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1 (1887)
Seite
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Moment trafen ein feindlicher Train Artillerie und Ulanen in der Carriere an, erstereprotzte auf Kartätsch-Distanz ab und gab Feuer. Zum Glück flogen die meisten Kar-tätschen über unsere Köpfe. Gleichzeitig attackirte eine Schwadron, als ich das bekannteSignal zum Zurückgehen gab. Der sumpfig nasse Boden hinderte meinen Flügel, den be-stimmten Punkt zu erreichen, zehn meiner Soldaten wurden umgeritten und erstochen.

Der Zug hatte sich wieder ziemlich geordnet, ich sprach den Leuten Muth zuund befahl erst auf mein besonderes Commando zu scliiessen und auf die Brust der Pferdezu zielen. Etwa auf 60 Schritt eröffnete ich auf die anstürmenden Ulanen ein Schnell-feuer, welches Leute und Pferde in Verwirrung brachte; so dass die Attacke ziemlich er-folglos blieb. Da kam eine andere Escadron mit gesenkten Lanzen heran, und ich riefmeinen Leuten zu: „Fürchtet Euch nicht, Ihr habt gesehen, was eben geschehen ist,lasset sie näher kommen, keinen Schuss ohne Commando!"

Die Keiter waren schon ziemlich nahe, da wurde ein neues Feuer eröffnet. Vielekamen uns so nahe, dass unsere Leute durch ihre Piken verwundet wurden. MeinFähnrich Heidenreich bekam auch eine Stichwunde in die linke Seite. Ein polnischerMajor mit dem russischen Annen-Orden um den Hals hieb mit dem Säbel nach demSoldaten Peter Sirkal. x ) Derselbe machte einen Schritt vorwärts und stiess den Majorund noch einen andern Offizier vom Pferde.

Die Polen gingen zurück und viele Reiter und Pferde, welche bei der scharfenAttacke geblieben, lagen vor uns.

Jetzt mussten wir eilen über den Fluss zu kommen, denn der Feind näherte sichin grossen Massen. Vier dicke Balken wurden zusammengebunden und jedes Pferd einzelnhinübergeführt, was einen so grossen Aufenthalt verursachte, dass wir zuletzt die Pferdelosmachen und mit Schlägen und Stössen in Wasser und Sumpf treiben mussten. Diefeindliche Artillerie beschoss uns zwar, konnte indess wegen der Terrain-Beschaffenheituns nicht näher kommen. Hinter uns war ein junger Birkenwald, in welchem ich meineSoldaten so zerstreute, dass ich den Rückzug fortsetzen konnte. Nicht weit von hierlag eine Wassermühle mit grosser Stauung. Dort wollte der General sich setzen undden Secours abwarten, den man im Anmarsch glaubte. Allein die Stauung war gegenunsere Erwartung so trocken, dass man von allen Seiten durchgehen konnte; wir fandendort ein Bataillon flnnländischer Gardeschützen unter dem Befehl des Oberst Ramsey. 2 )

An demselben Tage wurde ich vom ersten Bataillon unseres Regiments mit sechsKanonen der zweiten leichten Batterie abgelöst. Es war fast Abend geworden, ehe ichden General Poleschko erreichte. Seine Begrüssung war sehr herzlich: „Wie schön, dassDu hier bist, ich gestehe, dass ich fürchtete, Dich als Opfer bei den Fahnen und Kanonenzu lassen."

Der Verlust an Leuten war gottlob nicht so bedeutend, als ich gefürchtet. EinigeSoldaten waren gefangen und zwei Fähnriche blessirt, Marquis Paulutzi durch eine Kugel,Heidenreich hatte einen Lanzenstich.

!) Ein Lette.

2) 1872 Generallieutenant und Mitglied des Kriegsratlis. Er wurde verwundet.