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Mann und Frau ist für die Entwickelung des Menschengeschlechtesin der Kultur kaum weniger bedeutungsvoll als die physischefür den Bestand desselben. Der Unterschied zwischen jener unddieser ist vor allen der, daß während die letztere naturbestimmtund unveränderlich, die erstere mehr schwebend ist und nachInhalt und Umfang mit den Zeiten wechselt. So finden gerade inder Gegenwart starke Verschiebungen betreffs des Arbeitsgebietesder Frau statt. Diese heben jedoch die Grenzen des verschiedenenWirkungsgebietes der Geschlechter nicht auf, sie versetzen nurdie alten Flursteine und stellen neue auf.
Ganz natürlich hat die Statistik schon von Anbeginn ihreAufmerksamkeit auf die Geschlechtseigenschaft und die Ge-schlechtsverteilung gerichtet gehabt. Sie hat die Geschlechtersowohl mit Rücksicht auf die soziale Arbeitsteilung zwischenihnen, wie vom Gesichtspunkte der Fortpflanzung und des Ge-schlechtslebens aus beobachtet. Die ältesten statistischen An-gaben, die wir kennen, betreffen die Anzahl waffenfähigerMänner. In der Gegenwart betrachtet man das Geschlecht vonbeiden Gesichtspunkten aus, zuerst aber vom physischen, welcherder grundlegende ist, und dann vom sozialen. Die großenimmerwährenden Veränderungen in der Stellung der Frau beiden zivilisierten Völkern hat der Statistik der weiblichen Arbeitein besonderes Interesse verliehen. In der vorliegenden Studieüber den Adel ist indessen der Hauptgesichtspunkt — und indiesem Kapitel der einzige — das einfache Zahlenverhältnis derGeschlechter, also die physische Seite dieser Eigenschaft.
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Das Gleichgewicht der Geschlechter. Die erste Beobachtung,die man, nachdem man aus wissenschaftlichem Interesse Zahl undMaß der Menschen zu suchen begonnen hat, zu machen glaubte,war die, daß die Geschlechter im reifen Alter gleichstark seien.So fand Süßmilch, daß auf 100 Mädchen mit großer Regel-mäßigkeit etwa 105 Knaben geboren würden, daß die Sterblich-keit aber auch unter den Knaben größer sei als unter denMädchen. Hieraus schloß er, daß Männer und Frauen, wenn sieins heiratsfähige Alter gekommen sind, gleich zahlreich seien unddaß Gott somit selbst dafür gesorgt habe, daß jeder Mann eineGattin und jede Frau einen Gatten erhalten könne. Die nach