dem St. Georgen-Ordensbande verliehen; am 30. August 1831 wurde er zum Oberst mit Ueber- führung in das Alexandrinische Husaren-Regiment befördert, aber am 6. October 1832 krankheitshalber mit Beibehaltung des Gehalts und unter Zuzählung zur Cavallerie der Armee beurlaubt, trat indessen wieder am 26. Februar 1834 in das Muster-Cavallerie- Regiment ein. Am 24. Februar 1835 erfolgte seine Ernennung zum Commandern- des Achtyrka- schen (braunen) Husaren-Regiments und wurde ihm am 20. October 1835 bei Allerhöchster Besichtigung des Regiments bei Belo-Zerkof (Gouvernement Kiew) der St. Annen-Orden II. Klasse mit der kaiserlichen Krone und am 4. September 1837 bei Allerhöchster Besichtigung des Regiments bei Wosnessensk (Gouvernement Cherson) der Wladimir-Orden III. Klasse verliehen. Afii 12. März 1839 als Commandern- zum Wolhynischen Ulanen-Regiment versetzt, wurde von Wrangeil am 30. August 1839 zum General-Major mit Verbleibung als Regiments - Commandern- befördert; am 22. August 1840 wurde ihm die Verdienst- Schnalle für zwanzig Jahre und am 28. August 1840 bei Allerhöchster Besichtigung des Regiments bei Hornel (Gouvernement Moliilew) 2000 Dessätinen (= 480 000 russische Quadratfaden oder Klafter) Land im Gouvernement Saratow als Erbbesitz verliehen. Am 31. August 1841 zum Commandern- der 2. (Husaren-) Brigade der 6. leichten Cavallerie- Division ernannt, erhielt von Wrangeil beim Ausmarsch der Division aus Moskau nach Tschugujef (Gouvernement Charkow) im Februar 1842 zur Bestreitung der Marschunkosten 860 Rubel Silber, am 22. August desselben Jahres den St. Georgen - Orden IV. Klasse mit der Inschrift für „fünfundzwanzig Jahre", am 10. October 1842 bei Allerhöchster Besichtigung der Brigade in Tschugujef den St. Stanislaus - Orden I. Klasse mit Band und Stern verliehen und wurde am 11. April 1S43 zum Commandern- der 1. Brigade der — 483 — 2. Dragoner-Division ernannt, im Mai 1843 krankheitshalber auf vier Monate in die Bäder Deutschlands beurlaubt (mit Allerhöchster Verleihung eines Jahrgehalts und einer Zulage von 300 Dukaten), und am 10. November 1843 zum Chef der 3. Section der Ost-Küstenlinie des Schwarzen Meeres mit Ueberführung in das kaukasische Corps ernannt. Als Ersatz für die durch die wiederholten Ueberführungen veranlassten Ausgaben erliielt von Wrangeil im Januar 1844 3860 Silberrubel verliehen. Am 4. November 1845 wurde er zur Stärkung seiner im Kaukasus zerrütteten Gesundheit auf zehn Monate mit Beibehaltung des vollen Gehaltes und der Tafelgelder und mit Entlassung aus der Dienststellung am Kaukasus beurlaubt; am 10. Januar 1846 erfolgte seine Ernennung in den Stab Seiner Kaiserlichen Hoheit des Grossfürsten Michael Pawlowitsch, Ober-Chef der Militär-Erziehungs-Anstalten. Am 4. März 1849 wurde er zum Direktor des Peter-Kadetten-Corps in Pnltawa ernannt (zur Uebersiedelung wurden ihm ausser den gesetzlichen Reisegeldern noch 860 Silberrubel überwiesen); am 6. December 1849 wurde er Generallieutenant und Curator des wilnaschen Lehrbezirks; am 13. Mai 1851 erhielt er wiederum Urlaub mit vollem Gehalt nebst Tafelgeldern und einer Zulage von 1140 Silberrubeln auf 5y 2 Monate in die Bäder Deutschlands und endlich am 10. Januar 1854 für fünfjährigen Dienst bei den Militär - Erziehungs - Anstalten Gehaltszulage von 570 Silberrubeln jährlich. An Campagnen, Schlachten und Dienstreisen hatte George Otto Anton von Wrangeil mitgemacht: Erster Feldzug gegen die Perser 1826: Unter General Krassowsky in dem kaukasischen Corps nach Tiflis, Uebergang über den Fluss Alasan aus Grusien zur Dämpfung des durch die Perser erregten Aufstandes der dscliarischen Lesgier und Besetzung der Schlucht Sakataly am 1. December 1826. Ueberwinterung im Land der Lesgier bis 22. Mai 1827. Zweiter Feldzug gegen die Perser 1827: Marsch über Tiflis in das nordwestliche Persien, Provinz Eriwan (höchst beschwerlicher Uebergang über die Gebirgsrücken Aksibiuck und Besobdal unter dem Oberbefehl des commandirenden Generals Paskewitsch). Vorrücken in das Ararat-Thal bis zum armenischen Kloster Etschmiadsin, dem Sitz des Haupt-Patriarchen aller Armenier. In der Heeres-Abtheilung des Generallieutenants Krassowsky Blockade der Festung Eriwan; diese Abtheilung tritt in die Stelle der Avantgarde unter General-Adjutant von Benckendorff II, welche vor dem Hauptheere gegen die Ararat-Festung Abbas-Abbat zieht. Wegen der allzugrossen Sommerhitze (anhaltend über -f 40 0 R. im Schatten) Aufhebung der Blockade von Eriwan und Marsch nach Etschmiadsin im Mai 1827. In diesem Kloster Organisirung eines Kriegsdepots, Zufuhr aus Grusien, Beobachtungslager auf dem Vereinigungspunkte der Wege von Grusien nach Eriwan, Etschmiadsin und zur Festung Sardar-Abbat. Gefechte und Vertreibung des Feindes am Fusse des Berges Allugüs, unweit des Ararat (10. und 13. August 1827), Schlacht bei Uschagan gegen 24 000 Perser unter den Befehlen des Thronfolgers Prinzen Abbas - Mirza, wo General Krassowsky mit 3500 Mann in zwölfstündigem harten Kampfe die feindlichen Linien durchbrach und das bedrängte Kloster Etschmiadsin befreite. Belagerung und 61* — 484 — Einnahme der Festung Sardar-Abbat vom 15. bis 20. September 1827; Belagerung und Einnahme der Festung Eriwan mit Gefangennehmung des Oberbefehlshabers Hassan-Chan- Sardor vom 22. September bis 1. October 1S27; Courierritt von Eriwan über Maranda nach Taurien und Dey-Kargan, wo die beiden Oberbefehlshaber General Graf Paskewitscli- Eriwansky und Prinz Abbas-Mirza den Frieden schlössen. Im December erfolgte der Rückmarsch nach Eriwan, etwa 150 deutsche Meilen, wo überwintert wurde. Mai 1828: Rückkehr nach Tiflis, Juli nach Russland, von da über Odessa zu Schiff in das kaiserliche Hauptquartier vor der türkischen Festung Warna, wo er am 11. September eintraf. Krieg gegen die Türken in der europäischen Türkei 1828 und 1829: Erster Feldzug 1828: Belagerung der Festung Warna; wiederholte Gefechte gegen den Pascha Omer-Briöny, der sich vergebens bemühte die Festung zu entsetzen; Einnahme von Warna am 29. September 1828; Ueberwinterung in Warna. Zweiter Feldzug 1829, von der Donau-Festung Hirsowo am 14. April 1829 begonnen : Unter dem Oberbefehlshaber der zweiten Armee, General-Adjutant Baron Diebitsch siegreiches Gefecht vor der Donau-Festung Silistria und Einnahme mehrerer äusserer Befestigungen; am 1. Mai 1829 Belagerung von Silistria durch das 3. Infanterie-Corps unter Generallieutenant Krassowsky; häufige Gefechte und zurückgeschlagene Ausfälle der Garnison bis zur Einnahme von Silistria am 18. Juni; hierauf Courierreise ins Hauptquartier der Armee von Sclmmla und von dort über Kiew nach Koseletz im Gouvernement Tschernigow zu Seiner Majestät dem Kaiser mit Ueberbringung der Siegesnachricht und der Schlüssel von Silistria, dann zurück nach Schumla. Dritter Feldzug: Besetzung der Stellung vor der Festung Sclnunla mit dem 3. Infanterie-Corps unter Generallieutenant Krassowsky am 19. August 1829; Belagerung einer vorgeschobenen Befestigung und deren Erstürmung am 23. August; siegreiches Gefecht Krassowskys gegen ein starkes Corps unter dem Gross -Vesir Raschid - Pascha, welches am 29. August einen heftigen nächtlichen Ausfall machte; wiederholte kleinere Gefechte am 19. August bis zum Friedensschluss am 2. September; im September Courierritt aus dem Lager von Schumla über den Balkan ins Hauptquartier des Feldmarschalls Grafen Diebisch - Sabalkansky nach Adrianopel und zurück nach Schumla. Winterlager vor Ivosludschy bis Ende November, sodann Ueberwinterung in Warna, wo die Pest herrschte. Im Mai 1830 Rückmarsch über die Donau auf Odessa. Krieg gegen die kaukasischen Bergvölker: 1844 an der Ostküste des Schwarzen Meeres verschiedene Streifzüge ins Gebirge; 1845 in der Küstenbefestigung Nowaginsk; wiederholt zurückgeschlagene Angriffe der Ubychen. Orden und Auszeichnungen, soweit dieselben nicht schon in vorstehendem mit- geth eilt worden sind: 1845 den St. Annen-Orden I. Klasse mit Band und Stern für den eifrigen Dienst gegen die Bergvölker; 1848 Verdienstschnalle für fünfundzwanzigjährige Dienstzeit; 1852 St. Wladimir-Orden, Stern zur II. Klasse; 1855 Weissen Adler-Orden; December 1857: Arrende von 2000 Rubeln jährlich auf zwölf Jahre; August 1861: Inspektor der Militär-Lehr-Anstalten in St. Petersburg; im Januar 1863 der Cavallerie zugezählt mit dem Rechte seinen Wohnsitz zu wählen und Beibehaltung der Gage. Er erhielt eine goldene, reich mit Brillanten gezierte Tabatiere mit dem Bildniss Seiner Majestät des Kaisers Alexander II. Im April 1868 feierte George Baron von Wrangeil sein fünfzigjähriges Dienst- jubiläum und erhielt eine jährliche Arrende von 2500 Rubel Silber auf zwölf Jahre. 1855 wurde ihm für sich und seine leiblichen Nachkommen durch kaiserlichen Ukas die Anerkennung des Barontitels ertheilt. Er starb am 1. Januar 1873 in Dorpat. Am 30. März 1835 vermählte er sich mit Caroline Annette Henriette von Schwebs, der Tochter des weiland dorpatschen Ordnungsrichters und Premier-Majors und Ritters Alexander Friedrich von Schwebs, Erbherr auf Jewe, Kerrafer bei Dorpat und Laiwa (geboren am 2. März 1770, starb 1830), und der Caroline Margarethe Johanna von Paykull zu Zarskoje-Sselo, aus dem Hause Türpsal (geboren am 27. September 1779, starb 1825). Sie ist geboren am 7. April 1811 in Kerrafer im Kreise Dorpat und starb am 7. April 1869 in Dorpat. Aus dieser Ehe stammen vier Söhne: Friedrich Wilhelm (42), Ferdinand Wilhelm Friedrich George (44), George Ferdinand (46), Alexander Peter (47) und die vier Töchter: 1. Caroline Wilhelmine Barbara (40), geboren in Balto im podolischen Gouvernement am 23. März 1836, starb am 25. November 1839 zu Lironi im orlowschen Gomvernement. 2. Sophie Elisabeth (41), geboren am 25. August 1838 zu Wosnocenz, starb am 29. August 1839 zu Jagolm im pultawaschen Gouvernement. 3. Marie Elisabeth Wilhelmine (43), geboren am 8. Juni 1842 zu Tscher- gajeff im charkowschen Gouvernement, getauft am 23. September 1842, starb am 29. Januar 1851 in Pultawa. 4. Dorothea Gustava (45),*) geboren am 6. Februar 1846 zu Reval, vermählt 1S78 mit dein Rektor der Universität zu Dorpat, erstem Stadthauptmann daselbst, Professor Georg von Oeffingen, in dessen zweiter Ehe. 44. Ferdinand Wilhelm George Baron von Wrangeil, Sohn von George Otto Anton (29), geboren am 1. Mai 1844 in St. Petersburg, getauft am 2. Mai 1844 vom Pastor Moritz. Sein Taufvater war der 97jährige Baron Bernhard Wilhelm von Wrangeil (YIH 51). Ferdinand starb am 6. Mai 1861 in St. Petersburg als Flotten-Gardemarinier im See-Corps. 46. George Ferdinand Baron von Wrangeil, Sohn von George Otto Anton (29), wurde am 11. August 1848 morgens 2 s / 4 Uhr zu Zarskoje-Sselo geboren und von Pastor Acuwarius getauft. Er besuchte das Polytechnikum zu Karlsruhe. Im Jahre 1886 lebte er auf seinem Besitz Annenhof bei Dorpat und Koik. i) K.-B. Reval. \ Am 23. Mai 1878 vermählte er sich zu Sonorm mit Anna (Annette) Julie von Baumgarten, Tochter des Oberst Iwan von Baumgarten (starb 1865) auf Sonorm, Ampel, Koje, und der Anna Friederike von Dellingshausen. Sie ist am 9. September 1857 geboren. Aus der Ehe sind vier Sühne: 68. Richard Baron von Wrangell, Sohn von George Ferdinand (46), starb 1879 (5 Wochen alt). 69. Erwin Baron von Wrangell, Sohn von George Ferdinand (46), geboren am 18. November 1880. 70. Friedrich Baron von Wrangell, Sohn von George Ferdinand (46), geboren am 10. November 1881. 71. Ralphus Baron von Wrangell, Sohn von George Ferdinand (46), geboren am 30. April 1883. 47. Alexander Peter Baron von Wrangell, Sohn von George Otto Anton (29), geboren am 25. Juli 1854 zu Pultawa und getauft am 27. August 1854, hatte den Kaiser Alexander II. zum Pathen und starb schon am 5. Mai 1855. 42. Friedrich Wilhelm Baron von Wrangell, 9 Sohn von George Otto Anton (29), wurde am 17. März 1840, Dom. Oculi, in Lironi, Gouvernement Orel, geboren und am 28. April 1840, Dom. Misericordias, im Dom daselbst getauft, trat 1850 ins Pagen-Corps in St. Petersburg ein und wurde als Kammerpage der Grossfürstin Helene Pawlowna zugetheilt. Am 16. Juni 1859 kam er als Fähnrich in das Semenowsche Leib-Garde-Regiment, wurde 1861 Repetitor der Physik und Lieutenant beim Alexander-Kadetten-Corps in Wilna, musste aber 1862 krankheitshalber als Garde-Lieutenant seinen Abschied nehmen. Die folgenden drei Jahre studirte er Landwirthschaft in Weihenstephan in Bayern und in Estliland, wurde 1865 Friedensrichter auf Shitomir in Podolien, dann Gutsbesitzer auf Bitscliewaje in Podolien und zum Ehrenfriedensrichter erwählt. Demnächst erwählte man ihn zum Friedensvermittler in Shitomir. 1873 kaufte er sich Kerrafer in Jerven im Kirchspiel Ampel bei Taps, verkaufte aber solches wieder im Februar 1885 an die Frau Generalin von Dehn und erstand im März 1885 die grosse Herrschaft Gostilitzi bei Peterhof (Gouvernement Petersburg). Im Jahre 1884 ist er Kirchspielsrichter von Ampel. In der Familie ist er als ein fleissiger und eifriger Sammler von namentlich die Eamilie betreffenden russischen Münzen, Portraits und Kunstschätzen bekannt. Durch seine zwölfjährige Thätigkeit auf dem Gute Kerrafer, durch Zuvorkommenheit und Freundlichkeit gegen jedermann und dadurch, dass er und seine Gattin stets bereit !) Russwurm, Material, — 487 waren, hilfreiche Hand zu bieten, hatte sich Baron von Wrangeil die allgemeine Achtung und Liebe der ganzen Bauernschaft erworben. Auf Veranlassung des bewährten Gemeinderichters A. Johannson aus Annist, der durch den Kauf einer angrenzenden kerraferer Bauernstelle mit in den Gemeindeverband gezogen war, brachte die Gemeinde eine solche Summe zusammen, dass sie ihrem scheidenden Herrn eine Photographie (Gruppenaufnahme aller gegenwärtig besitzlichen Gemeindewirthe) überreichen konnte. Die hierzu veranstaltete Festlichkeit fand am 25. Juli 1885 zu Kerrafer statt, die umso grösser angeordnet worden, da der Baron von Wrangeil zu seinem Gedächtniss das Material zum Bau eines neuen Gemeindehauses gespendet hatte. Bei dem auf dem Hofe durch die Herrschaft veranstalteten Festessen kamen 130 Personen zusammen und herzliche Reden würzten die Feier. Noch während dieses Festessens schloss sich die zweite Feier dieses Tages durch die ampelsche Feuerwehr an, deren Präsident Baron von Wrangell war, und welcher er eine theuere, sehr geschmackvoll gearbeitete Fahne zum Geschenk gemacht hatte. Endlich ist noch hervorzuheben, dass sich Baron von Wrangell bei der ker- rafersehen Kircliengemeinde durch Schenkung eines silbernen Taufbeckens, welches zu Haustaufen der Gemeindeglieder dienen soll, und bei der ampelschen Kirche durch Widmung eines Kelches besondere Andenken gestiftet hat. Am 9. April 1870 vermählte er sich zu St. Petersburg mit Helene Casimire Atenaise Maria Zöge von Manteuffel. Sie ist am 18. (30.) Mai 1846 in Venedig geboren und am 11. Juni von Joseph Unterbacher, deutschem Prediger der katholischen Gemeinde S. Bartolomäi dal Eialto und kaiserlich königlichem Hofkaplan der Pfarre S. Salvatore, zu Venedig getauft. Die Taufceremonie wurde nach katholischem Gebrauch in der evangelischen Kirche S. Luca mit Erlaubniss des Pfarrers Möns. Johann Lazzari, Domherrn zu S. Marco, Caplan und Ritter, nachgetragen. Später wurde sie in St. Petersburg lutherisch conftrmirt. Ihre Mutter war beim Fürsten Kurakin erzogen worden, der ihr einen Theil seines Vermögens vermachte, welcher ihr aber von Kurakins Verwandten vorenthalten wurde, weshalb sie einen langen Prozess führen musste, welchen der Geheime Rath Peter von Goeze leitete. Dieser erzog die Tochter des General-Consiüs, kaiserlich russischen Oberstlieutenants Gerhard Zöge von Manteuffel auf Woisek und der Frau Atenaise von Kinserska, als Pflegetochter in seiner Familie, in welcher sie bis zu ihrer Verlieiratliung verblieb. Aus dieser Ehe sind zwei Söhne und sechs Töchter: *) 1. Caroline (Lilly) Emma Wilhelmine (61), geboren 23. Februar 1873. 2. Alexandra (Anda) Maria Dorothea (62), geboren 19. März 1874. 3. Olga Helene (63), geboren am 12. März 1877, starb am 13. März 1877. 4. Dorothea Friederike (64), geboren am 6. Februar 1878. 5. Emma Anna (66), geboren 5. December 1882 auf Kerrafer in Estkland. G. Lucie Elisabeth Julie (67), geboren am 31. August 1884 in Reval. i) K.-B. Ampel. — 488 — 60. George Peter Carl Baron von Wrangeil, Sohn von Friedlich Wilhelm (42), geboren am 11. Februar 1872, besuchte 1885 die Ritter- und Domschule in Reval. 65. Friedrich Peter Magnus Baron von Wrangeil, Sohn von Friedrich Wilhelm (42), geboren am 5. December 1880, starb am 27. September 1881. Tabelle X. (Bei von Toll Tabelle E.) Die Familie von Wrangell aus dem Hause Raick. (Seit 1855 durch kaiserlieh russische Anerkennung: Barone.) Der Stammvater des Hauses Raick in Esthland ist 1. Jobst Jacob von Wrangell (HA 74), Solm von Hans dem Jüngern von Wrangell aus dem Hause Addinal (nA 63) und der Christine von Taube. Er war Herr auf Raick, schwedischer Lieutenant und 1690 Ordnungsrichter zu Dorpat. Er starb 1698/99. Aus seinem Leben wird uns zunächst mitgetheilt, dass er mit seinem Bruder Johann Dietrich von Wrangell (IIA 71) auf dem Gute Kudding Forderungen stehen hatte, welche nach der Verfügung des Königs von Schweden die von Taubeschen Erben nach Verlauf von sechs Monaten befriedigen sollten, widrigenfalls sie die landesübliche Execution zu gewärtigen hätten. Hierauf traten, nachdem der älteste von Taube, Baron Gustav Adolf von Taube, mit seiner Schwester Julianne von Taube, der Gattin des Oberstlieutenants Baron von Tiesenliausen, ihre väterliche Erbschaft an ihren jüngsten Bruder, den Baron Jobst von Taube, und an ihre drei Schwestern Margarethe, Eleonore und Maya cedirt, die übrigen von Taubeschen Erben mit oben genannten Gebrüdern von Wrangell, als ihren nahen Blutsverwandten, zusammen und verglichen sich zu Kuddelin am 16. April 1696 wegen der erwähnten Forderungen, sowie wegen des reducirten Gutes Fehtenhof, welches deren Vater Hans von Wrangell vom Vater der genannten Geschwister von Taube für 5000 Reichsthaler erkauft hatte — nebst einer Jahres-Arrende und aufgelaufenen Interessen hatte sich die Summe auf 5459 Reichsthaler species erhöht — gütlich dahin, dass Baron Jobst von Taube nebst seinen drei genannten Geschwistern nicht nur das vom Vater verschriebene Pfand Nabbast, soweit es zureichte, sondern noch andere ungravirte und namentlich specificirte Bauern den beiden genannten Brüdern von Wrangell für die jährlichen Interessen von acht Prozent, bis das schuldende Kapital von 5459 Thalern völlig bezahlt, zu einem wahren Unterpfand abtrat und einräumte. 62 L — 490 — Jobst Jacob von Wrangell unterzeichnete sich bald mit einem ,,1", bald mit „11". Seine Nachkommen, die sich später nach Russland wandten, behielten die letztere Schreibweise bei. Er war zweimal vermählt, und zwar: a) am 16. Februar 1686 mit Anna Gertrud von Bock aus dem Hause Sudenbach, einer Tochter des Rittmeisters Johann von Bock des Jüngern auf Sudenbach und der Margarethe Gertrud Freiin von Taube und Schwester des Landraths Georg Johann von Bock, geboren am 16. Juni 1664, starb am 1. März 1696; b) 1698 mit Anna Wendula von Ritter in deren erster Ehe, war geboren 1674 und starb 1750. Sie war die Tochter des Majors in der livländischen Adelsfahne Carl Johann von Ritter. Sie vermählte sich 1700 zum zweiten Male mit dem Hauptmann, spätem Oberst Heinrich .Johann von Essen. von Wrangell liinterliess Hüddingen als ein Pfandgut. 1 ) Darüber entstand nach seinem Tode ein Rechtsgang zwischen den Vormündern seiner Kinder erster Ehe, Georg- Johann von Bock und Dietrich Johann von Wrangell (IIA 71), und der Wittwe und Stiefmutter A. W. von Ritter, welchen das Hofgericht zu Dorpat am 15. des Hornmonats 1699 dahin entschied, dass die Wittwe beim Besitze des Gutes gelassen wurde. 3 ) Aus der ersten Ehe stammte ein Sohn Jacob Johann (2) und eine Tochter: Luise Eleonore (3), welche am 27. December 1694 zu Dorpat getauft wurde. 3 ) 2. .Jacob Johann von Wrangell, 4 ) Sohn von Jobst Jacob (1), wurde 1690 geboren, stand unter der Vormundschaft seines Mutterbruders, des nachmaligen Landraths Georg Johann von Bock und des Lieutenants Dietrich Johann von Wrangell (IIA 71). Er war 1705 Corporal, wurde 1709 als Cornet bei der livländischen Adelsfahne in der Schlacht bei Pultawa gefangen und nach Tomsk in Sibirien abgeführt, von wo er am 20. des Wintermonats 1720 an seinen Oheim den Landrath von Bock schrieb, „er wäre von allen Menschen verlassen und hätte in den elf Jahren in grösster Armuth leben müssen". 1723 kehrte er zurück und nahm am 29. Juli 1724 seinen Abschied als Lieutenant. 5 ) von Wrangell war ein Schwestersohn des Landraths Georg Johann von Bock, der sein Vormund gewesen, und quittirte dem Sohne desselben, dem Ordnungsrichter Otto Wilhelm von Bock, am 4. Juni 1723 zu Kiddejevo über die von dessen Vater geführte Vormundschaft. Er war Erbherr auf Raick in Esthland und seit dem 13. April 1726 vermählt mit Gertrud Hedwig von Ulrich 6 ) aus dem Hause Haiba und Ruil, welche als Wittwe im Mai 1761 starb. 7 ) Er starb im März 1755 und hatte neun Söhne: Bernd Jacob (4), Carl Magnus (6), Otto Jürgen (7), Reinhold Johann (9), Gustav Johann (10), Adam Gustav (11), Woldemar Johann (15), Hans Conrad (16), Reinhold Wilhelm (17) und vier Töchter: i) Restitutions-Commission, Extract u. Sentenz Band IV., Arcli. Nr. 164; Livl. rittersch. Arcli. in Kiga. -) Gadebuscli, Bd. 3 p. 379 bis 448; K.-B. Dorpat; Hofgerichts-Präjudicate Nr. 40; M. Wrangell, Tli. VI, 160. 3 ) Gadebuscli, Bd. 16; Grundriss I p. 1138; K.-B. Dorpat. 4 ) Wrangell, Samml. VI p. 60; Wrangell, Mitth.; Maria-Magdalenen-K.-B. 5 ) Nach dem Original-Patent. 6 ) K.-B. Ampel. <) Maria-Magdalenen-K.-B. — 491 1. Anna Christine (8), geboren am 20. März 1728, vermählt mit Arend von Rehbinder. 2. Helene Sophie (12), 9 geboren 1737, starb im Januar 1790 unvermählt. 3. Marie Julianne (13), 2 ) starb am 7. Juli 1740 in jugendlichem Alter. 4. Gertrud Hedwig (14), geboren am 15. September 1738, starb im Februar 1740 und 5. Kind (5), geboren und gestorben 1731. 6. Carl Magnus von Wrangeil, 3 ) Sohn von Jacob Johann (2), geboren 1732, starb 1802. Er war russischer Generalmajor, Ritter und Commandant der Festung Omsk. Er vermählte sich mit Maria von Lagerborg und hatte mit derselben eine Tochter: Dorothea (26), welche mit dem Collegienrath Quiburg vermählt war und 1782 starb, und einen Sohn: 25. Carl Heinrich von Wrangeil, von dem keine weitere Nachrichten vorhanden sind, als dass er am 2. Juni 1770 geboren wurde. 7. Otto Jürgen von Wrangeil, 4 ) Sohn von Jacob Johann (2), geboren am 3. August 1733, starb am 11. September 1768. 9. Reinhold Johann von Wrangeil, D ) Sohn von Jacob Johann (2), geboren am 25. Mai 1735, starb 1736. 10. Gustav Johann von Wrangeil, Sohn von Jacob Johann (2), geboren am 20. Februar 1727, starb am 17. Januar 1735. 15. Woldemar Johann von Wrangell, 6 ) Solm von Jacob Johann (2), wurde am 19. März 1741 geboren, starb aber jung. 16. Hans Conrad von Wrangell, Sohn von Jacob Johann (2), geboren am 6. April 1744, starb am 17. Januar 1746. 17. Reinhold Wilhelm von Wrangell, Sohn von Jacob Johann (2), geboren am 1. Juni 1746, war russischer Kapitän in der narwaschen Garnison und Arrendator des Landgutes Popova unweit Narwa. Mit seiner Gattin Barbara Dorothea von Graewenitz, 7 ) mit welcher er sich in der Kirche St. Johannis in Narwa vermählte, hatte er eine Tochter: Wrangell, 2. Urk.-Sammlung VI, 161; Maria-Magdalenen-K.-B. Wrangell, 2. Urk.-Sammlung VI, 161. 3) Wrangell, 2. Urk.-Sammlung VI, 161. 4) Wrangell, 2. Urk.-Sammlung YI, 161; Maria-Magdalenen-K.-B. « r ») Wrangell, 2. Urk.-Sammlung VI, 161. <>) Wrangell, 2. Urk.-Sammlung YI, 161; Maria-Magdalenen-K.-B. K.-B. St. Johannis in Narwa. 62* 492 — Martha Gertrud Johanna (32), welche am 13. November 1779 in der Kirche St. Johannis in Narwa getauft 1 ) wurde und sich später mit dem Generalmajor Lehmann verheiratliete. 4. Bernd Jacob von Wrangell, 2 ) Sohn von Jacob Johann (2), geboren am 31. August 1730, war russischer Kapitän und Erbherr auf Kono. Er war vermählt mit Jacobina Julianna von Freymann aus dem Hause Alt-Nursi und hatte mit derselben fünf Söhne: Jacob Johann (18), Gustav Ludwig (19), Bernd Wilhelm (21), Adolf Magnus (22) und Carl Heinrich (23), sowie zwei Töchter: 1. Luise Christiane (20), 3 ) geboren am 4. April 1775, gestorben am 15. October 1813; sie war vermählt mit dem Oberst von Präbsting. 2. Helene Wendula (24), geboren am 12. April 1784, gestorben am 26. Februar 1823 unvermählt. 18. Jacob Johann von Wrangell, 4 ) Sohn von Bernd Jacob (4), geboren am 21. Januar 1768, war Frbherr auf Kono, welches er aber verkaufte. Er war verabschiedeter russischer Kapitän, später Manngerichts- Assessor und starb am 20. Mai 1840. Am 22. April 1799 vermählte er sich mit Eva Margarethe Bär von Hudthorn, Tochter des Hofraths Heinrich Johann Bär Edlen von Hudthorn. Sie war geboren am 3. Juni 1775 und starb am 2. December 1848. 1816 war sie eine der Erbinnen des Majors Carl H. von Bär (starb 1816) und machte Ansprüche auf Lassila. Sie hatten drei Töchter: 1. Luise Julianne Henriette (33), geboren am 4. Juni 1801, starb am 27. August 1848; 5 ) 2. Minna Theodosia (34), geboren am 31. Juli 1802, starb am 30. März 1884 in Keval; 3. Emma Amalie (35), geboren am 3. Juni 1804, starb am 4. November 1848, und einen Sohn: 36. Gustav Hugo von Wrangell, geboren am 11. October 1806, diente als kaiserlich russischer Fähnrich beim 2. Jäger- Regiment und fiel in einer Schlacht gegen die polnischen Insurgenten am 7. Februar 1831 in Polen. 19. Gustav Ludwig von Wrangell, 6 ) Sohn von Bernd Jacob (4), geboren am 18. Januar 1774, war russischer Kapitän in der Flotte, später Staatsrath und Ritter des St. Wladimir - Ordens IV. Klasse und des St. Annen-Ordens II. Klasse, starb unvermählt am 11. Februar 1829 als Rentmeister des revalschen Ports. x ) K.-B. St. Johannis in Narwa. 2 ) Wrangell, 2. Urk.-Saminlung VI, 161; Maria-Magdalenen-K.-B. 3 ) Wrangell, 2. Urk.-Sammlung VI, 161. 4 ) Wrangell, 2. Urk.-Sammlung VI, 161; Maria-Magdalenen-K.-B.: K.-B. Dom Keval. 5 ) K.-B. St. Nicolai in Keval. °) Wrangell, a. a. O.; Maria-Magdalenen-K.-B.; K.-B. St. Nicolai in Keval. — 493 — 21. Bernd Wilhelm von Wrangell, 1 ) Solm von Bernd Jacob (4), geboren am 17. Juli 1776, war russischer Kapitän und starb am 17. Juli 1806 in der Stadt Hislär in den kaukasischen Linien an den Folgen von Verwundungen, die er im persischen Kriege vor der Festung Baku erhalten. 22. Adolf Magnus von Wrangell, 2 ) Sohn von Bernd Jacob (4), geboren am 7. Juni 1778, war russischer Oberst, focht 1812 bei Borodino und war zuletzt Direktor des Militär-Waisen-Instituts (Kinder-Haus) in St. Petersburg. Er war Inhaber mehrerer Orden und starb am 2. Juni 1825. Mit seiner Gemahlin Elisabeth Baroness Briiningk hatte er zwei Töchter: 1. Elisabeth (37), 2 ) geboren 1805, vermählte sich mit Afanasius Papovi; 2. Ida (39), 2 ) geboren 1813, gestorben 1831, und einen Sohn: 38. Piaton von Wrangell, 3 ) geboren 1807; russischer Cornet. Derselbe fiel 1828 im persischen Kriege. 23. Carl Heinrich von Wrangell, Sohn von Bernd Jacob (4), geboren am 2. Juni 1770. 11. Adam Gustav von Wrangell, 4 ) Sohn von Jacob Johann (2), geboren am 1. April 1736, wurde am 11. Januar 1777 als Premier-Major verabschiedet. Er war Erbherr auf Raick undPfandinhaber von Jotma und starb am 10. December 1818. Er war vermählt mit Dorothea Elisabeth von Zimmermann, welche am 13. März 1767 geboren wurde und am 10. September 1828 starb. Aus dieser Ehe stammten drei Söhne: Carl Jacob Wilhelm (27), Eduard August Gustav (29), Alexander Andreas (30) und zwei Töchter: 1. Gustava Christina Julianne (28), geboren am 21. December 1794; sie vermählte sich mit dem Lieutenant, späterm Major Suikolf. 2. Elisabeth Charlotte Amalie (31), 5 ) geboren am 2. December 1804, war zweimal vermählt und zwar: a) am 16. Juli 1828 mit Julius Johann von Toll, der schon am 6. Februar 1831 starb; b) am 8. August 1832 mit dessen Bruder Peter Christian Wilhelm von Toll, Erbherrn auf Wodja. 27. Carl Jacob Wilhelm Barou von Wrangell, 5 ) Sohn von Adam Gustav (11), geboren am 3. August 1793, machte 1812 die Schlacht bei Borodino mit, war 1831 russischer Artillerie-Lieutenant, 1839 Kapitän, dann Manngerichts- Assessor, Hakenrichter, Ritterschafts-Secretär und Erblierr auf Jotma. Er starb am !) Wrangell. a. a. O. 2) Wrangell, a. a. O. 3) Wrangell, 2. Urk.-Sammlung Yl, 161; Maria-Magdalenen-K.-B. 4) Maria-Magdalenen-K.-B. &) Wrangell, a. a. 0.; Maria-Magdalenen-K.-B.; K.-B. Reval: K.-B. Ampel. 494 — 17. September 1857. Laut Ukas von 1855 wurde ihm und seinen Nachkommen der Freiherrntitel zugesprochen. Am 27. September 1829 hatte er sich mit der am 4. April 1811 x ) geborenen Marie Charlotte Elisabeth Baroness Wrede ans dem Hause Sitz vermählt, welche den 20. Juni 1874 2 ) verstirbt. Er hatte mit derselben drei Söhne: Gustav Alexander (40), Carl Fabian (43), Friedrich Paul Alexander (44), sowie zwei Töchter: 1. Sophie (41), geboren am 18. Juni 1833; vermählt am 28. December 1852 mit Victor von Henning auf Setma. 2. Julie Wilhelmine Amalie (42), geboren am 24. April 1835; vermählt mit dem Generallieutenant von Kempfeld im Kaukasus. 40. Gustav Alexander Baron von Wrangeil, 3 ) Sohn von Carl Jacob (25), geboren am 27. December 1831, getauft am 10. Januar 1832; trat 1851 als Junker in das russische Grenadier-Regiment Prinz Eugen von Württemberg ein, wurde 1853 Fähnrich, 1854 Seconde - Lieutenant, dann Lieutenant und 1856 Stabs- Kapitän beim 6. taurischen Grenadier - Regiment Seiner Kaiserlichen Hoheit des Grossfürsten Michael Nicolajewitsch und nahm dann seinen Abschied; diente aber 1880 bei der Warschauer Eisenbahn. Auf sein Ansuchen attestirte ihm das Ritterhaus zu Reval, dass er das Recht habe, den Freiherrntitel zu führen. Ihm wurde solches am 21. April 1865 unter Nr. 5 ertheilt. Mit seiner Gemahlin Leonie Gothmann hat er nur eine Tochter: Wilhelmine (50), geboren 1880. 43. Carl Fabian Baron von Wrangeil, 4 ) Sohn von Carl Jacob Wilhelm (27), wurde am 13. April 1839 auf dem Gute Jotma geboren und am 15. Mai evangelisch-lutherisch getauft. Er trat 1855 während des russisch - englisch - türkischen Krieges in Reval ins Grenadier-Regiment Kaiser von Oesterreich ein, wohnte 1856 der Krönung Kaiser Alexanders H. in Moskau bei, wurde im Februar 1859 (seit 1858 Fähnrich) nach dem Kaukasus übergeführt, focht am 1. April 1859 in der Schlacht bei Widinor, stand von 1860 bis 1869 bei der kaukasischen Armee und machte die ganzen Begebenheiten in dieser Zeit als Lieutenant und Kapitän mit. 1877/78 betheiligte er sich am türkischen Kriege in Klein-Asien, machte am 20. September 1877 die Schlacht bei Balschi-Gagene in Klein- Asien, am 5. October 1877 die Schlacht bei Abliga und am 5. November 1877 den Sturm auf Kars mit. Im December 1877 wurde er zum Major befördert, 1880 zum Oberstlieutenant des Rostow'schen Grenadier-Regiments in Moskau ernannt und im Juli 1885 zum 3. peruanischen Grenadier - Regiment König Friedrich Wilhelm IV. von Preussen übergeführt. Er ist Ritter und besitzt folgende Orden: dpn St. Stanislaus - Orden HI. Klasse, II. Klasse ohne Krone, II. Klasse mit Krone und Schwertern; den St. Annen-Orden IH. Klasse mit Schwertern und II. Klasse; den Woidine-Orden IV. Klasse mit Schwertern; das kau- 1) K.-B. Ampel. 2 ) K.-B. Nicolai in Reval. 3) Wrangeil, a. a. O.: Maria-Magdalenen-K.-B. - 1 ) K.-B. Nicolai-Reval; K.-B. St. Petersburg; K.-B. Ampel. — 495 basische Kreuz; die Krönungs - Medaille 1883; die Medaille für 1854, 1855, 1856; die silberne Medaille für Kars; die Militär-Medaille für den Feldzug im östlichen und westlichen Kaukasus. Am 23. August 1872 vermählte er sich mit seiner Cousine Julie Ida Maria Baroness von Wrangeil (X 48) und hat mit derselben einen Sohn und zwei Töchter: 1. Marie Sophie Wilhelmine (52), geboren am 27. September 1875. 2. Margarethe Mathilde (53), geboren am 25. December 1876. 51. Nicolai Baron von Wrangeil, Sohn von Carl Fabian (43), wurde 1874 geboren. 44. Friedrich Paul Alexander Baron von Wrangeil, 4 Sohn von Carl Jacob Wilhelm (27), geboren am 2. October 1849, war kaiserlich russischer Flotten-Lieutenant und starb am 11. August 1874 in Jotma. Er vermählte sich 1873 zu Sebastopol mit Capitulina Dikowska, Tochter des Ehrenbürgers Gregor Dikowski in Se- bastopol, geboren 1853. 29. Gustav Eduard August Baron von Wrangeil, 2 ) Sohn von Adam Gustav (11), geboren am 29. Januar 1797, ist Erbherr auf Raick, war verabschiedeter Lieutenant und wurde später Hakenrichter, dann Mannrichter. Seit 1833 ist er Mitglied des ritterschaftlichen Ausschusses in Esthland. Am 28. April 1823 erhielt er die Güter Lechts, Kurküll und Arrohof auf den Zehnten vom Lieutenant Alexander Georg von Huene. Mit seiner Ehegattin Olga Elisabeth von Baranoff aus dem Hause Koal, Tochter des Adam Johann von Baranoff und der Gräfin Maria Aurora de la Gardie, geboren am 24. August 1795, gestorben am 2. März 1879 in Reval, hatte er zwei Söhne. 46. Paul Eduard Barou von Wrangeil, Sohn von Gustav Eduard August (29), geboren 21. December 1836, gestorben 28. Januar 1841. 3 ) 45. Heinrich Alexander Gustav Adam Baron von Wrangeil, 4 ) Sohn von Gustav Eduard August (29), geboren am 27. November 1825, besuchte die Ritter- und Domschule in Reval von 1836 bis 1844, ging dann auf die landwirthschaft- liche Akademie zu Hohenheim und ist Erbherr auf Raick und Ass. Auf sein Ansuchen wurde ihm unter dem 21. September 1866 unter Nr. 28 von der Ritterschaft in Reval attestirt, dass er ein Glied der zur esthläudischen Adels-Matrikel gehörigen freiherrlichen Familie von Wrangeil ist und das Recht hat, den Freiherru- titel zu führen. Mit seiner Gemahlin Anna von Koschkull, geboren am 26. Februar 1826, vermählt am 31. März 1852, hatte er drei Söhne und eine Tochter: 1) K.-B. Ampel. 2) Maria-Magdalenen-K.-B. 3 ) K.-B. Dom Reval. 4 ) K.-B. Dom Reval; Maria-Magdalenen-K.-B. — 496 — Anna Olga Ernestine (57), ] ) geboren am 28. Mai 1864 zu Raick. Am 9. März 1873 unter Nr. 37 wurde ihr auf Ansuchen von der Ritterschaft zu Reval attestirt, dass sie ein Glied der zur esthländischen Adels-Matrikel gehörigen freiherrlichen Familie von Wrangeil ist und das Recht hat, den Freiherrntitel zu führen. 54. Friedrich Eduard Ernst Nicolai Baron von Wrangell, Sohn von Alexander Gustav Adam (45), geboren am 11. Januar 1853, 2 ) erzogen in der Ritter- und Domschule in Reval, diente 1880 im Ministerium für Wegebauten. Auf sein Ansuchen wurde ihm unter dem 16. Mai 1873 unter Nr. 40 bescheinigt, dass er ein Glied der zur esthländischen Ritterschaft gehörigen freiherrlichen Familie von Wrangell ist und das Recht hat, den Freiherrntitel zu führen. Gleiche Atteste erhielten am 17. Mai 1875 unter Nr. 17 respective 15. November 1877 unter Nr. 18 seine beiden Brüder Eduard Alexander und Ernst Joseph Baron von Wrangell. 55. Eduard Alexander Baron von Wrangell, Sohn von Alexander Gustav Adam (45), geboren am 8. Mai 1854, 3 ) erzogen in der Ritter- und Domschule in Reval, diente 1880 bei der baltischen Eisenbahn in Reval. 56. Ernst Joseph Baron von Wrangell, Sohn von Alexander Gustav Adam (45), geboren am 6. Juli 1857, 4 ) lebte 1880 in Raick. 30. Alexander Andreas Baron von Wrangell, 5 ) Sohn von Adam Gustav (11), geboren am 18. December 1800, studirte in Dorpat Jura, wurde 1827 Sekretär des harrischen Manngerichts und zog sich von den Geschäften zurück; er lebte erst in Weissenstein, dann in Reval. Mittelst Ukas von 1855 ward ihm der Freiherrntitel zuerkannt. Er vermählte sich am 17. December 1840'') mit Johanna Julie Jasonn, geboren am 22. September 1809, gestorben am 20. September 1875 zu Wodja. 7 ) Er hatte einen Sohn (49) und zwei Töchter: 1. Alexandra Elise Amalie (47), 8 ) geboren am 12. Januar 1842, und 2. Julie Ida Marie (48), 9 ) geboren 1. Februar 1843, vermählte sich mit Carl Fabian Baron von Wrangell (X 43) am 23. August 1872. 49. Carl Gustav Nicolai Baron von Wrangell, 10 ) Sohn von Alexander Andreas (30), geboren am 4. Juli 1844, starb am 19. Juli 1866 und wurde am 23. Juli begraben. 1) Maria-Magdalenen-K.-B. 2) K.-B. Dom Reval. 3) Maria-Magdalenen-K-B. 4 ) K.-B. Klein-Marien. « r ») Maria-Magdalenen-K.-B.; K.-B. St. Petri in Riga. 6 ) Maria-Magdal enen-K.-B. 7) K.-B. St. Petri in Riga. 3) K.-B. "Weissenstein; K.-B. St. Petri in Riga. 3) K.-B. Nicolai in Reval; K.-B. St. Petri in Riga. R>) K.-B. Nicolai in Reval; K.-B. St. Petri in Riga; K.-B. Weissenstein. Tabelle XL (Bei von Toll Tabelle F.) Die Familie von Wrangel ans dem Hause Jesse, Sauss und Huer. (In Schweden als Adel immatrikulirt unter Nr. 1770, als Freiherren unter Nr. 219 und als Grafen unter Nr. 93.) Als Stammvater des Hauses Jesse, Sauss und Huer ist 1. Tönnies I. (Anton, Dionysius) von Wrangel 1 ) (IV 4), Solin von Moritz von Wrangel (IV 1), anzusehen. Er war Erbherr auf Sauss in Esthland, It.fer, Jesse (Jesfe), Mühle Selly (Seliell), Kau (Kaw) in Hamen, Sellide 1563, Kappel in Wirland, 1583 Törwajögge, 1583 Torweyerkitt. Was nun diese seine Güter anbetrifft, so erhielt er einen Theil davon im Jahre 1583 bei Gelegenheit der schwedischen Reduction von der Kommission bestätigt. Ebenso entscheidet letztere auch über das im Kirchspiel Halliel gelegene Gut Theiles, welches dem Johann Lode gehört hatte und durch dessen Ehegattin an die von Dükersche Familie gekommen war. Vor der Commission wies sich Conrad von Düker durch seine Briefe als rechter Erbe seines Vaters Helm von Düker aus, welcher das Gut mit seiner Frau frei überkommen hatte und von den Russen vor Dorpat gefangen, erschlagen und ins Wasser geworfen worden war. Das Geschick des Vaters erregte Mitleid bei den Commissarien; sie nahmen daher dem Feinde die Güter mit Gewalt ab, versagten sie aber dem Conrad von Düker, da derselbe bisher wenig Dienste geleistet hatte und nicht im stände war, solche nachzuholen, es auch bezweifelt wurde, dass der König ihm Theiles wieder als Besitz einräumen werde. So erhielt denn Tönnies von Wrangel vorläufig wegen seiner gut geleisteten Dienste Theiles als Erbe — durch seine Frau Anna, geborene von Düker — zugesprochen. - i) Gadehuscli, Manuscript Bd. 15 p. 655/G70; Arcli. Nr. 4 p. 578: Toll, "Urk.-Samml. 158, 188, 195; G. L. Wr. p. 391; ff. C. Wr. p. 655: Kelcli, Ohron. II p. 290; Titnl.-Buch 90. 63 • " . f — 498 — Es gehörten zu dem in Rede stehenden Hofe Theiles zwei Stücke Acker von A den Kilimerser Landen, welche nach dem Hofe schon früher gelegt worden waren, ferner das halbe Dorf Handis, als zehn Gesinde mit neunzehn Haken Land, ferner die wüsten Lande zu Arro, ein Gesinde auf der Lug mit allen Heuschlägen und Steinbrüchen, ein Gesinde zwischen den Zäunen, genannt Parrakat, ein halber Haken Land zwischen den dirpisclien und haudischen Heuschlägen, genannt Kustwan. Wegen seiner Besitzungen scheint Tönnies von Wrangel im übrigen wenig Ungelegenheiten gehabt zu haben, denn von ihm ist uns nicht ein einziger Prozess bekannt geworden. Wir erfahren nur, dass er zu Jesse erbgesessen, am 24. Juni 1547 dem Johann von Hastfer von Arkenall sechs Mark Renten zu Reval zahlte. 1 ) Sodann iiberlässt Tönnies von Wrangel am 8. Januar 1548 an Jürgen von Lode zu Undell und dessen Erben den im Dorfe Maydel geborenen „undeutschen" Jungen Jürgen, Sohn von Moris, der dort Schmied gewesen ist und den er von seinem Bruder Moritz von Wrangel (XIII 1) erlangt hat. 3 ) Aus dem Schuldbrief des Fromhold von Ermes vom 14. Juli 1557 geht hervor, dass ihm Tönnies von Wrangel 600 Mark rigiscli geliehen und dafür vier Gesinde im Dorfe Kybuer (Tvibbegar, Kibbijerwe) verpfändet erhalten hatte. Dieser Schuldbrief wurde erst am 5. März 1625 von seinem Sohne Otto von Wrangel (2) wieder zurückgegeben. Am 17. April 1563 verpfändete die Aebtissin des Klosters Marienthal nebst ihrem Convente an Tönnies von Wrangel die Mühle zu Seliell (Seigel, Selyel) im Kirchspiel zu Jörden, nebst dem Dörfchen Seliell, mit vier Gesinden auf 30 Jahre vom Jahre 1565 an, für 3200 Mark rigiscli, wovon schon 2000 Mark empfangen waren. Was mm die öffentlichen Aemter betrifft, die Tönnies bekleidete, so erfahren wir, dass er 1542 einer Sache der Gebrüder Hastfer als Assessor im Manngericht zu Wirland unter Landrath von Asseryen beiwohnte, und zuletzt ist er selbst Landrath in Esthland. Nebenbei widmete er aber auch der Kirche seine Dienste. So finden wir ihn am 29. April 1561 als Verwalter des bischöflichen Hofes des Domstiftes zu Reval, als welcher er dem Rathe zu Reval über 120 Mark Rente von einer Schuld von 1710 Mark und über 710 Mark Kapital quittirt, so dass noch 1000 Mark stehen blieben. 3 ) .Wahrscheinlich war diese Stellung auch der Anlass, dass Tönnies den Auftrag erhielt, den Geschäftsführer und Vogt der Jungfrauen zu St, Brigitten bei Reval sowie die Privilegien und Briefe des .Klosters wegzuführen; die Ausführung dieses Auftrages wird von Claus Chri- stiernson (Horn) dem Könige Erich XIV. am 31. Juli 1561 berichtet. 4 ) In dem verwüstenden Kriege der Russen mit dem Stifte Dorpat wird vom Bischof Hermann zu Dorpat am 31. März 1559 beschlossen, behufs Unterhandlungen eine Deputation zum Feinde zu senden. Um dieses nach den vom Bischof gegebenen Directiven auszuführen, werden aus des Kapitels Räthen von der Ritterschaft Tönnies von Wrangel mit noch zwei Mitgliedern derselben auserwählt. 1) Toll-Kuckers Samml.; Toll, Brief!. I p. 748 Nr. 1304. 2) Toll-Kuckers Samml.; Gesch. der Familie Lode p. 53 Nr. 205; Toll, Briefl. I p. 753 Nr. 1312. 3) Bienemann, B. IV, XXI Nr. 763. 4) Schirren qu. 1030; VIU p. 10. — 499 — Als dann 1500 der Krieg mit den Moskowitern noch nicht zu Ende geführt war, wurde von Wrangel als Gesandter des Bischofs von Reval zum Erzbischof von Riga geschickt. In gleicher Function begegnen wir 1568 Tönnies von Wrangel nochmals. Diesmal geht er mit Aufträgen des Herzogs Magnus von Schweden zum Zar Johann dem Schrecklichen (Iwan Wassiliewitsch). Schliesslich sei noch erwähnt, dass Tönnies 1560 als Bevollmächtigter der Tochter des Detlof von Drolshagen zugegen war, als sich Detlofs Erben gütlich in dessen Nach- lass theilten, und dass er am 12. Juli 1573 in derselben Angelegenheit noch nachträglich einer Gerichtsverhandlung beiwohnte. Er war vermählt mit Anna Margarethe von Düker, Tochter des Landraths Friedrich Eberhard von Düker auf Kaw und Elisabeth Hinriksdotter von Taube aus Roy eil, welche noch 1586 als Wittwe lebte. Anna Margarethe war vordem mit Wolmar von Brakel auf Modders in dessen zweiter Ehe verheirathet, aus welcher ein Sohn (Wolmar) entsprossen war, der kurz nach dem Tode seines Vaters in der Schlacht bei Lode gegen die Moskowiter fiel. Sie verglich sich infolgedessen mit ihrer aus Brakels erster Ehe stammenden Stieftochter wegen dessen nachgelassenen Güter dergestalt, dass sie dieselben ihrer Stieftochter überliess und sich mit Kindespart abgefunden erklärte; später kam jedoch Modders im Kirchspiel Katkull doch noch in den Besitz des Tönnies von Wrangel. Als sich am 28. September 1561 die Gebrüder Heinrich und Eduard von Düker mit ihrem Bruder Otto in das väterliche Erbe theilten, waren Tönnies von Wrangel als Verwandter und Johann Panikkule als Unterhändler zugegen. Tönnies von Wrangel starb im Jahre 1583; im darauffolgenden Jahre quittirt seine Wittwe zu Reval am 24. Juni dem Jacob von Ermes zu Ottenküll über die Entrichtung einer von dessen Vater Reinhold von Ermes herrührenden Schuld von 500 Mark rigisch. 1 ) Im Jahre 1585 begann für sie eine Streitsache mit Johann von Hastfer. Sie hatte vor Gericht den Hof Kaw zum Ankauf gestellt mit der Aufforderung, dass wenn jemand mehr bieten wolle als sie, er sich melden möchte. Ferner liess sie bekannt machen, dass wenn jemand eine Zeit zur Besprechung. wünsche, sie solche bestimmen würde. Es erschien infolgedessen Johann von Hastfer von Kattentack, meldete seine gerechten Ansprüche an und erbat eine Jahresfrist, welche ihm auch vom Statthalter und den anderen Behörden am 25. Juni gewährt ward. 1586 am Tage Johannis Baptistae (9. Juli) kam diese Sache vor dem anwesenden königlichen Statthalter und den Räthen zur Verhandlung. Die Beklagte zeigte ein von Otto von Düker, ihrem Bruder, im Jahre 1573 gemachtes Testament, vor, worin dieser seinem Schwager Tönnies von Wrangel den Hof und die Güter Kaw im Kirchspiel Kasch in Harrien legirt und giebt. Das Testament selbst war allen Formen und Rechten gemäss aufgesetzt und noch niemals angefochten worden, so dass das Obergericht keine Einwendungen fand und die Beklagte als rechtmässige Besitzerin der Güter und des Hofes Kaw anerkannte. !) von Toll, Briefl. ad dattnn 24. Juni 1D84, Nr. 65, pag. 72. 63* — 500 Ferner erfahren wir noch von ihr, dass sie hei der Güterrevision einen Zettel" in beziig auf die Hofstätte zu Sallial (Seliell) und das Dorf Salliel, was nach Tols- hnrg gehört und drei Meilen von Wesenberg liegt, mit dem Wunsche einlegte, fall 8 dies nicht gewährt werden könnte, wie sie gehofft, ihr dann das Dorf Faure mit der Mühlenstätte, drei Meilen von Wesenberg, zu geben. 1 ) Tönnies von Wrangel hatte drei Söhne: Otto (2), Tönnies II (4), Carl Heinrich (8) und fünf Töchter: 1. Else (oder Alita) (3), vermählt mit Hans von Fersen auf Kurnal und Nöm- küll, Major der Adelsfahne, dann Oberstlieutenant und 1019 esthländischer Ritterschaftshauptmann. 2 ) 2. Margarethe (5), vermählt mit Jürgen von Maydel auf Tockumbeck, Landrath in Esthland. 3. Tochter (6), vermählt mit Moritz von Asseryen. 4. Christina (7), lebte 1585. 5. Anna (9) 3 ), zweimal vermählt: a) mit Johann Sinionson von Lode, Landrath zu Tatters, und b) mit Heinrich von Maydel zu Kotz, 1558. Um Osteru 1585 theilten sich die Gebrüder Tönnies und Otto von Wrangel im Beisein ihrer Mutter und ihres Schwagers Heinrich von Maydel in den Nachlass ihres Vaters Tönnies von Wrangel. Tönnies, als der ältere Bruder, erhielt die Mühle zu Seliell nebst dem Dorfe Seliell in Harrien, das Dorf Kappel mit den beiden Gesinden zu Antzal, das väterliche Gut Torwajögge bei Narwa und 6000 Mark. Otto bekam den ganzen Hof zu Kaw und für 1800 Mark Schuldbriefe. Der Wittwe wurde das Dorf Rawell als Leibgedinge angewiesen. Diese Güter wurden 1586 den Erben von der Revisions-Commission bestätigt.* 1 ) 2. Otto von Wrangel, Sohn von Tönnies (1), wurde am 18. Juli 1597 zum Hakenrichter in Harrien gewählt. 5 ) 1615 ist er Landrath und Ritterschaftshauptmann im Fürstenthum Esthen und bekleidet diese Aemter bis 1631. Zwischen der Stadt Reval und der Ritter- und Landschaft waren Zwistigkeiten 6 ) ausgebrochen. Um diese beizulegen, liess der Rath genannter Stadt am 22. April 1613 eine Einladung an die Ritterschaft zu einer Berathung in Reval nach der grossen Gildestube in der Langstrasse (Börse) ergehen. Daraufhin fanden sich von der Ritterschaft als Land- räthe die Edlen Dietrich von Fahrenbach zu Heimar, Ludwig von Taube zu Maydel, Fromhold von Tiesenhausen zu Kotz, Robert von Taube zu Maart und Neuenhofe und auch Otto von Wrangel zu Kaw ein. Von der Stadt wurden die beiden Bürgermeister Johann Korbmacher und Johann Dehrentlial und mehrere Rathsverwandte deputirt. Ob- 1) Titularbuch p. 20. 2) Maydel, Briefl. I, Nr. 8, 30; Lode, Brief!. Th. IV, Nr. 53. 3 ) Estiii. und livl. Briefl. Bd. 3, Nr. 71: Fairiilien-Arch.. 55; Gesch. d. Familie Maydel, p. 83/86. 4 ) von Toll, TJrk.-Samml. Nr. 197; Oberlandger.-Protocoll 1617; Hupel, N. M. XVIII, II. 5 ) Brandes, collect, p. 292. G ) Diese Zwistigkeiten rührten von dem grossen Hocliverratlisprozess her, welcher 1605 zum Austrag gebracht wurde und auf welchen bei Tab. XIII 6 noch näher eingegangen wird. gleich anfangs die Beilegung der Zwistigkeiten an den Einwendungen • der Ritterschaft zu scheitern schien, wurde doch schliesslich eine Einigung erzielt.') Otto von Wrangel wird mehrfach als Zeuge und Bevollmächtigter vor Gericht erwähnt. In letzterer Eigenschaft wird er 1620 nach Stockholm gesandt, als die Frau des von Otto von Wrangel dem Jüngeren (IV 14) im Tourniere erschlagenen Cornet Hauenschild sich mit dem 1619 ergangenen Erkenntniss, welches auf Freisprechung Wrang eis lautete, nicht zufrieden giebt und an das Reichsgericht appellirt. Dieses hatte demzufolge angeordnet, dass sich beide Parteien, persönlich oder durch Bevollmächtigte vertreten, am 1. September 1620 nach Stockholm zu begeben hätten; erschiene der Angeklagte oder sein Bevollmächtigter nicht, so würde dem Wunsche der Klägerin gemäss das Urtheil gefällt werden. Wrangeis Bevollmächtigte, nämlich die beiden Landräthe Otto von Wrangel zu Kaw, Eduard von Bremen zu Engdes und der Ritterschaftshauptmann Hans von Fersen, können nun selbst nicht in Person zur bestimmten Zeit in Stockholm eintreffen, da sie in den Skären einfrieren. Sie schicken aber Walter von Uexkiill mit einem besonderen Schreiben voraus, das von den ältesten Räthen und der gesammten Ritterschaft unterm 4. December 1620 ausgestellt und unterschrieben ist, da dieselben in der Appellation eine Verletzung ihrer Autorität und ihrer Privilegien erblicken. Erst im Juni des folgenden Jahres kommt Otto von Kaw nach Stockholm. In den Verhandlungen, bei denen der König selbst zugegen ist, wird nun viel wegen der verletzten Privilegien gestritten, des Todtschlages wird aber gar nicht Erwähnung gethan. Am 24. Februar 1622 ist Otto bei Abfassung eines Erbkaufbriefes über Neuenhof in Harrien zwischen dem Landrath Robrecht von Taube und dessen Ehefrau Margarethe als Zeuge zugegen. Sodann wird er am 31. März 1625 vom königlichen Landgericht zu Reval beauftragt, mit seinem Vetter Otto von Wrangel zu Sage einen Heuschlag bei Reval, der Gegenstand eines Prozesses ist, im nächstkünftigen Sommer zur trockenen Zeit zu besichtigen. 2 ) Schliesslich sei noch erwähnt, dass Otto von Wrangel von Katze von Wrangel (IV 6) 500 Mark erbte. Otto von Wrangel zu Kaw hatte, wie bereits erwähnt, von seinem Vater Kaw nebst einer Obligation geerbt, „die die älteste gewesen". Dazu löste er auch noch die anderen Obligationen, im ganzen im Betrage von 2200 Reichsthaler rigisch, und 100 „Kreuzgeld" auf den Hof Mereküll und das wüste Dorf Korrefer, welches damals dem Christoph von Wolfframsdorff gehörte und welchem diese Summe verpfändet gewesen, ein. verkaufte sein Jus aber wieder dem Christoph von Wolfframsdorff, welcher am 5. Mai 1634 die übrigen Obligationen, die noch ausstanden, einlöste und den Rest einzulösen versprach. 3 ) Er lebte noch 1636. Im Jahre 1597 vermählte er sich mit Anna von Fersen, Tochter des Landraths Hermann von Fersen und Maria von Tiesenhausen von Kau. Am 24. Juni 1597 zahlte Annas Bruder Fabian von Fersen, erbgesessen zu Raykul, als Morgengabe für dieselbe 340 Thaler, gleich 2040 Mark rigisch, worüber Otto von !) Joliaim Ehlers, Protocoll-Buch Nr. VIII p. 22. 2 ) Esthländ. Ritrfcersch.-Arcli. Reval. 3 ) Protocoll-Bncli Oherlandger. Reval, XIIA 1632 bis 1641 p. 6. Wrangel zu Reval quittirte. Aber erst 1634 erhielt er. nachdem seine Frau schon gestorben war, den Rest der Mitgabe. Er hatte zwei Töchter: 1. Magdalena (10), vermählt mit Rötger von Tiesenhausen auf Karrol und Erkiill, und 2. Elisabeth (11), welche mit Berend von Saltza vermählt war. Sie erhielt 1627 durch das Testament ihres Vaters den Hof mit Gütern Kau. 8. Carl Heinrich von Wrangel, 0 Sohn von Tönnies (1), blieb als Fähnrich in der Schlacht bei Bode 1586 und wird daher in der Erbtheilung der Brüder nicht mehr genannt. 2 ) 4. Tönnies von Wrangel, 3 ) Sohn von Tönnies (1), Erbherr auf Sauss, erhielt 1585 in der Theilung mit seinem jüngern Bruder Otto (2) Dorf und Mühle Selly (Seliell), Kappel in Harrien mit dem Gesinde zu Antzel und das Dorf Torwajögge im Narwaschen. Ferner gehörte dem Tönnies von Wrangel die Mühle und das Dorf zu Zellin mit vier Gesinden, welche Mühle seine Mutter fast dreiundzwanzig Jahre im Besitz gehabt hatte; sie hatte das Recht, noch fernere sieben Jahre für 3200 Gulden rigiscli darin zu wohnen und zu bleiben; allein nach dieser Zeit sollten die Erben diese Mühle wieder abtreten, sobald sie ihr Geld wieder bekommen hätten. Die Commissarien bewilligten dem Tönnies von Wrangel den Gebrauch während der sieben Jahre, bis der Bescheid des Königs eingegangen sein würde. 4 ) Ueber Dorf Kappel (im Kirchspiel Maholm in Wirland), welches dem Gerdt von Dönhoff gehörte, zeigte aber Tönnies von Wrangel, hier der „Junge" genannt, seine Briefe. Es umfasste sechzehn Haken Land. Tönnies war von Jugend auf ein Treueides Königs, dem die Landräthe gute Zeugnisse gaben. Sein Vater starb zu Reval und hatte dem Könige das Land „aufgetragen". Das Dorf Kappel war von ihm für 12 000 Thaler gekauft, und sprach Tönnies noch ausserdem um das halbe Dorf Torfigock mit drei Haken Land und noch einem vierten Theil dieses Dorfes nebst einer ganzen Mühlenstätte, die aber wüst lag, an, was er für 1800 Thaler vermöge des Kaufbriefes gekauft hatte. Den Hof Modders im Kirchspiel Keel in Wirland besass Sternschilt als Arrende, er war aber Tönnies von Wrangel gehörig. Auf diesen Hof, zu welchem drei Dörfer und dreizehn Haken Land, besetzt und unbesetzt, gehörten, sprach Johann von Stakelberg wegen seiner Hausfrau an und zeigte auch die Briefe vor über den Hof und das Dorf All osi st er, das Dorf zu Modders, das halbe Dorf Kanküll mit der Mühle zu Lehm, den Krug zu Weissenaw; die Haken waren ihm aber unbekannt. Tönnies von Wrangel hat sich beim Könige jederzeit-gut verhalten, als er Landsass ward. Es wurden dem Johann von Stakelberg daher die Briefe wieder gegeben und ihm gestattet, alles zu behalten. 5 ) 1) Titularbucli p. 33. 2) Titularbuch p. 31. 3 ) Toll, Urk.-Sainral. p. 197; Stjernmami I 87: Mayclel, Briefl. I 35 ; Titularbucli p. 99. 4) Titularbucli p. 30. • r ») Titularbucli 91. p. — 503 — 1598 ist er Landratk in Esthland und kommt in der Zeit von 1618 bis 1624 vielfach als Zeuge und Beisitzer in Manngerichten vor. Er starb etwa 1630. *) Er war verheirathet mit Anna von Bode, Tochter des Simon Simonsson von Lode auf "Waschet und der Elisabeth von Tiesenhausen, Jespers Tochter aus Odenpäh, und hatte mit derselben drei Söhne: Hans (12), Jürgen (15). Otto (16), sowie zwei Töchter: 1. Elisabeth (13) aus Sauss, vermählte sich 1609 mit Claes Hansson Baron ^ Wachtmeister, Oberst der esthländischen Adelsfäline, Landrath in Esthland, Herrn auf Pall, Lakt, Aunak und Neumühle (1590 bis 1625). Eine Tochter aus dieser Ehe, Beate, lieirathete Hermann von Wrangel (Tab. ATI 1). 2 ) 2. Anna (14) 2 ), vermäldte sich zwischen 1619 und 1621 mit Erich von AA r art- mann und lebte 1645 als Wittwe. 12. Hans von Wrangel, 4 ) Sohn von Tönnies (4), war Hen- von Tatters. Am 6. October 1638 quittirte er seinem Bruder Otto von Wrangel zu Sage über den Empfang der Forderung, die er an das Gut Waschet hatte. Aus den Oberlandgerichtsakten in Reval erfahren wir sodann, dass Hans von Wrangel von Claes von Tödwen, nach dem Tode dessen Sohnes, als Erbe eingesetzt war. Wegen dieser Erbschaft gerieth nun ersterer in einen Prozess mit Hans Heinrich von Tiesenhausen, welcher als natürlicher Erbe des Tödwen in der Verhandlung vom 15. März 1647 Ansprüche auf Könde mit dem Gute Surro machte. Hiergegen brachte Hans von Wrangel vor, dass Claes von Tödwen seinen Vetter, den Rittmeister von Engdes, von diesem Vermächtniss in Kenntniss gesetzt habe und dass dieser dasselbe bestätigen könne. Diese Angelegenheit zog sich bis 1665 hin, wo im Februar endlich die Landräthe in betreff der tödwenschen nachgelassenen Erbschaft, welche Tönnies Johann vonAVrangel und Interessenten beanspruchten, contra Hans von AVrangel zu Tatters entschieden. Es betraf Könde mit Gesinde Surro und ward entschieden, dass beide Parteien nach der Frau AVittwe Tode sich die Erbschaft zu theilen hätten. 5 ) Am 18. Februar 1663 kaufte er von seinem Brudersohn, dem Assessor Tönnies Johann von AVrangel, das halbe Dorf AWindes. Am 20. März 1667 fällte das königliche Obergericht zu Reval in Sachen des Mannrichters Hans von Wrangel zu Tatters, Klägers, wider den Landrath und Oberst Reinhold von Metztaken, Beklagten, in betreff des Streitpunktes des Gutes Mettapä im Kirchspiel AA^esenberg eine Entscheidung und erwähnt hierin, dass der Kläger am 20. März 1630 einen zwischen dem alten verstorbenen Claes von Tödwen und dem verstorbenen A'ater der Beklagten abgeschlossenen Kauf- resp. Verkauf-Contrakt über das Gut Mettapä selbst unterschrieben habe. 1) Maydel, Brie«. I, Nr. 45. 2) Maydel, Briefl. I, Nr. 35. 3) Maydel, Briefl. Nr. 58; von Wrangcll, Bow. VI, p. 656. J) K.-B. Nicolai in Reval; Toll, Urk. Nr. 225; M. Wrangel, Sammlung XI, Nr. 19; II, Nr. 35. 5) Okerlandgerichtsakten, Protocoll in Reval. — 504 — Hans von W ran gel wohnte schon 1632 den Manngerichten zu Penth als Beisitzer hei und wurde am 14. Januar 1636 zum Hakenrichter in Wirland und Jerwen ernannt. Es geschah dies durch den Gouverneur in der auf dem Dom zu Reval dem Feldmarschall Hermann von Wrangel (VI 2) gehörigen Behausung. Im Jahre 1642 finden wir Hans von Wrangel unter den Landräthen, welche vom Oberlandgericht in der Grenzbestimmung zwischen des Wilhelm Nieroth Gut Bux- höwden und der Gebrüder von Rehbinder Gut Kurrisaar als Commissarien am 14. October deputirt werden. Ebenso musste er als wirisch-jerwischer Mannrichter, welches Amt er bis 1659 bekleidete, 1 ) mit seinen Assessoren im Auftrage des Gouverneurs Gustav von Oxen- stjerna den Grenzstreit zwischen den Majoren Henrich von Knorring, erbgesessen zu Jiig- gis und Kaltenborn, und Hans von Treyden, erbgesessen zu Lecht und Pojeck, in betreff der Grenzen von Ellifar und Mnoya am 26. October 1644 untersuchen. 2 ) Am 26. März 1667 beschwerten sich Hans von Wrangel von Tatters, Tönnies Johann von Wrangel (17) und Jürgen von Wrangel von Sauss (14) als Bevollmächtigte für Reinhold von Wrangel (X 5) über Grenzverletzungen durch den Amtmann von Annickfer und über verübte persönliche Gewaltthat gegen den Amtmann von Sauss, indem jener mit dem Degen auf letzteren in seinem Gebiete losgegangen. Sie gestehen den Annickferschen in dem „Lucht" durchaus keinen Possess zu und klagen über gewaltsamen Eindrang und hochstrafbare Turbation in den saussischen Landen. Hans von Wrangel war gegen das Ende seines Lebens infolge eines Unfalls längere Zeit bettlägerig und schenkte, da er keine Besserung verspürte, aus besonderer! Zuneigung eine Heerweide seinem Schwiegersohne, dem Oberstlieutenant Hans von Trevjleu, welcher sie wiederum seinem Schwiegersohne, dem Lieutenant Elfreich verehrte. Nach dem Gesetze hätte die Heerweide aber an den nächsten und ältesten Agnaten, an den Ol erst, und Landrath Hans von Wrangel zu Waschel übergehen müssen. Dieser strengt daher im Jahre 1676 einen Prozess gegen die Erben des Hans von Wrangel auf Tatters au. 'j Hans von Wrangel starb 1676 und wurde am 21. Januar in der St. Nicolai- Kirche in Reval beigesetzt. 4 ) Er war vermählt mit Anna von Wrangel aus dem Hause Tatters (XII21), Tochter des Jürgen von Wrangel (XII9), und hatte mit derselben eine Tochter: J Kunigunde Elisabeth (18), welche den Oberstlieutenant Hans von Treyderl auf Kurnal und Tatters lieirathete; und einen Sohn: 17. Fabian von Wrangel, welcher 1653 geboren und am 13. Januar getauft rvurde. 16. Otto von Wrangel, Sohn von Tönnies (4), erbte Sage und kaufte Waschel und ist der Stammvater des Hauses Waschel (Tab. XVII). 1) Chr. Gerbers, Prot. Y, 247, 251, 259; Gesch. (1er Familie Lode; von Toll, Brief!. II, 1, Nr. 564 B, p. 540, Nr. 577, p. t 2 ) Toll, Regesten. :1 ) Oberlandgericht Reval, Convolut 274, Nr. 10. 4) K.-B. St. Nicolai in Reval. — 505 — 15. Jürgen von Wrangel, 1 ) Solin von Tönnies (4), war seit 1619 Erbherr auf Sauss im Kirchspiel Halliel, sowie auf Huer im Kirclispiel Kegel, beide in Estliland gelegen; auch besass er Teils und Tomel. Wegen eines Heuscldages unterhalb des letzteren befand sich Jürgen 1637 in Streit mit dem Oberst Hans Hindrich von Tieseiihausen. Die Sache wurde am 11. Februar zu Reval zu Ungunsten des Jürgen entschieden. Eine weitere Streitsache wegen Tomel hatte er laut einer Urkunde vom 2. September 1644 mit der Wittwe des 0 berstlieutenants und Rathsherrn zu Dorpat Fabian von Wrangel auf Uchten und Ubbias, geborene Dorothea von Hastfer (XVIII21). Hierbei handelte es sich um die Feststellung der Grenzen zwischen ihren Gütern. Obgleich diese nun auf Grundlage eines Pfandbriefes des Landraths Hans Heinrich von Tiesenhausen von 1540 und des Briefes von 1489 festgesetzt wurden, erreichten die Streitigkeiten ihr Ende noch nicht, da Jürgen sich be- nachtheiligt glaubte. Beide Parteien haben dadurch noch viele Weitläufigkeiten, die aber meist zum Nachtheil von Jürgen von Wrangel ausfallen, weil ihm beglaubigte Briefe und Dokumente fehlen. Am 2. Juli 1647 verkaufte Jürgen an den Generalmajor Hans Heinrich von Tiesenhausen seiner Frau väterliches Erbdorf Soall im Kirchspiel Wesenberg für 2000 Thaler mit Zustimmung seiner Ehefrau, der „ausgerichteten" Schwiegersöhne (21 und 22), sowie seines Sohnes Anton Johann (20), infolgedessen auch am 19. April 1648 das Manngericht in Wirland und Jerwen das Dorf dem General Tiesenhausen zusprach. Endlich geht aus der Urkunde vom 19. October 1653 hervor, dass Jürgen auch noch das Dorf und Gut Teils (Theiles) besessen hat; denn es wurde am genannten Tage die Grenze zwischen dem der Gertrud von Tiesenhausen, geborene von Taube, gehörigen Gut Undel und seinem Gute Teils gerichtlich festgesetzt. Jürgen (George) von Wrangel war 1644 Kapitän und 1652 ausserdem noch Manngerichts- und des königlichen Burggerichts ordinarii Assessor. Am 7. Juli 1657 machte er sein Testament und starb sehr bald darauf in Reval an der Pest. Am 28. Januar 1626 vermählte er sich zu Fall mit Anna Elisabeth von Neukirch, Tochter des Hans Heinrichson von Newkirchen auf Fall, Kohhat, und Catharina Tuverdotter von Bremen von Engdes. Sie starb am 21. Juli 1657 in Reval ebenfalls an der Pest. Aus dieser Ehe entsprossen vier Söhne: Anton (Tönnies IH.) Johann (20), Otto Evert (Eberhard) (23), George (Jürgen) (28), Carl (29) und sieben Töchter: 1. Anna (19), geboren am 11. November 1626. ; 2. Catharina (21), 2 ) geboren am 2. März 1629, war schon 1647 mit dem Oberst der livländischen Adelsfahne Eberhard von Taube auf Odenküll vermählt. : 3. Elisabeth (22), 3 ) geboren am 6. November 1630; war 1647 mit Hans von AVrangel (XII19) zu Jesse vermählt. 1) Maydel, Briefl. 63: G. L. Wrangel, p. 391: Jörgen Joli. Wrangel, Handb. 1731; Mor. Wrangeil, Material VI. p. 126. 2) Maydel, Briefl. II, Nr. 72. 3) Mor. Wrangell, Tab. VI 127. 64 il —- 506 — 4. Helene (24), geboren am 12. Juni 1633, starb 14 Wochen alt. 5. Helene (25),*) geboren am 10. November 1634, starb als Wittwe des Majors Dietrich von Müller am 12. März 1708 in Russland, wohin sie als Gefangene gebracht worden war. Wiewohl sie schon drei Jahre blind und bettlägerig war und selbst 74 Jahre zälilte, hatten die Russen doch nicht einmal soviel Mitleid gehabt, sie in Livland zu lassen, sondern zwangen sie zur we- Reise in die Gefangenschaft. > 6. Anna Dorothea (26), geboren am 4. August 1637, starb sehr bald u. wurde am 29. November desselben Jahres zu Jama begraben. 7. Beate Sidonie (27), geboren am 2. Februar 1640 zu Narwa. Nach dem Tode Jürgens geriethen dessen Söhne wegen des Nachlasses in Streit, verglichen sich aber am 5. November 1663 dergestalt, dass Tönnies III. Johann das Gut Sauss behielt und den Gebrüdern Carl und Georg von Wrangel ihren Antheil an dem Hofe Sauss nach Abzahlung der väterlichen Schulden herauszahlte; ferner verglichen sie sich wegen Abgangs einiger Ländereien des an die Krone verfallenen vierte: Antheils und wegen des durch die Verwüstung des ingermanländischen Gütleins Dobrow erlittenen Schadens, wofür die beiden letzteren Brüder den Tönnies III. Johann diu 800 Thaler in specie, in zwei Terminen zahlbar, entschädigten. Im Jahre 1669 lim wir aber Sauss schon in den Händen des Jürgen, denn aus einer Klagesache ans le' genanntem Jahre erfahren wir, dass Tönnies III. Johann und Carl von Wrang unterm 19. October im Namen ihres Bruders den Generalstatthalter zu Reval, General major Freiherrn Bengt Horn zu Amine, bitten, „ihren Bruder Georg von Wrangel bei seinen Grenzen und Besitz zu schützen". Schon bevor die Brüder die Angelegenheit in die Hand genommen, hatte nämlich Reinliold von Wrangel zu Annickfer (1X6) in Abwesenheit des Generals von Horn vom Statthalter Krusenstjern erwirkt, dass „derhalbei dem saussischen Amtmann das Fällen von Balken, Mähen von Heu und jeder Enthaitun des Landes untersagte, da hierdurch dem Besitzer von Sauss, Georg von Wränge ein grosser Schaden und Nachtheil erwüchse". 2 ) Schliesslich sei noch erwähnt, dass die Brüder Rittmeister und Mannrichtt Tönnies Johann (20), Oberstlieutenant Jürgen (28) und Kapitän Carl von Wrang (29) einen Kaufcontrakt mit dem Rittmeister Hans von Wrangel (XVIII2) wegen d Grabstelle Nr. 47 in der Domkirche zu Reval abschlössen."') 23. Otto Elvert (Eberhard) von Wrangel, 4 ) Sohn von Jürgen (15), wurde 6. Februar 1631 geboren und starb am 25. August 1656 infolge schwerer Wunden, die er am 29. Februar bei einem Ausfall von Riga davongetragen hatte und deren nicht weniger als 18 am Kopfe und eine an der Hand gezähT wurden. Er war zur Zeit schwedischer Oberst und noch unverheirathet. 1) Mor. Wrangell, Tab. VI 198, 205, 600; Gadebusch, Bd. XVI, p. 362—365. 2) Geschichte der Familie Lode. 3 ) Protocoll des Dom-Kirchen-Convents in Reval. 4 ) Wrangell, Samml. Tab. VI, p. 126; Maydel, Briefl. 507 — 28. George (Jürgen) von Wrangel, Sohn von Jürgen (15), wurde am 30. August 1641 geboren und trat 1658 als Lieutenant in schwedische Dienste. Im Jahre 1687 war er Oberst und Commandant von Narwa. : ) Zur selben Zeit wird er auch als Besitzer von Sauss genannt, welches, wie wir bei seinem Vater gesehen, vordem seinem Bruder Tönnies Johann gehörte. Letzterer hatte während der Minorennität und Abwesenheit des Fromhold Otto von Wrangel (XII 35) eine Summe Geld aus dessen Mitteln von den Vormündern auf Zinsen genommen. Als Fromhold Otto nun mündig geworden, verlangte er sein Geld zurück, wurde aber auf den Vergleich vom 5. November 1663 verwiesen, nach welchem Tönnies III. Johann von seinen Brüdern Georg und Carl von Wrangel 800 Reichsthaler zur Ausgleichung an j Sauss erhielt. Georg von Wrangel zahlte indessen seinen Antheil an diesen 800 Reichsthalern nicht pünktlich in den bestimmten zwei Terminen, so dass Fromhold Otto nicht zu seinem Gelde kam und sich veranlasst fand, im Februar 1682 zu klagen. 2 ) Am 15. August 1708 wurde das Regiment des Oberst von Lieven bei Wesenberg voll den Russen total geschlagen, und auch die Reiter, welche die Landräthe Reinhold Bairon von Ungern-Sternberg und Fabian Ernst Baron von Ungern-Sternberg zum Ross- , dienste gestellt hatten, fielen. Da nun ein Ersatz verlangt wurde, indem Linden mit Birkas und Kebbel zusammen zwei Reiter stellen mussten, aber die Rossdienstgelder schon seit Jahren von den beiden andern Gütern nicht eingezahlt waren, so klagte Reinhold am 9. März 1709 über die Säumigen, was auch seine Wirkung that. Die Ausstattung eines jeden Reiters kam auf 45 Thaler für Tuch allein zu stehen. Während dessen plünderten die Russen eifrig fort und nahmen, indem eine russische Partei in den Hof drang, den frühern Commandanten von Narwa, den Obristen Georg von Wrangel, auf seinem Gute Sauss 1709 gefangen. Während der Gefangenschaft starb nun dieser am 8. Mai 1710 und wurde von einem russischen Oberstlieutenant in einem Bauerngarten bei Narwa begraben. 3 ) Am 17. April 1708 hatte er mit seiner Ehefrau Sophie Hedwig von Berg sein Testament gemacht. Er hatte sich vermählt a) am 23. October 1671 mit Gertrud von Bremen, Tochter « des Benedix von Bremen, Landrath im Herzogthum Bremen; b) am 14. November 1707 zu Reval mit Sophie Hedwig von Berg, Wittwe des spätem kurländischen Majors Johann Wilhelm von Brümmer. Sie heirathete als Wittwe Georg von Wrangel in ihrer zweiten j Ehe und starb, nachdem sie noch nach dem Tode des letzteren in eine dritte Ehe mit dem Oberst und Landrath Magnus Wilhelm Baron von Nieroth eingegangen war, 1739. George hatte nur aus der ersten Ehe einen Sohn und zwei Töchter: 1. Christine Elisabeth (41), 4 ) geboren am 24. November 1679 in Reval. 5 ) 2. Helene (42), vermählte sich mit Wolter von Stakelberg, Erbherrn auf Kamby. 1) Maydel, Briefl. I 70, II 30. 2) Oberlandger. Reval, Convolut 273, Nr. 3. 3) Wrangel, Chronik p. 77. d) Maydel, Briefl. II 5; K.-B. St. Nicolai in Reval. «) K.-B. Reval, Samml. 64* 508 — 40. George Friedrich von Wrangel, 0 Solin von George (28), wurde 1673 geboren und fiel 1708 unverlieirathet im Duell. 29. Carl von Wrangel, Solin von Jürgen (15), ward der Stammvater des Hauses Mavdel (Tabelle XIV). 20. Anton (Tönnies III.) Johann von Wrangel, 2 ) Solin von Jürgen (15), wurde am 20. December 1627 in der Nicolai-Kirche zu Eeval getauft; er war Erbherr auf Sauss und Huer im Kirchspiel Kegel in Estliland. Im Februar 1665 befand er sich in einer Klagesache gegen Hans von Wrangel (11) zu Tatters wegen der von Tödwenschen Erbschaft. Bezüglich des Näheren in dieser Angelegenheit wird auf Hans von Wrangel (XI11) verwiesen. 3 ) Im Jahre 1665 ist Tönnies Johann Rittmeister und fungirt am 19. Februar 1668 zu Reval als ein Vertreter des Adam Bernhard Schrapp in einem Vergleich mit der Wittwe des Magnus von Nieroth, geborene Anna Elisabeth von Taube. Dann finden wir ihn als Mannrichter in Hamen. Am 22. Februar 1688 führte er gegen seinen Schwager, den Kapitän Otto von Uexküll, eine Klage. Tönnies Johann von Wrangel hatte nämlich von seinem verstorbenen Schwiegervater Blasius von Hochgräfven das Gut Huer überkommen, es war aber bei der Reduction eingezogen worden. Rechtmässige Erben waren des Tönnies Johann von Wrangel verstorbene Frau und des Otto von Uexküll verstorbene Frau, welche Schwestern waren. Zur Ablegung des Antheils und Mitgabe hatte Tönnies Johann von Wrangel aus dem redueirten Gute haare Gelder hergeben müssen, nämlich: 1) 3700 Reichsthaler, als er das Gut am 20. März 1671 angetreten, und 700 Reichsthaler für eine Obligation, in Summa 4400 Reichsthaler als Mitgabegelder aus Huer; 2) an seinen Schwiegervater und an seinen Schwager Oberst Heinrich von Hochgräfven als alte Schuld vom Jahre 1671 her 988 Reichsthaler specie; 3) nach Tilgung mehrerer Schulden verblieben seiner Ehefrau nur noch 1672 Reichsthaler als Erbportion. Tönnies Johann von Wrangel verlangte daher, dass der Schwager Otto von Uexküll die geforderte Hälfte von 4050 Reichsthaler in specie zurückgeben und „auskehren" solle. 4 ) Tönnies Johann starb 1704 und wurde am 26. September 1705 in der St. Nicolai-Kirche in Reval beigesetzt. Er war vermählt: a) zu Reval am 3. Februar 1653 mit Elisabeth Dorothea von Hochgräfven auf Huer und Habbinem, Tochter des Blasii Hochgräfven von Huer und Habbinem und der Dorothea Kawer von Habbinem; sie starb zu Reval und wurde in St. Nicolai daselbst am 5. März 1677 beigesetzt; b) zu Reval am 17. October 1678 mit Anna Margarethe von Ramm von Pedpahlen und Wichterpahlen in deren zweiter Ehe. Sie war Wittwe des verstorbenen Heinrich Johann von Knorring zu Kurrisal und Jerlep und die 1) Maydel, Briefl. I 70, U 30. K.-B. St. Nicolai in Reval. 3 ) K.-B. Dom Reval. 4 ) Oberlandgericlit Reval, Convolut 273, Nr. 11. — 509 — Tochter des Kapitän - Lieutenants und Mannrichters Claes Thomasson von Kamm auf Padis und der Sophie Elisabeth von Lieven (Tochter des Reinhold von Lieven); sie starb 1709 in Reval. Aus der ersten Ehe hatte er drei Söhne: Jürgen (32), Carl Gustav (33) und Heinrich Johann (34), sowie eine Tochter: Elisabeth Dorothea (31), getauft am 24. November 1653 in Reval. 1 ) Aus der zweiten Ehe hatte er fünf Söhne: Georg Bernd (35), Carl (36), Anton Johann (37), Richard Johann (38) und Otto Reinhard (39). 32. Jürgen von Wrangel, Sohn von Anton Johann (20), wurde am 12. August 1655 2 ) in Reval getauft. 33. Carl Gustav von Wrangel, Sohn von Anton Johann (20), geboren am 21. April 1663 in Reval, war schwedischer Rittmeister, Erbherr auf Jesse und vermählte sich am 27. Juni 1681 mit Margarethe Beate von Clodt, Tochter des Landraths Gustav Adolf von Clodt und der Brita of Stuart. 35. Georg Bernd von Wrangel, Sohn von Anton Johann (20), wurde 1682 geboren und starb 1689. 36. Carl von Wrangel, Sohn von Anton Johann (20), geboren 1684, war Fähnrich bei des Oberst von Lieven Regiment, starb 1705 und ward am 14. Februar begraben. 37. Anton Johann von Wrangel, Sohn von Anton Johann (20), der spätere Graf Wrangel zu Sausis, wurde Stammvater der gräflichen Linie zu Sausis (Tabelle XV), immatrikulirt in Schweden unter Nr. 93. 38. Richard Johann von Wrangel, Sohn von Anton Johann (20), starb 1725 als Mannrichter. 39. Otto Reinhold von Wrangel, Sohn von Anton Johann (20), der spätere Freiherr von Wrangel zu Sausis, wurde Stammvater der freiherrlichen Linie zu Sausis (Tabelle XYI), immatrikulirt in Schweden unter Nr. 219. 34. Heinrich Johann von Wrangel, 8 ) Sohn von Anton Johann (20), geboren am 12. Februar 1666, war schwedischer Kapitän im Regiment von Pahlen, dann Mannrichter, Erbherr auf Huer und wurde am 3. Juni 1705 in der St. Nicolai-Kirche zu Reval beigesetzt. Im Februar 1698 sah er sich genötliigt, sich seines Schwiegervaters, des Mannrichters Johann Heinrich von Der-Felden wegen, an das Obergericht zu wenden. Seitens 1) K.-B. St. Nicolai in Reval. 2) K.-B. St. Nicolai in Reval. 3) K.-B. St. Nicolai in Reval; M. Wrangeil, Mittli.; M. Wrangeil, Tat». VI 136. — 510 — Der-Felden wurde Wrangel weder dessen Ehefrau mütterliches Erhtheil noch die Verlassenschaft deren verstorbenen Bruders überlassen, und obgleich schon 1697 eine des- fallsige Sentenz ergangen war, so fand sich Heinrich Johann von Wrangel doch mit derselben nicht zufrieden gestellt. 1 ) 1703 kaufte er von dem Lieutenant Heinrich Johann von Knorring das in der Breitstrasse zu Reval gelegene Haus für 1400 Reichsthaler in specie. Wegen dieses Hauses entstand schon 1707 ein Prozess, welchen die Wittwe Barbara Sophie von Der-Felden begann und der am 22. Februar abgeurtheilt wurde. Es heisst in der Resolution vom 7. Mai 1707: „weil dadurch, dass der Bürgermeister Reimers 1400 Reichsthaler aus dem an Frau von Wrangel, geborene Der-Felden, von Herrn von Knorring verkauften Hause haben soll, Frau von Wrangel nicht des völligen Besitzes entsetzet werden kann, sondern sie noch ein gross Theil darin besitzet, so kann nach dem Stande dieser Sache der Kauf des Hauses im Executivwege nicht gehohen, und sie in Jerlep oder Höbbat auf den ganzen Anspruch eingesetzt werden, um soviel weniger, da von Knorring wegen der Reimerschen Ansprüche jetzt noch in lite versiret, sondern es wird Frau von Wrangel dahin angewiesen, falls sie sich nicht weiter an dem Hause halten und den Kauf aufheben will, dass sie solches in Form eines Contraktes thue. Was aber die übrigen Anforderungen anbelangt, so ist von Knorring bei Vermeidung der Execution schuldig, der Frau von Wrangel zu erlegen." Das Haus hatte dem Bürgermeister gehört, der es für 2695 Reichsthaler an den Generalmajor von Pallien verkauft, doch dergestalt, dass 1400 Reichsthaler in Höbbat, stehen blieben. Pallien übertrug dieses an seinen Schwiegersohn von Knorring, so dass Reimer und von Wrangel mit 1400 Reichstlialern am Hause betheiligt waren. 2 ) Mit seiner Gema hlin Barbara Sophie von Der-Felden, Tochter des Rittmeisters und M annrichters Johann Heinrich von Der-Felden, mit welcher er seit 22. Februar 1691 vermählt war, hatte er sechs Söhne: Johann Heinrich (45), Hans Heinrich (47), Carl Gustav (49), Anton Friedrich (50), Bernd Wilhelm (52), Carl Gustav (53), und drei Töchter: 1. Agneta Elisabeth (46), 3 ) welche am 2. October 1694 geboren war und schon am 17. desselben Monats starb. 2. Agnes Sophie (48), vermählt am 4. Januar 1717 mit dem Cornet Ernst Johann von Rass, Erbherrn auf Pivarotz. 3. Dorothea Julianne (51), vermählt am 17. November 1723 l ) in der Dom- Kirche mit Carl Johann von Rehbinder; sie starb 1728. 5 ) 45. Johann Heinrich von Wrangel, 6 ) Sohn von Heinrich Johann (34), geboren am 15. August 1692, starb am 20. December 1754 auf Huer als Lieutenant. J ) Oberlandgericlit Eeval, Convolut 270. 2 ) Oberlandgericlit Eeval, Convolut 281, Nr. 11. 3) K.-B. Eätliel; K.-B. Maholm. 4) K.-B. Kegel. • r ') K.-B. Pänal; K.-B. Dom Eeval. 6) M. Wrangell, 2. Sammlung Tab. YI, Fol. 1827. — 511 47. Hans Heinrich (Hendrik) von Wrangel, 1 ) Solm von Heinrich Johann (34), geboren am 5. August 1693 zu Wernowa, wurde als schwedischer Lieutenant beim Tremänning-Regiment Lode 1704 vor Narwa bei Ryssarne gefangen, kam 1722 von Kasan zurück und nahm 1723 den Abschied als Oberstlieutenant. 40. Carl Gustav von Wrangel, 2 ) Sohn von Heinrich Johann (34), geboren am 27. December 1695 in Reval und starb am 25. März 1699 daselbst. 52. Bernd Wilhelm von Wrangel, 3 ) Sohn von Heinrich Johann (34), geboren am 26. Januar 1700, blieb unverheirathet. 53. Carl Gustav von Wrangel, 4 ) nn von Heinrich Johann (34), geboren am 4. Juli 1704 und starb am 5. März 1705. 50. Anton Friedrich von Wrangeil,' 8 ) Sohn von Heimich Johann (34), geboren am 16. December 1698, war Erbherr auf Huer, Herr auf Pivarotz, Kirrimäggi, Sippa und Mannrichter in Esthland. Zu diesen Besitzungen erhielt er 1735 durch seine Frau als deren Antheil in Höhe von 1000 Reiclis- tlialern das Gut Rosenhof und kaufte in demselben Jahre noch das Gut Luides vom Assessor Nils Wilhelm von Berg für 3300 Rubel. Seine Wittwe aber verlor es durch einen Spruch des Reichsjustiz-Collegiums 1757, da sie ohne Hilfe und Beistand und ihre Söhne bei der Armee in Preussen waren, an den Rittmeister Reinhold Wilhelm von Berg von Pall als angeblich nächsten Agnaten des Verkäufers. Die Wittwe pflegte sich scherzweise damit zu trösten: „mit Wittwen ist leicht und gut zu tanzen; denn sie sind von allen verlassen". Anton Friedrich starb am 16. März 1755 und wurde in der St. Nicolai-Kirche iii Reval beigesetzt. Er nahm die Schreibart seines Namens mit „11" an, was seine Nachkommen beibehielten. Am 6. Januar 1717 hatte er sich zu Sallentack mit Maria Julianne von Grotenhjelm aus Sailentack und Kollo vermählt, welche, am 10. April 1701 zu Paschlep geboren, am 10. September 1781 starb und zu St. Michael oder Kegel in der Huerschen Kapelle begraben wurde. Sie war die Tochter des Christoph Friedrich von Grotenhjelm, Hauptmanns zu Sallentack und Kollo (geboren am 23. Mai 1655, starb am 19. December 1705, begraben in Pernau) und seiner Ehefrau Ursula Cronmann aus Allatskiwi (geboren in Gothenburg am 29. August 1660, starb am 27. September 1745, begraben in St. Martens oder Turgel in Jerwen). Sie hatten zwölf Söhne und sechs Töchter, von denen 1786 aber nur noch sechs Söhne und eine Tochter lebten. 1) M. Wrangel 1, 2. Sammlung Tab. VI, Fol. 1827. 2) K.-B. Rätliel. % 3) M. Wrangeil, 2. Sammlung Tab. VI, Fol. 1827. 4 ) M. Wrangell, 2. Sammlung Tab. AT, Fol. 1827. 5) II. C. Wrangell, p. 456: Gadebuscb, Bd. 15 p. 655 bis 670. Die zwölf Söhne waren: Gustav Johann (54), Carl Reinhold (55), Magnus Friedrich (58), Bernhard Wilhelm (60), Gotthard Christoph (61), Otto Heinrich (62), Hans Christoph (63), Hermann Gustav (64), Joachim Friedrich (65), Tönnies Johann (66), Moritz Christian (67), Jürgens Gustav (68), und die fünf Töchter: 1. Christiane Julianne (56), 4 ) getauft am 4. Januar 1722, starb am 14. August 1727. 2. Wilhelmine Julianne (69), 2 ) geboren am 23. August 1729, 1770 vermählt mit dem Oberst Gustav Reinhold von Wartmann. Sie stirbt vor 1786. 3. Eva Marie (70), 8 ) geboren am 30. August 1733, starb am 5. März 1736. 4. Lunette Dorothea (71), geboren am 15. Juni 1739, starb am 11. Februar 1759 und ist am 28. Februar in der Kapelle der St. Michael-Kirche zu Huer beigesetzt. 5. Marie Julianne (72), geboren am 9. November 1728, starb am 14. November 1728. Am 1. October 1781 schlössen die Brüder: Gustav Johann, Mannrichter, Magnus Friedrich, Oberstlieutenant, Hans Christoph, Major, Joachim Friedrich, Major, Tönnies Johann, Oberstlieutenant, Moritz Christian, Kapitän, Bernhard Wilhelm, Major, Söhne von Anton Friedrich, Mannrichter auf Huer, einen Erbvergleich, in welchem Huer dem Major Hans Christoph flu- 17 000 Thaler überlassen wurde. Auch den übrigen Nachkommen des Jürgen von Wrangel auf Sauss (ihrem Urgrossvater) wird ihr Näherrecht gewahrt. Im Jahre 1792 wurde Huer von dem Collegienratli, Oberstlieutenant Tönnies Johann für 37 000 Thaler an Joachim Friedrich cedirt und dieser übergab es am 3. März 1801 seinem Sohne Carl Gustav, dessen Schwestern — Anna Friederike vermählte von Dannenstern, Helene Julianne vermählte von Anrep, Johanna Dorothea — allen Ansprüchen entsagen. 4 ) 55. Carl Reinhold von Wrangell, Sohn von Anton Friedrich (50), geboren am 24. August 1720, starb am 18. September 1764 als erster Oberstwachtmeister in Moskau. 58. Magnus Friedrich von Wrangell, Sohn von Anton Friedrich (50), geboren am 16. Januar 1723, getauft am 22. desselben Monats, war 1765 Kapitän im kasanschen Infanterie-Regiment, 1766 Major und 1781 Oberstlieutenant. Aus der ertheilten Resolution der Reductions-Commission vom 29. März 1688 wegen des Gutes Kirimeggi erhellt, dass das Gut'Konfer, Kirchspiel Räthel in der Wieck, welches 1720 Bernd Wilhelm von Barleben als ein Pfandgut besass, ein unstreitiges Zubehör zu dem Gut Kirimeggi ist. Es hatte von alters als ein Dorf von neun Haken zu dem genannten Gute gehört und stand am 18. Februar 1674 mit demselben in Conkurs. Im Jahre 1765 d. d. Fickel den 9. Januar cedirte und übertrug Otto Fabian 1) H. C. Wrangell, p. 658. 2) M. Wrangell, Tal). XVII. p. 137 Kr. 1; K.-B. Olai in Eeval; K.-B. Kegel. 3 ) H. C. Wrangell, p. 659. 4 ) Oberlandger.-Akten über Huer, Erbrezess vom 1. März 1801. — 513 — von Zöge für sich, seine Erben und Erbnekmer den auf sich von seinen Voreltern rechtmässig vererbten Erbnamen auf das in Händen des Barleben befindliche kleine Gütchen Konfer an den Kapitän des kasanschen Infanterie - Regiments Magnus Friedrich von Wrangeil und dessen Erben und Erbnekmer dergestalt, dass „dieser von Wrangeil das Gut Konfer auf seine eigenen Kosten einlösen, wiederum verpfänden, doniren, verkaufen, ganz nach seinem Wohlgefallen als Eigenthum mit demselben schalten und walten könne". 1766 starb Bernd Wilhelm von Barleben, so dass der Prozess wegen des Trauerjahres der Wittwe ruhte, aber 1768 wieder aufgenommen wurde. Unter dem 14. Januar 1766 war dem Magnus Friedrich von Wrangeil das Recht auf Konfer, nämlich das Erbrecht des Otto Fabian von Zöge auf dasselbe, abgesprochen worden und dem ersteren nur zugegeben, dass Otto Fabian von Zöge sein Pfandrecht cediren könne. Dieser Prozess schwebte noch 1771, bis endlich am 21. Februar der Urtheilspruck erfolgte, in welchem der Kläger von Wrangeil, weil er die Beibringung von Beweisen nicht innegehalten, abgewiesen wurde, während sonst ihm Recht gegeben worden wäre. Es wird ihm daher ein neuer Termin gestellt, und so wendet sich Magnus Friedrich von Wrangeil mit seinen Documenten am 18. November 1773 an das Reichs-Justiz-Colle- gium. Dasselbe bestätigt indess das Decret des Oberlandesgerichts vom 21. Februar 1771. x ) 60. Bernhard Willielm von Wrangeil, 2 ) Sohn von Anton Friedrich (50), geboren am 15. September 1724, ist 1752 russischer Lieutenant im rjäsanschen Infanterie-Regiment, ziüetzt Major und starb am 9. Februar 1779 auf seinem Besitz Huer. Mit seiner Ehegattin Sophie Helene von der Pallien, Tochter des Mannrichters Magnus Reinhold von der Pallien auf Padis und Parjel und der Gertrud Helene von Rehbinder, vermählte sich Bernhard Wilhelm von Wrangeil am 1. März 1752. Er hatte einen Sohn 82. Friedrich Reinhold von Wrangeil, 3 ) geboren am 7. August 1753, gestorben vor 1816. Er war Erbherr auf Pedua und russischer Kapitän. Er vermählte sich am 28. Januar 1777 mit Wilhelmine Dorothea von Nasacken aus dem Hause Werpel und Saulip (Schwester des R. M. von Nasacken), geboren 1759, gestorben am 8. Februar 1816 kinderlos. 61. Gotthard Christoph von Wrangeil, 4 ) Sohn von Anton Friedrich (50), wurde am 6. August 1725 getauft und starb am 19. December desselben Jahres. 62. Otto Heinrich von Wrangell, 5 ) Sohn von Anton Friedrich (50), geboren am 25. September 1727, starb als russischer Oberstwachtmeister am 18. Januar 1778. J ) Oberlandesger. Reval, Convolut 287 Nr. 1. 2) Wrangell, Mittheil. p. 660; K.-B. Ratllel. 3) Wrangell, Mittheil. p. 660. 4 ) Wrangell, Mittheil. p. 659. ö) H. C. Wrangell, p. 658. 65 — 514 — 63. Hans Christoph von Wrangeil,') Solm von Anton Friedrich (50), geboren am 23. December 1730, war Erbherr auf Huer, Kirimäggi, Rosenhof, russischer Oberstwachtmeister und Oberlandesgerichts-Assessor in Esthland. Er starb am 20. Juni 1793. Hans Christoph hat sich für die Familie von Wrangeil sehr verdient gemacht, indem er der Verfasser der handschriftlichen Nachrichten von der Familie von Wrangeil aus dem Hause Huer ist, welche hier oft benutzt worden und mit ,.H. C. Wrangeil" in den Anmerkungen bezeichnet sind. 64. Hermann Gustav von Wrangell, 2 ) Solm von Anton Friedrich (50), geboren am 5. December 1732, starb am 23. August 1757 als russischer zweiter Unterhauptmann an den in der Schlacht bei Gross-Jägersdorf am 19. August 1757 empfangenen Wunden und wurde in Insterburg auf dem St. Georgen- Kirchhof in der russischen Kapelle begraben. 65. Joachim Friedrich von Wrangell, 3 ) Sohn von Anton Friedrich (50), geboren am 26. August 1735, war russischer zweiter Oberstwachtmeister (Major), Erbherr auf Kirimäggi und Rosenhof, Rachel, Raykull und Pollkül. Arn 9. März 1789 hatte er einen Prozess wider den Generallieutenant, Jägermeister, wirklichen Kammerherrn und Ritter Reinhold Wilhelm von Pohlmann wegen Zuziehung eines in der Langstrasse Nr. 44 in Reval belegenen Hauses. Am 9. März 1789 überreichte von Wrangell eine Bitte und lieferte den Original-Kauf'contrakt de dato Reval den 15. August 1788 ab. Am 28. August 1789 übergab der Verklagte schriftlichen Consens und am 3. September erfolgte die Resolution, von Wrangell hatte das Haus für 7500 Rubel gekauft und laut Ukas Bestätigung erhalten; er bat nun, das Haus mit Zubehör auf seinen Namen zu verzeichnen. Da er alles bezahlt hatte, so gab Pohlmann seine Einwilligung dazu. Joachim Friedrich war vermählt mit -Helene Julianne von Fersen aus dem Hause Allustfer und Pachel, Tochter des Barons Carl Gustav von Fersen auf Pachel und der Anna Friederike von Schlippenbach, und Schwester des Generallieutenants von Fersen. Sie war geboren 1744 und starb am 20. Mai 1813. Aus dieser Ehe stammten zwei Söhne: Carl Gustav (86) und Anton Friedrich (89), sowie fünf Töchter: 1. Johanna Dorothea (83), lebte 1827 unverheirathet. 2. Anna Friederike (84), starb jung. 3. Helene Julianne (85), starb im Mai 1806. Sie war verheirathet seit dem 9. September 1793 mit dem Kapitän-Lieutenant Friedrich Alexander von Anrep. 4. Helene (87), lebte 1787 unverheirathet, starb vor 1827. 5. Anna Friederike (88), 1827 vermählt mit dem Major Daniel Magnus Chevalier von Dannerstjerna. Sie war laut Proclamation vom 19. Mai 1827 Erbin der verstorbenen Generalin Weymann ; geborene Anna Barbara Baroness Fersen. !) H. C. Wrangell, p. 655, 65S. 2) H. C. Wrangell, p. 658. 3 ) II. C. Wrangell, p. 661; K.-B. Matthäus und Ivreuzkirclie in Riga. 86. Carl Gustav von Wrangeil, Solan von Joachim Friedrich (65), war 1786 Sergeant, 1798 Lieutenant beim russischen Garde-Regiment Preobraschenskoj. 89. Anton Friedrich von Wrangeil, Sohn von Joachim Friedrich (65), starb jung. 66. Tönnies Johann von Wrangeil, 9 Sohn von Anton Friedrich (50), geboren am 26. März 1737, war Oberstlieutenant und Kameralhofrath in Reval, 1792 Collegienrath und erhielt Huer. Er starb 1800. 67. Moritz Christian von Wrangell,9 Sohn von Anton Friedrich (50), geboren am 11. September 1740, war 1781 russischer Kapitän, 1777 in Huer. Er starb am 31. Mai 1814. Am 22. Juni 1777 vermählte er sich mit Anna Charlotte von Grotenhjelm, Tochter des Rittmeisters Magnus Gustav von Grotenhjelm. Sie war 1735 geboren. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter: Julianne Charlotte Wilhelmine (90), geboren am 25. August 1778, starb am 15. August 1812. Sie vermählte sich mit dem Major Magnus Reinhold von Nasacken zu Saulep und Alp-Werpel, welcher 1842 starb. 3 ) 68. Jürgen Gustav von Wrangell, 9 Sohn von Anton Friedrich (50), geboren am 8. August 1742, starb am 27. März 1743. 54. Gustav Johann von Wrangell, 9 Sohn von Anton Friedrich (50), geboren am 13. Februar 1719, gestorben am 22. Februar 1799, war Erbherr auf Pivarotz, Kirimäggi, Rosenhof, Sippa, und Kurkiill. Er war Hakenrichter und 1774 Mannrichter-Adjunkt. Gustav Johann war vermählt seit dem 9. März 1742 mit Hedwig Helene von Vitinghoff aus dem Hause Jävajäggi, welche 1781 starb. Der Ehe entsprossen fünf Söhne: Friedrich Reinhold (73), Gustav Wilhelm (74), Carl Heinrich (77), Bernd Johann (79), Otto Magnus (80) und vier Töchter : 1. Wilhelmine Johanna (75), fi ) geboren am 15. Februar 1746, vermählt mit dem Lieutenant Fafurin. Sie starb am 18. Januar 1838 als Wittwe. 2. Sophie Helene (78), 9 vermählt mit Lieutenant Jacob Wilhelm von Bergausdem Hause Poll. Sie starb 1778 und wurde am 30. Juni zu St. Nicolai in Reval begraben. 3. Anna Charlotte (76), geboren am 28. April 1747, starb jung. 4. Beate Charlotte (84), 8 ) geboren am 23. April 1756, starb am 9. Mai 1830. Sie vermählte sich am 16. October 1799 mit dem Major Otto Leonhard Schulmann. 1) H. C. Wrangell, p. 661. 2) H. C. Wrangell, p. 661. 3) K.-B Kegel; Hanelil-Werpel; Nasacken, Gesclilechtslmcli. 4 ) H. C. Wrangell, p. 661. 3) H. C. Wrangell, p. 667; K.-B. Nicolai in Reval. G) H. C. Wrangell, p. 660. 7) H. C. Wrangell, p. 659: K.-B. Nicolai in Reval. 8) K.-B. Banal. — 516 - 73. Friedrich Reinhold von Wrangeil, l ) Solm von Gustav Johann (54), geboren am 31. März 1744, war schwedischer Ivapitän- Lieutenant zur See und ertrank im Archipel im Juni 1806. Der Tribunalsrath J. Fr. Baron Ungern-Sternberg verpfändete am 11. December 1795 auf 50 Jahre für 3500 Rubel banco den Platz Nr. 1138 (in der Vorstadt von Reval) mit dem Wohnhause, den Nebengebäuden, dem Garten und zwei Bäumen an den Kapitän Friedrich Reinhold von Wrangeil mit alten Rechten. Nach seinem Tode überliessen die Miterben am 9. März 1808 das Haus der Wittwe Wilhelmine, geborene von Nasacken, für ihre sich auf 2200 Rubel banco belaufenden Ansprüche; aber schon am 25. Juni desselben Jahres cedirte sie das Haus mit alten Rechten dem Maler Johann Hermann Heim für 2600 Rubel banco und erlangte auch dazu am 8. Februar 1809 die Einwilligung des Hofraths Johann Friedrich Baron Ungeru-Sternberg. 77. Carl Heinrich von Wrangeil, 2 ) Solm von Gustav Johann (54), geboren am 11. Januar 1749, besass Huer 1801, lebte 1802 in St. Petersburg und starb am 28. Mai 1812. 79. Bernd Johann von Wrangeil, 8 ) Sohn von Gustav Johann (54), geboren am 10. August 1751, war Hauptmann und starb am 4. November 1789. Er war vermählt mit Auguste Elisabeth von Der-Felden, welche am 16. August 1821 starb. Aus dieser Ehe stammte Henriette (99), welche am 26. December 1797 mit dem Collegien - Assessor Reinhold Carl von Rothkirch in der Nicolai-Kirche zu Reval getraut wurde. 4 ) 80. Otto Magnus von Wrangell, 5 ) Sohn von Gustav Johann (54), geboren am 10. December 1752, wurde am 23. October 1770 als Fähnrich bei Brailow schwer verwundet und starb an diesen Wunden am 13. November 1770. 74. Gustav Wilhelm von Wrangell, 6 ) Sohn von Gustav Johann (54), geboren am 21. März 1745, war russischer Oberstwachtmeister, später Hofrath. Er starb am 13. Februar 1817. Er vermählte sich am 10. Juli 1776 mit Dorothea Luise von Dannerstjerna aus o ® dem Hause Asel, Tochter des Kapitän (Misne) von Dannerstjerna auf Asel und Henriette von Trunsche. Sie starb am 7. December 1805 und hatte vier Söhne: Reinhold Daniel Gustav (91), Alexander Magnus (93), Otto Friedrich (95), Hermann Gustav (98) und vier Töchter: 1. Dorothea Julianne (92), geboren am 31. December 1778. 2. Henriette Helene (94), 7 ) geboren am 16. April 1783. 1) II. C. Wrangell, p. 660; K.-B. Reval. 2 ) H. C. Wrangell, p. 660. 3) H. C. Wrangell, p. 660; K.-B. Pänal; K.-B. Nicolai in Reval. 4 ) K.-B. Nicolai in Reval. 5 ) H. C. Wrangell, p. 660; K.-B. Pänal. 6) K.-B. Nicolai: K.-B. Weissenstein. 7) K.-B. Dom Reval. — 517 3. Martha Amalie (96), x ) geboren am 20. Mai 1786, vermählt am 27. Juli 1809 mit dem Major G-ustav Alexander Plater von Broel. 4. Dorothea Julianne (97), vermählt am 5. März 1811 mit dem russischen Fähnrich Franz Stephan Petrowski. Nach dem Tode ihres Vaters richteten am 13. December 1827 der dimittirte Oberst und Ritter Alexander Magnus von Wrangeil auf Wilkenpahlen und dessen Bruder, der verabschiedete Kapitän und Eitter Beinhold Daniel Gustav von Wrangeil auf Eamotzki an die Eitterschaft zuBeval ein Gesuch um Verabfolgung eines Adels-Attestes. ä ) Aus dem Gesuche erhellt, dass beide Brüder im revalschen Gouvernement geboren sind, sich aber nach ihrer Verabschiedung in Eamotzki in Livland niedergelassen und besitzlich gemacht haben. Es war ihnen bekannt, dass ihre Vorfahren zu allererst und zwar seit heermeisterlichen Zeiten in Livland besitzlich gewesen und auch hier unter Nr. 41 und 42 immatrikulirt worden waren. Kapitän Beinhold von Wrangell hatte sich nämlich im Juni 1827 von der livländischen Landes-Besidirung ein Adels-Attest für einen seiner Söhne, der sich dem Militärdienst zu widmen beabsichtigte, erbeten, bekam aber die Erwiderung: „dass, da ihr Zweig des Wrangeischen Geschlechts, wie es scheine, nicht in dem dort vorhandenen Adels-Verzeichnisse eingetragen sei, ihre Abstammung von der sub Nr. 41 und 42 immatrikulirten Familie dieses Namens erst näher nachgewiesen werden müsse". Sie legen daher am 13. December 1827 das unter dem 13. September 1827 sub Nr. 54 aus dem revalschen Eitterhause erhaltene Zeugniss, dass sie seit der heermeisterlichen Zeit zum livländischen Adel gehören, vor und wurden infolgedessen laut eines am 20. Februar 1745 aus der livländischen Bitterschafts-Kanzlei ertheilten Attestates in die revalsche Adels-Matrikel verzeichnet. 95. Otto Friedrich von Wrangeil, Sohn von Gustav Wilhelm (74), geboren am 1. December 1784, fiel am 7. September 1812 als russischer Stabs-Kapitän bei Borodino. Er war Bitter des Georgs- und St. Wladimir-Ordens sowie Inhaber des goldenen Degens für Tapferkeit. 98. Hermann Gustav von Wrangeil, Sohn von Gustav Wilhelm (74), geboren am 4. November 1787. Weitere Nachrichten sind nicht bekannt. 91. Reinhold Daniel Gustav von Wrangeil, 3 ) Sohn von Gustav Wilhelm (74), geboren am S. September 1780, diente im russischen Sewskischen Infanterie-Begiment, machte den französischen Krieg 1805 mit, nahm 1827 als Kapitän seinen Abschied und war Bitter des St. Annen-Ordens und des Ordens „pour le merite". 1813 wurde er Ordnungsgerichts - Adjunkt in Wenden und war Herr auf Eamotzki im Kirchspiel Arra und Kallenhof in Livland. Er starb am 3. April 1S35. 1) K.-B. Dom Eeval. 2) Archiv Riga, Ritterscliafts-Acten, Vol. LXII, Nr. 188 und 189. 3) Russwurm, Material; K.-B. Dom Reval. — 518 — Er war vermählt mit Sophie Wilhelmine Beate von Hülsen aus dem Hause Kallenhof in Livland, geboren am 6. September 1787, und hatte zwei Söhne: Ottomar (100), Wladimir (105), sowie fünf Töchter: 1. Olga (101), geboren am 20. März 1811, vermählt am 14. Juni 1836 mit Albert Kyber. 2. Elisabeth Luise (102), x ) geboren am 26. Mai 1813, vermählt 1836 mit Eduard Kyber. Sie starb am 6. Juni 1885 in Riga. 3. Fanny (Franziska) (103), geboren am 1. September 1814, vermählt mit dem Pastor Schilling. 4. Rosalie (104), geboren am 8. November 1816, vermählt am 14. Juni 1849 mit Eduard von Traupovski. 5. Sophie (106), geboren am 30. August 1821, vermählt am 28. April 1849 mit dem Pastor Eduard Punschel. 100. Ottomar von Wrangeil, 2 ) Solin von Reinhold Daniel (91), geboren am 15. März 1810, trat am 1. Januar 1828 in das russische Husaren-Regiment Erzherzog Ferdinand ein, machte als Junker den Feldzug 1828 und 1829 in der Türkei mit; am 15. December 1829 zum Cornet ernannt, war er 1831 mit im polnischen Feldzuge, wurde am 1. Januar 1833 Lieutenant, am 22. April 1835 Stabs-Rittmeister, am 30. November 1836 Rittmeister mit Anciennität vom 6. Mai; sodann in das odessaische Ulanen-Regiment versetzt, nimmt er am 9. März 1838 seinen Abschied als Major und geht nach Ramotzki zurück. Hiernach wurde er Kirchspielsgerichts- Substitut des wendenschen Bezirks, kaufte 1840 Nötkenshof von Samuel von Holst für 93 000 S.-Rubel, wurde 1841 Kirchspielsrichter und zog am 1. Mai 1848 nach Wenden. Nötkenshof wurde an Theoder Erasmus verarrondirt. 3 ) Im October 1829 wurde ihm das Adels-Attest von der livländischen Ritterschaft ertheilt. Er starb am 18. September 1872 zu Reval und wurde am 22. September zu St. Nicolai beigesetzt. Am 18. Juli 1844 vermählte er sich mit Johanna Ernestine Wilhelmine von Wrangeil (XI 108), Tochter des Alexander Magnus von Wrangeil, mit welcher er zwei Söhne und zwei Töchter hatte: 1. Margarethe Sophie Mathilde Alexandra (118), geboren am 13. August 1845. 2. Olga Antonie Emilie Marie (120), geboren am 27. October 1847. Sie ist 1878 Diaconissin an der Diaconissen-Anstalt in Reval. 119. Wladimir Reinlioltl Hermann von Wrangeil, Sohn von Ottomar (100), geboren am 15. März 1849, besuchte die Schule in Birkenruh, die Domschule in Reval und die Junkerschule in Helsingfors; 1878 ist er schwedischer Stabs-Kapitän im flnnländischen Infanterie-Regiment in Wyborg. 3 ) Russwurm, Material. 2 ) K.-B. St. Nicolai in Reval. 3) Hummers, Extract durch Dr. Bucliholz in Riga. — 519 — 121. Ottomar Nicolai von Wrangell, Sohn von Ottomar (100), geboren am 1. Juni 1855, befindet sich seit 1878 als Civil- beamter beim Zoll in Reval; er ist seit 1885 verheirathet. Der Name seiner Gattin ist nicht bekannt. 105. Wladimir you Wrangell, Sohn von Reinliold Daniel (91), geboren am 22. Juni 1819, diente im russischen Leib- Husaren-Regiment, später, im nassauischen Ulanen-Regiment, war schwedischer Oberstlieutenant und starb am 9. Juli 1849 an der Cholera in Neu-Odessa im Gouvernement Cherson. Am 25. Juli 1846 heirathete er Elise von Grothus, welche von 1872 bis 1875 Aebtissin im adligen Fräulein-Stift zu Fellin war. Aus dieser Ehe stammt eine Tochter: Sophie Wilhelmine Elisabeth (122), welche am 21. Juli 1847 geboren wurde und mit dem russischen Staatsrath Blumbach in Riga vermählt ist. 93. Alexander Magnus von Wrangell, 9 Sohn von Gustav Wilhelm (74), geboren am 18. November 1781. nahm als russischer Oberst seinen Abschied, war Ritter des St. Wladimir-Ordens IV. Klasse, des St. Annen- Ordens IL Klasse und des Ordens „pour le merite", Herr auf Wilkenpahlen im Kirchspiel Hilten in Livland und starb im December 1851. Er war zweimal verheirathet: a) 1818 mit Margarethe von Jarmerstedt aus dem Hause Alt-Wolilfahrt, verwittwete von Schröder, starb am 6. Februar 1881; b) 1834 mit Mathilde Wilhelmine von Aderkas aus Oesel. Aus der ersten Ehe waren ein Sohn (107) und sechs Töchter: 1. Johanna Ernestine Wilhelmine (108), geboren am 16. Juni 1820, vermählt am 18. Juli 1844 mit Ottomar von Wrangell (XI 100). 2. Antoinette Amalie (109), geboren am 19. September 1821, vermählt 1843 mit dem verabschiedeten Oberst Ottokar von Aderkas, Landmarschall auf Oesel, Erbherr auf Peude. 3. Virginie Christine (110), geboren am 29. Januar 1823, starb in Peude auf Oesel am 21. October 1869. 4. Elisabeth Emilie (111), 2 ) geboren am 19. Mai 1825, vermählt am 2. October 1849 mit dem russischen Flotten-Kapitän, späterm Contre-Admiral Wilhelm von Harnack. Sie starb in Reval am 7. Juni 1869. 5. Leocadia Charlotte (112), geboren am 29. Mai 1827, starb im Alter von zwei Jahren. 6. Alide Luise (113), geboren 1830, starb als Kind. Aus der zweiten Ehe sind zwei Söhne (116, 117) und zwei Töchter: 1. Adelheid (114), geboren am 15. August 1835. 2. Sophie Luise Emilie (115), geboren am 16. Juni 1836. 1) Farn. von Aderkas, Tal». VII; K.-B. Dom Reval. 2) K.-B. Nicolai in Reval. — 520 — 107. Georg Robert Theodor von Wrangeil, Solln von Alexander Magnus (93), geboren am 14. April 1819, nahm sich das Leben am 17. October 1849. 116. Hngo Alexander Emanuel von Wrangeil,') Sohn von Alexander Magnus (93), geboren am 13. December 1837, diente 1878 bei dem russischen Domainen-Ministerium in Ekaterinodar. 1876 vermählte er sich mit Marie Michailoff und hat mit derselben eine Tochter: Elisabeth (123), geboren 1878. 117. Hugo von Wrangeil, Sohn von Alexander Magnus (93), geboren am 13. December 1843. i) Attest 1857 Nr. 576 der livländ. Ritterscli.-Matrikel.