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Partikularismus und Einheit der Deutschen Nation
Entstehung
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verehrt hätten, gab es nicht; nur allmählich sind ihnen Thorund Wodan bekanntgeworden. Wohl waren einzelne Gruppenvon Stämmen durch gemeinsame Festgenossenschaften ver-bunden. So verehrten alle Suebenstaaten einen heiligen Hainim Lande der Semnonen, so eine Gruppe von Völkern ander Nordsee die Nerthus, die Mutter Erde. 1 ) Auch hatdie Not der Römerkriege vorübergehend mehrere Völker-schaften zu Bündnissen vereinigt: aber der nordgermanischeBund, das Werk des Arminius, und die Monarchie des Mar-bod lösten sich auf, als die Gefahr sich verzogen hatte, undden Gründern selbst wurde der Sturz ihres Werkes verhäng-nisvoll. Wenn in Griechenland in der Form der Hegemoniedoch kleinere Bundesstaaten zustande gekommen warenund die Italiker willig Roms Führung ertrugen, bei denDeutschen war das Gefühl der Selbständigkeit so mächtig ent-wickelt, dass jeder Stamm sich am liebsten einen eigenenKönig gesetzt hätte, dass an diesem Sondergeiste die Eini-gungsversuche immer von neuem scheitern mussten. Dauer-haft erwiesen sich die engern Genossenschaften, die Sippe,der Gau, das Gefolge, der Lehnsverband. In diesen kleinernKreisen aufzugehen und Treue um Treue zu wahren, genügtedem politischen Triebe der Deutschen. Wie in Hellas warindividuelle Freiheit ihre Losung, und zur Ausbildung desLehnswesens haben die Vorstellungen von den Rechten desfreien Mannes ebenso mitgewirkt wie in späterer Zeit zurEntwickelung der Selbstverwaltung in den Städten. Ein Über-schuss männlicher Kraft des Einzelnen hat hier- den Prozess dernationalen Entwickelung zum einheitlichen Staate aufgehalten.

Wenn wir diese Seite des Charakters unserer Nation imAuge behalten, so werden wir vollkommen den gewaltigenUmfang der politischen Arbeit der Pippiniden ermessen, diealle ostgermanischen Stämme in den Verband der fränkischenGrafschaftsverfassung hereingezogen und durch die enge Ver-bindung mit der römischen Kirche ihr Werk gesichert undder Folgezeit neue Bahnen gewiesen haben. Nachdem ihrWeltreich infolge der energischen Entfaltung der deutschenund romanischen Nationalität sich aufgelöst hatte, wurde indem ostfränkischen Teile Heinrich I. Gründer eines neuen