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Sterben die Geschlechter nur scheinbar aus? Nach dervorhergegangenen Darstellung kann eine Frage, wie diese, selt-sam erscheinen. Manche Schriftsteller haben jedoch unter Be-tonung gewisser Momente, die in der Frage des Aussterbens derGeschlechter gewöhnlich nicht genügend beachtet werden, eineähnliche Behauptung aufgestellt. Es ist deshalb nötig, auch dieseFrage hier zu prüfen.
So führt man an, daß die historischen Geschlechter, wennsie auch in ihren legitimen Zweigen aussterben, doch wahrschein-lich in unehelich geborenen Linien fortleben. Es ist wiederde Candolle, der mit richtiger Umsicht diese Einwendung, diein scheinbarem Gegensatz zu seinen früheren Äußerungen indieser Sache steht, erhebt; später ist sie auch von anderen Schrift-stellern gemacht worden. Diese Anmerkung hat, wenigstens teil-weise, ihre volle Richtigkeit. Es gibt oft neben der legitimenNachkommenschaft eine natürliche, die sehr gut fortleben kann,während die erstere ausstirbt. Gehört, was ja selten eintrifft, dieaußer der Ehe geborene Nachkommenschaft dem höheren Standedes Vaters an, so muß sie allerdings mit allem Recht als eineFortsetzung des Geschlechtes betrachtet werden; sie fällt aberdann unter die Kategorie der historischen Geschlechter, und dieoben genannte Anmerkung zielt nicht auf diese Fälle hin. Sie be-trifft die grosse Menge unehelich Geborener, die der Masse desVolkes angehören und hier, unter anderen und einfacheren Ver-hältnissen lebend, das Geschlecht lange, nachdem es aus denReihen der bekannten Geschlechter ausgeschieden ist, am Lebenerhalten können, worüber wir jedoch gewöhnlich in Unkenntnisschweben. Dieses Verhältnis darf indessen auf unsere Auffassungvon dem Aussterben der historischen Geschlechter keinen Einflußgewinnen, denn bei einem Studium, das ausschließlich diese Ge-schlechter zum Gegenstande hat, sammelt sich das Interesse umdie Frage, ob Familien, die unter denselben sozialen Verhält-nissen leben, wie die historischen Geschlechter es gewöhnlich tun,endigen oder nicht. Inwieweit irgend ein Zweig dieser Ge-schlechter, durch uneheliche Geburt in anderen Gesellschafts-schichten und anderen sozialen Verhältnissen fortgesetzt, dort fort-lebt, hat zu erfahren unzweifelhaft auch seine Bedeutung, ist abereine Sache für sich, die auf die Frage, ob die Geschlechter inihrer Stellung als historische Geschlechter aussterben, keinen Ein-fluß hat. Dieser Einwurf gegen das Aussterben der Geschlechter