sein scharfer Blick fand in allen Fragen den Kernpunkt sicher heraus, und seine Art,auch solchen Personen, die bisher einer Frage fern gestanden, dieselbe klar, treffend undmit einer eigenthümlichen ernsten Energie vorzutragen, brachte eine nachhaltigere Wir-kung hervor als manche glänzende Bede. Bald war er von den Vorgesetzten mit Achtungund Anerkennung, von den Mitschülern mit unbedingtem Vertrauen und dabei mit herz-licher Anhänglichkeit behandelt und schliesslich, wie er sich selbst ausdrückte, „zu glaubenanfing er sei etwas!-' Er absolvirte 1815 sein Examen mit grosser Auszeichnung undtrat nun in der Stellung eines jungen Midshipmans (seit 1812 Gardemariner, seit1814 Unteroffizier) aus dem Corps ins wirkliche Leben ein und wurde der 19. Equipageder baltischen Flotte, die in Beval stand, zugezählt. Hier setzte er die Studien zuseinen Unternehmungen fort.
Er wurde mit seinem treuen Vetter Wilhelm und einem andern intimen Freunde,Herrn von Anjou, nach Eeval commandirt, wohin Wilhelms Eltern, die auch Ferdinandwie ihren Sohn betrachteten, mittlerweile übergesiedelt waren.
Hier begann nun ein munteres, geselliges Leben und Treiben; aber ein besondererWiderwille gegen alles leichte jugendliche Getändel und gesellige Freuden überhaupt er-fasste das Gemüth des jungen Seemanns, der sich bald ganz von der Gesellschaft zurück-zog und sich mit doppeltem Eifer dem Studium von Beisewerken, sowie nautischen wissen-schaftlichen Arbeiten hingab.
Im Frühjahr 1810 ward eine Escadre zu den im Sommer stattfindenden Uebungs-fahrten in Eeval armirt und Baron Wrang eil mit seinem Freunde Anjou der Fregatte„Awtroil" zugetheilt. Die Fahrten fanden im finnischen Meerbusen statt, im Herbstkehrte die Escadre nach Beval zurück.
Im Laufe des Sommers 1816 erfuhr Wrang eil durch den aus Kronstadt kom-menden Midshipman Demidow unter der Hand, dass nächstens ein paar Schiffe eineBeise um die Welt unternehmen sollten — doch sei es natürlich sehr schwer eine Er-nennung auf eines dieser Schiffe zu erhalten, dazu bedürfe es hoher Protektion. EineBeise um die Welt! Wie ein elektrischer Schlag durchfuhr diese Nachricht den jungenWrangeil, und er war sofort entschlossen alles dran zu setzen, um auch ohne Protektionseine Ernennung zu erwirken.
Er begab sich nach Petersburg, trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse, diees zu überwinden gab; mit einer sehr geringen Baarschaft verstand er es die Beise hinund zurück und den Aufenthalt dort zu bestreiten. Von achtundzwanzig Tagen seinesUrlaubs vergingen neunzehn Tage auf der Hinreise, bei ungünstigem Winde in einerelenden Barke; sechs Tage brauchte er, um im einfachen Frachtwagen von Petersburgwieder zurückzureisen, wobei er die meiste Zeit zu Fuss ging, und nur zwei Tage bliebenihm an Ort und Stelle, um diese wichtige und schwierige Sache, an der sein ganzesStreben hing, durchzuführen. Er begab sich sofort zum Kapitän Golownin, dem Chef dergeplanten Expediton, und trug ihm in Kürze ohne Umschweife sein Anliegen vor.
Kapitän Golownin entliess ihn freundlich, mit dem Versprechen sein möglichsteszu thun, um ihm die Ernennung auf eins der Fahrzeuge zu erwirken, und mit hoch vorFreude klopfendem Herzen verliess der junge Seemann die Besidenz. Es dauerte auch