nicht durch die Seltenheit der Ehen verursacht, denn in der Regelsind alle verheiratet, sondern durch die geringe Fruchtbarkeit. Diemeisten jetzt lebenden Wilden können auch nicht mit Kultur-völkern in früheren Stadien verglichen werden, obschon sie ihnenoft gleichgestellt werden, sondern sind wie die Überreste einersonst ausgestorbenen Tierwelt, die der Zoologe hier und da ent-deckt, zu betrachten. Sie gehören einer vergangenen Weltordnungan und haben keine Zukunft. Als Menschen haben sie gleichwohl,im Gegensatz zu den Tieren, ein gewisses Gleichgewicht zwischenVolksmehrung und Spielraum der Ernährung aufrecht zu erhaltengesucht, dies ist aber ausschließlich durch Beschränkung der Ge-burten mittels Fruchtabtreibung und dergl. geschehen. Anderehöher veranlagte Völker, die späteren Kulturvölker, haben anStelle dieses Ausweges zur Erweiterung des Spielraumes der Er-nährung gegriffen. Von Sammlern sind sie dazu übergegangen,Arbeiter zu werden.
Folg'en wir den Kulturvölkern weiter von ihrem Kindheits-alter bis zu ihrer Jugendzeit, oder dem Alter, das man „Mittel-alter" nennt, so finden wir sie in unablässiger Kulturarbeitbegriffen, die eine Vermehrung des Spielraumes der Ernährung,oft in der Form von Eroberung, zum Zwecke hat; gleichzeitighaben sie sich aber Sitten und Einrichtungen gegeben, die dieHandlungsfreiheit des Einzelnen stark unterbinden und ihm dieVerantwortung für die Familie und die Kinder auferlegen. Des-halb ist trotz der großen Fruchtbarkeit die Nativität gering, indemeine Menge Personen durch positive Gesetze oder infolge vonSitten- und Standesvorstellungen davon abgehalten werden, sichzu verheiraten. Gleichzeitig ist infolge der größeren Dichtigkeitder Bevölkerung und der vielen Seuchen die Sterblichkeit imVerhältnis zu der vorhergehenden Periode eher größer als kleiner.Die Volksvermehrung ist daher ganz klein, vor allem aber un-geheuer wechselnd. Die Volkszahl wird zwischen relativer Über-völkerung und starkem Volksmangel hin und her geworfen.Als Illustration hierfür soll die Einwohnerzahl von Zürich in ver-schiedenen Zeiten angeführt werden 1 ). Im Jahre 1467 betrugsie ungefähr 50000, stieg hierauf am Schlüsse dieses Jahrhunderts
1) Nach v. Inama-Sternegg im Handwörterbuch der Staats Wissen-schaften Art. Bevölkerungswesen, 2. Aullage, S. 665. Ebendaselbst werden mehrereähnliche Beispiele erwähnt.