Die Belagerten benutzten daher die scheinbare Unthätigkeit der Schweden dazu,anfangs October eine neue Schanze vor ihren Thoren aufzuwerfen. Doch kaum ist dieArbeit begonnen, so lässt Graf Wrangel sein Geschützfeuer dahin concentriren und ver-eitelt ihnen so auch diesen Versuch.
Mittlerweile langt denn endlich bei den Schweden die erwartete Verstärkung an;sofort werden die neuen Geschütze in die bereits zu ihrer Aufnahme eingerichtetenSchanzen eingefahren und am 0. (16.) October beginnt man den Ort mit glühenden Kugelnzu bescliiessen, so dass Bremen bald an vier Stellen brennt.
Durch die Verstärkung war das schwedische Corps bis auf 12 000 Mann ange-wachsen, obgleich Graf Wrangeis Leibregiment aus Pommern noch nicht eingetroffen war.
Verschiedentliche Abgesandte deutscher Fürsten betrieben während dessen dieUnterhandlungen weiter, und es gelingt ihnen endlich, in Stade einen Waffenstillstand beiGraf Wrangel zu vermitteln, den letzterer auch in seinem Hauptquartier Habenhausenam 16. (26.) October publiciren lässt. Da indessen die Bremer noch immer nicht alleBedingungen annehmen wollen und auch die Lüneburger den Durchmarsch verweigern,bereitet sich Graf Wrangel auf alle Eventualitäten vor und concentrirt beide Lager umHabenhausen, behält die Schanzen zu Arsten am Katten- und Wartthurm besetzt und hältdie ganze Stadt mit seinen Wachen noch umschlossen.
Infolge dieser entschiedenen Massregeln des Reichsfeldherrn, wodurch man seinenfesten Entscliluss bestimmt zu Tage treten sah, begannen die Verhandlungen aufsneue, denen sich auch wieder die fremden Abgeordneten beigesellten; man ward gefügigerund am 13. (23.) November nahm Bremen die ihm gestellten Bedingungen an, so dassman zum Abschluss kam, der denn auch am 15. (25.) November beiderseitig unterscliriebenward. Der Tractat enthielt fünfzehn Artikel.
Nachdem Graf Wrangel noch am 20. (30). November vor Bremens Thoren einegrosse Heerschau, der ein grosser Theil der Bürger mit sehr verschiedentlichen Gedankenbeiwohnte, gehalten, rückten die Truppen von hier aus direct in die Winterquartiere; derReichsfeldherr selbst ging mit seinem Stabe nach Stade, wo er am 22. November (2. De-cember) eintraf.
Der Pöbel Bremens war mit diesem Ausgange der Feindseligkeiten wenig zufriedenund demolirte, um sein Missbehagen zu äussern, im December das Haus des StaatsrathsSpeckhau vollständig, weil man diesem Herrn schwedenfreundliche Gesinnungen zuschrieb.Als sich nun Speckhau bei Graf Wrangel beschwert, entschuldigt sich der Magistratdemiithig, bestraft die Rädelsführer und entschädigt sogar den Staatsrath, so dass sichGraf Wrangel damit zufrieden gestellt erklärt.
Die Schlussverhandlungen mit Bremen ziehen sich durch die ganze erste Hälfte desJahres 1667. Diese Zeit benutzt Graf Wrangel zu Besuchen, unter anderen auch beidem Grafen Anton Günther in Oldenburg. Um den Lesern ein Bild davon zu geben undzu zeigen, wie hoch unser Feldherr Graf Wrangel überall angeschrieben stand, mögenachstehende Schilderung dieses Besuchs liier Platz finden. 1 )'
1 ) Zedier, TJuiversal-Lejicon.