dasjenige eintreten, was Papsttum und katholische Hierarchieals Recht der Kirche verlangten. Ein solcher Versuch musstenach menschlicher Berechnung eine Erhebung der protestan-tischen Stände, den Zerfall des Deutschen Reichs zur Folgehaben."
Im Anfange des 16. Jahrhunderts waren alle Verhältnisseder Begründung einer straffern Einheit des Deutschen Reichsgünstig gewesen. Nachdem aber das Haupt des Reichs, KarlV.,nach Erziehung und Charakter mehr Spanier denn Deutscherund erfüllt von dem Geist der regenerierten katholischen Kirchein Spanien, es abgelehnt hatte, auf der Grundlage einer völligenTrennung von Rom, getragen von den populären Elementen, einestarke deutsche Monarchie zu begründen, musste die Kirchen-spaltung die nationale Entwickelung unseres Vaterlandes zu-nächst beeinträchtigen, ja zur völligen Auflösung des Reichsführen. Wir sehen um das Jahr 1560 das Fürstentum aufdem Wege zur vollen Souveränität, die kaiserliche Gewaltunheilbar geschwächt, die verschiedenen Bekenntnisse un-vermittelt nebeneinander.
Bei dieser fortschreitenden Auflösung der Verfassungist das Deutsche Reich im 16. Jahrhundert noch immer dasgrösste und volkreichste Land Europas. 15 ) Seine Bevölkerung,in rastloser Bewegung, erfreut sich eines gewissen Gleich-gewichts ihrer wirtschaftlichen Kräfte, einer namentlich in denStädten bis* zum äussersten durchgeführten Selbstverwaltung,einer unter dem Schutze des Landfriedens reich entfaltetenBlüte von Kunst und Gewerbe.
Aber die vielen grössern und kleinern Territorien undRepubliken, in denen sich das politische Leben der Deutschenbewegte, mussten bei der Ungleichartigkeit ihrer Verfassungdas Gefühl der Zusammengehörigkeit in dem Masse verlieren,wie sich die Selbständigkeit der Fürsten ausbildete und diekonfessionellen Gegensätze sich verschärften.
Als sich dann an dem konfessionellen Hader der grosseKrieg entzündete, ward es offenbar, wohin es mit einer Nationkommt, die ihre Einheit verloren hat. Mit dem wirtschaft-lichen Wohlstände des Volkes ging der letzte Rest des Natio-nalbewusstseins zu Grunde. Protestantische und katholische