— 100 —
Mit dem Komtliur zu Fellin. Wolter von Plettenberg, war Hans Wrangel vonKybijerwe 1528 Schiedsrichter in einer Streitsache zwischen Bruno Drolshagen undBartholomäus Wulue. Diese Angelegenheit fand indess hiermit noch kein Ende, sondernder alte Bruno Drolshagen setzte seine Klagen 1546 fort und richtete den 5. Maidieses Jahres ein Schreiben an Hans Wrangel, in welchem er denselben bittet, vorGericht auszusagen, was demselben über die Angelegenheit bekannt sei.
Aus einem Verhöre, wegen einer kurz vor der Uebergabe von Fellin durch dieKnechte, die lange keinen Sold erhalten hatten, hervorgerufenen Meuterei geht hervor,dass „Johann Wrangel zu Wrangel" in Gemeinschaft mit dem Bürgermeister undzwei Rathen der Stadt Unterhandlungen mit den Russen gepflogen hat. Von dem, wasverhandelt worden ist, erhalten wir leider keine Kenntniss, nur soviel entnehmen wir ausden Aussagen der Knechte, dass die Feinde einen Brief an den „Herrn" geschickt, woraufdieser die Edelleute zu sich gefordert und mit ihnen die Entsendung genannter Unter-händler berathen habe.' )
32. Jürgen von Wrangel,
Sohn von Hans (15), wird als Besitzer von Kagger, Kassar und auch von Kersellgenannt. Im Jahre 1493 finden wir ihn in einem Conflict mit Arnd Truve wegen einerHolzmark, die dieser von seinen Leuten hatte abholzen und bestellen lassen. Der Prozesswurde am 30. Juli zu Reval von dem harrisch-wirischen Rath verhandelt, wobei Jürgenmit seinen Ansprüchen abgewiesen wurde, da er nicht wie Arnd Truve einen Besitzbriefaufzuweisen hatte. Am 7. September 1493 wird Jürgen vom Ordensmeister JohannFridag von dem Loringhove mit den Dörfern Meresmeke und Pälo in dem KirchspielKoeskull und dem in den Markungen und Scheidungen gelegenen Gesinde Szeydt belehnt.Ferner finden wir ihn als Besitzer von dem Dorfe Lassil, das er gegen Mekes eingetauschthatte und später gegen ein Darlehen den Jungfrauen zu Dorpat als Pfand übergab.
Er hatte zwei Söhne: Jürgen (45) und Hans (46).
45. Jürgen von Wrangel,
Sohn von Jürgen (32), starb 1546 in jugendlichem Alter, nachdem er gemeinschaftlich mitseinem Bruder Kagger und Lassil besessen und 1546 vom Komtliur zu Reval noch belehntworden war.
46. Hans von Wrangel,
Sohn von Jürgen (32), nennt sich 1547, nach seiner Besitzung Rojel, Wrangel vonRojel. In demselben Jahre wurde er vom Ordensmeister mit dem von seinem BruderJürgen (45) ererbten Besitzungen Kagger und Lassil belehnt.
Ansprüche, die er auf das Dorf Surge, welches er 30 Jahre lang im Besitz gehabthat, machte, wurden nicht anerkannt, da dasselbe in rechtlicher Weise von HermannLode an Thomas Vegesack mit Erbnamen verkauft worden war. Anders verhielt es sichindessen mit Kagger und Lassil, welche ihm zugesprochen wurden. Schon 1539 warihm der Besitz derselben streitig gemacht worden. Jacob Tuve hatte diese Güter von
*) Scliirren, Quellen zur Geschichte des Unterganges livländischer Selbständigkeit, Keval 1S63, 1-5. VI p. 200.