wissem Grade ein Resultat der Selbstbestimmung des Menschen,zwar nicht individuell und in ihren Verläufen, aber kollektiv undbetreffs ihres allgemeinen Vorkommens. Die Mächte, welche aufdiese Weise die beiden Hauptereignisse des Lebens und damitdie Volksmehrung beeinflussen und umgestalten, sind, wie ebengenannt, die Kultur und das Zusammenleben. Durch die ersterewird die Gelegenheit zu Ernährung und Auskommen vermehrt,wodurch immer mehr Spielraum bereitet wird, Familien zu stiftenund Kinder zu gebären, vor allem aber wird dank ihr die Machtdes Todes gebrochen. Andererseits werden die Geburten durchSitten und Einrichtungen, darunter in erster Reihe die Monogamieund die Verpflichtung der Versorgung der Nachkommenschaft,ferner durch die soziale Organisation der Gesellschaft und durchden Wunsch, einen höheren Stand zu bewahren u. a. m. in ent-gegengesetzter Richtung beeinflußt. Dies alles zusammen be-wirkt, daß Generationswechsel und Vermehrung bei den Menschenetwas ganz anderes sind, als bei den Tieren.
Wenn wir nun nach diesen einleitenden Betrachtungen zuerkunden suchen, wie die Volksmehrung auf niedrigerer Kultur-stufe faktisch vor sich geht, so sind wir auch hier meistenteilsgezwungen, es bei allgemeinen Urteilen zu belassen. Denn ob-schon in den alten Zeiten, z. B. in Ägypten und dem römischenReich, fleißig Statistik getrieben wurde, so kennen wir dochjetzt nichts mehr davon. Unsere nähere Bekanntschaft mit diesenDingen ist kaum hundert Jahre alt und gilt nur für die amhöchsten stehenden Kulturvölker der Gegenwart. Aus allgemeinbekannten Verhältnissen und vereinzelten Angaben aus ältererZeit können wir uns jedoch eine ungefähre Vorstellung davonmachen, welcher Art die Volksmehrung auf diesen Kulturstufengewesen ist und noch ist.
In der Kindheit der Kulturvölker stand mutmaßlich einersehr großen Nativität eine wenig oder garnicht geringere Sterblich-keit gegenüber. Die große Nativität beruhte nicht allein darauf,daß alle verheiratet waren oder in geschlechtlichem Verkehr lebten,sondern auch auf der großen Fruchtbarkeit jeder erwachsenenFrau. Dies Verhältnis ist ein anderes als das bei jetzt lebendensogenannten wilden Völkern herrschende. Unter diesen ist dieSterblichkeit zwar groß, die Nativität aber, außer bei verschiedenenNegerstämmen, gering; ihre Menge nimmt deshalb meistens abund sie sterben allmählich aus. Die geringe Nativität wird jedoch