— 254 —
i
.fahre 1674 ist er wieder kriegerisch thätig in den Kämpfen zwischen Schweden undBrandenburg.
Am 15. des Weinmonats stattete Graf Wrangel der Königlichen Frau Mutterseinen Bericht ab, welches etliche Stunden dauerte.
Tags zuvor hatte er noch auf seinem Schiffe den englischen Botschafter GrafenCarlisle, welcher aus Moskau zurückkam und nach Polen ging, sehr prächtig bewirthet.
Im Jahre 1674 erhielt er den Befehl über die Armee in Pommern, welche aufFr ankreichs Antrieb den Kurfürsten von Brandenburg, bei welchem Graf Wrangel sehrviel galt, angreifen sollte.
Der Geheimrath Brand, damaliger kurfürstlicher Abgesandter zu Stockholm,berichtete: „Die Schweden und der französische Abgesandte zu Stockholm — Freuquerres —wären noch nicht völlig einig, und jene rühmten sich, sie wollten ihre Truppen inDeutschland auf eigene Kosten unterhalten. Graf Wrangel war zu Schiff gegangen,ohne von Freuquerres Abschied zu nehmen, weil unter ihnen ein Zwist entstanden war,oder weil man andere täuschen wollte. Jedoch Hess ihn Freuquerres durch einen Edel-mann nacli Pommern begleiten, wohin auch aus Frankreich Vitry geschickt worden, umGraf Wrangeis Anordnungen zu beobachten. Johann Gyldenstjerna, welcher der Björn-kloschen Partei angehörte, sagte spöttelnd: „Graf Wrangel zögein den Krieg, der dochan Händen und Füssen schwach wäre".
Zu gleicher Zeit hatte der schwedische Gesandte am französischen Hofe, PeterSparre, dem Könige von Frankreich die Versicherung gegeben, es wäre dem GrafenWrangel eingebunden worden, die Feindseligkeiten anzufangen und sich Berlins zu be-mächtigen. Nichtsdestoweniger ward dem Grafen Wrangel befohlen „er solle die Feind-seligkeiten so lange einstellen, bis man sehen würde, wie das Gewerbe des Grafen Brahe,welcher zwischen Dänemark und Schweden einen Bund scliliessen sollte, zu Kopenhagen ab-liefe, und ob der Kurfürst aus dem Elsass zurückkehren werde, da alsdann dort die Machtder Verbündeten von selbst einstürzen würde".
Mit solcher Hoffnung hatte man bisher Freuquerres genährt. Als dieser merkte,dass die Schweden unter dem Vor wände der dänischen Unterhandlung Zeit zu gewinnentrachteten, drang er mit heftigen Schriften in sie und verhiess die Vorausbezahlung reich-licherer Hilfsgelder, wenn sie ohne die dänische Entschliessung abzuwarten, dem Kur-fürsten ins Land fielen. Demzufolge wurde im Wintermonat 1674 ein Eilbote mit ent-scheidenden Befehlen an Graf Wrangel abgefertigt. Von der Zeit an hörte man vonnichts anderem, als von Feindseligkeiten wider den Kurfürsten, welcher nun seinen Ge-sandten aus Stockholm abberief. Als Brand von Steen Bjelke Abschied nahm, liess dieserverlauten, „es thäte ihm leid, dass des Kurfürsten Land dergestalt angefallen würde; das wärefreilich ein offenbarer Krieg; weder er, noch die meisten Reichsräthe, hätten eher etwashiervon erfahren, als bis alles beschlossen und verabredet worden, einen Krieg ohne Ein-willigung des Senats und der Stände zu beschliessen; es rühre blos von der „de la Gar-dieschen Partei" und von Graf Wrangel her; wie diese solches vor denen, welchen sieRechenschaft über ihr Thun zu geben hätten, verantworten wollten, würde dermaleinstihre Sorge sein".