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Nach dem Tode des Königs Carl Gustav wurde der Reichs-Admiral GrafWrangel zu einem der fünf Vormunde für den jungen König Carl XI. ernannt,welcher zur Zeit erst fünf Jahre alt war.
Am 4. (14.) November fand in Stockholm das feierliche Begräbniss des KönigsCarl Gustav statt, wobei Graf Wrangel in dem Trauerzuge als Reichs-Admiraldas Scepter trug.
Mit dem Tode des thatendurstigen Kriegsfürsten Carl Gustav beginnt Schwedenvon seiner hervorragenden Weltstellung herabzusteigen; innere Parteikämpfe schwächenden Einfluss nach aussen und lähmen die innere Kraft; selbst die Reichstage zeigen oftein trauriges Bild vollständiger Zerfahrenheit.
Dieses Parteitreiben war dem Reichs-Admiral vollständig zuwider, er war vorallem Heerführer, der Krieg war seine Leidenschaft; im übrigen ziemlich gleichgültig beiden inneren Streitigkeiten, ergriff er am liebsten dessen Partei, der ihm Aussicht gab,wieder sein Schwert ziehen zu dürfen.
Er liebte eine etwas üppige Lebensweise, aus seinem Gesichte leuchteten durchdas Feuer seines kräftigen Geistes auch die fege grosser Leidenschaft hervor. DerReichs-Admiral war ein Mann der kräftigen That, aber durchaus Gegner des Wort-kampfes und der Intrigue, deshalb entzog er sich möglichst den politischen Umtriebenund verweilte meistentheils auf einem oder dem anderen seiner Schlösser. Seine Graf-schaft lag in Finnland, seine grossen Besitzungen auf Rügen und in Pommern; daher ersich auch gern ausserhalb Schwedens aufhielt, wiewohl wir ihn auch in Schweden aufseiner schönen Besitzung „Sko-Kloster" finden, dessen Schloss seine Schöpfung ist. Ausdiesen letzteren Ursachen finden wir denn auch seinen Namen in den Chroniken währendder nächsten sechs Jahre selten genannt; nur ab und zu tritt er in die Oeffentlichkeit.So feierte er das Osterfest 1662 mit seiner Familie in Pommern; am 20. (30.) März 1663ist er bei der Bestattung der Leiche des auf dem Meere verunglückten Grafen Schlippen-bacli in Stettin zugegen, wohin er von Wolgast aus „mit seiner Gemahlin, dem jungenSohne und einem Fräulein in einer kleinen Flotte von drei Gallioten" gekommen und woihm viele hohe Ehren bereitet wurden.
Am 30. März (9. April) geht Graf Wrangel nach Wolgast zurück, um dort diefür Pommern bestellte Hauptcommission zu verabschieden; die Arrangements Iderbeiziehen sich aber sehr in die Länge, so dass erst am 14. Juli Graf Wrangel imNamen der Krone Schwedens dort den Huldigungseid der Stände entgegen-nehmen kann.
Im Februar 1664 machte Graf Wrangel im Auftrage der Regierung dem öster-reichischen Gesandten Grafen Windisch-Grätz auf der Flotte in Stockholm die Honneurs,was wohl darin seinen Grund fand, dass man dem Kaiser ein kleines Truppencorpsgegen die Türken versprochen hatte.
Den 5. (15.) Mai 1664 trat der Reichstag zusammen, der hauptsächlich dadurchInteresse gewann, dass der Bruder des verstorbenen Königs beantragte, „alleiniger Vor-mund seines Neffen, des jungen Königs, und gleichzeitig Oberfeldherr zu werden".