Druckschrift 
1 (1887)
Seite
443
Einzelbild herunterladen
 

— 443 —

gekauft hatte. Derselbe lag im Eingange der grossen Kirchentliür südwärts an From-hold von Taube, westwärts an Baron Wrede, nordwärts an Bernd von 'Piesenhausenund ostwärts an Landrath Johann von Hastfer. Er mass in der Länge nach Süden47g Ellen, nach Norden 4% Ellen, in der Breite nach Westen 4 s / 4 Ellen und 2 Zollund nach Osten 5 Ellen schwedisch.

o. Bernhard (Bernd) Johann von Wrangel (Wrangeil),

Sohn von Reinhold (1), ist schon hei seinem Vater und Bruder (6) erwähnt worden. Erwar 1684 schwedischer Artillerie-Kapitän J ) und erhielt am 28. Februar 1689, damalsKapitänlieutenant, auf sein Ansuchen seine Dimission aus dem wirklichen Kriegsdienste.1670 ist er Ma n n r ichter. Er besass Annickfer, Wayfer, Sallewall, Metzekul, Wie-wekund und hatte mit seinem Bruder Reinhold gemeinschaftlich zwei Hausplätze inNarwa. Auch gehörte ihm Lagena und Uddrias 2 ) und im Jahre 1677 brachte erAddinal (Kirchspiel Halliel) in Wierland dmch Kauf an sich.

Schon 1670 hatte er mit dem Feldmarschall-Lieutenant Gustav von Wrangeil(VII 2) wegen dieses Gutes einen Pfand - Contract, welchen der General, wie auchdessen Mutter und Erben unterschrieben hatten, dergestalt abgeschlossen, dass nachdemselben Bernd Johann von Wrangeil dem General selbst 4000 Reichsthaler, dessenMutter in Livland und dessen Erben 2000 Reichsthaler erlegen musste, das Gut Addinaldagegen beziehen und den Rest an die Erben — die Sclrwestern und Brüder — be-zahlen sollte.

Infolge dieser Vereinbarung nahm Bernd Johann von Wrangell seine in derBank zu Stockholm ihm baar zustehenden 4000 Reichsthaler species und lieferte dieselbendem Feldmarschall-Lieutenant selbst aus, empfing darauf Quittung und Briefe an dessenMutter in Livland, welche er neben Präsentirung der 2000 Reichsthaler überlieferte.Die Briefe wurden angenommen, das Geld aber und der Einweisungsbesitz zurückgewiesen,der Contract disputirt und endlich vom Oberlandgericht annullirt, die alte Frau undErben bei ihrem Besitz geschützt und Bernd Johann von Wrangell befohlen, seinenContrahenten zu suchen. Er suchte ihn in Polen und Preussen, und als er nach ge-habten grossen Unkosten wieder in Schweden eingetroffen, musste Bernd Johannvon Wrangell in Stockholm wegen Rückzahlung seines Geldes oder Uebertragung desverkauften Gutes sehr scharf disputiren, wiewohl er mit dem General, bei Abänderungder gegenseitigen Abmachungen dahin, dass aus dem Pfand- ein Erbcontract geschlossenworden w r äre und er für die Erbnahmen 1000 Reichsthaler zugelegt hätte, die Ange-legenheit viel eher zu Ende gebracht haben würde. Er wurde dadurch, dass die An-gelegenheit sich sehr in die Länge zog, so ruinirt, dass er, um das Gut frei zu machen,Gelder auf Interessen zu nehmen gezwungen war. Der Landrath Fabian von Wrangell(XII 39) streckte ihm als Freund und Nachbar gegen Verschreibung und Verpfändungdes Gutes Addinal zwar 3000 Reichsthaler vor — soviel als von selbigem zu der Summenöthig war — doch dergestalt, dass ihm diese Summe zu sechs Prozent verzinst

!) Esthländisclie Landrolle 1657; Arch. Kuckers.

8) Landrolle 1666, 1677, 1678.