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1 (1887)
Seite
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Deutlich hörte man das Gerassel der feindlichen Kanonen, die sich nahten. Linksvom Walde bemerkte man durch eine offene Stelle des Waldes zwei Bataillone mit Ge-schützen heranziehen, um unsere linke Flanke zu umgehen.

Ein Unteroffizier meldete, dass wir eingeschlossen würden, und während dieserMeldung traf auch schon ein Kosak ein, der gleichfalls meldete, dass von rechts grosseMassen anmarschirt kämen. Wir sahen auch aus dem Walde grosse Colonnen deboucliiren.Mir blieb nur Zeit zur Flucht, um nicht in Gefangenschaft zu gerathen. Es war einschrecklich unvergesslicher Augenblick. Der Feind glaubte sicher uns alle zu fangen.Es trat eine Todesstille ein, alle warteten auf meinen Befehl. Mir schlug das Herz,ich glaube hörbar, da gab ich das Signal „sich zu sammeln". Es ertönte das Horn undvon allen Seiten eilten alle herbei. Da rief ich: „Compagnie links um, kein Schussdarf fallen; folgt mir im Laufschritt; wird jemand blessirt, darf kein Kamerad zurück-bleiben, die Polen sind keine Asiaten, niemand wird Verwundeten etwas zu leide tlmn,haltet Euch soviel als möglich in Reih und Glied."

Wir nahmen den kürzesten Weg durch deii kleinen Fluss, um vor der feindlichenColonne die Strasse zu erreichen. Wir kamen glücklich hin, obgleich wir von der rechtenSeite aus dem Walde mit einem Schnellfeuer begriisst wurden; den Weg konnten sie unsideht mehr versperren.

Fast alle waren athemlos, einige stürzten erschöpft hin und wurden gefangen.Mein Freund Mesaydof hing sich an meinen Ann, er konnte kaum weiter. Ich fragte,ob er blessirt sei. „Nein nur erschöpft." „Dann lass mich los, ich bin auch müde."

Wir hatten glücklich einen Vorsprung errungen, machten einige Minuten Halt, dieTirailleurs mussten voraus und wir setzten unsere Retirade noch 7 Werst fort, wurdenwährend dessen von der Vorhut der Polen gedrängt, fanden aber Schutz durch den Wald,der von beiden Seiten den Weg deckte, wodurch es möglich wurde, dass wir uns rettenund das Dorf Dolgosedli erreichen konnten, wo der General geblieben war, um den Ver-lauf unseres Abzuges abzuwarten und uns abzulösen. Durch einen Kosaken-Offizier hatteer erfahren, was geschehen war und wie wir glücklich durchgekommen. Drei Wege ver-einigten sich bei diesem Dorfe und an dem mittleren Wege lagen grosse aus Stein gebauteKrüge x ) mit Nebengebäuden, hinter denen die ablösenden Compagnien standen.

General Poleschko kam mir entgegen, dankte, lobte mich und wies mich zurReserve-Artillerie. Während wir noch so sprachen, hörten wir von zwei Seiten dasGerassel von Cavallerie und Artillerie, welche aus dem Walde debouchirten. Da com-mandirte der General: „links um!" und ich blieb in der Avantgarde. Im Dorfe hatteman so viel als möglich niedergerissen, damit ihre Cavallerie ungehindert weiter könnte.Hinter dem Dorfe war eine Niederung, die von einem sumpfigen Flüsschen durchschnittenwurde und mit einer Brücke versehen war, die nach dem Passiren unserer Kanonen ab-gebrochen wurde.

Ich blieb diesseits stehen, um bei Verfolgung die Cavallerie abzuhalten. Letzterekam jedoch zu spät, mein Zug, sowie die Tirailleurkette kamen noch hinüber. In diesem

i) Häuser, Gasthöfe, wo Bier und Branntwein verschenkt wird.