verdient, auch bei dieser Gelegenheit wieder angeführt zu werden.„Das ganze Land", heißt es, „leidet Mangel an Kindern undüberhaupt an Menschen, wodurch die Städte volksleer werdenund der Boden keine Frucht mehr trägt, obwohl weder Kriegnoch Pest uns heimsucht. Denn die Menschen haben sich demÜbermut, der Sucht nach Geld und der Bequemlichkeit ergeben;sie wollen sich nicht mehr verheiraten, und tun sie dies, so ziehensie doch nicht mehr als ein, höchstens zwei Kinder auf, diesedles, um sie in Überfluß erziehen und ihnen ein großes Erbehinterlassen zu können". Die bekannte Äußerung des Tacitusvon „ mimerum liberorum finire ", sowie die Aussprüche andererSchriftsteller und mehrere Gesetzestexte ( lex Julia et Papia Poppaea)beweisen, daß dieses System samt dessen Zwillingsbruder „KeineKinder", sowie das Zölibat schon von der letzten Zeit der Republikan in Rom vorherrschend waren. Von allen den Ursachen desUnterganges des Altertums, die die Forschung entdeckt hat, istaber nach unserer Meinung keine, die sich an Umfassung undStärke mit dieser messen kann.
Es ist ganz eigentümlich, daß es der Wissenschaft so schwergefallen ist, dieses mächtigste Ereignis, das die Weltgeschichtekennt, zu erklären. Man hat früher als die hierbei wirksamenUrsachen —• außer äußeren Umständen, wie Pest, Krieg und denEinfall der Barbaren — den Verfall des politischen Lebens unddie allgemeine Sittenverderbnis angeführt. Augenblicklich ist esmodern, das letztere nicht hoch anzuschlagen und die Bedeutungdes ersteren zu unterschätzen, und an Stelle dessen die Erklärungjener Ereignisse in den ökonomischen und sozialen Umwälzungen,welche die Flöfe der Bauern in große, von Unfreien bewirt-schaftete Latifundien verwandelten, wie überhaupt in der überhandnehmenden Anwendung von Sklaven zu suchen. Das letztgenannteMoment hat unzweifelhaft ebenso wie die anderen zu dem Ausgange,den die antike Welt nahm, beigetragen. Ebensowenig aber, wiediese Erklärung betreffs Griechenlands und dessen Untergangs nachAlexander ausreicht, ebensowenig genügt sie, um den Verfallder ganzen antiken Kultur nach den Antoninen zu verstehen.Das größte Hindernis für eine richtige Auffassung dieser Ereig-nisse ist, scheint mir, daß man bei der Analyse nicht zwischennäheren und ferneren Ursachen unterscheidet. Die unmittelbarsteund direkt wirkende Ursache zu dem Untergange der griechischen
Fahl heck, Der schwedische Adel. 22