Druckschrift 
1 (1887)
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

— 134

Ansicht Gaulies anschliessen. In dieser Predigt wird uns nämlich erzählt, dass Helm zuk'oyl in Livland geboren sei, dass sein Vater aber bald gezwungen geworden von dortauszuwandern. Auf diese Weise sei Helm über Ungarn nach Lübeck und Lüneburg, wosein Vater der Jägermeister der Stadt geworden sei, gekommen. Letzterer Umstand magdie Ursache gewesen sein, dass Boeder unsern Helm aus Deutschland stammend annimmt.Auch die in der Wrangeischen Grabkapelle zu Wismar unter seinem Wappen ange-brachte Inschrift deutet, indem sich Helm ausdrücklich „Herr zu Selchis" nennt (was auff Olsburg hinweist), auf seine Abstammung aus Livland hin. Wenn 111111 Hermann vonWrangel(15), wie mit ziemlicher Bestimmtheit anzunehmen ist, der Vater vom JägermeisterHelm von Wrangel gewesen ist, so wäre nach der Stammtafel Helm ein naher Vettervon dem Feldherrn und Feldmarscliall Carl Gustav Graf Wrangel-Salmis (VI 6).

Helm hat ein vielbewegtes, thatenreiclies Leben geführt, und sein Name ist vielfachauf den Blättern der Geschichte verzeichnet. Schon von frühester Jugend an zeigte ereine besondere Neigung für den Kriegerstand und als Schweden den Krieg mit Polen begann,trat er in königlich schwedischen Dienst in das Calenbergische Regiment zu Pferde. ImJahre 1627 machte er unter Feldmarschall Hermann von Wrangel (VI 2) die Schlacht beiStrasburg in Preussen mit. Helm von Wrangel war ein tüchtiger Reiter und zeichnetesich durch Tapferkeit aus, was ihm nicht allein die besten Zeugnisse seiner Vorgesetzten,sondern auch die Corporal-Charge einbrachte. Da er sich andauernd so tapfer verhielt,avancirte er bald von Charge zu Charge und focht 1631 als Lieutenant in dem grossenTreffen bei Leipzig gegen die kaiserliche Haupt-Armee. Wegen seines ausserordentlichenWold Verhaltens in dieser Schlacht ward Helm zum Rittmeister befördert und nach derSchlacht bei Lützen 1632 erhielt er das Commando über eine Escadron Reiter undward Oberstlieutenant. Als solcher führte er besonders 1633 unter dem Feldmarschallvon Horn 1 ) eine Reihe glänzender Heldenthaten aus.

Als der Feldmarschall von Horn im Juli 1633 gegen Ingolstadt operirte, entsandteer die beiden Oberstlieutenants Helm von Wrangel und Delori gegen Memmingen, um dasKloster Buxheim auszufouragiren. Als Helm sich mit seinen 150 Reitern der StadtMemmingen nähert, brechen plötzlich aus diesem Orte 600 Bayern mit 200 Reitern her-vor und formtreu sich, um das kleine Häuflein Schweden zu umzingeln und gefangen zunehmen. Heiin lässt ihnen jedoch liierzu keine Zeit, er attaquirt sofort und mit solchemUngestüm und Glück, dass er nicht blos den Feind wirft, sondern ihn bis vor die Thoreder Stadt verfolgt, von demselben 150 Mann niederhaut, 100 Mann verwundet, viele Ge-fangene macht, 60 Pferde und allen Proviant erbeutet und mit dieser Siegesbeute wohl-behalten nach Bobenhausen, von wo aus er seinen Streifzug begonnen hatte, zurückkehrt.

Im folgenden Jahre wurde Regensburg von den Kaiserlichen sehr bedroht undFeldmarschall von Horn eilte zu seinem Entsätze herbei. Er hatte auch bereits den Lechüberschritten und wollte sich Aichachs bemächtigen, da warf sich ihm am 11. Juni Jeande Werth bei Nördlingen entgegen und zwang ihn durch einen langen unentschiedenenKampf sein weiteres Vorgehen einzustellen.

*) Geschiclitswerk von Chemnitz und Leiclienpredigt des Helm von Wrangel.