Druckschrift 
Der Adel Schwedens (und Finlands) : eine demographische Studie
Entstehung
Seite
334
Einzelbild herunterladen
 

vier dazu, so reicht dieselbe Einnahme nicht mehr aus. DieMünder haben sich vervielfacht, die Hände aber, die dieselbenernähren sollen, sind dieselben infolgedessen Armut." Diesein der Privatökonomie selbstverständliche Wahrheit wird dannauf das ganze Volk mit der Schlußfolgerung angewendet, wenn dieVolkszahl auf einer niedrigen Ziffer gehalten oder reduziert wird,wird es allen leichter zu leben. Hierbei vergißt man aber, daßeine Vermehrung oder Verminderung im Volk nicht wie in einerFamilie nur den nicht arbeitsfähigen Kindern gilt, sondern alleAlter umfaßt und somit auch die produktiven. Während in dereinzelnen Familie mit jedem neugeborenen Kinde nur die Mündervermehrt werden, während die Hände, die sie unterhalten sollen,dieselben bleiben, wachsen im Volke die letzteren in entsprechen-dem Verhältnis zu den ersteren. Der Generationswechsel erfolgtnämlich nicht für alle Familien auf einmal, sondern allmählich,so daß das Verhältnis zwischen Mündern und arbeitenden Händen,das in der einzelnen Familie mit jedem neuen Kinde so gewaltigverrückt werden kann, im Volke ungefähr dasselbe bleibt. Des-halb ist diese Art der Argumentierung, obschon auf die ein-zelnen Familien anwendbar, betreffs eines ganzen Volkes voll-ständig sinnlos.

Die Frage, um die sich in dem vorliegenden Falle allesdreht, ist die, ob eine Beschränkung der Volkszahl einem jeden,im Durchschnitt gerechnet, ein besseres Auskommen bereitenwürde als das, welches er hat. Die Neomalthusianer nehmenohne weiteres an, daß dem so sei, und J. St. Mill glaubte offen-bar dasselbe, da er in der Begrenzung der Volkszahl die besteArt, die Löhne der Handarbeiter zu erhöhen, sah. Hierbei be-geht man aber den Irrtum, daß man gerade das, was man be-weisen soll, nämlich, daß der DividendusNationaleinkommen"gleich bleibt, während der DivisorVolkszahl" sich vermindert,als eine selbstverständliche Sache postuliert. Könnte die Ver-minderung nur die nicht produktiven Altersklassen betreffen, sowäre das Rechenexempel freilich klar. Allein aus oben an-gedeuteten Gründen ist dies nicht möglich, wenigstens für nichtmehr als eine ganz kurze Zeit. Wird nämlich in einem gewissenZeitpunkt die Kinderzahl eingeschränkt, so dauert es nicht lange,bis diese kleine Anzahl Geborener erwachsen ist. Jede Ver-minderung der Volkszahl umfaßt deshalb in entsprechendemGrade auch die Arbeitsfähigen. Doch nun entsteht die Frage: