Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Die allgemeine Regeneration und der Neomalthusianismus.
Die Lehre von Malthus. Obschon der Neomalthusianismusund das Zweikindersystem sich innerhalb des Adels Schwedensnoch keine große Anhängerschaft erworben hat, eine ganz un-bedeutende jedenfalls im Verhältnis zu dem, was vielfach in anderenLändern der Fall ist, will ich doch das letzte Kapitel dieser Ar-beit jener Zeitfrage widmen; denn sie ist bei uns wie bei anderenVölkern immer mehr im Fortschreiten begriffen. Um uns jedochsowohl die Ursachen dieser Bewegung wie die Bedeutung der-selben für die allgemeine Regeneration klar zu machen, müssenwir erst die Lehre in Betracht ziehen, aus der sie sich ihretheoretische Stütze holt — die Volksvermehrungslehre vonMalthus, oder richtiger gesagt, die Theorie, die seinen Namenträgt; denn was ihr Begründer persönlich gesagt hat, hat indiesem Falle, wie in anderen ähnlichen, ein mehr historisches alswissenschaftliches Interesse.
Der Inhalt der berühmten Lehre von Malthus läßt sichauf zwei Sätze bringen: i. die Menschen vermehren sich,ihrem Naturtrieb folgend, schneller, als die Nahrungsmittel zu-nehmen können; 2. hierdurch muß eine stetige Übervölkerungentstehen, deren fortgesetztem Wachstum nur Elend und vor-zeitiger Tod eine Grenze setzen, — falls die Vernunft der Menschennicht freiwillig den Naturtrieb der Fortpflanzung zügelt. — Wiebekannt ist diese Lehre, die fälschlich eine Bevölkerungslehregenannt wird, da sie nur eine Theorie für die Volksvermehrungist, der Gegenstand eines Streites zwischen Gelehrten und Un-gelehrten gewesen, und ist es heute noch. Es sind jedoch sogut wie ausschließlich die Nationalökonomen gewesen, die dafüroder dagegen zu Felde gezogen sind. Statistiker haben sich nur
Fahlbeck, Der schwedische Adel. 20