Ursprung des Geschlechts von Wrangel.
Unter den vom Könige Woldemar II. nach der ersten Eroberung Estlilands (1219)zur Besetzung des auf der Stelle der zerstörten Esthenbnrg „Lindarisse" erbautenfesten Schlosses — Revele oder Reval — zurückgelassenen Mannen des Königs (viriregis) werden sich verhältnissmässig wenige National-D änen befunden und auch vondiesen wenigen wird ohne Zweifel der grösste Theil Esthland verlassen haben, alsdasselbe 1227 von dem Orden der Schwertbrüder in Besitz genommen wurde. Selbst als1238 das Land, nachdem es während der zehnjährigen Ordensherrschaft völlig germanisirt' worden war, wieder für die Dauer an den König von Dänemark gekommen, fandein Andrang von Dänen zur Colonisation des Landes nicht statt. Den schlagendstenBeweis dafür liefert das Kataster der revalschen Diöcese. Die meisten der dortaufgeführten Grundbesitzer sind zwar nur nach ihren Vornamen benannt; diese sindaber in der grossen Mehrzahl deutsche. Unter den nahe an 200 im Kataster verzeich-neten besitzlichen und besitzlicli gewesenen Personen führen nicht mein' als zwölf Namen,welche man mit einiger Sicherheit als speciflscli dänische bezeichnen kann, nämlich:Dominus Haelf, Dominus Iwarus, Kanutus, Nicolaus Danus de Arus, DominusOdwardus, Dominus Saxo, Tliort Foghoe, Dominus Tuki Wrang, Dominus Tuki,Tuvi Colloe, Tuvi Leos und Dominus Tuvi Palmisson.
Diese verschwindend kleine Zahl wird sich aber bald den Deutschen assimilirtoder den Besitz in Esthland aufgegeben haben, denn in der Folgezeit finden wir unterden königlichen Vasallen Estlilands nur ganz vereinzelt dänische Namen, wie z. B. Wagen,Nicolaus Agonis Filius und Tuki Paltessum im Jahre 1259 u. s. w., und wenn späternoch welche genannt werden, so gehören diese fast ausschliesslich königlichen Beamtenoder Personen aus dem geistlichen Stande an. 1 )
Ausser vielleicht der Familie „Foghoe" (Fock) dürfte aber, wenn der obenmiterwähnte Tuki Wrang dem nachmaligen Wrangeischen Geschlecht angehört, diesesdas einzige in Esthland dauernd eingebürgerte dänische Adelsgeschlecht sein. Von diesemTuki Wrang erfahren wir aus der Landrolle, dass er verschiedene Gebiete in Harrien
!) Das Herzogtlium Estliland unter den Königen von Dänemark von Dr. Friedrich George von Bürge (Gotha, Perthes, 1877).„Liber census Daniae" oder „König Woldemars Jordebog, d.i. König Woldemars Erde- oder Grundbuch" (enthalten in Langebeks Scr. rer.Dan. VH, 507—513). Pergament-Codex des 13. Saec. im Antiquitäten - Cabinet in Stockholm: zwischen 1225 und 1250 (wohl 1210bis 1212), pag. 91.