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Unsere Lage war zweifelhaft, vorzudringen unmöglich, die Strassen eng, fast jedesHaus musste erstürmt werden, was viel Menschenlehen kostete.
Der erste Brand entstand dadurch, dass vor einem Hause eine Menge erschlageneSoldaten lagen, um welche sich viele andere sammelten, auf die nun scharf gezielt wurde.Ich eilte hin um Ordnung zu schaffen, fand eine Bude mit Rumfässern und Zucker, überwelche sich die Soldaten hergemacht, sie tauchten den Zucker in den Rum und sogen biszum Trunkenwerden daran.
Viele nahmen mit, was sie in der Eile erreichten. Ich befahl daher, die Rum-fässer auszugiessen, um ärgeren Spectakel zu vermeiden. Diese Unruhe benutzten dieTürken, sich in die Häuser zu verstecken, um jeden niederzuschiessen, der sich nahenwürde.
Nun wusste ich mir nicht anders zu helfen, als zu befehlen, den auf der StrasseÜiessendeii Rum anzuzünden. Vorher hatte ich einige Anker für Schwache und Krankefortgeschafft, und was wir brauchen konnten mitgenommen, sowie auch leere Flaschen,die mit Wasser zur Erfrischung von Sterbenden und Blessirten gefüllt wurden.
Ein sogenanntes „Schnelllicht" der Artilleristen liess ich in ein Bündel Henstecken und als es brannte, ging das Feuer weiter, so dass der Feind nach allen Seitenflüchtete und wir Luft bekamen. Der Wind, der anfangs das Feuer zu uns trieb, wandtesich auf einmal, und verfolgte den Feind. Es war ein schauerliches Mittel, den Feindfortzuschaffen, aber es half, wir konnten uns sammeln und handeln.
Zu Anfang des Sturmes war das Schiessen sehr heftig, so dass von der Bedienungder beiden Kanonen nur noch ein Offizier und Unteroffizier übrig geblieben. Es wurdendaher zwei andere Kanonen von der 21. Batterie des Oberstlieutenants Sebrikof gesandt.Der unglückliche Brand, den ich in meiner Verzweiflung anlegen liess, wurde das Signalzum Brande der ganzen Stadt; was erlaubt man sich nicht alles im Kriege! Nur dadurchwurden wir die Sieger! Viele Heubunde der Cavallerie flogen- ins Feuer, um es zu ver-stärken, wir gingen dem Feuer nach. Das Gemetzel in den Strassen, auf den Dächernder niedrigen Häuser ist nicht zu beschreiben, jedes Haus wurde von den Türken ver-theidigt, Feuer' und Schwert wiithete entsetzlich. Der Stadttheil, in welchen ich mitden Kanonen eingedrungen, wurde von christlichen Armeniern bewohnt; sie kleidetensich aber wie Türken, weshalb keine Gnade stattfand. In ihrer Angst brachten sieihre Heiligenbilder, hielten sie vor sich und riefen „Christus", womit sie sich zu erkennengeben wollten. Die Sodaten waren aber unerbittlich, zogen wohl die Mützen vor denHeiligenbildern, schlugen das Kreuz, stürzten aber doch mit dem Bajonet auf alle los,die ihnen entgegen kamen.
Ein Stimm ist wohl das allerschrecklichste, was der Krieg bei all dem Gräulichenmit sich bringt, dabei das Plündern, welches durch keine menschliche Kraft verhindertwerden kann, selbst wenn der Tod unvermeidlich ist.
Der Sturm dauerte bis zum Anbruch des Tages. Dem Feind war seine letzteHoffnung genommen, die goldne Brücke, wie sie sie nannten, da sie die letzte Fluchtsichern sollte. Jetzt sah man weisse Fahnen flattern und es ging zur Kapitulation.Trommeln wirbelten, der Sturm hatte ein Ende und das Schiessen hörte allmählich auf.