Druckschrift 
Partikularismus und Einheit der Deutschen Nation
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

— 24 —

grossen Schwierigkeiten verbunden ist. Und dieser vielgestaltigeSüden, dem alle Voraussetzungen zur Bildung eines grossen, ein-heitlichen Staatswesens fehlen, hängt mit dem mittlem Deutsch-land aufs engste zusammen. Wie in Griechenland das aufallen Seiten eindringende Meer die Rolle eines Vermittlers derabgeschiedenen Kantone wahrnahm, so haben in DeutschlandRhein und Main mit ihren Nebenflüssen die Vermittlungzwischen dem Süden und Norden übernommen. Ja. derRhein ist eine Völkerstrasse in viel höherm Sinn alsNil und Euphrat; was das Mittelmeer für die Völker schonim grauen Altertum war, das hat der Rhein für Deutschlandgeleistet. Aus immer fliessender Urne spendet der Flussgottden Anwohnern in Süd und Nord in reicher Fülle seinesegenbringenden Gewässer. Wie im Mittelalter der schwäbischeStädtebund enge Fühlung mit den rheinischen Städten hatte,so findet bei den Quellen der Donau eine völlige Ausglei-chung der Gebiete der beiden Hauptflüsse Europas statt, unddank der Vermittlung des Main- und des Ludwigs-Kanalsgreifen diese Gebiete auch nordwärts ineinander. Der Mainmit seinem vielgewundenen Laufe ist nicht nur die Strasse,die von den böhmischen Bergen zum Rhein führt, sondernseine Zuflüsse bezeichnen die Bahnen, die das Mittelgebirgeund den Süden mit der fruchtbaren Flussebene verbinden.Im Mainlande hatte das alte Reich der Thüringer seinen Schwer-punkt; als die Franken es unternahmen, die Thüringer undSachsen zu bekriegen, fassten sie zuerst festen Fuss im Main-thal; in den Kriegen Heinrichs IV. galt Würzburg als derSchlüssel zu dem rebellischen Sachsenlande. Und waren, nach-dem die Preussen im Jahre 1866 Frankfurt besetzt hatten, dieSchutz- und Trutzbündnisse nicht der Ausdruck der Thatsache,dass einer Macht, die das Maingebiet militärisch beherrscht, dieThore zum Süden schon geöffnet sind? 18 )

Frei von natürlichen Hemmnissen des Verkehrs, wird dienorddeutsche Tiefebene von einer im wesentlichen gleichartigenBevölkerung bewohnt, die von jeher eine grössere staatenbildendeKraft bethätigt hat als der Süden. Um zu schweigen von dem Ver-suche desArminius, ein nordgermanisches Königtum zu gründen,und von den politischen Leistungen des salischen Stammes, das-