Wie selbstverständlich nun dieser Schlußsatz zu sein scheint,so hat doch ein bekannter Gelehrter, Alph. de Candolle, wennauch nur ganz nebenbei und ohne es vielleicht so genau zu be-denken, im Gegenteil erklärt, alle Geschlechter müßten aussterben.Zwar nur von den bekannten oder historischen Geschlechternsprechend, sagt er, daß sie mit der Zeit ganz einfach deswegenaussterben müßten, weil nicht alle Männer männliche Nachkommenhinterlassen, die das Geschlecht weiter führen, und daß maninfolgedessen durch Wahrscheinlichkeitsberechnung die Ordnung"bestimmen könne, in welcher sie erlöschen werden 1 ). FrancisGalton, der mit rühmenswertem Eifer die Frage aufgenommenhat, hat durch Sachverständige die eben genannte Absterbe-ordnung, oder in welchem Umfang die Geschlechter unter ge-wissen Voraussetzungen aussterben müssen, zu ermitteln versucht 2 ).Geht man von z. B. iooo Stammvätern aus, die zu einem gewissenZeitpunkt Familienamen angenommen haben, und nimmt dannan, daß von diesen Männern sowie später von deren männlichenSprößlingen in den folgenden Generationen 1 j 3 keine männlicheNachkommenschaft erhält, die ein reiferes Alter erreicht, möge diesdurch Cölibat oder nur weibliche Nachkommenschaft oder männ-liche, die vorzeitig stirbt, verursacht sein, ^ einen Sohn und J | gzwei Söhne bekommt, die ein reiferes Alter erreichen, so ist dasResultat folgendes. Von den ursprünglichen iooo Geschlechternoder Namen verschwinden in den fünf darauf folgenden Gene-rationen successive: 333, 148, 90, 60 und 44, oder zusammen 675Geschlechter. Die Anzahl verschwundener Namen wird mit jederGeneration immer geringer, aber die Tendenz ist das Erlöschenaller, was jedoch unter den gegebenen Voraussetzungen niemalserreicht wird. Diese enthalten nämlich die Bedingung, daß dieganze Volkszahl konstant bleibt. Nimmt man wiederum an, daßdiese sich vermindere, so wird der Abgang in jeder Generationgrößer und kann da mit dem Aussterben aller insgesamt enden;
1) Au milieu des renseignements precis et des opinions de nom-breux statisticiens je n'ai pas rencontrd la reflexion bien importantequ'ils auraient du faire de l'extinction inevitable des noms de famille. —
— — Evidemment tous les noms doivent s'eteindre. — Unmathe-
maticien pourrait calculer comment la reduction des noms ou titresaurait lieu, d'apres la probabilite des naissances toutes feminines outoutes masculines ou melangees et la probabilite du defaut de naissancedans un couple quelconque; Histoire des Sciences etc., p. 158.
2) Natural Inheritance, London 1889, p. 241 ff.