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1 (1887)
Seite
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nicht lange, so hatte er die Ernennung an Bord der Kriegs-Schaluppe „Kamtschatka"unter dem Commando des Kapitän Golownin in Händen.

Im September des Jahres 1817 verliess die „Kamtschatka" die Rhede von Kron-stadt; die Reise dauerte 2% Jahre. Das Tagebuch, welches Wrangeil während derselbenführte, ist leider bei einem Brande vernichtet worden. Er hatte dasselbe mit pedantischerGenauigkeit täglich geführt und alles was er sah und hörte niedergeschrieben, so dassnach dem Verlust desselben man die lebhaften Eindrücke des jungen Midshipman, seineSinnesart, seine Gedanken und Anschauung nur aus dem Munde des greisen Admiralshörte, der die ganze Poesie seiner ersten Seefahrt nie vergessen hatte. Theilen wir nureiniges aus den für seine Kinder geschriebenen „Erinnerungen" mit. Baron Wrangeilschreibt: „Eine solche Weltumsegelung übt einen mächtigen Eindruck aus auf Geist undGemüth eines nach Kenntnissen und Erfahrung strebenden jungen Seeoffiziers. KeineStudien können das ersetzen, was er so mit seinen leiblichen Sinnen erlebt und betrachtet.Ich kann mit gutem Gewissen bezeugen, dass ich ganz Auge und Ohr, ganz Aufmerk-samkeit war für alles, was sich während der zweijährigen Reise zutrug. NautischePraktik, nautische Astronomie, Länderkunde waren die Gegenstände, in denen Kenntnisseund Erfahrung zu erwerben ich mich bemühte Es thut mir leid, mein damals ge-führtes Tagebuch nicht mehr zu besitzen, es würde mir die mannigfaltigen Begebenheitenins Gedächtniss rufen, die auf das jugendliche Gemüth um so lebhafter eingewirkt habenmögen, als sie ihrer Natur nach so ganz verschieden waren von allem, was ich bis dahingesehen und erlebt hatte. Der erste tüchtige Sturm auf dem Ocean; die erste fremdeKüste; der erste fremde Hafen; das erste englische Kriegsschiff; der Eintritt in dasAtlantische Meer; der letzte Hinblick auf europäisches Land; das erste Erscheinen deramerikanischen Andes, der Palme, der Tropenvegetation; die Sonne im Scheitel über einem;der zauberhafte Farbenschmelz nach Sonnenuntergang in den Tropen; das Aufsteigen niegesehener Sternbilder, des südlichen Kreuzes! Das wonnevolle Hingleiten unter vollen,von mässigem Passatwinde geschwellten Segeln; das Leuchten des Meeres; Schaaren flie-gender Fische, der erste Walfisch, der Riesen-Albatross. Nach angestrengtem dreimonat-lichem Kämpfen gegen conträre Stürme und berghohe Wellen die endliche Umschiffungdes Cap Horn und der Eintritt in die Südsee. Engländer, Dänen, amerikanische Portu-giesen, amerikanische Spanier, Stidsee-Malayen, Kamtschadalen, Aleuten, rothhäutige In-dianer Nord-Amerikas! London mit seinen Wundern, Brasilien, der Hof Rio de Janeiros;die balsamische Luft an den Küsten Chiles und Perus; die Cordilleren; das eisige Kam-tschatka mit seinen riesenhaften Vulkanen; Californien, Lima und Pizarros Nachkommen;die Sandwich-Inseln und der Mörder Cooks als erster König daselbst, und das Aufkommeneuropäischer Civilisation unter seiner Regierung; die Bananen-Gärten der Ladronen unddas reiche Manilla; St. Helena, zu dessen Gefangenen Napoleon der ersehnte Besuch unsvon den Engländern nicht gestattet wurde; die Wein- und Orangengärten der Azorenund endlich die Heimkehr nach Europa, in den Hafen von Kronstadt! — Dies alles bildetein so überaus reiches Panorama, die Eindrücke der so verschiedenartigen Naturscenerien,Völker- und Gesellschaftsformen sind so mannigfaltig und überraschend, dass der Geistgeweckt und ergriffen wird und man in zwei kurzen Jahren ein langes, reiches Menschen-