Druckschrift 
1 (1887)
Seite
276
Einzelbild herunterladen
 

— 276 —

dennoch Folge. Ich fand den Gutsherrn, einen ehemaligen General, umgeben von drei,mir gänzlich fremden, stattlichen Männern, im Lehnstuhl sitzend. Auf meine Frage nachseinem Befinden erhielt ich keine Antwort, dagegen wurden mir von dem scheinbar vor-nehmsten der drei fremden Männer gleichfalls mehrere Fragen vorgelegt, die ich sicht-barlich zur Zufriedenheit beantwortete. Zur Eidesleistung aufgefordert, musste ichschwören, von alle dem, was ich alsbald hier hören oder sehen sollte, niemand auch nurdas mindeste zu erzählen bei Strafe selbst das Leben zu verlieren. Der General ver-langte hierauf das heilige Abendmahl, welches ihm von mir gereicht wurde; nachdemwir vorher noch ein kurzes Gebet zusammen verrichtet, öffnete einer von den anwesendendrei Männern die Thür zu dem anstossenden Zimmer, wo ich einen Block und auf dem-selben ein blankes Beil liegen sah. Herein traten nun infolge eines gegebenen Zeichenszwei roth angekleidete Männer, die ich für Scharfrichterknechte ansah, und es auch, wieich gleich erfahren sollte, wirklich waren. Es erfolgte nun die Verlesung eines Urtheil-spruches in schwedischer Sprache; man verband dem General die Augen, es winde ihmgeboten niederzuknieen und den Kopf auf den Block zu legen. Einige Secunden späterhatte der Scharfrichter schon sein Amt vollzogen und den Kopf vom Rumpfe getrennt.Den Körper in einen bereit gehaltenen Sarg legen, Block und Beil, sowie die Blutspurenoberfläclilicli entfernen, das war gleichfalls das Werk einiger Minuten, so dass ich in Zeitvon einer Stunde wieder in meiner Wohnung angelangt war und dort erst Müsse gewann,über das Geschehene nachzudenken. Das Schweigen hatte ich eidlich gelobt, nicht aberdas Schreiben, dennoch war Vorsicht nöthig. — Niu - diesem letzteren Umstände ist es daherauch wohl zuzuschreiben, dass das Manuscript erst in imsern Tagen zur öffentlichenKenntniss kam und geben wir die Erzählung so, wie sie uns zu Ohren gekommen, ohneirgend welche Garantie für die Wahrheit derselben zu übernehmen. Schliesslich bemerkenwir, dass die uns genannten Orts- und Personennamen aus Rücksicht für die noch lebendenFamilien nicht publicirt werden konnten."

Wir sehen, dass die Darstellung dieser Begebenheit im allgemeinen mit den Mit-theilungen in der Flugschrift der Stralsunder Druckerei und des Predigers zu Stuchowübereinstimmt und noch glaubwürdiger wird, wenn der Feldherr wirklich am „28. No-vember", wie Gaulien angiebt, und nicht am „14. Juni", wie Familienangaben besagen,gestorben ist und der obige Vorfall sich in Spyker zugetragen hat. Das SchlossSpyker gehört zum Sprengel der Kirche von Bobbin, über die der Feldherr sogar Patronwar und wo sich mancherlei unwesentliche Aufzeichnungen und Andenken von ihm vor-finden, seines Todes aber mit keiner Silbe erwähnt wird.

Gadebusch sagt im Manuscript Bd. 3 p. 333, dass der Feldherr eine Zeit lang(etliche Jahre) gekränkelt habe und den 27. des Brachmonats (Juni) 1676 auf seinemLandsitze Spyker verstorben sei.

Ist also Graf Wrangel wirklich zu Spyker gestorben, so scheinen Gründe ob-gewaltet zu haben, ihn nicht in dem Bobbiner Kirchen-Todtenregister zu führen.

Im Jahre 1859 beschloss Oberst Carl Freiherr von Wrangel (XX 66), sichdurch Oeffnen des Sarges Carl Gustavs Aufklärung über das räthselhafte Lebensendedes Feldmarschalls zu verschaffen, was ihm indess nicht gelang, da der Eingang des