Druckschrift 
Der Adel Schwedens (und Finlands) : eine demographische Studie
Entstehung
Seite
339
Einzelbild herunterladen
 

als Adoptivkinder entboten. Dies war die erste und zunächst-liegende Ursache des Untergangs der Antike.

Setzen wir nun die Analyse fort und fragen, welches dieUrsachen der somit fehlenden Regeneration waren, so werdenwir auf die obengenannten Momente, als jedes in seinem Kreiseund zu seiner Zeit denn sie haben nicht überall gegoltenoder gleichzeitig gewirkt hingewiesen.

Gleichwohl muß man sich davor hüten, aus den Verhält-nissen in Italien gegen Ende der Republik, wo das Latifundien-wesen die Bauern verjagt und die Sklavenbevölkerung einerelative Größe erreicht hatte, die sie die großen Sklavenkriegescheinen mir dies zu beweisen sicher weder früher noch spätererreicht hat, auf die Verhältnisse im ganzen römischen Reichezur Zeit der Antoninen zu schließen. Was dagegen allzu wenigals Ursache der abnehmenden Regeneration in jener Epoche be-achtet wird, das ist die steigende Verbreitung des Christen-tums. Denn dank der asketischen Richtung, die dasselbe baldannahm, wendete es sich feindlich sowohl gegen die Ehe, wieüberhaupt gegen den geschlechtlichen Verkehr so in wie außerder Ehe. Enthaltsamkeit von beidem aus religiösen Gründenwird nach und nach eine der stärksten Ursachen des wachsen-den Volksmangels. Schließlich hat wohl auch das von Diokletianeingeführte Steuersystem in derselben Richtung gewirkt. Alleinalle diese Ursachen sind, wie gesagt, Ursachen zweiter Hand,die erste und unmittelbarste war keine andere als die fehlendeRegeneration teils in der Form des Zölibates, teils in der kleinerFamilien also das Ein- und Zweikindersystem.

Dies ist das Werk des Zweikindersystems und des Zölibatsin der Geschichte. Es liegt indessen so weit ab und ist auch sowenig beachtet worden, daß es für die Menschen der Gegenwartschwer sein dürfte, daraus eine Lehre und Warnung zu ziehen.Es ist daher gewissermaßen ein Vorteil, daß wir dasselbe Systemund seine Wirkungen in dem jetzigen Frankreich vor Augenhaben. Wir sehen hier zwar nicht den Ausgang, können aberdank der modernen Statistik dem Verlaufe folgen und. aus dem,was wir so sehen, unsere Schlüsse ziehen. Wie bekannt, ist dasZweikindersystem in Frankreich als Volkssitte nicht alt, kaumhundert Jahre; es umfaßt auch nicht das ganze Land. Ungefährein Viertel der Departements ist noch ziemlich unberührt davon

22*