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Der Adel Schwedens (und Finlands) : eine demographische Studie
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Hysterie und Trunksucht bis zur Sterilität, Sechsfingrigkeit undmehr dergleichen angewendet. Aber nicht zufrieden hiermit,haben mehrere Verfasser sowohl den geborenen Verbrecher wiedas Genie unter die Degenerierten einrangiert. Besonders Lom-broso hat diese Anschauung in Schwung gebracht 1 ). Von derWissenschaft ist dann der Begriff der Degeneration, meist jedochin seiner älteren und ursprünglichen Fassung, in die Literaturübergegangen. Bei dem Geschmack der Zeit für das Sensationellehaben sich kleine und große Moralisten und Dichter mit Vorliebeauf den neuen Stoff geworfen. Und es ist eine große Literaturentstanden, die das Thema der Degeneration ebenso in allen Ton-arten variiert, wie sonst das der Liebe.

Allein hier, wie überall, ist die Reaktion der gesunden Ver-nunft den Übertreibungen auf dem Fuße gefolgt. Schon vieleStimmen haben sich gegen die Theorien eines Moreau de Tours,eines Lombroso erhoben 2 ). Ich persönlich möchte hierzu nurbemerken, daß, wenn alle stark entwickelten Variationen unterden Menschen als Degenerationsphänomene betrachtet werdenmüssten, nur die graue Mittelmässigkeit als der gesunde und nor-male Mensch dastehen würde. Dies ist Quetelets Vkomme moyen,der Durchschnittsmensch, in einer neuen Gestalt. Aber so wieder letztere von der Wissenschaft als eine Abstraktion ohneRealität verworfen worden ist, so muß auch dieser neue Normal-mensch in das Gebiet der Theorie verwiesen werden. Variationensind unter den Menschen ebenso natürlich wie in der übrigenLebewelt und dürfen nur in den Fällen als Degenerationssymptomegestempelt werden, wo sie wirklich eine Entwicklung zu physischemoder psychischem Untergang bezeichnen. Im übrigen ist dieWissenschaft noch, weder mit bezug auf den Inhalt oder denUmfang des Begriffes, im klaren, was eigentlich unter Degene-ration zu verstehen ist. Sicherlich werden jetzt allerlei ver-schiedene Erscheinungen durcheinandergemischt, die auseinander-gehalten werden müssen. So muß nicht allein der Übermenschdes Genies, sondern wahrscheinlich auch der Untermensch desVerbrechers hiervon ausgeschlossen werden. Der letztere ist wohl

1) L'Uomo delinquente, i. Aufl., 1875, u. m. Arb.

2) Siehe besonders A. Odin, Genese des grands Hommes, Paris 1895,Bd. I, 248 ff. eine zwar schwer lesliche, aber gründliche und trotz einzelner Irr-tümer vortreffliche Arbeit, die es verdient, von allen denen gelesen zu werden, diesich für diese Probleme, darunter auch Erblichkeit, interessieren.