letzteren Landschaft sehr viele ihrer Lehen für verlustig erklärt und vertrieben wurden.Unsere Familie Wrangel betraf dies nicht; denn wir finden sie unausgesetzt in Esthlandund Livland, sowie in Hamen und Wirland ansässig.
Was nun den Besitzstand anbetrifft, so bezeichnet der Liber census, nach welchemdie Landrolle etwa 1240 aufgestellt ist, unter allen Gütern nur in einem Falle den Kaufals Besitztitel. Die früheren Käufe müssen somit durch Lehnbriefe bereits bestätigtgewesen sein.
In Harrien finden wir fünfzehn Vasallen, die gewaltsam in den Besitz vonGebieten gekommen. Dagegen erscheinen in Wirland nur sieben an Stelle Vertriebener.Von den fünfzehn harriscken Vasallen werden an dem Namen als Dänen sechs, alsDeutsche neun erkannt. In Wirland sind von den sieben nur zwei Dänen, die übrigenfünf Deutsche. In beiden Landschaften aber stammen sie aus angesehenen Geschlechtern;entweder sie führen bekannte Geschlechtsnamen, oder ihrem Namen steht der Titel„Dominus" vor.
Prüft man nun die Geschichte der beiden Landschaften vor dem Vertrage zuStenby und bis zum Schluss der Sechsziger des Jahrhunderts, so findet sich durchaus keineandere Begebenheit, die uns den Sclilüssel zu den Besitzveränderungen geben könnte, alsdieser Vertrag selbst.
Durch ihn erhielt König Woldemar die Landschaften Harrien und Wirland zu-rück, die er 1219 erobert. Letztere war ihm schon 1225 von den auf eigene Faustkämpfenden deutschen Pilgern und Stiftsvasallen aus dem Stifte Dorpat eigenmächtigentrissen worden, während er erstere um zwei Jahre später an die Schwertbrüder verlor,die dann die Oberherrschaft in beiden Landen sich aneigneten. In betreff von Wirlandsei noch bemerkt, dass dasselbe vor dem Frieden von Stenby vom päpstlichen LegatenWilhelm zn Händen des Papstes genommen worden, und als solches Land (nicht alsOrdensland) ist dasselbe 1238 an Dänemark gekommen, dessen König den daselbst eigen-mächtig eingedrungenen deutschen Vasallen ihre Lehen bestätigte.
Der Orden fuhr rüstig fort, sich in dem neuen Besitze zu befestigen, und vorallem wollte er die deutschen Parteigänger an sich binden. Lange Zeit hindurch warendie Pilger meist eben so rasch fortgegangen, als sie gekommen; spärlich liessen sicheinige anfänglich in den Stiftern nieder, dann mehrere, und im Jahre 1228 werden diesePilger Alberts, Bischofs von Riga, schon nicht ohne Einfluss gewesen sein.
Was dieses Stift respective Erzstift Riga anbetrifft, so ist dasselbe nie dänischgewesen, und können wir auch infolge dessen diese Pilger nicht als Vasallen diesesStiftes bezeichnen.
Der Orden war, besonders in der ersten Zeit, wenig wählerisch bei der Aufnahmeneuer Mitglieder, und müssen sie streng von den Vasallen auseinander gehalten werden.Um Vasall in einem heidnischen Lande sein zu können, gebrauchte man Vermögen undGefolgschaft; zudem kommen unter den Ordensrittern nur sehr ausnahmsweise Namen derbekannten Vasallengeschlechter von Livland und Esthland vor. Ein Ordensritter brauchtenur ein gutes Schwert zu haben; alles übrige stellte ihm der Orden. Mächtiger indessenwaren sie seit 1224 im Stifte Dorpat. War doch ihr Stand gleichsam zusammen mit