war. Sämmtliche auf diese Weise eingezogenen Lelien wurden indessen nicht zu derDomäne geschlagen, sondern wieder verlehnt, und zwar einmal den Gliedern des Lehn-liofes, sodann anderen Rittern.
Aehnlicli wie in Esthland gestalteten sich die Verhältnisse in Livland; hörenwir, was uns Russwurm über letzteres Land in seiner Geschichte der „von Ungerh-Sternberg" (Breslau 1S75, Bd. I) sagt.
„Livland war zwar entdeckt, und durch Meinhardt das Christenthum dort ver-kündet worden, aber bisher mit wenig Erfolg. Da ward 1199 Albrecht von Apeldern,auch von Bikeshovede oder Buxhöwden genannt — beides benachbarte Dörfer beiBremerhaven —, zum Bischof ernannt, und dieser unermüdliche Mann ist der Gründerdes livländischen Staates geworden. Getränkt von dem Geiste der Kreuzzüge, begeistertfür die Ausbreitung des Christenthums, hielt er sich für berufen, die Reste des Heiden-tlmms im nördlichen Europa zu überwinden. Daher sandte er zahlreiche Missionäre aus,knüpfte Verbindungen mit den benachbarten Fürsten, sowie mit den Aeltesten der Liven,Letten und Esthen an, beförderte den Handel von Gotland und Lübeck aus und bautefeste Burgen zum Schutz der neuen Pflanzung.
Doch nicht immer reichten friedliche Mittel aus, die mit den Eingeborenengeschlossenen Verträge aufrecht zu erhalten und die freie Verkündigung des Evangeliumszu schützen. Es entstanden Kämpfe, die nur durch zahlreichen Zuzug aus den Christen-ländern durchgeführt werden konnten. Deshalb bewirkte er, dass Papst Innocenz HL inseiner Bulle vom 5. October 1199 die Pilgerschaft nach Livland, dem „Lande der MutterGottes", für ebenso vollständig Sünden vergebend als einen Kreuzzug nach Jerusalemoder eine Reise nach Rom erklärte.
Demgemäss durchzog Albrecht rastlos Deutschland, verkündigte das Kreuz, sam-melte Pilgerscliaaren, schiffte mit ihnen im Frühjahr nach Livland und zwang mit diesenbewaffneten Missionären die besiegten Feinde haufenweise zur Unterwerfung, zur Taufeund zu dem Gelöbniss, den Zehnten an die Kirche zu zahlen. Hatten die Pilger einJahr lang im Lande der heiligen Jungfrau gekämpft, so kehrten sie mit Beute beladenauf ihren Schiffen zurück, fröhlich wieder der Heimath zusteuernd, da sie nicht nur Schätzeauf Erden gesammelt, sondern auch das wohl verbriefte Recht auf den Himmel sicherworben hatten. Der Bischof aber begleitete die Pilger nach Deutschland, um neue undimmer zahlreichere Schaaren mit dem Kreuze zu bezeichnen.
Dreizehnmal hat Bischof Albrecht auf diese Art Pilgerscliaaren nach Livlandgebracht, denn das Land der heiligen Jungfrau musste von Heiden gereinigt und dieHerrschaft des Kreuzes Christi um jeden Preis aufgerichtet werden. Aber nicht nur aufdie zeitweilige Hilfe der Pilger verliess sich der Bischof Albrecht, sondern bald nach derGründung Rigas 1 ) (1201) stiftete er 1202 den Orden der Schwertritter zum bleibendenSchutze seiner jungen Kirche, und unter den Pilgern fesselte er die tapfersten Ritterdurch Belehnungen, oft mit ganzen Kirchspielen, wodurch sie Vasallen der Kirche zuRiga wurden."
1) Breslau, 1875; Bd. I, Vorgeschichte und Ordenszeit p. 5.