25S
Nachdem der Kurfürst 500 Musketiere unter Graf Dünhof als Besatzung undzur Bedeckung der Gefangenen in Rathenow zurückgelassen, eilte er mit schwacher Be-deckung bis Bamme voraus, erwartete dort seine Reiter und die wieder auf Wagen ge-setzten 500 Musketiere, und fort ging es trotz strömenden Regens und völlig aufge-weichter Wege, bis man in der Nähe von Barnewitz, 3 y 3 Meilen von Rathenow, bei fastvöllig eingetretener Dunkelheit nach 9 Uhr abends 1 ) (10. Juni) die Nachhut der Schwedenlagernd fand.
Sofort anzugreifen war mit der Reiterei bei der Nacht nicht thunlich, aber zumMorgen erwartete man um so sicherer den Kampf. Die Pferde blieben gesattelt, umjeden Augenblick bereit zu sein, und der Kurfürst brachte die Nacht in seiner Kaleschezu. Die Seinigen legten sich alle um ihn herum und es regnete die ganze Nacht. BeimAnbruch des Tages fand man jedoch, dass die Schweden unter dem Schutze der Nacht sichzurückgezogen und die Nachhut bei der Rhinbrücke hatten stehen lassen.
Schnell wurde nun aufgesessen, der 71jährige Generalmajor Liideke übernahm mit1000 Pferden des rechten Flügels die Vorhut, und fort ging es in rasender Eile. Ueberallstiess man auf die Spuren eines in Unordnung stattgefundenen Rückzuges: da lagen nebentodten Pferden Panzer, Waffen aller Art, umgestürzte Wagen, und alles liess daraufschliessen, ..dass der Feind in dem Bewusstsein war gejagt zu werden und die Furchtschon zwischen ihm sei".
Und in der That herrschte bereits eine Verwirrung unter den Schweden, wie sieweniger den schon erlittenen Verlusten, als vielmehr dem unsichern Gefühl zuzuschreibenist, dass man bei völliger Unkenntniss über Stärke und Stellung des Feindes sich ineinem fast labyrinthischen Terrain befand. Nicht unwesentlich trug sicherlich die Un-einigkeit der schwedischen Generale dazu bei, die ohne einen festen, einheitlichen Ober-befehl, nun die grössten Fehler begingen. Schon ihre erste Aufstellung war schlecht,der rechte Flügel war fast ganz vom Centrum getrennt, und eine dominirende Höhe vorder Front, die das ganze Schlachtfeld beherrschte, war gar nicht besetzt. Ausserdemaber liess man die günstige Gelegenheit unbenutzt, die schwachen, total ermattetenTruppen des Kurfürsten anzugreifen, bevor die nachrückenden Unterstützungen heran seinkonnten. Es stellte sich somit immer bestimmter heraus, wie sehr hier die Oberleitung desabwesenden kranken Feldherrn fehlte; die Uneinigkeit unter den Generalen erreichte zu-letzt solchen Grad, dass es beinahe zum Handgemenge unter ihnen gekommen wäre. Derin Abwesenheit des Feldherrn commandirende Stiefbruder desselben, der GenerallieutenantWölmar Baron von Wrangel, schien seiner Aufgabe nicht gewachsen zu sein und wardausserdem von den übrigen Führern mit eifersüchtigen Augen betrachtet. Nur so lässtes sich erklären, dass er, während man bei einem Train von 3000 Fahrzeugen hättesuchen müssen durch die Arrieregarde den Feind möglichst weit entfernt zu halten, diezur Vertheidigung günstigsten Punkte jedesmal vorzeitig aufgab.
Der Weg führte die zum Tlieil im Galopp dahin jagenden Brandenburger, voranGeneralmajor Liideke mit 1000, dahinter Oberstlieutenant von Sydow mit 200 Pferden,
f) So mehrere gleichzeitige Berichte, während andere die Ankunft erst um 1 Uhr nachts, also am 17. Juni früh, eintreten lassen,eine Differenz, die sich wohl aus dem Eintreffen der verschiedenen Truppentlieile erklären lässt.