Dreizehntes Kapitel.
Das Geschlecht.
Das Geschlecht als natürliche und statistische Eigenschaft.
Von allen Eigenschaften des Menschen und der Menschenmassen,die die Demographie beschreibt und mißt, ist das Geschlecht dieerste und allgemeinste. Der Mensch ist eine Abstraktion, dieniemand mit eigenen Augen gesehen hat; der Mann und dasWeib sind die einzigen Wirklichkeiten. Das Geschlecht teilt dieMenschen in zwei verschiedene, aufeinander angewiesene Wesenein. Der Zweck oder, wie man es nehmen will, die Wirkungdieser von der Natur gegebenen Zweiteilung ist eine für dasMenschengeschlecht notwendige Arbeitsteilung.- Diese Arbeits-teilung, die auf der niedrigsten Stufe der Geschöpfe beginnt,steht in erster Reihe im Dienste der Art. Die Fortpflanzungund die Pflege der Nachkommenschaft hat die Natur auf dieseWeise auf verschiedene Individuen verteilt. Hierauf beschränkensich jedoch die Verschiedenheiten der Geschlechter und ihreverschiedenen Aufgaben in der Welt des Menschen nicht;die von der Natur gegebene physische Arbeitsverteilung gehthier in eine soziale über. Die physischen Unterschiede zwischenMann und Weib sind kaum geringer als die physiologischen.Deshalb haben die beiden Geschlechter zu allen Zeiten in derFamilie und im Hause, in der Gesellschaft und im Staate ver-schiedene Aufgaben gehabt. Zuweilen wird dieses Faktum einzigund allein als ein Werk der Stärke und als ein aufzuhebendesUnding dargestellt. Die Phantasien des 19. Jahrhunderts überdie ursprüngliche und zu wünschende Stellung der Geschlechterzu einander haben jedoch kaum einen größeren Wert als diedes 18. Jahrhunderts über den Ursprung der Gesellschaft so-wie deren Zukunftsideal. Die soziale Arbeitsteilung zwischen
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