Druckschrift 
1 (1887)
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

189

wirrung im feindlichen Heere diesen wichtigen Ort zu nehmen. Dies wäre beinahe ge-glückt; denn in der Stadt befanden sich mir wenige Trappen und die Vorstädte undAussenwerke wurden bald genommen. Aber bei der ersten Nachricht von der Niederlagebei Gorzno war der polnische Oberst von Dönhoff, der diesen Angriff voraussah, nach Thorngeeilt. Zwei Stunden vor den Schweden angekommen, stellte er sich sofort an die Spitzeder Vertheidigungsanstalten. von Wrangel sah bald ein, dass nichts auszurichten sei,da er keinen Belagerungspark bei sich führte. Er steckte daher die Vorstädte in Brand,verheerte das Land und zog dann wieder in die Winterquartiere, so dass er am 13. Fe-bruar 1628 in Elbing eintraf.

Gleich nach dem Treffen bei Gorzno schloss Oxenstjerna mit den Polen einenWaffenstillstand bis zum 1. Juni 1629 ab. Schon acht Tage vor Ablauf desselben warGustav Adolf mit Verstärkung in Elbing angekommen. Er beabsichtigte in diesem Jahreden Krieg nach Deutschland zu verlegen und in Preussen nur vertheidigungsweise zuWerke zu gehen. Er hatte zu dem Ende eine bedeutende Anzahl Truppen mitgebracht.Das Erste, was ihm begegnete, war die Nachricht von dem Herannahen der kaiserlichenHilfstruppen für die Polen. Nach einem mit Oxenstjerna gepflogenen Rath ward nunfolgende Disposition getroffen. Torstensons und Rutliwens Regiment nebst einigen an-dern Truppen wurden bei Dirschau, eine andere Abtlieilung bei der Montauer Spitze unddas Hauptheer unter Hermann von Wrangel bei Marienburg in stark befestigte, unter-einander durch Brücken verbundene Lager gelegt. Hierdurch beherrschten die Schwedendie ganze Weichsel, konnten die eigene Zufuhr erleichtern, die des Feindes verhindernund waren im stände, sich gegenseitig, wenn nöthig, zu Hilfe zu kommen. Zugleich er-hielten auch verschiedene Regimenter in Livland Befehl, zum Ersatz herbeizueilen.

Mitte Juni brach der König mit der Reiterei gegen Marienwerder auf. Nach demungünstigen Gefecht bei Stuhm zog sich Gustav Adolf mit seiner geschlagenen Reitereihinter die Mauern Marienburgs zurück und verhielt sich ruhig innerhalb der Ver-schanzungen, welche König Sigismund verschiedene Male ohne Erfolg angriff.

Als bald darauf Unterhandlungen mit dem polnischen König Sigismund begannen,die nach fünf Wochen zu dem Waffenstillstand von Stuhmsdorf 1 ) führten, war unserFeldmarschall von Wrangel mit Axel wh Oxenstjerna und Johann ym Bauer Bevoll-mächtigter. Der Waffenstillstand ward auf sechs Jahre abgeschlossen.

Nach Eroberung der Stadt Elbing wurde der Feldmarschall Gouverneur diesesOrtes. Demnächst erhielt er den Ritterschlag und wurde zur Würde eines königlichenReichsrathes erhoben. Als Gouverneur von Elbing operirte Feldmarschall von Wrangelnoch im Jahre 1628 glücklich gegen den Feind, schlug bei Rador 3000 Polen in dieFlucht, nahm ihnen 1000 Gefangene ab und eroberte nach einander fünf Städte. 1632erfolgte seine Ernennung zum Gouverneur in Preussen.

Um diese Zeit hätte der Kurfürst von Sachsen, als Arnheim verdächtigt wurde,Hermann von Wrangel sehr gern in seine Dienste genommen, allein dessen Monarchversagte seine Erlaubniss hierzu.

i) Stuhm in der Altmark.