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1 (1887)
Seite
419
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Ermüdet wie ich war, ruhte ich etwas, als der Befehl kam, eilig in aller Stilleweiter zu retiriren. Die Feuer liessen wir zur Täuschung des Feindes brennen und mar-schirten die ganze Nacht hindurch ohne verfolgt zu werden. Beim Tagesgrauen hörtenwir die ersten Kanonenschüsse.

Der Feind führte seine Infanterie auf Bauernwagen, die sie überall fanden undbekamen, während wir weder für Geld noch gute Worte solche für Blessirte und Krankeerhielten. Die mich abgelösten Truppen bildeten die Avantgarde. Zu Mittag erreichtenwir einen kleinen Flecken Gakatzi. Der Feind hatte uns aus dem Gesicht verloren undwir machten einen Halt, um die Wagenburg passiren zu lassen und unsere Grützekochen zu können, da wir schon seit zwei Tagen nichts Warmes genossen hatten. Allewarteten mit Ungeduld auf die Wagen, die wir im Trab fahren hörten; da fingen dieKanonen aufs neue an zu donnern und die Kugeln sausten um uns her. Es ward in Eilewieder gepackt und wir brachen auf. Unsere Ferkelbraten nahmen wir von den Pfannen•und verzehrten sie ohne Brot mit dem besten Appetit. Hier erreichte uns der Feind undnahm uns mehrere Wagen, unter denen auch der Reisewagen des Generals Carl Iwanitschvon Bistram war, der aber doch noch gerettet wurde.

Gegen Abend erreichten wir einen sumpfigen Fluss, hinter welchem die 1. Brigadeunserer Division aufgestellt war. Diese Position benutzte General von Bistram, liess dieBrücke abnehmen und die Brigade zurückmarschiren.

Wir hatten schweres Geschütz und der Feind blieb auf der andern Seite des Flusses.Hierher kam der Grossfürst Michael Pawlowitsch, Bruder des Kaisers Nicolai, grüsstesehr freundlich und ritt nach einigen Stunden mit dem General von Bistram zu den finnländi-schen Garde-Tirailleurs. General von Bistram bat den Grossfürsten, sich nicht der Gefahrauszusetzen, da Granaten und Kanonenkugeln oft abgeschossen wurden und sich diesesmehrte, als man die grosse Suite des Grossfürsten bemerkte.

Das finnländisclie Regiment war in der Front aufgestellt und General von Bistrambat noch einmal den Grossfürsten, sich nicht der Gefahr auszusetzen, als eine Granatezwischen beiden platzte, jedoch ohne jemand zu verletzen.

Ja, in solchen Momenten fühlt und erkennt man die Guade und Allmacht Gottes,des Herrn, die jedem sein Ziel gestellt. Darauf reichte der Grossfürst dem General dieHand und sagte: Warum soll ich nicht auch hier stehen, ich hoffe, dass unsere Georgen-kreuze mit einander verwandt geworden sind."

Diese Position blieb uns. Wir hatten aber nichts zu essen — die Wagen warennach Sokolowa vorausgeschickt. Links davon lag ein hübsches Landgut, welches zumTheil zerstört werden rnusste, um unseren Kanonen eine gute sichere Stellung zu geben.Als nun das Demoliren an noch gefüllte Gebäude kam, wurde mitgenommen, was manfand, denn wir waren alle hungrig. Als das Feuer eben zu brennen anfing, hiess es:„Ordnet und stellt Euch!" Die Jäger sollten längs des Flusses nach dem StädtchenKletschkowa, wo der Feind die Brücke besetzen wollte, die von den reitenden Grena-dieren mit zwei Kanonen unter Befehl des Barons Reinhold Wrangeil (XIV 48) besetztwar. Mit Mühe behielten wir hier die Oberhand und standen den 6. und 7. Mai dort.