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Der Adel Schwedens (und Finlands) : eine demographische Studie
Entstehung
Seite
301
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Das Aussterben der Geschlechter. Die vorhergehende Dar-stellung hat gelehrt, daß die Standeszirkulation augenblicklich,und wohl auch noch für eine lange Zeit, keine wirkliche Zir-kulation, sondern vielmehr eine einseitige Aufwärtsbewegung, einÜbergang von den niederen Klassen der Gesellschaft zu denhöheren ist. Die natürliche Folge dieses sozialen Aufrückensohne entsprechende rückwärtsgehende Bewegung sollte eine un-unterbrochene Zunahme der genannten höheren Klassen an Um-fang und Anzahl sein. Aber dies ist, wie wir wohl wissen, nichtder Fall. Die sogen, gebildete Klasse ist in allen Staaten undzu allen Zeiten im Verhältnis zur ganzen Masse des Volkes sehrgering an Zahl, sicher niemals mehr als 57 °/ 0 und oft bedeutenddarunter, gewesen J ). Zweifellos wächst sie mit steigender Kulturetwas stärker als das Volk in seiner Gesamtheit, aber nur lang-sam und nie über eine gewisse für jede Gesellschaft und Zeit an-gemessene Grenze hinaus. Dieser Umstand kann, besondersAvenn man an den starken Zufluß von unten und dazu an dasausgeprägte Gleichheitsstreben der Gegenwart denkt, wunderbar er-scheinen. Warum sollten nicht viel mehr derselben höherensozialen Stellung teilhaftig werden können? Ja, warum zu guter-letzt nicht alle? Wir haben jeder eine Antwort hierauf zur Fland,daß wir alle verhungern müßten, wenn keiner pflügen und säenwollte. Aber der tiefere Grund dieses Dmstandes dürfte gleich-Avohl vielen entgehen. Denn er ist in der Technik der Kultur-arbeit und dem Charakter der Gesellschaft als Organismus zusuchen. Nichts zeigt diesen ihren Charakter deutlicher als dieeben angeführten Verhältnisse. Zwischen den Kopfarbeitern undden Handarbeitern muß eine gewisse Proportion herrschen. Ober-und Unterbau in der Gesellschaft müssen wohl abgemessen sein;sonst sind die Folgen unberechenbar. Die Gestalt des Gesell-schaftsbaues muß die Pyramide sein, mit großen Volkslagern ander Basis und ganz kleinen an der Spitze. Eine solche Ver-änderung hierin, daß der Unterbau relativ schwach und derOberbau relativ groß rvird, ist gefährlich. Es führt zur Armutin allen Schichten der Gesellschaft und zu der Gefahr eines Um-sturzes des Ganzen. Dies ist der Grund, rvarum die gebildeteKlasse in einer gesunden Gesellschaft niemals stark anwächst

1) Stand och Klasser, S. 54 ff.